Mittwoch, 25. September 2024

Dancing in September (Mix-o-Mania)

Bevor wir zur obligatorischen Rutsche an Breakbeat-Geschepper, Reese-Bassline-Gebrumme usw. kommen, seien die eineinhalb Stunden Musikauswahl von The Jesus Lizard beim NTS Radio genossen. Es gab alles mögliche von Swans, über die Young Gods, über Motörhead bis Roxy Music oder die Allman Brothers zu hören.

Wenn's um Four-to-the-Floor-Musik, verschiedene Techno-Spielarten, Industrial usw. geht, ist man im Krach-und-so-Haushalt ja tatsächlich nicht unbedingt abgeneigt, aber doch sehr picky. 
Da ich langjähriger Godflesh-Fan bin landet jedes neue Mix von Justin Broadrick unter seinem JK Flesh Alias aber natürlich grundsätzlich in der Playlist:


Von da ist's dann jetzt auch nicht mehr so weit zu Enduser, von dem man in jüngerer Vergangenheit trotz Albumankündigung vor einer ganzen Weile irgendwie nicht mehr so viel gehört hat.
Immerhin hat er zwei etwas ältere Mixe mit u.a. auch unveröffentlichtem Material seiner Industrial-Drum'n'Bass-/ Breakcore-Musik zu "Name Your Price" bei Bandcamp hochgewuppt, und das kann man sich dann auch mal geben:



Auf der Suche nach dem möglicherweise audiovisuell konservierten DJ-Set zu Rozzer's aktuellen Release, welches es dann aber auch doch "nur" in Form eines zweistündigen Soundcloud-Mix gab...  



...bin ich dann außerdem darüber gestolpert, dass
 Mina & Silva Snipa neulich bei der BIO-TECH Radio Show ein "All Vinyl"-Set spielten, und Vinyl-Sets teilen wir hier immer gerne:


Eine seit einiger Zeit up and coming DJane auf der Insel des Vereinigten Königreichs, über deren Namen ich in jüngerer Vergangenheit mal öfter gestolpert bin ist Abby Daze.
Sie taucht z.B. gelegentlich schon mal bei Planet Wax auf und hat 'ne monatliche Sendung beim Thames Delta Radio.
Dort wurde sie zuletzt von Yasmine unterstützt, als man in Dubstep-Regionen startete und über einen kleinen Umweg dann noch im wilden Jungle landete. Sowas bockt!


Apropos Planet Wax: Mit Friske und J:Kenzo schauten dann auch mal wieder zwei ziemliche Hausnummern rein und ein junger Newcomer namens Moscow T tat ein cooles Jungle-Vinyl-Set obendrauf.


Jungle/ Drum'n'Bass von Vinyl gab's letztes auch im und aus dem belgischen Kiosk Radio von Flame, kudos:


Mit der eher zufällig gehörten und total bockenden August-Ausgabe wusste sich außerdem "Ruffneck Ting with Dazee" plus monatlichem Gast beim Rinse.fm Netzwerk direkt in die Liste der Broadcasts zu katapultieren, die ich jetzt regelmäßiger zu checken versuche.
Die September-Ausgabe mit Gen-Z halt ebenfalls wieder Spaß gemacht, zwischen Rollern und Party-Tunes, soulfullen Vibes, Ragge-/ Dub-Schlagseiten und 
zwischendurch auch so ein bisschen auf die Zwölf.


Zwei coole Sachen beim Dublab letztens hätten wir passend zu all dem auch noch:

1.) „Veteran DJ, music journalist, and rave scholar Star Eyes connects the dots between electronic music past, present and future with a special emphasis on deep subs, urban bass from around the world, and the many mutations of the hardcore continuum. Plus, special guests, party reports and preview clips of the Rave to the Grave podcast. 
This month, Star Eyes recreates her recent set supporting drum ‘n’ bass legend Goldie on his 30 years of Metalheadz tour for L.A.’s Lights Down Low party. The set wasn’t recorded but Star Eyes revisits it here with two hours of fun and rollicking drum ‘n’ bass and jungle flavors, from brand new cuts to stone-cold classics.“


2.) Richard Fearless presents Metal Box, broadcast from his shipping container studio situated on the peninsula of land between the River Thames and the River Lea in London’s East End. Fearless’ career as a DJ, founder of cult band Death in Vegas, and head of the independent label Drone have cemented Fearless’ reputation as a diverse maker and renowned digger. Expect a deep love of underground electronic music, with Fearless in the mix and the odd guest stopping by.
On this month’s Metal Box, Richard Fearless delivers an hour of haunting Dub Futurism and then French Jungle superstar Saku Sahara finishes off the show with an exclusive mix of bass music from jungle, dnb, dubstep and a few hybrids between.“


Auch bei der monatlichen Rupture Radioshow via NTS gibt's nicht jedes mal das gleiche, sondern in der aktuellsten Ausgabe auch mal groovy-dubsteppiges von und mit Mantra b2b V.i.v.e.k.:



Da fiel mir ein, dass ich länger keinen der "Bass Music"-Broadcasts des belgischen Ehepaars The Untouchables beim Black Rhino Radio mehr gehört hatte, ihren reduziert-dubbigen Halftime-Drum'n'Bass aber generell ganz gerne mag, also wurd's mal wieder Zeit:


Wer last but not least dann noch Bock auf "dark and deep" Drum'n'Bass und die zeitlichen Kapazitäten hat, sich das auch noch reinzuziehen, für den/ die hätten wir auch noch mal eben zwei Stunden DJ Trace im Angebot:


Freitag, 20. September 2024

Herbstbeginn-Review-Rampe '24

Ja doch, schon wieder Platten kaufen. Dauernd neue Platten kaufen...

Dieses mal: Eine gemischte Tüte an sogar doch mal wieder krachigem Rock und auch  Drööööhn'n'Gröl, außerdem allerdings natürlich einer abendfüllenden Sammlung an sowas wie Tanzmusik und weirderen Elektroniker-EPs.

Demdike Stare X Dolo Percussion - Dolo Ds
(DDS)
"Dolo Ds" kam eigentlich schon im Mai raus, aber Demdike Stare ist traditionell ein Act, bei dem ich immer so'n bisschen verzögert hinterher bin...
Ihre 
Feuilleton-gehypten Dark-Ambient-/ Dub-Techno-/ "Witch House"-Frühwerke habe ich mir dann zwar trotz Interesse seit damals irgendwie doch nie wirklich ins Plattenregal geschoben, aber als ich ihre aus sieben 12" Singles bestehende "Test Pressings" Serie der Mittzehner für mich entdeckt hatte, die u.a. auch verstärkt mit groben Jungle-Einflüssen und 
rauen Noise-Schlagseiten spielte, wurde ich doch noch mal so ein bisschen Fan. 
Diese Veröffentlichung ist wohl ebenfalls als Teil einer neuen Serie zu sehen, in deren Rahmen weitere Kollaborationen mit Andrew Field-Pickering alias Dolo Percussion (alias Max Dumbar), welcher vor allem für Drumcomputer-Jams bekannt ist, folgen sollen.
Die drei Track von "Dolo Ds" scheinen jedenfalls eher so ein bisschen an den "Test Pressings" anzuknüpfen als an den atmosphärischeren Seiten von DS, denn die Rhythmusmaschine bollert sich gröber und weirder mit viel Bassbumms durch's Material.

