Sonntag, 31. März 2024

...Musik im März...

Okay, schießen wir es tatsächlich noch heute zur Eiersuche in die Welt hinaus, bevor es morgen jemand für sowas wie einen Aprilscherz halten möchte...
Eines war schon im dunklen, kalten Januar dann ja doch 
irgendwie schön: Nämlich Ankündigungen von Musikneuerscheinungen, die tatsächlich Vorfreude auf meiner Seite verursachten. Auf dem Veröffentlichungsradar blinkte für Anfang März zunächst nämlich schon die neue Pissed Jeans ziemlich hell auf als etwas, auf das ich so richtig Bock hatte, als diese dann allerdings auf einmal noch von Ankündigen und Vorab-Videosingles etwaiger Album-des-Jahres-Kandidaten wie von Kim Gordon oder Squarepusher fast schon wieder so ein bisschen ins Hintertreffen geschoben wurde.
Drei solcher Kaliber reichen mir dann für einen Monat ja eigentlich auch schon. Zumal im Februar auch schon ein paar coole Sachen kamen und das Neuerscheinungen-Radar für April inzwischen ziemlich irre blinkt...

Aktuelle Alben

Kim Gordon - The Collective
(Matador)
Ja, Kim's Solodebütalbum "No Home Record" fand ich 2019 auch schon ziemlich gut.
Dann kam neulich die Vorabvideosingle "Bye Bye" zum Nachfolger und ich war echt sowas von hin und weg. Klar, der Vergleich hinkt, aber diese Mischung aus schraddelig-kaputtem Indierock und elektronisch bollernder Rhythmusgrundlage hat so'n bisschen was von 
NIN zu ihren besten Momenten in längst vergangenen Zeiten...
Vor lauter vorfreudiger Antizipation habe ich dann sogar doch endlich auch mal eines der Alben ihres Noise-/ Gitarrendrone-/ Avantweirdness-Projekts Body/Head besorgt, was bisher hauptsächlich aufgrund von „so viel Musik, so wenig Zeit…“ durch's Raster gefallen war, aber das nur nebenbei. 
Dann die zweite Vorabvideosingle "I'm a Man" - noch mehr rauschmirgelnder Noiserock auf elektronischem Hop-Hop-Beat. 

Voll. Geil! Total! Mein. Ding. 
Und tatsächlich ist dieses mal das gesamte Album über alle elf Tracks so: Programmierte Boller-Beats und Gitarrenkrach.
Darüber raunt, flüstert und sprechsingt Gordon ihre Irritationen über das Heute.
Besonders geil: Die epische Industrial-Rock-Abfahrt "The Believers" - was für ein Noise-Inferno!?!
Generell geil finde ich aber tatsächlich durchgängig alle elf Songs.
Da musste nun also erst die inzwischen 70 Jahre alte Gordon kommen, um das eine Album an Nicht-so-ganz-aber-eigentlich-auch-doch-Rockmusik auf uns loszulassen, das ich schon immer gehört haben wollte? Keine Ahnung, was genau das jetzt eigentlich aussagt, über mich selbst, über „diese Zeiten“, über die Künstlerin, aber ich nehme "The Collective" tatsächlich jederzeit noch vorm gesamten Sonic Youth-Output ca. '86 bis 2011.
Etwas ärgerlich allerdings: Der nicht billig kommenden Platte liegt kein Download-Code bei (war das nicht bei Matador sonst so gewesen?). Hätte ich das mal vorher gewusst, hätte ich sie beim Evil Empire mit der AutoRip-Option bestellt, was ich ja eigentlich zu vermeiden versuche, aber...
Egal. "The Collective" ist definitiv einer meiner absoluten Jahrgangslieblinge, da kann ich mich jetzt schon festlegen.



Pissed Jeans - Half Divorced 
(Sub Pop)
Um mal ganz ehrlich zu sein habe ich mit dem ungehört vorbestellten "Half Divorced" ein paar Anläufe zum warm werden gebraucht. Pissed Jeans sind zwar zugegeben eine Band, die man eh vor allem auch wegen dem Gesamtkonzept liebt, zu dem eine ziemlich selbstironische, generell intelligent-humorvolle, doppelbödig kathartische 
und auch etwas konfrontative, bei all dem allerdings vor allem auch einfach nur authentische Attitüde gehört, die fast schon ein bisschen wichtiger ist als die Musik an sich, letztere ist allerdings hier, passend zu den lyrischen Themen des Materials, dann auch tatsächlich in sowas wie ihrem Midlife-Crisis-Album ausgeartet. 
Man gibt mehr Gas denn je, lässt den Punk raushängen, von Schweinerock bis Hardcore-Geklöppel, viele Songs unterhalb der Zwei-Minuten-Marke, zwischendurch nimmt man auch schon mal das uncoole Ding Poppunk und macht es sich zu eigen.
Skurrilerweise fühle ich selbst 
mich bei aller psychologischen Nähe zum Gesamten zu alt für derartige Ruhrpott-Rodeo-Musik und mag Pissed Jeans natürlich in den Momenten am liebsten, in denen ihre verschrobene Noiserocker-Schlagseite am meisten durchblitzt:
"Junktime", das längste Stück der Platte, ist mit seinem Aufbau dann ja doch am meisten meins und der stampfende Midtempo-Brecher "Helicopter Parent" wär' mein zweiter Favorit der zwölf Nummern.
Unter den UfftaUffta-Songs gibt's zwar durchaus auch ein paar ganz geile Momente, der schiefe Abrocker "Everywhere is Bad" ist ziemlich witzig und die besonders melodische Schlussnummer "Moving On" hat zugegeben auch was - ich muss allerdings gestehen, dass die Art von Musik, auf die ich 2024 Bock habe, dann eigentlich ja doch ein bisschen woanders zu finden ist als in Regionen, wo man schon mal gefährlich nah an sowas wie NoFx vorbei schrappt.
Für den Einzug in die etwaige Jahres-Top-10 wird's hiermit also knapp, ziemlich sympathisch und dennoch ansprechend finde ich die Band dabei allerdings immer noch.



