Freitag, 15. Dezember 2017

Everything's Fine

Post-Punk? Noíserock? Den derbe-kaputt nach vorne rockenden LoFi-Lärm von NARROW LANDS kann man wohl tatsächlich mal wieder mit in beide dieser Schubladen stecken...



Die Konkurrenz war eigentlich groß, denn im gleichen Zeitraum kamen u.a. auch ‘ne Nine-Inch-Nails-EP, das aktuelle Tau-Cross-Album, die debütierende Grind-Supergroup Expulsion und ‘ne neue meines ewigen Altrocker-Helden Alice Cooper raus, aber es sollten tatsächlich diese sechs Songs einer obskuren Band aus Australien sein, die bei mir aus dem Juli diesen Jahres mitunter am meisten hängenbleiben würden.


„Everything’s Fine“ besticht mit Rockmusik in einem etwas kühlen, bis an die Schmerzgrenze verzerrtem Sound, der No-Wave-/ Noiserock-/ Industrial-Assoziationen im allerbesten Sinne weckt (sprich von Sonic Youth über Cop Shoot Cop bis zu den ganz frühen Swans; A Place To Bury Strangers lassen außerdem ein wenig grüßen), dabei nicht nur an die wirreren und brachialeren AmRepper wie Cows oder Heammerhead erinnert, sondern an 1-2 Stellen gar an die Grenze zu sowas wie Powerviolence-Geballer gelangt (man höre z.B. 'Born Leaders'), ferner
aber bei all der Wirrheit und Lärmigkeit in einem melodiös angehauchten Song wie dem Opener 'Garbage Human' dennoch schon mal durchschimmern lässt, dass hinter der besonders grob angerauten Oberfläche vielleicht doch ‘ne heimliche Indierock-Band stecken könnte.
Nicht schlecht, nicht schlecht. Würde ich ja echt gerne mal live sehen!  


Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Gaes/Hexis/Hexer

Ich mach’s mal kurz: Es war ein kurzweiliger Abend, gestern im Dortmunder Black Pigeon!
Trotz Buchladenkonzert mit Proberaum-Anlange ballerten und dröhnten GAES (letztens schon mal gesehen) ihren HM-2-Sludge-geschwängerten Grind-/ Noise-/ Powerviolence-Kram ziemlich überzeugend raus.

Die folgenden, dänischen HEXIS hatte ich mit ihrem Celeste-ähnlichen Black-Metalcore auf jeden Fall unterschätzt, denn sie waren an diesem Abend ‘ne ziemlich Bank an infernalischer Derbheit.
Das Strobo-Dauerfeuer war vielleicht ein bisschen anstrengend, aber nuja, ich fands ja ansonsten insgesamt echt ganz gut!


Die Lokalhelden HEXER wiederum mussten ihren Set kürzen, weil’s zu spät wurde.
Tja, Leute, dann halt früher anfangen, bei drei Bands.
Nach den beiden Ballerkapellen davor hatte der Doom von HEXER allerdings auch was irgendwie antiklimatisches, der Synthie-Einsatz ist allerdings ‘ne ziemlich coole Sache.

Mehr von sowas, Dortmund!

Dieser Tage raus (KW50)

EYE OF NIX - Black Somnia
Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir sowas wie Therion und Within Temtation im Hipster-Metal-Zeitalter hinter uns lassen, aber weit gefehlt: Auch Blackened-Crust-Sludge-Doom samt Dunkelrock-Kante kann man neuerdings mit Operettengesang kombinieren. 

Denn dafür stehen EYE OF NIX aus Seattle.
Bandcamp: eyeofnix.bandcamp.com

LADDER DEVILS - Teenage Nuance
Mit dem 2014er „Clean Hands“ tauchten die LADDER DEVILS erstmals mal auf meinem Radar auf, neigten mir damals aber wohl doch einen Hauch zu sehr in die Indie-/ Punk-Ecke des Noiserock, welchen ich persönlich wohl einfach eben doch einen Tacken kerniger bevorzuge.
Vergangenen Sonntag kam überraschend ‘ne neue raus, die man trotzdem mal checken kann.


MINORS – Atrophy
Darf’s ein bisschen Derb-core sein? Die kanadischen MINORS etablieren sich gerade als Up-and-Coming im D-Beat-/ Heavy-Hardcore-/ Powerviolence-Sektor. 
Der Bandcamp-Stream ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht online, aber vermutlich in Kürze.
Dafür gibt’s aber ‘n Clip:


MOTHERS LOVE- Ad Deum Et Congo Dandy
Nach einer 3-Song-EP im Frühjahr gibt’s kurz vorm Jahreswechsel noch eine weitere von MOTHERS LOVE aus Glasgow, die sich in den aktuellen Trend von Punks, Metallern und Hipstern einreihen, die den Postpunk/ Gothrock für sich entdeckt haben und nun vor allem auf Pfaden von Joy Division und co. wandeln. 

