Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kainskult

Zu den überraschenderen ‘Highlights des Jahres‘ gehört definitiv TREPANERINGSRITUALEN’s „Kainskult“.



Ein vager Begriff war mit das Projekt des inzwischen auch schon vierzigjährigen Schweden Thomas Martin Ekelund ja schon vorher - das Cover des Vorgängeralbums „Perfection & Permanence“ z.B. ist hier und da auch immer wieder mal irgendwie in meine Aufmerksamkeit gespült worden, aber erst mit „Kainskult“ fängt TREPANERINGSRITUALEN gerade scheinbar an, kreativ wie Szene-übergreifend so ein bisschen durch die Decke zu gehen. 

Kommendes Jahr ist man z.B. auch im Package mit Metal-Bands auf Tour...

Nachdem ich mich bei Bandcamp mal durch einige der vorangegangenen Releases gehört habe, kann ich auch bestätigen, dass das mit Black-Metal-Spirit in Dark-Ambient- und Death-/ Ritual-Industrial-Gefilden fußende Projekt auf „Kainskult“ sozusagen einen kleinen Quantensprung hingelegt hat.
Trotz allem synthetischen Gebrummes hat die Musik von „Kainskult“ organische Qualitäten.  Gleich im bedrohlich startendem Opener 'Death & Ecstasy' atmet, ächzt und hustet es hintergründig, das Zusammenspiel aus Vocals und Percussion-Rumms ist ferner ziemlich clever.
Mit ‘Maðr Malformed‘ lärmt’s dann inkl. aggressiver Vocals in der Ecke, die man wohl gemeinhin als Death-Industrial bezeichnet, Mz.412 u.ä. lässt grüßen…
Besonders geil dann auch noch: Das wirklich industriell scheppernde und schellende ‘Serpent Seed‘ – der Rhythmus, wo man mitmuss.

Aus derartigen Stilregionen - sprich etwas, das wie ein okkultes Ritual eines Cyborgs klingt - höre ich ja nicht sooo viel Musik, aber „Kainskult“ ist wirklich der Wahnsinn!




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Dienstag, 12. Dezember 2017

Svffer/Die Negation/Cut off Kites/Dismalfucker/Wire Love

Es war übrigens ein netter Abend, in der Trompete Bochum am vergangenen Freitag:
Bei unserer Ankunft waren die Jungspunde WIRE LOVE, die ihren ersten Gig überhaupt spielten, zwar gerade in den letzten Zügen, doch ihr facettenreich ausgeklügelter (Post-)Hardcore mit Neunziger-Vibes gefiel durchaus.
Kontrast wurde im Programm groß geschrieben, denn es folgten die doch wesentlich grobschlächtiger zu Werke gehenden Münsteraner DISMALFUCKER - mit dem Drummer von (u.a.) Svffer an der Gitarre.
Deren gelegentlich durch rock’n‘rolliges Schunkel-Midtempo stampfendes, aber die meiste Zeit eben doch dem D-Beat und Schallgeschwindigkeitsgeballer frönendes Crust-Geboller hat definitiv Laune gemacht.


Nicht nur einen Kontrastpunkt sondern fast schon einen Stilbruch gab’s danach mit CUT OFF KITES.
Bevor wir uns missverstehen: Handwerklich ziemlich gut war der ins ‘psychedelisch-postrockige‘ abdriftende (Selbsteinschätzung:) Alternative Rock der Essener ja durchaus. Mir persönlich war das Ganze zwischen den anderen Baller-Bands aber einen ganzen Tacken zu Schöngeist-mäßig und überhaupt steht mir im Moment eher nicht so der Sinn nach sowas.
DIE NEGATION wiederum hatte ich im Frühjahr schon mal mit Power Trip zusammen im Essener Don’t Panic gesehen (warum habe ich das eigentlich anscheinend gar nicht verbloggt?). 

Dort hatten sie mich damals irgendwie nicht so richtig überzeugt, was mit am Sound und sonstigen Rahmen gelegen haben kann.
An diesem Abend jedoch ging die Show der Hardcore-Band gut rein. Was allem voran auch am sichtlich Bock habenden und immer wieder Publikumskonfrontation suchenden Frontmann lag, aber auch daran, dass die stilistisch recht weite HC-Punk-Mixtur der Band gut funktioniert.

 
Krönender Abschluss danach mit SVFFER. 
Natürlich ist dieser „da brüllt ‘n Mädchen inbrünstigst“-Faktor auch heutzutage immer noch so ein Extra-Ding, dennoch muss man im Gesamtpaket sagen, dass es keine andere Band gibt, die ähnlich gelungen, mächtig und mietreißend bretthärteste Crust-/ Grind-Ansätze mit über die sog. Emoviolence-Schiene herleitet und damit intensiver und infernalischer klingt als jedwede Band mit metallischeren Wurzeln.
Eine Floskel wie „immer wieder eine Bank“ würde dem nicht ganz gerecht werden, was SVFFER da mal wieder aufs Parkett gekloppt haben.
Ich kenne jedenfalls nur wenige andere Grind-/ Hardcore-Bands, die eine ähnliche Wucht sind und dabei auch noch derart prägnante Songs servieren.
Hoffentlich bald wieder! 


Sterilize

In der Aneinanderreihung der Alben des Jahres darf die neue UNSANE natürlich auf gar keinen Fall fehlen…



Dabei fällt es mir ausnahmsweise sogar mal eher schwer, darüber einen ausführlicheren Sermon loszulassen.
Verhältnismäßige Instant-Hits oder irgendwie herausstechende Songs, wie sie die ebenfalls starken Vorgängeralben „Wreck“ und „Visqueen“ durchaus hatten, hat „Sterilize” eigentlich noch nicht mal so wirklich zu bieten.
Es ist schlicht und ergreifend nicht mehr und nicht weniger als „nur“ ein relativ typisches UNSANE-Allbum. As solches aber eben durch und durch gelungen, mitreißend und genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt.
Es muss was mit einem gewissen Nostalgie-Bonus zu tun haben, aber da steckt ein irgendwie versöhnlich-tröstliches Element mit in der ganzen Sache, wenn die alternden Noiserock-Titanen ihrer allgemeinen Wut über so einiges freien Lauf
in Songform lassen…
Oh, und wie sie das tun. Von vorne bis hinten steckt dieses Album manche Clownscombo a la Mantar, die sich gerne den „Spaß an Zerstörung“ als Konzept und Motto auf die Fahre schreiben wollen, in dieser Hinsicht doppelt und dreifach in die Tasche.
UNSANE haben nach wie vor was ziemlich harsches, archaisch-brachiales, auf diesem Album sogar noch mal wieder etwas weiter abgekantetes und schon mal ein kleines Stück um die Ecke gedachtes, anstatt zu straight und catchy zu sein, aber doch geht das ganze dem geneigten Fan einfach nur gut rein. 

Mögen uns die Herren Spencer, Curran und Signorelli noch lange erhalten bleiben! 

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Montag, 11. Dezember 2017

Shaaaaaame

Obwohl ich ihre Ableger-Band Bodychoke total liebe und von „verwandten“ Power-Electronics-Urgesteinen wie Ramleh oder Whitehouse durchaus das eine oder andere kenne oder gar als Tonträger besitze, waren SUTCLIFFE JÜGEND selbst bei mir bisher mehr so ein Ding auf der „muss ich mich glaube ich auch mal ein bisschen mit beschäftigen“-Liste gewesen.
Dieses Jahr traten sie dann um die Ecke auf dem Oberhausener Maschinenfest auf, was eine gute Gelegenheit war, sich das mal zu geben.
Und als die beiden Briten dann mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums loslegten…



…war ich hin und weg. Wie geil ist das denn eigentlich?
Und „Shame“ bleibt im weiteren Verlauf ein Album, das verblüfft.
Der zweite Song z.B. ist eine verstörend-seltsame Kombination aus dissonantem Piano-Geklimper und Kevin Tomkins‘ düsterer Poesie.
Bei ‘Bait‘ wird dann simpel-effektiv und völlig geil die Industrial-Noise-Schraube angezogen…



…und irgendwie habe ich dabei das Gefühl, dass dieser Lärm der alten Originale mindestens drei mal so klingt, wie es ein Projekt à la Corrections House oder manch anderer Noise-Nachahmer eigentlich gerne würde.
Wow!





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Sonntag, 10. Dezember 2017

USA/Mexico - Laredo

In Noiserocker-Kreisen war’s von vorne herein fast schon eine kleine Sensation: Craig Clouse von den aufgelösten Todd (ihrerzeit eine der heayvisten und eigenwilligsten Bands überhaupt) und Shit and Shine (nach wie vor eine der eigenwilligsten Bands) und sein Basser Nate Cross (ebenfalls S-a-S) haben sich nach dessen Mitwirken auf Shit and Shine’s „Chakin'“ für eine weitere gemeinsame Sache mit Drummer King Coffey (von den auf immer allereigenwilligsten Butthole Surfers, außerdem Gründer von Trance Syndicate Records) zusammengetan.
Die Band heißt USA/MEXICO und hat dieses Jahr das Debütalbum „Laredo“ über 12XU (Texas) und Riot Season (UK) abgeworfen...




...welches im Grunde genommen ungefähr das ist, was man erwarten wollte, wenn Todd auf die Surfers trifft.
„Laredo“ startet mit ‘Possum Trot‘ so bleischwer-heavy groovend, dass sich manche Sludge-Doom-Band gerne zwei bis drei Scheiben davon abschneiden wollen würde, dennoch ist das Ganze, nicht zuletzt aufgrund der Kehlkopfmikro-Vocals, auch ein bisschen weird.
Der folgende Titeltrack dreht die Schraube an Kaputtheit, bzw. den Verzerrungsregler noch mal ein ganzs Stück weiter und setzt damit den vorläufigen Kurs für den weiteren Verlauf der Platte.
Fast versöhnlich ist ‘L.A.‘ gegen Ende dann sowas wie ein eingängiger Surfrocker, bevor das abschließende ‘Bullets For Pussy‘ mit seinem psychedelischen Song irgendwie auch an die rockigeren Gangarten von Skullflower und Ramleh erinnert.
Ganz schön geiles Album!




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Samstag, 9. Dezember 2017

De Doden Hebben Het Goed II

In letzter Zeit bin ich von vielem an „\n/ Metal \n/™“ ja eher gelangweilt. Von der ewig-gleichförmigen Musik genauso wie von den bornierten Fans. Vom Hardrock-von-gestern-Revival über Thrash-/ Death-/ Black-Gerumpel der als besonders true hingestellten Schiene bis zu „Hipster-/ Post-Black-Metal“ kann ich die immer gleichen Riffs, Licks und Leads genauso nicht mehr hören, wie diesen neuzeitlichen Stunt zehnminütiger Blastbeat-Songs mit Postrock-Intro und Melodiebogen-Gitarrengeschrubbe. Es ödet mich echt nur noch an.
Natürlich gibt es aber nach wie vor Ausnahmen. Neben der hohen Qualität und Originalität, die von den hiesigen Ultha immer wieder abgeliefert wird, sind das vor allem auch die belgischen WIEGEDOOD.



Es reichte eine Livebegegnung bei nur ausbaufähigem Sound, um mich zum Instant-Fan zu machen.
On Stage, genauso wie auf ihrem Album „De Doden Hebben Het Goed“ entpuppten sich WIEGEDOOD als Klasse für sich.
Die Band ballert und schreddert sich gleichermaßen mit derart tighter Präzision wie tollwütiger Aggression durch ihre Musik, dass einem schon mal der Mund offen stehen bleibt.
Und der diesjährige Nachfolger „De Doden Hebben Het Goed II“ ist dabei nicht nur der zweite Teil ihres Debüts, den der plakative Titel impliziert, sondern noch mal einen ganzen Tacken intensiver geworden, geht aber auch mal im richtigen Moment vom Gaspedal runter, um noch mehr Wucht und Atmosphäre wirken zu lassen.
Ein Hauch von Epik schwingt bei so langen Kompositionen zwangsläufig mit, aber die räudige Raserei ist dennoch das Kernelement von WIEGEDOOD, das sie so gut beherrschen wie derzeit wirklich keine andere Band in derartigen Stilgefilden.

Bonuspluspunkt: Die Artworks der beiden Platten sind echt toll!















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Freitag, 8. Dezember 2017

Out of the Darkness

Zum meinerseits durchaus begrüßten Revival von AmRep-Bands u.ä. der letzten Zeit gesellten sich schon vergangenes Jahr auch BOSS HOG mit einer neuen EP und Europatour (letzteres leider ohne mich), diesen Frühling folgte der Longplayer „Brood X“.



Jenen kann man (ähnlich wie Dead Cross) mit in die Kategorie packen „hätte selbst nicht gedacht, dass mich das längerfristig derart begeistert, aber irgendwie rotierte es dieses Jahr dann doch die ganze Zeit bei mir“.
Das neue Album der zwischenzeitlich zweieinhalb Dekaden weitgehend inaktiven Band um die langjährigen Eheleute Spencer-Martinez entpuppte sich nämlich als sowas wie der Sommersoundtrack, nach dem ich gar nicht gesucht hatte. Es lief sowohl auf dem heimischen Plattenteller als auch bei Autofahrten zweitweise wirklich nahezu in Endlosschleife.
Keine Ahnung, warum eigentlich, aber Rockmusik, die einerseits durchaus auf direktem Wege catchy ist, dabei aber dennoch ein paar Ecken und Kanten mitbringt, ist wohl einfach doch ziemlich mein Ding.
Und so wie BOSS HOG 2017 Aspekte von Pop, Garage-Punk, Dunkel-Blues, Noiserock und New-Wave in einem zeitlos-skelettierten Sound zusammengeführt haben, klingt‘s tatsächlich altvertraut und frisch zugleich, und ist ferner ziemlich eingängig, ohne direkt um sowas wie vermeintliche Massenkompatibilität zu buhlen.
Womit „Brood X“ zwar etwas außerhalb meiner primären Hörgewohnheiten der jüngeren Zeit liegt, aber vielleicht auch gerade deswegen anstatt trotzdem in diesem Jahr umso mehr Spaß macht(e).








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Donnerstag, 7. Dezember 2017

Dead Cross

Nach den anfänglichen Rotationen von DEAD CROSS’ „Dead Cross” hätte ich ja selbst gar nicht gedacht, dass ich das Album in sowas wie ’ner Blogpsot-Serie über die Jahresbesten mit aufführen würde, aber doch…


 

Grund für meine Skepsis: Bei aller Liebe zu Faith No More, aller Begeisterung für Fantômas oder Tomahawk... oder Mr. Bungle oder Peeping Tom…  war ich in jüngerer Vergangenheit nicht der größte Fan von so mancher Sache mit Mitwirkung von Mike Patton.
Patton hat nämlich selbst bei Gastauftritten die Angewohnheit, auch die Musik anderer völlig zu seiner zu machen.
Gitarrist Duane Denison (The Jesus Lizard) hat in einem Interview mal über ihre gemeinsame Arbeit in Tomahawk erzählt, dass sein eigener, eher minimalistischer Ansatz und der von Patton, der am liebsten noch ‘ne jeweilige Schüppe mehr von allem drauflegen würde, gerne mal etwas kollidieren.
So gab es auch mal eine Phase, während der Patton auf nahezu jeder Veröffentlichung auf seinem Ipecac-Label bei irgendeinem Song mitmachen musste und das Ganze damit eher verschlimmbesserte als irgendwie positiv zu unterstützen (mir fallen wiederholte Guest-Spots bei Zu oder Dub Trio ein und diese Warlock-Nummer mit Bohren war auch irgendwie unnötig …)



Mit DEAD CROSS ist's eine ähnliche Geschichte: Patton kam nämlich spät dazu.

Eigentlich hatte die Band um Metal-Schlagzeuggott Dave Lombardo, u.a. mit ‘Hipster-Grind‘-Ikone Justin Pearson (Swing Kids, The Locust, Retox, Head Wound City, Three One G Records) am Bass, nämlich schon mit einem anderen Sänger live gespielt und aufgenommen. 
Jener – Gabe Serbian (u.a. The Locust und ex-Cattle Decapitation), ironischerweise eigentlich einer der Lieblingsdrummer von Lombardo - verließ die Band dann aber doch noch aus Zeitgründen oder sowas.
Lombardo holte daraufhin Patton und jener machte das Ganze direkt mal wieder zu seinem eigenen Ding. 

Was ist das z.B. für eine Vocal-Produktion auf dem Teil? Viel zu vordergründig über die, wie ein Hardcore-Punk-/ Thrash-Metal-Hybrid mit leichter Grind-Kantre anmutende Musik drübergestülpt, die eigentlich gerne noch einen ganzen Ticken roher und rauer hätte klingen dürften, als sie es von Ross Robinson abgemischt tut. 
Und muss Patton direkt wieder das volle Programm an allem abspulen, vom Rumbrüllen bis zum Spannen des ganz großen Melodiebogen-Geschmetters mit irgendwelchen Effekten drauf?



Havin' said that, hier ist jetzt das „aber“: Habe ich mich anfangs auch noch so am Patton-Faktor gestoßen, landete „Dead Cross“ dennoch immer wieder und wieder in meiner Rotation und ich hör’s als sowas wie ‘ne Knüppelvariante von FNM oder Pop-Version von Fantômas ja eigentlich doch ganz gerne. 
Diese Kombination aus nach vorne flüchtendem Geballer mit Lombardo-Doublebass und dem eben nicht nur schreiendem sondern auch singenden Patton kommt ja irgendwie trotzdem ganz geil und die Songs inkl. gelungenem Bauhaus-Cover gehen gut rein.
Erst kürzlich
noch landete das Teil zufällig mal wieder in meiner KFZ-Rotation und mir wurde beim (quasi) mitsummen und auf dem Lenkrad -blastbeaten klar, dass es unter den Alben des Jahres erwähnt werden sollte!


 

Dass die Dave Lombardo Signature-Sticks aus dem Hause Promark nicht gerade zu den robusteren Drumstick-Modellen gehören, darüber müsste man im Übrigen auch mal reden, aber das ist ein anderes Thema…

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Weltschmerz, Todestriebe und Ersatzleben

Wenn in den nächsten dreieinhalb Wochen nicht noch unerwartet irgendwas dazwischen schießen sollte (2-3 Sachen zum reinhören habe ich wohl tatsächlich noch auf dem Notizzettel), dann ist „Ersatz Living“ von ANWAR SADAT wohl tatsächlich sowas wie mein „Lieblingsalbum des Jahres“!



Sparen wir uns an dieser Stelle eine Langfassung…
1.) darüber, wie ich das Album eigentlich inkl. horrender Shipping Costs aus den USA bestellt habe, das Label allerdings währenddessen die Pforten schloss und ich bei Paypal meine Kohle zurückreklamieren musste

2.) einer allzu weit ausholenden Analyse vorangegangener Veröffentlichungen dieser Band o.ä.  

Denn mit ANWAR SADAT und ihrem Anfang des Jahres veröffentlichten „Ersatz Living“ war es sowas wie Liebe auf den ersten Hinhörer.
Der musikalischen Quantensprung, mit dem die ursprünglich mal noch etwas mehr in Punkrock-/ Post-Hardcore-Gefilden fußende Band aus Kentucky in dieses Jahr gelärmt kam, ist beachtlich:
Die stilistische Bandbreite von „Ersatz Living“ fängt bei sowas wie dunklem Post-Punk an (man höre "No Exit"), zeigt immer wieder eine bissige Noiserock-Schlagseite und hat manchmal gar Industrial-Metal-Charakter.
Wenn man will, findet mal Elemente von Bauhaus bis Godflesh und beim Synthie-Geplucker von "Geshenkgeber" (sic!) oder "Ubik" hat's gar was vom NIN-Debüt "Pretty Hate Machine" - dargeboten mit der Perspektive und Energie einer jungen Truppe der Neuzeit.


Das alles erinnert mich ja irgendwie sehr an das finale Dope Body-Album „Kunk“ – denn jene fanden sich nach vorangegangenen Releases mit etwas unentschlossener Grunge-Aura ja auch auf ein mal in einem  stärker von Postpunk, Industrial und Noiserock geprägtem Stil, bevor sie sich nach einer sehr erfolglosen Europatour auflösten.
Hoffen wir mal, dass es für ANWAR SADAT nicht so ähnlkich kommt. 


Zum Song „Todestriebe“ gibt’s im Übrigen ‘n Videoclip, der eine Nummer für sich ist - Achtung, „nicht jugendfrei“ und „NSFW“:

Dienstag, 5. Dezember 2017

Make Grindcore great again!

Jahreshighlights, dritter Eintrag:
PHOBIA - Lifeless God



Aus einer „musikhistorischen“ bzw. Klugscheißer-Perspektive könnte man die 1990 gegründeten PHOBIA ja durchaus als sowas wie eine gern schon mal etwas übersehene Band betrachten.
Die Grindcoreler aus Orange County, Kalofornien können u.a. frühe Veröffentlichungen auf Relapse vorweisen, ‘ne Split mit Corrupted, später ‘ne Tour mit Darkest Hour, als die gerade so ein Ding waren, und ein von Scott Hull produziertes Album, bei dem ich nie müde werde zu betonen, dass es zu den absoluten Genre-Highlights gehört (Name Your Price!).
Trotzdem hat man nicht das Gefühl, dass der Band allgemein eine Aufmerksamkeit und Anerkennung entgegengebracht würde, die sie in eine Reihe mit Napalm Death, Repulsion, Nasum oder Pig Destroyer stellt.

Um jetzt ferner in die „in Zeiten wie diesen“- Klischeekiste zu greifen, ja, brauchen wir PHOBIA in den aktuellen Rechtsruck-Zeiten mehr denn je und als sie uns. Und sei es auch nur, um mal eben für ‘ne halbe Stunde im wütenden Gerumpel alternder Anarchos Trost zu finden.
Wofür „Lifeless God“ genau das richtige Album ist.
Denn nachdem der 2008er „Cruel“-Nachfolger „22 Random Acts Of Violence“ zwar ganz gut, aber eben nicht so gut wie „Cruel“ war, ähnliches ebenfalls auf die 2010er Kurzsongsammlung „Unrelenting“ zutraf und ich das besonders bulldoggige „Remnants of Filth“ bei Erscheinen 2012 zwar ganz gut fand, aber dann irgendwie zugegeben doch nie wieder auflegt habe – nach all dem ist „Lifeless God“ endlich mal wieder ein Album, das die Dinge beinhaltet, die ich an „Cruel“ seinerzeit direkt so geil fand und bis heute tue:
Der eher Crust-wurzelnde als zu sehr in den (Death-)Metal rutschende Grind von PHOBIA ist hier mal wieder eben nicht nur räudig-brutale Raserei höchster Angepisstheit, sondern dabei auch noch ein bisschen clever arrangiert. Da wo andere Grind-Bands ein ganzes Album lang weitgehend das gleiche monotone Hyperblast-Geknatter abspulen, da begeistern PHOBIA im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit einem gewissen Facettenreichtum und sogar sowas wie Catchiness.
Musik gewordene Zerstörungswut at it’s very best!

Apropos Twin Peaks

Es mag einem ein bisschen wie mit Kanonen auf Spatzen vorkommen, aber anlässlich des Revivals von Twin Peaks hat sich das französische Indie Rock Mag (mit den Schwerpunkten: „Indierock, Pop/Folk, Noise/Postrock, Drone/Ambient, Electronica/IDM, Hip-Hop/Abstract, Metal, Jazz, Musique Classique Contemporaine...“) der Aufgabe angenommen nicht nur eine, sondern eine ganze Reihe von Gratis-Compilations via Bandcamp zu veröffentlichen, auf der diverse Bands und Künstler Musik aus der Serie covern, oder von ihr inspirierte eigene Stücke präsentieren.
Ganze 16 (!) Compilations sollen es bis in den Januar kommenden Jahres noch werden, der aktuelle Stand ist 11.


Die bisher prominentesten Vertreter im Kontext dieser Blogseite wären:


Der Locrian-Ableger THE HOLY CIRCLE mit einem Cover von Julee Cruise's "The Nightingale"



Dürfen natürlich nicht fehlen: Die Denovali-erprobten DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES:
 
Der wie eh und je umtriebige AIDAN BAKER hat sich nicht lumpen lassen, ebenfalls was beizusteuern:


Genauso wie sein belgischer Kollege, Drone-Urgestein DIRK SERRIES:


Wer viel Zeit und Langeweile hat, möge sich gerne komplett durchhören und mir dann erzählen, was vielleicht noch so interessant ist. ;)

Dieser Tage raus (KW49)

AGE ETERNAL - Wash Away
Instruments Of Discipline, Berliner Label für „Experimental, Techno, Noise“-Kram hat diese Woche ein Album vom Soloprojekt einer Dame namens Lissa Benno am Start, das mit dem Einsatz von Reverb-Gitarren und verspulten Vocals so etwas wie einen hypnotisch-meditativen Shoegaze-Charakter mitbringen soll.


AIDAN BAKER – Aberration
Schon wieder ein neuer Solo-Release vom kanadischen Wahlberliner AIDAN BAKER (bekanntlich u.a. auch eine Hälfte von Nadja), bei dessen Output man ja so ganz generell und allgemein nicht mehr ganz hinterherkommt.
„Aberration“, das diese Woche auf dem texanischen Label Somewherecold Records erscheint, ist eine Kombination aus akustischen und elektrischen Saiteninstrumenten, Pianos und Field Recordings. Die Tür, die man an einer Stelle hört, hat dabei sein Dortmunder Drone-Gitarristenkollege N für ihn betätigt.

 

SOJII – s/t
Bereits zum Wochenbeginn erschien dieser selbstbetitelte Debüt-Langspieler von SOJII, der betont mit der Hilfe von Steve Albini entstanden ist.
Das Trio aus Michigan zeigt sich ansonsten aber ganz bescheiden und schreibt sich lediglich „Rock and or Roll“ auf die Fahne, der im Übrigen einen Hauch ins sludgeige neigt.
Zur Nummer „Dowry Death“ gibt’s auch ‘n ADHS-mäßigen Videoclip.



SUZUKI JUNZO - Shizuka Na Heya De Ashioto Wa
Auf Utech Records erscheint Freitag das neue Album vom Avantgarde-Gitarrengroßmeister  SUZUKI JUNZO, unterstützt durch Ikuro Takahashi (LSD March), Kousokuya, Fushitsusha und High Rise.
Japanischer Acid-Rock: Kaputt, fuzzy und laut.



THANK - Sexghost Hellscape
Ob man die Bands, in denen Mitglieder von THANK aus Leeds vor THANK auch gespielt haben (Irk, Unwave, Puddin‘) kennen muss, das ist wohl mal wieder so eine Frage für sich, in THANK selbst wiederum sollte man jedoch vielleicht mal reinhören.
Von Anderen auch schon als die britische Variante von Dazzling Killmen oder Arab On Radar dürfte klar sein, dass man es hier mit der Sorte Noiserock/ Weirdo-Punk zu tun hat, die man möglicherweise brauchen könnte.



URUK - I Leave A Silver Trail Through Blackness
Kein Stream oder sowas am Start, aber tendenziell dennoch höchst interessant: Consouling Sounds veröffentlichen das Debüt einer neuen Band von Massimo Pupillo (Zu, Triple Sun) und Thighpaulsandra (Coil).
Erwartet Dark-Ambient-/ Drone-Musik von besonderer Tiefe.


WHEP – s/t
Ganz nett auf den Punkt kommend treibenden Punk mit AmRep-artiger Kante an Atonalgerschrammel und Fuzz-Fett machen WHEP aus Texas!


 
Und sonst noch?

Relapse Records hauen eine Remaster-Deluxe-Reissue-Version des grandiosen YOB-Albums „The Great Cessation“ raus. Bundles mit Shirt u.ä. inklusive.
Vor allem „Burning The Altar” und „The Lie that is Sin” sind und bleiben Mega-Songs!

Montag, 4. Dezember 2017

Eng, düster und bang

Vielleicht liegt’s mit an diesem „ist auch mal was anderes als das, was man sonst hauptsächlich so hört“-Faktor, aber „Eng, düster und bang“ mauserte sich über den Herbst immer mehr zu einem meiner Favoriten des Jahres und landet seit einigen Wochen alle paar Tage wieder auf meinem Plattenteller.


 

KIKU ist ein Projekt von Yannick Barman (von Haus aus eigentlich Trompeter) aus der Schweiz, das sozusagen die Grenzen zwischen Jazz, elektronischer Soundmanipulation und irgendwie auch einem Hauch von Rock-Spirit auslotet.  Black Cracker ist ein amerikanischer Underground-Rapper und –Lyriker im Berlin-Exil. Und Blixa Bargeld, nun ja, ich glaube, den sollte ich hier wohl am wenigsten jemanden vorstellen müssen…
(Letzterer war – zumal derzeit eh mal wieder auf einem Neubauten-Trip inkl. gutem Konzerterlebnis - zugegeben auch der Aufhänger, warum ich überhaupt in dieses bereits zweite Album besagter Personalzusammenstellung reingehört habe, nachdem 2015
bereits  ein Album in dieser Konstellation unter dem Titel „Marcher sur la têteerschien.)

Der Ansatz von KIKU, in erster Linie Musik zu machen und dabei nicht wirklich auf eine bestimmte Stilkategorie o.ä. zu schielen, geht hier jedenfalls tatsächlich auf.
Auf dem Papier mag sich eine jazzig wurzelnde Kombination aus Elektronik und live gespielten Instrumenten, Beats und Bläser, obendrauf einem Wechsel von englischem Sprechgesang und deutscher Sanges- und Erzählstimme (textlich abgeleitet  von Jean Paul, „Erstes Blumenstück, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“) etwas wirr anmuten, aber die Zusammenführung all dieser Kontraste funktioniert auf  „Eng, düster und bang“, in einem dynamisch sehr breiten Spektrum, erstaunlich gut.
Es gibt auf dem Album z.B. ein paar bissige Akzentuierungen.  So kracht die zweite Nummer "Ich lag einmal vor der Sonne auf einem Berge" im letzten Drittel etwas lauter und hektischer los und Blixa lässt sich zu einigem seiner berüchtigten Shrieks  hinreißen.  2LP-Seite C beginnt mit pumpender Dance-Kante und  der Titeltrack gibt sich gar völlig ungeniert einer Stakkato-Bratgitarre hin.
Die allgemein durchaus ein wenig in die Trip-Hop-Ecke driftende Gesamtaura des Teils unterstreichen solche Ausbrüche dabei dann sogar eigentlich noch eher, anstatt irgendwie zu weit rauszugehen.
Ich tue mich ansonsten tatsächlich schwer damit, für „Eng, düster und bang“ irgendeine passende Schublade aufzumachen, aber wie gesagt läuft das Teil, seit ich im Erscheinungszeitraum bei Bandcamp reingehört und mir dann direkt die 2LP bestellt habe, nach wie vor immer wieder bei mir. Und das sagt dann ja auch einiges darüber aus…

Sonntag, 3. Dezember 2017

Why Love Now – ja warum eigentlich jetzt?

Kategorie „Highlights des Jahres“, erster Eintrag:
PISSED JEANS – Why Love Now




Zugegeben, irgendwie ist „Why Love Now“ schon so ein bisschen Fast-Food.  Dieser ironisch gebrochene Hochglanz, dem PISSED JEANS gerne entsprechen, ist zwar was anderes als die Klischees, die viele andere Punk-/ Rock-Bands gerne mal abbilden, es kann einen aber dennoch auch schon mal auf dem falschen Fuß erwischen.
Gefährlich aber gekonnt balanciert die Band selbstbewusst wie selbstironisch manchmal fast schon zwischen Gefälligkeit und Gaga, hat dabei aber schlicht und ergreifend doch mehr Eier als die meisten anderen.
Das beste Beispiel dafür ist die Videosingle „The Bar Is Low“.



 
Das visuelle jetzt mal völlig beiseite: Bei genauerem Hinhören ist der Aufbau dieses nach Indiedisse schreienden Songs mit dem höchst albernen Clip nämlich sogar ein bisschen cleverer, als man erst dachte.
Zum Beispiel dadurch, dass der Refrain eigentlich nur ein mal in der Mitte des Songs kommt, mit einer leicht gesteigerten Wiederholung, während alles davor auf ihn zuarbeitet, und der Song sich danach wieder abbaut.  

Es ist eben doch nicht so ganz das typische Schema, nach dem man einen auf Hüpf-  und Mitgröl-Hit geeichten Song arrangieren würde, auch wenn die Nummer die grundsätzliche Anlage dazu hätte.

So ist’s irgendwie auch mit dem ganzen Album. Welches von „Waiting On My Horrible Warning“ musikalisch wie textlich eher etwas zäh eröffnet wird.
LP-Seite 1 endet dann auch noch mit „I'm A Man“, einer wirr-jazzigen Kooperation mit Romanautorin Lindsay Hunter, die auf eine schrill-humoristische, aber auch seltsam-prophetische Art und Weise ja schon irgendwie das nun, ein halbes Jahr später, allgegenwärtige Thema um „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ u.ä. vorwegnahm.

 

Um die Sache abzurunden: Dass PISSED JEANS mit einem Track wie dem herrlich treibenden „It’s Your Knees“ dann gar in fast schon etwas metallische rutschen, kommt mir natürlich eher noch entgegen.
„Why Love Now“ ist dabei vielleicht nicht das verblüffendste Album, das man dieses Jahr gehört hat, vielleicht auch nicht das mit dem größtem musikalischen „Klassikerpotenzial“ , aber als hier und da ins alberne driftende Sache, die zwischen den Zeilen dennoch was zu sagen hat, und dessen simpel-punkige Noiserock-Musik manchmal eben doch den Extrakniff mitbringt, der’s interessant hält, dafür schätze ich es sehr.

Freitag, 1. Dezember 2017

Power-Electronics und Trip-Hop im Djäzz

Der (das?) Djäzz in Duisburg hat sich in den letzten Jahren ja doch noch mal so ein bisschen zu sowas wie meinem heimlichen Lieblingsclub an Rhein und Ruhr gemausert. Schlicht und ergreifend, weil man hier ein Herz für die Randsparte(n) hat. Chiptune-Minifestival, Japanoise-Legenden, eine der allergeilsten Noiserock-Bands aller Zeiten… alles schon erlebt da. Könnten sich diverse Locations in Dortmund oder Essen gerne ein bis zwei Scheiben von abschneiden, anstatt immer nur den gleichen Punk- und Metal-Mief aufzutischen.
Jedenfalls wurde dort auch am gestrigen Abend mal wieder spezielleres aufgefahren.

 
Den Anfang machte szmt – ein reiner Knöpfchendreher (nicht mal mit Bildschirm, sondern nur mit Konsole), dessen ca. halbstündige Performance sich von Ambient-/ Nosie-Regionen bis zu Geplucker mit perkussivem Charakter vorwagte.
Für LDX#40 musste dann zunächst noch die Discokugel des abgeschaltet werden, bevor sich der Protagonist mit einem Glas Weißwein an seinen Laptop und weitere  Geräte wagte.
Seine Performance, zu der auch eine begleitende Projektion gehörte, wagte sich aus Dark-Ambient-Regionen (inkl. einiger Sprachsamples) immer mehr in Noise-/ Industrial-Regionen vor.
Zwischenzeitlich kamen gar eine Metallkette und eine Säge zum Einsatz, gegen Ende wurde der digitale Audio-Output immer lauter und elektro-industrieller, und als Finale gab es dann noch mal einen bedenklich laut werdenden Schub Noise.
Nicht schlecht!

 
Das Trio SixTurnsNine setzte dann als Final-Act etwas andere Akzente.  Die Nachfolgeband der einst auch eher in Drone-/ Noise-/ Ambient-Regionen angesiedelten Melanchoholics zielt nach einer schwungvolleren Eröffnungsnummer etwas bizarreren Dunkelpops vor allem eher in Trip-Hop-Regionen ab.
Konserven-Beats im eher langsam groovendem Bereich - auch mal leicht verfriemelt  aber doch mit den richtigen Akzenten auf dem Punkt – dazu eine mal organisch klingende und mal verzerrt rumpelnde  Bassgitarre (von einem Herren, den man im Übrigen auch von den ganz guten Death-Metallern Symmetric Organ kennt) und obendrauf eine weibliche Singstimme.
Sehr cool! Demnächst soll es zu einer EP-Veröffentlichung kommen, Augen und Ohren offenhalten!

Donnerstag, 30. November 2017

Diese Zeit des Jahres… (inkl. Rant)

Morgen ist Dezember.
Da ich kein großer Freund von „Listenwahn“ bin, werde ich im Laufe der nächsten Wochen eine kleine Serie von Einzel-Posts über die Musikveröffentlichungen des Jahres machen, die für mich irgendwie herausstachen oder aus irgendwelchen Gründen noch mal erwähnenswert sind, anstatt sowas wie alberne Jahrescharts zu skizzieren, über die ich in drei Monaten schon wieder anders denken würde…

Und um das bei der Gelegenheit auch schon mal abzuhaken: Es gab dieses Jahr ja durchaus ein paar Alben, von denen ich mir ehrlich gesagt ja mehr versprochen hatte.
Z.B. ist das aktuelle Album des Sludge-Trios SHROUD EATER, das als potenzielle Kylesa-Ersatzdroge lange auf sich warten ließ, irgendwie ganz okay ist aber eben auch nicht der erhoffte Knaller.
Die neue der New Yorker Fies-Noiserocker COUCH SLUT konnte ebenfalls irgendwie nicht so ganz halten, was der  Vorgänger mal versprach.
TAU CROSS‘ „Pillar Of Fire“ fand ich ja ehrlich gesagt (leider!) auch gar nicht sooo spannend, wie es von einigen Seiten gemacht wurde.
Dann tauchte eine obskure Band namens BOOT BUTTOM auf und wusste mit gesammelten Poberaumaufnahmen in zwei Akten zu verzücken, die was LoFi-No-Wave-/ Industrial-Doom-mäßiges hatten, um mit dem ersten regulären Album dann aber eben leider nicht die nötige Schüppe draufzulegen.
Und wie glättestens-langweilig ist eigentlich die aktuelle PALLBEARER?
Überhaupt war bei mir spürbar, dass wir gerad‘ irgendwie übern Peak Doom/ Stoner/ Sludge sind, denn auch wenn aus derartigen Stilgefilden nach wie vor viel passables kam, hielt es sich mit so richtig begeisterndem dann ja doch eher in Grenzen.

Großes Reizthema 2017 außerdem weiterhin: Vinylpreispolitik. Was für Kurse einige Label/ Bands so aufrufen, nun ja… Da fällt einem hier und da auch mal nicht mehr viel zu ein.

Nichtsdestotrotz: Dieses Jahr erschien von Experimentalgesäusel über straighte Rockmusik bis zu Geballer ja doch das eine oder andere Album, das man ruhig mal hervorheben kann. Was ich im Laufe der nächsten Tage/ Wochen vielleicht tatsächlich mal tun werde.

Mittwoch, 29. November 2017

Dieser Tage raus (KW48)

An Musikneuerscheinungen, die ich auf dem Radar habe, ist’s vor allem mal eine auffällig elektronische und unmetallische Woche…

AZAR SWAN - Savage Exile
Schon interessant, dass man im vermeintlich etwas hipsterigen Teil der Metal-Szene mehr und mehr dazu übergegangen ist auch Musik – Achtung, schlimmes neudenglisch – zu embracen, die von Post-Punk bis Industrial-Noise mehr oder minder eher der Gothic-Ecke zuzurechnen ist. Etwas, das in solchen zuletzt sehr auf Stoner-Sound fixierten Kreisen lange Zeit eher als uncool galt, aber spätestens seit Beastmilk und co. eben nicht mehr, gruftige Pop-KünstlerInnen wie Zola Jesus sind bis in Metal-Kreise vorgedrungen und auch Stile wie Industrial-Rock erleben gerade ein Comeback…
AZAR SWAN sind eine Duoforamtion aus New York, die in Richtung dunkler Synth-Pop neigt, und deren neues Album via [aufnahme + wiedergabe] sich dabei ersten Kritikerstimmen zufolge in eine Richtung entwickeln soll, die nicht unbedingt immer die direkt zugänglichste ist. Und Übersee hat's tatsächlich auch schon die Metal-Blogosphäre aufgegriffen.
Songs von "Savage Exile" kann man auf dem Soundcloud-Profil der Band hören: soundcloud.com/azarswan

CHOKE CHAINS – Android Sex Worker
Fuzzy-noisey Rock’n’Roll: Das Los Angeles Label Hound Gawd! Records veröffentlicht dieser Tage das neue Album der CHOKE CHAINS, einer Band um Thomas Jackson Potter of Dirtbombs Fame auf den Spuren von Hawkwind und Chrome!
Bandcamp-Seiten, auf denen man zwar Merch bestellen, aber keine Musik hören kann sind allerdings ein Konzept, das sich mir nicht so ganz erschließt.


CROOKED FACE - Shroud 
Ein Typ für Power-Electronis/ Harsh-Noise/ Dark Ambient/ Spezial-Techno und Industrial bin ich ja nur teilweise (wenn auch in letzter Zeit mal wieder immer öfter). Deswegen weiß ich über CROOKED FACE gerade auch nicht viel mehr außer, dass ich sich hierbei um ein derart geartetes Projekt handelt, welches über ein Label erscheint, das sich neben Death/ Black Metal und Drone-Kram (u.a. Chaos Echoes, Death Fetishist, Krieg, Locrian, Yellow Eyes) auch scheinbar immer mehr in so eine Richtung ausstreckt.
Der semimysteriöse Label-Betreiber selbst z.B. hat diese Woche außerdem mit „Grant Eternal Joy“ unter dem Namen Komm Herre Gott ein eigenes elektromusikalisches Machwerk am Start.



DJ SKULL VOMIT - Deadly Observation
DJ Skull Vomit alias Singaya alias Tony Welter, auch Teil des Electro-Grind-Duos Eustachian, hat sich bei dieser EP auf Prspct Rvlt für seinen Punk- und Metal-beeinflussten Breakcore Unterstützung von jeweiligen Gastmusikern aus sowohl der elektronischen als auch gitarrenmusikalischen Ecke geholt. Darunter u.a. Justin Pearson (The Locust, Retox, Dead Cross), die Einmann-Black-Metal-Band Mare Cognitum, Sänger Steve Grimmett (Grim Reaper, Onslaught) und Green Jelly (kein Scheiß, genau die gibt’s immer noch). Phew…


HACKEDEPICCIOTTO - Menetekel
Einstürzende Neubauten’s Alexander Hacke und seine Ehefrau Danielle de Picciotto sind ja auch als jeweilige Solokünstler, in weitere Richtungen offene Kollaborateure, wie mit gemeinsamen Projekten sehr umtriebig. Einiges davon ist manchmal gar nicht so weit von den Neubauten entfernt, anderes wagt sich aber auch schon mal weiter davon weg.
Ihr neustes Kollektiverzeugnis ist „Menetekel“. Ein Album, das von aktuellem Zeitgeschehen wie von persönlichen Befindlichkeiten beeinflusst ist und thematisch wie musikstilistisch genauso die düsteren wie die schönen Dinge hervorheben soll, lautere Töne genauso wie ruhigere anschlägt.




INTERCOURSE - I Honestly Don't Care When Or How I Die Anymore 
Die sich selbst auch als “Outsider-Hardcore”-Band sehenden INTERCOURSE haben spontan zwei Songaufnahmen rausgehauen, deren ursprünglich angedachten Compilation-Veröffentlichungen dann nicht passierten.
Andere packen die mit Derb-Noiserockern wie Grizzlor verbandelte Truppe aus Connecticut ja wiederum eher in die Schublade eingenwilligerer Grinder wie Nosebleed. So oder so...


JK FLESH - Exit Stance
Das 2012er Album „Posthuman“ von JK FLESH war seinerzeit ja mal sowas wie ‘ne ganz coole Godflesh-Ersatzdroge. Es folgte eine Split mit Prurient auf Hydrahead, auf der sich das Ganze dann eher
noch mal weiter Richtung IDM/ Breakcore verschob.
Nun gibt es Godflesh
selbst ja inzwischen wieder und Justin Broadrick veröffentlicht unter seinem JK FLESH Soloprojekt in erster Linie reine Beat-Rummserein, die auch gerne mal völlig ungeniert in die Richtung von (Dub-/ Industrial-)Technomusik nach Four-to-the-Floor-Schema gehen.
Diese Woche ist die neue EP „Exit Stance“ über das Label Downwards raus.



LITANY FOR THE WHALE - Mara
Eigentlich ein Nachzügler vom vergangenen Freitag, fand ich von der Liste an abgecheckten Nachzüglern in der allgemeinen Veröffentlichungsflut der letzten Zeit diese EP von LITANY FOR THE WHALE immerhin so interessant, dass ich sie doch auch mal noch erwähnen wollte.
Man könnte die wohl auch schon zehn Jahre aktive Truppe aus Santa Rosa, Kalifornien am ehesten in die Post-Hardcore-/ Screamo-Eckle stecken - dass sie in dieser aber sowohl breitbeinig mit gewisser Metal-Kante stehen, als auch stilistisch noch weite Sachen ausprobieren anstatt die ganze Zeit nur auf dem gleichen Gelärme rumzureiten, das macht die Sache irgendwie sympathisch.


PRURIENT - Rainbow Mirror
Apropos PRURIENT:
Auch hier sind wir noch mal beim Thema Power-Electronis/ Harsh-Noise/ Dark Ambient/ Avantgarde-Industrial-Techno oder wie auch immer man das nennen möchte.
Die 2015er Doppel-CD bzw. Dreier-LP „Frozen Niagara Falls“ fand ich ja eigentlich ganz cool, habe aber zugegeben wirklich nur selten die Zeit und Muße mir ein derart geartetes Mammutwerk eineinhalb Stunden lang reinzufahren.
"Rainbow Mirror" setzt dem noch mehr als einen drauf, denn hierbei handelt es sich um eine 4 CDs (via Profound Lore) bzw. 7 LPs (!!! – über das eigene Label Hospital Productions) umfassende Veröffentlichung.
Alter Vatter…


RMFTM - Subversive III: De Spelende Men
Die neuerdings abgekürzten Radar Men From The Moon aus Eindhoven legen ihr neues Album via Fuzz Club Records vor.
Ob die Anleihen von „Cold Industrial Techno“, an denen sich die Psych-Rocker darauf ausprobieren der grandiosen Kooperation mit Gnod geschuldet sind, die ja ebenfalls etwas kühl-maschinell ausfiel – keine Ahnung. Dass sich ein Teil des Gitarrenmusik-Undergrounds derzeit allerdings dann doch mal wieder in so eine Richtung entwickelt anstatt nur irgendwelchen vermeintlich warmen Retro-Schnarch wiederzukäuen oder auf den ausgelutschtesten Stonerfuzz-Pfaden zu wandern begrüße ich persönlich allerdings sehr…



Und sonst noch?

Eine neue 2-Song-EP in digitaler und 7“-Form von GEWALT, die sich weiterhin weigern ein Langspielalbum zu machen, gibt’s auch noch: gewalt.bandcamp.com
Außerdem inkl. Livesession-Videoclip:



Doch noch etwas Black Metal? Vendetta haben gerade eine Split von ULTHA und PARAMNESIA als Tape, auf Vinyl und digital am Start:


Auf dem derzeit seeehr aktiven Label Art Of Catharsis ist auch schon wieder einiges los. Ins jazzige driftende Experimentalrocker (The Physics House Band) haut man dabei genauso raus wie eine Split ganz derber Krachmaten (Siberian Hell Sounds / Convulsing).

Dienstag, 28. November 2017

Wölfe im Bahnhof, Aluk Todolo…

Ich muss gestehen, dass ich mich zu WOLVES IN THE THRONE ROOM für sich vielleicht nicht mal zum Bochumer Bahnhof Langendreer geschleppt hätte, Montags in einem bei mir auch ansonsten schon mit diesem und jenem recht vollgepackten Zeitraum. Aber da auch die Vorband bestach, wollte ich dann doch...
 
ALUK TODOLO – die tatsächlich pünktlichst um acht die Bühne betraten - sind nämlich das, was ungefähr dabei rauskommt, wenn Typen mit eigentlich sehr düstermetallischem Background (man sieht es ihnen halt echt an…) auf Pfaden von King Crimson, Magma und Krautrock wandeln. Es hat ferner auch schon schwer was von Caspar Brötzmann Massaker, wie die Rhyhtm Section unentwegt pumpt und der Gitarrist wie in seiner eigenen Welt gefangen agiert.
Dass ich die Band nie live gesehen habe, als ihr 2012er Magnum Opus „Occult Rock“ aktuell war, bereue ich inzwischen fast ein wenig. Denn an diesem Abend ist das aktuelle reguläre Album „Voix“ im Fokus. Jenes ist einen ganzen Tick dichter und sperriger, die Schlagzeugarbeit noch verfriemelter und wilder, das Ganze ist irgendwie von einer gewissen Komplexität und doch einer hypnotisch-repetitiven Monotonie.
Der Gitarrist ist, da sind wir wieder beim Thema „Metaller“, ja schon irgendwie so ein bisschen ein Poser, wenn er zwischendurch nicht mal mehr Gitarre sondern einfach nur noch Effektboard spielt und zwischenzeitlich gar einfach nur der runterhängenden und irgendwie mit dem Gitarrenausgangssignal gekoppelten Glühbirne huldigt…
Nun ja, kann man auch albern finden. 

Trotzdem war‘s 45 Minuten musikalischer Wahnsinn, der eben auch einfach mal was anderes war und ich fühlte mich über die gesamte Spielzeit bestens unterhalten.

Die Umbaupause danach dauerte ein bisschen länger und es ist interessant, dass das Publikum von WOLVES IN THE THRONE ROOM, die vor zehn Jahren mal sowas wie ein Hipster-Geheimtipp waren, inzwischen vor allem auch um viele „Normal-Metaller“, Black-Metal-Szenebarbies und vereinzelte Leute erweitert hat, die ansonsten gar nicht mal sooo viel mit Metal am Hut haben.
Die Band selbst tritt derzeit mit insgesamt drei Gitarren und Keyboarderin auf. Der Bass kommt mal wieder metaphysisch irgendwie aus der Peripherie gedröhnt (ist das so ein Subbass-Pedal?) und drängt dabei manchmal schon etwas zu sehr in den Sound-Vordergrund.
Auf der Setlist ist dabei mit ‘Dea Artio‘/ ‘Vastness and Sorrow‘ und ‘I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots‘ mal wieder das Kernmaterial des somit fast komplett gespielten „Two Hunters“-Albums von 2007, das wohl irgendwie auch das essenziellste Album von WITTR ist und bleiben wird. Da will ich mich nicht beschweren, denn genau das woltle ich hören, trotzdem sagt es auch was aus, wenn die Band ansonsten je einen Zehnminüter vom aktuellen Album und vom 2011er „Celestial Lineage“ spielt, während „Two Hunters“ tatsächlich den Gig-Schwerpunkt ausmacht und das seltsame, Tangerine-Deam-/ Vangelis-mäßige „Celestite“ – zu dem die Band fast als sowas wie semi-aufgelöst galt und mit Metal laut eigener Aussage durch war – heute kaum noch Erwähnung findet.
Auch da kann man von halten was man will, es wäre halt rummäkeln auf hohem Niveau, denn der etwas mehr als einstündige Auftritt von WOLVES IN THE THRONE ROOM war ansonsten ziemlich stark.