Donnerstag, 28. Dezember 2017

Honorable Mentions 2017 (2)

Mir sind noch drei Veröffentlichungen aus diesem Jahr eingefallen (plus ein weiter zurückgreifender Hinweis), die ich nicht unbedingt in 'ne Jahres-Top-5 mit aufnehmen würde oder sowas, die aber dennoch aus folgenden Gründen hängengeblieben sind:

EGYPT - Cracks And Lines
Ich bezeichne EGYPT ja immer als „Weedeater Light“ und meine das dann noch nicht mal negativ. Die Band macht eigentlich sowas wie beschwingten Stoner-Rock/ Psychedelic-Doom - die krächzige Stimme und der recht kraftvolle Sound rücken es aber ziemlich nah an den Sludge-Metal. Und auch wenn die relativ konventionellen Songs des Trios nix sind, wovon ich jedes Album im Regal bräuchte, ist „Cracks And Lines“ dennoch eines, das sehr viel Spaß macht und in diesem, bei mir persönlich etwas schwierigem Sommer so einige male lief, während die Band dem auch live mal wieder gerecht wurde
Hier passt der olle Stones-Slogan „I know it's only Rock'n'Roll but I like it.“


HACKEDEPICCIOTTO -  Menetekel
(Danielle de Picciotto & Alexander Hacke)

Darf ich mal kurz etwas ausholen und abschweifen? Ja? Okay: Ich bin ja 1.) durchaus Fan von Einstürzende Neubauten und 2.) sehr Doom-affin, wozu genauso eine Liebe zu frühen Saint-Vitus-Alben gehört, wie gerade auch ein anhaltendes Interesse an den experimentelleren Auswüchsen dieses Genres wie Drone und co.  
Warum ich erst dieser Tage darüber gestolpert bin, dass Alexander Hacke von den Neubauten 2009 eine Veröffentlichung namens „Doomed“ rausgehauen hat, auf der er sowas wie ein Drone-Doom-Stück in einer Studio- und einer Live-Version präsentiert, außerdem ein Cover der Vitus-Hymne „Born Too Late“, und das dann auch noch mit dem von mir sehr geschätzten Ex-Neubau F.M. Einheit als Gastarbeiter und Basser Algis Kizys (u.a. Ex-Swans!), das zeugt dann wohl mal wieder davon, dass bei anderen Musikjournalisten was ganz schlimm falsch läuft, wenn sowas interessantes keine weitere Verbreitung findet...
Anyway: Auch zusammen mit seiner Frau Danielle de Picciotto macht Hacke schon länger Musik, und das dieses Jahr unter dem Gruppen-Alias HACKEDEPICCIOTTO veröffentlichte (in so manchem Katalog aber weiterhin unter „Danielle de Picciotto & Alexander Hacke“ laufende) „Menetekel“ ist ein wirklich tolles Album.
Mit Saiten-, Streich- und Blas-Instrumenten und natürlich ihren Stimmen ist das Paar irgendwo zwischen Drone-Klanglandschaften, Krautrock-Reminiszenzen, esoterischem Neofolk und 'nem Hauch von Weltmusik unterwegs und hat dafür definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient als nur die von totalen Nischen-Kunstverstehern.
Ich finds ja echt sehr toll!


SLOW DEATH – Hate Filled World
Copy & Paste von einem Blogpost letzten Monat: Das Label Corpse Flower Records sollte man im Auge behalten! Schon die Bandzusammenstellung ihres Celtic Frost-Tributsamplers war mit u.a. den Horror-Stoner-Deathmetallern Acid Witch (Edit: deren aktuelle ich irgendwie immer noch nicht gehört habe), den Noiserockern Child Bite (mag ich!), den Funeral-Doomern Evoken (wohl sowas wie meine Lieblingsband dieser Ecke!), und einem obskuren LoFi-Projekt mit Neurosis-Beteiligung mehr als geschmackvoll und mit dem Signing von SLOW DEATH beweist man definitiv ein ferneres Gespür für die coolsten Akzente in einer unüberschaubaren Szenelandschaft:
Bei besagtem Quartett fanden sich nämlich Mitglieder von u.a. Cable und Disappearer zusammen, um ihre Vorlieben für straighten Extrem-Metal punkiger alter Schule, atonalen Noiserock und Horrorfilmreferenzen zu vereinen.
Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, denn irgendwo zwischen rotzigem Asi-Rock’n’Roll, Grind, Thrash/ Black Metal und dem einen oder anderen recht dissonanten Part überzeugen SLOW DEATH auf ganzer Linie.
Wer sind eigentlich Midnight, Mantar oder Kvelertak? Das hier sollte in einer gerechten Welt als der aktuell hotteste Shit an „Bier über sich selbst ausschütten und Kopp gegen die Wand“-Musik gelten!

