Donnerstag, 31. Oktober 2013

Jucifer, AZ Mülheim

JUCIFER, GALLONS OF MUD
AZ Mülheim, 30.10.2013
 

Beim Roadburn ’12 hatte ich zwar noch erwähnt, dass mir der JUCIFER-Auftritt dort nicht so wirklich zugesagt hatte, da ich allerdings 1.) die Band generell mag, 2.) ihr aktuelles Album dann ja doch mal wieder ziemlich gut finde, und 3.) das AZ Mühlheim für diese Show nur 5 € Eintritt sehen wollte, gab ich dem Ganzen gerne noch mal ‘ne Chance, zumal somit eindeutig mehr dafür sprach als dagegen.
Witzig ist im Übrigen, dass ich im Vorfeld zu meinem mitfahrenden Kumpel die Prognose schrieb: „Auf den FB-Eventseiten steht Einlass 19:00, Beginn 20:30. Haha, ja genau. Ich geh‘ dann mal von Vorband so 21:07, Jucifer 22:30 rum aus….“.

Was soll ich sagen, besagte Vorband fing dann tatsächlich um ca. 21:09 an.
GALLONS OF MUD dudelten, gar nicht mal so dumm, so lange ein bisschen Stonergeplänkel vor sich hin, bis ein paar Leute aus dem Vorraum mit Theke in den Konzertsaal gestolpert waren, und legten dann richtig los. Das Trio bezeichnet sich selbst an irgendeiner Stelle im Netz als „your average Sludge-.Band“ und das kommt auch ganz gut hin: Rock’n’rollig-kerniges Gerödel, das auch schon mal etwas zu sehr an Vorbilder wie Weedeater erinnert. Allerdings muss ich persönlich jetzt mal direkt die ungeschönte Meinung veräußern, den Gesang irgendwie nicht so bringermäßig zu finden.
Außerdem, auch wenn das jetzt etwas erbsenzählerisch rüberkommen mag und ich mir damit bestimmt wieder Feinde mache: Jungs, selbst mit Geduld, Wohlwollen und Großzügigkeit sind 50 Minuten als mehr oder minder „unbeschriebene“ Vorband, gerade auch bei einem Event unter der Woche mit gemächlich angegangener Startzeit, so an die 10 zu viel. Ich gönne Euch ja Euren Spaß, aber man muss auch wissen, wann gut is‘. Der Fairness halber sollte ich dazu aber wohl noch ergänzen, dass 3-4 der Anwesenden tatsächlich total Bock drauf hatten, und gar noch eine Zugabe von den Kölnern einforderten. Nun ja…

JUCIFER waren dann so kurz vor halb elf in den Startlöchern (...). Und was ich im Rahmen dieser Blogseiten schon mehr als nur ein mal geschrieben habe, kann ich auch an dieser Stelle noch mal runterleiern: Das seltsame, vielleicht auch ironische an JUCIFER und mir ist, dass ich Alben wie „I Name You Destroyer“, „If Thine Enemy Hunger“ oder „L'Autrichienne“ vor allem deswegen so schätze, weil JUCIFER auch sowas wie Balladen und Popsongs richtig gut können. Gerade ihre eher etwas poppiger ausgerichteten Alternative Rock-Nummern (a la „Fight Song“, „When She Goes Out“, ) oder gar ruhigeren Songs hätten in den 90ern bei entsprechendem MTV-Airplay totale Hits werden können, während die schrofferen und derberen, teils auch doomigen Sachen daneben das Gesamtpaket als Salz in der Suppe noch schmackhafter machen.
Mit dem, was mich somit eigentlich mal zum Fan des Duos gemacht hat, hatte das, was man live auch an diesem Abend in Mülheim mal wieder geboten bekam, allerdings wirklich überhaupt nichts zu tun. Frontfrau Amber Valentine dreht ihre ganze Wand von kettenverkabelten Verstärkern so weit auf, dass vom bloßen Ohr nur noch als zerstörerische Naturkatastrophe wahrgenommene Riffs zur bebenden Ganzkörpererfahrung werden. Direkt daneben fällt das schon arg lädierte Schlagzeug ihres völlig wahnsinnigen Drummers (und Ehemanns) in großen Schritten weiter auseinander, während dieser ein regelrechtes Aggressionsbewältigungsproblem daran auslebt.
Ein ganze Stunde lang gab es nicht eine Sekunde Stille, sondern eine durchgängig erhaltene Mauer aus dreckigem, tief brummenden, drückendem Gitarrenlärm, während die beiden - dazwischen immer wieder teilimprovisiert – mit Hingabe mal schleppenden Doom, und mal irrwitzigstes Grindgezimmer zelebrierten.
Krasse Erkenntnis: Einen Großteil des Gekeifes gibt dabei inzwischen Schlagzeuger Edgar zum besten, während sich seine Teuerste dazu auch schon mal vor den Amps kniend in ihrem eigenen Soundwall labt. Dass man ihre Vocals wiederum, wenn sie denn mal ins Mikro gegrowlt hat, kaum hören konnte… nun ja, auch das ist AZ Mühlheim, und war in diesem Fall irgendwie egal…

Scheint so, als wäre mein Missfallen beim besagten Roadburn eine tagesformabhängige Sache gewesen (so spät nachts in einen so engen Raum...), denn an diesem Abend hat das Ganze als schon regelrecht sadomasochistisches Grenzerlebnis so viel Spaß gemacht, wie ich ihn tatsächlich schon länger nicht mehr bei einem Konzert hatte.
Nächstes mal gerne wieder, Ihr beiden!



 

Ach ja: Wie kann es eigentlich mal wieder sein, dass bei einer Band, die in der Vergangenheit über die Jahre schon ‘ne Menge wirklich guter Musik auf so namenhaften Labels wie Relapse und Alternative Tentacles veröffentlicht hat, deren Ruf spektakulärer Live-Shows ihr (wie man so schön sagt) vorauseilt, und die als Vollzeitkünstlerpaar auf Tour lebt, bei einem Konzert für sage und schreibe fünf Euro wieder nur ein paar der üblich verdächtigen Gachmacksrocker aufrauchen, die man im Grunde genommen bei jedem dieser Events sieht, zu denen niemand anders kommt?
Was sind das für angeblich musikinteressierte Menschen, die einerseits alle Retrorock- bis Hipster-Black Metal-Hypes mit abfeiern, lokale „Post-Metal“-Wannabes bauchpinseln, und jede Stoner/ Doom-Sau mit durchs Dorf treiben, hierbei dann aber mal wieder lieber mit dem Hintern auf dem heimischen Sofa bleiben und nix damit zu tun haben wollen? Diese Welt – ich kapiere sie einfach nicht…

Dienstag, 29. Oktober 2013

Über 500 Zugriffe

...auf diesen Blog an nur einem Tag!
Das dürfte ein neuer Rekord sein, den wir feiern müssen. Werde dann im Laufe der nächsten Tage wohl das eine oder andere springen lassen...

Geil, mein erster Shitstorm!

(Wobei… eigentlich mein min. zweiter…)

Tja, da scheine ich ja ein bisschen was losgetreten zu haben, indem ich mich als Eintritt zahlender Konzertgänger erdreistet habe, einfach mal anzumerken, was mir von außen nicht so gut gefallen hat, bzw. was ich am Gesamtprodukt OMEGA MASSIF noch besser finden könnte.
Unfassbar, wie sich auf deren Facebook-Profil in der entsprechenden Kommentarzeile einige wegen so einem irrelevanten Pisselblog einkacken, nur weil jemand mal von außen laut eine Meinung äußert, was er "ausbaufähig" fand/ findet, anstatt nur arschkriechend auf "Ihr seid geil und ich bin geil, denn wir sind Geilianer" zu machen.

Aber jetzt mal im Ernst: Liebe Omegas, Ihr habt mein vollstes Verständnis und Mitgefühl für Pannen und kaputtes Equipment, meinen Respekt dafür, mit verletztem Fuß trotzdem auf die Bühne zu gehen, und der ganze Scheiß…
Ich habe nie behauptet, dass Ihr Profis i.S.v. Profis wäret, und weiß selbst um die Aufwendungen und Anstrengungen, die zum Thema Band so dazugehören (gerade auch, wenn man noch ein Leben daneben hat).
Alles, was ich im Grunde genommen aussagen wollte bzw. ausgesagt habe, war: 1.) Das ist ja schon gut, aber das könnte im Gesamtpaket irgendwie auch alles noch besser sein. 2.) In einer gewissen Bringschuld steht Ihr als Band, ob Ihr selbst das jetzt so sehen möchtet oder nicht, allerdings durchaus. Wie gesagt eben gerade auch, wenn man schon den Ruf des Seltenheitswerts bei gar nicht mal so geringer Nachfrage genießt. 

Dazu gehört dann halt auch schon mal, dass es unterbeschäftigte Neider wie mich gibt, die eben nicht nur Schulterklopfen übrig, sondern auch schon mal Musikerpolizei-mäßig ganz ehrlich und direkt ins Internet schmieren, an welcher Stelle sie sich gelangweilt haben.
Wenn man auf so viele Konzerte wie ich geht, ist eben nicht immer alles das ganz große Excitement, und wenn man sich als Künstler auf eine Bühne stellt, muss man damit rechnen, dass in der Natur der Sache auch schon mal einer was dran zu meckern hat (gebauchpinselt werdet Ihr schließlich schon genug, und das, wie ich selbst ja bereits einräumte, durchaus zurecht).
Da wiederum müsst Ihr halt mit leben.

Montag, 28. Oktober 2013

Valborg, Omega Massif, Ahab, Lünen

Unter dem Motto „The Divinity of Mountains“ gingen am vergangenen Wochenende drei Bands aus verschiedenen doomig angehauchten Metal-Ecken auf eine gemeinsame Mini-Tour: Die Funeral Doom-Institution AHAB, die Post-Metaller/ Soundtrack-Sludger OMEGA MASSIF und die in erster Linie einfach nur großartigen VALBORG.
Am Samstag hielt der Tross in Lünen bei Dortmund, wo das Ganze mit der Benefiz-Veranstaltungsreihe „Radau gegen HIV“ zusammentraf.

Dort brachten UNION OF SLEEP als Local Support dann auch noch eine weitere Stilnote mit rein. Ihr Sludge mit Gegröle ist energisch und dreckig, allerdings auch ein bisschen gleichförmig. Für 3-4 Songs knallt das dann zwar alles ganz geil, irgendwann hat man dann beim nächsten Song aber das Gefühl, eben jenen noch eben schon mal gehört zu haben.
Anstandsapplaus. 


Yay, VALBORG! Was soll ich dazu noch sagen, was ich nicht schon zu anderen Gelegenheiten in jüngerer Vergangenheit betont habe. Das Bonner Trio, zumindest die beiden davon vorm Schlagzeug, gaben gut die Rampensäue und Posermeister zum besten, und die Songs saßen. Dass „Springtime Woman“ auf so einem Anheizerposten vielleicht nicht die beste Nummer zum Abschließen ist, sahen alle Beteiligten ein, also gab es auf die Zugabe-Rufe mit „Zyklop“ dann doch noch mal eines der derber knallenden Stücke als Abschluss.
In meinem erweiterten Dunstkreis war man im Übrigen nicht unbedingt so angetan wie ich. Die Extrem-Metal-, Sludge- und Hardcore-Freunde, die tatsächlich hauptsächlich wegen Omega Massif angereist waren, fanden es „jetzt nicht gerade knallermäßig“, und die Postrocker-Fraktion, die ebenfalls hauptsächlich wegen Omega Massif vorbeischaute, schmunzelte doch sehr über die geballten Metal-Klischees , die VALBORG „offensichtlich durchaus mit Selbstironie“ verkörpern. Letztere sind entschuldigt, erstere ein ignorantes Nixblickerpack, das mal wieder kein Ohr für die wirklich interessanten Nuancen hat.
Wie schon mal festgestellt: Eine meiner aktuellen Lieblingsbands!

 
Danach dann besagte OMEGA MASSIF.
Und jetzt mal wirklich, bei aller persönlichen wie musikalischen Zuneigung: Liebe OMEGA MASSIF, das soll jetzt keine Anklage irgendeiner Art sein, sondern ist wirklich als wohlwollend konstruktive Kritik gemeint, aber wenn man bei durchaus größerer Nachfrage schon nur alle Jubeljahre irgendwo spielt (und dabei mutmaßlich nun auch nicht gerade mit ‘nem Minus aus der Sache rausgeht), dann hat man dabei auch wie ein Profi abzuliefern, anstatt fehlende Routine durchschimmern zu lassen. Und wenn der letzte Gig in der Gegend ein halbes Desaster war – vom diesjährigen Denovali Swingfest sind technische Probleme samt Gig-Abbruch und späterem Neuanlauf überliefert – dann natürlich erst recht. Beim Berg von Effektgeräten auf der minimal beleuchteten Bühne schon in einer frühen Songpause wieder die erste, zu richtende Panne zu haben – das ist dann aufgrund besagter Situation ehrlich gesagt ein bisschen peinlich.
Außerdem machen OMEGA MASSIF den Fehler, den auch andere Instrumental-Bands begehen, nämlich in den Songpausen Gitarre stimmend mal eben „Danke“ ins Publikum zu rufen, und der ganzen Sache damit ein bisschen die Atmosphäre zu nehmen. Die Stille z.B. mit einer Ambient/ Drone-Collage aus der Konserve zu überbrücken o.ä., wie es andere auch schon getan haben, sollte mal eine Überlegung wert sein.
Und überhaupt macht das Zugucken auf der, wie erwähnt minimal beleuchteten Bühne, nur von wirklich näher Sinn.
Anyway, musikalisch war es trotz aller Widrigkeiten (hinzu kam auch noch ein wegen lädiertem Fuß im sitzen spielender Basser) über alle Zweifel erhaben, und hat mit seiner gelungenen Mixtur aus wuchtigern Rhythmusgeriffe und Leads mit Effekten und E-Bow mal wieder Spaß gemacht. Ja, Jungs, ich fand's gut! Bevor wir uns missverstehen...

 
Was AHAB betrifft, so muss ich jetzt mal an dieser Stelle zugeben, bisher noch nie einen Longplayer der Truppe zu Hause rotiert gehabt zu haben. Dafür gibt es eigentlich keinen bestimmten Grund außer dem, dass es schlichtweg zu wenig Zeit für so viel gute Musik gibt.
Mein erster tieferer Eindruck der Band erfolgte also an diese m Abend, und das Gesehene und Gehörte gefiel durchaus. Ja, die Band hat unter Doom Metal-Jüngern völlig zurecht einen gewissen Status, und macht bei ihrer abwechslungsreich arrangierten Mixtur aus ausgebremsten Bratriffs und großen Leads definitiv ‘ne Menge richtig. Ja doch, das war durchaus ziemlich gut.









Sonntag, 27. Oktober 2013

Statiqbloom

Fade Kainer kennt man u.a. als Frontmann von Batillus und Keyboarder jüngerer Jarboe-Tourneen. Eines seiner ganz eigenen Babys trägt denen Namen STATIQBLOOM und ist rein elektronisch.
Interessierte können das neue Album „Mask Visions Poison“ ab dem 31.10. digital bei Bandcamp erwerben, einen Videoclip zum Song „Behind Glass“ gibt es allerdiongs schon jetzt:

Dienstag, 22. Oktober 2013

…Pause…

Tja, eigentlich wären u.a. heute und übermorgen gleich zwei mehr oder minder relevante Konzerte direkt vor der Haustür, aber ich setze gerade mal aus, um mich lieber intensiver auf den eigenen musikalischen Spielwiesen zu tollen, denn auf denen ist gerade tatsächlich mal was los. Wann bzw. ob Ihr davon was zu hören kriegen werdet, kann ich gar nicht so genau sagen, aber die Hauptsache ist, dass ich dabei gerade ziemlichen Spaß bzw. genug Beschäftigungstherapie habe, if you know what I mean…
Sollte diese Woche nicht noch irgendwas total interessantes auf dem Radar auftauchen, über das wir unbedingt reden müssen, wird dieser Blog somit nun erst mal für die nächsten Tage pausieren.
Nächster Stop ist die provinzielle Göttlichkeit der Berge (jaha).

PS: Ich habe schon das neue CELESTE-Album gehört. Es ist gut.
PPS: An erwarteten Veröffentlichungen außerdem in der Pipeline: Zwei sogenannte Supergroups (CORRECTIONS HOUSE, LUMBAR), das Debüt der ebenfalls bereits bekannten Kölner Altherren-Gesichter SERPENT EATER, ein neues Album der polnischen Zeitgeist-Metal-Hopefuls OBSCURE SPHINX, und schon wieder was von den MELVINS…

Samstag, 19. Oktober 2013

Freitag, 18. Oktober 2013

Aktuelle Alben (Beehoover, Melt-Banana, The Body)

BEEHOOVER - The Devil And His Footmen
Irgendwie scheint es sich zwischen BEEHOOVER und mir jetzt so einzupendeln, dass mir jedes zweite Album taugt.
Ihr Longplay-Debüt „The Sun Behind The Dustbin“ landete damals (2006) mal als für ein Magazin abzuarbeitende Promo-CD in meinem Briefkasten, wollte mir aber nicht so recht reingehen. Als ich die Band kurz danach im alten Dortmunder FZW, zusammen mit den wahnwitzigen Stinking Lizaveta und der Wino-Band The Hidden Hand live sah, machte das Ganze allerdings auf ein mal viel mehr Sinn.
Das 2008er „Heavy Zoo“ entpuppte sich dann auch als Gegenteil seines Vorgängers: Ein wirklich ziemlich cooles Album, das die Live-Energie des Duos verhältnismäßig gut einzufangen vermochte.
2010 folge mit „Concrete Catalyst“ dann wiederum eine Veröffentlichung, von der abermals der Funke nicht komplett überspringen wollte.
„The Devil And His Footmen“ ist, um das gleich vorwegzunehmen, zwar ebenfalls nicht noch mal so dermaßen knallermäßig wie „Heavy Zoo“ geworden, gefiel mir aber doch schon beim ersten Durchlauf wieder einen ganzen Tick besser als die anderen beiden Langspielplatten der Süddeutschen. Dabei sind sie darauf eigentlich nicht mehr und nicht weniger als BEEHOOVER wie man sie kennt, ohne dabei das ganz große Feuerwerk abzufackeln (go figure). Sie sind hier und da zwar vielleicht schon mal einen Hauch (aber wirklich nur einen Hauch) dunkler oder böser unterwegs als sonst schon mal, ansonsten ist es aber die gewohnte, passagenweise schon regelrecht entspannt rüberkommende Kombination aus einem verspielt treibenden Schlagzeug, brummenden Stoner-Bassriffs mit Tempo und herrlichen Akzenten, und den ein bisschen nach einem etwas steifen Aristokraten klingenden Vocals.
Das mag ich generell ganz gerne, und find’s wie gesagt im Rahmen dieses Albums dann doch mal wieder äußerst kurzweilig!
Link: Album-Stream bei Soundcloud
Link: Exile on Mainstream-Shop

MELT-BANANA - Fetch
In den letzten Jahren war es ruhiger um MELT-BANANA gewesen. Man könnte mutmaßen, dass die Japaner/innen im Rahmen ihrer langjährigen Veröffentlichungshistorie langsam auch mal alles gesagt haben. Zuletzt hatten sie dabei angefangen, ein bisschen Schizophrenie zuzulassen: Während eine experimentellere Geschichte, wie das wirklich grandiose „Melt-Banana Lite“ Live-Album dann auch schon mal die Gitarre weglies und dafür (teils mit Bewegungssynthezisern erzeugten) Rauschlärm mit Drums und Gesang kombinierte, zeigten sich andere jüngere Veröffentlichungen zuvor noch einen ganzen Tick poppig-rockig- zugänglicher als das hektisch-grindige Gepolter ihrer Anfangstage.
Auch ihr neues Album „Fetch“ hat diese poppigen und punkrockigen Tendenzen, ist in erster Linie allerdings erst mal ein angenehmes Wiederhören mit alten Freunden. M-B machen dabei viel richtig. Blastgeballer hier, skurrile Sounds dort, gelegentlich mal ein eher stampfiger Rhythmus, und dazwischen natürlich immer wieder mit allerlei Schrägheiten angereicherte, dennoch eingängige Alternative/ Punk-/ Noise-Rock-Knaller. Am Ende verabschiedet den Hörer dann noch so etwas wie ein Dancepop-Stück (allerdings Dancepop mit disharmonischem Gitarrengedudel), was beim ersten Hinhören noch etwas irritiert, beim zweiten aber schon wieder Sinn macht. Zusammengehalten wird das alles von einer Hochglanzproduktion, die tatsächlich dazu passt.
Zwar ist es jetzt nicht unbedingt so, dass „Fetch“ auf voller Distanz ein totales Killeralbum ist, aber immerhin ein rundum zufriedenstellendes und Laune machendes. Und nach mehr hatte man hier ja auch gar nicht gefragt.
Dass solche Bands wie MELT-BANANA oder die Melvins immer noch unterwegs sind ist jedenfalls einer der besten Gründe, den Glauben an die Menschheit eben doch nicht zu verlieren…
Link: Bandseite bei Geocities (!)
THE BODY – Christ, Redeemers
Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann haben THE BODY in jüngerer Vergangenheit mehrere Sachen aufgenommen, die nun kleckerweise veröffentlicht werden. Darunter auch eine Kooperationsgeschichte mit den ebenfalls großartigen Thou, die jetzt schon eine Weile auf sich warten lässt.
Nach einer EP im Frühjahr haut das Duo diesen Herbst nun allerdings erst mal den nächsten regulären Longplayer raus.
Der große Aha-Effekt hat sich dabei inzwischen zwar verflüchtigt – wenn man hier schon im Vorfeld weiß, was man so bekommt, ist das allerdings auch alles andere als ‘ne schlechte Sache. Mit fiesestem Geschrei, einem Verzerrungslevel nah am Anschlag, und skurrilen Gimmicks wie sakral anmutenden Gesangssamples oder Streichern zur Begleitung, ist dieses maximalistisch noisig-wuchtige Duo nämlich „a league of their own“. Neben Bergen aus Lärm trällert dann zwischendurch auch schon mal eine Frauenstimme leicht folkig, an anderer Stelle hat’s wiederum ein bisschen Industrial-Flair.
„Christ, Redeemers“ bietet dabei, wie bereits angedeutet, erstmals keine wirklichen Überraschungen, Neuerungen oder Steigerungen irgendeiner Art – bei einer Band mit derartiger Eigenwilligkeit und von solcher Naturgewalt ist das allerdings auch nicht so schlimm. Zumal es selbst unter hartgesottenen Musikfreunden so einige geben wird, denen das alles hier einfach too much ist.
Ich für meinen Teil find’s nach wie vor total geil, auch wenn das 2010er „All The Waters of the Earth Turn to Blood“ zu seiner Zeit aufgrund des Überraschungseffekts natürlich das etwas beeindruckendere Album war.
Link: Bandcamp
Link: Thrill Jockey Records 

Donnerstag, 17. Oktober 2013

kurz notiert (Orchid, Laibach)

Zwei Hinweise, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten:
1.) Neues ORCHID-Video
Wer mich kennt weiß, dass ich es eher nicht so mit dem habe, was ich als „schwachbrüstigen Retroschnarch“ bezeichne. Ganz ehrlich, dieses Konzept „wir ziehen uns so an, wie wir glauben dass sich Hippierockmusiker in den Spät60ern/ 70ern angezogen haben, und klingen auch Vintagesound-mäßig exakt so wie Platten aus dieser Ära“ erschließt sich mir einfach nicht so wirklich.
Auch ORCHID sind eine dieser Bands, die diese Nummer so konsequent durchzieht, dass man vor lauter Retrostyle schon mal die wirklich guten Songs vermisst. Die ersten Black Sabbath-Platten haben heute noch mehr Durchschlagskraft und energischen Flow, als die Musik dieser Frisco-Truppe. Im Gegensatz zu so einer unverhältnismäßig gehypeten Überflüssigkeit wie Kadavar machen sie das dann aber immerhin dennoch so zackig-tight, dass es mich nicht auf voller Länge nur langweilt, sondern nur zur Hälfte.
Da kann man auch schon mal ihren neuen Videoclip verlinken…  


2.) LAIBACH-Songs für lau
„Nur für kurze Zeit“ findet man hinter diesem Link u.a. 3 neue Songs der Slowenen zum Gratisdownload.
Nachdem LAIBACH zuletzt den Soundtrack zu „Iron Sky“ lieferten, sind diese Tracks nun als Appetithappen für ein Anfang kommenden Jahres erscheinendes Album zu sehen, auf dem sie sich offensichtlich dem Motto „Zerfall der EU“ widmen.
LAIBACH wiederum mögen etwas sein, das sich andersherum vielen Anderen nicht so recht erschließen mag, aber irgendwie hatte ich für dieses skurril-provokante Kunstprojekt, das totalitäre Motive bemüht um sie mit Coversongs von Andrew Lloyd Webber bis „Life is Life“, kühlen Tanzrhythmen und "Wagnerismen" durch den Fleischwolf zu drehen, schon immer gewisse Sympathien.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Besser spät als nie: Coffins

COFFINS und ich hatten keinen guten Start. Beim Roadburn 2011 hatte die Band als eine der wenigen derberen am sonntäglichen „Afterburner“ eigentlich gute Karten, eines meiner persönlichen Tages-Highlights zu werden, doch beim Death-Doom mit Crust-Kante, den die Japaner an jenem Tag in Trio-Formation etwas steif runterhackten, wollte der Funke nicht so richtig überspringen.
Zwei Jahre später sehe ich die Band noch mal beim PartySan, dieses mal mit richtigem Frontmann (der, um es weiter zu verkomplizieren, anscheinend der frühere Drummer ist), anstatt dem sonnenbebrillten Gitarristen als primären Growler, und bin wie weggeblasen. COFFINS waren an jenem August-Nachmittag der absolute Wahnsinn in Tüten und einer der definitiven Gewinner des gesamten Festivals.
Da musste das diesjährige Album „The Fleshland“ dann glatt doch mal her, und es landet nach wie vor immer noch im Player, denn es ist einfach schweinegeil. Die Jungs machen alles richtig. Über die nie auch nur einen Part lang schwächelnde Gesamtdistanz eines wirklich abwechslungsreich arrangierten Albums wird gebollert, gegroovet und geröchelt, dass mir die Freudensuppe in den Augen steht. COFFINS klingen zwar schon in ihren Grundzügen, mit dicker, tief gestimmter Gitarrenwand und höllischem Vocals, erbarmungslos zerstörerisch – das heimliche Rückgrat ihres Death Metals mit Doom-Parts ist allerdings dieser immer wieder punkig die Flucht nach vorne suchende Crust-Polterbeat, durch den einen das große Ganze in seiner überwältigenden Wucht unverzögert mitreißt.

Inzwischen habe ich mir dazu auch noch den Vorgänger-Longplayer „Buried Death“ (von 2008) zugelegt, und bin baff. Das Teil ist ja ebenfalls von vorne bis hinten bockstark, gnadenlos derbe, sowie verhältnismäßig abwechslungsreich, und ich werde selbst nach vier Durchläufen direkt hintereinander nicht müde, auch den fünften zu starten.

Wie geil sind COFFINS eigentlich und wieso komme ich da erst jetzt drauf?

Montag, 14. Oktober 2013

Eisenvater im Westwerk

Vom EISENVATER-Auftritt beim Tribut-Event für ihren verstorbenen Schlagzeuger Peter Bellendir am vergangenen Samstag ist der Livemitschnitt eines Songs in Bild und Ton online:

Freitag, 11. Oktober 2013

20jähriges: Crowbar - s/t

Dieses Album ist es. Einer der wohl wichtigsten Grundsteine der dieser Tage so allgegenwärtigen Metal-Untergattung „Sludge“.
CROWBAR’s Debüt „Obedience Thru Suffering“ mag zwei Jahre zuvor erschienen sein, und „In the Name of Suffering“ von EyeHateGod hat das Genre schon 1992 von einer noch viel fieseren und konsequenteren Seite der "Doom und Blues treffen auf Hardcore-Punk"-Ursuppe aus angegangen – CROWBAR’s selbstbetitelte war Oktober 1993 allerdings das Album gewesen, das nachfolgend auch einer breiteren Masse von Metal-Fans zeigte, dass musikalisches Auf-die-Fresse-hauen gerade auch in langsameren Temporegionen funktioniert, und es eben nicht nur auf zügiges uff-ta-uff-ta ankommt.

Produziert worden war das Album von Phil Anselmo, seit Kindertagen Freund von CROWBAR-Sänger/ Gitarrist Kirk Windstein, dessen eigene Band Pantera gerade als Optimum an zeitgenössischer Härte galt.

Hört man sich das Ding heute so an, hat es diese gewisse Trockenheit, die eine Zeit lang typisch für Metal-Produktionen war (bzw. in Teilen der Szene immer noch ist), aber genau den richtigen Punch, den die Mixtur aus hadcoreigen Uptempo-Prügeleien und Doom-Handbremsen vertragen konnte.
Die Musik von CROWBAR knallt mit Mehrtonner-Wucht, hat aber außerdem so eine emotionale Komponente, die vielen anderen zeitgenössischen Metal-Bands damals eher abging.

20 Jahre. Heute noch ein Lehrbuchalbum in Sachen Heavyness. Zwei Videoclips gabs damals auch:

Dienstag, 8. Oktober 2013

Ja puh.

- HULL!!!
- YOB (wieder, klar, aber)!!
- TRIPTYKON
(wieder, klar, aber)!
CROWBAR.
- NAPALM DEATH spielen einen experimentellen und vermutlich recht Mitt90er-lastigen Set.
- Loop, Magma, Goblin
- Ken mode, Windhand, Inter Arma, Bölzer, Graves at Sea, Locrian, Conan, Horse Lattitudes, 16, ...

Da komme ich doch jetzt gerade, entgegen noch vor wenigen Tagen anderslautender Beschlüsse schwer ins Grübeln, ob kommendes Jahr nicht doch wieder Roadburn angesagt ist...

Montag, 7. Oktober 2013

In eigener Sache: Demnächst aber wirklich (vermutlich)

Ja, ich weiß, ich hatte schon mal angedroht, den Blogbetrieb hier reduzieren oder irgendwie verändern zu wollen. Daraus wurde dann doch nix, und ich bloggte manischer denn je, und sogar mit Bildern, in Farbe.
Die letzten paar Jahrgänge waren allerdings auch einfach eine wirklich großartige Zeit, sich für zeitgenössischen Metal abseits der etablierten und ausgetretenen Subsparten, sowie andere gute Musik drumherum zu interessieren.
Aktuell merke ich allerdings so ein bisschen, dass mir gelegentlich dann ja doch schon mal die Zeit (oder kreative Energie) dafür fehlt, dem hier weiterhin in so einer Frequenz nachzugehen, wie ich es in jüngerer Vergangenheit getan habe, und dass der allgemeine Enthusiasmus bei der Auseinandersetzung mit Musik zuletzt auch phasenweise nicht mehr ganz so groß ausfiel, wie sonst schon mal.
Zu ein paar der jüngsten Blogeinträge habe ich mich schon regelrecht aus Gewohnheit gezwungen, was kein gutes Zeichen ist.
Typisch für mich ist ebenfalls, dass meine Anbahnungen von Schreibblockaden genau dann Hallo sagen, wo ich hier neuerdings in die Höhe steigende Zugriffszahlen verzeichnen kann...

Wie dem auch sei, bzw. bevor wir uns missverstehen: Was ich hier jetzt nicht aussagen oder verkünden will ist, dass es sich bei diesem kleinen, netten Zeitvertreib von mir, genannt „Krach und so...“, ab heute um ein sinkendes Schiff handelt.
Was ich lediglich sagen will ist, dass die allgemeine Frequenz, mit der ich hier irgendein Blafasel reinstelle, mittelfristig vermutlich geringer ausfallen könnte, als über die letzten Monate.
Auf dem Weg zum Jahreswechsel wird es ja noch das eine oder andere interessiert erwartete Album, sowie das eine oder andere besuchte Konzert geben, über das ich dann hier etwas loswerden will und tue, aber... ich habe momentan so ein Bauchgefühl, dass es bis zum Abhaken der Jahresbestenliste und Resterampe eher ein Austraben als Endspurt wird, und ich nach eben jenen vielleicht tatsächlich etwas ander(e)s mache. Ob das ein etwas variiertes, weniger tagesaktuelles Konzept, ein Umzug auf eine andere Plattform, oder – wie mir mein Kumpel Double-L schon 1-2 mal nahelegen wollte – vielleicht auch glatt mal eine internationale Sache wird, oder gar eine Beschäftigung mit ganz anderen Dingen, das weiß ich jetzt noch nicht. Ganz drangeben werde ich die Zweitverschwendung, ständig meine Meinung übers Netz kundtun zu müssen, bestimmt nicht. Und es wird auf diesen Seiten auch nach Silvester bestimmt noch mal das eine oder andere zu lesen geben, das hier noch mit draufpasst.
„On a long term“ könnte ich mir allerdings wie gesagt absolut vorstellen, dass da demnächst mal was anders bzw. was anderes ist.
Alles klar?

Sonntag, 6. Oktober 2013

Westend Donnerstag und Swingfest Freitag


Zwei regionale Event-Traditionen am gleichen Wochenende: Im Dortmunder FZW das VISIONS WESTEND und in der Essener Weststadthalle das DENOVALI SWINGFEST... tja, was macht man denn da...

Am Donnerstag der deutschen Einheit luden jedenfalls die Kollegen vom Visions Magazin zu BARONESS, LONG DISTANCE CALLING und THE OCEAN.
Wo ich mal ganz ehrlich sagen muss, dass das anno 2013 auch kein Billing ist, das mich im Vorfeld übermäßig enthusiastisch hinpilgern lässt. Da ich allerdings noch nicht mal den nicht ganz unstattlichen Eintrittspreis bezahlt, sondern mich über einen meiner konspirativen Kanäle auf der Gästeliste reingezeckt habe, will ich mich jetzt auch nicht beschweren.

Bei THE OCEAN weiß man ja vorher nie so richtig, was man bekommt. Dieses mal jedenfalls mal wieder etwas rein instrumentales. Mit Konservenorchester und einer gut mit der Musik abgestimmten Videoshow im Rücken. Und ich muss sagen: Ich fand das wohl auch schon mal langweiliger und mediokerer (im Falle der Band), allerdings auch schon mal interessanter und aufregender (so ein Ding wie deres im allgemeinen). THE OCEAN sind halt doch eher eine „Prog“-Band, was für mich ein nicht nur positiv behaftetes Etikett ist. Aber es war im Grunde genommen ganz okay und liegt in dem Fall an mir.
LONG DISTANCE CALLING kamen danach ohne ihren inzwischen engagierten Sänger, ebenfalls doch wieder komplett instrumental um die Ecke. Dafür mit dem scratchend gastierenden DJ Mario Coolmann of Fünf Sterne Deluxe Fame, und wie gewohnt etwas zu langen und zu gelabert überbrückten Songpausen. Irgendwie ist es mir, bei aller Sympathie, ja doch so ein bisschen ein Rätsel, wie die auf ihren aktuellen Status wachsen konnten. Aber die scheinen wohl was catchiges an sich zu haben...
Es muss daran gelegen haben, dass der Rahmen ein anderer als Köln war, aber BARONESS waren als Abschluss schwer okay und rissen etwas mehr mit als am Wochenende davor.
Zwar ist es, so elitär das jetzt klingen mag, irgendwie ein bisschen schade, diese einst so spezielle Band nun an den Stadionrock-Mainstream zu verlieren, aber denen ist es zu gönnen...

Freitag schaute ich dann beim Denovali Swingfest vorbei, das wie immer so eine etwas seltsame Sache war (horrende Eintrittspreise, ein teilweise entspannt auf dem Boden rumliegendes Publikum aus Hochkultur-Touristen, Hipstertypen und Nerd-Metallern).
Zwischen Laptop-Artists und Done-Experimenten war das US-Duo BARN OWL der erste zwingende Act des Tages, erstaunte allerdings damit, die Gitarren gleich ganz zu Hause gelassen zu haben, und stattdessen nur mit Knöpfen und Tasten zugange zu sein. Aufgrund des zu Anfang doch recht unausgewogenen Sounds fand ich das dann auch nur „okay“ anstatt irgendwie spektakulär.
LENTO waren ganz okay. Ihr vertrackt mit Prog-Gefriemel flirtender Instrumental-Dronesludge hat Energie, muss man ihnen lassen.
Das Highlight des Abends, quatsch, des ganzen Quartals folgte dann aber später noch mit den grandiosen CELESTE. Die verstrahlten Franzosen spielen ja recht selten in der Gegend, weswegen das eigentlich schon 'ne große Sache war. Und ziemlich geil übrigens. Die Mischung aus urgewaltiger Monströsität und mitreißendem Groove, die CELESTE hinkriegen, ist in dieser Form wirklich einzigartig.
Hat sich gelohnt.

Samstag, 5. Oktober 2013

20jähriges: Entombed - Wolverine Blues

Kann man nicht unerwähnt lassen: ENTOMBED's „Wolverine Blues“ ist gerade 20 Jahre alt geworden.

Und ja, „Left Hand Path“ und „Clandestine“ waren großartige, ein ganzes Subgenre entscheidend mitprägende (Death Metal-)Meisterwerke, während ich persönlich ja eigentlich sogar das sludgey-rotzige „Uprising“  als bestes Album der Schweden empfinde, und „To Ride Shoot Straight and Speak the Truth” natürlich ebenfalls alles andere als zu verachten ist - wenn es aber darum geht, was ENTOMBED's eigentliches Magnum Opus ist, dann ist das ganz klar ihr dritter Longplayer aus dem Jahr 1993. Nein, das steht nicht zur Diskussion frei.

Die Vorlieben für Rock'n'Roll des Schlagzeugers Nicke Andersson (der bekanntlich später die Hellacopters gründete) kamen hier erstmals ein bisschen durch, und machten sich im fokussierteren und etwas weniger auf  Dauer-UfftaUffta ausgerichteten Songwriting bemerkbar.
Vom großartigen Opener „Eyemaster“ über den Videosingle-Titeltrack bis zum regulären Abschlussklopfer „Out of Hand“ ist dieses Album pures Gold.
Ganz klar eine der „die 10 Platten für die einsame Insel“-Platten. Und bedenkt man, wie der „Stockholm-Sound“ jüngst wieder als Inspiration vom Death Metal-Nachwuchs bis zu eigentlichen HC-Bands (Trap Them) um sich gegriffen hat, sogar zeitloser und essenzieller denn je!

Dienstag, 1. Oktober 2013

Zehnjähriges: Disbelief – Spreading The Rage

Auch wenn ich mich wiederhole: Dass DISBELIEF vor 10 Jahren mit „Spreading The Rage“ ihren kreativen Zenit er- und danach nie wieder daran heranreichten, ist besonders schade. Denn besagtes Album wurde unter den Conaisseuren von Metal auf der damals seltenen Schnittstelle zwischen „extrem“ und tendenziell irgendwie „Alternative-affin“ völlig zurecht als Sensation und Instant Classic gefeiert, und katapultierte die Band sogar einen Fuß breit in den hiesigen „Metal-Mainstream“.

Kleine History-Aufarbeitung: DISBELIEF gründeten sich Anfang der 90er im südhessischen Darmstadt als Death Metal-Band, und frühe Releases waren auch noch näher an der alten Schule des Genres angesiedelt.
Allerdings brachte ihnen schon ihr 1998er Zweitwerk „Infected“ in der sog. Fachpresse, neben „Morgoth zu Odium-Zeiten“-Vergleichen, Prädikate wie „für Bolt Thrower- und Neurosis-Fans gleichermaßen interessant“ ein. Tendenzen, die sich auf den folgenden Alben „Worst Enemy“ und „Shine“ weiter verstärkten, und die 2003 schließlich im Meisterwerk „Spreading The Rage“ als Liga für sich gipfelten.
Auch wenn Ihr Stil nach wie vor die gewalttätige Wucht des Death Metals beinhaltete, waren da bei der Gitarrenarbeit immer wieder diese noisigen Schrubbereien, an Killing Joke erinnernde semicleane Parts, sowie psychedelische Schulterblicke, die für eine Band aus der düster-brutalen Metal-Ecke eher ungewöhnlich waren. Und das war nicht alles, denn die Vocals von 2m-Frontberg „Jägger“ kamen eher einer Art von unterschwellig melodischem Verzweiflungsgeschrei gleich, was man in einer solchen Intensität und Stimmgewalt noch nicht gehört hatte, und manche Pressestimmen dazu vorsichtig den Begriff „Emo“ mit ins Spiel bringen lies.
Vergleiche mit späteren Morgoth (nicht unpassend) und Neurosis (wer wird inzwischen eigentlich nicht mit denen verglichen?) waren ansonsten die hauptsächlichen Referenzen, mit denen man sich in Reviews behalf.  Der offensichtlichen Killing Joke-Referenz zollte die Band selbst auf dem Album mit einem Cover des „Democracy“-Titeltracks Tribut. Und so sehr ich Killing Joke liebe, und so sehr die meisten Versuche anderer Bands, sich an Songs der britischen Legende heranzuwagen meistens kläglich scheitern – ich ziehe hier tatsächlich DISBELIEF's Version dem Original vor (hört, hört!).

In der Folgezeit bliesen DISBELIEF Tourkollegen wie Death Angel/ Mnemic/ Darkane oder Pro-Pain, und ganze Festival-Billings, mit ihrer höchst atmosphärischen, emotionalen und dennoch zerstörerischsten Musik regelmäßig an die Wand.
Danach ging es, so ungern ich das noch mal betone, allerdings irgendwie bergab.
Das März '05 über den Szene-Riesen Nuclear Blast rausgehauene „66sick“ wirkte bereits so uninspiriert und gewollt wie sein Titel, und lies mich eher an Six Feet Under als an Neurosis denken.
Der Weggang von Gitarrist Oliver Lenz, nur ein Besetzungswechsel von vielen noch folgenden, schien danach auch den endgültigen Rückschritt der Band von etwas interessantem, eigenen und besonderem, zu einer schnöden Metal-Truppe von nebenan zu kennzeichnen.
Denn sowohl das schon bei der Produktion irgendwie nicht glänzende „Navigator“ (2007), als auch das von aktuellem Weltgeschehen (Natascha Kampusch, Josef Fritzl)  beeinflusste „Protected Hell“ (2009) wussten mich weiterhin nicht mehr zu überzeugen. Was vor allem daran lag, dass sich DISBELIEF stilistisch irgendwie wieder näher an Bands wie Slayer und Bolt Thrower orientierten. Gemessen an der otherwordly Großtat „Spreading The Rage“, und dem Weg dahin, ganz klar eine regressive Enttäuschung. Songs wie den epochalen „Spreading The Rage“-Titelsong (oder auch „Misery“ oder „Shine“ von den Vorgängern) hat die Band danach leider nie wieder geschrieben, und teilweise irgendwann sogar nicht mal mehr live gespielt. 
Die Jubiläums-EP „Heal!“ ging dann dann 2010 gleich soweit, neben Coversongs (darunter mit „Love Like Blood“ ein weiterer Killing Joke-.Hit) vier Stücke aufzufahren, die jeweils direkt als Baukasten-Hommage zu einer Lieblingsband angelegt waren (Slayer, Bolt Thrower, Death, Crowbar). Tendenziell nette Idee, aber der (jaja, Paradoxon, ich weiß) Verve von DISBELIEF anno 2003 ist hier inzwischen völlig verschwunden.

Okay, jetzt habe ich mich zugegeben in fast schon pathologischem Ausmaß über den qualitativen Niedergang einer Band ausgelassen, obwohl ich eigentlich nur eines sagen wollte: „Spreading The Rage“ von DISEBELIEF ist jetzt zehn Jahre alt. Das Album war damals großartig, und es ist heute noch großartig. Woran auch die Tatsache, dass die Band selbst ihren Teil dazu beigetragen hat, eher Randnotiz zu bleiben als Klassiker zu werden, nichts ändern kann.  
„Gehört in jeden Haushalt“, wenn ich diese arg altbackene Phrase zu diesem Anlass ein letztes mal bemühen darf.