Dienstag, 20. Februar 2018

Dieser Tage raus (KW08)

Diese Woche mal nicht so ganz genau nehmend alphabetisch aufgelistet, weil.

CRIMINAL BODY - s/t
Die Nachfolgeband der Nachfolgeband von Alpinist ist von ihrem intensiven Crust-Geballer weggegangen, um auf den aktuell immer weiter um sich greifenden en Postpunk-Zug zwischen Goth-Schulterblicken und Noiserock-Anleihen aufzuspringen. Kann man von halten, was man will, denn es scheint ja inzwischen von Hardcore-Punks bis Black-Metallern ein weit verbreitetes Ding zu sein, einen derartigen Schritt zu gehen.
Das selbstbetitelte Debüt der Jungbluth-Reinkarnation erscheint diese Woche bei This Charming Man. Und man ist durchaus gespannt drauf.



GEWALT - Wir sind sicher
Ebenfalls bei This Charming Man erscheint diese Woche offiziell die auf Tour bereits erhältlich gewesene neue 7“ von GEWALT, auf der vor allem die etwas Big-Black-mäßige B-Seite „Guter Junge/ Böser Junge“ der absolute Knaller ist.


CULTUS PROFANO - Sacramentum Obscurus
Man sollte sich davon, dass das französische Blut-aus-Nord-Hauslabel Debemur Morti Productions in der Vergangenheit auch Avantgardisten und Leftfield-Metaller wie Terra Tenebrosa, Lattitudes oder Year Of No Light veröffentlicht hat nicht zu sehr in die Irre führen lassen, denn in erster Linie ist und bleibt DMP eine Black-Metal-Marke. 

Was man sehr gut am Release dieser Woche sieht bzw. hört, denn CULTUS PROFANO sind „Old School 2nd Wave Black Metal“ as F. Angefangen vom Bandnamen und der Verpackung in Corpsepaint und Stachelarmband, bis hin natürlich zur Musik, die nichts für Leute auf der Suche nach was originellem ist.


DEAD KITTENS - Pet Obituaries
Eine niederländisch-israelische Duoformation aus Berlin bietet auf ihrem diese Woche via Noisolution veröffentlichtem Debüt sowas wie Gute-Laune-Rock zwischen purem Punk, Stoner-Aura und Neunziger-Nostalgie, letzteres weil zwischen Alternative und Hardcore irgendwie alles geht.
Dazu gibt’s dann auch noch den einen oder anderen schrillen Videoclip.
 


DEATHBELL - With The Beyond
Ernsthafte Konkurrenz für Windhand und co.? Französisch-irischer Stoner-Doom,
mit Frauenstimme, aus der Electric-Wizard-Schule. 
Heavy, hypnotisch und psychedelisch.
 
FITNESS –ing 
Was für eine herrlich seltsame Band?! Die mir als „No Wave mit dezenter Pop-Schlagseite und kantiger Gitarrenarbeit“ in der groben Ecke von Sonic Youth und Mission of Burma nahegelegt wurde. Was wohl dann auch ganz gut umreißt, warum es trotz aller Schrägheit doch auch irgendwie so ein bisschen wie schon mal gehört klingt...


FUNERAL ELECTRICAL - City Laments
Gleich zwei Neben-Spielwiesen der mehr als passablen und an mehreren Fronten kreativen US-Stoner-Rocker Across Tundras haben gerade was neues übers eigene Digital-Label Electric Relics Audio Artifacts abgeworfen: 

Auch wenn der Name es nahelegen würde, geht FUNERAL ELECTRICAL dabei in keine Sabbath’sche Richtung, sondern ist eher in Ambient-/ Postrock-Region angesiedelt, mit Drumcomputer, Synths und Gitarre.


INGET NAMN  CIMITERO SENZA CROCI - The Redemption of Nameless
Electric Relics Audio Artifacts zum zweiten: Eine Ambient-/Drone-Kollaboration von INGET NAMN alias Tanner Olson (Across Tundras, Funeral Electrical) und dem laut eigener Aussage Spaghetti-Western-beeinflussten Solokünstler CIMITERO SENZA CROCI.


INKASSO MOSKAU - Die Sünde
Die 2015er „Motorsäge“ LP der Osnabrücker INKASSO MOSKAU fand ich mit dem darauf gebotenen Grindcore-Punk ja schon ganz cool.
Auf dem diese Woche bei Bakraufarfita Records erscheinendem „Die Sünde“ scheinen sie noch mal gehörig aufgestockt zu haben, denn es lassen sich derbe Black-Metal-Anleihen, geile Schrägheiten und fette Grooves im Stilmix raushören.
Schwer Bock drauf!



INSECT ARK - Marrow Hymns
Erstmal die Namedropping-Historie abhaken: Dana Schechter war kurz nach der Jahrtausendwende mal für zwei Alben Mitglied von
Swans-Chef Michael Gira’s Angels of Light und hatte eine eigene Dark-Folk/ Indie-Pop-Band namens Bee and Flower, die echt toll, aber für größere Aufmerksamkeit von weiter außen wohl doch zu Sparte war.
Mit INSECT ARK hat sie sich inzwischen experimentellerer Musik mit Krautrock- und Drone-Metal-Kane zugewandt. Die für Qualität mit Blicken über den Tellerrand bürgenden Profound Lore veröffentlichen dieser Tage den zweiten Langspieler.  



KEIJI HAINO & SUMAC - American Dollar Bill...
Habe ich hier nicht schon öfter mal erwähnt, dass ich eigentlich nicht der größte Fan von Aaron Turner (u.a. Isis, Old Man Gloom, HydraHead Recordings) bin? Bei seinen Bands und Projekten habe ich oft das Gefühl, das sie zwar irgendwie gut gemeint sind, aber eben nicht in voller Konsequenz wirklich geil. Von Isis z.B. fand ich nur ein Album wirklich gut und SUMAC sind u.a. wegen ihrer herausragenden Rhythm-Section auf den ersten Blick recht spektakulär - so wirklich hängenbleiben will davon bei bei mir aber trotzdem nix.
Diese Woche gibt’s jedenfalls eine Kollaboration mit dem japanischen Avantgarde-Altmeister KEIJI HAINO.



