Donnerstag, 21. März 2019

25 Jahre Far Beyond Driven

Kann man ja auch mal erwähnen: PANTERA’s "Far Beyond Driven" ist heute ein Vierteljahrhundert alt! 
Sieht man jetzt mal davon ab, dass die Vorgängeralben "Cowboys from Hell" (1990) und natürlich der Game-Changer "Vulgar Display of Power" (1992) die klar besseren und runderen Werke sind, hat FBD wohl schon allein deswegen eine gewisse Signifikanz in meinem Musiknerd- und Metalfan-Leben, weil die Band damals irgendwie allgegenwärtig war und die Videosingles "5 Minutes Alone", "I'm Broken", sowie sogar der psychedelische Sabbath-Coversong "Planet Caravan" in den damaligen Spartensendungen von MTViVa dauerrotierten. 



Was "I'm Broken" und "5 Minutes Alone" damals wie heute eigentlich auszeichnete sind schwach-stumpfe Strophen und starke Refrain-Riffs.
Starke Strophen hatte dafür "Becoming": Mit dieser Kombination aus Quietschriff und unglaublicher Doublebassdrum-Arbeit der eigentliche Star des Albums.
Der Opener "Strength Beyond Strength" ballerte ebenfalls mit einem gewissen Wahnwitz und irgendwie war ich damals der einzige meiner Peers, der besonders von "Hard Lines, Sunken Cheeks" angetan war, einer etwas auskomponierteren Nummer mit doomigen Parts und rasanten Doublebass-/ Stakkato-Riff-Massakern. 




"Far Beyond Driven" ging allerdings als das Album in die Genre- und Band-Geschichte ein, bei dem sich PANTERA etwas in dem Versuch verzettelten, noch deftiger zu tönen, denn an einigen Stellen blieb der Song dabei etwas auf der Strecke. 
Der eigentlich sogar noch zerfahrenere und wahnsinnigere Nachfolger "The Great Southern Trendkill", der unter Spannungen innerhalb der Band litt und dann wirklich sowas wie eine noch härtere Antithese zu potenziellem Stadion-Metal war, kam in seiner krassen Kaputtheit und kompromisslosen Konsequenz dann ja irgendwie sogar noch interessanter und destruktiver als FBD daher. Zu dem Zeitpunkt waren PANTERA wirklich zugleich sowas wie chaotische Rock’n’Roll-Proleten und eine Band mit dem kreativen Willen, das machbare ganz ohne kommerzielles Kalkül weiter auszuloten…
Und selbst das finale PANTERA-Album "Reinventing the Steel", das sie zum Schluss noch mal einen ganzen Tacken versöhnlicher, zugänglicher und eigentlich vor allem um sich selbst drehend zeigte, ist das irgendwie rundere Hörvergnügen als "Far Beyond Driven".

Ändert allerdings nix an folgendem: Höre ich heute einen Song von "Far Beyond Driven", denke ich unweigerlich an Mittneunziger-Sommer, in denen ich halblange Jam-Hosen mit Metalband-Logos trug und meine ersten eigenen musikalischen Gehversuche mit dilettantisch-metallischen Provinzrumpeltruppen startete, bei denen man im Keller irgendeines Bandmitglied-Elternhauses eher schlecht als recht was von Metallica, Megadeth, Rage Against The Machine, Sepultura oder eben tatsächlich auch schon mal PANTERA anspielte, bis ein Nachbar das Ganze nicht mehr mitmachen wollte. Zeiten, in denen man sein knappes Ferienarbeitsgeld für ein paar wenige CDs pro Quartal ausgab, die man dafür dann allerdings rauf- und runterhörte, während man andere von Kumpels auf Tape überspielt bekam. Man las Musikmagazine und nahm Sonntagnachts „MTV’s Headbanger‘s Ball“ und Mittwochabends Viva’s „Metalla“ auf VHS auf, um am nächsten Nachmittag nach der Schule davor zu sitzen und sich im Wohnzimmer headbangend an sowas wie "5 Minutes Alone" oder "I'm Broken" zu erfreuen oder über "Planet Caravan" zu wundern…


Neue Songs kurz notiert (Pig Destroyer, Low Dose)

1.) Nach ihrer Flexi-Disc für das Decibel-Magazin (auch bei Soundcloud) haben PIG DESTROYER jetzt auch noch 'ne neue Digital-Single via Adut Swim draußen: https://www.adultswim.com/music/singles-2018/31

 2.) Von LOW DOSE, die sich aus allen drei Mitgliedern, die zuletzt Fight Amp bildeten und der Sängerin/ Gitarristin der ebenfalls aufgelösten Legendary Divorce zusammensetzen, kann man sich eine Woche vorm Release ihres Debütsalbums (Bandcamp / siehe Monatsübersicht) einen Eindruck in Form einer Live-im-Radiostudio-Session verschaffen. Es gibt einen Song auch als sehenswerten Video-Mitschnitt und eine Konservierung des Ganzen bei Soundcloud:

Mittwoch, 20. März 2019

Sumac, Baptists, Endon…

Ach ja… kurzes Resümee noch mal eben dazu, dass ich mir am vergangenen Donnerstag im Dortmunder Junkyard SUMAC, BAPTISTS und ENDON angesehen habe, weil mir zum Feierabendentertainment schwer nach Bier bei Live-Krachmusik war, als sich eine bis dahin ziemlich nervige Woche ihren Ende näherte…:
Die japanischen ENDON mal live zu sehen und zu hören war durchaus interessant, denn dabei wurde mir dann auch klar, warum von Konserve bisher nicht so richtig mit ihnen warm wurde: Die Band besteht aus Frontmann, Drummer, Gitarrist und gleich zwei Mitgliedern, die mit Tasten, Knöpfen und Touchpad Noise-Getöse und -Gebrumme machen. Man exerziert an der rockmusikalischen Basis gekonnt verschiedene Ideen durch – Schubladisierende Assoziationen wie Grind, Black Metal, Post-HC und Metalcore kommen einem dabei alle zwischendurch mal, passend dazu macht der Shouter auch alles von tiefen Grunts bis zu hohem Gekeife – welche dann durch die Japanoise-Zusätze mitunter im allgemeinen Krach zu einem ziemlichen Noise-Metal-Inferno verschwimmen.
Interessanter Genre-Crossover also, der live dann auch auf einmal Sinn machte, dessen Halbwertzeit ich allerdings trotzdem irgendwie ein bisschen anzweifel‘.

 
Die BAPTSTS wiederum entpuppten sich mit einem knackig-kurzen Knüppel-Set als kurzweilige Sache. Die Band hat so eine Stoner-Slacker-Aura, spielt trotz Sludge-Schlagseite allerdings eher sowas wie metallischen Rumpelcore mit D-Beat-Passagen. Komischer Fontmann irgendwie, so wie er da etwas semimotiviert über die Bühne tänzelt, aber für ’ne halbe Stunde Geballer war das wie gesagt schon recht kurzweilig (auch wenn ich mir jetzt kein Album von denen kaufen müsste).
Der Drummer konnte gleich sitzen bleiben, denn er spielt ja auch bei SUMAC mit. Jene wachsen bei mir! Ich hab’s schon mal gesagt und sag’s auch mal wieder: Ich bin ja einfach nicht der allergrößte Fan von Aaron Turner (Isis etc.). Irgendwie fehlt seiner Musik in meiner Wahrnehmung wohl oft so eine gewisse Tiefe, die ich brauche, ich kann es aber auch nicht wirklich besser ausdrücken.
SUMAC wussten an diesem Abend aber passagenweise noch mal ein ganzes Stück als sonst schon mal zu gefallen. Der handwerklich durchaus beeindruckende und passagenweise immer wieder mal nicht uninteressante Lärm der Band ist in den Momenten am besten, in denen er wie Chaos mit Methode anmutet. Das Ganze sägt und klöppelt sich durch eine schwer zu definierende Niemandslandschaft, die man genauso als Hardcore  wie auch als Noiserock wie auch als Death Metal bezeichnen könnte. Letzteres u.a. wegen der Grunzerei von Turner, die ich etwas variationsarm und flach finde. Mit einem anderen Vocal-Style wären SUMAC vielleicht wirklich noch cooler. Irgendwie ambivalent-faszinierend ist für mich auch, dass ich das, was das Trio so an Krach und Geknüppel auffährt in Moment immer wieder mal ansprechend finde, in seiner Gänze dann aber wiederum doch etwas nichtssagend.

Am kommenden Samstag in Berlin wird übrigens Caspar Bötzmann dazu stoßen, mit der Band gemeinsam zu musizieren. Irgendwie macht das Sinn, auch wenn SUMAC für mich immer noch nicht so hundertprozentig Sinn machen…

Letztens im Plattenladen...

Äh, ja...

Montag, 18. März 2019

Nullhundertsechzig und ich kaufe ein Vokal

Warum ich BLCKWVS (in einigen Kreisen auch liebevoll als "Bckwrst" verhohnepipelt) sehr schätzte: Sie haben ihren ganz eigenen Sound und Stil!
Sowas wird vielleicht auch über Andere gesagt, aber auf BLCKWVS trifft es halt wirklich zu.
Und ja, Instrumental-Musik zwischen Postrock-Klangmalerei und dreckig dröhnendem Sludge-Drone-Doom zu machen klingt dieser Tage „auf dem Papier“ so ganz allgemein vielleicht nach keinem ungehörten Alleinstellungsmerkmal mehr, dennoch kenne ich in derartigen Gefilden keine andere Band, die für mich so viel unverkennbare Eigenidentität besitzt wie die eben auch schon fast eineinhalb Dekaden aktiven BLCKWVS. Und das muss man überhaupt erstmal hinkriegen.
Teil dieser Eigenidentität ist ohne Frage, dass bratzig bratende Moog-Synthies Klangtexturen zufügen, die breitflächig, lebendig und schmutzig kommen, und auch im Bass-Bereich einfach mehr passiert als man es von woanders her gewohnt sein mag.
Weiterhin fährt die Band gerne auch schon mal eher schneidig-rasant knallende Gangarten auf anstatt sich hauptsächlich durch doomig schleppende Grooves zu stampfen und ergeht sich ferner in vertrackt-verspielt angesetzten Songaufbauten, deren Rhythmen und Rifffiguren eben nicht vor allem durch die Standardschablonen des Rock-/ Metal-Anfängerhandbuchs gepresst wurden. An der Stelle merkt man dann halt auch, dass die Jungs vorher alle vor allem in diversen (Post-)Hard- und Grind-/ Noisecore-Bands lärmten (The Kinetic Crash Cooperation
Cheerleaders Of The Apocalypse und vor allem The Lovesongcompany übrigens alle ihrerzeit mal live gesehen und das war auch alles schon geil....).
Das, meine lieben Freunde, sind halt die Hintergründe, warum die Eigenmarke BLCKWVS einfach so ein bisschen anders und auch interessanter klingt, als viele andere Bands im „Post-/ Sludge-Metal“-Wust der letzten Jahre.

Es hatte eine Weile gedauert, bis ihr neues Album "0160" fertig war. Denn dieses liegt als extrem cool aufgemachtes (s.u.) Doppelalbum in einer rein instrumentalen Fassung vor und in einer, bei der jeder Track von einem/r anderen Gastsänger/in gekört wird – was im Übrigen textlich eine durchgängige Narrative bildet (darüber, dass es keinen Weg zurück aus dem schwarten Loch gibt) - und letzteres brauchte dann wohl doch so seine Zeit. 



Die instrumentale Version von "0160" ist jedenfalls für sich schon ziemlich super. 1-2 Nummern habe ich die Band zuvor glaube ich auch schon mal live spielen hören und irgendeinen der neun Tracks hervorzuheben ist ziemlich schwierig, denn einfach alles ist super, egal ob die Band mit Schmackes knallt, im Midtempo die Groove-Kelle schwingt oder auch mal in psychedelische Tiefen abtaucht, was man im Gegensatz zu anderen aber nicht mit einer Betonung der Effekte, sondern einer weitergehenden spielerischen Substanz tut.



Was die Vocal-Version des Albums betrifft, gefällt mir persönlich vor allem das Endspurt-Doppel am besten: Bei '0168 BA' zeigt Marc Grewe (u.a. Ex-Morgoth) allen jungen Möchtegerns, warum sein Gröl- und Keif-Organ schon vor Ewigkeiten als Szene-Referenz galt und das abschließende '0169 CK' hat mit Ed Fraser von der Berlin-basierten Band Heads (die sowas wie entspannten Noiserock machen) einen regelrechten Neunziger-Alternative-Charme, der mich fast ein bisschen nostalgisch macht. Mega!


Wenn’s über die volle Länge so geil wäre, wär’s das Album des Jahres. Ganz ohne Scheiß.
Allerdings überzeugen mich leider nicht alle Gesangsleistungen. Und ich will ja eigentlich auf niemanden mit dem Finger zeigen, aber was z.B. der Frontmann der Berliner Thrasher Space Chaser bei '0162 AC' veranstaltet, nähert sich halt zu nah jener Art von Metal, zu der ich aufgrund derartiger Vocal-Styles schon lange ein ambivalenteres Verhältnis hatte (und das sage ich, obwohl am Anfang meiner hartmusikalischen Sozialisation durchaus mal für fünf Minuten Helloween standen und sich kurz später auch Joey Bellodanna länger durch die Dauerrotation jaulte…).
Und irgendwie bin ich entgegen meiner sonst eigentlich immer Hippie-esker werdenden Natur fast ein bisschen schadenfroh darüber, dass der Fransenponcho-Typ von Kadavar (die ich halt eher langweilig, sowie ein bisschen albern und ziemlich überhypet finde) was abliefert, das ich als relative Nullnummer empfinde (bei seinem Hexen-artigen Aufschrei musste ich sogar kurz lachen). Aber sei’s drum...
Ändert halt nix daran, dass BLCKWVS’ "0160" wirklich ein Mega-Album ist. Ob mit oder ohne Vokale, äh, Vocals.

Mittwoch, 13. März 2019

Data Mirage Tangram

Kommen wir mal direkt auf den etwaigen Knackpunkt: 
THE YOUNG GODS 2019 klingen halt nicht mehr so wie die Young Gods, die mit dem 89er "L'eau rouge" und dem 92er "T.V. Sky" so originelle Maßstäbe bei der Verquickung von hartem Rock und eigenwilliger Elektronik setzten, dass u.a. Mike Patton, Devin Townsend, The Edge (U2) und David Bowie bekennende Fans wurden.
Nein, sie klingen auch nicht mehr so wie die Young Gods auf dem inzwischen halt auch schon wieder fast zwanzig Jahre alten zweitem Frühling "Second Nature" von Zweitausend (Ipecac!).
Wie sich schon durch stärkere Ambient-Anwandlungen und gar ein Akustikalbum zwischendurch, außerdem das ziemlich zahme 2010er "Everybody Knows" abgezeichnet hatte, ist man im Alter tatsächlich ein bisschen gesetzter geworden und schwingt nicht mehr primär die gröberen Kellen (wie z.B. einst mit Voivod-Riffklau oder bei der coolen Dreigroschenoper-Interpretation).
Dabei ist – äußerst interessante Randnotiz – Urmitglied und Keyboarder/ Sampler-Bediener Cesare Pizzi zurück an Board und ersetzt seinen einstigen Nachfolger Al Come, der von ’89 bis 2012 bei den Schweizern in die Tasten haute und die Köpfchen drehte.

Faszinierend an THE YOUNG GODS ist und bleibt allerdings ihr ureigener Sound durch diese eigensinnige Instrumentierung: Da wo andere Electro-/ Industrial-Rocker eher Bratriffs auf Maschinen-Beats setzen würden, da stützt bei ihnen ein menschlicher Rhythmusgeber das, was an Gitarrensamples und weiteren Klangfetzen durch die Elektronik gejagt wird. THE YOUNG GODS klingen daher damals wie heute wie wirklich keine andere Band und man täte ihnen eigentlich wirklich Unrecht damit, dem Ganzen ein stilistisches Etikett anzuheften, welches man eher mit anachronistischer Gothclub-Musik oder ähnlichem generischen Unrat assoziieren möchte. Sie waren nie wirklich so etwas wie eine Szene-Band und sind auch heute noch ein Klangkünstler-Unikat im Rockband-Format, denn das Ganze kommt oft mit so einer gewissen organischen Wärme daher, anstatt wie aus dem Baukasten zusammengesetzt.

Deswegen ist’s auch 2019 wieder, bzw. zugegeben inzwischen auch schon mit einem Hauch von Nostalgie-Bonus ein regelrecht schönes Gefühl, in ein neues Album von ihnen einzutauchen. Die charismatisch-markante Singstimme von Frontmann und Bandchef Franz Teichler zu hören, wie sie auf englisch und französisch über einem wabernden Soundmix thront, bei dem treibende Drums, pluckernde und fritzelnde Synthie-Noises, sphärische Leads (bei denen Teichler inzwischen auch schon mal selbst zur Gitarre greift) und ein paar „extern entliehene“ Fragmente aus der Welt der Rockmusik zusammenfließen und zusammen fließen.




Auf "Data Mirage Tangram" hat das Ganze dieser Tage öfter mal eher schon regelrechten Chillout-Charakter, neigt zu sowas wie Trip-Hop, sägt zwischendurch aber trotzdem auch noch mal lauter.
An dieser Stelle muss man wohl das aus den sieben Tracks etwas herausstechende "Tear Up The Red Sky" nennen, dessen „ambivalenter“ Rhythmus nicht ganz unclever ist, da die Four-to-the-Floor-Bassdrum nach vorne marschiert, während es die Snare auf drei dann wieder etwas zurücklehnt.
Etwas schmunzeln muss ich außerdem darüber, dass man tatsächlich auf meiner Seite vergessen geglaubte Musikindustrie-Sitten beibehält, wie den siebeneinhalbminütigen Album-Song für eine Singleauskopplungsversion samt Videoclip auf eine halb so lange Spielzeit runter zu editierten…




Nein, "Data Mirage Tangram" ist kein Album, das man, wenn’s dann mal wieder so weit ist, weiter oben in seine Jahrescharts hacken wird. "Data Mirage Tangram" ist mehr sowas wie der seltener gewordene, angenehme Abend bei alten Freunden, der dann zwischendurch aber auch einfach mal wieder sein muss. Wild und aufregend war’s halt früher mal, aber man hat sich durchaus auch noch neues zu erzählen.
Ich hör’s gerad‘ jedenfalls echt gerne!


Freitag, 8. März 2019

25 Jahre The Downward Spiral

Peak Industrial-Metal? Heute vor 25 Jahren erschien neben Nailbomb’s "Point Blank" vor allem auch NINE INCH NAILS‘ "The Downward Spiral".
(Bedankt Euch später bei mir, dass ich es nicht mit einem krampfhaften
"hihi, nageln"-Kalauer eingeleitet habe...)
Es gab sicherlich Zeiten, da hätte ich "The Downward Spiral" in einer All-Time-Lieblingsalben-Top-5 auf wirklich jeden Fall mit aufgeführt. Phasenweise vielleicht sogar mal als die #1, auch wenn rückblickend inzwischen schon etwas verschwimmt, auf welche Jahreszahlen bzw. Lebensphase ich das ungefähr eingrenzen würde…

"The Downward Spiral" kann, bevor wir uns missverstehen, auch heute noch ein faszinierendes Album sein, allerdings muss man dabei dann dennoch eingestehen können, dass es durchaus ein bisschen Staub angesetzt hat.
U.a. auch, weil die 14 Tracks von ca. 65 Minuten Gesamtspiellänge in ihrer heterogenen Stilbreite ein Bild zeichnen, zu dem mir heutzutage ein Urteil wie "überladen" in den Sinn kommen würde.
NIИ-Bandkopf Trent Reznor schien nämlich irgendwie alles auf ein mal zu wollen: Progressiven Sound-Perfektionismus als Rahmen einer abgefuckten Punk-Attitüde mit (selbst)zerstörerischer Aura;
schädelspaltend abweisender Krach musste dabei genauso sein wie auch mal der eingängige Tanzrhythmus, in den Sadomaso-Keller sollte es genauso gehen wie auf die große Rockhelden-Bühne und der Weg dahin führte ferner noch mal eben genauso durch industrielles Fabrikhallengetöse wie zu Ruhemomenten am Lagerfeuer.

Und die Videosingle 'March of the Pigs' (dessen damals gängige Version man seltsamerweise gar nicht mehr auf Youtube finden kann, sondern lediglich eine ursprünglich unveröffentlichte) war dabei in der Tat ein passender Repräsentant für die komplexe Ambivalenz, die "The Downward Spiral" umgibt.



Ein krumm knallender Schlagzeugrhythmus, brachialster Gitarrenlärm mit atonaler Kante und Geschrei… dann auf ein mal sowas wie ein technoider Part, als Krönung ein Outro mit Lounge-Charakter. Auch heute noch ein seltsamer Brocken von Song, aber eben auch total geil. Irgendwie sehr typisch Neunziger, aber in dieser Machart doch nach wie vor weitgehend einzigartig.

Was ich persönlich NINE INCH NAILS und diesem Album dabei auf jeden Fall zugestehen muss ist, dass mein eigener Horizont dadurch durchaus ziemlich erweitert wurde.
Das ruhige Ambient-Stück 'A Warm Place' (das übrigens auch im Film "Natural Born Killers" zu hören war) gefiel mir genauso wie der hartkantig stampfende EBM-Rocker 'Ruiner' mit seinen pompös trötenden Passagen. Der Gothclub-Gassenhauer 'Closer' war auch abseits seines berüchtigten "I wanna fuck you like an animal"-Refrains mit diesem kybernetisch anmutenden Sound irgendwie anders als alles andere, was ein Metal-Dorftrottel wie ich sonst so an die Ohren bekam, und unorthodoxe Akzente wie der Drumsolo-Ausraster am Ende des zurückgelehnteren 'Piggy' zeigten dem geneigten Rockmusik-Spießer, dass man sowas halt tatsächlich wohl auch einfach mal machen kann.


Vielleicht würde ich heutzutage nicht mehr so weit gehen, "The Downward Spiral" als sowas wie ein ganz wichtiges Album in meinem Leben zu bezeichnen. Vielleicht kommt einem, ein Vierteljahrhundert später noch mal draufgeschaut, so einiges daran heutzutage auch eher schon etwas grotesker als gewollt bzw. ziemlich überzeichnet vor. Dass ich ohne dieses Teil in Bezug auf mein heutiges Musikverständnis aber ein mutmaßlich ganz anderer Mensch wäre, das ist ziemlich sicher.