Dienstag, 26. Dezember 2017

Honorable Mentions 2017

Eine Auflistung von irgendwie guten/ interessanten Alben, die mich dieses Jahr vielleicht nicht völligst umhauten oder sowas, die aber auch wenn sie bei mir zu keinen totalen Dauerrotatoren wurden o.ä. trotzdem noch erwähnenswert sind:

BUMMER / PINKO Split
Die Neandertal-Noiserocker BUMMER sind so bekloppt-geil wie kaum eine andere Band derzeit. Der an Refused u.ä. erinnernde Post-Hardcore von PINKO ist ebenfalls nicht zu verachten.


CHELSEA WOLFE – Hiss Spun
Es war vor allem ihr diesjähriger Auftritt beim Roadburn, der mich sehr beeindruckt hat und dafür gesorgt hatte, dass ich die Musik von CHELSEA WOLFE dann doch noch mal genauer checken musste. So richtig großer Fan werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr, aber „Hiss Spun“ hat definitiv seine interessanten Momente.


CRYSTAL FAIRY –s/t
Zwei Melvins, ein Volta-Marsianer vom Drive-In und seine Butcherette. Im Rennen um das Sommeralbum des Jahres hatten irgendwie Boss Hog die Nase vorn, die hiermit interessanterweise viel gemeinsam haben (Ehepaar in der Band, AmRep-Connection, …). 
Dennoch ist diese, nun ja, Female-Fronted-Popversion der Melvins, wenn überhaupt, nur knapp dahinter. 
Für ein Album, das mich von der Ausgangssituation her gar nicht mal sooo interessiert hatte, dafür macht(e) es dann nämlich doch ganz schön Laune. 


DÄLEK - Endangered Philosophies
Dass es für die Reihe der Jahresbesten-Blogposts nicht ganz gereicht hat, daran war u.a. auch Schuld, dass für die LP hierzulande mal wieder Preise aufgerufen werden, die nicht mehr feierlich sind, also habe ich die neue DÄLEK ja nur recht wenig (digital) gehört…
„Endangered Philosophies“ ist mit seinem ‘Noise-Hop‘ allerdings (wiedereinmal!) ein wirklich tolles Album einer Gruppe, die sich mit neuem Line Up in einem etwas ‘kompakteren‘ Sound gefunden hat. 



DEAF KIDS - Configuração do Lamento
Manchmal würde ich mir wünschen, die brasilianischen DEAF KIDS hätten die Konsequenz, ihre seltsamen Trance-Metal-/ Psychedelic-Nosierock-/ Weirdo-Punk-Lärmorgien episch auszuwalzen, anstatt nur mal eben für ein paar Minuten durch die Botanik schießen zu lassen. Aber es hat was! Für Fans von Skullflower, Terminal Cheesecake, Caspar Brötzmann, The Dead C u.ä.



DIPLOID - Everything Went Red
Sehr gute Next-Generation-Band, die Grind-Geballer und dröhnige Doom-Parts mit Noise-Rauschen vermengt. Dabei haben sie vielleicht noch nicht so ganz die optimale Balance gefunden, aber das kann ja noch kommen. 


FIVE THE HIEROPHANT - Over Phlegethon
Die ständigen Black-Metal-Andichtungen, die „VtH“ gerne mal gemacht werden, verstehe ich nicht wirklich. Ihre Musik hat nämlich in erster Linie eine Sludge-Basis, die nach der noch etwas mehr drone-doomigen Debüt-EP (die mich seinerzeit nur mäßig überzeugen konnte) auf diesem Longplayer ein Stück weit ins etwas rockigere gedriftet ist, kombiniert  mit einer schrägen Prog-/ Jazz-Schlagseite durch Bläser-Einsatz.



GATES - Viscera
Obwohl die Drone-/ Noise-Ecke mit Überschneidungen in Richtung Impro-Jazz etwas ist, dem ich mich sehr zugetan fühle, ist GATE's „Viscera“ via Utech Records eine der wenigen Veröffentlichungen an derartigem, die bei mir dieses Jahr irgendwie Eindruck hinterlassen hat. 


HARVESTMAN - Music For Megaliths
Steve von Till’s Drone- / Ambient-/ Noise-/ Kraut-Soloprojekt wiederum hat mit „Music For Megaliths“ dieses Jahr ein regelrecht sonores  Klangbad von einem Album veröffentlicht, das in einer derart kompakt-kohärenten Homogenität unter diesem Alter-Ego tatsächlich was neues ist, denn frühere Releases hatten im Gegensatz dazu noch mehr den Charakter reiner Experimentaltrack-Sammlungen. Sehr cool!   



HORSKH - Gate
Dass ich 2017 noch mal ‘ne Band goutieren würde, die sowas wie Clubtanzflächen-kompatiblen „Electro-Industrial“ mit gewisser Rock-/Metal-Kante macht, das hätte ich selbst nicht gedacht, aber gerade auch live sind HORSKH wirklich saugeil und „Gate“ ist ein ziemlich cooles Album.


PAN DAIJING - Lack 惊蛰 
Die junge Noise- / Performance-Kunst-Ausnahmeerscheinung PAN DAIJING hat dieses Jahr in einigen Kreisen bzw. Publikationen derartige Wellen geschlagen, dass das neue Pharmakon-Album daneben (ja, auch bei mir) irgendwie etwas unter ging. 
Es ist allerdings auch tatsächlich ein faszinierendes Teil.



POWER TRIP – Nightmare Logic
Thrash Metal ist ein Genre, das ich im Blut habe, dessen jüngeren Auswüchse mich bei aller Gleichförmigkeit aber nur selten mal packen.
Zu den wenigen aktuelleren Highlights dieser Ecke gehört allerdings definitiv POWER TRIP‘s „Nightmare Logic“, was mit daran liegen könnte, dass sich die texanische Band eher mit dem entsprechenden Biss an hardcoreig geprägten Vorbildern wie Nuclear Assault und D.R.I. orientiert als an eierlosem Gedudel.



LOVIATAR -s/t
Irgendwo zwischen Pallbearer, U.S. Christmas, Wovenhand und einem Hauch von Postrock war der gigatransparent produzierte und leicht verstrahlte Psychedelic Rock/ Doom Metal von LOVIATAR dieses Jahr das Album aus dieser Ecke, zu dem ich dann doch gelegentlich mal zurückkam, während mir vermeintlich größere Namen derartiger Stilgefilde nix gaben.
Dabei ist gerade auch in Prog- und Folk-Fahrwassern wildernde Musik ja eigentlich nicht so wirklich meins, und ich bin ferner nach wie vor verwundert, wie man das dann auch noch gleichermaßen mit Anflügen von Echtmetall-Vibes wie auch Neunziger-Reminiszenzen unter einen Hut bringen kann. Aber bei LOVIATAR passt das erstaunlicherweise wirklich alles.



MELVINS - A Walk With Love & Death
Ein Doppelalbum, das die MELVINS von ihrer zugänglichsten und dann auch noch ihrer sperrigst-experimentellen Seite zeigt? 
Ja, für sowas liebt man sie!



MYRKYR - Mareridt
Mal kurz auf dem Punkt: Die Anwandlungen von mittelalterlichem Folk-Gedudel und die fast schon etwas zu glatte Produktion sind nicht sooo mein Ding, aber dieses Album ist trotz allem schon ziemlich, ziemlich gut, was man mal neidlos anerkennen können muss.



NO SISTER - The Second Floor
Das, was ich an Indie-/ Noiserock a la Sonic Youth mitunter mag (die unbekümmert-unkonventionellen Schrägheiten und sowas) trifft hier auf das Element, das ich an derartigem sonst auch schon mal etwas vermiss(t)e (= doch auch schon mal mit etwas mehr Punch und Biss zugange zu sein).  
Sehr cool!


Freitag, 22. Dezember 2017

Dieser Tage raus

Zum Endspurt gibt's tatsächlich noch ein paar Veröffentlichungen...

END.USER - Parallel
Neue Single von Drum'n'Bass-Hero END.USER!


JACK FROST - The Fall
Pünktlich zu Weihnachten haben die österreichischen Doom-Metal-/ Dunkelrock-Urgesteine JACK FROST auch mal wieder was neues am Start:


SEA OF DRONES - Volume Four
An der Sludge-Metal-/ Drone-Doom-Front gehören SEA OF BONES ja so ziemlich zu meinen Favoriten.
In
ihrer Serie an Impro-Jams und Ambient-lasigen Experimenten unter dem Ableger-Alter-Ego SEA OF DRONES haben sie mit "Volume Four" mal wieder ein Stück von epischer Länge erschaffen, das ihre minimalistische Drone-Seite hervorhebt. 


Und sonst noch?

Sludge-Alarm: Auf einer gemeinsamen Split covern FISTULA Devo und -(16)- Killing Joke, erstere teilen sich außerdem auch noch eine weitere mit COME TO GRIEF.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Voiidwarp

Um die Serie an Albumfavoriten 2017 abzurunden, muss auf jeden Fall noch die Split von HOWLS OF EEB und KHTHONIIK CERVIIKS genannt werden.
Schon die Seite von HOWLS OF EEB – im Übrigen ihre Abschiedsvorstellung – ist mit Rumpel-Death-Metal der schrägeren und eigenwilligeren Sorte ziemlich cool, aber vor allem KHTHONIIK CERVIIKS haben sich hier selbst übertroffen.




Ihr letztjähriges Album "SeroLogiikal Scars (Vertex of Dementiia)“ war ja schon total killer, das „Voiidwarp“-Material ist allerdings noch mal 'ne Schüppe drauf
Die Dortmunder haben die „Killing Technology“/ „Dimension Hatröss“-mäßige Schraube ihrer Gitarrenarbeit und Kompositionen noch mal weiter angezogen und liefern hier einfach nur noch völligen Wahnsinn ab. Etwas heraus sticht dabei vor allem das auch ein paar harmonisch-melodiöse Passagen auffahrende 12minuten-Songepos „Spiiral Spiire Stiigmata“, aber auch der Rest (ein weiterer langer, sehr cooler Song, Intro, Interludium, Outro...) ist einfach nur völlig irre und geil. 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Godflesh – Post-Self

Die Alte-Helden-Quote ist in der Reihe meiner persönlichen „Alben des Jahres“ diese Saison ja wirklich überraschend hoch: Unsane, Patton & Lombardo, Phobia, Boss Hog, ein Joint-Venture von altbekannten Noiserock-Weirdos, Power-Electronics-Urgesteine… 
Da es nun wirklich nicht so wäre, als würde ich nicht in viele vermeintlich frischere Bands reinhören (eine davon würde ich schließlich wohl trotz allem auf die #1 des 2017er Siegertreppchens stellen), ist das eine Tendenz, die man vielleicht mal genauer analysieren müsste, aber nuja.
Um auf den Punkt zu kommen: Auch die neue GODLFESH finde ich sehr gut.



Gut fand ich ja auch schon den Vorgänger „A World Lit Only By Fire“. Jener repräsentierte sowas wie das quintessenzielle an GODFLESH: Deftiges Gitarrengebrate auf stampfenden Rhythmen.
Auf „Post-Self“ wird das Ganze wieder ein bisschen ausgeweitet. Die Drumcomputer-/ Industrial-Schlagseite ist noch mal etwas stärker, es gibt etwas mehr Anwandlungen aus Richtung Postpunk und außerdem lässt sich Bandkopf Justin Broadrick auch mal wieder zu etwas mehr atmosphärisch-melodischen Momenten hinreißen, als nur grölend die Riffkeule zu schwingen.
Der, nun ja, Old-School-Charme des Ganzem besticht daran dann ferner: Irgendwie klingt „Post-Self“ nämlich tatsächlich ein bisschen nach Frühneunziger, Bunkerproberaum und Roland-Drumcomputer und nicht nach etwas, das im heutigen Zeitalter digitaler Musikproduktionsmöglichkeiten entstanden wäre. Es gab vor 15 bzw. 20 Jahren (oh man!) bereits GODFLESH-Alben, die irgendwie glatter klangen als dieses.
Davon kann man halten, was man will - ich find‘ ja, es funktioniert, denn eine derart natürliche Schroffheit vermisse ich heutzutage auch schon bei vielen weitaus weniger ‘maschinell‘ ausgerichteten Metal-Bands...



 Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Dienstag, 19. Dezember 2017

You Are Not One Of Us

Man sollte sich von dem etwas seltsamen Coverartwork nicht abschrecken lassen - „You Are Not One Of Us“ ist eines der gleichermaßen ‘unbekümmert-coolsten‘, wie auch angepisst-brachialsten Alben, das die Noiserock-/ Punk-/ Post-Hardcore-Ecke dieses Jahr ausgeworfen hat.



BUILDINGS aus Noiserock-Hauptstadt Minneapolis sind sowas wie die eben auch nicht mehr ganz so jungen Cousins von Bands wie The Jesus Lizard, NoMeansNo, den ganz frühen Helmet, Surgery, Hammerhead, Unsane und co.
Eine satt bratende Gitarre mit herrlichen Dissonanzen, eine tanzbar auf dem Punkt pumpende, dabei aber doch sympathisch-verspielt akzentuierte Rhythm Section und eine Stimme, der man anhört, die Schnauze voll zu haben, ohne dass dabei gleich zu affektiert gebrüllt würde.
Das sind die simpel-genialen Zutaten eines der von vorne bis hinten besten Alben
im AmRep-Style, das in dieser Saison auf die Menschheit losgelassen wurde und bei mir nach wie vor immer wieder in der Rotation landet.

Im Übrigen durfte der Verfasser dieser Zeilen mit der Band auf einem Date ihrer diesjährigen Europatour mit einer seiner eigenen Rumpelkapellen die Bühne teilen, was ein durch und durch gelungener Abend war.
Sollten die mal wieder über den großen Teich kommen, solltet Ihr Euch die auch auf jeden Fall mal geben!




Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Montag, 18. Dezember 2017

Endstrand

Ich sag’s mal ganz ungeniert, wie es ist: VALBORG sind halt eine meiner Lieblingsbands.
Dafür gibt es unterm Striche eine ganze Summe mehrerer Gründe, die ich im Rahmen dieser Blogseiten inzwischen so oft runtergerattert habe, dass ich sie hier und jetzt nicht zum x-ten mal durchkauen will…



Was ihr diesjähriges Album „Endstrand“ betrifft, so verkörpert es wieder einmal diverse Aspekte, die diese Band aus Bonn in der spießigen Metal-Szene so besonders machen:
Die Musik von VALBORG kann passagenweise schon regelrecht sperrig und abweisend sein, dennoch haben sie ein Gespür dafür, wie man mit verhältnismäßig prägnanten Riffs und auf den Punkt gebrachten Schlagzeugrhythmen dabei den noch das Maximum an Eingängigkeit aus dunkel-brutaler Musik rausholen kann, ohne sich gleich an einer albern-melodiösen Ecke anzubiedern.
Das ist schon etwas sehr teutonisch klingendes an ihnen, dennoch ferner dieses gerade auch für deutsche Metal-Bands dann wiederum eher untypische Augenzwinkern, das bis ins dadaistische driften kann.
Als würden Celtic Frost über den Umweg von Eisenvater auf Killing Joke oder Godflesh treffen, ist „Endstrand“ düster und brachial, atmosphärisch und schräg, simpel-genial und vielseitig, irgendwie auch menschlich wie maschinell, allerdings haben VALBORG bei keiner ihrer bisherigen Veröffentlichungen dabei derart wuchtig nach vorne geknallt.
Und ich find das ja völlig geil. Ihr solltet es auch! 

 






Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Freitag, 15. Dezember 2017

Everything's Fine

Post-Punk? Noíserock? Den derbe-kaputt nach vorne rockenden LoFi-Lärm von NARROW LANDS kann man wohl tatsächlich mal wieder mit in beide dieser Schubladen stecken...



Die Konkurrenz war eigentlich groß, denn im gleichen Zeitraum kamen u.a. auch ‘ne Nine-Inch-Nails-EP, das aktuelle Tau-Cross-Album, die debütierende Grind-Supergroup Expulsion und ‘ne neue meines ewigen Altrocker-Helden Alice Cooper raus, aber es sollten tatsächlich diese sechs Songs einer obskuren Band aus Australien sein, die bei mir aus dem Juli diesen Jahres mitunter am meisten hängenbleiben würden.


„Everything’s Fine“ besticht mit Rockmusik in einem etwas kühlen, bis an die Schmerzgrenze verzerrtem Sound, der No-Wave-/ Noiserock-/ Industrial-Assoziationen im allerbesten Sinne weckt (sprich von Sonic Youth über Cop Shoot Cop bis zu den ganz frühen Swans; A Place To Bury Strangers lassen außerdem ein wenig grüßen), dabei nicht nur an die wirreren und brachialeren AmRepper wie Cows oder Heammerhead erinnert, sondern an 1-2 Stellen gar an die Grenze zu sowas wie Powerviolence-Geballer gelangt (man höre z.B. 'Born Leaders'), ferner
aber bei all der Wirrheit und Lärmigkeit in einem melodiös angehauchten Song wie dem Opener 'Garbage Human' dennoch schon mal durchschimmern lässt, dass hinter der besonders grob angerauten Oberfläche vielleicht doch ‘ne heimliche Indierock-Band stecken könnte.
Nicht schlecht, nicht schlecht. Würde ich ja echt gerne mal live sehen!  


Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Gaes/Hexis/Hexer

Ich mach’s mal kurz: Es war ein kurzweiliger Abend, gestern im Dortmunder Black Pigeon!
Trotz Buchladenkonzert mit Proberaum-Anlange ballerten und dröhnten GAES (letztens schon mal gesehen) ihren HM-2-Sludge-geschwängerten Grind-/ Noise-/ Powerviolence-Kram ziemlich überzeugend raus.

Die folgenden, dänischen HEXIS hatte ich mit ihrem Celeste-ähnlichen Black-Metalcore auf jeden Fall unterschätzt, denn sie waren an diesem Abend ‘ne ziemlich Bank an infernalischer Derbheit.
Das Strobo-Dauerfeuer war vielleicht ein bisschen anstrengend, aber nuja, ich fands ja ansonsten insgesamt echt ganz gut!


Die Lokalhelden HEXER wiederum mussten ihren Set kürzen, weil’s zu spät wurde.
Tja, Leute, dann halt früher anfangen, bei drei Bands.
Nach den beiden Ballerkapellen davor hatte der Doom von HEXER allerdings auch was irgendwie antiklimatisches, der Synthie-Einsatz ist allerdings ‘ne ziemlich coole Sache.

Mehr von sowas, Dortmund!

Dieser Tage raus (KW50)

EYE OF NIX - Black Somnia
Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir sowas wie Therion und Within Temtation im Hipster-Metal-Zeitalter hinter uns lassen, aber weit gefehlt: Auch Blackened-Crust-Sludge-Doom samt Dunkelrock-Kante kann man neuerdings mit Operettengesang kombinieren. 

Denn dafür stehen EYE OF NIX aus Seattle.
Bandcamp: eyeofnix.bandcamp.com

LADDER DEVILS - Teenage Nuance
Mit dem 2014er „Clean Hands“ tauchten die LADDER DEVILS erstmals mal auf meinem Radar auf, neigten mir damals aber wohl doch einen Hauch zu sehr in die Indie-/ Punk-Ecke des Noiserock, welchen ich persönlich wohl einfach eben doch einen Tacken kerniger bevorzuge.
Vergangenen Sonntag kam überraschend ‘ne neue raus, die man trotzdem mal checken kann.


MINORS – Atrophy
Darf’s ein bisschen Derb-core sein? Die kanadischen MINORS etablieren sich gerade als Up-and-Coming im D-Beat-/ Heavy-Hardcore-/ Powerviolence-Sektor. 
Der Bandcamp-Stream ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht online, aber vermutlich in Kürze.
Dafür gibt’s aber ‘n Clip:


MOTHERS LOVE- Ad Deum Et Congo Dandy
Nach einer 3-Song-EP im Frühjahr gibt’s kurz vorm Jahreswechsel noch eine weitere von MOTHERS LOVE aus Glasgow, die sich in den aktuellen Trend von Punks, Metallern und Hipstern einreihen, die den Postpunk/ Gothrock für sich entdeckt haben und nun vor allem auf Pfaden von Joy Division und co. wandeln. 

Das allerdings tatsächlich auch gar nicht mal so schlecht!


NEIGE MORTE  - Trinnnt
Über Division Records und Consouling Sounds erscheint das neue Album der französischen Black-Metaller NEIGE MORTE.
Auch hier ist noch kein Album-Stream bei Bandcamp online, aber immerhin schon mal der Einzel-Song „De Dödas Röster“.


SEKEL – s/t
“Punk/ Kraut” versprechen uns Fuzz Club Records mit dem selbstbetitelten Langspieldebüt von SEKEL aus Malmö, Schweden.
Neben ‘ner Bandcamp-Seite vom Label gibt’s auch heirzu ‘n Videoclip:


Und sonst noch?

 
Die beiden Industrial-Projekte MZ.412 (streitbares Cold-Meat-Industry-Urgestein) und TREPANERINGSRITUALEN (mit „Kainskult“ unter meinen Alben des Jahres!) teilen sich eine Split-Veröffentlichung mit Live-Mitschnitten, die wohl diesen Freitag über Annapurna Production rauskommt.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kainskult

Zu den überraschenderen ‘Highlights des Jahres‘ gehört definitiv TREPANERINGSRITUALEN’s „Kainskult“.



Ein vager Begriff war mit das Projekt des inzwischen auch schon vierzigjährigen Schweden Thomas Martin Ekelund ja schon vorher - das Cover des Vorgängeralbums „Perfection & Permanence“ z.B. ist hier und da auch immer wieder mal irgendwie in meine Aufmerksamkeit gespült worden, aber erst mit „Kainskult“ fängt TREPANERINGSRITUALEN gerade scheinbar an, kreativ wie Szene-übergreifend so ein bisschen durch die Decke zu gehen. 

Kommendes Jahr ist man z.B. auch im Package mit Metal-Bands auf Tour...

Nachdem ich mich bei Bandcamp mal durch einige der vorangegangenen Releases gehört habe, kann ich auch bestätigen, dass das mit Black-Metal-Spirit in Dark-Ambient- und Death-/ Ritual-Industrial-Gefilden fußende Projekt auf „Kainskult“ sozusagen einen kleinen Quantensprung hingelegt hat.
Trotz allem synthetischen Gebrummes hat die Musik von „Kainskult“ organische Qualitäten.  Gleich im bedrohlich startendem Opener 'Death & Ecstasy' atmet, ächzt und hustet es hintergründig, das Zusammenspiel aus Vocals und Percussion-Rumms ist ferner ziemlich clever.
Mit ‘Maðr Malformed‘ lärmt’s dann inkl. aggressiver Vocals in der Ecke, die man wohl gemeinhin als Death-Industrial bezeichnet, Mz.412 u.ä. lässt grüßen…
Besonders geil dann auch noch: Das wirklich industriell scheppernde und schellende ‘Serpent Seed‘ – der Rhythmus, wo man mitmuss.

Aus derartigen Stilregionen - sprich etwas, das wie ein okkultes Ritual eines Cyborgs klingt - höre ich ja nicht sooo viel Musik, aber „Kainskult“ ist wirklich der Wahnsinn!




Bisher abgefertigte Jahreshighlights:

Dienstag, 12. Dezember 2017

Svffer/Die Negation/Cut off Kites/Dismalfucker/Wire Love

Es war übrigens ein netter Abend, in der Trompete Bochum am vergangenen Freitag:
Bei unserer Ankunft waren die Jungspunde WIRE LOVE, die ihren ersten Gig überhaupt spielten, zwar gerade in den letzten Zügen, doch ihr facettenreich ausgeklügelter (Post-)Hardcore mit Neunziger-Vibes gefiel durchaus.
Kontrast wurde im Programm groß geschrieben, denn es folgten die doch wesentlich grobschlächtiger zu Werke gehenden Münsteraner DISMALFUCKER - mit dem Drummer von (u.a.) Svffer an der Gitarre.
Deren gelegentlich durch rock’n‘rolliges Schunkel-Midtempo stampfendes, aber die meiste Zeit eben doch dem D-Beat und Schallgeschwindigkeitsgeballer frönendes Crust-Geboller hat definitiv Laune gemacht.


Nicht nur einen Kontrastpunkt sondern fast schon einen Stilbruch gab’s danach mit CUT OFF KITES.
Bevor wir uns missverstehen: Handwerklich ziemlich gut war der ins ‘psychedelisch-postrockige‘ abdriftende (Selbsteinschätzung:) Alternative Rock der Essener ja durchaus. Mir persönlich war das Ganze zwischen den anderen Baller-Bands aber einen ganzen Tacken zu Schöngeist-mäßig und überhaupt steht mir im Moment eher nicht so der Sinn nach sowas.
DIE NEGATION wiederum hatte ich im Frühjahr schon mal mit Power Trip zusammen im Essener Don’t Panic gesehen (warum habe ich das eigentlich anscheinend gar nicht verbloggt?). 

Dort hatten sie mich damals irgendwie nicht so richtig überzeugt, was mit am Sound und sonstigen Rahmen gelegen haben kann.
An diesem Abend jedoch ging die Show der Hardcore-Band gut rein. Was allem voran auch am sichtlich Bock habenden und immer wieder Publikumskonfrontation suchenden Frontmann lag, aber auch daran, dass die stilistisch recht weite HC-Punk-Mixtur der Band gut funktioniert.

 
Krönender Abschluss danach mit SVFFER. 
Natürlich ist dieser „da brüllt ‘n Mädchen inbrünstigst“-Faktor auch heutzutage immer noch so ein Extra-Ding, dennoch muss man im Gesamtpaket sagen, dass es keine andere Band gibt, die ähnlich gelungen, mächtig und mietreißend bretthärteste Crust-/ Grind-Ansätze mit über die sog. Emoviolence-Schiene herleitet und damit intensiver und infernalischer klingt als jedwede Band mit metallischeren Wurzeln.
Eine Floskel wie „immer wieder eine Bank“ würde dem nicht ganz gerecht werden, was SVFFER da mal wieder aufs Parkett gekloppt haben.
Ich kenne jedenfalls nur wenige andere Grind-/ Hardcore-Bands, die eine ähnliche Wucht sind und dabei auch noch derart prägnante Songs servieren.
Hoffentlich bald wieder! 


Sterilize

In der Aneinanderreihung der Alben des Jahres darf die neue UNSANE natürlich auf gar keinen Fall fehlen…



Dabei fällt es mir ausnahmsweise sogar mal eher schwer, darüber einen ausführlicheren Sermon loszulassen.
Verhältnismäßige Instant-Hits oder irgendwie herausstechende Songs, wie sie die ebenfalls starken Vorgängeralben „Wreck“ und „Visqueen“ durchaus hatten, hat „Sterilize” eigentlich noch nicht mal so wirklich zu bieten.
Es ist schlicht und ergreifend nicht mehr und nicht weniger als „nur“ ein relativ typisches UNSANE-Allbum. As solches aber eben durch und durch gelungen, mitreißend und genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt.
Es muss was mit einem gewissen Nostalgie-Bonus zu tun haben, aber da steckt ein irgendwie versöhnlich-tröstliches Element mit in der ganzen Sache, wenn die alternden Noiserock-Titanen ihrer allgemeinen Wut über so einiges freien Lauf
in Songform lassen…
Oh, und wie sie das tun. Von vorne bis hinten steckt dieses Album manche Clownscombo a la Mantar, die sich gerne den „Spaß an Zerstörung“ als Konzept und Motto auf die Fahre schreiben wollen, in dieser Hinsicht doppelt und dreifach in die Tasche.
UNSANE haben nach wie vor was ziemlich harsches, archaisch-brachiales, auf diesem Album sogar noch mal wieder etwas weiter abgekantetes und schon mal ein kleines Stück um die Ecke gedachtes, anstatt zu straight und catchy zu sein, aber doch geht das ganze dem geneigten Fan einfach nur gut rein. 

Mögen uns die Herren Spencer, Curran und Signorelli noch lange erhalten bleiben! 

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Montag, 11. Dezember 2017

Shaaaaaame

Obwohl ich ihre Ableger-Band Bodychoke total liebe und von „verwandten“ Power-Electronics-Urgesteinen wie Ramleh oder Whitehouse durchaus das eine oder andere kenne oder gar als Tonträger besitze, waren SUTCLIFFE JÜGEND selbst bei mir bisher mehr so ein Ding auf der „muss ich mich glaube ich auch mal ein bisschen mit beschäftigen“-Liste gewesen.
Dieses Jahr traten sie dann um die Ecke auf dem Oberhausener Maschinenfest auf, was eine gute Gelegenheit war, sich das mal zu geben.
Und als die beiden Briten dann mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums loslegten…



…war ich hin und weg. Wie geil ist das denn eigentlich?
Und „Shame“ bleibt im weiteren Verlauf ein Album, das verblüfft.
Der zweite Song z.B. ist eine verstörend-seltsame Kombination aus dissonantem Piano-Geklimper und Kevin Tomkins‘ düsterer Poesie.
Bei ‘Bait‘ wird dann simpel-effektiv und völlig geil die Industrial-Noise-Schraube angezogen…



…und irgendwie habe ich dabei das Gefühl, dass dieser Lärm der alten Originale mindestens drei mal so klingt, wie es ein Projekt à la Corrections House oder manch anderer Noise-Nachahmer eigentlich gerne würde.
Wow!





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Sonntag, 10. Dezember 2017

USA/Mexico - Laredo

In Noiserocker-Kreisen war’s von vorne herein fast schon eine kleine Sensation: Craig Clouse von den aufgelösten Todd (ihrerzeit eine der heayvisten und eigenwilligsten Bands überhaupt) und Shit and Shine (nach wie vor eine der eigenwilligsten Bands) und sein Basser Nate Cross (ebenfalls S-a-S) haben sich nach dessen Mitwirken auf Shit and Shine’s „Chakin'“ für eine weitere gemeinsame Sache mit Drummer King Coffey (von den auf immer allereigenwilligsten Butthole Surfers, außerdem Gründer von Trance Syndicate Records) zusammengetan.
Die Band heißt USA/MEXICO und hat dieses Jahr das Debütalbum „Laredo“ über 12XU (Texas) und Riot Season (UK) abgeworfen...




...welches im Grunde genommen ungefähr das ist, was man erwarten wollte, wenn Todd auf die Surfers trifft.
„Laredo“ startet mit ‘Possum Trot‘ so bleischwer-heavy groovend, dass sich manche Sludge-Doom-Band gerne zwei bis drei Scheiben davon abschneiden wollen würde, dennoch ist das Ganze, nicht zuletzt aufgrund der Kehlkopfmikro-Vocals, auch ein bisschen weird.
Der folgende Titeltrack dreht die Schraube an Kaputtheit, bzw. den Verzerrungsregler noch mal ein ganzs Stück weiter und setzt damit den vorläufigen Kurs für den weiteren Verlauf der Platte.
Fast versöhnlich ist ‘L.A.‘ gegen Ende dann sowas wie ein eingängiger Surfrocker, bevor das abschließende ‘Bullets For Pussy‘ mit seinem psychedelischen Song irgendwie auch an die rockigeren Gangarten von Skullflower und Ramleh erinnert.
Ganz schön geiles Album!




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