Samstag, 4. Dezember 2021

hip gone gunslingers by christian fitness

Nicht untergehen sollte, dass gestern mit "hip gone gunslingers" auch das inzwischen siebte Album des McLusky-/ Future of the Left-Nebenprojekts CHRISTIAN FITNESS erschien.
Darauf konzentrieren sich Andrew "Falco" Falkous und sein Drummer Jack Egglestone vor allem auf das, was sie am besten können: Ruppiger, schräger und auch humorvoller Noiserock.
Die Hip-Hop- und Pop-Gangarten einiger vorangegangener Veröffentlichungen hat man hierauf wieder zurückgenommen, auch wenn es in Ansätzen und beim Schlusssong schonmal durchblitzt.
Macht Bock!

Freitag, 3. Dezember 2021

Drum’n’Bass Bandcamp Friday

Es ist mal wieder „Bandcamp Friday“ und wie so oft gibt’s zu dem Anlass das eine oder andere ganz neu bei Bandcamp:
Samurai Music haben z.B. mal wieder eine ihrer "Outliers" Compilations am Start, Künstler aus dem Label-Roster wie RDG und THE UNTOUCHABLES außerdem weitere EPs. Letztere neigen dabei mehr in den Dub denn je.
DOM & ROLAND hat dann heute ebenfalls mal wieder zwei digitale EPs mit unveröffentlichtem Material bzw. Alternativversionen rausgetan und auf Tech Itch Recordings ist "Portal Two" von GRIEF draußen!

Modder by Modder

Von alten Helden zwischen modriger Metal-Kutte und neuzeitlichem Elektroniker-Krasskrach zu jüngeren Inspirationen zwischen Tanzelektronik und Hipster-Metal:
Einer der beiden Gitarristen und wohl irgendwie auch Mainman/ Hauptsongwriter/ Produzent von MODDER fabriziert als Mathlovsky auch Neunziger-Party-taugliche und doch frei und vorwärts denkende Musik mit großem Spaßfaktor, siehe aktuelles Album "Yassssin" auf Ohm Resistance. Gregory Simons heißt wiederum der Mann, der gleich bei beidem am Schlagzeug
dabei ist. Weitere personelle Überschneidungen gibt's dann u.a. auch noch zur Ambient-/ Drone-/ Postrock-Band Barst.

MODDER wiederum machen jedenfalls instrumentalen Sludge-Doom-Metal. Schwer schleppend, mit wuchtigem Punch, atmosphärischen Einlagen und leicht noisiger Schlagseite, das alles gar nicht mal sooo weit weg von z.B. Bongripper, aber eben doch auch anders genug.
Ohne vordergründigen Stoner-Blues, nur selten mit Postrock-Aura ('When Your Bones Weren't Meant To Be' schon so ein bisschen...), dafür vielleicht mit einem gaaanz dezenten Hauch Industrial, der aus dem ansonsten durchaus organischen Gelärme der vier Tracks partiell schon mal durchblitzt.
Ich mag den schnarrigen Basssound und ich mag auch den allgemeinen Tiefendruck-Punch, bei dem in meiner Wahrnehmung eigentlich sogar noch ein bisschen Luft für mehr gewesen wäre, allerdings ist die Produktion für derartige Musik auch schon ziemlich klar.
Die Gesamtlaufzeit von gerade mal etwas mehr als einer halben Stunde
finde ich für ein solches Album wiederum zwar echt schon etwas knapp, aber ansonsten: Pretty good! Pretty, pretty, pretty good!
Platte gibt's in Europa über Consouling Sounds.

Ancient Nocturnal Summoning by Corroded Spiral

Dass der ehemalige Sepultura-Schlagzeuger Iggor Cavalera zu diesen alten Helden gehört, die ich auch neuzeitlich inspirierend finde, habe ich ja glaube ich schon 1-2 mal erwähnt. Mit so 17 rum habe ich erstmals versucht "Refuse/Resist" oder "Territory" nachzuspielen, heute sehe ich Iggor im Kontext von Kunst-Performances, Noise-/ Drone-/ Synthie-Experimenten, DJ-Sets, Electronica-Bands und kruden Industrial-Punk-Projekten auftauchen und finds ziemlich cool, dass er eben nicht zu den Typen gehört, die ihr Leben lang nur auf einer einzigen, Moos ansetzenden Musikrichtung rumreiten bis sie nicht mehr merken, damit längst im völligen Spießertum angekommen zu sein (an dieser Stelle Hallo und Tschüss an all meine Freunde aus der Ruhrpott-Meddl-Szene).

