Montag, 16. September 2019

Scary Busey (s/t)

Fast unbemerkt erschien vergangene Woche Freitag ein selbstbetiteltes Album von SCARY BUSY, die hier letztes Jahr schon mal erwähnt wurden.
Weswegen ich mir große Vorreden zur Band um Drummer Jamie Sykes (Thorr’s Hammer, Burning Witch, Gnaw) spare und gleich mal auf den Punkt komme:

Auch wenn man durchaus in Frage stellen darf, ob es wirklich notwendig war, die komplette Debüt-EP "Faceless Beacons" als halbes Album neu aufzunehmen, bringt "Scary Busey" eine rohe Liveband-Energie mit, lärmt herrlich kaputt irgendwo zwischen Noiserock, Psych-Punk und Metal, zwischen fast schon industriell groovenden Anwandlungen Richtung Gnod ('Mankind (The Plague)'), Melvins'schem Doom ('She's a Spider'), krummen Weirdo-Rock-Kompositionen ('A President Swathed in the Queen's Clothes'), gar mal garstigen Blastbeat-Attacken ('Sleep' ) und auch einem Hauch von NoMeansNo.
Und jetzt findet die gut, denn es braucht mehr solcher Musik und mehr Leute, die sowas hören!

Freitag, 13. September 2019

Industriestandard: Krach aus dem Folterkeller

Wird mal wieder Zeit für den nächsten Industrial- und Noise-Notizzettel und es passt ja irgendwie ganz gut zum Freitag den 13. …

PHARMAKON hat kürzlich mit "Devour" (Sacred Bones Records) ein neues Album rausgebracht. Schon Vorgängerwerke wie "Abandon" und "Bestial Burden" sorgten mit einer höchst beklemmenden Kombination aus Power-Electronics-Lärm und leidvollen Vocals für viel Aufsehen und live konnte man das Ganze hier und da auf Packages mit etwa Swans oder Godflesh bestaunen.
Eigentlich hatte ich den Eindruck gehabt, dass PHARMAKON mehr will als ein Harsh-Noise-Act zu sein, denn sowas wie…  nun ja, sagen wir mal „musikalische Strukturen über reinen Krach hinaus“ waren auf Vorgängerwerken durchaus im Alptraum-Industrial der New Yorkerin Margaret Chardiet zu erkennen. "Devour" ist allerdings sowas wie ein Rückschritt zu richtig harschem LoFi-Feeling. Noch fieseres Geschrei als zuvor ist fünf Tracks lang hinter einer Noise-Wand zu vernehmen, ungekünstelt im Studio live aufgenommen. Uneasy Listening, das an die Substanz gehen kann. Keine Ahnung, was für negative Erfahrungen Chardiet hier unter dem metaphorischen Rahmenthema der Selbstzerstörung mal wieder verarbeitet, aber wenn man das hört, möchte man mit ihr echt nicht tauschen.



 

Was uns zu TREPANERINGSRITUALEN bringt. Das 2017 sogar in meine Alben des Jahres aufgenommene "Kainskult" begeisterte mit einer interessanten Mixtur aus düster-ritueller Aura und Musik, die eben doch auch Musik war, wenn Ihr versteht was ich meine.
Auf seinem aktuellen Werk "ᛉᛦ - Algir; eller Algir i Merkstave" (Cold Spring) bietet der regelrecht troglodytisch anmutende Schwede allerdings sowas wie reine Dark-Ambient-Untiefen im Rahmen zwei (gleich) langer Tracks, anstatt die facettenreichere und auch mal rhythmische Richtung von "Kainskult" weiter zu verfolgen, die auch live ziemlich gut funktionierte... Ja puh.




SISTO ROSSI hätten wir auch noch! Der im Ruhrpott lebende Amerikaner, der zum destruktiva-Inventar gehört, hat schon im Juli mit "My Dungeon My Rules" ein Tape über das sympathische Experimentallabel Ana Ott aus Mülheim an der Ruhr rausgebracht, aber ich bin erst jetzt so wirklich zum reinhören gekommen (…).
Das Teil ist recht abwechslungsreich graten und wird von einem Rumpelrumpel-Opener und einer eigentlich schon Richtung technoider Drone-Ambient gehenden Nummer à la Phill Niblock eingerahmt, zwischen denen es dann vor allem in verschiedenen rauscht und dröhnt.
Ziemlich gelungen!