The Jesus Lizard - Rack
(Ipecac)
Ein neues Jesus Liz-Album in klassischer Besetzung war wohl nicht wirklich was gewesen, das ich für 2024 auf der Rechnung gehabt hätte. Aber es ist wie es ist: Ich bin ein alternder Krachfetischist, für den die Rückkehr einer aus noch älteren Wahnsinnigen zusammengesetzten Noiserock-Legendentruppe (zweieinhalb Dekaden nach dem letzten Album!) zu den freudigsten Ereignissen des Jahres gehört. Musik aus der altehrwürdigen AmRep-/ Touch & Go-/ Trance Syndicate -Ecke ist halt einfach etwas, das bei mir wirklich immer geht und für immer gehen wird.
Und zugegeben: Stünde ein anderer Bandname auf der Platte wäre ich mir nicht sooo sicher, ob ich solch angeschrägten Rock'n'Roll und zähen Handbremsen-Rock 2024 hätte haben müssen. Aber das hier ist halt das Original. Und da, wenn wir über Originale reden, Killing Joke (RIP Geordie), Shellac (RIP Steve Albini) und Neurosis höchstwahrscheinlich Geschichte sind, meine geliebten Voïvod (RIP Piggy) und die hochgeschätzten Unsane inzwischen auch schon zu sowas wie Coverbands ihrer selbst wurden, Eisenvater sich mit ihrem neuen Album unfassbar viel Zeit lassen, es in diesem Leben wohl zu keiner Fudge Tunnel Reunion kommen wird und die Melvins einem das Fan sein auch nicht immer so ganz einfach machen, stand der Weg für The Jesus Lizard sehr, sehr weit offen, über so manchen Nachrückplatz in die Riege der besonderen Altherrenkrachmacher-Bands rauf zu springen, die im Krach-und-so-Haushalt auch dieser Tage noch besonders goutiert werden.
Was den musikalischen Inhalt angeht bietet "Rack" natürlich keine wirklichen Überraschungen, und irgendwie ist mir jetzt auch nicht so wirklich danach, mich im Detail über die elf Songs des Albums zu ergehen. 
Die Produktion ist die genau adäquate Mischung aus relativ transparent und dennoch rau und schroff genug, Frontmann David Yow windet sich irrsinnig in der Musik herum wie eh und je.
Musik, die gleichermaßen ein bisschen unbequem, und dennoch auch nostalgische Komfortzone ist. Ich find's gut!

Ord Cannon - Foreshots
(Eigenvertrieb)
Man kennt 
Malte und Michael von den mächtigen Black Shape of Nexus und deren leider nur kurzlebigem Nachfolge-Erdbeben Bellrope. In Sachen metallischen Megamassiv-Krachs sind "Negative Black" und "You Must Relax" ja wirklich zwei meiner absoluten All-Time-Lieblingsalben der letzten zwölf Jahre. Das im Kontext ungewöhnlicher rockende 'Facepunch Transport Layer' oder das coole Helhammer-Cover sollte man sich ebenfalls mal gegeben haben und es gab von B.SON ferner 'nen Release, der sich gänzlich im Drone/ Noise erging, was ich erwähne, weil mir ein Wille zu Experimenten grundsätzlich sympathischer als generisches abliefern, und die Spannweite von Tom-Warrior-Worship bis Weirdness-Soundscapes dann ja doch auch irgendwie total mein Ding ist.
Vorfreude hierauf war also angebracht und eine gewisse Erwartung gerechtfertigt. 
Und die zwanzig Minuten von "Foreshots" sind auch fiesester, abgründigster Drone-Noise-Doom mit 'nem Hauch von Industrial, der einen in dieser Konsequenz wirklich gerne mit in diese Hölle hinabsteigen lässt.
Digital ist das Teil draußen, eine Tape-Version kommt in ein paar Wochen und eine Vinyl-Veröffentlichung irgendwann schließt man nicht aus.


Rozzer - Heavy Mist
(
Offish Productions)
Das polnische Label Offish Productions war neulich irgendwann schon mal auf meinem Radar aufgeblinkt, als der Mainzer Dreadmaul an einem Release beteiligt war.
Sympathisch: Man fährt eine Komplettbedienung aus "Name your Price"-Downloads, Kleinauflagen gar nicht mal so teuer kommender Lathe-Cut-Platten, CD-Versionen und günstigen Bundles. 
Ganz neu ist eine inzwischen ausverkaufte 10" mit drei Tunes von Rozzer, die in der Digital-/ CD-Version s
echs Originale und fünf Remixe enthält. 
Der auf diesen Blogseiten nicht zum ersten mal auftauchende Matthew "Rozzer" Rozeik wiederum ist ein Tausendsassa, der einst in der instrumentalen Prog-Metal-Band Astrohenge spielte, sich mit deren Quasi-Nachfolgeduo Necro Deathmort dann von Industrial-Drone-Doom immer mehr zu Dark-Ambient und neokrautigem Experimental-Techno weiterentwickelte und jüngst auch noch mit The Cortina Protocol eine düstere Fusion-Jazz-/ Krautrock-Band an den Start brachte, nebenbei dann auch noch mal eben obendrauf als Rozzer Musik in Jungle-/ Drum'n'Bass-/ Techstep-Gefilden fabriziert. 
Dazu, warum das "Heavy Mist" Material einfach direkt wie doppelt und dreifach für mich gemacht ist, weiß ich gar nicht wo ich anfangen und aufhören soll, jedenfalls konnte ich nicht anders, als mir direkt das 10" Lathe Cut + CD Bundle zu schießen.
Und Rozzer demonstriert hier eine Kerndisziplin des durchaus weiter gefassten Genres ziemlich gut: Die Kunst, im Rahmen einer eher simplistischen und dennoch Flächen ausweitenden Soundpalette was irgendwie komplex zusammengefügtes zu machen. Genau sowas ist die Art von Drum'n'Bass, welche die eigentliche Fight-Club-Oberliga ist (im Gegensatz zum aktuellen Mainstream an "Neuro"-Hartgebratze, "Dancefloor"-Plastiksound, "Junp-Up"-Albernheiten und ähnlichem).
So enthält die 10" mit der Eröffnungsnummer "Miele" auf der A-, und dem sehr coolen "Paradigm Shift" in der Original- sowie einer Remix-Fassung von Mr. Offish himself auf der B-Seite auch über drei Tracks genau die Art von Photek-geschultem, kühl knallendem Dunkel-Drum'n'Bass, mit dem man mich halt wirklich echt immer kriegt. 
Die CD-Version kommt wie schon gesagt mit weiteren Originalen (auch sehr geil: Das wild tackernde "Covert Shizoid", die Halftime-Pumnper "On The Tracks" und "Lightrunner Dub" und der scheppernde Titeltrack!) und vier weiteren Remixen (darunter ein richtig derber zum Titeltrack von Rozzer selbst).
Geiles Dingen! Ein richtiges Vinyl- bzw. 2LP-Album oder sowas wär' vielleicht irgendwie noch geiler gewesen, aber trotzdem geiles Dingen!

Senses - Tempus Devorat Omnia
(Curvature)
Senses - Into The Underworld
(Repertoire)
Veröffentlichungen von ASC und/ oder Kollegen auf seinen vielen Haupt-/ Sub-/ Schwester-Labels hatte ich in jüngster Vergangenheit eher so ein bisschen ausgeblendet, weil da einfach wirklich sehr, sehr viel kommt (z.B. letztens auch noch eine Ambient-Kollaboration mit Sam KDC auf Auxiliary, doppeltes auf Mindgames und via Spatial eh andauernd was...) - ein aktueller Gast-Release auf Curvature ließ mich dann aber doch mal wieder aufhorchen:
Seit zwanzig Jahren mischt der in Deutschland geborene und im Vereinigten Königreich lebende Han Schöneberger alias Sandy alias Senses in der DnB-Szene mit, und diese dabei mit seinem gelegentlichen Release auch schon mal so ein bisschen auf (auch wenn er zwischen '06 und '12 mal 'ne längere Pause hatte). Seine 2004er Debüt-EP "Darker Self" z.B. war mit wildesten Drum-Arrangements etwas ungewöhnlicherer Kram statt Standard-Floor-Bedienung, Split-Partner waren folgend dann schon auch mal geschätzte Marken wie EndUser oder LXC.
Auf 
"Tempus Devorat Omnia" schwingt er vier Tracks lang ziemlich im Spatial- / Curvature-typischen Vibe mit: Spaceig-atmosphärische Drum'n'Bass-Musik, deren Breakbeat-Arbeit dabei Track-weise auch schon mal etwas fetter und wilder tönen darf, es aber nicht durchgängig muss. Cool!
"Into The Underworld" wiederum ist tatsächlich schon seine zweite Veröffentlichung auf Law's Label Repertoire, die mehr oder weniger parallel (und parallel zu wiederum außerdem einer Law EP auf Curvature...) kam, nachdem mir die letztjährige "Pharsighted EP" bei Release irgendwie durchgegangen war. Der Vibe ist ähnlich, die Bausteine hier und da allerdings auch schon mal einen kleinen Hauch old-schooliger. Auch geil!