Das allerdings tatsächlich auch gar nicht mal so schlecht!


NEIGE MORTE  - Trinnnt
Über Division Records und Consouling Sounds erscheint das neue Album der französischen Black-Metaller NEIGE MORTE.
Auch hier ist noch kein Album-Stream bei Bandcamp online, aber immerhin schon mal der Einzel-Song „De Dödas Röster“.


SEKEL – s/t
“Punk/ Kraut” versprechen uns Fuzz Club Records mit dem selbstbetitelten Langspieldebüt von SEKEL aus Malmö, Schweden.
Neben ‘ner Bandcamp-Seite vom Label gibt’s auch heirzu ‘n Videoclip:


Und sonst noch?

 
Die beiden Industrial-Projekte MZ.412 (streitbares Cold-Meat-Industry-Urgestein) und TREPANERINGSRITUALEN (mit „Kainskult“ unter meinen Alben des Jahres!) teilen sich eine Split-Veröffentlichung mit Live-Mitschnitten, die wohl diesen Freitag über Annapurna Production rauskommt.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kainskult

Zu den überraschenderen ‘Highlights des Jahres‘ gehört definitiv TREPANERINGSRITUALEN’s „Kainskult“.



Ein vager Begriff war mit das Projekt des inzwischen auch schon vierzigjährigen Schweden Thomas Martin Ekelund ja schon vorher - das Cover des Vorgängeralbums „Perfection & Permanence“ z.B. ist hier und da auch immer wieder mal irgendwie in meine Aufmerksamkeit gespült worden, aber erst mit „Kainskult“ fängt TREPANERINGSRITUALEN gerade scheinbar an, kreativ wie Szene-übergreifend so ein bisschen durch die Decke zu gehen. 

Kommendes Jahr ist man z.B. auch im Package mit Metal-Bands auf Tour...

Nachdem ich mich bei Bandcamp mal durch einige der vorangegangenen Releases gehört habe, kann ich auch bestätigen, dass das mit Black-Metal-Spirit in Dark-Ambient- und Death-/ Ritual-Industrial-Gefilden fußende Projekt auf „Kainskult“ sozusagen einen kleinen Quantensprung hingelegt hat.
Trotz allem synthetischen Gebrummes hat die Musik von „Kainskult“ organische Qualitäten.  Gleich im bedrohlich startendem Opener 'Death & Ecstasy' atmet, ächzt und hustet es hintergründig, das Zusammenspiel aus Vocals und Percussion-Rumms ist ferner ziemlich clever.
Mit ‘Maðr Malformed‘ lärmt’s dann inkl. aggressiver Vocals in der Ecke, die man wohl gemeinhin als Death-Industrial bezeichnet, Mz.412 u.ä. lässt grüßen…
Besonders geil dann auch noch: Das wirklich industriell scheppernde und schellende ‘Serpent Seed‘ – der Rhythmus, wo man mitmuss.

Aus derartigen Stilregionen - sprich etwas, das wie ein okkultes Ritual eines Cyborgs klingt - höre ich ja nicht sooo viel Musik, aber „Kainskult“ ist wirklich der Wahnsinn!




Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Dienstag, 12. Dezember 2017

Svffer/Die Negation/Cut off Kites/Dismalfucker/Wire Love

Es war übrigens ein netter Abend, in der Trompete Bochum am vergangenen Freitag:
Bei unserer Ankunft waren die Jungspunde WIRE LOVE, die ihren ersten Gig überhaupt spielten, zwar gerade in den letzten Zügen, doch ihr facettenreich ausgeklügelter (Post-)Hardcore mit Neunziger-Vibes gefiel durchaus.
Kontrast wurde im Programm groß geschrieben, denn es folgten die doch wesentlich grobschlächtiger zu Werke gehenden Münsteraner DISMALFUCKER - mit dem Drummer von (u.a.) Svffer an der Gitarre.
Deren gelegentlich durch rock’n‘rolliges Schunkel-Midtempo stampfendes, aber die meiste Zeit eben doch dem D-Beat und Schallgeschwindigkeitsgeballer frönendes Crust-Geboller hat definitiv Laune gemacht.


Nicht nur einen Kontrastpunkt sondern fast schon einen Stilbruch gab’s danach mit CUT OFF KITES.
Bevor wir uns missverstehen: Handwerklich ziemlich gut war der ins ‘psychedelisch-postrockige‘ abdriftende (Selbsteinschätzung:) Alternative Rock der Essener ja durchaus. Mir persönlich war das Ganze zwischen den anderen Baller-Bands aber einen ganzen Tacken zu Schöngeist-mäßig und überhaupt steht mir im Moment eher nicht so der Sinn nach sowas.
DIE NEGATION wiederum hatte ich im Frühjahr schon mal mit Power Trip zusammen im Essener Don’t Panic gesehen (warum habe ich das eigentlich anscheinend gar nicht verbloggt?). 

