Dienstag, 1. April 2025

Quartalsbilanz 01/'25

Ja, so machen wir das jetzt... Und nein: Kein Aprilscherz involviert.

Der Weihnachtsurlaub und Jahreswechsel, bzw. ein Großteil des ersten Quartals '25 standen interessanterweise unter dem Motto "persönliches Postrock Revival", denn zu einer Godspeed You! Black Emperor Aufarbeitung plus Neuerscheinung kam dann auch noch eine Mogwai-Revisitation dazu, die ebenfalls eher schon zufällig mit einem ganz aktuellen Album jener schottischen Band zusammenfiel (s.u.).
Dass ich alle Jubeljahre dann doch auch immer wieder mal bei sowas lande ist eigentlich nur logisch, denn Instrumentalmusik irgendwo zwischen orchestralem Ambient, krachiger Rockinstrumentierung, Experimenten bis ins elektronische
und drumrum dann auch noch mit so einem gewissen Punk-Spirit ist halt schon auch einfach eines dieser drei, vier "ziemlich mein Ding"-Dinger.
In solchen Traditionen sehe ich meine eigene Instrumentalkrach-Band ja irgendwie
sogar auch noch etwas mehr, als dass ich die zugegeben vorhandenen Metal-Wurzeln zu sehr betonen möchte...
Und so ein bisschen vermisse ich ja außerdem die Zeiten, in denen das Bochumer Label Denovali auch vage für solche Styles stand und ein jährliches Festival in Essen ausrichtete, bei dem dann Acts wie Nadja, Barn Owl, Aun, Heirs, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Switchblade, N oder neben der sozusagenden Lokalheldengröße Bohren sogar auch mal Demdike Stare oder Sunn o))) aufspielten. Schade, dass dieses durchaus in gewisse Breiten schielende Nischen-Konzept von und für Liebhaber dann damals doch nicht so ganz aufging und sich das Label musikgeschmacklich inzwischen auch noch so ein bisschen weiterverschoben hat... Nun ja.

Tatsächlich trat parallel außerdem eine Phase ein, die sich '24 schon etwas mehr abzeichnete: Ich steh' wohl doch auch wirklich auf wabernde Atmo-Bassmusic und bebenden Wobblism im Sinne von Mittnuller- bis Frühzehner-, sowohl Deep- als auch Dirty-Dubstep aus dem Hause Deep Medi / DMZ, Tectonic, Hotflush etc, bis zu Goth-Trad'schen Industrial-Anwandlungen (und dann gab's da für's noch tiefere Wühlen in den richtig dunklen Ecken natürlich auch noch kurzlebigere Sublabels in den noch tieferen Nischen der eh schon geschätzten Düsterhart-Elektroniker-Ecken wie etwa Ascension oder Resist).
Natürlich, solange das alles nicht "Brostep"- oder "Riddim"-mäßig zu albern wird, was man ja leider immer dazu sagen muss.
Jedenfalls
hatte ich dann jetzt auf einmal doch nochmal schwer Bock, tiefer in was einzutauchen, während dessen erstem Heyday ich eigentlich nur an der Oberfläche einiger Hyperdub-, Planet Mu- oder Ad Noiseam-Langspielveröffentlichungen gekratzt hatte.
Und m
al ganz abngesehen davon, dass Zeitgenossen wie Kevin Richard Martin, Justin K. Broadrick, Mick Harris usw. schon vor und seit Jaaaahren beträchtliche Vorarbeiten geleistet haben, mir derartiges schmackhaft zu machen, ist's halt inzwischen auch so, dass dieser einst sehr Alben-orientierte Musikhörer mit Metal-Sozialisation und Fetisch für abseitigem Lärm dann halt doch noch mal völlig zum DJ-/ Clubmusik-Versteher mit Vorliebe für Styles im Stammbaum "Windrush"-geprägter Soundsystem-Kultur mutiert ist
Ja, meinetwegen bin
ich wirklich, wirklich seltsam, allerdings steh' ich halt dazu. Denn hier sind wir mal wieder an der Stelle, dass einem Musik soooo viel zu entdecken bieten kann, und ein so obsessiv zur fokussierten Spezialinteressenverfolgung die Weichen gelegentlich mal wieder ein Dorf weiter stellendes Autismusopfer wie ich nicht so ganz weiß, ob er diese kartoffelbäuerlichen Leute, die ihr Leben lang nur einen mehr oder minder gleichbleibenden Pool an Dräsch- und Dess-Meddl-Acts verfolgen und dabei kaum noch nach vorne, hinten oder links schauen wollen, bedauern oder beneiden soll. Denn das ist dann wohl vielleicht etwas einfacher, aber es ist eben auch.... viel zu einfach.

Aber wir schweifen ab. Grundsätzlich ist dieser Zuwachs im wirren Dickicht der musikalischen Neigungen dann wiederum wohl auch nicht wirklich verwunderlich, denn derartiges ist ja jetzt nicht weit von Jungle/ Drum'n'Bass entfernt, und das ist wiederum halt auch schon eines dieser "total mein Ding"-Dinger.
Was eine gute Überleitung zur Reviewrampe ist, denn da finden wir natürlich auch wieder Breakbeats und Bassweight, allerdings doch auch wieder mehr Rockmusik und Bollergröl-Lärm, als ich selbst kurz vor Jahresstart noch gedacht hätte....


Gehörte Musik und gekaufte Platten Jahrgang '25...

Acid_Lab - The Unspoken
(Offish Productions)
Da ist er schon wieder hin, der Vorsatz „mal ein paar Special-Interest-Platten weniger schießen, anstatt das Geld nur so verschleudernd kein Herr mehr über die Berge von Tonträgern zu werden...“, aber bei sowas wie dem hier kann ich einfach nicht widerstehen:
Optionales Bundle von limitierter Lathe-Cut-10" plus CD-Version mit Bonus-Tracks in geiler Aufmachung für zusammen nicht mal 'nen Zwanni (plus Versand, versteht sich)? Wow, voll geil, nehme ich!
Der auch schon seit bestimmt zwei Dekaden unter diversen weiteren Pseudonymen aktive Daniel Schwerdel alias Acid_Lab tut sich hier mit
Offish Productions, dem polnischen Spezialisten-Label für Dark-Jungle und Halftime-Drum'n'Bass zusammen und präsentiert uns auf der Platte mit dem derbe fräsendem Opener und dem Titeltrack zwei düster-minimalistisch eingefärbte und doch heftig-hektisch scheppernde Tearout-DnB-Smasher, mit "Expel Our Demons" abgefahrenes Tribal-Flair wie aus der Samurai Music-Ecke und abschließend klöppelt "The Devil's Work" ziemlich wild mit 'nem Schuss von Hard-Techno-Flavour daher.
Auf der CD gibt's obendrauf fünf Remix-Versionen der 10"-Tracks, u.a. vom Kollegen dreadmaul, dem geschätzten Rainforest aus Mexiko und natürlich Label-Betreiber
Offish himself.
Ziemlich geil, das alles!

BONG-RA - Black Noise 
(Debemur Morti Productions / Tartarus Records)
Das hier war jetzt 'ne ziemliche Überraschung. Man kennt Jason Köhnen ja von diversen Projekten, angefangen von Roots in einer Death-Metal-Band bis zu sagenhafter Musik irgendwo zwischen Electronica und Jazz via Denovali.
(Und als Überraschung Nummer zwei treten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble & The Mount Fuji Doomjazz Corporation dann jetzt tatsächlich auch wieder auf.)
Sein primärer Alias BONG-RA stand allerdings die längste Zeit für Breakcore und somit häufig für hochenergetische Mashups aus Jungle-Breakbeat-Gewittern und auch schon mal Metal-Riff-Samples. Das Ganze hatte sich für ihn selbst jedoch irgendwann so ausgereizt, dass unter dem Namen zuletzt was erschienen war, das sich unter "meditativem" Motto eher in schleppenden, genauso krachenden wie in atmosphärische Tiefen aubtauchenden Instrumental-Doom-Gefilden mit Jazz-Elementen (nebst Trötenspieler usw.) erging. Inzwischen scheint aber auch das schon wieder passé, denn zwei vorab hörbare Songs dieses Albums erweckten im Januar direkt den Eindruck, dass
BONG-RA nun inkl. Gröl-Vocals schwerstens auf Godflesh macht, um die dystopische Gegenwart adäquat musikalisch zu vertonen.
Mit Köhnen als Künstler und mir, sowohl als Konsument seines Schaffens als auch als jemand, der selbst musikalisch kreativ und aktiv ist (wenn auch beiweiten nicht so produktiv wie er) ist's somit irgendwie so ein bisschen wie in einer Zeitreise-Geschichte, in der sich zwei Charaktere an unterschiedlichen Punkten in ihrem jeweiligen Leben immer wieder mal, in einer von außen betrachtet non-linearen Chronologie treffen: Jungle/ Drum'n'Bass, Breakcore, Denovali-Darkjazz, Doom, industriell-metallischer Aggro-Lärm... Alles Orte an die ich selbst
auch gehe, aber irgendwie winken wir uns dabei immer wieder mal eher, während der eine rauskommt und der andere reingeht beim aneinandervorbeireisen zu, als dass wir uns mal länger zusammen in der gleichen Zeitlinie aufhalten würden.
2025 steht BONG-RA jetzt jedenfalls auf einmal für ein tiefdunkles Extrem-Metal-Projekt mit Industrial-Kante, Growl-Vocals und Rückkehr zu Breakcore-Stilmitteln wie glitchy Breakbeat-Samples, um es grob einzuordnen irgendwo zwischen Godflesh, Igorrr ohne synphonische Theatralik oder einem düstereren Drumcorps, und dann noch mehr Godflesh-Worship.
Tatsächlich ist's damit auch 2025 so, dass Bong-Ra und ich uns irgendwie weiterhin so ein bisschen aneinander vorbei bewegen, aber zum Hallo sagen durchaus auch mal wieder etwas länger stehenbleiben. Soll heißen: Ich hab' mir die LP geschossen, zumal ich sowohl Bong-Ra (gerade auch die beiden vorangegangenen, jazzy-esoterischen Doom-Alben) als auch die an dieser Stelle unvermeidliche Referenz Godflesh mag. Und obwohl ich mich in diesen immer dystopischer werdenden Zeiten zuletzt immer mehr Hippie-esken Vibes anstatt noch mehr Tristesse, Dunkelheit und musikalischer Aggression hingeben wollte, wird ja nach wie vor zunehmend alles so scheiße gerade, dass derartiges wohl doch wieder verstärkt mein emotionales Innenleben widerspiegeln kann.
Ach ja, PS: Ich frag' das jetzt wirklich nicht für den Gossip, aber weiß eigentlich jemand was genau der Beef ist, den das niederländische Hartelektronik-Label PRSPCT mit Köhnen hat, was sie sogar zu einem postpubertären Diss-Track verleitete?


Darkai - Atonement 
(Deep Medi Musik)
Im Grunde genommen gibt es grob ja drei Arten von Musik, die unterm Stichwort "Dubstep" eingetütet werden: 1.) Die experimentierfreudig-soulfulle und Ambient-lehnende Verlängerung von UK-Garage, mit der Burial als gefeierter Ausnahmekünstler in der Musikwelt aufschlug, 2.) die groteske Schimpfwort-Assoziation mit überdrehtem Nu-Metal-Charakter, die Skrillex draus machte und 3.) dazwischen diesen zugegeben gerne schon mal recht generisch groovenden 140-BPM-Halftime-Headnodder-Kram mit dickem Bass-Alarm und einem gewissen Rest von tatsächlichem Dub-Spirit im Sound, der auch manchmal auf einem schmalen Grat zwischen cool und albern unterwegs sein kann und für den vor allem auch Mala's seit inzwischen fast 20 Jahren aktives Label Deep Medi Musik bekannt ist (für dessen ältere Releases bei Discogs mitunter schon absurde Preise aufgerufen werden).
Aber hier ist das Ding: Sogenannte Clubmusik darf/ kann/ soll halt funktional und „mixbar“ ausgerichtet sein, und so habe ich
zu letzterem in jüngerer Vergangenheit ja noch mal eine zunehmende Zuneigung wiederentdeckt, werde gelegentlich mal von 'nem Track oder 'ner EP aus der Richtung gepackt.
Darkai's "Atonement" ist die erste Platte Jahrgang '25, die sich dazugesellt.
Der Sprachsample-Titeltrack pocht derbe und etwas kaputt, die B-Seite "Ogun" drückt ebenfalls ganz geil durch's Genre-typische Dunkel-Dickicht.
Und ich kann Euch nicht mal wirklich erklären, warum ich's geil finde, aber ich tu's halt.
 


Dom & Roland -
Under The Spell EP
(
Individual)
Dom & Roland - Cold Summer / Full Moon
(Over/Shadow)
Das Cover von Dom’s neuster EP übers eigene Label Individual erinnert verwirrenderweise ein bisschen an die "Stone Techno"-Reihe vom Essener Label The Third Room, ansonsten hält der Londoner Kauz aber den Kurs, den er dort zuletzt eingeschlagen hatte:
"Under The Spell" kombiniert neue Versionen von zwei seiner Mittneunziger-Moving Shadow-Frühwerke, die zugegeben auch den entsprechenden Hauch angestaubt (und im Falle von "Re-Resistance" auch etwas weird und kaputt) klingen mit zwei ganz neuen Tracks, die ebenfalls ein bisschen Retro-Flair mitbrignen:
Der eröffnende Titeltrack (mächtiger Bass!) und die Vocal-Nummer "I'm Here To Stay" wagen dabei tatsächlich verhältnismäßig entspannte Jungle-Schulterblicke, und das durchaus mit gewisser Freshness.
Die Reinterpretationen der beiden älteren Nummern kommen wie schon gesagt so einen Hauch muffig, aber das macht eigentlich nichts.
Was Leute, die seinen Kram redundant finden, in diesem Fall dann zwar nicht wirklich vom Gegenteil überzeugen wird, aber ich mag den Dom & Roland Style halt grundsätzlich.
Denn, das kann und muss man an dieser Stelle dann jetzt ruhig mal so sagen: Da wo mir sein alter Kumpel Ed Rush zuletzt ein bisschen zu sehr versuchte, einer zeitgeistig-überfrachteten Neurofunk-Soundästhetik mit Kochtopf-Snares hinterher zu eifern (und das mit durchwachsenen Ergebnissen), und da, wo sein anderer früherer Weggefährte Trace zu recht simpel anmutenden Techstep-Produktionen neigt, die mir dann wiederum manchmal so eine ganze Spur zu trocken klingen, da haben Dom's Sounddesign und Arrangement-Verständnis dann im Vergleich einfach doch so ein gewisses Etwas. Bei ihm scheppern die Breakbeats noch auf Arten und Weisen, wie sie es in moderneren DnB-Ecken heute sonst nicht mehr tun, bei ihm haben die Sample-Soundscapes eine gewisse Klangsubsstranz, und bei ihm schimmert auch gerne mal ein Hauch von Wärme durchs mechanische Dunkel.
Und wie bei Over/Shadow-Veröffentlichungen üblich landete seine im Vereinigten Königreich offiziell schon gegen Ende vergangenen Jahres vorläufig unters Volk gebrachte 12" über besagtes Neuzeit-Label der alten Hasen dann erst 'nen Monat später auf den hiesigen Vertiebswegen.
Die "Cold Summer"-Seite der Platte ist dabei Dom at his very, very best: Atmosphäre, Vocals, fast schon gänsehautverdächtiger Reese-Einsatz im Build-up, technoider Rave-Alarm leitet in die Amenbreak-Eskalation auf der Grenze zum Kollegen Tech Itch über. Das epische Arrangement mit erstem Beat-Drop erst nach zwei Minuten ist dabei jetzt vielleicht nicht sein aller-aller-DJ-freundlichstes, aber in aller Straightness doch auch etwas mehr als es bei anderen Tracks von ihm manchmal so der Fall ist. Und wenn die Nummer dann abgeht ist's einfach nur "Yeah!". Ganz ohne Scheiß einer meiner absoluten DnB-Favoriten der jüngeren Vergangenheit, ich bin schon dabei, die Platte völlig abzunudeln.
Das etwas simpler gehaltene "Full Moon" kann da nicht gaaanz mithalten, aber das ist bei dieser, in Sachen Kicks und Subbass ziemlich derbe drückenden Nummer dann wirklich Meckern auf allerhöchstem Niveau, denn wie immer ist das Dom & Roland @ Over/Shadow Niveau auch auf jener Plattenseite ein sehr hohes.
Da kann ich jetzt nur mal wieder mit dem abschließen, mit dem ich bei Dom immer abschließe: Ich bin halt schon irgendwie echt Fan!
 

Godflesh - A World Lit Only By Dub
(Avalanche Recordings)
Da wir ja oben schon sowohl über Godflesh selbst, als auch über britische Musikkultur im Stammbaum der "Windrush"-Einflüsse geredet haben, muss man auch noch mal kurz darüber reden, dass die physische Platte zu diesem digital schon seit Dezember erhältlichem Release dann nun auch noch kam:
Unter dem Titel "A World Lit Only By Dub" hat Justin Broadrick eine Remix-Ergänzung zum 2014er Godflesh-Album "A World Lit Only By Fire" rausgetan.
Der "Dub" bezieht sich hier natürlich eher auf die produktionstechnische Vorgehensweise als auf den Vibe der Musik, die natürlich nicht viel mit Reggae oder verhallt-atmosphärischem Minimal-Techno zu tun hat. Direkt von „Industrial-Dub“ zu sprechen macht also wahrscheinlich mehr Sinn, denn fünf der zehn Reguläralbum-Songs wurden durch eine Mangel gedreht, aus der sie länger und bodenloser rauskamen, teilweise dann auch noch etwas noisiger und verrauschter, dunkler und monochromatischer, reduzierter und dann doch auch etwas weiter.
Diese krude-experimentelle Schlagseite des Ganzen ist nix für jeden, aber gerade auch Godflesh sind halt eines dieser „gehen immer“-Originale für mich, während dubbige Remix-Experimente aus dem Soundbastler-Keller auch etwas sind, das einfach mehr zu mir spricht als das meiste an generischer Rockmusik. Es ist halt einfach so.
Ich würde im Übrigen wahrscheinlich sogar so weit gehen, die "A World Lit Only By Dub"-Reinterpretationen geiler zu finden als das ursprüngliche Albummaterial.

 

Iggor Cavalera / Shane Embury - Neon Gods / Own Your Darkness
(Cold Spring)
Wisst Ihr was? Ich sage das jetzt mal ganz ungeniert so wie es wirklich und tatsächlich ist: In meiner eigenen Band gibt es so schlimme Tendenzen dazu, ein neurodivergenzgestörter Eigenbrötler mit wenigen Freunden, ein völlig verzettelter ADHS-Patient mit weitgehend ruhelosem Alltag oder ein gigaphlegmatischer Lowperformer mit ganz anderen Erwachsenenalter-Prioritäten zu sein, dass wir das mit der Selbstvermarktung null auf die Reihe kriegen und man sich, natürlich ohne wirklich einen Fick auf sowas zu geben, schon manchmal darüber wundert, wie andere Hobbykrachmacher so viele Dezimalstellen mehr an sozialmedialen Followern haben können. Verblüfft, erstaunt und begeistert war ich dann allerdings umso mehr darüber, ziemlich unerwartet mit Original-Sepultura-Drummer Iggor Cavalera und Napalm Death-Bassist Shane Embury zwei meiner musikalischen Helden in einer sozialmedialen Follower-Liste meiner eigenen Band zu sehen, in die es ansonsten so manchen persönlichen Bekannten mit bechränktem Musikgeschmack noch nicht reingezogen hat, weil's solche halt nicht wirklich interessiert. Qualität statt Quantität, was? Und irgendwas müssen wir dann wohl doch irgendwie richtig machen...
Dass beide neben ihrer Baller-/ Krach-Musik auch Elektroniker und Synthesisten sind, das war bereits bekannt, und so kredenzt uns das traditionsreiche britische Industrial-Label Cold Spring hiermit einen Split-Release der beiden.
Embury's nicht ganz viertelstündiges Dark-Ambient-/ Synthesizer-Drone-Stück "Own Your Darkness" ist dabei wahrscheinlich mein Favorit der beiden Plattenseiten.
Cavalera's Seite ist ein fast zwanzigminütiger Power-Electronics-Trip, der verschiedene Phasen
durchläuft, durch dunkle Soundscapes und bis derbem Death-Industrial-Noise, gegen Ende ertönt sogar seine Stimme.
Grundsätzlich finde ich es tatsächlich sehr inspirierend, wenn Leute, die auf Bühnen spielen, vor denen viele „Meddl-Kutten
“ stehen, auch derart experimentelle Anwandlungen durchziehen.
Facebook-Kommentare auf einer Metalmagazin-Seite hierzu waren dann nämlich
(natürlich) u.a. sowas wie "Nobody cares", "Really bad stuff! Unnecessary !!!!" oder "This needs to stop.", weswegen ich sage: Mehr davon! Gestoppt werden müssen eigentlich nur die unnötigen, keinen interessierenden Rumnörgeleien dumpfer, mittelalter Meddl-Fans an allem, was außerhalb ihrer nur vorgekautes an sich ranlassenden Kartoffelkopp-Komfortzone liegt. Aber eigentlich auch nix wirklich gegen Kartoffeln, ich esse ja durchaus sehr gerne welche..


Karla Kuvlt - Thunderhunterr
(
Exile on Mainstream)
Exile on Mainstream zum ersten: „Du hörst ja echt diese ganzen Kanzler-Bands“ stellte ein an dieser Stelle namentlich nicht genannter Vollprofi-Musikjopurnalist vor Jahren mal auf eine Art und Weise fest, die es schon zuließ sowas wie einen Hauch von überheblichem Amusment oder ablehnender Irritiation aus seinem Tonfall rauszuhören.
Ja, viele der Bands, die „der Kanzler“, wie EOM-Betreiber Andreas Kohl auch genannt wird, auf seinem Label rausbringt, finde ich tatsächlich ganz gut. Und nur weil die Dir irgendwie nicht genug Rockstar-mäßiges Prestige mit zukünftigen Titelseiten-Potenzial ausstrahlen, macht das besagte Bands nicht unbrauchbarer, ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass der Kanzler in der hiesigen Musiklandschaft mit seinem Nischengeschmack schon seit zweieinhalb Dekaden durchaus auch ein paar interessantere Akzente gesetzt hat als der Welt erstmal einfach nur Selfies mit Danko Jones zeigen
zu müssen, also fuck you. Aber stopp, ich wollte '25 ja mal weniger negativ sein, denn das ist die Welt auch so schon genug...
Karla Kuvlt jedenfalls ist eine ganz neue Band, die Markus E. Lipka, bekannt von Eisenvater*, Rossburger Report und auch solo, mit seinem Sohn und dessen Frau (wiederum auch Melting Palms) bildet. So weit ist es schon... Inzwischen sind auch nischige Krachmaten generationsübergreifende Familienunternehmen, Zwinkersmiley.
(*Und natürlich geht das hier jetzt eigentlich nicht, ohne
sich an dieser Stelle erstmal darüber auszulassen, wie großartig und unterbewertet Eisenvater waren und sind und die Frage, wann denn da jetzt endlich mal das schon lange in Mache befindliche nächste Album kommt usw. usw., aber hiermit möchte ich es dann auch abhaken.)
"Thunderhunterr" ist wohl das, was man auch unter sowas wie „Doomgaze“ eintüten möchte: Im Laufe von sieben Tracks ergeht sich das Trio durchaus facettenreich in wuchtigst lärmender Gitarrenwand-Musik, in die eine weibliche SIngstimme eingebettet ist, mal doomiger, mal kantiger, durchweg supermassiv. 
Gefällt mir ziemlich gut!
Der Kanzler sitzt als hauptberuflicehr Vinyl-Vollprofi
ja sozusagen an der Quelle, trotzdem muss man zum Schluss dann noch mal eben zusätzlich feststellen:
18 € für LP+CD! Macht das mal nach, wenn Ihr könnt @andere_Labels...

Mogwai - The Bad Fire 
(Rock Action)
Wie oben schon geschrieben fielen die Veröffentlichung der aktuellen GY!BE im vergangenen Jahr und die ganz neue Mogwai dieser Tage eher zufällig in eine Phase, in der ich ganz generell mal wieder Bock auf genau solche Musik und eben diese Bands hatte, so unterschiedlich voneinander sie im Direktvergleich dann auch doch sein mögen.
Es bewegt sich halt alles in Kreisen, und irgendwo zwischen musikalischen Vorlieben und Interessensschwerpunkten unter solchen Stichworten wie Doom Metal oder Noiserock, aber neben gelegentlichen Krautrock-Zeitreisen eben auch noch Ambient, IDM u.ä. ist eine zwischendurch mal wieder zunehmende Zuneigung zum sog. "Postrock" wohl auch nur logisch.
Also wurden im Falle von Mogwai auch mal wieder die vorhandenen Sachen hervorgekramt, ein paar Reissues bisher vernachlässigter älterer oder auch nicht mal ganz so alter Alben geschossen (darunter erstmals auch das ziemlich gute 2021er Chartstürmer-Album "
As the Love Continues") und das ganz aktuelle Werk mit in die Rotation genommen.
Erkenntnisse? Joah, klar, natürlich stehe ich ein bisschen mehr auf die Mogwai, die in der Vergangenheit durchaus auch Krachwände von gewisser Roughness hochzogen und/ oder Kompositionen auch schon mal episch auswalzten (ich würde sogar so weit gehen, dass das seinerzeit von Steve Albini aufgenommene "My Father, My King" und der Kunstinstallations-Soundtrack "Music for a Forgotten Future (The Singing Mountain)" zwei meiner absoluten Lieblingsmusikstücke sind), und sogar zwischndurch humorig Sabbath coverten, als auf die, die sich dann auch gerne mal so ein bisschen in Richtungen von kompakteren, relativ gefällig Indierock-/ Shoegaze-/ Dream-Pop-lehnenden Tunes mit (Vocoder-)Vocal-Parts o.ä. inkl. einer gewissen Portion Kitsch ergehen, denn auch sowas gibt's bei Mogwai. Auf diesem neuen Album dann deutlich nochmal etwas mehr, als auf dem erfolgreichen Vorgänger, welcher in meinen Ohren etwas erdiger klang.
Aber wisst Ihr was? Ich wollt's halt trotzdem gut finden und es ist mir gelungen. 
Diese 
Art von nicht mal wirklich altersmilder, sondern durchaus vital vorgetragener Ambivalenz zwischen schwermütigen Stimmungen und aufbrechendem Optimismus, wie sie im "The Bad Fire" Material teilweise mitschwingt, kommt einem Vibe gleich, auf den ich mich derzeit tatsächlich einlassen kann und möchte, wenn auch vielleicht nicht wirklich an jedem Tag.
Natürlich gibt's sie aber dennoch, die Songs, welche trotz Rockband-Instrumentierung einen orchestral anmutenden Sog entfalten, der herrlich ist. "Hey Chaos" z.B. geht fast schon in sowas wie 'ne Deafheaven-eske Richtung (und ich finde
Deafheaven ja ehrlich gesagt ziemlich sch... garnicht mal so gut, aber die sind halt das Synonym für bläckmetallisches Gitarrengeschrubbe aus der Indierocker-Perspektive), die treibend und flirrend hervogebrachte Melancholie von "What Kind Of Mix Is This?" ist einfach nur wunderbar, und so ein getragen-gemächlicher Aufbau wie der von "If You Find This World Bad, You Should See Some Of The Others" gehört halt mit zu den Sachen, den diese Band einfach am besten kann.
Bei Songs mit stärkerer poppiger Schlagseite ist
die Mogwai'sche Soundästhetik 2025 zwar nicht immer sooo 100%ig mein Ding (solche Nummern wie "Fanzine Made Of Flesh" oder "Lion Rumpus" kann ich je nach Tagesform wohl auch schon mal etwas schwierig finden), aber auch solche haben manchmal dennoch so einen Krautrock-beeinflussten Groove mit punkiger Ruppigkeit als Grundlage, was den Energiepgel anzieht.
Summa sammarum ist's schon ziemlich cool, dass ich trotz aller „so viel Musik, so wenig Zeit“-"Problematik" dann gerade auch mal wieder das Mogwai-Gesamtwerk für mich wiederentdeckt habe, denn die Schotten bringen durchaus musikalische Farbtupfer und speziellere Stimmungen mit in meine Playlist, durch die eben diese verbeitert und bereichert wird. Auch wenn  "The Bad Fire" wohl
kein Album in meiner persönlichen Top-5 der Band ist.
PS: 1½LPs statt 2LPs sind ja auch irgendwie so ein Ding, aber da will ich jetzt mal nicht zu kleinlich sein...

 

Micky Finn & Aphrodite feat. MC GQ - Awol / Dark Selector
(Okbron)
"Any new jungle in, guy?" Teil des Konzepts von Okbron ist ja, neben der Veröffentlichung aktuellerer Musik ähnlichen Spirits gerne auch mal weitgehend unveröffentlichte Golden Age Jungle/ Drum'n'Bass Tracks hervorzuholen, die es noch nie zuvor auf Vinyl gegeben hat. Damit haben sie kein Alleinstellungsmerkmal, denn dass sich Producer und Label-Betreiber durch ihre DAT-Archive wühlen, um irgendwelche Dubplate-Tunes, die in den 90ern bei Raves liefen, aber nie wirklich Massenmarkt-mäßig veröffentlicht wurden, dann nun 25-30 Jahre später
doch noch einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, das gab' und gibt's auch unter anderen Label-Logos natürlich immer wieder mal. Oft klingen solche Sachen dann halt auch genau so und sind somit wirklch eher was für dabeigewesene Nostalgiker und komplettistische Musikhistoriker, weswegen Ihr an derartigem nicht so wirklich viel auf diesen Blogseiten vorfindet, aber der gelegentliche Release aus dieser Richtung macht dann halt auch schon mal sehr viel Spaß.
Und so ist's halt mit diesen beiden Frühwerken von Hausnummer Aphrodite und seinem auch nach wie vor aktiven Langzeitkollaborateur Micky Finn, offiziell lizensiert von ihrem Label Urban Takeover, zusammen mit dem
ebenfalls immer noch auf Releases und Event-Billings auftauchendem MC GQ, die '95 mal als Azetat-Zehnzoller existiert haben sollen.
Der sich durch beide Tunes ziehende Funk-Flavour ist etwas für diese Ära mehr oder weniger typisches ("Circles", Reprazent etc.), das man im heutigen Drum'n'Bass fast schon vergessen hat (sage ich als jemand, der früher ja eigentlich auch immer eher so die düsterharten und/ oder techigeren Gagarten bevorzugt hat).
Echt bockende Zeitkapsel!


Noisepicker - The Earth Will Swallow The Sun
(
Exile on Mainstream)
Exile on Mainstream zum zweiten: Harry Armstrong ist ein unverbesserlicher Lifer, der mir sympathisch ist. Nicht nur, weil wir schon mal über unsere geteilte Liebe zum kanadischen Häwiemeddl-Unikat Voïvod “gebonded” haben, sondern auch weil der Brite, u.a. mit Vergangenheit in einer deathmetallischen Electric-Wizard-Vorgängerband und aktuell wiederholtem Mitwirken bei den auch schon wieder in der Abschiedstour-Phase befindlichen Orange Goblin, im Laufe der Jahre immer wieder mal mit seinen eigenen Babys sehr aufhorchen und sich nie dadurch unterkriegen ließ, dass sich all diese dann doch wieder auflösten. Wie geil war z.B. die letzte End of Level Boss Inkarnation mit diesem irre klöppelnmden Schlagzeuger?
Auch mit seiner aktuellen Duoformation Noisepicker hat er es nicht so leicht, denn der jüngere Drummer eben dieser wohnt inzwischen an einer ganz anderen Ecke der Insel. Man wuppt das Ding trotzdem noch zusammen und hier ist Album Nummer zwei.
Auf jenem kippt die Chose irgendwo zwischen punkigem Noise-Rock, wuchtigem Doom-Metal, dem gelegentlichen 
Voïvod-Worship-Moment in Form vom Tritonus-Quietschakkord und dem Spirit von Tom Waits'chen Outsider-Blues in meiner Wahrnehmung gerne noch mal einen Schritt mehr zu den etwas metallischeren Seiten, allerdings weckt z.B. das Dissonanzgeschraddel vom 'Chew'-Intro dann zwischendurch auch schon mal sowas wie Sonic Youth-Assoziationen, bevor das Ganze dann wiederum fast Richtung Groove-Metal neigt.
Besang Armstrong auf dem 2018er Vorgängeralbum noch "(...) How The World Will End", skatet man inzwischen sozusagen schon durchs postapokalyptische Wasteland...

"The Earth Will Swallow The Sun" ist, das sage ich jetzt mal ganz ehrlich, eines dieser Alben, bei dem ich ohne gewisses Vorwissen über die Vorgeschichte vielleicht eher nicht mitgezogen wäre, um es mal so auszudrücken. Denn eigentlich bin ich 2025 zu ganz anderen Gefilden persönlicher Musikvorlieben weitergezogen. "Peace Off" habe ich seinerzeit, was ja inzwischen auch schon wieder 7 Jahe her ist, durchaus gerne gehört, aktuell bin ich aber irgendwie doch so sehr auf Musik in Richtung Soundsystem-Bassmassagen, auf Drumsample-Basteleien und Synthesizer-.Experimente eingestellt, dass mehr oder weniger auf dem Punkt gehaltene Rockusik im Moment einfach eine geringere Rolle in meinem Leben spielt.
A
llerdings muss man dann wiederum auch sagen, dass vieles von Noisepicker's stilistischem Vokabular halt an den gleichen Wurzeln ansetzt, von denen ich auch komme. Es fällt mir daher schwer, das hier nicht dennoch rundum sympathisch zu finden, weswegen ich die Platte mit der Karla Kuvlt (s.o.) zusammen eingetütet habe.
Auch hier übrigens:
18 € für LP+CD!

Quartz - Lucid
(Ruptutre LDN)
Quartz - Trauma Response
(play:musik)
Elliot Garvey alias
Quartz ist einer dieser rareren D'n'-/ Bassmusic-Produzenten, die es verstehen, Stuff in derartigen Stilgefilden ihren eigenen Twist zu verpassen. Von Halftime-Tunes oder Dubstep-Exkursen über Dark-Roller mit Nachtfahrten-Charakter bis zu derberem Geklöppel haben seine Produktionen durchaus schon mal so eine gewisse Komplexität und/ oder Tiefe, die sie von anderem abhebt. Letztes Jahr war es insgesamt etwas ruhiger um ihn, dafür werden in diesem wohl mal wieder ein paar Veröffentlichungen seinen Namen zieren.
Die erste davon ist eine EP via Rupture London, auf der wir vier Tracks vom oben bereits angerissenen bekommen: Tribal-Elemente und Rave-Momente, Dark-Roller zum tanzend drin versinken, Andeutungen von Wormhole'schen Proto-Neurofunk und auch die wild eskalierende Breakbeat-Abfahrt nach längerem Build. Besonders der quasi zweigeteilte Titeltrack kommt mit einer Steigerungskurve von industriell-pumpendem Halfstep-Flair zur Tearout-Mayhem daher, wie man es nicht alle Tage hört.
Als zweites kam dann noch im ersten Quartal dieses Jahres eschon ine weitere EP über DJ Flight's Label
play:musik.
Hier ist der Vibe dann insgesamt etwas soulfuller und die beiden Tracks auf der B-Seite entsprechen so'n bisschen dem derzeit wieder etwas zunehmenden Nischen-Trend, DnB-Strukturen mit Electro-/ Techno-Soundästhetik aus der Autonomic-Schule zu fusionieren.
Ziemlich gut!

Soul Intent - Fight The Future  EP
(Lossless Music)
Schon wieder bzw. noch mehr Drum'n'Bass? Ja klar, denn Drum'n'Bass ist mein Happy Place, auch wenn er so düster klingt wie hier. Wobei, was heißt „auch“, eigentlich ist techsteppiger Tearout-Drum'n'Bass wie von Mitte der Neunziger bis um die Jahrtausendwende, quasi die Brücke von Moving Shadow bis zu Ohm Reistance, ja total mein Ding.
Alex Judd alias Soul Intent präsentiert uns hier auf der nächsten EP übers eigene Label gelungene Beispiele von genau sowas: Eben genau jene Art von etwas kaputt klingendem Mitt-/ Spätneunziger-Drum'n'Bass mit
Techstep-Schlagseite, der bei allem satten Geklopfe in der dreckigen Dunkelheit Raum für Atmosphäre lässt, in der die Jungle-Wurzeln noch hörbar sind.
Der Titeltrack kommt mit metallisch scheppernden Snares und Föhn-Bassline besonders derbe und die Schlussnummer 'Feeling Uneasy' wagt sich dann auch noch etwas weiter raus, zu einer seltsam rumpelnden Nummer, die im Rahmen einer durchaus DnB-
typischen Sundästhetik mitr ihrer Rhythmusarbeit schon eher so ein bisschen in Richtung von sowas wie Broken-Beat-Industrial-Techno schielt.
F
ür genau sowas wie das hier habe ich wohldosiert halt wirklich schwer was übrig!

Svffer - Eternity Moment
(Contraszt! Rec.)
Wenn ich immer wieder mal feststelle, mit zunehmenden Alter mit ungestümster Ballerschrei-Musik immer mehr durch zu sein, dann sind die Ausnahmen dieser Regel natürlich gerne mal die schon länger aktiven Bands mit eigenständiger Aura, die mich schon eine Weile begleiten.
So ist's auch mit
Svffer aus der Hardcore-Punk-Szene Münsters: Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine öfter und immer wieder gerne mal live gesehene Band - 2014 teilte mein damaliger Bandgehversuch sogar mal eine Event-Bühne mit ihnen - deren superintensive Grind-/ Hardcore-/ Emoviolence-Musik seinerzeit definitiv auch einen Nerv von mir traf.
Nachdem man in jüngerer Vergangenheit nicht mehr so viel in Erscheinung trat - ich hab's gerade mal übern Daumen geschlagen, mein letztes mal Svffer live ist dann jetzt auch
schon wieder so 7 Jahre her - kommt dann nun ihre Abschieds-EP inkl. letzter Gigs dazu, und da bin ich dann auch trotz altersbedingter Müdigkeit in Bezug auf Blastbeats und Gebrüll doch noch mal gerne mit dabei.
Die Frage, ob's bei vier Stücken, von denen keines die 3-Min.-Marke passiert, nicht evtl. auch 'ne 7"- statt 12" Veröffentlichung (kommt im April über Contraszt! Rec.) getan hätte, die muss man dabei aber auch mal stellen dürfen.

 

Young Widows - Power Sucker
(Temporary Residence Ltd.)
"Swamped and agitated"! Ein neues
Young Widows Album war ja tatsächlich nicht unbedingt das gewesen, was ich für '25 auf der Rechnung gehabt hätte, interessanterweise ist aber gerade dieses Trio aus Louisville, Kentucky eine der Bands, die "erstens kommt es anders, zweitens als man denkt"-mäßig immer dann wieder auftaucht, wenn man nicht mehr damit rechnen wollte, und dann auch noch jedes mal wieder etwas anders klingt als erwartet.
Mit Vorgängerband-Wurzeln in noch viel derberen Kram
ging die Reise von einer rabiat-rumplig Post-Hardcore-lehnenden Noiserock-Band dann über ein Fiebertraum-artiges Sad-Rock-Meisterwerk mit starker Americana-Schlagseite dahin, dass das 2014er "Easy Pain" dann wiederum eine fast schon Industrial-eske Kantigkeit und Dissonanz demonstrierte, die dem early Swans-, Neubauten- und Cop-Shoot-Cop-Fan in mir dann auch entgegenkam.
Was man der Band nun wirklich nicht vorwerfen kann ist, irgendwann mal „das gleiche Album nochmal“ gemacht zu haben, ihre vier bisherigen Regulär-Longplayer sind alle ziemlich unterschiedlich.
Und 11 Jahre nach dem letzten davon (drumrum gab's durchaus Kleinformate, Splits, Compilation, Live-Aufnahmen usw., Sänger/ Gitarrist Evan Paterson firmiert solo außerdem
relativ umtriebig als Alternative-Folk-Barde unter Jay Jayle) ist auch "Power Sucker" wieder einmal etwas anders.
Wie anders? Ja puh, wie soll man das beschreiben. Es scheint wieder etwas mehr „Fluss“ im Groove der Young Widows 2025 zu sein, etwas mehr Melodie und Gefühl. Als ob man das fehlende Bindeglied zwischen den letzten beiden Reguläralben dann doch noch mal nachreichen wollte, spannt man auf "Power Sucker" auch schon mal kurz ausholende Bögen, bevor man zum Punkt kommt. Momente der Wuchtigkeit und rasantes Abrocken gibt's dann genauso wie das sich auch schon mal depressiv suhlen.
"Power Sucker" vereint den Spirit einer Band wie The Jesus Lizard mit dem Willen, mit einem ähnlichen Drive noch an ganz andere Orte zu gehen.
Und das ist dann halt durchaus die Art von Rock-Musik auf die ich trotz Rock-Müdigkeit 2025 dennoch Bock habe, allerdings muss ich, wenn ich mal ganz, ganz, ganz ehrlich bin gestehen, nicht so instant-begeistert zu sein, wie ich es seinerzeit jeweils von sowohl "In and Out of Youth and Lightness" als auch von "Easy Pain" noch war. Aber auch das gehört zum Leben und man muss sich
deswegen ja auch noch lange nicht direkt im Unfrieden trennen, denn das polyamouröse Herz der Musikobsession hat nach wie vor auch noch genug Platz für sowas wie das hier. 



Digital im Weltnetz dann auch noch aktuell...

Beak> - State Of Silence O.S.T.
"State of Silence follows the lives of four journalists in Mexico who have become targets of repression for sharing and exposing the reality in their communities. This portrayal urgently exclaims that freedom of the press cannot remain under siege.
(...) State of Silence is a documentary directed by Santiago Maza and produced by La Corriente del Golfo, the production company founded by Diego Luna and Gael García Bernal (...)
Beak> wrote the soundtrack to this film."

enduser - Turning Point / Street Lamp
Dass Lynn Standafer alias enduser tatsächlich mal einen neuen digitalen 2-Tracker in die Welt entlassen hat, das ist mir tatsächlich mal eine Erwähnung wert.
Vor irgendwas um die 15 Jahre oder so war's dann neben Venetian Snare'schem Kram tatsächlich u.a. auch mal sein Style zwischen Drum'n'Bass, Breakcore und starken Electro-Industrial-Schlagseiten über verschiedene Spezialisten-Label wie Ohm Resistance, Ad Noiseam oder Hands gewesen, der eine neuerliche Brücke von meinen damaligen Hartwurst-Hörgewohnheiten zu weiteren Ecken elektronischer Musik schlug, gleichermaßen zurück wie nach vorne, back to the Future.
"Turning Point" und "Street Lamp" sind zwei Stücke in seinen nicht untypischen, atmosphärisch-meldoischen Gangarten, das eine etwas fetter, das andere etwas nostalgischer.
Schön, dass er doch noch mal gelegentlich wieder auf der Bildfläche auftaucht!

John B & LaMeduza - Ventil-8
(Metalheadz)
Okay, ich schreibe mir hier dann jetzt auch mal 'nen Weihnachtswunschzettel: Eeiiiigentlich würde ich mir ja schon wünschen, der in jüngerer Vergangenheit vor allem als Twitch-DJ aktive John B würde mal einige seiner, teilweise mehr als nur etwas augenzwinkernden Tracks wie den Dark-Wave-/ DnB-Crossover "Anti Valentine", den Electro-Punk "Disconnected" oder die schwermetallsich angehauchte Computerspielmusik-Coverversion "At Doom's Gate" noch mal albumveröffentlichungstauglich abmischen lassen und dann natürlich auf Vinyl rausbringen, denn da hätte ich wirklich Freude dran. Man scheint
ja allerdings in dieser Clubmusik-Ecke leider immer mehr von der Schallplatte wegzukommen, zumal die meisten DJs eh nur noch Files mit CDJs mixen.
Wenn diese leider nur digitale Single-Veröffentlichung einer Kooperation mit Sängerin LaMeduza via Metalheadz dann jetzt errstmal alles ist, was wir kriegen, dann nehmen wir das so aber wohl auch.

Kevin Richard Martin / Dis Fig - Silent
Auf das 2020er Hyperdub-Kollaborationsalbum von The Bug & Dis Fig folgte dieses Jahr dann eine fast zwölfminütige Nummer mit The Bug's für Ambient-Musik verwendeten Klarnamen in den Credits. Überraschend balladesk, dann kommt der Drone, und wenig überraschend hat's dann auch in einem Hauch von Dub.
Den digitalen Track gibt's zu "name your price"; ein ganzes Album hiervon würde ich durchaus nehmen!

Mick Harris -  Culvert Dubs Session 3 
Wahrscheinlich ist Mick "Mongoose" Harris' Auffassung von Dub-Techno eine etwas andere als die von Ihnen, werte/r Leser:in, aber das ist natürlich gemutmaßt.
Der als etwas wahnsinnig geltende Ex-Schlagzeuger von Napalm Death präsentiert uns mit "Culvert Dubs Session 3" jedenfalls vier ziemlich lange Mischpult-Jams (plus einen Kurztrack), die wuchtig, krachig und (natürlich) verhallt die Grenze zu Drone und Noise überschreiten: 



Tech Level 2 - Indifferent. EP
(Avalanche)
Als hätten die sich alle irgendwie abgesprochen, gab's dann kürzlich auch 'ne neue EP von Justin Broadrick's Drum'n'Bass-Alias Tech Level 2. Ja, tatsächlich mit neuem Material anstatt aus der Mottenkiste (wie beim letzten mal).

Seine "...operating without engaging in any scenes or DJ culture..."-Einlassung bringt mich zwar ein bisschen zum augenrollen - ja, Du bist voll der neurodivergent-gestresste Eremit, we get it, wer nicht... -  aber da ich bekanntlich sowohl Fan von Broadrick's musikalischem Schaffen (nicht von allem, aber einigem) als auch von Drum'n'Bass-Musik an sich (Liebe, einfach nur Liebe) bin, ist in der Natur der Sache düster und derbe bollernder Justin Broadrick-Drum'n'Bass mit maximal krachenden Minimal-Arrangements etwas, das ich unmöglich nicht mögen kann.
Auch wenn dieser eine Abrupt-Übergang bei 'Despiser' ein bisschen "Hä?" ist.
Wär' 'ne Vinyl-Veröffentlichung zu viel verlangt? Muss ich mir hiervon für den DJ-Mix meiner Jahrgangsfavoriten wohl echt 'ne Lathe-Cut anfertigen lassen oder so...
Apropos: Bei dieser Gelegenheit kann man dann auch mal wieder seinen inzwischen zwölf Jahre alten, ziemlich kaputten Mix für das Self-Titled Mag verweisen
bei dem er die Hälfte der Zeit 45er-Drum'n'Bass-Platten auf 33 spielte und nicht mal wirklich auf sein eigenes Schaffen in der Ecke verwies.

Venez - Live In Greenwich Village 2007
(Ohm Resistance)
Es ist schon interessant, wie die Zufälle manchmal so fallen, scheinbar da gewisse Vibes einfach in der Luft liegen. Weil: Geht es tatsächlich nicht nur mir so, dass zuletzt das Thema Dub-Musik bei uns Underground-Nerds ein
bisschen mehr in den Fokus rückte (Dub-Elemente in Steve Von Till's aktuellem Schaffen, ein Dub-Floor beim letztjährigen Roadburn-Festival, ...) und der deepere Dubstep in Mitt-/ Spätnuller-Spielart abseits greller Albernheiten gerade wieder so ein bisschen cool wird (s.o.)?
Dazu passt dann nämlich auch perfekt, dass
Ohm Resistance-Betreiber Kurt Gluck alias Submerged diese Live-Aufnahme ausgegraben und der Nachwelt via Bandcamp öffentlich zugänglich gemacht hat:
The year was 2007. Dubstep was in the first years of it's life, although we had all played slow beats and loved them, whatever it was called before that...Moldy and Submerged teamed up to throw a night called "HEAVY PRESSURE", one of NYC's groundbreaking early bass music shows, at Sullivan Room in Greenwich Village. Ohm Resistance had begun a seismic shift, to releasing not only Drum n Bass, and had started another label, RESIST, to put out Bass Music on 12" vinyl.
Venez was the brainchild of Submerged and Breaker. Short for "Venezuela", for reasons neither of them can remember, Venez was a recording project at Revolution Sound in Williamsburg, Brooklyn. A grip of shows in this configuration from 2007-2010 were performed by Kurt and Dean; this one happens to feature legendary film sound editor / FX generator M. Gregor Filip (Gator Bait Ten/The Blood of Heroes), who was also a co-founder of Ohm Resistance.
Featuring tracks that would eventually end up on Submerged's "Before Fire I Was Against Other People", Silent Killer and Breaker's "Amongst Villains", several Venez 12"s, several complete improvisations, and some tracks lost to time, this show is a trip through time. Reminiscent in equal parts of 70s electric Miles Davis and experimental beat culture of the 00s, this live show captures friends enjoying throwing down live in a highly psychedelic, bass heavy club scenario.

Und 
zufälligerweise ist das dann ein mir super in die aktuellen Interessen passendes Zeitdokument von Leuten, die schon immer den Nischenkrach zwischen experimentellem Jazzer-Mindset, dubbigen Clubfloor-Sounds und Punk-/Rock-/Metal-Ästhetik bis zu Industrial-Härte gelebt haben. Auch das ist die Drum'n'Bass-Szene in all ihren Randerscheinungen und somit einer der Gründe, warum ich sie liebe.



"Honorable Mentions" und auch noch eben kurz notiert:

  • Ende März wären ganz frisch auch nich parallel gleich zwei EPs von Amenra via Relapse rausgekommen. Dazu dann vielleicht nochmal was in der nächsten Quartalsbilanz, vielleicht aber auch nicht...

  • Ähnliches gilt für das noch nicht so richtig gehörte, neue  Backxwash Album.

  • Zwei wirklich coole 2024er Album, die ich kürzlich dann auch noch zufällig für mich entdeckt habe:
    1.) "I was so far in I was out." von der Feel Free Hi Fi Crew aus den sog. Twin Cities in Minnesota. Instrumentale "Industrial Dub and Weirdo Dancehall" Musik? "Environmental and cinematic sounds, dark and heavy, as introverted as expansive"?
    2.) Apropos Dub, apropos Industrial-Vibes usw.: Das Ghost Dubs Album via Pressure, zu dem dann jetzt gerade eben auch noch 'ne Remix-EP-Ergänzung rauskam, wär' dann ja eigentlich auch noch so ein '24er Highlight, das mir im Jahrgang selbst aus unerfindlichen Gründen durchging.

  • Man könnte ja zum sympathisch-kauzigen, italienisch-französischen Duo Putan Club, ihrem Konzept und ihrer Musik irgendwo zwischen Punk, Industrial-Metal, Techno und Weltmusik durchaus noch so einiges interessantes ausweiten, wir belassen es an dieser Stelle aber erstmal mit einem knapp gehaltenen Hinweis auf ihr neues Live-Album "Filles d’Octobr" (Toten Schwan), einst eingefangen beim Amplifest 2022, welches in der Natur der Sache so 'ne Sache is'...

  • Die natürlich ziemlich teuer kommende Amphetamine Reptile-Special-Vinyl-Edition einer Melvins / Napalm Death Kollaboration konnte ich mir schon alleine deswegen nicht schießen, weil ich in dem ca. fünfminütigen Verkausfszeitfenster Sonntagsspätnachmittags unserer Zeit, believe it or not, was anderes zu tun hatte als am Rechner zu sitzen. 
    So ein bisschen geht mir dieses an eine Lotterie und elitistische Kunstkenner-Höchstbieterscheiße grenzende Spielchen allerdings, ja mal ganz ehrlich gesagt, eh auf den Sack ... Eine "Factory Eidtion" soll aber auch noch kommen.

  • Ein weiteres „sollte man auf dem Schirm haben“-Duo sind Trauma Bond aus London.
    "Summer Ends. Some Are Long Gone" ist ihr neustes Album in einer Rehe bisheriger Veröffentlchungen, die es vorwiegend erstmal nur digital gibt, und die derbst irgendwo zwischen Hard-/ Grindcore, Powerviolence, Industrial-Metal und Noise unterwegs sind.
    Ein nächstes mit Jahreszeiten-Bezug wird wahrscheinlich noch dieses Jahr folgen.

  • Danke an Flo für den Hinweis, dass Pete Rogers das dritte, und wenn ich es richtig verstanden habe auch finale Album seines Wardown-Projekts mit einem V.ö.-Date kurz vor Weihnachten ins Jahresaustraben '24 schob, was mir sonst wohl echt durchgegangen wäre.
    Die Mischung aus Ambient-Überbau und Jungle-/ Drum'n'Bass-Wurzeln im abendfüllenden Format eines 2LP-Storytellings kommt mir auf "Wardown III" ein bisschen dunkler vor als auf den optimistischeren Vorgängerwerken,
    passte mir so oder so allerdings natürlich ziemlich gut mit in die schon wieder viel zu volle Jahreswechsel-Playlist zwischen Postrock-Revitiationen und Jungle-/ Bassmusic-Rotationen.
    Ein Mix dazu gibt's dann auch noch auf Youtube.

  • Durch einen Zufall, der mit der Veröffentlichung der Abschieds-EP von Svffer zu tun hat (s.o.), habe ich jetzt erst mitbekommen, dass zwei der Alpinist-/ Jungbluth-/ Criminal Body-Typen ein Elektronik-/ DAWless-Jam-Projekt namens Welt im Dunkel am Start haben, mit dem sie letzten Sommer ein Tape veröffentlichten.
    Dass
    die großartigen Criminal Body sehr kurzlebig blieben und mit ihrer Musik irgendwo zwischen Noiserock und PostPunk mit Pop-Schlagseite bei den Neocrust-Köppen in der AZ-Szenerie nicht so richtig auf Gegenliebe stießen, das finde ich nach wie vor bedauerlich, aber wisst Ihr was, Jungs?! Hier bin ich auch gerne mit dabei!

What the Phok?

Absolut nicht unerwähnt bleiben sollte Photek's Rückkehr zu Drum'n'Bass-Musik in seinem eigenen Signature-Stil.
Anscheinend scheint er allerdings nach Jahren des Daseins als Soundtrack-Komponist in Los Angeles ein bsschen die Bodenhaftung verloren zu haben, wenn er ernsthaft fuckin' 500 Dollar für'n limitiertes 1st-Edition-Special-Package der Platte aufrufen will. Fünfhundert, Alter!?!
 

 

Ausblick an Alben...

Es wären dann wohl für die nächsten Wochen und Monate auch noch neue Albem von Bank Mya, Big|Brave, Caspar Brötzmann Massaker, Divide and Dissolve, von den schon als Supergroup durchgehenden (da Fudge Tunnel-Basser und Altar of Plagues -Drummer) Cavemen-Doomern Conan und von ihrem industrial-metallischen Spinoff Ungraven (im gleichen Monat übers gleiche Label) unterwegs, und wo wir beim Thema Dooom sind auch noch vom Chaotenhaufen Electric Wizard.
Während die neue, angeblich längst fertig produzierte OM immer noch auf sich warten lässt, ist Al Cisneros in Kürze mit einer kollaborativen 10" mit David Eugene Edwards (Wovenhand) am Start.
Die neue Swans ist natürlich auch Pflichtprogramm.,was von Schechter & Wallfisch kommt dann auch noch obendrauf.
Neue The Young Gods im Juni!
Außerdem kommt die nächste Melvins via Ipecac und eben dort  tatsächlich auch eine neue von mclusky.
Ein neues Steve Von Till Solo-Album ist auch auf der Liste.
Kollaborativ was von Sumac & Moor Mother.

Der vorab hörbare Song zur neuen thisquietarmy hat schwerstens was von King Crimson.
Die fast schon vergessenen Pyramids sind im Mai mit einem neuen Album zurück.
Vom finnischen Junglist Fanu kommt ein neues digitales Langspielalbum mit physischer EP-Auskopplung über Straight Up Breakbeat und von Düsterhart-Drum'n'Bass-Altmeister Technical Itch ist ein Album über Over/Shadow unterwegs bzw. eigentlich irgendwie auch schon da, aber bei letzterem bleiben die Staffelungen von ersten UK-Vorverkäufen und dem Aufschlagen in hiesigen Vertriebswegen allerdings völlig nebulös.
Wo wir dabei sind freue ich mich aufs neue Ancestral Voices Album über Samurai Music, die nächste Dom & Roland EP ist auch schon wieder auf der Startrampe, von Original-Jungle-Queen DJ Rap kommt dann gar noch irgendwas größeres, Boxset und Buch oder sowas und von Ray Keith ein Komplettdiscographie-Paket auf USB-Stick für'n Hunni.
Außerdem kommt ein von Killing Joke's Youth produziertes Album von Bauhaus' Peter Murphy, auf dem u.a. auch Trent Reznor mitmacht.
Und dieser "Tron: Ares" Soundtrack von Nine Inch Иails, der dann auch irgendwann dieses Jahr noch kommt, könnte ebenfalls was sein, das ich mir dann auch mal in die Plattensammlung zu schieben müssen
meinen könnte, auch wenn ich den Film selbst wahrscheinlich garnicht gucken werde, denn ich kann Jared Leto echt nicht ertragen.

Reissues und Neunziger-Nostalgie...

Das kommt jetzt vielleicht etwas albern formuliert rüber, ist halt aber so: Man hätte als in die Jahre gekommener Musiknerd mit 90er-Alternative-/ Metal-Sozialisation und saturiertem Vinyl-Fetisch seine Hausaufgaben nie richtig gemacht, würde man an dieser Stelle dem Umstand gleichgültig gegenüberstehen, dass das 1993er The God Machine Langspieldebüt "Scenes from the Second Storey" Anfang diesen Jahres nun erstmals überhaupt (!) auf Vinyl veröffentlicht wurde, genauso wie das zweite und finale Album des Trios, das 1994er "One Last Laugh in a Place of Dying", obendrauf dann auch noch seit Erscheinungsjahr zum ersten mal wieder im 2LP Format.
Es soll Leute geben, die deswegen völlig ausgeflippt und fast vor Freudentränen zusammengebrochen sind.
So weit würde ich von meiner Seite aus jetzt ja nicht gehen. Aber. Aber? Aber: Wenn mal wieder so eine dieser ganz besonderen Bands von früher aus konsumistischem Anlass für sich wiederentdecken, dann doch bitte gerne diese.
The God Machine bekamen damals wohl nie breitere Aufmerksamkeit und lösten sich  tragfischerweise vor Veröffentlichung ihres zweiten Langspielwerks schon wieder auf, nachdem Basser Jimmy Fernandez plötzlich einem Hirnschlag erlegen war. 
Sie sind dann interessanterweise
aber noch zu einer dieser ganz wenigen Konsens-Kultbands mutiert, auf die sich irgendwie alle tiefer wühlenden Rock-/ Metal-Geschmacks-Nerds gewisser Jahrgänge, vom melodisch orientierten Schöngeist-Metaller bis zum schon halbtauben Noiserock-Maniac, von damals bis heute einigen können. 
Es ist echt wahr: Vom einen Bekannten, der für mich so'n bisschen in der Schublade „zu ¾ Truhmeddl-Bauer“ steckt, und dem inzwischen andere Lebensentwürfe anstrebenden Chefredakteur eines Rockmusik-Printmagazin-Markennamens, über meinen eher Postpunk-sozialisiertem und sich teils in avantgardistischer Klangkunst ergehenden Bandkollegen, bis zu den teilweise ziemlich exklusiv in ihrem Ding festhängenden Teilnehmern eines Noiserock-Forums für alterende Jesus-Liz-Jünger und AmRep-Anhänger, in dem ich seit Jahren sporadisch mitlese und seltenst selbst poste, findet scheinbar wirklich jeder auch The God Machine super.
Damit ist dann eigentlich auch schon mehr über diese Ausnahmeband gesagt. als ich jetzt in weiteren trockenen Worten über ihre Musik so ausdrücken könnte, weswegen ich es mal lasse.
Auf jeden Fall ist auch das eine Wiederentdeckung, die durchaus Freude ins Wohnzimmer gebracht hat...

Muss ich an dieser Stelle dann natürlich auch noch erwähnen: Ich bin in Besitz ihrer Vinyl-Single "Home", deren B-Seite eine Coverversion von The KLF's "What Time Is Love" ist.
Die ich mir, echt wahr, tatsächlich fast mehr schon primär wegen dem krachig-rockigem Cover von KLF (bin Fan!) an sich, als wegen The God Machine geschossen habe. Geiles Teil!

Abschließend ist die Historie dann natürlich jetzt auch noch damit abzurunden, dass TGM's Gitarrist/ Sänger Robin Proper-Sheppard dann 1995 das Projekt Sophia gründete, mit dem er auch heute noch aktiv und unterwegs ist.

Mix-o-Mania...

Tatsächlich habe ich, wohl auch aufgrund meiner „Postrock-Revival-Phase“ Anfang des Jahres, die meine Playlist ziemlich episch ausfüllte, erstmal etwas weiniger „Clubmusik“ im Sinne entsprechender DJ-Broadcasts, Soundcloud-Mixe u.ä. als sonst gehört. Vielleicht war's ja auch so 'ne Art von Winterpause, denn ich bin dann anscheinend doch eher Schönwettertänzer. Aus dem Februar raus nahm es dann tatsächlich auch doch wieder zu und der Notizzettel war dann kurz vor Redaktionsschluss auf einmal doch noch ziemlich voll:

Absolut nicht außen vorlassen sollten wir zu Eröffnung der Rubrik für DJ-Sets und digitale Mixtapes allerdings, dass Adi-J kurz vorm Jahreswechsel ein audiovisuell konserviertes Vinyl-Set mit MC-Unterstützung im Rahmen von "Stupid" geteilt hat, an dem einiges sympathisch ist:
"
Stupid is a secret society of Amsterdam Bassheads/ Bass Music DJ team / a micro club under the Amsterdam train tracks.
We invite Bass Music/ DnB talent to play in a 100% money free environment. Love for music is the currency. Some hippy shit.
"

Zu meinen Lieblings-DJs, die man so vom Vereinigten Königreich aus gestreamt verfolgen kann, gehört auf jeden Fall Silva Snipa. Das ist jetzt ein totales Klischee, aber im Gegensatz zu anderen „jungen Leuten“ da draußen, die primär digital und Double-Drop-lastig irgendwelchen knalligen Modern-Kram auflegen, hat sie sich eher so ein bisschen auf old-schooligen Jahrtausendwenden-Jungle bis -Techstep-Drum’n’Bass eingeschossen und jongliert diesen auch gerne in Form von physischen Schallplatten.
Und das macht echt Bock, wie z.B. bei ihrem Set von kürzlich für’s Balamii Radio:
 
 
"Breaks, Bass, 140" war das Motto eines Vinyl-Sets von Obedeya im Londoner Planet Wax Plattenladen, das irgendwie ganz anders war als hätte ich ein Set unter dem Motto "Breaks, Bass, 140" aufgelegt (ja, sowas tue ich, lacht Ihr nur).
Was dann aber eigentlich umso mehr ein Grund ist, es dennoch und erst recht zu teilen, anstatt deswegen eher nicht (denn "Krach und so..." wollte seit eh und je für Horizonterweiterung und Artenvielfalt stehen, anstatt für vorgekautes in der Komfortzone):


Und apropos bei Planet Wax Breaks'n'Bass-Schallplatten jonglieren:
Ja, WNCL Recordings gibt's schon etwas länger, aber mit der 10"-Reihe der letzten eineinhalb Jahre hat sich das Unternehmen von Bob "West Norwood Cassette Library" Bhamra dann irgendwie ziemlich plötzlich zu einem meiner aktuellen Lieblingslabel gemausert. Geboten wird nämlich UK-Clubmusik mit 
rasant-rummsiger Roughness, die dabei nicht unbedingt den generischsten Schablonen und zeitgeistig-gängigen BPM-Schubladen entsprechen muss, und von House-Tempolagen bis zu und sehr oft auch völligem Breakbeat-Alarm geht dabei eigentlich alles.
Der Labelchef selbst legte kürzlich, neben weiteren Sets von Stallpferden wie Skin Teeth, Hooverian Blur und Rawtrachs ein wirklich chefmäßiges Werkschau-Set hin:


Erwähnenswert ist an dieser Stelle dann auch noch der Mix zum EP-Release (s.o.) von Soul Intent.
Gibt's zusätzlich auch bei Soundcloud.
 

Beim Youtube Kanal des DnB Portal gibt’s einen konservierten Stream von X.Morph’s letztem "Vinyl Only" Set.
Und Augen offen halten: Von Kan-Jacca müsste dort wohl auch noch mal ein eben solches neues aus gleicher Kulisse kommen, wenn ich das richtig gesehen habe…

 

Wer beim Ragga-Jungle mixen mit 'nem Godflesh-Shirt aufläuft ist mir generell sympathisch, also Kudos an Maze in der ukrainischen Jungle Kitchen:
 
 
Bei Ray Keith' regelmäßigem "Dreadcast" via Thames Delta Radio war ich in letzter Zeit doch mal wieder öfter gelandet. Ein besonderes Fest war, als DJ Rap dann auch noch als Überraschungsgast mit ablieferte:
 
 

Roni Size ist ja dann auch noch mit einer dieser „alten Helden“, die schon am Anfang meiner initialen Begeisterung für Jungle-/ Drum'n'Bass-Musik quasi als hell strahlende Sterne dabeiwaren und nach wie vor gelegentlich auftauchen.
Ein neuzeitliches Boiler Room-DJ-Set vom ihm mit Kollege Patife ist daher auch ganz gerne mal mitgenommen:


Weiter oben ebenfalls schon mal erwähnter Michael Fiedler alias Ghost Dubs gastmixte im Februar bei Zam Zam Sounds, und ich sach's jetzt mal so: Eine Sendung, die mit Dub-Reggae beginnt und in Einstürzende Neubauten mündet macht dann ja auch ohne Frage irgendwie alles richtig.
Und in der März-Ausgabe können wir das "siehe oben"-Spiel gleich noch mal wiederholen, denn dann war die
Feel Free Hi Fi Crew dran.

 
Notiz an mich selbst (ach?): In die zuweilen etwas weirde Welt von dbridge mit eintauchen ist dann wohl offensichtlich auch was, das ich doch mal öfter tun sollte.... 
 


J:Kenzo's zweistündige Sendung beim Subtle Radio muss ich mir dann wohl außerdem mal mit auf die Liste regelmäßiger zu verfolgender Sachen setzen, denn wenn auf die erste Hälfte mit duggibem Kram von Dub-Techno über Grime-Groover und dirty Bassmusic bis zu Steppern dann noch eine weitere Stunde mit Jungle-/ Drum'n'Bass-/ Techstep-Alarm folgt, dann ist das halt was aus der Kategorie „genau der Scheiß auf den ich Bock habe". 



Zum "Black History Month" ließ die "Best Drum and Bass" Plattform US-Jungle-Chefin Mizeyesis an die Decks, deren Mixe ich generell sehr gerne höre:


Beim The Wire Magazin gab's zum 30jährigen Jubliäum von Metalheadz tatsächlich ein Eigenproduktionen-lastiges Set durch den Jungle-Garten von Friskle, dessen Stuff ich oft ganz gut finde:
 
 
Einen kleinen Umweg machen wir dann noch mal durch einen Plattenladen im niederländischen Tilburg, wo der letzte DJ-Set von Betreiber Sjak van Bussel alias DMDN unter dem Motto Industrial-Techno stand:

Auf der Liste interessanter Mixtapes etwas abseits des Dancefloors hätten wir dann noch folgendes:

Für's The Wire Nagazin wiederum haben Rasheedah Phillips and Moor Mother, begleitend zu Phillips' neuem Buch "Dismantling The Master’s Clock: On Race, Space, And Time" ein Mix unter dem Motto "Black Quantum Futurism" erstellt:


Und Donnergott Dave Lombardo droppte beim NTS Radio im Rahmen einer Stunde Musik neben Eigenerzeugnissen auch solche, die sein Ehepaar-Bandprojekt Venamoris beeinflusst hat.
Dass er neben Dead Can Dance, Portishead, Massive Attack und der Trent Reznor-produzierten Sängerin Halsey dann auch das Underground-Unikat Jucifer kennt und schätzt, das macht ihn mir dann gleich noch mal wieder eine Spur sympathischer... 



Noch was erwähnenswertes? Wen live gesehen z.B.?

Als erstes Konzert des Jahres landete ich eher zufällig bei einer Stoner-/ Psychedelic-/ Doom-/ Retrorock-Band, deren manchmal allzu offensichtlicher Sabbath-Worship handwerklich ganz gut war, aber auch schon mal so einen Hauch neben der Spur tönte und mich insgesamt etwas zwiegespalten hinterließ. Weswegen ich den Bandnamen nicht nennen möchte, damit's nicht noch wie'n halber Diss oder so sowas 'rüberkommt.
Ihr fragt Euch jetzt, wie man „eher zufällig“ bei einer live spielenden Rockband landet, die man dann nur so mittel findet? Dann ist Euer Leben mutmaßlich wohl noch langweiliger als meins. Immerhin spule ich nicht schon fünf Minuten später
noch direkt am Laden vor Publikum mal eben 'nen Monolog darüber ab, warum's meiner Meinung nach ja dann eigentlich doch nicht so gut war, wie's gewisse Vollprofi-Musikjopurnalisten tun, die von ihrer Seite aus dann allerdings allzu gerne Hype-Abonnements für noch viel langweiligeren Rotz verteilen....
Das zweite, dann geplant besuchte Konzert '25 war Lydia Lunch, die begleitet von sonnenbebrilltem Playback-Knopfdrücker und Co.-Sänger Songs von Suicide und Alan Vega darbot. Und das, äh... war durchaus... was...

Zwischendurch dann erstmal wieder Konzert mit eigener Band und bei Drum'n'Bass-Sause zu 'nem selbst mitverbrochenen Tune dancen? Check, check. 
Sich dabei wundern, dass einem die Bassboxen bei 'ner Dub-Sause mehr die Schuhe ausziehen als die Lautstärke bei irgendeinem Gitarrenalarm-Konzert? Auch das.
Der traditionell alle 2-3 Jahre
stattfindende Anti-Karneval in Form eines rosenmontäglichen Konzerts von Bohren & der Club of Gore in der Bochumer Christuskirche war dann tatsächlich auch was, das ich wieder mal gerne mitgenommen habe.
Etwas erschwert wurde dieser dieses Jahr durch ausgerechnet in diesem Zeitraum wegen Baustellen ausfallenden Regionalbahnen u.ä., aber dass sich wohl Mehrere dachten, diese Bohren-Runde mal auszustezen, weswehen es wider Erwarten mal nicht ausverkauft und überfüllt war, machte das Ganze zu einem ziemlich angenehmen Konzertabend. 



Noch was gossipiges aus der Welt der Rockmusk-News oder so?

Apropos Lombardo (s.o.) - das bringt mich dann abschließend auch noch zum folgenden:
Das alles im Leben eine Frage des Mindsets und der Perspektiven ist, das sieht man in der stetig fortschreitenden Diversifizierung der Kunst-/ Kultur-/ Unterhaltungswelt auch darin, wie die Haltungen einiger Musikhelden aus der gleichen Generation so auseinandergehen:
Charlie Benante, seine Zeichens nicht nur Drummer der inzwischen ja leider irgendwie völlig abgehalfterten und unnötig gewordenen Anthrax, sondern auch des aktuellen Pantera-Coverband-Markenschwindels, wird derzeit nicht müde zu betonen, wie Spotify die Musikindustrie ruiniert. Hat er natürlich nicht ganz unrecht, aber dieses "Lars was right"-mäßige Rumreiten auf dem Untergang von allem seit, durch und wegen Napster zum Bedauern des eigenen Bedeutungsverlusts in Form von sinkenden Albenverkaufszahlen ist echt albern und wundert mich aus diesem Lager auch kein bisschen.
Kollege Dave Lombardo
wiederum, als legenäder Ex-Drummer von Slayer ja ungefähr aus der gleichen Sportart und Liga kommend, sieht eher das positive daran, dass die Insassen jetzt die Irrenanstalt leiten können, und stellt in Interviews wiederum eher die Möglichkeiten heraus, die man heute so für DIY-Musikproduktionen hat, redet vom mit der Zeit gehen statt lamentieren und so weiter.
Welche Haltung mir sympathischer ist dürfte klar sein.

Wo wir gerade in der Meddl-Ecke sind:
Voïvod müssen sich jetzt auch noch in die Riege der Altmetall-Markennamen einreihen, denen dann nix anderes mehr als so
'ne Metallica-mäßige Orchester-Geschichte einfällt? Naja.
Ich sach‘ Euch dann jetzt aber mal, warum Voïvod bei mir alles dürfen, auch wenn ich selbst bei sowas dann irgendwie schon wieder so halb raus bin...
Voïvod sind’s halt schon irgendwie wirklich: Eine Band, auf die diese Etikettierungen von wegen „ewig unterbewertete Kultband“, wie die Kritiker-, Musiker- und Nerd-Lieblinge, denen breitere Anerkennung dennoch lange verwehrt blieb u.ä. tatsächlich zutreffen.
Kommt mal zu einer Headliner-Show der Kanadier, wenn sie gerade werktags im vermeintlichen "Dräsch Meddl"-Captial Essen spielen, und Ihr werdet staunen, dass der bei so einer Scheiße wie Gutalax auch unter der Woche im Vorfeld ausverkaufende (!!!) Laden dann bei dieser vermeintlichen Kultband eben doch nur halbvoll ist. Und die Bekannte von Euch, die nur da ist, weil sie momentan den Drummer der lokalen Vorband datet, wird Euch dann auch noch erzählen wie furchtbar sie den Hauptact fand.
Deswegen, wie gesagt: Voïvod sind’s halt wirklich, diese „ewigen Underdogs“, oder welche Floskeln in der Richtung Euch dazu auch immer einfallen mögen, die sich Bauer-Metallern,  Wochenendpunks und allzu audiophilen Radiorockfreunden nicht erschließen.
Weswegen ich jeden neuzeitlichen Erfolgsmoment dieser Band mitfeier', während andere Lieblingsbands rundrum zerfallen (Neurosis sind höchstwahrscheinlich Geschichte, Killing Joke's Geordie weilot nicht mehr unter uns...), auch wenn es umso tragischer und trauriger ist, dass der 2005 von uns gegangene Originalgitarrist Denis "Piggy" D'Amour diesen nicht mehr elerbt...
Dass Ur-Basser Jean-Yves Thériault alias Blacky nur noch in seiner Ecke
abseits davon etwas verbittert sein eigenes Süppchen köcheln muss, von der Band nicht genehmigte (inzwischen auch über einen etwas sketchy wirkenden Mailorder aus Frankreich erhältiche) Bootlegveröffentlichungen fabriziert und man nicht mehr so richtig zusammenkommt, das macht's noch mal eine ganze Spur mehr tragischer.
Und, ach ja, noch was: Dass der aktuelle
Voïvod-Gitarist "Chewy" sich als neuste Aushilfe für das inzwischen völlig abgehalfterte Unternehmen Forbidden hergibt, das ist auch so ein bisschen naja. '88 bis '90 war das ja mal eine passableThrash Metal-Band aus der zweiten Bay Area Reihe, und '94/'97 dann eine durchaus passable* „wir probieren's mal 'nen Tacken moderner“-Band in der zweiten Reihe (*auch wenn reaktionäre Traditions-Altmetaller dearartiges natürlich nicht gerne hören, aber an den experimentelleren Groove-/ Alternative-/ Industrial-Anwandlungen im "Renewal/ Cleansing/ Chaos A.D/ Negatron/ Stomp 442/ Heal/ Great Southern Trendikill"-Metal der Mittneunziger war jetzt auch mitnichten alles schlecht), aber puh, das ist doch inzwischen auch nur noch so ein Markenschwindel in der Kreissklasse wie Pantera in der Oberliga. Und das unnötigerweise mit neuem Frontmann zum Jubläum betourte "Twisted into Form" halte ich eh für das überschätztere Album ihrer überschaubaren Discographie. 

Noch mehr Voïvod -News: Es wird ein Computerspiel geben

Und noch was aus der 
Voïvod Raritäten-Mottenkiste, das für Viele gerade wie aus dem Nix aufgetaucht ist, obwohl bei Youtube schon seit 15 Jahren online:

Jason Roeder (Neurosis) hätten wir auch noch:
"(...) I  was unceremoniously fired By Sleep's manager over the phone back in November. I haven't spoken to Al or Matt in months and that brings some peace to my life that I am thankful for."
Der entsprechende Insta-Post ist inzwischen wieder verschwunden.

Zum "Tool In the Sand" Debakel möchte ich nur mal kurz anmerken, dass mir diese Band ja schon länger irgendwie eher unsympathisch war.

Eine schöne Nachricht ist allerdings, dass es die zwischenzeitlich zerstrittenen Buildings wieder gibt!

Last-minute-mäßig reingekommen but not least, Braniac Performance bei KEXP: 

Mittwoch, 1. Januar 2025

Frohes Noise '25! Bye '24, tschö mit ö! Alben-Highlights im Jahresrückspiegel. Quo vadis, Krach und so?

Was will das Armageddon machen, wenn Du einfach weitertanzt?“ 

Wir halten fest: 2024 war, neben anderem, auch ein echt komisches Musikjahr.
Auf mehreren Ebenen. 

Bevor wir uns in Analysen zu vermeintlichem Kultur- und Szenesterben mit Underground-Überalterung, Vinylmarkt-Ambivalenz, einer immer komplizierter gewordenen Wechselwirkung zwischen virtueller und echter Welt, den aber ebenfalls vorhandenen Lichtblicken
usw. usw. zu sehr verzetteln, kommen wir aber mal direkt auf die persönlicheren Ebenen:
Was jene betrifft, hat sich dann wohl auch die schon in Vorjahren zunehmende Tendenz gefestigt, dass ich dieser Tage eigentlich, gerade auch "unterwegs" und "zwischendurch", eigentlich immer mehr Clubmusik-Mixe und DJ-Sets laufen lasse anstatt sowas wie Rockmusik-Alben.
Was natürlich nicht heißt, dass zu Hause nicht trotzdem mal Doom'n'Dröhn-Krach, Noisrock-Geschraddel, der gelegentliche Meddl-Klassiker, was aus der Kategorie Postrock oder gar mal sowas wie David Bowie oder King Crimson auf dem Plattenteller drehen würde... 
Die Schwerpunktverschiebung ist dennoch nicht nur bei Plattenkäufen allzu deutlich geworden, sondern auch auf den weiteren Ebenen, denn ich war zudem dieses Jahr, die inzwischen eher seltenen male, die ich selbst dann (abseits der auch nicht gerade vielen selbstgespielten Konzerte) doch mal für sowas vor die Tür gehe, wahrscheinlich doch deutlich mehr bei ein paar Drum'n'Bass- und sogar Dub-Sausen zu finden als auf Gitarrenkrach-Konzerten.
„Drum’n’Bass ist mein Happy Place“ ist ein Spruch, den ich daher schon mal augenzwinkernd bringe, der allerdings auch einfach nur wahr ist. Es war so über die letzten sieben Jahre oder so halt eine stetige Parallelentwicklung in immer größeren Schritten, dass während mich Musik von Stoner-Rock bis Death-Metal, ob Trve oder Kirmes, auch alles mit "-core" oder "Prog-" auf dem Stiletikett, sowie die zugehörigen Szenesitten in einem nicht mehr tragbaren Ausmaß nur noch anödeten, meine seit Roni Size, Photek oder Makai in Ansätzen schon immer vorhandene Liebe zu Jungle/ Drum'n'Bass und allem drumrum (von chilligen Dub-Roots bis zur völligen Breakcore-Irrwitzigkeit) noch mal so richtig aufblühte und gelebt werden wollte. Obwohl noiserockes und doomiges, bzw. ein paar alte Häwiemeddl-Lieblingsbands oder unkaputtbare Alternative-Altherren- und DamenheldInnen bei mir offensichtlich immer noch stattfinden und das Plattenregal fallabhängig durchaus auch weiterhin sukzessive mit Neuerscheinungen, Reissues oder Second-Hand-Impulskäufen füllen, war's über die letzten Jahre dann ja eigentlich doch eher so, dass Amenbreak-Edits und Reese-Basslines zu meiner primären Komfortzone geworden sind und mein Herz bei Jungle-Abstinenz die Kontraktion vergisst“.  

Interessante Beobachtung dazu im Kontext der Jahresbilanz dann übrigens auch noch:
Dass das durchaus sehr geschätzte britische Klutur-Magazin The Quietus in der Aufstellung seiner Jahresbestenliste zwar eine gewisse Überschneidung der wenigen Metal- bzw. Gitarrenkrach-Alben mit dem zeigt, was es in der Hinsicht in diesem Jahr auch in meine Aufmerksamkeit und/ oder auf meinen Einkaufszettel geschafft hätte, das ist dann woh vielleicht eine eine Bestätigung dafür, dass diese kreativen Erzeugnisse tatsächlich aus der Masse herausstechen. Dass man allerdings in Sachen Electronica, Techno, Clubmusik und co. zwar durchaus Releases des Jahrgangs berücksichtigt, dabei aber überhaupt gar keine/n Vertreter/in aus der Ecke involviert hat, zu der es mich wiederum diesbezüglich am meisten zieht, auch das ist dann wohl wieder bezeichnend. Gerade auch aus England würde es da ja durchas den einen oder anderen Albumkandidaten geben, aber es ist und bleibt halt echt die wahre UK-Underground-Kultur, die für viele Medien trotz Annäherungsversuchen nicht so richtig greifbar zu sein scheint. 
It's all just a little bit of history repeating.

Darüber hinaus schlug 2024 mein zwischenzeitlicher Versuch fehl, mich mehr Richtung Pop zu öffnen.
Z.B.: Mit "Silence Is Loud" legte die 24jährige Dehane Lishahn Hunt alias Nia Archives nach einigen EPs und Vorabsingles ihr Langspieldebüt vor, auf dem die Produzentin, Sängerin und 
DJ ihre ultimative Fusion aus Jungle, 90er-Britpop-Einflüssen und souligen Popsongs wagt. Hätte was für mich ja echt was sein können, so richtig abgeholt hat's mich bei aller Liebe zu rasanten Breakbeats in britischer Bearbeitung dann aber irgendwie doch nicht.
Ich hab's auch mit dem aktuellen Album von Anne Erin Clark alias St. Vincent versucht, deren Indie-Pop/ Art-Rock oder wie auch immer man "All Born Screamingeintüten möchte, nachdem es da eh schon mal eine direkte Coversong-Huldigung gab, ziemliche NIN-Vibes mitbringt, die oft ja eh nur verlängerte Bowie-Vibes sind (und von beiden bin ich Fan). Mit dem Ergebnis, dass ich auch das zwar echt nicht so schlecht fand, aber auch der Feststellung, dass derartiges dann irgendwie doch nicht sooo wirklich viel „mit mir macht“ und ich das nicht als Tonträger brauche.
Ich hab's versucht, ich hab's gewollt, aber manches kann man eben doch auch nicht erzwingen.
Als autistischer Nerd bin ich wohl halt einfach zu einem Leben im Undergroundkrach-Limbus und Spezialinteressen-Mikrokosmos verdammt.

Einige Alben von Noiserock bis Experimental-Electronica, auf die ich im Vorfeld die größeren Stücke halten wollte, waren dann irgendwie auch doch nicht so wirklich die Bands oder KünstlerInnen, die sich in der begeisterten Ganzjahresrotation der Saison etablieren wollten.
Dann gab es außerdem Alben, in die ich nicht mal mehr online reingehört 
habe, weil ich den aufgerufenen LP-Preis einfach viel zu drüber fand, allerdings gab es wiederum halt dennoch Platten, für die ich das dann trotzdem hingelegt habe. 
Man wird halt selektiver und wir leben in völlig vollbekloppten, komplizierten Zeiten, die einen zusätzlich durcheinandermachen. 

Zu Spätankömmligen würden dann auch noch gehören, dass ich jetzt gerade dabei bin, die fünf Shit & Shine Alben zu checken, die im gerade vergangenen Jahr mal wieder mit Musik von Dark-Ambient über Disco-Funk bis zu LoFi-Sludge-Doom-Noiserock rauskamen (witziges Cover übrigens), und außerdem auch, dass kein Geringerer als Killing Joke's Youth noch mal eben ein Album mit dem '21 verstorbenen Lee "Scratch" Perry raustat.

Langspieltonkonserven '24?!

Wisst Ihr was? Ich habe dieses Jahr mal wieder keinen Bock, mir eine Rangliste von 10 Platzierungen oder so zu überlegen, denn Musik ist kein sportlicher Wettbewerb und sollte auch nicht im Schulnotensystem gewertet werden oder sowas.
Deswegen machen w
ir das an dieser Stelle jetzt mal wieder so, die am meisten goutierten Langspielalben-Tonträger des Jahrgangs nach Künstler-/ Bandnamen alphabetisch zu sortierten.

4am Kru -  Incognito Rhythm 
(Embrace The Real Records
)
Als jemand, der eigentlich immer so ein bisschen sowas wie ein „Retro-Verächter“ war, hätte ich es ja bis vor 'n paar Wochen selbst nicht gedacht, dass ich das Album mit in die Liste der Jahreslieblige tackern würde, welches sich anhört als wär' auf einmal wieder 1993, aber es ist wie es ist:
"Incognito Rhythm" macht tatsächlich sehr, sehr viel Spaß. Und das Rotieren haben der drei, sehr gut klingenden Plattern im Wohnzimmer dann auch tatsächlich sogar noch mal sehr viel mehr als das Reinhören übers Internet.
Rougher gehaltene "Jungle/ Jungle-Techno/ UK Hardcore Rave" Musik, wie sie Anfang der Neunziger auch
The Prodigy hervorbachte, den Grundstein für Drum'n'Bass und folgendes legte usw., mit positiven Vibes und der klangqualitativen Klarheit einer neuzeitlichen Produktion ist wohl ganz offensichtlich auch so ganz ohne Nostalgie oder auch Ironie etwas, das mich dieser Tage mehr abolen kann als vieles an Rockmusik. Denn was ja viele Angehörige dieser Spezies von Verfechtern des handgemachten Rocks als einzig wahre Kunstform oft nicht so ganz raffen, das ist die Tatsache, wie eben auch solche Musik wie diese so ganz ehrlich aus dem Underground und „von der Straße kommt, eigentlich sogar noch mehr als es Punk je wirklich tat. 
Und die Energie, die in "Incognito Rhythm" steckt, die steckt wirklich an. Selbst bei den Tunes, die ein bisschen zu cheesy den Nostalgie-Flash überdrehen. Es ist halt allerdings völlig okay, wenn als Tanzmusik gedachte Musik dann eben auch einfach nur genau das sein will: Kopf aus, Spaß haben.
Die beiligende Download-Karte holt einem übrigens
neben den 12 Vinyl-Nummern dann direkt auch noch mal eben 8 weitere Tracks in ihren DJ-freundlichsten "Extended Mixes" im .wav-Format mit auf die Festplatte, womit hier wirklich sehr viel richtig gemacht wurde.


Beak> - >>>>
(Invada)
In einem Review, das ich mal zu einem älteren Beak> Album las, bemängelte der Prog-orientierte Profi-Schreiber den „ohne Klimax intentionslos dahinfließenden
 Charakter der Musik. Doch genau darin, dass sowas wie spontane Jam-Skizzen eben auch nicht immer zu sehr ausgemalt und eingerahmt werden müssen, sondern manchmal auch 
als etwas schief durchlaufende Statements für sich stehen können, liegt mitunter auch der Charme des Ganzen! Von ihrem eigenen, vermeintlichen Expertenselbstverständnis aufgeladene Musikrezensenten bringen nämlich gerne solche Moves wie die natürlich voll durchblickten Krautrock-Referenzen zwar einerseits zu Protokoll zu geben, dann andererseits aber dennoch alles, was nicht in ihre Copy-&-Paste-Komfortzonenvorstellung von Musikstrukturen passt gleich abstrafen zu müssen wie der Tüv-Prüfer ein korrodierendes Fahrwerk...  
Und wie schon bei ihrem Debütalbum stehen Beak> auch auf ihrem vierten Regulär-Longplayer (wieder mehr) für genau sowas: Songs bestehen nicht unbedingt aus klar abgesteckten Strophe-/ Refrain-Motiven, sondern fließen durch. Scheinen mitunter auch schon mal etwas neben der Spur zu leiern.
Die Nummer mit der ganz geilen Nummer, die nicht auf der Platte, sondern nur bei der Digital-/ CD-Version dabei ist, die ist zwar irgendwie auch etwas ärgerlich, aber mit sowas muss man leben können.
Eine bittersüße Note bekam dieses Album dann allerdings noch dadurch, dass mit Barrow das prominenteste und charismatischte Mitglied die Band nach einer letzten Tour aus gesundheitlichen und „in diesem Leben auch noch ein paar weitere Sachen machen“-Gründen verlassen wird. Natürlich war ich versucht, es zu einem der Tourdates zu schaffen, aber auch das war mal wieder eines dieser Dinge, die wohl einfach nicht sein sollten...
Ach ja: Wenn Ihr mich jetzt noch fragen müsst, warum das aktuelle Solo-Album von Barrow's Portishead-Kollegin Beth Gibbons nicht in dieser Liste mit auftaucht: Nichts, aber auch wirklich gar nichts gegen die gute Frau Gibbons, aber wir kommen an dieser Stelle halt mal wieder an so einen „man kann halt auch nicht wirklich auf j-e-d-e-r Hochzeit tanzen“- bzw. „so viel Musik, so wenig Zeit“-Punkt. Und wenn die Frage dann ist, ob man mich bei der Trauerfeier mit zwei Floors eher an der Bar im abgedunkelten Psych-Postpunk-Keller zappelnd oder im Chamber-Pop-Festsaal sitzend findet, dann ist sie halt auch eher rhetorisch. 
PS: Albumcover des Jahres, natürlich.


Big|Brave - A Chaos Of Flowers
(Thrill Jockey)
Eigentlich habe ich schon bei den letzten beiden regulären Alben jeweils gesagt, dass Big|Brave ja echt mit jedem Album besser, spannender, erstaunlicher werden, und "A Chaos Of Flowers" ist da wirklich keine Ausnahme. 
"A Chaos Of Flowers" kam in LP-Form im Übrigen so unverschämt teuer, dass es schon wehtat, aber ich musste es dann dennoch dafür raustun. Und irgendwie höre ich das Album zwar nicht hochfrequent oft, aber doch immer wieder mal, und bin dann auch immer wieder völlig hin und weg.
Die elegante 
Balance, mit der Big|Brave hier ihre Folk-Einflüsse in einem Flow von Drone-Noise-Doom-Gedröhn gießen und fließen lassen, ist wie nicht von dieser Welt. 
Ich habe "A Chaos Of Flowers" im Laufe des Jahres, wie schon gesagt, zwar irgendwie nicht so wirklich oft aufgelegt, aber wenn ich es dann mal wieder getan habe, dann habe ich den Tönen und Worten doch immer noch jedes mal sehr andächtig und aufmerksam gelauscht und war jedes mal wieder der Meinung, es hier mit einem ganz besonderen Album zu tun zu haben. 
Außerdem auch eines der besten Konzerte des Jahres in einem Jahr, in dem ich es zugegeben irgendwie auf nicht so wirklich viele Konzerte geschafft habe. 
Eine interessante Randnotiz ist dann auch noch diese neuzeitliche Verquickung zwischen Big|Brave und The Bug. Denn dass eine der einen wenigen Gitarrenbands, die ich derzeit so abfeier', sich nun gelegentlich mit Musik in der Richtung zusammentut, die mir zuletzt wesentlich mehr lag, das bestätigt mir dann wohl zufällig obendrauf 
noch irgendwas, was genau das auch immer sein mag...


Bongripper - Emtpy
(Eigenvertrieb)
Egal, ob man ihnen eher zu- oder abgeneigt gegenübersteht, muss man zumindest eingestehen, dass Bongripper anscheinend irgendwas richtig machen. Schon vor zwölf Jahren ging es erstmals auf die Roadburn-Hauptbühne und seitdem hat sich die Band aus Chicago, trotz auch mal 1-2 etwas langweiligeren Alben zwischendurch (ich sach's halt so wie's is') als Marke etablieren können, der die entsprechende Dicksound-Hipstermetal-Crowd aus der Hand zu fressen scheint.
"Empty" besinnt sich auf ihre Paradedisziplin, mit fast schon KLF-artigem High-Concept-Augenzwinkern: Vier Tracks zwischen zwölf und zweiundzwanzig Minuten, also jeweils einer pro 2LP-Seite, deren Einwort-Titel zusammen eine Aussage bilden, mit instrumentaler Sludge-Doom-Metal-Musik, die sich durchaus griffig durchkomponiert durch verschiedene Gangarten lärmt. 
Und das wichtigste: Ich find's ja eigentlich echt ganz geil.
Man könnte hier natürlich auch mit verschränkten Armen den Trveness-Elitisten mimen, dem das irgendwie nicht real genug ist oder so, aber ich habe heutzutage lieber einfach mal ungeniert Spaß, als nur durchzuwinken, die Katharsis in miefigen Düsterklischees finden zu wollen oder sowas. Und "Emtpy" macht definitiv Spaß!
Nachdem die Band auf "Miserable" und "Terminal" in immer doooomigere Untiefen abdröhnte, zieht sie dieses mal halt wieder ein bisschen mehr an, erlaubt sich mehr Motive, mehr Facetten - und joah - „rockt“ halt auch schon mal energischer vorwärts. 
Es gibt auf "Empty" den Ambient-Intro-Moment und den Blastbeat-Moment, es gibt vage Postpunk-Elemente und es gibt jede Menge Bock machendes Brachialgestampfe. Und sich auch mal nur in Feedback-Gelärme und stehenden Powerchord-Wänden zu ergehen gehört natürlich ebenfalls dazu.
"Empty" ist tatsächlich endlich mal wieder ein Release der Band, der mich so abholt wie einst "Satan Worshipping Doom" und die "Sex Tape / Snuff Film" 7".
Wenn ich dieser Tage Bock auf Metal habe, dann tatsächlich genau so. Ich brauche halt echt keine von Krümelmonster-Gegurgel widergegeben, uninspiriertem Klischeetexte auf standardisiertem Geboller, will kein Pseudomisanthropen-Gekrächze hören und ertrage auch keine von generischsten Songstruktur-Schablonen abgepausten 5-Minuten-Nummern, die jeder um's Sologegniedel rum mit dem Poser-Frontmann mitjohlen kann mehr.
Das, was ich von solcher Musik möchte, das finde ich tatsächlich doch am ehesten hier, beim primären Herausstellen des fetten Riffs!
Musik gewordene Zerstörungslust zwischen „grober Kelle
und „eigentlich auich doch garnicht mal so doof“.
Und dass ausgerechnet dieses Teil dann einer der Dauerrotatoren wurde, an dem ich 2024 mit am meisten Freude hatte, das beweist dann wohl auch mal wieder, dass es manchmal eben auch doch die etwas einfacheren und weniger ernsthaften Dinge sind, die es lediglich braucht...

Einstürzende Neubauten - Rampen (apm: alien pop music)
(Protomark)
Ganz ohne Scheiß: Über die aktuelle Neubauten zu schreiben empfinde ich wirklich so ein bisschen wie den Versuch, zu (längst eingestürzter) Architektur zu tanzen. Keine Ahnung, was ich da groß zu sagen bzw. wie ich die gehörte Musik nach außen beschreiben sollte. Ich weiß nur, dass "Rampen (apm: alien pop music)" ein Doppelalbum ist, das ich 2024 nicht selten und nicht ungerne gehört habe.
Allein das ab der Hälfte mit verzerrtem Bass kräftig pulsierende Song-Highlight "Besser isses" reißt mich mehr mit als irgendwas auf dem Vorgänger "Alles in allem".
Und dass sich das aus Live-Improvisationen entstandene Rampen-Material nicht nur wie eine lose Songsammlung anfühlt, sondern als zusammenhängendes Gesamtwerk stimmig durch Wiederholungen und Variationen fließt, das ist ebenfalls etwas, mit dem man bei mir landen kann. 
So ein bisschen wohlige Komfortzone sind die Neubauten anno 2024 dabei ja trotzdem irgendwie längst geworden, aber das ist völlig okay, denn wenn man als alter Typ die Musik noch älterer Typen hört, dann ist auch das halt einfach so wie es ist. 
Dass eine Publikation wie The Quietus - auch wenn ich diese durchaus schätze - dem Ganzen was von "kosmische Musik" andichten möchte, das ist dann aber wohl doch ein bisschen weit  aus einer nah geglaubten Klischee-Schublade hergeholt. Es zeigt allerdings einfach auch, dass die Neubauten als internationale Marke aus deutschen Landen auch dieser Tage immer noch ein Unikat in ihrer ganz eigenen Kategorie sind.
Und wenn das nichts ist, was dann? 
"Rampen (apm: alien pop music)" ist jedenfalls tatsächlich ein Album, das 2024 ohne Ermüdungserscheinungen immer wieder mal lief.

Gewalt - Doppeldenk
(Clouds Hill)
„Ich sammle Punkte, das hat man mir an der Kasse so gesagt.“
Auf der neuen Gewalt-Platte ist irgendwie nicht jeder Song ein Treffer, aber die, die es sind, sind es dafür dann halt auch so richtig.
Die Verschiebung ihres Disco-Noiserock zu etwas mehr Disco-Rock als Noise-Rock macht nix, im Gegenteil finde ich verdrehte Synth-Arpeggios und Hip-Hop-Anwandlungen im Moment ja
auch irgendwie ein bisschen spannender, und ihren Post-Punk, der trotz Theatralik auf Stampfrhythmus kein Goth-Karneval ist, sondern schon regelrecht hyperreal wehtut, somit sogar nochmal umso mitreißender. Kante hat das Ganze außerdem immer noch ziemlich viel.
Bands wie Gewalt sind die Bands, die wir brauchen. Neurodivergente Vollblutkünstler, die roh und ungefiltert gegen den Strom generischer Szenen-Langeweile schwimmen. Ich versteh' das alles voll und fühl mich davon verstanden, ganz ohne Scheiß.
Das war mit solcher Musik wie dieser und mir vielleicht nicht immer so deutlich wie hier und heute, aber in dieser sich einfach nur noch falsch anfühlenden,
dystopischen Zeitlinie, in der wir leben, gehört sowas wie das hier inzwischen zu den wenigen Dingen, die dann doch noch irgendwie Sinn machen.

Gremlinz & Jesta - The Lee Garden Historical Preservation Society
(Metalheadz)
Drum’n’Bass ist ja vor allem Club-/ DJ-Mix-Musik und daher ein sehr Singles-/ EPs-lastiges, weiterhin zunehmend auch rein digital veröffentlichtes Genre, aber das abendfüllende Langspielformat in Tonrägerform, das etwas mehr als nur Track-Collection sein will, das kommt halt offensichtlich durchaus vor.
Im Fall von "The Lee Garden Historical Preservation Society" muss ich allerdings zugegeben, dass man schon eine generelle Liebe zum Stil in seiner, mitunter auch eher auf Mixbarkeit ausgerichteten Form mitbringen muss. Soll heißen: Dem/r eher "unbeleckten" würde ich diese 3LP über die traditionsreiche Genre-Marke Metalheadz jetzt nicht unbedingt als Albumklassiker mit Laufkundschaftspotenzial aufs Auge drücken wollen.
Das kanadische Duo Gremlinz & Jesta hat sich über die letzten Jahre allerdings mit diversen Singles/ EPs ziemlich in meine Gunst spielen können.
"The Lee Garden Historical Preservation Society" demonstriert allerdings auch durchaus einiges an verschiedenen Gangarten und Richtungen, die man in diesem Genre-Kontext so einschlagen kann.
Das Albummaterial zieht zunächst erstmal nicht sooo spektakulär an, geht nie einen gefälligen oder allzu offensichtlichen Weg, kommt dann aber auch immer wieder mal an Stellen mit dunkler Grundstimmung und kräftig tackernden Breakbeats an, die einem als Genre-Freund gleichermaßen gut reingehen wie durchaus auch denken lassen, dass das hier ja schon auch etwas weiter draußen ist und nicht immer wirklich mit in jeden Clubmix passt.
Irgendwie auch typisch
Metalheadz, dann wiederum aber auch nicht so ganz.
Ein seltsames Album, aber das sind ja dann manchmal im Langzeittest eben doch die besten.
Als Randnotiz sei dann auch noch erzählt, dass ich an diese, aus unerklärlichen Gründen von Anfang an irgendwie nicht so supereinfach aufzutreibende Platte dann über den Umweg Dänemark doch für min. 11,50 € günstiger rankam, als hätte ich sie auf direktestem Wege vom Label aus England oder bei einem der wenigen hiesigen Anbieter bestellt, die dann irgendwie doch zwischendurch mal 1-2 Exemplare davon anboten, während diverse fernere Mailorder, die ansonsten durchaus 
Metalheadz-Kram anbieten, das Teil erst gar nicht führten. Das wird echt alles immer undurchschaubarer...

Harvestman - Triptych: Part One
Harvestman - Triptych: Part Two
Harvestman - Triptych: Part Three
(Neurot Recordings)
Instrumentales Synth-Gewaber mit bewussten Tangerine-Dream-Schulterblicken, Dub-Exkursionen mit dem dafür genau richtigen Gast-Bassisten und obendrauf auch noch dem Dubwise-Entsprechen von Remix-Traditionen, spontane Momentaufnahmen von Gitarren-Noise-Improvisationen vor Field-Recording-Kulissen, Dudelsack-Drone und Freiformmusik als Ausdrucksform abseits plattgetretener Songwriter-Fade... Auf der Gästeliste dann auch Einträge wie der hochgeschätzte Sleep-/ OM- / Solokünstler-Basser Al Cisneros, der aktuelle Drummer der Doom-Unikate Yob und Industrial-Dub-Marke The Bug.
Steve Von Till traf mit der esoterischen Alben-Trilogie seines Harvestman-Projektes, die wir der Einfachheit halber natürlich mal als zusammenhängendes Werk abhandeln, wie mit einem Rundumschlag einen Nerv dessen, was ich dieser Tage noch so nicht nur gerne höre, sondern sozusagen auch kreativ interessant und inspirierend finde, wie kaum jemand anders.
Ja, ganz ohne Scheiß: Müsste ich eine Jahres-Top-03 skizzieren, dann würde ich diesen Dreier auf die #01 platzieren.
Ich finde wirklich und tatsächlich alles hieran einfach nur toll.
Dazu gehört dann sogar auch das etwas esoterisch-versponnene Drumrum, mit dem man mir technokratischem Autisten früher hätte nicht kommen dürfen, bei dem es heutzutage dann aber auch so ist, dass es jetzt, wo wir im reelllen Cyberpunk-Zeitalter angekommen sind, für mich 
auf einmal irgendwie Sinn macht sich derartigem zuzuwenden.

The Jesus Lizard - Rack
(Ipecac)
Irgendwie wurde ich dieses Jahr komisch-picky, wenn's um's gröber umfasste Stichwort Noiserock ging, eigentlich eines meiner Lieblings-Musikgenres. Die aktuelle Pissed Jeans ist mit ihrer sehr Uffta-Uffta-Punkrock-mäßigen Gangart trotz vereinzelter Knallersongs nicht so richtig was, worauf ich bei Erscheinen und direktem Erwerb übermäßigen Dauerrotations-Bock hatte, die neue Whores wollte ich mir dann irgendwie auch nicht so unbedingt von Übersee bestellen, Melt-Banana fielen bei ihren überteuerten Platten-Importpreis ebenfalls direkt durch's Raster, beim God Bullies Comeback kann ich nicht so ganz verstehen, warum nicht eigentlich doch eher Thrall draufsteht, und mit Human Impact's Zweitwerk ist's auch so, dass mich das nach dieser etwas fragwürdigen Umbesetzung der halben Band irgendwie nicht mehr so wirklich abholen kann.
Natürlich: Es musste echt erst die lange inaktive Neunziger-Größe The Jesus Lizard aus der Versenkung auftauchen, um die Ehre dieser losen Stilschublade zu retten. D
er eigenen Staubschicht zum Trotz.
Und seien wir hier jetzt auch mal ganz ehrlich: "Rack" ist wohl kaum ein Album, das man in sieben Jahren von hier noch mal irgendwie als nennenswerte Sache hochhalten wird. Aber im Musikjahrgang '24 ist's halt das eine „alte Männer können eben doch noch bissig-wahnsinnigen Schräg-Rock fabrizieren“-Album, das (noch nicht ganz so) alte Männer wie ich dann auch noch mal allzu gerne mit abfeiern.
Auf diesem Teil überrascht nix, haut nix beim ersten Hören um, es soll verständlicherweise auch Fans geben, die „ein bisschen underwhelmed“ zu sein protokollierten usw., aber als das in diesem Leben dann nicht mehr so ganz erwartet aus der Hüfte geschossene Album von Typen, die 2-3 Jahre vorm offiziellen Rentenalter nochmal die wilden Weirdos geben, ist's dann halt irgendwie doch die eine Veranstaltung, auf die ich im Gegensatz zu so einigen anderen (
weil „been there, done that“) doch nochmal gerne gehe.
Und so hat mir "Rack" im Spätsommer/ Herbst '24 ja doch so manchen Feierabend damit verbittersüßt, sich adäquat-bekloppt gegen diese wahnsinnige Welt aufzubäumen, die seit dem 1999 erschienen Vorgängeralbum ja leider nicht wirklich besser geworden ist.
Damit wäre dann eigentlich auch schon alles gesagt, bis auf die Tatsache, dass ich diese neue Unsitte schnell hinterhergeschobener Non-Album-Singles (siehe dazu auch einen drunter Kim Gordon) echt nicht so richtig verstehe.

Kim Gordon - The Collective
(Matador)
Es wäre ein bisschen müßig, das zweite Soloalbum von Kim Gordon aus der Perspektive zu betrachten, die musikstilistischen Einzelbausteine detailliert in meine persönliche musikgeschmackschliche Autobiografie einzuordnen oder sowas, weswegen wir ich mir eine derart diffuse Nerderei jetzt mal erspare. Aber so viel sei gesagt: Ein Album, das ich 2024 total feier', und das dabei so ein bisschen wie etwas klingt, als hätte ich sowas ähnliches auch in vergangenen Dekaden nicht nur total abgefeiert, sondern während einiger Des-/ Um-/ Neuorientierungen musikalischer Vorlieben im Laufe so manch seltsamerer und/ oder öderer Lebensphase (die Mittnulller waren besonders tragikomisch) geradezu bitter nötig gehabt, das meine ich dann durchaus ganz bewusst und ungeniert als besonders hochtrabendes Werturteil.
Und ich fand' schon das 2019er Vorgängerwerk "No Home Record" ziemlich gut, aber "The Collective" ist an einigen Ecken die berühmt-berüchtigte Schüppe drauf“.
War
 "No Home Record" noch eine Brücke zwischen dem Sonic Youth'schen Indierock, den man von ihr vielleicht erwartet hatte und einigen gelungenen elektronischeren Gangarten, so wandte sich die sieben Dekaden alte Grande Dame der Nischenmusik mit "The Collective" nun in Gänze einer primär elektronischen Kako-Euphonie zwischen Hip-Hop-Bollerbeats, Industrial-Krach und häufig im Sprechgesang gehaltenen Beobachtungen über die verwirrende Welt von heute zu.
An dieser Stelle muss ich dann jetzt aber noch mal über Profimusikjournalistinnen aus der gleichen Gegend lästern: In der geteilten Plus-/Minus-Kritik beim ja eigentlich mehr oder weniger superpolitkorrekt verortetem Visions Magazin kam die Verfasserin der kritischen Hälfte, die laut ihrer Autorinnen-Beschreibung auf Reibeisenstimmen-Rapper Casper, Metal-/ Posthardcore und Taylor Swift steht, allen Ernstes mit einen Anflug von Ageism („Kurzatmigkeit soll im Alter schonmal vorkommen“) um die Ecke? Wow, das ist ja echt das merkbefreiteste, was ich seit langem in dieser inzwischen ziemlich profillosen Publikation 
gelesen habe, von der man ja durchaus Kummer gewohnt ist...
Zum Schluss aber noch ganz ehrlich: Die dann noch recht früh nachgereichten Non-Album-Videosingles "ECRP" und "razzamatazz" haben dem irgendwie nicht so wirklich auf gleichem Niveau einen draufgesetzt, und zusammen mit einer dritten, tatsächlich etwas kurzatmig klingenden Ausschuss-Videosingle obendrauf gab's dann ein halbes Jahr später auf ein mal noch eine "Deluxe Edition" des Albums mit Bonus-7".
Das 
tut zwar der Sache keinen Abbruch, dass ich "The Collective" vom ersten Moment an total geil fand und dazu auch immer noch mit anerkennend verzogenem Bassface jeden Track abnicke, wenn ich es mal wieder auflege, das Ganze brachte dann aber doch so einen etwas unnötigen Abzug in der B-Note mit sich, weil es schon etwas "Geschmäckle" hat, wie die Schwaben sagen. 


Oranssi Pazuzu - Muuntautuja
(Nuclear Blast)
Es gibt ja zwei aus dem „extremen Metal“ kommende Bands, die dieser Tage auch von Musik-Plattformen über besagte Szene hinaus besonders gefeiert werden: Die einen sind die sich immer mehr in Richtung von Prog- und Krautrock-Einflüssen weiterentwickelnden US-Death-Metaller Blood Incantation, die mir in diesem Unterfangen durchaus sympathisch sind, aber trotzdem nicht sooo dem entsprechen, was ich aktuell hören möchte, die anderen sind halt die finnischen Oranssi Pazuzu, die wohl schlicht und ergreifend irgendwas vageres an sich haben, dem ich mich einfach nicht entziehen kann. Was insofern ins Bild passt, als dass ich schon immer große Sympathien für finnische Weirdness übrighatte. Vielleicht ist ja „Kalsarikännit“ auch einfach ein Vibe, dem ich mich näher fühle, als mal eben im superteuren Hansa Tonstudio Songtexte über Ufos aufs Morbid-Angel-Riff einzugrowlen, während Thorsten Quaeschning daneben steht... Zwinkersmiley.
Und genauso wie Finnisch eine Sprache ist, die gleichermaßen rabiat und witzig klingen kann, sind auch Oranssi Pazuzu wie ein Widerspruch in sich: Black-Metal-Wurzeln sind die grundsätzliche Sprache ihres musikalischen Ausdrucks, das bevorzugt verwendete Vokabular geht allerdings mittlerweile weit darüber hinaus.
So fand ein Bekannter zum Beispiel in den groovenden Passagen mit tief wabernden Synthies einiger Songs etwas, das ihn als stilistische Vergleichreferenzen bis zu den Stichworten Trip-Hop und Dub verleitete. Und eigentlich steckte sowas auch schon im 2009er Debütalbum der Band, wurde aber über die Jahre immer mehr nach vorne geholt.
Womit Oranssi Pazuzu die eine Düster-/ Knüppel-Metal-Band sind, die interssanterweise irgendwie konstant sowas wie das Parallelwelt-Pendant zu den Sachen ist, die sonst noch so vordergründiger bei mir abgehen. Denn in den Zeiten, in denen ich selbst sowas wie eine, kurz danach leider ausgebrannte Psychedelic-Noiserock-Band am Start hatte, da passte ihr "Värähtelijä" auch schon perfekt als die inspirativste Band aus der Düstermeddl-Eckle trotzdem mit in meine von Metal-Klischees mal wieder wegmutierende Musikrotation. Und heutzutage, wo bei mir zuletzt tatsächlich mehr Dub- als Rockmusik lief, passen sie irgendwie immer noch als eine der wenigen Schraddelkrächz-Sachen, die bei mir laufen.
Muss man dann auch erstmal schaffen.

Outrage - Behind The Eyes
(Function)
Hier hole ich dann jetzt doch noch mal etwas aus: Es ist schon manchmal wirklich so ein bisschen schräg, wenn man wie ich so 'ne Spur autistisch ist und wohl deswegen zu hyperfokussierten Spezialinteressen neigt. Vor noch so zwölf Jahren war's vor allem irgendwelcher "Roadburn Metal", sprich Sludge-Doom-, Post-Black- und ähnlicher Kram gewesen, der am meisten Einzug in meine Musikrotation und somit auch in Jahrgangslisten hielt. Ich spielte zum Zenit genau dieser Zeit sogar mit einer eigenen Rumpeldröhngröl-/ Stoner-Meddl-Band auf einem Event mit Kapellen wie u.a. Celeste zusammen, bevor auch dieser Bandgehversuch dann mal wieder implodierte (was nicht  unbedingt am Engagement auf meiner Seite gescheitert wäre...). 
Die letzten Jahre dann jetzt so? Geht mir einfach nur noch weg mit diesem karikaturenhaften wilden Mann markieren, spart Euch bitte den peinlichen Pseudonihilismus und wenn ich noch eine 08/15-Rumpelmeddl-Klischeereiter-Brigade, typisch deutsch durchgenormte Standard-Rock-Langeweile mit 'nem Hauch von Stoner-Sound, 
uninspirierten "Blackgaze"-Hipstercore, dumpfe Bollonesen im Sludge-Modus oder was auch immer an mediokerer Ressourcenverschwendung mit nicht mehr nachvollziehbarem Szene-Approval hören/ sehen muss, dann werde ich echt zum Hulk... 
Celeste sind
übrigens inzwischen auf 'nem eher unsypathischen Label und spielen "Wacken Warm-Up" Shows in 'nem Laden, der so grandiose Ideen wie "Metal meets Schlager"-Partys hat. So kann man sich auseinanderleben...
Was getz, stattdessen? So halt:
Die schon lange vorhandene Faszination für Jungle-/ Drum'n'Bass blühte nochmal so richtig auf 
und ich schraube für die aktuelle eigene Band freudig dilettantische Dub-, Breakcore- und Techno-Remixe zusammen, während mein Jahreshighlight ist, wenn meine junglistische Song-Reinterpretation für eine befreundete Künstlergruppe vom Clubmusik-Experten-DJ der Stadt bei der lokalen Daytime-Hofparty oder 'nem Internetradio-Broadcast gespielt wird.
Wie gesagt, es ist schon echt ein bisschen schräg. Aber so viel locker-lebensfreudige Begeisterungsfähigkeit, wie ich dann aufeinmal im Drum'n'Bass-Kontext für mich wiedergefunden hatte, hatte ich in müde-gewohnheitsmäßigen Metal™-, Aggromusik- und Düsterklischee-Umfeldern schon seit einigen Jahren nicht mehr aufbringen können. 
In der Albenrotation '24 spiegelte sich diese Entwicklung am allerdeutlichsten in dieser Platzierung wider: Es muss einfach nur ein gut editierter Breakbeat vor sich hinklöppeln, der 'ne brummende Reese-Bassline trägt oder dubbig um sich schlagendes Subbass-Gedrücke stützt, und schon bin ich glücklich. So einfach kann es sein.
Von old-schooligsten Rave-Sounds, über Dark-Roller-Gangarten mit souligem Feel, über grobe Techstep-Anwandlungen bis zur derb-dubbigen Halftime-Schlagseite einer typischen Amit-Zusammenarbeit ist "Behind The Eyes" kein besonders modern oder originell klingendes Album, aber genau darin liegt dann auch dessen Charme. Die Produktion ist eher etwas grobkörniger statt zeitgemäß durchkomprimiert, dabei allerdings nicht Holzhammer-plump, und lässt dem Material mehr Luft zum atmen als es etwa bei vielem modernen Neuro-/ Jump-up-DnB-Kram der Fall wäre.
Durchaus gutgefunden habe ich sowas ja seit irgendwann in den 90ern schon immer mich dem nochmal so richtig hingegeben habe ich dann aber halt, wie schon ausgebreitet, doch erst in jüngerer Vergangenheit noch mal völlig ungeniert, und werde das kein bisschen bereuen.
Dass auch in diesem Fall die 2LP mit drei Tracks weniger kommt als die digitale Version, das ist zwar etwas schade, aber es ist halt so. 
Allein wegen der Amit-Kollaboration musste dieses Teil her, und der Vocalnummer-Rausschmeißer ist ebenfalls ganz besonders toll.


Shellac - To All Trains
(Touch and Go)
Ja, diesem Album, dann auch noch mit einer "I don't fear Hell" betitelten Schlussnummer, haftet nun für immer an, dass Steve Albini, der neben vielem Weiteren eben auch Gitarrist/ Sänger von 
Shellac war, so ca. eine Woche vor Veröffentlichung völlig unerwartet und plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. 
Man kann halt wirklich nicht ausblenden, dass "To All Trains" dadurch eine traurige Signifikanz erhielt.
"To All Trains" wird nun für immer das Schlusskapitel-Statement eines Gesamtwerks musikalischen und menschlichen Schaffens markieren, welches in weiten Teilen meines autistischen Musikfetisch-Mikrokosmos sehr große Spuren hinterlassen hat.

Versucht man die Musik möglichst nüchtern für sich zu betrachten, so bietet das finale Shellac-Album ungefähr das, was ich im Vorfeld erwartet hatte: Der auf "Dude Incredible" eingeschlagene Weg einer gewissen Lockerheit wird fortgesetzt, allerdings habe ich das Gefühl, dass hier einiges doch wieder einen Hauch bissiger und auch etwas düsterer als auf dem Vorgänger tönt. 
Was das alles noch mal umso heftiger macht. Texte wie die von "Wednesday" oder 
"I don't fear Hell" können einem dann im Kontext auch noch den einen oder anderen kalten Schauer über den Rücken fahren lassen.
Weswegen es mir im Laufe des Jahres eigentlich auch eher schwerfiel, das Album öfter zu hören.
Farewell, Captain!

Squarepusher - Dostrotime
(Warp)
Ich hab's im März '24 schon gesagt und ich sage es auch gerne noch mal: So ein bisschen ist Squarepusher ja sowas wie der Typ mit der Silbermedaille, weil alle Welt seinen Kumpel Richard alias Aphex Twin zur Gottfigur britischer IDM-Weirdness mystifiziert hat. Nun, ich habe von Aphex auch ein paar Neunzigerklassiker und Neuzeitkaliber im Plattenregal und finde die natürlich auch gut, aber das Squarepusher-Spätwerk reißt mich persönlich dann ja ehrlich gesagt doch ungleich mehr mit!
"Dostrotime" ist mehr oder weniger sowas wie eine willkommene Fortsetzung und Ausweitung von dem, was uns Tom Jenkinson vier Jahre zuvor auf dem Wahnsinnsalbum 
"Be up a Hello" und mit seinem Brexit-Klagelied im Rahmen der "Lamental" EP präsentierte, mit viel Hardware und Handarbeit. 
Um Nummern Squarepusher-typischen Acid-Drill'n'Bass' herum, die sich wie eine Reihe von Explosionen und Implosionen im Gehirn anfühlen, bringt dann etwa "Holorform"  sogar so 'ne Art von Rock-Pathos mit, das fast schon etwas Retrograme-Soundtrack-artige "Enbounce" kommt auch total geil, 
mein Favorit ist allerdings (natürlich) die düster-dubbige Downtempo-Nummer "Akkranen", die in ihrem Verlauf immer jazziger und immer mehr so ein bisschen verstörend wird. 
Das Vorgängeralbum "Be up a Hello" war zwar doch irgendwie das kompakter-homogenere Wahnsinnssteil, das als solches in sich noch besser für mich funktionierte, während ich für die etwas breiter aufgestellte 2LP "Dostrotime" irgendwie in der richtigen Stimmung sein musste, was ich im Laufe der allgemeinen Ganzjahresrotation etwas seltener war, aber das ist dann wohl auch sowas Meckern auf allerhöchstem Niveau, denn viele Nummern davon lassen mich, wenn sie einmal laufen, direkt unkontrolliert dazu rumwippen.
Was ja dann doch das größte aller Komplimente ist, das man einem solchen Musiker machen kann.
Feed me weird things!

Torn - Immortal
(Samurai Music)
Der allgemeine Vibe im 
Samurai Music Umfeld entwickelte sich über die Jahre ja vor allem dahin, dass einige Kern-Künstler/ -Produzenten des Label-Rosters eher zu so einem gewissen Minimalismus neigen. Vor allem bei KollegInnen wie etwa The Untouchables oder Last Life ist meistens skelettaler Halftime-Drum'n'Bass an der Tagesordnung und selbst Homemade Weapons präsentiert sein wilderes Düsterhart-Getacker mit Rauschgeräusch-Texturen meistens im Rahmen einer zum allerwesentlichsten durchgelüfteten Soundpalette. 
Das Schaffen des aus Russland stammenden und irgendwo in BaWü lebenden Ivan Karasev alias Torn, der grundsätzlich auch noch in einem Spannungsfeld von Dark-Ambient bis Techno experimentiert, ist in diesem Kontext dahingehend ganz interessant, als dass er immer wieder genau solche "Halfstep"-Grooves und -Bausteine aufgreift, um sie in einen eigenen, etwas dichteren Sound zu verpacken. Jener Torn-Sound hat eine synthetisch-futuristische Industrial-Schlagseite, die man sich auch super als Soundtrack für einen Cyberpunk-Anime vorstellen könnte. 
Und auf "
Immortal" verschwimmt das alles noch mal ein bisschen mehr ineinander. Einige Tracks können ihre Drum'n'Bass-Wurzeln nicht verneinen, wenn typische Amenbreak-Scheppereien mit in den Halftime-Groove eingearbeitet sind, andere Nummern sind maschinell rollend in düsteren Grenzgebieten zwischen Bass-Music und Industrial-Techno unterwegs.
Verglichen mit Torn's 2022er Album "Bordlerline" auf dem gleichen Label scheint
Karasev hier serinen ganz eigenen Sound und Stil tatsächlich noch mal einen Schritt weiter gefunden zu haben.
Auch so ein Album, das ich seit Erscheinen im Sommer im Verlauf der zweiten Jahreshälfte ganz ohne Ermüdungserscheinungen immer wieder gern gehört habe.



Club Rotation
(Jungle/ Drum'n'Bass, 
Dub, Electronica - Singles & EPs)

Diese Kategorie hätten wir dann aber natürlich auch noch:

Dom & Roland - The Stormfront EP
(Individual)
I can't help it, ich bin einfach Fan von Dom und seinem manchmal schon etwas unorthdox-eigensinnigen Drum'n'Bass Stil, der sowohl zu dunkelkühlen, hartkantigen Industrial-Schlagseiten neigt, als auch zu Sounds von gewichtiger Klangsubstanz, aus der dann doch auch etwas Wärme und Licht hindurchschimmert, und dabei auch schon mal Arrangements auffährt, die nicht immer die DJ-freundlichsten sind.
Gerade auch als Release in seiner Gänze war  die "The Stormfront EP" mal wieder besonders geil geraten:
Beide Plattenhälften grooven sich nach der Hälfte 
durch Halftime-Bollerbeats und die Schlussnummer "Hallucination" entpuppt sich mit ihrem sonoren E-Piano-Part dann sogar irgendwie als etwas versöhnlicher Rausschmeißer. Der eröffnende Titeltrack hat sowohl Blade Runner-würdige Synths als auch etwas weirdere Buildup-Passagen, etwas weirder grioovet sich auch "Apparition" durch Halftime-Regionen und auch der Klopfer "Bounty Hunter" bietet sich als Verfolgungsjagdszenen-Soundtrack für's nächste Blade Runner Sequel an.
Der etwas klassischer klöppelnde Two-Tracker auf Samurai ein paar Monate zuvor und die überraschend 
ebenfalls noch in den Sommer geschobene Recycling-EP "The Darkmaster" waren im gleichen Jahrgang zwar auch ziemlich geil, diese Veröffentlichung demonstrierte Mitte Juli dann mit ihren gelegentlichen Song-Wendungen allerdings mal wieder recht anschaulich, warum ich halt eben, wie schon einleitend gesagt echt ein bisschen Fan vom (natürlich) auch irgendwie etwas seltsamen Dom bin.
 
 
Dub & Wheel + Tim Reaper - FR034
(Future Retro London)
Dub und Jungle/ Drum'n'Bass sind ja trotz markanter Unterschiede in der Tempo-Gangart
und Rhythmusästhetik auch so schon eher enger als entfernter miteinander verwandt, allerdings ist die noch plakativere Verquickung aus den typischen Sounds, Stilmitteln und ja, auch Old-School-Klischees beider Musikrichtungen dann wohl so ein vages und doch spezielleres Subgenre britischer Clubmusik und Soundsystemkultur mit Windrush-Wurzeln, dem ich mich irgendwie ganz besonders zugetan fühle (und das, obwohl ich ja eigentlich 'ne Westfalenkartoffel bin wie sie im Buche steht).
Dub & Wheel ist das sporadisch verwendete, Dub-lastige Pseudonym von Kenny Pitman, den man vor allem auch als Kid Lib kennt. Future Retro-Chef Tim Reaper wiederum nahm ein schon länger unvollendetes Stück von eben jenem, schraubte sich daraus zwei Remix-Versionen zusammen, von denen eine etwas näher am Original bliebt und die andere noch mal mehr in den wilderen Jungle abdriftetet, und packte diese dann stilecht auf eine 10".
Damit war's dann einer dieser Releases, der meinen persönlichen Vibe 2024 so auf dem Punkt traf, dass ich ihn mir 
unmöglich nicht zulegen konnte, also hab' ich's dafür sogar auf mich genommen, das Teil direkt aus England zu bestellen, weil man hierzulande zu dem Zeitpunkt noch gar nicht über andere Vertriebs(um)wege an Future Retro-Releases rankam. Inzwischen scheint sich das allerdings zu ändern.


Holsten - All Talk EP
(Rupture)
Zu Musikstilen, die bei mir ja wirklich immer gehen, zählt diese irgendwie namenlose* Art von Drum'n'Bass, die in einer aufs wesentliche resultieren Art und Weise ins düster-atmosphärische und etwas kräftiger kloppende neigt, ohne dabei irgendeine Schraube zu überdrehen. *Drum'n'Bass Musik in ihrer Reinform halt?
Man fragt sich zwar manchmal, wer denn wirklich und auch wie zu sowas auf einer Clubtanzfläche viben mag, falls es überhaupt (noch) Clubs geben sollte, in denen DJs genauso so etwas auflegen
aber dieser Drum'n'Bass wie von einigen der kühler-scharfkantigeren Photek-Frühwerke bis zum angekrümmten Stuff von Homemade Weapons ist der Drum'n'Bass, der bei mir dann eigentlich über die Jahre doch am häufigsten mal lief und immer wieder läuft. 
Holsten hat was auf der groben Mitte dazwischen ziemlich gut drauf. Es geht Breakbeat-mäßig ganz schön wild und derbe zur Sache, es ist insgesamt aber eben doch auch eher atmosphärisch anstatt so hartbratzig wie diverser Modern-DnB.
Und auch wenn diese Soundästhetik abseits der rasanten Breakbeat-Komplexität für das eine oder andere Ohr etwas simpel anmuten mag müsst Ihr es mir echt glauben, wenn ich Euch sage, das sowas wie das hier so gut zu machen eben doch gar nicht mal so einfach ist. 


Mani Festo - Bioscan / Instinct 
(WNCL Recordings)
Bei aller sehr, sehr großen Liebe zu Drum'n'Bass in verschiedenen Subspielarten waren's dann 2024 aber wohl ganz offensichtlich oft auch die angrenzend etwas anderen Stil- und BPM-Regionen gewesen, die mir die Hits abwarfen. 
"Bioscan" z.B. ist von seinen Bausteinen im Grunde genau das, sprich ein Club-Tune im Jungle/ Drum'n'Bass-Sound, allerdings halt in etwas ungewohnterer Tempo-Gangart: Unterhalb der 160er-BPM-Marke marschiert das Breakbeat-Inferno mit geilem Groove nach vorne, obendrauf steigert sich das dann auch noch zu einer irren Bonus.-Bassline, die nur als akzentuierter Klimax eingesetzt wird.
Ziemlich bockende Nummer, und auch garnicht mal so doof!
Die B-Seite "Instinct" neigt eher zu Bassmusic mit gewissem Electro-Vibe oder meinetwegen auch Dubstep, dreht im dafür typischen 140er-Bereich und bollert ebenfalls ziemlich geil.
Und das macht dann zusammen eine wirklich coole Zehnzoller dieses interessanten Labels in den noch etwas spezielleren "Bass and Bleeps"-Zwischennischen zwischen den speziellen UK-Sound-Nischen.
Außerdem habe ich gerade bei solcher Musik ja irgendwie einen völlig irrationalen Fetisch für 10" Platten...


Technical Itch – Plate 008
(Tech Itch Recordings)
Das offizielle (und digitale) Release-Datum war zwar Ende '23, aber die limitierte Platte kam dann ja erst zum späteren Frühjahr '24, also zählt das.
Mit "Set it" traf jedenfalls sogar Mark Caro alias Tech Itch ebenfalls zufällig den Vibe des Sommers für mich, denn das Tune fährt Ragga-Vocalsamples auf, die sich mit seinem typischen Amen-Techstep-Style zu 'ner hittigen Nummer vereinen. 
Die B-Seite ist dann typischer Tech Itch-Stuff zwischen dramatischer Atmosphäre und Ausbrüchen schepperiger Breakbeat-Härte und gehört nicht unbedingt zu seinen prägnanteren Tracks, aber das macht nichts.



Traces - No One (Can Tell I) / Listen
(
ZamZam Sounds)
Die Releases, die ZamZam dieses Jahr rausgetan haben, waren von der rootsigen Hausnummer (Alpha & Omega) über Dub-Techno auf der tiefenentspanntesten Seite (Hiss Is Bliss) bis zum industriell angehauchten Kaputt-Dub-Steppa (V.I.V.E.K, s.u.) sehr unterschiedlich, aber auch durchweg geil, und dazu gehörte dann eben auch diese 7" von den Londoner Dubstep-Hipstern Traces: 
Die verspielte, spiralförmig wobbelnde Bassline von "Listen" bockt ziemlich und der amtosphärische Deeper-Dub-Lurker "No One (Can Tell)" kommt mit seinem mächtigen Lowend-Druck auch ziemlich cool.
Generell scheint derartiger Wobblism derzeit ja wieder so ein bisschen „Underground-cool
" geworden zu sein und von Leuten wiederentdeckt zu werden, die an irgendeinem Punkt schon mal zu sowas gevibet haben, bevor Dubstep zwischenzeitlich zum Schimpfwort wurde, und nun beim sporadischen Wiederaufploppen von sowas, auch im Rahmen von semigeheimen Partys u.ä., dann doch noch mal wieder dabei sind. Und wisst Ihr was? Das ist mir symathisch!
 

V.I.V.E.K - Illusions Dub
(ZamZam Sounds)
Und wenn es eine Art von elektronischer Club- oder auch Freiluftfeiermusik gibt, der ich mich direkt nach einer gewissen Spanne von Drum'n'Bass Styles dann auch noch ganz besonders zugetan fühle, dann ist das so eine vage Art von irgendwie mit "Dub" etikettierer Musk, die zwischen dem Spirit traditioneller Soundsystemkultur-Roots und technoid-industriell ins außerirdische wegrauschenden und abscheppernden Gangarten am durchwachsenen Stichwort Dubstep zwar so ein bisschen vorbeischippert, aber dennoch keine Angst hat, vielleicht nicht doch auch so ein bisschen mit in diese Schublade zu passen. Eigentlich haben sogar ganz anders Krachmusik-querverweisende Kollegen wie Mick Harris (Scorn) oder Kevin Richard Martin (The Bug, Techno Animal etc.) schon seit vielen Jahren die Vorarbeit dafür geleistet, dass ich heutzutage eben auch vermehrt sowas wie V.I.V.E.K's "Illusions Dub" 7" abfeier':
Zwei Versionen eines elektronisch zugespitzten Dub-Steppaz - nicht wirklich Dubstepper, das ist tatsächlich ein Unterscheid, und trotz pumpender 4/4-Kick natürlich auch nicht wirklich Dub-Techno - der durchaus auf beiden Seiten der Single (aber am meisten der zweiten und dort auch dank der zerstörten Snare-Sounds auf dem Dreier-Groove) echt schon so ein bisschen kaputt klingt.
Meganummer, eines der absoluten Jahreshighlights für mich!


Das hätten wir.
Und jetzt?
 
Während das hier automatisiert online geht, bin ich mutmaßlich noch im „Weihnachtsurlaub“ irgendwo zwischen Winterschlaf, Internet-Detox und eigenen Kreativ-Baustellen unterwegs.
Ob ich davon dann irgendwann im "Daily Grind" zurück Zeit und Lust haben werde, hier irgendwas zu machen, oder mal wieder doch nicht mehr so wirklich, das wird sich dann zeigen, Zwinkersmiley.
 
Musik 2025?
Schwierig, 'ne Selbstdiagnose in die Zukunft zu machen, aber ich prognostiziere mal, dass in nächster Zeit eventuell noch etwas mehr Ambient-eskes Zeug Einzug halten könnte, sowie noch mal ein paar dubbige und wobbelbassige Platten in meinem Regal landen werden (ja, macht Euch dann gerne auch lustig über mich, wenn Ihr mich auf einmal dabei erwischt, wie ich in einer hiesigen Lokalität abendfüllend irgendwelchen Tectonic-/ Deep Medi-Kram auflege), ein paar der üblichen Drum'n'Bass-Fanatismen weitergepflegt werden (z.B. hat Dom & Roland jetzt im Januar direkt auch schon wieder was neues am Start und es sollen tatsächlich neue alte Sachen von Photek kommen) und sich aus den noch nischigeren Gitarrenkrach-Nebennischen halt durchaus auch noch weitere Verstopfungen des Plattenregals fortsetzen dürften.
Exile on Mianstream wuppen uns dieses Jahr z.B. 'ne neue Caspar Brötzmann Massaker, was von der sympathischen UK-Duoformation Noisepicker und mit Karla Kvlt eine neue Familienunternehmen-Band mit Eisenvater's Markus E. Lipka raus. Habe tatsächlich auf alle drei davon Bock.
Apropos: Wann kommt jetzt eigentlich endlich die neue Eisenvater? Können wir damit in diesem Leben nochmal rechnen?