Speed Dealer Moms - Birth Control Pill
(Evar)
Auch "Birth Control Pill" ist schon seit Frühjahr raus, landete aber irgendwie erst später in meinem virtuellen Einkaufswagen.
Speed Dealer Moms ist nicht nur die Antwort auf die Frage „warum hört man von Aaron Funk alias Venetian Snares denn heute irgendwie nicht mehr so viel?“, sondern ebenfalls auf „was treibt John Frusciante von den Chili Peppers denn 
eigentlich, wenn er nicht von seiner Hauptband zu unsäglicher Seiermucke gezwungen wird?“.
Auf dem von Frusciante mitbetriebenen Techno-/ Jungle-Label Evar Records ging nämlich ihr Kollaborationsprojekt Speed Dealer Moms in die nächste Runde.
Zwei Tracks jeweils um die neun Minuten bieten Funk's 
Breakcore-Breakbeat-Irrsinn in Kombination mit Synthies und das funktioniert in diesem etwas eigenwilligen (verhältnismäßigen) Langformkompositionen-Modus im Spannungsfeld von Synth-Postrock bis IDM mit Hardterchno-Einsprengseln auch erstaunlich gut.
Die Platte kam jetzt nicht sooo günstig, sieht mit einer adäquaten SciFi-Optik aber obendrauf ganz geil aus.
Die „FFO: Aphex Twin“-Musikpromoter-Plattitüden u.ä. sparen wir uns.

Tim Reaper & Kloke - In Full Effect
(Hyperdub)
2024 ist offensichtlich ein guter Jahrgang für Jungle-/ Drum'n'Bass-Musik, sich in ihren verschiedensten Auswüchsen noch prominenter in (physischer) Langspielalbum-Form zu präsentieren. Ob Nia Archives' ungenierte Annäherung an Mainstream-Pop, Gremlinz & Jesta's Underground-Sounds-Exkursion auf Metalheadz, Outrage's Old-School-Charme oder Torn's kybernetischer Next-Level-Style, obendrauf auch noch ein Album der 4am Kru auf Streaming-/ Download-Plattformen, das beizeiten noch in physischer Form nachgereicht werden soll - an dieser Front passiert/e einiges interessantes und Spaß machendes durchaus auch im abendfüllenden Format.
Das zwanzig Jahre existente Elektroniker-Label Hyperdub, vor allem bekannt für 1st-Wave-Dubstep wie von der semi-anonymen Gallionsfigur Burial, veröffentlichte nun sogar erstmals überhaupt was in diesem Wurzel-Stil:
Eine Zusammenarbeit von der umtriebigsten Jungle-Revival-Speerspitze Tim Reaper und dem Australier Kloke, nachdem letzterer Anfang diesen Jahres sogar auch schon einen 3x12"-Langspieler auf Reaper's Label Future Retro London rausgetan hat. Ja, wir sind hier jetzt in den wirklich hyperkreativen Umfeldern unterwegs.
Über 8 Tracks bietet die auch als CD erhältliche 2LP "In Full Effect" das ungefähr erwartete:
Man orientiert sich eher an etwas altbackenen Mittneunziger-Jungle-/ Drum'n'Bass-Stilmitteln und -Sounds und bleibt dabei meistens auch im 160-BPM-Bereich, dreht das dann wiederum aber mit der druckvollen Produktionstransparenz zusammen, die 2024 möglich ist.
Es gibt wild um sich schlagende Tunes mit leicht experimenteller Kante (das flottere, heftigere "Blood Pressure" ist wahrscheinlich mein Fave des Materials) und es gibt Tunes, die soulfullen Rave-Schlagseiten nachgehen.
Ob 
"In Full Effect" in einigen Jahren mal in Listen zu finden sein wird, die retrospektiv die signifikantesten Langspielveröffentlichungen des Jungle-Revivals und Drum'n'Bass-Wiedererstarkens dieser Tage zu dokumentieren versuchen, das wage ich mal nicht zu prognostizieren. Wenn es allerdings mal derartige Musik mit bewusstem nostalgischen Schulterblick zu ihrem Golden Age in dennoch zeitgenössischem Lifting sein darf, dann haben Tim Reaper & Kloke hier das eine, öffentlichkeitswirksam mal über 
ein anderes Label in die Welt gewuppte Teil produziert, das einem mit seinen Vibes durchaus den Herbstbeginn versüßen kann. 

V.I.V.E.K - Illusions Dub
(ZamZam 
Sounds )
Das hier geht nicht ganz ohne alberne Floskeln, also bringen wir eine: ZamZam Sounds schießen dieses Jahr echt aus allen Bongrohren. Und natürlich aus allen Soundsystem-Röhrenverstärkern. Im Frühjahr gab's geil groovenden Dubsteb von Traces, in den Sommer rein luftigen Dub-Techno von Hiss is Bliss, aus dem Sommer raus dann jetzt eine 7" vom Londoner Vivek Sharda alias V.I.V.E.K irgendwo dazwischen.
Jene bietet nämlich in zwei Versionen eine total geile 140-BPM-Nummer zwischen elektronischem Dub-Steppa und Dubstep mit vielleicht sogar 'nem Hauch von Industrial.
Megacool! Beide Seiten, aber für meinen Geschmack vor allem die "Raw Dub"-Version mit ihrem noch etwas kaputter scheppernden Snares. Wahrscheinlich eine meiner Lieblings-Singles des Jahres.
Wie immer: „No digital, no repress.“


Noch was? Honorable Mentions? Einkaufszettel-Nachrückplätze?

Dass DJ Trace & HLZ' aktuelle EP auf Metalheadz vor allem mit dem Trockenfett-Techstep-Klöppelbrumm des Titeltracks und dem dubbig durch Halftime-Regionen wabernden Digital-Bonustrack zwei ganz geile Nummern auffährt, das sollte nicht unerwähnt bleiben.
Zumindest vorerst durch's Raster fielen bei so viel Musik, die so viel Geld kostet, und so wenig Zeit das alles zu hören, weil inkl. eigener Musikaktivität so viele andere Sachen um die halbtauben Ohren, allerdings u.a. die neue Seefeel EP und aktuelle Alben von Castle, Die Nerven oder Melt-Banana
Könnte sein, dass ein oder zwei davon doch noch im virtuellen Einkaufswagen landen. Vielleicht aber auch nicht. We'll see.

Was kommt denn dann noch so dieses Jahr?

Für Krachfetischisten mit ausgeprägtem Faible für Außenseiterkünstler-Auren wird der 08.11. so 'ne Art Feiertag, denn an jenem erscheinen neue Alben der Leeds'er Dance-Noiserocker Thank und von der Industrial-Sludge-Doom-Monströsität The Body.
Beides besondere Bands!
Eine neue Keitzer kommt auch jetzt gerade und wird wahrscheinlich eingetütet, außerdem habe ich gelesen, dass 'ne neue Immortal Bird unterwegs ist. Zu "Empress​/​Abscess" -Zeiten waren jene mal eine der interessantesten Metal-/ Grind-Bands, die zu dem Zeitpunkt so am Start waren. Dass mir aktuell nicht mehr so wirklich der Sinn nach sowas steht, dafür können die natürlich nix.

Freitag, 6. September 2024

nächste Runde RummsTschackeDüsch usw.

