Sonntag, 24. Juni 2018

Neurosis & Deaf Kids


Hand aufs Herz: Auch wenn ich nicht zu den notorischen Meckerköppen gehöre, die NEUROSIS „früher besser“ fanden und das übliche, muss ich ja mal ganz ehrlich zugeben, dass meine größte Begeisterung für diese Band inzwischen wohl so ein bisschen nachgelassen hat. Obwohl ich ihr aktuelles Album "Fires Within Fires" auf seine etwas durchgelüftet anmutende Art wieder wesentlich ansprechender fand, als den über weite Strecken etwas nichtssagend in die Schwere abdriftenden Vorgänger "Honor Found in Decay". Aber die Zeiten, in denen ich zu einem NEUROSIS-Konzert mit der kultischen Vorfreude auf eine alles mit sich mitreißende Urgewalt monolithischen Ausmaßes fahre, von der ich danach noch Tage später zehren werde, die scheinen dann ja doch so ein bisschen vorbei...
Havin' said that: Wenn die stilprägenden Urgesteine in die Gegend kommen, ist die Pilgerfahrt dennoch Pflicht...

Auf die brasilianischen DEAF KIDS, die den Abend in der Bochumer Zeche eröffneten, war ich sehr gespannt, muss allerdings sagen, dass ich mir davon wohl irgendwie mehr von versprochen hatte. 
Die D-Beat-verwurzelte Band versucht sich an so einer Art Noise-Trance-Metal-Punk, bei dem ich oft das Gefühl habe, dass dabei irgendwas noch nicht so ganz zuende gedacht wurde.
Ganz netter Krach isses schon irgendwie, auch sehr eigen, aber nix, was man als Tonträger im Plattenregal bräuchte, weil eben auch nicht mehr als nur ganz netter kontrollierter Krach, der von außen etwas zu konzeptlos wirkt...

NEUROSIS eröffnen ihre Show danach mit dem Titeltrack von "Given to the Rising", einer der Nummern ihrer jüngeren Discographie, die durchaus schon was unkaputtbares hat. 
Nach 'Bending Light' vom aktuellen Album ist 'End of the Harvest' vom 1999er Brocken "Times of Grace" die erste Überraschung auf der insgesamt ziemlich „unhittigen“ Setlist, mit der ich nicht gerechnet hätte. Daraufhin wechselt man gar noch mal zwischen dem aktuellen Album (A Shadow Memory) und besagtem "Times of Grace" (The Last You'll Know).
Das treibende 'Burn' von "The Eye of Every Storm" ist eine weitere dieser jüngeren Nummern, die schon regelrechten Signature-Charakter hat und mit 'An Offering' von der 2000er "Sovereign" EP folgt der nächste Song, den ich auf einer regulären NEUROSIS-Toursetlist dieser Tage eher nicht noch mal erwartet hätte.
Ist schon interessant, dass die Band nach einigen Jubiläumskonzerten mit Altmaterial im Programm und ihrer Herangehensweise, sonst eigentlich primär jüngeres zu spielen, an diesem Abend eine ungewöhnlich gemischte Songauswahl präsentiert, die etwa das vorletzte Album komplett auslässt und sich an älterem dann auch noch den eher etwas sperrigeren Kram rauspickt.
Das Doppel-Finale hat es in sich: Das unscheinbar startende und dann doch noch gut sägende 'Reach' gehört zu den Highlights des aktuellen Werks und kommt live erwartet cool, bis man mal wieder in das Noise-Inferno von 'Through Silver in Blood' mit seinem Trommel-Schusspart mündet. Was seine katharsische Wirkung wiederholt nicht verfehlt und einen daran erinnert, warum man überhaupt mal Fan dieser Band wurde.
Hoffentlich gibt’s Euch noch lange, NEUROSIS!

King Crimson

Tja, ich habs getan. Einen dreistelligen Eintrittspreis dafür bezahlt, mal in der vierten Reihe sitzend KING CRIMSON zu sehen und hören, wenn sie schon mal in die Gegend kommen. 

Vor vier Jahren (ist das auch schon wieder her...) hatte ich mir schon mal einen Ableger davon gegeben, am vergangenen Mittwoch war dann tatsächlich mal das Original dran.
Ich bin ja normalerweise echt nicht so der Prog-Fan und niemand, der groß auf Muckertum-Show-Off-Kram o.ä. steht, aber KING CRIMSON sind 'ne Band, die seit 49 Jahren in ihrer ganz eigenen Liga spielt. 
Einige Sachen der klassischen Phase ("Larks' Tongues in Aspic"! "Red"!) finde ich daher auch genauso großartig wie diverse Modernisierungen, die sie im Laufe der Jahrzehnte vollzogen haben. Und vor allem: Ihre Musik hat Eier, Kopf, Ecken und Kanten...

