Montag, 6. Juli 2020

Musikjournalismus 2020

Mir fällt aktuell übrigens immer öfter mal auf, dass Musikplattformen, die ich mal irgendwie geschätzt habe, inzwischen nicht mal mehr ihre Hausaufgaben richtig machen.
Beispiel: Zur Freitag erscheinenden EP von VOIVOD wird in einer Kolumne von Decibel Magazin, hinter der glaube ich Blake Harrison (Hatrebeak, Pig Destroyer, …) steckt, behauptet, sie würde Remixe enthalten und einen bereits bekannten Song, der sich zur zuvor veröffentlichten Version lediglich in einem zusätzlichen Tröten-Intro unterscheidet.
Der Metal-Blog Invisible Oranges wiederum gibt an, besagte EP enthalte einen neuen Song.
Ja was denn jetzt?
Dabei braucht man es doch nur mal ein mal richtig lesen oder sich die Videosingle tatsächlich mal anhören: Sie enthält den "The Wake"-Albumsong 'The End of Dormancy' in einer nicht nur als Intro, sondern auch weitergehend Bläser-unterstützten Version, ferner zwei Live-Mitschnitte vom Montreal Jazz Fest 2019, wo die Band das Ganze plus die Altnummer ‘The Unknown Knows‘ mit zusätzlichen Trötern uraufführte.
Was zur Hölle ist denn bitte daran so schwierig, das zumindest mal eben richtig aus dem entsprechenden Promotext zu übernehmen?
Ödet die Metal-Szene inzwischen nicht nur mich so dermaßen an, sondern sich auch schon selbst
?

Mittwoch, 1. Juli 2020

Schon wieder ein Monat rum?

Ja krass, ging das mal wieder schnell... 
Wie neulich schon mal auf Facebook angekündigt, gibt’s hier jedenfalls erstmal keine regelmäßigen Neuerscheinungen-Übersichten oder ausartenden Review-Rampen mehr, denn die Quantität an interessanter Musik, die im Laufe eines Monats so rauskommt, die stresst einen Autisten wie mich so auf einem Haufen dann ja doch ziemlich.

Lasst uns aber trotzdem ruhig mal eben drüber reden, dass zu Juni-Veröffentlichungen mit Potenzial, unterm Strich der Jahresbilanz noch gut auszusehen, auf jeden Fall das Sommeralbum-taugliche Debüt des Fugazi-/ The Evens-Familienzuwachs CORIKY und die neue WE ARE THE ASTEROID gehören.  
"Glory, Glory! Apathy Took Helm!", das neue Werk des sympathisch-abseitigen Keif-Sludge-Dröhn-Doom-Duos VILE CREATURE aus Ontario hat mich dann auch noch ziemlich überrascht und ist dann wohl ein Kandidat auf der „vielleicht höre ich in der richtigen Stimmung doch noch mal rein“-Liste. (Scheint also, als würde meine Übersättigung in Bezug auf solche Styles wieder nachlassen...)   

Auch noch erwähnenswert: Mein Verhältnis zu MANTAR ist ja etwas ambivalent. Sie haben hittige Momente, mit ihrer Attitüde kann ich mich grundsätzlich identifizieren, aber irgendwie kommt mir das Ganze dann manchmal trotzdem wie viel grelles Getöse und spackiges Gepose um nix vor, so dass ich mich in voller Konzertlänge dann doch irgendwann etwas genervt und ernüchtert abwende. 
Dass sie als Band, die ein ganzes Stück weit im Meddl-Mainstream angekommen ist, ihrem Publikum mit der neuen Cover-EP "Grungetown Hooligans II" dann allerdings Songs von u.a. The Jesus Lizard, Sonic Youth und Babes in Toyland reindrehen, das gibt ihnen in meinem persönlichen Sympathie-Heftchen dann doch mal wieder 1-2 dickere Punkte auf der Haben-Seite. Chapeau!


Das FM MODUL, den wöchentlichen Podcast von the one and only FM Einheit irgendwo zwischen Bildung, Kunst und totaler Weirdness, verfolge ich übrigens mit gewisser Wonne.

Und dass Tausendsassa Justin Broadrick nun auch wieder in Drum'n'Bass-/ Techstep-Gefilden mitmischt, das feiere ich echt ziemlich!

