Mittwoch, 7. Dezember 2016

Adventskalender 07: Universe 217

Ein schönes Beispiel dafür, dass gute Musik manchmal einfach nur gute Musik ist, abseits aller Erwartungshaltungen, kleinkarierter Szenekontexte u.ä., ist das aktuelle UNIVERSE 217 Album „Change“. 


 

Und es ist schon interessant, was der eigentlich in der Black-Metal-Szene verwurzelte Ván Records Labelbetreiber Sven D. manchmal so ans Tageslicht zerrt. Denn das Label, dem wir neben den polarisierenden Devil’s Blood u.a. auch sehr guten und interessanten Düster-/ Extrem-Kram wie The Ruins Of Beverast, Urfaust und Verdunkeln zu verdanken haben, kommt dann mal eben auch mit einer Band um die Ecke, dessen etwas progrockig angehauchter Doom-Ansatz ganz anders gelagerte Ambitionen verfolgt und Stimmungen erzeugt.
Die Musik der Griechen lebt vor allem von der charismatisch-markanten Stimme ihrer Frontfrau, während die instrumentale Grundlage fast minimalistisch ist, glasklar und warm tönt, ja, eigentlich schon „Radio-kompatibel“ ist.
Sorry für’s Stereotyp, aber da steckt ohne Frage spürbar südländisches Temperament drin, da werden Emotionen transportiert, und noch mal sorry, wenn es jetzt noch abgedroschener wird, aber die Band hat dann ferner auch noch eine unheimliche Power für diese Art von Sound.   
„Change“ ist ein saugutes, schwer packendes Album.

Dienstag, 6. Dezember 2016

The Death & Resurection Show


Schon länger nicht mehr wegen einem Konzert so vorfreudig gewesen wie vergangenen Samstag wegen KILLING JOKE.
Müsste ich sowas wie meine Top-05-Lieblingsbands auflisten, wären die Briten ohne Frage darunter. Wahrscheinlich sogar unter den Top 3.
Ich werd‘ mich jetzt auch mal nicht zu lange an den Begleiterscheinungen des eher ungeliebten Konzertstandorts Köln hochziehen (persönlicher Running Gag von mir), denn dafür lief es an jenem Abend trotz aller Widrigkeiten dann ja eigentlich doch ziemlich smooth.

Beim Reinkommen um ca. 19:30 spielte die Vorband gerade schon (Death Valley High – laut Eigeneinschätzung „Death Disco / Doom Pop“ und „CVLT [ɅS FVK]“ – auahaua…) und war ehrlich gesagt nicht weiter erwähnenswert.

 

Umbaupause, Intro (Musik aus „Eyes Wide Shut“, Big Paul, Geordie, Youth und Jaz kommen auf die Bühne, Jubel.
Es geht los mit „S.O. 36“. Als Opener also ein eher gemächlicher Song, aber das ist man vom Joke ja schon gewohnt.
Schon als zweites gibt es dann allerdings den Mittachtziger-Hit und Gothdisco-Evergreen ‘Love Like Blood‘ zu hören und das sich auf einer neuzeitlichen KILLING JOKE Setlist etwas seltsam anfühlende ‘Eighties‘ vom gleichen Album gleich hinterher. Das Publikum mit recht hohem Altersdurchschnitt quittiert es euphorisch. Man sieht Hände in der Luft, laut mitjohlende Münder und schräg hinter mir zeigt eine Dame mit ziemlicher Hausfrauen-Optik Boxing-Moves, mit denen man sie auch in den Hatebreed-Moshpit werfen könnte.
Es folgen ein paar weitere neuzeitliche Nummern und eine Menge weiterer 80er-Songs und alles wird im mit Sicherheit fast ausverkauften Laden (noch voller ging nämlich nicht mehr) vom Publikum ziemlich abgefeiert.
Was Powerhouse-Drummer Paul Ferguson dabei zwischen den Hauptschlägen so an weniger offensichtlichen Details rauslässt ist übrigens, wenn man mal genau hinguckt, wirklich nicht ohne.
Sympathisch hoch zwölf außerdem, wenn man den sich auf der Bühne gelegentlich gegenseitig angrinsenden Altherrenrockern anmerkt, was für einen Spaß sie selbst während des Gigs sichtlich haben.
Dass die Setlist im Vergleich zu einigen anderen Gigs der Tour um 1-2 Nummern abgespeckt wurde und es somit an diesem Abend keine „Death & Resurection Show“ gibt, auch wenn ich sie gerne gehört hätte – nuja, ich kann es verschmerzen, denn KILLING JOKE waren an diesem Abend wirklich 90 Minuten am Stück Top.
Um ganz ehrlich zu sein zehre ich am heutigen Dienstag immer noch davon, wie gut das am Samstag war…
Gute Entscheidung auch, die ersten zwei Drittel ganz vorne zu gucken, denn wie ich dann später feststellte war’s weiter hinten in dem berstenden Laden dann ja irgendwie nicht so geil.
Ferner witzig: Mit Nicoffeine-Gitarrist Soheyl und 2/3 von Valborg Leute von weiteren Bands im Publikum ausgemacht, die ich geil finde. 


Adventskalender 06: B.SON, farewell!

Es gab dieses Jahr natürlich auch mal wieder 2-3 tendenziell bedauerliche Band-Auflösungen. Gerade auch in der hiesigen Szene: So gaben nicht nur die geilen Nightslug ihr Ende bekannt, leider wurde außerdem „Carrier“ eher ungeplant das Abschiedsalbum der noch geileren BLACK SHAPE OF NEXUS. 
(Ausgerechnet zwei der noiseygsten Bands…)



Dazu könnte man jetzt noch so einiges schreiben. Auch z.B., dass der Vorgänger „Negative Black“ vielleicht doch irgendwie das noch bessere Album war.
Ändert aber nix daran, dass B.SON eine extrem wichtige Band waren. Sie spielten schon extremen Drone–Sludge-Lärm, bevor sowas zu einem geflügelten Wort wurde und waren somit immer schon „The Shape Of Doom To Come“. 

„Carrier“ demonstriert(e) noch mal ihren Willen, immer wieder konsequent eigene Wege zu gehen, anstatt sich mit generischem Schablonen-Gedröhne zu begnügen.
Bemerkenswerte Momente: Aus Ambient-Gesäusel bricht Crust-Gerumpel und Blast-Geprügel aus („Lift Yourself“), der Jam-artige Groover „Facepunch Transport Layer“ ist Musik, wie ich sie am geilsten finde, und das abschließende Hellhammer-Cover „Triumph of Deathmacht auch irgendwie einfach nur Sinn.
Danke für die immerhin drei ganz geilen Male, die ich Euch live gesehen habe. Wir sind gespannt auf Nachfolgeprojekte.

Montag, 5. Dezember 2016

Adventskalender 05: Weawick – Whistle Along

Einen Kurz-Hinweis waren mir WEAWICK bei Entdecken im Sommer schon mal wert gewesen, ehrlich gesagt fällt mir aber trotz digitaler Dauerrotation von „Whistle Along“ darüber hinaus sooo viel weiteres nach wie vor gar nicht mal dazu ein...


 

Die Musik von WEAWICK hat einen etwas mechanischen Vibe, genauso wie sie irgendwie kaputt und krumm klingt. 
Eine Kombination, mit der man mich anscheinend ganz gut kriegen kann. Regelrechter Roboter-Punk, der mir zwischen Big Black, Butthole Surfers, Chrome/ Helios Creed, Jesus Lizard, Lightning Bolt, Primus und Voivod ganz gut mit in die sowieso am meisten geliebte Kauzkram-Ecke der Musiksammlung passt.
Virtuell gesprochen, denn ich glaube das Teil gibt es bisher leider tatsächlich nur digital...

Sonntag, 4. Dezember 2016

Adventskalender 04: Wake

Der Anfang des Jahres stand vor allem im Zeichen düsteren Extrem-Geknüppels mit eigener Note. Neben den Dortmunder Schräg-Rumpel-Metallern Khthoniik Cerviiks und den finnischen Dunkel-Krach-Hippies Oranssi Pazuzu wussten auch WAKE seeeehr zu überzeugen.


 

Auf dem Vorgängerwerk „False“ waren die Kanadier noch ‘ne gute, wenn auch nicht weiter auffällige, straighte Grindcore-Knüppelkapelle gewesen. 
Mit „Sowing The Seeds Of A Worthless Tomorrow“ folgte dann allerdings ein musikalischer Quantensprung zu mehr Atmosphäre und komplexeren Songarrangements. Was hier in knapp weniger als nur zwanzig Minuten passiert, würden andere auf eine ganze Stunde strecken.
Hammergut, nach wie vor! 

Und am besten möglichst zeitnah endlich in einem Tourpaket mit Napalm Death, Voivod, Pig Destroyer und/ oder Fuck The Facts losschicken oder so! Wird Zeit!

Samstag, 3. Dezember 2016

Adventskalender 03: Khthoniik Cerviiks

Eine unerwartete Überraschung war "SeroLogiikal Scars (Vertex of Dementiia)“ nicht wirklich, denn KHTHONIIK CERVIIKS hatten mich schon mit einer Live-Performance einige Zeit zuvor von sich überzeugt. 
Es war dann allerdings um den Jahreswechsel auch tatsächlich die Veröffentlichung (die CD-Version erschien überraschend schon Ende 2015, die LP dann dieses Jahr), die aus dem Dickicht generischer Klischeekapellen des Extrem-Metal-Undergrounds musikalisch so angenehm herausstach, dass ich wochenlang nix anderes mehr hörte...



Das Trio aus dem Dortmunder Umland spielt mit rumpligen Old School Vibes inszenierten, dunkel-modrig atmosphärischen Thrash-/ Death-/ Black-Metal, dem man eine gewisse Verehrung der kanadischen Ausnahme-Band Voivod in der Gitarrenarbeit absolut anhört.
Eine Vergleichsreferenz, mit der man gerade auch in der Metal-Presse zugegeben schon immer gerne mal um sich warf, sobald irgendeine Baller-Band ein bisschen schräger, komplexer und/ oder spaceiger tönt, aber hier ist der Einfluss tatsächlich sehr direkt und schlüssig, die Band trotz ihrer Piggy-Gedächtnis-Riffs aber doch auch eigenständig.

Abgerundet wird das dann auch noch durch ein mehr als passendes passendes Coverartwork.und ein loses thematisches Konzept, das schon mehr Science als Fiction ist.

Freitag, 2. Dezember 2016

Adventskalender 02: Yass - Things That Might Have Been

Sozusagen eine meiner jüngsten persönlichen Entdeckungen ist das YASS-Album, das im Sommer erschien und dessen Titel mich irgendwie so an dieses NIN-Livealbum erinnert…



Die beiden Herren hinter YASS kennt man auch aus BaWü-Kapellen wie TEN VOLT SHOCK und KURT, die beide nicht erst seit eben existieren. Und um mal ganz ehrlich zu sein, war ich von beiden bisher nicht der größte Fan. Denn auch wenn die durchaus ganz gut sind, rocken sie wohl einfach ein bisschen an meinem persönlichen Geschmacksnerv vorbei…
Vorhang auf für die Duo-Formation YASS aus diesem Umfeld, dessen entfesselter Noiserock dank Synthie-Unterstützung gradlinig in eine Elektro-Punk-artige Richtung rast.
Blumige Assoziationen von der Clubnacht bis zur SciFi-Verfolgungsjagd überlasse ich hier mal anderen. Aber auch wenn, bzw. vielleicht auch gerade weil „Things That Might Have Been“ mit seiner Indierock-Kante ein bisschen außerhalb meines „Standardbeuteschemas“ liegt, versprüht das mit effektiver Blubbersynthie-Unterstützung rasant lärmende Teil für mich so eine gewisse Frische, der ich mich derzeit immer wieder gern mal aussetze. 

Unentschlossenen sei dazu noch gesagt, dass es die LP beim sympathischen Label X-Mist für ‘n schlanken Zehner (!) gibt, für den man dann glatt auch noch die CD-Version im Pappschuber oben drauf bekommt (!!). Oder bei Onkel Stereo in Duisburg.
Außerdem soll Album Nummer zwei schon in Kürze folgen.
Jetzt hoffe ich nur noch, dass irgendein spitzfindiger Konzertveranstalter die auch mal in meine Nähe holt…