Donnerstag, 28. Februar 2013

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Zwanzigjähriges: Cathedral – The Ethereal Mirror

So wie heutzutage Yob, Pallbearer, Kongh, Bongripper und co., waren CATHEDRAL Anfang der 90er mal eine Band, die eine Brücke zwischen Black Sabbath'schem Hippie-Doom und zeitgenössischem Extrem-Metal schlug.
Sänger Lee Dorian war zuvor (wie so viele Andere auch) mal kurz bei Napalm Death gewesen, und ihre Alben erschienen auf Earache Records, Heimat vieler früher Grindcore- und Death Metal-Meilensteine (Napalm Death, Carcass, Entombed, Bolt Thrower, Brutal Truth, Anal Cunt, Naked City, Godflesh ...).
Ihre Anfangstage waren passend dazu auch noch von einer gewissen Schroffheit geprägt, die es traditionelleren Metal-Fans und Hochglanz gewohnten Musikjournalisten nicht so ganz einfach machte, auch wenn das zwanzig Jahre später mal wieder reingehört kaum noch nachvollziehbar sein mag.

Besonders ihr 93er Zweitwerk „The Ethereal Mirror“ ist dabei durchaus eine gewisse Fußnote in meiner hart-musikalischen Sozialisierung.
Nach den ersten drei Alben - die bereits eine gewisse Tendenz zeigten, sich vom zähen Doom etwas mehr zu lockerem Stoner Rock zu entwickeln (und danach dann später auch wieder zurück) -  habe ich CATHEDRAL allerdings irgendwie nicht mehr so intensiv weiterverfolgt, auch wenn ich sie über die Jahre immer wieder gerne live gesehen habe (die letzten male 2009 noch sowohl beim Roadburn als auch auf Wacken).

Es gibt zwei Anlässe, warum ich die alten CATHEDRAL-Alben aktuell mal wieder hervorgekramt habe:
1.) „The Ethereal Mirror“ ist diesen Monat 20 geworden!
2.) Nach einem schon vor zwei Jahren angekündigten Anlauf in die Rente, soll diesen April das zehnte und letzte Album der Band erscheinen.

Und wenn ich „The Ethereal Mirror“ heute so höre, gefällt es mir ja eigentlich sogar noch besser als früher. Die damals vor allem sehr auffälligen Ausreißer ins rock'n'rollig-flotte, wie die Videosingle „Midnight Mountain“ (mit Handclaps!), sind nur ein kleinerer, eigentlich schon zu vernachlässigender von vielen Aspekten, warum dieses Album ein zeitloser Überflieger ist.
Düster-ruppige Groovebrat-Riffs mit Celtic Frost-Vibes trafen hier auf britische Selbstironie. Ein massiv-druckvoll und schmutzig knallender Sound, und ein nicht wirklich übermäßig sangestalentierter Frontmann, dessen Schlaghosen und 70ies-Vorlieben damals eher kauzig-uncool waren, und der irgendwie immer noch mehr so halb hilflos grölte als wirklich sang, waren das Salz in der Suppe eines heute noch eigen klingenden Stils.
Der Spirit dieses Albums ist ein Grenzgang aus bierverschüttendem Tanzen mit breitem Grinsen und ein paar grimmigen Pommesgabelzeigern zwischendurch.

Was für ein großartiges Album. Gerade zum ersten mal seit sehr (!) vielen Jahren mal wieder im Player gelandet, will es eben jenen seit 2-3 Tagen gar nicht mehr verlassen …

Mittwoch, 27. Februar 2013

Zehnjähriges: Anthrax - We’ve Come For You All

Tja, auch „We’ve Come For You All“ ist jetzt zehn Jahre her.  Das letzte reguläre Studio-Album von ANTHRAX‘ John Bush-Ära.
Ein Album, auf das ich bei Erscheinen schon sehnlichst gewartet hatte (war das letzte schließlich schon eine halbe Dekade her), und das nicht enttäuschte.
Es gäbe so vieles, was man über die weitere Geschichte der Band jetzt noch mal aufrollen und kritisieren könnte, aber wozu …
Stattdessen möchte ich noch mal in eine Zeit zurückblicken, in der die Welt noch ein kleines bisschen mehr in Ordnung war, und noch ein mal diesem Album huldigen, das mit einem Sänger wie Heulboje Belladonna niemals möglich gewesen wäre.
Zumal ANTHRAX damals die einzige klassische (Thrash) Metal Band war, bei der die Weiterentwicklung zu etwas anderem geglückt, stimmig und geil kam (auch wenn ewiggestrige Kuttenträgerneandertaler das naturgemäß anders sehen wollten).

Nach dem Intro knattert mit „What Doesn't Die“, furztrocken inszeniert, eine Bollernummer mit modern-metallischem Anstrich los, und die folgenden „Superhero“ und „Refuse to Be Denied“ (geiler 6/8-Stampfer) sind „Alternative Metal“ im allerbesten Sinne.  Es folgt die Single „Safe Home“, die eindrucksvoll beweist, das man auch einen Song mit musikalisch wie textlich recht cheesigem Refrain trotzdem noch mit Eiern umsetzen kann. Der Refrain von „Any Place But Here“ (mit kleinem, unbewussten Selbstrecycling einer „Ghosts of Mars“-Soundtrackpassage) geht einem schon nach einmaligen Hören nie wieder aus dem Kopf, und Schlagzeuggott Benante sei sein Showing Off bei „Nobody Knows Anything“ gegönnt.
Bei
Strap it on“ und „Cadillac Rockbox“ gab es dann die  damals obligatorischen Gasteinlagen von Dimebag Darrell (R.I.P.), dazwischen zieht „Black Dahlia“ die Härtegrad-Schraube mit Blastbeats an.
Und das letzte Drittel des Album dreht sogar noch mal auf:  „Taking the Music Back“ ist eine nicht spektakuläre, aber dennoch weitgehend gelungene Annäherung in Richtung Stadionrock; wenn nach dem Break in „Think About an End“ noch mal der Monstergroove losrockt, wird’s richtig geil, und der abschließende Titelsong ist auch noch mal ein kleiner Hit.

Ein wirklich tolles Album zum genau richtigen Zeitpunkt, mit dem ich außerdem noch das ein oder andere tolle Konzert der Band verbinde (darunter das erste RockHard-Festival, eine gemeinsame Tour mit meinen alten Faves Prong, und „In  My World“ live in Köln)
Über die Anthrax-Jahre ab 2005 hüllen den Mantel des Schweigens.
Ja, 2003 war die Welt noch ein Stück weit in Ordnung.



Samstag, 23. Februar 2013

Nicoffeine

Entdeckung der Woche, zwei: Keine Ahnung, warum NICOFFEINE bisher völlig an mir vorbeigingen. Erst durch die Tatsache, dass die Koblenzer demnächst ein paar Gigs mit den großartigen Valborg zusammen spielen, bin ich überhaupt mal auf sie gestoßen.
Dabei machen einige Mitglieder seit Mitte der 90er zusammen Musik, haben unter dem seit 2000 aktiven Bandnamen NICOFFEINE seit 2009 keinen Geringeren als Guido Lucas am Bass mit dabei, und veröffentlichten immerhin bereits vier Alben über bluNoise.
Noiserock, Drone, No Wave sind Stichworte, unter denen sich ihre Musik grob zusammenfassen last. Ohne Gesang im konventionellen Sinne artet jene dabei nicht selten eher in disharmonisch-dekonstruktivem Gerumpel aus. Was auch aus Hörersicht paradoxerweise sehr viel Spaß macht.
Gefällt mir!
Seltsam genug, dass das Ganze so lange an mir vorbeigegangen ist, aber in großen Teilen der Musikpresse, von der die Koblenzer bluNoise-Mischpoke sonst gerne gefeatured wird, scheint man halt eher einen Bogen um diesen wenig massenkompatiblen Krach gemacht zu haben …


Freitag, 22. Februar 2013

Obscure Sphinx

Entdeckung der Woche: OBSCURE SPHINX kommen aus Polen, haben eine sowohl schreiende, als auch singende, außerdem gelegentlich elektronische Effekte aufrufende Sängerin, und machen Post-Metal-/ Hardcore-mäßige Musik, zu der mir als Vergleich vor allem Neurosis (auch Neurosis & Jarboe), und Julie Christmas/ Battle of Mice/ Made Out Of Babies, sowie die französischen Overmars einfallen.
Das liest sich jetzt zugegeben nicht sonderlich originell, aber die Band macht bei den beiden Songs, die man bei lastfm anhören und herunterladen kann, ganz schön viel richtig.
So übersättigt man an Kapellen in derartigen Stilgefilden aktuell vielleicht schon sein mag, so packend sie die epischen Arrangements, schneidigen Riffs, und gekonnt variationsreichen Vocals dieser beiden Nummern.

Sieht so aus, als wäre das ganze zugehörige Album ausverkauft, aber immerhin noch digital bei bandcamp erhältlich, und es empfiehlt sich OBSCURE SPHINX im Auge zu behalten, wenn schon diese beiden Zehnminüter vom Debüt ein derart hohes Niveau haben.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Portal

PORTAL sind schon eine besonders besondere Band. Das exzentrisch anonymisierte Bühnenauftreten der Australier ist mysteriös und humoresk zugleich, ihre Musik ein düster-atmosphärischer Dauerfeuerbrei extremen Metals, auf dessen Gesamtwirkung mehr Priorität liegt als in der Durchführung.
Ihr 2009er Profound Lore-Album „Swarth“ wurde im Underground als mittelschwere Sensation gefeiert, zum jetzt gerade erscheinenden Nachfolger „Vexovoid“ gibt es nun sogar ein Feature im hiesigen Metal Hammer.
Ich persönlich bin nach wie vor etwas unentschlossen, was ich von dieser Band eigentlich halten soll. Berechtigter Kultstatus oder dilettantische Mogelpackung? Entscheidet selbst.
Hier eine Hörprobe vom neuen Album:

Mittwoch, 20. Februar 2013

Kurz notiert

Zu Bands, in die ich im Zuge des letzten Roadtrips endlich mal richtig reinhören konnte, gehören:

- CASTLE: Das Ván Records-Roster wird ja wirklich immer retrolastiger. Irgendwie passen da auch CASTLE mit einer eigentümlichen Mischung aus Kellerrumpelrock, einem Schuss Doom, Old School Thrash Metal-Spirit und staubig-erdigem Sound mit rein. Kann man, wenn man mit Bands wie u.a. Sabbath, Maiden zu Di'Anno-Zeiten, und Slayer aufgewachsen ist, eigentlich nur sympathisch finden, muss man bei gewissem Hang zur Moderne allerdings trotzdem irgendwie nicht wirklich öfter hören.

- DOPETHRONE: Ob man sowas wie die kanadische Ausgabe von Weedeater wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. „Dark Foil“ von DOPEHTONE (Bandcamp-Link) ist nichtsdestotrotz ein recht viel Spaß machendes Album rockigen Sludge Metals mit Krächzvocals. Warum „III“ dagegen ein ganzes Stück schlechter produziert klingt als sein Vorgänger, weiß ich nicht. Ich habe auf diesem aktuell etwas überlaufenen Sektor allerdings echt auch schon weitaus langweiligere Bands gehört, als diese. Bockt!

- HOODED MENACE: Als „Never Cross The Dead“ 2010 über Profound Lore rauskam, hatte ich irgendwie nicht so wirklich Bock drauf. Es muss allerdings wohl mit meinem Wiederentdecken von Autopsy kürzlich, und der derzeitigen Omnipräsenz von Asphyx zu tun haben, dass es doomiger Death Metal zurück auf meine Interessenslandkarte geschafft hat. HOODED MENACE machen in diesem Feld ganz schön viel richtig. Werde mir deren aktuelle (Bandcamp) wohl zeitnah auch noch zulegen.

- THE ATLAS MOTH: Ich habe es jetzt mehrfach versucht, und bin mehrfach einfach nicht auf Anhieb mit dieser Band warmgeworden. Die Details kann ich selbst nicht so genau verifizieren. Es hat was mit den Vocals zu tun, und mit dem etwas unentschlossen zwischen Polen wie sphärisch und aggressiv rumdümpelndem Shoegazecore-Stil. Originell sind sie ja, irgendwie. Mir persönlich fehlt hier aber wohl etwas konkretes, das mich spontan mitziehen würde. Vermutlich ist das genau eine dieser Bands, bei der ich nach Auflösung irgendwann mal feststelle, dass die ja eigentlich doch ganz gut und mein Ding gewesen wären, oder sowas. Und wenn nicht, dann is' auch egal…

Dienstag, 19. Februar 2013

Metropolis und Metal

Gleich zwei aktuelle Alben harter Musik berufen sich auf Fritz Lang’s SciFi-Stummfilmepos „Metropolis“ als Inspiration:
- „Vertikal“ von den schwedischen Post-Metal-Vorreitern CULT OF LUNA
- „Hel“ vom etwas naiven Quasi-Black Metal-Projekt MELANCOLIA ESTATICA aus Italien

Interessanter Zufall: Beim letztjährigen Roadburn war Metropolis in meiner Reisegruppe schon mal Thema gewesen, nachdem der Film dort beim Frühstück im holländischen TV, mit eigener Soundtrackauswahl dazu geguckt wurde.

Ich werde davon absehen, hier jetzt auch noch Queen‘s „Radio Gaga“-Video ins Spiel bringen zu müssen.
Natürlich ließ es sich bereits ein Fan nicht nehmen, einen Song vom aktuellen CULT OF LUNA-Album auf Youtube mit Szenen aus Metropolis zusammenzuführen.
Das schauen wir uns mal an:


South of Mainstream nachgesessen

Auch wenn ich Euch letztes Jahr gesagt hatte, dass Ihr zum South of Mainstream fahren sollt (was, wie ich ebenfalls bereits erwähnt habe, ja doch ziemlich großartig war), hatten die meisten von Euch (also zwei von drei) das ja dennoch unterlassen.
Als Nachschlag zur finanziell selbstdesaströsen Veranstaltung fand letztes Wochenende das „South of Mainstream Nachsitzen“ an jeweils zwei Abenden in Leipzig und Berlin statt. In der Bundeshauptstadt war ich dabei.

Irgendeinen nicht angekündigten Spontan-Opener der etwas ruhigeren Art habe ich verpasst, bei unserer samstäglichen Ankunft in der Jägerklause spielten bereits EARTHSHIP. Die, um es mal kurz abzuhaken, wie immer ganz nett waren, aber auch keine Offenbarung.  Und auch CONNY OCHS war in diesem Rahmen irgendwie mehr ein Pausenfüller als Knüller. Aber egal, ersma Bier innen Hals.
PLANKS wussten dann allerdings gekonnt den Energielevel zu heben. Ihr Set schien sich nicht groß von dem letztens in Recklinghausen zu unterscheiden, und am besten gefiel mir wieder mal das Instrumental („The Spectre“). Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass dieses Trio sich noch in der Entwicklung befindet, jetzt gerade neben noch düsterer und atmosphärischer als zu früheren Zeiten der Bandexistenz, auch noch viel besser zu werden.
War echt gut!
Zu OBELYSKKH sage ich mal ganz diplomatisch: Irgendwie hatte ich mir von denen mehr versprochen. Das Ding ist aber - wenn man schon Ultraposer in der Band hat, dann müssen Musik und Darbietung das rechtfertigen. Taten sie im Fall der Nürnberger aber nicht so wirklich. Ihr Stoner/ Sludge Metal mit sowohl Geschrei als auch Gesang, sowohl Psychedelic-Anflügen als auch Brachialgrooves, kam nicht nur ohne nennenswerte Eigenakzente daher, sondern lies auch das Quentchen rockolympisches Spektakel vermissen, das man als Grand Finale eines Konzertabends auffahren sollte. Naja. Sorry Jungs, aber naja.
Der Chefredakteur eines Musikprintmags aus Dortmund (nennen wir ihn Götz) erging  sich derweil in der Triptykon/ Hellhammer-Nähe, die er in OBELYSKKH’s Stil gehört zu haben meinte. Auch hier: Naja.

Am Sonntag eröffnetem in einem, in der Natur der Dinge dann nicht ganz so kochendem und überfüllten Laden wie am Vorabend, THE ANTIKAROSHI. Deren Noise-/ Math-/Indie- /Krautrock-Allerlei ist nicht sooo 100%ig mein Ding, und gefällt vor allem bei Instrumentalnummern am besten, aber schlecht geht anders.
REFLECTOR aus Österreich waren mit ihrem weitgehend instrumentalen Gerocke mit schwerer Doom/ Sludge-Schlagseite dann fast schon wieder etwas zu sehr mein Ding. Ich für meinen Teil meinte an dieser Stelle dann neben Sabbath und den Melvins hier und da sogar Slayer-Anleihen rausgehört zu haben. Dazu schmeckt das Bier, well done!
Das barfüßige Sitzduo BEEHOOVER weiß eigentlich immer zu überzeugen. Verspielt und doch straight druckvoll nach vorne, so mag ich es am liebsten. Auch an diesem Abend mal wieder höchst mitreißend. Kleine Randnotiz: Basser/Sänger Ingmar im legendären „Feeding the Krauts“-Shirt der JaKas. Im Herbst kommt ein neues Album.
Das immer noch aktuelle sechste Album des österreichischen Powertrios BULBUL ist eines dieser „heimlichen“ Highlights der letzten Jahre. Ihr funky Weirdonoiserock ist ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, und man muss schon ein spezieller Typ sein, eben diesen zu goutieren. Bei diversen Metalkumpels stieß meine Begeisterung für den sowohl krachigen als auch schwer tanzbaren Wahnsinn jedenfalls nur auf völliges Unverständnis.
Und es war auf jeden Fall schön, nun auch die BULBULs endlich mal live gesehen zu haben, die gleich mit meiner Lieblingsnummer „When Sun Comes Out“ starteten. Großer Spaß! Ganz, ganz großer Spaß!
Nettes Wochenende.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Hull ...

 

Dass HULL letzten Herbst ziemlich genau 1 Jahr nach der Veröffentlichung ihres Albums mit diesem Videoclip zum Titeltrack um die Ecke kamen – bei dem es dann auch noch eine ganze Weile gedauert hat, bis er bei Kanälen wie Youtube „allgemein“ abrufbar war, anstatt nur auf der „Premieren“-Seite eines Metal-Webzines dazu - kann man gerade mal ganz gut für eine Bestandsaufnahme nutzen.

Denn als ich „Beyond The Lightless Sky” neulich mal wieder hörte, und immer noch für sehr gut befand, war die Feststellung nicht weit, dass diese Band ja doch noch nicht die eigentlich erwarteten Wellen geschlagen hat.
Dabei gaben sich die essenziellen Organe der Metal- und Indie-Blogosphäre echt Mühe, beim gefühlt durchaus im Schwange befindlichen HULL-Hype direkt anfangs mit dabei zu sein. Schließlich wurde die Band bereits auch in nicht-szenischer Presse gefeatured, spielte mitgefilmt beim SXSW, und selbst der deutsche Metal Hammer wurde ein halbes Jahr später immerhin mit einem Halbseiter drauf aufmerksam.
Trotzdem scheint einer der, nicht nur meiner Einzelmeinung nach, zwingendsten Metal-Newcomer der letzen Jahre jenseits wie diesseits des Atlantik immer noch nicht so richtig breiter zur Kenntnis genommen worden zu sein, und außer ein paar notorischen Stonermetal-Köppen und Musiknerds mit Jagd-/Sammeltrieb niemanden so wirklich zu interessieren.

Man kann nur mutmaßen, warum das so ist, aber meiner Meinung nach dürften dabei zwei Umstände nicht ganz unwesentlich sein:
1.) So richtig viel getourt hat diese Band bisher nicht, außerhalb der USA zuweilen sogar gar nicht, und das gehört auch im heutigen Internetzeitalter nun mal nach wie vor dazu, um als Rockband wahrgenommen zu werden.
2.) Das räudige 1-Song-Epos „Viking Funeral“ und das mitunter schon recht unkompakte Konzeptalbum „Beyond The Lightless Sky” sind für die Journalisten und Fans, die schon an der wachsenden Popularität von Bands wie Baroness, Kylesa oder den poppigen Kvelertak teilnahmen, vermutlich schlicht und ergreifend immer noch nicht griffig genug, um instantmäßig einzuschlagen und ohne etwas eingehendere Beschäftigung zu funktionieren.
Anders kann ich mir das anhaltende Geheimtipp-Dasein von HULL jedenfalls nicht erklären.

Ein bisschen schade ist das schon, denn ich würde gerne mal sehen, wie die Truppe aus NYC hiesige Clubs aufkocht.

Dienstag, 12. Februar 2013

Peter Bellendir (Eisenvater) verstorben

Von Unundex kam gerade folgende, sehr traurige Meldung rein:

"Der Schlagzeuger Peter Bellendir ist am Morgen des 03. Februar den Folgen eines Organschadens erlegen.
Er hinterlässt außer einer Lebensgefährtin, zwei kleinen Töchtern und etlichen weiteren Freunden die Band EISENVATER, bei der er von 1993-1996 getrommelt hat und in die er Ende letzten Jahres wieder eingestiegen  war.

Einen letzter Salut feuern wir in Gedenken an ihn gerade über den www.unundeux.de/player ab und hoffen, dass er auch da oben nicht vergißt, lauter zu machen!
"


Aus diesem Anlass werde ich wohl zeitnah, nicht zuletzt auch als Nachruf, wohl mal einen eigentlich schon länger geplanten wie überfälligen Blogpost zur Großartigkeit EISENVATERs verfassen.
An dieser Stelle muss erst mal einer meiner Lieblingssongs der Band reichen:


 

Konzertwochenende (ja, schon wieder)

09.02.2103:
Coilguns, Nvrvd, Abest, Unru
Coffee Corner, Essen

Tja, so ist das, wenn man musikinteressiert ist, gerne dem Underground Chancen gibt und so weiter und so fort … Man landet dann auch schon mal in einem Juzkeller mit mehr Bandmitgliedern als zahlenden Gästen.
Als Headliner standen COILGUNS auf dem Plan. Eine Band aus der Schweiz, die damit wirbt The Ocean-Mitglieder in den Reihen zu haben. Im Vorprogramm gab es die Ostwestfaleninvasion.
So eröffneten UNRU aus dem AJZ Bielefeld-Dunstkreis als, extra mal nett ausgedrückt, irgendwie etwas skurrile Typen mit einer Mixtur aus Converge-Mathcore und Hipster-Black Metal, die in erster Linie ein bisschen zu sehr im allgemeinen Soundbrei unterging, als da irgendwie noch mehr drüber sagen zu können. Naja.
ABEST teilen sich mit dem Opener einen Gitarristen, gehen allerdings mehr Richtung „Postrock-Groovecore“ a la Cult of Luna, und haben, zwar spielerisch durchaus souverän, bis auf ein paar vereinzelte nette Passagen nicht wirklich irgendwas nennenswertes zu offerieren.  Naja, zum zweiten.
Die ursprünglich mal mit angekündigten Red Apollo  spielen gottseidank nicht, stattdessen eine weitere OWL-Kapelle, NVRVD (was ausgesprochen wohl Nevervoid heißen soll). Wollte ich erst die Augen drüber verdrehen, dass jene als Hobbyband aus der Provinz ihren eigenen Soundmischer dabeihaben, muss man ihnen immerhin zugestehen, dass der Sound bei ihnen dann sogar tatsächlich  ganz geil war. Musikstiletikettär vom Live-Eindruck nicht ganz leicht einzutüten ist dieses, ebenfalls etwas plinsig-seltsam rüberkommende Trio (just sayin‘) in „Latest School Metal/ Hardcore“ Gefilden mit leicht progiger Note unterwegs, atmosphärisch angehaucht und doch aggressiv bollernd. Nicht wirklich schlecht, aber so richtig hängen blieb auch nix, außer der Leibesfülle des Gitarristen und der höchst albernen Schnauzbart-/halbseitiger Undercut-Optik des Bassers.
Pig Destroyer-mäßig als Trio mit nur einem Saiteninstrumentalisten legen COILGUNS zum Abschluss dann noch mal einen ganz netten Energiepegel vor. Die Jungs machen sowas wie Mathcore mit einem Schuss Rock’n‘Roll –Spirit, und damit ganz gut und recht wild Alarm.
Nicht schlecht, aber dann wiederum auch nicht so geil, dass es mich zum Plattenkauf bewegt hätte.

10.02.2013:
Bohren & Der Club of Gore, [ B o l t ]
Christuskirche, Bochum

In der Bochumer Christuskirche sind ja öfter mal nette Konzerte Richtung Postrock, Drone und co. Im Gegensatz zu den eher mäßig besuchten Veranstaltungsreihen „Denovali Labelabend“ oder „Experimental Evening“ wurde es bei diesem „Urban Urtyp“ mit BOHREN & DER CLUB OF GORE aber mal so richtig voll. Kommt hier bei Bohren ein Lokalhelden-Status dazu, oder haben die einfach generell einen inzwischen recht großen Markennamen? Man weißet nich‘.  
Das Drone-Duo [ B O L T ] (bzw. eigentlich  █████) scheint sich gerade langsam aber sicher als Standard-Local Support für solche Anlässe zu etablieren. Fand ich auch schon mal etwas spannender als bei diesem mal, zumal anfangs erst noch zu sehr am allgemeinen Sound rumgedreht wurde, und die Jungs handwerklich so ganz fest auch noch nicht im Sattel zu sitzen scheinen.
BOHREN & DER CLUB OF GORE: Großartig, wirklich. Für nur 10€ Eintritt ein Programm von bestimmt mehr als eineinhalb Stunden serviert zu bekommen, das nimmt man als chilliges Sonntagabendprogramm doch gerne mit.  Mit Karnevalshütchen gaben Bohren ihren Doomjazz wie immer im Dreivierteldunkel zum Besten, und hatten natürlich auch wieder die eine oder andere, staubtrockene Knalleransage zu bieten. Z.B. „…eine weiteres Stück nach dem Motto keine Möbel aber ‘ne Putzfrau“ oder „eigentlich spielen wir ja keine Zugaben weil (…)und wir unsere Spielfreude im Griff haben.“ Okay, da muss man wohl dabei gewesen sein. Allerdings fühlt man sich schon mal leicht an Helge Schneider erinnert, muss also irgendwie an der Mühlheimer Herkunft liegen.
Trotz allgemeiner Überfüllung mit einigem Bierflaschenklimpern ein sehr schöner Konzertabend mit besonderem Ambiente, meinetwegen dürfte jeder zweite Sonntag so sein
...

Freitag, 8. Februar 2013

'12er Review-Resterampe (Update!)

Alphebetisch, to be continued …

AMENRA – Mass V
Urväter beerben ihre Epigonen: Nachdem AMENRA schon Steve von Till für ein paar Dates mit einem Unplugged-Set begleiteten, erscheint nicht nur ihr neues Album über Neurot Recordings, sondern Scott Kelly singt darauf auch noch gleich bei einem Song mit. Das beardoszenische Equivalent zum Ritterschlag.
Und nur, um diese Info natürlich mal verbraten zu haben: Ich sah die Band bereits damals, im Frühjahr 2007, beim mehr oder minder legendären Gig im Gelsenkirchener „Fuck“ ...
Anyway. Die bisherige AMENRA-Discographie war jedenfalls von „Mass II“ bis „Mass IIII“ (ja, es hieß wirklich "IIII" und nicht "IV") mit diversen Rereleases, unterschiedlichen Versionen mit/ohne weiteren Songs in anderen Reihenfolgen, gebündelten Komplettpaketen etc. irgendwie etwas konfus. Was vermutlich seinen Teil dazu beigetragen hat, dass viele potenzielle Peers diese Belgier schon immer als „live ganz geil, aber auf Konserve nicht so zwingend“ deklarierten. Damit tut man ihnen allerdings Unrecht, denn wenn man wirklich mal genauer hinhört, hatte ihr groovy schleppender Post-Screamodoommetalcore* schon immer ein bisschen mehr Drive als der diverser Mitbewerber a la Isis, Rosetta, Callisto, Mouth of the Architect und co., und ist außerdem gar nicht mal sooo eintönig wie von Einigen in der Vergangenheit mitunter kolportiert, denn sowas kann man auch Eigenidentität verleihende Signature-Trademarks nennen (*sorry fürs alberne übertreiben beim schubladisieren).
„Mass V“ ist allerdings eine kleinere Kurskorrektur. Vier Nummern mit einer Durchschnittslänge von knapp über 10 min. präsentieren den Stil von AMENRA einen Schuss doomiger als zuvor aufs wesentliche reduziert und konzentriert, und dann monumental in die Länge gezogen, was dem Ganzen noch ein bisschen mehr Schwere und Tiefe verleiht.
Und auch wenn „Mass V“ nicht perfekt ist, zeigen AMENRA damit sehr vielen anderen Bands, wie man bei dieser Art von Musik ziemlich viel richtig macht. Ich find's super!
Soundcloud: churchofra/sets/amenra-mass-v


BOSSE-DE-NAGE – III
Auch wenn ich mich selbst dafür hasse, das überhaupt so auszudrücken, sind BOSSE-DE-NAGE Profound Lore's aktuellster Beitrag zum "Hipster Black Metal"-Genre, bei dem man in Blogosphäre und Social Networks bisher allerdings nicht so das Gefühl hatte, dass die Band auch wirklich angenommen wurde. Das Boot ist auf diesem Sektor aber halt auch schon ganz schön voll, und kurzhaarige College-Kids beim transzendalen blastbeaten bzw. schwarzmetallisch shoegazen für voll nehmen klappt leider auch nicht immer so gut.
Man muss BOSSE-DE-NAGE allerdings zugute halten, dass ihre Mixtur aus Düstermetal-Geprügel skandinavischer Prägung und einem ordentlichen Schuss Neurosis gar nicht mal so ohne ist. Was u.a. an den irgendwie eher hardcoreigen bzw. an Kelly/ von Till erinnernden Vocals liegt, und an der wüsten Schlagzeugarbeit, die zusammen einen gelungenen Kontrast zur Konstruktion aus Baukastenelementen von postrockigen Kompositionen, einem Hauch von Noiserock, und auch schon mal etwas melodiös angehauchtem Metal-Gebretter bilden.
Unterm Strich ist B-D-N's „III“ damit zwar wesentlich interessanter als etwa Der Weg einer Freiheit oder Deafheaven, aber irgendwie hat das Ganze auch noch gewisse Mängel, weswegen ich persönlich auf ein tieferes Eintauchen nach einem Schnupperdurchlauf dann doch keinen Bock bekam.
Bandcamp: http://bosse-de-nage.bandcamp.com/ 


CHAOS ECHOES – Tone of Things to come
Hervorgegangen aus der angeschwärzten Death Metal Band Bloody Sign, machen sich die französischen CHAOES CHOES auf, die etwas abgefahreneren Grenzregionen düsteren Metal-Geprügels ausloten zu wollen. Dabei erinnern sie zuweilen an die australischen Portal, sind ein bisschen auch Brüder im Geiste mit Prog-BM-Landsleuten wie Deathspell Omega und Blut aus Nord, driften immer wieder mal ins doomige oder gar in Geräuschkulissen, tönen beim Geballer aber auch schon mal herrlich dissonant neben der Spur.
Das alles macht aus „Tone of Things to come“ ein Album, das insgesamt dann doch mehr gewollt unkonventionell als großartig ist, aber bei dieser Band darf man gerne gehöriges Potenzial nach oben sehen, da einfach der Wille anderes auszuprobieren da ist, während durchaus handwerkliche Könner am Werk sind...
Website: chaosechoes.org

CIRCLE TAKES THE SQUARE - Decompositions: Volume Number One
2004 veröffentlichten CTTS mit „As the Roots Undo” ein Album, das bei (Post-)Hard-/ Screamo-/ Mathcore-Freunden großen Anklang fand, nur um dann wieder regelrecht von der Bildfläche zu verschwinden. Letztes Jahr waren sie dann auf ein mal auf Europatour mit Kylesa und veröffentlichten Weihnachten rum „Decompositions: Volume Number One”. Jenes gibt es für Unentschlossene bei Bandcamp zum NameYourPrice-Download.
Und aus irgendeinem Grunde ist die Mischung aus Emocore und Prog Rock/ Metal eine, die sehr gut funktioniert, auch wenn ich sowas nicht alle Tage hören muss.
Bandcamp: ctts.bandcamp.com


DERKÉTA - In Death We Meet
Ich fress’n Besen, um diese antike Floskel mal bemüht zu haben, wenn diese Band nicht auch noch in näherer Zukunft als kutliges Ding auf dem Roadburn-Billing auftaucht. Die ersten EPs und Demotapes von DERKÉTA erschienen '89-'90 rum, 'ne Dekade später gab es zwischen '99 und '03 noch mal musikalische Lebenszeichen in Form von Splits und 'ner Altlasten-Compilation, wiederum eine Dekade später nun auf ein mal doch noch den ersten, richtigen Longplayer.
DERKÉTA's Stil ist Death/ Doom Metal bzw. doomiger Death Metal alter Schule (Marke Asphyx, Incantation, Hooded Menace und co.), und die Besonderheit der Truppe ist, dass in dieser Band Frauen in der Überzahl sind. Darunter (inzwischen an der Gitarre, in der Vergangenheit am Bass) Mary Bielich, die auch mal bei Penance war, während der aktuelle Drummer Michael Laughlin zuvor u.a. auf zwei Cattle Decapitation-Alben getrommelt hat. Auf diesem Album hat allerdings noch Ur-Trommlerin Terri (Heggen) Lewis mitgewirkt, die mit Bieliech ferner mal eine ähnlich ausgerichtete Band namens Mythic hatte. 
„In Death We Meet“ ist dabei irgendwie das erwartete: Keine Offenbarung irgendeiner Art, aber äußerst solider Düster/ Rumpelgroove-Metal mit weiblichem Gegrunze, welches dem ganzen ja, so ehrlich muss man sein,
nach wie vor auch heutzutage noch einen Hauch von Exotenbonus, wenn nicht sogar einen Schuss Sex-Appeal verleiht.
Bandcamp: derketa.bandcamp.com

DODECAHEDRON - Dodecahedron
Die Stichworte „Black Metal mit proggiger Note“ und Season of Mist ließen mich hier interessiert aufhorchen. Denn das französische Label hat, neben Genre-üblichem Kram von hoher Qualität, ebenfalls schon öfter mal einen gewissen Weitblick für die Bands gezeigt, die in (schwarz)metallischer Finster-Ästhetik verankert sein mögen, musikalisch allerdings zu ganz anderen Sphären aufbrechen. Die niederländischen DODECAHEDRON sind so eine Band. Ihre dicht-komplexe Hassmusik hat was von Deathspell Omega. In einem Ausmaß, in dem man fast schon geneigt ist den Leuten davon abzuraten, die betont nur Originale und keine Kopien hören möchten. Als tendenzieller Freund progressiven Extrem-Metals sollte man die Band nach diesem durchaus nicht unbeeindruckendem Debüt allerdings dennoch im Auge behalten.
Bandcamp: dodecahedronbm.bandcamp.com/

FAMILY - Portrait
Mastodon, Helmet, Unsane, Burnt By The Sun, Burst, ein bisschen Tool, und sogar ein Hauch von RATM – das wären so die groben Eckreferenzen, die mir zu FAMILY einfallen. Irgendwie so ein bisschen Post-Hardcore, irgendwie so ein bisschen Prog, aber dann doch wieder ziemlich Metal. Mit einem Inferno von Brüllsänger und zeitgenössischer Hartgitarrenmucke, die hier erfrischenderweise mal nicht zu sehr Richtung Doom/ Sludge schielt.
Ich würde zwar nicht so weit gehen, das Teil als Jahres-Highlight zu deklarieren, dafür wird es nach hintenraus nämlich ein bisschen zu "same old", aber das Familienportrait ist gelungener Einstand in der Brooklyner Szene, die in letzter Zeit auf dem härteren Sektor doch mal wieder so manche Band mit enormen Potenzial abwarf.
Ganz geil allerdings: Wenn man nicht wirklich auf die Übergänge achtet, fühlen sich die acht Songs wie einer an.
Macht durchaus Spaß!
Bandcamp: familyslays.bandcamp.com


GOAT – World Music
Inzwischen auch Fenriz-approved, geistern GOAT gefühlt schon das ganze Jahr als Geheimtipp der Stunde durch diverse Facebook-Stati, und fürs kommende Roadburn sind sie auch schon bestätigt. Muss man also als musikinteressierter Blogger mal reingehört haben.
Und ja, da ist etwas sexy-funkiges an der Musik von GOAT, da ist etwas mysteriös-rituelles an den psychedelisch-repetitiven Songs mit warmen Retrosound, Bongogetrommel und gequäkten Chants einer weiblichen Stimme, und da ist eine Andeutung von delirischem Tanz in der Luft. Lässt mich einerseits mit seiner exotischen Aura nicht ganz kalt, ist mir andererseits aber wohl klanglich trotzdem einen Tick zu sehr auf retro gezwungen. Naja, ich weiß nicht so recht ...

HIGH ON FIRE - De Vermis Mysteriis
Doch noch eingeknickt zum ersten: Über mein ambivalentes Verhältnis zu HIIGH ON FIRE habe ich mich hier ja schon mal ausgelassen. Und wenn man Fanboys im Freundeskreis hat, bleibt Berührung natürlich nicht aus. Es gibt zwei Sorten von Gangarten auf „De Vermis Mysteriis“: Highspeed-Geprügel, bei dem es Pike und co. dieses mal  mit rasant-räudigem „Motörhead auf Thrashcore“-Gekloppe plus (besonders bei Walzriffs im oberen Midtempo-Bereich und diversen Drum-Figuren:) ziemlichen Slayer-Anleihen  mal so richtig wissen wollen, und Stoner-Kram, der auch schon mal die eigene Vorgängerband zitiert.  Manchmal macht dabei zwar nicht alles immer wirklich Sinn (was soll z.B. dieses überhaupt nicht zum Rest des Songs passende Drumintro von „Fertile Green“?), als Ernstfallübung auf der dreckigeren, benebelten, nicht auf sterilen Perfektionismus schielenden, sondern noch wirklichen Rock'n'Roll-Spirit atmenden und scheißenden Seite des Metals ist die aktuelle HIGH ON FIRE dann aber doch etwas, das ich der langweilenden Berechenbarkeit diverser, auf Schlagerparade zusteuernder Thrash Metal-Helden, generischer Moshcore-Grütze, seelenlosem Blaupausen-Extrem-Metal, oder den gerade so angesagten Vintage Rock-Schnarchereien ganz klar vorziehe.


INCANTATION - Vanquish in Vengeance
Zugegeben, Death Metal ist ein Genre, das trotz neuer Welle an Old School Sound-Revivalisten zuletzt eher etwas unsexy geworden war, und dem gegenüber auch ich in letzter Zeit so eine gewisse Unlust empfand (zumindest was aktuelle Tonträger angeht).
Woran leider auch die Tatsache nichts ändern kann, dass Urgesteine wie Asphyx oder eben INCANTATION vergangenes Jahr Platten rausbrachten, die durch die Bank hervorragende Resonanz bekamen. Und das nicht nur beim Metal-Establishment, sondern auch auf so manchem Blog mit Stoner-Schwerpunkt oder Indie-Schulterblick.
Heute so ein Album wie „Vanquish in Vengeance“ zu hören ist allerdings so ein bisschen wie Filterkaffee zu trinken, obwohl man sich inzwischen ans Vollautomatengebräu gewöhnt hat.
Sicher, die Band rödelt sich räudig und dreckig durch die Gegend, dann wiederum aber für meine Begriffe irgendwie doch nicht fies und schmutzig genug. Die Wechsel zwischen Tempolagen an den entgegengesetzten Enden des Spektrums waren schon immer ein bestechendes Trademark von INCANTATION, man kennt aber doch auch noch ganz andere Kaliber an Turbogang-Abfahrten und Doom-Schleppereien, als ihre.
„Vanquish in Vengeance“ ist ein musikalisch durchaus sympathisches Album, gerade auch für eine schon so alte Band, aber weit von einem (mich (heutzutage)) umhauenden entfernt.
P.S.: Oberlippenbart.

 
JK FLESH – Posthuman
Für den einen meiner zwei Leser, der es tatsächlich noch nicht wusste: JK FLESH ist eines der vielen Soloprojekt-Pseudonyme von Justin K. Broadrick (Godflesh, Jesu, Final, …). Mit diesem möchte er sich den etwas harscheren Klängen widmen, die man mit Gitarre und Drumcomputer in einer Dub/ Drone/ Industrial/ Metal-Schnittmenge machen kann, und tatsächlich ist JK FLESH's „Posthuman", zumindest passagenweise, so nah an Godflesh wie kein anderes seiner gegenwärtigen oder vergangenen Nebenprojekte. Dass das Teil dabei irgendwie was von einer dahingerotzten Songideen -Sammlung in einer stilistisch gar nicht mal so eng gefassten Nische zwischen Grunz-Dronedoom und Drum'n'Bass-Geklopfe hat, kann man je nach Haltung entweder total bekackt oder auch ziemlich charmant finden. Mir gefällt's. Gerade auch, weil JK FLESH im Gegensatz zu vielen anderen, mitunter auch total langweiligen Boradrick-Spielwiesen tatsächlich mal eine gelungene Godflesh-Ersatzdroge in Form einer Light-Version des Originals ist. Und das ist besser als gar kein Godflesh.

JUNGBLUTH – S/T Tape
Von der Band selbst zum Gratis-Download ins Netz gestellt, handelt es sich bei diesen sechs Tracks um den ersten Release der Nachfolgeband von den großartigen, allerdings leider auf unbestimmte Zeit erst mal auf Eis liegenden Alpinist aus Münster. Wer Alpinist mal live gesehen hat, wird bestätigen können, dass diese Jungs die absolute Macht waren. JUNGBLUTH klingen dagegen tatsächlich ein bisschen wie Alpinist Light, aber das soll jetzt nicht abwertend gemeint sein. Auch unter neuem Namen und mit anderem Line Up residiert die derzeitige Speerspitze des deutschen Epic Hardcore-Punk/ Neocrust in Münster.
Anhören, runterladen, Tape kaufen: jungbluth.bandcamp.com

KONG – Merchants of Air
In den 90ern waren die niederländischen KONG mit einer ungewöhnlichen Instrumental-Mischung aus Metal-Bratriffs, Progrock- und Dance-Elementen ihrer Zeit um 10 Jahre voraus. Allerdings nur so lange, bis sie sich zum Schluss dann doch noch etwas zu sehr dem damaligen Zeitgeist (Stichwort: The Prodigy) näherten. Das 2009er Comeback-Album „What It Seems Is What You Get“ wusste dann auch nicht wirklich an alte Großtaten anzuknüpfen. Mit „Merchants of Air" versuchte es die, seit Revival personell generalüberholte Band kürzlich dann aber trotzdem noch mal. Und dafür, dass man eigentlich schon geneigt war, gänzlich den Haken dran zu machen, dafür ist „Merchants of Air" dann ja doch zu okay. Klar, KONG sind anno 2012 ein einziger Anachronismus, 90ies as 90ies can be, Musik wie vom „Batman Beyond“ Soundtrack, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, mit ihrer tanzbaren und dennoch leicht verschnörkelten „Gitarrengerocke trifft auf Konserven-Garnierung“-Nummer soooo weit weg von Maserati, 65daysofstatic, Long Distance Calling, Russian Circles oder Blckwvs nun auch wieder nicht.
Ziemlich solides Album, wirklich!

Bandcamp: kong1.bandcamp.com/album/merchants-of-air

MASERATI - Maserati VII
Doch noch eingeknickt zum zweiten: Eigentlich wollte ich die aktuelle MASERATI ja mal auslassen; aufgrund allgemeiner Begeisterung, die zu eben jener im Netz so zu lesen war, wurde ich dann aber doch noch zu neugierig. Und ja, „Maserati VII“ (die Zählung beinhaltet wohl nicht nur ihre regulären Alben) macht Spaß. Wieder ein mal ist die Band noch ein kleines Stückchen näher an Retro-Tanzelektronik und Krautrock-Einflüsse gerutscht, variiert dabei aber im Grunde genommen nach wie vor Motive durch, die mir schon auf dem 2007er „Inventions for the New Season“ gefielen. Einige Stücke klingen somit eher ein bisschen nach Zeitreise-Technoparty, andere, gitarrenmäßig etwas lauter werdend, dann aber doch wiederum schon mal nach Rock-Club – und MASERATI kurbeln das alles wie aus einem Guss runter. Doch, gefällt!  


MONARCH! - Omens
Keine Ahnung, warum ich dieses Album so lange aufgeschoben habe, denn eigentlich finde ich MONARCH! sehr sympathisch. Sie gehören zu den Bands, die Experimentierfreude zeigen und Extreme ausloten wollen, und sowas mag ich. Klar, die Franzosen erzählen einem als Drone/ Doom/ Sludge Act auch nichts mehr, das man nicht schon mal in vielleicht sogar noch konsequenter und krasser gehört hätte, aber Kontext, Verpackung und Zeitpunkt spielen manchmal eben auch eine Rolle beim Ganzen. Dass sie sich auf „Omens“ für ihre Verhältnisse etwas zugänglicher, facettenreicher und songorientierter als sonst schon mal präsentieren, steht ihnen dabei gut zu Gesicht,
Keine völlige Offenbarung, aber doch Musik, wie ich sie mag.

PALLBEARER - Sorrow and Extinction
Okay, zugegen, es ist albern, ... aber irgendwie wollte ich aus Distinktionsgründen davon absehen, ebenfalls Lobpreisungen über dieses Album in die Welt rauströten zu müssen. Es nützt allerdings alles nichts, denn believe it or not, „Sorrow and Extinction“ macht verdammt noch mal süchtig. Wenn ich nach intensiver Dauerrotation, und dann ein paar Wochen Pause, wieder zu diesem Album zurückkomme, werde ich immer noch euphorisch ob der hochklassigen Darbietung PALLBEARERs. Die Band nimmt ganz traditionellen Doom Metal, packt ihn in ein etwas zeitgenössicheres Klangbild (mächtig brodelnd bratende Gitarren!), und rundet das Ganze durch eine nicht ganz alltägliche Gesangsführung ab, mit Melodien voller wunderschöner Melancholie. Und mich, der eigentlich lieber Godflesh oder EyeHateGod als Candlemass oder Goatsnake hört, hat dieses Album verdammt noch mal süchtig gemacht. So seltsam es anmuten mag, dass ausgerechnet diese Band der Metal-Shootingstar der Stunde sein soll, der sogar bis in die Indiehipster-Blogosphäre vordringen konnte ... es ist gerechtfertigt, denn „ Sorrow and Extinction“ ist ein unglaublich packendes, schönes, zeitloses Werk Metal-Musik, das wie gesagt verdammt noch mal süchtig machen kann, auch wenn man damit nun wirklich nicht rechnen wollte.


PANOPTICON - Kentucky
Als „potenziell interessant“ auf dem Radar hatte ich das 1-Mann-Projekt PANOPTICON ja schon länger, so richtig zu einer tieferen Beschäftigung damit überwinden konnte ich mich zuvor allerdings nicht. Das aktuelle Album der ideologisch weit links stehenden US-Black Metal-Kiste soll laut Fans allerdings eines seiner bisher besten sein, also habe ich doch mal ein Ohr riskiert.
Und jetzt mal ganz ehrlich: Wer hierrauf abfährt, der soll sich bitte gleich auch diesen ganzen Schunkel-Pagan-Metal-Schwachsinn mit Methorn und Felloutfit reinfahren, von dem der EMP-Katalog derweil so bevölkert wird. „Kentucky“ ist nämlich nichts weiter, als das US-Equivalent dazu. Mit Bluegrass-Banjo-Einlagen, und heiterem Flötengedudel über Bretter-Parts.
Nein. Sorry, aber nein. Ich bin ja wirklich kein Purist, aber sowas wie das hier macht man einfach nicht.


PINKISH BLACK - s/t
Im US-Underground tauchen PINKISH BLACK seit einiger Zeit hier und da als die Exoten bei Metal-Events auf. Ursprünglich spielte das Duo mal als Trio unter dem Namen Great Tyrant, was ein tragisches Ende fand, als sich Basser Tommy Atkins umbrachte. Drummer Jon Teague und Sänger/ Keyboarder Daron Beck machen nun unter neuem Banner zu zweit weiter. Richtig, ohne Gitarre. Die Musik von PINKISH BLACK wurde in anderen Reviews häufig mit Swans verglichen, was ich irgendwie nicht so richtig teilen kann. Kurioserweise erinnern mich ein paar Songs eher an OM, währen da nicht die komischen Synthie-Sounds.
Komische Sache, zu der ich gar nicht so genau weiß, was ich dazu noch sagen soll, außer dass ich mir das durchaus ganz gerne anhöre.
Bandcamp: pinkishblack.bandcamp.com/

SAMOTHRACE – Reverence to Stone
In der US-Metalszene scheinen SAMOTHRACE als kleine Sensation durchgewunken zu werden. So richtig teilen kann ich das nicht. In die zwei Tracks mit einer Gesamtspiellänge von ca. 35 min. hakt man sich bei allgemeiner Doom/ Sludge-Affinität zwar instantmäßig recht schnell und gut ein, aber große kompositorische Kunst ist ebenso etwas anderes, wie bestechende Eigenakzente.
Zugegeben, ich kenne das 2008er „Liefe’s Trade“ zwar nicht, und muss zum aktuellen „Reverence to Stone“ immerhin gestehen, dass man das Teil natürlich trotzdem ganz gut mal laufen lassen kann, so richtige Begeisterung oder Anerkennung über einen Anstandsapplaus hinaus will sich hier bei mir aber nicht einstellen.
Immerhin: Ein bisschen lieber und sympathischer ist mir diese erdig-lebhafte Stoner-Kante und –Ästhetik, die Bands wie SAMOTHRACE oder auch die Nürnberger Obelyskkh versprühen, gegenüber diesen ganzen nichtssagenden „Post-Metal/ Downtempo-HC“ Cult of Luna-Klonen der AJZcore-Szenerie (ja, Red Apollo und co., ich meine Euch!) ja dann doch irgendwie. War wohl auch mal eher andersrum. Go figure.
Bandcamp: samothrace.bandcamp.com/music


STARRING - ABCDEFG-HIJKLMNOP-QRSTUV-WXYZ
Zur Brooklyner Band selbst kann ich gar nicht mal so viel sagen, abgesehen davon, aus dem Umfeld weiterer wie Talibam! und Skeleton$ zu stammen. Pressestimmen und Labelkommentare taten sich neben dem Heranzitieren diverser Prog- und Krautrock-Klassiker mit einer eindeutigen Deklarierung auch etwas schwer. Aber da ist wohl auch was dran, denn dieser formlose Freistil zwischen Rockmusik und Klangexperiment, zwischen psychedelischer Poesie und ziemlichen Lärm, zwischen Song, Dekonstruktion und Auflösung, erinnert wohl tatsächlich an King Crimson, Faust, Can und co., gepaart mit Sonic Youth’schem Indie-Flair und Nintendo-Orgelsound.
Nichts, was ich jede Woche hören müsste, aber doch zu interessant und gut, um es zu ignorieren. Gerade auch, wenn man Kram wie die aktuelle Swans in der Jahresbestenliste hat.
Bandcamp: northernspyrecords.bandcamp.com/album/abcdefg-hijklmnop-qrstuv-wxyz

SVARTIDAUÐI - Flesh Cathedral
Diese Isländer sind eine Next Generation Black Metal Band. Was Franzosen wie Deathspell Omega und Blut aus Nord, außerdem die australischen Soundbrei-Black-Deather Portal vorgelebt haben, das trägt nun Früchte in Bands wie Chaos Echoes, Dodecahedron, Nihill oder SVARTIDAUÐI. Die Mitglieder treten zwar vermummt auf und labern in Interviews auch gerne mal inhaltsarme, fast schon prätentiöse Düsterkünstler-Scheiße, ihre Musik wiederum ist atmosphärisch dicht und mitunter recht dissonant, und außerdem auf diesem fast einstündigen Viertracker dennoch episch und verhältnismäßig eingängig. Und das ist eine Art von Black Metal, die mir gefällt, egal was man von der gewollt mysteriösen Aura des Ganzen halten mag.


THE CANYON OBSERVER – Chapter II: These Binds Will Set You Free
Vom grundsätzlichen Ansatz her nicht uninteressant, und in der handwerklichen Umsetzung tatsächlich auch ganz gut, ist das zweite Mini-Album der slowenischen THE CANYON OBSERVER. Problem, dennoch: Musikalisch und stilistisch erzählen sie einem, mit ihrem hörbar Isis-beeinflussten Alternative-/ Post-/ Sludge-Metal, bei dem lange Songstrukturen alleine auch noch keine Prog-Kante machen, vor allem jetzt gerade nichts nennenswert originelles oder überdurchschnittlich spannendes.
Nicht wirklich schlecht gemacht, alles andere als unhörbar, in der Sache an sich aber leider trotzdem irgendwie über, denn man kennt das alles auch schon in viel interessanter und konsequenter ...
Bandcamp: kaparecords.bandcamp.com/album/chapter-ii-these-binds-will-set-you-free


VUYVR – Eiskalt
Ich halte ja seit jeher viel von der hartmusikalischen Szene der Schweiz, wie ich hier bestimmt schon 1-2 mal erwähnt habe. Davon, dass jetzt Mitglieder der durchaus geschätzten Impure Wilhelmina und von den bei Mathcore-Freunden alles andere als unbekannten Knut unter dem Namen VUYVR, Der Weg einer Freiheit-mäßg auf den, wie ich es gerne nenne, „Quasi-Black Metal“-Zug aufspringen mussten, kann man halten was man will, aber dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
„Eiskalt“ bietet keine wirklich neuen oder herausragend interessanten Impulse, aber das mit der räudigen Raserei nebst Melodiebögen bekommen sie ganz gut hin. Und
da das Ganze tatsächlich ein bisschen wie Impure Wilhelmina als Blastbeat-Variante ohne Pop-Kante klingt, haben die Jungs hier definitiv irgendwas richtig gemacht.
Gibt es für lau unter: vuyvr.bandcamp.com

WRECK AND REFERENCE - No Youth
Genauso wie den Vorgänger „Black Cassette“, kann man das diesjährige WRECK AND REFERENCE-Album „No Youth“ bei Bandcamp im Zweifelsfall auch für 0 $ herunterladen. Und reinhören lohnt sich auf jeden Fall mal, auch wenn die Kiste nicht so einfach zu begreifen oder beschreiben ist. Hatte der Vorgänger immerhin gewisse Tendenzen in Richtung Noiserock, driftet das neue Werk noch mehr in Dronenoisegaze-Sphären ab, in denen ein seltsamer Crossover aus harter Rockmusik (hier zwischen Post-Hardcore, Noiserock und Doomsludge Metal etc. ein noch am ehesten passendes Etikett zu finden ist schwierig), Industrial-artigen Sounds, Wave-igem Gesang und fiesem Geschrei, sowie Ambient-esken Passagen und Geprügel stattfindet.
Interessant, eigen, seltsam, aber nicht gänzlich ungeil! Und ein weiterer Beweis für meine These, dass im Underground der hipperen Indie/ Metal/ Hardcore/ Post-Irgendwas/ Noise/ Experimental-Schnittmenge(n) gerade ein Windstoß von Goth-Ästhetik Einzug hält. 

Name your price: wreckandreference.bandcamp.com/album/no-youth

Donnerstag, 7. Februar 2013

Paul Leonard-Morgan's Dredd Soundtrack

Über meinen gewissen Faible für Filmscores etc. habe ich mich hier bisher eher selten ausgelassen, auch wenn es im Rahmen eines Musikblogs natürlich alles andere als unpassend wäre.
Es gibt allerdings mal wieder einen Anlass. Jener heißt Dredd.
Besagter Film, eine neue Brutalo-Adaption des britischen Comic-Kulturguts Judge Dredd mit Schauspielgott Karl Urban in der Titelrolle, hat eine schwer trashige Schlagseite, die mich seminostalgisch an diverse Genrefilmlieblinge der 80er und 90er erinnert (Escape from New York und co.), und nicht mal nur an die guten davon (Stichwort Van Damme Filme etc.).
Überrascht war ich dabei vom ungewöhnlich breakbeatigen, irgendwie super zu diesem Vibe passenden Soundtrack, der mit seinen Massive Attack-/ Future Sound Of London-/ Nine Inch Nails-artigen Reminiszenzen ebenfalls schwer was Neunziger-mäßiges hat, was bei mir in so einem Zusammenhang ziemlichen Anklang findet.
Man muss ihn als Soundtrackfreund wohl mal im Auge behalten, diesen Paul Leonard-Morgan.

Montag, 4. Februar 2013

Serpent Eater, Ghoul, Cannabis Corpse, Planks, Red Apollo und so …

Ach ja, auf Livemusik-Events war ich auch mal wieder gewesen.

18.01. - Planks, Red Apollo, Sundowning – AKZ, Recklinghausen
Wenn die Dortmunder Red Apollo, vom Visions als steigender Stern am Zeitgeistcore-Horizont gehandelt, zur Album-Releaseparty laden, kann man sich das schon mal angucken.
Die Jungs von SUNDOWNING sind mit ihrem artverwandten Downtempo-Metalcore wie immer irgendwie „okay“ aber auch nichts darüber hinaus.
RED APOLLO haben einen neuen Sänger, der ziemlich gut schreien kann, ansonsten aber einen Tick zu albern rüberkommt. Die Band hat keinen Sinn für's Arrangement, den man bei dieser Art von Musik haben sollte, und kann mich auch mit ihrem neuen Material immer noch nicht so wirklich übermäßig überzeugen.
Immerhin weiß das halbstündige Finale von PLANKS zu gefallen, die vor allem mit einer längeren, epischen Instrumentalpassage mit leichtem Jam-Charakter begeistern, deren Song eine etwas hanebüchene Ansage über weggelaufene Katzen vorausging. Als eigentlicher „Außenseiter“ der klare Sieger des Abends.
Naja, man supportet halt auch gerne schon mal die Local Scene...

26.01. - Serpent Eater, Groll – Unten Links, Dortmund
Die Kölner SERPENT EATER sind eine neue, auf den „Dark Hardcore mit Black Metal- und Sludge-Einflüssen“-Zug aufspringende Band mit Veteranen von Hammerhead und Das Krill an Board. Die eröffnenden GROLL fahren was ähnliches auf, nur noch einen Tick doomiger.  
Unten Links in einem Wohnhaus der Dortmunder Nordstadt liegt das Fassungsvermögen des „Konzertraums“ bei ungefähr zwölf Leuten, und das des Vorraums mit Bierausschank ebenfalls. Das wird schon mal ein bisschen eng, wenn gar 40 Leute in Winterjacken da sind, und das Konzert
dann ein bisschen zur Randveranstaltung für Smalltalk im Treppenhaus. Aber: Beide Bands waren ganz gut, wie ich von diesem Abend dennoch mitnehmen konnte.   

02.02 - Cannabis Corpse, Ghoul, Serpent Eater – AJZ, Wermelkirchen
Und schon kam die Gelegenheit, SERPENT EATER noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Zuvor spielte allerdings erst noch irgendeine humorige Death/ Grind-Band, die so irrelevant war (Excrementory Grindfuckers-Shirts tragen geht außerdem überhaupt gar nicht!), dass ich mir nicht mal den Namen merken wollte.
SERPENT EATER sind schon was. Der lange Sänger geht in dem, was er macht, genau so auf, wie der ziemlich gute Drummer. In der Gitarrenarbeit blitzt schon mal skandinavischer Death Metal durch. Gefällt mir.
GHOUL: Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich die in diesem Leben überhaupt mal mit eigenen Augen sehe. Ihr Röchel-Party-Thrash Metal mit einem Hauch von Gwar-Show ist Übersee schon seit zehn Jahren Kult (außerdem kennt man einzelne Mitglieder aus Bands wie Dystopia, Noothgrush, Asunder, Impaled, Exhumed, Ludicra, Phobia, Engorged …).
Und das mit Säcken überm Kopp maskierte Quartett wurde seinem Ruf mehr als gerecht, das hat wirklich mal ganz, ganz großen Spaß gemacht!
Als Abschluss dann CANNABIS CORPSE, Ami-Death Metal-Powertrio mit Municipal Waste-Basser Landphil Hall an Gitarre und Vokills. Alberne Parodiesongtitel, aber ansonsten schon ernstgemeinte Musik. Kann man sich ebenfalls geben. Not my favourtie kind of Metal, aber gute Band! Sollten mal irgendwie was zusammen mit Cephalic Carnage machen.
Netter Abend in Wermelskirchen, und auch überraschend guter Sound für so eine Bude (war länger nicht mehr dagewesen).

Freitag, 1. Februar 2013

Neues von Bongripper!

Und zwar ein immerhin elfminütiger Song auf einer Split-Veröffentlichung mit einer Band namens HATE (Metal Archives alleine zählt zehn davon; hier dürfte es sich um die aus Chicago handeln).
Während BONGRIPPER typisches Futter in Form eines sich langsam aufbauenden Doom-Monsters bieten, dessen plötzlichen Blast-Ausbrüche und punkrockigen Anflüge nicht allzu überraschend kommen, ballern HATE fünf Grindcore-/ Keifgroovesludgemetal-Songs zwischen 33 Sekunden und vier Minuten raus.
Produktion(en)/ Mastering hätten für meinen Geschmack einen Hauch weniger nach mal eben dahingekackt klingen können - da man das Ganze allerdings zum intensiv testhören bei Bandcamp im Zweifelsfall auch für 0 $ runterziehen (sowie natürlich auch in physischer Form bestellen) kann, soll mich das jetzt an dieser Stelle aber auch nicht weiter stören.

Meine Güte … Convulse?!

Scheint so, als gäbe es CONVUSLE nach fast zwanzig Jahren Pause nun wieder! Eine neue Old School Style EP soll jetzt gerade rauskommen. Einen Song davon kann bereits hören:

Zehnjähriges: Smoke Blow – German Angst

Egal, ob man die Band von Anfang an affig fand, oder anfangs mal gut und dann irgendwann nicht mehr, oder doch erst ab später … man kann es drehen und wenden wie man will, „German Angst“ war schon ein gewisses Landmark.
Das Album, das als SMOKE BLOW’s Meilenstein gilt, und eines, das in der hiesigen Alternative-Szene Eindruck als eines mit Eiern hinterließ.

Zuvor waren die Kieler, nach ihrer etwas Southern Rock-lastigen Vorgängerband-Inkarnation (das Demotape „Superpussy USA" von '97 oder '98 habe ich noch!), drei Alben lang unentschlossen durch vernebelte Stoner- und wüste Noiserock-Gefilde geschippert, mit Spitzen in jede Richtung vom bekifften Psychedelic-Overkill bis zur bissigen Hardcore-Eruption, von der heiteren Punk'n'Roll-Nummer mit Entertainer-Pose bis zum im Dreck kriechendem Schrei-Doomsludge. 

Auf Album Nummer vier war sich der Dampfer vom Cover seinem Kurs dann aber mehr als bewusst. „German Angst“ war nicht nur das bis dato am besten produzierteste SB-Album, sondern aufgefüllt von mitgröltauglichen Rotzrockern samt einer Extraportion Tempo, und testosteronüberschüssigen Eigengewächskreuzungen aus Tough Guy-Brüllpunk, Klopp-HC, Moshpit-Rock’n’Roll, und eingängigen Refrains.
Dass die eine oder andere etwas rockigere Nummer eher etwas albern kam (Skoolyard Fool, Diabolical/Satanical), oder mal wieder nach Kiffsong klang (Octupuss), das gehörte längst dazu.

Und dass sich die Band, die der Verfasser dieser Zeilen damals Essener Studentenbars und Bielefelder Eckkneipen, mäßig besuchte Provinz-Open Airs und Support-Slots für abgewrackte Misfits-Revivalparaden zum sieden bringen sah, um dieses Album herum, auf der Bühne und in Interviews etwas übertrieben als die Härtesten, und die von der Musikpresse ignorierte bis belächelte Underdog-Prolltruppe mit Psychopathenfrontmann produzierte (das allerdings wiederum auch nicht gänzlich frei von Selbstironie)  … nun ja, es rundete das Gesamtpaket stimmig ab.

Zu („Dark Angel“ /) „Colossus“-Zeiten schienen SMOKE BLOW danach dann doch noch ein bisschen zu dem zu werden, gegen das sie sich zuvor so zu stemmen schienen (Tiefpunkt war ein Visions Indoor/ WDR Rockpalast-Auftritt Anfang 2008, bei dem sie nach den gerade steigenden Sternen Kylesa und Baroness auf die Bühne gingen, und dabei so zahnlos wie die Beatsteaks rüberkamen), aber darum geht es jetzt nicht.

SMOKE BLOW Anfang/ Mitte der 00er Jahre waren eine besonders geile Band mit besonders wilder Aura, „German Angst“ war ein wirklich cooles Album, und Knaller wie „Alligator Rodeo“, „Hate Kill Destroy“, „Circle of Fear“ und „Police Robots“ bringen mich noch heute zum grinsen und Faust hochhalten.