Spulen wir heute mal nicht zur Einleitung die hier üblichen Floskeln nach dem Motto „so viel Musik, so wenig Zeit“ ab, auch wenn sie zutreffend sind. Der Notizzettel gibt allerdings schon wieder einiges her, also warum eigentlich nicht, schließlich ist Wochenende:

Musik im Netz

Exit Electronics, Justin Broadrick's Marke für rohe Industrial-Noise-Techno-Jams, hat einen neuen Digital-Release draußen:

Eine Sommernachzüglerin, die ich bei der letzten Runde nicht mehr mit unterbekommen habe ist der Launch von Multistilistin FridaΨ's („actually it's FridaY now but whatever”) neuer Plattform bitumen lichen unter dem Motto "industrial = natural". Es soll um elektroorganische Musik gehen.
In der Mix-o-Mania unten holen wir dann auch noch ein aktuelles DJ-Set nach.


Der neue Two-Tacker von Newcomer Hyperfocus auf John Rolodex' Plattform Machinist Music bietet sehr coolen Drum'n'Bass mit Techstep-Throwback. I like!

Die Feststellung, dass auch das 1997 gegründete Inperspective Records ein Label ist, das in den letzten Jahren tatsächlich nach wie vor dem gelegentlichen Vinyl-Release rausgetan hat, ist's mir dann auch mal wert, die letzte, reine Netzveröffentlichung in Form von Opius' sehr coolem Minialbum "In Session" zu teilen:


S-Capade aus Aachen hat einen Schwung neuer Tunes über Ink's Label Architecture Recordings draußen:


Ganz frisch raus ist ein digitaler Two-Tracker von Section 63 über die noch relativ junge Londoner Plattform G I I D U P Music, der auch ein Tribut an den verstorbenen Neal 'Scythex' Van Eeckhoutte ist:


Noch mehr Techstep: Eine neue, 12 Tracks starke Compilation mit dem typischen Tech Itch Sound gibt's bei Tech Itch Recordings:

Der Franzose Vaek ist ja auch so jemand, der bei mir einfach zufällig so 1-2 Steine im Brett sicher hat. Dabei gehört er vielleicht, wollte man es etwas kritischer ausdrücken, ja eigentlich doch eher mit zu den „generischen Fließbandproduzenten“, die in meiner Wahrnehmung besser dran täten. seltener was cooleres, anstatt andauernd was allzu typisches rauszuhauen. 
Trotzdem höre ich mir seine Bandcamp-Veröffentlichungen wie die "Dubplate Dose"-Reihe immer wieder gerne an:

In Antizipation seiner neuen Single auf ZamZam Sounds landete ich dann auch mal auf der Bandcamp-Seite vom Londoner Dubstepper V.I.V.E.K., wo er neben physischen Platten auf seinem eigenen Label auch schon mal den gelegentlichen Digital-Release raus tut, wie z.B. die aktuelle "Reflections" EP: 


Mix-o-Mania

B.Traits schätze ich ja eigentlich vor allem unter ihrem Junglist-Alias "Baby T", aber den aktuellen Techno-Mix für Reclaim Your City checken wir trotzdem aus:

Here we go as promised: FridaY gehört u.a. zu 'ner musikalischen Crew aus Berlin, bei der von Bass-Music bis Black-Metal alles geht. Grundsätzlich finde ich das sympathisch.
Deswegen hier ein relativ aktueller Dubstep Mix von ihr für den 
Naviny Z Fluxu Podcast aus Minsk: 

Charla Green sah ich zufällig letztens auf Instagram mit 'ner MPC rumhantieren, und da ich tatsächlich so willenlos-nerdy bin, auf Hardware-Jams direkt anzuspringen, sei ein aktueller Mix von ihr für den Everyday Junglist Podcast geteilt:

Bei EQ50 gibt sich diesen Monat Hollie-May die Ehre.
Jene steht u.a. für eine Verquickung der Themen Drum'n'Bass und Mental Health ein, und das ist mir sympathisch!

Mel ist ja eigentlich mehr so die Adresse für High-Energy-Sets mit moderneren Sounds im Doubledrop-Modus u.ä., präsentierte letztens bei "In the Lab With MEL" via Data Transmission Radio aber auch mal ein Mix unter dem Motto "100% D & B Classics".
Und bei Evergreens wie "Up All Night" oder "Shadow Boxing" sind wir dann natürlich auch gerne dabei:

US-Junglistin Mizeyesis taucht hier in letzter Zeit ja öfter auf, denn man hat halt auch so seine saisonalen Go-to-DJs. Ihre Mixe bieten oft hard-hittin' Stuff mit Old-School-Charme aber eben auch soulfuller Schlagseite und genauso soll es sein.
Über den folgenden Mix sagt sie, dass es eines ihrer bisherigen eigenen Faves ist, also sei es gerne auch mal wieder geteilt:


Reid Speed, auf die das oben geteilte Meme über die Dance-Szene zurückgeht, hat eine neue Mix-Serie namens "Drum & Bass Devotions" gestartet, und auch da sind wir gerne mit im Boot! Ein Interview gibt's dazu auch.
“The future music of the ’90s is now the present!”



Im Londoner Plattenladen Planet Wax schaut man immer gerne vorbei, auch wenn's leider nur übers Internet ist.
Besonders gern gesehen und gehört sind dabei natürlich die DJ-Mixe, bei denen tatsächlich auch Schallplatten zum Einsatz kamen. 
Solche hätten wir z.B. auch von Silva Snipa b2b Reo oder auch von good ol' Bladerunner:



„This is Ingland, Mate!“ 
Da zieht man sich seit Ewigkeiten mal wieder einen von Ray Keith‘ "Dread Casts" rein, was in jüngerer Vergangenheit eigentlich nur wegen „so viele Streams, so wenig Zeit“ meistens durch’s Raster fiel, da haut er dabei mal eben ein neues eigenes Tune raus, das seinen typischen Jungle-Style mit ‘ner metallischen Schrammelgitarre kombiniert. Waaa?!
Können wir das bitte möglichst bald als 12" kriegen, Ray?
Das wär' geil, danke! Ich hör' dann jetzt wohl auch wieder regelmäßiger...


Zum Schluss noch ein Party-Highlight: Planet V Recordings haben kürzlich einen audiovisuellen Mitschnitt von DJ Die B2B Krust & Dynamite MC anlässlich ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten im letzten Jahr aufs Weltnetz losgelassen. Huge!

Mittwoch, 28. August 2024

august²

Doch noch Sommerloch, weil wir uns hier in der Krach-und-so-Redaktion dann mit dem nächsten Blogpost doch was Zeit gelassen haben? Joah, vielleicht, whatever. Das übliche halt, weil ganz ohne Scheiß: Die letzten Wochen waren schon wieder ein ziemliches auf und ab, mit durchaus auch mal nennenswert hohen Highlights, drumherum aber auch wieder den nächsten Talfahrten. Durch die es dann auch wieder mit viel zu viel Alltag ohne Playlists und Soundtracks bei trotzdem so viel Musik ging.
Eigentlich war ich sogar wieder kurz davor gewesen, das hier vor lauter anderem Sch... im Kopp doch wieder einzumotten, aber bis zum Jahreswechsel ziehen wir das dann jetzt doch nochmal durch.
Wie gesagt: Das übliche. Was jetzt wirklich kein Jammern auf mittelhohem Niveau, sondern lediglich eine trockene Feststellung ist.

Dennoch könnt Ihr mal wieder an Notizen an mich selbst teilhaben:

Musik im Netz

Ladies First: Die gute Nadia Struiwigh feiert den Start ihres neuen Labels Distorted Wave☡ mit einem digitalen Two-Tracker zwischen Ambient und einem dezent Jungle-inspirierten Electronica-Style:

Auf dem Hamburger Label Insomnius Music debütierte kürzlich AnnGree mit einem Two-Tracker in adäquatem DnB-Style:

Auch Metalheadz fangen jetzt mit superlimitierten 10" Lathe Cuts und sowas an. 
Natürlich verkaufte die von Benny L. sehr schnell aus, worüber ich dann eigentlich eher schon froh bin, denn sonst wäre ich womöglich auf die irre Idee gekommen, mir das Teil 
superteuer aus England zu schießen, um sie mir neben die inzwischen auch schon etwas rarer gehandelte "Vanta Black" 10" ins Regal zu scheiben.
Jedenfalls enthält die Lathe Cut wohl eine andere Version des Titeltracks von folgender Digtial-EP, der vom gemäßigten Groove her tatsächlich wie ein Sequel zur Fogohrn-Hymne "Vanta Black" anmutet, aber die modernen Kaputt-Bass-Sounds noch mal eine Stufe weiter treibt. Und die weiteren drei Tracks sind auch nicht ohne!

