Mittwoch, 26. September 2012

Piano Mayhem

Vorgestern hatten wir mal Vika, aber sie musste nun Platz machen für den komplett wahnsinnigen Sam Abbott aus San Francisco.
Der Gute spielt nicht nur mal eben auf dem Klavier Mastadon’s „Leviathan“ Album in einem Take am Stück …

… sondern gewinnt bei einem Keyboard-Cover von Pig Destroyer’s „Loathsome“ bereits in der ersten Sekunde:


(Pig Destroyer Original: www.youtube.com/watch?v=JsjYms_1Uds )

Dienstag, 25. September 2012

Dixie Dave beim Karaoke

Dieses Netzfundstück muss man einfach teilen:

Blut aus Nord - 777 Cosmosophy

Beim Verfassen eines ausführlichen Reviews zur aktuellen BLUT AUS NORD ist mir ein Löschunfall passiert. Das tippe ich jetzt wirklich nicht alles noch mal.
Also, in Kürze: Wer hätte gedacht, dass die personell mysteriöse Avantgarde-Black Metal-Kiste aus Frankreich einem als Finale ihrer 777-Trilogie doch noch mal eine ziemliche Überraschung serviert? Also ich nicht. Und die meisten anderen Connaisseure zeitgenössischer Finstermusik wohl auch nicht.
Aber „777 - Cosmosophy“ ist anders geworden. Anders als erwartet, anders als anderes der Band, anders als weitere Genre-Kollegen, ... und das ist gut.
Das Ganze fußt stilistisch zwar immer noch auf dem, was man von „777 Sect(s)“ und „777 - The Desanctification“, oder auch dem Meilenstein „The Work which transforms God“ kennt (damit meine ich vor allem die Godflesh/ Thorns/ Scorn-mäßigen Vibes in Sound und Rhythmik), darauf wird hier dieses mal allerdings völlig anders aufgebaut.
„777 – Cosmosophy“ ist episch, atmosphärisch, spaceig, psychedelisch, bombastisch, symphonisch, vorwiegend melodisch. Letzteres auch gerade auf dem Vocal-Sektor. Die „bösen“ Momente und atonalen Elemente sind zwar immer noch da, sie bilden aber nur einen akzentuiert eingesetzten Kontrast zu Klargesang Marke Borknagar und breitflächige Streichersynthies. Richtig ausflippen tun BaN bei „Epitome XV“, dessen erste Hälfte mit französischen Spoken Words nach sowas wie Industrial-Hip Hop klingt, und in der zweiten mit regelrechten Chorälen zur epochalen Space Opera-Hymne wird. Und das funktioniert, so absurd sich das jetzt vielleicht auch lesen mag.
Der Vollständigkeit halber sei außerdem noch die Feststellung hinzugefügt, dass BLUT AUS NORD in punkto Produktion dazugelernt haben. So voluminös und professionell wie  „777 - Cosmosophy“ klangen andere Werke des reinen Wohnzimmerstudio-Projekts nicht.
Ziemlich geiles Teil. Ein bisschen grotesk, aber geil.

Donnerstag, 20. September 2012

Down IV Part I

Erste Internetstimmen, die ich las, von denen die neue DOWN-EP ziemlich runtergeputzt wurde, lagen tendenziell eher falsch. So richtig schlecht oder irgendwie ohne Pep ist „Down IV Part I - The Purple EP“ mitnichten.
Dass das Songmaterial über weite Strecken einen irgendwie eher relaxten Vibe hat, das ist ja nichts wirklich neues im DOWN-Kosmos.
Was an „Down IV Part I ...“ allerdings in der Tat seltsam anmutet, sind die Vocals Phil Anselmos. Keine Ahnung, warum das passiert ist, bzw. wie genau die Band bei Songwriting und Aufnahmen vorgegangen ist, aber man hat partiell schon mal das Gefühl, dass Performance und Produktion der Gesangsspuren zum Rest der Musik etwas bis mittelschwer schief liegen.
Aber: Auch wenn diese erste in einer Reihe noch weiter folgender EPs sicherlich keine essenzielle Offenbarung oder kompakte Sammlung neuer Überhits sein mag, geht schlecht oder langweilig immer noch anders. Ein „Lifer“ oder „Ghosts along the Mississippi“ mag zwar wieder mal nicht mit dabei sein, für den Fix an Stoner Rock/ Southern Metal zwischendurch, den man auch mal gut auf Repeat im Hintergrund laufen lassen kann, geht „Down IV Part I ...“ allerdings voll klar, und viel größere Erwartungen hatte ich persönlich
daran ja ehrlich gesagt eh noch nicht mal. Von daher ...

Freitag, 14. September 2012

Stinking Lizaveta - 7th Direction

Okay, Hand aufs Herz: Irgendwie hatte ich hier irrational auf einen totalen Knaller gehofft, finde „7th Direction“ jedoch nur „ganz gut“.
Wer in der Vergangenheit schon mal Begegnungen mit STINKING LIZAVETA hatte, wird wohl meine Erfahrung bestätigen, dass einem dieses exzentrische Trio, gleichermaßen vor Begeisterung wie leicht überforderter Irritation, live sämtliche Haare aufstellen kann, auf Konserve dabei aber noch nie so ganz mithielt (sag ich jetzt einfach mal pauschal, ohne tatsächlich alle ihrer Platten wirklich zu kennen).
Zuletzt beim South Of Mainstream war ich mir nicht ganz sicher, ob die Band selbst ein ganzes Stück zahmer geworden ist, oder meine persönlichen Gewohnheiten der Musikrezeption das Ganze inzwischen von einer ganz anderen Seite sehen, aber die Wahrheit liegt wohl genau in der Mitte.  Fakt ist: Ich hatte Spiel und Performance von Schlagzeugerin Cheshire und Gitarrist Yanni (komplettiert durch Standbass-Spieler Alexi) von vor einigen Jahren ja doch wesentlich wilder in Erinnerung, als es sich zuletzt präsentierte.
Und auch ihr inzwischen siebtes Album - ihr zweites von Sanford Parker produzierte (nachdem man in der Vergangenheit öfter mal bei Steve Albini einkehrte), und erstes über Exile on Mainstream Records -  bestätigt diesen Eindruck.
In einer zwischen Psychedelic Rock, Metal-Akzenten, und Jazz-Verwandtschaften schwer definierbaren Stilschnittmenge friemelrocken sich Stinkin‘ Liz, irgendwie entspannt, durch 13 verhältnismäßig zugängliche Instrumental-Tracks, die zu gefallen wissen und teilweise sogar richtig hängenbleiben, aber aufs ganz große Feuerwerk warten lassen.
Ich find’s recht gut und hör’s wirklich gerne, aber irgendwie ist das dann doch eher eine dieser Platten, die man mal nebenbei ganz gut laufen lassen kann, mir zum dauerhaft aktiven Hinhören dann aber doch wiederum einen Tick zu unspektakulär tönt.
Sympathisch, kauzig, gut, aber eben doch noch nicht so ganz mit dem finalen Quentchen zum heimlichen Rock-Olymp. 
Teilen möchte ich abschließend dennoch das Zitat, das sich Stinkin’ Liz auf die Homepage gepappt haben:
„Anybody practicing the fine art of composing music, no matter how cynical or greedy or scared, still can't help serving all humanity.
Music makes practically everybody fonder of life than he or she would be without it.”
- Kurt Vonnegut

Absvrdist

Ist ja nicht so, als würde ich es nicht zugeben, aber da ABSVRDIST kürzlich auf zwei der einschlägigsten Blogs für Düster- und Prügel-Kram mit Pseudo-Trveness oder Hipster-Kompatibilität oder whatever angepriesen wurden (wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die generell oft nur Torf ins Moor tragende, selbsternannte Kult-Nation da von der, in letzter Zeit schon mal etwas konzeptlosen, prinzipiell aber nach wie vor brauch- und lesbaren unsichtbaren Orange einfach nur abgeschrieben hat), musste ich dann natürlich auch mal reinhören.
Ich mach' et kurz: Wie schon andere Stimmen meinten, hält sich beim von der Band selbst als Black Metal/ Grindcore-Crossover deklariertem Geballer das tatsächliche Ausmaß an Black Metal ziemlich in Grenzen. Gut, wenn man sich Mühe gibt, die BM-Einflüsse zu erkennen, hört man passagenweise durchaus immer wieder mal welche raus. Der Anteil an Grindcore bzw. Deathgrind überwiegt jedoch recht stark, und dass man viel vordergründiger außerdem ein paar eher etwas Hardcore-beeinflusste Parts ausmachen kann, hilft der Band nicht gerade dabei, sich für Schwarzmetall-Kvltisten relevant zu positionieren.
Ist allerdings auch völlig egal, denn nachdem ich mir das Album „Illusory“ im Bandcamp-Stream 3-4 mal hintereinander angehört habe, bin ich ja doch ein bisschen beeindruckt. Ist zwar (natürlich) nicht so, dass hier irgendwas neu erfunden wird, für ein Debüt im überlaufenen Sektor derartigen Extrem-Metal-Gezimmers ist „Illusory“ jedoch eine durchaus ganz geile und nicht gänzlich eigenakzentfreie Angelegenheit.

Link: Absvrdist@bandcamp

Donnerstag, 13. September 2012

South of Mainstream 2012

Ursprünglich wollte ich als Sequel zu Fear and Loathing on the Festival Trail ‘12 noch „das große Resteficken“ über meine Anwesenheit beim Turock Open Air in Essen (mit u.a. Dr. Living Dead und Asphyx), dem South Of Mainstraim, und dem Century Media Yard Sale „Metal for the Masses“ am Dortmunder Hafen (mit Long Distance Calling, Sonne Adam und Grave live on Stage) runterschreiben. Das würde sich aber irgendwie so ein bisschen anfühlen, als würde ich das Resümee zu einem besonders angenehmen und in musikalischer Hinsicht mehr als erwähnenswertem Tag/ Abend außer der Reihe damit umrahmen, auch wieder beim üblich-alltäglichen Metalkirmes-Wahnsinn, den ich hier regelmäßig direkt vor der Haustür habe, rumgetorkelt zu sein. Ja ne.

Also, SOUTH OF MAINSTREAM, in Schönewalde-Stolzenhain. Dieses Jahr endlich mal mit mir, wenn auch nur für einen Tag und eine Nacht, was ich allerdings voll auskostete.
Viereinhalb Stunden hin, Mittags bis Nachts Festival-Spaß, am nächsten Morgen fünf Stunden zurück. Und das nicht nur in meinem Alter, sondern auch noch trotz Absagefluch: Black Shape Of Nexus, Planks, BulBul und Broken.Heart.Collector wollte ich eigentlich alle sehen, aber die konnten allesamt nicht auftreten.
Egal, schön war es trotzdem. Nicht zuletzt aufgrund der recht idyllischen Location und dem Supertrupp an anwesenden Kollegen.

Während man noch frühstückte (Rührei!), spielten auf der Indoor-Stage die ersten, in diesem Fall halbakustischen Acts auf. Darunter ARNE HEESCH von Ulme, der zu meiner Überraschung zwischendurch von Jingo de Lunch's Yvonne Ducksworth (remember?) unterstützt wurde, und Aran Epochal, der Konserven-Ambience dabei hatte.

Auf der Open Air Bühne los ging's danach dann mit BAD LUCK RIDES ON WEELS. Die habe ich ja schon mal gesehen. Nach wie vor eine Band, über die man keine Lobpreisungen verbreiten möchte, die als Anheizer aber voll klargeht, auch wenn die im Zeitgeist liegenden und recht offensichtlichen Vorbilder des Ganzen BLROW zu etwas irgendwie recht zerfahrenem inspiriert zu haben scheinen.

Wie das so ist, auf Festivals, zwischendurch kriegt man mal das und dies nur mit einem Ohr und einem Auge mit, während man säuft, frisst, fic...äh ... Konversation macht. VERSUS THE STILLBORN-MINDED schlagen eigentlich in eine mir liegende Kerbe, hinterließen aber keinen nennenswerten Eindruck. Auch die krautrockig-wabernden ORNAH-MENTAL bekam ich mehr nur so nebenbei mit, als ich sie wirklich sah, aber das klang nach was mit Hand und Fuß.
ANTLERED MAN sorgten unter noch wesentlich Indie- und Punk-affineren Kollegen für Begeisterung. Zugegeben, die waren echt gut. Nichts, wovon ich mir einen Tonträger kaufen würde, aber wenn die mal bei Euch in der Stadt spielen, guckt Euch die an. Die können was.

WHALERIDER waren dann für mich, wie kürzlich schon erwähnt, eine der Überraschungen des Festivals, und irgendwie genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt. Während es draußen und in meinem Kopf langsam immer dunkler wird, kommen diese Mannheimer Jungspunde mit mehr oder minder popigem, dabei aber doch immer wieder mal mit dicken Fuzz-Gitarren und verzerrtem Bass superschwer-dröhnend groovendem Alternative/ Stoner/ Sludge-Rock aus der Hüfte, der mir ganz schön gut reingeht. So macht man das, Torche!

Danach dann KADAVAR als Quasi-Ersatz für Black Shape Of Nexus. You have to be fuckin‘ kiddin‘ me. Zu behaupten, dass die schlecht wären, wäre ja auch nicht ganz richtig, aber recht lahm und komplett unoriginell trifft es wohl ganz gut. Dann auch noch dieser übermotivierte Poser von Schlagzeuger, dessen Headbang-Gehampel in keiner passenden Relation zur musikalischen Langeweile steht. Ne, lass mal. 

WINO & CONNY OCHS auf der Indoor Stage? Jo, macht ihr mal. Bei allem Respekt für den Doom-Althippie, call me ignorant, aber ich brauch das halt jetzt nicht so …

Danach OSTINATO! Eigentlich schon aufgelöst, für ein letztes mal. Zu Ehren des Kanzlers Geburtstag, in den gerade reingefeiert wird. Keine Ahnung, warum diese Band nie bekannter, größer, breiter gewürdigt wurde, aber auf dem sog. Postrock-Sektor sind/waren sie absolute Giganten, was sie auch an diesem Abend noch mal unter Beweis stellen. Ja doch, ich werde sie nach diesem tollen Auftritt, sowie erneuter Dauerrotation der beiden Alben „Left Too Far Behind“ und „Chasing The Form“ vor und nach dem Festival, wohl tatsächlich ein wenig vermissen …

STINKING LIZAVETA hatte ich von einer früheren Begegnung ja eigentlich ein ganzes Stück wilder in Erinnerung gehabt, was jetzt allerdings auch nicht heißen soll, dass die zu spätem Zeitpunkt auf der Indoor-Stage gebotene Performance lahm war. Auch Stinkin' Liz sind zumindest teilweise sichtlich einen Tick gealtert und das an diesem Abend vorwiegend gebotene Material des aktuellen Albums scheint ein bisschen zugänglicher geworden zu sein (kann ich mir auch einbilden). Nachts um 1 im beduselten Kopp ist der instrumentale Rock mit jazzigen Noten, den das kauzige Trio auffährt, aber noch einmal genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt. 

Wie gesagt, auch wenn es in meinem Fall für nur einen Tag war: Suuuuupercoole Festivität.

Was mich zu zwei finalen Feststellungen bringt:
1.) Obwohl ich Euch gesagt habe, dass Ihr da hinfahren sollt, war kaum einer von Euch da. Warurm nicht? Ich bedaure Euch. Denn es wird das letzte SoM gewesen sein. Ja, daran tragt Ihr eine Mitschuld, weil Ihr nicht hingefahren seid, und somit jetzt auch keine Chance mehr erhaltet, mal den SoM-Vibe zu erfahren.
2.) An dieser Stelle auch noch mal ein Dank an Thorsten (dessen Comic-Blog für Comic-affine Nerds im Übrigen nach wie vor sehr lesenswert ist!), sowie Anse, Kasten, Ralf, natürlich die Jungs von DER_WARRIOR, und wer sich noch alles meine schlechten Witze  anhören musste. Last but not least Andreas „Kanzler“ Kohl fürs organisieren seiner teuren Geburtstagsparty. Ihr seid die Besten!

Mittwoch, 12. September 2012

Whalerider

… sind eine meiner persönlichen Entdeckungen vom diesjährigen South Of Mainstream Festival (dazu in Kürze noch mehr!).
Von der Selbsteinschätzung „70's Sludge Pop“ (Grundgütiger!) kann man halten, was man will, auf die Fahne geschriebene Einflüsse wie Soundgarden (ja doch), Amplifier (durchaus), Black Flag (ähem) oder Tool (na geht) mag man raushören, oder nicht – es zählt erst mal nur eines: On stage waren die Jungs ziemlich, ziemlich gut.
Und auch wenn ihre 4-Track-EP "Was It Only a Dream?" nicht ganz so fett und fuzzy tönen mag, wie das Ganze live mitunter rüberkam, lohnt es sich absolut, in diese mal reinzuhören.
Geboten wird Alternative Rock, der nicht nur auf Gimmicks wie Parts mit wuchtigem Stonersound oder Ausflügen ins psychedelische setzt, sondern getragen von spielerischer Finesse tatsächlich auch auf die Gesangsmelodien, auf die Story eines Songs, auf dieses packende und spannende eines zunächst gar nicht mal so offensichtlichen Ohrwurms.    
"Was It Only a Dream?" enthält den kernigen Rocker “Devil got me”, das mit einem Schuss Pathos tatsächlich etwas an Soundgarden, bzw. artverwandtem 90er-Alternative im besten Sinne erinnernde “Found A Lie“, den Pink Floyd-Vibes versprühenden Titeltrack, als Abschluss noch so eine Art Ambient/Drone-Stück, und weckt in mir den Wunsch, von dieser Band in Zukunft noch mehr zu hören. 

Reinhören, runterladen, kaufen bei Whalerider@bandcamp

Dienstag, 11. September 2012

Fudge Tunnel, Theory of Ruin

Oppa erzählt wieder vom Krieg - eine längst überfällige Verneigung vor Gitarrist/Sänger Alex Newport und seinen zwei Bands im relativen Schnelldurchgang:

Mit Basser Dave Riley und Drummer Adrian Parkin gründete er in Nottingham Ende der 80er FUDGE TUNNEL.  Auf ihre ersten Kleinformate (1989 eine selbstbetitelte 7“, 1990 eine Vinyl-EP namens „The Sweet Sound Of Excess“) soll die britische Musikpresse ratlos reagiert haben.  Ist das Punk, Indie oder Metal? Also, die müssen sich schon entscheiden …

1991 erschien Ihr Langspieldebüt „Hate Songs in E-Minor“ auf dem bis dato vor allem für Grindcore- / Death Metal-Pioniere wie Napalm Death und Carcass berühmt-berüchtigtem Label Earache, was neben einer Tour mit Godflesh die Kategorisierung von FUDGE TUNNEL für Schubladendenker weiter erschwerte, während ein Zwischenfall um konfiszierte Cover-Artworks bei Earache das Trio dann auch gleich ein wenig in die Schlagzeilen brachte. 

Die Etikette, die „Hate Songs in E-Minor“ bis heute angeheftet werden, variieren paradoxerweise von Sludge bis Industrial Metal. FUDGE TUNNEL hatten einen harschen, lärmigen Sound, mächtige Breitwand-Riffs, Schreigesang und eine präzise treibende Rhythm Section mit Punch. Das war schon zu derbe, um noch Rock genannt zu werden, die Songs hier und da dann aber doch wiederum mitunter zu rockig, um für das Ganze eine passende Schublade im Bereich zeitgenössischer Metal-Subsparten zu finden. Abgerundet wurde das eigenwillige Werk dann auch noch durch Coversongs von Cream und Ted Nugent, die in ihrer Wahl und Umsetzung nicht einer gewissen Ironie entbehrten. Man muss den vielzitierten britischen Sinn für Humor wohl einfach lieben ...

1992 erschienen ihre beiden Vinyl-Frühwerke erstmals zusammen auf CD („Fudgecake“) sowie eine EP namens „Teeth“.  Diese beinhaltete zwei verzichtbare Neuverwurstungen aus eben jenen „Fudgecake“-Frühzeiten, aber auch zwei nur auf dieser Veröffentlichung gebotene Songs, die ziemliche Knaller sind ("S.R.T." ist mit seinem tanzbaren Godflesh-Vibe vielleicht sogar mein Lieblingssong von ihnen).

Nur ein Jahr später kam der zweite Longplayer „Creep Diets“ raus, der vielleicht einen Hauch zugänglicher tönte, und mit dem bei MTV‘s Headbanger’s Ball gespieltem „Grey“ einen kleinen Hit abwarf, während – was für FT Fluch wie Segen war – gerade ein Ding namens Grunge grassierte.  Denn auch wenn man es z.B. beim RockHard unbeholfen mit „gitarrenorientierter Hardcore-Metal mit beträchtlichen Punkeinflüssen“ versuchte, vermuteten andere die Briten nun aus Seattle. Und man muss auch sagen: Eine gewisse Ähnlichkeit zur Nirvana konnte man, wenn man unbedingt will, gerade bei „Creep Diets“ und dessen Auskopplung „Grey“, durchaus ausmachen, was u.a. an der Stimme Newports liegt, die nicht nur schrie, sondern auch mal runterfuhr, was Cobain nicht ganz unähnlich klang.

An dieser Stelle weiß ich jetzt nicht mehr so genau, ob das dritte und letzte Fudge Tunnel-Album „The Complicated Futility of Ignorance“ vor, nach, oder etwa zur gleichen Zeit entstand wie NAILBOMB’s „Point Blank“, und bin auch zu faul, es wirklich bis in die letzte Gewissheit zu recherchieren (Erscheinungsdatum ungleich Entstehung, btw.).
„The Complicated Futility of Ignorance“ war jedenfalls tighter, scharfkantiger, aggressiver, und maschineller klingend als vorangegangene FUDGTE TUNNEL-Werke. Der Punk-Faktor und die ironischen Ansätze waren hier tatsächlich einem gewissen „Industrial Metal “-Feeling und bitterem Ernst gewichen. Und wenn die Band nicht gerade mit Präzision zu Todesstößen ausholte, verlangte sie dem Hörer auch schon mal was mit zwei zähen Doom-Nummern ab.
NAILBOMB waren ein Projekt von Newport und Max Cavalera, damals noch bei Sepultura. Es gab ein mitunter nach Ministry und Discharge klingendes Album namens „Point Blank“, und einen als Live-CD konservierten Auftritt beim Dynamo Open Air. Soweit dazu, als Kurzfassung.
Etwa zur gleichen Zeit wurden sowohl NAILBOMB als auch FUDGE TUNNEL Mitte der 90er ad acta gelegt. Von FUDGE TUNNEL erschien noch eine verzichtbare Resteverwertungs-Compilation inkl. Peel Session-Tracks und Sabbtah-Tributsamplerbeitrag, und von den anderen beiden Bandmitgliedern hörte man danach nicht mehr viel.

Newport trat allerdings noch mal als Gitarrist/Sänger eines weiteren lärmigen Trios in Erscheinung: THEORY OF RUIN. Auf dem 2002er Album „Counter Culture Nosebleed“ und der ein Jahr später folgenden „Front Line Poster Child“ EP, frönte der inzwischen in die USA rübergemachte  Newport mit Basser Dave Link und Schlagzeuger Ches Smith (heute u.a. auch durch  Xiu Xiu bekannt und im Avantgarde-Feld sehr umtriebig) wieder dem Noiserock. Dieses mal allerdings eher dem auf der Indie-und Post-/Mathcore-lastigen Seite a la Big Black, Shellac, Fugazi, Sonic Youth, etc., ohne hörbare Verwandtschaft zu den (Alternative-) Metal-Ecken von einst.

Zu einem gemeinsamen Gig mit High on Fire hatte Newport in einem Interview (Link) daher auch folgende Anekdote zu bieten:
It was funny, when we played with High on Fire Matt [Pike, vocalist/guitarist] came up to me after the show and said, "I know that what you guys are doing is cool, and I know that I'm supposed to get it, but I don't get it." And I said, "That's great! I'm really happy that you don't get it." Because I think that if he "got it" we'd probably be doing something wrong.”
Ändert allerdings nix an der Tatsache, dass ich Metalkopp es durchaus kapiert habe, und TOR bis heute für eine echt gute und eigenständige Band halte. Die Mischung aus wirklich herausragendem Schlagzeugspiel, nicht selten eher ins entspannt-melodiösere driftenden Vocals, und einer Saiten-Arbeit der auch gerne mal gewollt schrägeren Art, hatte es durchaus in sich.
Aber auch das Kapitel hatte irgendwann ein Ende und Newport widmete sich ganz einer Tätigkeit als Toningenieur/ Produzent (Link).

Lange Rede, kurzer Sinn: Rückblickend sind die gelegentlich missverstandenen FUDGE TUNNEL eine meiner definitiv absoluten Lieblingsbands, und auch THEORY OF RUIN hatten einen mich ansprechenden Charme.
Sollte Alex Newport auf den Trichter kommen, als nächstes den akustischen Folksänger mimen zu müssen, ich würde in die erste Reihe gehen. Und ich empfehle jedem, sich die komplette Discographie beider Bands intravenös direkt ins Hirn zu schießen.

(Nebenbei: Eigentlich wollte ich diesen Post noch bebildern, aber für sowas habe ich im Moment zu wenig Zeit)

ET9's Wolverine Blues



Kleine Randnotiz: Die reunierten Alternative Metaller EARTHTONE9 haben eine Coverversion von Entombed’s „Wolverine Blues“ zum Gratisdownload ins Netz gewuppt. Klickt Ihr hier (Achtung, Facebook-Link).

Montag, 10. September 2012

Mittwoch, 5. September 2012

Glacial Fear

Gerade zu Anfang der 00er Jahre war ich in der Fan-/Webzine-, Hobbyradiosendungen-, etc.-Szene recht aktiv. Zu der Zeit gab es mal ein äußerst kurzlebiges, italienisches Label namens Negatron Records, das es auf ganze 4 Releases brachte, die einst in einer Promo-Postsendung bei mir ins Haus flatterten:
- „Splatterparty“, ein Live-Album der in Italien angeblich total wichtigen ZONA, die sowas wie 90er-Crossover/ Proto-Nu Metal machten. Nie wieder was von gehört.
- „Link“ von DAMMERCIDE, technischer wie melodischer Death Metal, von dem nichts hängengeblieben ist, die Band löste sich danach wohl auch auf.
- „Axion“ vom Symphonic Black/Death Metal Projekt IBLIS, von dem man danach ebenfalls nie wieder was gehört hat, und dessen Digipack ich nun seit über zehn Jahren, nie wieder gehört, von hier nach da packe.
- „Fetish Parade“ von GLACIAL FEAR, das tatsächlich hängengeblieben war.
Denn die „Fetish Parade“ – die nebenbei bemerkt ein auf jeder Ebene einfach nur furchtbares Coverartwork vor sich herträgt – huldigt vor allem einem Vorbild: Voivod!  Passend zum Namen des Labels dann auch noch hörbar dem Voivod-Sound zur brachialen Eric Forest-Phase, mit knarzig verzerrtem Bass und rauen Vocals. Mit einer leichten Prog-Schlagseite erinnert es dann außerdem noch an mittlere bis späte Coroner, die von da ja eh nicht mehr weit weg sind.
Dabei ist „Fetish Parade“ eines dieser Alben, das man beim Hören irgendwie gut findet, bzw. ich beim Rezensieren damals durchaus mochte, es dann  aber doch wieder für zehn Jahre vergessen und verdrängt habe, weil es so richtig spektakulär dann wohl einfach doch nicht war.
Aber, kürzlich wiederentdeckt und dann doch noch mal gehört muss ich sagen: Auch wenn GLACIAL FEAR mit diesem Album kein totales Feuerwerk abgebrannt haben mögen, ist ihr doch recht unprätentiös vom richtigen Original inspirierter Prog-Thrash mit Cyberpunk-Flair darauf dann ja doch relativ gut gealtert, und auch zehn Jahre später noch etwas, das ich mir lieber anhöre als die aktuellen Untaten, die man heute nur eine Substilsparte weiter unter dem Etikett „Djent“ vorfindet.
Es leuchtet schon irgendwie ein, warum diese Band nie international wahrgenommen wurde, aber ein bisschen muss man ihnen durchaus ihre eigene Nische sowie Qualität zugestehen.
Als ich dann darüber stolperte, dass die Italiener tatsächlich nach wie vor aktiv sind (und das schon seit 1993!), und nach dem Ende von Negatron Records ein weiteres Album und mehrere EPs im Eigenvertrieb veröffentlichten, während die nächste schon wieder unterwegs ist, war ich dann doch mal neugierig, mir das anzuhören. 
Und im Grunde genommen bestätigen die „Illmatic“ EP von 2004, die den Voivod-Vibe zugunsten von einem Schuss mehr Hardcore etwas zurücknahm, und das 2007er „Filthy Planet“-Album, auf dem er dann doch wieder stärker durchkam, den bereits oben erwähnen Eindruck. Als eine durchaus gelungen in die Kerbe schlagende Band, in dessen Ecke die Zahl solch offensichtlicher Epigonen (von Voivod, E-Force, Coroner, …) eh schon gering ist, sind GLACIAL FEAR eine sympathische Angelegenheit, auch wenn ganz anspruchsvollen Ohren hier noch das gewisse Etwas und richtige Hits fehlen mögen.
Trotzdem mal vorstellen wollte ich diese Band aufgrund ihrer leichten Exotenstellung in der Szene (stilistisch wie geographisch) dennoch mal, zumal Freunde von „modernem Metal“, die es trotz Prog-Affinität doch deutlich dreckiger brauchen als bei saubergelecktem Djent-Quatsch wie Textures und Tesseract, in GLACIAL FEAR vielleicht mal einen interessanten Snack für zwischendurch finden könnten.
Jetzt komme ich mir mit diesem durchgängigen „nicht so wirklich geil, aber eben auch wirklich nicht schlecht“-Tenor zwar ein bisschen blöd vor, aber nun ja. Ich hab‘ mir diese Mühe jetzt nicht gemacht, ohne dass Ihr auch ein bisschen leiden müsst …
http://www.facebook.com/GlacialFear

Sonntag, 2. September 2012

Test

Irgendwie bin ich gerade recht schreibfaul, weswegen ich einfach mal nur die gestrige Newsletter-Mail von Unundeux copy&paste, mit dem Hinweis, dass die Band ja ganz schön geil ist (siehe/ höre unten verlinkte Videos...)

Die Brasilianer TEST scheuen mal wieder keine Mühen und kommen erneut nach Europa.
NICHTS WIE HIN!
Hier die Liste der Gigs, so wie Joao sie uns schickte. Einige Shows sind noch nicht 100%tig fest. Wer noch Auftrittsmöglichkeiten
für entsprechende Daten weiß, bitte melden!
Bei joao silveira {fandeonibus@hotmail.com]  oder bei info@unundeux.de

sept 20 / Berlin   DE@KOMA F
sept 21 / Berlin   DE@Fischladen sept 22 / Leipzig  DE@ZORO FEST  sept 23 / Halle    DE@Reil 78   sept 24   NEED HELP
sept 25 / Łódź     PO  sept 26 / krakow   PO     sept 27 / Praha    CZ@Final     sept 28 / Hořovice CZ      sept 29 / Vienna   AU@EKH      oct  30 / Bratislava SLK @FUGA  oct   1   NEED HELP oct   2   NEED HELP
oct   3   NEED HELP oct   4   NEED HELP   oct   5 / Frankfurt DE@the Jail oct   6   NEED HELP oct   7   NEED HELP oct   8   NEED HELP oct   9   NEED HELP oct  10   NEED HELP oct  11 / Eindhoven NL@The Jack (Bloodshed pre Party)       oct  12 / Amsterdam NL          oct  13 / Groningen NL@Pulse oct  14   NEED HELP oct  15   NEED HELP

Und hier nochmal ein paar Clips von was euch so ungefähr erwartet.

http://www.youtube.com/watch?v=OfGr_5mv-_Q
http://www.youtube.com/watch?v=AtN_kufdnEY&feature=relmfu
http://www.youtube.com/watch?v=qxvU5bzmHe4&feature=relmfu

UNTERSTÜTZT DIE KUNST DIESES DUOS!
Danach könnt ihr ja wieder zuhause rumfläzen und geklaute mp3s durchskippen.