Diesen Monat wiederum erscheint nicht nur eine VOIVOD EP mit Tröten-Unterstützung
(10.07., Century Media)



…sondern, für Freunde der Voïvod-Ästhetik ebenfalls nicht gänzlich uninteressant, u.a. auch ein neues Album der troglodytischen SciFi-Black-Death-Metaller KHTHONIIK CERVIIKS aus der Gegend von Dortmund (17.07., Iron Bonehead) - die aufgrund einer recht direkten Querverweis-Connection in eine uncool-eklige Schmuddelkinder-Ecke leider nicht ganz unkritisch zu sehen sind, dabei aber kurioserweise genauso auch schon mit eher linken Bands zusammen spielten und was von East Bay Ray-, Hüsker-Dü- und Neil-Young-Einflüssen faseln - sowie eines der DIY-Spirit lebenden Wahlberliner Postpunk-Hardrocker MAGGOT HEART (10.07., Rapid Eye), die ich grundsätzlich ganz gut finde.





Apropos Lieblingsband-Umfelder erscheint am 14.07. dann übrigens auch noch KING BUZZO with TREVOR DUNN's "Gift Of Sacrifice" via Ipecac

Wenn ich dazu mal etwas ausholen darf: Obwohl ich mir in der Vergangenheit ja tatsächlich auch schon ein paar mal welche der oft nicht ganz billigen AmRep-Spezial-Veröffentlchungen und -Reissues der Melvins gegönnt habe, zu denen dann natürlich auch noch horrende Versandkosten hinzukommen, war meine Reaktion auf die immer teurer werdenden, in immer kleineren Handmade-"Art-Edition"-Auflagen, wöchentlich statt an einem Datum rausgehaunen Dinger, die Tom Hazelmyer so fabriziert, in jüngerer Vergangenheit dann ja oft eher Desninteresse gewesen. So gab es schon einige Zeit vor Release von "Gift Of Sacrifice" eine dieser Veröffentlichungen, die ich irgendwie nicht so ganz raffe: Jeweils in einer Hunderter-Auflage als schwarze Platte, bzw. in den Farben "Scheiss Bräu Creamy Ale", "Scheiss Bräu Tour Ale" oder "Scheiss Lite Edition" erhältlich, enthielt die "Six Pack" EP zwei Songs, die auch auf diesem Album sind plus vier andere, darunter als Titeltrack ein Black-Flag-Cover. Vielleicht liegt's an mir, aber so richtig hundertprozentig raffen kann ich das alles nicht...


Außerdem auf dem Schirm haben sollte man dann vielleicht auch noch die neue EP der Osnabrücker EREMIT (17.07, Transcending Obscurity Records), denen neulich der verblüffende Kunstgriff gelang, als neu in der Szene aufschlagende Derbst-Doom-Band zwischen untief-dunkelster Atmosphäre, bleiernd schwerer Heavyness und zeitgemäßem Dröhn- und Gröl-Sound sowohl von Trve-Köppen als auch in Hipster-Kreisen direkt als beachtenswerte Hausnummer angenommen worden zu sein. 
Was ein Conan-Schwert so ausmachen kann... ;)


Sonst noch was? 
Dieser Tage kommt das Langspieldebüt der bereits Roadburn-erprobten A.A. WILLIAMS, das Freunde dunkler Singer-/ Songwriter-Musik auf der Bandbreite von intim bis pompös unbedingt mal checken sollten.
Die in Richtung solcher Bands wie Jesus Liz, Shellac und Sonic Youth schielenden GANSER aus Chicago werden Ende des Monats ein Album namens "Just Look At That Skyveröffentlichen, dessen erste Hörproben ziemlich brauchbar klingen.
Richtigen Holzhammer-Noiserock hätten wir dann auch noch mit dem auch schon am 04.07. kommenden "Curse" von ILS.
Und bei der neuen ZOMBI (17.07,.Relapse) bin ich mir noch nicht so sicher, ob ich derart proggiges derzeit brauche...


Sowas wie dieser Tage auch noch ‘ne Halbjahres-Zwischenbilanz oder ähnliches zu posten, das spare ich mir übrigens auch mal. Ich hatte zwar schon mal dazu angesetzt, aber irgendwie fühlt sich das in Zeiten, in denen nicht nur 1.) die ganze Welt von einer Krise in die nächste Katastrophe zu stolpern scheint, sondern 2.) meine musikgeschmacklichen Präferenzen und damit verbundenen Hörgewohnheiten immer sprunghafter und weirder werden, mehr und mehr pointless an. 
Die Hälfte der Zeit liefen hier zuletzt nämlich eigentlich vor allem Sachen wie
z.B. die aktuellen Alben der Drum'n'Bass-Originale DOM & ROLAND und TECHNICAL ITCH, dann wiederum höre manchmal tagelang kaum noch was anderes als meine Sammlung von REVEREND BIZARRE Reissues rauf und runter. Go figure.

Dienstag, 30. Juni 2020

Hack Sabbath' Paranoise EP

Liebe, elektronische Tanzmusik verachtende Verfechter handgemachten Hardrocks, Ihr müsst jetzt ganz, ganz stark sein:
Heute raus ist die 10'' EP 'Paranoise' von HACK SABBATH!
Dabei handelt es sich um zwei Black Sabbath-Songs, die von jemanden durch die Remix-Mangel gedreht wurden, der im Übrigen unter einem anderen Künstlernamen eines der besten Düster-/ Hart-Drum'n'Bass-Alben des vergangenen Jahres und in dieser Ecke damit auch einen ziemlichen Instant-Classic veröffentlicht hat.
Ich finds ja tatsächlich ganz spaßig. Ihr wohl eher nicht so. Müssen wir jetzt halt alle mit leben.


Samstag, 27. Juni 2020

Konservierte Quarantäne-Streams & Corona-Konzerte (14)

Möglicherweise sind wir in Sachen "Konservierte Quarantäne-Streams & Corona-Konzerte" erstmal übern Zenit, denn Frequenz und Menge an interessanten virtuellen Shows, die auf meinem Radar aufblinken, haben die letzten zwei Wochen dann ja doch etwas nachgelassen.
Geteilt werden möchte aus jüngster Vergangenheit trotzdem mal eben folgendes:

Die süddeutschen Post-Metaller CODEIA (Crowbar meets Issis?) haben gestern ein Internet-Konzert gespielt:



Aus der Reihe wöchentlicher Song-Performances von HACKEDEPICCIOTTO im eigenen Studio hätten wir die Nummer 'Metal Hell':



J FOLEY (von The Austerity Program) hat im Internet-Stream eine Solo-Performance mit vier Gitarren dargeboten:



In der Dortmunder Reihe "MuK-On" gab's das coole Surfrock-Duo LOS DOS CERRADOS:



Und bei Arte's "United we Stream" konnte man sich fünf Stunden elektronische Musik und DJ-Sets aus dem Umfeld der Berliner Éclectique-Clique geben:

Freitag, 26. Juni 2020

WATA Wonderful World

Würden wir noch in Zeiten leben, in denen hiesige Musikmagazine wie RockHard oder Visions irgendeine breitere Relevanz hätten, dann würde ich hier jetzt zur Einleitung mit Sicherheit erstmal irgendeinen selbstgefälligen Seitenhieb konstruieren, dass sie mal wieder die Großartigkeit einer wirklich großartigen Band wie WE ARE THE ASTEROID nicht raffen.
Dabei kann man es ja schon alleine durch's Namedropping betonen, denn WE ARE THE ASTEROID sind Alternative-Adel: 
Basser Nathan Calhoun war mal bei den Butthole Surfers (sowie Gibby Haynes And His Problem), Gitarrist Gary Chester bei Ed Hall und Drummer Frank Gary Martin bei den Pain Teens, Season To Risk, auf ein paar Helios Creed-Alben dabei und mit Walking Time Bombs aktiv (samt Tribes of Neurot-Kollaboration)!

Ihr selbstbetiteltes Debütalbum, das 2016 rauskam, war echt ziemlich großartig und hatte außerdem ein großartiges Jack Kirby-Gedächtnis-Coverartwork.
Der Stunt, dass sie einen Melvins-/ Flipper-Song, den sie bei einer Handvoll gemeinsamer Konzerte live aufgeschnappt haben, mal eben coverten ohne den Text wirklich zu kennen, war auch ziemlich ulkig. 
Und sie waren letztes Jahr im Flipper-Vorprogramm ebenfalls ganz, ganz großer Spaß!

Das soeben veröffentlichte "WATA Wonderful World" ist Longplayer Nummer #3.



Und man sollte nix zuuu weirdes oder allzu brachiales erwarten, wenn man an WATA rangeht, denn das hier ist in letzter Linie nicht mehr und nicht weniger als einfach nur gute, zeitlose Rockmusik, die allerdings durchaus originelle Frische, sowie einen gewissen Kauz-Faktor ausstrahlt.
Passagenweise tangiert das Trio dabei auch schon mal die Kreuzung zu klassischem Hardrock/ Proto-Heavy-Metal, kriegt dann aber doch immer wieder die Querfeldein-Kurve zu straightem Rotzrock der besten Sorte, Psych-Punk-Anwandlungen und vielleicht sogar sowas wie Grunge, womit ich aber den ursprünglichen, coolen Grunge meine (Mudhoney, Tad...) und keine gen Stadion schielende Middle-of-the-Road-Jammermusik.
Und wenn dann zwischendurch doch mal so ein Weirdo-Nosierock wie 'Email' durch die Albummitte sägt, ist's einfach nur herrlich.
Die letzten beiden Tracks des Albums klingen dann ein bisschen über, aber das macht nix. 

Vielleicht kein Album-des-Jahres-Kandidat, aber als authentische Leftfield-Altherren-Rock'n'Roll-Angelegenheit ist das hier eine wirklich spaßige Sache.

Witzig übrigens außerdem: Der Basslauf im Opener ‘Trilogy‘ klingt, bevor die Nummer dann noch so richtig Fahrt aufnimmt, irgendwie wie ‘ne Kreuzung aus ‘Come As Your Eighties‘ und ‘Waiting Room‘.

On The Day The Earth Went Mad

Und ich dachte schon, dass wir uns mit meinem eigenen aktuellen Musikprojekt ganz schön Zeit gelassen haben, mal mit Veröffentlichungen aus der Hüfte zu kommen… Unter BLACK & RED firmiert ein neues Projekt von Killing Joke-Frontmann JAZ COLEMAN, der hier auch indisches Harmonium spielt und dessen Grundidee dazu schon zehn Jahre zurückliegt. Coleman‘s Partner in Crime bei dieser Sache ist Didgeridoo-Virtuose ONDREJ SMEYKAL.
BLACK & RED geht dabei auf ein Projekt names „Dodecahedron“ zurück, in dessen Rahmen Coleman sich u.a. auch mit den therapeutischen Eigenschaften des Didgeridoos beschäftigte, wozu dem man auf seiner Website in einem siebenseitigen PDF alles nachlesen kann

Das Ganze läuft ein bisschen unter dem Motto „Who’s Mad Now?“, zumal man dem guten Jaz ja seit Dekaden gerne mal nachsagt, ziemlich einen an der Schüssel zu haben, inzwischen aber die ganze Welt um uns herum mehr und mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint.
Weswegen es laut seiner Aussage auch Sinn machte, die limitierte 10‘‘-Single 'On The Day The Earth Went Mad' erst nach dem Corona-.Lockdown zu veröffentlichen.


Besagte 10'' Single (die den Song in normaler und instrumentaler Fassung enthält) und ein Videoclip dazu sind heute raus!
Dafür, dass die Instrumentierung tatsächlich nur aus Didgeridoo und Harmonium besteht, klignt's ja schon irgendwie krass... 

Ein ganzes Album wurde in dem Zuge ebenfalls schon mal vage angekündigt.




Mittwoch, 24. Juni 2020

Human Impact - Transist / Subversion

Die starke Noiserock-Supergroup HUMAN IMPACT hat zum starken Album, das im März rauskam, einen weiteren Nachschlag in Form einer 2-Song-EP auf Bandcamp am Start, zu deren Tracks es dann auch noch einen jeweiligen Videoclip gibt.
'Transit' ist dabei eine weitere Nummer, die Chris-Spencer-typisches Kanten-Songwriting so ein bisschen in eine Industrial-rockige Ecke schiebt, während 'Subversion' in Ambient-/ Noise-Gefilde abrauscht.
Ich kann es ja echt allein schon deswegen nicht erwarten, dass wir diese Covid-Scheiße bald mal hinter uns haben, damit man diese Band somit vielleicht auch mal live erfahren darf...