Dienstag, 21. November 2017

Dieser Tage raus (KW47)

dIIVA - Sol
Öfter mal was neues? Dem Schweizer Label Division Records und der Szene drumherum kann man ja eigentlich eine gewisse Vorreiterrolle im Feld Sludgecore und Post-Metal, sowie generell Metal/ Hardcore der etwas spezielleren Art zugestehen. Namen wie z.B.  Knut oder Zatokrev (oder an späteren Signings auch Rorcal) sprechen für sich.
(Außerdem übernahm man 2006 mal den Europa-Vertrieb einer „Scattered, Smothered, Covered / AmRep Christmas“ Wiederveröffentlichung, was ihnen bei mir natürlich ganz dicke Extrasympathiepunkte einbrachte.)
Irgendwie hat das Label bisher allerdings scheinbar nie so richtig auch überregional die Anerkennung erfahren, die es eigentlich verdient, weswegen ich immer wieder gerne eine Lanze für Division Records breche.
Diese Woche erscheint an besagter Adresse das Album von dIVA, die sich dem Trip Hop nach Portishead-Art verschrieben haben. Und sowas mag ich ja ebenfalls durchaus!
(Bandcamp:
music-diva.bandcamp.com)



GAY WITCH ABORTION / THE GRASSHOPPER LIES HEAVY Split
Warum Learning Curve Records den Release dieser Split bei Bandcamp auf den Sonntag datiert haben, weiß ich ebenso wenig wie irgendwas über THE GRASSHOPPER LIES HEAVY, wenn ich mal ganz ehrlich bin, aber GAY WITCH ABORTION finde ich grundsätzlich ganz witzig!
Jene haben nämlich nicht nur schon Veröffentlichungen über AmRep und Jam-Tracks mit Hazelmyer himself in der Vita, sondern ihre etwas krude, in verschiedene Richtungen ausschlagende Weirdo-Mixtur aus Rock’n’Roll und völligem Noise macht wirklich Bock.



KRALLICE - Go Be Forgotten
Nach ihrem Kooperations-Album mit NeurosisDave Edwardson letzten Monat hauen die New Yorker Prog-Black-Metaller KRALLICE jetzt auch schon wieder die nächste reguläre raus.
Und ich bleibe dabei: Die sind wohl einfach nicht meine Band. Black Metal mag ich vor allem atmosphärisch und/ oder von besonderer Räudigkeit, aber KRALLICE sind keins von beiden, sondern so eine irgendwie eher wenig mitreißende „brave Jungs, die richtig gut spielen können“-Metalband…



MILKILO – Atlas
Eine Zusammenarbeit mehrerer Label (hierzulande Wooaaargh) veröffentlicht das Langespieldebüt von MILKILO, einem französischen Bass- und Schlagzeug-Duo, das dabei schon eine Weile unterwegs ist und u.a. Krautrock-Einflüsse und durchdachte Kompositionen genauso in seinen Stil einarbeiten will, wie Ausbrüche noisigem Sludge-Krawalls:

 

SHITSHIFTER - Pyre
Zumindest digital schon mal angekündigt war das Teil eigentlich schon länger, aber LP/ CD kommen via Per Koro doch erst diese Woche: SHITSHIFTER aus Ostwestfalen sind schon ein ganz anderes Kaliber als ihre Vorgängerband Nvrvd, denn anstatt auf sowas wie Post-Hardcore mit Prog-Ambitionen setzt man nun eher auf Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Zerstörungskraft und einen HM-2-lastigem Sound, und es wird Grind/ Crust/ Sludge nach dem Motto "Hail the Riff", aber auch mit dem nötigen Maß an Köpfchen und Facettenreichtum geboten.
„Mächtig“ und „international konkurrenzfähig“ nennt man sowas wohl.



SIGNO ROJO - Svårfödd
„Next Generation Metal“: Beeinflusst von u.a. Neurosis, Melvins, Mastodon, Baroness, Callisto, Isis, Kylesa, High on Fire, Kongh und co., wollen diese Schweden einer Mischung aus Sludge-Punk und Doom-Metal fröhnen.
Am 24.11. wird es das Album „Svårfödd“ bei Bandcamp zum kostenlosen Download geben und die Single ‘They Sell Conflict‘ kann man auch jetzt schon audiovisuell bestaunen:



UR – Grey Wanderer
Die Leipziger/ Dresdener „Psycheldelic Doom/ Post-Metal“-Band UR veröffentlicht diese Woche ihr zweites Album auf dem Hamburger Label Droneburg Records.
So richtig viel weiß ich darüber nicht, kann an dieser Stelle aber immerhin auch dazu ‘n Videoclip teilen:



Und sonst noch?

BUTTHOLE SURFERS - Locust Abortion Technician (30th Anniversary Reissue):

Diese Woche erscheint zum dreißigjährigen vom legendären “Locust Abortion Technician” Album der Weirdo-Kings BUTTHOLE SURFERS ‘ne Remastered Special-Edition als 10“, welche bei der Band der selbst schon ausverkauft ist, aber es gibt wohl noch ein paar Exemplare über amazon.com oder diverse Mailorder.
(Gab es dabei nicht sogar vor ein paar Jahren noch eine Remastered-Wiederveröffentlichung auf zwölf Zoll auf dem Band-eigenen Label? Muss man wohl mal wieder nicht wirklich alles daran verstehen…)

MAGMA Retrospektiw (3LP Collection): Ja, die sonst eigentlich mit ganz anderen Kalibern schießenden Southern Lord hauen eine 3er-LP der französischen Prog-Unikate MAGMA raus, 1500 handnummerierte Exemplare. Dabei handelt es sich, Kenner werden’s wissen, um eine gebündelte Wiederveröffentlichung der beiden Live-Alben „Retrospektïẁ (Parts I+II)“ und „Retrospektïẁ (Part III)“ von Anfang der 80er.
Die Frage, ob Drummer und Mainman Christian Vander nicht vielleicht doch völlig spinnt, wird dadurch natürlich noch nicht geklärt, aber in diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht mit einsteigen.


Die spanischen SKULLFUCK, eine eigenwillige Instrumentalrock-/ Experimental-Formation mit Freejazz- und Noise-Tendenzen, haben eine neue Live-Veröffentlichung am Start.


STEVE MOORE (auch Zombi) hat mit „Mayhem
mal wieder ‘n Filmsoundtrack gemacht, der bei Relapse rauskommt.  

Zugegeben: Auch wenn ich immer wieder gerne mal anmerke, dass in der Ecke solcher Label wie Iron Bonehead, NWN, Hell’s Headbangers oder eben Invictus Productions nicht nur verhallt inszeniertes Ultratrve-Patronengurt-Dilettantgerumpel geht, sondern man dort zwischen all dem Klischeekram mit Nietenarmbändern durchaus auch originelle und  packende, bis progressiv/ avantgardistisch angehauchte Bands entdecken kann (Aluk Todolo, Chaos Echoes, Khthoniik Cerviiks, Reverie, Verberis…), bin ich einfach sehr müde in Bezug auf diese insgesamt eben doch von ziemlicher Borniertheit und einfältigem Rocker-Stylegehabe geprägten Szene.
Was nicht heißt, dass es sich nicht trotzdem lohnen kann, in diese Ecke gelegentlich mal einen Blick zu werfen und Ohr zu riskieren. Diese Woche veröffentlichen Invictus z.B. mit APOLOGIETHIA’s selbstbetitelter und COSCRADTH’s „Of Death and Delirium“ mal wieder zwei Albem im Thrah-/ Death-/ Black-Metal-Feld, in die man vielleicht mal reinzuhören könnte.