KUSARI GAMA KILL - Damn You Rainer Schulte
„Harsh-Noisecore“, die erste: Die dänischen KUSARI GAMA KILL verstehen sich als „Free Form Noisegrind“ und kombinieren Power-Electronics, Vocals und Schlagzeuggeballer. 

Dabei sind sie mit einem der Zehnminüter von "Damn You Rainer Schulte" außerdem noch auf einer Split vertreten…

NASOPHARYNX / KUSARI GAMA KILL - Malignant Astrovirology [split EP]
…auf der die anderen neun Tracks von NASOPHARYNX stammen, bei dem es sich wiederum um ein Soloprojekt mit Drumcomputer handelt, welches etwas macht, was man wohl so Cybergrind nennt… 



MAMUTHONSE - Fear On The Corner
Beim britischen Label Rocket Recordings weiß man, dass man nix alltägliches vorgesetzt bekommt. Die italienischen MAMUTHONSE z.B. folgen einer ganz eigenen Psychedelic-/ Krautrock-Formel, die elektronische Dance-/ Indietronic-Anwandlungen Richtung LCD Soundsystem mit sowas wie Spacerock unter einen Hut bekommt.



NOSEHOLES - Danger Dance
Das Spex-Magazin geht völlig ab: NOSEHOLES aus Hamburg „spielen durchgeknallten No Wave, der aus der Zeit fällt“. Post-Punk, New Wave, No Wave, Jazz-Punk, Disco-Not-Disco und Art-Funk sind Eckpfeiler der Erklärungsversuche, mit denen man sich ihrem eigentümlichen, ja regelrecht wie retrofuturistischem Frühachtziger-Avantgarde-Stilmix annähert.  
Einen gewissen Charme kann man dem Ganzen allerdings auch mit im Dorf gelassener Kirche nicht absprechen!



REPTILIAN RACE  - The Industrial Sessions / Heavy Metal Van Hammer / Walking on the Moon
Die zuvor nur auf Soundcloud aktiven Noiserocker/ Weirdo-Punks/ Sludger REPTILIAN RACE haben nun auf ein mal doch eine Bandcamp-Seite, auf der sie die Demo-EPs „The Industrial Sessions“ und „Heavy Metal Van Hammer“, sowie ihre erstaunlich okaye Doom-Version meines The-Police-Lieblingssongs „Walking on the Moon“ (hätte ich selbst mich so nicht getraut!) hochgeladen haben:



RUSSIAN BATHS - Penance
Ein sich Gitarren und Gesang teilendes Paar aus Brooklyn plus Rhythm Section passt mit seinem Post-Punk-Kram zwischen verträumt-poppigen Gangarten und krachig rockenden Ausbrüchen ja schon so ein bisschen in den derzeitigen Underground-Zeitgeist, oder? 
Mit „Slernderman“, „What’s Your Basement“ und „Poolhouse“ gibt’s drei Songs davon derzeit auf dem Soundcloud-Account des Labels Good Eye Records zu hören. 

Keine Ahnung, ob und wann das Ding auf der Bandcamp-Seite der Band online gehen wird.

SABBATH ASSEMBLY - Exsanguinata
Scheinbar diese Woche erst bei Bandcamp online, obwohl nicht mehr ganz so frisch, ging mit „Exsanguinata“ der Soundtrack für einen gleichnamigen Film, an dem die ja generell schon etwas theatralische Konzept-Doom-Band auch selbst mitwirkte.
Es geht dabei übrigens um Gräfin Bathory.



TREEDEON - Under The Manchineel
Yvonne de Lunch und Arne von Ulme legen via Exile On Mainstream Records das zweite Album ihrer-Sludge-Doom-Band TREEDEON vor.
Da ich das erste schon ganz gut fand und EOM eh ein tolles Label ist, hatte mich mir dieses Teil tatsächlich ungehört vorbestellt, bereits auf dem Plattenteller rotieren lassen und bekam dabei bisher den Eindruck, dass das relativ facettenreich irgendwo zwischen Punk-/ HC-Spirit, Noise-Wand und Stoner-Metal dröhnende Trio eher noch mal ein Eckchen sperriger geworden ist.
Was mir persönlich ja tatsächlich ziemlich gut gefällt!


THE VERBODEN BOYS - Band From Reality: The Complete Demos
„Noisecore“, die zweite: Mit gesammelten Aufnahmen von 15 Songs Tracks in 18 Minuten präsentiert uns auch diese belgisch-britische (?) Freundschaft eine Kombination aus purem Lärm, Vocals und Blastbeatgeballer. Man driftet dabei allerdings doch recht deutlich eher in Richtung totaler Noise-Nonsense mit Rockinstrumentierung ab, als in die, vielleicht doch mal musikalische Strukturen andeuten zu wollen, oder die, tatsächlich in Harsh-Noise-Regionen abzurauschen.



VIVIANKRIST - distress
Uuund die nächste Ladung experimenteller Elektronik von VIVIANKRIST alias Vivian Slaughter of Gallhammer Fame.



WAKE – Misery Rites
Sowing The Seeds Of A Worthless Tomorrow” war ein krasses Album, das den Grindcore der kanadischen WAKE komplex und düster in eine ganz eigene Liga katapultierte.
Trotzdem waren beim Essener Konzert im vergangenen August nur eine Handvoll zahlender Gäste. Was läuft eigentlich falsch bei Euch?
Anyway… Geschmackselitäre Krawallmusikgourmets sind auf den diese Woche kommenden Nachfolger gespannt.


WHITE HILLS + DBaticotlh - Desire
Während das genaue Veröffentlichungsdatum von Anfang an etwas schwammig war, kam
via Ván Records gerade diese Kollaboration vom Psychedelic-Pärchen WHITE HILLS aus New York und dem scheinbar immer noch Diskussionsbedarf aufwerfendem, österreichischen Weirdo-Projekt DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND raus.
Beides Bands, die ich aus unterschiedlichen Gründen bisher eher vernachlässigt hatte...
Geboten wird dabei sowas wie Krautrock der eigenwilligeren Sorte.


Und sonst noch?


Beim dänischen Elektronik- und Noise-Spezialistenlabel Posh Isolation sind drei neue Releases digital und als Tape raus: 
Das Duo KYO widmet seine beiden Live-Aufnahmen von „Vi Byder Sommeren Ind / Vi Tackar För Sommaren“ dem Kommen und gehen des Sommers.
Hinter "The Translator” von LOKE RAHBEK & JULIA LANS NOWA steckt eine kommissionierte Kollaboration für das Berliner Pop Kultur Festival, die vergangenen August eingefangen wurde.
Und dann hätten wir noch "Affiliations" von VANITY PRODUCTIONS: Zwei kurze Synthie-Arbeiten, die sich mit dem Thema moderner Kommunikation auseinandersetzen.


Die japanischen Doom-Crust-Death-Kings COFFINS veröffentlichen wohl außerdem gerade 'ne Split mit ihren Hardcore-Landsleuten SECOND TO NONE. 

Und der von Downfall of Gaia bekannte PETER WOLFF hat diese Woche sein Solo-Debütalbum „Repeat“ auf My Proud Mountain am Start. Das Ganze geht grob in Richtung Ambient/ Drone/ Elektro-Neoklassik. 

Montag, 19. Februar 2018

Albatre + Paisiel

Kurzweiliger Konzertabend am vergangenen Samstag im Makroscope zu Mülheim an der Ruhr:
(„Das Makroscope ist ein soziales Zentrum in Mülheim, das sich dem interdisziplinären sowie experimentellen Umgang mit Kunst und Technik widmet. Das Zentrum wird von dem gemeinnützigen Verein Makroscope e.V. betrieben. (…) Neben dem Museum für Fotokopie haben hier unter anderem das SHINY TOYS Festival und das Label Ana Ott ihr Hauptquartier. Es finden wechselnde Ausstellungen und Workshops statt – außerdem eine Konzertreihe für abseitige Musik und eine kultur- und gesellschaftskritische Veranstaltungsreihe.“)
Auf dem Programm stranden PAISIEL und ALBARTE.
 
PIASIEL sind ein Duo aus Porto, bestehend aus Saxophonist (der eigentlich aus der Gegend stammt) und Perkussionist.
Das Ganze ging im halbdunklen etwas atmosphärischer und spannend aufgebaut los, mündete aber schon bald in einer gut abgehenden Kombination aus (mit Effektpedalen unterstütztem) Getröte und hektischen Latin-Getrommel.
Was tatsächlich ganz cool kam, allerdings ähnelten sich die langen Stücke dann nach hintenraus ja doch ein bisschen sehr.

Dann ALBATRE. 


Als ich das Trio (plus Visuals-Mann) aus Rotterdam mit deutschem Drummer vor ein paar Jahren schon mal sah, gab’s wohl sowas wie ein Grand Finale mit Drone-Doom-/ Postrock-Kante zu hören, was irgendwie hängengeblieben war.
Aktuell ist ihr Contemporary Hard-Jazz - vergleichbar mit Zu oder The Hub – allerdings eher schon gänzlich zur math-/ noiserockigen Seite gekippt. In meiner eigenen Schlagzeuger-Wahrnehmung (andere werden es anders sehen) bildeten Saxophonist und Zerr-Basser/ Gelegenheits-Keyboarder dabei dann auch vor allem den Rahmen für völliges Apeshit-Drumming, dem zuzusehen und -hören daran am meisten Spaß gehabt hat.
Ganz schön geil!
Warum das 2015er „Nagual“ so ein bisschen an mir vorbeiging, obwohl ich die Band ein Jahr zuvor live gesehen und gut gefunden hatte, das ist die Frage der Fragen, aber natürlich klemmte ich mir die entsprechende LP an Ort und Stelle untern Arm.

 
Randnotiz: Der Abend markierte ferner auch die Veröffentlichung des kostenlosen Zines „Hungerspiele: Berichte aus dem Ausbeutungsbetrieb Underground“ im Zeitungsformat.  Verschiedene Autoren aus dem Makroscope-Umfeld beschäftigen sich darin mit dem Themenkomplex Kunst, DIY und Entlohnung.

Freitag, 16. Februar 2018

Yacht Communism

Wie Anfang des Jahres (mit Hinweisen auf Bad Breeding, Drunk In Hell und Expander) versprochen, sollen diverse interessante Veröffentlichungen, die mir hier letztes Jahr irgendwie durchs Raster fielen, gerne noch mal als Einzelbesprechungen erwähnt, anstatt in unübersichtlichen Sammel-Posts abgefrühstückt werden.
Heute: YACHT COMMUNISM...


Da YACHT COMMUNISM's selbstbetiteltes Debüt vergangenes Jahr am Roadburn-Wochenende erschien, verwundert das vorläufige durchs Raster fallen auch erst mal nicht wirklich, aber vom auf den Radar auftauchen bis zum Reinhören hat es bei mir dann zugegeben trotzdem noch mal 'ne Weile gedauert, weil so viel Musik, so wenig Zeit.
Dabei kennt man Frontfrau Leonie von der superintensiven Grind-/ Crust-/ Emoviolence-Combo Svffer, die ich wirklich ziemlich großartig finde. 
Und dass besagte Dame nicht nur (ziemlich geil-derbe) grölen und keifen, sondern tatsächlich auch ganz gut singen kann, hatte sie schon mal mit einem Gastbeitrag auf dem letzten Planks-Album bewiesen.
(Apropos: Mir fällt ja jetzt erst auf, dass das Band-Pic oben rechts auf der Planks-Bandcamp-Seite tatsächlich von mir ist. Sachen gibt’s...) 
Die Musik von YACHT COMMUNISM habe ich an anderer Stelle schon unter „Post-Punk“ und „Psychedelic Noiserock“ eingetütet gelesen, wobei zum allgemeinen Vibe der Musik vor allem erstgenanntes Etikett passt, inkl. Goth-Gloom. 
Die Band stolpert allerdings nicht tanzbarstens in Joy-Division-Manier nach vorne oder ähnliches, sondern baut eher atmosphärische Songs auf, mal zurückgenommen, mal mit pumpenden Groove, gerne mal eher etwas verspielt anmutend.
Und Leonie macht dabei tatsächlich als leidenschaftliche Sängerin eine genauso gute Figur, wie bei ihrer anderen Band als inbrünstige Growlerin und Schreierin – Respekt!
Im Übrigen ist das Quartett kommenden Monat auf Tour, hin da:

Montag, 12. Februar 2018

Dieser Tage raus (KW07)

Krass, was diese Woche so alles auf dem Radar auftauchte…

BARREN WOMB - Old Money / New Lows
Den Selbsterklärungsversuch „Nordic Heavy Noise Rock Duo“ finde ich zwar schon wieder etwas puh, allerdings können BARREN WOMB aus Trondheim immerhin schon ‘ne Split mit den amerikanischen Grizzlor und ein paar Tourdates im Package mit Voivod, Entombed A.D., Lord Dying und Morbid Evils vorweisen.
Erwartet aber nix zu wildes, sondern eher sowas wie Blues-Rock mit ein bisschen mehr Biss. Was Metal-Leute dann halt so als "Noiserock" missverstehen wollen...


BETA BLOCKERS - Stiff Prescription
Schon wieder neuer Spezialisten-Punk/ Post-Hardcore/ Noiserock von der Insel!
They sound like Die Kreuzen fucking about with the Screamers, or maybe Black Flag smashing gurners with Neubauten (…)”? Besagte Label-Einschätzung liest sich ja schon ziemlich vielversprechend, und in der Tat weiß diese Truppe aus Sheffield mit einer wild nach vorne preschenden, leicht verhallten Lärmwand zu begeistern, der ich zudem noch einen gehörigen Schuss Rumpel-Crust im Stilmix zugestehen würde.
Am besten mit Bad Breeding und Bruxa Maria auf Tour schicken um eine Schneise der Zerstörung durch hiesige AZs zu ziehen. Können wir das bitte kriegen?


BIANCA SCOUT - __Dislex-ia
Fragt mich jetzt bitte nicht, wo das hier auf einmal herkommt, aber was von einem echt trashigen Cover geziert beim reinen Digital-Label Beatrice & Annie (scheinbar ein Zweig von Opal Tapes) vage mit den Tags Pop, Electronic Music, Feak-Folk, Lo-Fi und Weirdo-Pop eingezäunt und von der Künstlerin selbst als „an album about giving up on being a dancer“ erklärt wird, übt mit einem dilettantisch-verstrahltem Kinderzimmer-Charme zwischen Pop/ Folk und Ambient-/ Shoegaze-/ Noise-Tendenzen tatsächlich eine gewisse Faszination auf mich aus.
Hinweis für ungeduldige Anzapper: Erst nach dem etwas fernöstlich anmutendem Klimper-Opener wird’s im weiteren Verlauf erst noch wirklich interessant…



BIBLE BLACK TYRANT - Regret Beyond Death
Neulich hatte ich mich ja tatsächlich schon mal gefragt, ob es Eagle Twin eigentlich noch gibt. Und die Antwort auf die Frage ist nicht nur ja, sondern die werden dieses Jahr tatsächlich auch noch was neues via Southern Lord rausbringen! 

Vorher wirkt Drummer Tyler Smith allerdings noch bei dieser Sache mit, die außerdem Aaron Edge (u.a. Lumbar) und David Fylstra (Kvoid) mit im Boot hat.
Sludge-Metal mit Post-Hardcore-Kante? Irgendwie sowas, ja.


BUTCHERS - Low Life
Kurz bevor auf der Mitte des Songs mal eben ein ausschmückendes Spielzeugkeyboard lossurrt ging meine spontane Assoziation beim Opener dieser EP in Richtung „klingt wie Metallica, wenn sie sich beim Soundcheck ihres Secret-Gigs im Kleinclub unbeobachtet fühlen und mal eben irgendeinen Punk-Song aus ihrer Jugend runterschrammen“. 

Ein Eindruck, der nicht nur beim zweiten Song blieb, sondern beim noch mehr Metal-Kante zeigenden dritten Song fast noch mal verstärkt würde, würde jener nicht doch auch etwas bekloppt und kaputt klingen, wohin die EP in ihrer zweiten Hälfte dann generell weiterhin kippt.
Wie witzig ist das denn bitte?! 



BUZZ RODEO - Stunt King
Eine bisher unveröffentlichte Nummer von der Aufnahmesession des letztjährigen Albums „Combine“ gibt’s jetzt beim Bandcamp der Stuttgarter Alt.-Rocker BUZZ RODEO umsonst:



COFFIN TORTURE - Dismal Planet
Beim Digilabel Sludgelord Records ist der Name natürlich Programm. Das schon ziemlich in Richtung EHG, Buzzoven, Bongzilla u.ä. schielende US-Duo COFFIN TORTURE erzählt uns nix, was wir in letzter Zeit nicht schon öfter mal gehört hätten (und ich bin an solchem Fuzz-Dröhn-Groove-Gröl-Kram auch echt ein bisschen übersättigt), aber die Mischung, eben nicht nur Doom-Geschleppe mit Southern-Andeutungen aufzufahren, sondern bei Midtempo-Gestampfe wie 'Izhar' eine fast schon etwas industrial-metallische Kante anzudeuten, ist so verkehrt noch nicht mal!
Ab zum Roadburn mit Euch…



DEATH PEDALS – s/t
Überhaupt gerade erst auf meinem Radar aufgetaucht, lösen sich die britischen DEATH PEDALS in diesem Moment auch schon wieder auf und hinterlassen der Nachwelt ein selbstbetiteltes Abschiedsalbum via Hominid Sounds.
Geboten wird roh-noisiger Punk mit experimenteller Kante, zur Hälfte im Studio improvisiert.


DIVIDE AND DISSOLVE - Abomination
Interessant: Ein politisch motiviertes Projekt zweier Mädels aus Australien, die mit Gitarre, Sax, Drums und Effektgeräten sowas wie instrumentalen Drone-Doom machen, den sie selbst nicht weit von Neoklassik sehen.
"Abomination" ist bereits ihr Zweitwerk nach dem letztjährigen „Basic“.


EASY PREY – Teeth
Aggressiver Post-Hardcore/ Noiserock/ Punk ist das, was sich dieses Quartett aus Austin, Texas auf die Fahne schreibt.
"Teeth" wurde während einer Sonnenfinsternis aufgenommen und beim Mix und Mastering ließ man dann noch in Portland und Seattle die Hand auflegen.
Na, da kann ja nix mehr schiefgehen, was? Geht allerdings wirklich gut ab!

EIGENLICHT - Self-Annihilating Consciousness
Das italienische Label I, Voidhanger Records gehört nun schon seit einiger Zeit zu den interessanteren Adressen im Extrem-Metal-Underground, genauso wie die amerikanische Marke Gilead Media seit Jahren einen ziemlich guten Spagat hinkriegt, zwischen relativ spannenden Sludge- und Black-Metal-Releases und Musik, die eher in der/n Indie-/ Noiserock-/ Postrock-Ecke/n steckt (und ich möchte den allzu negativ konnotierten Begriff „Hipster“ an dieser Stelle tatsächlich bewusst vermieden wissen).
Diese beiden präsentieren uns in Zusammenarbeit das EIGENLICHT-Debüt „Self-Annihilating Consciousness“.
US-Black-Metal mit philosophischem Hintergrundkonzept, einzelne Mitglieder kennt man von Bands wie Fauna oder Skagos



FANTASY PANTHER - Cupid (with a compound bow)
Ja, diese Woche ist Valentinstag (gewesen). Dazu haben die generell recht ulkigen Grindcoreler FANTASY PANTHER (Ableger der inzwischen auch wieder semi-aktiven An Albatross) eine alberne Interpretation von Sam Cookes‘ "Cupid" rausgehauen, wohl auch bekannt durch eine Version von Amy Winehouse.



GEOFF - Demo EP
Eine neue Band aus Calgary haut ihr erstes Lebenszeichen in Form dieser Demo-EP raus, die mich irgendwo zwischen Stoner-Groove, Hardcore-Kernigkeit, ‘nem Hauch noisiger Dissonanz (vor allem beim quietschigen Riffing von „Something's Out Of Reach“) und eher unkompliziert veranlagten Songs ja ehrlich gesagt gaaaaaanz schwer an das erinnert, was ich mit ‘Neunziger-Metal‘ zwischen NOLA, Bay Area, NYHC und Herne-Wanne assoziiere. Irgendwie gut gemeint, aber doch auch etwas prollig anmutend…



HASHSHASHIN - nihsahshsaH (adj.)
Die gerne mal mit den Secret Chiefs 3 verglichenen Psychedelic-Progger mit Weltmusik-Tendenzen HASHSHASHIN, bei denen Art As Catharsis-Labelbetreiber Lachlan R. Dale auch selbst mitspielt, haben diese Woche ein Live-Album am Start:



HORSENECK - Heavy Trip
Mitglieder der Jahrtausendwenden-Wuchtmetall(core)-Vorreiter Will Haven und der Chelsea-Wolfe-Band machen hier groovy schleppenden Metal der aggressiven und brachialen Natur, der - herrlich auf den Punkt - trotz entsprechendem Schulterblick zu deartigen Stilregionen angenehm frei von übermäßigen Stoner-Fuzz- und Southern-Blues-Anleihen ist und auch nicht mit 'Postrock'-Getingel langweilt.
Ganz cool! Nicht wirklich originell, aber ganz cool!



HOUND THE WOLVES - Camera Obscura
Aus dem, wegen seiner regen Stoner-Metal-Szene schon regelrecht als Hipsterhausen geltenden Portland stammt dieses Quintett, das sich in der Nähe von Earth, Neurosis und U.S. Christmas wähnt, dabei aber eigentlich eher durchaus ganz netten, allerdings nicht wirklich so avantgardistisch wie gemeint daherkommenden Psychedelic-Rock mit
trübseligem Charakter macht, der weitgehend ohne Retro-Blues irgendwo bei Ambient-/ Shoegaze-Anwandlungen anfängt, gelegentlich über epische Postrock-Songlängen geht und bei zumindest einem der vier Tracks auch in etwas knackig-härteren Akzenten ausartet.
Mir persönlich ist’s insgesamt wohl doch ‘n Tacken zu zahm und lahm, aber so richtig schlecht geht trotzdem anders.



MACRONYMPHA / DER SMOGWÜRGER – ‘Nackt Und Verdammt‘ Split
Dass ich angefangen habe, einer Harsh-Noise-Gruppe auf Facebook zu folgen hat sich schon alleine für das kurze Schmunzeln gelohnt, als das Split-Tape „Nackt Und Verdammt“ mit dem Track „Der Aal“ von DER SMOGWÜRGER auf meinem Radar aufploppte.
Ja, manchmal sind es halt wirklich und tatsächlich die kleinen Dinge und mein Humorverständnis ist zugegeben eher infantiler Natur…



MASTER’S HAMMER – Fascinator
Zugeben: Abgesehen davon, dass ich mal irgendwann irgendein Album gehört habe, kenne ich mich mit den altgedienten tschechischen Avantgarde-Black-Metallen MASTER’S HAMMER ja echt null aus. Eine dieser Bands auf der „wollte ich schon immer mal weiter reinhören und mich mit beschäftigen“- Liste, dem zuletzt allerdings im Weg stand, dass ich immer Metal-müder werde und sich dementsprechende Interessen, Vorlieben und Hörgewohnheiten eher in etwas andere Richtungen verschoben haben...
Der Vollständigkeit halber sei aber dennoch drauf hingewiesen, dass die derzeit wieder sehr aktive Truppe um František "Franta" Štorm gerade ein neues Album rausgehauen hat:



MIKI YUI – dual ( hollow )
Das britische Label Soft Error hat gerade noch mal eine zweite Auflage von 35 Kassetten der ursprünglich Sommer letzten Jahres veröffentlichten Live-Aufnahme „dual ( hollow )“ von der in Düsseldorf lebenden Klangkünstlerin MIKI YUI rausgetan, die mit Samplern und Solar-Oszillatoren arbeitet.



MIRACLE -The Strife Of Love In A Dream
Steve Moore, Solokünstler u.a. von Soundtrack-Scores und Mitglied des Synthrock-Duos Zombi, und Daniel O’Sullivan, bekannt durch seine Mitarbeit bei u.a. Sunn o))), Ulver, Æthenor, Guapo, Mothlite und This Is Not This Heat, präsentieren uns diese Woche ein gemeinsames Projekt, das in Synth-Wave/ Techno-Pop-Regionen driftet. Stadionprogrock-Andeutungen inklusive.
Kommt über Relapse, die ja auch wirklich jeden Scheiß mitmachen.



NAXATRAS - III
Freunden psychedelischer Hardrock-Klänge a la Colour Haze oder Samsara Blues Experiment sind die 2012 gegründeten NAXATRAS aus Griechenland mit ihrer Neigung zu spaceigen Jams vielleicht schon ein Begriff.
Auch wenn ich derartigem nicht gänzlich abgeneigt bin, merke ich gerade allerdings doch mal wieder so ein bisschen, dass ich wohl einfach eher ein Typ für hässliche Industrial-Lärmexperimente in Kellerbunkern bin, als für ohrenschmeichelnde Musik, die ich mit im Sonnenschein tanzenden Neohippie-Mädchen beim Freak Valley assoziiere…

 
OPERANT - Harnessed To Flesh
Kann man kurzfassen: Dritte EP vom Berlin-basierten Power-Electronics-/ Industrial-Techno (?)-Projekt über das eigene Label Instruments Of Discipline.

Das Etikett "Female-Fronted" soll zukünftig im Übrigen auch eher vermieden werden.


PAINTED DOLL - s/t
Unglaublich, aber wahr: PAINTED DOLL ist eine Band, bei der kein Geringerer als Chris Reifert von den punkig-doomigen Death-Metal-Asi-Urmonstern Autopsy
gemeinsame Sache mit einem Comedian und Musiker namens Dave Hill macht, und das Ganze geht in Richtung heiter-psychedelischer Retro-Hardrock. Wtf?!
Das selbstbetitelte Debüt erscheint jedenfalls dieser Tage auf Tee Pee Records.


ROTTING SKY - Sedation
Nachzüglereintrag und Re-Release: Vergangenen Freitag ging mir durch die Lappen, dass ein Mitglied der leider aufgelösten Neocrusties Nux Vomica (deren selbstbetiteltes Album auf Relapse nach wie vor gelegentlich in meiner Rotation landet) mit einem Soloprojekt am Start ist, das in Richtung… nun ja… „Blackened Drone/ Noise“ geht. 



SHITHATT - EP1
Wirklich cool-krachigen Post-Punk mit energischer Tempolage und melancholischer Atmo präsentiert uns dieses Quartett aus Irland.
Zwei knackig-aggressivere Songs und zwei etwas eigenwilligere zwischen Epik, Experiment und Ausbruch. Dazu ein permanent 16tel-HiHat spielender Drummer. 

Ziemlich geil!


VIVIANKRIST x RISARIPA - tentai
Nachzügler von vergangenen Freitag: Bis gerade eben wusste ich auch noch nicht gar nicht, dass die inzwischen in Norwegen lebende (und dort mit Ex-Mayhem-Shouter Maniac verheiratete) Vivian Slaughter von der (wohl nicht mehr so wirklich aktiven) japanischen All-Girl-Crust-Black-Metal-Band Gallhammer seit relativ kurz Zeit mit recht regem Output elektronische Experimentalmusik als VIVIANKRIST veröffentlicht.
Der aktuellste Release ist eine (weitere) Split- und Kollaborations-Geschichte mit RISARIPA, bei der es sich tatsächlich um ihre Gallhammer-Kollegin Risa Reaper handelt.
Sachen gibt’s…



WINDHAND / SATAN'S SATYRS – Split
Dafür, dass ich mich so ein bisschen über den „Sludge'n'Stoner-Peak“ der letzten Zeit gerutscht fühle, dafür können beide Bands nix. Aber wenn man mal ganz ehrlich ist, hatten die anfangs mal sehr charmanten WINDHAND nach den ersten beiden Alben mit der „als würde Kylesa-Laura mit mehr Herz bei Electric Wizard singen“-Formel auch irgendwie erstmal alles gesagt, während ich das Drittwerk dann nicht mehr so spannend fand. Und die ähnlich gearteten Mit-Roadburn-Ligisten SATAN'S SATYRS (im Kontrast zum Windhand'schen Stoner-Doom so'n bisschen mehr Rumpel-Echtmetall mit noch schieferen Vocals) laufen bei mir seit eh und je irgendwie nur ferner.
But anyway... die „warme“ Aura von WINDHAND mag ich trotzdem nach wie vor, wenn ich den ersten Song dieser Split gerad' so höre.



WINDSWEPT – Visionaire
Auf Ván Records, dem gerne auch mal weit-weltoffen über den metallischen Tellerrand hinausblickenden und dabei vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbarem Qualitäts-Label aus Aachen, ist diese Woche eine neue EP der ukrainischen Black-Metaller WINDSWEPT raus.
Die Drudkh-Connection macht’s natürlich etwas kontrovers, aber die entsprechende Diskussion möchte ich an dieser Stelle anderen überlassen.

 
Und sonst noch?
 
Diese Woche will Cold Spring die neue CORRUPTED verschiffen, zu der es keinen Digital-Release geben wird.


Third Man Records bringen außerdem Vinyl-Reissues der
'87 und '89 ursprünglich mal bei Touch and Go erschienenen LAUGHING HYENAS Alben “Merry Go Round” und “You Can't Pray A Lie” raus! 

Ja huch: CHAOS ECHOES' „Mouvement“ hatte ich schon vor zwei Wochen mal angekündigt, dabei kommt es eigentlich erst diese. Passiert...

Darf’s ‘ne Harsh-Noise-Compilation mit 78 (!) Tracks weitgehend unbekannter Künstler sein? Dann rüber zu Value Exchange, wo sowas öfter mal rausgehauen wird: https://valueexchange.bandcamp.com/album/public-entities-ve14

Dienstag, 6. Februar 2018

Gewalt & Friends of Gas

Wenn man wollte, könnte man zum Thema GEWALT wohl ‘ne Menge Plattitüden aus der Kiste klischeetriefender Musikjournalistenfloskeln rausschütteln.
Z.B. sowas wie „Der alte Mann will’s noch mal wissen!“ oder „das Comeback des unverbesserlichen Underground-Stars, der einfach nicht anders kann“.
Bei Die Zeit redete man in dem Zusammenhang längst von „Midlife Crisis“, dem „gefallenen Helden der Indie-Szene“ und der „Schönheit des Schalldrucks“...

 
Die Band Surrogat war um die Jahrtausendwende ein Thema. Ein von außen manchmal irritierendes und eines, das für Mainman Patrick Wagner irgendwann ins Leere lief. Es musste eine Dekade verstreichen, bis er mit GEWALT wieder musikalisch in Erscheinung trat. Medieninteresse ist da. Dass sich der Publikumszuspruch weit über einen gewissen Altherren-Musiknerd-Level hinausentwickeln wird, das darf man bezweifeln. Aber das ist völlig okay (glaube ich).

Was man auch an diesem Abend sieht. Der Altersdurchschnitt im Düsseldorfer Zakk ist wesentlich höher als der, der eigentlich schon einen Ticken zu spät auf die Bühne kommen Vorband bzw. Co.-Headliner FRIENDS OF GAS.

 
Post-Punk-Jungspunde aus München, die einen Achtziger-Sound in die Neuzeit ziehen. Drückend, atmosphärisch, hypnotisch, tanzbar. Das Frontmädel kann mit ihrem krächzigen Gesäusel gewöhnungsbedürftig sein, aber die Band ist sehr gut, besonders bei den Stücken in eher etwas zurückgelehnter groovendem Tempo.
Für mich  persönlich hätten es auch zwei Songs weniger anstatt einer vollen Stunde inkl. zur Zugabe noch mal zurückkommen getan, aber wie gesagt: Zwar nicht so hundertprozentig mein Sound, allerdings dennoch ziemlich gut!

Umbaupause, Schlagzeug von der Bühne, als einziges Licht nur rotierende Blaulichter und erstmal 2-3 Minuten reines Drumcomputer-Gerummse auf einer leeren Bühne, bevor es wirklich losgeht.
Dann Wagner in zerfetztem, beschmierten Outfit auf der Bühne, mit dem Fuß die Drumbeats einschaltend, rechts und links von ihm Gitarristin und neuer Basser (Chris B. von Heads.) in schicker Abendgarderobe.
Die Instrumentierung weckt zwangsläufig gewisse Assoziationen zu Big Black oder The Austerity Programm. Die Saiten sägen über den hämmernden Maschinenrhythmen herrlich dick und dissonant, Musik und Mundwerk haben was unmittelbares. 

 
Eine süffisante Karnevalsansage sorgt zwischenzeitlich fast zur Eskalation mit dem Düsseldorfer Publikum (das teilweise eh dezent nervte). Und als es zwischendurch doch mal etwas Light-Show gibt, bittet der während der Darbietung manchmal eher schon etwas ungelenk zappelnde Wagner den lokalen Lichtmann, das wieder runterzudrehen. 
Von der ironisch-überhöhten Selbstläufer-Größenwahndarstellung, die Surrogat immer nachgesagt wurde, sind bei GEWALT – passend zum zerfetztem Anzug - dabei maximal  nur noch erahnbare Bruchstücke geblieben, genauso wie die Musik zwar gleiche Ansatzpunkte zeigt, mit ihrem Drumcomputer-Gepumpe aber doch auch was anderes ist (was mitnichten was schlechtes sein muss).
Vielleicht ist es ja die Umkehrung in sowas wie ein ebenfalls ironisch angeknicktes Kleinkunst-Image. (So, liebes Feuilleton, jetzt toppt bitte erstmal das! Zwinkersmiley!)
Die momentane Veröffentlichungspolitik, eine Reihe von 7“-Singles rauszutun, aber noch lange kein Langspielalbum anzudenken, würde dazu auch schon wieder irgendwie passen.
Eine Billanz ihrer bisherigen Veröffentlichungen in Blogpost-Form wird in naher Zukunft vielleicht mal an dieser Stelle folgen.


Den Konzertabend resümierend kann man jedenfalls erstmal feststellen, dass GEWALT mit ihrem deutschsprachigen Drumcomputer-Noiserock eine eigene Ecke besetzen, in der sie uns gerne noch lange erhalten bleiben dürfen!

Dieser Tage raus (KW06)

Here we go again...

AGAINST THE GRAIN - Cheated Death
Zu Musik, die für mich in eine Schublade passt, die ich seit eh und je als das Klischee von „Biker-Kneipen-Rock“ bezeichne, habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis. Einerseits läuft meiner Meinung nach bei jedem, der bei gut-handgemachtem Rock mit dreckigem Charme und energischem Schmiss nicht zumindest ein bisschen mit dem Fuß mitwippt definitiv irgendwas falsch. Andererseits ging mir diese derweil immer weiter um sich greifende Retro-Seuche von bärtigem Altherren-Rock bis Alte-Schule-Metal in Klotzturnschuhen schon auf den Sack, laaaange bevor sich das Visions Magazin als Entdecker von Kackdavar aufspielen musste und jetzt auf ein mal so tut, als wäre das letzte Jahrzehnt, in dem man allzu hardrockiges/ metallisches kaum mit der Kneifzange anfassen wollte und stattdessen lieber mit in unerträgliche Hype-Hörner wie Wir sind Helden und Deichkind getutet hat, nie gewesen.
Anyway. Ripple Music veröffentlicht diese Woche das neue Album von den amerikanischen Jungspunden AGAINST THE GRAIN, die jener neuen Genration an Hardrock-/ Metal-Bands angehören, welche genauso in eine Stoner-Aura verpackt daherkommen, wie sie kraftvoll Gas geben können. Originell ist was ganz anderes, aber sie machen das tatsächlich mit einer gewissen jugendlichen Frische, die nicht unsympathisch ist. 



GAUCHE - Siesta Cinema
In der Reihe der Wiederveröffentlichungen von den australischen GAUCHE, die zu Lebzeiten schubladenübergreifende Musik zwischen Trip-Hop, Jazz, Pop mit Gypsy-/ Zirkus-Einflüssen und whatnot fabrizierten, hat Art As Catharsis - ein Label das man für interessante Musik von schön über schräg bis derbstens neben Marken wie Denovali, RareNoise oder Ipecac immer mit auf der Rechnung haben sollte - diese Woche das Abschiedsalbum „Siesta Cinema“  am Start.



