Mittwoch, 28. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW26)

Zuerst dachte ich, dass diese Woche mal Ruhe ist, aber es kommen ja doch ein paar interessante Sachen raus…

BURIAL OATH – Beyond TheVale Of Shadowlands
Das Berliner Label Vendetta hat sich in den letzten Jahren zu sowas wie einer Nummer-Eins-Anlaufstelle für „linken Black Metal“ entwickelt.
Oft sind das (sieht man von den herausragenden Ultha ab) Releases, die mir in musikalischer Hinsicht irgendwie nicht weiter auffallen, handwerklich aber dennoch ziemlich top sind.
Die Schublade ist auf, BURIAL OATH passen rein. 




LOVIATAR – s/t
Für mich persönlich ist es ja doch ein kleine Überraschung, dass aus der derzeit inflationär übervölkerten Psychedelic/ Doom Ecke tatsächlich noch Bands auftauchen, die mich irgendwie beeindrucken.
Den kanadischen LOVIATAR gelingt das damit, gleichermaßen schon mal an „Heavy Folk“ wie Wovenhand zu erinnern, eine Zuneigung zu „echtem Old School Metal“ durchschimmern zu lassen, mit einer sehr klaren Soundästhetik auch noch was „postrockig-modernes“ zu haben und sich dann auch noch eine „Neunziger im besten Sinne (Alice In Chains, Kyuss, Tool, …)“-Schlagseite andichten lassen zu können… das alles allerdings äußerst homogen.
Ferner ist die Rhythmusarbeit echt knackig und die etwas verstrahlt-nöligen Vocals passen ziemlich gut dazu.
Chapeau!




OLDE WOLRDE NUDISTS - Ghost Pimp 2000
Und noch mal Doom-Eigenbrödler aus Kanada, die mit sludgeigem Sound und Groove, traditionellen Vibes, psychedelischen Ausflügen, zusätzlichen Instrumenten wie Keys und Flöte, sowie geteiltem Mann-/Frau-Gesang vielleicht ein bisschen viel auf ein mal wollen, aber uninteressant ist das Ganze nicht: 



PUBLIC ENEMY - Nothing Is Quick In The Desert
30 Jahre nach ihrem Debüt gibt’s „solange der Vorrat reicht“ (denn da gibt es bei Bandcamp Begrenzungen) das neue Album der wegweisenden „solche gibt’s heute gar nicht mehr“-Hip-Hop-Urgesteine zum Gratisdownload!
„It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ ist natürlich ein unsterblicher Klassiker, es waren allerdings vor allem „Fear of a Black Planet“ und „Apocalypse 91... The Enemy Strikes Black”, die von damals über die Jahre immer wieder mal bei mir rotierten, u.a. auch weil der Hip Hop, den Chuck D., Flavor Flav und Terminator X damals gemacht haben durchaus auch seine noisygen Qualitäten hatte. Und an dieser Stelle muss man tatsächlich auch noch mal einen Shoutout an Anthrax machen (…).
Natürlich ist die Band heutzutage glatter und ich bin eigentlich eher zu Dälek und Death Grips weitergezogen, aber als ich „Nothing Is Quick In The Desert“ mal so nebenbei habe durchlaufen lassen, gefiel es mir echt sogar ganz gut!




VASARI - Starbound
Etwas, das nicht nur beim Zeitgeister-Label erscheint, sondern dann auch noch mit musikalischer und weiterer Unterstützung von Valborg-Mitgliedern entstand, hat zwangsläufig meine Aufmerksamkeit…
VASARI ist sowas wie das Soloprojekt des Duisburgers Matin Vasari, der sich hier seiner Vision von „Epic Metal“ (Crimson Glory, Virgin Steele, Manilla Road, Bathory…) und Einflüssen von Frühneunziger-Peaceville-Bands wie Anathema verschreibt. 


Freitag, 23. Juni 2017

Und sonst noch so? (2017er Resterampe, Teil 1)

Der Tage habe ich noch mal in die eine oder andere diesjährige Veröffentlichung reingehört, die um den Erscheinungszeitpunkt aus irgendwelchen Gründen durchs Raster fiel, aber auch mal eine Erwähnung wert ist:

CORPSE LIGHT – Mother of God
“Atmospheric Sludge/Doom from Baltimore, Maryland” sagt eigentlich schon ‘ne Menge aus, was man wissen muss. Man hat das alles natürlich irgendwie auch schon on origineller und spannender gehört. Was aber auch nicht heißen muss, dass man CORPSE LIGHT direkt ins Zweite-Wahl-Lager verbannen sollte.


El Yunque - Boxes
Irgendwas zwischen LoFi-Postpunk, “No Wave” und völligem Noise-Rumpelchaos (Harry Pussy, anyone?) ist die etwas unkonventionellere Musik dieser Truppe aus Hasselt, der zwar nicht jeder Song gelingt, aber die geilen Sachen auf „Boxes“ sind es dafür eben tatsächlich umso mehr!

HAWKS – No Cash Value
In Noiserock-Fankreisen gelten die HAWKS aus Atlanta schon länger als kommende Hausnummer, auf die man zählt.
Ihr aktuelles Album erschien im Februar über Learning Curve Records aus Minneapolis:


HEAVY HARVEST – Rats
In das Neunziger-Revival reihen sich auch die Schweizer HEAVY HARVEST ein, die ganz schön amerikanisch klingen und Erinnerungen an Helmet, Quicksand, frühe Nirvana u.ä. wecken. Nice!


HERSENCELLEN – We Ploeteren Voort
Artsyfartsy-wirres aus Belgien: Hinter HERSENCELLEN verbirgt sich eine Zusammenarbeit zwischen DJ, Produzent, Live-Elektroniker und Schlagzeuger Butsenzeller und dem Schriftsteller Gert Vanlerberghe.
Das Ganze ist eine echt seltsame Geschichte mit Jazz-Anflügen auf der einen, Synthies und Bollerbeats auf der anderen Seite und sogar noch einem gelegentlichen Abrutschen zum Punk (‘Saboteer‘).


IT IT ANITA - Agaaiin
Komischer Name? Sind ja auch ebenfalls komische Belgier. Die im Übrigen als Einflüsse bzw. eigene Vergleichsreferenzen auf ihrer Facebook-Seite Fugazi, Metz, At The Drive-In, Mogwai und Sonic Youth angeben und behaupten, dem „Krach der Neunziger einen eigenen Twist“ zu verleihen.
Wie gut oder nicht ihnen das gelingt sollte der Hörer wohl selbst entscheiden, schlecht geht allerdings auf jeden Fall anders:



MAGGOT HEART – City Girls
Obwohl ich bereits Vorankündigen dazu mitbekommen hatte, war es mir bei Veröffentlichung vor einigen Wochen dann ja doch irgendwie durchgerutscht. Einen Hauch hat das wohl auch was mit dem Reflex zu tun, nicht ins gleiche Horn tuten zu wollen wie gewisse Metal-Vorkoster, die wirklich jeden mäßig originellen Mumpitz abfeiern, dessen Protagonisten mal an ‘nem okkulten Buchladen vorbeigegangen sind und dabei schicke Patronengurte tragen können…
Wie dem auch sei: Linnéa Olsson war schon u.a. mit einer anderen Blondine zusammen Kernmitglied der kurzlebigen The Oath und danach auch mal kurz als Gitarristin beim Beastmilk-Sequel Grave Pleasures dabei.
Bei ihrem neuen Ding MAGGOT HEART kommen Mitglieder der aufgelösten In Solitude hinzu und es geht dementsprechend auch in eine Richtung, die zwischen erdigem Echtmetall alter Schule und punkigen Düsterrock-Vibes angesiedelt ist und, ja ich gebe es zu, zwar nicht weltbewegend aber ganz gut ist.



NEARLY DEAD - Idyllic Evening
Über Learning Curve Records kommt auch diese 10” von NEARLY DEAD, die mit ihrem fuzzy-noisigen Weirdo-Punk samt Trompeten-Unterstützung ein bisschen an die Cows erinnern.


NY IN 64 - The Gentle Indifference of the Nigh
Instrumental-Rockmusik muss man dieser Tage auch erst mal so hinkriegen, dass man nicht langweilt oder in eine schon von anderen genug ausgeschlachtete Kerbe schlägt.
NY IN 64 aus New Jersey schaffen es evtl. damit, eher zum etwas kräftigeren als zum übermäßig atmosphärischen zu neigen und ferner auch damit, nicht gleich zu sehr in progige oder mathige abzudriften.


PIQUET – Heywawisze
Dass etwas seltsame Bands aus Belgien mit irgendwie noiserockigen Tendenzen, die ihre eigene Nische finden, eigentlich schon länger ‘ein Ding‘ sind, das ist etwas, auf das wir uns durchaus einigen können, oder?
Packt in diese Schublade vielleicht auch mal PIQUET mit rein, die einerseits leicht poppigen Indierock mit Frauenstimme machen, der andererseits trotzdem etwas schräg und schrammelig-krachend daherkommt. Nicht uncool!


ROPE SECT - Personae Ingratae
In einem Atemzug mit Maggot Heat (s.o.) werden aktuell auch gerne mal ROPE SECT genannt, denn sie sind ebenfalls eine gothrockig angehauchte Band, die interessanterweise mitunter sehr auffällig im besonders truen Teil der Metal-Szene stattfindet. Was so weit geht, dass sich das vor allem für Gerumpel mit Finster-Image bekannte Label Iron Bonehead der Aufgabe aufgenommen hat, das zuvor als Tape erhältliche „Personae Ingratae“, das einen gewissen Garagen-Charme versprüht auf Vinyl zu pressen.
Ganz ehrlich? Nicht schlecht, aber mich hauts ja jetzt auch nicht gerade um…


SLUG13 - Chasing A Prize Worth Nothing
Auch die britischen SLUG13 schreiben sich von meiner Seite aus sehr geschätzte Haupteinflüsse wie The Jesus Lizard, Tad und Amphetamine Reptile gleich mal eben ganz offiziell direkt auf die Fahne. Das macht sie als gerade erst auf den Zug aufgesprungene Band vielleicht nicht übermäßig originell, aber zumindest erst mal relativ sympathisch.
Produktionstechnisch kann man das glaube ich auch noch einen Ticken besser hinkriegen als auf „Chasing A Prize Worth Nothing“, aber ein gewisses Potenzial birgt ihr breitbeinig-unsaniger Nosierock durchaus. 


YC-CY - Todestanz
Und zum Schluss sind wir gleich auch noch mal beim Stichwort Noiserock. Die Schweizer YC-CY hauen ihr erstes richtiges Album nach einem letztjährigen Demo raus und wissem mit ihrem wirklich lärmigen Post-Punk, der nicht unbedingt durch die generischsten Schablonen gepresst wurde, durchaus zu gefallen! 


Donnerstag, 22. Juni 2017

Halbjahreslieblinge

Um es kurz zu machen: Normalerweise finde ich sowas wie eine „die besten Alben des Jahres so far“-Halbjahresbilanz aufzustellen eher albern, u.a. auch weil ich Fenriz‘ Meinung teile, dass 1.) Musik kein Wettbewerb ist und man 2.) Alben und andere Veröffentlichungsformate nicht zu sehr voneinander abgrenzen sollte. Aber irgendwie hatte ich gerade trotzdem mal Bock drauf.

Folgend ‘ne alphabetische Top 5 und obendrauf noch ein paar “Honorable Mentions”:

ANWAR SADAT – Ersatz Living
Von Bauhaus zu Godflesh und wieder zurück: Auf früheren Releases war das Quartett aus Louisville interessanterweise gar nicht mal so rabiat, düster und kantig wie auf „Ersatz Living“. Ihr 2013er Album „Gold“ z.B. klingt dagegen fast schon brav und unspektakulär.
Keine Ahnung, was genau in der Zwischenzeit passiert ist, aber aktuell präsentieren sich ANWAR SADAT auf einer Bandbreite von düsterem Postpunk über derben Noiserock bis hin zu sowas wie wütendem Industrial-Metal, bei der jeder Song ins Schwarze trifft. 
Erinnert mich fast schon ein bisschen an die Entwicklung, die Dope Body auf ihrem letzten Knalleralbum „Kunk“ vollzogen, nur ist hier halt insgesamt noch etwas mehr stilistische Breite, Weirdness und Punch am Start.



BOSS HOG – Brood X
Eines meiner beiden aktuellen „Gute Laune, Sonnenschein“-Alben, die in letzter Zeit recht häufig rotierten, ist tatsächlich die neue BOSS HOG.
Hätte ich selbst nicht gedacht, aber es ist schön sie zurück zu haben, mit dieser ziemlich poppigen Schlagseite, die trotzdem auch Ecken und Kanten hat.
„Brood X“ macht wirklich von vorne bis hinten einfach nur Laune und Christina Martinez hat über die Jahre musikalischer Inaktivität wirklich gar nichts von ihrem Charisma verloren…



PHOBIA - Lifeless God
Make Grindcore great again! Oder auch: Das Back-to-„Cruel“-Form-Album, auf das ich schon so lange gewartet habe!
Punkiger, angepisster und energischer, songorientierter denn je!



PISSED JEANS – Why Love Now
Die Posterboys selbstironischen Vollerwerbstätigen-Punks und ich, wir sind irgendwie wie füreinander geschaffen und so ist‘s auch mit „Why Love Now“:
Ob ein zähfließender Sludgerocker über hypochondrische Todesangst (Waiting On My Horrible Warning), ein fast schon als Hitsingle durchgehender und beim zweiten Blick gar nicht mal so unclever arrangierter Gassenhauer mit albernem Hochglanzvideoclip (The Bar Is Low), sich an virilen Antics hochziehender Dada-Jazz (I'm A Man) oder einfach nur saugeil fetzende Songs, die teilweise fast schon ins etwas metallische rutschen (Ignorecam, It's Your Knees) – einfach alles an PISSED JEANS und ihrem aktuellen Album ist und bleibt
einfach nur großartig.



VALBORG - Endstrand
Apropos Selbstironie: Auch VALBORG können die, allerdings ist ihre Musik dann ja doch ungleich böser.
„Endstrand“ ist vielleicht nicht ganz so ein ‘Hitalbum‘ wie es „Nekrodepression“ sofort für mich wurde, aber in seiner musikstilistisch immer wieder mal etwas unorthodox zusammengeführten Dunkelheit und Brachialität, aus der dennoch immer wieder mal durchblitzt, dass man das alles bzw. sich selbst dabei auch nicht zu ernst nehmen sollte, ist es sowas wie der Mittelweg aus Triptykon und den Melvins. Und Eisenvater, u.a. wegen der seltsamen deutschen Texte.
Und das ist dann alles in allem wohl einfach haargenau mein Ding.



Honorable Mentions:

BUILDINGS – You Are Not One Of Us
Minneapolis-Noiserock at it’s very best!
Sehr gute Band, auch live!


CRYSTAL FAIRY – s/t
Das andere meiner beiden aktuellen „Gute Laune, Sonnenschein“-Alben. Und was soll ich sagen, die Kombination aus Melvins-Sound, Rodríguez-López-Handauflegung und etwas exzentrischer Frontfrau funktioniert perfekter als gedacht.


DEPHOSPHORUS – Impossible Orbits
Dass sich die Grind-Griechen auf ihrem aktuellen Teil wesentlich kompakter und rauer präsentieren, als die noch etwas ambitioniertere Richtung weiterzuverfolgen, welche das (Doppel-)Album davor einschlug, das finde ich ja eigentlich sogar ganz cool!



HARVESTMAN - Music For Megaliths
Die  ziemlich „auf den Punkt“ geratene neue von Steve Von Till’s Ambient/ Drone/ Psychedelic Soloprojekt war schon ein paar Wochen am Stück im Mai und Anfang Juni tatsächlich sowas wie mein meistgehörter Feierabendsoundtrack, denn das Teil hat schon was (nicht lachen) von einem wohltuenden Klangbad…



USA/MEXICO – Laredo
Herren der Butthole Surfers und von Todd / Shit and Shine machen gemeinsame Sache und es klingt dann auch noch genauso… herrlich LoFi und heavy!


WIEGEDOOD - De Doden Hebben Het Goed II
Wenn Black Metal zwischen räudiger Raserei und atmosphärischer Epik, dann exakt so!




(Persönlicher Erkenntnisgewinn dabei: Dafür, dass ich mich letzter Zeit eigentlich immer mehr in ‘experimentellere‘ Gefilde stürze, bzw. mich immer Metal- und ‘Standartrock‘-müder gebend zu Hause immer öfter vor allem irgendwelches Drone-Gewaber, Noise-Gesurre oder Neokraut-Geplucker rotieren lasse, dafür sind die über die letzten Monate am meisten und liebsten gehörten Sachen, bzw. die bisherigen diesjährigen Veröffentlichungen, die irgendwie Eindruck hinterlassen haben, dann ja interessanterweise dennoch oft die eher etwas ‘konventioneller rockenden‘ - go figure! Junge aus Dorf, Dorf aus Junge und so weiter…)

Dienstag, 20. Juni 2017

Electric shock through you!


Ich war verleitet, den Blogpost „FirstWorldProblems“-mäßig damit einzuleiten, dass ich ja fast schon etwas übersättigt bin, eine meiner absoluten Lieblingsbands live zu sehen, nachdem ich vergangenen Sommer schon das Vergnügen hatte vorbandmäßig direkt vor ihnen zu spielen, sie im Herbst drauf gleich noch mal wieder (zum „Leafmeal“) vor die eigene Haustür kamen und jetzt zum dritten mal innerhalb von elf Monaten auf der Matte standen…
Es hat sich allerdings absolut gelohnt, trotz überhitzter Montagsmüdigkeit auch dieses mal nicht auszusetzen. Auch wenn man erst mal eine Weile warten wusste, denn aus dem geplanten „Einlass: 19:30, Beginn: 20:00“ wurde nix, da die Herren von VOIVOD ihren Aufbau und Soundcheck im Essener Turock – O-Ton jemand namentlich mal nicht genannter vom Club – „in ihrer eigenen Zeitdimension durchzogen“.

Die daraufhin reichlich verspätet anfangende Vorband waren dieses mal PHANTOM CORPORATION, die – um es kurz zu machen – mit ihrem stellenweise etwas rumnpligen, aber doch recht knackigem Crust-Thrash-Metal als Anheizer durchaus Laune gemacht haben. 

 

VOIVOD wiederum haben mich persönlich danach vor allem damit positiv überrascht, dass ihre Setlist auf dieser Tour über weite Strecken nicht mal die auf „Nummer sicher“ war, sondern sie auch von der mitunter etwas sperrigeren Seite zeigte, die ich an ihnen so besonders liebe.
So gings gleich mal eben mit dem langen, verqueren Baller-Brocken ‘Killing Technology‘ los, auf den der Titeltrack ihrer aktuellen EP ‘Post Society‘ folgte, welcher ebenfalls nicht zu ihrer leichtesten Kost gehört. Um direkt einen draufzusetzen gibt’s als nächstes das ebenfalls etwas eigensinnigere ‘Psychic Vacuum ‘, zu dem ein junges Mädel im natürlich weitgehend Altherren-dominierten einen wilden Moshpit startet.
Ich bin verblüfft und begeistert von den Dingen, die ich höre und sehe, da geht’s gleich schon wieder mit ‘Inner Combustion‘ weiter, einer der wilderen Nummern vom „Nothingface“-Album, das von vielen als Voivod’s Magnum Opus betrachtet wird, aber von seiner schrägeren Hälfte her nur selten einen Setlist-Schwerpunkt bildet. Spätestens hier ist klar: VOIVOD haben heute einen Lauf in meinem Sinne.
Im weiteren Verlauf folgen je zwei weitere Songs von „Killing Technology“ und „Post Society“, der obligatorische „Angel Rat“-Song fehlt eben so wenig (‘The Prow‘) wie ein bisschen Old School Gerumpel vom zweiten Album (‘Korgüll the Exterminator‘, laut Frontman Snake auf der Setlist, weil von vielen Fans gefordert) und in dem Moment, wo man dachte, dass sich VOIVOD auf normal einpendeln, gibt’s die nächste Überraschung: Im letzten Drittel des Sets hauen sie doch tatsächlich ‘The Lost Machine‘ raus, jenen leicht krumm aber saumäßig heavy groovenden Lieblingssong von mir, der vom gerne mal etwas übersehenen Album "The Outer Limits" stammt, welches generell ziemlich stark ist.
Wow! Danke, Jungs!
Wie gewohnt war dann eigentlich nur der Routine-Endspurt in Form der Band-eigenen Hymne und des Pink-Floyd-Covers.
Man muss es im Übrigen an dieser Stelle auch mal hervorheben, weil es allgemein nicht wirklich oft getan wird: Michel "Away" Langevin ist schon ein ganz schön geiler Schlagzeuger!
Außerdem: Mit Killing Joke und Voivod zwei absolute Lieblingsbands innerhalb von nur sechs Tagen gesehen zu haben, und beide dann auch noch in absolut großartig, das ist wohl doch schon ganz schöner Luxus… 


Montag, 19. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW25)

BARDSPEC – Hydrogen
Ruhigere Musik harter Männer, zum ersten, und ein eigentlich schon etwas ungleiches Duo: Ivar Bjørnson ist Gitarrist der norwegischen Prog-/ Viking-/ Black-Metaller Enslaved und Steve Austin natürlich Mainman der Noiserocker/ Fies-Metaller Today is the Day

Wer dabei nun was mit Knalleffekt erwartet liegt falsch, denn die beiden versuchen sich hier eher an sowas wie Ambient und Postrock.



BISON – You Are Not The Ocean You Are The Patient
Von den kanadischen BISON, auch als „Bison B.C.“ bekannt, die mit ihrem etwas zum Thrash neigenden Sludge-Metal sogar schon mal ins Roster von Metal Blade Records passten, hatte man schon länger nichts mehr gehört. „Lovelessness“ ist inzwischen fünf Jahre her und dass Kvelertak auf einer ihrer ersten Touren vor ihnen spielten sogar schon sieben.
Diese Woche kommen sie jedoch mit einem neuen Album via Pelagic Records zurück und es scheint, als hätte sich das Ganze stilistisch inzwischen ein bisschen von „High On Fire“ zu mehr „Neurosis“ verschoben…
bison.bandcamp.com im Auge behalten, ob es dort auch mal bald aufschlägt.


CIRCLE – Terminal
In Finnland haben die Uhren ja auch schon immer etwas anders getickt. CIRCLE sind dabei wohl sowas wie die Suomi-Version der Melvins, Boris oder diverser „Experimental-/ Jam-Musiker“-Umfelder, denn ihr allgemeiner Output ist recht hoch und man versucht sich auch immer wieder mal an anderen Ansätzen irgendwo zwischen „Art-Rock“ mit Kraut-Schlagseite und Metal.
Allein an regulären Langspielalben haben sie dabei glaube ich inzwischen locker die 30er-, vielleicht sogar schon die 40er-Marke geknackt, und schließen dieser Tage „Terminal“ an:



EGYPT – Cracks And Lines
Sinngemäß sowas wie “etwas zu brav” schrieb RockHard-Herausgeber Holger S. mal über einen EGYPT-Auftritt beim Freak Valley Festival im westfälischen Siegen-Wittgenstein. Kann man natürlich so sehen, denn so richtig „auffällig“ ist ihre Stoner-Musik irgendwo zwischen klassischem Hardrock und psychedelischem Doom Metal nicht, allerdings gibt es da dann auch noch die Gegenperspektive, dass dieses amerikanische Trio gerade in einem Hippie-Umfeld wie dem FVF dann ja wiederum doch eine der doch etwas härter und rauer klingenden Bands ist, was sie für mich eben doch etwas attraktiv macht.
EGYPT haben eine Extraportion der Blues-Wurzeln im Blut, die zum Stoner/ Doom dazugehören, bringen das aber noch eine Spur kräftiger und krächziger rüber als andere Zeitgenossen derartiger Stilgefilde. Sowas wie Weedeater findet zwar zugegeben ‘ne Liga weiter oben statt, aber irgendwie sind mir EGYPT sympathisch.
Cooles Artwork übrigens!



IIVII - Invasion
Ruhigere Musik harter Männer, zum zweiten: IIVII ist ein neues Projekt von Josh Graham, bekannt durch A Storm of Light, Neurosis, Battle of Mice und Red Sparowes, der hier auf Dark-Ambient-Pfaden wandert.
Nach dem 2015er „Colony“, das irgendwie an mir vorbeiging, erscheint diese Woche das neue Album „Invasion“ über Consouling Sounds.
resonantiivii.bandcamp.com im Auge behalten…

TUNIC – Boss 7”
Wenn ein kanadisches (Post-)Punk-Trio eine EP extra in Minneapolis aufnimmt weiß man schon mal ungefähr woher der Wind weht.
Ihr neuster Release erscheint diese Woche in völliger Eigenregie:




WILDSPEAKER - Spreadding Adder
"Blackened Crust" ist ein Ding für Dich? Dann solltest Du WILDSPEAKER auf Prosthetic Records checken:

Freitag, 16. Juni 2017

The Death & Resurection Show (2)

Es mag was damit zu tun haben, dass ich selbst auch nicht mehr der Jüngste bin, aber irgendwie kann ich mich dieser Tage immer wieder mal besonders daran erfreuen, wenn Bands, die auf dem Papier schon „in die Jahre gekommen“ sein könnten, trotzdem mehr bringen als nur lauwarm nach Schema F abzuliefern, sondern sich auch im fortgeschrittenen Alter noch mit gewisser Frische, spürbarer Spielfreude, energischem Biss und kreativer Relevanz präsentieren.
KILLING JOKE sind eine dieser Lieblingsbands von mir, auf die das ohne Frage zutrifft. Das 2010er Comeback-Album der Originalbesetzung ist eines ihrer besten und auch die aktuelle Scheibe ist wirklich ziemlich gut. Und was die Herren Coleman (57), Walker (58), Glover (56) und Ferguson (59) live nach wie vor hinzaubern ist wirklich nicht ohne!
So auch an vergangenem Mittwochabend in der Bochumer Zeche…

Zunächst gab’s aber erst mal GRAVE PLEASURES, die um Punkt 19:30 auf die Bühne geschickt wurden, während die Halle dementsprechend noch eher leer war.
Schon mit der Vorgängerband Beastmilk hatte ich es ja nicht so wirklich gehabt (und mit Hexvessel, der anderen Band des Sängers, auch nicht so wirklich…), ich muss aber zugeben, dass die Performance des finnischen Quintetts gerade auch unter handwerklichen Aspekten ziemlich gut war. Der Drummer kloppt mit Schmackes, die Gitarristen haben was drauf und auch der Gesang von „Kvohst“ ist gekonnt. Die Musik klingt wie Joy Division mit ‘nem Schuss Rock’n’Roll und ist schwer okay.



KILLING JOKE wiederum eröffnen in der schlussendlich doch noch gut gefüllten Zeche dann gleich mal eben direkt mit ‘The Wait‘. Geiler geht’s wohl nicht mehr.
Das Konzert soll dann auch generell noch einen Ticken großartiger sein als das schon sehr gute vergangenen Dezember in Köln. Was mehrere Gründe hat, denn erstens ist mir Bochum generell lieber als Köln, die Zeche ist ein etwas angenehmerer Laden als die Kantine und es ist nicht ganz so bumsvoll wie damals dort, außerdem hat die Setlist an diesem Abend ein paar entscheidende Highlights mehr zu bieten: So knallt auch der ‘Asteroid‘ mal wieder herab und im Zugabenblock kann man den Stammestanz zur „Death And Resurrection Show“ aufführen.
Witzig auch, wie sich der „irre Frontprediger“ Jaz zwischenzeitlich bei einer Ansage vertut und auf ‘Exorcism‘ anspielt, obwohl davor erst noch ‘I Am The Virus‘ (einer der aggressiveren aktuellen Songs) kommt. Gitarrist Geordie klopft ihm auf den Rücken und lacht „What an Amateur“ ins Publikum.
Kleinere Mäkeleien daran, wie mir die Setlist noch besser gefallen hätte sparen wir uns jetzt mal, denn das wäre wirklich Meckern auf allerhöchstem Niveau.
Schöner Gig, netter Abend, tolle Band!


 
  

Dienstag, 13. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW24)

ARCADEA – s/t 
Es gab bestimmt Zeiten, in denen mich eine Musikpresse-Meldung a la „Mastodon-Wunderschlagzeuger macht gemeinsame Sache mit Keyboardspielern: Das spaceige, auch etwas "nintendocoreige" Album kommt über Relapse“ deutlicher hätte aufhorchen lassen als 2017. 
Aber ganz witzig isses dann ja irgendwie doch: 



CAVERNLIGHT - As We Cup Our Hands and Drink From the Stream of Our Ache
Scheint, als werden CAVERNLIGHT allgemein mehr so ein bisschen in die Sludge-/ Drone-Doom-/ Post-Metal-Ecke gesteckt, aber ich höre da ehrlich gesagt fast schon etwas mehr Nähe zu Funeral Doom und Black Metal raus, was dann auch noch mit Dark-Ambient-Versatzstücken zusammengeschmolzen wird.
Muss ich dieser Tage in der richtigen Stimmung für sein, denn das inflationäre Angebot an schleppendem Metal der letzten Zeit übersteigt meine persönliche Nachfrage inzwischen bei weitem, aber was ich bisher von „ As We Cup Our Hands...“ gehört habe ist schon ziemlich vielversprechend!




DEPHOSPHORUS – Impossible Orbits
Das griechische Trio lärmt schroff, fies, teils atonal nach vorne, baut dabei allerdings auch ohne Ende dunkle Atmosphäre auf“ schrieb ich selbst nichtssagend-abgedroschen im September 2013, als ich die Band gerade für mich entdeckt hatte.
Und DEPHOSPHORUS sind nach wie vor eine interessante und ungewöhnliche Grindcore-/ Extrem-Metal-Band, die schon mit ihrem letzten Album zu einer ziemlichen Eigenmarke reifte und bereit für den nächsten Schritt ist.
Die Vinyl-Version des neuen Albums „Impossible Orbits“ ist noch nicht so weit, wird aber im Laufe des Jahres wohl auch noch erscheinen. Bis dahin aber schon mal u.a. via Bandcamp:




FALSE GRAILS - Privilege and Consequence
Ich verkneife mir hier jetzt dann doch mal alle Sabbath- und Napalm-Klischees, wenn’s um Birmingham geht, denn dort kommen auch FALSE GRAILS her.
Jene verstehen sich als Post-Punk-Band, was in diesem Fall aber deutlicher zum „Post-Hardcore/ Punk“ oder Noiserock tendiert als in die Goth-Regionen, die man mit diesem Begriff ebenfalls assoziiert.
Und das kommt gar nicht mal so schlecht!




JOANNE POLLOCK - Stranger
Keine Ahnung, was genau JOANNE POLLOCK, in elektronischer (Dream-)Popmusik verankert, eigentlich genau sonst noch so mit Aaron Funk alias Venetian Snares zu tun hat, aber gemeinsam haben die beiden ja auch noch eine Band namens Poemss.
Über Funk’s Label Timesig erscheint nun außerdem das Solo-Langspieldebüt von Pollock:




USA NAILS – Shame Spiral
Das 2014er Langspieldebüt der britischen USA NAILS habe ich ja neulich tatsächlich aus meinem Lieblingsplattenladen mit nach Hause genommen. Und jenes ist so eine LP, für die ich in der richtigen Tagesform sein muss, denn auch wenn die Band mit ihren recht dissonant neben der Spur schraddelnden Noiserock-Songs durchaus einen gern stimulierten Nerv von mir trifft, neigt sie dabei dann ja dennoch ganz schön weit in die sehr Indie-/ Punk-lastigen Gefilden des Genres, die bei mir nicht in jeder Stimmungslage funktionieren und man sollte die Band-seitig schon mal zu Protokoll gegebenen Einflüsse aus „Krautrock“ und „No Wave“ dabei jetzt auch nicht überbewerten.
Auch wenn das jetzt zugegeben eher etwas verhalten rüberkam, sind USA NAILS ‘ne echt schnafte Angelgenheut und ich war durchaus gespannt, wie die digital schon seit ‘ner Woche erhältliche neue so ist, die über das tolle Londoner Label Hominid Sounds und die französischen Big Out Records rauskommt:




WHITE SUNS - Psychic Drift
Wer „Noise/ Industrial“ im Sinne von Wolf Eyes, Pharmakon, Puce Mary, Ramleh, Throbbing Gristle, ganz frühen Neubauten und co. mag, der sollte auf jeden Fall mal in WHITE SUNS' neues Album „Psychic Drift“ reinhören, das diese Woche über The Flenser erscheint:
 



Außerdem:
LLNN / WOVOKA - Marks Traces
Und bei Pelagic Records kommt diese Woche eine Split der dänischen LLNN, die ich durchaus schätze, und der mir bisher noch unbekannten Belgier WOVOKA raus.
Bei Bandcamp o.ä. ist davon bisher noch nichts aufgeschlagen, aber es gibt immerhin einen offiziellen Komplettstream via Youtube:




Und bei Metal Blade Records erscheinen im Übrigen neue Alben von TOMBS und IGORR.

Montag, 12. Juni 2017

„Indie Exploitation“


Der Andrang am Dortmunder U hielt sich vergangenen Samstag etwas in Grenzen, als umsonst und draußen zum „Indie Exploitation Festival“ geladen wurde.
Möglicherweise ist da in puncto Netzwerbung und daraus resultierender Mundpropaganda einfach nicht die Breite erreicht worden, die man gerne gehabt hätte.
Schade, denn gerade sowas würde ich gerne mal öfter in der Gegend haben, als die hundertste Ausgabe von irgendwas mit abgehalfterten Metal-Opas… (jaja, sagt der Typ mit mittelschweren Metalopa-Tendenzen!)

Jedenfalls war LOUIS JUCKER’s Solo-Performance als Akustikbarde mit ein paar Extra-Effekten als aufwärmende Beschallung ganz nett, um weiter hinten auf Paletten sitzend mit einem Bier in der Hand zu plaudern, die folgenden PABST waren mir persönlich ja, wenn ich mal ganz ehrlich bin, dann aber doch so einen Hauch zu sehr „Pop-Nirvana“.
HEADS wollte ich mit ihrem eher zurückgelehnten Noiserock schon immer mal sehen und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mich das Ganze live aufgrund der etwas (durchaus gewollten) stoischen Gleichförmigkeit nur passagenweise so sehr zu packen wusste, wie ich ihr aktuelles Album eigentlich ziemlich gut finde, aber es kann auch an meiner Tagesform gelegen haben und wie ich schon sagte: Ich find’s tatsächlich gerade im Pott recht erfrischend, vor der Haustür auch mal sowas geboten zu bekommen, denn das ist zwischen dem allgemeinen Metal-Überangebot derzeit eigentlich eher Ausnahme als Regel.
Das abschließende Abrock-Duo CLOSET DISCO QUEEN fand ich im Übrigen live ‘ne ganze Ecke stärker und kurzweiliger als es bisher von Konservenhörproben der Fall war. Das hat schon ziemlich Bock gemacht und die beiden Schweizer, bekannt auch von Coilguns oder ihrem Mitwirken bei The Ocean, machen in puncto Handwerk einfach ‘ne Menge richtig. Einziger Kritikpunkt: Die lange Zugabe war eher etwas antiklamitisch, anstatt die Schüppe drauf zu setzen, aber nu‘ ja… Meckern/ Niveau, geschenkter Gaul….
In Zukunft bitte öfter mal sowas, Dortmund!

Dienstag, 6. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW23)

Erst dachte ich, diese Woche würd‘ dann doch mal wieder etwas weniger an interessantem auf dem Veröffentlichungskalender stehen, aber eigentlich gibt es da doch 1-2 Sachen, in die man mal reinhören sollte…

ANTHESIS - The Age of Self
Man könnte jetzt natürlich in bester Musikjournalisten-Tradition klischeehaft eine spekulative Brücke dazu schlagen, dass es was mit den von Gorguts und Voivod gesäten Früchten zu tun haben könnte, dass gerade auch Grindcore der etwas experimentelleren Art gerne mal aus Kanada kommt. Ich habe ja noch nie einen Hehl um meine Liebe zu Fuck The Facts gemacht und darum, wie stark und essenziell ich die letzte Wake finde. Beides Bands, die sich in einer Liga mit Pig Destroyer vom internationalen Genre-Einheitsbrei deutlich abzusetzen wissen.
In jene Liga scheinen auch ANTHESIS aus Quispamsis, New Brunswick aufsteigen zu wollen, die auch schon ein Weilchen dabei sind, sich aber erst jetzt in meine Wahrnehmung lärmten.
 
Und dass sie dabei eher zum Groove als zum Dauerblast und eher zum Sludge und noisigem Hardcore-Punk als zu Stilmitteln aus generischen Death-Metal-Schablonen neigen, das macht sie für mich persönlich ja extra-attraktiv!



KLABAUTAMANN - Smaragd
Auch wenn KLABAUTAMANN vor einer halben Ewigkeit mal sowas wie mein Erstkontakt mit dem waren, was später unter dem Banner Zeitgeister zu einer ganzen Clique hochkreativer Bands mit personellen Überschneidungen wurde, sind sie irgendwie dennoch die Band aus diesem Kreis, die ich bisher etwas stiefmütterlich behandelt habe. Die großartigen Valborg, bei denen Klaubautamann-Kernmitglied Florian Toyka ebenfalls mitwirkt, oder der eigensinnigere Death Metal von Owl liegen mir persönlich wohl einfach etwas mehr als der Anspruchs-Black-Metal von KLABAUTAMANN, da Folk-Schlagseiten i.d.R. einfach noch nie so meins waren.
Dennoch: In neues von den Zeitgeistern wird grundsätzlich reingehört!




PLANETAS MUERTOS - Mutaciones
Als „Sci-Fi-Rock“ und „Psychedelic Noise Rock“ bezeichnen diese angeblichen Mexikaner ihre Synthie-gestützte und „Freak Valley“-kompatible Musik, die sie hier in Form von fünf Live-Tracks und einem Remix raushauen.
Ob Gimmick-Band oder nicht müsst Ihr jetzt entscheiden. 

Musikalisch ist auf jeden Fall Potenzial da, so richtig cool sind aber vor allem die Coverartworks schon.
 


TEMPLE OF BBV – s/t
Beim Roadburn konnte man das Ganze schon live bestaunen, die Studiokonserve kommt diese Woche: 

Hinter TEMPLE OV BBV verbergen sich die britischen Avant-Rocker GNOD und die niederländischen Psychedeliker von RADAR MEN FROM THE MOON.
Das bisher gehörte bzw. live erlebte von diesem Big-Band-Zusammenschluss gefiel, u.a. weil’s wirklich ordentlich Ecken und Kanten hat und recht krachig veranlagt ist!




THE HOLY CIRCLE – s/t
Terence Hannum von LOCRIAN (eine Band, mit der ich immerhin schon mal selbst die Bühne geteilt habe (kann man ja mal erwähnen)) hat sich neben einem weiteren Drummer eine Sängerin angelacht, um mit ihnen als THE HOLY CIRCLE Musik zu machen, die eher in Dream-Pop-/ Synth-Wave-mäßige Richtungen geht, seine Drone-Erfahrungen dabei aber nicht ganz außer Acht lässt.
Jetzt wird’s verwirrend: Nach der letztjährigen EP ist auch der diese Woche veröffentlichte Longplayer selbstbetitelt. 


Donnerstags im Djäzz

Mal wieder ein kleines Minikonzertresümee: Vergangenen Donnerstag zog es mich in den Duisburger Jazzkeller Djäzz.
Als erstes spielten dort N + MOLOCH & E.H.E. auf: Drone-Gitarre, Knöpfendreher-Noise und Visuals aus dem Laptop. Die Zusammenarbeit zwischen Gitarrist N, der hier auch mal etwas mehr zum Noise als zum Drone neigte und dem Noise-/ Visualkunst-Quartett MOLOCH & E.H.E. war dabei weitgehend improvisiert und ziemlich cool. An mancher Stelle konnte man gar nicht mehr so genau sagen, welcher Sound genau woher kam…

 

Danach spielten CAUDAL auf. Das „Trance-Punk“-Trio von Aidan Baker heute mal nur als Duo. Machte nix, denn Aidan kann auch einfach mal Bassläufe in den Loop hauen, um Ambient-eskes und Krautrock-.artiges drüber zu spielen, während sein Drummer mechanisch nach vorne treibt.
War echt gut! Ich möchte noch mehr von sowas in unserer Gegend und wenn dann auch noch 2-3 zahlende Gäste mehr kommen würden wär’s auch nett…