In der Reihe rein digital veröffentlichter Langspielalben aus der Drum'n'Bass-Ecke hätten wir dann mal eines von Friske.
Von jenem fand ich einige seiner letzten 12" Singles ja sehr cool...

Letztens zwar schon mit einem Auge aufgeschnappt, aber dann irgendwie doch erstmal etwas vernachlässigt hatte ich, dass bei Om Unit  ja auch immer wieder mal was interessantes geht.
Z.B. eine Kollaborations-EP mit James Bangura oder auch mal der Bootleg-Remix außer er Reihe.
Mir persönlich ist das ja manchmal doch schon etwas zu luftig, aber gut ist es trotzdem eigentlich immer!

Dunkel-Drum'n'Bass mit Wumms bietet dann auch nochmal die neue Digital-EP vom Neuseeländer J-.Kon via DSCI4:



Mix-o-Mania

Bei allen prominenteren Boiler Rooms, HÖRs usw. sollte man nicht vergessen, dass es auch noch weitere Plattformen gibt, die coole DJ-Sets aus aller Welt audiovisuell ins Netz beamen.
Bei Keep Hush z.B. gab's neulich ein Spaß machendes Breakbeat- und Bass-Music-Mix von mudaki aus Prag:


Ein aktuelles DnB-DJ-Set von Becky Saif direkt aus ihrem Wohnzimmer/ Heimstudio hätten wir auch:


Und ich bin ja wirklich nicht der größte Fan von sogenanntem Jump-Up-Drum'n'Bass, vor allem zeitgenössischen, da dieses an sich nicht wirklich neue Subgenre jüngst immer noch mehr und mehr zu kaum noch hörbaren Kirmeskrach-Albernheiten abdriftet, aber ein Vinyl-Set in der ukrainischen Jungle Kitchen sehe/ höre ich mir dann trotzdem mal gerne an:


Apropos Jungle Kitchen können wir uns dann auch noch mal eben den aktuellsten, "Dubstep, Breakbeat, Trance, Breaks, Trance, DNB, Openformat" Mix von Dub.in.Sky über besagte Plattform geben:


Als Mix zu einem Podcast, bei dem Sie über ihre Event-Reihe deviate redet, hat Sammy B ein Jungle-/ DnB-DJ-Set unter dem Motto "Summer Vibes" erstellt. Sehr cool!



Coole Dinger bei Dash wieder letztens:
1.) Via 
674fm erst eine halbe Stunde Mix von ihm, bei dem auch schon mal ziemlich Gas gegeben wird, dann eine halbe Stunde eine etwas chilligere DnB-Gangart von Big Bud, Botschafter der wohltätigen Organisation „Liquid Drum & Bass 4 Autism“.
2.) Beim "Tag der Trinkhallen" dann Dreieinhalb-Stunden-Set im geviertelten Wechsel mit Nogata. Soundtrack eines nicht nur deswegen total geilen Wochenendes. 
3.) Für "Addicted 2 Bass" beim Detroiter Deep Space Readio gab's dann außerdem glatt mal wieder einen Vinyl-Mix von ihm. 


Und wo wir schon mal da sind, hören wir uns den Mix von seinem Kollegen 
Cypher aus Essen dort natürlich auch noch an:



Dismanic aus der Gegend legt zwar auch mal gerne und gut Drum'n'Bass auf, hat allerdings auch eine Vorliebe für Electro-lehnende Breakbeats, wozu es eine aktuelle Demonstration via Soudcloud gäbe:

Diesen ganz aktuellen Gig-Mitschnitt von Killjoy geben wir uns natürlich alleine deswegen gerne, weil sein letztjähriger Megasmaher "Depth Charge" aktuell immer noch so ein bisschen nachhallt (obendrauf gibt's übrigens auch 'ne aktuelle Remix-EP beim Function-Bandcamp):

Bei EQ50 gab sich zuletzt DJ Nay die Ehre, deren Schwerpunkt in der Ecke "Ragga Drum and Bass / Jungle" liegt. 
Auch da haben wir Bock drauf:

Den "Dispatch Label Mix" von Sweetpea wollen wir nicht untergehen lassen.
Eine aktuelle Limited Edition lathe-Cut-10" von ihr kann man sich über besagtes Label dann auch noch schießen, wenn man die Kohle mal eben über hat.

Und natürlich gibt's dann anlässlich seines aktuellen Industrial-Halfstep-Albums auf Samurai Music auch einen Mix dazu von Torn:

Pete Cannon's regelmäßige Show via Kool FM war mir bisher so ein bisschen durchgegangen, was es nachzuholen gilt.
Keine Ahnung, warum das nicht bei Soundcloud oder Mixcloud konserviert wird, aber man kann es sich über andere Wege nachträglich geben:

Und absolut nicht untergehen sollte der Live-Jungle-Fingerdrumming-Wahnsinn von Spinscott in Form seines kompletten Boomtown-Sets:

Länger nicht mehr bei Youth vorbeigeschaut... Und das ist zum in den Chillout gleiten jetzt perfekt! 
Erst ein Mix mit allem von Dub-Reggae bis Jump-Up-Drum'n'Bass, dann sein Ambient-Set vom Glastonbury Festival:



Samma, hörst Du eigentlich auf einmal nur noch Dance-Music odda watt?

Ne, natürlich nicht. Aber wie ich neulich schon mal sagte: Drum'n'Bass ist mein Happy-Place, ich bevorzuge eine gut gemixte Bassmassage inzwischen jederzeit gegenüber irgendwelchem Klischeegerumpel-Gepose, fand meine Katharsis zuletzt halt immer mehr eher in Dub-Echos als in irgendwelchem Schraddelschrei- oder Bollerbrüll-Kram, Breakbeats > Blastbeats, und Eure Meddl-Trveness konntet Ihr eh schon immer für Euch behalten... 
Paar weitere coole Sachen anderer Musikstile, die dieses Weltnetz zuletzt so hergab, hätten wir trotzdem noch.

Z.B. die reanimierten Mclusky mit einer Session bei FRET12:



Oder auch eine Mansur-Performance:

Oder auch eine audiovisuelle Konservierung von dem, was Nihiloxica beim Le Guess Who? auf die Bühne zauberten:


Zukunftsmusik auf dem Radar 

In Ergänzung zu Release-Radar, das wir Anfang des Monats noch skizziert haben, gibt's  auch schon wieder einiges weiteres:

Die Junglisten der 4am Kru 
veröffentlichen am 12.09. ein Langspielalbum und es soll was neues von Amit auf 31 Recordings (keine Ahnung, ob physisch oder nur digital), sowie ein weirdes Album von Etch auf Sneaker Social Club unterwegs sein.
Weckt durchaus alles mein Interesse.

Ziemlich cool ist auch, dass sich Releapse Records aktueller The Bug Sachen annehmen. Eine 5-LP-Box oder 2CD-Version seiner zuvor digitalen "Machine"-Reihe sowie eine 2LP-Compilation ausgewählter Stücke davon erscheinen im Oktober. 

"Generic Skincare" ist eine gewohnt wilde Videosingle zum neuen Coilguns-Album, welches im November über ihr eigenes Label kommt.

Ein neues Album der aktuellen God Bullies Besetzung erscheint Anfang Oktober via Reptilian Records.

Mit God is War's "Boogeyeman Inc." bringt das eigentlich sehr Death-/ Black-Metal-lastige Label Profound Lore Ende September was in Richtung Industrial/ IDM raus (nein, nicht zum ersten mal, aber es ist doch eher selten).

