Freitag, 20. Januar 2017

Mirrors For Psychic Warfare (live gesehen) / Absent In Body

Tja, selbst an einem Donnerstag Abend hat man im Ruhrgebiet manchmal die Qual der Wahl: In der Kneipe ums Eck hätte man genauso das Konzert eines halbakustischen Alternativrockers sehen können, zu dem es scheinbar ein paar Bekannte von mir zog, wie außerdem der geschätzte Aidan Baker im jetzt auch nicht sooo weit entfernten Wuppertal mit einem seiner unzähligen Projekte auftrat, was ich ebenfalls durchaus in Erwägung gezogen hätte, wäre nicht Scott Kelly’s MIRRORS FOR PSYCHIC WARFARE an diesem Abend nach Oberhausen gekommen… 


…wo sich nur ca. 30 Personen dafür einfanden, darunter auch 3-4 Gesichter, die man auf wirklich jedem Konzert trifft und natürlich ging’s auch erst gemächlich gegen neun los… 
SANFORD PARKER machte aber zunächst erst mal solo seine eigene Vorband. Im Nebel und Stroboskopgeblitze drehte er im Takt wankend an Knöpfen rum, es rauschte, dröhnte, pochte und rummste. Ich hab’s schon mal gesagt und sag’s noch mal: Ich persönlich halte Parker ja sowohl als Produzent als auch als Musiker für etwas überschätzt, was mir auch dieser Abend eher bestätigte als entkräftete. 
MIRRORS FOR PSYCHIC WARFARE, sein gemeinsames Projekt mit Neurosis‘ Scott Kelly, funktioniert jedoch irgendwie, was schon der Auftritt im Green Room des letztjährigen Roadburn Festivals bewies. Mit dem guten Sound dort konnte das (oder die?) Druckluft natürlich nicht mithalten, aber seltsamerweise geht die gerne mal etwas unfertig wirkende Mischung aus Parker’s Lapotop-Musik und Kelly’s Vocals und Gitarrenparts irgendwie auf. Da treffen Dowentempo-Beats auf Sprechgesang, Piano-Parts auf Drone-Noise, klopfender und surrender Konservenkrach auf lautes Doom-Geriffe – das Material des selbstbetitelten Albums des Projekts (an diesem Abend plus Coversong von Joy Division) ist schon ein ziemlicher Grower, auch wenn man live manchmal das Gefühl hat, dass das Duo die Sache etwas spontan hingeklatscht hat und dabei hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist, genauso wie man die Setlist dramaturgisch besser aufbauen hätte können. 
Summa summarum schätzte ich die Neurosis-Leute ja eh dafür, dass neben der Hauptband von Akustik-Sologeschichten bis zu abstrakten Sound-Experimenten wirklich alles geht, da bildet MFPW keine Ausnahme und so habe ich mir sogar nach dem Gig die Langspielplatte untern Arm geklemmt. 

Und wo wir jetzt gerade beim Thema Scotty Kelly Nebenprojekte sind: ABSENT IN BODY vereint ihn mit den beiden Amenra-Mitgliedern Mathieu Vandekerckhove (auch Syndrome) und Colin H Van Eeckhout (auch CHVE). Das selbstbetitelte Debüt ist heute via Hypertension Records raus, direkt beim Label allerdings bereits ausverkauft (hätte ich das gestern schon gewusst, hätte ich die beim Konzert erhältiche Platte wohl auch mitgenommen). Einen Track gibt’s bei Soundcloud: 

Donnerstag, 12. Januar 2017

2016er Resterampe (4)

Kürzlich habe ich mich noch mal durch ein paar letztjährige Releases gezappt. Hier die erwähnenswertesten:

BAMBARA - Swarm
Dem „Gothic ist jetzt wieder hip“-Trend habe ich mich bisher ja ebenso eher ein wenig entzogen wie dem Tape-Revival (jetzt mal ehrlich…), aber von Cold Wave über Deathrock bis Industrial Metal gibt es derzeit ohne Frage eine Menge frischer, vielversprechender Bands.
Dazu gehören auch diese New Yorker, die einen ganz coolen Mischmasch aus atmosphärischem Düsterrock und partiell sogar recht krachigem Post-Punk fahren:




BLACK TABLE – Obelisk
Ob sich BLACK TABLE dauerhaft in der Szene etablieren werden können, das wird die Zeit jetzt zeigen müssen, denn irgendwie scheint die Band so ein bisschen Hochglanz-mäßig verpackt zu werden, was bei dem einen oder anderen „Hype!“-Ablehnungsreflexe hervorrufen könnte…
Grundsätzlich finde ich solchen Next-Generation-Metal zwischen Postrock-Anwandlungen und Extremgeknüppel aber relativ sympathisch. Noch dazu wurde „Obelisk“ von Billy Anderson eingefangen, was dem Ganzen ein recht makelloses klangliches Erscheinungsbild verpasst hat.