Nebenbei: Sisto's Split-Tape mit dem Industrial-Drone-Duo XQM (einer der beiden auch Mitglied der Black-Metal-Macht Ultha) gibt's übrigens auch noch.



Wer im Folterkeller nicht nur rumstehen und Angst haben, sondern vielleicht auch ein bisschen das Tanzbein schwingen will, auch dem kann ferner noch passend geholfen werden:
Die seitens des Labels Cluster Node unter „Harsh Industrial Techno“ laufende EP "Pink Dog" vom kolumbianischen Wahlberliner BRAYAN VALENZUELA ist während seiner drei Original-Tracks ein faszinierendes Teil mit krachig-kaputter Analog-Ästhetik samt regelrechtem Keller-Charme und rummsenden Bassdrum-Kicks, zwischen Hardstyle-Techno, Noise-Rauschen und krummen Industrial-Kompositionen. Auf jeden Fall ganz geil, obwohl ich normalerweise nicht übermäßig auf sowas stehe, aber an irgendeiner Stelle blitzt dabei sogar mal der Spirit von Sielwolf zu ihren krawalligsten Zeiten durch.
Obendrauf gibt's dann noch zwei Remixe.




Noch mal internationale Wahlberliner: Das Debüt-Album "You May Feel Some Pressure" der aus Texas stammenden Ehepaar-Band SPIT MASK kam kürzlich über [aufnahme + wiedergabe]. Ihr OId School Industrial-/ EBM-/ Synth-Punk-Kram ist ja normalerweise auch nicht sooo meine Welt,  ich muss allerdings sagen, dass ich diesen im positiven Sinne etwas gestrig klingenden Sound davon
irgendwie mag: Das Ganze sägt nämlich eher analog und etwas aggressiv, verwaschen und raukantig, und setzt sich damit so ein bisschen von der ganzen geglätteten Digitalmusik und einfallslos-minimalistischen Four-to-the-Floor-Schieberei ab, wie man sie aus derartigen Gefilden sonst viel zu oft vernimmt.



Sonst noch was?

Joah, apropos glatter Kram: Irgendwie ist‘s ein ziemlicher Throwback in die Mittneunziger, dass man dieser Tage wieder mal öfter über den Namen RHYS FULBER stolpert. Zeitweise tatsächlich
gleichermaßen in der Elektroniker- wie in der Metal-Szene nicht nur geschätzt, sondern teilweise auch eher dafür verachtet, dass er (u.a.) als Mitglied von Front Line Assembly und Produzent/ Remixer von Fear Factory Welten zusammenführte, die im Großen und Ganzen nix miteinander zu tun haben wollten.
Mit "Ostalgia" hat er – passenderweise ebenfalls über ein Berliner Label (Sonic Groove) – ein neues Solo-Album draußen, das all seine Ambient-, Techno-, EBM- und Industrial-Erfahrungen in einem flüssig groovendem Stil von klinischer Klangklarheit bündelt.
 

Ich konnt’ mich übrigens glücklich schätzen, als ORPHX in der Stadt hielten, am Merch-Tisch tatsächlich das letzte 2LP-Exemplar ihres,via Hospital Productions auf 333 Stück limitierten und "Light Bringer" betitelten Live-Kollaborationsalbums mit JK FLESH aka Godflesh‘s Justin Broadrick zu ergattern. 
Modularer Industrial-Techno, Rhythmic-Noise, ein Hauch von Power-Electronics und auch mal Gegröle von Justin. Obwohl die acht Tracks bei zwei verschiedenen Events eingefangen wurden (in den Niederlanden und Berlin) hat das Ganze einen ganz coolen Flow!

Last but most definitely not least: Die AUTHOR & PUNISEHR Adult-Swin-Single "A Crude Sectioning" gibt’s jetzt auch bei Bandcamp!

