Donnerstag, 28. März 2013

Heirs und so

Was war das für ein seltsamer Abend im Dortmunder FZW gestern. Vom Jugendamt gesponsort und nur 4 € kostend machten HEIRS und ASCETIC: die Bude nur gemäßigt voll.
Es ist allerdings eine absolute Dreistigkeit, wenn der Local Support, in Form der Essener Gothrock-Vollscheiße ATOMIC NEON, dann auch gleich mal eben ‘ne ganze Stunde spielen darf.  Was war das denn bitteschön für eine uninspirierte, unansehnliche, komplett langweilige Dilettantenkacke, die außer ein paar geschmacksverirrten Gothen aus dem direkten Freundeskreis der Band nun mal wirklich überhaupt niemand braucht oder hören wollte?!? Und dann auch noch einen, und noch einen, und noch einen raushaut, obwohl man langsam aber sicher nicht mehr kann?!?
So war man nach halb zehn schon leicht zermürbt und für vieles offen, als ASCETIC: die Bühne betraten. Ich hatte im Vorfeld keinen Ton der Band gehört, und war ziemlich überrascht. Das australische Trio ist von Bands wie Swans, Dead Can Dance, Cocteau Twins u.ä. beeinflusst, machte dabei  allerdings mit einem gewissen My Bloody Valentine-Schulterblick ziemlich gut Alarm auf der Schnittstelle aus Shoegaze, Drone und Noiserock.
Ob ich das auf Platte (die man im Übrigen bei Bandcamp auch für lau ziehen kann) brauche, bezweifle ich pauschal mal, aber live hat das schon gut was hergemacht.
Zu meiner Überraschung sind alle drei ASCETIC:-Mitglieder auch bei HEIRS, deren unverkennbarer Mastermind Brent Stegeman (Mr. T in weiß als einer der Village People) offensichtlich den Rest der Band rausgeworfen hat. So gab es dieses mal kein Keyboard und kein Theremin, sondern lediglich ein paar Samples vom Pad am Drumkit, bei einem reduzierten Instrumentalrock-Quartett, und – ach komm, ich spreche es aus - ebenfalls keine attraktive Bassistin mehr.
Der Beginn zog sich erst noch etwas hin, da Stegeman Probleme mit seinem Kabelsalatberg an Effektgeräten hatte, aber auch sowas scheint bei HERIS etatmäßig mit dazuzugehören.
Um ganz ehrlich zu sein: Als ich die Band zum ersten mal und in etwas anderer Inkarnation sah, war der Aha-Effekt etwas größer gewesen, gefallen hat ihr in dieser Besetzung etwas ungebrocheneres Gelärme aber dennoch.
Man darf gespannt sein, wo die Reise bei dieser ständig in Bewegung befindlichen Band im ungewöhnlichen Spannungsfeld zwischen Postrock und Industrial demnächst noch hingeht …

Mittwoch, 27. März 2013

Dream Death & Penance

Im Zuge der Tatsache(n), dass DREAM DEATH vor wenigen Wochen ein neues Album auf die Welt losgelassen haben, und bei der Gelegenheit auch mal wieder ein paar vereinzelte Festival-Gigs spielen, kann man die Band und ihre „Schwestertruppe“ PENANCE mal im Schnelldurchlauf beleuchten.

Denn im ansonsten auch gerne schon mal pennenden RockHard-Magazin gestand man DREAM DEATH
schon vor Jahren mal einen gewissen Pionierstatus zu, und wollte ihren 1987er Debüt-Longplayer rückblickend gar als „Geburtsstunde des Sludge-Metal“ (RH #217) sehen.
Soweit würde ich nun wirklich nicht gehen, allerdings wies ihr Grenzgang aus Doom und Rumpel-Thrash eine gewisse Nähe zu (oder auch hörbar starke Inspiration durch) Celtic Frost auf. Heute lange nichts ungewöhnliches mehr, damals in der dargebotenen Stilkombination allerdings schon.
So richtig gegen die Großtaten der Schweizer Originale anstinken konnten DREAM DEATH damit zwar nicht, als Fußnote der Metal-Geschichte ist, das auf dem Zenit der Thrash-Welle erschienene „Journey Into Mystery“, mit seinen Doom-Parts und unprätentiösem Gepolter, aus Sicht des Musikhistorikers mit Blick für die nicht schönen aber seltenen Nischenexistenzen, allerdings dennoch irgendwie interessant.

Natürlich hatte das Ganze nicht wirklich viele Zeitgenossen interessiert, zumal DREAM DEATH auch irgendwann ad acta gelegt wurden, und man sich unter dem Namen PENANCE in einem sehr fließenden Übergang dem Doom Metal noch weiter annäherte.

Zeigte das PENENACE-Debüt „The Road Less Travelled“ dabei '92 noch eine gewisse Nähe zum vorherigen Düster-/ Prügel-Metal, wurde der Stil der Band im Laufe der Zeit (unter einigen Besetzungswechseln) noch etwas lockerer, eher traditioneller und rockiger.
Dabei gilt gerade ihr Zweitwerk, das Übergangsalbum „Parallel Corners“ unter den meisten Kennern als ihr Meilenstein.
Und wer hier gewisse Parallelen zu Cathedral sehen möchte, liegt damit alles andere als falsch.

PENANCE machten es so eineinhalb Dekaden und verabschiedeten sich nach fünf Alben mit einer kompletten Neuaufnahme des Debüts („The Road Rivisited“), über dessen Notwendigkeit oder Unnötigkeit man natürlich streiten kann.

Nach Ableben von PENANCE melkte man direkt im Anschluss dann doch auch noch mal die DREAM DEATH-Kuh, indem eine 2005 rausgehauene Compilation der uralten Demos und eine 2009er Veröffentlichung eines Konzertmitschnitts von anno dazumal einen gewissen Kultfaktor künstlich anheizten.

Und vor wenigen Wochen erschien nun tatsächlich ein neuer DREAM DEATH-Longplayer namens „Somnium Excessum“, den man sogar beim Internetversandmetropolistennazi für einen recht schlanken Preis zum mp3-Download angeboten bekommt.
Bemerkenswert an „Somnium Excessum“ ist, dass dieses Album nicht nur versucht den Spirit aus der Steinzeit wieder einzufangen, sondern es ihm irgendwie sogar gelingt. Natürlich ist das Ganze klanglich und spielerisch etwas besser als 1987, aber irgendwie kommt das Album trotzdem mit einem naiv-rüpelhaften „Planet der Affen“-Charme daher, als wenn es die letzten 25 Jahre nicht gegeben hätte, und orientiert sich sogar noch einen Tick mehr am typischen Tom Warrior-Rumpelgroove. Inwieweit man das jetzt wiederum irgendwie schon wieder geil oder doch eher etwas peinlich und überflüssig finden möchte – nun ja, ich bin mir da selbst gerade noch ziemlich unschlüssig.