CORRED SPIRAL bringt ihn mit Luis Garbàn alias Acid-Techno- bis Breakcore-DJ und -Produzent Cardopusher und Integrity-Shouter
Dwid Hellion zusammen.
Müssen wir jetzt auch noch kurz
über die Metalcore-Vorreiter Integrity reden? Okay: Zu meinen Hardcore-interessiertesten Phasen waren die natürlich ein Ding. Und mit Veröffentlichungen, die in Richtung Industrial/ Noise/ Electronica experimentierten, konnten sie immerhin gewisse Sympathiepunkte bei mir einfahren (auch wenn ihnen solche Experimente vielleicht nicht immer so wirklich gelangen). Als ich dann allerdings irgendwann mal eine ausgewachsene Abneigung gegenüber allem an generischen Bollostumpf-/ Kindercore und der entsprechenden Szene an Windmühlen-Sportmosher-Fans entwickelt hatte, weil dieser ganze Toughguy- und Kung-Fu-Tänzer-Crap halt echt nervt und mir das alles viel zu doof wurde, ist derartige Victory Records-/ Deathwish Inc.-Musik inzwischen halt so ein Paralleluniversum, mit ich eigentlich nix mehr zu tun haben möchte. Just sayin'...

Jedenfalls haben sich Iggor und Dwid nach hundert Jahren noch mal zusammengefunden, um ihrer geteilten Zuneigung für Power-Electronics und ähnlichem auch mit einem gemeinsamen Bandprojekt Ausdruck zu verleihen.
CORRODED SPIRAL's Debüt-EP "Ancient Nocturnal Summoning" kommt dabei (natürlich) als streng limitiertes Tape über das britische Label Phantom Limb und enthält vier Tracks:
Die eröffnende Titelnummer ist ein etwas abstrakt anmutendes Electro-Ding, 'Through The Eyes Of Madness' rauscht als mehrschichtige Dark-Ambient-/ Noise-/ Drone-Fläche daher, 'Resulting Fragments Splinter Existence' vereint pluckernden Maschinenrhythmus, Stimme und düstere Atmosphäre und das abschließende 'Forgotten Ether' ist ein wirres, dennoch straight durchlärmendes Ding mit Industrial-Sound und hintergründig inszenierten Bell-Vocals von
Dwid.

Da Tapes ansammeln eher nix für mich ist und vor allem auch noch viel mehr, weil Sachen aus dem vereinigten Königreich bestellen wegen dieser grandiosen Brexit-Idee und den daraus resultierenden Zollkosten eh kaum noch Sinn macht, muss ich mir das ja jetzt mal ausnahmsweise nicht so wirklich dringend auch physisch zulegen.
Aber glaubt es oder nicht: Abseitiger Kram wie dieser gehört trotzdem zu den Fußnoten aus der Welt der Kreativen, die meinen Bock auf all das hier irgendwie von allen Seiten mit am laufen halten...

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Traveling by Rid Of Me

Als wäre es noch nicht genug, dass die Neuerscheinungen-Großoffensive zum Jahresendspurt generell nochmal ziemlich aufdreht, blablabla etc. pp…
RID OF ME haben hiermit nach ein paar Kleinformaten ihr Langspieldebüt draußen.
RID OF ME gründeten sich verwirrenderweise sozusagen als Spin-off-Band von zwei Mitgliedern der vier von Low Dose - welche wiederum gerade eben erst noch aus allen drei Musikern der aufgelösten Fight Amp und Frontfrau Itarya Rosenberg von den (ironischerweise tatsächlich wegen Scheidung) ad acta gelegten Legendary Divorce hervorgegangen waren – mit einem weiteren Ex-Mitglied einer früheren Fight Amp-Besetzung und inzwischen aufgestockt um einen Kollegen von der Post-Hardcore-Band Soul Glo.

