Mittwoch, 19. Februar 2020

What is this…

File under „verrückte Welt“: Das Rolling Stone Magazine hat folgendes über die Stunde Null des Heavy Metal herausgefunden:
Der Name des Models, das für das Coverartwork von Black Sabbath‘ gerade 50 gewordenem Debütalbum "Black Sabbath" posierte, ist Louisa Livingstone. Was wohl ein Umstand war, den die Geschichte zwischenzeitlich vergessen haben wollte…


 

Doch nicht nur das: Livingstone, heute ca. Ende 60, macht inzwischen selbst Musik, wenn auch etwas anders klingende: Unter dem Namen INDREBA veröffentlicht sie via Bandcamp Ambient-/ Blues-/ Weltmusik-/ Jazz-/ House-beeinflusste Kompositionen mit sonorem Soundtrack-Flair.
Wie gesagt, „verrückte Welt“, was?


Dienstag, 11. Februar 2020

The Whip

Für den Fall, dass Ihr es tatsächlich noch nicht wusstet und damit es dann nachher nicht heißt, Ihr hättet von nix gewusst: Ende März erscheint übrigens "The Whip" von THE WHIP.
THE WHIP war eine Band, die aus der 1998 aufgelösten Post-Hardcore-/ Sludge-/ Noi
serock-Truppe Karp hervorging. Basser/ Sänger Jared Warren und Drummer Scott Jernigan taten sich mit keinem Geringeren als Joe Preston (Ex-Melvins, Ex-Earth) als Gitarristen zusammen, brachten es allerdings nur auf eine 7‘‘-Single-Veröffentlichung, bevor Jernigan tragischerweise bei einem Autounfall ums Leben kam.
Jared Warren gründete ein Jahr drauf die Duoformation Big Business, mit der er immer noch gut unterwegs ist.
Die „verlorenen Aufnahmen“ von THE WHIP werden nun zig Jahre später auf die Öffentlichkeit losgelassen: "The Whip" enthält insgesamt sieben Studiosongs, die in den Jahren 2002 und 2003 eingefangen wurden (darunter ein Cover des Queen-Songs ‘Stone Cold Crazy‘, der mir von Metallica versaut wurde) und vier Tracks eines Livekonzert-Mitschnitts.
Das Teil erscheint in den USA auf Wantage, in Australien via WeEmptyRooms und soll auf diesem Kontinent noch über Rock is Hell erhältlich sein…


Freitag, 7. Februar 2020

Aktuelle Mixe

Tanz- und Entspannungsmusik zum gut ins Wochenende kommen? Bitteschön:

Das Berliner Industrial-Techno-Label [aufnahme + wiedergabe] empfiehlt die aktuelle Ausgabe des OECUS Podcast mit einem Mix von MELANIA, die uns eine dunkelbunte Mixtur auf einer Bandbreite irgendwo von Postpunk bis Rhytmic Noise präsentiert:


Zur zweiten Ausgabe der neuen Reihe Endocrine Index wurde LUCA (Last Universal Common Ancestor) aus Birmingham ans DJ-Pult gebeten, der genauso Industrial-Einflüsse demonstriert wie Jungle und harten Techno zelebriert:

Der Berliner Max Hock alias ES.TEREO wiederum kombiniert amtmosphärischen Ambient mit deepem Dancefloor-Drum'n'Bass und ist der aktuellste Mixer in der Reihe des Boundless Beatz Podcast:

Beim gerne mal ziemlich (und mir manchmal schon zuuu) Neurofunk-lastigen Best Drum and Bass Podcast von Abducted LTD gaben sich dann gerade auch noch BAD SYNTAX und der geschätzte Hamburger IDEATORZ mit Mix-Sets die Ehre:
 
Und das brandneue Elektro-Label YUKU präsentiert uns einen ersten Querschnitt der Dinge, die da kommen, inkl. dem Mission Statement, für frische Sounds und stilistische Überraschungen anstatt für Konsumkultur nach Schema F stehen zu wollen:

 

Mittwoch, 5. Februar 2020

Jimi Tenor, Metamorpha, Fire in the Sky

Ist es nicht irgendwie bezeichnend, dass sowas wie eine Retrospektiv-Compilation eines Künstlers heutzutage mehr Aufmerksamkeit bekommt als sein brandneues Album?
Ich wusste jedenfalls dank der verhältnismäßig gut geölten Promo-Maschinerie dahinter schon seit Wochen bis Monaten, dass Jimi Tenor im März eine Frühwerk-Best-of namens "NY, Hey, Barca" (klar, inkl. 'Take Me Baby') auf Bureau B/ Tapete Records veröffentlichen wird.
Davon, dass der finnische Exzentriker vor nur zwei Wochen ein reguläres Album raustat, davon erfuhr ich aber ohne Scheiß gerade eben wirklich nur durch Zufall, weil ich aus einem anderen Zusammenhang auf der Bandcamp-Seite von BubbleTease Communications landete, dem Label und Studio von Maurice Fulton, der auch Tenor’s musikalischer Kollaborateur und Produzent von "Metamorpha" ist.
Was sagt uns das? Keine Ahnung, irgendwas aber auf jeden Fall.