Squarepusher - Dostrotime
(Warp)
Das 2020er 
Squarepusher Album "Be up a Hello" machte mich dann ja doch nochmal so richtig zum Fan. Wohl auch so ein Fall vom richtigen Ding zum richtigen Zeitpunkt für mich persönlich, während Tom Jenkinson gerade etwas an der kreativen Konzeptschraube gedreht hatte, seiner Musik nach einer Software-zentrischen Phase wieder etwas mehr analoge Substanz durch Hardware-Snyths zu verpassen. Es kam dabei wohl irgendwie einfach alles richtig zusammen, als ich gerade auf der Suche danach war, auch mal wieder mehr von was anderem an meine Ohren zu lassen als immer wieder nur das immergleiche Gitarren-Rumgeriffe, und die Tür somit, bei meiner eh schon vorhandenen Liebe zu britischen Breakbeat-Bearbeitungen und einem gesteigerten Interesse an Synthesizer-Sounddesign, weit offen für abgepfiffene Elektronik stand. "Be up a Hello" wird in seinem Verlauf, gerade auch in der zweiten Hälfte ('Vortrack'/ 'Terminal Slam' / 'Mekrev Bass') immer mehr zu einer vollbekloppten Achterbahn-Abfahrt, die mich völlig fasziniert, irritiert und euphorisiert. Definitiv eines meiner Lieblingsalben der letzten Jahre!
Den Nachfolger "Dostrotime" habe ich mir dann auch direkt vorbestellt, nachdem ich die erste Vorabsingle nur mal kurz angezappt hatte.
Das Ganze entstand wohl über die letzten 5-6 Jahre mit einer Kombination aus klassischem Gear wie z.B. dem Roland SH-101 und selbstprogrammierten Synthsound-Emulationen, Jenkinson's Jazz-Vorlieben spiegeln sich in handgespielten Akustikinstrumenten wieder, und in einigen Nummern hielt Einfluss aus der No-U-Turn-Drum'n'Bass-Schiene Einzug. 
Was sofort auffällt: Die gesamte 2LP ist ziemlich gut durchdacht. Seite A beginnt mit einem Akustikgitarren-Intro, die Seiten B und und D enden mit sehr ähnlich gearteten Outros.
Das ein bisschen nach Retrogame-Soundtrack klingende "Enbounce" ist wie eine weite Spannungskurve, die sich nie so ganz im großen Höhepunkt entlädt, "Wendorlan" der erste Chaos-Track, der von flottem Acid-Techno aus in komplexen Breakcore abdriftet. 
Signature-Squarepuasher mit Breakbeat-Getschacker und Hardware-Synths-Setup gibt's dann u.a. bei "Duneray".
Im weiteren Verlauf des Albums kommen dann sowohl etwas gemäßigter gen Ambient/ Trip-Hop lehnende Kompositionen und Soundexperimente zum Vorschein, wie man 
natürlich auch noch in weitere wilde Karrusselfahrten mit irrwitzigem Breakbeat-Slicing und Squelch-Sounds hineingezogen wird, die sich bis in völligen Wahnsinn steigern.
So ein bisschen ist Squarepusher ja sowas wie der Typ mit der Silbermedaille, weil alle Welt seinen Kumpel, Label-Kollegen und sogar ehemaligen Mitbewohner Richard D. James alias Aphex Twin zur Gottfigur britischer IDM-Weirdness mystifiziert hat (und zur eigenwilligen Legendenbildung selbst beigetragen hat jener dabei sicherlich auch). Nun, ich habe von Afx auch ein paar Neunzigerklassiker und Neuzeitkapitel im Plattenregal und finde die natürlich auch gut, aber das Squarepusher-Spätwerk reißt mich dann ja ehrlich gesagt doch ungleich mehr mit und rotiert wesentlich öfter!
Im Übrigen auch löblich: Zum mehrfach verwendbaren Download-Code gehört die "Wendorlan" EP dann auch noch mit dazu, auch wenn die auf nervige Geräusche reduzierte "(XY Code S1575F7.VS050)" Version jetzt zugegeben nix ist, das man als Normalsterblicher wirklich unbedingtestens mehrfach gehört haben müsste oder so... 

Sonst noch was aktuelles? Honorable Mentions?!

