Montag, 23. Oktober 2017

Noise-Tresen und Drone-Kirchenbank

Angesichts solcher Events wie Destruktiva oder Moving Noises äußere ich ja schon mal, mir sowas öfter im Pott zu wünschen, aber ich brauchte anscheinend gar nicht zu laut danach zu schreien, denn zu beiden gab es am vergangenen Wochenende einen jeweiligen Nachschlag!

Freitag fand im AZ Mülheim der „N0153-Tresen“ statt. Start einer Veranstaltungsreihe aus dem Destruktiva-Umfeld.
Typisch AZ disponierte man kurz vor Veranstaltungsstart noch um, dass die Sache doch nicht im Tresen-Bereich des AZ (wo man allerdings gleich wusste, dass man richtig ist, denn an Konservenmusik lief ein cooler Mix von Throbbing Gristle bis Uniform), sondern im normalen Konzertraum stieg.
Dort hatten diverse (Harsh) Noise-/ Industrial-/ (Dark) Ambient-Künstler ihren Kram auf Tischen aufgebaut und legten reihum los.
Der eröffnende PersilUhu war dabei, wenn ich das richtig gesehen habe, der einzige, der überhaupt auch Lärm aus einem Laptop mit Effektgeräten verfremdete.
Ihm folge mit Meinein ein in der Gegend Bekannter, der im Gegensatz zur Kollaboration mit N neulich an diesem Abend ziemlich weit rausging, immer wieder was in einen Tonabnehmer schrie und parallel dazu eine Dame sowas wie ein Kochrezept vorlesen ließ.
E.H.E., ein Noise-Urgestein aus der Region, dreht auch mal wieder an
seinen Knöpfen rum, und Vital Lord, naja… seht selbst:

 

Samstag
War man, wie ich, an diesem Wochenende danach mal eher auf chillen aus, traf es sich ganz gut, dass die Betreiber von Midira Records und Organisatoren des erwähnten Moving Noises Festivals mal wieder was in der Christuskirche Bochum steigen ließen.
Dirk Serries eröffnet den Abend alleine mit Gitarre, Effektgeräten und Amp. Der u.a. durch vergangene Projekte wie Vidna Obmana, Microphonics oder Continuum (mit Prog-Superstar Steven Wilson!) bekannte Belgier zieht einen mit sonoren Ambient-Drone-Collagen in seinen Bann.

 
Es folgt Thisquietarmy. Der kanadische Gitarrist stellt nicht nur ein Reisefotobuch vor, das es an seinem Merchstand gibt, sondern er performt heute auch mit Jazz-Schlagzeuger Tom Malmendier, der zunächst allerdings untätig hinterm Kit sitzt.
Irgendwann donnert ein stoisch wiederholter (gut, gelegentlich variiert akzentuierter) Rhaythmus los und die vielschichtige Gitarrenwand von Thisquietarmy nimmt dazu eine immer melodischere Form an. Ganz schön geil!
Nach einer atmosphärischen Passage dann noch eine weitere, andere Strecke mit Beat und Drone, wieder ganz schön cool. Kommt das so ähnlich auch noch als Tonträger raus? Hole ich mir dann sofort!
Irgendwann verlässt der Drummer das Geschehen Richtung Kirchen und es gibt noch mal Thisquietarmy pur. Zwischenzeitlich mit Synthie-Geplucker, sich immer mehr in einen eigenen Klangkosmos steigernd.

 
Zur Zugabe kommt nicht nur Malmendier, sondern auch Serries zurück, und man ergeht sich zu dritt ca. eine halbe Stunde lang (!)  an einer bedrohlichen Freiform-Collage. Malmendier macht dazu Sachen wie mit einem Geigenbogen am Becken herzustreichen. 
Inzwischen sind insgesamt fast drei Stunden rum und man hat nach dem letzten, durchs Kirchengemäuer gewabertem Hall definitiv das Gefühl, heute Abend etwas ziemlich besonderes erlebt zu haben, das man so nicht alle Tage bekommt. 

 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Young Widows‘ Spätwerk

Die sich in der letzten Ausgabe mit Seven That Spells beschäftigende Blogpost-Serie über Alben, die zumindest für mich schon sowas wie moderne Klassiker sind, möchte ich an dieser Stelle mit den YOUNG WIDOWS fortsetzen, von denen ich tatsächlich nicht nur eine Veröffentlichung hervorheben kann, sondern auf deren letzten zwei Werke ich eingehen möchte…

Die YOUNG WIDOWS lernte ich eigentlich erst mit ihrem bisher vorletzten Album „In and Out of Youth and Lightness“ (2011, Temporary Residence) so richtig kennen.

Vorangegangene Veröffentlichungen der YOUNG WIDOWS, die bis 2006 unter dem Namen Breather Resist noch dem Mathcore frönten und sich deshalb umbenannten, weil sich ihr Stil in einem großen Schritt spontan verändert hatte, offenbarten erst noch Post-Hardcore/ Math-/ Noiserock der etwas kantigeren Art.
2011 erfolgte dann der nächste musikalische Quantensprung…

„In and Out of Youth and Lightness“ ist ein fast schon ruhiges, sehr atmosphärisches Album, für das man eine Genrebezeichnung wie Dark Americana, Heavy Folk oder Gothic-Blues bemühen möchte. 
Den Noiserock-/ Post-Hardcore-Kern der Band kann man am Rhythmus-Fundament bzw.
im Sound-Skelett zwar noch gut erkennen, doch ist der musikalische Schwerpunkt in einen völlig anderen Kontzext verrutscht.
Aufgrund der düster-warm flirrenden Surrealität, die das Album mitunter ausstrahlt, weckt es bei mir immer wieder die Assoziation eines Fiebertraums im Auslauf…
Und ich würde sogar tatsächlich so weit gehen, dass es für mich eine der interessantesten und packendsten Überraschungen dieser Dekade war.

Der Nachfolger „Easy Pain“ erschien im Frühjahr 2014 und verblüffte noch mal: Dem sehr natürlich fließenden Dunkel-Rock des Vorgängers addierte das Trio aus Louisville, Kentucky wieder mehr Noise hinzu. Es dröhnt dissonant und scheppert krachig, der Sound ist seltsam kantig und doch sind die Songs ähnlich moody-melodisch wie auf dem Vorgänger, wenn auch etwas kompakter auf den Punkt gebracht.
Diese Mischung aus Blues-Feeling und fast schon Industrial-Reminiszenzen erinnert nicht nur ein wenig an New Yorker Neunziger-Noiserocker wie Barkmarket oder Cop Shoot Cop, sondern hat irgendwie auch ein bisschen was von den Neubauten zu ihrer besten Phase.


Danach wurde es dann auch leider erstmal wieder ruhiger um die Band. 
Evan Patterson (Gitarre, Gesang) ist auch solo und mit dem Projekt Jaye Jayle aktiv, kollaboriert ferner auch schon mal mit Emma Ruth Rundle.
Basser Nick Thieneman hat mit seiner Frau ein Projekt namens Fool’s Ghost gegründet und wirkt außerdem bei Fotocrime mit, eine in Richtung Post-Punk tendierende Band, die von  Ryan Patterson (Ex-Coliseum) gegründet wurde.
Drummer Jeremy McMonigle ist mit Familienleben und Schlagzeugunterricht geben beschäftigt.
YOUNG WIDOWS existieren zwar offiziell immer noch und wollen laut eigener Aussage 2018 auf irgendeine Art und Weise das zehnjährige Jubiläum ihres Albums „Old Wounds“ feiern, aber was darüber hinaus noch mal passieren mag bleibt abzuwarten...


„In and Out of Youth and Lightness“ und „Easy Pain“ sind jedenfalls - lange Rede, kurzer Sinn - zwei Alben, die ich ganz, ganz großartig finde!

Saint Vitus @ Dortmund

Junkyard, die neue Indoor-Location am Schrottplatz in der Dortmunder Nordstadt, auf dem auch schon drei mal das „Junkyard Open Air“ stattfand, rief quasi zur Eröffnung einer Rock-  und Metal-Konzertreihe powered by Black Plastic, nachdem man die Pforten schon eine Weile vor allem für Techno- und Hip-Hop-Events geöffnet hatte.
Das Ganze hat Flair, auch wenn einige Dortmunder nicht ganz zu Unrecht Unmut darüber äußern, biermäßig die Wahl zwischen Astra und Carlsberg zu haben...

Die eröffnenden MOS GENERATOR entpuppen sich als das, was man aus dem Buch der Musikjournalistenfloskeln als „guten Anheizer“ bezeichnen würde.
Knackiger Stoner-Rock’n’Roll und zwischendurch auch schon mal ‘ner Nummer mit sehr deutlicher Sabbath-Worhsip-Kante in Powertrio-Formation.
Nicht sooo meins, aber unterhaltsam genug und handwerklich auch durchaus ganz gut.

Danach schleppt sich der abseits des Geschehens auf Krücken gehende Gitarrist und Bandkopf Dave Chandler auf die Bühne und es wird Zeit für SAINT VITUS!
Aktuell mal wieder mit Original-Sänger Scott Reagers. Jener klingt - was der eigentliche, verblüffende Aha-Effekt des Abends ist - eigentlich immer noch exakt so wie auf den Mittachtziger-Frühwerken der Doom-Metal-Vorreiter.
Aber auch die Rhythm Section, die den unnachahmlichen Gitarrensound (und die eher, äh, etwas punkige Spieltechnik) von Chandler trägt, kann sich sehen und hören lassen: Warum Mitbegründer Mark Adams derzeit von Pat Bruders aus der Nola-Szene (aktuell auch bei Down, früher mal Crowbar und Goatwhore) vertreten wird, weiß man nicht, jener macht allerdings seine auch schon grauen Haare headbangend einen super Job, während der fast den Rest der Band übertönende Action-Schlagzeuger Henry Vasquez (seit 2009 dabei) mit seinem wilden Spiel ein ziemlicher Hingucker ist, gerade auch bei schmissigeren Songs wie ‘War Is Our Destiny‘ oder ‘White Stallions‘. Hammer Drummer!
Der wie gesagt stimmlich kein bisschen gealterte, etwas kauzige und zwischen den Songs immer wieder an einer Kaffeetasse nippende Reagers kommt derweil zum Amü¬se¬ment einiger Anwesenden zwischendurch mit dem Anekdötchen, sich von früher irgendwie noch ans „Dortmunder Union“ Bier zu erinnern.
Nachdem die eine Bandhymne (‘Saint Vitus‘) zum vorläufigen Abschluss verklungen, kommt man zur Zugabe in Form von der anderen (‘Born Too Late‘) dann auch noch mal die Bühne und hinterlässt die Anwesenden weitgehend mit der Meinung: Ja, doch, das war ziemlich gut heute!

Unsane @ Hamburg

Freitag, der 13.: Ein Überangebot an harten Klängen, sobald man mal in einer richtigen Metropole ist (#FWP)…
Die langweilige Karnevalskapelle Kadavar und die okayen Grave Pleasures spielen in der Markthalle, im Bambi Galore könnte man sich u.a. Goath und Skogen angucken und in der Astastube spielen u.a. die großartigen Treedeon, die ich durchaus auch sehr gerne gesehen hätte, aber mein Hauptaufhänger für den Hansestadtbesuch war das Konzert von UNSANE im Hafenklang.
Witzig übrigens auch irgendwie, dort dann in jemanden zu rennen, der gebürtig aus dem gleichen Kaff wie ich kommt…

Von den eröffnenden BUGS AND RATS, die’s wohl auch schon ‘ne Weile gibt, hatte ich zuvor noch nie gehört. Was deren okayen, aber nicht überragenden Noiserock rausgerissen hat war ohne Frage der komplett irre, immer wieder von ganz weit oben draufkloppende Drummer. Der Junge ist wirklich mal im Destructor-Modus unterwegs. Unterhaltsam!

Zu UNSANE kann ich dann eigentlich nur sagen, dass deren Musik etwas ist, die von dem einen oder anderen vielleicht schon als weitgehend atonaler Lärm wahrgenommen wird, mir über die Dauer des Gigs aber ganz ohne Scheiß eine ziemliche Glückseligkeit beschert.
Auch wenn mir die Herren Spencer, Curran und Signorelli wie schon in Tilburg letztes Jahr einen meiner beiden Lieblingssong wieder mal nicht gönnten, war’s auch mit u.a. ‘Against The Grain‘, ‘Only Pain‘, ‘Empty Cartridge‘, ‘Get off my Back‘  und einigen Nummer vom wieder mal sehr coolen, aktuellem Album „Sterilize“ auf seine brachiale Art und Weise einfach nur wunderschön.
Zum Zugabenblock kam erst mal wieder die Mundharmonika raus (klar: ‘Alleged‘) und das Flipper-Cover „Ha Ha Ha“ scheint sich gerade zu einer späten Tradition des Closers zu entwickeln.
Es war mal wieder geil! Besonders... mit anzusehen, wie Chris Spencer immer noch andauernd seinen Gitarrenhals von Hand biegt und dehnt, anstatt sich endlich mal 'n Tremolo zuzulegen.



Dienstag, 17. Oktober 2017

Dieser Tage raus (KW42)

Es kommt ja schon wieder vor allem ganz schön viel Düsterkram und Doom'n'Dröhn raus, diese Woche...

AMENRA - Mass VI
Um mal ganz ehrlich sein ist mein Verhältnis zu AMENRA ein bisschen ambivalent. Musikalisch ist ihr schwer schleppendes Brachialgegroove immer wieder mal beeindruckend und durchaus „mein Ding“. Besonders hängengeblieben ist z.B. ein Roadburn-Auftritt im Het Patronaat mit ihrem „Mass V“-Material, bei dem irgendwie einfach alles gestimmt und gepasst hat. Der belgischen Band haftet allerdings so eine etwas prätentiöse und esoterisch-versponnene Aura an, die mich persönlich eher abturnt als fasziniert.
Man muss es ihnen allerdings wohl lassen, längst eine Marke für sich zu sein, und „Mass VI“ erscheint diese Woche über Neurot:



BELL WITCH -  Mirror Reaper 
Voran ging diesem Album das unerwartete und tragische Ableben von Band-Mitbegründer und Ex-Drummer Adrian Guerra, der hier in Form von konservierten Aufnahmen noch mal mit eingebunden wurde.
Produziert von Billy Anderson, der gleichermaßen brachialem wie atmosphärischen (ferner komplex arrangiertem) Doom wie diesem eigentlich immer den richtigen Sound-Schliff zu verpassen weiß.

 

JOHN CARPENTER - Anthology: Movie Themes 1974-1998 
Nach seinen „Lost Themes“ veröffentlicht Sacred Bones Records jetzt auch als „Anthology (…)“ die bekannten Themes von Regie- und Scoremusik-Legende JOHN CARPENTER.
Alle neu aufgenommen mit seinen aktuellen Mitmusikern, an deren Seite er das Ganze auch schon ein paar mal live aufführte.
Gerade They Live, Escape From New York, The Thing und Dark Star sind ja tatsächlich sowas wie Lieblingsfilme von mir und das berühmte Halloween-Thema kann sogar
ich selbst auf dem Klavier klimpern.
Es ist wohl durchaus eine Überlegung wert, sich dieses Teil ins Plattenregal zu stellen…


ELECTRIC WIZARD - Wizard Bloody Wizard
Auch zum Thema ELECTRIC WIZARD muss ich jetzt mal ambivalenterweise ganz ehrlich sagen: Vor allem der noisige „Dopethrone“ und das im positiven Sinne eigentlich schon poppige „Witchcult Today“ sind zwar zwei wirklich geile Alben, die ich in meiner Plattensammlung nicht missen möchte, aber der Rest der Wizard-Discographie ist durchwachsen bis verzichtbar und nach hintenraus wird’s dann jetzt auch mal ziemlich redundant. Live sind sie dann zudem auch noch ‘ne ganz schön tagesformabhängige Band, die ich zwar auch schon mal großartig, aber eigentlich öfter mittelmäßig bis „Funke wollte  nicht überspringen“ gesehen habe, weswegen mir der vermeintliche Kultstatus der Stoner-Sludge--Doomer schon ‘ne Weile nur noch müdes Gähnen abringt. Irgendwie ist der Drops - trotz der erwähnten geilen Momente, die sie durchaus schon mal hatten -  bei mir so ein bisschen gelutscht.
Der neuste Aufguss erscheint jedenfalls diese Woche. 



FRINEDSHIP – Hatred
Was ‘ne Bandnamens- / Albumtitel-Kombi, was?  

Diese Japaner wecken jedenfalls Erinnerungen an Zeiten, in denen Sludgecore noch kein Milchbubi-Genre war.
 

IRON MONKEY – 9-13
Apropos fieser Sludgecore: Hierbei handelt es sich um ein schwieriges Revival, denn Original-Drummer Justin Greaves (dieser Tage Kopf und Herz von Crippled Black Phoenix) wäre es lieber gewesen, den Namen dieser einst eher unrühmlich aufgelösten Sludgelärmer zu Ehren des verstorbenen Shouters Johnny Morrow einfach ruhen zu lassen. Die Original-Gitarristen Steve Watson (jetzt am Bass)  und Jim Rushby (jetzt auch Shouter) sind allerdings anderer Ansicht und setzten dafür Scott Briggs auf dem Drumhocker, der mit Morrow zusammen in der Band My War wütete.
Ja, einen seltsamen Beigeschmack hat das alles, zumal die krasse Gekrächze von Morrow auch mit den kranken Charme des Monkey ausmachte und der maskierte Rushby dem nicht wirklich gerecht wird.
Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ein Teil von mir will es gut finden und ein anderer wiederum eigentlich nicht…



PYROLATROUS - Teneral
Langspieldebüt der neuen Band um Nicholas Palmirotto von den aufgelösten Hull (und zuletzt auch mal im Zeal and Ardor Live-Line Up dabei) und mit Lev Weinstein (Krallice, Woe, Geryon, …) an den Drums, auf Gilead Media.
Schon das vorangegangene Demo überzeugte mit zeitgenössischem Black Metal, der im Gegensatz zu vielem an „Post-/ Atmospheric/ Blackgaze/ etc.“-Kram das Riff nicht aus den Augen lässt, und überhaupt ist Nick einer von den guten!


ROPE SECT – Proselytes
Der „Post-Punk/ Gothrock auf Metal-Labels“-Trend greift weiter um sich. Century Media haben Grave Pleasures und die Rumpelkram-Spezialisten von Iron Bonehead haben ROPE SECT.
Freitag erscheint eine neue 7“:

ropesect.bandcamp.com/album/proselytes
 

THROANE – Lus Une Main A Mordre
Album Nummer zwei von THROANE, dem musikalischen Soloprojekt Dehn Soras, bekannt als Artwork-Künstler für u.a. Black-Metal-Avantgardisten wie Blut Aus Nord und Deathspell Omega, und natürlich wieder auf dem Label Debemur Morti Productions (u.a. eben Blut Aus Nord, Terra Tenebrosa, ...), was hier fast auch schon als aussagekräftige Stilbeschreibung reicht.



YELLOW EYES - Immersion Trench Reverie
Und noch ein neues USBM-/ „Atmospheric Black Metal“-Album auf Gilead Media. Bei mir waren YELLOW EYES bisher so ein bisschen durchs Raster gefallen, weil ich manchmal einfach schnell übersättigt bin, wenn zu viele Bands aus der gleichen Subgerne-Ecke auf mich einlärmen wollen, und aus dieser groben habe ich halt u.a. schon Wolves In The Throne Room, Ultha oder Wiegedood. Allerdings solle man der Vollständigkeit halber dazusagen, dass es sich bei YELLOW EYES (u.a. mit dem Schlagzeuger von Fell Voices und Vanum) nicht um neue Nachzügler an derartigem handelt, sondern „Immersion Trench Reverie“ bereits ihr siebtes Album ist.



WATTER - History of the Future
Bei Mitgliedern von u.a. Slint, Tortoise und Grails im Bandgefüge sind die Erwartungen unter Aficionados von Postrock, der zur eher avantgardistischeren Seite des Genre-Sammelbegriffs fällt, hier mutmaßlich natürlich nicht gering.
Temporary Residence veröffentlicht dieser Tage jedenfalls Album Nummer zwei des von mir erst jetzt entdeckten Ensembles, das wohl schon auf ihrem 2014er Debüt (welches ich, Fun Fact, vergangenes Wochenende in einem Hamburger Plattenladen zufällig in der Hand hatte) mit „experimental Psychedelic Rock, Vintage Cinematic New Age Explorations and sinister Krautrock“ zu überzeugen wuss
te.


Und sonst noch?
Es erscheint außerdem ein neues Album von den ganz guten Instrumental-Rockern AND SO I WATCH YOU FROM AFAR.

Wer’s punkig mag sollte mal die DAYSHIFTERS aus Austin, Texas checken, die sich selbst als „für Fans von Wipers, Drive Like Jehu, Fugazi“ beschreiben:  dayshifters.bandcamp.com/album/5-song-demonstration


Den Hamburger Rumpel-Doom-Death-Metal von OPHIS auf FDA sollte man als Freund derartigem vielleicht mal auffem Schirm haben: ophis.bandcamp.com

Donnerstag, 12. Oktober 2017

2017er Resterampe (Teil 2)

So viel Musik, so wenig Zeit… Interessante Sachen, die ich im Laufe der letzten Monate mal irgendwie auf dem Notizzettel hatte, die aber aus irgendwelchen Gründen zunächst durchs Blog-Raster fielen, was die eingehendere Beschäftigung damit bzw. eine irgendwie ausführlichere Erwähnung anging, oder deren Bandcamp-Streams erst mit Verspätung online gingen, die jedoch nicht unerwähnt bleiben sollen:
(Resterampe 1)


ÆTHENOR - Betimes Black Cloudmasses
Obwohl ÆTHENOR aus dem Dunstkreis von Sunn o))), Ulver und nicht zu vergessen der grooooßartigen Shora gelegentlich auf meinem Radar aufblitzen, habe ich den Ambient-/ Drone-/ Kosmisch-Kram dieser Nebenband bisher eher stiefmütterlich behandelt. Sollte ich das mal ändern?
Anfang des Jahres kam jedenfalls mal wieder was raus: 


AUREOLE OF ASH – Human Bankrupcy
Münster hat bekanntlich eine mehr als nur kleine aber feine Hardcore-Szene, der auch AUREOLE OF ASH mit ihrem Crust-/ Fastcore entsprungen sind, der eine ziemliche Extrem-Metal-Kante aufweist:


BEG –s/t
Zweiter Release der Duo-Nebenband eines Art Of Burning Water-Typen, die sich dem Schräg-Grind Marke Brutal Truth widmet. 

Ganz schön derb und geil!
BISON - You Are Not The Ocean You Are The Patient
Einen Monat später als der physikalische Tonträger war das neue BSION-Machwerk dann auch mal bei Bandcamp aufgeschlagen.
Ich finds ‘ganz gut‘ (am besten gefällt mir die Instrumental-Nummer), aber was das Teil zum Album des Monats im Visions qualifizierte, das wird mir wohl verschlossen bleiben. Vermutlich so ‘ne Art von Sommerloch.


BUDDY CRIME – Lifestyle Dramatic
Der Drummer der großartigen Anwar Sadat (deren „Ersatz Living“ eines meiner definitiven Lieblingsalben 2017 ist, wenn nicht sogar die #1!) mit einem eigenwilligen Soloprojekt:


DALE CROVER  - The Fickle Finger Of Fate
Apropos Soloprojekt des Drummers einer großartigen Band: Auch Dale’s Album tauchte dann auf ein mal doch noch bei Bandcamp auf.
Seltsamer Pychedelic-Rock und noch seltsamere Experimental-Kurztracks...



EX EYES –s/t
Bei Release war mir dieses Teil so ein bisschen durchs Raster gerutscht, dabei kann Musik, die einen Grenzgang zwischen Avantgarde-Jazz und Extrem-Metal versucht, durchaus spannend sein.
Für Freunde von John Zorn/ Naked City, Zu u.ä.:

 
FERAL OHMS – s/t
Feral Ohms is a power trio from Oakland, CA. Focused on scuzz, primitive, outcast and punk rock and roll. It's loud.
Kann man machen:


GEWALT – [diverse Singles und EPs]
Surrogat, die frühere Band von „Patrick Wagner, Superstar“ habe ich zu ihren Lebzeiten ja nie so ganz verstanden (lag aber an mir). Mit seiner neuen Band GEWALT hat Herr W. dieses Jahr jedenfalls schon drei Kleinformarte veröffentlicht und bereits einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen:


GRID - s/t
Und noch eine Band, die neben Ex Eyes, Zu, John Zorn, Albatre, Orthodox, The Hub und co. in die „zwischen harter (Bass)Gitarrenmusik und Jazz mit Saxophon“-Schublade springt:



HIGH PRIESTESS– Demo
All-Female-Trio aus L.A., das den DIY-Aspekt so ernst nimmt, vom Artwork bis zum Mix und Mastering wirklich alles selbst gemacht zu haben, und dessen „Heavy Psych Fuzz Doom“  trotz tatsächlich heavy-fuzzigem Gitarrensound was irgendwie leichtfüßiges an sich hat. 



KONVENT – Demo
Und noch ein Debüt-Demo als Digitalveröffentlichung einer reinen Frauenband, an dieser Stelle allerdings groovender Growl-Death-Doom aus Dänemark.
Nicht schlecht!


ORTHODOX
Und, aller guten Dinger sind drei, noch mal Heavy Stuff mit Sax: Bei Release ist mir diese V.ö. von ORTHODOX, die sich von Sleep-ähnlichem Stoner-Doom immer mehr zu ‘Doom-Jazz‘ mit Betonung auf letzteres entwickelt haben, irgendwie durchgegangen, obwohl ich einige ihrer Platten im Schrank habe….


OTOBOKE BEAVER - Love Is Short EP
Japanische Kultur ist aus unserer Perspektive ja irgendwie so ein Planet für sich… Jüngst wussten vor allem OTOBOKE BEAVER aus Kyoto im Westen auf sich aufmerksam zu machen, denn die Videoclips der vier Mädels (Revenge-Trash, Anime, …) sind der Knaller.
Was im Übrigen auch für ihren Punkrock gilt.



JENS PAULY –r/f
Jens ist Gründungsmitglied und Ex-Gitarrist der großartigen Kölner Black Metaller Ultha, musste das allerdings aus persönlichen Gründen drangeben.
Solo hat er sich nun dem Ambient/ Drone verschrieben:


SUPER THIEF – Stuck
"Students of the AmRep/Touch & Go school for noise rock, SUPER THIEF draw comparisons to bands like The Jesus Lizard, Hammerhead, and Tar (…)”
Okay, da bin ich dabei:


THISQUIETARMY – Democracy of Dust
Das Essener "Ambient/ Drone/ Noise/ Darkjazz"-Label Midira finde ich ja grundsätzlich sehr sympathisch, allerdings muss ich persönlich mal echt sagen, dass mir deren extraschmuck aufgemachten und dann gerne auch mal 1-2 Euro mehr kostenden Releases manchmal einen Hauch zu drüber sind. Ich bin nämlich der troglodytische Typ, der einfach nur ‘n Tonträger auflegen und sich dann am Krach erfreuen will, anstatt sorgsam mit irgendwelchen speziellen handgemachten Sammlerstück-Verpackungen umzugehen, als wenn Weihnachten wär‘, if you know what I mean, but that’s only me...
Anyway – es gibt auf dem, bevor wir uns missverstehen, sehr unterstützungswerten und geschätztem Label Midira ein aktuelles Album des wirklich coolen Ambient-Drone-Projekts THISQUIETARMY:


WICCANS - Sailing A Crazy Ship
Rotziger Hardcore-Punk ganz alter Schule, der eine gewisse Vorliebe für die Melodiearbeit klassischen Hardrocks/ Metals durchblicken lässt?
Gar nicht mal so uncool!



YOWIE - Synchromysticism
„Krasser“ Instrumental-/ Math-/ Noise-Rock auf Skin Graft. 
Wer Bands wie Hella, Flying Luttenbachers, Don Cab, Dysrhythmia u.ä. mag ist hier richtig:


Seven That Spells - The Death And Resurrection Of Krautrock: IO

Und hier die nächste Ausgabe der Serie „die besten und interessantesten Alben aus jüngerer Vergangenheit, auf die ich gerne noch mal hinweise“ mit einem Werk, auf das ich hier im Blog bisher tatsächlich nur mal eben bei Veröffentlichung im Sommer 2014 kurz und knapp in einem Sammel-Post als „meine derzeitige Lieblingsentdeckung“ Bezug genommen hatte, also wurd‘s Zeit…


 

Die kroatischen SEVEN THAT SPELLS traten jedenfalls in besagtem Sommer 2014 in mein Leben, als dieses Album zur Rezension für eine andere Publikation auf meinem Seziertisch landete.
Seit 2003 mit einer inzwischen schon etwas unübersichtlichen Veröffentlichungshistorie aktiv, ist „…IO“ nicht nur ihr xtes Album, sondern Teil zwei einer Albumtrilogie, die mit dem 2011er „The Death And Resurrection Of Krautrock: AUM“ begann.
Auf jenem zeigte sich die Psychedelic-/ Stoner-/ Kraut-/ Space-Rockband um Gitarrist/ Sänger Niko Potočnjak (über die Jahre das einzige feste Mitglied) partiell auch schon mal von einer ziemlich noisigen Seite, I like…


Aber kommen wird zu „IO“: Auf diesem Teil loten STS eher die Prog-Seite ihres Stils aus.
Die verspielte Eröffnungsnummer hat in meinen Ohren was von Adrian Belew-Solokram und das Piano-Interludium (quasi Intro von LP-Seite B) „One“ hat was, nicht lachen, von Nine Inch Nails-Tracks, die in so eine Richtung gehen und die ich schon immer mochte.
Die beiden Herzkammern der Platte sind allerdings „Io“ und ganz besonders „Burning Blood“. 

Beide auf ihre jeweilige Weise ein steter Tanz aus Rhythmus und Mantra-artigem Gesang.
Und obwohl ich in der Regel jemand bin, der‘s bei härterer Rockmusik eher derb und dreckig braucht (weswegen ich das meiste an total glattpoliertem Djent-/ Prog-/ Post- Metal völlig verachte), ist es hier tatsächlich gerade auch die glasklar-sonore Inszenierung des Ganzen, die’s so geil macht. Sowas wie „Burning Blood“ könnte ich mir ganz ohne Scheiß stundenlang anhören.


Zukunftsmusik: Der dritte Teil der „Death And Resurrection Of Krautrock“-Trilogie soll übrigens um den Jahreswechsel erscheinen. Eine beachtenswerte Randnotiz ist, dass dabei Blake Fleming am Schlagzeug sitzt, u.a. durch die kurzlebige 90er-Noiserock-/ Math-Metal-Überband Dazzling Killmen bekannt und auch Mitbegründer von The Mars Volta, die er allerdings nach den ersten Demoaufnahmen verließ.