Zugegeben: Musik zwischen House, Jazz, schrulligem Electropop und Easy-Listening-Tendenzen ist jetzt nicht so mein Go-to-Ding, aber ich habe mir seit den etwas bekloppten Stunts, die Tenor in den Neunzigern mitunter so hinlegte (inkl. große Schlücke aus ’ner Weinpulle nehmend bei ’nem Techno-Rave auftreten oder bei ‘ner Bläser-unterstützten Performance im Fernsehen die Tasten seiner Orgel abbeißen (!)*) immer eine gewisse Sympathie für ihn und ein gewisses Interesse an seinem Schaffen bewahrt und auch "Metamorpha" ist irgendwas zwischen musikalisch gut und zum Schmunzeln skurril und ich werde das Teil in den nächsten Tagen mit Sicherheit noch ein paar mal digital laufen lassen...

Ferner: In der Arte-Mediathek kann man sich übrigens noch bis zum 23.02. die Doku "Fire in the Sky" ansehen,
zu der Tenor den Soundtrack gemacht hat und die sich mit den weltlichen Auswirkungen von Nordlichtern beschäftigt:


*PS, wo wir gerade dabei sind: Kann es jetzt bittebittebitte jemand hinkriegen, die grandiosen Darbietungen im Rahmen einer deutschen TV-Sendung back in the day aufzutreiben und für die Nachwelt zu erhalten, von der man auf Youtube leider nur den einen Song in mittlerer Qualität (s.u.) findet?

Montag, 3. Februar 2020

Januar Review-Rückschau

Den Vorsatz weniger zwanghaft in alles mögliche aktuelle reinhören und drüber bloggen zu müssen, den hege ich zwar nach wie vor, das Musikjahr 2020 bietet allerdings nach nur einem Monat allerdings schon wieder ein paar interessante bis großartige Sachen:

BOHREN & DER CLUB OF GORE - Patchouli Blue
Geschenkt gebe ich Euch folgendes: Natürlich kann man Gleichungen aufstellen wie, dass die inzwischen zum schlagzeugerlosen Trio geschrumpften Bohren(...) schon zum "Konzert hat mir nicht so gut gefallen wie das zwei Jahre zuvor"-Zeitpunkt X oder bei Album Y so ein bisschen übern Zenit waren - was genau man bei ihnen auch immer als jenen empfinden mag. Ich persönlich jedoch liebe die Doom-Jazzer als so eine Art hiesigen Kulturgut-Export, freue mich auf jedes neue Album ihrer "ereignislosen" Musik, von der man sich mal so herrlich entschleunigen lassen kann, und gehe auch live trotz steigenden Ticketpreisen immer wieder gerne hin. 
Ich würde sogar so weit gehen, dass die Mülheimer (a.d.R.) auf der Schnittstelle von Punk-/ Metal-Spirit samt Krachmacher-Vergangenheit und, sagen wir mal "Hochkultur-Feuilleton-Kompatibilität" längst ein genauso wichtiger und beachtenswerter Markenname wie Einstürzende Neubauten oder Sunn o))) sind und zudem dann ja auch noch sowas wie die lynchige Dunkelversion von Helge Schneider.
Das siebte reguläre Langspiel-/ Doppelalbum "Patchouli Blue" (EPs etc. nicht mitgezählt) erfüllt die Erwartungen, sowas wie „Trauerkloß-Wohlfühlmusik“ zu bieten, wie man sie von ihnen gewohnt ist. Den fehlenden Schlagzeuger schafft man dabei tatsächlich mit einem neuen Minimalismus-Setup zu kompensieren, der ihrer organisch-warmen Dunkel-Musik in einem Tempo-Flow knapp vorm stehenbleiben einerseits noch etwas mehr freien Raum gibt, andererseits aber bei mir direkt noch etwas mehr hängenbleibt als beim Vorgänger "Piano Nights". Schon den gelungen arrangierten Opener 'Total Falsch' empfinde ich direkt irgendwie als total inspirierend, ganz ohne Scheiß. Und noch tiefer eintauchen kann man in das groooßartige 'Vergessen & Vorbei', das mit einem Hauch von Elektronik im Sound gleich noch mal Ambient-esker anmutet.
Wunderschönes Dingen, das mir in den letzten zwei Wochen so manch dunklen Feierabend bittersüß bereichert hat!



HACKEDEPICCIOTTO - The Current 
Das so gut wie nomadisch lebende Vollblutkünstler-Ehepaar Alexander Hacke (apropos Neubauten...) und Danielle de Picciotto hat ein neues Album am Start und es ist ebenfalls groooßartig! 
Schon das 2017er "Menetekel" fand ich mit seiner ungewöhnlichen Mixtur aus Drone-/ Postrock-Klanglandschaften, Krautrock-Reminiszenzen, esoterischem Neofolk, 'nem Hauch von Weltmusik und einer irgendwie postapokalyptischen Aura echt toll, aber "The Current" ist noch mal 'ne ganze andere Nummer!
Die beiden haben dieses mal zwischen der Violine von Danielle und dem auch mal laut-verzerrt dröhnendem Bass von Alex mehr Elektronik mit eingearbeitet, was ihrer Musik hier und da eine dunkel-kühle Würze verleiht, die gleich noch mal eine weitere Spur dystopischer anmutet. Partiell neigt das Ganze gar bis Industrial-Gefilde hinein und doch wiederum haben ihre Songs immer wieder mal eine deutliche Folk-Schlagseite und was von Klageliedern mit Hoffnungsschimmern.
Auf der Gästeliste steht übrigens u.a. wieder mal Unsane-Drummer Vincent Signorelli, der bei einer Nummer trommelt. Womit hier generell 'ne Menge Faktoren zusammenkommen, denen ich mich sehr zugetan fühle, aber "The Current" ist tatsächlich auch noch viel mehr als nur die Summe dieser Teile, wenn mir diese alte Floskel hier mal gestattet sei. 
Der kühle Endzeit-Wind, der bei "The Current" durch karge Vorstadtruinen weht ist etwas, das ich mir wohl echt nicht in jeder Stimmungslage geben kann, aber genau das ist es auch dann wiederum, was das neue Album der beiden erst recht so besonders, eigen und irgendwie auch erschreckend aktuell macht.


N + [ B O L T ] - N​(​77) / [ B O L T ]
Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist dies die dritte Kollobaration in Langspielalbum-Form, die der Dortmunder Drone-Gitarrist N und die vom Bochumer Bassisten-Drone-Duo zum Duisburger Avantgarde-Doom-Metal-Trio mutierten [ B O L T ] auf die Welt loslassen. Und wenn ich den Hintergrund richtig zusammenkriege, entstand das Teil in der entsprechenden Übergangsphase, in der [ B O L T ] gerade erst einen Drummer ins Line-Up assimiliert hatten (der personell inzwischen schon wieder ausgetauscht wurde).
"N​(​77) / [ B O L T ]" enthält daher, im Rahmen seiner drei Crescendo-Bewegungen von Ambient-Drone-Sphären durch schwarzmetallisch inspiriertes Noise-Dickicht, an der Schlagzeugfront auch eher nur dezente Percussion-/ Becken-Garnierung anstatt richtige Drumbeats o.ä. 
Freunde von Sunn o))) und artverwandtem wissen jedenfalls Bescheid...

PETBRICK - Gringolicker
Hand aufs Herz: Ganz ehrlich gesagt fand ich das PETBRICK-Langspieldebüt "I" letzten Herbst dann ja doch nur ganz okay anstatt total berauschend, aber die Tatsache, dass mit Igor Cavalera einer meiner Neunziger-Metal-Schlagzeughelden eine Hälfte eines noisigem Weirdo-Duo bildet, die macht's dann irgendwie eben doch faszinierend und relevant. 
Bei der neuen Single "Gringolicker" wird die Weirdness auf die Spitze getrieben, denn gesungen bzw. gesprochen wird der punkig-rumplige Song von Warmduscher's Mutado Pintado - und jene sind eine der aktuell weirdesten Bands, welche die britische Weirdo-Szene so zu bieten hat. 
Die B-Seite ist dann auch noch ein Remix von SHIT & SHINE, erwartungsgemäß ebenfalls nicht gerade unweird und ferner ziemlich krachig. 
Doch, doch, ich mag sowas!


PISSE - LP
Jeeesus effin' Christ, von den Hintergrundfarben der PISSE-Bandcamp-Seite tun einem (mit Sicherheit gewollt) ja echt die Augen weg.... 
Jedenfalls fasziniert mich diese Band aus den unterschiedlisten Gründen. Z.B. weil's irgendwie ein bisschen was anderes ist, als man hinter diesem Namen erwarten wollte, in wahrscheinlich sogar mehrerlei Hinsicht. Und wegen "Hornhaut ist der beste Handschuh". PISSE sind das fehlend geglaubte Bindeglied zwischen räudigem Rumpelpunk und selbstironischem Studenten-Punk, irgendwie alles richtig gemacht, aber eigentlich auch alles egal, musikalisch total Punk in Reinform, aber mit Orgel und ähnlichem eben doch nicht genormt instrumentiert. Könnt Ihr mir noch folgen? Ist mir eigentlich aber auch egal...
Auf diverse Kleinformate und Tapes mit "LP" folgt nun dann doch mal das erste Langspielalbum über Phantom Records / Harbinger Sound der rural-ostdeutsch wurzelnden Band, der Ihr aber besser mal nicht mit so einer abgelutschten "wie isset denn so im naziproblematischem Osten als linker Punk?"-Plattitüde kommt.
Vom kurz und knapp gehaltenem Highspeed-Geballer bis zum komplett bescheuertem Fast-Instrumental mit Retropsych-Feel ist jedenfalls alles mit dabei. 

Erfrischend unbekümmert verkörpert das hier jedenfalls etwas, das mir bei vielen anderen mit "Punk" in der Beschreibung oft eher fehlt, klanglich und attitüdisch.


SERPENT EATER - Vanitas
Nach diversen Line-Up-Verschiebungen (die zwei Mitglieder der Kölner Hardcore-Legende Hammerhead sind inzwischen nicht mehr mit drin, der Drummer hat auch schon 1-2 mal gewechselt...) sind die SERPENT EATER vom Zweitwerk "Vanitas" ja nicht mehr so ganz die SERPENT EATER des 2013er Debütalbums "Hyena". Was man durchaus hört: Denn was ich an SERPENT EATER zu "Hyena"-Zeiten vor allem bestechend fand war so eine gewisse "stampfende Kantigkeit", mit der sie im martialischen Midtempo zähnefletschend nach vorne marschierten bzw. ihre Brachialmusik senkrecht und eckig in den Boden rammten. Auf "Vanitas" weicht besagte Gangart mit HC-Kante allerdings öfter mal einem rasanten Flow mit noch stärkerer Black-/ Death-Metal-Schlagseite. Melodiös angehauchtes Gitarrengeschraddel, Doublebassgeboller, akzentuierte Blastbeat-Ausbrüche und auch mal ein Cleangeklimper-Intro inklusive, obendrauf sowohl hohes Krächzkeif als auch tiefe Growls. Was bei ihnen jetzt auch nicht alles ganz neu sein mag, aber zuvor nicht in einer solchen Konsequenz betrieben wurde.
Dass sich SERPENT EATER 2020 damit trotz allem, was sie durchaus an sowohl Eigenidentität als auch stilistischem Facettenreichtum mitbringen, weiter jener Art von Musik angenähert haben, die mich nach ca. 25 Jahren Metal-Szene/ Knüppelmusik-Underground und einem sehr ambivalentem Verhältnis dazu inzwischen eher ermüdet, bzw. Musik, auf die ich dieser Tage vor allem auch in Konservenform immer weniger Bock habe (live ist das ja oft noch mal was anderes), das möchte ich der Band nicht mal ankreiden, denn das liegt ja vor allem an mir. 
Die Tatsache, dass "Vanitas" das eine Düster-/ Extrem-Metal-Ding überhaupt ist, das ich in dieser Monatsrückschau mit aufführe, die sagt schließlich auch was darüber aus...

SQUAREPUSHER - Be Up a Hello
Sicher hätte es die Erwähnung in der Blog-Kategorie Bumms-Tschacke-Düsch u.U. auch getan, allerdings ist SQUAREPUSHER ja ähnlich wie Aphex Twin so ein Markenname für sich und über die reine Elektroniker-Liga hinaus, dass man auch in der allgemeineren Review-Rampe mal auf folgendes eingehen kann: Das neue Album "Be Up a Hello" ist tatsächlich ein guter Wiedereinstiegspunkt, sich auch mal wieder mehr der Musik von Tom "The Duke of Harringay" Jenkinson zuzuwenden!
Das unerwartete Ableben eines langjährigen Freundes, sowie eine eigene Verletzung übten einen gewissen Einfluss darauf aus, dass er für sein neues Album back to the roots ging und mit analogem Alt-Equipment intuitiver statt allzu verkopft an Musik arbeitete, die gerne mal dunkler und direkter sein durfte als jene, die er davor zuletzt so (u.a. mit selbstentwickelter Software) gemacht hatte. Eine Rückkehr zum jazzy Jungle seiner Frühwerke sollte man dabei zwar nicht unbedingt erwarten, allerdings gibt es tatsächlich immer wieder mal Momente, die dann doch etwas old school klingen, Acid- und Jungle-mäßige Versatzstücke, 8bit-Sounds und sogar regelrecht rockige Momente inklusive. Diverse Track verlangen einem wie erwartet als komplexer Braindance-Mindfuck so einiges ab, andererseits endet Seite A der LP dann z.B. aber auch als Yin zum Yang mit sowas wie 'ner retro anmutendem Ambient-Komposition und die B-Seite mit einer ziemlich düsteren.
Da ich in letzter Zeit eine starke Zuneigung zu Junge/ Drum'n'Bass/ Breakcore etc. wiederentdeckt habe und außerdem ja immer wieder gerne mal Sachen höre, die einfach anders klingen als das, was die meisten anderen machen, erscheint dieses Album tatsächlich zum bestmöglichen Zeitpunkt, um von mir entsprechend gewürdigt zu werden und ich find's auch ziemlich geil. Allerdings ist "Be Up A Hello" tatsächlich einer dieser Fälle, wo Musik weiter zu beschreiben wie zu Architektur zu tanzen (eigentlich mehr noch wie zu einem Escher-Gemälde) wäre...
Und der Download zur Platte enthält dann übrigens auch noch den coolen 'Vortrack (Fracture Remix)' der Vorabauskopplung, einen zusätzlichen Demo-Track mit noisigem Chiptune-Charakter und einen dreiviertelstündigen Mix-Set vom letzten Sommer, was zusammen mit der echt netten LP-Verpackungsaufmachung samt Hochglanz-Inlays schon ein ziemlich gelungenes Komplettpaket ist!
Wahnsinnsteil, definitiver Jahres-Top-5-Kandidat!



Sonst noch was erwähnenswertes?

BUCK GOOTER's Terry Turtle hat uns verlassen. Die Compilation "Should Today" erinnert daran, was für eine liebenswert-schrullige Sache das "Industrial-Primal-Blues"-Duo zu seinen Lebzeiten doch war.

Freunde gepflegten Grind-Geballers checken die neue EP namens "PPOOWWEERRVVIIOOLLEENNCCEE" (sic!) von ESCUELA aus Massachusetts, welche, wenn ich das richtig verstanden habe, die erste in einer Serie von vier unter dem Motto "An Ode to Tradition" sein soll. 

Jason Albertini von den frisch reunierten Psych-Rockern Duster hat mit seinem Solopropjekt HELVETIA unter dem Titel "Fantastic Life" 14 neue Songs an sowas wie LoFi-Indierock draußen.

Da ich MOLOKEN's 2015er "All Is Left To See", das ich damals für eine Printpublikation reviewen musste, mit so 'ner Art von Prog-Sludge-Metal samt auffällig cooler Rhythmusbetonung gar nicht mal so schlecht fand, sei darauf hingewiesen, dass die Schweden mit "Unveilance of Dark Matter" ein neues Album raus haben. 
Bei mir wird das Ganze aber wahrscheinlich dem "so viel Musik, so wenig Zeit"-Syndrom geschuldet durch's Raster fallen...

Ich hät's ja fast ausführlicher oben mit reingenommen, will mich aber dieses Jahr mehr aufs wesentliche konzentrieren, deswegen im Schnelldurchlauf: Auf Thrill Jockey Records kam vergangenen Monat... 
1.) mit "nijimusi" eine Art Back-to-the-Roots-Album der Boredoms-"Ableger-Band" OOIOO raus. Geboten wird darauf Psychedelic-Rock zwischen jazziger Verspieltheit, krautrockiger Dekonstruktion, Fernost-Harmonien, funky Genre-Hopping, schraddeliger Krachigkeit und partiell tatsächlich auch mal sowas wie einem Hauch von Pop mit der typisch-japanischen Weirdness.
2.) setzt "Scis" laut Label-Info den Kurs der im November veröffentlichten "Eksploio" EP fort, der den schon irgendwann Mitte der Neunziger von der Gruppe zum Soloprojekt geschrumpften Elektronik-Pionier OVAL noch tiefer in eine eigene Ambient-Glitch-IDM-Welt abtauchen lässt. 

UNIFORM haben mit "Awakening" einen neuen Song mit cooler EBM-Kante als Digital-Release rausgetan. 

WELL aus Australien fahren auf dem Mini-Album "Trench Dancer" etwas straight und brachailst knallendes auf, das zu 90% wie kantig-metallischer Noiserock aus der Unsane-Schule mit 10% Würze von Post-Hardcore/ Sludge-Metal aus der Mittneunziger-Neurosis- und Spät-Breach-Ecke klingt. Einen Richtung Newrcomer-des-Jahres schielenden Originalitätspreis gewinnen sie damit auf wirklich überhaupt gar keinen Fall und ein potenzieller Dauerrotator klingt bei mir auch anders, aber über die 23 Minuten, in denen die fünf Tracks der Veröffentlichung nix falsch machend so durchdröhnen, gefällt mir das Ganze gerade auch deswegen, weil's sich für mich irgendwie so ein bisschen vertraut und geliebt anfühlt. Ganz ohne Witz.

Und last but not least hat KIRK WINDSTEIN of Crowbar- & Down-Fame mit "Dream in Motion" ein Soloalbum mit Musik irgendwo zwischen Doom Metal, Singer/ Songwriter, billigen Synthies und klassischem Hardrock draußen, Psych-Instrumental und Jethro Tull-Coversong inklusive.

Freitag, 31. Januar 2020

Bumms-Tschacke-Düsch Januar 2020

Eigentliche Änderung in 2020: Die Blog-Kategorie für einen Blick auf aktuelle Veröffentlichungen elektronischer Musik behalten wir bei, aber mit mehr Tellerrand-Interesse und weniger Genre-Autopilot, mehr Qualität statt Quantität usw. ... 
Im ersten Monat des Jahres ging allerdings trotzdem schon wieder ganz schön viel (so viel, dass ich den ersten Schwung Mixe aus der Neuerscheinungenkategorie ausgelagert und schon vor zwei Wochen gepostet habe):

PETE CANNON - Cannon EP
Das Jahr startete direkt mit drei neuen Tracks an Old-School-Drum'n'Bass/ Jungle/ Breakbeat-Rave von Sunnyboy PETE CANNON, der das Ganze bekanntlich tatsächlich auch so richtig alte-Schule-mäßig per Amiga und/ oder Atari produziert. 
Das oft gerne mal gleichermaßen etwas rau klingende wie auch eher heiter anmutende, relativ komplex arrangierte und doch straight knallende Ergebnis davon ist nichts, auf das ich in wirklich jeder Tagesform Bock habe, aber irgendwie macht der Typ dabei trotzdem was richtig. Etwas nostalgisch und trotzdem zeitlos, vor allem aber wohl very british!
Die Vinyl-Version hiervon war übrigens in fünf Tagen ausverkauft.


END.USER - Fold
Als Vorboten eines Albums, für das ein Sommer-Release via Ohm Resistance angepeilt wird, kredenzt uns Lynn Standafer alias END.USER, der mir nicht zuletzt auch aufgrund des Tragens von Melvins-Shirts sympathisch ist, schon mal eine Digitalveröffentlichung drei neuer Songs. Jene kriegen einen ganz coolen Spagat hin aus atmosphärisch-harmonischem Drum'n'Bass und einer Rhythmus-Arbeit, die auch schon mal etwas wilder werden darf.
Cooles Coverfoto übrigens!

IDEATORZ - Meitnerium
Der Hamburger IDEATORZ trat vergangenes Jahr mit der Instantklassiker-mäßig coolen "I" EP (Distortion Records) auf den Plan. Davon, wie genau man das entsprechende Drum'n'Bass-Subgenre nennt (Neurofunk? Darkstep?), davon habe ich echt keinen sitzen, aber min. 2-3 der vier Tracks sind ziemlich geil auf dem Punkt pumpende Hits mit dem genau richtigen Maß an dezenter Kirmestechno- bis Stadion-Rave-Aura.
Die vier Nummern dieser Nachfolge-EP wiederum sind noch mal 'ne Ecke dunkler, mehr Neuro (der Titeltrack hat echt schon was Ed-Rush-/ Optical-mäßiges) und dabei tatsächlich wieder mal ein ganzes Stück hittiger und griffiger als die Musik so manch anderer, bereits etablierter Fließbandproduzenten vergleichbarer Dancefloor-Musik.
Sehr, sehr geil! 
Download über Beatport oder Juno
Zusätzlich gibt's mit "Bad Man" einen weiteren aktuellen IDEATORZ Track zum Gratisdownload bei DarkSide Records.

METALOGUE - Anomaly
Die letzte EP über Distortion Records ist gefühlt auch noch gar nicht sooo lange her, da bietet uns der irgendwie nach Metal-Nerd ausshende Londoner METALOGUE einen Nachschlag an Musik, die sich zwischen cinematischen Ambient-Drone-Sphären, fettem Electro-Industrial und IDM-Sensibilitäten, sowie Dub- und DnB-wurzelnden (Halftime-)Rhythmen und Brummbässen bewegt.
Obendrauf gbit's noch einen derben Remix von MONSTER X, der letztes Jahr ja einen sehr interessanten Release über Opal Tapes raus tat.  
(Und wo wir gerade dabei sind, sollten wir auch noch mal eben auf die Weihnachten veröffentlichte Compilation-EP "Winter Solstice EP2" vom Label Darkfloor Sound hinweisen, auf der METALOGUE mit dem Track 'I Scream For Satan, I Scream For No One'* vertreten ist.)

OM UNIT - Submerged
Der in London geborene Jim Coles ist schon seit den Neunzigern unter verschiedenen DJ- und Projektnamen (2Tall, Nyquist, Philip D Kick, ...) vor allem in der Drum'n'Bass-Ecke aktiv, hat sich über die letzte Dekade aber vor allem als OM UNIT einen Namen gemacht. 
Ein nennenswerter Meilenstein ist sein 2014er Album "Inversion" über Metalheadz, für das er auf Goldies's persönliches Sample-Archiv zugreifen durfte.
Bei den sechs Tracks der "Submerged" EP (übers eigene Label Cosmic Bridge) wirbelt er u.a. DnB-Breakbeats mit Detroit-Techno-Vibes durcheinander, bedient sich stilisitsch genauso in der Vergangenheit wie der Sound den Blick nach vorne richtet, während produktionstechnisch vor allem auch die Ambient-würdige Atmosphäre und glasklare Klangtiefe des Ganzem beeindruckt.

SCHACKE - Artificial Intercourse
Psychedelisch angehauchter Club-Techno mit so 'ner Art von SciFi-Erotica-Aura?
Keine Ahnung, ist aber gerade auf Instruments Of Discipline raus und auch wenn "Artificial Intercourse" nix is', was ich persönlich jetzt total dringend kaufen und zu Hause hören müsste, ist deren Kram ja wie so oft auch hier irgendwie faszinierend anders.
(Ein aktuelles SCHACKE-Mix gibt's dann außerdem noch beim Resident Advisor Prodcast.) 

SWARM INTELLIGENCE - Ultraware
Das Pseudonym SWARM INTELLIGENCE verbinde ich ja vor allem mit Broken-Beat-Industrial-Techno und atmosphärischer Synthie-Arbeit der experimentelleren Natur, was bei den vier Tracks dieser EP Schulterblicke in Richtung von stampfendem Big-Beat und Acid-House aufzeigt. Als hätte man die Art von elektronischer Musik, die ich baaaaack in the day mal mochte, mit einer eigenwillig-modern designten Zeitmaschine (Eigenbau, keine Serienfertigung) ins heute integriert.
I like!

X.NTE & JUNGLIST VAMPIRE - Antifreeze Criminal 
Mit mehreren gemeinsamen, plus einigen jeweiligen Solo-Tracks ist "Antifreeze Criminal" von X.NTE & JUNGLIST VAMPIRE schon alleine deswegen eine faszinierende Angelegenheit, weil die beiden ein Genre-Hopping betreiben, das von smoothen Funk-/ Jazz-Momenten bis Gabba-Sounds und Metal-Samples reicht, von groovy Hip Hop bis zu hektischem Breakcore, und dabei ohrwurmige Fragmente mit Breakbeat-Massakern verschweißt. 
Einerseits ist das witzige Dance-Musik, andererseits durchaus auch experimentell und irgendwie vor allem auch etwas bekloppter ADHS-Kram, dennoch kommt das Ganze relativ ernst gemeint und gut gemacht rüber. 
Und eines ist "Antifreeze Criminal" dabei garantiert nicht: Monoton oder langweilig.

Noch was?

Eine Handvoll neuer Drum'n'Bass-Singles/ EPs im Schnelldurchlauf: 
Das Retro-Raritäten-Recycling von Deep Jungle geht weiter mit je zwei Tracks von HOPA & BONES (Amenbreakerei trifft u.a. auf Vox- und Sax-Samples) und von SUBNATION (cooler Percussion-Flow bei 'Gunshot'!). Next up: Neues altes von Dillinja!
Auf Metalheadz gibt's neue Releases von RENÈ LAVICE & FUTURE CUT (nicht uninteresssant) und GREY CODE (recht sphärisch, mit dem eigenbtlichen Titeltrack als Digital-Bonus?!) und SEBA & PARADOX (gefällt mit seiner düsteren Schlagseite durchaus!).
Mit "Marbles" ist eine neue EP vom Bochumer OaT auf Context Audio raus. Der Titeltrack ist eine Kooperation mit der Gruppe Incorporate (feat. Kaiza) und den Bonus-Track 'Yesterday' gibt's beim Soundcloud-Profil des Labels zum Gratis-Download! Manchmal ist mir OaT ja echt etwas zu liquid, aber seine etwas lauter scheppernden Tracks gefallen mir eigentlich immer ganz gut.
Doc Scott's ThirtyOne Recordings eröffnen ihr 2020 mit typischem Stoff auf einer 12''-Single von DLR.
Und JOHN ROLODEX hat mit der "Fingerprints" EP dann auch noch drei neue Tracks mit dusterem Bassbrummen, funky Breakbeats und auch mal Soul-Vocalsamples draußen.

Der waxtraxige Industrial/ EBM von NAU-ZEE-AUN wiederum ist ganz nett, wenn auch jetzt nicht sooo mein Ding; erwähnenswert an der "The Year Of Hindsight EP" ist aber noch, dass sie mit einem derben Submerged Remix daherkommt.
Einen weiteren Submerged Remix gibt's zu MAREK KAMINSKI & PITOR MICHALOWSKI's Ambient-/ Drone-Stück "Luna", das er in eine Scorn-beeinflusste Ecke schob.

Und auf das neue SQUAREPUSHER Album gehen wir später an anderer Stelle noch ein.
Der A-Seiten-Remix der letztjährigen Vorabauskopplung sei an dieser Stelle dann aber doch mal nachträglich geteilt, da er im Dezember unverständlicherweise an mir vorbeiging und mit seinem tanzbar-straighten Drum'n'Bass-Flow, der in gewissem Kontrast zur megahektischen B-Seiten-/ Albumversion steht, ein einfach nur großartiger Klopfer ist:



*:

Mittwoch, 29. Januar 2020

So viel Musik, so wenig Zeit…

Notizen an mich selbst:

Ja puh, ich sollte vielleicht echt mal in die monatlichen EPs von 65DAYSOFSTATIC’s Jahresabo-Reihe reinhören, die man sich auf deren Bandcamp-Seite geben kann (Kazimir/ Fugue State/ Looed Future/ Ptolyweirds/ Exvironments pt.1/ Miniatures/ 7over8/ Decomp Sketches/ weitere werden noch folgen...).
Ich mag die Band und ich finde solche Konzepte eigentlich sympathisch, aber meine alltäglichen Hörgewohnheiten als Konsument liegen wohl irgendwie doch ein bisschen anders und old school. Bei sowas laufend am Ball zu bleiben gibt mir irgendwie doch nicht so viel und passt mir irgendwie nicht so gut mit in den Alltag, als sich einem gelegentlichen Album zu widmen... 
Ach ja, zum zehnjährigen Jubiläum ihres tollen Richtungswechsel-Albums "We Were Exploding Anyway" plus "Heavy Sky" EP gibt’s im April ‘ne Vinyl-Reissue? Cool, werde ich mir dann wohl kaufen, denn damals hatte ich so eine „mp3s auf der Festplatte haben reicht mir, ich muss keine hundert weiteren Tonträgerstaubfänger ansammeln“-Phase, die inzwischen wieder ins nicht ganz unbedenkliche Gegenteil gekippt ist. Schade eigentlich ist übrigens ferner noch, dass ich die Band seitdem tatsächlich nicht noch mal live gesehen habe, denn das Tourkonzert zu "We Were Exploding…" im damals frisch umgezogenen Dortmunder FZW habe ich noch in sehr guter Erinnerung…



Mit Blackest Ever Black hat gerade übrigens ein sehr geschmackvolles Label den Betrieb nach einer Dekade eingestellt, das ich mit seinem Programm von Drone und Dark-Ambient über Drum’n’Bass bis Post-Punk erst in jüngerer Vergangenheit so ein bisschen für mich entdecken wollte.  
"Jetzt ist auch egal" oder "jetzt erst recht" noch tiefer in deren Katalog eintauchen?

Fragt mich jetzt nicht wie und warum, aber schon vor dem Ableben von Drummer Reed Mullin sagte ich in jüngerer Vergangenheit immer wieder mal zu mir selbst, dass ich mal wieder öfter das 2012er selbstbetitelte und das 2014er Album "IX" von CORROSION OF CONFORMITY hören sollte, denn tatsächlich sind mir diese C.O.C. von all ihren Inkarnationen die liebsten
In Sachen Musik der Nuller Jahre ist das mit seinem erdigen, old-schoolig-originellem Punk-/ Thrash-/ Stoner-/ Doom-Crossover-Style was, das wie für mich gemacht war…



Eigentlich sollte bzw. würde ich mich ja außerdem auch gerne mal wieder ein bisschen mehr mit Schaffen von DEMDIKE STARE beschäftigen, denn die scheinen ja seit meinem schon länger zurückliegendem letzten Kontakt noch so einige spannende Sachen gemacht zu haben, die mir stilistisch mit sowohl Dark Ambient-/ Industrial-Noise- als auch Jungle-/ Breakbeat-/ Grime-Schlagseiten samt dekonstruktivem Charakter durchaus entgegenkommen…  



Last but not least: Brauche ich eigentlich diese neu gemasterte Version von GODFLESH’s "Streetcleaner: Live At Roadburn 2011", wenn ich schon die 2013er Pressung im Plattenregal habe? Was ist daran anders, klingt die signifikant besser oder fetter oder so?
Im Übrigen war das wohl tatsächlich mein Lieblingskonzert des letzten Jahrzerhnts. Wer auch vor Ort war, die Halle beben spürte und die Boxen vibrieren sah, der weiß, warum...

So viel Musik, so wenig Zeit…
#FirstWorldProblems #Suchtverhalten