Auch wenn DREAM DEATH in geraumer Vorzeit für den einen oder anderen, heutigen Doomjüngerveteran mal eine durchaus erwähnenswerte Sache waren, und PENANCE ebenfalls kein gänzlich unbekannter Name (immerhin erschien ihr Debüt über Rise Above, und ihr Magnum Opus über Century Media), werde ich dennoch das Gefühl nicht los, dass man hier gerade versucht einen Kultstatus aufzubauschen, den da zuvor eigentlich niemand so wirklich gesehen hatte.
Denn dass sowohl DREAM DEATH, als auch die Old School-Besetzung von PENANCE u.a. beim, dieses Jahr etwas Highlight-arm besetzten Roadburn auf der Hauptbühne spielen, will dazu irgendwie ins Bild passen. Ich werd’s mir dann wohl auch gerne mal ansehen, allerdings wird dabei die Kirche im Dorf gelassen …

Dienstag, 26. März 2013

Helms Alee Kickstarter

Am möglich machen der neuen HELMS ALEE-Scheibe kann sich jeder via Kickstarter beteiligen, und das Teil damit auch gleich preordern:
http://www.kickstarter.com/projects/helmsalee/new-helms-alee-record-presale

Henry Mancini’s „Condorman“

Hätte ich es im November letzten Jahres bei Erscheinen schon mitbekommen, hätte ich mir bereits da damit selbst das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten gemacht.
Womit? Mit dem „Condorman“-Soundtrack!
Jener war Jahrzehnte lang sowas wie der Heilige Gral aller Filmmusik-Freunde, weil als Soundtrackveröffentlichung in Tonträgerform schlichtweg nicht existent.
Dazu wurde sowohl hier, als auch dort schon mal was gesagt, das ich jetzt nicht wiederholen möchte.
Was ich dem allerdings hinzufügen kann: Vielleicht gerade auch wegen dem etwas ironischen und dabei doch naivem Ton des Films, ist das perfekt dazu passende, gradlinig pompös-heroische „Condorman
Theme“ mein absolutes Lieblingsstück Filmmusik. Noch vor John Williams‘ unsterblichen Star Wars-Melodien, noch vor Angelo Badalamenti’s Twin Peaks-Score, noch vor Clint Mansell’s Requiem For A Dream-Overtüre, noch vor Danny Elfman‘s Batman-Hauptthema, noch vor diversem von John Carpenter, …
Und vergangenen November passierte das Wunder: Ein Label namens Intrada Records, spezialisiert auf Soundtracks, hat sich im Rahmen einer Kooperation mit Disney erbarmt, diverse Soundtrack-Raritäten erstmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, darunter auch, nach über dreißig Jahren, endlich erstmals Henry Mancini’s „Condorman“! 20 Tracks plus 8 Bonus-Songs obendrauf.
Dass ich das noch erleben darf… Ihr habt ja echt keine Ahnung...

Montag, 25. März 2013

Batillus...

Nachdem ich in der letzten Auflistung aktueller Veröffentlichungen schon etwas zu BATILLUS‘ „Concrete Sustain“ geschrieben habe, hier nach einigen Durchläufen noch mal ein paar zusätzliche Worte:
Die New Yorker mögen auf ihrem neuen Album kein Rad redefinieren - wenn man so veranlagt ist, mit der Lupe nach innovativen Akzenten suchen zu müssen, könnte die Ausbeute eher gering ausfallen.  Was ihnen darauf allerdings dennoch ziemlich gelingt, ist eine gute Brise Industrial-Anleihen gar nicht mal zu aufdringlich mit durchaus organisch knallendem, handwerklich supertight rausgehauenem Modern-Doom Metal zu vermengen. Gerade auch die Drums haben einen exzellenten Sound und sind spielerisch von beeindruckender Präzision (dass man dabei heutzutage auch gut mogeln kann, ist klar, aber…).
Da wo der Vorgänger-Longplayer „Furnace“ zwar schon ganz solide, aber stilistisch noch etwas unentschlossen rüberkam, da scheint sich die schon länger suchende (ursprünglich gar mal instrumentale) Band auf „Concrete Sustain“ langsam aber sicher zu finden.
Vergleiche mit Godflesh (vor allem zu späteren Live-/Studiodrummer-Zeiten) und Neurosis-Grundzügen, meinetwegen auch der aktuellen Cult of Luna (auf der ebenfalls an der elektronischen Schraube gedreht wurde) oder Rosetta (die auch schon länger „Post-Metal“ mit Konservenlärm-Zusätzen machen), wären dabei in der Tat gar nicht mal so falsch, aber doch muss man BATILLUS ihre eigene Nische zugestehen, selbst wenn diese auf die ersten Hinhörer nicht so zwingend scheinen mag.
Warum man bei Bandcamp nach wie vor nur einen Song davon hören kann und zum Label der physischen Tonträgerveröffentlichung verwiesen wird, obwohl man das Teil an anderen Stellen auch schon als Download käuflich erwerben kann, weiß ich nicht.
Was ich weiß ist: BATILLUS‘ „Concrete Sustain“ mag kein Instant-Klassiker sein, und vermutlich auch nichts, was kommende Generationen irgendwann als unterbewertetes Schätzchen für sich entdecken werden. Einen gewissen Geschmacksnerv von mir trifft das Ganze allerdings durchaus, und nur darauf kommt es an.

Hollow Waves

Die HOLLOW WAVES sind eine neue Band aus München, die gerade ihr erste EP zum (name you price-) Download ins Bandcamp gestellt hat.
Freunde von Jon Spencer und ähnlichen Noiserock-Giganten sollten hier dringend mal ein Ohr riskieren, um die Band demnächst dann als erster gekannt zu haben:

hollowwaves.bandcamp.com

Freitag, 22. März 2013

TV-Hinweis (Nachtrag)

SAINT VITUS sind Morgen Abend um fünf vor elf Thema der Arte-Sendung „Tracks“.
(Wiederholung am Dienstag 26. März um 05.10 Uhr und Freitag 29. März um 01.45 Uhr)
Link dazu: arte.tv/ Saint Vitus


Nachtrag: Na, das war ja mal nix ...

Mittwoch, 20. März 2013

Neue Videoclips

… gibt’s gerade von KVELERTAK und ALTAR OF PLAGUES:

Montag, 18. März 2013

Aktuelle Alben ...


ALTAAR – s/t 
Neu auf dem Label, das schon Kvelertak entdeckte, sind die norwegischen ALTAAR, die auf der anderen Seite der Medaille voll im Zeitgeist ein bisschen von allem sind: Drone-/ (Funeral) Doom-/ Black- / Post-Metal, und wenn man es darin hören möchte, auch mit einem Hauch von Industrial.  Irgendwie modern, aber irgendwie auch total okkvlt-ritualistisch.
Ihr selbstbetiteltes Debüt kommt mit zwei Tracks - einer fast eine Viertelstunde, und einer fast zwanzig Minuten. Vor 2-3 Jahren hätte ich noch gesagt „das hier ist was“, momentan ist diese Nummer in ihrer Gänze allerdings irgendwie so ein Ansatz, den ich jetzt gerade langsam aber sicher eher schon etwas abgelutscht und unoriginell finde, um übersättigt wie ich bin die Geduld für wirklich jeden Newcomer im Feld „shoegazig-atmosphärischer Düsterbrachialmetal mit episch ausufernden Spannungsbogen-Arrangements" aufzubringen. Vielleicht tue ich ihnen damit Unrecht und bin schon kommenden Herbst auf einmal doch Fan, jetzt gerade habe ich allerdings irgendwie keinen Bock auf schon wieder sowas.
Dennoch, für Interessierte der Stream-Link dazu bei Broollyn Vegan's Soundcloud: https://soundcloud.com/brooklynvegan/sets/altaar-altaar/

BATILLUS – Concrete Sustain

Irgendwo habe ich zu BATILLUS schon mal den nicht ganz so unzutreffenden Begriff „Urban Doom“ gelesen. Die New York City-Bewohner machen, passend zu ihrem Lebensraum, keinen übermäßig Blues- und Southern Rock-geschwängerten Sludge-Metal, wie man ihn von Bands aus sumpfigen Südstaaten kennt, sondern mit kühlen Industrial-Soundeffekten angereicherten Brüll-Doom der etwas hartkantiger-moderneren Sorte.
Aus dem Lager meiner Freunde mit „handgemachte Abrockmucke“-Vorliebe und Elektronik-Aversion wurde mir bereits nahegelegt, dass das bei Vorbestellern schon gelandete „Concrete Sustain“ was für mich alten Godflesh-Fan sein müsste, denn BATILLUS hätten ihre Industrial-Schlagseite darauf noch ein Stück weiter ausgebaut.
Da sind wa dabei!
Bandcamp: http://batillus.bandcamp.com/album/concrete-sustain

CATHEDRAL – The Last Spire
 
Hier ist es also, das Abschiedsalbum. Mich, als lediglichen Teilzeit-Fan, der von CATHEDRAL eigentlich nur die ersten drei Alben und den 2001er SloMoDoom-Rückschritt „Endtyme“ so wirklich kennt (dafür allerdings auch durchaus sehr schätzt), und die anderen fünf Alben, die es da über die Jahre auch noch gab, bis heute ausgelassen hat, hat „The Last Spire“ jedenfalls schon mal keinesfalls enttäuscht.
So ein Knaller wie „The Etherial Mirror“ ist das Ganze natürlich nicht noch mal geworden, aber für das zehnte und letzte Album einer über 20 Jahre existenten Metal-Band, eine auf jeden Fall dennoch recht beachtliche Angelegenheit, weil herrlich heavy, dreckig, und trotz Ruhestandsvorhaben noch kein bisschen altersmilde.
Schön! (V.ö.: Ende April)

KEN MODE – Entrench

Mit ihrem vierten Album „Venerable“ konnten die kanadischen KEN MODE einen mittelschweren Achtungserfolg verbuchen, der ihnen Aufmerksamkeit sowohl im überschaubaren Mainstream ihres Heimatlandes (wo es irgendeinen Award dafür gab), als auch im Dickicht der internationalen Metal- /Hardcore-/ Indie- Szenelandschaft einbrachte. Fast standartmäßig ging’s nun von Profound Lore rüber zu Season of Mist, und die Kerbe „metallischen Hardcores“, in die das Noiserock-Brüderduo plus wechselnder Bassisten schon immer mit einem Bein trat, hat noch mal etwas mehr Schlagseite bekommen. So sehr, dass man schon von einer tieferen Annäherung in Richtung Converge/ Snapcase/ Refused, sowie Today Is The Day, und einer völligen Vernachlässigung der relaxten Unsane-/ Melvins-Vibes von früher spreche möchte. KEN MODE gehen hier nicht auf Nummer sicher, und kippen fast nie ins gefällige, ganz im Gegenteil. Bei einem Großteil des Songmaterials gibt die Band mehr Gas denn je, und man spürt, dass es verbissener Ernst und kein Spaß ist. Sämtliche in letzter Zeit dazugewonnene Souveränität am Instrument wird außerdem über weite Strecken dahin gelenkt, die gesteigerte Musikalität meistens doch eher in Disharmonie ausarten zu lassen. Und selbst die langsamen Groover klingen noch brachialer und böser als früher. Das einzige, was irgendwie etwas zu ambitioniert und leicht deplatziert wirkt, sind der an die ruhigeren und sich ganz in Psychedelic-Gefilden ergehenden Monster Magnet-Nummern erinnernde (kein Witz!) Song „Romeo Must Never Know“, und der Schlusstrack mit Orchesterunterstützung (ebenfalls kein Scherz!). Kann man sich dran stoßen, aber ich finde ja immer, dass in etwas Kontrast auch reizvolle Würze liegen kann.
Gutes Album! Demnächst mit Today Is The Day hier auf Tour, das wird geil …

TERRA TENEBROSA – The Purging

Da wo französische Avantgarde-Black Metaller wie Deathspell Omega und Blut aus Nord („Mort“) lediglich mal für Momente angesetzt haben mögen, da gingen TERRA TENEBROSA – ein Phönix aus der Asche der schwedischen Progressiv-/ Brachial-Hardcoreler Breach - auf ihrem ‘11er Debüt „The Tummels“ noch mal ein ganzes Stück weiter. Surreal und undurchdringlich mutete die gleichermaßen harte wie wirre, am Fundament irgendwie mathcoreige, und darüber schummrig-vernebelte Musik des Albums an.
Mit „The Purging“ liegt nun Album Nummer zwei vor. Im Vergleich zum Vorgänger tönt jenes passagenweise fast schon straighter, konventioneller und zugänglicher. Im Vergleich zum Vorgänger. Von außen und als Einzelfall betrachtet ist das Ganze tendenziell eine nach wie vor eher verwirrende Angelegenheit, die mutmaßlich nicht mal jeder als Musik akzeptieren wird.
Seltsame Songstrukturen, teils seltsame Drumming-Muster, vor allem seltsame Vocals, und das alles dann auch noch seltsam zsuammenproduziert - so türmt sich das Ganze zwischen „knallend“ und „dunkelgräulich verwischt“ mit eigentlich nicht wirklich ungewöhnlichen 8tel-Rumpelbassläufen und Bratriffgitarren zu wahrhafter Alptraummusik auf.
Ich persönlich find's nach wie vor interessant und faszinierend, aber ob ich demnächst auch noch ein drittes Album in diesem Stil brauchen sollte, wage ich an dieser Stelle trotzdem schon mal zu bezweifeln. Denn wenn ich mal ganz ehrlich bin: Habe ich einen dieser Tage, an denen mich „The Purging“ auf dem falschen Fuß erwischt, finde ich den eben auch nur mit Wasser gekochten, chaotischen Düsterbrei der Schweden wohl auch schon mal tatsächlich nicht so ganz nachvollziehbar und nur wenig schmackhaft.
Bandcamp: http://trustnoone.bandcamp.com/album/the-purging 

Mittwoch, 13. März 2013

Im Übrigen ...

… sind zwei aktuelle Alben, die ich eigentlich auch durchaus als zumindest interessant auf dem Radar habe, die neue DAVID BOWIE mit dem Titel „The Next Day“, sowie „MBV“ von MY BLOODY VALENTINE.
Beides Bands bzw. „Künstler“, denen ich schon immer zugeneigt war, deren Veröffentlichungen von kürzlich bisher allerdings unabgehakt auf der Liste blieben, weil ich mal wieder zu sehr mit dem Versinken in Sludge-Sümpfen und Durchgehen der essenziellen Metal-Releases beschäftigt war - wo phasenweise dann auch noch der dazwischen immer wieder mal aufgelegte Thrash Metal-Schinken, Noiserock-Klassiker, oder Doom-Meilenstein das Boot einfach vollmacht.
Da ich gerade allerdings irgendwie im Urin habe, dass sich meine oft vorherrschende  Unlust gegenüber eher „popigem“ zeitnah vielleicht mal wieder etwas zurücknehmen könnte, kommen besagte Alben diesen Frühling vielleicht doch noch dran.

Außerdem hat der King Crimson-Offshoot STICKMEN im vergangenen Jahr gleich zwei Alben veröffentlicht, die ich mir auf einen imaginären Notizzettel geschrieben, aber natürlich ebenfalls noch nicht gehört habe.
Und der Jazz-Interessierte in mir las kürzlich mal was über NIK BÄRTSCH’s RONIN, das eine baldige Beschäftigung mit besagtem Projekt mehr als rechtfertigen würde.

Ebenfalls bereits raus ist das Langspiel-Debüt von HOW TO DESTROY ANGELS, auf das ich wohl deswegen noch nicht so richtig scharf war, weil mir die „An Omen“ EP neulich nicht gerade übermäßige Begeisterung abzuringen wusste.

Up next allerdings erst mal schon wieder Düsterkrach (Terra Tenebrosa), Prügelgroovekrach (Ken mode), und Gröldoomkrach (Batillus) …  

Mittwoch, 6. März 2013

Winter

Was WINTER betrifft, komme ich zugegeben ganz schön spät zur Party. Und frage mich, wie ich diese Band erst im März 2013 für mich entdecken konnte?!
2011 sah ich sie zwar auf der Roadburn-Hauptbühne im Vorbeschnuppern, und irgendwann vorher oder nachher wurde diese Perle dann außerdem auch noch vor mich Sau im Rahmen irgendeines Southern Lord/ „Power of the Riff“-Mixtapes zum digitalen Gratisdownload geschmissen, ich übte mich aber, aus mir inzwischen nur noch unerklärlichen und unentschuldbaren Gründen, in Ignoranz.
Nein, mir musste das Übersee ursprünglich mal 1990, und dann 1992 via Nuclear Blast wiederveröffentlichte, einzige Full Length-Album „Into Darkness“ erst noch mal explizit direkt unter die Nase gehalten werden, damit ich Vollidiot schon auf der Hälfte des ersten Durchlaufs feststellen darf, es hier mit einem sehr eindeutigen Kandidaten für ein absolutes All Time Lieblingsalbum zu tun zu haben.
Wie das New Yorker Trio auf „Into Darkness“ düster und schwer, mit ziemlicher Celtic Frost-Kante, doomigen Death Metal (oder deathigen Doom Metal) frönt, das alleine trifft ja schon ziemlich meinen Nerv.
Was allerdings noch hinzukommt, ist ein im positiven Sinne alt und luftig klingende Produktion, mit einem unglaublich geilen Drumsound. Wie geil ist denn bitteschön diese Drumproduktion? Ich könnte mir das stundenlang nur auf die Drums achtend anhören.
Warum habe ich dieses Album nicht schon vorher gehört? Und warum hat mir hier mal wieder niemand gesagt, dass ich das brauche? Fragen über Fragen …

One Night in Oberhausen (Agrypnie, Der Weg einer Freiheit, ...)

Zugegeben, am letzten Samstag Abend landete ich irgendwie vor allem deswegen im Oberhausener Helvete, weil ich nach einer etwas zu immergleichen, öden und verpeilten Woche keinen Bock hatte, diesen dann auch noch auf dem Sofa meiner chaotischen Singlewohnung zu verbringen.  Also Hintern lieber in den RegioExpress geparkt, und ein bisschen Schwermetalllivemusik …

Ich mag es, wenn sich Konzertläden tatsächlich an ihre eigens angekündigten Zeitpläne halten (beileibe nicht überall eine Selbstverständlichkeit).
So legten HERETOIR bei meiner Ankunft um 20:00 rum auch tatsächlich pünktlich los. Ich kann allerdings nicht wirklich behaupten, dass von jenen nennenswert viel hängengeblieben wäre. Es ist zwar nicht so, dass das Gebotene irgendwie schlecht klang, es unterhielt im entsprechenden Moment im Gegenteil sogar ganz gut, aber in dieser Ecke der jungen „Post-Black Metal“-Szenerie, aus der auch HERETOIR mit diversen Nebenbands und personellen Überschneidungen stammen, ist mir persönlich die Musik wohl schlichtweg einen Hauch zu zahnlos, um das auch auf Tonträger haben zu müssen. Denn da höre ich eigentlich lieber gleich konsequent irgendwas Shoegaze- oder Postrock-mäßiges, als solchen Weichflöten-Dunkelmetal.
Nicht abwertend gemeint, Jungs, für Euch gibt es sicher Publikum, aber ich gehöre nicht dazu.

DER WEG EINER FREIHEIT sind eine seltsame Band. Ihr Name ist seltsam, ihr Background mit Deathcore-Vergangenheit wirkt seltsam, und ihr Konzept, einerseits musikalisch doch nicht zu sehr dem betont atmosphärischen, modernem (Post-)Black Metal im WITTR-Fahrwasser zu entsprechen (in das man sie zunächst reflexartig stecken wollte), andererseits aber trotz aller Nähe zu traditionellerem Extrem-Metal gerade auch schwedischer Prägung (Dissection und co.) nicht unbedingt die dafür typischen Image-Klischees abzuspulen, mag man ebenfalls seltsam finden können. In dieser Gesamterscheinung „nichts halbes und nichts ganzes“ zu sein, könnte allerdings der Schlüssel liegen, sich längerfristig als Hausnummer in der hiesigen Metalszene zu etablieren, zumal die Band schon mit The Black Dahlia Murder und Darkest Hour zusammen spielte, was irgendwie genau so passt, wie mit Agrypnie.
Und es ist schön zu sehen, dass die in der Vergangenheit gerne mal als etwas eingefahren-verbohrt geltende Ruhrpott-Crowd (ganz schön viele „Kirmesmetaller“ mit Sodom- oder Metallica-Shirts und -Backpatches im gut gefüllten Laden an diesem Abend!) eine Band wie DER WEG EINER FREIHEIT bereits so offen und begeistert aufgenommen hat.
My two Cents: Ich fand ihren Auftritt im Helvete sehr gut, wenn auch 1-2 Songs zu lang, denn 10 min. weniger hätten es hier wohl auch als Co.-Headliner-Spielzeit voll und ganz getan. Dass Mainman Nikita inzwischen neben dem Gitarre spielen auch die Vocals übernimmt, funktioniert noch besser als mit ihrem früheren Sänger. Dass der zusätzliche Livegitarrist aus der Nähe einen Tick zu tumb und selbstherrlich rüberkam, nun ja, that’s only me.
Guter Auftritt!

AGRYPNIE sind eine Nachfolgeband der inzwischen doch wieder aktiven Nocte Obducta.  Letztere galten unter einigen Zeitgenossen immer so ein bisschen als „Avantgarde-Black Metal“-Perle, hatten in my book aber damit zu kämpfen, irgendwie aus dem Umfeld der ziemlich unsäglichen Kaspertruppe Agathodaimon zu stammen, und gelegentlich ein bisschen nach möchtegernintellektuellem Dunkelromantikertum zu müffeln, auch wenn sie sich selbst wohl eher in der Rolle ironischer Cleverpunks sehen wollten. Naja.
Den eigenen Anspruch, sowas wie „Post-Black Metal“ zu machen, erfüllen AGRYPNIE nicht wirklich. Ihr Düsterknüppel-Metal mit immer wieder mal melodeathigem Schulterblick mag einen modernen Anstrich haben, aber eigentlich ist das eher ein moderner Anstrich aus Sicht des innerszenischen Metal-Traditionalisten, und nichts, das ich anno 2013 von nur etwas weiter außen tatsächlich als auffällig auf der Höhe der Zeit ansehen oder gar als avantgardistisch titulieren würde.
Das, was sie machen, machen AGRYPNIE ziemlich gut. Ich kann mir das sowohl auf Platte als auch live wirklich mal ‘ne Stunde geben. Aber auch AGRYPNIE haftet so ein dezenter Anklang von bräsigen Gothstyle-Klischees an, der mir ein bisschen quergeht, und auch musikalisch driftet das Ganze um das eine Quentchen zu sehr in typische „Legacy-Metal“-Gefilde, die nicht (mehr) sooo 100%ig meins sind.
„Nicht wirklich schlecht, aber eben doch nicht so 100%ig meins“ – damit wäre dann auf die diplomatische wohl auch alles gesagt.

Dienstag, 5. März 2013

Pig Destroyer für den guten Zweck

Unter dem Titel „Mass & Volume“ haben PIG DESTROYER gerade insgesamt ca. 25 min. eher Doom-lastiger Musik digital veröffentlicht, die während der „Phantom Limb“-Aufnahmesessions entstand, und dann erst mal im Giftschrank landete.

Die 10$ (oder mehr), die man bei Bandcamp dafür lassen soll, gehen an die Hinterbliebenen des kürzlich verstorbenen Relapse Records-Mitarbeiters Pat Egan, bzw. den College-Sparstrumpf seiner Tochter.

Aus musikalischer Hinsicht ist das Ganze als Nachschlag zu ihrer eher etwas sludgey veranlagten Phase besagter Zeit, im Kontrast zur wieder etwas knackig-punkigeren Ausrichtung des aktuellen Albums, tatsächlich ganz interessant und willkommen. 

Sonntag, 3. März 2013

25jähriges …

Vor 25 Jahren war 1988. Ein Jahrgang, der gar nicht mal so unwichtig in meiner musikalischen Früherziehung zu sein scheint. Ob der BON JOVI’sche Pudelhardrock von „New Jersey“, IRON MAIDEN’s letztes richtig zwingendes Album „Seventh Son of a Seventh Son“, HELLOWEEN’s „Keeper of the Seven Keys Part 2 “, … AC/DC, Danzig, Queensryche, ...diverse Thrash-Klassiker, und ja, auch Manowar und Metallica… – das waren alles Bands, die an der Initialzündung oder späteren Weiterbefeuerung meiner bis heute anhaltenden Obsession für harte Gitarrenmusik mehr oder weniger wesentlich beteiligt waren.
Anstatt zu jedem dieser 25jährigen Albengeburtstage einen einzelnen Nostalgie-Post zu machen, hake ich den Jahrgang mal gebündelt ab …

Vor 25 Jahren – 1988 in Music:

AC/DC – Blow Up Your Video
Es muss tatsächlich mit dem Erscheinungsjahr zu tun haben, dass diese Platte meine frühe(re) Liebe zu AC/DC (mit)auslöste, und das schon kurz ihrem neuerlichen Explodieren mit „The Razor’s Edge“ und dessen Hitsingle „Thunderstruck“. Denn wenn man mal ganz ehrlich ist, rangiert das Teil in der AC/DC-Discographie von 75 bis 90 mehr so im unteren Drittel. Dennoch: Für mich war „Blow Up Your Video“ damals mal ‘ne große Sache.

ANTHRAX – State of Euphoria
Schwieriges Thema, aber dennoch eine phasenweise viel gehörte Platte mit einigen Hits, wenn auch natürlich nicht so gut wie „Among the Living“.

BATHORY – Blood Fire Death
Wenn es um BATHORY geht, werden gerne mal die ersten drei Alben, allen voran „Under The Sign Of The Black Mark“, als für den Black Metal stilprägend und wegweisend zitiert, und das 1990er „Hammerheart“ als Viking Metal-Blaupause hochgehalten.
Was für ein großartiges Album das, veröffentlichungschronologisch wie musikalisch, dazwischenliegende „Blood Fire Death“ ist, fällt dabei allerdings gerne mal unter den Tisch.

BON JOVI – New Jersey
Ja, ein bisschen uncool und von den wirklichen Bad Boys eher belächelt bis verachtet waren die eigentlich damals schon, wenn auch bei weitem noch nicht so wie heute. „New Jersey“ ist etwas, das man damals noch mitgenommen hat, zumal „Bad Medicine“ zu der Zeit für den Rockmusikinteressierten ein so allgegenwärtiger Song wie „Paradise City“ oder „The Final Countdown“ war.

CARCASS - Reek of Putrefaction
Debüt einer sehr wandlungsfähigen Band, bei der ich entegegen des “früher waren die besser”-Klischees gerade auch  das Spätwerk schätze, und Genre-Meilensten der Early Days britischen Grindcores.


CELTIC FROST – Cold Lake
Erwähnenswert an „Cold Lake“ ist natürlich vor allem, dass es die Gurke in der CF-Discographie ist. Was, wenn man sich das Ganze heute rückblickend noch mal anhört, aber vielleicht auch einen Hauch heißer gekocht als wirklich gegessen wurde.

D.R.I. - 4 of a Kind
„4 of a Kind” ist nicht das beste D.R.I.-Album, aber es war mein erstes.

DANZIG – s/t
Tja, was soll man sagen. Die Solo-Frühwerke des „Schinkengotts“ sind super. Aus irgendeinem Grund mag ich persönlich ja die „II“ am meisten, aber die erste kommt um eine Haaresbreite direkt danach.

DEATH - Leprosy
In ihrer Auflistung der „25 wichtigsten Death Metal Alben aller Zeiten“ haben die Jungs und Mädels vom RockHard Magazin „Leprosy“ auf die #1 gepackt, womit eigentlich schon alles gesagt wäre.

EXODUS - Fabulous Disaster
Everybody's doin' the Toxic Waltz!

FORBIDDEN – Forbidden Evil
Ich persönlich schätze von FORBIDDEN ja vor allem ihre Annäherungen an einen modernen Sound und Stil auf den Alben drei („Distortion“, 1994) und vier („Green“, 1997), und finde ihre zweite („Twisted Into To Form“, 1990) gar an der Grenze zu unhörbar. Ihr Debüt „Forbidden Evil“ ist aber wohl zweifelsohne ein Klassiker der Bay Area Thrash Metal-Ära.

HELLOWEEN – Keeper oft he Seven Keys Part 2
Den viertelstündigen Titelsong lege ich ja heute noch gelegentlich gerne mal auf. Dass die HELLOWEEN-Frühwerke, zusammen mit denen von Blind Guardian, Maiden und Manowar, Pate für eine ganze Szenerie einfältiger, prätentiöser und unerträglicher Scheißbands mit viel zu hoch gesungenen Fantasy-Texten standen, darüber müssen wir uns jetzt aber nicht erst groß unterhalten.

IRON MAIDEN – Seventh Son Of A Seventh Son
Klar, frühere Alben waren bestechender, „Seventh Son Of A Seventh Son“ ist aber wohl trotzdem irgendwie „mein“ Maiden-Album, und ihr letztes von so hoher Qualität (okay, auf „Fear of the Dark“ und „Brave New World“ hatten sie noch mal Momente…), auch wenn die Popsingle „Can I Play With Madness“ damals recht streitbar war.

JANE’S ADDICTION – Nothing’s Shocking
Dieses Album, das ich irgendwann in den 90ern kennenlernte, liebe ich ja bis heute. JANE’S ADDICTION’s reguläres Erstwerk hat dieses gewisse Etwas, das sich nur schlecht trocken analysierend beschreiben lässt.

MANOWAR – Kings of Metal
Das mag aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr so ganz nachvollziehbar sein, aber MANOWAR’s „Kings of Metal“ ist ein Album, das man damals tatsächlich gehört hat. Bezeichnend, dass ich die entspreche Kassettenkopie vor allem mit der gleichen, eher kurzen Phase, wie des folgend besprochenen Machwerks verbinde …

METALLICA – …and Justice for all
Dem einen oder anderen von Euch ist vermutlich bekannt, dass ich in jüngerer Vergangenheit gerne mal eine offene Feindschaft gegenüber METALLICA-Fanboys ausgelebt habe. Abendfüllendes Thema für sich.
Bevor mich spätere Bandkollegen dazu zwangen, Songs der ersten drei bis fünf METALLICA-Alben so oft nachzuspielen, bis sie mir irgendwann einfach nur noch aus sämtlichen Körperöffnungen wieder rauskamen, waren METALLICA’s klinisch produzierte Prog-Anflüge auf „…and Justice for all“ mal der Walkman-Soundtrack so mancher Schulbusfahrt gewesen.

MINISTRY – The Land of Rape and Honey
Eine zuvor sowas wie Electropop fabrizierende Band entdeckte die E-Gitarre für sich und fing an Alarm zu machen.
Das Live-Album „In Case You Didn’t Feel Like Showing Up“, der Durchbruch “Psalm 69”, und vor allem das doomige “Filth Pig” sind ja meine persönlichen MINISTRY-Faves, aber mit diesem Album ging’s los.

PANTERA – Power Metal
Mehr interessante Fußnote als wirklich zwingender Klassiker ist „Power Metal“, das letzte Album von „Cheesy Era“- PANTERA, bevor sie mit dem folgenden „Cowboys from Hell“ erst zu den PANTERA wurden, wie man sie kannte und liebte. Die ersten beiden Songs können allerdings alles!

PESTILENCE - Malleus Maleficarum
Im selben Jahr wie der Genre-Meilenstein von Death, erschien auch das Debüt der niederländischen PESTILENCE, die später polarisierende Ausflüge in jazzige Grenzgänge wagten, und deren damaligen Shouter Martin van Drunen (Asphyx, Hail of Bullets) man wohl ohne Übertreibung als heutigen Spokesman der holländischen Death Metal-Szene bezeichnen darf.

PRONG – Force Fed
Das Debüt einer Band, die in den 90ern mit dem progressiven Thrash von „Beg to Differ“ und den Industrial Metal-Hits von „Cleansing“ gleich zwei Überalben ablieferte, hatte bereits seine Momente.

PUBLIC ENEMY - It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back
Als ich irgendwann in den früheren 90ern mal eine PUBLIC ENEMY-Phase hatte, waren es vor allem „Fear of a Black Planet” und  „Apocalypse 91... The Enemy Strikes Black“ gewesen, die bei mir rauf und runter liefen. „It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ kam erst später noch nachträglich dazu, schlug dafür aber noch mal umso mehr ein.

QUEENSRYCHE – Operation: Mindcrime
Ja, es gab da auch mal eine Phase, während der ich QUEENSRYCHE sehr zugeneigt war. Die Alben von „The Warning“ (1984) bis „Empire“ (1990), liefen zu diesem Zeitpunkt alle mal bei mir. „Operation: Mindcrime“ gilt im Common Sense als ihr absolutes Meisterwerk. Veröffentlicht wurde es, natürlich, 1988.

SACRED REICH – Surf Nicaragua (EP)
Eine wirklich sehr, sehr großartige Band, und ihr wohl bekanntester Song.

SLAYER – South of Heaven
Das atmosphärischere SLAYER-Album nach dem Geschwindigkeitsrekordbruch „Reign in Blood“. Kein so großer Klassiker wie sein Vorgänger, keine so ausgereifte Hit-Ansammlung wie sein Nachfolger „Seasons in the Abyss“, aber dennoch ein großes Stück Metal-Geschichte.

SONIC YOUTH – Daydream Nation
Eine gewisse Zuneigung zu den Indierock-Giganten SONIC YOUTH hat sich bei mir ja erst sehr, sehr viel später entwickelt. Von den bisher aufgearbeiteten bzw. für mich entdeckten Alben ist das 88er „Daydream Nation“ allerdings klar eines meiner liebsten, und der Song „Cross the Breeze“ ziemlich weit vorne.

SUICIDAL TENDENCIES – How Will I Laugh Tomorrow When I Can't Even Smile Today
Insgesamt vielleicht, Titelsong und  „Trip at the Brain“ hin oder her, nicht eines der höchst hitverdächtigsten Alben von Bandana-Mike und Anhang, war auf „How Will I Love Tomorrow…“ für die eigentlich aus dem Hardcore-Punk kommende Band eine fortschreitende Annäherung an Metal von halbballadesk-rockig bis thrashig an der Tagesordnung.

TESTAMENT – The New Order
Into the Pit!

VIO-LENCE – Eternal Nightmare
Das Debüt der Bay Area-Thrasher, aus denen quasi Machine Head hervorgingen.
„Geile Riffs, schlechter Gesang“ war schon immer der allgemeine Tenor zur Band gewesen, die zu einem viel späteren Zeitpunkt in einem meiner Metalkumpels-Umfelder sehr gerne gehört wurde. Lege ich nach wie vor gelegentlich mal auf.

VOIVOD – Dimension Hatröss
Das Beste zum Schluss, was? VOIVOD sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Müsste ich (m)eine Alben-Top 3 von ihnen aufstellen, wäre „Dimension Hatröss“ definitiv dabei.

Honorable Mentions:
BAD RELIGION – Suffer
BOLT THROWER - In Battle There Is No Law
BOMB THE BASS – Into the Dragon
BUTTHOLE SURFERS - Hairway to Steven
EXTREME NOISE TERROR - A Holocaust in Your Head
FUGAZI – s/t (EP)
GODFLESH – s/t (EP)
KILLING JOKE – Outside The Gate
L7 - s/t
NAPALM DEATH  - From Enslavement to Obliteration
NUCLEAR ASSAULT – Survive
PUSSY GALORE - Sugarshit Sharp (EP)
RAPEMAN - Two Nuns and a Pack Mule
SAINT VITUS - Mournful Cries
SOUNDGARDEN - Ultramega OK
SWANS - Love Will Tear Us Apart (EPs)
TAD - Daisy/Ritual Device (Single)
TALK TALK – Spirit of Eden
UNIFORM CHOICE - Staring into the Sun
YOUTH OF TODAY - We're Not in This Alone

Man sollte an dieser Stelle vielleicht auch nicht ganz unerwähnt lassen, dass 1988 auch DIE ÄRZTE ihr letztes Studio-Album vor der zwischenzeitlichen Auflösung, sowie das damals wirklich noch lange allgegenwärtige Live-Dreieralbum „Nach uns die Sinflut“ veröffentlichten, während ihre Konkurrenten DIE TOTEN HOSEN „Hier kommt Alex“ ins Rennen schickten.
Auch hier: Ja, das hat man damals tatsächlich noch gehört.

Freitag, 1. März 2013

Aktuelle Alben (Darkthrone, Kongh, Rorcal, 100000t)

100000 TONNEN KRUPPSTAHL – Bionic Testmensch
Nach einem Beitrag auf dem JaKa-Tributsampler, erscheint das neue Album von 100000 TONNEN KRUPPSTAHL, die bei einer zufälligen Live-Begegnung schon mal einen ganz passablen Eindruck bei mir hinterließen, nun also über Unundeux.
Lasst uns jetzt mal nicht sofort so weit gehen, gleich superlativ was von "frischem Wind auf dem Grindcore-/ Extrem Metal-Sektor" o.ä. faseln zu wollen, aber wie (inzwischen so einige) andere Duo-Formationen (siehe Dÿse oder Jucifer), haben auch 100000 TONNEN KRUPPSTAHL einen ganz eigenen Charme, der sie vom Einerlei des Metal-Establishments abgrenzt. Und sowas mag ich, denn im unfertig anmutenden liegt häufig die wahre Perfektion.
So haftet den Berlinern eine gewisse Nähe zu Noiserock und Hardcore-Punk an - Thrash/ Death Metal-Elemente sind neben Rumpel-/Gurgelgrölschrei-Grind allerdings ebenfalls im Spiel.
„Bionic Testmensch“ kommt dabei mit ein paar sehr gelungenen Highspeed-Walzen, teils gar mitgrölbaren Slogans („Antifeind!“, „Meister der Realität!“), und dem einen oder anderen etwas unkonventionellem Moment (sehr geil z.B. die Johl-Vocals bei „Kill Your Kids And Die“) aus der Hüfte; abgerundet durch ein paar kryptisch-bescheuerte oder einfach nur bescheuerte, vorwiegend deutschsprachige Songtitel/-texte.
Womit diese Band bzw. dieses Album unterm Strich durchaus einiges zu bieten hat, das vielen anderen, aktuell etwas festgefahrenen Kapellen auf dem Death'n'Grind-Sektor eher abgeht.
Freunde von JaKa, Pig Destroyer, Brutal Truth, Carcass, Leng Tch'e, Yacøpsæ und co. liegen hier goldrichtig!

Bestellen: unundeux.de/shop

DARKTHRONE – The Underground Resistance

Nach „Circle the Wagons“, bzw. der bisherigen Entwicklung dahin, lag ja irgendwie schon im Vorfeld auf der Hand, dass sich die Herren Fenriz und Nocturno Culto noch tiefer dareinwühlen würden, ihren Düsterpunk mit NWOBHM-Einflüssen zu vermengen. Ebenfalls war irgendwie klar, dass inzwischen jeder plakativ dabei sein muss, wenn Oberkultcombo DARKTHRONE das nächste Album raushauen. Von Features in Indiehipster-Webzines bis zur schäbigen Metalkneipen-Releaseparty mit Tombola ist da gerade schon alles dabei gewesen. So eine Überpräsenz kann einen auch nerven. Ich versuche, mich davon nicht zu sehr beeindrucken zu lassen, und komme zum Punkt: Würde jemand anders als DARKTHRONE mit einer rumplig produzierten Celtic Frost-Hommage nach der anderen um die Ecke kommen, und dann noch alberne Heavy/ Speed/ True Metal-Jodler obendrauf legen (was Fenriz bei seiner Hälfte des Songmaterials so abfeiert, ist eigentlich schon über die Grenze…), würde man ihnen das vermutlich links und rechts um die Ohren hauen. Aber DARKTHRONE dürfen das und blabla.
Eine Überraschung ist dieses Album wie gesagt nicht wirklich, eine Offenbarung auch nicht, aber es macht Spaß. Was eigentlich das wichtigste ist, was man darüber wissen muss. Wer auf biergeschwängerten Altherren-Metal mit Düsterknüppel-Roots, betonter Old School Produktion, und gewissem Spaßfaktor klarkommt, dem kann dieses Album sehr viel Freude bereiten. Wem sowas zu albern ist ... nun, dem ist es dann halt zu albern.
„The Cult Is Alive“ und „Circle The Wagons“ fand ich, glaube ich, insgesamt doch etwas instant-hitverdächtiger, „Leave No Croos Unturned“ ist allerdings dennoch einer der Songs des Jahres!

KONGH – Sole Creation

Die schwedischen KONGH haben es ja irgendwie gut. Warum? Weil ihr düsterer Sludge Metal zwischen Doom-Geschleppe, brachialen Grooves und räudigem Gekloppe in eine Kerbe haut, die aktuell ja schon irgendwie hip ist, und das Trio hier nicht etwa spät zur Party stößt, die von Ramesses gerade verlassen wurde, sondern auch schon eine Weile dabei ist. Was immerhin schon mal gute Grundvoraussetzungen sind, die eigenen Wirkungskreise noch ein bisschen zu erweitern.
„Sole Creation" ist dabei noch mal ein ganzes Stück melodischer und gar melancholischer, gerade in der zweiten Hälfte eigentlich schon pathostriefend geworden. Mehr Gesang als Gegröle, mehr Doom, mehr Metal im etwas klassischeren Sinne.
Ob da die gemeinsame Tour mit Yob Spuren hinterlassen hat? Ich würde es glatt mal mutmaßen. Interessante Entwicklung jedenfalls. Damit machen sie sich unter frühen Fans bestimmt nicht nur Freunde.
Mir gefallen KONGH so allerdings ausgesprochen gut. Hat man sich dran gewöhnt, dass ihr Stil hier ungewohnt oft ein bisschen mehr zu traditionellerem Doom neigt, und vielleicht auch daran, dass die pathetische Gesangsführung dieser Passagen etwas Rob Flynn-esques an sich hat (mein voller Ernst), dann funktioniert das Ganze tatsächlich. Auch wenn mich diese Wechselgesangs-Sache auch bei Albumdurchlauf Nummer 10
immer noch gelegentlich zwischen Begeisterung und Ablehnung schwanken lässt.
2013 scheint ein weiterer guter Jahrgang für Doom zu werden …

RORCAL- Világvége

Kennt ihr diese Bands, die zwar eigentlich irgendwie ziemlich geil sind, ein so wirklich zwingendes Album aber trotzdem erst noch abliefern müssen?
RORCAL sind für mich so eine. An sich sind die Jungs total Granate, blasen wirklich alles weg. Der 70minütige Onetracker „Heliogabalus“ war schon ein herrlich sperriger Brocken nach meinem Gusto. Anderes Material der Schweizer, darunter auch diverse Splits, ebenfalls nicht ohne. Aber eine Veröffentlichung mit Klassikerpotenzial? Ja ne, wenn man mal, trotz aller Sympathie, ganz ehrlich ist, gab es die von denen bisher noch nicht.
Ändert sich das nun mit „Világvége“? Ja, sie kommen der Sache näher!
Weltuntergang mag ein abgelutschtes Motto für ein Metal-Album sein - wenn RORCAL dabei ihre Vorliebe für Black Metal-Einflüsse tiefer ausleben wollen, kann man das aber wohl noch mal durchgehen lassen. Zumal ihr Verständnis von Black Metal, auch geographisch naheliegend, eines im Sinne von Celeste oder Deathspell Omega ist.
Hat man den Intro-Track „I“ und den mit
„D“ wie Doom passend betitelten Fast-Zehnminüter danach passiert, folgt mit den restlichen sechs Songs eine halbe Stunde klaustrophobisch-nervöses Amokinferno. Dicht und undurchdringlich, brachial und brutal, auch mal eher um die Ecke als nur straight nach vorne, wird man von dieser Band luftdicht zermalmt.
Hat man das hinter sich gebracht, denkt man vielleicht etwas überrascht „Ach, das war es dann doch schon?“. So zäh und schmerzvoll wie „Heliogabalus“ ist das partielle Lichtgeschwindigkeitsgezimmer dieser fast schon kompakten Dreiviertelstunde halt nicht. Ein Überalbum vorm Herrn auf die ersten Hinhörer zwar auch nicht wirklich, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn so einen Level an Intensität erreichen die meisten anderen Extrem-Metal-Bands zu keinem Zeitpunkt ihres Bestehens.
Man sollte das Grower-Potenzial dieser krass geballten Wucht von interessanter Eigenidentität also wirklich nicht unterschätzen.
Und die Jungs natürlich außerdem unbedingt mal live sehen (auch wenn abzuwarten bleibt, wie sich der Nachfolger des nach diesem Album ausgestiegenen Sängers so macht).
Bandcamp: rorcal.bandcamp.com