Nach diversen Hinweisen auf das Handy- und Mitfilm-Verbot betritt die achtköpfige Band um 19:30 adrettestens gekleidet die Bühne der Essener Lichtburg.
Die erste Reihe des Aufbaus besteht aus drei Schlagzeuge(r)n, dahinter sieht man eine Stufe höher von rechts nach links den sitzenden Bandleader Robert Fripp (Gitarre, partiell Keys) an einem riesigen Soundanlagenkasten, Sänger/ Gitarrist Jakko Jakszyk, den auf dieser Tour nur Keyboard spielenden Bill Rieflin (oddly enough ursprünglich mal als Ministry-Drummer bekannt geworden), Bass-Virtuose Tony Levin und hinter einer Plexiglasscheibe Blasinstrumentalist Mel Collins.

Was daraufhin 90 Minuten am Stück dargeboten wird, ist erstmal nur die erste Halbzeit (!) der Show.
Zu meiner Freude gibt es die alten und neueren 'Larks' Tongues in Aspic (...)' Instrumentals zu hören, die mit einen beachtlichen Härtegrad rocken. 
Im Kontrast dazu stehen alte Folk-balladeske Nummern wie 'Epitaph', die von  Jakszyk perfekt intoniert werden.
Was die drei Schlagzeuger vorne machen ist mitunter eine Augen- und Ohrenweide, wobei die Rollen klar verteilt sind: Gavin Harrison, welcher der jüngste in der Runde sein dürfte, macht am meisten Action und wechselt sich bei den Main-Grooves mit Urgestein Pat Mastelotto, der sich gerne auch mal zurücknimmt, um perkussiv auszuschmücken. In der Mitte zwischen den beiden spielt Jeremy Stacey auch schon mal eher E-Piano als durchgängig zu trommeln.

Der zweite Block beginnt mit einem kurzweiligen Schlagzeugsolo-Dreier, der in die essenziellen 'Red' und 'One More Red Nightmare' übergeht und auch der zweite Block bietet eine coole Mischung aus klassischem Material und modernerem Stoff, bis als Zugabe, natürlich, der '21st Century Schizoid Man' (cooler Vocal-Effekt!) einen um ca. 22:45 (!) in den Abend verabschiedet. 

Summa sumarum: Hat sich gelohnt. Ich würds echt wieder tun!
(Fotocredit: Habs von dgmlive geklaut.)

Donnerstag, 21. Juni 2018

Dieser Tage raus (KW25)

Schon wieder ganz schön wat los, diese Woche…

AMAROK - Devoured
Mehr oder minder typischer Sludge-Doom-Stoff auf Translation Loss Records:

Die kalifornischen AMAROK lassen es im schweren Schlepptempo krachen und versuchen zudem mit Gurgelkeif-Vocals der fieseren Art zum Derbheits-Grad von Khanate aufzuschließen.
Was auch ihnen nicht wirklich in voller Konsequenz gelingt, denn die wohl für immer eine Liga für sich bleibenden
Khanate gab's halt schon, aber näher dran als manch andere Band in ähnlichen Brachial-Kriechgang-Stilgefilden ist man tatsächlich durchaus.


CAVERN - Eater
Fragt man mich, ist dieses "Instrumental-Postrock"-Ding, das uns viele Bands mit orchestral anmutenden Kompositionen im vor allem eben sehr nach Rock bis Metal klingenden Modus, mit pseudo-psychedelischen Atmo-Parts und viel Rumgedudel beschert hat, ja schon lange durcher als durch. Ich bezeichne das ja auch gerne mal als Musik für "Schöngeist-Metaller".
Mit den experimentelleren Vorreitern dieses Stiletiketts wie Slint, Tortoise oder Mogwai hat der ganze Kram zwischen Long Distance Calling und Russian Circles dabei ja leider gar nichts mehr zu tun und wirklich interessante Bands, wie einst etwa Ostinato, sind inzwischen rar gesät. 
Aber durch oder nicht - CARVERN kriegen dieses Ding in Duobesetzung dennoch ganz gut hin...