Nicht unerwähnt bleiben sollte dann noch, dass The Bug's letzte Digital-EP in der immer zu Bandcamp-Freitagen veröffentlichten "Machine" Reihe, namentlich "Machine V", schon im Februar dann eigentlich eine ganz gute Ergänzung zur Wiederveröffentlichung von Techno Animal's "Brotherhood of the Bomb" war, und dazu, dass ich mir letztens auch noch 'ne andere, ältere The Bug EP aus meinem Lieblingsplattenladen mitgenommen hatte.
Klar, zwischen meine aktuelle Faszination für Dub-Musik und gewisse, in Richtung Industrial-Sounds neigende Vorlieben von mir Instrumental-Doomer passt der instrumentale Industrial-Doom-Dub solcher The Bug Veröffentlichungen halt perfekt. 

Die neue Lustmord via Pelgaic Records habe ich noch nicht so wirklich gecheckt; mal ganz ehrlich gesagt vor allem deswegen noch nicht, weil mein Alltag in jüngerer Vergangenheit häufig irgendwie so ruhelos ab- und durchläuft, dass mir der Sinn noch nicht so richtig danach stand, in irgendwas um die 70 Minuten an Dark-Ambient-Tiefenrausch einzutauchen.
Klar, vielleicht wäre 
gerade das dann erst recht ein Grund, mir mal die Zeit für diese Pseudomeditation auch mal wieder zu nehmen...

So eine gewisse Art von Sympathie bis Möchtegerngeistesverwandtschaft verspüre ich ja auch für das US-Duo Zombi, das sich vom Synthie-&-Schlagzeug-Soundtrack-Spacerock ihrer Anfangstage, inspiriert durch Goblin, Tangerine Dream, Vangelis und John Carpenter, zuletzt immer Gitarren-orientierter zu instrumentalem Heavy-Progrock mit (späterer) King Crimson-Kante verschoben hat und uns damit nun das neuste Album "Direct Inject" präsentiert.
Da für die LP via Relapse Records dann aber auch schon wieder was um die min. 27 Euro aufgerufen werden, habe ich davon abgesehen noch mal tiefer in die neuen, oft eher kurz gehaltenen Songs der Band reinzuhören, denn nachher meine ich noch das kaufen zu müssen. Käme die Platte so sieben Euros billiger, hätte ich durchaus erwogen, aktuelle Zombi auch noch mehr in mein Leben zu lassen. Da geht's dann jetzt wirklich mal um's Prinzip, auch wenn meine persönlichen Prinzipien diesbezüglich irgendwie völlig diffus sind, denn wie ich sinngemäß schon letzten Monat zu einem anderen Label schrieb:
Das ist ja alles nicht neu und woanders nicht anders, auch etwas bigott von mir, weil ich einen solchen Preis für ein paar andere Tonträgerneuerscheinungen und willenlose Vorbestellungen dieser Tage 
durchaus ohne Zögern raustue, aber dieser erneute Preisanstieg ist halt im Kontext echt so auffällig und die paar Euros drüber, dass ich da jetzt mal wirklich meine Konsequenzen draus ziehen muss. 

"Clubmusik" Singles & EPs, sogar Alben...

We need Jungle, I'm afraid  /  Drum and Bass is my Heavy Metal

Irgendwie bin ich ja jetzt außerdem doch kurz davor, komplett einzuknicken, was meine bisherige Haltung angeht, der Flut rein digital veröffentlichter Drum'n'Bass-Tunes u.ä. nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken zu wollen.
Was derartiges angeht, hatte ich es zuletzt eigentlich eher so gehandhabt, mir die quartalsweisen Schallplatten-Rosinen rauszupicken, mit denen ich mich am gelegentlichen Vinyl-DJ-Mix versuche, und der hochfrequenten Flut nur als Files übers Internet erhältlicher Singles, EPs, sog. Dubplates und sogar Alben mit Musik für den Clubfloor in den für mich interessanten Nischen eher etwas ignorant gegenüberzustehen, denn den gelegentlichen Knaller, den man kennen muss, den würde man dann ja auch so schon mitkriegen. Und das tut man halt auch.
Dann tauchen da aber außerdem auf einmal eben auch wie aus dem Nichts witzige Rockklassiker-Mashups auf oder man hört im Mix des besten DJs in Town 'ne geil klöppelnde Nummer, die wegen ihrem Sprachsample-Slogan mal eben locker sowas wie mindestens meine Hymne des Quartals ist:

Und generell ist's ziemlich cool, dass der gerade entdeckte Typ, der für mein Motto der Stunde verantwortlich ist, auch Dub kann. Bin Instant-Fan, lieber Veak!
Apropos 
Motto der Stunde: MPC-Fingerdrummer Spinscott hatte dann inmitten der "We need Jungle, I'm afraid"-Craze auch einen kleinen Hit zum Meme-intensiven Musik-Moment des Quartals (und dass er ihn laut Eigenaussage mit dem antiquierten Madtracker zusammengedreht hat, das finde ich dann zusätzlich sympathisch, denn an dem habe ich mich vor Jaaahren auch mal versucht, bis ich dann doch noch auf Renoise umgestiegen war...).

Sieht wohl so aus, als würde ich trotz meiner rockmusikalischen Albumhörer-Sozialisation doch noch mal auf meine alten Tage anfangen, irgendwelche Einzelsongs aus dem Internet für Mixtape-artige Kontexte einzusammeln oder sowas. Und da ich ein autistischer Nerd bin, der dazu neigt, obsessiv in Hyperfokus-Spezialinteressen einzutauchen, habe ich gerade ein bisschen Angst davor, dass ich nächste Woche auf die Idee kommen könnte, mir dann jetzt doch auch noch 'ne CDJ-Garnitur zulegen zu müssen oder sowas, also bitte, falls Ihr wisst, wie Ihr mich davon abhalten könnt, tut es sehr bald...