GNAW THEIR TONGUES - Genocidal Majesty
Das niederländische Industrial-Black-Metal-/ Noise-Geballer-Projekt (oder sowas ähnliches) GNAW THEIR TONGUES lief bei mir bisher ja immer so ein bisschen unter „och joah, ganz netter Krach, aber haut mich jetzt auch nicht so um, dass ich Tonträger davon anhäufen müsste (gerade auch bei diesem hohen Output)“.
Mit dem neuen Release über das belgische Qualitätslabel Consouling Sounds kann man aber mal wieder reinhören, wo das Ganze gerade so stehen mag.
Bei zwei Songs macht Chip King von The Body mit. Das nennt man dann wohl „Match made in Hell”.



ISON - Andromeda Skyline
Daniel Änghede (Crippled Black Phoenix) und Freundin legen ihre zweite EP als ISON vor.
Goth-, Folk-, Metal- und Shoegaze-beeinflusst kombinieren sie Drone-/ Ambient-Musik mit zweistimmigem Gesang.
Der esoterische Aspekt des Ganzen ist auch bei der Verpackung nett umgesetzt worden, weswegen sich Freunde physischer Tonträger vielleicht beeilen sollten, noch ein Exemplar der limitierten CD-Auflage zu schießen. 


THE ATLAS MOTH - Coma Noir
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, haben mich THE ATLAS MOTH in der Vergangenheit mit ihrem sehr unentschlossen zwischen den Stoner-/ Sludge-Metal- und Psychedelic-/ Postrock-Stühlen stehendem Stil eher so ein bisschen gelangweilt. Konnte auch ‘ne Split mit den sehr geschätzten Kanada-Krawallieren Ken mode nix dran ändern.
„Coma Noir“ soll die Band nach einem Personalwechsel auf dem Drumhocker nun allerdings auf ein mal von einer knackig-metallischer abrockenden Seite zeigen, worauf der Vollständigkeit halber mal hingewiesen sei.



WHALER - Keep
Hinter WHALER steckt Francisco Ramirez, ein Mitglied des Milwaukee-Noiserock-Trios Volunteer, der sich unter diesem Alter-Ego an Ambient-/ Noise-Experimenten versucht und zwei neue Tracks am Start hat:


Und sonst noch?
 

Das britische Label NEGATE EVERYTHING veröffentlicht Tapes, plus Bandcamp-Downloads zu „Name Your Price“-Konditionen, von LoFi-Rock über Psych-Punk bis Raw-Black-Metal.
Vergangenen Freitag erscheinen folgende zwei Releases:

PSTENCH - Only The Dumb Will Survive 
Noisiger Garage-Punk mit etwas neben der Spur knödelschmetterndem Frontmann. Hat schon auch ein bisschen was von Bands der AmRep-Hochzeit wie God Bullies, Cows oder Lubricated Goat.



PRISON SHOWER - Voyeur
Ein Song nah an der 8-Minuten-Marke bietet sowas wie Sludge-Geschleppe im Garagen-Sound, zwischen repetitivem Rumpel-Charme und schwarzmetallischen Krächz-Vocals; als wäre Nattefrost mit Drunks With Guns oder Drunk in Hell als Backing-Band unterwegs, um mit ihnen einen Mash-Up aus Flipper/ „My War“-Blag Flag/  Brainbombs und Hellhammer/ Celtic Frost zu zelebrieren. Ein zweiter, noch längerer Track geht in Richtung Noise-Experiment. I like!


Montag, 5. Februar 2018

Alle Jahre wieder (Scott Kelly)

Bei der Frage, wie oft Neurosis‘ SCOTT KELLY schon (mehr oder minder) solo in der Dortmunder Pauluskirche aufgetreten ist, hat der eine oder andere verständlicherweise schon etwas den Überblick verloren.
Aber ich kann es Euch sagen: Mit vergangenem Samstag waren es bereits sechs male. Nicht vier, wie der wie so oft anmoderierende Pastor angab, und auch nicht fünf, wie auf der Website der Kulturkirche zu lesen war, sondern bereits sechs mal.
Das erste mal liegt inzwischen fast eine Dekade zurück (und ich hab‘ gerade tatsächlich was vom Gig auf Youtbe gefunden), als sein zweites Solo-Album „The Wake“ gerade rauskam, welches ich immer noch für sein bisher bestes halte.
Hängengeblieben ist von damals, dass Kelly sich den Gig wohl etwas anders vorgestellt hatte als der Priester, der ihn zu einem Zugabenblock zurückholte, den jener gar nicht eingeplant hatte..
Das zweite mal war 2010 mit einem völlig deplatzierten Support-Act.
Beim dritten mal sorgte der lokale Support-Act (N) dann allerdings für einen angenehmen Kontrast.
Das vierte mal war mit der Begleitband The Road Home und das fünfte mal mit Nadja davor.
 

Man kann fast die Uhr danach stellen, dass es zwei Jahre später nun mal wieder so weit war. 
Dabei als Vorprogramm: PETER WOLFF. Das Gründungsmitglied von Downfall of Gaia versteckt sich im stockdunklen hinter Synthies und Laptop, während parallel Projektionen ablaufen. Die Musik geht in Richtung Ambient und Neoklassik.
Persönliches Werturteil: Okay, aber auch nicht umhauend. Das Finale hatte passenderweise eine gewisse Kirchenorgelcharakteristik, aber das irgendwie etwas zu minimalistische Pianogeklimper am Anfang wirkte auch mich so ein bisschen wie nicht ganz zuende gedacht.

SCOTT KELLY wiederum steht heute nicht alleine mit seiner akustischen auf der Bühne, sondern JOHN JUDKINS, auch bekannt als Basser der Arkansas-Monolithmetaller Rwake, begleitet ihn mit Schoßgitarre und ein paar Backing-Vocals.
Eine Kombination, die super funktioniert. Abgesehen davon, dass diese kleine Extradimension sich perfekt mit Gitarre und Stimme von Kelly ergänzt (und das besser als diese Road Home-Sache damals), beschlich mich ferner das Gefühl, dass Kelly selbst bei diesen Performances inzwischen wesentlich fester im Sattel sitzt als noch beim letzten mal (wo ihm bei einem Verspieler gar ein sympathisches „Fuck!“ entglitt). Der etwas dilettantische Charme früherer Soloauftritte ist definitiv einer ziemlich souveränen Aura gewichen.
In dieser Duo-Besetzung soll es wohl übrigens auch bald zu neuem Studiomaterial kommen.