DAVID EUGENE EDWARDS & ALEXANDER HACKE - Risha
2012 produzierte Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) das Wovenhand-Album “The Laughing Stalk“, auf dem die Richtung Alternative-Country/ Psychedelic-Folk/ Americana gehende Musik der Band von Maiman David Eugene Edwards (Ex-16 Horsepower) ein bisschen mehr in Richtung 'heavy' anzog.
Ein paar Jahre später haben sich Edwards und Hacke dann noch mal für ein gemeinsames Album zusammengetan.
Und da ich sowohl Hacke-Fan bin, als auch besagtes “The Laughing Stalk“ und vor allem auch den Nachfolger “Refractory Obdurate“ ziemlich cool fand, bin ich sehr gespannt drauf und werd‘ mir das Teil wohl zulegen. 

Kann auch die christliche Versponnenheit von Edwards nix dran rütteln...

DEATHGRAVE - So Real It's Now
Grindcore, der mit dem einen Auge Richtung Thrash/ Death Metal und dem anderen auch noch zum (Crust-)Punk mit gewissem Spaß-Faktor schielt (r
emember Engorged?) präsentieren uns DEATHGRAVE aus San Jose auf diesem Album via Tankcrimes, deren Bandcamp-Seiten man hier aus irgendeinem Grund nicht einbinden kann.
Nix für Ästheten, aber trotzdem nicht gänzlich ohne (rauen) Charme.
 
Die CD kostet nur $6.66. 

DEATH GRIPS - Year of the Snitch
Generell finde ich DEATH GRIPS, das wirr-noisige Hip-Hop-Ding mit Drummer Zack Hill (u.a. auch Hella) ja ziemlich cool, komme bei der relativ hohen Veröffentlichungsfrequenz von regulären Alben und Anderweitigem wie Instrumental-Geschichten, bei zwischenzeitlicher Auflösungsverkündung und Blitzreunion, sowie den Aktivitäten des rockigen Spin-Off-Projekts The I.L.Y's, allerdings wohl auch nicht mehr so wirklich mit.
Havin‘ said that: Diese Woche erscheint ‘ne neue DEATH GRIPS und Bock drauf hat man durchaus. 

Auf der Gästeliste steht dabei u.a. Tool-Basser Justin Chancellor.



DRUG CULT - s/t
Für das, was ich im Falle von DRUG CULT jetzt mal ganz salopp als „wie Electric Wizard, halt nur mit weiblicher Stimme“ eintüte, gewinnt man dieser Tage ja eigentlich keinen Kreativitätsblumentopf mehr. Sollte man zumindest meinen. Windhand gibt's schließlich auch schon.

Wie hierfür allerdings schon im Vorfeld eine gehörige Hype-Maschine durch die Blogsphäre rollte, das ist auch kaum noch zu begreifen.
Jedenfalls erscheint das selbstbetitelte Debüt der australischen Stoner-Doomer diese Woche über das britische Label Ritual Productions.




FEALTY - Peace Is Our Problem 7"
Brooklyn (Band) meets Oxford (Label): Stampfend knallender Punk zwischen 'Post-', 'Street-', 'Hardcore-‘ und vielleicht sogar einem Hauch von 'Crust-', trotz fast schon zierlich anmutenden Protagonisten mit sehr martialischer Aura und ziemlich wahnsinnig klingenden Schrei-Vocals.
Nicht ungeil. Wirklich nicht ungeil!
Gitarristin/ Schreierin Erica veröffentlicht außerdem Poesie.



H880 - Self Perception
Beim Berliner Noise-, Techno- und Industrial-Label Instruments Of Discipline erscheint diese Woche ein neues Album des französischen Projekts H880, über das ich ehrlich gesagt rein gar nichts weiß, außer, dass der Kram des maskierten Hacène Hargas in Richtung 'Rythmic Noise' geht.



KHEMMIS - Desolation
Mit ihrem 2015 Debüt "Absolution" lagen KHEMMIS ja direkt so ein bisschen im Zeitgeist des Roadburn-inspirierten Metaller- und Hipster-Konsens, dem das Nachfolgewerk auch direkt noch einen draufzusetzen wusste. 

Die Band aus Denver macht bei ihrem Doom recht traditioneller Prägung vom Gitarrensound bis zum Coverartwork so einiges richtig - was mich persönlich dann allerdings doch so ein bisschen abgeturnt hat, ist dieses unnötige Wechselspiel aus Klargesang und Growls. Gerade bei so einer Art von Metal ist das oft eher so ‘ne puristische „entweder, oder“-Sache, bei der zu viele Köche dann eben tatsächlich den Brei verderben.
Dem Klischee nach ist dieses „verflixte dritte Album“ nun das, bei dem es drauf ankommt.

Auch hier will allerdings die Einbettung der Bandcamp-Seite vom Label 20 Buck Spin aus irgendwelchen Gründen nicht so richtig.

MORUOUS - Through Wilderness
Ebenfalls über Tankcrimes erscheint diese Woche dieses Album von MORUOUS aus ebenfalls San Jose.
Dabei handelt es sich um (Ex-)Mitglieder von Necrot und Exhumed, die dem Old School Death Metal mit Doom-Kante frönen, dabei aber auch schon mal ordentlich blastballern.
Für Fans von: Autopsy, Obituary, Incantation, Coffins, Vomitory und co.


NINE INCH NAILS - Bad Witch
Früüüher war ich ja tatsächlich mal relativ großer Fan. Was sogar noch mal aufblitzte, als Reznor vor zehn Jahren mit "Ghosts I–IV" sowas wie spontan-experimentelle Songskizzen veröffentlichte und eigene Musik selbst umsonst ins Netz stellte. Auch die erste EP der Ableger-Band How to Destroy Angels fand ich eigentlich ganz cool.
Das 2013er "Hesitation Marks" war dann allerdings eine ziemliche Frechheit von Album (die guten Kritiken konnte ich kaum nachvollziehen) und die beiden folgenden EPs zwar solide bis gut, das allerdings ohne Impulse, die irgendwie ‘interessant‘ wären.
Von daher gehe ich an ein neues NIN-Album mit gemischten Gefühlen und eher mittel-prioritär... aber anhören und vielleicht sogar dennoch kaufen werde ich es mir.




PRETTY PLEASE - Fur Model
Bands, die sich ihre Einflüsse und Intentionen etwas zu plakativ auf die Fahne schreiben, können schon mal so eine Sache sein. Etwa eine, die es nie so ganz schaffen wird, sich aus den hinteren Reihen freizuschwimmen.
PRETTY PLEASE aus Atlanta z.B. wollen auf AmRep-Worship, Grunge und Sludge, auf Nirvana (wozu die eher knackig-knapp und straight gehaltenen Songs passen) und Melvins (wozu wiederum der leichte Beklopptheitsgrad passt), auf dissonanten Prügel-Punk und auf Anflüge von Pop-Sensibilität
machen
Ein schon etwas zuuu alberner Videoclip kommt dann auch noch dazu.
Irgendwie passt dann, trotz aller potenziellen Voraussetzungen fürs Scheitern, aber dennoch alles zusammen und das bisher gehörte macht durchaus Spaß. Go figure...



QUICKSAND - Triptych Continuum
Nach dem letztjährigen Comeback-Album "Interiors" hat die reunierte Alternative-Rockband von Walter Schreifels noch mal einen EP-Nachschlag mit zwei 'normalen' Songs und einem atmosphärischem Instrumental am Start.


VARG - Nordic Flora Series Pt. 5: Crush
Natürlich nicht zu verwechseln mit dieser musikalisch komplett irrelevanten und irgendwie eher ärgerlichen Metal-Band aus süddeutschen Gefilden, handelt es sich bei diesem VARG um einen schwedischen Künstler, der zwar auch irgendwie Black-Metal-Wurzeln haben mag, beim eigenen Schaffen aber Richtung Experimental-/ Ambient-Techno neigt.
Nachdem u.a. das 2016er Posh-Isolation-Album "Star Alliance" allgemein ziemlich gut ankam, gibt’s über das gleiche Label diese Woche den bereits fünften Teil der "Nordic Flora" Sessions, bei denen es sich um Sammlungen von Kollaborations-Tracks mit unterschiedlichen weiteren Künstlern handelt.



Und sonst noch?

Das inzwischen Roadburn-erprobte "Blackened Slowcore"-Soloprojekt PLANNING FOR BURIAL veröffentlicht diese Woche mit "Quietly" (The Flenser / Throatruiner) eine Sammlung älterer Songs von Tape-Releases etc. erstmals auf Vinyl.


Psychedelic-Rock? Haben wir auch noch: Die Oaklander LUMERIANS haben diese Woche ihr neues Album "Call Of The Void“ über den Londoner Fuzz Club draußen

Planet of Doom ist ein kommender Animationsfilm im "Métal Hurlant" Stil.
Bei Ripple Music erscheint diese Woche so eine Art Vorab-Soundtrack-EP dazu, mit Mos Generator, Messa, Vokonis und Slomatics.


Das "White Noise and Black Metal" betitelte neue Album der schwedischen Vorzeigemisanthropen CRAFT kommt dann ferner noch über Season of Mist.

Noch mehr Black Metal: ANICON's "Entropy Mantra" ist der wöchentliche USBM-Release auf dem Berliner Label Vendetta

Metropolis Records haben diese Woche dann außerdem Wiederveröffentlichungen der Alben "Any Day Now" (1988) und "Shadow Weaver" (1992) von THE LEGENDARY PINK DOTS am Start.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Dälek, Duisburg, Djäzz, Dienstag

Weil man es nicht oft genug betonen kann, sage ich es jetzt echt noch mal, obwohl ich es schon einige Male gesagte habe: Der gemütliche, herrlich schummrige "Djäzz Jazzkeller" in der Duisburger Innenstadt ist sowas wie der Fels des guten Geschmacks in der Brandung von Niederrhein und Ruhr. 
Hier finden die spezielleren kleineren Randsparten- und Nischen-Konzerte statt, die in Dortmund, Bochum oder Essen scheinbar leider keine Lobby zu haben scheinen...

So machte am vergangenen Dienstag z.B. auch DÄLEK Halt im Djäzz. Jener Hip-Hop-Act, der wegen seinem noisigen Wall-of-Sound-Getöse auf Alben wie "Absence" (Ipecac, 2005) vor allem auch von Musiknerds geschätzt wird, die sonst eher zu Sludge-Doom, Post-Hardcore, Noiserock, Shoegaze und/ oder Avantgarde-Industrial neigen.
 
Und die etwas mehr als einstündige Show von MC Dälek alias Will Brooks und seinem aktuellen Elektronikmann Mike Mare (keine Ahnung, wo DJ Rek war) macht in der gemütlichen Kellerbar auch mehr als Laune.
Das Publikum dancete und kopfnickte zum dichten Sound mit bollerndern Beats, über die Brooks seinen Rap-Flow wandern lies und manchmal gar parallel etwas Extra-Noise zum Sound mit Samples über ein Tablet oder live verfremdete Vocals dazutat.
Wieder mal musste ich auf meine beiden Lieblingssongs ('Subversive Script' und 'Gutter Tactics') verzichten, aber das macht nix, denn es war toll.
Immer wieder gern und hoffentlich bald wieder...

Sonntag, 17. Juni 2018

Dead Cross & Zeus!

Die Qual der "FirstWorldProblems"-Wahl, ob man am vergangenen Samstagabend mal einen Köln-Trip zu den Grand Dames von L7 (plus Black Moth) im Gebäude 9, Wiegedood im MTC (der Vollständigkeit halber...) oder DEAD CROSS (plus ZEUS!) im Gloria macht wurde mir dann zugegeben dadurch abgenommen, dass sich über eine meiner Presse-Connections ein freier Eintritt zu letzerem ergab. Was ich, gemessen daran, dass Bekannte von mir im Vorfeld (nicht ganz zu Unrecht) über den verhältnismäßig horrenden Eintrittspreis stöhnten, dann gerne mal angenommen habe...

Die Info, dass ZEUS! Vorband sind, hatte mich erst 1-2 Tage vorher erreicht und sehr erfreut, denn jene wollte ich schon immer mal live sehen.
Das italienische Duo ballerbassdröhnt sich wie angekündigt pünktlich ab 19:30 für eine Dreiviertelstunde durch seinen über große Strecken instrumentalen Lärm irgendwo zwischen Noiserock, Prog-Punk und einem Hauch von Grind und kommt dabei wie 'ne Mischung aus Lightning Bolt, Big Business und Don Vito rüber.
Ganz schön geil, was die beiden da auf hohem Handwerksniveau und roher Energie so machen.
Gegen Ende schreit Justin Pearson 'ne Nummer mit und es wird zum Finale gar noch mal 'ner Runde knüppliger und schreiiger.
Das relativ bunt gemischte Publikum im gut gefüllten Laden quittiert es tatsächlich mit frenetischem Jubel. Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

Nach ca. einer halben Stunden Umbaupause bieten DEAD CROSS so ziemlich genau das, was ich erwartet hatte.
In insgesamt ca. einer Stunde ballert das Quartett das Material des aktuellen Albums (samt Bauhaus-Cover) und der folgenden EP runter. Lombardo rattert souveräun auf seinem Kit rum der Bass-Sound von Pearson hat schon mal was interessant-synthetisches, das geil brummt, und Patton hat mit seinen 50 Jahren noch mal richtig Bock drauf, die Asi-Rampensau zu geben.
Diverse Sperenzchen zwischendurch hätten wegen mir nicht unbedingt sein müssen. Als Zugabenblock nur mal eben Dead Kennedys' 'Nazi Punks Fuck Off' runterzuschroten und dann als Gag  'Raining Blood' und 'Epic' anzutäuschen auch nicht wirklich, aber hey, alleine Patton's schelmisches Grinsen war schon unterhaltsam...

Eine knappe Stunde Headliner-Spielzeit bei irgendwas von mehr als 30 Euro Eintritt ist natürlich auch so 'ne Sache, gelohnt hat sich der Abend aber eigentlich sogar alleine schon wegen der einfach nur großartigen Dreiviertelstunde ZEUS!.
Randnotizen: Der gesparte Eintritt ging dann auch direkt für einen Zeus!- und Dead-Cross-Vinylgroßeinkauf drauf. Für drei Stunden in Venue-Nähe parken lässt man mal eben zehn Euro (...Köln...). Auf den letzten Metern in die Heimatstadt rein wurde ich dann noch geblitzt und mein Auto scheint Öl zu verlieren. 
Günstig davongekommen geht dann wohl dennoch anders. ;)

Mittwoch, 13. Juni 2018

Dieser Tage raus (KW24)

Was diese Woche so rauskommt oder gegen Ende der vergangenen u.a. noch auftauchte:

BLACK GORGON - Daft Apeth
Neues aus der Leeds-Clique: Hinter BLACK GORGON steckt der Schlagzeuger der groooßartigen Thank, der hier alles im Alleingang aufnimmt und dabei ziemlichen Weirdo-Kram zwischen Punk, LoFi-Noise/rock und 8Bit-Anwandlungen fabriziert.


BLUE YOUTH - Dead Forever
Schmissiger Post-Hardcore aus der Hauptstadt der kanadischen Provinz Saskatchewan. 
Hat ein bisschen was von At The Drive-In, oder?
Die Vinyl-Version soll im Spätsommer noch in Zusammenarbeit mehrerer Kleinlabel rauskommen.


CLOSET WITCH - s/t
Das diese Woche erscheinende, selbstbetitelte Album von CLOSET WITCH aus South-East Iowa ist eine der allerletzten Veröffentlichungen von Halo of Flies, bevor das amerikanische Label diesen Sommer nach ca. elfeinhalb Jahren
DIY-Betrieb die Pforten schließen wird.
Geboten wird darauf derbster Grindcore, der mit gewissem "Math"-Anspruch eher zur Powerviolence-Seite des Genres fällt.




HEADSPLITTERS - Tomorrow EP
Ein noch relativ neues Trio aus Brooklyn, New York fröhnt bei den vier Tracks dieser EP dem D-Beat/ Brutalo-Punk.



HERE LIES MAN - You Will Know Nothing
Marcos Garcia, Sänger und musikalischer Mainman von HERE LIES MAN aus LA, hat mit besagter Band eine Crossover-Idee umgesetzt, die er lat eigener Aussage schon lange hatte: Sowas wie fuzzy Psychedelic-Rock’n‘Roll mit Afrobeat zu kombinieren.
Diese Woche erscheint das bereits zweite Album, das dieser Vision folgt. 



JK FLESH - Wasplike
Das Soloprojekt von Justin K. Broadrick, das die seltsame Entwicklungskuve durchmachte, mal mit Godflesh-ähnlichem Industrial-Metal-Krach zu beginnen, um nach einem kurzen IDM-Umweg dann noch gänzlich bei Dub-Techno oder sowas mit
"Four to the Floor“-mäßigem Rummsbumms zu landen, mag ich aufgrund meiner gelegentlich mal aufblitzenden Affinität zu elektronischen Beats ja schon irgendwie ganz gerne. 
Es ist aber zugegeben trotzdem sowas, das mit steigender Veröffentlichungsfrequenz eher seltener mal bei mir zu Hause auf dem Plattenteller oder in der Playlist landet…
So oder so erscheint diese Woche eine neue EP via Inner Surface Music (Bandcamp / Soundcloud).



ØJERUM - Selv I Drømme Lyser Den Første Sne
Hinter dem Pseudonym øjeRum steckt ein dänischer Künstler, der sich auf Collagen und Ambient-Musik spezialisiert hat. 
Das besondere an der auf Cello-Loops basierenden Musik von "Selv I Drømme Lyser Den Første Sne" ist, dass der mit der Platte kommende Digital-Download eine Übereinanderlegung beider Einsong-Seiten der LP ist. 
Nicht uninteressant! Kommt über Midira Records.


PALBERTA - Roach Goin' Down
Eine gar nicht mal so uninteressante, gleichermaßen eingängige wie gewöhnungsbedürftige Mixtur aus kurz und knapp gehaltenen, rumplig-punkigen Songs, einer ganz großen Portion Pop im Stil und dabei auch noch einem jazzig-schrägen Twist ist das, wofür der Name PALBERTA auf "Roach Goin' Down" steht.


SPOTLIGHTS - Hanging By Faith
Diese neue EP der New Yorker ‘Doomgazer’ SPOTLIGHTS enthält vier Remix-Versionen von Songs ihres letztjährigen Ipecac-Albums “Seismic”, sowie ein Cover von The Cure's ‘Faith’.



YOUNG WIDOWS - Decayed: Ten Years of Cities, Wounds, Lightness and Pain
Wie ich das Ganze schon seit Wooochen voller Vorfreude auf den Radar haben, dann
aber doch um eine (halbe) zu spät posten kann, ist mir jetzt gerade selbst ein ziemliches Rätsel (ich könnt’s ja auch auf die erbarmungslos bratende Hitze der vergangenen Woche schieben), aber sei’s drum.
Die nach wie vor semiaktiven YOUNG WIDOWS aus Louisville, Kentucky finde ich ja generell großartig. Gerade auch die letzten beiden Alben, auf denen sich die im derben Post-Hardcore wurzelnden Musiker auf einmal in Richtung Düster-Americana oder sowas ähnlichem weiterentwickelt hatten, um dann zuletzt noch mal bei völlig geilem Noiserock/ Industrial-Blues rauszukommen.
"Decayed..." ist eine 15 Tracks umfassende Sammlung von Album-Outtakes, Split-Beiträgen oder sonstwie anderweitig verbratenen oder zuvor unveröffentlichen Songs, die ich als Nachschlag zu ihrem bisherigen Schaffen in ganzer Breite gerne mitnehme.



v.a.: Grindcore Tribute to Ramones - 1, 2, 3, 4, BLAST!
25 Bands aus der ganzen Welt nehmen sich im Grindgeballer-Modus der unkaputtbaren Songs der Rumpelrock-Legende an.
Die bekanntesten Beteiligten dürften TOTAL FUCKING DESTRUCTION sein.


Re-Releases:  

C.3.3. - Ballad of Reading Gaol: The Cacophonietta
Als Ableger seiner Hauptband Test Dept. zeigte sich der britische Industrial-Pionier Paul Jamrozy unter dem Projektnamen C.3.3. beeinflusst durch Oscar Wilde's "Ballad of Reading Gaol".
Cold Spring hat davon diese Woche eine Remaster-Version
mit zwei Bonus-Tracks der ursprünglich 2011 schon mal veröffentlichten CD am Start.

QUI w/ TREVOR DUNN s/t
Eine primär bei Shows verkaufte Vinyl-Version von diesem Teil existiert wohl schon seit Sommer letzten Jahres, aber mit der CD-Veröffentlichung dieser Woche wurde es dann auch mal in den digitalen Äther geschickt: 

Das LA-Noiserock-Duo QUI hat sich auf diesem Relase nicht nur von Bassvirtuose TREVOR DUNN (natürlich u.a. durch Mr. Bungle und Fantômas bekannt) unterstützen lassen, sondern bei einem Cover von Captain Beefheart And His Magic Band’s ‘Ashtray Heart‘ auch gleich noch eben von King Buzzo und Kevin Rutmanis.


Nicht gänzlich uninteressant dürfte ferner sein, dass auf dem australischen Label SORCERER RECORDS gerade Reissues von "LUBRICATED GOAT Plays The Devil's Music" und GRIFTERS' "So Happy Together" raus sind.
 
Und sonst noch?

Tartarus Records haben diese Woche ein Tape der von 80er-Pop und Black Metal beeinflussten Punks HEAVY NATURAL am Start, mit jemanden der Dead Neanderthals

CHARLIE LOCKER, den man u.a. von Psalm Zero oder ehemals Extra Life kennt, veröffentlicht diese Woche ein Soloalbum mit Orchester-unterstütztem Spezialisten-Pop. 


Bei Tankcrimes kommt 'ne 7" von FUCKED UP raus, dessen A-Seite eine Coverversion von The Train Spotters' “High Rise” ist.

Wem das bis jetzt zu wenig "Metal™ \n/" gewesen sein sollte, der könnte mal das neue Album der kalifornischen Black/ Doom Metaller BARREN ALTAR checken. Mit stilistisch völlig überladenem Krächzgrunzknüppel-Kram, der sich bei aller Unentschlossenheit, in welche Richtung man denn zwischen Blastbeat-Geschrote und Funeral-Leads noch so gehen könnte, regelrecht im Melo-Death oder sowas ähnlichem verzettelt, kann man mich wiederum dieser Tage allerdings eher jagen… 

Einen “Mein Gott, bin ich alt“-Moment kann man sich dann auch noch damit vor Augen führen, dass der Sohn von Hardrockopa Alice Cooper jünger als man selbst ist und diese Woche das Debütalbum seiner Band CO-OP raushaut.

Dienstag, 12. Juni 2018

New Old Heroes of Noiserock (3): BC35, Excop, New Old Skull...

[ARGH! Ganz großes ARGH! Ich hatte diesen Blogpost in sehr ausführlicher Form schon zu ca. 2/3 fertig, da schlug die Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie aka "der Bundyfluch" mal wieder zu und er war auf ein mal weg und nicht mehr wiederzuholen…
Natürlich ist damit auch die Motivation noch mal weit ausholend anzusetzen völlig pfutsch, aber rauskriegen will man ihn ja dann trotzdem noch irgendwie. Also macht man den Kompromiss einer geraffter runtergehackten Kurzfassung.]


Das BC Studio, in Brooklyn, New York (ursprünglich unter dem Namen OAO Studi in Zusammenarbeit mit Bill Laswell und  Brian Eno gegründet), feierte in diesem Jahr das 35jährige Bestehen mit einem speziellen Album und einem Live-Event.

Studiobetreiber Martin Bisi, der schon Bands/ Künstler wie Sonic Youth, Swans, John Zorn, Helmet, Unsane, Cop Shoot Cop, White Zombie, Boredoms, J.G. Thirlwell und den Herbie Hancock Hit "Rockit" produzierte, lud alte wie junge Weggefährten zu sich ein, um mit ihm oder untereinander zu jammen.
Das Ergebnis ist unter dem Namen "BC35: The 35 Year Anniversary Of BC Studio" auf dem italienischen Label Bronson Recordings veröffentlicht worden.

Die Songs, bei denen Bisi selbst mitwirkt, sind dabei gerne mal sowas wie noisig-krautrockige Psychedelic-Jams.
Bei 'Nowhere Near The Rainbow' machen dann z.B. der berüchtige Stu Spasm (Lubricated Goat) und Bob Bert (war mal bei Sonic Youth) mt, bei "Denton's Dive" trommeln mit Phil Puleo (Swans, Cop Shoot Cop) und Rich Hutchins (Live Skull) gleich zwei Schlagzeuger und das epische "The Animals Speak Truth" wartet u.a. mit Paul Wallfisch und seinem auch von den Dresden Dolls bekannten Botanica-Schlagzeuger Brian Viglione auf.

Zu den weiteren Highlights gehört dann u.a. auch noch die Spaghetti-Western-Flair versprühende Kooperation von J.G. Thirlwell (alias Foetus, "Venture Bros." Soundtrack usw.) und Dana Schechter (Bee & Flower, Insect Ark, Gnaw).

Sowas wie eine kleine Sensation sind allerdings zwei Reunions, die in diesem Zuge stattfanden:
Unter dem Namen NEW OLD SKULL hat sich eine Besetzung der ursprünglich 1982–1990 aktiven New Yorker Noiserocker Live Skull wieder zusammengetan.
Inkl. Videosingle und Live-Performance, mehr
soll noch folgen...



Und dann hätten wir ferner noch EXCOP, ein Zusammenschluss der einstigen Cop Shoot Cop-Mitglieder Jim Coleman, Jack Natz und Phil Puleo, unterstützt durch Algis Kizys (u.a. Ex-Swans).
Die "BC 35"-Nummer "What A Jerk" rumpelt herrlich…


…und auch hier wurde die Performance beim BC-Jubiläumskonzertabend für den Rest der Welt festgehalten: