Donnerstag, 30. März 2017

Swans…

Keine Ahnung, ob ich derzeit vielleicht einfach so ein bisschen übersättigt bin, es so eine Alterssache ist oder sonstwas, aber dafür, dass sich SWANS mit ihrer aktuellen Reinkarnation noch mal zu einer ziemlichen Lieblingsband von mir mausern konnten, dafür hielt sich meine Vorfreude, sie im „Ausläufer“ eben dieser noch mal live zu sehen, seltsamerweise zunächst erst mal etwas ins Grenzen.
Wie ich schon beim Release des aktuellen Albums „The Glowing Man“ sinngemäß feststellte ist es ja irgendwie auch Meckern auf hohem Niveau, sich vom Gefühl beschleichen zu lassen, dass Michael Gira und seine Mitmusiker jetzt auch mal (vorerst?) alles gesagt haben, was man in ausufernden Song-Epen zwischen Postrock-Spannungskurven und Noise-Soundwällen mit Meditativcharakter so sagen kann. Aber dieses Gefühl ist halt da. „The Glowing Man“ ist ein gutes Album, aber es ist nicht ganz so bestechend wie der direkte Vorgänger „To Be Kind“ und beileibe nicht so umwerfend oder spannend wie das 2012er „The Seer“ regelrecht die eigenen Hörgewohnheiten auf den Kopf stellen konnte…

Sei’s drum: Das Dortmunder FZW ist mit seiner für mich sehr günstigen geographischen Lage und dem dort eigentlich meistens okayen bis gutem Sound trotzdem eine Gelegenheit, SWANS noch mal wieder zu sehen, die einfach zu gut passte um sie auszulassen.
Als Opener fungierte dabei LITTLE ANNIE. Eine, nun ja, schon etwas betagt wirkende Dame, die auf Kooperationen mit Bands wie Crass und Coil zurückblicken kann und ihren Auftritt mit dem ‘Folsom Prison Blues‘ begann, begleitet von einem gewissen Paul Wallfisch (zu dem gleich noch), der dazu auf allem, was sich ihm beim Gang über die Bühne anbot, Percussion spielte und sich für den Rest des Gigs hinter die Swans’sche Verstärkerwand ans E-Piano setzte.

Bei allem Respekt: Man merkte dem Publikum nach mehr als einer halben Stunde dann aber auch irgendwie an, dass es dann auch mal gut war, denn beim Erreichen der 40min-Marke waren dann doch mehr Unterhaltungen in der überschaubar besuchten großen Halle auszumachen als noch Leute andächtig lauschten wie zu Anfang…
Eine Äußerung zwischen den Songs, die das Thema Drogen beinhaltete brachte das Publikum allerdings zum lachen und ihr Mitmusiker Wallfisch schmunzelte „Ah, Dortmund…“
Das Witzige an diesem Herren: Ich sah ihn 2009 mal live, zusammen mit Bee & Flower in einer Kellerbar in Manhattan. Danach war er dann irgendwie mal für eine Zeit lang Intendant am Dortmunder Theater. An diesem Abend kehrte er zu seiner ehemaligen Wirkungsstädte zurück und nahm als aktueller Keyboarder der SWANS auch noch ein zweites mal Platz auf der Bühne.    

 

SWANS wiederum – nun ja: Geil, einfach nur geil. Obwohl ich wusste, was mich erwartet und die Sache im Vorfeld als „ein bisschen überm Zenit“ sehen wollte, war es halt einfach nur geil.
Dass Thor Harris aktuell nicht mehr dabei ist, ist zwar irgendwie schade, aber wie die von Michael Gira in Messiasposen geleitete Band Aufbauten orchestral anmutenden Monumentallärms hochzieht, die dann einfach nicht mehr aufhören, sondern
hypnotisierend immer weitermachen, das lässt einen schon mal alles um sich herum vergessen.
Und obwohl ich - abgesehen von etwas bisher unveröffentlichtem Material, das üblicherweise an diesem Abend auch gespielt wurde – mit dem, was da passierte eigentlich schon gut vertraut war, sprangen mir in den Momenten, in denen ich mich nicht in einem meditativen Stadium befand immer noch neue Erkenntnisse zu. Z.B. die eigentlich auf der Hand liegende, wie geil-funktional das auf dem Punkt pumpemde Bass-Spiel von Christopher Pravdica eigentlich ist.

 
Auf jeden Fall war’s geil, auch wenn ich mich wiederhole, und wohl definitiv eines der Konzerthighlights des noch nicht so alten Jahres.
Die hässlichen Shirts waren im Übrigen mit ‘nem Zwanni ca. fünf Euro zu teuer, dafür wiederum muss man allerdings sagen, dass die Tonträgerprise völlig okay waren. Bei 25 für ‘ne 3er-LP kann man nicht meckern und dass die „Soundtracks For The Blind“-DoCD wieder neu aufgelegt wurde ist auch zu begrüßen.

Montag, 27. März 2017

Diese Woche raus (KW13)

ASCETIC: - Everything Is Becoming - Remixes EP
Elektronischen Remix-Alben/ -EPs von eigentlichen Rockbands stehe ich seit eh und je sehr zwiespältig gegenüber. Nachdem das Mitte der 90er einige der damals zeitgenössischen Metal-Bands, zu denen es irgendwie passte, gemacht hatten (Prong, Fear Factory, ...), war das Ding auch direkt schon wieder durch.
Die australischen Wahlberliner ASCETIC: und ihren dunkel-atmosphärischen, manchmal auch eigensinnig-noisigen Postpunk mag ich allerdings nicht nur generell, sondern finde, dass die Paarung mit Elekronikern an so einer Stelle sogar Sinn machen kann.
Ziehen wir’s uns mal rein:



BUIONGOLOA - Il nuovo mare  
Das Abschiedsalbum einer Band zu checken fühlt sich irgendwie so pointless an, aber der dunkelbunte Strauß an Vergleichsreferenzen, die diesen Italienern von ihrem Label so angedichtet werden (Planks, His Hero Is Gone, Godflesh/Jesu, Sisters of Mercy, The Cure, Neurosis, Amebix, Altar of Plagues), machte mich, nun ja, hellhörig.
Und in der Tat bietet „Il nuovo mare“ eine wirkliche interessante Mischung aus Gothrock und Black Metal mit industriellen und progressiven Akzenten.



MANDRILLIFESTO – s/t (7“)
Cometh the moment, cometh the Mandrill: Von „Comicguru“ Alan Moore (wohl vor allem bekannt durch oft mehr schlecht als recht verfilmten Stoff wie Watchmen, V for Vendetta, From Hell oder League of Extraordinary Gentlemen…) bin ich ja tatsächlich ein bisschen Fan.
Das in Alternative-Hip-Hop-Regionen neigende MANDRILLIFESTO ist nicht mal seine erste Berührung mit Musik, denn es gab in geraumer Vorzeit bereits Kooperationen mit David J (Bauhaus), daraus entstanden auch einen Songtext für die Rock’n’Roll-Band The Dirtbombs und vor nicht allzu langer Zeit auch ein ambitioniertes Audiobook- Projekt namens „Unearthing“, an dem höchst „Krach-und-so-relevante“ Personen wie Mike Patton, Justin Broadrick, Zach Hill und einer von Mogwai mitwirkten.
MANDRILLIFESTO scheint nun sowas wie Moore’s gewohnt eigenwillige Reaktion auf die aktuelle politische Weltlage zu sein und ich finds eigentlich ganz witzig.
Obey the Mandrill!



MANUKIND – Russian Paradox
Auf dem jungen Berliner Label, das auch die Remix-EP von Ascetic: rausbringt (s.o.), erscheint diese Woche außerdem ein neuer Release des russischen Duos MANUKIND, das sich der Power-Electronics-/ Noise-/ Derb-Industrial-Ecke verschrieben hat. Es mag an meiner selektiven Wahrnehmung liegen, aber sowas scheint ja in letzter Zeit aus seiner Gothicschmuddelkinder-Ecke ein bisschen Einzug in vermeintliche Hipsterkreise zu halten. Was ich persönlich ja doch begrüße, denn wir brauchen mehr interessante Krach-Experimente und weniger generischen Hippierock.



MORAST – Ancestral Void
Schon das Debüt-Demo von MORAST war eigentlich viel zu gut um als Demo deklariert zu sein, und so erschien es später tatsächlich noch mal auf Vinyl. Hier haben wir nun den ersten regulären Longplayer, der bei Totenmusik in Zusammenarbeit mit Ván Records erscheint.
MORAST treffen einen Nerv, wenn man es brachial und düster, sowie seinen Metal auch mal mit eher schleppendem Groove mag, denn genau das können und machen sie wirklich ziemlich mächtig.
Außerdem habe ich eine perfide Freude daran, dass MORAST gewissermaßen als Band mit Punk-Wurzeln in eine Szene-Ecke platziert wurden, in der sich in letzter Zeit viel zu viele rechtsoffene Internettroll-Schmuddelkinder rumtreiben, die es echt gar nicht mehr peilen. Aber für jene geht die Musik vermutlich eh nicht genug in Richtung dilettantisch-generisches Klischeegerumpel...
Bandcamp gibt’s gerad‘ noch nicht, also muss es erst mal ein Song per Soundcloud tun:



PHARMAKON – Cobntact
Auch das, naja, sagen wir ruhig mal aktuelle Pitchfork-Postergirl der Power Electronics-Ecke,
Margaret Chardiet aus New York aka PHARMAKON, hat ein neues Album am Start, für das sie sich ziemlich Zeit gelassen hat. 
Da ich in letzter Zeit immer mehr in sowas eintauche, war ich wirklich gespannt drauf:



TELEPATHY - Tempest
Sozusagen als Service für meine 2-3 Leser schiebe ich in diese Auflistungen ja auch immer wieder mal der Vollständigkeit halber Veröffentlichungen zwischen, die mich selbst eigentlich, wenn ich mal ganz ehrlich bin, nur so semi interessieren.
Die britischen TELEPATHY, deren neues Album diese Woche über Golden Antenna Records raus ist, sind so ein Fall.
Grundsätzlich ist deren zeitgenössischer Instrumental-Metal nämlich eine beeindruckende Sache, bei der in puncto mächtigem Sound und „Geschichten erzählenden Kompositionsverläufen“ viel richtig gemacht wird.
So richtig umhauen will mich sowas 2017 allerdings trotzdem nicht mehr so wirklich.
Überhaupt ist die Stelle, an der „Post-Metal“-Kram zu sehr in Richtung Pompös-Prog abbiegt (Hallo, The Ocean!), bzw. an der es eher etwas nach „Euroblast“ als nach „Roadburn“ anmutet (wenn Ihr versteht was ich meine) dann die, an der ich dann selbst auch gerne mal eher raus bin.
Wie dem auch sei, gut genug, sie mal vorzustellen, sind sie trotzdem:




VANUM - Burning Arrow
Das gemeinsame Projekt der Köpfe hinter Ash Borer und Fell Voices fand ich schon beim Debüt nicht ohne, so insgesamt ist in diesem Genre – atmosphärische wie aggressive Black-Metal-Raserei, die ins epische ausartet – meiner Meinung nach aber so langsam auch mal alles gesagt und die letzten Bands, die mich aus dieser Ecke begeisterten, waren Ultha und Wiegedood, während ich den Fuzz um eben z.B. Ash Borer nicht (mehr) so ganz nachvollziehen kann.
Sei’s drum. Schlecht ist „Burning Arrow“ natürlich nicht: 



 

Außerdem: Neue Alben von MASTODON und MANTAR. Naja, ich kann gerad' irgendwie ehrlich gesagt auch ohne...

Dienstag, 21. März 2017

Diese Woche raus

Die interessantesten Releases dieser Woche sind auf meinem Radar vor allem die folgenden vier:  

BRAVEYOUNG – Misery and Pride
Eigentlich habe ich BRAVEYOUNG seit ihrer 2011er Kollaboration mit The Body auf dem Zettel, die allerdings ‘in my book‘ zu den eher weniger spektakulären Kooperationsalben letztgenannter gehört... 

Vermutlich habe ich die irgendwo zwischen sog. Postrock und Drone agierende Truppe deswegen wiederum in der Folgezeit eher so ein bisschen vernachlässigt, möchte das beim neuen Album jetzt aber noch mal überdenken…
Im Übrigen ist The Flenser ein Label, das zu verfolgen sich lohnt, denn dort erscheint generell viel nicht uninteressantes.




FUBAR - Weltschmerz
Ein vielleicht nicht wirklich umhauendes, aber doch sehr sympathisches Teil ist das Freitag erscheinende neue Album der niederländischen Grind-Institution FUBAR.
Sympathisch u.a. deswegen, weil ich Grindcore mag, der trotz metallsicher Stilbestandteile doch eher zum Punk/ HC als zum übertriebenen Ultrabrutal-Death-Metal neigt, und FUBAR hier eine wirklich sehr gute Balance aus Blastgezimmer, Crust-Gekloppe und schon regelrecht melodiösen Punk-Riffs, sowie Midtempo-Mosh und doomigen Passagen hinbekommen haben.
Und irgendwie gefällt mir sowas heutzutage sehr viel besser als Extrem-Metal-Bands, hinter deren handwerklich perfektionistischem Geratter, aufgeblähten Produktionen und generischen Songstrukturen kaum noch wirkliche Aggression oder authentische Energie steckt.
 


PALLBEARER - Heartless
Das neue Album der, nun ja, „Doom-Sensation“ der letzten Jahre, die über den Umweg des Pitchfork-Hipster-Hypes inzwischen schon hierzulande über Blascht veröffentlicht wird, kommt tatsächlich einen ganzen Tacken stromlinienförmiger und sauberer daher.
Das macht’s mir persönlich etwas schwierig, denn das, was ich an beiden Vorgängeralben eben gerade ganz gut fand, war dieses gesanglich schon mal eher leicht neben der Spur tönende und oft nicht den offensichtlichsten Weg gehende, sowie vom Gitarrensound her eher grobkörnigere, das mit dem fast schon etwas kitschigem Pathos und den epischen Anwandlungen der Band einen interessanten Kontrast bildete.
Was ich bis jetzt von „Heartless“ gehört habe klang zwar alles ziemlich gut, aber tendiert dabei in eine
eher etwas "allgemeinverträglichere" Richtung, bei der ein obskure Unikate liebender Krachfetischist wie ich irgendwie nicht so wirklich den Drang verspürt, noch tiefer eintauchen zu müssen.
Lieber Metal-Mainstream: Hier, Du kannst diese Band haben! Sei nett zu ihnen, denn das sind gute Jungs!




SLOTH HERDER - No Pity, No Sunrise
Grindcore mit Black Metal-Atmosphäre und Chaoscore-Hektik? Wie SLOTH HERDER aus Maryland hier kaputte Fiesheit, angeschwärzte Finster-Aura und Schräglagen-Lärm unter einen Hut bekommen, das ist schon eine ziemlich intensive Sache, auf die man sich auch erst mal einlassen können muss.
Mich erinnert das Ganze zuweilen ja schon mal an die griechischen Dephosphorus, gegen deren heiseres Verzweiflungsplärre die Vocals von „No Pity, No Sunrise“ allerdings eine ganze Liga böser klingen.
Nicht schlecht!





Außerdem:
1.) Das neue Album von BOSS HOG ist am Start! Werde es mir wohl noch irgendwie ordern, habe allerdings ehrlich gesagt noch keinen Ton gehört.

2.) Das Langspieldebüt des Bolt-Thrower-Nachfolgers MEMORIAM erscheint diese Woche über Blascht. Auch wenn's mich grundsätzlich interressiert, bin ich aktuell aber ehrlich gesagt irgendwie nur so semiheiß drauf.
3.) Was mir letzte Woche irgendwie ein bisschen durchgegangen ist, ist die neue DODECAHEDRON via Season of Mist. Die Niederländer klingen wie etwas straightere Deathspell Omega (was generell langsam aber sicher eh
schon zu einem regelrechten Underground-Subgenre wird), sind als solche nicht uninteressant, aber hauen mich andererseits auch nicht wirklich mit Langzeitwirkung um.

Donnerstag, 16. März 2017

The Death And Resurrection Show (DVD Review)


So, nun habe ich sie auch endlich mal im Haus und gesehen: Die ewig in der Mache befindliche KILLING JOKE-Doku THE DEATH AND RESURRECTION SHOW.

Der zweieinhalbstündige (!) „Hauptfilm“ des DoDVD-Package ist schon ein ziemlicher Brocken.

Nicht nur wegen der Form (siehe ein paar Kritikpunkte weiter unten), sondern auch wegen dem gesamten Inhalt musste ich die Doku wirklich in kürzerer Zeit zwei mal komplett gucken, um sie in ihrer Gänze zu verarbeiten.

Faszinierend an TDARS ist dabei, wie die Band und weitere Menschen aus ihrem Umfeld relativ trocken nicht nur diverse Anekdoten über zwischenmenschliche Querelen, sondern auch die Vorkommnisse okkulter Rituale und schwer zu glaubender Begebenheiten während der Frühphase der Band wiedergegeben, was im Grunde genommen auch den thematischen Kern dieser Doku bildet, den man eben nicht in jedem zweiten Musikmagazin-Interview mit Coleman so deutlich beleuchtet bekommt.
Man könnte einiges davon aus der Ferne natürlich auch als Spinnerei oder Legendenbildung abtun. Man kann sich aber auch auf die Möglichkeit einlassen, dass Jaz Coleman – Einblicke in seine Weltuntergangs-Paranoia, Eso-Einstellungen u.ä. hin oder her - vielleicht tatsächlich mal im Zentrum paranormaler Zwischenfälle oder sowas wie auf der Schwelle zu universellen Erkenntnissen stand.   

Neben der Story der Band vom Anfang bis in die Neuzeit (Reunion der Originalbesetzung 2009 rum) erfährt man ferner auch ein bisschen was über Jaz‘ Aktivitäten als Klassik-Komponist und Orchester-Dirigent, was ebenfalls ziemlich interessant ist.
Zu den Specials der zweiten DVD gehören dann noch eine halbstündige Extra-Geschichte über eine tschechische Journalistin und ihre abenteuerliche Beziehung zu Coleman, die durchaus eher noch ein paar Fragezeichen hinterlässt, und eine ganze Stunde (!) Interview mit Drummer Big Paul. 
Der im Übrigen auch eines meiner Lieblingszitate von sich gibt, dazu, warum er nach längerer Pause die Sticks wieder in die Hand genommen hat, um mit Musik gegen die heutigen politischen Zustände zu rebellieren: „…I want to hammer out the drums and scream with rage.“
Davon mache ich mir noch ein Poster für den eigenen Proberaum oder sowas.


Kritik muss ich übrigens ein bisschen üben:

In seiner allgemeinen technischen Inszenierung hätte „The Death And Resurrection Show“ noch etwas Feinschliff-Qualitätskontrolle vertragen können.
Text-Einblendungen über Person und ihre Hintergründe sind schon mal recht kurz und dabei nicht so richtig gut leserlich, überhaupt sind die Schnitte und Überblendungen der Interviews schon mal recht rasant und von der Ton-Produktion her manchmal etwas minderqualitativ, und wenn man einige britische Akzente nicht so wirklich gewohnt ist, ist dann im vorgelegten Tempo nicht immer alles direkt so richtig gut zu verstehen.
Mag aber auch sein, dass das in erster Linie ein Problem ist, das ich habe…
Was allerdings ferner wirklich nervt: Bei der Menüführung der DVDs fehlt irgendwie was. Mit dem DVD-Player war es mir nicht so richtig möglich, einige Features wie die Einzelkapitelauswahl anzuwählen, sondern ich musste die DVD dann extra noch mal in den Rechner schieben, um mit diesem einiges mit der Maus angeklickt zu gucken.

Summa summarum waren die 20 britischen Pfund für die Doppel-DVD dennoch gut investiertes Geld, das ich kein bisschen bereue, denn THE DEATH AND RESURRECTION SHOW ist wirklich und tatsächlich ziemlich faszinierend und wird mit Sicherheit auch noch für weitere Heimkino-Vorstellungen im Player landen.

Außerdem: Mag sein, dass KILLING JOKE mit ihrem Industrial-Rock späterer Phasen zwischenzeitlich mal ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkten.
Heutzutage, wo die Menschheit immer weniger zu schnallen anstatt mal ein bisschen klarzukommen scheint, sind sie mit ihrer sowohl weitsichtig-weltoffenen Anti-Establishment-Haltung, als auch ihrer ehrfurchtsvollen Berührung mit einer spirituellen Welt allerdings relevanter denn je.

Link: www.killingjokemovie.com

Mittwoch, 15. März 2017

Bummer Love

Ist mir glatt mal wieder einen Extra-Blogpost wert, auch wenn ich es bei Facebook schon geteilt hatte: Einen neuen BUMMER-Song von einer kommenden Split-Veröffentlichung gibt’s gerad‘ als herrlich wilden Low Budget Videoclip und als Gratisdownload bei Bandcamp (s.u.).
Sommer 2015 veröffentlichten BUMMER mit ihrem Minialbum „Spank“ einen meiner absoluten Lieblings-Releases der letzten hundert Jahre. Wie ein frisches Spätachtziger-/ Frühneunziger-Revival im allerbesten Sinne.  Musik, die an frühen (!!) Grunge, an AmRep-Bands und an ironische Alternative-Metaller wie Fudge Tunnel erinnert, ergo: Genau mein Ding.
Bei diesem aktuellen Song sind sie noch mal ‘ne Ecke infernalischer geworden.  




Montag, 6. März 2017

Year Of The Cobra, Dool, Ggu:ll, …


Donnerstag: 
Ins vergangene Wochenende rein gings dann auch schon wieder mit dem nächsten Hinterzimmer-Konzert: Wenn YEAR OF THE COBRA aus Seattle schon mal um die Ecke im Essener Panic spielen, kann man das ja mitnehmen. 
Dass es mit dem angekündigten „arbeitnehmerfreundlichen“ Beginn und Ende nicht so ganz geklappt hatte wie offiziell angekündigt, konnte ich persönlich ja verschmerzen (da am Folgetag eh frei), aber um mal ganz ehrlich zu sein, hätte ich mir die Vorband ja lieber geklemmt....
Und das, bevor wir uns missverstehen, nicht etwa, weil PLAINRIDE als Köln wirklich schlecht gewesen wären. Handwerklich waren die Jungs, das kann ich neidlos eingestehen und anerkennen, sogar ziemlich top. Den Drummer hätte man auch in ‘ne Funk-Band stecken können und der Gitarrist und Sänger hat’s ohne Frage drauf. Wie die Band allerdings schon während ihrer ersten beiden Songs derart viele Stoner- und Rock’n’Roll-Klischees aus dem Setzkasten rausfeuerte, der Typ von Anfang bis Ende mit halbenglischen Ansagen und ständigem „Yeah, c’mon Motherfuckers, allright!“-Gehabe nervt, und dem Ganzen im Laufe des Gigs immer wieder noch ein weiteres Schüppen draufgelegt wurde, das fand ich dann ja ehrlich gesagt doch eher zermürbend als unterhaltsam. 
Liegt vielleicht an mir, denn diverse weitere Anwesende sahen das freudig tanzend offensichtlich etwas anders, aber ich fands wegen dieser allgemeinen "Provinzact lässt mal richtig over the top einen los"-Aura durch die Bank einfach nur unerträglich. 
Gepaart mit der Tatsache, dass der Headliner für ‘ne einzelne LP 25€ nehmen wollte (ganz ehrlich: dann bleibt drauf sitzen und erstickt dran!) war ich daher schon etwas genervt und konnte den folgenden Auftritt von YEAR OF THE COBRA irgendwie nicht mehr so ganz ohne Ambivalenz genießen. 
Nach der Komplettüberreizung der Vorband wirkte der Stoner-Sludge-Doom mit poppiger Note, den Powerhouse-Drummer Jon und Bassistin/ Sängerin Amy mit ihrer Vintage-Amp-Wand aufs Parkett dröhnen, dann auch fast schon etwas steif.  
Ein netter Ersatz für diejenigen, die (wie ich) die poppigere Seite der nur noch extremlärmenden Jucifer vermissen, sind sie zunächst aber mal aber ohne Frage. Mal sehen, wo die sich in Zukunft so hin entwickeln und ob ich sie noch mal unter besseren Umständen sehe…  

Freitag: 
Das Oberhausener Helvete ist ja auch per se eine etwas ambivalente Sache, aber da ich GGU:LL sowieso schon länger mal checken wollte und DOOL gerade im Rock Hard "Album des Monats" und in den hiesigen Top50-Charts gelandet sind, und daher demnächst mit Sicherheit auch etwas besser besuchte Locations auf den Plan rufen werden, war’s einfach ’ne zu gute Gelegenheit dem Gastspiel der beiden Niederländer Bands beizuwohnen. 
Um es kurz zu machen: GGU:LL treffen mit ihrem, in Richtung Neurosis gehenden und dabei einen Hauch zum Funeral/ Death Doom neigenden Style schon irgendwie einen Nerv von mir; man hat trotz der absolut soliden Performance unterm Strich aber doch ein bisschen das Gefühl, dass da auch noch einige Luft nach oben ist. 
Oder um meinen Kumpel Watti zu zitieren: „Irgendwie waren die Songs immer dann, wenn man dachte, dass sie gerade richtig gut in Wallung kommen, dann auf einmal zuende“. Kann man so sehen! 

Bei DOOL liegt augenverdrehendes „Hype!“-Gefasel natürlich nah: Sängerin/ Gitarristin Ryanne van Dorst ist in ihrer Heimat wohl sowas wie eine Reality-TV-Persönlichkeit und die Band involviert u.a. ehemalige Devil’s Blood-Mitglieder… klar kann man dem direkt kritisch gegenüberstehen, die Sache von gewissen Seiten förmlich reingedreht zu bekommen. 
Was den Live-Eindruck diesen Abends betrifft kann ich aber nur sagen, den gar nicht mal zu sehr in eine klare Schublade fallenden Düster-Psychedelic-Rock absolut kurzweilig gefunden zu haben. Zwar nicht in einem Maß, in dem ich mir die Platte, die ich  vermutlich eh nicht so wirklich oft hören würde, direkt für’n Zwanni unterm Arm hätte klemmen müssen, aber immerhin so überzeugend, dass ich sie mir bei passender Gelegenheit live durchaus wieder angucken würde, fand ich DOOL dann ja doch. 
Interessant übrigens, dass der Sound an diesem Abend in so einer Kaschemme klanglich und lautstärkenmäßig genau richtig war, um das Ganze auch ohne Hörschutz zu genießen. Manchmal geht's also doch...

Donnerstag, 2. März 2017

Sax on the Rocks (o.s.ä.)


Eine Woche, die schon mit einem Doom-Jazz-Sitzkonzert begann, kann man als Bergfest wohl auch gleich mal ähnlich weiter gehen lassen…
Im Steinbruch Duisburg gibt es aktuell eine Veranstaltungsreihe aus dem Umfeld von The Dorf, dem „Hausorchester“ des Dortmunder Jazz-Clubs Domizil. An diesem Abend kooperierten Dorf-Leader Jan Klare (Bass-Saxophon) und der inzwischen durch so einige Releases auf Denovali Records bekannte Drone-Gitarrist N im noch gemütlicheren Veranstaltungshinterzimmer des gemütlichen Gastro-Ladens. Die beiden spielten zwei von einer kurzen Pause unterbrochene, je ca. dreiviertelstündige Sets, die komplett improvisiert waren.
Die typische Drone-Ambience von N traf vereinte sich dabei mit dem teilweise schon schwer-bratzigen Getröte von Jazz-Vollprofi Klare, dem man an 1-2 Stellen vielleicht schon mal etwas anmerken konnte, dass das Arbeiten mit Effektpedalen wie Loopern mutmaßlich noch etwas außerhalb seiner Komfortzone liegt (No offense, Keule!).
Interessant war vor allem auch der Anfang des zweiten Sets, der zunächst mit satten Gitarrenakkorden aus der eher Rock-charakteristischen Ecke etwas bluesiges hatte (auch als Sludge-Doom- und Noiserock-Freund kam man bei diesen brachialen Breitseiten voll auf seine, in den rumgehenden Hut abzugebenden Kosten).
Mehrfach türmte sich das Ganze diese zu regelrechten Noise-Gebirgen auf, um zum Schluss in einem klar-sonoren Ton-Fluss auszuklingen.
Hatte Klare bei seiner kurzen Eröffnungsrede noch etwas zu Blicken über den Tellerrand erklärt muss auch ich sagen, dass ich an Crossover-Experimenten in derartigen Nischen derzeit auch sehr große Freude habe…


 
Ein gemeinsames Album der beiden ist übrigens fertig und wird irgendwann dieses Jahr noch via Denovali erscheinen.
Kurze Vorabeindrücke gibt’s auf Soundcloud auch schon: