Freitag, 22. September 2017

Heim

Liebes Tagebuch,
gestern habe ich eine der in meinem Empfinden seltsamsten Bands gesehen, die ich seit langem gesehen habe.
Die Rede ist von den süddeutschen (und irgendwie auch Hamburger?) HEIM.


Die Veranstaltungsseite der gemütlichen Hafenschänke Subrosa in Dortmund kündigte „Songs, die melancholisch-melodische Gitarrenrockmomente à la Dinosaur Jr. oder Built to Spill entfalten oder mit einer Heavyness alles kaputtreißen, was Bands wie Shellac übriggelassen haben“ an, an anderer Stelle las ich gar was von Slint-Reminiszenzen und im OX Magazin überschlug man sich zum aktuellen Album „Palm Beach“ („Album des Jahres-Alarm! (…), „Ausbrüche, die bis zu astreinen Noiserock-Attacken anwachsen“, ...).
Irgendwie klang das alles nach einer Band, die ich mir mal angucken möchte.
Gesagt, getan.

Besonders in der ersten Hälfte ihres Auftritts war Indieschrammelrock angesagt, der die eine oder andere herrliche Sonic Youth’sche Schrägheit in der Gitarrenarbeit auffuhr, mit einem gelegentlich etwas hektisch schiebendem Uptempo-Boogie und deutschsprachigem Nölgesang allerdings jene Art von Hamburger-Schule-Assoziationen bei mir weckte, die noch nie so mein Ding waren.
Wenn es dann mal einen lauteren Ausbruch mit deftigeren Vocals gab, waren Nirvana nicht weit.
Dass der Bassist und Sänger im Jeanshemd und der langhaarige Gitarrist mit Bathory-Longsleeve kaum unterschiedlichere Typen sein konnten, gab der Sache ferner etwas leicht irritierendes.
Dem Ganzen trotzdem eine Chance zu geben lohnte sich allerdings, denn Irgendwie verschob sich das Ganze gegen Ende mehr und mehr zu eigensinnig-wuchtigem Noiserock, wie er mein Ding ist. Bass und Gitarre wurden getauscht und die letzten beiden Songs waren auf ein mal irgendwas zwischen stoisch pumpenden No-Wave-Stampfern und krachenden Brachialrock-Infernos, die tatsächlich was von Shellac oder auch Swans hatten und ganz schön geil waren.  
Als Zugabe gabs dann allerdings noch mal ‘ne Indieschrammelrock-Nummer, die etwas antiklimatisch kam.

So ganz mitgekommen bin ich bei dem Gesamtpaket HEIM ja ehrlich gesagt nicht. Das liegt vielleicht auch ein Stück an meiner Hardrockopa- und Ruhrpottmetaller-mäßigen musikalischen Sozialisierung, der ich seit Jahren mäßig erfolgreich entfliehen möchte.
Wie ich aber neulich auch schon mal zur ebenfalls süddeutschen, irgendwie durchaus auch etwas vergleichbaren Indie-/ Noiserock-Band Die Nerven schrieb: Wenn das hier sowas wie den hiesigen Indie-/ Rock-Nachwuchs repräsentiert, dann ist diese Jugend von heute aber doch noch nicht so ganz verloren!  


PS: Für schlechte Handyfotos war ich an diesem Abend zu faul. Musste eh mein Bier halten.

Montag, 18. September 2017

Dieser Tage raus (KW38)

A Week of Doom’n’Dröhn und noch viel mehr!

CHELSEA WOLFE – Hiss Spun
Ladies First: Bei Chelsea bin ich immer so ein bisschen hin- und hergerissen, ob ich persönlich das brauche oder nicht. U.a. auch, weil die Dame einerseits in Folk-Gefilden wurzelt, die nicht so mein Ding sind, andererseits dann aber auch doch immer wieder mal mit lauteren und atmosphärischen Tönen überzeugt, wie z.B. bei ihrer diesjährigen Show auf der Roadburn-Hauptbühne, denn das war echt ziemlich beeindruckend…
Diese Woche erscheint ihr neues Album und ich werd’s mir auf jeden Fall mal anhören.



