Montag, 15. Januar 2018

Seven That Spells - The Death And Resurrection Of Krautrock: Omega

Jaaaa, sie ist da! Schon einen Monat vor dem physischen Release via Sulatron Records gibt’s SEVEN THAT SPELLS‘ „The Death And Resurrection Of Krautrock: Omega” auf Bandcamp!


Dem Vorgänger „The Death And Resurrection Of Krautrock: IO” hatte ich vergangenen Herbst ja noch ein Loblied gesungen.
Auch wenn ich normalerweise kein Typ bin, der besonders auf… na sagen wir mal Eigenschaften an Musik abfährt, die ich eigentlich schon ziemlich in der nicht nur positiv konnotierten Schublade „Prog“ verorten würde, so ist‘s bei „..IO” ja tatsächlich die Kombination aus klanglicher Transparenz, musikalischer Finesse und ungeniertem Spieltrieb, die gehörig ansteckt. 


Auf den Nachfolger „(…) Omega” war ich doppelt gespannt, denn die kroatische Band konnte dafür Blake Fleming auf den Schlagzeughocker setzen, bekannt durch die Noiserock-/ Mathcore-Überband Dazzling Killmen und deren etwas postrockigere Nachfolgecombo Laddio Bolocko, sowie u.a. auch noch durch Episoden als Drummer von The Mars Volta oder Zeni Geva


Was mir an „
Omega” abseits der in der Tat megageilen Schlagzeugarbeit so auffällt?
Z.B. dass die Gitarrenarbeit des Titeltracks schwer was von 80er-King-Crimson hat. Und dass die Band ihre verspielten und härteren Seiten dieses mal noch besser mit dem psychedelischen Sog und meditativem Mantra-Gesangverwoben hat.  

Vor allem aber, dass ich „The Death And Resurrection Of Krautrock: Omega“ schon nach nur 2-3 Durchläufen ja doch ziemlich großartig finde! 

Freitag, 12. Januar 2018

Drunk In Hell – s/t

Nach dem SciFi-Punk-Thrash von Expander und dem Noisey-Post-Hardcore von Bad Breeding hier noch ein weiteres Album aus der Kategorie „als es letztes Jahr rauskam wollte ich es irgendwie übersehen, aber gehört werden sollte es dann ja doch mal auf jeden Fall“:


Das Übersehen fiel mir irgendwie leicht, weil ich den Bandnamen wohl einfach zu bescheuert fand und beim inflationär damit in Verbindung gebrachten Begriff Sludge sowas wie den nächsten uninspirierten SloMo-Tiefton-Bollodoom-Klon befürchten wollte, doch zu meiner positiven Überraschung ist die über das Roadburn-verbandelte Label Burning World Records rausgekommene selbstbetitelte von DRUNK IN HELL ein ganz anderes Kaliber!
Jene klingen nämlich eher wie eine noch etwas brutalere und brachialere, aggressiver treibende Variante der Brainbombs. 
Regelrecht stumpf-monoton, asozial-macho-rüpelhaft, so kaputt als hätten sie Upper und Downer gleichzeitig intus - aber dieses überspitzte Flair ist dann eben auch genau der raue Charme, der an „Drunk In Hell“ besticht.  
Was den Sludge betrift: Okay, ja doch, die Feedbacks, die punkige Simplizität, der in der Luft liegende Irrsinn kurz vorm eigenen Kopf gegen die Wand schlagen und zähe Groover wie 'Born Sick' rücken es schon ziemlich in die Nähe von EyeHateGod.
Und wenn ein Mittelding aus Brainbombs und EyeHateGod nicht exakt genau das ist, was diese kranke Welt verdient hat, was dann?



Mittwoch, 10. Januar 2018

Bad Breeding - Divide

Fluch und Segen des Internets ist für den Musiknerd heutzutage, dass man nicht nur sehr unkompliziert direkt  in sehr vieles reinhören kann, sondern – je nach eigener Mediennutzung – auch von außen auf so einiges gestoßen wird, in das reinzuhören sich für einen lohnen könnte.
Auf der Liste der 2017er Veröffentlichungen, die ich mal checken sollte, hatte man mir kürzlich auch noch das zweite Album der britischen BAD BREEDING geschrieben…


…und war ich beim ersten Song zunächst noch einen Hauch skeptisch, gefiel mir „Divide“ je länger es lief schon bald tatsächlich immer mehr.
Die Band aus Stevenage (zwischen London und Cambridge) pendelt mit ziemlich rauem Flair zwischen rasant nach vorne stolperndem Rumpel-Punk, der fast schon Crust-Charakteristiken zeigt und schunklig stampfendem Weirdo-Noiserock, der an AmRepper wie Cows erinnert (‘Leaving‘). Sie zeigen sich genauso vom stoisch-maschinellen Trieb und den krachigen Schrägheiten früher Killing Joke (und dem entsprechenden Anhauch von Industrial) beeinflusst, wie sie auch gerne mal in sowas wie eher chaotischen Post-Hardcore verfallen (z.B. bei 'Anamnesis').
Krass cooles Teil!

Man muss schon sagen – das Vereinigte Königreich hat an jüngeren Rock-/ Punk-Bands der spezielleren und härteren Natur im Moment ja echt einiges zu bieten, wenn man BAD BREDING mal in eine Reihe mit u.a. Bruxa Maria, Cattle, Gnod, Thank usw. stellt. Sie dürften nur auch alle mal öfter runter aufs mitteleuropäische Festland kommen…


Dienstag, 9. Januar 2018

Dieser Tage raus

Neues Jahr, Neuerscheinungen, Noise…

AFGRUND - The Dystopian
Das Jahr beginnt rasant, denn als erstes hauten die Grindcoreler AFGRUND ein neues Album raus, und jetzt wird’s kompliziert: Aktuell sind AFGRUND doch wieder eine in Skandinavien beheimatete Band mit dem Line-Up Andy, Pat und Panu (wie auf dem 2007er Album „Svarta Dagar“), im Gegensatz zu den zwischendurch als italienisch gehandelten AFGRUND, die aus Enrico, Armin und Eugene bestanden (von denen das 2013er „Corporatocracy“ unter gleichem Bandlogo stammt).
Sachen gibt’s manchmal…



BLACK MECHA - Counterforce 
Das schwerpunktmäßige Metal-Label Profound Lore, das immer wieder einen guten Riecher für interessante Sachen beweist, hatte das vergangene Jahr ja schon mit Elektronik beendet (Prurient) und eröffnet das diese auch wieder ungewöhnlich: BLACK MECHA ist nämlich ein Projekt des Kanadiers Sean B. Campbell alias Fortress Crookedjaw (auch Wold), das sowas wie eher seltsamen Techno macht.

BLOWN OUT - Jet Black Hallucinations 
Drei lange Jam-Songs instrumentalen Psych-/ Spacerocks eines Powertrios mit Mitgliedern von u.a. Bong, 11Paranoias, Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs (ja, die heißen so) und Khünnt.
Ist das eigentlich ein Original-Coverartwork oder irgendwie aus „Mission To Mars“ oder sowas?



BOOT BUTTON – No Symmetry
Neues von der seltsamen “Queer Anti-Music”-Band aus Buenos Aires. Das Album “No Putty” fand ich persönlich letztes Jahr ja irgendwie nicht ganz so spannend wie die vorangegangenen Veröffentlichungen, die deutlicher als Sammlungen von Proberaummitschnitten gehandelt wurden, worum es sich bei den vermeintlichen regulären Alben aber wohl genauso handelt, denn auch „No Symmetry“ wird uns ‘Live from the dungeon‘ präsentiert.
Die sieben Tracks davon ziehen die Noise-Kante bzw. den Industrial- und Grind-Spirit noch mal gewaltig an und werfen den übersteuerten LoFi-No-Wave-Doom der Band damit weiterhin über die Grenze zu ohrenfeindlichen „ist das noch Musik?“-Gefilden.
Mehr denn je gilt hier: Vor allem wer die frühen Swans, die frühen Neubauten, die frühen SPK, Skullflower, Merzbow und neben Khanate u.ä. auch Godflesh-Ableger wie Greymachine und Valley of Fear mag, der ist hier richtig. Alle Anderen suchen mit zugehaltenen Ohren das Weite.



DOS - Familiar Ancestor / Garlands
Den Londoner Daniel O'Sullivan kennt man durch sein Mitwirken bei u.a. Sunn o))), Ulver, Guapo, Æthenor oder This Is Not This Heat

Sein letztjähriges Solo-Album „Veld“ ist bei mir ein bisschen durch’s Raster gefallen, aber das kann man ja aus dem Anlass nachholen, dass gerade zwei Outtakes davon unter dem Alias DOS via Bandcamp rausgebracht wurden:


EMPUSAE - Retinae Tenebrae Live @ Maschinenfest 2017
Die Information steckt bereits im Titel: Die belgische Ambient-Band EMPUSAE aus dem Umfeld von Consouling Sounds und Ant-Zen hat eine zwanzigminütige Live-Aufnahme vom letztjährigen Maschinenfest in Oberhausen zu bieten:


GATES - A Mask Hidden In Memory 
Neuer Release des Noise-/ Drone-/ Jazz-Projekts GATES, dessen letztjähriges „Viscera“ ich gar nicht mal so verkehrt fand, aber inzwischen mal wieder schon nicht mehr so ganz mitkomme, was das Ensemble aus Toronto weiterhin so alles treibt, denn seitdem kamen noch ein paar weitere Veröffentlichungen.
Dazu passt dann auch irgendwie ganz gut ins Bild, dass Aidan Baker „A Mask Hidden In Memory“ mit einem Remix abrundet, denn bei dessen Schaffen hat man ja längst den Überblick verloren…



HI FICTION SCIENCE – Red Madder
Aus dem Umfeld des mehr aus brauchbaren britischen Psych-/ Noise -/ Kraut-/ Post-Rock- Labels Rocket Recordings stammen HI FICTION SCIENCE aus Bristol, die ihre Musik auf der eigenen Facebook-Seite als Mischung aus „Acid Folk, Kraut/Artrock, Post-Punk and Electronica“ bezeichnen.
In der Tat zeigt „Red Madder“ eine gewisse Bandbreite verschiedener Gangarten - die Band um Sängerin/ Gitarristin Maria Charles bleibt dabei allerdings oft in eher „ohrenschmeichelnd“ klingenden und relativ Song-orientierten Regionen, als den Weg zu völlig abgepfiffenen oder härteren Richtungen einzuschlagen.


HIRS / GODSTOMPER Split
Ehrlich gesagt weiß ich hierrüber bisher lediglich, dass  es sich bei HIRS um sowas wie derbe ballende Queercore-Aktivisten handelt, die Melt-Banana als musikalischen Einfluss angeben und dass diese Split-Veröffentlichung drei Jahre in der Mache war, eigentlich Mitte Februar als offizielles Erscheinungsdatum gehandelt wird, aber man das Ganze auch schon jetzt via Bandcamp bekomm
t.


HUMANITY IS A CURSE - Raging for a Lighthouse
Der Captain-Obvious-mäßige Bandname ist natürlich auch so’n bisschen naja, aber bei HUMANITY IS A CURSE handelt es sich nichtsdestotrotz um ‘ne vielversprechende Neocrust-Truppe aus Berlin.
Offiziell kommt „Raging for a Lighthouse” kommende Woche raus, aber bei Bandcamp gibt’s das Teil auch schon jetzt.



WARMDUSCHER – Big Wilma
Eine neue Single der britischen Band mit dem deutschen Namen hätten wir auch noch.
Darauf gibt's ein mal rasanten Rumpelrock und auf der B-Seite billig anmutende Plucker-Elektronik.
Ja, das ist dieses „New Weird Britain“, von dem einige Blogs reden und das den Brexit umso bedauerlicher scheinen lässt…

Freitag, 5. Januar 2018

Zwei Singles…

Ehrlich gesagt bin ich ja gar nicht so der Freund von Kleinformaten. Siebenzöller oder Digitalveröffentlichungen von nur 1-2 kurzen Songs sind meistens irgendwie nicht so meins, eine EP von 3-4 Nummern oder ein zehnminütiges Epos von Song sollte es bei meinen Hörgewohnheiten schon zumindest sein. Havin‘ said that…

27 - Innocent Lovers
Ich war überrascht und erfreut zu lesen, dass es 27 noch gibt – die „Indie/ Dark Pop/ Postrock“-Band von Cave In-Gitarrist Adam McGrath, die vor gefühlten hundert Jahren die eine oder andere Veröffentlichung über Hydrahead oder Relapse rausbrachte, ferner eine sehr coole gemeinsame CD mit den inzwischen auch längst schon wieder aufgelösten Prog-/ Post-Metallern Twin Zero.
Über Mind over Matter Records erscheint heute diese neue 7“ und Digital-Single mit einem neuen und der neuen Version eines alten Songs.



GEWALT - Wir sind sicher (Preorder)
Außerdem: Bei This Charming Man kann man ab morgen (Samstag, 06.01.) die neue Single von GEWALT vorbestellen, die offiziell Ende des Monats erscheint.
Dann vielleicht auch noch bei Bandcamp.
 

Donnerstag, 4. Januar 2018

Expander – Endless Computer

Man kann es als Wasser auf meine Mühlen werten, dass um den Jahreswechsel Albumbestenlisten aufzustellen u.ä. per se ziemlicher Humbug ist, denn am 03.01. flattert mir der Hinweis auf ein im vergangenen Sommer veröffentlichtes Album rein, bei dem ich mich ja schon so ein bisschen frage, warum es in der Metal-Blogosphäre keine größeren Wellen geschlagen hat (vielleicht schenke ich dieser heutzutage allerdings auch einfach zu wenig Aufmerksamkeit)…


Bei einer Band, die mir als „Voivod meets Jesus Lizard in a dark alley“ nahegelegt wurde, wollte sich nämlich schon im Vorfeld fast das Messer auf
klappen.
Wobei die Jesus-Lizard-Sache dann mehr als streitbar ist, der Voivod-Vergleich jedoch mitnichten,
auch wenn man diesen ebenfalls nicht überbewerten sollte.
EXPANDER ähneln mit der einen oder anderen Schrägheit in Gitarrenarbeit und Songwriting, sowie einem augenzwinkernden SciFi-Image, musikalisch wie thematisch schon ein bisschen den Früh- und Mittachtziger-Werken der kanadischen Originale, bleiben von dort aus allerdings straight auf der Punk- und Thrash-Schiene (Toxic Holocaust, Iron Reagan, Power Trip und co. lassen grüßen), anstatt ‘ne Weiche Richtung Prog anzupeilen.
Von EXPANDER darf
man wohl keinen Pink-Floyd-Coversong erwarten, sondern eher einen von Discharge.
Die Vocals kann man dabei u.U. etwas ausbaufähig finden (ich find sie okay), der beachtliche Energiepegel des Ganzen steckt allerdings wirklich an.


Hätte ja selbst nicht gedacht, dass ich das schon Anfang 2018 noch mal über eine Nietenarmbad-Rumpel-Metal-Band sage, aber die möchte ich ja tatsächlich gerne mal live sehen!

Wieder mal haben Nuclear War Now! Productions – ironischerweise ein Label, in dessen Fan-Demographie sich eine beachtliche Zusammenrottung völlig dumpfer Troglodyten-Trolle und ideologischer Geisterfahrer tummelt, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben möchte – eine wirklich interessante Baller-Band hervorgekramt, die sich ein bisschen aus dem Genre-Einheitsbrei hervorhebt. Muss man Betreiber Yosuke Konishi echt lassen!

Mittwoch, 3. Januar 2018

2017 noch raus…

Das Internet hat noch zwei kleine Veröffentlichungen in meine Aufmerksamkeit gespült, die kurz vorm Jahreswechsel auf die Welt losgelassen wurden:

THE HAND – Vol. 4
Um direkt das geflügelte Stichwort dranzuheften: Noiserock aus Minneapolis! Und das im Übrigen mit einem Who-is-who-Line-Up: Gitarrist/ Sänger Zak Sally war mal Basser der Indierocker Low und der kurzlebigen Enemymine (letztere außerdem mit GodHeadSilo’s Mike Kunka), Basser Dale Flattum kennt man von Steel Pole Bath Tub und Drummer Shawn Walker ist außerdem mit Gay Witch Abortion aktiv.
Als THE HAND machen die drei zusammen Musik, die sie weitgehend live einfangen und via Bandcamp raushauen. Es gibt kleinerlei Pläne für ein „reguläres Album“ oder ausgedehnte Touren, sondern einfach nur drei alte Männer, die für ‘ne Weile gemeinsam ihren Spaß an krachiger Rockmusik ausleben und den einen oder anderen Dollar, den jemand für einen Download rübertun mag, dann sogar mitunter an gute Zwecke spenden. Jene, die den Trumps dieser Welt eher ein Dorn im Auge sind.
Unnötig zu erwähnen, dass die roh-punkige Rockmusik der drei Könner dem geneigten Connaisseur ziemlich gut reingeht! 



PLAGUE – s/t
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wo die anscheinende Einmann-Band (?) PLAGUE und das Netz-Minilabel „Dark Noiz“ (echt jetzt?) auf ein mal herkommen (scheinbar aus dem Umfeld der hessischen Antifa-Black-Metal-Jungspunde Brache?), aber auch wenn dieses Teil mit seiner Mischung aus (u.a.) atmosphärischen Doom-Parts und relativ trockenen BM-Blast-Attacken mitunter etwas chaotisch anmutet, so ist dennoch ein gewisses Potenzial und Talent aus der Chose rauszuhören, deren dissonanten Akzente und wirklich derb gerifften Momente das Ganze von den vielen Deafheaven-geklonten Blackgazern da draußen dann ja doch angenehm abheben… 

Von daher: Weitermachen!