Dort hatten sie mich damals irgendwie nicht so richtig überzeugt, was mit am Sound und sonstigen Rahmen gelegen haben kann.
An diesem Abend jedoch ging die Show der Hardcore-Band gut rein. Was allem voran auch am sichtlich Bock habenden und immer wieder Publikumskonfrontation suchenden Frontmann lag, aber auch daran, dass die stilistisch recht weite HC-Punk-Mixtur der Band gut funktioniert.

 
Krönender Abschluss danach mit SVFFER. 
Natürlich ist dieser „da brüllt ‘n Mädchen inbrünstigst“-Faktor auch heutzutage immer noch so ein Extra-Ding, dennoch muss man im Gesamtpaket sagen, dass es keine andere Band gibt, die ähnlich gelungen, mächtig und mietreißend bretthärteste Crust-/ Grind-Ansätze mit über die sog. Emoviolence-Schiene herleitet und damit intensiver und infernalischer klingt als jedwede Band mit metallischeren Wurzeln.
Eine Floskel wie „immer wieder eine Bank“ würde dem nicht ganz gerecht werden, was SVFFER da mal wieder aufs Parkett gekloppt haben.
Ich kenne jedenfalls nur wenige andere Grind-/ Hardcore-Bands, die eine ähnliche Wucht sind und dabei auch noch derart prägnante Songs servieren.
Hoffentlich bald wieder! 


Sterilize

In der Aneinanderreihung der Alben des Jahres darf die neue UNSANE natürlich auf gar keinen Fall fehlen…



Dabei fällt es mir ausnahmsweise sogar mal eher schwer, darüber einen ausführlicheren Sermon loszulassen.
Verhältnismäßige Instant-Hits oder irgendwie herausstechende Songs, wie sie die ebenfalls starken Vorgängeralben „Wreck“ und „Visqueen“ durchaus hatten, hat „Sterilize” eigentlich noch nicht mal so wirklich zu bieten.
Es ist schlicht und ergreifend nicht mehr und nicht weniger als „nur“ ein relativ typisches UNSANE-Allbum. As solches aber eben durch und durch gelungen, mitreißend und genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt.
Es muss was mit einem gewissen Nostalgie-Bonus zu tun haben, aber da steckt ein irgendwie versöhnlich-tröstliches Element mit in der ganzen Sache, wenn die alternden Noiserock-Titanen ihrer allgemeinen Wut über so einiges freien Lauf
in Songform lassen…
Oh, und wie sie das tun. Von vorne bis hinten steckt dieses Album manche Clownscombo a la Mantar, die sich gerne den „Spaß an Zerstörung“ als Konzept und Motto auf die Fahre schreiben wollen, in dieser Hinsicht doppelt und dreifach in die Tasche.
UNSANE haben nach wie vor was ziemlich harsches, archaisch-brachiales, auf diesem Album sogar noch mal wieder etwas weiter abgekantetes und schon mal ein kleines Stück um die Ecke gedachtes, anstatt zu straight und catchy zu sein, aber doch geht das ganze dem geneigten Fan einfach nur gut rein. 

Mögen uns die Herren Spencer, Curran und Signorelli noch lange erhalten bleiben! 

Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Montag, 11. Dezember 2017

Shaaaaaame

Obwohl ich ihre Ableger-Band Bodychoke total liebe und von „verwandten“ Power-Electronics-Urgesteinen wie Ramleh oder Whitehouse durchaus das eine oder andere kenne oder gar als Tonträger besitze, waren SUTCLIFFE JÜGEND selbst bei mir bisher mehr so ein Ding auf der „muss ich mich glaube ich auch mal ein bisschen mit beschäftigen“-Liste gewesen.
Dieses Jahr traten sie dann um die Ecke auf dem Oberhausener Maschinenfest auf, was eine gute Gelegenheit war, sich das mal zu geben.
Und als die beiden Briten dann mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums loslegten…



…war ich hin und weg. Wie geil ist das denn eigentlich?
Und „Shame“ bleibt im weiteren Verlauf ein Album, das verblüfft.
Der zweite Song z.B. ist eine verstörend-seltsame Kombination aus dissonantem Piano-Geklimper und Kevin Tomkins‘ düsterer Poesie.
Bei ‘Bait‘ wird dann simpel-effektiv und völlig geil die Industrial-Noise-Schraube angezogen…



…und irgendwie habe ich dabei das Gefühl, dass dieser Lärm der alten Originale mindestens drei mal so klingt, wie es ein Projekt à la Corrections House oder manch anderer Noise-Nachahmer eigentlich gerne würde.
Wow!





Bisher abgefertigte Jahreshighlights: