Mittwoch, 30. November 2016

Adventskalender

Da ich mich mit Jahres-Highlights-Listen u.ä. ein bisschen schwer tue, habe ich mir für den Jahresendspurt etwas anderes überlegt: Den Krach-und-so-Adventskalender.
Es wird ab dem 01.12. einen täglichen Post mit einer Bandcamp-Einbettung oder anderweitigem Stream eines 2016 veröffentlichten Albums (oder EP) geben, das meiner bescheidenen Meinung nach besonders hervorzuheben ist, mit einer je nach Lust und Laune knapperen oder auch ausführlicheren Begründung dazu…

Diese Woche bei Profound Lore raus

Die beiden interessantesten Neuerscheinungen dieser Woche (zumindest auf meinem derzeitigen Radar) kommen über das kanadische Label Profound Lore Records.
Es muss so 2009 gewesen sein, dass sich Profound Lore nach einer bereits mehr als nur vielversprechenden Entwicklung (mit Veröffentlichungen von u.a. Hammers of Misfortune, The Gates of Slumber, Krallice, Nachtmystium, Nadja, Portal, Alcest, ...) endgültig zu einem der interessantesten und wichtigsten Impulsgeber-Labels des aktuellen Metal-Undergrounds mauserten, denn in dem Jahr erschienen dort Altar of Plagues‘ „White Tomb“, Cobalt’s „Gin“ und Yob’s „The Great Cessation“. Drei Alben, die absolut ins Plattenregal eines jeden gehören, der sich als Connaisseur nicht ganz anspruchsloser Krachmusik sehen möchte.
Was ich persönlich an diesem Label ferner besonders mag ist, dass Macher Chris Bruni nicht nur ein Gespür für 1.) schlichtweg gute extreme Bands mit eigener Note und 2.) Sachen, die wenn man so will auf der Schnittstelle zwischen „Trueness“ und „Hipstertum“ (gna) funktionieren (Pallbearer!) hat, sondern – am wichtigsten! - er darüber hinaus auch weiter über Tellerränder blickt, als es mutmaßlich große Teile seiner Hauptzielgruppe tun dürften.
So veröffentlichte er neben vielem an Doom und Black Metal eben auch Alben der Noiserocker Ken Mode und der Instrumental-Lärmer Dysrhythmia, die ruhigere Musik von Amber Asylum und Worm Ouroboros, elektronisches von Prurient und Wife, oder auch den düsteren Alternative-Hip-Hop der legendären Dälek.
Eine, fragt man mich, schlicht und ergreifend wirklich sehr sympathisch geschmackvolle und weitsichte Mixtur.

Kommen wir zu dieser Woche:




ASH BORER - The Irrepassable Gate
Eine Split-Veröffentlichung mit den stilistisch verwandten Fell Voices 2010 und das selbstbetitelte Langspieldebüt ein Jahr später machten ASH BORER direkt zu einer Marke des US-Black-Metal. Sie wuchten den epischen „Cascadian“-Ansatz (bla) in eine noch mal etwas räudigere und fiesere Ecke, was sie eben interessanter und bestechender macht als überschätzte Blackgaze-Lachnummern wie Deafheaven. Allerdings muss ich persönlich zugeben, dass mich ihr zweites Album musikalisch ja nicht gerade sonderlich umgehauen hat.
Auf „The Irrepassable Gate“ scheinen sie nun einen Schritt nach vorne gewagt zu haben, zu… na sagen wir mal mehr Produktion und mehr Komposition. Für die Beantwortung der Frage wie gut mir das dieses mal somit vielleicht doch wieder gefällt werde ich dann wohl allerdings selbst erst mal noch ein paar Testdurchläufe brauchen…




WORM OUROBOROS - What Graceless Dawn
Bei WORM OUROBOROS geht es nicht so ganz ohne Namedropping: Am Schlagzeug sitzt seit einiger Zeit Tausendsassa Aesop Dekker (Vhol, Ludicra, Agalloch, …) und an Bass und geteiltem Gesang finden wir Lorraine Rath vor, die man auch von Amber Asylum und dem doomigen Einalbum-Wunder The Gault (aus denen wiederum die USBM-Vorreiter Weakling hervorgingen) kennt. Letztere veranschaulicht dann auch so ein bisschen die musikalische Marschroute von WORM OUROBOROS, die ich mal als minimalistischen Doom-Rock bezeichnen würde. Eher die Ambient- und Folk-Seiten betonend, als auf metallische Breitwand-Härte setzend.
Das ist dann Musik, die bei mir zugegeben auch nur mal alle Jubeljahre rotiert und nix, was rund um die Uhr laufen würde. Aber einen gewissen Charme kann man WORM OUROBOROS halt eben so wenig wie Amber Asylum absprechen…

Freitag, 25. November 2016

Resterampe 2016 (2)

(- Resterampe 2016 Teil1

Diesjährige Musikveröffentlichen, die um den Release-Zeitpunkt rum durchs Raster fielen oder sowas, aber dennoch mal eine Erwähnung verdient haben, Teil 2.
Und bevor irgendein Schlaumeier damit kommt: Ja, einiges davon ist auch gerade mal diesen Monat raus…


AUTOKRATOR – Obedience To Authority
Ultradüsterer Death Metal mit schwerer Industrial-Schlagseite, surrealen Ambient-Schulterblicken und dann auch noch dystopisch-totalitären Motiven ist etwas, bei dem ich mich (auch als jemand, der damals z.B. „Submit“, „Jagd“, „Embedded“ und „Passage“ gehört hat) 2016 ja so ein bisschen frage, ob ich das Ganze völlig dated oder irgendwie doch schon wieder „retro-chic“ finden möchte. Vielleicht ist sowas im sog. Anthropozän aber auch schlichtweg eine völlig logische Kunstform und eigentlich ist das im konkreten Fall auch schon wieder was, das man in einer Reihe mit etwa Blut aus Nord, Terra Tenebrosa, P.h.o.b.o.s., T.o.m.b. u.ä. sehen kann.
Life (s.u.) finde ich persönlich dann aber doch min. 1-2 ganze Stufen bestechender.  




COKEGOAT – Drugs and Animals
Natürlich ist der Name bereits so herrlich beknackt, dass man es schon deswegen alleine mal anzappen musste.
Mit ihrem teils temporeich fräsenden, teils ins stoner-doomige driftenden Kram samt progressiver Note erinnern mich COKEGOAT aus Chicago ein bisschen an die Kylesa, die ich sehr mochte, bevor sie dann auf den Alben nach „Static Tensions“ immer mehr in die falsche Richtung abbogen…
Macht durchaus Bock, checkt die mal aus!  




HASHSHASHIN - nihsahshsaH
Jaja, “Gesundheit”, höhö. Die Liste an Vergleichsreferenzen, die Anderen schon zu HASHSHASHIN in den Sinn gekommen sind, ist recht bunt.
Die Australier machen instrumentalen Progrock mit psychedelischen, jazzigen und orientalischen Elementen.
Haut mich zwar jetzt auch nicht völlig um, aber wenn es ein mal läuft finde ich es dann doch zu cool, um es auszumachen…


 

JULEE CRUISE + KING DUDE - Sing Each Other's Songs For You
Dieses Gewese, das in einigen Kreisen um KING DUDE gemacht wird, habe ich persönlich ja ehrlich gesagt noch nie sooo ganz verstanden. Dass der Typ seinen Referenzen neben einer Kooperation mit Chelsea Wolfe nun auch noch einen für JULEE CRUISE geschriebenen Song hinzufügen kann, die durch David Lynch’s „Blue Velevet“ und „Twin Peaks“ bekannt ist, das ist dann aber mal natürlich Kult hoch zwölf.
Die B-Seite ist ein Cover von eben jener, das er selbst singt.  




KHEMMIS - Hunted
In einigen Kreisen gelten KHEMMIS als der ganz, ganz heiße neue Scheiß an zeitgenössischem Echtmetall bzw. Doom. Das Decibel Magazin ernannte „Hunted“ gar kürzlich schon zum Album des Jahres.
Ich persönlich würde mir ihre beiden bisherigen Alben ja allein schon ins Regal stellen, weil ich diese cheesy Old School Fantasy-Romancover-Artworks irgendwie ganz geil finde.
Was die Musik betrifft, sind KHEMMIS jetzt echt keine Band, der ich persönlich einen Altar bauen müsste, aber diese Mischung aus groovendem Schwergewichtssound und Predigerklargesang haben sie schon echt sehr, sehr gut drauf: 


 

LIFE – Kill
Der Name könnte es ihnen etwas schwierig machen, allerdings klingt „Kill“ von LIFE - von denen ich bisher nicht mehr weiß, außer dass ihr Label aus Buenos Aires ist – passagenweise immer wieder mal wie eine völlig irrsinnig aus dem Ruder laufende Version von Godflesh.
Und das ist ja schon irgendwie ein bisschen meine Kragenweite. 

Was ein geiler Lärm:



MANTIS - Mantis II
Kann man kurz und knapp abhaken: Nach einer selbstbetitelten EP im März hauen die belgischen MANTIS noch im gleichen Jahr Teil römisch zwei raus.
Geboten wird knalliger Instrumental-Rock, der ganz gut gefällt:




MARTYRDÖD – List
Das Vorgängeralbum und einen Auftritt der Band letztes Jahr fand ich ja insgesamt mehr nur so mittel, aber das ganz frische „List“ gefällt mit seiner Kombination aus Crust-Geballer und Leadgedudel ganz gut. 

Witzige Bolt Thrower Hommage beim Schlusssong im Übrigen. 
Können wir dann jetzt allerdings bitte auch endlich mal wieder was neues von Agrimonia hören?



SPIRITUS MORTIS – The Year Is One
Kann man auch mal eben relativ kurz abhaken: Wenn schon klassisch-zeitloser Doom Metal mit rockiger Kante, dann so wie ihn die altgedienten Finnen von SPIRITUS MORTIS hier auffahren.
Es ist echt nichts auffälliges oder besonderes, aber besser kann man derartiges wohl trotzdem nicht machen. Inwieweit man das mit der o.g. Khemmis wertend vergleichen will, sei jetzt mal jedem selbst überlassen.
Sami Hynninen ist außerdem ein hörbar besserer Sänger als früher (und das sage ich als Fan des bizarren Reverend).




VERBERIS – Vexamen
Aus der interessanten Masse undergroundiger Thrash-/ Death-/ Black-Metal-Rumpelkappelen solcher Label wie NWN, Invictus oder eben Iron Bonehead stachen dieses Jahr vor allem auch VERBERIS heraus. Ich will ja eigentlich nicht schon wieder diesen abgelutschten Voivod-Vergleich auspacken, aber ein Hauch von denen schwingt auf „Vexamen“ mit. 

Extrem-Metal, der jetzt vielleicht auch kein völlig weit rausgehendes Hexenwerk ist, dafür aber mit speziellerer Düster-Atmosphäre, interessanten Songarrangements und der einen oder anderen kleineren Schrägheit zu verzücken weiß:
 

Bölzer - Hero

Heute raus: Das BÖLZER-Album „Hero“!


Eigentlich wollte ich dazu gar keine längere Abhandlung fabrizieren, dann wiederum gibt es aber doch min. fünf Gründe, das mal zu tun:

01.) Die Vorgeschichte: Von Extremmetall-Lifestylern bis zu Hipster-Musiknerds waren viele sehr gespannt auf dieses Langspieldebüt. Die 2013er EP „Aura“ schlug allgemein bombig ein, die Band gab live eine Superfigur ab, die Nachfolge EP „Soma“ hielt allerdings nur solide das Niveau, ohne ferner umzuhauen. 


02.) Schon im Vorfeld war zu diesem Album auch schon einiges an Kritik und Ablehnung zu lesen. Allerdings von Seiten aus, bei denen ich persönlich sagen muss: Wenn Typen, die sich echt jeden unterklassigen Unrat an 08/15-Death- und/ oder Black-Metal reinziehen, ‘ne Band angehen, weil sie weiter aus generischen Standardstilmustern ausbricht, macht mir das diese Band erst mal eher noch sympathischer. 


03.) Ja, das mit den Vocals auf „Hero“ ist so eine Sache. Gerade bei Extrem-Metal, welcher genauen Unterschublade auch immer, ist das mit Wechselspielen aus Röchelkeif- und Jammergesang manchmal schwierig. Aus diesem Grund tue ich mich selbst durchaus auch mit aktuelleren Ahab und dem einen oder anderen von Enslaved manchmal doch etwas schwer. Warum ich es hier trotzdem gut finde: Es kommt authentisch, auch weil leicht dilettantisch und neben der Spur daher, und eben nicht bewusst auf zugänglich schielend, oder artsyfartsy, oder sonst irgendwie aufgesetzt. Es passt zu den Songs, und die Songs sind gut und bleiben echt hängen. Was die Hauptsache an Musik ist.
 

04.) Dieses stilistische Neuland macht aus „Hero“ tatsächlich ein sehr interessantes und hörenswertes Undergound-Metal-Album. „Aura“/ „Soma“ Revisited als Abendfüller hätte ich persönlich sowieso nicht so unbedingt gebraucht, weswegen mir dieser frische und unerwartete Ansatz gut reingeht.
 

05.) Natürlich kann man nie wissen, wo beim Schweizer Duo die Reise zukünftig hingehen wird. Vielleicht rümpfe ich ja beim nächsten Album selbst ja auch schon die Nase, weil sie wie Primordial werden oder sowas. Ändert dann aber auch alles nix daran, dass „Hero“ auf dem weitestgehend vermeintlich truem Metal-Sektor eines der allerbesten Alben des Jahres ist.

Mittwoch, 23. November 2016

Mortuus Umbra

In aller Kürze: Da die eigentlich angedachte Location (Junkyard) irgendwie doch noch nicht richtig fertig und städtisch abgenommen ist, hielt gestern der Dortmunder Plattenladen BlackPlastic dafür her, der israelischen Black-Metal-Band MORTUUS UMBRA eine Bühne zu bieten.
Wobei „Bühne“ etwas übertrieben ist, man hatte die Band in dem kleinen Lokal nämlich buchstäblich direkt vor der Nase...

 

Summa summarum war's Black Metal, wie ich ihn mag: Atmosphärisch, aber schon mit gewissen Ecken und Kanten, außerdem ganz guter Drummer.
Kann man echt machen:


Donnerstag, 17. November 2016

Black-Metal-Friday

Diese Woche sind gleich drei mehr oder minder beachtenswerte Black Metal Veröffentlichungen raus:

ANTAEUS – Condemnation
Eigentlich bin ich ja von Musik, die in erster Linie ballert, meinem trotz Alkoholmissbrauchsspuren schnell mal unterforderten Hirn aber nichts darüber hinaus zu bieten hat, schnell mal ein bisschen gelangweilt. Das letzte ANTAEUS-Album „Blood Libels“, das bereits zehn Jahre alt ist, gefiel mir mit seinem rohen Geschredder dann aber doch so gut, dass ich nicht uninteressant finde mir mal anzuhören, wo die Franzosen auf „Condemnation“ inzwischen stehen. Nun ja: Natürlich immer noch genau da - man klirrt räudig nach vorne. So und nicht anders geht Black Metal? Vielleicht. Der Drumsound hätte für meinen Geschmack allerdings etwas knalliger sein können…




CULTES DES GHOULES - Coven, or Evil Ways Instead of Love
Wenn eine Band von ehemaligen Mitmusikern, die selbst gerne mal die finster-bösen Jungs markieren, als „abgefuckte Spinner“ bezeichnet wird, dann muss was dran sein.
Die Musik allein von CULTES DES GHOULES hat jedenfalls nach wie vor eine derart abweisende, dreckige, kaputte Qualität, dass man’s gerne glaubt.
Verglichen mit ihren meiner Meinung nach ja leicht überbewerten Landsleuten Mgla - die mir persönlich für Black Metal einfach eine ganze Spur zu sauber, geordnet und melodiös klingen - ist das jedenfalls ein ganz anderes Kaliber.
Auf CD ist das Teil diese Woche raus, Vinyl folgt im Februar:



 

ULTHA – Converging Sins
Recht überraschend wurde diese Woche mal eben die neue ULTHA ohne große Vorankündigung rausgehauen. Zumindest via Bandcamp und als CD, die LP wird im Dezember folgen.
Persönlich finde ich ja, dass „Pain Cleanses Every Doubt“ im Direktvergleich dann ja doch den etwas brutaleren, roheren, umreißenderen Sound und bestechenderen Sog hatte, aber dafür ist das im eigenen Proberaum produzierte und mit einem Gastbeitrag von Rachel A. Davies (Esben and the Witch) garnierte „Converging Sins“ ein noch epischeres und weitere Wege beschreitendes Album mit unglaublich dichter Atmosphäre und interessanten Arrangements:  


Mittwoch, 16. November 2016

Suma und so (Berlinwochenende)

When in Hauptstadt…: Kommen wir ohne großen Vorreden dahin, dass ich vergangenen Samstagabend im Berliner Cassiopeia einkehrte, in dem SUMA aufspielten.


An anderer Stelle hatte ich es schon mal skizziert, analysiere aber auch gerne noch mal, was ich an SUMA besonders schätze: Andere Bands entwickeln sich häufig von kruderen Anfängen zu was gefälligerem weiter. Bei den Schweden war es bisher irgendwie genau umgekehrt, denn während ihr selbstbetiteltes Debüt noch als recht allgemeinverträglicher Stoner Rock (der durchaus etwas kräftigeren Sorte) durchging, sind sie inzwischen ein ziemlich eigenes Sludge-Metal-Monster mit Drone-Doom- und Noiserock-Schlagseiten. Geflügelte Stichworte, ja, aber sie sind ziemlich eigen.

Als Vorband standen ZAUM auf dem Programm. Und das kanadische Duo wusste mit seinem Orient-Stoner-Doom gut aufzuwärmen. Keine Offenbarung, aber dass sowohl Bühnenbild als auch Sound etwas arg vernebelt anmuteten passte ganz gut zu den verkifften Vibes ihrer Musik.

Dann SUMA. Auch wenn deren neues Album „The Order Of Things“ nicht so ganz meinen hohen Erwartungen gerecht wurde, hatte ich live dennoch großes erwartet. Und bekam es! Meine Fresse, was sind SUMA live tatsächlich für eine Macht! Allen voran der wahnsinnig-kraftvoll peitschende Drummer. Daneben könnte der Basser und Shouter glatt sowas wie eine jüngere Ausgabe von Neurosis‘ Scott Kelly sein.
Zwei mal wurde die Band vom Publikum für Zugaben zurückgepfiffen und zum Schluss gabs dann auch den monstermäßig riffenden Groove-Killer „Hypno Assassin“.
SUMA sammuram (hähä): War megageil! Verpasst die auf keinen Fall, wenn die kommendes Frühjahr am und ums Roadburn rum wiederkommen!
Ansonsten: Wat ein lahmes Thekenpersonal.

 

Am Folgeabend landete ich dann außerdem noch im SO 36, vornehmlich um mir CROWBAR mit zurückgekehrtem Ur-Basser Sex T. zu geben.
Zur Feier des Tages gab’s „All I Had I Gave“ gleich als Opener. Ganze Gig wie üblich ‘ne, äh, fette Sache.
Man munkelt zwar, dass Bandleader Kirk Windstein nicht gerade jemand ist, mit dem man hinter den Kulissen über tagesaktuelle Politthemen o.ä. reden möchte, aber solange er öffentlich vor allem so herrlich „When Planets Collide“ röhrt geht das für mich in Ordnung.
Danach gab’s dann im Übrigen auch noch OVERKILL. Wie immer ‘ne absolute Bank, auch after all those years, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin aber auch nicht sooooooo sehr mein Ding.
Der Publikums-Kontrast der beiden Abende war ferner ebenfalls nicht uninteressant. So viele unironische Old-School-Vokuhila -Schnauzbart-Typen sieht man nicht mal auf ‘nem Pott-Konzert von dem Kaliber…


Donnerstag, 10. November 2016

Resterampe 2016 (1)

Sachen, in die ich mir eigentlich noch etwas ausführlicher reinzuhören (oder es sogar schon getan) und dann drüber zu bloggen vorgenommen hatte, was dann aber – aus welchen Gründen auch immer - doch erst mal durchs Raster fiel, kommen immer wieder mal vor.
Da aufgeschoben aber bekanntlich nicht aufgehoben ist - hier eine lose Auflistung musikbezogener Dinge, die auch noch irgendwie vom Notizzettel gestrichen werden mussten … (to be continued):

# THE DORF feat. CASPAR BRÖTZMANN + FM EINHEIT
Ich hatte davon berichtet im Dortmunder Domicil gewesen zu sein, als die dortige Hausband THE DORF (ebenfalls Stammgäste bei Jazzfestival Moers) zusammen mit CASPAR BRÖTZMANN und FM EINHEIT of Neubauten-Fame auftrat.
Von der entsprechenden Mini-Tour (neben dem Domicil fand das Ganze auch noch im Kölner Stadtgarten und dem Duisburger Grammtikoff statt) gibt es Live-Aufnahmen, die auf der CD „eviL“ (Bandcamp: thedorf.bandcamp.com/album/evil) und der 180g-Schallplatte „evyL“ veröffentlicht wurden.
(In diesem Rahmen entstand übrigens auch folgendes Interview:
tinyurl.com/zcyrrdp)
Das Ganze ist ein interessantes Beispiel dafür, was Jazz auch noch so alles sein kann und besonders „evyL“ ist mit seinen Interpretationen von Beethoven und Brötzmann‘s „Massacker“ ganz geil:




# BUZZ RODEO
„The BaWü Noiserock X-Files“, zum ersten: Der Name BUZZ RODEO blitzte dieses Jahr andauernd im Internet vor meiner Nase auf, aber es gab irgendwie immer wieder zu viel anderes, das mich davon abhielt, mal reinzuhören. Ich habe dieses Versäumnis dann jetzt mal nachgeholt.
Mit dem Ergebnis, dass „Sports“ ganz cool nach vorne rockende Musik mit herrlichen Dissonanzen enthält, die sich Freunde vom AmRep, Albini u.ä. mal zu Gemüte führen sollten:




# YASS
„The BaWü Noiserock X-Files“, zum zweiten: YASS sind ein Nebenprojekt der beiden Schwarzwälder Indie-Urgesteine TEN VOLT SHOCK und KURT. Bands, die abgesehen von vereinzelten zufälligen Live-Begegnungen zwar immer so ein bisschen an mir vorbei stattfanden, denen aber durchaus Respekt gebührt.
Bei YASS wurden nun Synthies ausgepackt, um einen Hauch von Elektro-Punk wehen zu lassen, und das kommt gar nicht so schlecht:




# PROTESTSTORM
Kurz und schmerzvoll: NASUM-Drummer Anders hat eine neue HC-/Crust-Band.
(Leider nur) Ausschnitte der Debüt-EP gibt’s (natürlich) bei Bandcamp:




# TERRIBLE AS THE DAWN
Eine Duoformation aus Portland mit schreiender Gitarristin, die sich eher von der Post-Hardcore-/ Indie-/ Emo-/ Shoegaze-Seite einem Post-Metal-Stil nähert, der dabei selbst nicht vor Grindcore-Anleihen und Dissonant-Riffing Halt macht.
Ziemlich sympathisch! Für Fans von Circle Takes The Square u.ä.:




# VODUN
So ein kleiner Hype sind VODUN ja schon irgendwie. Das Londoner Trio ist optisch ungewöhnlich, ihr Heavy-Psych-Rock (gna) hat ferner Afro-/ Soul-Elemente und setzt sich mit dem Voodoo-Image dann irgendwo zwischen Goat, Gossip und den ganzen Blues Pills/ Horisont/ Kadavar/ etc.-Kram.
Warum ihr eigentlich schon im Frühjahr veröffentlichter Longplayer „Possession“ dabei trotzdem erst im Herbst via Bandcamp und co auf meinem Radar auftauchte, das ist dann aber wohl auch so eine Frage.
Eigentlich ja nicht soooo ganz mein Style, aber die exotische Anziehungskraft der Band lässt selbst mich nicht ganz kalt, auch wenn das Album fast schon etwas zu „produziert“ klingt:




# THIS WILL DESTROY YOU
Die “Young Mountain” EP von TWDY ist ja vielleicht sogar sowas wie das Postrock-(Mini-)Album der Nuller-Jahre.
Dieser Tage erschien (CD, digital) bzw. erscheint noch (Vinyl) eine Jubiläums-Edition davon (10 Jahre ist der Label-Release alt, die ursprüngliche DIY- Veröffentlichung dabei aber eigentlich schon 11), die immerhin durch einen zuvor unveröffentlichten Track legitimiert wird, denn eigentlich gab es von dem Teil bei Magic Bullet Records über die letzten Jahre immer wieder regelmäßige Nachpressungen…
Aber wie dem auch sei, ich mag’s ja seit eh und je, vor allem wie sich „There Are Some Remedies Worse Than The Disease“ am Ende hochschaukelt:



Dienstag, 8. November 2016

Konzertmarathon

Freitag 04.11. - „LeafMeal Warm Up“
Eigentlich wollte ich an diesem Abend zu Wiegedood, Blckwvs und [bolt] in Essen, was allerdings abgesagt wurde. Also schon mal gleich ins LeafMeal-Feeling starten und sich in unmittelbarer Nähe des Dortmunder U zunächst den Hardrock von CHEROKEE im Blackplastic und dann noch im Tapir den Stoner-Doom der Jungspunde MOTOROWL und eine Unplugged-Show von HEXVESSEL angucken. Die Biere fließen, Buddies am Start, netter Abend…

Samstag 05.11. – LEAFMEAL (FZW)
Tja, was soll ich sagen. Bitte fragt mich jetzt nicht, warum ich weder bei Boss Hog in Köln, noch bei John Carpenter in Oberhausen war, sondern dann doch lieber auf das buchstäblich vor der eigenen Haustür stattfindende Mini-Wacken gegangen bin, für das mein freier Eintritt und VOIVOD sprachen...
VOIVOD sind halt eine meiner absoluten Lieblingsbands (mit der ich – dicke Hose an - im Übrigen auch schon mal selbst die Bühne geteilt habe) und sie mit vielen Freunden und Bekannten zusammen nur zehn Fußminuten vom eigenen Sofa entfernt sehen zu können, da sprach dann halt auch einiges für…
Los ging‘s allerdings erst mal schon früh um 14:30 erst mal mit dem deutsch-australischen Duo POWDER FOR PIGEONS, die ich nach Freak Valley und Dortmunder Hafensparziergang schon zum dritten mal dieses Jahr sah und die mit ihrem knackig-harten Stoner Rock nach wie vor Spaß machten. Spitzenliveband, immer wieder gern!

 

Auf der großen Hauptbühne geht’s mit den niederländischen GINGERPIG weiter, die okay sind, mir aber doch einen Hauch zu sehr „Musik, die der Progrock-Opa im Wohnzimmer goutiert“ als etwas, das mich live umhaut.
Zu ALBEZ DUZ sage ich jetzt mal: Don’t believe the hype! Keine Ahnung, wie die Berliner auf Konserve so sind, aber bei dieser Livebegegnung verkörpern sie für mich alles, was ich an dieser Art von Metal, die vermeintlich trver than you ist, mitunter auch so verachten kann. Die optische Erscheinung und Posing passen halt in die richtigen Klischeeschubladen und die Band gebärt sich bereits wie’n Co-Headliner, aber was der eitle Sänger da stimmlich so abliefert wird dem eigentlich nicht wirklich gerecht. Ne, lasst mal.
Auf die VILLAGERS OF IONNINA CITY war ich sehr gespannt, da einige Bekannte bereits eine hohe Meinung von ihnen haben. Die Griechen machen sowas wie kräftigeren Stoner-/ Psychedelic Rock mit langen Instrumental-Passagen, der mit Folk-Elementen durch Einsatz von Klarinette (!) und Dudelsack (!!) garniert wird. Nicht wirklich schlecht, aber mit dem ganzen Leiertröt-Gedudel auch nicht so wirklich meins.
SAHG auf der Clubbühne – auch so ein „kann man machen, muss aber nicht unbedingt“-Ding.
SECRETS OF THE MOON wiederum finde ich grundsätzlich zwar gar nicht mal sooo schlecht, aber so einen ganzen Gig der immer mehr vom harten weg ins atmosphärische driftenden Band in so einem Rahmen durchzustehen ist auch so eine Sache. Ach, ich weiß nicht, eigentlich hinterlässt mich diese Band seit eh und je so ambivalent.
Während KETZER, der nächsten Klischeeposertruppe, gehe ich dann sogar lieber mal schon eben mal die limitierte Voivod / Entombed A.D. Splitsingle kaufen und nach Hause bringen. Wie gesagt, da bin ich halt echt Fanboy.

 

Und dann ist es auch soweit: VOIVOD! Und jo, wenn ich wollte, könnte ich hier was an der teilweise schon etwas standardisierten Setlist mäkeln und daran, dass Dan Mongrain’s Performance an diesem Tag einen Hauch nachlässig (Gitarre) und drüber (Gesicht und Gehampel) scheint, aber bei VOIVOD bin ich halt trotzdem recht voreigenommen und finde sie in ihrer aktuellen Inkarnation so brauchbar, dass ich mir auch an diesem Abend mal wieder einen Ast über „Killing Technology“, „Tribal Convictions“, „The Prow“, „Post-Society“ oder das obligatorisch abschließende Floyd-Cover freue.
 

Um die Hochstimmung ein bisschen beizubehalten geht’s direkt zur Clubbühne, wo LORD DYING aufspielen. Jene sind zwar sowas wie High On Fire Light, machen für 3-4 ihrer rock’n’rolligen Songs mit 1-2 Bier im Kopp aber Laune. 

Bei ENTOMBED A.D. und ihrer von Fans im Internet gewählten Setlist kriege ich dann aber leider auf ein mal zu viel. L.G. Petrov ist zwar ein supersympathischer Typ, aber wie der Sangesklops da oben seinen Bierbauch über die Bühne schleppt und Bier gurgelnd sein schütteres Langhaar schüttelt, während seine Begleitband geliebte Kracher wie „Eyemaster“ und „Say In In Slugs“ (worüber meine Freude eigentlich sehr groß war) runterrödelt, dabei aber tatsächlich eher so ‘n bisschen nach ‘ner Coverband als authentisch klingt – irgendwie habe ich da auf ein mal keinen Bock mehr. 
 
Als Finale kamen dann noch AVATARIUM. Ganz gute Band, aber nach bereits neun Stunden (!) Action reichte es dann auch mal, und so ging ich nach zwei Songs nach Hause. 
Wäre ich doch mal zu Carpenter oder Boss Hog gegangen? You decide.

 Bevor wir uns missverstehen: Ich will das LEAFMEAL gar nicht schmälern, das ist echt 'ne sehr nette Veranstaltung, aber nach dieser Heavy Metal Overdose brauchte zum Kulturschock schmälernd in die nächste Alltagswoche kommen was für den anderen Mundgeschmack…

Sonntag 06.11. DIE NERVEN & Support (FZW)
…und so fand ich mich als Sonntagabendunterhaltung gleich wieder im Dortmunder FZW ein.
An DIE NERVEN habe ich ein gewisses Interesse, seit sie vor zwei Jahren als deutschsprachige Band auf AmRep’s "Dope, Guns 'n Fucking In The Streets #13" Compilation auftauchten, weil hey – wenn das nix is‘, was dann…


 

Man musste allerdings erst mal THE BLUE ANGEL LOUNGE aus Hagen hinter sich bringen, die in Duo-Minimalbesetzung mit Akustikgitarre und Orgel ohne Rhythm Section auftraten, was eher nach Piraten-Folk klang. Auch hier muss ich mal ganz subjektiv sagen, dass mir das nach 2-3 Songs einfach gereicht hat.
Doch DIE NERVEN wussten danach zu packen. Interessant finde ich übrigens, dass sich hierzulande gerade die Ecke Stuttgart/ Karlsruhe zu so ‘ner Art kleinen Noiserock-Zone gemausert hat, aber das ist wohl ein Thema für sich. DIE NERVEN sind aus verschiedenen Gründen eine interessante Band: Es sind etwas komische Typen, aber sie sind dabei eben authentisch. Musik und Texte haben was von der Hamburger Schule und rhythmisch streift man gelegentlich auch immer wieder mal new-waveige Gefilde (muss ncihts schlechtes sein), die Band kriegt aber mit krachig-kräftigen Ausbrüchen, energischem Punk-Gestampfe und dem einen oder anderen Gitarrenriff, das durchaus eher Richtung „Rock in meinem Sinne“ neigt immer wieder den Bogen, eben nicht in dieser Art von nichtssagender Indierock-Soße zu versacken, die nix mit Rock’n’Roll zu tun haben will, wie es so viele andere Bands aus dieser Ecke tun.
Eine Band, die sowohl von der Spex als hochrelevant gehandelt wird, als auch mir gefällt, und dann auch noch die Club-Stage des Dortmunder FZW auf einem Schlechtwetter-Sonntag gut füllt? Ja Mensch, da kann man dann ja fast schon mal die Floskel rausholen, von einem Phänomen zu sprechen, was?
Ich meine es aber tatsächlich ernst: DIE NERVEN sind in der Tat eine ganz schön gute, eigen- und einzigartige Band und bin sehr froh, mich mal zum Reinschnuppern auf das Konzert geschleppt zu haben. Albumkäufe werden beizeiten noch nachgeholt!



Montag 07.11. TORTOISE & WHITE WINE (Bahnof Langendreer)
Das internationale Kulturangebot in der Region nicht wahrzunehmen muss ich mir wohl wirklich nicht vorwerfen lassen, denn trotz Montagsmüdigkeit fuhr ich einen Abend weiter dann auch noch zu TORTOISE nach Bochum-Langendreer rüber.
TORTOISE werden allgemein als Initialzünder des Postrock gehandelt. Inzwischen verstehen Viele unter dieser Stilbezeichnung vor allem Instrumental-Rockmusik mit psychedelischem und/ oder Soundtrack-artig orchestralem Charakter. Das trifft auf TORTOISE nicht zu. Ihre Instrumental-Musik ist ein mit Minimalismus spielender Freistil-Wahnsinn, der sich vor allem Ansätze aus Krautrock, Jazz und experimentellem Prog entleiht.   

 

Die Vorband hieß aber zunächst erst mal WHITE WINE und die waren ganz witzig! Ich weiß allerdings echt nicht, wie ich den teilweise gut scheppernden, sich jedweder Norm-Klassifizierung entziehendem Indierock des Multiinstrumentalisten-Trios beschreiben soll… Aber es war äußerst kurzweilig.
TORTOISE trieben das danach auf die Spitze: Vorn an der Bühne zwei gegenüberstehende Drumkits. Mal sitzt einer an einem, mal sind beide besetzt, keiner der drei auch trommelnden Musiker hat ein festes, sondern sitzt mal an dem und mal an dem.  Wer gerade nicht trommelt, findet sich zwischen dem schon steinalt aussehendem Basser (der auch mal Gitarre spielt) und dem dunkelhäutigen Gitarristen (der auch mal Bass spielt) an irgendwelchen Tasteninstrumenten oder spielt auch schon mal Xylophon.
Über eine Stunde pendelt das Wechselkarussell zwischen jazzigem Gefriemel und krautigem Geplucker, lässt Dub-Anleihen durchblitzen, ist aber irgendwie auch Rock-Band. Es ist sympathisch wie angestrengt einige der in die Jahre kommenden Herren sich am Schlagzeug abmühen, dabei aber eben auch doch souverän knallend treiben. Die Musik bewegt sich oft durch tanzbare Gefilde, hat aber doch auch so einen Hauch von Kunstprofessor-Charakter.
War jedenfalls sehr cool, sich das auch mal live gegeben zu haben! 

 

Freitag, 4. November 2016

Nadja und so

Mal wieder ‘n interessanter Veröffentlichungstag heute: Die neue DEATHSPELL OMEGA, was wegen gewisser Beteiligter gelinde gesagt ein ambivalentes Thema für sich ist, erscheint eigentlich kommenden Dienstag aber ist bei Bandcamp schon längst zu hören, bei Totem Cat ist mal gerade ‘n halbes Jahr nach dem letzten ein neues FISTULA-Abum namens „The Shape Of Punk To Cumm)))“ raus, es gibt ‘ne neue DISHARMONIC ORCHESTRA und außerdem ein Kooperationsalbum der japanischen Krachmacher BORIS + ENDON. Gerade die Torche-Fanatics unter den Stonern sollten außerdem JUNIOR BRUCE auf dem Radar haben.
Ich will mich an dieser Stelle aber mal auf das eine, für mich interessanteste heute konzentrieren:

NADJA - The Stone Is Not Hit By The Sun, Nor Carved With A Knife
Beim Gesamt-Output von Aidan Baker mitzukommen – denn da gibt es Solo-Alben, diverse Kollaborationen und last but not least die durch seine Lebensgefährtin Leah Buckareff komplettierte Hauptband NADJA – ist auch schon eine Aufgabe für sich: Im Frühjahr erschienen von NADJA noch eine Live-Aufnahme und ein ganz cooles Onetrack-Ding, vor nicht allzu langer Zeit außerdem ein jazziges Doppelalbum von Aidan in Zusammenspiel mit Schlagzeuger Tomas Järmyr (Zu), und dann letztens auch noch die Live-Aufnahme einer Impro-Session, die auf einer Hochzeit (!) in Zusammenarbeit mit zwei anderen Drone-Künstlern (N und Dirk Serries) stattfand. Und ich hab‘noch nicht mal wirklich in alles davon reingehört, da kommt schon wieder das nächste NADJA-Album mit dem Titel „The Stone Is Not Hit By The Sun, Nor Carved With A Knife“…


 


Was ich an NADJA mag: Sie haben einen ganz eigenen Sound und Stil, den man direkt erkennen kann, aber sie sind nach wie vor immer noch dabei, ihr eigenes musikalisches Territorium weiter zu erforschen. 
Vergleichbar mit The Angelic Process bauen die kanadischen Wahlberliner als Kernelement dichte, kühle aber dennoch lebendige Soundwände zwischen Stichworten wie Shoegaze, Drone und Doom-Metal auf. Drumcomputer-Rhythmen geben dem Ganzen dann oft auch noch eine behäbig groovende Schwere, die stark an Godflesh erinnert.
Im Laufe der Jahre haben sie das Ganze aber immer wieder anders gewichtet und mit verschiedensten Herangehensweisen experimentiert: Mal liegt das Hauptohrenmerk mehr auf den Ambient-Soundscapes und man neigt auch schon mal stärker in Richtung Postrock, auf einem weiteren Release wiederum mag dann auch schon mal das Metal-Element inkl. böserer Vocals in den Vordergrund rücken. Ein Coveralbum spannte gekonnt und beachtlich homogen den Bogen von A-Ha bis Slayer und das Live-Schlagzeug auf dem 2012er „Dagdrøm“ spielte dann mal eben kein Geringerer als Mac McNeilly von den Noiserock-Titanen The Jesus Lizard.
NAJDA gibt es mal mit und mal ohne Vocals, mal mit und mal ohne Beat-Stützung, mal freier und mal strukturierter, mal positiver und mal düsterer. Auch nur sowas wie einen Kurzabriss zu ihren interessantesten und essenziellsten Veröffentlichungen zu machen würde an dieser Stelle jetzt den Rahmen sprengen, aber vielleicht mache ich das nach weiterer detaillierter Beschäftigung mit ihrem Output zu einem anderen Zeitpunkt mal…
Mit „The Stone Is Not Hit By The Sun, Nor Carved With A Knife” ist heute jedenfalls mal wieder ein weiteres Mosaikstück des musikalischen Schaffens von Baker und Buckareff erschienen und ich habe durchaus Spaß daran, mal wieder in den ganz eigenen Klangkosmos der beiden einzutauchen…

Donnerstag, 3. November 2016

Keitzer, Fistula, Grime, live, Schallplatten, Wochenende, Wahnsinn, …

Vergangenes Wochenende habe ich mal wieder Konzerte besucht und möchte Euch davon erzählen:
 

Am Samstag stand die Record Release Show von KEITZER in der Baracke Münster an.
Aus dem „pünktlich“ im Internet angeschlagenen Beginn von 20:30 wurde dann ein Opener-Soundcheck von 21:30. Nuja…
Die beiden Hardcore-Punk-Rumpelkapellen NAKAM und RAVAGE FIX waren beide okay, aber jetzt auch nicht so mein Ding.
KEITZER keitzten dann zwischen elf und zwölf Uhr Songs ihres neuen Albums „Ascension“ und weitere Knaller wie ‘This Is The Only Solution‘ raus und ich muss es an dieser Stelle noch mal so sagen: Bekanntenbonus hin oder her – mich dieser Tage mit sowas wie schnörkellosem Deathgrind zu begeistern ist gar nicht so einfach, doch das straighte Gerödel von KEITZER zwischen Hyperblasts, Groove und dezent black-metallischen Anleihen hat dieses Quäntchen Eigenständigkeit und das nötige Maß an mitreißender Musikalität, das sie von vielen anderen Ballerröchel-Bands abhebt.  
Der energische Gig war dann auch entsprechend geil!
Und dank dem Stand vom „Institut für mentale Hygiene“ habe ich jetzt auch u.a. Eyehategod’s „Preaching The End-Time Message“ auf Vinyl, aber ein paar Scheine weniger…

 

Sonntag ging‘s dann auch noch in den Kölner Sonic Ballroom, wo FISTULA und GRIME aufspielten.
Letztere fingen pünktlichst um neun an und gefielen! Der Sludge-Metal der Italiener hat eine fiese Black-Metal-Kante und gerade auch das Drumming wusste mit einigen kreativen Ideen und Doublebass-Geboller zu überzeugen. Nicht schlecht!


 

FISTULA aus Ohio existieren schon seit Ende der Neunziger und sind dieser Tage aktiver than ever. Ihre letzte Veröffentlichung ist gerade mal ein halbes Jahr alt, da haben sie ihr presswerkfrisch-neues Album „The Shape Of Doom To Cumm)))“ an diesem Abend schon dabei, noch bevor man im Internet was davon wusste.
Der zwischendurch auch mal Gitarre spielende Corey Bing ist dabei aktuell anscheinend zu den Drums zurückgewechselt und Shouter Dan sieht mit seinen Gesichtstattoos auch aus der Näher irgendwie albern aus, FISTULA sind mit ihrer asozialen Mischung aus Doom-Dröhn und HC-Eruptionen allerdings die einzige Band auf Erden, die so etwas mit ähnlicher Konsequenz hinbekommt wie Eyehategod und durch frühere A.C.-Verflechtung gleich noch mal ein Spur legitimierter.


 

Natürlich ist das kein musikalisches Hexenwerk, aber der punkig nach Selbstzerstörung riechende Lärm des Ami-Quartetts lässt viele andere Sludge-Metal-Nachwuchsbands dann ja doch wie die Chorknaben aussehen, die sie dagegen tatsächlich sind. 
Neue Platte also untern Arm und gut unterhalten zurück nach Hause…