Montag, 20. November 2017

Noch ein paar Sachen…

Die Überschrift „Resterampe“ ist mir jetzt selbst ein bisschen zu blöd geworden, und demnächst werde ich wohl auch mal wieder zu sowas wie (knapperen) Einzel-Reivews übergehen, anstatt alles in Sammel-Posts abzufrühstücken, aber hier noch mal ein paar diesjährige Veröffentlichungen, in die zuletzt reingehört wurde und die nicht unbeachtet bleiben sollen…

BATPISS – Rest in Piss
Die aktuelle Welle an frischem Krach aus Australien fand mit Juli mit der Veröffentlichung von „Rest in Piss“ einen gewissen Höhepunkt, denn in den Kreisen von Noiserockern und Underground-Lärmfetischisten schlugen BATPISS aus Melbourne mit ihrem schon dritten Album ganz gut ein!
Das Trio lässt sich wohl am ehesten in die Punk-Ecke einordnen, steht dort aber mit mindestens einem Bein am Sludge- und Noiserock-lastigen Rand des Genres.


HELPLESS – Debt

Für Freunde gepflegten Geballers mit leicht technischer, dennoch sehr krachiger Note gehören HELPLESS aus Plymouth zu den Sensationen des Jahres: 

Das Trio wird gerne mal mit Bands wie Dillinger Escape Plan, Norma Jean, Converge, Gaza, Cult Leader u.ä. verglichen – Ihr wisst also, was geht.


L.A. WITCH – s/t 
Ein bisschen ärgere ich mich ja nachträglich doch darüber, nicht hingegangen zu sein, als L.A. WITCH buchstäblich um die Ecke von mir live spielen, aber der Zeitpunkt war da für mich gerade kein günstiger.
Auch wenn Musik Richtung Psych-Punk/ LoFi-Garage zugegeben nicht sooo mein bevorzugtes Metier ist, so hat der verhallt inszenierte Rock der drei Mädels durchaus einen gewissen Charme.

 

POWERWAGON – s/t
Remember Killdozer? Personell mit besagter doomy Blues-Punk-/ Noiserock-Größe verbandelt waren auch mal die schon ’91 gegründeten POWERWAGON, die sich dieser Tage mit einem neuen, selbstbetitelten Album zurückmelden, das an die Zeiten erinnert, als die „Grunge“-Szene noch keine ins weinerliche driftende Stadionsache war, sondern von kernigerem wie Tad und Mudhoney geprägt wurde. 
Warum ihr letztjähriges Minialbum „Powerwagon II“ heißt, und ihre diesjährige Veröffentlichung „Powerwagon“ kann man dabei natürlich auch gerne etwas verwirrend finden…

   

SLOW DEATH – Hate Filled World 
Das Label Corpse Flower Records sollte man im Auge behalten! Schon die Bandzusammenstellung ihres Celtic Frost-Tributsamplers war mit u.a. den Horror-Stoner-Deathmetallern Acid Witch, den Noiserockern Child Bite, den Funeral-Doomern Evoken, und einem obskuren LoFi-Projekt mit Neurosis-Beteiligung mehr als geschmackvoll und mit dem Signing von SLOW DEATH beweist man definitiv ein ferneres Gespür für die coolsten Akzente in einer unüberschaubaren Szenelandschaft: 
Bei besagtem Quartett fanden sich nämlich Mitglieder von u.a. Cable und Disappearer zusammen, um ihre Vorlieben für straighten Extrem-Metal punkiger alter Schule, atonalen Noiserock und Horrorfilmreferenzen zu vereinen. 
Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, denn irgendwo zwischen rotzigem Asi-Rock’n’Roll, Grind/ Thrash/ Black Metal und dem einen oder anderen recht dissonanten Part überzeugen SLOW DEATH auf ganzer Linie. 
Wer sind eigentlich Midnight, Mantar oder Kvelertak? Das hier sollte in einer gerechten Welt als der aktuell hotteste Shit gelten!


SOUNDING – Trepanation
Machen wir’s mal so kurz wie ihre Songs sind: Bock auf Grindcore, der eher der punkigen Math-/ Noise-/ Chaos-/ Hardcore-Ecke entsprungen ist, anstatt sich am Death Metal anzubiedern? 

Dann dringend mal SOUNDING aus New Orleans checken!

Donnerstag, 16. November 2017

Let's Do It a Dada!

Tja, es war zugegeben nicht gerade ein Schnäppchen, sich die auf „Greatest Hits“-Tour befindlichen EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN im Duisburger Theater am Marientor in der dritten Reihe sitzend anzusehen, aber man lebt nur einmal, ich hatte schwer Bock drauf und hab‘s rückblickend auch null bereut…
 
Das ruhigere (aber tolle!) ‘The Garden‘ vom 96er Album „Ende Neu“ mag eine etwas seltsame Eröffnungsnummer für die kurz nach acht zunächst noch nicht in voller Besetzung auf der Bühne stehenden Band zu sein. Lauter wurd’s direkt danach allerdings mit dem nächsten schnell mal eben abgehakten Alt-Hit, dem unkaputtbaren Übersong ‘Haus der Lüge‘. 
 
Interessant an der allgemeinen Dynamik der neuzeitlichen Neubauten ist der Kontrast zwischen dem Rock’n’Roll-Urviech-mäßig rüberkommenden Alexander Hacke am Bass und dem schicker gekleideten und gesetzter wirkendem Rest der Band. Nicht nur rein optisch, denn man bekommt im Verlauf der Show immer mehr das Gefühl, dass der sehr agil performende Hacke dabei auch derjenige ist, der das Ganze zusammenhält und dirigiert, während Frontmann Blixa Bargeld nicht wirklich verstecken kann, die ganze Zeit eine kleine Fernbedienung für seinen Teleprompter in der Hand zu haben.
 
Nach dem eher nostalgischen Eröffnungsdoppel folgen jedenfalls erst mal eine Reihe Songs von Post-Jahrtausenden-Veröffentlichungen wie „Alles wieder offen“, „Perpetuum Mobile“ und „Silence Is Sexy“.
Man pendelt zwischen etwas lauteren Ausbrüchen und entspannteren Stücken.
Roadies sortieren immer wieder mal die Bühne etwas am, damit Perkussionist N.U. Unruh und Drummer Rudolf Moser auf selbstgebauten Instrumenten wie Plastikohren oder Metallschrott musizieren.
In ‘Von Wegen‘ rein wird auch mal eben ‘Halber Mensch‘ angetäuscht. 

Vor dem großartigen „Silence Is Sexy“-Hit ‘Sabrina‘ hat Blixa eine witzige Anekdote über dessen Entstehung parat, bei der der Name Detlev Buck fällt.
 
Man geht ein erstes mal von der Bühne, lässt sich zurückklatschen und nach ‘Ein leichtes leises Säuseln‘ knallt ‘Let's Do It a Dada‘ dann herrlicherweise mal so richtig, bevor es nach ‘Total Eclipse of the Sun‘ (auch einer dieser sehr tollen ihrer entspannteren Songs) ein zweites mal von der Bühen geht.
Auch zum Gesangsstück ‘Salamandrina‘ gibt’s beim Start des zweiten Zugabenblocks eine amüsante Anekdote, bevor als Schlussnummer ‘Redukt‘ paritell noch mal richtig schön kachelt.

Dass im Gegensatz zu anderen Tourdates von neulich der „Silence Is Sexy“-Titeltrack und ‘Die Interimsliebenden‘ vom meinerseits sehr geschätzten „Tabula Rasa“-Album fehlten ist bei einer fast zweistündigen Show wohl verschmerzbar.
Den USB-Stick mit dem Konzertmitschnitt zu holen habe ich mir verkniffen, da wir lieber die nächste Bahn kriegen wollten anstatt am Merchstand erstmal ‘ne halbe Stunde anzustehen.
Aber ich sach’s ganz offen: Wucherticketpreis hin oder her – es war ja doch ziemlich toll und ich würd’s wieder tun!

Mittwoch, 15. November 2017

Müllmauer

Tja, auch so kann’s gehen: Kurz hatte ich damit geliebäugelt, mir vielleicht mal die Instrumentalrocker And So I Watch You From Afar (deren selbstbetiteltes Album von 2009 ich nach wie vor immer wieder gern mal höre, allerdings ohne die Band danach groß weiterverfolgt zu haben…) in der altehrwürdigen Zeche Carl zu Essen anzugucken, aber das dann wieder verworfen und mich eher auf Wohnzimmerabend eingestellt. Dann jedoch wies mein Kumpel Hörmän ze Dschjörmän kurzfristig drauf hin, dass man im AZ Mülheim die japanische Krawallcombo WALL OF TRASH live begutachten kann, was man mir nicht zwei mal sagen musste. Bei jenen handelt es sich nämlich sozusagen um einen jungen Off-Shoot der kultigen Grindcoreler Conga Fury

Zunächst eröffneten GAES von irgendwo aus der Gegend den Abend.
Die teilweise die meiste Zeit mit dem Rücken zum Publikum agierenden Jungspunde fuhren ganz nettes Grind-/ Powerviolence-Gelärme mit derbem Gekrächze, Stockholm-Gitarrensound und EHG-mäßigen Feedback-Doom-Pasaagen auf und waren so zwanzig Minuten lang definitiv sehr unterhaltsam, auch wenn in den letzten fünf Minuten dann mal rigendwie ein bisschen die Luft raus war. Was mit daran lag, dass man von der Gitarrenarbeit über weite Strecken nur breiigen Lärm wahrnahm. Keine Ahnung, ob’s mit am Sound in der Location oder am Gitarristen selbst lag…
Außerdem lasse ich nur ungerne den spießigen alten Sack (der ich ohne Frage bin) raushängen, aber diesen Retro-Asi-Modestil der alternativen Jugend von heute kapiere ich ja nicht wirklich…

Danach dann die Japaner. WALL OF TRASH machen mit ihrem Thrashcore schon ziemlich Laune. Vor allem die kleine – im wahrsten Sinne des Wortes – Frontfrau Oden mit ihrer Stachelfrisur amüsiert und begeistert damit, permanent durch den gesamten Publikumsraum zu rennen und wirklich jeden mal anzubrüllen und/ oder anzurempeln und/ oder gar anzusprigen.
Es war für die kleine Runde Krachgeballer zwischendurch mit Exotenbonus jedenfalls wirklich ziemlich spaßig!

Dienstag, 14. November 2017

Dieser Tage raus (KW46)

Diese Woche heißt’s wohl eher mal Qualität statt Quantität, auch wenn der Ferner-liefen-Notizzettel auch schon wieder das eine oder andere zusätzlich interessante aufzeigt. Heute alles mal nach Relevanz anstatt alphabetisch sortiert…

GODFLESH – Post Self
Bei GODFLESH bin ich ja schon so ein bisschen Fanboy. Dass sich ihr neues Album wieder etwas mehr auf ihre elektronisch und postpunkigen Einflüsse berufen soll, anstatt primär nur die Metalriff-Kelle zu schwingen, damit kann ich ganz gut leben und irgendwie passt’s ja auch in den aktuellen (Underground-) Zeitgeist.



THE BODY & FULL OF HELL - Ascending a Mountain of Heavy Light
Die Gigadistortion-Sludger THE BODY und die Grindcoreler FULL OF HELL bündeln ihre Kräfte und gemeinsame Vorlieben für Harsh-Noise und Industrial-Lärm ein zweites Mal zu einem chaotischen Kollaborationsalbum.
Mit auf der Gästeliste übrigens: Brian Chippendale von Lightning Bolt!



DEATH TOLL 80K – Step Down
Grindcore aus Finnland auf Svart Records.
Ein Album, das ewig in der Mache war und dessen Cover keine Fragen mehr offenlässt. 

 

NO SISTER – The Second Floor
Dass NO SISTER aus Australien gerne mal mit Sonic Youth verglichen werden, dürfte u.U. auch mit der äußeren Erscheinung liegen, denn eine eigentlich schon plakativ-unprätentiöse Indie
™-Aura kann man nicht von der Hand weisen.
Ansonsten wird gerne auch mal der Begriff Postpunk rangezogen, man ist irgendwie kühl und poppig zugleich unterwegs. 


 
NORTHLESS - Last Bastion of Cowardice
Die Label Gilead Media und Halo of Flies teilen sich den Vinyl-Release des neuen Albums von NORTHLESS.
Jenen möchte man an Stiletiketten alles mögliche nachsagen, das irgendwie im Zeitgeist Sinn macht: An Sludge-Doom, Death Metal, Punk, Noise- und Postrock soll alles mit drin sein. Naja. Wer bösen Schlepptempo-Metal/-Hardcore mag ist hier aber wohl grundsätzlich nicht so ganz falsch.



Und sonst noch?

Auf Art As Catharsis erscheinen diese Woche mit BOLT GUN‘s „Man Is Wolf To Man“ und KURUSHIMI’s „Return 1: Kimon“ zwei neue Alben an modernem Düster-Prog (erstere) bzw. Noise-Jazz (zweitgenannte).  


“The Subervsive Nature of Kindness” von THOR & FRIENDS (ja, Thor Harris) dürfte mit eigenwilliger Minimalismus-Kammermusik ein ziemlicher Kontrast zu dem ganzen Lärm sein, der hier sonst so aufgelistet ist. 
Eine Bandcamp-Seite scheint’s leider nicht zu geben, einen Komplet-Stream kann man aber immerhin bei Brooklyn Vegan hören

Und wir haben auch noch THE BUG: Der wie immer viel raushauende Dub-Hero Kevin Martin hat diese Woche auch schon wieder was neues am Start

Vergangenen Freitag haben ULVER außerdem bei Bandcamp überraschend ‘ne Resteverwertung ihrer aktuellen Pop-Phase rausgehauen, inkl. Cheesy-Coversong


Wenn es dann auch mal wieder Ultratrve-Rumpel-Metal sein darf, haben 20 Buck Spin ein bisschen neues Black-Thrash-Geklöppel von DAEVA am Start


Die Isländer Black-Metaller SVARTIDAUDI haben ferner ’ne neue 7“-EP via Ván draußen und auf ihrer Bandcamp-Seite.
 

Eine digitale Wiederveröffentlichung von APARTMENT 213‘s "Cleveland Power Violence"  gibt’s diese Woche auf der Bandcamp-Seite von Magic Bullets Records.
Die weitere Resteverwertung "Collected Violence" erscheint an gleicher Stelle in der kommenden Woche.

Montag, 13. November 2017

[bolt] benutzt Strobos (Doppel-Release-Konzert in Duisburg)

Freitagabends in Duisburg: Im gemeinsamen Proberaum/ „Studiokomplex“ (ja, das kann man wirklich schon so sagen) luden MAGMA WAVES und [BOLT] semi-öffentlich zur gemeinsamen Record-Release-Show.
Als Gäste hat man VALERIAN SWING aus Italien mit am Start, die den Abend ca. halb neun eröffnen.

 
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, war mir der Stil des Trios schon einen Hauch zu proggy, etwas zu viel auf ein mal wollend, sich Song-mäßig ein bisschen zu unschlüssig zwischen ausuferndem Instrumental-Gedudel, Keyboard-Einlagen und Gesangspart mit Vocoder (oder sowas ähnlichem) verlierend, und der Drummer in Unterbuchse ist ein ziemlicher ShowOff-Typ - man muss ihnen allerdings dennoch doch mal recht neidlos attestieren in ihrem eigenen Ding auf einer Bandbreite von Postrock bis Prog-Metal voll aufzugehen, handwerklich Oberliga-mäßig unterwegs und insgesamt durchaus nicht gänzlich unoriginell zu sein.
Von daher war’s als Live-Begegnung durchaus mal ganz unterhaltsam!

Der Auftritt der Drone-Doomer [BOLT] findet danach im Nebenraum statt und startet mit einem langen Intro bei minimalster Beleuchtung.
Es kommt einer nach dem anderen der drei Bandmitglieder dazu. Das von ihrem neuen Album „(04)“ dargebotene Material steigert sich daraufhin, ewig lang arrangiert, von so etwas wie einem Abtauchen in minimalistisch-atmosphärische Postrock-Tiefen bis zu einem Black-Metal-beeinflussten Finale inkl. Blastbeat-Gewitter. Und zum Schluss ist die weitgehende Dunkelheit dazu dann auch einem Strobo-Dauerfeuer gewichen (weswegen auch ein Warnzettel im Vorraum hängt).
Sehr cool!

 
Die den Abend wieder im anderen Raum abschließenden MAGMA WAVES wiederum machen - und das meine ich am ehesten als so ‘ne Art von wertneutraler als wirklich kritisierender Feststellung – eigentlich Instrumental-Postrock nach Schema F. Von den stilistischen Mitteln fällt das Ganze halt nicht wirklich weiter auf, zumal genau sowas heutzutage auch zig andere Bands machen, aber die Darbietung ist knackig und kurzweilig, hat Atmosphäre und Energie. Kann man machen!
Es war auf jeden Fall
sehr nett bei Euch in Duisburg und hatte fast schon einen Hauch von Roadburn-Feeling...

Freitag, 10. November 2017

Kunst und so… (Yan Jun, Yorgos Dimitriadis, Membranes)

Der Name Mex steht für „intermediale und experimentelle Musikprojekte im Künstlerhaus Dortmund“. Eine Veranstaltungsreihe, die dieser Tage ihr 25jähriges verzeichnet.
Der Startschuss der Jubiläumsfeierlichkeiten fiel am vergangenen Donnerstag mit einer Künstlerzusammenstellung, die auch für Lärm-liebende Kulturbanausen wie mich sehr interessantes abwarf:

 
YORGOS DIMITRIADIS ist ein in Berlin lebender gebürtiger Grieche, der solo eine Schlagzeugperformance mit Elementen wie Kontaktmikros, auf dem Standtomtrommelfell vibrierendem Ding, Streichbogen u.ä.  kombiniert, und dabei eine Brücke zwischen dem schlägt, was man so als modernen oder Contemporary Jazz bezeichnet, und dem, was eigentlich schon in die Richtung geht, die Möglichkeiten eines Instrumentes in Richtung Noise auszuloten.
Zwischenzeitlich war sein reines Schlagzeugspiel von wirklich virtuoser und packender Natur, zu anderen Zeitpunkten seines Auftritts ging es aber mehr darum, Klänge von Fellen und Becken elektronikverstärkt wirken zu lassen.
Sehr cool!


Was mit MEMBRANES folgte, war dann allerdings ehrlich gesagt erstmal mehr so mittel. Zwei Typen an Laptops, an die eigens kreierte Gerätschaften angeschlossen sind, die  Bassdrumfelle (eben Membranen)  pluckern und rattern lassen, während LED-Screens dazu Buchstabenreihen ausgeben.
Es war zwischenzeitlich mal für fünf Minuten interessant, aber die volle halbe Stunde lang doch etwas langatmig und irgendwie pointless, zumal sich einem die immer wieder mal nicht wirklich vorhandene Synchronie der lautlichen und visuellen Aspekte des Ganzen, sowie eine etwaige Bewegung, Choreografie oder Komposition nicht so richtig erschließen wollte. 


Zum Schluss erstaunte dann allerdings YAN JUN mit einer klanglich über weite Strecken eher subtilen Performance aus Geräusch und Bewegung. 
 
Der Chinese lässt eine wie genau auch immer geartete Gerätschaft auf den Raum, auf seine Bewegungen (er führt wirklich einen ziemlichen Ausdruckstanz auf), auch mal seine Stimme oder einem rütteln am Tisch, auf dem die Technik steht mit entsprechendem Fiepen, Rauschen und Brummen reagieren.
Während eine lautere Soundwall-Passage aus den Boxen vibrierend im Raum steht setzt er sich auf einen Stuhl im Publikum, um dem selbst für einen Moment ruhig zu lauschen, nur um kurz später das, was er selbst als „eher Breakdance als Tai Chi“ bezeichnet, fortzusetzen, bis die Darbietung Decrescendo-mäßig zum Ende kam.
Tatsächlich interessant, kurzweilig und mal was anderes!