Die PJ-Harvey-Referenz kommt natürlich nicht von ungefähr, auch wenn sie leicht irreführend sein kann, denn RID OF ME machen sowas wie Neunziger-Rock im allerbesten Sinne. Im allerallerbesten Sinne. Die Musik auf "Traveling" groovet mit kräftiger Heavyness und glegentlich ziemlich angezogenem Härtegrad und rauer Punk-Rotzigkeit, ist dabei allerdings irgendwie auch catchy-melodisch.
T
atsächlich finde ich RIDE OF ME direkt sogar noch viel zwingender als erwähnte Low Dose, die auf ihrer Seite etwas gerader gezogen recht nah an Hole'schem Riot-Grrrl-Grunge/ Neunziger-MTV-Rock tön(t)en, während diese Schwesterband dann doch auch schon mal  noch etwas mehr Mut zum unbequem sein zeigt.
Das alles hat die Ecken und Kanten, die ich an vielen anderen RockmusikvertreterInnen vermisse, die aktuell so von der dahinsiechenden Musikpresse gelobt werden. Ich nenne jetzt mal keine Namen. Aber wenn an üblich verdächtigen Stellen demnächst tatsächlich doch nochmal was von einem Neunziger-Revival oder ähnlichem gefaselt werden sollte, dann würde ich diese Band dabei gerne in der Oberliga wahrgenommen sehen, anstatt semiinspiriert-saturierte Vollverstrahlos auf dem Pfad des geringsten Widerstands gegen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Zugänglichkeit. Zwinkersmiley.

"Traveling" ist jedenfalls, falls es bis hierhin noch nicht deutlich geworden sein sollte, ein spät aufgeschlagener Kandidat für eine hohe Platzierung in der Jahresbestenliste und der lebendige Beweis, dass gute, härtere Rockmusik abseits irgendwelcher Szenenmode-Klischees auch 2021 eben doch noch passiert.
Die zehn Songs sind direkt und trotzdem nicht simpel, können atmosphärischen Aufbau genauso wie krachigen Ausbruch, und vor allem sind es tatsächlich auch spannende Songs und nicht einfach nur irgendeine Genremusik-Übung.
Interessant auch, dass man sich den Hitsong mit dem refrainigsten Refrain bis zum Schluss aufspart, um nach neun schon starken Nummern 
dann erst am Ende noch mal eben das Hymnenfeuerwerk abzufackeln.
Pretty good! Pretty, pretty, pretty good!

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Mix-o-Mania

Ernstgemeinte Frage: Interessiert das hier eigentlich irgendwen außer mich selbst? ;)
Aber wie dem auch sei, zum schwungvollen Start in den „Jahresendspurt“ hätten wir natürlich auch schon wieder den nächsten dunkelbunten Strauß an DJ-Sets, digitalen Mixtapes, Broadcasts und so weiter von kürzlich zusammen:

„A heavy set littered with hard hitting neurofunk and tearout jump up to close the Electrikal sound system stage at Woodland Dance Project 2021“ von ANIKONIK aus Schottland gibt’s nicht nur bei Soudcloud, sondern auch in bewegten Bildern konserviert:

ANTAGONIST ist mit der neusten Ausgabe seiner "Astral Mix Series" am Start. Vor allem atmosphärischer Drum'n'Bass, aber auch mal roughere Amenbreakereien, persönliche Faves anderer Künstler und bisher unveröffentlichter Kram von ihm selbst:

Der aktuelle Dev/Null-Release animierte mich dazu, auch mal wieder virtuell bei seinem Kollegen TIM REAPER vorbeizuschauen, und nun bin ich fast überfordert, welche seiner zwölf Mixe oder eigenen Radiosendungen aus den letzten 3-4 Wochen ich teilen soll... ;)
Nehmen wir diese beiden: Der, wenn man das so sagen kann und möchte, Neuzeit-Held des Jungle-Revivals („Future Retro London“) war kürzlich mit einem Gastmix bei Josie Bee's "Jungle Music"-Sendung im Rahmen der essenziellen Station Noods Radio aus Bristol vertreten und gab sich beim eigenen, regelmäßigen NTS Radio-Slot back to back mit MANTRA die Ehre:

"Outsiders: Mediteranos" ist wiederum eine neue Reihe mit Gästen beim belgischen Kiosk Radio, zu dessen Start PHILIP STROBEL vom [aufnahme + wiedergabe]-Label für einen Industrial-/ EBM-/ Techno-Mix an die DJ-Regler gebeten wurde:

Strobel's monatlicher "Dead on Monday"-Abend bei HÖR Berlin fand kürzlich, inklusive "Electric Café"-Talkrunde auch mal wieder statt. Wieder einmal mit dabei war dann auch Urgestein MAX DURANTE, der wieder einmal mit Sturmhaube ein Vinyl-Set auflegte. Kann man dann ja auch mal wieder teilen:

Und wo wir gerade wieder einmal in der Bundeshauptstadt angekommen sind, ist MILK ME dort eine sympathische Plattform, weil die Macher u.a. auch genauso Punk-/ Metal-Konzerte veranstalten, wie sie was für düstere und experimentellere Elektronik übrighaben.
Mit der folgenden Mixcloud-Konservierung präsentiert man uns z.B. ein
eineinhalbstündiges Stream-Set von PETULA BLACKSPERM, das im Rahmen des Krake Festivals stattfand - „a beautiful and strange downtempo journey of selected, improvised and nonsensical tunes”:

Minimalistisch vor sich hin waberndes Ambient-Mix zum abschließenden chillen? Hätten wir auch noch von ENDURANCE (aka Joshua Stefan, auch Betreiber des Tape-Labels Muzan Editions) für's Dublab:

E-Force - Hellucination (Videoclip)

Haben wir echt noch gar nicht über die neue E-FORCE Videosingle "Hellucination" geredet, bzw. das frisch veröffentlichte Album "Mindbender"?

Für alle, die es tatsächlich nicht wissen sollten:
E-FORCE ist die Band von Eric Forrest, welcher wiederum Basser und Shouter der Voivod-Phase Mitte Neunziger bis Jahrtausendwende war und bei einem Tourbus-Unfall einigen körperlichen Schaden nahm, bevor sich die Band zwischenzeitlich auflöste, um wenig später dann auf einmal wieder mit Ursänger Snake vereint in Erscheinung zu treten. Man ist heute allerdings „on good terms“ und kann ihn bei entsprechenden Gelegenheiten schon mal bei den Originalen für einen Song auf der Bühne mitmachen sehen.
Und die beiden Forrest-Alben "Negatron" und "Phobos" mag ich eigentlich schon seit damals ganz gerne.

Ich muss allerdings mal ganz offen und ehrlich gestehen, dass ich Forrest's Post-Voivod-Band E-FORCE nach den ersten beiden Alben dann so ein bisschen aus den Augen und Ohren verloren habe, weil Konzertreisen sie eigentlich nie in meine Nähe brachten (oder ich hab's nicht mitbekommen) und mir die Musik dann ja doch ein bisschen zu sehr nach einem Mittelwegskompromiss klang, welcher die obligatorischen Mitt-/ Spätneunziger-Voivod-Vibes noch ein bisschen näher an konventioneller zugeschnittenen, nicht so wirklich spektakulären Thrash Metal rückte. Und das war mir dann auf gesamter Tonträgerlänge, bei aller Sympathie und trotz vereinzelten brauchbaren Songs, ja doch irgendwie zu wenig...
Keine Ahnung, ob es irgendwie mit daran liegt, dass ich seit den letzten paar Jahren generell immer weniger Metal höre, aber
"Hellucination" finde ich jetzt ja tatsächlich so schlecht nicht: 

 

Das dazugehörige Langspielalbum "Mindbender" ist seit zwei Wochen beim dänischen Label Mighty Music draußen, bzw. auf CD erhältlich.
Vinyl-Versionen sollen im Februar kommenden Jahrs folgen. Vielleicht schlage ich da auf die alten Zeiten dann ja doch mal zu...