Dienstag, 31. Dezember 2013

The Dude abides

Um es gleich vorweg zu sagen: Mein Plan für 2014 bzgl. des Blogs ist… keinen Plan zu haben. Laissez-faire.

Wie bereits angedeutet standen die Zeichen zuletzt so ein bisschen auf Veränderung bzw. verschobenen Prioritäten. Wenn ich in den letzten Wochen und Monaten allerdings irgendwas gelernt habe dann, dass mittelfristige Pläne nie so ganz nach Plan verlaufen. 
Daher gibt es zu diesem Zeitpunkt auch noch keinen wirklichen Plan, was genau ich hier in Zukunft anders machen oder lassen werde, aber hier ist das, was sich gerade abzeichnet: Ich werde Postingfrequenz und –umfang hier wohl ab jetzt bewusst etwas runterschrauben, und nicht mehr ganz so tagesaktuell und intensiv über Spartenmusik bloggen, wie ich es in den letzten 2-3 Jahren teilweise getan habe. Diesen nerdigen Zwang, zeitnah in alles potenziell interessante, das gerade irgendwie aktuell ist, zumindest mal reingehört und dazu was gesagt zu haben, und aus fast jedem Event, den man besucht hat, auch gleich einen (zuletzt gar bebilderten) Blogpost zu machen, habe ich jetzt eigentlich schon länger nur noch als routiniert archivarisches Gewohnheitsverhalten mehr oder weniger nebenbei mit abgespult (im Gegensatz zu etwas, das aus irgendeiner Art von Motivation oder einem kreativen Impuls heraus geschieht). Und Gewohnheiten sind etwas, das man gelegentlich hinterfragen sollte, um ggf. auch mal mit ihnen zu brechen.
Von der ursprünglichen Hauptmission, einige von diesen wirklich guten Bands ein bisschen hervorzuheben, die in der Musikpresse (gerade auch im deutschsprachigen Raum) nicht gebührend genug (bis gar nicht) beachtet und gewürdigt werden, driftet mir das Ganze in letzter Zeit ein bisschen zu sehr in Richtung „Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“ ab.
Und da ich mich dieses Jahr mehrfach selbst dabei erwischt habe, über diesen Blog Gästelistenplätze und Promo-Exemplare zu erschnorren, was eigentlich nie mein Antrieb dahinter war oder Zweck davon sein sollte, möchte ich hier jetzt wohl wirklich mal einen Gang zurückschalten, und so etwas wie gehabt lieber wieder diesen ganzen, sich selbst ein ganzes Stück zu ernst nehmenden Webzine-Hobbyjournalisten überlassen, die sich jedes Jahr in der Wacken Vip-Area treffen. (Distinktionsgebaren? Aber sowas von!)

Nun ja, der Weg ist das Ziel, und ich bin wie ich bin (mittelungsbedürftig). Heißt: Es wird hier wohl auch 2014 durchaus noch Blogposts über aktuelle Veröffentlichungen, über Live-Eindrücke, und Nostalgie-Unsinn wegen des einen oder anderen Albumjubiläums irgendwelcher Jugendhelden geben, das aber vermutlich doch etwas seltener und vielleicht auch mal wieder in irgendwie etwas anderer Form als zuletzt.
Das Ding an so einem privaten Blog ist ja auch gerade eben, dass man dabei nicht an bestimmte Formate, Deadlines, Auflagen oder Corporate Design-Standards gebunden ist, weswegen ich mir von dieser Freiform zukünftig auch öfter mal freinehmen werde.
Was andere Aktivitäten von mir angeht, wird es auch hier bei gegebener Zeit dann vielleicht mal den einen oder anderen Hinweis darauf geben…

Wissta Bescheid, wa‘?

Guden Rutsch!

Montag, 30. Dezember 2013

Randnotiz-Lieblingsalbum 2013

Schon länger nicht mehr von was elektronischem begeistert gewesen, und schon länger keinen Filmsoundtrack mehr besonders goutiert...

Paul Leonard-Morgan's Score zu „Dredd“ - richtig gemachte, wenn auch recht trashige Comic-Adaption mit dem großartigen Karl Urban in der Titelrolle (nachdem es schon mal eine falsch gemachte mit Stallone gab) – hat mit seinen Trip Hop/ Big Beat Vibes zwar eine ziemlich schwere 90ies-Schlagseite, gefällt mir persönlich allerdings trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen sehr, und rotiert hier derzeit tatsächlich gelegentlich durchaus mal...

Hörproben:

Sonntag, 29. Dezember 2013

Sommerhit bzw. Lieblingssong/ -textzeile 2013:

I'd like to show the world my love, I'd like to show the world my love, I'd like to show the world my love, but this world don't deserve my love

Listenwahn: On Stage 2013

Event-Highlights 2013:

Roadburn Festival: GODFLESH, HERDER, PALLBEARER, THE RUINS OF BEVERAST

Hell’s Pleasure Open Air: ACID KING, BÖLZER, ELECTRIC WIZARD*, PORTAL, REPULSION


PartySan Open Air: CARCASS, COFFINS, DR. LIVING DEAD, MAGRUDERGRIND, SULPHUR AEON

Eindhoven Metal Meeting: BRUTAL TRUTH, NAPALM DEATH, THE ROTTED

*(klingt komisch, ist aber so: Beim Hell’s Pleasure fand ich den Wizard trotz Nüchternheit und Abreisestimmung ziemlich super, beim Roadburn im vollen Partymodus eher „geht so“ als überragend. Doom ist eben doch eher Musik der Verzweiflung…)

Liebste Live-Bands 2013:

BLCKWVS (Dortmund, FZW w/ TWEAK BIRD + AZ Mülheim + AKZ Recklinghausen mit Schirmlampe)

BÖLZER (Hell’s Pleasure Open Air + Essen, Turock)

CELESTE (Denovali Swingfes)

HERDER (Roadburn + Essen, Turock w/ Cult of Luna & Blueneck)

JUCIFER (AZ Mülheim)

NICOFFEINE (Berlin w/ VALBORG + Köln w/ Eyehategod)

OATHBREAKER (Visions Büro)

PLANKS (Berlin + Recklinghausen)

SERPENT EATER (Dortmund w/ Groll + Wermelskirchen w/ Ghoul + Köln w/ MÖRSER)

VALBORG (Berlin w/ NICOFFEINE + Münster + Lünen w/ Ahab & Omega Massif)



Honorable Mentions: Beehoover, Bulbul, Cloud Rat, Dr. Living Dead! (Turock), Jex Thoth, Pig Destroyer (w/ Misery Index), Windhand (w/ Pilgrim) 

Skurril-schlechtester Auftritt 2013: SHINING (Swe), PartySan Open Air

Ärgerlichste „spielten wirklich überall, obwohl sie beschissen sind“-Band 2013: ATTIC

Serpent Eater, Mörser, Blank, Köln

Eigentlich könnte ich mich jetzt länger darüber auslassen, warum die Deutsche Bahn genauso stinkt wie Köln, die Stadt der ewigen Parkplatzsuche (so stellt man sich die Vorhölle vor!), da ich mich gerade allerdings aus der Urlaubslethargie heraus auf einem Sonntag Abend regelrecht dazu zwinge, diesen Blogpost der Vollständigkeit halber auch noch eben in die Welt rauszuschießen, fasse ich mich kurz:
Vergangenen Samstag stieg in einer berüchtigten Kölner Privat-Location die Record Release Show von SERPENT EATER, mit den Special Guests MÖRSER, und BLANK.

Letztere sind eine dieser zeitgenössischen Hardcore-Bands, wie man sie in letzter Zeit öfter mal vorgesetzt bekommt, aber das ist gar nicht mal schlimm. Die Mischung aus New Noise-core, Crust-Parts, Metal-Momenten und Athmo-Elemeten unterhielt als knapp halbstündiger Opener ziemlich gut.

Wo MÖRSER auftauchen steht nachher bekanntlich nicht mehr viel. Wenn man alle Jubeljahre mal die Gelegenheit bekommt, diese Band zu sehen, sollte man sie nutzen. Der druckvolle Bremen Style Deathgrindcore mit dreifacher Frontmen-Attacke machte auch diesen Abend mal wieder eine Mordslaune.

SERPENT EATER scheinen im härteren Underground gerade die Band der Stunde zu sein, wenn selbst das Visions
inzwischen unlängst ein paar Worte drüber verlieren musste. Als wenn sich jemand von denen sowas tatsächlich anhört, is' klar...
SERPENT EATER's Schallplatte „Hyena“, dessen Veröffentlichung an diesem Abend gefeiert wurde, ist jedenfalls mit einer infernalischen Mischung aus HC-Background und Death/ Black Metal-Einflüssen (und – was viele überhören -  durchaus auch Stilmitteln, die zu den wenigen guten Seiten des unsäglichen Metalcore-Hypes der vergangenen  Dekade gehörten) eine gar nicht mal gänzlich unoriginelle und vor allem ziemlich mitreißende Sache.
Der Abend markierte auch die letzte Show mit ihrem nach Großbritannien ziehenden Drummer, und wir sind gespannt auf den neuen...

Trotz Anlaufschwierigkeiten war es dann ja doch noch ein sehr netter Abend. 


In diesem SInne: Fuck you, I'm with Mörser!

 

Powder for Pigeons, Blackplastic

Im sympathischen Dortmunder Plattenladen Blackplastic sind öfter mal kleine Konzerte*.  Vergangenen Freitag spielten dort POWDER FOR PIGEONS.
Ein Duo, besehend aus einer deutschen Schlagzeugerin und einem australischen Gitarristen/ Sänger. Rockmusik der etwas kernigeren Art, hat wirklich Spaß gemacht!
Die Band kann ferner mit Videos dienen...



 

und auch mit Bandcamp: powderforpigeons.bandcamp.com

* Talkin' 'bout: Der Laden an der Rheinischen Straße (nicht weit vom Hbf), in dem zu stöbern sich generell durchaus lohnt, macht wie gesagt öfter mal sowas.
Am 03.02.2013 gibt es z.B. den „Heavy Psychedelic Boogie“ von LIBIDO FUZZ, und am 18.03. jammen dort unsere Local Drone Heroes N und [BOLT] mal wieder zusammen.
Wir sehen uns da...
Website: http://blackplastic.de
 

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Jucifer zu spät dran?

Da sich ein Kumpel von mir neuerdings endlich mal als erster mit mir darüber einig ist, muss ich aus diesem aktuellen Anlass jetzt noch mal feststellen: Hätten JUCIFER einiges von dem Material, das auf Alben wie vor allem „I Name You Destroyer“ (2002), aber auch „If Thine Enemy Hunger“ (2006), und „L'Autrichienne“ (2008) zu finden ist, Mitte der 90er anstatt über die 00er Jahre veröffentlicht, hätte das sympathische Duo im Zuge des damaligen Alternative-Hypes (Nirvana, Soundgarden, Faith No More, L7, White Zombie, ...) vielleicht sogar richtig groß werden können, oder zumindest so namenhaft wie die Melvins.

JUCIFER waren dazu vielleicht einfach wirklich einfach nur eine halbe Dekade zu spät dran.
Wenn einer der Major-A&Rs, die in den 90ern alles vom Fleck weggesignt haben, das irgendwie mit in die Alternative-Ecke passte, mal Songs a la „When She Goes Out“ oder „Sea Blind“ (dancey Rhythmus, zuckersüße Vocals), „Vulture Story“ oder „Fight Song" (schmissig und ohrwurmig hoch zwölf), und dann auch noch balladeskes wie „Medicated“ oder „The Plastic Museum“ gehört hätte, wäre die einzige logische Handlung gewesen, davon möglichst schnell einen Clip in die MTV-Rotation zu bringen.
(Im Übrigen: Ich bin mir irgendwie nicht ganz sicher, aber ich meine, „Amplifier" früher tatsächlich 2-3 mal in einem Club gehört zu haben, bevor ich die Band wirklich kannte...)

Vermutlich wäre besagter A&R dann allerdings von einem ihrer Konzerte mit blutenden Ohren und völligem Unverständnis für derartigen Lärm vorzeitig abgehauen...
Dass sich die Band in jüngeren Jahren nun auch auf Konserven doch (wieder) mehr auf den extremen Sludge Metal konzentriert hat, den auch ihre Live-Shows seit eh und je ausmachen, ist irgendwie nur konsequent und sympathisch.
Ich weiß, ich habe in der Vergangenheit mehrfach betont, die Band gerade auch wegen ihrer Popsongs zu mögen, aber so langsam zeichnet sich die allgemeine Zeitlosigkeit dieses  Duos immer mehr ab, wozu auch das neuerliche Konzentrieren auf ihre extreme Seite gehört, anstatt Hits zu schreiben, die niemanden wirklich interessieren...

Hört und supportet dieses Band, Leute, die ist super!

Zum Abschluss noch die drei Videoclips, die Youtube auch in hiesige Breitengerade strahlen darf:

Dienstag, 24. Dezember 2013

Serpent Eater - Last Cold Word (Videoclip)

Zu Weihnachten gibt es nicht nur die Nachricht des Rücktritts vom Rücktritt der Japanischen Kampfhörspiele, sondern auch einen neuen Videoclip von SERPENT EATER:


Last Cold Word from Serpent Eater on Vimeo.

Montag, 23. Dezember 2013

These: Sunn o))) sind die Venom unserer Zeit

VENOM sind die Band, die …
- seit Anfangstagen wegen ihres rumpligen Dilettantismus mitunter selbst unter Fans für Erheiterung sorgte
- ...während sie dennoch einen großen Einfluss auf die Musikwelt  ausübte und die Entwicklung von extremeren Metal-Subgenres wie Thrash, Death und Black beeinflusste wie keine zweite Band, und das nicht nur in Stil und Sound,  sondern auch in puncto Image
- die sich selbst nicht so ganz ernst nahm und diese Satanismus-Klischeeparade mehr als Witz und Provokation abzog
- ...während es mit Sicherheit auch Zeitzeugen gab, die das alles etwas ernster aufnahmen
- außerdem die gegensätzlichen Welten Punk und Metal auf eine eigenwillige Art näher zusammenrückte.

Auch SUNN O)))....
- werden selbst von Fans und zugeneigten Kritikern aufgrund der streitbaren „Musikalität“ großer Teile ihres Schaffens nicht 100%ig ernst genommen
- ...während die Zahl an mit Sicherheit auch von ihnen beträchtlich beeinflussten Kleinkünstlern, die mit Saiteninstrumenten und Effektgerätbergen arty rumdronen in den letzten Jahren stark zugenommen hat, und es bei düstermetallischen Avantgardisten oder gar nur zweitklassigen Black Metal-Bands gerade ganz groß angesagt ist, ebenfalls mit irgendwelchen Sakral-Outfits oder dunklen Vermummungen aufzutreten
- machen sich hinter den Kulissen selbst über ihre Inszenierungen lustig
- ...während es bestimmt auch so einige Zeitgenossen gibt, die das Ganze im Publikum weitaus ernster nehmen
- vereinen in der Schnittmenge ihrer Anhänger so gegensätzliche Charaktere wie Black und Doom Metal-Elitisten sowie spexige Musiknerds und „Hipster“, die sonst eher zu Animal Collective und Radiohead gehen.

Da habt Ihr es, SUNN O))) sind die VENOM unserer Zeit...



PS: Post nicht zu ernst nehmen.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Treedeon

...sind good ol' Yvonne Ducksworth of Jingo de Lunch- und Musikfernsehen-Fame, Arne Hesch von Ulme, und ein Schlagzeuger namens Boomer.
Wir sind gespannt, was da kommt...

Backstabbers Inc. - We Will Not Be Wiped Out (Videoclip)

Samstag, 21. Dezember 2013

BSON / Lazarus Blackstar Split

BLACK SHAPE OF NEXUS / LAZARUS BLACKSTAR – Split
Alerta Antifascista Records könnte sich so langsam aber sicher zu einem Lieblingslabel so einiger Sludge-Freunde mausern, denn neben dem kürzlich veröffentlichten Album der verdammt mächtigen Serpent Eater, und neulich noch einer gelungenen Coversong-Split-7“ von Planks und O, gibt es hiermit nun außerdem einen Zwölfzoller aus gleichem Hause, den sich die mir zuvor unbekannten LAZARUS BLACKSTAR mit den von Godzilla-Ausmaß monströs-großartigen BLACK SHAPE OF NEXUS teilen. 
Auch LAZARUS BLACKSTAR haben sich zäh schleppenden Tempolagen mit Gebrüll verschrieben. Bemerkenswert ist, dass die Vocals dank variabler Wechsel passagenweise auch schon mal eine Spur von Melodie im Geschrei mitbringen, und musikalisch nicht einfach nur ‘ne langsame Riffwand in den Boden gestampft, sondern auch mit einem Hauch von rockigen Stoner-Vibes agiert wird.
Mit dem starken Material des letzten BLACK SHAPE OF NEXUS-Albums „Negative Black“ mithalten können die zwei BSON-Tracks dieser Split beim ersten Hinhörer wiederum nicht ganz, aber das liegt wohl u.a. auch an der etwas weniger dicken Produktion, wodurch sich dieser Ersteindruck nach mehrmaliger Rotation auch schon wieder etwas relativiert.
Die Truppe um den, durch einen verzerrten Amp verstärkt oder auch schon mal über ein Kehlkopfmikrofon brüllenden und schreienden Frontgrimassenschneider Malte liefert ab, wofür man sie kennt und schätzt. Und das ist Doom als Extremsport, mit Variationen zu repetitiv krachender Midtempowalzerei oder auch mal was leicht krummen. 
Ach, ich mag BLACK SHAPE OF NEXUS! Und das solltet Ihr auch!

Über Bandcamp hören bzw. für einen schmalen Kurs herunterladen kann man die Split schon jetzt, das Vinyl erscheint im Februar:

http://alertaantifascistarecords.bandcamp.com/album/aa94-lazarus-blackstar-black-shape-of-nexus-split-lp

Freitag, 20. Dezember 2013

Sandrider – Gorgon (Videoclip)

SANDRIDER's „Godhead“ ist mit ziemlicher Sicherheit mein Lieblingsalbum des Jahres. Mit „Gorgon“ hat sich die Band aus Seattle jetzt den Song davon für einen Videoclip rausgepickt, den ich persönlich auf seine straight-rotzrockige Art leider am unrepräsentativsten für das mitunter recht verspielte Material des Albums finde, und der somit eigentlich auch nicht gerade einer meiner Faves ist, aber ein Videoclip zu einem Song meines wohl liebsten Albums 2013 ist ein Videoclip zu einem Song meines wohl liebsten Albums 2013....

Dienstag, 17. Dezember 2013

Eindhoven Metal Meeting (und Essen Metal Geburtstag)

Eindhoven Metal Meeting
Effenaar
Freitag der 13.12.2013


Drei Samstage Turock in Folge... Vorvorletzten  „Baptism by Fire“, vorletzten „Panzerdivision Marduk“, und vergangenen Turock Geburtstagsfeier mit Diesbelief onstage...
Dazwischen gab es dann allerdings auch nioh das „Eindhoven Metal Meeting“.
Bzw. zumindest dessen Freitag, woraufhin ich zwar 2-3 geschätzte Altherren-Bands der anderen Tage verpasste (Accu§er, Coroner, Impaled Nazarene), mir allerdings auch sehr viel Scheiße ersparte (Sabaton, Gothminister), und eben den Tag mitnahm, der das meiste essenzielle abwarf...

Da ich davon dieses mal  keine Bilder habe, versuche ich es mit einem relativen Schnelldurchlauf:


Fleshgod Apocalypse fielen auf und somit eröffneten MORGOTH die Hauptbühne. Das ursprünglich aus dem Sauerland stammende (inzwischen über Dortmund, Berlin und andere Orte verstreute) Death Metal-Urgestein lieferte wieder mal einen Set mit Old School-Schwerpunkt ab, wusste damit exquisit zu unterhalten, kam aber so 100%ig tight auch nicht rüber...

BELPHEGOR will ich aufgrund der Grenzwertigkeit gewisser Bandcharaktere ja eigentlich gar nicht so gut finden, aber man muss schon sagen, dass das ziemlich ordentlich war, was die Österreicher danach mit ihrem „Blackened Death Metal“ auf die Bretter zauberten.

Dass ich die eigentlich dauertourenden NAPAM DEATH letztes mal sah, lag inzwischen schon wieder ein Weilchen zurück. Umso größer sind dann allerdings auch Vorfreude und Vergnügen, wenn es doch mal wieder soweit ist. Geboten wurden wie gewohnt so einige neuere Songs, sowie diverse Uralt-Nummern, und für meinen Geschmack ein paar Knaller von dazwischen zu wenig (wieder mal kein „The Infiltraitor“ oder „Next On The List“...), aber egal. NAPALM DEATH sind NAPALM DEATH. Eine Band, die man nicht nicht mögen kann.

Der ursprüngliche Plan war, CARPATHIAN FOREST größtenteils bis komplett zu gucken. Im kleineren Saal Treppe runter rockten parallel dazu allerdings die von mir nie groß verfolgten THE ROTTED (Crust-lastigere Nachfolgeband der britischen Death Metaller Gorerotted), und meine Fresse haben die Spaß gemacht.
Kurze Strichprobe oben zwischendurch: CARPATHIAN FOREST sind mit ihrer Karnevals-Optik und der streitbaren Krächz-Performance des Frontmanns Nattefrost – noch dazu in ausgerechnet dem Moment mit dieser billig-punkigen Rumpelnummer, die mir schon auf Konserve leicht auf die Nüsse ging (Titel ist mir entfallen, aber muss was vom „Fuck You All!...“ Album sein) -  nicht wirklich die Sieger eines Direktvergleichs, also gab ich mir dann doch noch THE ROTTED's Endspurt.

Und blieb dann gleich mal unten, denn als nächstes hieß es dort „We are THE CHURCH OF PUNGENT STENCH and we play Pungent Stench Coversongs“.
Davon, dass sich jetzt auch schon (nicht böse gemeint) Drittliga-Poltertruppen in Namensrechtsstreitigkeiten um Halb-Reunions stürzen, auch davon kann man halten, was man will. Fakt ist: Auch wenn mir persönlich die Setlist hier auch schon wieder etwas zu Oldest School-lastig war (2-3 Nummern mehr von „Club Mondo Bizarre“ hätte ich ja schon gerne gehört), haben Pungent Stench, pardon, Ex-Pungent Stench Gröler/ Gitarrist/ Hauptsongwriter Martin Schirenc und seine CHURCH OF PUNGENT STENCH echt ziemlich Bock gemacht.

Nachdem ich die schon das ganze Jahr auf Abschiedstour befindlichen VOMITORY dann ja jetzt doch noch 1-2 mal öfter gesehen habe, als ich Anfang des Jahres gedacht hätte, sage ich es mal ganz ehrlich: So wirklich vermissen werde ich die Schweden danach nun allerdings auch nicht. Ihr räudig rausgerödelter Old School Death Metal mit schnellen Blasts und gelegentlicher Crust-Kante ist passagenweise zwar sehr geil, dann aber doch so gleichförmig, dass einem 1-2 Alben reichen und man die on stage auch etwas unspektakuläre Band nun wirklich nicht jede Woche in voller Länge sehen muss.
Immerhin: In kleinen Konzerträumen wie diesem an eben jenem Abend funktioniert(e) das Ganze ja dann doch wesentlich besser, als auf großen Open Air Bühnen (siehe u.a. PartySan im August).

„You guys are missing Watain" meinte BRUTAL TRUTH-Basser Danny Lilker dann beim Soundcheck zum Publikum. Alter, was soll ich mir oben geballte Mittelmäßigkeit in übertriebener Image-Verpackung angucken, wenn ich im Bunker mit BRUTAL TRUTH das absolute Gegenteil davon haben kann?
Und wie geil die waren. Kevin Sharp (zuvor noch bei Pungent Stench im Pit) stampfte barfuß und mit Cowboyhut über die Bühne, während Richard Hoak  hinter ihm wohl der wahnsinnigste Drummer ist, den ich je gesehen habe. Leute, der Typ hat sie nicht mehr alle. Jim Carey ist in puncto Grimassen und Verrenkungen ein Nichts gegen den Typen. Bei Carey ist das allerdings gespielt, und Hoak lebt das wirklich...
Der aktuelle Gitarrist (Dan O'Hare von Total Fucking Destruction) fügt sich dazu unscheinbar aber gut ein, und Lilker... der ist halt Lilker.
Evolution through Revolution, ziemlich geile Sache und ein Traumabschluss eines wirklich, wirklich netten Konzertabends (bis auf die niederländischen Bierpreise).

Ach ja – der Vollständigkeit halber: Den Rausch gerade mal ausgeschlafen, ging es am folgenden Samstag Abend gleich schon wieder zum nächtsen im Essener Turock.
Der Laden feierte neunjähriges und der Eintritt war frei. LAY DOWN ROTTEN waren absolut unterhaltsam, und das waren auch DISBELIEF, auch wenn einen letztere in diesem Leben wohl leider auch nicht noch mal groß überraschen oder völlig umhauen werden (was, wie hier schon öfter erwähnt, vor 10 Jahren mal ganz anders war) ...

Montag, 16. Dezember 2013

Auflistungswahn 2013

Okay, dann mach‘ ich dieses Jahr halt auch mal wieder so eine Liste, aber natürlich anders als die anderen…
First World Problems: Eine Top 5, 10 oder 15 in Rangfolge zu machen ist mir dieses Jahr unmöglich. Selbst bei der alphabetischen Liste hatte ich Schwierigkeiten, wer bei 10, 15, oder 20 reinkommen und draußen bleiben sollte.
Um die Pole-Position kämpfen z.B. mit VHOL und SANDRIDER gerade immer noch das Metal-Highlight des frühen Jahres und der kürzliche Alternative-Spätankömmling.

Here we go:

15 hochgeschätzte Alben 2013, alphabetisch, mit Kurzbeschreibung

AGRIMONIA – Rites Of Separation
Episches Metal-Allerlei mit Crustpunk-Background und At The Gates-Mitglied, das dieses Mal wieder etwas mehr zur melodeathig-metallischen Seite neigt als beim wesentlich postrockig-doomiger ausgerichteten  Vorgängeralbum.

ALTAR OF PLAGUES – Teethed Glory and Injury
Abschiedswerk der Post-Black Metal-Iren mit erhöhtem Avantgarde- und Noise-Faktor.

CARCASS – Surgical Steel
Eine Grindcore-/ Death Metal-Legende macht beim Comeback-Album so ziemlich alles richtig.

CELESTE – Animale(s)
Franzosen im Bermudadreieck aus HC/ Screamo, Sludge/ Post- und Black Metal; mit Rorcal und Sea of Bones im „Mexican Standoff“, wer wohl das heavyste Album 2013 auf die Welt losgelassen hat.

COFFINS – The Fleshland
Straight-stumpfe Crust-/ Doom-/ Death Metal-Dampframme, die von vorne bis hinten eine Mordlaune macht.

JUCIFER – за волгой для нас земли нет
Reines Sludge-/  Extreme Metal-Album einer Band, die ich normalerweise vor allem wegen ihrer Popsongs schätze und eigentlich schon abgeschrieben hatte. Ganz schön fieser Brocken!

NICOFFEINE – Au Revoir Golden Air
Völlig eskalierender Math-/ Noiserock-Wahnsinn in Tüten.

OATHBREAKER – Eros|Anterus
Angeschwärzt-metallischer (Post-)Hardcore. Super!

OWL – You are the Moon, I am the Night
Progressiv und komplex, episch, pechschwarz-atmosphärisch, von bleierner Schwere, und dann doch noch sphärisch entgleitend ist der Death Metal von OWL, einem Projekt aus der „Zeitgeister Music“-Clique, das trotz Sulphur Aeon und Portal das in dieser Ecke interessanteste und bestechendste  Album des Jahres rausgehauen hat.

RORCAL – Világvége
Schweizer „Fruit of the Doom“ mit erhöhtem Blastbeat-Gehalt; mit Celeste und Sea of Bones im „Mexican Standoff“, wer wohl das heavyste Album 2013 auf die Welt losgelassen hat.

SANDRIDER – Godhead
Stoner? Noiserock? Post-HC? Irgendwo dazwischen, und ganz schön gut.

SEA OF BONES – The Earth Wants Us Dead
Lang erwartetes Album der nihilistischsten Sludge-/ Doom-/ Drone-Metal-Macht; mit Celeste und Rorcal im „Mexican Standoff“, wer wohl das heavyste Album 2013 auf die Welt losgelassen hat.


SUBROSA – More Constant Than The Gods
Psychedelic/ Doom/ Sludge Metal mit Frauengesang und einem Anhauch Sonic Youth’schen Indierocks? Finde ich super!
 


VHOL – s/t
Blackened Crust meets Traditional Heavy Metal mit Mike Scheidt-Vocals und Ludicra-Fundament. Geil, geiler, am vholsten!

VOIVOD – Target Earth
Dafür, dass man sich Voivod ohne den verstorbenen Gitarristen Piggy eigentlich nicht vorstellen konnte oder wollte, dafür ist „Target Earth“ dann ja doch ein wirklich starkes Album geworden.

Jenseits der Top 15 - auch noch erwähnenswert waren bzw. sind und warum:
 

100000 TONNEN KRUPPSTAHL – Bionic Testmensch
Grindcore mit spürbarem JaKa-Einfluss, Noiserock-/ Sludge-Schlagseite und debil-zonalem Duoformations-Charme a la Dÿse


AMBER – Lovesaken
Frontfrau Annika hat AMBER in gleich doppelter Hinsicht keinen großen Gefallen damit getan, die Band nach diesem Album aus persönlichen Gründen zu verlassen, denn eine adäquate Nachfolge scheint unmöglich. Ihre unglaubliche Leistung an emotional-inbrünstigem Geschrei und Gebrüll ist es nämlich ganz allein, was diesen abseits davon etwas akzentarm-gleichförmigen „Post-Metal/ Downtempocore“-Brei aus dem Mittelmaß in die die Kategorie „gut“ rettet (der Fairness halber: „Silent Lies“ sticht schon als Song-Highlight heraus).

BEEHOOVER – The Devil and his Footmen
DIY-LoFi-Produktion des progig-verspielten „Drum’n’Bass“-Stonerrock-Duos. Ich mag BEEHOOVER!

CLOUD RAT - Moksha
Grindcore-Trio mit Frontfrau und Fremdgenre-Einschüben. Bitte noch mehr davon!

SERPENT EATER – Hyena
Die düster-brutalen Crust-Metal-Altherrenhelden NRWs haben nicht nur mittelschwer was von Mörser, sondern spielen demnächst sogar tatsächlich vereinzelte Gigs mit eben jenen. Faust / Auge!

SULPHUR AEON - Swallowed by the Ocean's Tide
Death Metal Richtung Morbid Angel, Behemoth, Portal, Texte Richtung Lovecraft. Derbe, dunkel, und gar nicht mal so dumm.

THE BLACK HEART REBELLION - Har Nevo
Stilistisch nicht leicht einzutütende Kiste zwischen Nick Cave, Swans, und dem letzten Young Widows-Album; irgendwie dem belgischen Clan des Amenra-Umfelds zugehörig.

THE RUINS OF BEVERAST – Blood Vaults
So wirklich 100%ig die hohen Erwartungen erfüllen konnte  „ Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer (Cryptae Sanguinum – Evangelium Flagrans Henrici Institoris) “ meiner Meinung nach ja nicht. Ein mehr als nur solides Album eines Künstlers mit sehr eigenem Stil und Sound ist es aber dennoch, und den Schwerpunkt vom Black Metal noch etwas mehr zum Doom hinzuverlegen funktioniert hier ziemlich gut.


WINDHAND – Soma
Stoner/ Doom Metal, der in grober Electric Wizard-Richtung zwar kein Rad neu erfindet, aber ansonsten alles richtig macht.


Honorable Mentions (großzügig durchgewunken):
65daysofstatic,  Autopsy, Batillus, Bölzer (EP), Cathedral,
Chelsea Wolfe, Darkthrone, Fuck The Facts (EP), Groll (Demo), Inter Arma, Jex Thoth, Jungbluth, Ken mode, Kongh, Lychgate, Melt-Banana, Melvins, Pharmakon, Phantom Glue, Portal, Nightslug, Star and Dagger, Suicidal Tendencies, The Body (EP + Album), Tomahawk, Wake

Erst 2013 entdeckte 2012er Knaller:
BLACK MOTH – s/t
LOVE SEX MACHINE – s/t
PIGS – You Ruin Everything


Enttäuschendstes Album 2013: NINE INCH NAILS

Allgemein am meisten überbewertetes Album 2013: DEAFHEAVEN

Schlimmster Metal-Hype außerhalb meines persönlichen Mikrokosmos 2013: POWERWOLF

Schlimmster Indie-Hype außerhalb meines persönlichen Mikrokosmos 2013: Gar keinen mitbekommen. D.h., dass ich entweder ausnahmsweise mal irgendwas richtig gemacht habe, oder dass es dieses Jahr gar keinen auffälligen gab, weil man in der Ecke zu viel mit Deafheaven und Kackdawar beschäftigt war.

Eine Liste der besten Konzerte und Festivalauftritte 2013 folgt wenn der oder das letzte davon über die Bühne gegangen ist…

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Tjoah...

Heute Nachmittag hat sich das Roadburn Festival ausverkauft.
Ganze zwei Monate nach dem Ticketverkaufsstart. Sonst dauerte es wohl auch schon mal nur zwanzig Minuten…
Der große Hype darum scheint also vorbei.

Nein, ich selbst habe für kommendes Jahr bisher kein Ticket. Auch wenn die anfänglich mäßigen Ankündigungen auf dem Endspurt (trotz geringerer Oberliga-Dichte) dann ja doch noch ziemlich gut wurden, und man da ja dann doch schon wieder irgendwie Bock drauf bekommt, ich ferner bei sowas normalerweise auch nicht wirklich knauserig bin, muss ich ganz ehrlich mal die Frage in den Raum stellen, ob ca.190 € für das 4-Tages-Ticket eines solchen, selbsternannt undergroundigen Indoor-Festivals nicht vielleicht doch ein bisschen zu weit draußen sind…
Klar, man sieht ‘ne Menge Bands, die man bei anderen Events eher nicht sieht, und man sieht vor allem aus der tatsächlich interessanteren Ecke härterer Gitarrenmusik die wirklich aktuell bestechenden Bands, und die dann auch noch alle gebündelt auf einem Haufen, aber wenn man mal bedenkt, dass die Hälfte von eben diesen eher auf dem Status von nerdigem Liebhaberkram sind, der Kleinclubs gerade mal an guten Tagen halbvoll macht, dann fragt man sich schon ob man wieder mit allem drum und dran so viel Geld in Tilburg lassen will.

Wer weiß, ob ich kommendes Jahr im Endeffekt nicht vielleicht trotzdem wieder mit dabei bin.
Aktuell finde ich es aber nicht so schlimm den Ticket-Sale und die Unterkunftsbuchung, die man auch schon ein halbes Jahr vorher angehen muss, einfach mal gleichgültig ausgesessen zu haben, anstatt sich auf diese Sache schon so weit im Voraus festzulegen, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen war… 

(Fühlt sich trotzdem etwas komisch an, nach fünf Jahren in Folge vielleicht mal auszusetzen...)

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Dienstag, 10. Dezember 2013

Ach ja: Svffer

Hätte ich fast vergessen, aber ist mir auch mit fast einem halben Jahr Verspätung noch den Hinweis wert:
SVFFER sind der aktuell recht interessanten HC-Szene Münsters entsprungen, haben in ihren Reihen das Alpinist-Mitglied, das nicht bei Jungbluth dabei ist, und ferner eine schreiende Frau am Mikro (was ich erwähne, obwohl es heutzutage nun wirklich keinen Exotenbonus mehr hat, was auch gut so ist).
Die vier Songs ihrer Debüt-7inch gehen in Richtung Crust-/ Grindcore/ Emoviolemce und machen Bock auf einen Longplayer!

Bandcamp: svffer.bandcamp.com

Montag, 9. Dezember 2013

Oh...

Jetzt erst erfahren: Bei SANDRIDER machen Leute von Akimbo mit?! Auf ein mal ergibt das alles noch viel mehr Sinn...

Baptism by Fire zum zweiten

MARDUK, GRAVE und Supports
7.12. Essen, Turock


Warum sich MARDUK die diesjährige Vorweihnachtszeit ausgesucht haben, um die Panzerdivision-Kiste am Stück zu bringen, finde ich ja schon etwas seltsam. Denn erst kommenden Sommer feiert das Album „Panzer Division Marduk“ 15jägriges, was wohl ein passenderer Anlass gewesen wäre.

Um besagtes Album gab es damals in Black/ Extrem Metal Kreisen einen regelrechten Hype. Das griffige High Speed-Geknüppel mit kontroverser Aura fand in Teilen der Metal-Szene ziemlichen Anklang.
Fast 15 Jahre später ist von der damaligen Panzerdivision nur noch Gitarrist und Mainman Morgan Steinmeyer Håkansson übrig, und seine Band, die zu ihren Hochzeiten in Verruf stand eine furchtbare Proletentruppe zu sein, ist längst zu einem dieser langlebig-alltäglichen Festivalzirkus-Standards verkommen, während andere Markennamen in der Ecke als viel interessanter und gefährlicher gelten (Watain). 
Die ersten beiden Vorgruppen fielen an diesem Abend bei mir mal durchs Raster, mea culpa (hey, zumindest gebe ich es zu, und tue nicht so als hätte ich tatsächlich was dazu zu sagen…).
Dann gab es mit GRAVE allerdings was durchaus brauchbares. Die schwedischen Death Metal-Urgesteine spielen als Mitbegründer der alten Schule nämlich jene Art ihres Stils, die mit gewisser punkiger Räudigkeit viel (paradox:) lebhafter durch die Botanik knattert, als ein Groß der späteren Knüppelgrunz-Szenerie.
Solides Handwerk wie dieses sollte man schätzen. Gerade auch, wo sich aktuell so viele Jungspunde aufmachen, derartigen Sound nachempfinden zu wollen.

Vor grün beleuchtetem Nebel (sah geil aus! Sorry, dass ich davon kein Foto habe…) spielten danach MARDUK dann erst mal die „Panzer Division Marduk“ von vorne bis hinten runter (mit rollenden Panzern aus der Konserve in den Songpausen). Hatte ja schon ein bisschen was von einer Pflichtübung, die der Herr Frontmann bei Ansage des letzten Songs auch als „verfluchtes Album“ titulierte. Ich würde allerdings lügen, wenn das keinen Spaß gemacht hätte.
Über die tempomäßig variationsreichere Setlist danach kann ich nicht so viel sagen, da ich mit der Discographie der Band (gerade auch die jüngeren Alben betreffend) nicht in gesamter Gänze vertraut bin, aber im Gegensatz zu ihrem Auftritt beim Extreme Fest auf der schwarzen Heide 2012, der eine ziemlich lahme Angelegenheit war, funktionierte das auf einer Clubshow-Bühne dieser Größe an jenem Abend ebenfalls ziemlich gut.
Doch, doch, unterhaltsames Konzert.

Witzig übrigens, dass man sich im Turock ausgerechnet diesen Abend dafür ausgesucht hatte, im Anschluss ein Glam/ Sleaze-Discoprogramm unter „Ladies Night“-Motto zu starten. Ein kontrastreicher Samstag, könnte man sagen.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Aktuelle Kleinformate

SLAVESTARTE 641A - Masochist
Dass einen der Bandname von SLAVESTARTE 641A ein wenig an eine Godflesh-EP erinnern mag, kommt vermutlich nicht von ungefähr. Die Band macht schleppenden Dröhn-Metal mit kühl-maschineller Industrial-Kante, monoton stampfenden Drums, fiesem Geschrei und elektronischen Noise-Elementen. Hat nicht nur was von Godflesh, sondern in seiner ohrenfeindlichen Unbequemlichkeit gar schon eher von den Frühwerken der Swans.
Gibt's bei Grindcore Karaoke: http://grindcorekaraoke.com/album/masochist

BATILLUS / KOWLOON WALLED CITY Split
Apropos Godflesh - sie hätten in der Wahl ihrer Coversongs nicht geschmackssicherer sein können: Mit Sängertausch covern KWC auf der A-Seite Godflesh's „Anthem“, und auf der B-Setie nehmen sich BATILLUS, sehr passend, die doomig groovende Ministry-Übernummer „Lava“ (vom unterschätzten Überalbum „Filth Pig“) vor.
Bekommt man dort: http://brutalpandarecords.com/shop/kwc-batillus-split-7/

Deicide - End the Wrath of God (Videoclip)

und noch einer...

Freitag, 6. Dezember 2013

Und noch zwei Videoclips!

Der von den GAYTHEISTs ist zwar seit Juli raus, aber immerhin so witzig, dass man ihn trotzdem mal verspätet vorführen kann, der von den RABBITS ist brandneu.
Auffällig: Beide Songs sind trotz Standbein in der Sludge-Ecke eher knackig-kurz und punkig-straight. Der eine etwas rockiger, der andere etwas hardkerniger. Und beide auch irgendwie leicht bekloppt.
Machen Laune!
Ob das wohl Alben sind, die man vor der Jahresabschlussbilanz auch noch hätte abchecken sollen?


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Voivod - Kluskap O' Kom (Videoclip)

Neues Video von VOIVOD! 

2013er Review-Resterampe

AUTOPSY – The Headless Ritual 
Für alle, die es wirklich nicht wissen sollten, ob sie es wirklich wissen wollten oder nicht: Die ersten beiden AUTOPSY-Alben („Severed Survival“ aus dem Jahr 1989 und „Mental Funeral“ von 1991) gelten völlig zurecht als Essentials. Ähnlich wie ihre Westküsten-Landsleute von Incantation oder die Niederländer Asphyx sind auch AUTOPSY aus Kalifornien eine dieser frühen Death Metal-Bands, der ein Hauch von Punk-Spirit anhaftet, und die dabei gar nicht mal so wenig Doom im Blut hat.
Da sich für die von 1994 bis 2010 aktive Nachfolgeband Abscess (die noch einen ganzen Tick punkiger unterwegs war) nie so wirklich jemand interessiert hat, haben die Herren Reifert (Drums und Vocals!) und Coralles (Gitarre) irgendwann 2009 rum halt wieder angefangen (zusammen mit dem zweiten Gitarristen Eric Cutler) unter AUTOPSY zu firmieren.
Die Veröffentlichung von Album Nummer zwei nach der Reunion fiel nun auch noch günstigerweise in einen Zeitraum, zu dem so eine Art von Death Metal inzwischen doch wieder im Aufwind und fast hip ist.
Was besagtes Album betrifft, so wollte ich es beim ersten Schnupperanlauf zunächst gar nicht mal so gut finden, aber über die nächsten 2-3 Rotationen wuchs die Begeisterung dann doch noch.
Mal ernsthaft: Wem diese Mixtur aus räudigem Uff-ta-uff-ta, Doom-Parts mit Dudel-Leads, und Vocals von Celtic Frost-artiger Eindringlichkeit nicht zumindest ein kleines bisschen Spaß macht, der hatte Metal eigentlich noch nie verstanden.



BLACK MOTH – The Killing Jar 
Zwei Sachen vorweg: 1.) Eigentlich ein Nachzügler aus 2012, aber egal. 2.) Nahegelegt von einem geschätzten Blogger-Kollegen (bin schließlich Akademiker, also sind mir Quellennachweise nicht fremd).
Normalerweise habe ich es ja oft eher nicht (mehr) so mit Musik, die einfach „nur simpel-straighter Rock“ ist, wenn Ihr versteht, was ich damit meine. Ausnahmen im Sinne von „besonders gut oder alles richtig gemacht“ dürfen mir neben Originalen aber gerne mal unterkommen. BLACK MOTH' „The Killing Jar“ ist so ein Ding, das kürzlich tatsächlich in diese Kategorie rutschte.
Was diese „female fronted“ Jungspunde von der Insel besonders richtig machen, ist folgendes: Trotz hörbaren Zusammenführens von Einflüssen und Stilen vergangener Dekaden von Black Sabbath bis L7 (Hardrock und Ur-Metal, Garage und Punk, Rrriot Girl und Alternative/ Stoner/ Grunge) nicht auf Retro zu machen, sondern das mit einem zeitgemäßen Vibe (die aktuelle Psychedelic/ Stoner/ Doom/ Sludge-Welle) und einer verhältnismäßig modern-voluminösen Produktion zu kombinieren. Obendrauf gibt es dann noch eine Sängerin, die eine eigene stimmliche Ausstrahlung und hörbar Bock aufs singen hat, anstatt lediglich das obligatorische Bandmitglied am Mikrofon zu sein.
Ganz schön gut! Endlich mal wieder „Rockmusik“ wie ich sie meine.


BÖLZER - Aura
Das Vergnügen dieser 12“ EP ist mit nur drei Songs ja insgesamt etwas kurz (Gesamtspiellänge immerhin trotzdem etwas über 20 min), dafür aber umso größer.
Das Schweizer Duo hat seine eigene Nische zwischen Proto-Extremmetal der Marke Hellhammer und zeitgemäß-epischen Ansätzen gefunden. BÖLZER sind räudig, brutal, knüppelhart, aber trotzdem auch einen Hauch melodisch und atmosphärisch, und entsprechen keiner Genre-Blaupause zu sehr, als dass man sie vorschnell zu einer anderen Band mit in eine bestimmte Schublade stecken möchte. Bezeichnend, dass diese Band aus der Schweiz kommt, denn die Tom Warriror-Patenschaft ist wie gesagt zu spüren.
Ganz schön gut!
Bandcamp: ironboneheadproductions.bandcamp.com/album/b-lzer-aura
 
CASTEVET - Obsian
Hier noch ein Fall von „Hörproben angezappt hatte ich ja schon von früheren Veröffentlichungen mal, aber irgendwie wird das in diesem Leben nichts mehr mit uns.“
Als mir mein Kumpel und Mitmusiker Sgt. Vince Pepper – der meine Liebe für die herausragend etwas schrägeren Bands ihres Fachs, wie Voivod, Melvins oder Pig Destroyer teilt – kürzlich allerdings auch noch mal CASTEVET nahelegte, musste ich natürlich doch noch mal ein weiteres Ohr riskieren.
Das Ding ist folgendes: Auf dem Papier müsste ich diese Band eigentlich mögen. Es ist z.B. je nach persönlicher Interpretation oder Rezeption schwierig, die sich in einer stilistischen Grauzone zwischen „Prog-Death Metal“ und „Post-Black Metal“ befindlichen CASTVET mit einem eindeutigen Etikett zu klassifizieren. Und normalerweise schätze ich Bands, die „zwischen den Stühlen“ agieren. Was CASTEVET außerdem recht interessant hinkriegen: Einerseits zwar schon progressiv und etwas „um die Ecke“ zu tönen, dabei aber nie zu Gefrickel oder Gewichse zum Selbstzweck abzurutschen, sondern immer wieder im richtigen Moment die straightere Metal-Kelle auszuteilen, und das dann auch noch mit sehr dunkler, fast schon surrealer Atmosphäre zu vermengen. CASTEVET haben komplex arrangierte Songs voller Dissonanzen, und voller Ecken und Kanten, klingen dabei allerdings auch immer wieder so ein bisschen, als würden sie einem gleich in andere Sphären entgleiten, anstatt das bodenhaftende Moment der metallischen Brutalität zu sehr zu betonen. Außerdem mag ich die Brüllschrei-Vocals, die nicht in den generischen Guttural-Styles ausarten, die sich so als Szene-Standards etabliert haben mögen. Irgendwie klingt das im Gesamtpaket, als hätte man Morgoth um Versatzstücke von Enslaved und Deathspell Omega angereichert.
Und wie gesagt, auf dem Papier müsste das in der Form ja eigentlich was für mich sein. Da Musik aber auch immer noch ein bisschen mehr als nur die Summe ihrer Teile ist, verhält es sich mit „Obsian“ so, wie mit dem einen oder anderem jüngeren Enslaved-Album, das ich weniger mag: Diese Zusammenführung aus bösem Metal und sphärischem Prog ist eine grundsätzlich interessante und sympathische Sache, kommt mir aber nicht immer genug auf den Punkt. Was für einen Großteil der Menschheit zerfahrener Lärm sein dürfte, ist für mich etwas, das ich zwar grundsätzlich „verstehe“, mich allerdings auch nicht gerade dazu veranlasst, noch mal genauer hinhören zu wollen. Ein Urteil, das man als derart gelagerte Band wohl am wenigsten lesen möchte...


EIGHT BELLS – The Captain's Daughter

Zwei Beobachtungen: 1.) In letzter Zeit scheint ja Portland die US-Stadt zu sein, die sich neben Richmond und SF zu einem regelrechten Hort der frischeren Metal-Bands gemausert hat. 2.) De Frauenquote in solchen Gefilden nimmt immer mehr zu.
Auch EIGHT BELLS, zwei Mädels plus Schlagzeuger von eben dort, blitzten kürzlich noch mit auf dem „Band, in die man 2013 reingehört haben sollte“-Radar auf. Ein Impuls, dem ich natürlich auch hier nachging.
Geboten wird auf „ The Captain's Daughter“ so etwas wie psychedelischer Progrock zwischen ruhigen, ätherischen Parts und langen Instrumental-Abfahrten mit metallischem Energielevel. Drone-Ansätze treffen auf fortgeschrittene Spielfreude, und schlagen aus der Neuzeit einen Bogen bis hin zu King Crimson und Pink Floyd.
Womit sie eigentlich eher wie eine der Bands aus dem Frisco-Umfeld von Amber Asylum bis Ludicra klingen.
So gut, dass ich es mir nach einem Durchlauf des Streams sofort hätte kaufen müssen, fand ich es zwar jetzt auch nicht, aber immerhin gut genug, um es Euch mal nahezulegen.
Bandcamp: eightbells.bandcamp.com


SATYRICON – s/t
Kurz nach Veröffentlichung hatte ich zwar zwei mal in den Stream von SATYRICON’s neuer selbstbetitelter reingehört, aber beide male bereits in der ersten Hälfte schon wieder abgebrochen. Ich bin zwar eh kein großer Fan der Norweger, aber alle Jubeljahre bringen sie mal ein Album raus, das mir ziemlich taugt. Z.B. das 1999er „Rebel Extravaganza“ (welches an der Black Metal-Basis damals nicht auf Gegenliebe stieß), oder das hitverdächtig nach vorne rock’n‘rollende „Now, Diabolical“ von 2006. Ihr aktuelles reiht sich in diesem Leben allerdings wohl eher nicht mehr bei diesen Günstlingen ein. Dabei ist „Satyricon“ mit seiner trocken-reduzierten Produktion eigentlich nicht mal wirklich schlecht, allerdings schlicht und ergreifend für meinen Geschmack eine Spur zu ausgebremst und entspannt. Und die SATYRICON-Variante von Stoner Rock ist nun wirklich nichts, was ich mir zeitnah schönhören müsste…

STAR & DAGGER - Tomorrowland Blues

Irgendwie war dieses potenzielle Sommeralbum bei V.ö. halb durchs Raster gefallen, und das obwohl ich auf die Band schon bei Gründung hingewiesen hatte
Anyway. Zugegeben, STAR & DAGGER leben auch ein bisschen von ihrem Sex-Appeal. Wenn zumindest ausweismäßig in die Jahre kommende Protagonistinnen wie Sean Yseult (einst Blickfang-Bassistin der "von 80er-NY-Noiserock zu 90er-Kirmes-Metal"-Großartigkeit White Zombie) und Donna She Wolf (eine der Mitwirkenden der ’91 mal kurz Augenbrauen gehoben habenden Metal-Girlgroup-Kuriosität Cycle Sluts From Hell mit der Videosingle „I wish you were a beer“) auf Hochglanz-Bandfotos und Live-Schnappschüssen dann ja immer noch was hermachen, dann guckt man als Ü30-Musikfreund auch gerne mal hin.
Und musikalisch machen die drei Kernfrauen an Bass, Gitarre und Gesang (die zuvor wenig im Rampenlicht stehende Von Hessling), mit männlicher Auswechselbank-Unterstützung an Schlagzeug und Lead-Gitarre, auf „Tomorrowland Blues" dann auch tatsächlich so einiges richtig.
Das Album ist mit einem gewissen rumpeligen Indierock-Charme produziert worden, und von der Blues-Nummer mit wenig hartem Drive, bis zum semimetallischen Abrock-Ding mit wildem Schlagzeug ist Abwechslung geboten, während Von Hessling auf der Rumpelrock-Unterlage fast schon eine Spur zu poppig-soulig schmettert.
Die Art und Weise, wie dieses Album einerseits als schon halb zum Stadion schielendes Alternative Rock-Revival etwas aus der Zeit gefallen scheint, dabei allerdings trotz allem Pop-Appeals aufgrund der Understatement-Produktion dennoch eher unkommerziell tönt, funktioniert überraschend gut.
Hoffen wir nur, dass die Live-Umsetzung reell nicht tatsächlich so gruselig untight rüberkommt, wie bei einem kürzlich ins Netz gestellten Konzertmitschnitt.


SUBROSA - More Constant Than The Gods
Eine weiterer Fall von „Band namentlich ja eigentlich schon länger als potenziell interessant auf dem Radar gehabt, aber erst jetzt mal zufällig das aktuelle Album zu hören bekommen“.
Ich werde hier jetzt nicht in Superlative a la „Reue, denen nicht schon viel eher gehuldigt zu haben“ verfallen, aber ich könnte mir schon vorstellen, in die Musik von SUBROSA in näherer Zukunft noch tiefer einzutauchen.
Das, für mich, interessanteste beim ersten Höreindruck von „More Constant Than The Gods“ war folgendes: Der vorwiegend aus weiblichen Mitgliedern bestehenden Band gelingt hier eine ziemlich faszinierende Fusion von Kontrasten. Man wildert in Sludge-/ Doom-/ Stoner-/ Psychedelic-Gefilden mit dreckig-dröhnigem Gitarrensound und wuchtig-schleppenden Grooves, stellt dem ruhigere Momente und auch den Einsatz von Nicht-Rock-Standart-Instrumenten wie Streichern gegenüber, klingt dabei auch gerne mal so ein bisschen feierlich, trotzdem eher etwas dunkel und kühl, und ferner dabei dann auch noch gelegentlich mit einem guten Schuss von punkig-indierockiger Imperfektion ein wenig neben der Spur.    
Liest sich, als würde das alles gar nicht zusammenpassen? Tut es aber. SUBROSA haben auf der einen Seite schon mal schwer was von Neurosis oder Harvey Milk, auf der anderen dann allerdings auch von Sonic Youth oder L7. Es kommt auch noch sowas wie Amber Asylum oder Rose Kemp hinzu. Und das funktioniert. Ich finds echt gut! Auch wenn „More Constant Than The Gods"  nach hintenraus einen klitzekleinen Tick zu langatmig geraten ist...
Bandcamp: http://subrosausa.bandcamp.com/...

SULPHUR AEON - Swallowed by the Ocean's Tide

Eine von zwei aktuellen Death Metal-Essenzialitäten aus deutschen Landen, die dieses Jahr u.a. auch auf der PartySan-Zeltbühne überzeugten, sind SULPHUR AEON aus, man lese und staune, Waltrop bei Dortmund. Die Pottprovinzler mit Lovecraft-Lyrikkonzept haben in eigentlich ausgetretenen Genre-Pfaden tatsächlich einen eigenen Stil gefunden. Jener ist zwar bretthart, brutal und blastbeatig, dann wiederum allerdings zudem dunkel-atmosphärisch, episch arrangiert und einen Hauch melodisch abgerundet. Erinnert mit seinen Black Metal-Schulterblicken ein kleines bisschen an Behemoth zu ihren besten Zeiten, und schielt dabei außerdem fast schon in Richtung Portal.
Und so verwundert es auch nicht, dass die eher seltenen Auftritte der Band bereits eine gefragte und gefeierte Sache sind.
Nicht schlecht, nicht schlecht!

TROUBLE - The Distortion Field
Bei TROUBLE liegt der Fall wohl so, dass diese trotz 2-3 durchaus goutierter Alben und so mancher Begegnung über die Jahre nicht unbedingt in der Riege meiner Lieblingsbands mitspielen. Wenn ich ganz ehrlich bin, haben sie diesbezüglich nicht mal Platz in der Nachrückschlange.  Ich wäre interessiert gewesen, wie ein Album mit dem zwischendurch involvierten Kory Clare (Warrior Soul) geklungen hätte; stattdessen ging der Posten des Sängers hier nun allerdings an Kyle Thomas (von der Thrash-Überkultigkeit Exhorder, dem letzten Alabama Thunderpussy-Album und Floodgate), der schon mal mit an Board war, aber erstmals ein Studioalbum eingesungen hat. Was jenes betrifft, so hat „The Distortion Field“ durchaus ein paar Momente  - vor allem, wenn die Gitarre tatsächlich mal eher etwas doomig leadet als rockig rifft.  Insgesamt ist mir sowas heutzutage dann aber doch irgendwie den einen Tick zu nah an klassischem (zugegeben zeitlosen) Hardrock für Opas, und rauscht ohne Alleinstellungsmerkmale zu akzentlos durch, als dass ich dabei öfter mal aufhorchen würde.  „Kann man sich anhören, aber aufregend ist was ganz anderes“ wäre wohl ein passender Fazit.


VAURA – The Missing
Gerade mal eine Woche raus, findet man VAURA's „The Missing“ (Profound Lore) schon in so mancher Jahresbestenliste. Die auf der Hand liegenden Gründe für diesen regelrechten Hype sind folgende: 1.) Die hier beteiligten Kevin Hufnagel (Dysrhythmia, Gorguts) und Toby Driver (Kayo Dot, maudlin of the Well) sind Musiker, die an einigen Stellen im Netz ein Abo darauf haben, dass jeder von ihnen gelassene Furz abgefeiert wird. 2.) In Richtung Post-Punk/ Gothrock tendierende Musik mit Black Metal-Schulterblick ist gerade dabei, richtig angesagt zu werden (siehe Beastmilk, aktuelles Album des Monats in verschiedenen Metal-Printmags).
Was jetzt vermutlich etwas zynischer klang, als es von mir gemeint war.    
In einem seltsamen eigenen Klangkosmos, der gleichermaßen komplex wie popig ist, vermengen VAURA schwarzmetallisch beeinflusste Prügelschrubb-Parts, Erinnerungen an 80er-Schwarzkittel-Rock (was ja in der Indie-Ecke bereits bei Bands wie The National wieder auflebte) und Shoegaze-Ansätze mit verträumt entspannten Vocals. Das weckt übliche Assoziationsreferenzen, die ich mir an dieser Stelle einfach mal spare, und ist irgendwie auch so ein bisschen das zeitgemäße Pendant New Yorker Artsy-Kreise zu metalszenischen Mädchen-Bands von Katatonia bis Alcest.
Schade, dass es nur gegen Ende für lediglich einen Song mal etwas krachiger und sperriger wird…
Wirklich schlecht finde ich das hier zwar nicht unbedingt, so wirklich hören muss ich es allerdings auch nicht.
 

WOE - Withdrawal
Auf dem Zettel hatte ich WOE ja schon ewig, aber irgendwie waren sie bis zuletzt immer durchs Raster gefallen. Als ihr aktuelles Album letztens mal in einem Wohnzimmer lief, in dem ich mich zufällig auch gerad‘ befand, habe ich mal ein bisschen genauer hingehört und festgestellt, dass ich die Band auch weiterhin wohl doch eher weiterhin an mir vorbeiziehen lassen kann.
Bevor wir uns missverstehen: Schlecht ist „Withdrawal“ nicht. Aber ähnlich wie z.B. bei ihren Kollegen Krallice (oder den britischen Anaal Nathrakh) greift allerdings auch bei WOE das, was sich für mich mit der „Black Metal-artigen Musik“ dieser Tage häufig eher beißt: Der Kram ist verhältnismäßig trocken und „spielfreudig“ inszeniert, und lässt das Maß an Atmosphäre und/ oder Räudigkeit vermissen, das an einer Band wie Altar of Plagues oder Ash Borer so gut funktioniert(e). Dass hier auch noch Klargesang hinzukommt, erschwert das Ganze zusätzlich, denn das dürfen eigentlich nur Enslaved.  
Unterm Strich, ganz objektiv betrachtet, ist das alles jetzt nicht wirklich schlecht gemacht, aber ich brauch’s in dieser Form eher nicht so.
Bandcamp: http://candlelightrecordsusa.bandcamp.com/album/withdrawal


WOUND – Inhale the Void
Die zweite von zwei aktuellen Death Metal-Essenzialitäten aus deutschen Landen, die dieses Jahr u.a. auch auf der PartySan-Zeltbühne überzeugten, sind die Wiesbadener WOUND. Jene gehören zwar mehr oder minder der jüngeren Welle an Old School Stockholm-Sound-Gerödel an, sind dabei allerdings eine der angenehm unprätentiösesten Truppen, die ich seit längerer Zeit auf einer Metal-Festivalbühne gesehen habe. WOUND klöppeln relativ straight und simpel nach vorne, gehen aber auf jeder Ebene (Vocals, Gangarten) recht abwechslungsreich zu Werke.
Und auch wenn „Inhale the Void“ kein Jahresbestenlistenanführer, Genre-Meilenstein, oder Ausnahme-Meisterwerk sein mag, sind WOUND immerhin ein weiterer, sehr lebendiger Beweis dafür, dass im lange Zeit von seelenlosem Triggergefrickel und ähnlichem Mist dominierten Death/ Extrem Metal Bereich ja doch wieder so einiges geht, und man trotz muffigem Retro-Style und (nicht böse gemeint) Provinzkapellen-Anhauch durchaus eine gewisse Frische versprühen kann.
Kann man so nehmen! Muss nicht wirklich uuuunbedingt, kann aber.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Behemoth - Blow Your Trumpets Gabriel (Videoclip)

Die Zeiten, in denen ich BEHEMOTH goutiert habe, sind zwar auch schon wieder ein ganzes Weilchen her (das 2000er Album „Thelema.6“ fand ich seinerzeit ja ziemlich zwingend...), aber why not...
Hier ist ein neuer Videoclip der polnischen Black/ Death Metal Institution:


Aktuelle Alben (November/ Dezember 2013)

Die letzten für mich relevanten Releases, die in diesem Jahr über die nächsten Tage noch erscheinen sollten, werde ich diesem oben gehaltenen Post dann einfach noch hinzufügen, anstatt für 1-2 Alben und eine Split noch mal einen neuen aufzumachen.
(Und irgendwie kamen dann doch noch mehr, als ich im Vorfeld dachte...)

Für die Übersicht mal ein Inhaltsverzeichnis:
# BIG BUSINESS – Battlefields Forever
# BRUTAL TRUTH / BASTARD NOISE Split
# CORRECTIONS HOUSE – Last City Zero

# FANTASY PANTHER -s/t
#
FLESHPRESS - Tearing Skyholes
# LUMBAR - The First and Last Days of Unwelcome  
# MELVINS – Tres Cabrones
# MIOTIC - Antimonia 
# NOOTHGRUSH / COFFINS Split
# OBSCURE SPHINX – Void Mother 
# SANDRIDER - Godhead
# SEA OF BONES – The Earth Wants Us Dead
# SERPENT EATER - Hyena


BIG BUSINESS – Battlefields Forever 
Wenn die Melvins-Chefetage mal wieder andere Pläne hat (s.u.), nutzen die Juniorpartner Warren & Willis die Zeit sinnvoll für ihr eigenes BIG BUSINESS. Als Nachfolge-Unternehmen der explosiven Noiserock-/ Sludge-Angelegenheit Karp, inzwischen vom reduzierten Drum’n’Brummbass-Duo (gar über den Umweg Quartett) um einen Gitarristen und Mitsänger zum Trio erweitert, ist der Unterschied zur Vorbild- und Adoptivmutterband dann ja irgendwie noch mal ein Stück geringer geworden.
Was mir bereits beim BB-Zweitwerk „Here Come The Waterworks“ auffiel: Das, was sich diese Jungs schon vor ihrer Annektierung ins Line Up der Melvins von eben diesen abgeguckt hatten, ist im Grunde genommen das, was sich jene von Kiss abgeguckt haben: Hooks. Bei den Melvins zählt nicht nur das Riff bzw. bei BIG BUSINESS nicht nur die dicht-verzerrte Wand an Saiteninstrumentenalarm, sondern die Gesanglinien haben einen höheren Stellenwert, als bei so manch anderer härteren Band. Da kommt dann auch schon mal so eine hymnische Melodieführung bei heraus, die in ihrer Intonation nicht wirklich weit weg von Paul Stanley und Gene Simmons ist. Achtet mal drauf, und Ihr wisst was ich meine.
Im Gegensatz zum erwähntem „Here Come The Waterworks“ ist „Battlefields Forever“ allerdings, und das ist im Falle von BIG BUISNESS nicht das erste mal, eines dieser Alben, das ich beim Testfahren zwar gar nicht so verkehrt finde, dann wiederum aber auch nicht derart grandios, dass ich mit Dauerrotation und dem baldigen Erwerb der Vinyl-Version o.ä. liebäugeln müsste.     
Da BIG BUISNESS grundsätzlich ‘ne originelle und sympathische Band sind, wollte ich allerdings trotzdem mal mit Link zum Stream/ Download drauf hinweisen…
Bandcamp: bigbigbusiness.bandcamp.com/album/battlefields-forever


BRUTAL TRUTH / BASTARD NOISE - The Axiom Of Post Inhumanity  
Die obligatorische Oberchecker-Einleitungserklärung: Als Angehörige der ersten Grindcore- bzw. Deathgrind-Welle waren BRUTAL TRUTH um Basser Danny Lilker (Nuclear Assault, S.O.D., Anthrax-Urmitglied) Anfang/ Mitte der 90er die Band, die sich als eine der ersten auch durch noch etwas schräger-experimentelle Gefilde knatterte. Darauf konnte schon immer nicht jeder, und ihre tatsächliche Fanschar dürfte innerhalb der spießig-tumben (Extrem-)Metal-Szene abseits von generellen Grind-Enthusiasten und Krach-Fetischisten mit Vorliebe fürs etwas kaputtere auch eher gering sein.
BASTARD NOISE wiederum begannen mal als Offshoot der mehr oder minder legendären Hardcore-/ Powerviolence-Kapelle Man Is The Bastard, um sich im Feld der Power Electronics/ Noise-Musik auszuleben, und überlebten dabei sogar ihre eigentliche Hauptband um ein weites.
Jetzt wird es kompliziert: Relapse Records gönnt den beiden mit „The Axiom Of Post Inhumanity“ nun eine Split-Veröffentlichung, deren Vinyl- und CD-Version(en) sich etwas voneinander unterscheiden.
Generell geboten werden dabei Geräusche, Klangcollagen, Drones, lärmiges Zirpen und pluckerndes Rauschen, gepitchte und verzerrte Spoken Words u.ä.; und das nicht nur vonseiten BASTARD NOISE, sondern auch bei BRUTAL TRUTH, die sich bei dieser Gelegenheit ebenfalls mal ausschließlich dem Rauschen, Dröhnen, Scheppern und Brummen hingaben (und dabei Schlagzeug/ Gitarre/ Gebrüll gelegentlich aus dem Sounddickicht erahnbar machen oder gar mal kurz durchblitzen lassen).
Wirklich nichts für Freunde der konventionelleren Rockmusik...
Bandcamp: brutaltruthbastardnoise.bandcamp.com


CELESTE – Animale(s)
Es gibt viele Gründe, CELESTE zu mögen, aber hier ist der wichtigste: Im Gegensatz zu vielen „die ersten Demos fand ich noch gut“-Bands, die den Sturm und Drang ihrer Anfangstage bald hinter sich lassen, um auf weiteren Veröffentlichungen zugunsten einer gesteigerten Musikalität und fokussierten Songorientierung nicht mehr ganz so ungestüm zu tönen, zeigte die Kurve bei diesen Franzosen bisher Jahr um Jahr noch weiter nach oben.
Die 2006er Debüt-EP „Pessimiste(s)“ fußte zwar noch hörbar in den Post-HC/ Screamo-Gefilden ihrer Vorgängerband Mihai Edrisch, über die Longplayer „Nihiliste(s)“ (2007) und „Misanthrope(s)“ (2009), bis zum 2010er „Morte(s) Nee(s)“ wurden CELESTE allerdings mit einer ganz eigenen Mixtur aus Hardcore, Derb-Doom und Black Metal schrittweise immer noch klanglich dichter, brutaler, intensiver und zermürbender, anstatt vordergründig zugänglicher (weswegen selbst ein Krachfetischist wie ich so seine Anlaufschwierigkeiten hatte, diese Band schätzen zu lernen). Das muss man honorieren!
Für ihr viertes Album haben sie sich etwas Zeit gelassen, dafür wurde es dann aber auch gleich ein doppeltes.
Und darauf machen sie ziemlich viel bis alles richtig, denn es ist eine weitere Zuspitzung und dezente Ausweitung ihres Stils zugleich. Wobei wir hier eher von Nuancen als von Auffälligkeiten reden. Vor allem die 16tel-Doublebass bollert dabei häufiger und vehementer denn je. Allerdings gibt es auch 1-2 lichtere Momente mehr. Das jeweils letzte Drittel beider Hälften wird durch ein typisch betiteltes Instrumental eingeleitet, außerdem führt einen das etwas weniger brachiale „Outro“ eher etwas sanfter aus dem „Im Zentrum des Sturms“- Klangerlebnis heraus, anstatt einen finalen Arschtritt zu geben.
Und genau solche Akzente sind es, die das Gesamtpaket interessant bleiben lassen, während das gewohnt übermächtige an CELESTE kein bisschen nachgelassen hat.
Stark!
V.ö. ist war am 22.11., dann seitdem kriegt man das Album über das Label Denovali bzw. den Label-Shop, bzw. celesteshop.bigcartel.com


CORRECTIONS HOUSE – Last City Zero

Trotz Vorarb-7“ im Frühjahr wusste man bei CORRECTIONS HOUSE im Vorfeld nicht so wirklich, was einem da ins selbige stehen mag. Die Mitwirkenden: Auf der einen Seite mit Mike IX Williams der Frontschreizwerg der essenziellen Sludge-Urviecher EyeHateGod, sowie Scott Kelly von den gottgleichen Neurosis, den ich außerdem wegen seinem Solo-Output und weiteren Projekten schätze. Auf der anderen Bruce Lamont (u.a. Saxophonist) von der seltsamen Avantgarde-Metal-Kapelle Yakuza, mit der ich irgendwie nie so wirklich warm geworden bin, und der als Produzent und Mietmusiker in den letzten Jahren wirklich überall auftauchende Sanford Parker, den ich persönlich ja irgendwie für nur mäßig begnadet halte.
Voraus gingen Touren, bei denen ein jeweiliger Solo-Auftritt von jedem dieser Protagonisten zum Konzept gehörte (z.B. Williams mit Spoken Words-Performance, Kelly natürlich mit seinen Akustik-Songs, …), während das Gesamt-Image zum Longplayer hin inzwischen in dystopische Motive verpackt wurde.
Und als hätte man es irgendwie ahnen wollen, ist „Last City Zero“ dabei dann jetzt eine eher ambivalente und mittelmäßige Angelegenheit geworden.
Es ist fast schon bezeichnend, dass die besten Songs des Albums die sind, bei denen dank der Gitarrenarbeit und Vocals von Scott Kelly dann ja doch eine gewisse Neurosis-Schlagseite durchblitz (wie z.B. beim Opener).
Nervig wird es allerdings schon beim zweiten Song, dessen billigst klingendes Drumcomputer-Geballer wirklich nicht Parker’s Ernst sein kann.
Mitten drin erinnert ein Kelly-dominierter und etwas Western-mäßiger Song kurioserweise ein bisschen an „Fade to Black“. Auch seltsam: Der Titeltrack ist eine Kombination aus dem Grundmotiv meines Scott Kelly Solo-Lieblingssongs („Figures“ vom Album „The Wake“) und einem gesellschaftskritisch anmutendem Vortrag von Williams. 
Die Nummern dazwischen bieten wirren Industrial Metal mit Kelly-Vocals und teils verzerrtem Williams-Geschrei, Gitarrenriffs (klar), Saxophoneinlagen und altbacken anmutender Konserven-Percussion.
Und ich hätte das ja auch wirklich zu gerne in seiner Gänze gutgefunden, muss aber leider feststellen, dass die guten Ansätze und interessanten Momente von „Last City Zero“ von den teils nervenden 80er EBM Rhythmus-Sounds, sowie dem nicht nur dadurch etwas durchwachsenem Gesamtcharakter mit runtergezogen werden.
CORRECTIONS HOUSE ist eine Sache, die in ihren Grundvoraussetzungen schwer meinen Nerv hätte treffen können, dabei dann aber doch eher so ein bisschen danebenging.
Ein totaler Rohrkrepierer ist zwar immer noch was ganz anderes, zumal es durchaus ein paar gut reingehende Passagen gibt, ein rundum gelungenes oder begeisterndes Album allerdings auch, da es genauso viele Stellen gibt, die mich eher zum skippen verleiten.
Schade.
Neurot Recordings www.neurotrecordings.com


FANTASY PANTHER -s/t
Zu den diesjährigen Weihnachtsgeschenken gehören FANTASY PANTHER, die als Quasi-Ableger dafür in die Bresche springen, dass die skurrile Noiserock-/ Orgelgrind-Truppe An Albatross inzwischen nicht mehr so wirklich aktiv ist. U.a. deren Schreihals und Rampensaufrontmann wie er im Buche steht, der bekanntlich eher nach Vollblutretrorocker aussieht, als dass man ihn in einer Grind-Band o.ä. vermuten würde, wütet hier nämlich mit.
FANTASY PANTHER sind wesentlich näher an „gewöhnlicherem“ Grind-/ Powerviolence-Kram unterwegs, als es das bekloppte An Albatross-Zeug war, aber von Metal for the Masses natürlich nach wie vor um Welten entfernt.  Die Drums hämmern brutal, die Keif-Vocals sind weit draußen, die Riffs ergehen sich eher in Crust-Mustern, aber auch ein Schuss Metal ist gelegntlich drin.
Mit den ganzen anderen wirklich guten Grind-Bands, die dieses Jahr verstärkt auf sich aufmerksam machten (100000 Tonnen Kruppstahl, Cloud Rat, Wake) kann diese derbe Lärmerei irgendwo zwischen Phobia, ND, Spazz und Yacøpsæ jedenfalls absolut konkurrieren.
Bandcamp:  http://fantasypanther.bandcamp.com/album/fantasy-panther-lp


FLESHPRESS - Tearing Skyholes  
Relativ aus dem Nichts kamen die finnischen FLESHPRESS gerade auf ein mal mit einem neuen Album aus der Hüfte, das es nicht nur auf Vinyl und Polycarbonat gibt, sondern bei Bandcamp gar (wie die älteren Releases auch) zum „name your price“-Download. Da hört man doch gerne mal rein. FLESHPRESS' derberer Düster-Doom mit sowohl bedrohlich-ruhigeren Parts, als auch herrlichen Dissonanzen bei den lauteren, erinnert mich jedenfalls tendenziell immer wieder mal an Corrupted, und dass sich die Band ein Mitglied mit den sagenumwobenen französischen Avantgarde-Black Metallern Deathspell Omega teilt, ist eine Tatsache, die man dem Ganzen meiner Meinung nach durchaus anmerkt. 
Der Appeal von Fleshpress erschließt sich bei Erstkontakt vielleicht noch nicht beim ersten Durchlauf, aber ihr Kram hat was!
Bandcamp: fleshpress.bandcamp.com/album/tearing-skyholes


LUMBAR - The First and Last Days of Unwelcome
Kurzabriss zu LUMBAR: Hauptmacher ist Aron Edge, am bekanntesten durch ein paar Jahre Gitarre spielen bei Himsa, sowie über die Jahre mit einigen weniger geläufigen Bands und Projekten beschäftigt gewesen, der mit diesem Quasi-Soloding thematisch seine MS-Erkrankung verarbeitet. Und an dieser Stelle darf man auch gerne mal kurz innehalten, um sich das ganze Ausmaß dieser Tatsache bewusst zu machen.
Durch die zwei Kumpels, die er sich zur Unterstützung dazugeholt hat, wurde das Unterfangen dabei allerdings schon im Vorfeld zur hohe Erwartungen weckenden Supergroup: Mike Scheidt (Yob) ist die Messiasfigur der Doom/ Stoner/ Sludge-Szene, und Tad Doyle (Tad, Brothers Of The Sonic Cloth) der „Unsung Hero“ der Grunge-Initialzündung, der jüngst wieder etwas mehr ins Rampenlicht rückt.
Die fast 25 Minuten dieser sieben Tracks weisen eine stilistische Bandbreite von Drone-Collagen bis zu schwer schleppenden Sludge/ Doom Metal-Songs auf, die allesamt sehr leidvoll klingen.
In seinem Gesamtpaket ist „The First and Last Days of Unwelcome“ dabei ganz nüchtern betrachtet zwar ein irgendwie seltsam-zerfahrenes Album mit seltsam-kurzen Songs, aber das Reinhören lohnt sich durchaus.
Die LP scheint allerdings bereits ausverkauft zu sein...
Bandcamp: lumbarsl.bandcamp.com/releases 


MELVINS - Tres Cabrones
„Tres Cabrones“ ist nicht nur schon wieder ein MELVINS-Album, sondern eines der inzwischen dritten bis dreieinhalben Parallel-Inkarnation der Band. Nach der Coverparade mit bunter Gästeliste unter dem Titel „Everybody Loves Sausages“ im Frühjahr, und davor einem Album plus Tour in der „Melvins Lite“-Besetzung mit Trevor Dunn am Kontrabass, wurde dieses Album wiederum mit Ur-Drummer Mike Dillard (war bei den „Mangled Demos from 1983“ dabei, die 2005 zum ersten mal veröffentlicht wurden) eingespielt, während Eigentlich-Schlagzeuger Dale Crover den Bass bediente.
Ja, langsam wird's unübersichtlich, aber auch das ist einer der Gründe, warum die MELVINS eine ungewöhnliche bis schlichtweg unglaubliche Band von Superheldenformat sind. 
Einige der hier vorliegenden Songs wurden zuvor bereits in anderen Fassungen auf anderen Releases (vorwiegend Vinyl-Kleinformaten) veröffentlicht, aber nun zu einem Album gebündelt. Jenes klingt, was wenig überrascht, nicht ganz so dickeirig wie die Alben der Osbonre/ Crover/ Warren/ Willis -Besetzung mit Doppelschlagzeug, ansonsten aber nach den MELVINS wie man sie kennt und liebt, mit all ihren Facetten: Den skurrilen und debil-humorigen genauso, wie den völlig ironiefrei geil abrockenden, und den „experimentellen“ und psychedelischen genauso, wie den straight-punkigen, klassisch hardrockigen oder schwermetallisch groovenden.
Dabei mag es „Tres Cabrones“ vielleicht nicht unbedingt mit in eine MELVINS Top 5 schaffen - in ihrer bisherigen, bereits nahezu unüberschaubaren Discographie ist das Teil qualitativ allerdings mit ziemlicher Sicherheit dennoch in der oberen Hälfte davon anzusiedeln.


MIOTIC - Antimonia 
Den MIOTIC-Bassisten kennt man auch von Nero di Marte, die ebenfalls dieses Jahr bereits ein ziemlich solides Album veröffentlichten. Neigen NdM mehr zu Prog-Metal mit Death-Roots irgendwo zwischen Gojira, Cynic und Intronaut, ist MIOTIC wiederum eher so ‘ne instrumentale  Mathrock-Kiste a la Don Caballero.  
Richtig gut gefallen mir persönlich MIOTIC vor allem dann, wenn sie in Richtung von dem, was man so mit dem Begriff Postrock asoziiert, so etwas wie das mehr als siebenminütige
Mausoleo dell'eterno distacco etwas bedächtiger aufgebauen. Aber auch eingie der verfrickelten und dissonanteren Sachen sind ganz gut.
So richtig der Sinn steht mir nach sowas im Moment allerdings ehrlich gesagt nicht wirklich, weswegen ich nur mal drauf hingeweisen haben wollte, das hier aber wohl eher nicht zeitnah in die Dauerrotation nehmen werde...
Wer was mit insturmentaler Musik der etwas friemeligeren Art anfangen kann...
Bandcamp: http://miotic.bandcamp.com/

NOOTHGRUSH / COFFINS Split
Mit „dystopischer“ Unterstützung im Line Up wieder aktive 90er-Sludge-Urgesteine auf der einen (letzten Sommer schon mal live gesehen), aktuell erst so richtig zu allumfassender Geilheit aufgestiegene Crust-Doom/Death-Helden (tjaha…) auf der anderen Seite – ja doch, diese Split-Veröffentlichung macht Sinn für mich.
Auf der NOOTHGRUSH-Seite gibt es von den Oaklandern drei mal wuchtig schleppenden Doom mit bestialischen Röchelschrei-Vocals (Dino Sommese of Dystopia-Fame; auch Ghoul-Schlagzeuger, Asunder-Mitglied, und mal für eine EP bei der Grindcore-Legende Phobia gewesen) auf die Ohren, während auch die japanischen COFFINS das tun, was sie am besten können: Polter, grunz, schepper, dröhn, gurgel.
Wirklich nichts für Schöngeister, aber wenn schon primitiv, kaputt und böse, dann genau so wie diese beiden es machen!


OBSCURE SPHINX – Void Mother 
Was OBSCURE SPHINX immerhin im Lebenslauf vorweisen können, ist schon mal auf dem hiesigen Summer Breeze Open Air gespielt zu haben. Sieht man davon ab, sind die Polen allerdings ein bisher noch recht unbeschriebenes Blatt. Ob sich das mit „Void Mother“ nun ändern wird, kann und möchte ich nicht prognostizieren, aber ich sach es mal nach einer eher nur sporadischen, dabei aber bereits ausreichenden Hörprobe ganz ehrlich: So ungerne ich inzwischen eine Phrase wie „überambitioniert“ bemühe, scheinen OBSCURE SPHINX genau das zu sein. Man will sich zwar wohl ein bisschen in der „Post-Metal“-.Ecke sehen, lehnt im Grunde genommen aber doch sehr viel näher an sowas wie In This Moment als an Isis. Dem Hörer wird ein zusammengewürfeltes Potpourri aus Gegrowle und Gesang, ruhigen Momenten und Geboller vorgesetzt, das mit zerfahrenen Arrangements weder catchy noch progressiv ist,  in seiner steril kaputtproduzierten Inszenierung kaum noch Luft zu atmen hat, dabei keine wirkliche Atmosphäre aufbaut, und mit generischen Boller-Grooves eher an ungeliebte Kapitel jüngerer Hartrockmusik-Historie erinnert (Nu Metal und Bollocore). Was eine Band wie Twin Zero vor einigen Jahren schon mal mit ihrem „Monolith“-Mini-Album ziemlich gut hinbekommen hat (nämlich State-of-the-Art-Metal mit Postrock-Einfluss, Prog-Einschlag und bigger Picture), ohne dass es damals irgendjemanden interessiert hätte, das wird von diesen Jungspunden mit „Female frotned“-Bonusstempel nun ein paar Jahre zu spät völlig ad absurdum geführt.
Irgendwie schade, wenn in einem Album hörbar viel Mühe zum Detail steckt, das Endergebnis jedoch weit am Ziel vorbeischießt. Dieser Verriss tut mir ja auch irgendwie schon ein bisschen leid, aber wer EyeHateGod-Merch aufträgt, dabei allerdings eher nach Evanescence klingt, der macht definitiv irgendwas verkehrt.   
Bandcamp: obscuresphinx.bandcamp.com
 

SEA OF BONES - The Earth Wants Us Dead
Auf dieses Album war ich ja sehr gespannt gewesen. Im Herbst ’09 sah ich SEA OF BONES einst mit einem unorthodoxen Bühnensetting (Schlagzeuger mit Rücken zum Publikum am vorderen Rand der Bühne, die Anderen Angesicht zu Angesicht vor bzw. hinter ihm) das Hinterzimmer einer Kneipe in Brooklyn mit epochalst wummerndem Sludge/ Drone/ Doom Metal zum beben bringen. Ihre ersten Veröffentlichungen aus dem Zeitraum waren keine essenziellen Highlights, aber doch sehr vielversprechend.
Zwischenzeitlich war es so ruhig um die Truppe aus Connecticut gewesen, dass man sich schon gefragt hatte ob da überhaupt noch mal was kommen mag, was es nun hiermit allerdings tatsächlich tat, und das ganz dicke.
„The Earth Wants Us Dead“ besteht aus zwei Teilen. Einem regulärem Album mit 5 Songs (Gesamtspiellänge 52 min), und dem für sich stehendem Titeltrack in Form einer fast 40minütigen Instrumental- Drone-/ Ambiet-/ Postrock-Sache.
SEAR OF BONES sind dabei keine Meistermusiker, deren Kram sich schon bei den ersten 1-2 Durchläufen als Instant Hit oder gar generell als kompositorische Jahrhundertleistung erschließt. Gibt man dem Ganzen allerdings eine tiefere Chance, birgt das derbe Material enormes Grower-Potenzial in sich. Zugegeben, Neurosis sind eine Referenz, die man bringen muss. Das bissige Gebrüll gleich zweier Stimmen im Wechsel auf schweren, wuchtigen Grooves erinnert dann ja doch schon mal an die Herren von Till und Kelly (vor allem zu „Through Silver in Blood“/ „Times of Grace“-Zeiten).
SEA OF BONES treiben das allerdings auf die extremmusikalische Spitze an nihilistischer Aura und destruktiver Wirkung, und erreichen einen wirklich beeindruckenden Energiepegel.
Und das finde ich ja durchaus ziemlich geil!
Bandcamp: seaofbones.bandcamp.com
 

SANDRIDER - Godhead
Erster Gedanke hierzu: Eines meiner Lieblingscoverartworks des Jahres ziert „Godhead“ ja schon mal (ich mag halt Comics und so…), aber wie sieht es mit der Musik aus? 
Ich sach's Euch: Jene ist der Knaller, die Bombe, der Wahnsinn, bzw. genau mein Ding! 
Erwartet hatte ich aufgrund der Vorabetikettierung von anderen etwas primär Stoner-mäßiges, in meinen Ohren klingen SANDRIDER aber trotz psychedelischer Anleihen und rotzrockiger Ausbrüche irgendwie eher so ein bisschen noiserockig und post-hardcoreig. Als wenn man die Melvins mit Fugazi gekreuzt, und mit einer Brise von Unsane (/Player's Club, Pigs, ...)  gewürzt hätte. Weitere grobe Assoziation: Taint, Karp, das letzte Akimbo-Album, das letzte Cavity-Album, und während einiger hymnischer Momente gar Baroness oder Torche (mit Eiern).
Aber genug der Vergleiche...
Lasst Euch einfach von mir sagen:
„Godhead“ kann a-l-l-e-sInstant Love! Hin und weg! Möglicherweise sogar Album des Jahres!
Bandcamp: sandrider.bandcamp.com/album/godhead 


SERPENT EATER – Hyena
Seit schon 1 1/2 Jahren durch die alternativen Zentren der Republik unterwegs, sind SERPENT EATER keine Nachwuchsmusiker, sondern altbekannte Gesichter von u.a. den Kölner Hardcore-Urgesteinen Hammerhead, und der meiner Vermutung nach inzwischen inaktiven, Keyboard-unterstützten Grind-/ Noisecore-Lärmerei Das Krill.
Eigentlich hatte man schon im September eine CD am Start, war damit aber nicht 100%ig zufrieden, und schiebt hiermit nun ziemlich zügig eine Schallplatte via Alerta Antifascista Records nach.
Dabei drehen die Altherrenkrachmacher ihre HC-Wurzeln mit düster-/ extremmetallschem Wahnsinn
von doomigen Passagen bis zu Doublebass- und Blastbeat-Rasereien nebst bestialischer Röchel- und Schrei-Vocals derart durch den Stil-Fleischwolf, dass selbst mir nicht mehr so ganz das passendste Etikett dafür einfallen will. Blackend Deathcrust? Doom-Grind-Punk? Who cares, das Ganze ist auf jeden Fall 'ne ziemlich mächtige Angelegenheit, die rein musikalisch weitaus gefährlicher und dunkler ist, als so mancher Mumpitz, der einem dieser Tage aus Richtung etablierter Fachmagazine als unsagbar antikosmisch verkauft werden soll. 
Der Vinyl-Release wird Mitte Dezember rausgehauen, digital gibt es das Teil aber schon jetzt:
Bandcamp: alertaantifascistarecords.bandcamp.com/album/aa95-serpent-eater-hyena-lp