BLOOD INCANTATION - Starspawn
Um ganz ehrlich zu sein, bin ich in letzter Zeit ja eigentlich irgendwie ein bisschen Metal-müde geworden, vor allem was die Patronengurt-behangene Düstergeknüppel-Ecke angeht. Eine der aktuellen Underground-Sensationen, die (gefühlt) ringsherum so gefeiert wird, dass ich dann doch mal reinhören wollte, sind BLOOD INCANTATION.
Das Ganze ist schon ziemlich Morbid Angel, modrig-atmosphärisch, komplex verfrickelt und brutal zugleich. Was eine Art von Death Metal ist, mit der ich was anfangen kann, weswegen ich das an dieser Stelle durchaus gerne mal teile, aber irgendwie habe ich derzeit ja ehrlich gesagt auch weiterhin nicht soooo den Bock auf sowas… 




DOOMSDAY STUDENT - A Self-Help Tragedy
Die letzte letztjährige Amtshandlung von Skin Gtaft Records nach der geilen aber teuren Dazzling Killmen Wiederveröffentlichung war das dritte Album von DOOMSDAY STUDENT, eine Band mit gleich drei Ex-Mitgliedern von Arab On Radar.
Auch Three One G sind an diesem Release involviert, was im Grunde genommen auch schon alles über die Musik sagt, was man wissen muss.




GNAW THEIR TONGUES - Hymns For The Broken, Swollen And Silent
Den niederländischen Industrial-Black-Metallern GNAW THEIR TONGUES stehe ich ja ein bisschen ambivalent gegenüber. Irgendwie sind sie so ein Fall von „auf dem Papier könnte ich es gut finden, in der schlussendlichen Ausführung haut’s mich jetzt aber auch nicht gerad‘ um“.
Trotzdem komme ich immer wieder mal dahin zurück zu checken, wie sie aktuell gerade klingen mögen:


 

NARCOSATANICOS – Body Cults
Etwa zeitgleich mit den britischen Cattle taucht(e) mit den dänischen NARCOSATANICOS eine weitere Band auf meinem Radar auf, die Nosierock mit Saxophon-Einsätzen macht. Will man da noch an Zufälle glauben?
Scherz beiseite - das Selbstverständnis dieses Sextetts vermengt Proto-Punk- und Krautrock-Einflüsse mit zeitgenössischer Krachmusik:




PARDANS - Heaven, Treason, Women
Mit dem Stichwort „No Wave“ sollte man vorsichtig umgehen, aber es ist eine Assoziation die zum verqueren Atonal-Rock von PARDANS ganz gut passt. 

Irgendwie kommt das etwas schief um die Ecke, doch die Richtung ist dabei trotzdem die nach vorne.
Scheint ja ganz so, als hätte auch Dänemark gerade sowas wie ‘ne kleine Noiserock-Welle zu bieten…




SUPERJOINT - Caught Up In The Gears Of Application
Wäre fast durch‘s Raster gefallen, aber mal der Vollständigkeit halber: Die aktuelle SUPERJOINT ohne „Ritutal“ gibt’s auch auf Bandcamp.
Die Zeiten, in denen diese punkig schraddelnde Band von Phil Anselmo und Jimmy Bower ‘ne irgendwie spannende bis essenzielle Sache war, sind zugegeben auch schon (mehr als) ‘ne Dekade her, und Anselmo mag ein Idiot sein, aber hey… Superjoint Ritual haben damals mal in einem Metal-szenischen Klima, in dem ein ganz anderer Wind wehte, musikalisch und attitüdisch durchaus so ein bisschen die richtige Fahne hochgehalten…




TERMINAL CHEESCAKE - Dandelion Sauce Of The Ancients
Dieser Eintrag in der Liste ist eigentlich vor allem eine Notiz an mich selbst, mich endlich mal etwas mehr mit TERMINAL CHEESCAKE zu beschäftigen. Die seit 1988 aktiven Briten verfolgen eine ganz eigene Vision gleichermaßen lärmiger wie psychedelisch-hypnotischer Musik, und treffen damit eigentlich schon ziemlich meinen Nerv. Also nehmen wir uns das aktuelle Album zum Anlass, nach bisher nur sporadischen Berührungen endlich mal tiefer einzutauchen:




TROLLER - Graphic
Noch mal Gothic-lastiges, dieses mal sogar ganz ohne vordergründigen Gitarrenlärm: Die Synthie-lastige Musik von TROLLER ist tatsächlich so dunkel-atmosphärisch, dass auch ich dem Ganzen nicht eine gewisse Faszination absprechen kann. Bei dem, was sie machen, machen diese Texaner wirklich verdammt viel richtig:




THE SWEET RELEASE OF DEATH – s/t
Das Beste zum Schluss? Vielleicht. Als „Noise-Pop“-Band verstehen sich diese Rotterdamer. Nenennswert poppig finde ich persönlich das ja sogar eigentlich noch nicht mal, aber THE SWEET RELEASE OF DEATH haben so ein gewisses Shoegaze-Flair, von dem aus sie ja doch ganz schön breite Krachwände hochziehen.
Und mir gefällt das sogar ziemlich gut:


Dienstag, 10. Januar 2017

Svart Lava

Wer Musik a la Bohren & Der Club of Gore und/ oder The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble schätzt, der sollte jetzt mal die Ohren spitzen: THE THING WITH FIVE EYES sind nämlich ein Ableger letztgenannter von Jason Köhnen (auch bekannt als Bong-Ra).
Beim neuen eigenen Label SVART LAVA wurde als erste Amtshandlung dessen Debütalbum „نور“ Anfang diesen Jahres auf Bandcamp hochgeladen:



Eine weitere Improv-Session von TTWFE findet man im Übrigen auch noch auf dessen eigener Bandcamp-Seite.

Der offiziell Anfang Februar erscheinende Svart Lava Release #2 wiederum firmiert unter dem Namen KÖHNEN PANDI DUO.
Dabei handelt es sich natürlich um eine Kooperation mit dem ungarischen Drummer Balázs Pándi, u.a. bekannt durch Zusammenarbeiten mit Japanoise-Urgesteinen wie Merzbow und K.K. Null, mit Breakbeat-Elektronikern wie Venetian Snares und Submerged, oder als Schlagzeuger der Doom-Jazzer Obake:


Montag, 26. Dezember 2016

Resterampe 2016 (3)

So viel Musik, so wenig Zeit… und auf der Zielgraden im Weihnachtsurlaub komme ich dann auch mal dazu, in die wirklich interessanten Dinge reinzuhören...

ART OF BURNING WATER -  Between Life And Nowhere
Auf dem Radar hatte ich AOBW irgendwie schon länger, aber erst als mir 7 Degrees' Simon an seinem Plattenstand beim Bloodshed Fest in Eindhoven nahelegte die zu brauchen, und ich ihm dementsprechend ein Exemplar von "Head of the Tempest" abkaufte, fing ich so wirklich an sie zu wertschätzern. Die Briten machen ziemlich kaputten und nach vorne wollenden Lärm, der die Gefilde solcher Bands wie Keelhaul oder Today Is The Day streift. Älteres gefällt genauso wie die aktuelle. Geil! 



 

BEAT DRUN JUEL - Supressor
"What if PJ Harvey fronted the Dazzling Killmen?“ bezeichnet ein Bandcamp-User das Ganze. Und ja,  BEAT DRUN JUEL sind in etwas hektisch-technischen Noiserock/ Post-Hardcore-Gefilden unterwegs, während die Sängerin (/Gitarristin) ein bisschen zur ausladenden Theatralik mit leichter Schieflage neigt. Bestimmt nicht jedermann's Ding, aber doch ganz schön gut. 




CHILD BITE - Negative Noise
Im Grunde genommen klingen CHILD BITE wie 'ne Band, die zumindest passagenweise wie Jesus Lizard mit Jello Biafra klingen will. Kommt jetzt vielleicht so rüber, als würde ich ihnen Unrecht tun wollen, aber eigentlich meine ich das mit Sympathie fürs Ganze. 




CINEMECHANICA – s/t
Was uns Mitglieder von Maserati und Lazer/Wulf  hier auftischen ist ganz cooler Post-HC/ Mathcore, der Anlagen von Converge und Mastodon hat, diese allerdings auch nicht auf die Spitze treiben möchte. Finde ich echt nicht schlecht:



Sonntag, 25. Dezember 2016

JaKa-Jahresabsch(l)usssause

Es wär' ja 'ne nette Geschichte gewesen, wenn mein Konzertjahr 2016 damit geendet hätte, im Rahmen eines Grind-Packages die Band gesehen zu haben, die bei meinem ersten Konzertabend des Kalenderjahres angekündigt war und dann nicht auflief... aber ich habs noch mal nachgeguckt: Vor dem Konzert von Venomous Concept und Keitzer im Januar, bei dem Word Downfall gar nicht wussten auch angekündigt zu sein, waren mit Locrian und TiT, sowie Scotty Kelly und Nadja schon Events gewesen.
Anyway. Einen Abend vor dem heiligen noch mal eben ins Hinterzimmer des Essener Panic Room (bzw. inzwischen „Don't Panic“) einzukehren, um sich bei einigen in den Hals laufenden Bieren drei Grind-Packungen um die Ohren hauen zu lassen, war als sowas wie 'ne Jahresabschlusssause tatsächlich schon 'ne regelrecht katharsische Sache.
Los ging's ca. 20:20 mit 100000 TONNEN KRUPPSTAHL aus Berlin, die ich mit ihrer Verschrobenheits-Mixtur aus punkigem Grind-Geschredder, hörbarem JaKa-Einfluss und Sludge-Doom-Passagen mit Melvins'schen Weirdo-Einschlag ja durchaus ganz gern mag. Sound war allerdings irgendwie nicht so der Bringer.



WORLD DOWNFALL sind, da kann man sagen was man will, mit ihrem eher etwas old schooligem Grind Richtung (klar) Terrorizer, Phobia und co. echt 'ne Bank. Das ist musikalisch schon geil und da sitzt live auch alles. Sehr cool!


 

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE in ihrer neusten Besetzung zu sehen war schon interessant. Die Dynamik der beiden Frontmänner ist inzwischen eine andere, die Band arbeitet live mit ein paar Sample-Einsprengseln und der Schwerpunkt lag merklich auf eher langen Songs wie 'Abflussbestattung', 'Verrat am Metal' und dergleichen.
Nachdem JaKa in jüngerer Vergangenheit ein eher seltenes Live-Vergnügen gewesen waren, war es nostalgisch-nett und erfrischend anders zugleich, sich das in der aktuellen Inkarnation mal gegeben zu haben.
Summa summarum: Guter Abend!


Samstag, 24. Dezember 2016

Adventskalender 24: Neurosis - Fires Within Fires

Für Heiligabend passt dieses Album langjähriger Helden ganz gut, die ja schon immer irgendwie eine „spirituelle“ Kante hatten…



Die ganze Geschichte? Naja, vielleicht mal nicht die ganze, aber trotzdem gerne mal ein bisschen mehr dazu: NEUROSIS waren in den Neunzigern immer so ein bisschen diese eine Band, die anders als alle anderen ist. Ich könnte jetzt auch sowas floskelhaftes wie „zu Hardcore und altermativ für viele Metaller, zu hart und Avantgarde für die gen Mainstream schielende Alternative-Szene und zu ambitioniert für so manchen Punk-Versteher“ zusammenbasteln, aber NEUROSIS haben durchaus ihre Folgschaft und ihre Nische gefunden, aus der heraus sie einen großen Einfluss auf die heutige Musiklandschaft hatten.
Ihr Unterfangen, in ihrer Musik mehr Raum, mehr Dynamik, mehr Kontrast zulassen zu wollen, als es etwa bei den Lärmattacken eines Albums wie dem 1996er „Through Silver in Blood“ der Fall war, geht auf „Fires Within Fires“ voll auf.
Fand ich den Vorgänger „Honor Found in Decay“ seinerzeit ein bisschen enttäuschend, hat sich das auf dem neuen Album wieder eingerenkt, denn den aktuellen Moment in NEUROSIS‘ jüngerer Entwicklungskurve finde ich sehr gut. 

Die Discographie der Band bei der Gelegenheit an dieser Stelle noch mal genauer zu sezieren hatte ich mir eigentlich vorgenommen, bin jetzt am Jahresende und im Urlaubsmodus aber doch etwas zu faul dafür.
Aber sagen wir mal, ich persönlich finde Frühwerke wie „Souls At Zero“ und „Enemy Of The Sun“ ja genauso essenziell und großartig wie das epische „A Sun That Never Sets“, das glattere „The Eye Of Every Storm“ und auch „Given To The Rising“, als sie nix wirklich neues mehr zu sagen hatten, aber trotzdem noch mal das richtige Album zum richtigen Zeitpunkt hingekriegt haben. 

Großartige Band!

Freitag, 23. Dezember 2016

Adventskalender 23: The Glowing Man

Okay, ich gebs zu: Ein solches Maulsperren-Jahrzehntalbum wie „The Seer“ gelang SWANS danach weder mit „To Be Kind“, noch mit „The Glowing Man“ noch mal. Macht aber nix.



Die SWANS 2010-2017, die sich gerade in ihrer Finalphase befinden, sind eine Band, die eine faszinierende Eigendynamik annahm.
Darüber wurde viel geschrieben, woanders genauso wie hier, weswegen wir weitere Details jetzt auch mal weitere Details sein lassen können.
Michael Gira hat mit dieser neuzeitlichen SWANS-Inkarnation eine ganz eigene Stilformel gefunden, sowas wie ausufernden Post-/ Noise-Rock mit schamanischen Mantra-Charakter zu erschaffen, wie ihn nur diese eine Band spielt.
Eine Reise, der ich sehr gerne beigewohnt habe.