Sonntag, 17. Februar 2019

Vor 25 Jahren: Peak Black Metal

Heute vor einem Vierteljahrhundert erschien DARKTHRONE’s "Transilvanian Hunger"!



Sicherlich lässt sich drüber streiten, was das „wichtigste“ oder irgendwie „signifikanteste“ Album des sog. 2nd-Wave-Black-Metal sein mag. Was ich auch gerne den peniblen Szenepolizisten und Subgenre-Exklusivverstehern überlasse.
Fakt ist aber: Sieht man davon ab, dass die inzwischen Hollywood-verfilmten Begebenheiten in Norwegen ihren tragischen Höhepunkt
im August 1993 fanden, als  Mayhem’s Øystein "Euronymous" Aarseth von Varg Vikernes alias Mr. Burzum umgebracht wurde, ist 1994 im Geschichtsbuch dieser Szenebewegung das wohl in musikalischer Hinsicht interessanteste und fruchtbarste Jahr.

Nehmen wir allein noch mal eben "Transilvanian Hunger": Irgendwie ja schon das DARKTHRONE-Album schlechthin, das mit seinem atmosphärischen LoFi-Ansatz die Blaupause lieferte, ohne die auch postrockiger Hipsterscheiß wie Deafheaven mutmaßlich nicht klingen würde, wie sie klingen…

Was die ursprünglich death-metallischen DARKTHRONE auf dem 92er Übergangsalbum "A Blaze in the Northern Sky" angefangen und auf dem 93er "Under a Funeral Moon" als bewusste Verdummung der eigenen Musik konsequent weitergestrickt hatten, gipfelte Februar 1994 in dem ersten DAKRHTRONE-Album, das in der bis heute anhaltenden Duobesetzung Nocturno Culto and Fenriz entstand.
Die mitunter in rassistische Richtungen gehenden, heute unter bereuten Jugendsünden zu verbuchenden Provokationen und Skandale, die auch "Transilvanian Hunger" damals umgaben, lassen wir dabei (nur, um den Rahmen nicht völlig zu sprengen) jetzt mal außer acht. In seiner allgemeinen Ästhetik ist das Album - besonders was diese „stürmisch geschrubbten“ Riffs mit Melodiebogen auf Blastbeat-Drumming in einem etwas muffig-verwaschenen Soundgewand angeht - wirklich der Repräsentant schlechthin für genau das, was man heutzutage stilistisch mit Black Metal assoziiert.
 

Nur eine Woche später erschien mit EMPEROR’s Langspieleinstand "In the Nightside Eclipse“ ein weiterer essenzieller Klassiker dieser Ecke. 



Auch die Geschichte von EMPEROR war ziemlich skandalträchtig, begann ihr damaliger Drummer Bård Guldvik "Faust" Eithun, der auf diesem Album noch zu hören ist, bereits im August 1992 einen Mord aus nebulösen Gründen, für den er erst 1993 überführt und verhaftet wurde.
Musikalisch schlugen EMPEROR einen anderen Weg als Darkthrone ein, stellten die Weichen mehr auf musikalische Substanz und bombastische Anwandlungen, die sie auf folgenden Veröffentlichungen weiterentwickelten.

Im Frühjahr 1994 folgten makabererweise (weil mit Euronymous unter der Erde und Vikernes im Knast) dann noch das ebenfalls sehr signifikante MAYHEM-Langspieldebüt "De Mysteriis Dom Sathanas" - u.a. durch die eigenwilligeren Vocals eine Lehrstunde in Sachen musikalischer Hässlichkeit und mit seinen Hyperblast-Dauerfeuern eine weitere Deklaration heute gängiger Genre-Trademarks - und BURZUM’s "Hvis lyset tar oss", das ebenfalls weitreichende Einflüsse nach sich zog.



Weiterhin debütierten in der norwegischen Szene auch GORGOROTH 1994 mit "Pentagram", ENSLAVED schoben ihrem Debüt "Vikingligr Veldi" im gleichen Jahr noch das wichtige Zweitwerk "Frost" hinterher und SATYRICON waren mit "The Shadowthrone" am Start.
IMMORTAL, inzwischen schon lange eher 'ne Comedy-Nummer, befanden sich derweil gerade im Studio, um ihren ein Jahr drauf rauskommenden Klassiker "Battles in the North" einzuspielen.


Außerhalb Norwegens erschienen 1994 ferner das Debüt von CRADLE OF FILTH, die das Ganze künstlerisch auf eine andere Ebene hievten, irgendein Album von MARDUK, bevor die Schweden erst wirklich interessant wurden, auch irgendwas von ABRUPTUM, und mit "Suomi Finland Perkele" eines der bekanntesten (allerdings nicht unbedingt allerbesten) Werke der finnischen Schmuddelkinder IMPALED NAZARENE. Jene
brachten das Kunststück fertig, über die Jahre einerseits ihr Übriges dazu zu tun, immer wieder mal nationalistische oder homophobe Tendenzen als Teilphänomen des Black Metal aufzukochen, andererseits aber trotzdem auch in Richtung Assel-Punk G.G. Allin’scher Ausmaße nicht einfach nur zu schielen, sondern derartiges tatsächlich reell vorzuleben und dabei dann eigentlich auch eher mit dem versoffenen Derbst-Humor einer nihilistisch-anarchistischen Attitüde anzuecken, als wirklich irgendwie ernstzunehmende ideologische Geisterfahrer zu sein.



25 Jahre später haben die klanglichen und visuellen Stilmuster, die von besagten Bands etabliert wurden, die Musikwelt über verschiedene Subgenre- und Szene-Auswüchse hinaus nachhaltig geprägt. Black Metal ist heutzutage sogar immer wieder mal sowas wie ein schickes Popkultur-Ding, an dem sich vom Comiczeichner bis zum Modedesigner jeder mal irgendwie vergehen möchte und das als künstlerische Ingredienz bei avantgardistischen Soundscape-Experimentalelektronikern genauso auftauchen kann wie bei rabiaten Rumpel-Punks.
25 Jahre später sind DARKTHRONE, u.a. auch dank schwer selbstironischer Anwandlungen und Fenriz‘ Rolle als kauzig-knuddeliges Metal-Maskottchen, inzwischen interessanterweise sogar sowas wie der Everybody’s Darling geworden, auf den sich Trve-Metaller und Musikversteher-Hipster gleichermaßen einigen können.
EMPEROR’s Ihsahn wiederum schätzt man sogar in Prog-Kreisen.

Auf der anderen Seite fallen die immergleichen MAYHEM-Mitlgieder nach wie vor immer wieder mal durch ignorante bis haarsträubend tumbe Äußerungen auf, MARDUK sind auch alle paar Jahre immer wieder mal für 'nen kleineren Naziskandal gut, und Vikernes ist längst in völlig andere Sphären abgerauscht, ein aufmerksamkeitsgeiler Posterboy für Wirrköpfe zu sein, der seine diffuse Weltanschauung alle paar Jahre neu verpackt.
Black Metal ist daher auch 25 Jahre später immer noch was, bei dem ideologische Diskussionen, teilweise auch auf Kindergarten-Gaga-Niveau, nicht weniger werden.
Ein Genre, bei dem von derartigem angezogene, pseudo-unangepasste Troglodyten drauf bestehen wollen, dass BM eben nix für Gutmenschen ist, während sie vom Rest der Welt eigentlich eher belächelt werden. Und vielleicht auch gerade deswegen in seiner Gänze ein Genre, das auch 25 Jahre später immer noch genauso aufregen oder befremden wie auch faszinieren oder gar amüsieren kann.

Freitag, 15. Februar 2019

AAA: SPC ECO – Fifteen

[Jede Woche wird hier ein „akut antizipiertes Album“ vorgestellt. Ein „Album der Woche“ quasi, ohne es bereits gehört zu haben. Machen Visionsschreiber schließlich auch nicht anders...]

SPC ECO kamen hier schon mal in der einen oder anderen Veröffentlichungsübersicht vor, aber ich spule es gerne noch mal ab: Kennt Ihr noch Curve? Jene waren ein hauptsächlich über die Neunziger aktives Duo mit Mitmusiker-Wurzeln in der 'Sweet Dreams'- Synthpop-Band Eurythmics (kein Scheiß). Neigten Curve Anfangs vor allem in die Shoegaze-Ecke, flirtete man Ende der 90er noch mal relativ erfolgreich mit damals angesagten Sounds vorm Hintergrund des kurzlebigen Big-Beat-Hypes (‘Chinese Burn‘ z.B. war echt geil, da gibt’s nix!) und war damit irgendwie auch ein bisschen sowas wie die scharfkantigere UK-Version der mainstreamigeren Garbage.
Sängerin Toni Halliday hing das Thema allerdings irgendwann an den Nagel, ist heute mit dem namenhaften Musikproduzent Alan Moulder verheiratet und tritt nur gelegentlich mal wieder hier oder da in Erscheinung. Multiinstrumentalist Dean Garcia (inzwischen 60) wiederum mag seitdem ebenfalls etwas aus dem Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit gerückt sein, hat aber nie aufgehört Musik zu machen und scheint aktuell sogar mit verschiedenen Bands und Soloprojekten umtriebiger denn je zu sein (u.a.: Blurred City Lights, STFU, Das Bleep).
Dazu gehören auch die, die Dunkelpop-Tendenzen zwischen Alternative-Rock und Electronica von Cuve fortsetzenden SPC ECO, bei denen seine Tochter Rose Berlin singt, und mit denen man einen inzwischen schon ziemlich umfangreichen Output vorweisen kann. 
Heute, am 15. ist das 15 Tracks umfassende neue Album "Fifteen" (vorerst nur digital, allerdings inklusive umfangreichem PDF-Booklet) raus:

Mittwoch, 13. Februar 2019

Grindcore 2019 (1)

Neues Jahr, neuer Grind!

First of all: "Slave To The Grind: A Film About Grindcore" ist inzwischen als Region-freie 2DVD  und als Stream/ Download erhältlich!
Und wer Bock auf Public Viewing haben sollte, der kann die Doku übrigens am 18.03. in der Cinema & Kurbelkiste Münster sehen. 
Von mehr Dates weiß ich gerade nicht.
Nach vielversprechenden Vorankündigungen im letzten Jahr haben die Dortmunder Jungspunde NORDIC WALKING ihr selbstbetiteltes Debüt-Tape gerade über Coxinha aus Würzburg draußen.
12 Tracks Powerviolence-/ Grind-Alarm in unter zehn Minuten.
 
Und wo wir schon bei Coxinha sind: Checkt vielleicht auch mal die kalifornischen CHAFA!

Ziemlich vielversprechend sind auch bisherige Höproproben von ELDER DEVIL's "The Light Dimmed Eternal", das kommenden Freitag über Crown and Throne Ltd. (als Tape) erscheint.
Es handelt sich bei der Sache scheinbar um so eine Art Studio-Ding eines Shouters und eines Musikers/ Produzenten, das zwischen angepisstem Crust-/ Hardcore, Grind-Gezimmer und auch dem modrig wehendem Wind des Stockholm-Sounds unterwegs ist.

Ein verspätet angekommenes Weihnachtsgeschenk hätten wir dann außerdem noch von DISUSE in Form des Mini-Albums "The Yeti From Kad-Man-Ra", das am 24.12.2018 durch den Schornstein schoss. 
Hinter DISUSE verbergen sich Mitglieder von Last Days of Humanity, Krush, Brodequin und Gewoon Fucking Ragge, die hier dem HighestSpeed-D-Beat frönen.

Ach ja: Im aktuellen Industrial-Post findet man übrigens auch noch ein Solo-Projekt aus dem Umfeld der geilen Noisecoreler GALL aus Potsdam.

Ausblick: Mit TRONOS' "Celesetial Mechanics" erscheint im April via Century Media die zwölfhundertste Kiste, an der Napalm Death' Shane Embury beteiligt ist. Außerdem machen Voivod-Sänger Snake (!), Faith No More's Bill Gould (!), Danny Lilker (Brutal Truth, Nuclear Assault und co. is' klar, ne?!) und Troy Sanders (Mastodon) mit und es gibt 'nen Black Sabbath-Coversong.
Solchen Supergroup-Geschichten steht man ja nicht ganz zu Unrecht eher skeptisch gegenüber, aber ich glaub' das wird trotzdem gekauft...

Soweit für heute. Bis nächstes mal. ;)

Montag, 11. Februar 2019

Shellac, Cocaine Piss .nl

Und schon wieder in Nijmegen, NL gewesen. Aber das sind wir ja gerne. Die Niederländer haben uns nämlich so viel voraus, z.B. sowohl vegane Burger als auch konzerttaugliche Earplugs, die man jeweils einfach aus Automaten ziehen kann. Wie rückständig wir doch dagegen sind...
Jedenfalls standen vergangenen Freitagabend SHELLAC im ausverkauften Doornroosje (kleiner Saal) auf dem Plan. Eine Gelegenheit, die ich dann trotz Erkältung in den Knochen mal ergreifen musste.
Die Vorband COAINE PISS ist wie erwartet nicht unbedingt in "muss mir jetzt unbedingt ihr gesamtes bisheriges Schaffen ins Plattenregal wuppen"-Ausmaßen grandios, aber kurzweilig genug, um sich das als Anheizer mal 'ne halbe Stunde zu geben.
Die etwas exzentrisch, verstrahlt und bekloppt anmutend über die Bühne stolpernde und scharwenzelnde Sängerin hat mit ihrem hohen Geplärre was von Melt-Banana, der Rest der Band rumpelt sich verhältnismäßig primitiv durch Hardcore-Punk, der allerdings immer wieder auch mal Ausbrüche in noiserockige Passagen aufweist, die nicht mal gänzlich ohne Finesse sind.
Kann man durchaus machen!

Bei SHELLAC ist der Übergang von "die Musiker kommen bei Umbaupausenmusik auf die Bühne" und dem tatsächlichen Anfang des Auftritts derart nahtlos fließend, dass man überrascht schmunzeln muss, wie regelrecht unbemerkt es eigentlich schon losgegangen ist.
Ich sehe die Band tatsächlich zum ersten mal live und bin ferner überrascht, dass dem Ganzen eben doch auch so ein bisschen mehr Rock'n'Roll-Räudigkeit mitschwingt, als nerdy Mathcore-Perfektionismus oder so.
"This is a sad goddamn Song" rumpelt schon als zweites die grandios monströse Brachialnummer 'Squirrel Song' los. Ansonsten gibt's relativ viel "Dude Incredible" zu hören, auch noch bisher noch unveröffentlichtes und etwas unbekannteres, wie den Compilation-Beitrag 'Killers'.
Der Aufbau mit dem Drummer als Zentrum des Geschehens recht weit vorne und den anderen beiden jeweils daneben ist ungewöhnlich und gerade mir als Schlagzeug-Nerd kommt es ziemlich entgegen, genauer sehen zu können, was Hüne Todd Trainer da mit seinen abnorm langen Armen so veranstaltet.
Albini, bekennender Foodie, ergeht sich derweil in Lob übers niederländische Frühstück und man beendet den Auftritt nach 'ner guten Stunde mit einer amüsanten wie killermäßigen Version des skurrilen Übersongs 'The End Of Radio*, der meinetwegen auch niemals mehr hätte aufhören müssen.
Fazit? Na, was wohl?! War natürlich total geil. Könnte mir das tatsächlich diese Woche direkt noch mal geben, wenn's darum gehen würde.

Freitag, 8. Februar 2019

AAA: Kicker - Pure Drivel

Triple-A steht ab jetzt für “akut antizipiertes Album” ;)  
Es muss nicht unbedingt ein "Album der Woche" im Sinne eines Must-Have-Highlights für die etwaige Jahresabschluss-Top10 sein, aber halt ein Album von der "kommt diese Woche raus, ist interessant weil (...)*, also hören wir mal rein"-Liste. *Aus welchen Gründen auch immer.

Diese Woche: KICKER - Pure Drivel


Disclaimer: Nein, ein epochales Meisterwerk ungehörten Ausmaßes erwartet hier wohl eh keiner, aber die Voraussetzungen sind schon mal gut, denn KICKER sind ein Zusammenschluss kalifornischer Old-School- und Derbstmusik-Punks (Dystopia-, Neurosis- und Operation Ivy-Leute, Leute!), die die Backingband für den britischen Pete the Roadie bilden und hiermit ihr schon drittes Album nach dem 2012er "Not You" und dem 2016er "Rendered Obsolete" veröffentlichen.
Das Ganze kommt über Tankcrimes, einem der sympathischsten Punk-/ Metal-Undergroundlabel, die es derzeit generell so gibt. 

Cooles Cover übrigens auch!

Dienstag, 5. Februar 2019

Moving Noises 2019

Je älter ich werde und dabei aller Übersättigung und Spießeranwandlungen zum Trotz dennoch unverbesserlicher Musiknerd bleibe, desto mehr scheine ich mein Heil zur Zerstreuung bei Microgenre-Veranstaltungen, Kunst-Events und Sitzkonzerten zu finden – und das MOVING NOISES ist alles davon bei denen man sich dann teilweise auch schon mal herrlich künstlich darüber aufregen kann, dass sowas tolles nicht mehr Leute interessiert, man auf der anderen Seite dann aber eigentlich insgeheim doch froh drüber ist, dabei abseits von Wackenspacken, Trve-Kuttenhonks, Moshpitsportlern, Trendhophipstern, Musikbiz-Wichtigtuern und ähnlichem Debilovolk unter sich zu sein. Ja, ich steh‘ dazu…

Und auch das MOVING NOISES Festival 2019, das vergangenen Samstag in der Bochumer Christuskirche über die Bühne ging, war mal wieder ziemlich super. 


Ein paar Erkenntnisse: Offensichtlich ist es in der Drone-Ecke jetzt doch auf ein mal schwer angesagt, live mit Konservenzusätzen zu arbeiten: Dass NADJA mit Drumcomputer aufwarten ist man ja gewohnt, aber auch Saxophonist ZENJUNGLE, Gitarren-Droner THE STAR PILLOW und Gizeh-Records-Hausband A-SUN AMISSA hatten Beats und/ oder industrielle Klangcollagen scheinbar aus dem Nichts kommend zu bieten. Selbst die etwas nichtssagende Cymbals-Soloperformance von Tomas Järmyr (WERL, ansonsten auch Motorpsycho, Zu und Yodok III) wurde von Instant-Hintergrundgewaber gestützt. 
Ein Trend, dem ich irgendwie etwas ambivalent gegenüberstehe… Unterm Strich zählt natürlich das Gesamte und das war in fast allen Fällen sehr stimmungsvoll und einnehmend, generell habe ich ja zudem auch durchaus
was für Maschinenrhythmen und Geräuschcollagen übrig, aber irgendwie fühlt sich das in einer gerade auch von Momentaufnahmen und Handwerk lebenden Ecke in dieser Ballung etwas seltsam an… 
Sonst noch? Die zwischendurch auch mal ziemlich laut bretternde N + [BOLT] Performance war super, SCATTERWOUND’s Auftritt mit avantgardistischer Flügel-Unterstützung auch. WERL (= Aidan Baker & Tomas Järmyr, an diesem Abend plus Bläserunterstützung) hätte ich in der Theorie auch super finden können, aber am Ende eines langen Tages auf harten Kirchenbänken wollte der Funke an der Stelle nicht mehr so ganz überspringen.
Macht aber nix, denn es war auch so mal wieder ein toller Festivaltag/ -abend gewesen!
(Pic: N+[bolt])

Freitag, 1. Februar 2019

Doomy February

Wirklich nur ca. 1-2 Sekunden lang hatte ich drüber nachgedacht, für die Einleitung einen zur Jahreszeit passenden Kalauer Richtung „Krachig-kerniger Doom statt Karneval am Kölner Dom“ zu konstruieren, aber da ich hier nicht ohne weiteres einen brachial dröhnenden Tusch-Soundeffekt im Schlepptempo integrieren kann, klemmen wir uns das mal…
Diesen Monat sind jedenfalls gleich mindestens drei antizipierte Alben von Bands aus hiesigen Breitengraden auf der Startrampe, die mehr oder minder in die Schublade „Sludge-/ Drone-/ Doom-Zerbröselung“ passen: 


BELLROPE - You Must Relax
VÖ: 22.02. | Exile on Mainstream Records

Ist ja auch schon ‘ne etwas weirde Geschichte:
BLACK SHAPE OF NEXUS lösen sich auf (mutmaßlich wegen dem, was man so als „kreative Differenzen“ bezeichnet) und wenig später tauchen 5/6 der Band unter neuem Namen wieder auf. Der nächste macht dann allerdings aus Zeitgründen auch noch bald den Abgang, gefolgt vom zweiten, und auf ein mal ist ein B.SON-Gründungsmitglied aushilfsweise wieder mit drin...


Müsste ich jedenfalls eine Liste meiner zehn liebsten Rumms-und-Dröhn-Alben aus diesem Jahrzehnt in Stein meißeln, dann wäre Black Shape of Nexus‘ "Negative Black" ja auf wirklich jeden Fall mit drin. Und das nicht im unteren Drittel.
Dass B.SON kein generisch-straightes Stilschablonen-Abspulen in Klischeeverpackung fabrizierten, bzw. immer so ein bisschen ihren eigenen Weg nicht nur mit dem Quadratschädel durch die Betonwand, sondern auch mal etwas verquer um die Ecke verfolgten, das dann gerne auch noch inkl. der einen oder anderen Extraportion an Noise, das hat ihnen in meinem Herzen für immer einen ganz großen Platz eingeräumt.
Und das soll jetzt wirklich kein Lästern oder Dissen sein (gerade auch weil ich den entsprechenden Autor persönlich kenne), aber umso bezeichnender und amüsanter fand ich in dem Zusammenhang dann auch noch die Randnotiz, wie jemand, der sich im Rahmen eines inzwischen eh weitgehend profillos gewordenen Magazins eher zweifelhaft als Stoner-/ Doom-/ Metal-Experte zu positionieren versuchte - obwohl man fünf Minuten vorher noch mit ins Hype-Horn für so einen Abiparty-Unrat wie Deichkind getutet hatte - dann auch ganz ungeniert seine Überforderung mit dieser "Anti-Musik" zu Protokoll gab.
Würde ich auf meiner Seite dann auch noch sowas wie eine Lieblingssong-Ansammlung der letzten Jahre kompilieren, dann wäre der hypnotisch-repetitiv und ziemlich noiserockig groovende 'Facepunch Transport Layer' vom etwas facettenreicheren Nachfolger "Carrier" wiederum auf jeden Fall auch noch darunter.

Aber genug der B.SON-Vergangenheit, denn wir sind in der BELLROPE-Gegenwart!
In dieser rumpeln jetzt zwei Bässe neben einer Gitarre statt umgekehrt. 

„Amp hauling, amp abusing.“
Man zelebriert epochale Krachkonzerte und keine „Rituale“, hat aber im Gegensatz zu den ganzen Kaspern, die sich derartiges total spirituell und okkult auf die Fahne schreiben wollen, tatsächlich meditative und endzeitliche Qualitäten. 
 

"You Must Relax" erscheint am 22.02. über Exile on Mainstream.



Verpasst die Band dieser Tage auf keinen Fall auf Minitour mit the one and only migthy Eisenvater:
6.02.:
Dresden, Chemiefabrik
7.02.: Berlin, Tiefgrund
8.02.: Jena, Rosenkeller
9.02.: Stuttgart, JuHa West


BLCKWVS - 160
VÖ: 22.02. | This Charming Man Records

Black is' halt beautiful - von "Black Shape of Nexus 2.0" zu den Blackwaves:
Auch die über Bielefeld, Hamburg, Dortmund und Münster verstreut lebenden BLCKWVS sind sowas wie ‘ne Drone-/ Sludge-Doom-Band mit experimenteller Kante. Und ich weigere mich, hier vielleicht noch einen Begriff wie "Post-Metal" oder "Stoner" mit dazu zu tun, denn diese stehen inzwischen ja häufig eher für gepflegte Langeweile. BLCKWVS sind nämlich alles andere als langweilig, sondern mächtig, dynamisch, interessant.
Ein dröhnender Bass und eine bratzende Orgel nehmen in ihrem Sound gleich viel Platz ein wie die brachiale Gitarre, die Drums klopfen oft was anderes als Standard-Rockrhythmen, Songarrangements bewegen sich auch mal zügiger nach vorne, anstatt gemächlich auf der Stelle zu treten.


Die Fertigstellung ihres neuen Albums hat gedauert. Was u.a. daran liegt, dass man dieses mal kein vorwiegendes Instrumental-Album mit ein oder zwei Gast-Stimmen kreiert hat, sondern "160" in einer rein instrumentalen Fassung erscheint und in einer, in der verschiedene Shouter und SängerInnen sowas wie eine durchgängige Narrative addieren.
Szeneprominentester Teilnehmer ist Ex-Morgoth-Frontmann Marc Grewe, weiterhin gesellen sich Zeitgenossen aus Reihen von u.a. (Dolch), Heads., Space Chaser, Black Vulpine und der schnarchigen Fransenponcho-Karnevalstruppe Kadavar dazu.


Bock drauf! Wirklich schwerstens Bock drauf! Bald auch bei Bandcamp...



EREMIT - Carrier Of Weight
VÖ: 25.02. | Transcending Obscurity Records

So mancher hauptberuflicher Musikpromoter dürfte gerade mutmaßlich neidisch werden, was für ein Buzz um EREMIT im hiesigen Underground schon so stattfindet, noch bevor das erste Album überhaupt offiziell veröffentlicht wurde (während man im Übrigen das nächste auch schon in der Oldenburger Tonmeisterei aufgenommen hat).
Live-Augen- und Ohrenzeugen (wie z.B. Grim van Doom’s Lansky – Hi!) überschlugen sich schon letztes Jahr förmlich, wie unglaublich mächtig diese Band aus Osnabrück doch wäre.
Und die Pre-Orders für "Carrier Of Weight" scheinen ebenfalls nicht ohne zu sein.

EREMIT stehen für fuzzy Breitwand-Doom mit Atmo wie Aggro-Faktor, 
stampfendem Groove und krassen Vocals, und sind dabei auch durch das Conan-Schwert im Logo ersichtlich ganz klar mehr Metal als irgendwas mit –core oder Post–.
Auch wenn andere Rezensenten das Ganze schon mit in die Funeral-/ Death-Ecke tüten wollten, ist's schwerpunktmäßig dann ja doch am ehesten Sludge mit dreckig brodelndem Sound.

Gibt's dann dieser Tage wohl über den europäischen Store des indischen Labels Transcending Obscurity, die Vinyl-Version schifft allerdings erst ein paar Wochen nach dem digitalen Release raus.
Das Coverartwork stammt übrigens von Bell Witch's Mariusz Lewandowski.
Nächstes Jahr dann beim Roadburn?



OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting the Ice in the Hearts of Men
VÖ: 08.02. | Ván Records

Ja, die hätten wir auch noch. Und ja, die sind vo außen ja erstmal doch irgendwie so ‘ne ganz seltsame Truppe. Waldmenschen-Eso-Hippies, 'Let my people go' im Neurosis-Modus, Okkultismus-Klischees und ein Troglodyt mit Burzum- und Watain-Patches spielt mit einem Gewerkschaftler (durchaus lesensenwertes Interview) in einer Band.
Die auch visuell äußerst stimmungsvolle Vorab-Videosingle 'Gold and Silver' (s.u.) kam dann jetzt überraschenderweise ferner schon regelrecht glatt und fast proggy daher.
Nicht sooo ganz my Cup of Doom, aber.
Es gastieren übrigens Alan Averill (Primordial) and Victor Santura (Dark Fortress / Triptykon).

Behaltet bei Interesse mal vanrecords.bandcamp.com bzw. oursurvivaldependsonus.bandcamp.com im Auge, wo das Teil die nächsten Tage dann sicherlich noch aufschlagen wird.



Und sonst noch?

Die neue CANDLEMASS mit dem Titel "The Door to Doom" erscheint am 22.02. über Napalm Records.
Kein Geringerer als Black Sabbath’s Tony Iommi macht bei einem Song mit!

Auf Heavy Psych Sounds erscheint dann außerdem ‘ne neue der DEAD WITCHES, in dessen Zusammenhang der Name Electric Wizard mehr als ein mal gedroppt wird.

Doch lieber noch mehr kernig-krachiger als episch-melodischer oder stoner-vernebelter Doom?
Dann erscheint am gleichen Tag auch noch ‘ne Split von HELL und PRIMITIVE MAN über Translation Loss Records.


Düsterst und dreckigst? Checkt mal das selbstbetitelte Debüt der selbsternannten Nihilisten TERRE aus Belgien.


Einen noch abstoßenderen Namen als MISCARRAGE kann man wohl nicht haben. Der entsprechend abstoßende Ultradüster-LoFi-Rumpel-Gurgel-Black-Doom von "Imminent Horror" ist am 22. via Sentient Ruin Laboratories raus.


Erscheint ebenfalls am 22.02.: Die süddeutschen (?) WERIAN schreiben sich "Experimental Doom Black Metal" auf die Fahne und sind mit dem neuen Album "Animist" via Eisenwald dabei.

Und außerdem mal auf dem Radar haben könnte man NŪR. Jene sind eine isrealische Schlepptempo-Düstercore-Band auf der „NeurIsis of Luna-Ra“-Schiene mit dem relativ exotischen Faktor, dass der Drummer auch Haupt-Brüller ist.
Ab 02.02. ist ihre selbstbetitelte Debüt-EP über das schwedische Label Suicide Records am Start.
 

Ach ja, zwinker: Diesen Monat gibt’s dann im Übrigen auch noch die Premiere einer Serien-Adaption von DC ComicsDOOM PATROL!
Gemessen an der Qualität von dem, was es in jüngerer Vergangenheit unter DC-Banner in bewegten Bildern sonst noch so alles gab, habe ich aber fast schon eher so’n bisschen Angst davor…

 

Im Industrial-Post findet man dann übrigens auch noch das Soloprojekt eines Year Of No Light-Mitglieds mit Gastbeiträgen diverser Drone-Hausnummern, ferner Veröffentlichungen des artsy-elektronisch orientierten Tape-Labels, das einer von den Roadburn Records-gepowerten Irrsinns-Sludgern Drunk In Hell betreibt, sowie den neusten JK Flesh-Track.