Mittwoch, 11. September 2019

Bumms-Tschacke September

Kaum war die Highlight-reiche letzte Ausgabe abgeschickt, kamen frisch zum Monatwechsel schon wieder die nächsten brauchbaren Ladungen an Neurofunk-Twosteps und Jungle-Amenbreaks raus... Wobei, eigentlich vor allem an Twosteps.

GGG002: THE SATAN, TRIPPED, MIKEY MOTION, RAXYOR, KHAOZ ENGINE, DELTA 9 & FIEND
Mit der dritten auch schon in der Pipeline, ist hier die zweite 4-Way-Split/ Compilation-EP des eher Hardcore-Techno-orientiertem Labels Triple G Recordings aus New York mit Tracks von THE SATAN, RAXYOR & KHAOZ ENGINE, TRIPPED & MIKEY MOTION und DELTA 9 & FIEND. Die Grenzen zum Drum'n'Bass-wurzelnden Breakcore sind von hier aus wohl fließend - wenn ich aber mal ganz ehrlich bin, geht so ein überdreht-fetter Aggro-Krimes-Sound für mich, trotz gewisser Sympathien für die Nische von Sonicterror Records und co. nur gelegentlich in kleinen Dosen.
Irgendwann die nächsten Tage (Freitag, den 13.?) wird das Teil auch komplett bei Bandcamp zu hören sein und man kann die LP übrigens anstatt von Überesse auch aus einem Nachbarland beziehen.

HYBRIS - Big Wig/ Mr. Tangles
Zwei Songs vom Prager HYBRIS übers eigene (Digital-)Label Pseudoscience Recordings: Einer davon eine hörbare Verneigung vor der alten Jungle-Schule mit modernem Anstrich, der andere interessant-bedrohlich.
Demnächst dann vielleicht auch noch bei Bandcamp.

MAKOTO - Tomodachi Sessions
Die japanische Drum'n'Bass-/ Jazzstep-Hausnummer MAKOTO hat ein neues Album mit einigen Gaststars über Hospital Records raus.
Zum Reinhören empfehle ich die Label-Seite selbst, da die sonstigen Streaming-Optionen alle mehr so semiprickelnd sind.
Oben drauf gibt's dann auch noch einen aktuellen Gast-Mix bei der BBC Radio 1's Drum & Bass Show with René LaVice.

OAT - NTPRT / Pollution
Sollte ich den Stil vom nicht nur Black-Sun-Empire- und Noisia-, sondern auch Tool- und Prog-Metal-beeinflussten OaT beschreiben müssen, würde ich es mit "dunkel und treibend, aber eher smooth als zuu hart knallend" versuchen. Kaum habe ich das geschrieben, überrascht er nach dem trotz Vocal-Sample eher kühl kickenden ersten Track der 2-Song-Digitalsingle "NTPRT / Pollution" (via Skankandbass zum Gratis-Download!) dann auch noch mit einer kaputt-industriell klingenden Nummer. Wow!
Die nächste OaT-EP "Close Managment" kommt übrigens schon am 25.09. über T3K Recordings.

REVAUX - Sacred EP 
Leider auch nur digital bringt das französische Label Vandal Records eine nett aufgemachte Serie an EPs raus, die sie im Feld von "liquid and deep music" sehen.
Etwas dunkel-atmosphärischen, trotz industriell anmutenden Elementen im Sound aber manchmal fast schon eher warm klingenden anstatt vornehmlich hartkantig-unterkühlten Kram (zu dem ich bei DnB sonst ja oft gerne neige) wie die aktuelle "Sacred" EP vom britischen Brüder-Duo REVAUX finde ich dabei ja tatsächlich ganz cool!