Das Debüt der B.SON-/ Bellrope-Nachfolgeband Ord Cannon erscheint Ende September digital und Anfang Oktober auf Tape!

Außerdem neues Pharmakon-Album im Oktober, dessen stilistische Kurskorrektur ersten Ohrenzeugen zufolge auch interessant sein soll.

Last but not least ganz oben auf dem Einkaufszettel, der in diesem Jahr eigentlich auch nicht noch mal viel voller werden muss, stünde dann allerdings natürlich auch noch der finale Teil von Harvestman's "Triptych"-Trilogie am 17.10..

Freitag, 2. August 2024

Sommerloch-Reviewrampe pt. 2

Aus sowas ähnlichem wie dem Sommerurlaub wieder raus ging's dann jetzt noch mal mit 'ner gemischten Tüte unterschiedlicher, aktueller Musik, aber man merkt schon mal wieder seht deutlich, auf was sich die Schwerpunktinteressen zuletzt so eingeschossen haben.
Im Übrigen habe ich mich an dieser Stelle dann jetzt
tatsächlich auch ein mal ganz bewusst dagegen entschieden, Lobhudeleien in Richtung einer Band mehr oder weniger aus meinem persönlichen Umfeld und ihrem aktuellen (Nicht-Vinyl-) Release abzuspulen, auch wenn's mich inspiriert und begeistert. Irgendwie hätte sich das „von näher dran“ in diesem Zusammenhang ein bisschen falsch angefühlt, auch wenn das hier sowieso kaum jemand liest und jedweder journalistische Objektivitätsanspruch in diesem üsseligen Rahmen natürlich völlig übertrieben wäre. Ich werde ihnen hier zukünftig wohl noch irgendwie den gebührenden Platz einräumen müssen, aber das machen wir wannandermal als hier und heute, in der Pampe der aktuellen Platten-Review-Rampe...
Ferner merke ich gerade außerdem mal wieder, dass ich das hier eigentlich nur noch fertigmache und veröffentliche als hätte ich sonst nix zu tun, 
obwohl ich inzwischen nur noch so mittel drauf Bock verspüre, weil ich es halt letztens angefangen habe und somit auch abschließen möchte. Autist halt. Wir nähern uns wohl wirklich wieder der nächsten Blog-Brachphase?

Beak> - >>>>
(Invada)
Das Albumcover des Jahres hätten wir dann ja auch, und außerdem noch gar nicht wirklich über dieses, bereits im Mai erschienene Teil geredet...
Das Kuriose an Beak> bei mir: Irgendwie ist das 'ne Band, die ich eigentlich schon seit ihrem 2009er Debütalbum ganz gut finde und von der ich mir dann gelegentlich auch tatsächlich mal 'ne Platte kaufe, trotzdem war das bisher aber eine irgendwie etwas halbherzige Angelegenheit von meiner Seite aus.
Die Verschiebungen musikgeschmacklicher Interessensschwerpunkte, die's über die letzten Jahre auf meiner Seite so gab, ließen mich in jüngerer Vergangenheit dann aber doch gelegentlich mal wieder bei 
Beak> landen, und so kam mir da ein neues Album gerade recht. 
Das Trio mit Geoff Barrow (Potishead) im Kern verkürzt den ja sowie gar nicht mal so langen Weg zwischen Postpunk und Krautrock und wirft in der Natur der personellen Sache auch noch 'ne Brise von Trip-Hop mit rein: Experimenteller Psychedelic-Rock mit treibender Motorik und spooky Goth-Feel, spontane Jam-Sessions, delirische Tanzbarkeit, ein Hauch von Vinyl-knisterndem Hip-Hop-Flair, das alles in einem Sound mit paralleluniverseller Vintage-Aura. 
Da ist schon irgendwie was typisch-britisches an 
Beak>, aber auf eine Art und Weise, wie man's vorher eben doch noch nicht so ganz gehört hat. Würde es einen in den tristen Frühachtzigern spielenden und entsprechend düster-dystopisch inszenieren Alternative-History-Neuaufguss der damals auch schon mal völlig ins surreale abdriftenden Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" geben, dann könnte man sich das hier prima als Soundtrack dazu vorstellen.
Und wenn ich jetzt sage, dass einer meiner Instant-Favoriten beim ersten Bandcamp-Durchlauf direkt die Nummer "Secrets" war, die plus Dub-Effekte auf der Snare am meisten den Charakter eines vorzeitlichen Gothdisco-Stampfers hat, dann ist das von jemandem mit so einigen Bauhaus- und Killing-Joke-Frühwerken im Plattenregal wohl auch keine wirkliche Überraschung. Seltsam und schade ist dennoch, dass ausgerechnet dieser Track als vorletzter in die Digital-Version des Albums geschoben, allerdings auf der LP ausgelassen wurde. Hä? Bummer.
Tut der Sache aber keinen Abbruch, dass die LP trotzdem gut flowt.
Geil ist zum Beispiel die Steigerungskurve der Eröffnungsnummer, oder auch wie die jeweiligen Closer der A- und B-Seite, "Demin" und "Cellophan", dann gegen Ende noch mal die Härte-/ Lautstärkenschraube anziehen. Schaurig-schön ist auch dieses traurig-leiernde 
das Düster-Pink-Floyd-Feel einiger Nummern, oder wie die eher zackige Rhythmusarbeit von etwa "Ah yeh" dann trotzdem herrlich mit all dem zusammenpasst.
Und wie gesagt, da ist auf eine paralleluniverselle Art und Weise schon was 
typisch-britisches an Beak>, das mich olle Kartoffel irgendwie fasziniert und begeistert. 

Black Yukon Sucker Punch - Darkstar Gemini
(Yukon Punch Recordings)
Wollen wir tatsächlich mal so weit gehen, dass es vielleicht schon so 'ne Art von „Old School Neurofunk“ gibt, der näher an dem tönt, was Ed Rush & Optical Ende der 90er aus der Techstep genannten Unterspielart von Drum'n'Bass weiterentwickelten, und mit der vieles von dem, was heutzutage so unter „Neurofunk“-Banner an Bratz-Dröhn-Rausch-Bäng-Musik mit dichtkomprimiertestenst gefetteten Serum-Sounds in Rocksong-Strukturen vor sich hin hämmert nicht mehr so viel zu tun hat?
Der unter der eher wenig griffigen Twin Peaks-Inspiration "Black Yukon Sucker Punch" firmierende B. Babinec aus Kenmore, Washington hat sich nach Dubstep-Vergangenheit unter einem anderen Alias jedenfalls einem solchen Sound mit Jahrtausendwenden-Schulterblick verschrieben und bringt's seit vier Jahren auf seinem eigenen Label Yukon Punch Recordings raus, nach sechs 12"-Singles/ EPs ganz aktuell sogar in Form dieses 2LP-Albums.
Und eine solche Konsequenz mit DIY-Spirit ist mir so sympathisch, dass ich mir "Darkstar Gemini" tatsächlich nach einem nur kurzen Anzappen auf einer DJ-orientierten Mailorder-Plattform direkt mal eben geschossen habe.
Die acht Tracks von "Darkstar Gemini" sind beides, sowohl Clubmusik mit etwas aus der Zeit gefallener Soundästhetik, als auch ein Album, welches vage einer durchgehenden Narrative folgen möchte. 
Die Betonung liegt dabei ein bisschen mehr auf diesen speziellen, angezerrt-verzwirbelten Mid-Bassline-Sounds über den tieferen Subs als auf der Roughness der Drum-Sounds, von Platte rummsen einige der Beats aber doch noch etwas fetter durch's Wohnzimmer, als es beim digitalen Anzappen den Eindruck machte.
"Deep Space Wendel" ist dann obendrauf auch noch ein geiler Midtempo-Groover.
"Darkstar Gemini" mag jetzt weder ein potenzieller Kandidat für die Jahres-Tiop-10 sein, noch werden sich Tracks davon als allgemeine Drum'n'Bass-Mix-Dauerbrenner durchsetzen, aber dass und wie Babinec hiermit der klaren Vision einer fast schon vergessen geglaubten Substilrichtung folgt, das finde ich wie gesagt sympathisch, außerdem solchen Spätneunziger-Sound auch im Revival-Unterfangen generell ganz geil.
Und für Sparten-DJs vielleicht nicht ganz uninteressant: Möglichweise findet man hier 'n Tune, das sich im Set prima mit einem der "Wormhole"-Evergreens mixen lässt oder sowas....

Harvestman - Triptych: Part Two
(Neurot Recordings)
Wie angekündigt erschien im Zeichen des Heu-/ Bock-/ Donnermondes dann auch der zweite Teil von Harvestman's "Triptych"-Trilogie, auch wenn sich die physische Platte hierzulande natürlich verspätet/e.
Den ersten Teil fand ich 
ja schon super, vor allem die dubbigen Tracks, aber eigentlich auch durchweg alles.
"Part Two" der Reihe startet die A-Seite wieder mit einem von Al Cisneros am Bass unterstütztem Stück und die B-Seite mit einem Dub-Remix davon, beide fast zehn Minuten.
Auch "Damascus" ist ein trotz seiner nur fünf Minuten ein episch anmutendes Teil mit Delay-Soundturm und dubbiger Note, "The Falconer" ein Harvestman-typisches Stück mit Tangerine-Dream-Schulterblick, der Ambient-/ Drone-Lauf der B-Seite generell ziemlich geil.
Ich find's jedenfalls wieder total geil und mindestens genauso so gut wie Teil 1.
Es gab ja Zeiten, da waren Neurosis wirklich sowas wie diese eine Gottstatus-Band mit ganz besonderer, gefährlicher Aura überhaupt. Ein neues Neurosis Album wird's in diesem Leben wahrscheinlich nicht nochmal geben. Und irgendwie macht das auch nichts, denn Von Till's Soloprojekt Harvestman ist die Art von experimentellem Altherren-Spätwerk, in dem ich mich auch als alternder Hörer eher wiederfinde, als im hypothetischen Versuch mit einem Bein im Ruhestand nochmal möglichst intensive Brachialmusik zu machen. Nein, die letzten Neurosis-Alben konnten mit ihren Neunziger-Werken auch schon nicht mehr mithalten, aber die Art von Fans, die von Bands erwarten, den Vibe einer bestimmten Zeit auch Jahr(zehnt)e später immer wieder eingefangen zu bekommen, die haben halt nichts gerafft, über das Leben und die menschliche Natur, darüber wie künstlerisch-kreativer Ausdruck funktioniert und wie das Universum eben nicht für immer an dem einen Punkt stehenbleibt, an dem für einen selbst mal alles gepasst haben mag. 
Der Punkt, an dem sich Steve von Till mit seinen esoterischen Harvestman-Sachen aktuell befindet ist einer, mit dem sich meine Wege gerne kreuzen. Denn Instrumentalmusik zwischen Drone-Experimenten und Dub-Schlagseiten fällt in ein Feld, in dem ich mich - sowohl in Bezug auf die eigene Kreativität als auch in puncto Konsuminteressen - seit einigen Jahren auch immer breiter mache. 

Lucid Dreams - Mesmerism 
(UVB76 Music)
Man könne es jetzt natürlich erstmal damit einleiten, dass Lucid Dreams ein vielleicht nicht allzu glücklich gewählter Alias von Jason Luxton ist (der als Overlook auch ziemlich coole Drum'n'Bass-Musik der düster-minimalistischen Machart fabriziert), denn das selbstbetitelte Album eines kurzlebigen Neunziger-Ambient-Projekts gleichen Namens wurde vor nicht allzu langer Zeit auch noch mal auf Vinyl wiederveröffentlicht.
Wie's der Zufall will passt dieses Langspieldebüt (2019 gab's schon mal 'ne EP) zwischen Beak>, Harvestman und diverse DnB-Highlights allerdings fast schon wie ein Bindemittel nahezu perfekt mit in den allgemeinen Vibe meiner Spätsommer-Playlist.
Über 15 Tracks dreht Luxton im Rahmen dieser 2LP eine interessante Mischung aus Ambient-Sphären, Trip-Hop-Gangarten, gesamplten Jazz-Puzzlestücken, Soundtrack-Feel und sogar gelegentlichen Andeutungen von Post-Punk-Abfahrten mit rockig-treibenden Bassläufen zusammen.
Der technoide Arpeggiator ertönt dabei genauso wie auch schon mal eine Gitarre, e
inige Passagen klingen fast schon wie ein Bandprojekt anstatt nach 'nem Solo-Elektroniktüftler, und auch das ist dann wohl irgendeine Art von Kompliment.   
Und man kann an dieser Stelle vielleicht sogar schon so weit gehen, was von einem zweiten Aufbäumen des Bristol-Sounds zu fabulieren oder sowas, wenn man unbedingt so tun möchte, als wäre man ein Feuilleton-Schmierfink... 
Was ich weiter oben zu Beak> in Bezug auf die paralleluniverselle Tristesse britischer 
Eigenbrötler-Musik geschrieben habe, dazu passt das Cover dieses Albums im Übrigen dann wohl auch ziemlich gut.  

Torn - Immortal
(Samurai Music)
U.a. auch mitbeeinflusst durch Impulse, die ursprünglich mal vom nur kurz aktiven Label Autonomic gegeben wurden, hat sich Samurai Music über inzwischen mehr als eineinhalb Dekaden zu einer verlässlichen Qualitätsmarke entwickelt, die einen aufs wesentliche reduziert klingenden Nischen-Gegenpol zu den überladen-knalligen Kirmes-Auswüchsen von Drum'n'Bass bildet, die es am anderen Ende des Stilspektrums in einem etwas prominenteren Maß gibt. Das Schwesterlabel Horo beackert dann auch noch die experimentelleren Grenzregionen und Grauzonen von atmosphärisch-technoider Musik.
Und der aus Russland stammende und irgendwo in BaWü lebende Ivan Karasev alias Torn weiß in diesem Label-Umfeld und drumrum schon seit einiger Zeit seine multistilistischen Duftmarken mit eigenem Sound zu setzen, zwischen Halfstep-Gangarten, Techno-Ideen und auch mal Dark-Ambient-/ Drone-Experimenten, von hypnotisch-sphärisch bis Industrial-derbe.
Auch das 3LP-Album "Immortal" bietet über 13 Tracks Maschinenfahrten durch dystopische Klanglandschaften. Musik wie ein T-800: "a cybernetic organism, living tissue over metal endoskeleton".
Torn hat dabei einen etwas synthetisch-flächigeren Sound, der ihm vom Minimalismus einiger Label-Kollegen etwas abgrenzt. Dabei smashen dann gerne auch schon mal fette Breaks im Halftime-Groove nach vorne, das Albumformat wird aber auch dafür genutzt, das alles so ein bisschen in eine Gesamtnarrative zu gießen, in deren Rahmen einzelne Tracks verschiedenes ausprobieren und dabei auch nicht immer primär in die Richtung allgemeiner Dancefloor-Mixbarkeit schielen.
Und überhaupt ist Musik, die einerseits noch mit einem Bein in den Dub-lastigen Wurzeln des Drum'n'Bass-Genres steht, um das alles im Schritt nach vorne mit dystopischer Industrial-Soundästhetik zu verpacken wohl irgendwie total mein Ding. Diese 
2024er Art von Cyberpunk-Drum'n'Bass ist dabei allerdings noch mal wieder was ganz anderes, als etwa jener Mittneunziger-Techstep, zu dem ich ebenfalls eine große Affinität habe. Torn hat absolut seinen eigenen Sound und Style, und das sollte man zu würdigen wissen.


Club Rotation (Singles & EPs)

Dom & Roland - The Stormfront 
Dom & Roland - The Darkmaster 
(Individual)
Es gab ja vor so 4-5 Jahren mal einen vagen Punkt x, an dem mich die aktuellen Produktionen vom Vollprofi Dominic Angas so überzeugt hatten, dass ich tatsächlich dazu übergangen bin, mir grundsätzlich alles neue, was von ihm als Single, EP oder Mehrfach-Album auf Vinyl erscheint, direkt zu schießen, und auch noch etwas mehr in seinem umfangreichen Backkatalog zu fischen. Schon 
1998 setzte sein Langspieldebüt "Industry" auf dem legendären Moving Shadow Label gewisse Standards für die damals Techstep genannte Unterspielart von Drum'n'Bass Musik, in jüngerer Vergangenheit hatte er dann wiederum außerdem mal eine Phase, in der jede Veröffentlichung damit verblüffte, stilistisch etwas ungewöhnlicher arrangiert zu sein und mehr transparente und doch schwergewichtige Klangsubstanz mitzubringen, als es bei vielen anderen Genrevertretern der Fall ist. Und das, ich hab's schon mal erwähnt, obwohl er ungeniert zugibt die Hälfte seiner Sounds aus der Glotze abzusamplen.
Über sein neues eigenes Label 
Individual kam Mitte Juli zunächst die 4-Track-EP "The Stormfront", die mit "Stormy Waters" einen sehr coolen, dunkel-atmosphärischen Opening-Track im vagen Subgenre "schwere Blade Runner Vibes, nur halt mit Breakbeat-Getacker" vorlegt, um im weiteren Verlauf dann noch atmosphärischer und beim Schlusstrack dann auch noch, inkl. Halftime-Groove-Betonung etwas weirder als gewohnt auszuarten.
SciFi-Musik, die nicht in jeden DJ-Mix mit reinpasst, aber eben auch deswegen find' ich's gut.
Ziemlich überraschend schmiss Dom dann auch noch ohne große Vorab-Promo eine weitere Individual-EP in den Monatswechsel, die unter den vier Nummern zwei Mittneunziger-Tunes, ursprünglich mal auf Moving Shadow erschienen, in neuen, etwas gröberen Versionen und auch ein  weiteres älteres, allerdings lange unveröffentlichtes Stück präsentiert, das ebenfalls mit der Roughness seiner entsprechenden Ära fräst und klöppelt.
Ich hab's ja schon öfter gesagt, dass ich halt echt Fan bin...

Mani Festo - Bioscan / Instinct 
(WNCL Recordings)
Was mir im Kontext von harter Gitarrenmusik heutzutage nur noch selten passiert, das kommt beim zappen durch aktuelle Releases anderer musikalischer Ecken dann doch noch manchmal vor: Ohne irgendwas weiteres darüber zu wissen reicht ein flüchtiger Eindruck von irgendwas sofort für das klare Urteil, dass ich es total geil finde, Bock drauf habe und als physische Schallplatte zu brauchen meine.
So geschehen mit der Nummer "Bioscan", Seite A dieser aktuellen 10" auf dem Spezialisten-Label WNCL Recordings: Eine total wild abgehende Nummer, die im Grenzland zwischen sogenannter Bass-Music, Electro-lehnender Breakbeat-Schublade und klar, welcome to the Jungle in dafür etwas 
ungewöhnlicherem, eher DnB-DJ-Mix-untauglichem Groove unterhalb von 160 BPM unterwegs ist. Geile Jungle-Snares, der Bonus-Basslauf in der zweiten Hälfte hebt's noch mal 'nen Level weiter. Bockt einfach nur total!
"Instinct" auf der anderen Seite ist ein bounceiger Track, der ebenfalls ziemlich cool rummst.
Und die Platte versehentlich auf 33 hören kommt auch total geil, späte Techno Animal Vibes.

Seba & Paradox - Thinking & Perceiving / Unfold
(Seba & Paradox)
Vom englischen Breakbeat-Meistertüftler Paradox und/ oder seinem schwedischen Kollegen Seba landet ja nicht grundsätzlich alles in meinem Plattenregal, denn sowohl jeweils für sich als auch im Zusammenarbeit veröffentlichen die beiden unglaublich viel, nicht nur über eigene Labels. Auch wenn ich‘s irre und sympathisch finde, dass Dev Pandya alias Paradox seit den 90ern nie damit aufgehört hat, seine Musik mit der auf einem Amiga laufendem OctaMed-Software und ‘nem inzwischen antiken Akai-Sampler zu fabrizieren. Das ist mal True Old School! Wahrscheinlich liegt in den Einschränkungen dieser Arbeitsweise auch der Grund für den relativen Minimalismus, welcher typisch für den Paradox-Sound ist, den er bis zu einer glasklaren Klangtransparenz raffiniert. 
Und bei dieser 12" hat mich das dann doch mal wieder gekriegt. Dunkel und doch luftig, funky und doch moody klöppeln beide Seiten dieser Platte auf diese Art und Weise, die für den einen oder anderen so eine "Würd' man das echt noch als sowas wie'n Song bezeichnen?"-Frage aufwerfen könnte, mich aber einfach auch doch irgendwie abholt.
Wie gesagt nicht jedes mal, aber manchmal eben doch. 



Honorable Mentions:

Eigentlich hatte ich tatsächlich nicht nur kurz überlegt, sondern schon praktisch dazu angesetzt, auch noch was ausführlicheres zum selbstbetiteltem Album von Category 7 und meinem Verhältnis dazu zu machen. Das dann aber wahrscheinlich in mit Kanonen auf Spatzen geballertem Quatsch der Selbstherrlichkeit ausgeartet, und das wollt Ihr nicht wirklich lesen. 
Da John Bush für mich der beste Rock-/ Metal-Sänger unserer Zeit ist, könnte mich das vielleicht auch doch noch dazu verleiten, mir die Platte im Metal-lastigsten Tonträgerladen der Stadt (Hallo Hannes) tatsächlich mal abzugreifen, weil so ein bisschen bleibt das Dorf ja doch auch immer in dem Jungen, der eigentlich aus dem Dorf raus ist...
Aber ich muss es auch mal ganz ehrlich so sagen, wie es ist: Wäre irgendein anderer Typ am Mikrofon, dann würde ich was von 'nem steril inszenierten Produkt einer abgehalfterten Lückenfüller-Truppe aus dem Havebeens-Besetzungskarussel der Dräschmeddl-Schlagerparade faseln und nix damit zu tun haben wollen.

Weiterhin bin ich ja jetzt eigentlich auch nicht so der übermäßige Fan von Krasskram-Saitenvirtuose Colin Marston, auch wenn ich die eine oder andere Band von/ mit ihm jetzt auch nicht sooo verkehrt finde (alte Dysrhythmia hatten halt was und Gorgut's "Colored Sands" gehört in jede Top-10 von Metal-Alben der Zehner-Jahre!).
Dass er mit seinem Soloprojekt Indricothere gerade einen neuen Digital-Release rausgehauen hat, der mal eben 14 Stunden (!) Synthesizer-Ambient enthält, das ist mir durchaus mal das Teilen wert, denn für sowas habe ich ja durchaus auch schwer was übrig.

Kurt "Submerged" Gluck hat dann noch ein neues digitales Album seines Industrial-/ Hardware-Hardtechno-Projekts PRCA draußen, auf dem er laut eigener Aussage so 5 Jahre gesessen hat.
Gegen Ende arten die Laufzeiten etwas aus, denn die Schlussnummer passiert mal eben die halbe-Stunden-Marke.



Zukunftsmusik, Reinhör-Radar und Einkaufszettel?

Die französischen Okkult-Progger Aluk Todolo haben Anfang September was neues raus!
Caspar Brötzmann's Bass Totem veröffentlicht in Kürze was über das sehr geschätzte Label Exile on Mainstream!
Auch die mit ihm live kollaborierende Solo-Bass-Krachmacherin Farida Amadou hat im September die LP "When It Rains It Pours" am Start. Das wird auch mal gecheckt!
Emde August kommt 'ne neue Seefeel EP via Warp!
Die neue The Jesus Lizard naht außerdem. Habe ich Bock drauf.
Und d
as Tim Reaper / Kloke Album via Hyperdub wird wahrscheinlich ebenfalls ein Pflichtkauf.