Montag, 24. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW30)

Diese Woche ist veröffentlichungstechnisch wirklich interessant, denn Gilead Media hauen gleich drei tendenziell coole Sachen von Post-Hardcore bis Black Metal raus, während außerdem ein paar unkaputtbare alte Helden mal wieder was neues am Start haben und das ist noch lange nicht alles...

COUCH SLUT - Contempt
Zur krasseren Ecke der Schublade „Noiserock“ irgendwo zwischen Today Is The Day, Brainbombs und Tinsel Teeth neigen die New Yorker COUCH SLUT. Krass, weil sie sowohl musikalisch eher derbe ausgerichtet sind und extremere Metal-/ Hardcore-Härtegrade erreichen und krass, weil die „Darstellungen“ drumherum auch schon mal etwas „expliziter“ ausarten, das dann allerdings mit weiblichem Twist anstatt mit misogynem Kunst-Image a la Brainbombs, Rectal Hygenics und co. ...
Das Debütalbum „„My Life As A Woman“ war schon ziemlich cool, umso gespannter bin ich auf den Nachfolger „Contempt“.



FALSE - Hunger
Neue 7“-EP der Black-Metaller, die auf ihrem unbetitelten Debütalbum durchaus damit zu überzeugen wussten, trotz episch-atmosphärischer Schlagseite eher in die hässlich-dreckigen Klangregionen a la Ash Borer zu neigen anstatt zu glättterem „Post- / Blackgaze“-Humbug wie Deafheaven.




LESS ART – Strangled Light
Curl Up and Die habe ich ja zugegeben nie wirklich gehört; die sich im Laufe ihrer Karriere immer mehr von sowas wie Punkrock mit Emo-, HC- und Heavy-Metal-Versatzstücken zu Post-Hardcore mit fast „artrockiger“ Kante entwickelt habenden Thrice wiederum fand ich ja phasenweise (!) immer wieder mal ganz gut; die in Richtung Noiserock neigenden Kowloon Walled City sind jetzt auch nicht sooo schlecht und die Spaß-Grindcoreler Puig Destroyer habe ich wohl durchaus auch schon mal an mein Ohr gelassen.
Mitglieder all dieser Bands fanden nun auch noch als LESS ART zusammen, um sich dabei auch eher in der Post-Hardcore-mäßigen Ecke einzupendeln. Weitere Stilreferenz-Stichworte: Fugazi, Drive Like Jehu. 




PAN DAIJING - Lack 惊蛰 
In „Experimental/ Avantgarde/ Electronica/ Noise/ Performancekunst/ …”-affinen Kreisen wird die in Berlin lebende PAN DAIJING bereits so ein bisschen als Sensation und schwer einzukreisendes Unikat gehandelt. „(…) a bridge between the world of experimental noise and dark, aggressive, dancefloor-oriented techno“ ist der Erklärungsversuch einer Event-Website, ich finds eigentlich nicht soooo weit weg von Pharmakon. Nur anders.
Auf Youtube kann man jedenfalls auch die eine oder andere Liveperformance von ihr finden, die…. wirklich interessant sind.
Mit „Lack 惊蛰” erscheint diese Woche ihr Debüt in Langspieltonträgerfassung, das sie selbst als „Opernstück“ bezeichnet.
Bandcamp:
https://pan-daijing.bandcamp.com/album/lack-pan79



TCHORNOBOG- s/t
Hier noch ein Nachzügler von vergangenem Freitag, der gerade von Tad Doyle endorsed wurde: TCHORNOBOG ist eine dieser 1-Mann-Black-Metal-Bands, der man Tags wie „Atmospheric“ , „Ambient“ und „Doom“ mit anheftet, allerdings kommen hier dann auch noch Jazz-Vorlieben und daraus resultierende, eher Genre-fremde Instrumente wie Saxophon, Trompete, Cello und Piano dazu.
Bei zwei Songs grölt außerdem Greg Chandler von Esoteric mit.
Name your price!



 
TEMPLE OF VOID – Lords of Death
Wie der eine oder andere meiner drei Leser vielleicht schon bemerkt hat, hatte ich in letzter Zeit wohl mal wieder eher so eine Phase, in der mich klischeetriefender Metal eher weniger reizte, weil anderes einfach wesentlich interessanter ist.
Eine Band namens TEMPLE OF VOID mit einem Album namens „Lords of Death”… naja, das klingt schon auf dem Papier ungehört nicht sonderlich spannend für mich, sondern eher nach Genre-Stangenware. Aber obwohl ToV so einiges machen, auf das ich heutzutage eher allergisch reagiere – z.B. im gleichen Konzept sowohl Growls als auch Johlgesang auffahren zu müssen – so komme ich nicht umhin festzustellen, dass das bisher von „Lords of Death“ gehörte trotzdem ganz schön gut ist.




VELOS - Human Music/Otherworldly
Darf’s auch noch ein bisschen Elektronik sein? Auf Sonic Terror, dem Label von Drum'n'Bass-Könner End.user und n.l.i.c. erscheint eine Digitalsingle von VELOS, die entsprechend technoide Beat-Klatscherei bietet.


 

Außerdem…

ALICE COOPER – Paranormal
Nicht lachen, der Coop ist halt für immer einer meiner ganz großen alten Helden. Nach dem Gesetz der Serie neuzeitlicher Cooper-Alben müsste sein neues dabei wieder mal eines der besseren geworden sein, denn der Vorgänger „Welcome 2…“ (2011) war eine ziemliche Katastrophe, „Along Came A Spider“ (2008) davor war sehr stark, „Dirty Diamonds“ (2005) weitgehend verzichtbar (allerdings sehr starker Titelsong!), „The Eyes…“ (2003) ziemlich cool, „Dragontown“ (2001) völlig unnötig und „Brutal Planet“ (2000) saustark…

THE FALL - New Facts Emerge
Beim Ur-Indie Cherry Red erscheint diese Woche dann auch noch das gefühlt hundertste Album von Mark E. Smith‘ Postpunk-Dinosauriern THE FALL.


Ferner erscheint ein neues Album von PRONG, deren Prä-Revival-Kram ich nach wie vor liebe, aber bei denen ich dennoch mal ganz ehrlich sagen muss, dass Herrn Victor und seine neuen Mitstreitern seit Wiederaufleben hier und da über die letzten 14 Jahre zwar immer wieder mal ein paar gute Songs geglückt waren, jedoch kein auch nur ansatzweise essenzielles Album mehr.
Und das ist in puncto alte Helden immer noch nicht alles, denn Pantera’s REX BROWN veröffentlicht diese Woche ein bluesiges Soloalbum.


PS: Ich weiß nicht ob’s zwischenzeitlich verschoben wurde, oder ob ich mich ursprünglich mal beim Release-Datum verlesen habe, aber am 28.07. erscheint nun auch außerdem das von mir schon mal angekündigte, selbstbetitelte Debüt der kanadischen LOVIATAR via Prosthetic Records. Geboten wird ganz guter Doom zwischen esoterischem Heavy Folk, zeitgemäß-klarem (fast schon "postrockigem") Sound, einem Hauch von Neunziger-Alternative und sogar Echtmetall-Vibes. Wirklich nicht schlecht: loviatar.bandcamp.com

Dienstag, 18. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW29)

AVERY BONER & THE BLONDE DICKS – The Dream Is Dead
Fragt mich jetzt bitte nicht, aus welchem Hut dieser wirre Zirkus-Punk gezaubert wurde, aber AVERY BONER & THE BLONDE DICKS sind ein ganz eigenes Kaliber, das zwei Schlagzeuger und einen Saxophonisten beinhaltet. 
Als hätte man den Weirdo-Faktor von Mr. Bungle oder Sleepytime Gorilla Museum mit der lärmigen Vehemenz früher Swans gekreuzt oder sowas.




GRIMMAGE - Lost in Paradise
Founded in 2012(…).The first songs where guitar/bass with electronic drums and theatrical voice. After creating several songs, Yannick (drums) joined the band and the direction changed from Industrial to Stoner/Doom Metal."
Das ist ja dann auch mal ’ne seltsame Entwicklungskurve. Für den wöchentlichen Fix an neuem Heavy Doom sind GRIMMAGE aus Lüneburg auf jeden Fall einen Reinhörer wert. Für den extradicken Sound sorgt mal wieder ein Mastering der Oldenburger Tonmeisterei.




NARROW LANDS – Everything’s Fine
Scheinbar ist’s eine allzu passende Randerscheinung des Noiserock-Revivals der letzten Zeit, dass in Erinnerung an AmRep-Aussies wie Lubricated Goat und Cosmic Psychos dieser Tage auch wieder ein paar energische Rock’n‘Roller und krachige Punks von down under auf sich aufmerksam machen.
NARROW LANDS tauchten gerade fast wie aus dem Nichts mit dem vergangenen Sonntag (!?) digital veröffentlichten „Everything’s Fine“ auf der Bildfläche auf und gehen mit ihrem lärmig und etwas kühl stampfenden Kram eigentlich schon am ehesten in eine No Wave/ Postpunk Richtung.




NINE INCH NAILS - Add Violence
Zugegeben sind die Zeiten, in denen ich sowas wie großer NIN-Fan war, auch schon lange vorbei. Interessieren tut’s mich trotzdem immer wieder mal, was Reznor so macht. Manchmal finde ich es nicht mehr so gut („Hesitation Marks“ – Mann, war das langweilig!), manchmal geht’s aber doch noch mehr als klar („Not the Actual Events“ – keine Großtat, aber schwerstens okay). Und so war’s wohl eigentlich auch mit How To Destroy Angels, die ja auch schon wieder in Vergessenheit geraten sind…
Diese Woche erscheint mit „Add Violence“ jedenfalls eine neue EP, mal wieder vorerst nur digital bzw. mit „Physical Compoment“ im Direktvertrieb: store-uk.nin.com/collections/music


OWLCRUSHER – s/t
"Blackened Sludge-Doom" aus Nordirland, der diese Woche scheinbar aus dem nichts auftauchte, aber sich wohl schon ewig in der Mache befand:



SLOTH – [diverse Einzeltracks]
SLOTH alias „Sloth of gulf coast Florida“ sind eine wirklich seltsame Band, die ihre Wurzeln im Sludge-Metal hat, aber im Laufe der Jahre mehr und mehr zu reinem Harsh-Noise-Kram überging, und bei der man ferner nicht mehr wirklich so genau sagen kann, was eigentlich Fiktion oder Fakt, ernstgemeint oder einfach nur noch Ulk ist.
So bezeichnen die beiden verheirateten Kernmitglieder ihren Stuff z.B. als „Vegan Black Noise“ und hauten im Verlauf dieser Woche auf Bandcamp täglich einen neuen Track raus, eigenwillige Coverartworks inkl.:
 



TAU CROSS – Pillar of Fire
Kann man auch kurzfassen: Album Nummer zwei der Band um den "Baron" der inzwischen zweifach aufgelösten Anarcho-Legende Amebix und mit Voivod’s unnachahmlichen Michel "Away" Langevin an den Drums.
Da bin ich dabei!




Last but not least:

Im Übrigen kam diese Woche auch "Landscape of Emergency" raus, das Debütalbum von COEUR ATOMIQUE, neue musikalische Spielwiese von Ex-/ Ur-Voivod-Basser "Blacky".

Das Label Art Of Propaganda hat zu Ehren eines verstorbenen Freundes eine 6-Way-Split LP veröffentlicht, zu der Asag, BÖLZER, Goatfukk, Antiversum, Deathcult und Blakk Old Blood jeweils einen exklusiven Song beigesteuert haben.
Das Teil ist auf 500 Stück limitiert und wird nur als ein Exemplar pro Besteller verkauft, mit individueller Kennzeichnung. 

Kriegt man hier: http://www.art-of-propaganda.de/shop/index.php 

Dienstag, 11. Juli 2017

Bob Log III, Dortmund

Endlich auch mal live gesehen: BOB LOG III.
Die „Ein-Mann-Band mit dem Fliegerhelm“ war mir dank Youtube und co. schon länger ein Begriff, so habe ich die Gelegenheit, ihn im gemütlichen Subrosa im Dortmunder Hafenviertel zu sehen, gerne mal ergriffen.
Für alle, die’s nicht kennen: BOB LOG III sitzt dort wirklich mit Fliegerhelm, im getönten Visier ein Telefonhörer, in den er reinsingt, mit Glitzerhemd und Gitarre, während er mit den Füßen Bassdrum und u.a. Pedal mit Clap bedient.
Seine Musik hat Delta-Blues-Flair und Rock’n’Roll-Rasanz, und mit dem etwas gezerrten Gesangssound, der seinen Helm per Funk verlässt, erinnert es dann im Gesamtpaket ferner schon an Blues-Punk-Noiserocker wie John Spencer.
Gerade auch als kleines Live-Spektakel zum Feierabendbier kann man sich das tatsächlich mal geben…
Witzige Randnotiz: Unterm Helm sieht der amerikanische Mittvierziger übrigens Atze Schröder gar nicht mal so unähnlich.

Montag, 10. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW28)

In puncto Musikneuerscheinungen ist’s mal wieder ‘ne interessante Woche, weil ich einen bunten Strauß sehr verschiedenster Sachen auf dem Zettel habe: 

BOOT BUTTOM – Variations on a Cross, Vol. II
Vergangene Woche tauchten BOOT BUTTOM überraschend mit „Variations on a Cross, Vol. I“ auf der Bildfläche auf und boten dabei interessante Düsterhart-Musik mit Doom- und Industrial-Charakteristiken. „No Wave“ auch, wenn man so will.
Schon diese Woche schieben sie mit
... Vol. II neun weitere Tracks nach.   



DESTROYER OF LIGHT - Chamber of Horrors
Bock auf eine dieser Doom-Metal-Bands, die sich hörbar der Tradition ihrer Genre-Wegweiser verpflichtet fühlen, dabei aber dennoch nicht gänzlich auf neuzeitliche Sounds und eigene Ansätze verzichten?
DESTROYER OF LIGHT aus Austin, Texas könnten da evtl. passen!


 

EXPULSION - Nightmare Future
Relapse Records gehen diese Woche quasi mal back to the roots, indem sie “Nightmare Future” von EXPULSION veröffentlichen, sozusagen einer Grind-Supergroup mit (Ex-)Mitgliedern von Repulsion, Exhumded und Phobia. Gruesome und Intronaut könnte man auch noch nennen, um den Namedropping-Kreis zu schließen.
Sicherlich nix, worauf die Welt gewartet hat, aber als Freund gepflegtem Geballers sollte man es auf dem Zettel haben.


 

HAVE DEMONS - Fire Consumes Thin Air
Kurt Gluck alias Submerged und Gründer des Ohm Resistance Labels hat mit zwei Mitstreitern – Lacey Wood (Moog, Sounds) von You Will Choose Fire und Luke Lund (Beats), über dessen Label Terranean Recordings das Ganze auch erscheint - ein neues Projekt namens HAVE DEMONS am Start, bei dem er Bass spielt.
Man hat sich dem Genre „Dark Hop“ verschrieben, womit es u.a. auch Freunden von Dälek, The Bug oder Scorn ans Herz gelegt sei...




MAMMOTH SALMON - Magnetic Fields of Radiant Light
Herrlich schwer groovender Stoner-Sludge-Doom, bei dem eineinhalb Riffs schon für einen Song ausreichen, aus dem derzeitigen Mekka für sowas, Portland, Oregon.
Kann man machen!




OMAHARA – Omahara
Das australische Label Art As Catharsis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Musik zu pushen, die „progressiv, psychedelisch oder einfach nur anders“ ist.
Die neuste Veröffentlichung ist die zweite selbstbetitelte der tasmanischen OMAHARA, die sich zwar etwas zu plakativ auf die Fahne schreiben, was „für Fans von Sunn O))), Locrian, Mammifer und Earth“ sein zu wollen, aber ihr als Live-Improvisation eingefangener Dark Ambient/ Drone-Doom, der von ruhigem Gewaber bis brachialem Geschepper pendelt, hat was!



PLYERS  - Clear

Ebenfalls über Art As Carthasis kommt “Clear” von den PLYERS aus Melbourne, die Daughters, Lightning Bolt und NoMeansNo als Einflüsse angeben, ihren psychedelischen Noiserock tatsächlich auch mit analog-elektronischem Lärm vermengen, und dabei auch immer wieder mal stilistische Abzweigungen einschlagen. 
Nicht ganz uninteressant!



POIZON - Church Is Poizon
„Spätsiebziger/ Frühachtziger L.A.-Punk gemischt mit sumpfigen Australien-Garagenrock“ lautet die Selbst- bzw. Label-Einschätzung zu POIZON, deren Mitglieder allesamt auch schon mal in anderen unbekannten Band gerockt haben.
Checken wir’s aus:


 
SQÜRL - EP #260
Filmemacher Jim Jarmusch macht auch Musik. Als „marginal rock band from New York City who like big drums and distorted guitars, cassette recorders, loops, feedback, sad country songs, molten stoner core, chopped and screwed hip-hop, and imaginary movie scores” beschreiben Sacred Bones Records das Ganze, die sich in der Vergangenheit ja durchaus schon durch einige sehr coole Veröffentlichungen hervortaten (The Men, Pharmakon, Psychic TV, Uniform, Zola Jesus, John Carpenter, David Lynch, …).



LAIBACH - Also sprach Zarathustra
Die Meister der „affirmativen Überidentifizierung“ sind ja, ich glaub‘ das könnte man so ausdrücken, eine Band, die mich einerseits sehr fasziniert, deren Musik ich zu Hause aber zugegeben eher nur seltenst mal auflege. 
Interessant finde ich es trotzdem immer wieder mal, wenn sie was rausbringen.
Auf ihrem neuen Album über Mute Records nehmen sich die Slowenen dem Thema Nietzsche an.

XORDOX – Neospection
Mit XORDOX‘ „Neospection” erscheint diese Woche das Debüt eines neuen, Synthie-lastigen Projekts von J.G. Thirlwell auf Vinyl, CD und digital.
Gitarristin Sarah Lipstate (Noveller) wirkt bei drei Nummern mit!
Direkt bestellen kann man es Übersee via foetus.org



Noch was? Ach ja: ‘ne neue INTEGRITY erscheint auch diese Woche via Relapse. Aber ganz ehrlich… das ist ja so ‘ne Band, die ich um die Jahrtausendwende durchaus mal gehört habe, die bei mir heutzutage allerdings diese Art von Sporthosenmoshercore-Assoziationen weckt, wegen denen ich mir derartiges nicht mehr anhören kann.

Dienstag, 4. Juli 2017

Blckwvs, Egypt, Münster

Premiere für mich: Zum ersten mal im Rare Guitar, einem auch Konzerte veranstaltenden Gitarrenladen unweit des Münsteraner Hauptbahnhofs, dessen Ambiente entsprechend nett ist, allerdings sah die Bude zu finden auf Googlemaps einen Ticken einfacher aus als es dann war… 
Die eröffnenden TRAPPED BY LIGHT bekam ich daher nur noch eher so nebenbei mit einem Ohr mit. Sorry, Jungs, das Los hat man halt manchmal als erste Band, ich kenne das selbst… Das noch gehörte der Münsteraner tendierte dabei in Post-Hardcore-Regionen und schien passagenweise allerdings durchaus ganz nett. 
Danach nahmen BLCKWVS Platz auf der niedrigen Bühne. Songtitel zu merken fällt mir bei denen etwas schwer (war das jetzt '0152 ON' oder '0154 ND'?), aber es gab eine nette Mischung aus immer wieder gern gehörten alten Bekannten und irgendwas, das mir neu war, und überhaupt macht das brummig-dröhnende Instrumental-Geknalle dieser Band, die stilistisch sowas wie eine generische Schubladenablage eher umschifft (für „Post-Metal“ zu dreckig, für „Sludge-Doom“ oft zu schnell und auch einen Hauch zu progressiv), wie immer Riesenlaune und lässt die Bude wackeln. Bin ja gespannt aufs neue Album, das inzwischen mit einiger Verspätung unterwegs ist… 
Die amerikanischen EGYPT wiederum sind so ‘ne Band, die man auf den ersten Blick (bzw. Hinhörer) auch etwas unscheinbar finden könnte, doch irgendwas macht das Trio auf seinem Mittelweg zwischen bluesig groovendem Stoner-Rock und einem kräftigeren Sludge-Metal-Sound samt rau-krächziger Vocals auch richtig, denn gut ins Ohr und auch ins Tanzbein geht das Ganze schon. Selbst zwischenzeitliche Ausflüge ins psychedelische funktionieren bei den Jungs ohne aufgesetzt drangeflanscht zu wirken. 
Hat sich durchaus gelohnt, sich das zur samstäglichen Zerstreuung mal zu geben!

 

Hätte ich allerdings im Vorfeld geahnt, was für ein Horror die Bahnfahrt zurück wird, da auch das „Vainstream“ in der gleichen Stadt stattfand, dessen Festivalgänger die Bahn laut mitgrölend mit Volbeat und Broilers beschallten, ja puh, vielleicht hätte ich mir das ja dann doch eher erspart…

Montag, 3. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW27)

Ja Mensch, ist schon wieder Juli?! Die Zeit, sie verfliegt…

BOOT BUTTOM - Variations on a Cross, Vol. I
Industrial-Doom? Dark Ambient Drone meets Noise? Keine Ahnung, aber diese „Queer Anti-Music“ von BOOT BUTTOM aus Buenos Aires trifft mit düsterem Minimalismus, stampfenden Drums, dröhnenden Bässen und Metall-Geschepper in FM Einheit-Manier schon ziemlich gut den Nerv von mir, der sich in letzter Zeit immer stärker für experimentellen Noise-Kram und in ähnliche Richtungen schielende Grenzgänger-Musik interessiert.
Dass die Jungs dabei mit ziemlicher Sicherheit vom Swans-Debütalbum beeinflusst wurden (bzw. auf ihrer Facebook-Seite passenderweise u.a. auch Godflesh und Khanate angeben) kann man nicht überhören, und wer neben den erwähnten Swans, frühen Neubauten und diversen Justin Broadrick- und/ oder Stephen O'Malley-Projekten z.B. auch noch auf sowas wie Lustmord, Ramleh, C.C.C.C., Abruptum o.ä. steht, für den ist diese „Collection of home recordings and rehearsal takes” auf jeden Fall ziemlich interessant!



DEAD – A Dirty Mind Is A Joy Forever
Nicht zu verwechseln mit den australischen Noiserock-“Dead”, die in diesem Jahr auch schon ein (ja doch ganz gutes!) Album rausgebracht haben, machen die deutschen DEAD Death-Metal-Gerumpel alter Schule mit Grind-Wurzeln und pornös-humoristischer Kante.
Sicherlich trägt zugegeben gerade auch das ziemlich schrille Coverartwork dazu bei, dass „A Dirty Mind Is A Joy Forever” hier überhaupt mit auf dem Radar gelandet ist, wobei man allerdings sagen muss, dass FDA Records ja durchaus immer wieder mal brauchbare Sachen abwerfen (Keitzer, Fubar, Discreation…).



IMPURE WILHELMINA - Radiation
Nennenswert (naja) an den Schweizern IMPURE WILHELMINA ist für mich ja vor allem, dass sie vor gefühlten hundert Jahren mal ein ziemlich gutes Album namens „I can’t believe I was Born in July“ gemacht haben, das ich jedes Jahr um meinen Geburtstag herum mal auflege (bzw. digital abspiele), da dieser tatsächlich im Juli liegt…
Diesen Juli gebären sie selbst ihren sechsten Longplayer und ich wollt‘ wohl mal wieder reinhören, auch wenn mir persönlich ihre Mischung aus Metal und Emo nach besagtem „I can’t believe…“ doch zu deutlich mehr und mehr in Richtung „poppiger Stadion-Metalcore“ abdriftete…



MELVINS - A Walk With Love & Death
With A Walk With Love & Death, the trio of Buzz Osborne, Dale Crover and Steve McDonald showcase two distinct sides of the band’s music: Death, a proper Melvins’ release and Love, the score to the Jesse Nieminen directed, self-produced short also titled A Walk With Love & Death. / The 2CD set features two separate digipaks housed in a sturdy box. The 2LP set features two separate gatefolds in opaque pink vinyl (Death) and opaque violet (Love), housed in a sturdy box along with a download card.
Noch mal ausholen oder eher kurzfassen? Ich versuche den Mittelweg: Es ist irgendwie typisch MELVINS, dass sie eines der besten Rock-lastigen Alben, das sie seit längerem gemacht haben, mit einer Kurzfilm-Soundtrack-Arbeit kombinieren, die eher in eine Richtung irgendwo zwischen „Prick“ und Throbbing Gristle geht. 
Die Rock-Hälfte des Gesamtpakets ist eines der besten Alben, das die MELVINS seit den starken „(A) Senile Animal“ und „Nude With Boots“ gemacht haben. Auch, weil sie hier eher den Gegenpol angesteuert haben: Das Rock-Album des Doppelpakets ist ein eher etwas zurückgelehntes als mit Wumms nach vorne gehendes (Ausnahme: Die Neuaufnahme von ‘Euthanasia‘, 1990 schon mal auf einer „Dope-Guns-'N-Fucking In The Streets“ veröffentlicht) und dabei wirklich, sehr, sehr geil (momentaner Lieblingssong: „Sober-delic (acid only)“)! Scheibe Nr. 2 besteht dann – „Prick“ und „Colossus of Destiny“ lassen grüßen - vorwiegend aus Geräuschen und ist daher durchaus auch streitbar, aber hey – so sind die MELVINS und dafür liebe ich sie.



SHROUD EATER- Strike The Sun
Dieser flotte Dreier aus Miami zeigt schon länger das Potenzial, sich in der Sludge’n‘ Stoner-Metal-Ecke vor allem als bessere Kylesa und vielleicht sogar jugendlich-frische Ausgabe von High On Fire etablieren zu können, während (na sagen wir mal) experimentellere Anwandlungen dann auch noch Referenzen wie die Melvins ins Spiel bringen.
Klingt vielversprechend? Sag ich ja!
Sechs Jahre nach ihrem DIY-Release „Thundernoise“ und vielen zwischenzeitlichen Kleinformaten haben sie diese Woche ihren ersten regulären Longplayer mit Label-Unterstützung draußen! Darauf klingen sie doomiger, passagenweise sogar heavier und etwas übellauniger als erwartet, während sich psychedelische und gar leicht poppige Versatzstücke ziemlich natürlich anfügen. Und irgendwie kommt man nicht um die Feststellung, dass sich die Gitarristin mutmaßlich ein paar Leads bei Jeff Hanneman abgeguckt hat, denn der Schulterblick zu den langsameren Momenten von Slayer ist schon recht auffällig.
Wie schon gesagt: Sie sind und bleiben die Band für diejenigen, die (wie ich) der Ansicht sind, dass es mit Kylesa nach „Static Tensions“ eher bergab ging…

Mittwoch, 28. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW26)

Zuerst dachte ich, dass diese Woche mal Ruhe ist, aber es kommen ja doch ein paar interessante Sachen raus…

BURIAL OATH – Beyond TheVale Of Shadowlands
Das Berliner Label Vendetta hat sich in den letzten Jahren zu sowas wie einer Nummer-Eins-Anlaufstelle für „linken Black Metal“ entwickelt.
Oft sind das (sieht man von den herausragenden Ultha ab) Releases, die mir in musikalischer Hinsicht irgendwie nicht weiter auffallen, handwerklich aber dennoch ziemlich top sind.
Die Schublade ist auf, BURIAL OATH passen rein. 




LOVIATAR – s/t
Für mich persönlich ist es ja doch ein kleine Überraschung, dass aus der derzeit inflationär übervölkerten Psychedelic/ Doom Ecke tatsächlich noch Bands auftauchen, die mich irgendwie beeindrucken.
Den kanadischen LOVIATAR gelingt das damit, gleichermaßen schon mal an „Heavy Folk“ wie Wovenhand zu erinnern, eine Zuneigung zu „echtem Old School Metal“ durchschimmern zu lassen, mit einer sehr klaren Soundästhetik auch noch was „postrockig-modernes“ zu haben und sich dann auch noch eine „Neunziger im besten Sinne (Alice In Chains, Kyuss, Tool, …)“-Schlagseite andichten lassen zu können… das alles allerdings äußerst homogen.
Ferner ist die Rhythmusarbeit echt knackig und die etwas verstrahlt-nöligen Vocals passen ziemlich gut dazu.
Chapeau!




OLDE WOLRDE NUDISTS - Ghost Pimp 2000
Und noch mal Doom-Eigenbrödler aus Kanada, die mit sludgeigem Sound und Groove, traditionellen Vibes, psychedelischen Ausflügen, zusätzlichen Instrumenten wie Keys und Flöte, sowie geteiltem Mann-/Frau-Gesang vielleicht ein bisschen viel auf ein mal wollen, aber uninteressant ist das Ganze nicht: 



PUBLIC ENEMY - Nothing Is Quick In The Desert
30 Jahre nach ihrem Debüt gibt’s „solange der Vorrat reicht“ (denn da gibt es bei Bandcamp Begrenzungen) das neue Album der wegweisenden „solche gibt’s heute gar nicht mehr“-Hip-Hop-Urgesteine zum Gratisdownload!
„It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ ist natürlich ein unsterblicher Klassiker, es waren allerdings vor allem „Fear of a Black Planet“ und „Apocalypse 91... The Enemy Strikes Black”, die von damals über die Jahre immer wieder mal bei mir rotierten, u.a. auch weil der Hip Hop, den Chuck D., Flavor Flav und Terminator X damals gemacht haben durchaus auch seine noisygen Qualitäten hatte. Und an dieser Stelle muss man tatsächlich auch noch mal einen Shoutout an Anthrax machen (…).
Natürlich ist die Band heutzutage glatter und ich bin eigentlich eher zu Dälek und Death Grips weitergezogen, aber als ich „Nothing Is Quick In The Desert“ mal so nebenbei habe durchlaufen lassen, gefiel es mir echt sogar ganz gut!




VASARI - Starbound
Etwas, das nicht nur beim Zeitgeister-Label erscheint, sondern dann auch noch mit musikalischer und weiterer Unterstützung von Valborg-Mitgliedern entstand, hat zwangsläufig meine Aufmerksamkeit…
VASARI ist sowas wie das Soloprojekt des Duisburgers Matin Vasari, der sich hier seiner Vision von „Epic Metal“ (Crimson Glory, Virgin Steele, Manilla Road, Bathory…) und Einflüssen von Frühneunziger-Peaceville-Bands wie Anathema verschreibt.