STATE OF MIND - Land of the Blind
Keine Ahnung, ob und wann genau das gesamte Album noch bei Soundcloud zu hören sein *, bzw. ob es dann zeitnah auch noch weitere Optionen als lediglich Beatport und Spotify geben wird, aber die neuseeländischen STATE OF MIND haben, nachdem schon das 2014er "Eat the Rich" und folgendes sehr gut ankam, gerade ein weiteres Langspielalbum über Blackout Music rausgebracht, dem Label der niederländischen Genre-Giganten Black Sun Empire, die auch (mal wieder) bei zwei der dreizehn Songs mitwirken, darunter der Vorab-Track 'Part Of Me'.

*Update: Das Ding ist inzwischen komplett auf Soundcloud:

XEOMI & KAIZA - Life After Death 
Nach bereits zwei EPs über zwei verschiedene Label im Juli hatte die südkoreanisch-deutsche Zusammenarbeit der Herren
XEOMI und KAIZA Anfang September schon wieder die nächste übers nächste Label am Start, dieses mal über Hanzom Music aus Kölle und wieder mal hat das Ganze visuell so eine gewisse Düster-/ Hart-Ästhetik. Die ganz gut passt, denn die mitunter hart und krachig klöppelnden Neuro-Twosteps der beiden strahlen einen gewissen Punk-Spirit aus. Gefällt mir!
Warum 
allerdings einerseits nicht alle Tracks in voller Länge auf Soundcloud zu finden sind, dort wiederum aber auch noch ein Gratis-Bonustrack addiert wurde, das muss man dann wohl nicht so wirklich verstehen...
Vielleicht muss ich dafür ja jetzt doch mal einen Beatport-Accout zulegen. Dort gibt es im Übrigen einen weiteren aktuellen Track der beiden auf der Compilation "STKT 004" vom Label Kill Tomorrow
Einen aktuellen Hanzom Music Podcast von und mit XEOMI auf Soundcloud hätten wir dann ferner auch noch dazu.

Sonst noch?

Die Charity-Compilation "Borrowed Time (Save the Rainforests)" von MethLab sollte man für den guten Zweck mal ansteuern.

Neuer Metalheadz Podcast mit SBB1!

Beim "Samurai Music Podcast" war zuletzt PRESHA an der Reihe. Die Vorgängerausgabe mit HOMEMADE WEAPONS (echt ein Mega-Album, ich kann es nur noch mal betonen, Mega-Album!) sollte man sich ebenfalls mal geben.

Podcast-Hörer könnten ferner vielleicht das Interview mit Kurt Gluck aka Submerged bei Bassfug interessant finden, bei dem u.a. über sein Label Ohm Resistance und die Szene in seiner aktuellen Wahlheimat Berlin geredet wird.  
Einen Live-Stream davon, wie er in einem Berliner Plattenladen zwischendurch mit aufgelegt hat, gab's dann ferner auch noch.



  • Bumms-Tschacke-Düsch (Mai 2019): Mixe von SUBMERGED und GORE TECH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (2): SUBMERGED Live-Set, OAT 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (3): EPs und Singles von BEAMWIDTH, BREAKAGE, PETE CANNON, HEADPLUNGER, MARK
  • Bumms-Tschacke-Düsch (4): Alben von HOMEMADE WEAPONS und PARAGON
  • Bumms-Tschacke-Düsch (5): Live-Set von MONOLOG, EPs von SUBMERGED, IDEATORZ, ERIS & OZ1 und END.USER & AARON BIANCHI / VELOS & N.L.I.C. 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (6): USDNB Producer Showcase/ Best Drum and Bass Podcast
  • Bumms-Tschacke-Düsch (7): DEEP JUNGLE Labelportrait mit u.a. DILLINJA,  RAFFKUTT, SIMON BASSLINE SMITH und TECH ITCH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (8): Mixe von DJ HARMONY, RAY KEITH, AMIT und BENNY L; EPs von METALHEADZ und EATBRAIN  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (9): EPs/ Singles von KNORZ, MIZO, NAIS, OAT, OPHOBOT, PASCAL, THE TEKNOIST und SAMURAI MUSIC, plus paar Mixe und Live-Sets
  • Bumms-Tschacke-Düsch (10) mit Soundcloud-Playlist, ThirtyOne Recordings, FLAME 2 (The Bug + Burial), KARL K, SWARM INTELLIGENCE, TORN, ...  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (11): ARCLIGHT & Vandal Records Compilation, BLACK BARREL (Metalheadz), BLACK SUN EMPIRE, MAHAKALA, T3K Recordings' DOUBLE HELIX / XEOMI & KAIZA / INSTINKT, einige Mixe/ Live-Sets und weiteres...
  • Bumms-Tschacke-Düsch (12): BIZARRO, DAGHOTI, AARON SPECTRE, JEM ONE, RAY KEITH, METALOGUE und weitere...
  • Dienstag, 10. September 2019

    Verschollenes Tinsel Teeth Album!

    TINSEL TEETH haben gerade unter dem selbsterklärenden Titel "Untitled and Never Released... TT as a 3 piece." was eigentlich älteres erstmals bei Bandcamp rausgetan.
    Dabei ist der allgemeine Status der Band aus Providence, Rhode Island im Übrigen sowieso völlig nebulös. Vor einigen Jahren waren sie mal eine der schrägsten und auch irgendwie furchteinflößendsten Bands around, da ihre ziemlich wilde Noiserock-/ Chaoscore-Musik mit einer komplett wahnsinnigen Frontfrau daherkam, die auch schon mal sowas brachte wie nur mit einem Strapon bekleidet und kunstblutverschmiert durch’s Publikum zu progen und grölen.
    Irgendwann war sie nicht mehr dabei und die restliche Band machte zu dritt weiter. Irgendwann trat man doch mal wieder mit ihr auf. Irgendwann war völlig unklar ob es die Band überhaupt noch gibt und in welcher Form. Vermutlich wissen sie es selbst nicht so genau.
    Aber hier ist ein bis gerade eben unveröffentlichtes Album aus ihrer Zeit als Trio:


    Sonntag, 1. September 2019

    dESTRUKTIVA XII

    Mensch, dESTRUKTIVA, was war das mal wieder herrlich, gestern Abend im AZ Mülheim. Videokunstvorführungen (betont „nicht-narrativ“), Krachmachergeräte-Workshop und natürlich Lärm live on Stage.
    KALSARIKÄNNIT eröffneten das Ganze mit einer etwas konzeptlos wirkenden Kombination aus Speedcore-Noise-Techno und Rumgekreische, nuja...

    Eine regelrechte Offenbarung ist allerdings danach LUXUL: Mit Violine und Effektgerätekette gibt die blauhaarige Britin eine hochintensive Performance zum besten. Ein verzerrt stampfender Rhythmus, Wände aus harschem Krach, Urschreitherapie und auch Zerstörungswut. Sie zerbricht den Bogen, schlägt gegen ihre ramponierte Geige, brüllt, röchelt und schreit, bis sie wie ein sterbender schwarzer Schwan alles gegeben habend zusammensinkt.
    Mega. Einfach nur mega. Wer mal eine Gelegenheit bekommen sollte, sich das anzusehen, sollte es unbedingt tun.
    Bei BEST FRIEND MACHINE gab's dann Harsh-Noise-Alarm, bei dem der ganze eigene Körper mitvibrierte. 
    Kann man machen!
    Ob ich mich damit jetzt irgendwie als Banause oute oder nicht ist mir egal, aber ich sach's mal ganz offen: Auf dem „Co.-Headliner-Slot“ zwischen Noise-Getöse und Industrial-Geschepper muss ich nicht am späteren Abend bei klirrenden Bierflaschen 'ne Lesung von Gaga-Prosa haben. Können Andere aber gerne anders sehen.

    Krönender Abschluss mit BEINHAUS! Das Wort muss eine Waffe sein! Die Wiesbadener Band tritt heute außer der Reihe nur als Duo auf und hat mit technischen Problemen zu kämpfen, dafür rekrutiert man allerdings auch mal eben spontan Publikumsangehörige als Metall-Percussionisten. Es weht ein herber Wind früher Neubauten und von Test Debt. in der Luft, mit prägnanten Muttersprachen-Slogans, rummsenden Rhythmen mit EBM-/ leichten Hip-Hop-Vibes, auch mal 'ner interessanten Coverversion und einem Frontman, der wie eine Fernsehmoderator- oder Motivationstrainer-Mischung aus Blixa Bargeld und David Yow rüberkommt, was ich durchaus als Kompliment meine.
    Kurzweilige Sache, würde ich mir ebenfalls wieder ansehen!
    Und meinetwegen könnte sowas alle paar Wochen stattfinden!
    (Nächster Stopp: "Kreative Unruhe" im Duisburger Djäzz!)

    Dancing in September

    Hey, hey, hey, ba de ya, say do you remember, ba de ya, dancing in September…

    In eigener Sache: Die episch ausartenden „antizipierte Alben“-Posts bzw. monatlichen Neuerscheinungen-Übersichten wird’s hier zukünftig so nicht mehr geben. Weil: Es ist die reinste Sisyphusarbeit, das antike Blogspot-Backend nervt dabei schon mal ein bisschen und wenn 1.) ich mir die Hälfte davon nicht mal selbst so richtig anhöre und mich die Hälfte der anderen Hälfte dann auch nicht gerade umhaut, 2.) das eh kaum jemand wirklich liest, dann ist das Ganze ja eigentlich sowieso so pointless, dass wir uns das ruhig klemmen können.
    Zur Abdankung der Rubrik gibt's diesen Monat noch mal drei hervorgehobene „Höre ich auf jeden Fall mal rein“- bis „freue ich mich drauf“-Alben und darunter noch eine kleinere Aufzählung weiterer „könnte man auch ma’n Ohr riskieren“-Neuerscheinungen diesen Monats. Im Oktober werde ich sowas dann allerdings höchstwahrscheinlich nicht mehr bringen, weil kein' Bock.
    Wissta Bescheid, wa'?!


    65DAYSOFSTATIC - Replicr, 2019
    VÖ: 27.09 | Superball
    Im Grunde genommen passt's ja „wie Arsch auf Eimer“ zu meiner „bloß nicht so viel Schraddelbratgitarre, gähn, aber gerne mal Dark Ambient / Drone oder am liebsten Bumms-Tschacke-Düsch“-Phase der letzten Zeit:
    Bei ihrem 2004er Langspieldebüt "The Fall of Math" nahm man 65DAYSOFSTATIC vor allem als speziellere Mitspeerspitze des damaligen „Instrumental-Postrock“-Hypes wahr, allerdings waren auch damals schon sowas wie Warp-Records-kompatible Mathrock-, IDM- und Electronica-Tendenzen in ihrer Musik. Der Nachfolger "One Time for All Time" wusste das Niveau mindestens zu halten und hatte zudem mit dem Piano-Geklimper der cheesy Schlussnummer 'Radio Protector' einen regelrechten Hit zu beiten. Das dritte Album "The Destruction of Small Ideas" verärgerte 2007 dann allerdings mit einem völlig misslungenen Sound und weniger spannendem Songmaterial. Auf dem sehr geilen 2010er "We Were Exploding Anyway" wiederum vollzogen die Briten dann eine unerwartete Wende zu einem mehr EDM-orientiertem Sound und Stil. Techno-Postrock, der ohne übertriebene Big-Beat-Knallefffekte o.ä. dennoch ein unterschwelliges Neunziger-Feeling in eine deartige Richtung aufzeigte. Außerdem war's ein interessanter Move gewesen, das dem überraschten Konztertpublikum schon vor Veröffentlichung des Albums so vor den Latz zu hauen.
    In den Folgejahren hatte ich die Band dann ein bisschen aus den Augen verloren ("Wild Light" war dennoch ein ebenfalls mehr als passables Album) und leider nicht noch mal live erleben dürfen (ihre technischen Anforderungen an Auftrittsorte sind wohl auch etwas höher), hatte aber mitbekommen, dass sie zwischenzeitlich u.a. Soundtracks für Computergames und einen eigenen zum SciFi-Filmklassiker "Silent Running" gemacht haben und sowas…
    Ersten Hörproben nach strahlt ihr neues Album auch genau solche Retro-SciFi-Soundtrack-Vibes aus, gepaart mit zeitgemäßer Bumm-tschacke-Elektronik und hintergründig sphärender Postrock-Gitarre. Und wisst Ihr was? Ich glaub‘ darauf, in genau sowas einzutauchen, habe ich im Moment wiiiirklich tooootal Bock!


    CLOUD RAT - Pollinator
    VÖ: 13.09. | Artoffact Records
    Scheint echt so, als würden CLOUD RAT in der internationalen Metal-Blogosphäre und -Presselandschaft schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen, aber hierzulande verpennt man es mal wieder völlig und überlässt derartiges gänzlich den AZ-Gängern und krachfetischistischen Nerds. Between you and me: Das ist mit einer der Gründe, warum ich wieder damit aufhören musste, (bezahlt) für ein größeres Rockmusik-Magazin zu schreiben. Die hiesige Metal-Szene, in der willenlos-spießig immer nur der gleiche abgestandene Sodom-Mist wiedergekäut wird und man wirklich null Abenteuerlust auf anderes, frisches, aufregendes, transgressives abseits patronenbegurteter Klischees versprüht, in der fühle ich mich halt wirklich wie ein Alien.
    CLOUD RAT jedenfalls zählen schon seit einiger Zeit zu den spannendsten Bands des Next-Generation-Grindcore. Das Trio aus Michigan ist klar eher ‘ne Hardcore-Punk- als ‘ne Metal-Band und neigt stark Richtung hochintensives „Emoviolence“-Geballer. Hinzu kommen dann noch Experimente wie Doom-Gangarten oder auch mal ein Neil-Young-Coversong und man teilt sich Splits genauso mit Knüppel-Punks wie mit Sludge-Dröhnern. 

    Was ihnen für mich irgendwie auch eine Nasenlänge Vorsprung vor vergleichbaren Acts mit ähnlicher Besetzungskonfiguration wie Closet Witch, Fluoride oder Aureole of Ash gibt – alles seeeehr gute Bands, aber CLOUD RAT sind eben die experimentierfreudigeren Hochkreativen dieser Runde, die mich immer wieder mal damit verblüffen können, auch mal irgendwie ein Schritt weiter in irgendeine weitere Richtung zu gehen.
    Mehr zum neuen Album dann vielleicht im nächsten Grindcore-Post.
     
    EXHORDER - Mourn The Southern Skies
    20.09. | Nuclear Blast  
    Apropos abgestanden und Metal: Tatsächlich auf meinem Geburtstag haben Nuclear Blast die Details zum neuen EXHORDER-Album verkündet. Und es mag ja sein, dass Nuclear Blast schon lange so ein Großunternehmen-Label für Schlager-Metal ist, das man eigentlich eher ziemlich verachtet. Vor allem auch für dieses wirklich unerträglich bauschaumige Plastiksound-Mastering, das sie über Jahre jeder gleich identitätslos klingenden Veröffentlichung verpasst haben. Wenn dann allerdings ein sagenumwobener Szene-Markenname wie EXHORDER - das lange verschollene Bindeglied zwischen klassischem Thrash Metal und dem Sludge-Groove von New Orleans - nach über zweieinhalb Dekaden (!) doch noch mal Saft für ein neues Album hat, dann gucke selbst ich dafür mal hinterm Ofen vor. (Neben der neuen Sacred Reich ist das dann diese Saison im Übrigen schon das zweite Album einer besonderen Altmetallertruppe, mit dem man in diesem Leben eigentlich gar nicht mehr gerechnet hätte...)
    Zumal die Vorab-Videosingle für das was es ist durchaus schon Laune zu machen wusste:



    Sonst noch was? Hm, ja: 
    72%, eine britische Noiserock-Band, deren Gitarrist Joe Brown sich in seinen jungen Jahren schon auf die Fahne schreiben kann, ein gemeinsames Musikprojekt mit dem großen Alan Moore fabriziert zu haben (wozu es dann auch noch einen Remix von Killing Joke's Youth gibt!), veröffentlicht am 14.09. das Tape "How Is This Going To Make It Any Better?" über Hominid Sounds.
    Das neue Album vom Industrial-Viech TREPANERINGSRITUALEN via Cold Spring (09.09.), das gleichnamige Debüt der zwei Ex-Discordance Axis-Mitglieder beherbergenden NO ONE KNOWS WHAT THE DEAD THINK (20.09.) oder der Typ von Full of Hell, der mit der weiteren Band EYE FLYS sowas wie metallischen Nosierock Richtung Unsane fabriziert (EP auf Thrill Jockey, 13.09.) dürften für den einen oder anderen durchaus auch noch potenzielle "ich hör' wohl mal rein"-Kandidaten sein. GLOOP wiederum sind 'ne ganz spaßige Noiserock-Band mit Bekloppt-Aura aus der zweiten Reihe, deren "Smiling Lines" am 27. über Grimoire Records (US/ CD-Version) und Buzzhowl Records (UK/ Tape-Version) rauskommt
    "Extreme Conditions" ist dann noch das Langspieldebüt von GOATBURNER, mit Keijo Niinimaa (Rotten Sound, Morbid Evils), das am 27.09. auf uns einballert.
    Und die neue des niederländischen Heavy-Jazz-Duos DEAD NEANDERTHALS (am Freitag, den dreizehnten auf Utech Records), die sich dabei um Skeletonwitch-Gitarrist Scott Hedrick zum Trio aufstockten, dürfte auch was zumindest interessant-ungewöhnliches werden.

    Freitag, 30. August 2019

    Gravity

    Auch wenn ich es schon im Juni lobend erwähnt hatte, ist’s mir jetzt noch mal das Einzel-Review wert: HOMEMADE WEAPONS‘ "Gravity" kann echt einfach nur alles!. 
    Seit Entdecken bin ich immer wieder zum Bandcamp-Stream des Teils zurückgekommen und habe mir schlussendlich dann auch noch mal eben die bei Samurai Music selbst schon ausverkaufte 3LP bestellt - zusammen mit den drei EPs der grandiosen "Samurai Hannya" Compilation-Reihe des gleichen Labels (auf der HOMEMADE WEAPONS ebenfalls mehrfach vertreten ist).
    "Gravity" ist ein faszinierendes Teil. Jeder der zwölf Tracks funktioniert als Statement für sich, das Album fließt allerdings auch als Ganzes wie aus einem Guss. 
    Eine ziemlich dustere Grundstimmung ist beim eher minimalistischen Sound immer vorhanden, wenn einem Breakbeat-Konstruktionen um die Ohren knallen, die eine faszinierende Mitte zwischen „fast schon bis ins abstrakte gebrochen“ und „funktioniert das nicht doch auch noch tatsächlich als Tanzmusik?“ finden.
    'Constants' rumms-disch-tschackert sich gleich zur Eröffnung komplex und hart wie durch dunkle Höllenwinde. Intelligenter Endzeit-Drum'n'Bass? Die folgende Kooperation mit Torn pumpt wie ein Industrial-Dub; der mit fett akzentuierten Subbässen dröhnende Tribal-Groove von 'Crewcut', auf den immer wieder mal 'ne Schüppe draufgeschmissen und weggenommen und wieder draufgeschmissen wird, ist einfach nur total geil; 'Patrol' wiederum schmeißt mit Helikopter-artigen Breakbeats und wieder mal bedrohlichen Sounds um sich. Auch 'Red Tide' hat so ein bisschen Industrial/ Noise/ Dark-Ambient-Drone in der DNA und kombiniert das mit Rhythmen, die immer straight genug sind um dazu heftig mit dem Körper zu wippen, aber komplex genug um auch verkopftere Musikhörer nie zu langweilen. Ein Track wie 'Svalsat' nimmt zwischendurch schon  mal ein bisschen das Tempo raus, hat dafür aber noch mehr an atmosphärischen Sog.
    Und so knallt und rauscht sich das Album von einem coolen Track zum nächsten und ist wirklich einfach nur mega!