Montag, 29. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW22)

Ganz schön vielversprechende Woche, was musikalische Neuerscheinungen angeht:

CLOUD RAT / DISROTTED – Split LP
Und schon wieder ‘ne Split mit CLOUD RAT Beteiligung, man kommt ja fast nicht mehr mit.
Dieses mal taten sich die Ausnahme-Grinder mit den Sludgern von DISROTTED zusammen.



ELDER - Reflections of a Floating World
Irgendwie hatte ich ELDER in der Vergangenheit
ursprünglich ja mal eine Zeit lag so ein bisschen als “nicht sooo mein Fall” abgetan, um dann erst etwas später festzustellen, dass ihr 2015er Album „Lore“, das gekonnt quasi eine Brücke vom Stoner Rock zum Progressive Metal schlägt (was ich jetzt als nur grobe stilistische Anhaltspunkte verstanden haben möchte), eigentlich doch ziemlich toll ist. Die kompositorischen Schnörkel ihrer sehr lebendigen Songs sprechen schon irgendwie eine eigene, sehr schöne Sprache, während das Ganze dann auch noch mit dröhnigem Sound drückt und einen ziemlich spielfreudigen Energiepegel hat.
Weswegen ich ja doch recht gespannt auf das neue Album bin.



ENDON – Through The Mirror
Seit wann und warum genau sind die eigentlich schon mal offiziell ad acta gelegten Hydra Head Records eigentlich doch wieder so richtig dabei? Na, egal…
Zu ihren aktuellen Zugpferden scheinen sie
jetzt auf jeden Fall die japanischen ENDON zu zählen. Jene haben mich mit ihrem “Catastrophic Noise-Metal” bisher noch nicht so richtig vollends überzeugt, immer wieder mal reinhören tue ich aus Interesse allerdings trotzdem, wenn was neues von ihnen kommt, denn irgendwas muss ja dran sein…



HEBOSAGIL – Fortuna
In den späteren Neunzigern pflegte man in Metal-/ Alternative-/ Punkrock-Umfeldern ja so ein bisschen das Klischee des ‘verrückten Finnen‘, zumal gerade auch im Kreis der Gitarrenmusikanten tatsächlich viele Zeitgenossen aus Suomen tasavalta, dem Land der tausend Seen, einen sympathischen aber doch ziemlichen Sprung in der Schüssel zu haben schienen.
HEBOSAGIL halten diese Fahne eine Generation später mit ihrem gerne mal etwas entrückt rüberkommenden, finnischsprachigen Sludge-Rock/ Noise-Punk noch mal hoch. 
Vergangenen Sonntag veröffentlichten sie mit „Fortuna“ überraschend eine neue EP digital, auf der sie eine etwas "postrockigere" bzw. getragenere Facette von sich zeigen:




HEY COLOSSUS - The Guillotine
Liegt‘s an meiner persönlichen, selektiven Musiknerdmikromosmos-Wahrnehmung, oder erscheint aktuell tatsächlich sehr viel interessante Rockmusik zwischen, nun ja, 'avant-psychedelisch' und krachig aus London (und weiteren Teilen des Königreichs)?
HEY COLOSSUS gibt’s jedenfalls auch schon ‘ne ganze Weile und auf „The Guillotine“ präsentieren sie sich von einer klanglich ziemlich skelettierten Seite, die das Ganze auf mich wie eine trocken-britische Version der Young Widows („In and Out of Youth and Lightness“) wirken lässt.
Dazu muss ich sagen, dass ich jene dagegen dann doch klar bevorzuge, einen gewissen Charme haben HEY COLOSSUS jedoch auch hier, sowie so oder so.



PHOBIA - Lifeless God
Ich hab’s schon öfter gesagt und ich sag’s noch mal: PHOBIA’s 2006er „Cruel“ ist eines meiner absoluten Lieblingsalben! Auf jenem zeigten sich die seit Beginn der 90er aktiven Polit-Grindcoreler nämlich von ihrer ‘auskomponierstesten‘ und Hits nur so in Serie rausfeuernden Seite.

Ob sie da mit ihrem neusten Album noch mal anknüpfen können wird sich nach einiger Rotation dann erst noch zeigen - zumindest mehr als solide ballern wird’s aber ohne Frage wieder mal…



SHITKID – Fish
Musikalischen Geschichten, die sowas semi-amüsantes irgendwo zwischen obskurem Internetphänomen und Outsider-Kunst sind, konnte ich schon immer sehr viel Sympathie entgegenbringen.
SHITKID (jaha) ist so ein Fall, allerdings doch ein Stück weit 'ernster' und als Live Act im Real Life verankert. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich nämlich eine junge schwedische One-Girl-Band mit Drumcomputer, die in gleichen Teilen einen gewissen Grad an Beklopptheit,
weiblichen Charme und coole Garagenrock-Vibes versprüht.
Am besten mal ins Vorprogramm von Boss Hog stecken oder zu einem Duett mit Bob Log III überreden…




SLY & THE FAMILY DRONE / DEAD NEANDERTHALS – Molar Wrench
Dass Hominid Sounds aus London das Zeug dazu haben, sich zu einem dieser spezielleren Lieblingslabel von mir zu mausern, das hatte ich glaube ich letzte Woche schon erwähnt und werde es ihrem Veröffentlichungskalender nach kommende mutmaßlich schon wieder…
Diese Woche haben sie jedenfalls eine Kooperation der britischen Noise-Truppe SLY & THE FAMILY DRONE und der niederländischen Heavy-Jazzer DEAD NEANDERTHALS am Start.
Was ‘ne ziemlich wilde Sache ist, aber ohne Scheiß, ich steh‘ auf sowas!




THE JANITORS - Horn Ur Marken
Gleich drei neue Releases haut das britische Label Riot Season Records diese Woche raus. Darunter dieses Album der schwedischen Fuzzrocker THE JANITORS, die ihre Weltanschauung wie folgt definieren:
Discard all thoughts of borders, gender, race or origin, we are all the same. Leave this place to our children with the knowledge that you did all you could to help everyone. Don't let greed pollute your mind. Rid your fears. Solidarity will stand.




TUBER – Out Of The Blue
Den Titel kann man wörtlich nehmen, denn die griechischen Instrumentalrocker TUBER, die sich mit einer sehr guten Performance voller Dynamik und Groove einst beim Freak Valley Festival spontan sehr viele neue Fans zu erspielen wussten, haben ihr neues Album jetzt gerade eben ziemlich aus heiterem Himmel in den digitalen Äther gewuppt.
For Fans of: Maserati, Long Distance Calling, etc.




USA/MEXICO - Laredo
Riot Season zum zweiten und nicht nur das: Hier machen Craig Clouse von Shit And Shine und Todd und King Coffey of Butthole Surfers Fame gemeinsame Sache! 
Da weiß man dann Grunde genommen auch schon vorher: Es wird höchstwahrscheinlich eher ein bisschen schräger und krachiger, aber das dann auch im allerbesten Sinne…



VINDKAST - Archaic Collapse
Parallel zu ihren ebenfalls diese Woche veröffentlichten, aber noch nicht ‘streambaren‘ Label-Kollegen Progenie Terrestre Pura (s.u.), sind auch VINDKAST eher in der atmosphärischen, doomigen, Ambient-lastigen Weltraumstartrampen-Ecke der Black Metal Botanik zu verorten.
Und das hat man vielleicht auch schon mal spannender gefunden als auf „Archaic Collapse“, aber auch schon mal in schlechter gehört!  



WORST - MMXVII 
Und bei Riot Season sind dieser Woche aller guten Dinge drei: Bei WORST wird dieser gerade auch aus Richtung Großbritannien (sowie Skandinavien) zuletzt fast schon etwas inflationär bemühte Bogen gespannt, Krautrock-Einflüsse (Can, Neu) und Noisepunk-Schlagseiten (Brainbombs, Flipper) als Stilreferenzen anzugeben.
Haben wir kurz drüber noch Todd und Shit And Shine (Remember „Ladybird“?) erwähnt, gehen WORST mit ihrem auf epische Spiellänge ausgewalztem Minimalismus-Gedröhne, das dann noch in Alarm mit der groben Sludge-Kelle abrutscht, in eine ganz ähnliche Richtung.
 



YASS - Night Wire
Ursprünglich schon mal für’n Monat eher angekündigt, erscheint jetzt wohl mit etwas Verspätung das zweite Album von YASS, dem Synthie-lastigen Ableger der BaWü-Noiserocker Kurt und Ten Volt Shock.
Schon das erste Album machte sehr viel Spaß, also wird das zweite auch noch im heimischen Plattenregal landen…


 
ZIFIR - Kingdom Of Nothingness
Als türkische Black-Metal-Band haben ZIFIR natürlich schon auch so einen leichten Hauch von Exotenbonus.
Das mit dem frostig-klirrenden Sound und einer leicht abweisenden Räudigkeit haben sie dabei zwar schon so gut drauf, dass sie fast ein bisschen zu sehr im Klische-Schneematsch stecken, allerdings hat ihr Songwirting dabei dennoch eine etwas eigene Handschrift, die nicht ganz unspannend ist. 
 



Rerelease
NADJA - Touched
„Touched” war ja tatsächlich mein Erstkontakt mit NADJA und es fühlt sich entsprechend auch wirklich ewig her an, dass ich zu dem Teil in meiner Studentenbude ein Review geschrieben habe, das damals in einem nach wie vor existenten Magazin zu lesen war, für das ich heutzutage keine Werbung mehr machen möchte…
Ursprünglich mal 2003 als Debütalbum erschienen, gab es 2007 dann schon mal einen Remaster-Rerelease mit Bonus-Track, von dem uns das belgische Label CONSOULING SOUNDS jetzt ‘ne DoCD-Special Edition zum zehnjährigen Jubiläum mit weiterem Bonusmaterial kredenzt (ja, es ist fast schon etwas verwirrend).


Außerdem
# Die 'Post-Metaller' CODEIA veröffentlichen diese Woche das Album “Don't Be Afraid She Whispered And Disappeared” bei Backbite Records: backbiterecords.tictail.com

# PROGENIE TERRESTRE PURA gehören der spezielleren Subsubgenre-Gattung „Space-Black-Metal“ an: avantgardemusic.bandcamp.com/album/oltreluna
# Last but not least erscheint diese Woche mit "30 seconds to the decline of Planet Earth" ein (weiteres) Kollaborativ-Album von JESU und SUN KIL MOON bei Caldo Verde.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Konzertberichtsresterampe im Mai

 
 
Resteverwertung von gesehenen Konzerten samt schlechten Handyfotos:

Am 05.05. spielten BUILDINGS aus Minneapolis im VEB Siegen. Dass es von Minneapolis zum Stichwort Noiserock eh nicht weit ist, sollte jeder wissen, der diesen Blog verfolgt… Und so klingen BUILDINGS tatsächlich so ein bisschen wie The Jesus Luzard in nicht ganz so crazy, bzw. wie eine Band, die AmRep-Hazelmyer in den frühen Neunzigern garantiert gesignt hätte.
Live hatte das Trio, das sichtlich Spaß an ihrer Europatour und regionalen Spezialitäten wie Club Mate und German Pils hatte, sogar noch etwas mehr Punch und Power, als es auf dem aktuellen, für sich schon sehr guten Album „You Are Not One Of Us“ rüberkommt.
Hat Spaß gemacht! Hoffentlich sieht man sich mal wieder.

 
Der lokale Opener an jenem Abend war übrigens ursprünglich als „W.D.D.D.?“ angekündigt gewesen, hieß dann aber eigentlich „Die Wurstbrotmädchen aus dem Ferndorftal“ o.s.ä.; Die teilweise ziemlich frei improvisierte Mischung aus automatisiertem Modularsynthie-Technogeplucker und Live-Drums hatte definitiv einen eigenen, verstrahlten Charme. Wenn die mal ein Album machen oder sowas, würd‘ ich’s mir echt holen!


 

Fast Forward zum Oberhausener Helvete am vergangen Samstagabend. Der Standard-Black-Metal von einer Band namens ZWILLICHT und der Traditional-Doom von CROSS VAULT waren okay, aber so richtig zwingend wurde es dann erst mit MORAST, deren wuchtig-schwer groovender Düster-Brachial-Doom mit Punk-Seele wieder ein mal ziemlich begeisterte. Die gehen echt immer wieder!
 
Als Headliner durften dann noch DEATHRITE ran, deren recht crustig und mit jugendlicher Energie rausgeklopper HM-2-Sound wirklich Spaß macht. Ich bräucht‘ das zugegeben nicht jede Woche von Konserve, aber als Liveband sind die Jungs echt top!
 

Vergangenen Montag dann noch POWER TRIP im Essener Don’t Panic, wo der lokale Veranstalter gar nicht mal so dumm war, indem eher noch eine eher hardcoreige und eine deathmetallische Band dazubookte.
Beim Namen genannt: DIE NEGATION waren mit ihrem Refused’schem Post-Hardcore wirklich ganz nett, wären allerdings noch netter gewesen, wäre der Sound etwas weniger rumplig gewesen und hätte man von dem deutschsprachigem Geschrei auch ein bisschen mehr verstanden.
RATLORD waren handwerklich okay, allerdings machen die Jungs aus der Gegen so eine Art von Death Metal, der leicht ins Bollo-mäßige neigt, war für mich dieser Tage häufig nur noch ein Abturn ist. 

POWER TRIP wiederum waren top! Endlich mal wieder eine primär in Retrokisten wühlende Band, die das Ganze trotzdem sehr überzeugend mit frischem Elan rüberbringt. Der Thrash Metal mit leichter HC-Kante, den die Texaner bieten, hat den notwendigen Aggressionspegel, um nicht einfach nur nach Zahlen gemalt rüberzukommen, sondern wirkt authentisch.
Die Marotte vom Sänger, seine Baseballkappe abzulegen, nach ‘ner Weile wieder aufzusetzen, dann mal wieder abzulegen, später wieder aufzusetzen… ist irgendwie amüsant.

 
Die aktuelle LP war auf dieser Tour leider schon ausverkauft, sonst hätte ich sie mitgenommen. Wo ich diese schon nicht auf dem Plattenteller rotieren lassen konnte hatte mich das Konzert aber immerhin dazu inspiriert, am Folgetag mal wieder meine Nuclear Assault Platten aufzulegen.
Außerdem: Dann ja doch mal überraschend viel Jungvolk beim Metal-Konzert! Denn eigentlich war ich es ja schon so ein bisschen gewohnt, bei den meisten Konzerten, zu denen ich so gehe, altersmäßig nur unwesentlich über Durchschnitt zu liegen, aber da geht ja doch noch was bei dieser Jugend von heute…

Dienstag, 23. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW21)

Diese Woche habe ich ja mal eher nicht sooo viel wirklich interessantes auf dem Radar, was ich ehrlich gesagt aber eigentlich auch mal begrüße...

COMITY - A Long, Eternal Fall
Erinnert Ihr Euch noch an diese Phase, in der man aufgrund von Bands wie Celeste oder auch Overmars etwas aufmerksamer aufhorchte, wenn Krachmacher zwischen Stilschubladen wie Hardcore, Sludge-Doom und Black Metal aus Frankreich kamen? 

Setzt mal, falls bisher noch nicht bekannt, auch noch die ebenfalls schon eine Weile aktiven Pariser COMITY mit auf diese Liste, die eine ziemliche Stressercore-Schlagseite haben und vielleicht sogar chaotische Keelhaul-Vibes versprühen.
Den Backkatalog ihres bisherigen Schaffens findet man unter comity.bandcamp.com, das neuste Werk atonaler Lärmerei mit Geschrei erscheint bei Translation Loss (Übersee) und Throatruiner (Frankreich):




FUTURE FACES – Revolt
Dieser Trend, wie Gothrock-artiges, Coldwave-mäßiges u.ä. in letzter Zeit immer mehr Einzug in den Metal- und Musiknerdhipster-Underground hielt, lässt sich auch ganz gut an FUTURE FACES erkennen. Denn die Debüt-EP dieser Schweizer schlägt in exakt eine solche Kerbe, kommt allerdings bei einem Label raus, das sich sonst eigentlich eher auf zeitgenössische Brachial-Alarmmacher spezialisierte.

(Und aus irgendeinem Grund klappt an dieser Stelle mal wieder das einbetten nicht richtig, daher nur als Link:
http://music.throatruinerrecords.com/album/revolt)

NORSKA - Too Many Winters
Keine Ahnung, warum genau ich NORSKA, obwohl sie mir bereits ein Begriff sind, bisher eher stiefmütterlich behandelt habe. Vermutlich geht es nicht nur mir so, denn dieser Tage wird auf einmal verstärkt damit geworben, dass die Band aus dem direkten Umfeld der ja auch nun mal wirklich ziemlich grandiosen Yob stammt (deren Basser auch hier mitmacht).
Glaubt man Stimmen im Internet, gehen NORSKA (natürlich) in eine ähnliche Richtung, haben dabei aber wohl zunehmend eine etwas rockigere Kante.
Vielleicht sollte ich mir das neue Album selbst dann auch mal zum Anlass nehmen, ebenfalls endlich mal in das davor reinzuhören…




WARREN SCHOENBRIGHT – Subtronical
Nicht uninteressant: WARREN SCHOENBRIGHT sind eine Londoner Trioformation, die aus Schlagzeuger, Basser und Elektrokrachmacher besteht.
Generell vergucke ich mich gerade ein wenig in das Londoner Label Hominid Sounds, das eine Menge derartiges im Roster zu bieten hat (und z.B. in drei Wochen auch das dritte Album der mehr als brauchbaren Noiserocker USA Nails rausbringt).  




Sonst noch was?
Für die eine oder den anderen vielleicht nicht ganz irrelevant: Es erscheint ‘ne neue SÒLSTAFIR. Da ich ja allerdings der Ansicht bin, dass jene nach dem wirklichen tollen 2009er „Köld“ nicht noch mal irgendwie groß bestachen (weder von Konserve noch live), bin ich persönlich da ja dann doch inzwischen eher gänzlich raus: solstafir.bandcamp.com/album/berdreyminn

Freitag, 19. Mai 2017

Acherontic Arts

Miniresümee zum vergangenen ACHERONTIC ARTS Festival in Oberhausen, vergangenen Freitag und Samstag:
Am ersten Abend war meine Anwesenheit vor Ort mehr so „akzentuiert“. Hängengeblieben ist vor allem mal wieder, dass der Sound in der Turbinenhalle II oft eher nicht so gut, es dafür aber auch bei mäßigem Sound irgendwie witzig ist, wenn die eher nach Tarantino-Soundtrack klingenden Soul-Rocker DARIO MARS AND THE GUILLOTINES einer Metal-Crowd reingedreht werden.
Außerdem fand ich THE RUINS OF BEVERAST live wohl auch schon mal spannender, bin mir aber nicht so sicher, ob’s am Sound, dem Material im Set der Band, oder primär irgendwie an mir lag…  

Als Randnotiz ist nicht uninteressant (naja, mehr oder weniger…), dass es im Laufe des Abends wohl zu einer mittelschweren Wemmserei zwischen Köppen aus dem Umfeld einer berüchtigten Internetrollschmuddelkinder-Ecke und Mitarbeiten eines von dort gerne mal verbal attackierten Musikmagazins gekommen sein soll, allerdings kann und möchte ich als Nichtaugenzeuge, der das Ganze nur über dritte vernommen hat, nicht wirklich mehr dazu sagen, außer, wie zu alt für sowas ich doch werde und wie mir diese Szene manchmal bis immer öfter doch auf den Sack geht…
Samstag wiederum war musikalisch ziemlich spaßig, allerdings waren sowohl die Doomer GGU:LL (tight geht anders) als auch die Spacerocker ASTROSONIQ (naja, echt mal nur so naja…) trotz guter stilistischer Voraussetzungen bei mir landen zu können, erst mal nur mäßig. 
ANTLERS wiederum waren dafür mit ihrem atmosphärischen Black Metal samt leichtem Crust-Fundament ziemlich gut. Sollte man auf dem Schirm haben, wenn da das nächste Album kommt, denn das war ganz schön gut. 

URFAUST überraschten damit, mal nicht das gleiche wie immer aufzufahren, sondern mal mit zwei Songs mit Keys statt Gitarre abzuschließen, was ziemlich gut funktionierte.
An dieser Stelle könnte ich noch lästern, wie ein bestimmter Okkult-Metal-Experte der „für immer tauben“ vehement drauf bestand, dass es sich nicht um Song X handelte, obwohl er im Unrecht war… aber aus dem Alter zwanghafter Längenvergleiche bin ich ebenfalls raus… 

SULPHUR AEON waren danach ebenfalls wie immer ziemlich gut. Die Jungs sind aktuell wirklich eine der wenigen Death-Metal-Bands, die ich tatsächlich brauche…
Den Island-Back-Metal von SINMARA zum Finale fand ich wie von Konserve ganz okay, aber auch nicht umhauend. 

Dienstag, 16. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW20)

Mir hat’s mal wieder die Datei mit Notizen für den Blog zerlegt, d.h. dass mir gerade möglicherweise irgendwas an neuen Veröffentlichungen, die ich eigentlich schon mal auf dem Radar gehabt hatte, nun doch noch irgendwie durchgegangen ist. 
Deswegen könnte es sich evtl. lohnen, diesen Blogpost in ein paar Tagen noch mal anzusteuern, weil ich vielleicht doch noch irgendwas interessantes aufgeschnappt und nachträglich hinzugefügt habe… Prinzipiell ist allerdings erst mal Drone-Woche:

[ B O L T ] / biblo – Collaboration
Die Bochumer [BOLT] waren ursprünglich mal nur ein Zwei-Bassisten-Drone-Duo, das sich inzwischen aber um einen Drummer erweitert hat und immer wieder mal interessante Ideen umsetzt (teilweise in Kollaboration mit dem Dortmunder Drone-Gitarristen N, wie z.B. das Konzert mit 15 Amps
BIBLO wiederum ist ein elektronisches Avantgarde-Projekt aus Istanbul.
Auf „Collaboration“ gibt es jeweils einen einzelnen Track jeder Partei zu hören, sowie zwei gemeinsame Song.
Dass dieses Teil auf der [BOLT]-Bandcamp-Seite schon mal zu einem anderen Datum etwas anders angekündigt war als auf der Label-Bandcamp-Seite, macht es im Übrigen etwas verwirrend:



HARVESTMAN - Music For Megaliths
Sieben neue Tracks von Steve Von Till‘s Drone-/ Ambient-Solonebenprojekt, einer davon mit ein bisschen Drumming von Neurosis-Bandkollege Jason Roeder im Hintergrund.
Mehr denn je ist das Ganze auf "
Music For Megaliths" von einer sonoren Kristallklar-Qualität mit schon regelrecht versöhnlicher Wärme:



THOMAS ANDREW DOYLE - Incineration Ceremony
Hinter Thomas Andrew Doyle verbirgt sich natürlich kein geringerer als „Tad“ von der gleichnamigen Grunge-Band und den Doomern Brothers Of The Sonic Cloth.
Auf diesem dunklen Solo-Album spielt er, zu Klassik- und Jazz-Einflüssen zurückkehrend, diverse Tasten- und akustische Saiteninstrumente, unterstützt durch einen Perkussionisten: 




VOYCHECK - #F_ckingProfessional
Noiserock-Woche ist allerdings auch mal wieder, denn VOYCHECK aus Seattle reihen sich in den aktuellen Underground-Trend ein, an beste Genre-Pionierzeiten bzw. an Bands wie The Jesus Lizard, frühe Helmet und Surgery zu erinnern. 
"#F_ckingProfessional" ist ihr diese Woche rausgekommenes Langspieldebüt:



Sonst noch was?
Ach ja: Donnermann von u.a. 100000 Tonnen Kruppstahl und Hermann hat mit BRACKWASSER KNIPP ein neues Soloprojekt am Start, bei dem er alle Instrumente eingespielt hat: https://brackwasserknipp.bandcamp.com/album/b-rodiktator-f527

Dienstag, 9. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW 19)

Nachzügler von letzter Woche:

AIDAN BAKER - The Silent World
Ob sich der durchaus geschätzte "Vollblut-Experimentalmusiker" Aidan wirklich einen Gefallen damit tut, inzwischen wirklich schon fast jede Woche irgendwas rauszubringen, das sei jetzt mal dahingestellt, aber ich habe ja schon seit einiger Zeit regelrecht Schwierigkeiten bei seinem Output an Solo-Kram, Kollaborationen und Bands überhaupt noch irgendwie mitzukommen…
„The Silent World” jedenfalls steht unter dem Motto “minimalist underwater space-jazz/rock“:




FAUST - Fresh Air
Das neue Album der Krautrock-Opas FAUST nehme ich mir jetzt wohl mal zum Anlass, wie schon länger angedacht endlich mal weiter in ihr Schaffen einzutauchen...
 

HARPON - Béji
Das finnische Label Kaos Kontrol stand laut Eigenaussage in der ersten Hälfte der Nuller Jahre mehr für Genres wie Dark Ambient/Post-Industrial/Noise/Power Electronics etc., hat den Fokus aber inzwischen auf Noiserock und artverwandtes verlegt. Da lohnt es sich wohl mal wirklich, in den Backkatalog einzutauchen!
Die neuste Veröffentlichung kommt von den Franzosen HARPON und klingt ziemlich geil: 




MNHM – Of Empires Past
MNHM give birth to ‘melodic noise’ from a higher and heavier dimension combining elements from post/math-rock and doom” sagt wohl mal wieder alles und gar nix aus. 
Der instrumentale Stilmix dieser Niederländer ist jedenfalls recht Soundwand-mäßig krachig und atmosphärisch, während man auf dem Rhythmus-Sektor auch schon mal ziemlich ausflippt.
Red Sparrows meets Aluk Todolo mit 'nem Schuss Celeste oder so.



SPACE BLOOD - Tactical Chunder
Instrumentaler Noise-/ Math-/ Post-/ Weirdo-Rock. 
Sanford Parker, der das Teil aufgenommen hat, macht auch noch bei einem Song an den Synthies mit. 



THE RUINS OF BEVERAST - Exuvia

Man kann es drehen und wenden wie man will: In der ziemlich klischeebeladenen und zu mindestens 80% generischen Ecke extremerer düsterer Metal-Substile ist der Death/ Black/ Doom von THE RUINS OF BEVERAST schon eine ziemliche Ausnahmeerscheinung. 
Sei es mit dem maschinellen Charakter, mit dem man in der Vergangenheit teilweise lärmte, oder neuerdings auch mit dem Tribal-Einschlag, den Bandkopf Alexander von Meilenwald zuletzt für sich entdeckt hat.



VEIL OF LIGHT – Front Teeth
„Goth“ ist ja jetzt neuerdings doch wieder irgendwie cool geworden, obwohl Indie-Köppe und Hipstermetaller diese Ecke eine ganze Zeit lang nicht mit der Kneifzange anfassen wollten (teilweise zurecht).
VEIL OF LIGHT aus Zürich hält sog. Cold-Wave-Musik schon seit ein paar Jährchen die Stange und hat seit Freitag ein neues Album raus:



Interessante Veröffentlichungen dieser Woche (KW 19)

AIDAN BAKER & KAREN WILLEMS - Nonland
Jaha, schon wieder Herr Baker! Dieses mal mit der belgischen Schlagzeugerin Karen Willems in Avantgarde-Jazz- und „Krautrock-Minimalismus“-Gefilden unterwegs.
Auf mich hat das ja tatsächlich eine ziemlich entspannende Wirkung:



SHOW OF BEDLAM – Transiguration
Im derzeit inflationär besetzten Feld schwer groovendem Metals trennt sich immer mehr die Spreu vom Weizen...
Den kanadischen SHOW OF BEDLAM räume ich die Chance für einen nachhaltigen Eindruck ein, denn ihr wuchtiger, verzweifelter, leicht progressiv abgekanteter Zeitgeist-Doom mit Frau am Mikro klingt nicht so wie der der meisten anderen: 



WHITE WARD - Futility Report
Debemur Morti Productions werden nicht müde, sich als Anlaufstelle Nummer eins für „Avantgarde Black Metal“ etablieren zu wollen:
WHITE WARD aus der Ukraine beherrschen die Genre-typische Raserei mit Gitarrenmelodiebögen, der Shouter klingt eher so ein bisschen nach Hardcore und auf ein mal hört man ein… Saxophon? Ja, ein Saxophon.
Mich haut’s nicht um, aber ein interessanter neuer Farbtupfer in der „Post-Black-Metal“-Szene ist das Ganze allemal:



WORMWITCH - Strike Mortal Soil
Auch Death Metal mit Crust-Kante oder D-Beat mit Black-Metal-Schlagseite ist so eine Subgenre-Idee, die in den letzten Jahren sehr viele neue Bands abgeworfen hat.
WORMWITCH aus Kanada machen derartiges ganz gut:  



Außerdem:
Offiziell kommt diese Woche wohl schon in zweiter Pressung die Split-10‘‘ von AMENRA und RAKETMANON mit Artwork von Künstler MICHAEL BORREMANS via Consouling Sounds, die ich sogar schon eine Weile im Haus habe...
Ebenfalls eine Split teilen sich ACID MOTHERS TEMPLE… und ST 37, die sich an Musik aus „Twin Peaks“ (!) vergehen.

Dienstag, 2. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW18)

Neue Woche, neuer Lärm!

FULL OF HELL - Trumpeting Ecstasy
Was FTH meiner Ansicht nach interessant macht ist die Tatsache, dass sie mit jugendlicher Energie stilistisch etwas unentschlossen zwischen straightem Deathgrind, ‘ner irgendwie metalcoreigen Kante und einem Hauch von experimentellen Charakter unterwegs sind, der ihnen schließlich schon eine Kollaboration mit Merzbow bescherte und immerhin auch mal einen Melvins-Coversong abwarf. 

Das wiederum ist dann aber eigentlich auch schon alles…



OXBOW - Thin Black Duke
Ich sach’s jetzt mal ganz offen: Irgendwie hatte ich von der neuen OXBOW wohl ein bisschen mehr erwartet. OXBOW waren, sind und bleiben ohne Frage eine faszinierende Band, die in ihrer seit bereits Ende der 80er aktiven Gänze auch irgendwie nicht ganz so einfach komplett zu „fassen“ ist, aber nach dem, was ich von „An Evil Heat“ (2002) und vor allem „The Narcotic Story“ (2007) gewohnt war, hatte ich beim zehn Jahre später kommenden neuen Album wohl irgendwie doch ein bisschen mehr erwartet.
Die Truppe um Ausnahmefrontmann Eugene Robinson ist auf „Thin Black Duke“ in ihrer Mischung aus Blues, Noiserock, Doom, aber eben auch Jazz- und Neoklassik-.Elementen noch mal ein Stück weiter an letztere gerutscht.
Natürlich muss das nicht per se was schlechtes sein und der alte Sack, der ich inzwischen bin, neigt auch langsam immer mehr zur Hochkultur als zu AJZ-Krach (nicht wirklich), aber irgendwie werde ich nach den bisherigen Höreindrücken von „Thin Black Duke“ das Gefühl nicht los, was anderes und umhauenderes erwartet zu haben…



TOMAGA - Greetings From The Bitter End
Dieses Londoner Duo ist u.a. Teil von Thurston Moore’s The Can Project, experimentiert als TOMAGA allerdings schon eine Weile mit Minimalismus, Krach und Psychedelik.  
Ihre neue EP via Kaya Kaya Records klingt bisher recht vielversprechend:



VISCERA/// - 3 | Release Yourself Through Desperate Rituals
Trotz des sperrigen Namens/ Albumtitels und wohl auch durchaus ziemlichen Ambitionen sind VISCERA/// trotzdem eine relativ griffige Band zwischen (Black) Metal, Hardcore und einer Brise Prog/ Psychedelic. Und scheinbar bekommen sie aktuell auch schon einiges an internationaler Aufmerksamkeit, was ich als jemand, der sie schon in einem schlecht organisierten autonomen Wohnzimmerloch gesehen hat, nicht ganz unwitzig finde… 



WAR SCENES - Unsystematic Scheme 
Kurzfassung: Ein Berliner „Noise / Techno / Experimental“-Projekt aus dem Labeldunstkreis von Instruments of Discipline mit einem neuen Tape:



Außerdem:
...und last but not least: Bei Ván Records erscheinen diese Woche neue Alben von THE RUINS OF BERVERAST und SLAEGT. Wie von Ván gewohnt, werden diese wohl erst etwas später bei deren Bandcamp aufschlagen.TROB sind eigentlich immer interessant, von daher sind wir gespannt drauf....