DODGE METEOR – Real Soon Now
Neues auf Riot Season, dem sympathischen britischen Expertenlabel für Psychedelic- und Noise-Punk/-Rock. Sechs Songs auf Tape oder digital von einer Band, über die ich bisher  ehrlich gesagt noch gar nichts weiteres weiß…


FIVE THE HIEROPHANT - Over Phlegethon
Erster Langspieler nach einer vorangegangenen Debüt-EP dieser Truppe aus London, die sowas wie experimentellen Drone-Doom unter Zusatzeinsatz einiger eher jazziger (Blas-)Instrumente macht. 



GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR – Luciferian Towers 
Kann man ebenfalls kurz abhaken: Neustes Album der politisch angehauchten kanadischen Postrock-Originale, die vieles an der neoklassisch inspirierten und Ambient-orientierten Front des Genres prägten.


METZ – Strange Peace
Als tendenziell ins noiserockige neigende Band auf SubPop sind METZ in meiner Wahrnehmung ja irgendwie ein bisschen sowas wie die braven, angepassteren, etwas unlockeren Cousins der als Familienclown berüchtigten Pissed Jeans. Jene bevorzuge ich generell gegenüber vielem anderen, aber METZ gehen halt auch okay.


MONARCH - Never Forever
Doom’n’Dröhn zum ersten: Die neben Khanate eigentlich auch schon als Genre-Vorreiter der unerreicht ganz derben Drone-Sludge-Gangart durchgehenden MONARCH haben mal wieder ein Album am Start. Auf jenem ist ihr Stil noch mal einen Hauch komplexer geworden, vor allem was das vertikale Arrangement angeht.  



MONOLORD - Rust
Doom’n’Dröhn zum zweiten: MONOLORD werden irgendwie so ein bisschen als die Nachzügler im Fahrwasser von Electric Wizard und Yob gehandelt, bei denen es mit Originalität so eine Sache ist... Dennoch muss man sagen, dass der Stoner/ Sludge/ Doom Sound bei ihnen ganz gut passt.



UFOMAMMUT - 8
Doom’n’Dröhn zum dritten: Wer UFOMAMMUT mal live gesehen hat, versteht sie vielleicht erst so richtig (oder auch immer noch nicht, wenn man eher Schöngeistmetaller ist…). Auf Platte höre ich das infernalische italienische Trio zugegeben irgendwie gar nicht mal so oft, fühle mich ihrem bebenden Drone-Sludge aber dennoch sehr zugeneigt.
Bei Bandcamp muss das Teil erst noch aufschlagen: ufomammut.bandcamp.com


WITH THE DEAD- Love From With the Dead
Doom’n’Dröhn zum vierten: Auch Album Nummer zwei von der aktuellen Band Lee Dorians erscheint diese Woche, natürlich via Rise Above Records.
Bandcamp gibt's da meistens nicht.


WOLVES IN THE THRONE ROOM – Thrice Woven
Last but not least: Neues Album der „Cascadian/ (Post-)“ Black Metal Speerspitze!
Gaststars (u.a.): Anna von Hausswolff und Steve Von Till!



Und sonst noch?
IMPLORE hauen ihr „Subjugate“ bei Centuria Media raus und KING PARROT's
Ugly Produce" ist ganz spaßiger Grind-Thrash'n'Roll.
Die Zeiten, in denen ich SATYRICON mal irgendwie interesant fand sind zwar auch schon ewig vorbei, aber deren neue gibt's sogar bei Bandcamp: satyricon.bandcamp.com
STREET SECTS' Industrial-Punk hatte mich beim letzten mal zwar nicht so völlig umgehauen, aber ihrer neuen via The Flenser kann man trotzdem noch mal 'ne Chance geben: streetsects.bandcamp.com

JARBOE & FATHER MURPHY veröffentlichen eine gemeinsame EP über Consouling Sounds und sind dann auch direkt hier auf Tour.  
Experimentallärm-Freunde sollten außerdem "Juxtaposition" auf dem Schirm haben.

Habe ich sonst noch was vergessen?

Dienstag, 12. September 2017

Dieser Tage raus (KW37)

BIG|BRAVE – Ardor
Warum entdecke ich BIG|BRAVE eigentlich erst jetzt beim dritten Album für mich?
Das kanadische Trio ist mit seinem unbehaglichen, irgendwie in keine Schublade so richtig passenden No-Wave-Doom von „Ardor“ nämlich irgendwie total mein Ding. 
Dass jemand von GY!BE hier mitmacht ist dabei sogar eher Randnotiz.
Da muss ich mir jetzt wohl auch dringend die beiden Vorgängerwerke zu Gemüte führen…
Das Teil erscheint via Southern Lord Records und wird im Laufe der nächste Tage sicherlich auch noch auf der Bandcamp-Seite der Gruppe auftauchen: bigbrave.bandcamp.com



 

MAGAMA WAVES -  ...and who will take care of you now
Instrumental-Postrock aus der kleinen aber feinen ‘Ruhrgebiet-West-Clique‘ an Instrumentalisten von Ambient/ Drone bis, nun ja, eben sog. Postrock (Kokomo, Orange Swan und [bolt] kann man jener auch zurechnen).
Vier Jahre nach ihrer letzten EP und fünf nach ihrem Debüt-Longplayer haben die Jungs auch mal wieder was am Start.



MYRKUR – Mareridt
Von elitär verdrehten Schwarzmetall-Dauerpubertierern gehasst und von Schöngeistmetallern umso mehr goutiert, legt die Dänin Amalie Bruun alias MYRKUR den zweiten regulären Longplayer mit ihrer Interpretation von Folk-beeinflusstem Black Metal vor.
Davon kann man halten was man will, aber jede Menge Talent muss man der "medienwirksamen" Blondine definitiv zusprechen.
Bei einem Song macht übrigens Chelsea Wolfe mit!



OVERDOSE SUPPORT – Try Dying
Krachiger, schrägerer Rock mit jeder Menge AmRep-Vibes aus dem Umfeld solcher Bands wie Dark Buddha Rising auf dem wirklich interessanten Label Kaos Kontrol.
Auch wenn’s klischeehaft ist: Nachdem man aus Finnland über Jahre hinweg vorwiegend Kitschkack wahrnahm ist es schön, dass die Weirdos dort anscheinend wieder das Feld übernehmen!
Hier macht man nicht so viel verkehrt:



SQUALUS - The Great Fish​.​.​.
Kennt noch wer die anscheinend inzwischen aufgelösten
Giant Squid? Die waren ja auch schon etwas seltsam. Bei SQUALUS handelt es sich wohl um eine Art Nachfolge-Band, die musikalisch und thematisch in ähnlichen Gewässern unterwegs ist (pun intended).
Es wird jedenfalls eine etwas windschiefe Mixtur aus Neurosis-Worship und Dudel-Prog mit gewöhnungsbedürftigem Synthie-Sound aufgefahren, die durchaus einen eigenen Charme besitzt. 
 

SUM OF R – Orga
Neues vom Schweizer Ritual-Rock/ Drone/ Ambient/ Neokraut/ … -Unikat.
Das Line Up scheint sich wieder mal geändert zu haben und damit auch ein wenig das Konzept. 

In Kürze auf sumofr.bandcamp.com/album/orga

VEL - Obsidian
Eine dieser Bands der Kategorie „das haben uns Deafheaven eingebrockt“: VEL aus Würzburg bemühen Tags wie "Blackgaze, Postrock, Blastbeats und Screamo" um ihren eigenen Kram stilkategorisch einzutüten und man dürfte ungefähr wissen, was einen erwartet.



v.a. - Shattered, Flattered & Covered
Das polnische Label Antena Krzyku ist diese Woche mit der UNSANE-Tribute-Compilation „Shattered, Flattered & Covered“ am Start (als 2CD oder 2LP+2CD)!
Mit dabei sind so großartige Bands wie BUILDINGS, CHILD BITE, KEN MODE, SOFY MAJOR oder SUMA. 

Und die mag ich allesamt mehr oder minder genauso sehr wie den Tribut gezollten Originalen!


Und sonst noch?
 

ALEXANDER HACKE (Einstürzende Neubauten) covert Rio Reiser: https://hackedepicciotto.bandcamp.com/track/irrlicht
 

Darf es noch mehr neuer Noiserock sein? Aktuell machen MAXIMUM MAD als junge Band aus Portland von sich reden: Aktuelle EP bei Youtube

Die Raprock-Supergroup PROPHETS OF RAGE (Leute von Rage Against The Machine, Public Enemy, Cypress Hill) veröffentlicht diese Woche ihr selbstbetiteltes Album. 

Bevor VATTNET zu VATTNET wurden, waren sie als Vattnet Viskar eine okaye Quasi-Black-Metal-Band. Zwei Mitglieder wirkten dann zwischenzeitlich bei Uxo mit, dem gemeinsamen Baby der Noiserock-Legenden Chris Spencer (Unsane) und Steve Austin (Today Is The Day). Und jetzt machen die früheren Vattnet Viskar als VATTNET sowas wie totalen Progressive-Metal. Das soll mal einer alles kapieren...
Videoclip und Links zu Streams: http://smarturl.it/Vattnet

Montag, 11. September 2017

ATR, MUK.E, FZW

Die Erinnerung daran, dass mir ATARI TEENAGE RIOT beim letztjährigen Bloodshed Fest sehr viel Spaß gemacht hatten, war vielleicht noch etwas zu sehr präsent, als ich mich vergangenen Freitag zur Veranstaltung der Reihe „MUK.E: aspects of electronic music“ im Dortmunder FZW schleppte, mit eben jenen ATR als Headliner...
Die allererste Band verpasste ich (INCITE/ aus Hamburg, sorry Leute!). Bei meiner Ankunft fuhr das folgende Bielefelder Laptopmusiker-Duo SYNAPSCAPE sowas wie ganz netten „Rhythm’n‘Noise“ auf.
Danach gab’s MONOLITH, Wahl-Berliner mit Wurzeln in der  belgischen Elektro-Szene der 80er. Sein Rummsbums-Techno hatte entsprechend auch einen gewissen EBM-Vibe.

 
Bei ATARI TEENAGE RIOT wollte der Funke danach dann aber nicht mehr so recht überspringen. Der zumindest partiell doch (noch) recht krawallmusikalische Headliner war z.B. ein ganzes Stück leiser als das Four-to-the-Floor-Geboller des Solo-Act davor, was schon einem ziemlichen ‘Fail‘ gleichkommt.
Auch wenn ich es hasse, der „früher waren die besser“-Typ zu sein, muss ich mal ganz ehrlich sagen, dass viele der jüngeren ATR-Songs ja doch einen Ticken zu zahm kommen, zwischen chaotischer krachenden Neunziger-Altnummern wie „No Remorse“.
Auch wenn mein Erstaunen darüber, dass der Mittvierziger-Mastermind und -Frontmann Alec Empire seit 2-3 Dekaden irgendwie nicht wirklich zu altern scheint völlig neidlos ist, muss ich auf der anderen Seite aber mal ganz deutlich feststellen, seine fast durchgängig englischen Ansagen und Anfeuerungen (außer einer kurzen Rede darüber, dass wir die Nazis besiegen werden…), gepaart mit seinem (zweifelsohne beachtlich sportlichen!) Violent-Dancing-Gehampel dabei dann auch noch ein bisschen zum Augenverdrehen gefunden zu haben.
Keine Ahnung, was an diesem Abend noch so anders war als vergangenen Herbst, aber irgendwie hatte ich mir davon, den „Digital Hardcore“ mal wieder zu revisiten, wohl doch etwas mehr Fun versprochen.
So ging ich allerdings eher mit dem Gefühl nach Hause, im Gegensatz zu meinem Empfinden beim letztjährigen Bloodshed  eine im Autopiloten agierende Band gesehen zu haben, die weit aus der Zeit gefallen ist, heute nur noch minimalste Relevanz und eher wenig Biss hat.
Tja, es kann halt nicht immer funktionieren…

Dienstag, 5. September 2017

Dieser Tage raus (KW36)

Insgesamt ziemlich „unmetallische“ Woche, in der ich neben einer ganz guten Sludgecore-/ Noiserock-Band, Relapse-Doom und mathrockigen Rereleases vor allem viel Elektronik auf dem Radar habe…
 

THE DITCH AND THE DELTA – Hives In Decline
Nicht gänzlich uninteressant ist der Mittelweg, den THE DITCH AND THE DELTA zwischen Sludge’n’Stoner Metal der Marke Mastodon, Kylesa, Hull und co. und einem etwas skelettierten Sound gehen, der eher was von Post-Hardcore und Noiserock nach Touch-&-Go-Art u.ä. hat (Fugazi, Jesus Lizard, etc.).
Spektakulär ist zwar immer noch was anderes, schlecht aber auch, und irgendwie finde ich es einen netten Kontrast zum übermäßig dröhnig brummenden Fuzz-Doom-Sound, dem man inzwischen auf jedem Dorffest ausgesetzt ist.
Auf Bandcamp scheint es das Ganze schon etwas länger zu geben, physisch kommt’s aber erst diese Woche bei Prosthetic Records raus.



GEODETIC – Cold Lights
Instruments Of Discipline, das Berliner Label für „Experimental/ Techno/ Noise“, kommt diese Woche mit der zweiten EP von GEODETIC aus der Hüfte.
Dabei handelt es sich um eine Soundscapes-lastige Zusammenarbeit des italienischen Experimentalisten Claudio Rocchetti und Jukka Reverberi, auch mit der Postrock-Band Giardini di Mirò und dem Elektroduo Crimea X aktiv.



N400 - Should I Erase You?
Machen wir’s hier auch mal eher kurz: Zur dieswöchigen Veröffenlichungsoffensive von Ohm Resitance gehört auch „Should I Erase You?“ von N400, das vom Label selbst als etwas eingestuft wird, das auch von Justin Broadrick sein könnte.


PERTURBATOR - New Model
Retro-Elektronik, die neben Assoziationen Richtung John Carpenter u.ä. irgendwie auch Rock-/Metal-Spirit mitbringt, ist ja so ein jüngeres  Subgenre-Phänomen, dem ich eigentlich gar nicht mal zu viel Aufmerksamkeit schenke, sieht man mal von den stilistisch eben viel umfangreicher gestrickten und daher nicht komplett in diese Schublade passenden Necro Deathmort ab.
Dass PERTURBATOR tatsächlich beim diesjährigen Roadburn gespielt hat, sagt aber doch einiges über den szenischen Platz aus, dem man derartigen inzwischen schon einräumen möchte. Und da ich ja grundsätzlich für Vielfalt bin…



USNEA - Portals Into Futility
Auch USNEA waren bei mir bisher immer eher so ein bisschen durchs Raster gefallen, weil man dieser Tage einfach mit sehr viel Doom Metal und all seinen Unterkategorien zubombardiert wird, und das Boot an der Front bei mir inzwischen schon so ein bisschen voll ist (auch hier würde der Hashtag „Roadburn“ noch dazu passen).
Da Relapse Records allerdings durchaus für eine gewisse  Grundqualität bürgen, kann man das wohl trotzdem mal teilen.


YOU WILL CHOOSE FIRE – s/t
Ohm Resitance zum zweiten: Nach einer EP nun das Langspieldebüt von YOU WILL CHOOSE FIRE, ein Projekt vom auch als Submerged bekannten Labelbetreiber, das härteren Drum'n'Bass/ Breakcore u.ä. mit Rockband-Charakter fusioniert.
Die Coverversion des abgenudelten Cranberries-Zombie ist allerdings echt mal ein bisschen streitbar.



ZOLA JESUS - Okovi
Das Debütalbum „The Spoils“ fand ich ja seinerzeit (2009) mit dieser nicht ganz alltäglichen Mischung aus unterkühlten LoFi-Industrial-/ Noise-Sounds und fast schon souligem Gesang sehr charmant.
In der Folgezeit holte Nika Roza Danilova alias ZOLA JESUS ihre Musik aus dieser ganz speziellen Nische etwas heraus und postierte sich so gekonnt in Goth-/ Synth-Pop-Gefilden, dass sich Kritiken selbst in der Hipstersphäre überschlugen und 2014 mit „Taiga“ sogar ein Release über Mute Records drin war.
Der Nachfolger erscheint nun allerdings wieder bei Sacred Bones und als interessante Randnotiz sollte man anmerken, dass auch James Kelly alias Wife, ebenfalls bekannt durch Altar Of Plagues darauf mitwirkt.


Re-Releases

CHEER-ACCIDENT - Salad Days: Remastered
CHEER-ACCIDENT - Trading Balloons: Remastered

Bei Skin Graft Records erscheinen „Remastered Re-Releases“ der seit 1981 existenten Chicagoer Indie-Progger CHEER-ACCIDENT, die ursprünglich ’99 und 2000 rauskamen:  „Trading Balloons“, ein 52:22 Minuten langes 1-Track-Album, das ursprünglich nur von der Band in Eigenregie vertrieben wurde, und  „Salad Days“ (s.u.), aufgenommen von Steve Albini.
Diese beiden Alben markieren wohl eine schwierige Phase der Bandgeschichte, nicht zuletzt weil Gitarrist Phil Bonnet zu der Zeit verstarb.



END.USER – Left
Ursprünglich 2008 veröffentlicht, kredenzen uns Ohm Resistance eine Deluxe Edition von END.USER’s „Left“ Album, mit zusätzlichen Versionen und Remixen.
Drum’n’Bass- und Breackore-Freunde wissen Bescheid! 

Montag, 28. August 2017

Dieser Tage raus (KW35)

Diese Woche gar mal nicht so viel! 

BOOTANIST - Collective: The Shape of He to Come
Mit ihrem eigensinnig instrumentierten Öko-Fantasy-Black-Metal laufen BOTANIST bei mir eigentlich eher so unter „Randnotiz“, aber was man von der aktuellen bisher so gehört hat scheint tatsächlich eine  stilistische und klangliche Ausweitung ihrer Musik zu zeigen, die mitunter auch ins eher disharmonische driftet. Und genau da werde ich dann doch wieder abgeholt...



DÄLEK - Endangered Philosophies
Würde ich sowas wie ein „Album der Woche“ ausrufen, wäre es diese Woche dieses!
Zurück auf Ipecac zeigen sich MC Dälek und seine Jungs, die beim diesjährigen Roadburn zu den absoluten Highlights gehörten, von ihrer allerbesten Seite.
Auf „Endangered Philosophies“ fällt der nicht nur von Public Enemy, sondern auch von Shoegaze, Noise(rock) und Industrial beeinflkusste Hip Hop von DÄLEK mal wieder so, dass es einfach nur mitreßit.
Grooooooßartig!


 

FENADORN – Artic
Bei FENADORN handelt es sich um das Richtung Ambient neigende Solo-Projekt von Cátia Almeida, auch Keyboarderin der für sich auch schon ganz coolen niederländischen Funeral-Doomer Faal (von denen meines Wissens nach auch bald mal neues kommen soll).

Ab Mittwoch auf fenadorn.bandcamp.com

SHITSHIFTER - Prye
Aus der okayen, aber vielleicht doch etwas zu orientierungslosen ostwestfälischen „Progcore-Ambition“ Nvrvd ging ja mal irgendwann die Ballercombo SHITSHIFTER hervor, deren Sludge-Grindcore mit HM-2-Sägesound sich mit der internationalen Konkurrenz derartigem Lärms absolut messen kann.
Die Jungs haben mal wieder was in der Oldenburger Tonmeisterei aufgenommen und Per Koro Records hauen es raus:



Rereleases: 
 
HEY C
OLOSSUS – Happy Birthday
Hat ja nur neun Jahre nach CD-Veröffentlichung gedauert, bis Riot Season die eigentlich schon damals angedachte Vinyl-Version dieses  Landmark-Albums der britischen Psychedelic-/ Noiserocker gebacken gekriegt haben.
„No tweaks. No new mastering bullshit. Nothing different. Same songs on a slab of classic black vinyl.“


 

Bei Svart Records erscheint außerdem ein Rerelease von HIROSHIMA‘s „Taste of Death“. Kultiges Heavy Metal-Teil aus dem Jahr 1984.

Samstag, 26. August 2017

Zwei Splits...

Eeeiiigentlich bin ich ja gar nicht mal sooo der Freund von Splits.
Klar, es gibt ein paar echt kultige und auch sehr gute, und natürlich besitze ich auch so manche 7“, 12“ oder CD, die sich zwei Bands teilen.
(Letztens habe ich mir ja nebenbei bemerkt z.B. noch ein Exemplar der Vinylsingle gesichert, auf der mit den ‘Schwarzrasern‘ Ultha und den doomig groovenden Morast zwei der besten hiesigen Düster-/ Extrem-Metal-Bands je einen Song von Bathory covern…)
Aber. Egal.
Jedenfalls kamen diesen Monat gleich zwei raus, die ich unbedingt haben musste. Und als ich ansetzte, die eine zu bestellen, stellte ich erfreut fest die andere tatsächlich ebenfalls auch von gleicher Stelle beziehen zu können. Also bin ich gerade mal wieder ca. 35 Euro ärmer, aber um zwei Tonträgerschätzchen reicher…

 

Something old, something new, something borrowed something bl… black?!

NOOTHGRUSH / CORRUPTED
Alter vor Sch… äh, den Klassiker zuerst:



 

Und noch mal eben ein “eigentlich”: Eigentlich bin ich in der Regel auch nicht sooo der Freund von Remaster–Versionen und gänzlich überarbeiteten Aufmachungen. Aber da kann man hier mal drüber hinwegsehen.
1997 erschien jedenfalls ursprünglich diese Split als LP und (mit je einem Track pro Band mehr) auf CD und ist legendär…
Die seit einiger Zeit wieder aktiven NOOTHGRUSH aus Oakland waren damals neben Kollegen wie Grief und Dystioia Pioniere im Feld Sludge-/ Doom-/ Crust-Metal und gleiches gilt für die japanischen CORRUPTED, die im Laufe ihrer Karriere immer avantgardistischer wurden, aber zu ihren hier noch repräsentierten Anfängen international mit zu den extremsten und brachialst tiefergelegten Bands im Handbremsen-Tempo gehörten.
Mag sein, dass sowas heutzutage viele junge Bands nachäffen, aber auch wenn es EyeHateGod, Buzzov•en  oder Neurosis zu dem Zeitpunkt schon eine Weile gab und Iron Monkey gerade in den Startlöchern waren, hatte man düstere, verzweifelte Musik, die einen derart minimalistischen Ansatz mit der groben Neandertalerkeule gekloppt auf eine solche maximale Wirkung gespannt bekommt zuvor nur selten mal gehört.

Epochalst teuer ist das Original second hand im Übrigen noch nicht mal…
20 Buck Spin haben dem Ganzen allerdings zum zwanzigjährigen ein neues Artwork verpasst (das alte ist allerdings auch mehr so naja) und von Brad Boatright (Audiosiege Studio in Portland) das Mastering nachbessern lassen.  



HOWLS OF EEB / KHTHONIIK CERVIIKS
With Gangrene Edges / Voiidwarp

Und dann hätten wir hier auch noch eine aktuelle Veröffentlichung von zwei der ungewöhnlichsten und originellsten Krachmacher des zeitgenössischen Rumpel-Trve-Death-/ Black-Metal- Underground!



HOWLS OF EBB waren mir im Vorfeld zwar bereits ein Begriff gewesen, so richtig zum ersten mal bewusst gehört habe ich sie allerdings erst mit ihrer „With Gangrene Edges“ betitelten Seite dieser Split-12“. Was darauf geboten wird, klingt für mich wie eine modrige Rumpelvariante der australischen Portal oder sowas. Die Band aus San Francisco ballert sich durch so manch eher atonalen Part und irgendwie kommt’s super.
KHTHONIIK CERVIIKS setzen auf ihrer „Voidwarp“-Seite dann sogar noch einen drauf. Die Dortmunder haben die „Killing Technology“/ „Dimension Hatröss“-mäßige Schraube ihrer Gitarrenarbeit und Kompositionen noch mal weiter angezogen und liefern hier einfach nur noch völligen Wahnsinn ab. Etwas heraus sticht dabei vor allem das auch ein paar harmonisch-melodiöse Passagen auffahrende 12minuten-Songepos „Spiiral Spiire Stiigmata“, aber auch der Rest (ein weiterer langer, sehr cooler Song, Intro, Interludium, Outro...) ist einfach nur völlig irre und geil.