Man könnte/ sollte/ müsste dann an dieser Stelle nämlich auch noch drauf eingehen, dass man sich bei Blackout Music NL inzwischen scheinbar auch komplett vom Konzept des physischen Tonträgers verabschiedet hat.
Das Langspielalbum-Solodebüt (!) vom altehrwürdigen Ed Rush 
z.B. gibt's nämlich auch nur auf ein paar Download-/ Streaming-/ DJ-Digitalportalen. 
Sicher, derartiger Neurofunk mit oft eher knackigen Track-Spielzeiten ist jetzt auch nicht so unbedingt die Musik, die Vinyl-Junglisten bevorzugt auflegen oder die sich an Wohnzimmerhörer und Massenmarkt-Endkunden abseits des Drop-lastigen Dancefloor-Mix richtet, aber irgendwas zwischen seltsam, schade und irgendwie auch bezeichnend (in Bezug darauf, welche schnelllebigen Richtungen derartige Subgenre-Clubmusik so eingeschlagen hat - die „Insignifikanz“, die diesen Album-Release abseits von Beatport umweht, ist für mich wirklich so ein bisschen irritierend) finde ich es schon, dass inzwischen nicht mal mehr das Langspielalbum von so jemandem wie Ed Rush etwas ist, das ich über ein Anzappen auf Soundcloud hinaus gebührend würdigen könnte, wenn ich wollte, weil Fun Fact: Eine der ersten Drum'n'Bass-Schallplatten, die ich mir je gekauft habe, war eine Ed Rush 12" aus dem Hause No U-Turn, aus der Ära, als man noch mit der gröberen Feile am Mittneunziger-Techstep-Style werkelte....
Und auch wenn der modernisierte Dancefloor-Neuro-Sound, den er heute auf "Light of the Void" fährt nur so mittel mein Ding ist (dichtkomprimierte Furzbässe, simple Beats mit zahmen Plocker-Kicks und kompakten Eimer-Snares, drumrum irgendwie viel Krach um nix...), finde ich ein paar Nummern ja durchaus nicht ganz verkehrt, wie z.B. das etwas zu den jamaikanischen Genre-Wurzeln schulterblickende "Steppin' out" oder den rockig abgehenden "Maasai Funk".



Was der finnische Fanu 
(welcher im Übrigen zu Musikbiz und Szene-Sitten auch immer wieder mal ernüchterndes zu sagen hatin einer etwas anderen Ecke derartiger Styles so fabriziert, das trifft zwar auch nicht immer zielgenau meinen persönlichen Nerv, man sollte ihn aber nicht unter- bzw. dafür schätzen, dass der Multi-Genre-Breakbeat-Liebhaber keinen aktuellen Clubsound-Strömungen hinterherläuft, sondern seit Dekaden seine eigenen Dinger durchzieht.
Jene kann man auch auf einer aktuellen Digital-EP via Metalheadz hören, die ein 4/4-Stück, eine Ambient-Schlussnummer und dazwischen vier Breakbeat-Exkurse durch gemäßigte Temporegionen beinhaltet. 

Nach der ersten Ausgabe im Februar gab's auch schon wieder eine weitere Bandcamp-Compilation auf Homemade Weapons' nun endendem Label Weaponry, mit einigen Solo- und Kollaborations-Tunes von ihm selbst und auch noch anderen Kollegen. 
Grundsätzlich mag ich diesen Style wiederum ja sehr! 
Zu meinen Favoriten gehören die völlig derbe abpeitschende Homemade Weapons & Todd Buchler Kollaboration "Statler" und Red Army's weird-heftiger "Shetani VIP".


Es ist auf der anderen Seite dann allerdings als krasses Gegenteil zum Trend sicherlich auch noch erwähnens- und bemerkenswert, dass nicht nur ASCs, sondern auch Eusebeia's Tonträger-Dauerfeuer mit immer weiteren Vorankündigungen der nächsten Veröffentlichungen auch dieses Frühjahr nicht abreißt.
Denn von
 ASC gab's nach 'ner EP auf Samurai Music Ende vergangenen Jahres im Februar schon wieder zwei 4-Track-EPs über zwei verschiedene seiner eigenen Label (SpatialCurvature), deren stilistische Abgrenzung mir nicht so ganz klar ist, denn bei beiden gibt's spaceigen Atmo-Drum'n'Bass zu hören. Ich find's ja einerseits echt ganz gut, bin aber irgendwie auch wirklich raus, mir da quartalsweise weitere Doppelbedienungen zu geben.
Eusebeia wiederum zieht nach einer EP auf einem von ASC's Labels im Dezember und dem gerade mal 'ne Woche altem Digitalalbum "Reality Change" auch schon wieder mit einem atmosphärisch-meditativen 12"-Two-Tracker nach, den er mit Freundin Aisatsaana fabriziert hat, sowie einer drei Tracks umfassenden Zusammenarbeit mit Artificial Red auf dem noch jungen Samurai-Sublabel Mindgames und einem neuen Solo-4-Tracker auf Samurai Music selbst. Und dann wäre da „kurz vor Redaktionsschluss“ auch noch was weiteres aus diesen Umfeldern aufgetaucht, nämlich 'ne kommende Eusebeia 10'' unter Waveforms-Banner.
Und Tim Reaper wär' dazwischen dann auch noch mit 'ner Waveforms 10" am Start, nachdem er neben zwei Splits mit Coco Bryce dann auch noch mit einer 
Dub & Wheel Kollaboration auf dem eigenen Label Future Retro London was ziemlich cooles raushaute.
Ich find' das alles ja durchaus echt gut, komme aber kaum noch mit...

Gremlinz & Jesta - Shoresy / New Sky 
(Shark With Laser On Head
)
Letzten Monat noch taten sie ein 3LP-Langspielalbum übers Traditionslabel Metalheadz raus, da sind die beiden kanadischen Drum'n'Bass-Protagonisten parallel schon wieder mit einem neuen eigenen Schwesterlabel namens Shark With Laser On Head am Start (was wohl auf einen zwanzig Jahre alten Insider-Joke zurückgeht)
Auf der Launch-Veröffentlichung war u.a. die gefühlt allgegenwärtige Retro-Jungle-Speerspitze Tim Reaper mit dabei, paar Wochen später hat man schon wieder den nächsten eigenen Two-Tracker draußen. 
Und der kantig-grobe, irgendwie ziemlich altbackene Vibe, mit dem "Shoresy" sich nach vorne hämmert und "New Sky" durch's Midtemo breakdanced sind schon irgendwie eine amüsante Abwechslung zu allem, was es da draußen noch so gibt. 


Outrage Goodbye
(Over/Shadow)
Da ich nicht so wirklich viel über Andrew Ferguson alias Outrage und die Hintergründe dieses Release weiß - außer, dass sich Over/Shadow weiterhin als Qualitätsmarke mit Veteranenfaktor festigen -  können wir uns hier erstmal kurzfassen:
"Goodbye" und "In The Dark" sind zwei Old-School-Jungle-/ Drum'n'Bass-Freilandluft atmende Tunes mit Soulvocal-Puzzleteilen, geiler Breakbeat-Arbeit und gelungen auf den Punkt gebrachten Arrangements mit Deja-Vu-Sounds, die einfach nur ziemlich, ziemlich gut sind. 
Und was ich jetzt sage ist so ein bisschen wie ein Sprung in meiner persönlichen Clubmusik-Platte, denn ich habe das so ähnlich irgendwie auch schon 1-2 mal gesagt, aber so sehr ich ja eigentlich vornehmlich mit Rock-/ Metal-Musik sozialisiert wurde und auch bei elektronischen Clubsounds gerne mal eher die düstereren und energischeren Gangarten bevorzuge, so fühle ich mich in letzter Zeit auch immer öfter mal eher auf dieser Seite der DnB-Szene wohler, anstatt tiefer in die Subgerne-Ecken mitzukommen zu wollen, in denen unter JumpUp-/ Neurofunk-Banner eigentlich nur noch schnelllebig-austauschbare, dichtkomprimiert-fräsende Stressmucke fabriziert wird. Aber hey, ich war auch mal jung und so weiter...

Traces - No One (Can Tell I) / Listen (7")
(ZamZam Sounds)
Letzten Monat haben wir ja außerdem sehr wohl über Dub geredet (versteht wer die Anspielung?) und darüber, dass ich zuletzt auch irgendwie verstärkt Spaß an Halftime-Headnoddern aus der
Bassmusic-Ecke hatte. Dazu passt dann jetzt auch noch folgendes: Ich habe ja sehr, sehr große Sympathien für Label wie 45Seven aus Leipzig und eben ZamZam Sounds aus Portland, Oregon, USA.
Man muss zwar schon 'ne Extraspur bekloppt sein, sich dann auch noch sowas in die Plattensammlung zu abonnieren, aber das Konzept beider Label ist es, mit dem traditionellen Format der 7"-Single eine Dubwise-Brücke zu neuzeitlichen Subgenre-Auswüchsen ins Bermudadreieck zwischen Reggae-Roots, Jungle-/ Drum'n'Bass-Dancefloor und experimentellem (Deep-)Dubstep zu schlagen.  
Der neuste ZamZam-Release kommt von jungen Londoner Duo Traces. 
'No One (Can Tell I)' ist vor allem ein atmosphärisch groovender Dub-Tiefenrausch und der im Zickzack Boxenmembranen strapazierende Basssound von 'Listen' macht aus der anderen Seite einen geilen Dubstepper, bei dem der Dub und der Stepper inkl. Wahnsinns-Breakdown-Part gleich groß geschrieben werden.
"No digital, no repress.", nur kurze Ausschnitte, ich find's cool:

unknown - Ghetto Living / Garnett (10")
(Dubwise Revolution)
Etwas, das mit meiner bis zur offenen Ehe neu erblühtem Liebe zu Jungle/ Drum’n’Bass und einer gesteigerten Affinität zum Stichwort Dub dann zuletzt zwangsläufig auch kam, das ist durchaus Freude an Whitelabel-Releases von Sample-Mashup-lastigen Tunes bzw. inoffiziellen Jungle-Remixes von Reggae-/ Dancehall-Songs zu haben, wie sie kulturell appropriiert (sorry) über semi-ominöse Sublabel wie eben u.a. z.B. auch Dubwise Revolution aus dem österreichischen Dubbing Sun Umfeld rauskommen. 
Sicher geht originell oft auch anders, aber ein paar solcher, halt Laune machender Teile für den Vinyl-DJ-Mix zu haben, weil’s nicht immer nur "Chase the Devil" sein kann, das gehört dann irgendwie auch dazu.
Diese Whitelabel-10'' (auch hier: "no digital, no repress!") zieht mit zwei Tracks sämtliche Register: Sleng Teng Riddim und Bariton-Raggamuffin, drückende Subbässe und tschackernde Breakbeats, Halftime-Groove mit Dancehall-Vibe, typische Dub-Soundeffekte obendrauf usw.
Nein, ich müsste mir jetzt auch nicht quartalsweise eine neue Platte wie diese mit in die DnB-Hälfte meines Regals schieben, aber in gelegentlicher Wohldosierung macht sowas halt eben doch auch sehr viel Spaß! 


various artists - Spy Technologies X Sampler
(DSCI4)
Hier wird's jetzt fast ein bisschen kompliziert: Die diesjährige physische Veröffentlichung des "Spy Technologies X" Samplers bietet 4 Tracks, die auch schon im Rahmen der letztjährigen Digital-Version mit ursprünglich acht Nummern zu hören waren.
Und jeder besagter vier ist eine ältere Kollaboration von DSCI4-Labelboss Duncan Hutchinson alias DJ Trace mit jeweils einem anderen Kollegen, geremastert usw.
Ursprünglich wurde für die mit Nico sogar der alte Projektname Skyscraper aus der Mottenkiste geholt, auf der Platte läuft die 25 Jahre lang unveröffentlichte Produktionsvariation von "Replicants" jetzt aber unter DJ Trace & Nico, was den geneigten Freund der sog. Techstep-Spielart von Drum'n'Bass-Musik aufhorchen lassen muss, denn der sowieso schon nicht für einen allzu umfangreichen Eigen-Output bekannte Nicholas "No U-Turn" Sykes hat die letzten 10-15 Jahre ja eh nicht so wirklich viel gemacht, außer Remaster-Fassungen bekannter Klopfermusik-Klassiker ins Weltnetz zu entlassen.
Tatsächlich bin ich jetzt mal ganz ehrlich gesagt ja nicht der allergrößte Trace-Fan, aber die gelegentliche DSCI4- oder 117 Recordings-Veröffentlichung holt mich dann ja auch doch schon mal ab und solcher, an sich zugegeben ziemlich simpel-grober SciFi-Bunker-Drum'n'Bass nach originaler Mittneunziger-Rezeptur wie eben "Replicants (VIP)" geht bei mir wirklich immer.*


*

Hierzulande an die Releases bestimmter UK-Label ranzukommen wird im Übrigen derweil auch irgendwie immer undurchsichtiger, seltsamer, abenteuerlicher, aber damit will ich jetzt nicht auch schon wieder anfangen...


Mix-o-Mania...

An DJ-Sets, Mixtapes, Livestreams etc. hatte ich in den vergangenen Wochen ja eeiiigentlich erstmal nicht sooo viele unbedingt teilungswürdige gehört (/gesehen), weil die Ausbeute aktueller Alben allein mit solchen Kalibern wie Kim Gordon oder Squarepusher ja schon für so einige Rotationen dauerlief. Außerdem ist im Soundsystem-Bassföhn stehen bzw. tanzen eh viel geiler, als sich sowas aus dem digitalen Äther ins Wohnzimmer zu holen. 
So eeiiinige Sachen in der Hinsicht gab der Notizzettel dann im Osterurlaub aber auf einmal dennoch mehr und mehr her:

Man muss es ja leider immer dazu sagen, aber "Dubstep" ist nicht wirklich der elektronische Nu-Metal mit überdrehten Sirenensounds, mit dem Skrillex berühmt wurde. Der eigentliche Dubstep ist natürlich Musik, die, ganz ohne grelle Karikaturenhaftigkeit, um wabernde Subbässe herum auch viel Luft zum atmen lässt, zu meditativ-vertieftem Tanzen einlädt, hörbar mit der Soundsystemkultur der Dub-Musik (duh) verbunden ist.
Jener sympathische, spärlicher instrumentierte, tatsächlich zum Dub (anstatt zu Roboterlärm-Gemoshe) neigende Dubstep scheint derzeit auch mal wieder sowas wie ein kleines Comeback in der allgemeinen Clubmusik-Aufmerksamkeit zu feiern und ich bin da tatsächlich mit dabei, denn ich hör' sowas wirklich gerne.
SPE:C-Labelchefin und "reef (Berlin)"-Organisatorin Darwin hat einen "intentionell nirgendwohin gehenden" Mix zusammengedreht, der die Dubstep-Kernpunkte Heavy-Lowend und trippy Space betont:   


Wo wir schon in Berlin sind, ist's irgendwie auch noch erwähnenswert, dass die techsteppende Humanoid-Crew neulich auch mal wieder bei HÖR ran durfte, ganz ehrlich gesagt fand ich die Sets von PRTCL B2B Survey und SpecOne bei aller Liebe zu genau derartigen Sounds aber nur so mittelspektakulär. 
Bei ihrem Podcast war letztens allerdings Sammy B mit einem coolen Mix an Dark-Rollern und Smashern an der Reihe:


Klar, der zweistündige Mix, den sich Gremlinz und Jesta anlässlich ihres aktuellen Metalheadz-Langspielalbums im Rahmen derer KoolFM-Sendung teilten, sollte auch noch gewürdigt werden:


Kollege Eratekk hat außerdem jüngst einen reinen Vinyl-Mix mit Jungle/ Drum'n'Bass ins Weltnetz entlassen.
Dortmund Massive, Nordstadt Ruffage!


Es soll ja Leute geben, die Stranjah, welcher mit Tutorials zu Drum'n'Bass-Produktions-Tipps u.ä. zu Youtube-Fame kam, ein bisschen „cringe“ finden, was ich allerdings primär für typisch-missgünstiges Internet-Grundrauschen halte.
In my Book ist nämlich jedweder „Szeneveteran“ cool, der sich „Nachwuchsförderung“ zum Anliegen macht. Mit einer neuen Reihe namens „Local Legends“ möchte er DJs aus seiner Gegend hervorheben. Z.B. Ms. GothicFish, die eine ungewöhnlichere Persönlichkeit ist und neben vielen anderen Dingen u.a. auch geile Drum’n’Bass-Sets auflegt, wo zwischen modernem Dancefloor-Kram durchaus auch mal Platz für eine Portion Ragga-Jungle-Roughness ist. 
Es ist mir im Übrigen kein bisschen peinlich einzugestehen, dass ich diesen Pendulum-Remix von "Voodoo People" liebe (ja, „ich hab‘ ihn sogar ‘auf Platte‘…“).


Jungle/ Drum'n'Bass gibt's auch schon mal bei Keep Hush, die jüngst u.a. in London coole Sets von Doc ScottMantra b2b Double O oder Nia Archives eingefangen haben, besonders erwähnenswert ist allerdings Yungfya's Multigenre-Set vom Berlin-Takeover, der nach 'ner coolen Grime-Phase auch noch im Dschungel endet:


Old School Amiga Junglist Pete Cannon war letztens beim belgischen Kiosk Radio und ging ab wie 'ne Fasttracker-Rakete (ja, ich weiß, Faststracker war 'n MS Dos-Programm, aber OctaMED-Rakete klingt nicht so passend), was durchaus sehr viel Spaß gemacht hat:


Wenn Rozzer bei der Tech Itch Recordings-verbandeltem Bio-Tech Radio Show mit auflegt, zappe ich das ja immer wieder mal an, denn Rozzer ist das Drum’n’Bass-Alter-Ego von Matthew Rozeik, der einst in der instrumentalen Metal-Band Astrohenge spielte, um sich danach mit Necro Deathmort zunächst an sowas wie Godflesh-Worship zu versuchen, bevor man noch zu völlig anderen elektromusikalischen Experimenten abrauschte... Und alle guten Leute können Country und Westäh, Meddl und Jungle.
Anyway, der "All Crew" Broadcast von letztens sei, weil's so geil ist, dann auch noch geteilt:


Noch ziemlich neu ist der Industrial Drumcast, bei dem man sich vor allem den härter ballernden Gangarten des Drum'n'Bass widmen möchte.
Und so geht der Set von Fouria auch ganz schön zur Sache:


Wenn mir dann aber schon mal danach ist, in eine andere Clubmusik-Ecke einzutauchen anstatt die Nische donnernder Breakbeat-Drums und bebender Basssounds, dann lande ich schon mal bei der Berliner Art Bei Ton Plattform, wo Chefin Hypnotic Black Magic und ihre KollegInnen genauso zu meditativem Ambient wie pumpenden Deep-Techno neigen.
Wir hätten aus dem Umfeld aktuell einen Stream vom New Yorker The Lot Radio zu bieten und den
Mitschnitt eines fünfstündigen (!) HBM-Sets im Berliner Tresor
Die letzten beiden Mixe von Aksamit tun wir, weil's so schön ist und gerad' passt, dann auch noch mal eben obendrauf:


Last but not least sollte man auch noch auf den Liveset, ja, nicht DJ-Set sondern Live-Performance, des Mainzers Dreadmaul eingehen: Letzten September nahm er Modular-Synths, Looper und weiteres Gear mit nach Berlin, wo er eine Dawless-Performance mit Halftime-/ Tribal-Flair teilimprovisierte.
Dessen Konservierung man nun der Nachwelt zugänglich gemacht hat.
Sehr, sehr cool, mehr von sowas bitte!



Gibt's sonst noch was, über das wir mal reden wollen?

Mit AC55ID (sowas ähnliches wie Bandcamp, aktuell noch sehr Techno-latig) und James Blake's Vault (muss man sich leider mit seiner Mobilnummer registrieren) sind zwei unterschiedliche, "faire" Musikplattformen neu gestartet, die man sich mal ansehen sollte.

Dale Crover's Signature-Stimmschlüssel finde ich, da selbst Schlagzeugverprügler, eine ganz witzige Idee, bin allerdings jetzt natürlich auch nicht so ein willenloser Fanboy, dass ich mir so ein Teil für mehr als 'nen Zwanni plus Shipping plus Zollgebühr aus den USofA bestellen müssen würde... 

DUG, die ja auch schon irgendwie im Streit als Duo-Spin-off aus dem Trio Buildings hervorgingen und mit dem 2022er "Pain Machine" immerhin eines meiner Lieblingsalben der letzten Jahre in Sachen kaputter Dröhnscheppergröl-Musik fabrizierten, haben inkl. Tourabsage ihren „Hiatus“ wegen „interner Probleme“ verkündet.
Was ist da denn schon wieder los?

Unter den Überlebenden der AmRep-Institution God Bullies scheint es ebenfalls Beef zu geben. 
Frontmann Mike Hard ruft mit seiner Zweitband Thrall die GB-Revivalparade aus und wird daraufhin von Ur-Basser Mike Corso des Markenschwindels und Narzissmus' bezichtigt. An anderer Stelle wird gemunkelt, der Split zwischen den beiden hätte allerdings auch was damit zu tun, dass 
Corso tief in die Szene reaktionärer Verschwörungsschwurbler mit MAGA-Mützen abgedriftet ist. Und dann ging die unreife Internet-Schlammschlacht dazu erst noch so richtig los.
Irgendwie schon schade, dass heutzutage nichts früher mal gutes, eigen- und einzigartiges mehr ohne ein Drama solcher Art zu implodieren scheint, während der Rest der Welt zugucken darf...

Die südafrikanischen Groove-Grindcoreler Groinchurn haben für diesen Sommer tatsächlich ein paar Europa-Dates und neue Aufnahmen angekündigt. 
Wer so Ende der Neunziger dabei war, als die phasenweise sehr ambitionierte Band (man wollte sogar mal gänzlich in hiesige Breitengrade umsiedeln) unter den Kennerspezialisten im Krachgeknüppel-Underground für so fünf Minuten der ganz, ganz heiße Scheiß war, bevor sie dann erstmal wieder in der Versenkung verschwand, dürfte das vielleicht tatsächlich irgendwie beachtenswert finden.
Auf meiner Seite hat sich das in den letzten Jahren ja alles irgendwie ein bisschen so entwickelt, dass dieser ganze Röchelklöppel-Kram nicht mehr so meins ist. In dieser groben Szene-Ecke gibt der Menüplan nämlich zwischen den Optionen „weitgehend humorlose Death-Metal-Schlagseiten“ und „unerträglich unlustiger Karnevals-Kack“ eigentlich sonst nur noch den Standardhappen an „attitüdisch sympathisch, musikalisch generisch“ her, und die wenigen, kreativ-originellen Rosinen dazwischen rechtfertigen das Wühlen im Brei einfach nicht mehr, denn in meinem Alter macht man sich nicht mehr so gerne dreckig. 
Sollten Groinchurn allerdings tatsächlich noch mal irgendwie in der Gegend aufspielen, würde ich wohl tatsächlich nochmal hingehen.

Ipecac kündigten zunächst nur vage irgendwas kommendes von The Jesus Lizard an, die auch schon für ein US-Festival bestätigt sind, aber ob da tatsächlich ein neuer Tonträger unterwegs ist oder sowas ist aktuell immer noch offen. 

Auch unter den überlebenden Killing Joke-Mitgliedern ist Unmut ausgebrochen und Frontmann Jaz wird von Original-Drummer Big Paul öffentlich semikryptisch kritisiert.
Hier ist's nochmal umso mehr schade, dass auch diese Geschichte jetzt noch irgendwie unschön enden muss.

Dass sich Adrian Belew und Tony Levin unter dem Namen Beat mit Danny Carey und Steve Vai zusammengetan haben, um Material der drei 80er-King Crimson-Alben zu spielen, ist auch so 'ne Sache. "Sex & Religion" damals hin oder her ist Vai ja nicht gerade jemand, den ich mit Musik, die ich hören möchte assoziiere...

Ord Cannon, eine neue Duoformation, in der die ausgelaufenen Black Shape of Nexus und Bellrope ihre Fortsetzung finden, haben kürzlich was aufgenommen und ich bin sehr gespannt drauf.  


Alben-Ausblick ab April

Kann man dann auch noch mal eben abspulen: Scheint so, als wenn der Freitag, der am nächsten am 20.04. ist, jetzt irgendwie als obligatorischer Neuerscheinungen-Tag für all things Sludge/ Stoner/ Doom herhalten muss, denn am 19.04. kommen die neuen Alben von Big|BraveBongripperHigh on Fire und den Melvins raus.
Paar Tage später auch noch der erste Teil einer neue Trilogie von Steve von Till's Harvestman, u.a. mit Al Cisneros auf Dub-Kurs. Auf letzteres habe ich durchaus besonders Bock!



In den Wochen davor erscheinen außerdem ein neues Album der französischen Love Sex Machine (deren 2016er "Asexual Anger" ich seinerzeit ja ganz geil fand), das ebenfalls langerwartete zweite Langspielalbum der Heavy-Noiserocker Whores., die nächste Metz und 'nen neues Doppelalbum von Einstürzende Neubauten
Und zum Monatsende hin kommt dann auch noch das Debüt von Eye aus dem MWWB-Umfeld und die 
Meat Beat Manifesto & Merzbow Kollaboration in Tonträgerform, die man eigentlich schon seit Wochen bis Monaten auf Bandcamp hören kann.
Nächstes ASC-Langspielalbum im Übrigen auch schon wieder.
Und im Mai dann Beth Gibbons Soloalbum, neue Göden, neue Shellac, weitere John Carpenter "Lost Themes" und obendrauf 'ne überteuerte Dälek-Reissue.
Ganz schön viel schon wieder. 

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