Dienstag, 31. Juli 2012

Nachtmystium - Silencing Machine

Manchmal, aber nur manchmal, ist ein vermeintlicher Rückschritt eine gar nicht mal so verkehrte Sache.
In seinem Bestreben, so entgegengesetzte Einflüsse wie Pink Floyd, Joy Division und Ministry im Rahmen einer Black Metal-Band plakativ unter einen Hut bekommen zu wollen, hatte sich NACHTMYSTIUM-Kopf Blake Judd zuletzt etwas verzettelt.
Nicht, dass das 2010er Album „Addicts…“ wirklich schlecht war – es kam aber irgendwie etwas zahnlos daher und irritierte geneigte Rockmusikfreunde mit deplatziert wirkenden Elektrosounds (bei Dudel-Synthies und Claps im Casio-Sound hört es allerdings nun mal auch wirklich auf…).

„Silencing Machine“ hat mit derartigen Dancefloor-Annäherungen nicht mehr viel zu tun und setzt die Segel wieder auf Attacke.
Das Album spult die Bandbreite an Black Metal-Gangarten ab, die man hinter diesem Etikett von der Burzumesque-doomigen Nummer über die Ternär-Figur bis zum Blastbeat-Gezimmer erwarten mag, mit etwas höhenlastigem Gitarrensound und kleineren produktionstechnischen Experimenten. Ein Hauch von Industrial schimmert zwar immer wieder mal durch, genauso wie rockige Akzente (bis hin zu einer Americana–Andeutung), im Großen und Ganzen ist „Silencing Machine“
aber ein schwarzmetallischer Rundumschlag geworden. Atmosphärisch wie räudig, im Verlauf des Albums dann doch immer häufiger deutlich auf ersteres setzend, als primär auf Rasanz und Aggression, wobei letzteres allerdings ebenfalls nicht zu kurz kommt.
Misslungen ist dabei lediglich der sehr vordergründig und  Maultrommel-artig nach vorne marschierende Bollerbass von „Decimation, Annihilation“. Aus irgendeinem Grund erinnert mich der Sound dabei an Voivod’s „Nothingface“, aber diese Assoziation alleine macht es noch nicht gut. Klingt auf jeden Fall seltsam und etwas unpassend.
Unterm Strich: Übermäßig originell, herausragend oder ungewöhnlich ist was anderes.
Dass Blake Judd’s Lieblingsalben Pink Floyd’s „Meddle“ (auch mein Fave von Floyd!) und Ministry’s „Flith Pig“ (auch mein Fave von Jourgensen und Anhang!) sind, macht den bekennenden Drogenfreund, der in der Vergangenheit schon mal durch die eine oder andere unüberlegte Äußerung aneckte zwar deutlich weniger unsympathisch, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Metal-Songs von „Silencing Machine“ eben auch nur mit Wasser gekocht sind, und das nach Rezeptbuch.
Was nicht heißen soll, dass ich es schlecht finde. Als das Düstermetal-Essential der Saison taugt mir das Teil durchaus und läuft auch gerade öfter mal. Zu behaupten, dass es mehr als eben nur eine (eher „rockig“ als „avantgardistisch“ veranlagte) ganz gute Düstermetal-Scheibe auf der gemeinsamen Schnittstelle der Patronengurt-/Nietenarmband-Fraktion und der Hipstersphäre (dessen Interesse an sowas wie dem hier ich für einen noch größeren Mythos halte als dessen Existenz) sein soll, wäre allerdings übertrieben. Sensation geht anders.

Freitag, 27. Juli 2012

Im Übrigen

Die, der aktuellen Ausgabe des Visions Magazins beiliegende SMOKE BLOW Best of ist ganz cool!
Die alternativen Versionen von „Alligator Rodeo“ und „Sweetwater“ (sowie die ursprüngliche von „Junkie Killer“) sind zwar keine, die langjährigen Fans unbekannt sind, aber hier gibt es diese im Gegensatz zu ihren damaligen Download-Fassungen jetzt erstmals dick gemastert. Und das ist doch auch mal was.

Hand of Doom

Kürzlich stolperte ich über ein irgendwie etwas skurriles Teil, das trotz Promi-Mitwirkung 10 Jahre von Vielen weitgehend unentdeckt blieb:
In oder um 2002 rum schmiss sich keine Geringere als MELISSA AUF DER MAUR (Hole, Smashing Pumpkins ... der Vollständigkeit halber, falls irgendjemand tatsächlich nicht drauf kommen sollte) gelegentlich in eine Fransenjacke, um den Ozzy einer BLACK SABBATH-Coverband mit Namen HAND OF DOOM zu mimen, für die sie (nach wie vor) weitgehend unbeschriebene Blätter als Mitmusiker um sich scharte, mit denen sie nur ein paar wenige Gigs spielte, und der Welt davon einen Konzertmitschnitt auf CD, unter dem simpel-unmissverständlichen Titel „Live In Los Angeles – Black Sabbath Tribute“ hinterließ.

Die Art und Weise, wie die geschätzte Dame darauf die eher betont rockig als übermäßig metallisch (und das durchaus sehr cool!) interpretierten Standards a la „Paranoid“, „War Pigs“, „Black Sabbath“ oder meinen Lieblings-Sabbath-Song (natürlich:) „Hand of Doom“ quietschknödelt, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und gelegentlich auch mal etwas daneben, aber das lässt man ihr schon durchgehen, zumal Ozzy das damals eben auch war. Man merkt ihr beim balladesken „Changes“ dann aber dennoch an, dass dieses ihr gesanglich eigentlich doch etwas mehr liegt.
Ach ja, das Dio-Essential „The Mob Rules“ wurde dabei übrigens von Gast-Frontmann Nick Oliveri (Kyuss, Queens Of The Stone Age, ...) inbrünstig bis in unfassbare Tonhöhen gekreischschmettert.

Das Ganze wäre ja gar nicht mal sooo erwähnenswert, wenn man besagte CD bei Amazon Marketplace etc. nicht für relativ kleines Geld bekommen könnte, denn dafür lohnt es sich durchaus. Die spontane Livemitschnitt-Atmosphäre (z.B. durch Melissa's Reaktion auf Publikums-Zurufe ...) hat durchaus was charmant- unterhaltsames.




Mittwoch, 25. Juli 2012

Eyehategod, Berlin

Die letzten Tage schlurfte ich nicht nur ein bisschen durch die Gentrifizierungsbezirke der Hauptstadt (als crazy urban Milfhunter muss man halt schon mal beiläufig erwähnen, dass man eben das total obligatorischerweise gelegentlich tut, um die eigene trendbewusst-lebemännische Relevanz im Kontext aktuellen Weltgeschehens zu betonen), sondern lauschte außerdem dem Konzertgastspiel der Musikkapelle EYEHATEGOD aus New Orleans, Louisiana, im Berliner Magnet.
Als jene im nicht gerade kühlen Club natürlich nicht zu früh die Bühne betraten, wurde zur Erheiterung aller erst mal über den Namen der ausfallenden Vorgruppe abgelästert (Upwind? Like …fart?).
Den Rest kennt man. Die zwischen den Songs dauerkiffende Band pendelt von bluesigen Doom-Parts zu ruppigem Hardcorepunk-Gekloppe und zurück, wozu das Publikum immer wieder zu einem wilden Pogopulk explodiert. Zwischendurch wird mal ein Sabbtah-Song o.ä. angespielt, während Schreihals‘ Mike Williams‘ Liebeserklärungen an die deutsche Hauptstadt und Weltmetropole langsam anfangen zu nerven.
Als Überraschung und Geburtstagskind des Abends steht auf ein mal keine geringere als Kylesa’s Laura Pleasants mit auf der Bühne, um die Nummer ‘Left to Starve‘ zu brüllen (was sie ja auch schon mal bei einer Studiocoverversion davon getan hat, muss man wissen).
Nettes i-Tüpfelchen eines grandios groovenden, brachialst lärmenden, mitreißend rockenden, verschwitzt peitschenden, kurzweiligen Gigs einer Band, die man sich immer wieder ansehen kann.
Dass EHG anno 2012 vielleicht auch nicht mehr ganz das fiese Monstrum mit komplett asozialer Aura sein mögen, das sie Anfang-Mitte der 90er mal verkörperten  - geschenkt.  Normal. An den Live-Qualitäten ihres nach wie vor ureigenen Stils lässt sich auch dieser Tage nicht rütteln.

Baroness - Yellow & Green

My two cents: Die Vollkatastrophe, die so manch elitärer Freund kräftigerer und ruppigerer Rock- und Metal-Gangarten schon im Vorfeld heraufbeschwören wollte, ist BARONESS‘ „Yellow & Green“  dann ja mal nicht geworden. Die atemberaubende Sensation, die Stadionrock-Audiophiliker und die zeitgeistverstehende Indie-Journaille da jetzt draus machen wollen, allerdings natürlich auch nicht.

Es ist schon ein recht großer Schritt, den die Band um John Baizley gewagt hat, sowohl den Härtegrad, als auch den Prog-Faktor herunterzuschrauben.
Auf direkte Rock-Songs reduziert funktioniert das, was BARONESS auch auf „Red Album“ und „Blue Record“ primär ausgemacht hat – tolle, teils zweistimmige Melodiebögen bei sowohl den Gesangslinien als auch der Gitarrenarbeit – aber immer noch sehr gut.

So kommen mir neben Pink Floyd und der einen oder anderen Classic Rock-Band beim Konsum dieses Albums hier und da u.a. auch mal spätere Thrice, quintessenzielle Muse, oder Prä-Reunion Spät-Earthtone9 als Artverwandte in den Sinn.
Und auch wenn das nicht jeder Leser dieses Blogs als positive Sache deklarieren wird, meine ich das als solche. Diese Mischung aus verspielter und dennoch straighter Rock-Instrumentierung und Melodieführungen, die nicht ganz ohne Pathos sind, ist schon was.
Ferner: Ich kenne keine andere Band, die solche „feierlichen“ Vibes zu versprühen schafft, wie es BARONESS etwa bei ‘Twinkler‘ tun, ohne dass es albern wird. 
An dieser Stelle sind sie im Übrigen eigentlich gar nicht mal so weit von Momenten auf Neurosis-Alben wie „A Sun That Never Sets“  oder „The Eye Of Every Storm“ entfernt, auch wenn der restliche Weg abseits dieser Parallele ein anderer sein mag.


Kritik? Nun, etwas unausgegoren wirkt das große Ganze dann ja doch so ein bisschen. 
Die seltsame Produktion schiebt die Vocals schon mal sehr in den Vordergrund; und da ein Doppel-Album draus machen zu müssen, das im letzten Drittel eine gewisse Länge  aufweist, wäre auch nicht unbedingt notwending gewesen.
Da ein gewisser Imperfektionismus zu einer Band, die aus dem Sludge-Metal kommt, aber dazugehört, kann man hier dennoch ohne weiteres Mosern fünf gerade sein lassen.


Bleibt mir als finale Feststellung nur folgendes: „Yellow & Green“ ist weder ein Album, das ich von BARONESS wollte, noch fährt es auf einer Schiene, auf der ich mit einem anderen Bandnamen auf dem Cover zwangsläufig mitgefahren wäre, aber ein sehr gutklassiges Album ist es.
Und interessanter als etwa der halbgare letzte Output von Kylesa, das schnöde Riffgerocke der aktuellen Mastodon, oder die von mir nach wie vor nicht kapierten Torche – um es mal eben an die anderen größeren Bands der gleichen Szene-Ecke gehalten zu haben - ist es allemal.

Freitag, 20. Juli 2012

Todeshippies, Grunzrock’n‘Roller und Kriegsverherrlicher

Willkommen zu einer neuen Episode der Serie „Mal wieder rausgekramte, skurrile und unterbewertete Metal-Platten“. Heute: „Seltsame (skandinavische) Death Metal-Werke“.

CONVULSE – Reflections
Die finnischen CONVULSE brachten es Anfang/Mitte der 90er auf gerade mal zwei Longplayer, die irgendwann neulich mal von Relapse wiederveröffentlicht wurden. Dabei holzten sie auf dem ersten, „World Without God“, noch Death Metal alter Schule - häufig mit Demigod oder Grave verglichen. Das zweite und letzte Album „Reflections“ ist bei Todesmetall-Puristen eher ungeliebt, bei nerdigen Sammlern metalszenischer Obskuritäten (älteren Semesters) dafür aber umso häufiger im Regal vorzufinden.
Wie bei vielen anderen Bands dieser Sparte zu der Zeit, wurde die Schublade Death Metal schnell zu eng, und so öffneten sich auch CONVULSE für rockige Anleihen.  Was aus ihrem Zweitwerk eine etwas krude Angelegenheit machte, die man gar nicht so gut einordnen konnte, aber irgendwie kam die auf ein mal mit Gangarten von Southern Rock bis Thrash vermengte Knurrmusik so auch ganz schön cool.
Bevor einer mosert: „Reflections“ erreicht zugegeben nie und nimmer die Klasse von anderen Death’n’Rollern wie Carcass‘ „Swansong“, den Entombed-Essentials, späten Crack Up oder Gorefest. Dass das Teil ein bisschen „odd & off“ anmutet, macht es dafür aber umso charmanter. Irgendwie komme ich immer wieder mal zu diesem Album zurück …

LUBRICANT – Nookleptia
Noch mal Finnland, noch mal seltsam, noch mal quantitativ geringe Ausbeute: Die 93er „Nookleptia“ EP sollte der einzige offizielle Release von LUBRICANT  bleiben. Was in diesem Fall wirklich schade ist, denn wer weiß, was von diesem Quartett sonst noch gekommen wäre. Auf den sechs Songs dieser EP zeigten LUBRICANT nicht nur eine gelegentliche Nähe zu Carcass, sondern nahmen mit subtilen Psychedelic Rock-Anleihen in etwas unkonventionellen Songstrukturen quasi vorweg, womit Bands von Norwegen’s Enslaved bis San Francisco’s Ludicra erst später um die Ecke kamen, und wovon ein Groß der aktuell hippen Sludge/ Stoner/ Post-Metal-Szenerie förmlich lebt.
Skurriles, schönes Teil!
Btw: Xysma, anyone?

PANZERCHRIST – Soul Collector
Kein großes Geheimnis ist diese 2000er Scheibe dieses, etwas wenig kohärenten, dänischen Death Metal-Projekts aus dem Illdisposed-Umfeld, aber genauso, wie ich sie als einziges Album von ihnen immer wieder mal rauskrame, genauso muss ich sie wohl mal als ihre einzig zwingende erwähnen.
„Soul Collector“ ist berüchtigt für die deutschen Songtexte, die Bo Summer (Illdiposed) hier grunzt, und die teilweise auch Passagen von WWII-Wehrmachts-Slogans enthalten. Natürlich reagiert man erst mal etwas irritiert bis ablehnend darauf, wenn man aus dem hier aufgefahrenem Brutalo-Gekloppe Fetzen wie „… für Deutschland zu sterben …“ vernimmt. Wenn die Kiste allerdings nicht ideologisch völlig unbedenklich und unverfänglich wäre, würde ich damit natürlich erst gar nix am Hut haben, weswegen wir das jetzt gar nicht erst weiter disclaimern müssen.
Was „Soul Collector“ abseits davon nämlich ebenfalls ist, ist „musikalisch ganz schön geil“ und kein Einheitsbrei, sofern man was für brodelnden Death Metal übrig hat, der stilistisch zwar nicht übermäßig originell ist, aber doch ein bisschen als eigenes Gebräu daherkommt. Und dass die teutonischen Laute über Panzer, Soldaten, Krieg etc. dem Ganzen eine Extradimension an martialischer Hartkantigkeit verleihen, ist zugegeben das Salz in der Suppe. Dass man dabei als intelligenter Mensch eineinhalb Augen zudrücken muss, um diesen Schwachsinn als das, was es ist, zu genießen, versteht sich ebenfalls von selbst.
Der Vollständigkeit halber: Der Nachfolger „Room Service“ war nicht wirklich schlecht, ansonsten wüsste ich aber nicht, dass diese ständig Mitglieder auswechselnde, nach wie vor aktive Band irgendwann noch mal irgendwas spannendes abgeliefert hätte.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Videoclips

Kann man wohl mal machen: Die Würzburger Quasi-Black Metaller DER WEG EINER FREIHEIT haben jüngst einen Clip zu „Lichtmensch“ veröffentlicht, und außerdem stolperte ich kürzlich erstmals über das Video zu „Hollow“, ein Song vom letztjährigen Album der finnischen Grindcore-Elite ROTTEN SOUND.
Hier sind sie:

Dienstag, 17. Juli 2012

I Can’t Believe I Was Born In July

In der letzten Ausgabe des Visions Magazin gibt es ein 1992-Special über in jenem Jahr veröffentlichte Alben von Faith No More, Pantera  u.a., die auch in der musikalischen Sozialisierung eines alten Sacks wie mir nicht unwichtig waren.
Anstatt übernostalgisch zwanzig Jahre zurück zu blicken, mache ich Ewigjungbleibender es mal nur mit zehn. Denn so alt wurde oder wird IMPURE WILHEMNIA’s Album mit meinem tatsächlichen Geburtsmonat im Titel dieses Jahr.  Wie passend.

„I Can’t Believe I Was Born In July“ ist dabei vor allem eins: Trotz Früh/Mitt00er-typischem Zeitgeist (Stichworte: Aggrobrüllen und Emosingen, Scheitelfrisur und  Explorer-Gitarre, Fugazi meets Iron Maiden, Metallica meets Sick Of It All, …) auch in unserer, immer schnelllebiger werdenden Ära, erstaunlich gut gealtert.
Was u.a. daran liegen dürfte, dass es die Schweizer hier trotz gewollt popiger Momente (je nachdem wie man das definiert) nie darauf anlegen, stromlinienförmig zu sein. Das Album eröffnet mit einer textlich etwas dramatischen Akustiknummer, schiebt erst mal ein grandioses Metal-Instrumental hinterher, und kommt erst als drittes mit dem ersten Gebrüll-und-Geprügel-Song „The River“ um die Ecke, den ich ungeniert als einen meiner Lieblingssongs bezeichnen würde, und dessen noisy-ruppige (inkl. Blasts!), gitarrenmäßig dennoch melodische Gangart eine genaue stilistische Kategorisierung schwer macht.
Auch am Ende schließen das ruhigere Instrumental „Summer“ (ja, meinetwegen sowas wie Postrock) und das überlange „The Game I Don't Want To Play“ das Album eher etwas zäh ab. Das Ganze fühlt sich dadurch fast schon wie eine apokalyptische Metal-Oper an.
Dazwischen sind IMPURE WILHEMNIA immer wieder zu direkt, um sie als übermäßig arty oder progig wahrzunehmen, aber doch kompositorisch zu eigen, ambitioniert und variationsreich, um sie auch nur für einen Moment mit sowas wie generischem Discometalcore in eine Schublade stecken zu wollen.
Schlussendlich ist „I Can’t Believe I Was Born In July“  mit seinem schwierig aufzudröselnden Alternative-/ Metal-/ Hardcore-Knäul als Basissound wohl einer dieser Glücksgriffe, bei dem eine Band in ihrem noch auf dem Selbstfindungstrip befindlichen Frühstadium zufällig alles richtig gemacht hat, bevor sie später dann noch ein paar Ecken und Kanten abschliff.

Dass IMPURE WILHEMNIA außerhalb ihres Heimatlands mal wieder außer ein paar Nerds sonst kaum eine Sau interessier(t)en, ist ein Schicksal, das sie mit Landsleuten und Labelmates wie Unfold teilen. Schon etwas bitter, dass diese regionale Avantgarde-Szene des Division Records-Umfelds mit vielen originellen Mathcore- und Sludge-Metal-Acts über all die Jahre eine Parallelgesellschaft zum internationalen Rest blieb … aber vielleicht wenden Rorcal ja jetzt endlich mal das Blatt.

Montag, 16. Juli 2012

Henry & Glenn Forever

First of all: Ich mag Comics. Ich mag Fanzines und sowas. Ich mag Musik-bezogene Publikationen auf Papier. Und ich behaupte mal von mir, durchaus Humorverständnis zu besitzen.
Das sind eigentlich alles recht gute Voraussetzungen dafür, dass mir das kleine Indieveröffentlichungsbüchlein „Henry & Glenn Forever“ ein unterhaltsames halbes Stündchen Lesevergnügen hätte bescheren können, aber das Teil hinterließ mich – so leid es mir tut, und so ungern ich es zur Kenntnis gebe – recht enttäuscht.
Diese lose Sammlung von Cartoons nach dem Motto „was wäre, wenn Henry Rollins und Glenn Danzig als schwules Paar zusammenleben würden“ ist insgesamt einen Tick zu amateurhaft und partiell auch etwas zu unlustig ausgeartet. Einige Kritzeleien auf den wenigen Seiten sind optisch-qualitativ so schlecht, dass sogar ich das besser hinbekommen hätte, und ich habe schon überhaupt gar kein visuell-gestalterisches Talent. Und es ist durchaus möglich, dass mir auf einigen Seiten der Witz irgendwie durchgeht, aber schmunzeln oder gar kichern musste ich beim Durchblättern nur selten.
Schade eigentlich, aber das war nix.

Der Vollständigkeit halber:
facebook.com/pages/Henry-Glenn-Forever
iglootornado.blogspot.de
microcosmpublishing.com/...


und:

Zwei Bemerkungen

1.) Es ist in der Fachpresse und Blogosphäre vermehrt von einer „neuen Death Metal-Welle“ die Rede? War mir ja bis kürzlich noch gar nicht klar gewesen, dass wir neben einer Welle an allem von Psychedelic/ Retro/ Stoner/ Occult Rock und traditionellem Doom bis zu modernerem Sludge-/  Post-Metal-/ Drone-Kram, dem Transzendal-Black Metal-Trend, einem starken Düster-Hardcore- und Neo-Crust-Underground, dem irgendwo dazwischen liegenden Rumpelmetal-Sektor (Saviours und co.) und einer Menge jüngerer Thrash-Bands, Hypes um Deathcore- und Djent-Unnötigkeiten, sowie einem albernen Sleaze-/Hairmetal-Revival nun auch einen neu auf der „Elchtod alter Schule“-Schiene rollenden Zug beachten sollen. Aber da scheint tatsächlich was dran zu sein, wenn man sich das gehäufte Auftauchen von Kapellen a la Tormented, Morbus Chron u.s.w. ansieht bzw. –hört. 
Gibt es da frische Akzente mitbringende Bands, die man tatsächlich unbedingt kennen sollte, oder klingen die im Endeffekt alle wie Dismember/ das erste Entombed-Album? Sagt Ihr es mir!

2.) In der aktuellen „Amtlich: Die wichtigsten Metal-Platten des Monats“-Kolumne bei Spiegel Online wird mit Kanonen auf die drei Alben-Spatzen geschossen (Manowar jetzt mal außen vorgelassen), die mich diesen Monat tatsächlich am meisten interessieren (neben Om, aber die sind kaum Metal). Was mich zur Frage bringt: Mache eigentlich ich was falsch, oder die Flachpfeifen Wigger & Dörting was richtig? Wobei, ist ja auch egal …
Jedenfalls ist es faszinierend, dort schon wieder ein Album aus dem Hause Ván Records gefeatured zu sehen. Mich würde ja wirklich mal interessieren, ob der Popularitätsschub, den das Aachener Label in den letzten Jahren durch The Devil’s Blood und co. erhalten hat, auch tatsächlich in den Absatzzahlen äußert. Falls ja: Sei es ihnen gegönnt! Doch bitte demnächst dann auch mal wieder mit interessanteren Sachen als King Dude um die Ecke kommen …


PS: Im August kommt die neue DYSRHYTHMIA! Musste auch mal eben gesagt werden.

Saturday Night

Tja, so kann’s gehen. Ursprünglich wollte ich am vergangenen Samstag mal eben einen Blitzbesuch beim Dong Open Air am Niederrhein machen, um mir dort Armored Saint und Napalm Death zu geben. Gleich zwei hochgeschätzte Bands bei einer musikalisch sonst eher verzichtbaren Veranstaltung. Da ich allerdings keine Lust auf Schlammbad hatte, fiel dieses Vorhaben buchstäblich ins Wasser.
Aus dem zwischendurch mal gefassten Plan, stattdessen in irgendeiner Essen-Borbecker Juze-Bude Der Weg einer Freiheit zu gucken wurde dann auch nichts, weil es gewisse Leute, die zwar ohne Smartphone nicht mehr lebensfähig sind, trotzdem nicht so mit Medienkompetenz haben, und sich vom ergooglen (was man neudeutsch jetzt so sagt) einer Övm-Anfahrt zur entsprechenden Location schon komplett überfordern lassen.
Über diesen Umweg wie die Jungfrau zum Kinde stand ich in der selben Nacht dann noch vor der Bühne, auf der DIAMOND HEAD gerade spielten, an denen der „gesehen“-Haken somit wohl nun auch mal dran wäre. Eine Band, die sogar älter als ich ist - das ist doch mal was. Und die, Nicht-Originalsänger hin oder her, das muss man schon sagen, einen ganz schön geilen Gig ablieferte. Das war Spielfreude pur. Alte Männer, die es noch drauf und auch Bock haben. In einem gerade mal halb gefüllten Turock.
Nicht schlecht, nicht schlecht, wirklich!

Dienstag, 10. Juli 2012

Extreme Fest

Das Death Feast Open Air gibt es nicht mehr, stattdessen fand auf der Schwarzen Heide zu Hünxe dieses Jahr die deutsche Ausgabe des (parallel auch in der Schweiz und Österreich laufendem) EXTREME FEST statt.
Gesehene Bands während meiner punktuellen Anwesenheit im Schnelldurchlauf:

Donnerstag:
GODS WILL BE DONE thrashen früh die Zeltbühne, und die wenigen Anwesenden haben Spaß. Der auch als Basser der übermächtigen Steve Austin bekannte Zweitgitarrist Robert und der neue Drummer meistern ihre jeweilige Sache als Frischfleisch im Boot beachtlich souverän.
Auf dem Rückweg musste man kurz die Excrementory Grindfuckers ertragen - wie immer etwas zwischen höhö und och nö. Excrement indeed.
ORIGIN dann auch schon das nächste Highlight, denn die Intensität des spielerisch anspruchsvollen Deathgrinds beeindruckt und reißt mit.
Danach pendelte ich ein bisschen zwischen dem, der Moderne wegweisenden US-Death von SUFFOCATION, sowie dem Old School Benelux-Death von ASPHYX auf der Hauptbühne, und dem Black Metal-Kontrastprogramm auf der Zeltbühne mit AGRYPNIE und EIS hin und her. Alles irgendwie ganz nett, aber nix davon irgendwie was, das mich da total umgehauen hätte.
EXODUS: Derzeit ohne Gary Holt, der bekanntlich bei Slayer aushilft. Als Finale ganz nett, auch wenn sich bei dieser Band, die in den letzten 7 Jahren bei solchen Gelegenheiten ein bisschen überpräsent war, irgendwie gewisse Ermüdungserscheinungen bei mir eingestellt haben.

Freitäglicher Blitzbesuch:
SPASM waren ganz klar einer der heimlichen Headliner des Festivals. Die Zeltbühne war proppevoll mit Fungrind-Freunden, die mal den dicken Mann im Stringbadeanzug sehen wollten, und die natürlich auch sofort die üblichen Handwedel-Idiotenpogopits veranstalteten. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Czechen nicht nur von ihren pornös-humoristischen Gimmicks leben, sondern ihr Rumpelbass-Gegroove und -Gekloppe tatsächlich ganz geil ist. Da lohnt es sich evtl. wohl wirklich mal einen Tonträgertestlauf zu wagen.
Grindig ging es mit CEPHALIC CARNAGE weiter, und wie schon mal erwähnt, liebe ich diese, schon wieder mit einem anderen Lineup als beim letzten mal auflaufende Band. Warum? Weil Highlights wie „Peacemaker“ und die in der zweiten Hälfte zum Sludgerocker mutierende BM-Parodie „Black Metal Sabbath“ willkommen prägnante Akzente im Rahmen ihres brachialen Frickelgezimmers sind, die sich keine andere Band so humorbegleitet bringt. Sänger Lenzig haut derweil wieder eine Ansage nach der anderen zum Themenkreis Masturbation raus. Wir sind uns so ähnlich …
FORGOTTEN TOMB spielten leider parallel auf der Zeltbühne. Da sich allerdings die Spielzeiten zufällig etwas versetzten, bekam ich die letzten zwei Songs ihres Doom-Black Metals noch mit und es gefiel ganz gut, wenn auch nicht übermäßig.
Da der freitägliche Endspurt für mich nicht so zwingend war – diese allein menschlich unerträglichen, musikalisch nicht wirklich spannenden Belphegor, eine Nasum-Coverparade (ohne ihnen Unrecht tun zu wollen, aber ich habe sie mit Mieszko zu Lebzeiten gesehen, und möchte mir das unverwaschen bewahren…), und den Kiddiedeathcore von Suicide Silence brauche ich allesamt eher weniger – habe ich dann allerdings auch irgendwann die Biege gemacht.

Samstag:
World Downfall sehen klappte leider zeitlich nicht mehr, also ging es erst mit GAMA BOMB los. Naja, naja. So viel ich auch immer für Thrash Metal mit nicht ganz so ernstem Image übrig hatte – Xentrix gab es schon, Municipal Waste gibt es auch noch, und GAMA BOMB sind irgendwie eine dieser Bands, die keinem wehtut, auf die aber auch niemand gewartet hat. Dass ihr 2008er „Citizen Brain“ eines der coolsten Albumcover aller Zeiten und mit Wohlwollen auch ein paar Hits hat (vor allem „Sentenced to Thrash“, mit Comic Geek-Bonus u.a. aber auch „In The Court Of General Zod“) ändert leider nichts daran, dass die Soll-Seite bei den Briten irgendwie größer als der Haben ist.
ABORTED wiederum waren zwar nie eine Band, die ich - im Gegensatz zu einigen Extremmetall-Freunden aus meinem Umfeld - über die Jahre irgendwie groß verfolgt hätte, aber das hier gesehene und gehörte der Belgier ging ganz gut rein, zumal durchaus überdurchschnittlich dargebotener Deathgrind bei mir im Zweifelsfall immer geht.
Dass um DER WEG EINER FREIHEIT ein ganz schöner Wind gemacht wird, darf man glaube ich durchaus mal behaupten, wenn sie bereits von Mille Petrozza für Spiegel Online rezensiert wurden. Als sowas wie die deutsche Version von Wolves In The Throne Room verstanden machen sie quasi Black Metal, ohne stereotype Black Metaller zu sein. Musikalisch hat’s mir schon absolut gefallen, was die Würzburger da machen, aber so das entscheidende Quentchen zu was speziellem, das eine Band wie eben WITTR oder Altar of Plagues oder meinetwegen auch Liturgy ausmacht, das fehlte mir dann doch.
Auf der Hauptbühne mühte sich derweil der Old School Kult von DESASTER ab, die von Freunden und Supporten aufgrund ihrer Old School True-Nerdigkeit allerdings auch ein Eck heißer gekocht als gegessen werden, denn so richtig geil sind die ja auch nicht wirklich …
Ähnliches könnte man über MILKING THE GOATMACHINE sagen, die am zeitgemäßeren Ende des Death Metal-Spektrums als spaßige Festival-Band absolut was hermachen, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, von einer Zuhausehör-Band dann ja doch noch ein ganzes Stück weg sind.
IMPERIUM DEKADENZ, von denen ich mir irgendwie auch etwas mehr erhofft hatte, kündigen auf der Zeltbühne derzeit an, dass der DARKNED NOCTURN SLAUGHTERCULT „aus eigenem Wunsch“ den Auftritt absagt.
Hintergrund: Die Black Metaller aus Hagen hatten sich wohl mehr Kooperation beim Gesichtsbemalung anlegen und mit Blut rumsudeln wollen erhofft und nahmen sich das mangelnde Verständnis der Orga-Crew für ihr Anliegen nicht so gut auf. Kindergarten hoch 666.
Die völlig deplatzierten ARKONA waren übrigens die größte Scheiße, die mir seit langem untergekommen ist. Die ganze Schunkelpagan-Metal-Schiene ist inzwischen nur noch ein einziges, großes Missverständnis. Flöten und E-Gitarren gehören nicht zusammen. Jedem, der sowas gut findet, gehört dieser Kack links und rechts um die Ohren gehauen.
Vielleicht lag es mit an mir, dass der Endpsurt danach dann etwas zäh war, aber er war es.
Völlig vorurteilsfrei und ohne Erwartungen irgendeiner Art außer „jetzt gibt’s das Knüppel-Black Metal-Vollprogramm“ ging ich an den MARDUK-Gig, und fand‘s primär ziemlich unspannend. Eine Meinung, mit der ich im Übrigen nicht alleine dastehe. 
CANNIBAL CORPSE waren, wie nicht wenige Bands der US-Death Metal-Szene, eigentlich nie große Faves von mir. Und auch hier hielt sich meine Begeisterung daher in Grenzen, zumal ich die röhrig-grunzige Stimm- Performance und ungelenk propellerbangende Bühnen-Action des Frontmanns „George "Corpsegrinder" Fisher“ bei voller Hauptbühnenbreitenwirkung, während sich die Band drumherum durch einen routiniert-unspektakulären Gig rattert, ein wenig zum Augen rollen fand. Klar, hier erzählen mir jetzt wieder welche was von „das muss so“, sei Euch gegönnt, aber mich hat es irgendwie kalt gelassen, das war für mich wirklich keine gut platzierte Primetime-Attraktion.

Versöhnliche Abschlussbemerkung: Auch wenn es ein musikalisch durchwachsenes Programm war, hat es durchaus Spaß gemacht, noch mal ein bisschen den Festivalboden der Schwarzen Heide unter den Füßen zu haben ... und das dieses Jahr sogar mal trocken.

Montag, 9. Juli 2012

Weedeater, Köln

Köln. Im Sommer unerträglich. Vor (nur wenigen Tagen mehr als exakt) zwei Jahren erlebte ich dort WEEDEATER mal am heißesten Tag des Jahres. Das ist schon zwei Jahre her? Ja huch, ich dachte nur eins. Mit steigendem Alter verschwimmt die zeitliche Wahrnehmung ja bekanntlich zu einem einzigen Strom aus vagen Erinnerungsfetzen, dessen Rückdatierung manchmal schmerzlich sein kann …

Jedenfalls spielten WEEDEATER mal wieder in Köln und wir haben uns das mal wieder gegeben. Und das, obwohl vorgestern noch über die gesunkene Qualität des Kim Phuc-Fastfoods und den Parkplatzfinden-Krampf in der Ecke gemeckert …
Die Vorband fiel aus, weil es zu Unstimmigkeiten bei der Equipmentnutzung kam. Als WEEDEATER dann um halb zehn oder so endlich mal spielen fiel noch wer, nämlich Gitarrist Dave Shepherd. Jener taumelte so dermaßen final  und nicht mehr wirklich viel auf die Reihe kriegend über die Bühne, dass er schlussendlich sogar ins Schlagzeug kippte. Zwei mal. Und das am ersten Tag der Tour. Gut, dass das treibende Drumming von Keko und das verzerrte Bassgedudel von Dixie bei dieser Band eh die eigentlichen Lead-Instrumente sind, und der Sound im MTC zudem noch arg basslastig. Fiel daher, so albern das klingt, gar nicht mal weiter auf, und der im Midtempo straight nach vorne rockende Southern Metal des abgeranzten Trios wusste dennoch mitzureißen. Meine persönlichen Highlights des Sets waren dabei wie erwartet der Titeltrack des aktuellen Albums und das Lynyrd Skynyrd-Cover „Gimme Back My Bullets“. Nach ‘ner straffen Dreiviertelstunde war der Spaß dann auch schon wieder vorbei. Womit das Konzert dann sogar kürzer als der Anreiseweg war.

Dienstag, 3. Juli 2012

Unsane, Big Business, Köln

Kurzer Rückblick aufs gerade hinter mir liegende UNSANE-Konzert im eher ungeliebten Köln:
Meine Erwartungen an die, natürlich, besser etwas später als zu früh eröffnenden BIG BUSINESS waren irgendwie nicht so groß, gerade deswegen waren sie aber wohl auch der heimliche Headliner des Abends. Die um einen Gitarristen zum Trio erweiterten Melvins-Bastardsöhne Warren/Willis, inzwischen bekanntlich offiziell in die Familie aufgenommen, waren nämlich richtig, richtig geil. Auch wenn es im durchwachsenen Sounddickicht des MTC schwierig war, in der Wand aus Bassbrummen und hektischem Schlagzeuggehämmer noch irgendwas anderes auszumachen. Aber doch, das war was ganz schön geiles.
Dass es UNSANE danach etwas schwer hatten, die primären BB-Fans, die es an diesem Abend durchaus gab, vollends zu überzeugen, lag bei deren eher etwas schrammeligen als stonerigem Sound wohl in der Natur der Sache. Etwas genervt musste Schreihals Chris Spencer immer wieder seine Gitarren nachstimmen, mit Big Business-Cody als Aushilfsdrummer (und was für einer das ist!) bekam die Noiserock-Legende aber eine verspielte Dimension  hinzu, die man so noch nicht kannte.
Meckern möchte ich höchstens, dass das abschließende Flipper-Cover „Ha Ha Ha“ 2-3 Songs zu früh zuletzt lachte. Eine Viertelstunde länger hätte der Headlinergig ruhig noch sein dürfen, gerade auch, weil meine eigentlichen Lieblingssongs fast durch die Bank fehlten (Blew, Only Pain, Stuck, …).
Trotz aller durchwachsenen Umstände (Anreise nach Köln, Parkplatzsuche in Köln-Zentrum, Kim Phuc-Snack auch nicht so geil wie sonst schon mal, Kölner Konzertclubgepflogenheiten, Kacksound im MTC-Kellerschlauch, späte Werktagsheimreise …) kann man das Ganze aber dennoch unter einem vergnüglichen Abend verbuchen.
Außerdem: Die Altherrenquote bei solchen Konzerten und daraus resultierende, eher entspannte „man wippt ein bisschen vor und zurück, anstatt Massenpogen zu veranstalten “-Pitsituation  ist schon etwas angenehmes.
Nächstes mal würde ich UNSANE trotzdem gerne in einem besseren Laden und mit etwas längerem Set sehen.

The Wounded Kings - In The Chapel Of The Black Hand

Um es doch mal erwähnt zu haben: Mit THE WOUNDED KINGS kam ich ja zufällig und unverhofft in Berührung, als sie in Bielefeld zusammen mit den großartigen Altar of Plagues und Monarch! spielten, woraufhin ich sie mir beim diesjährigen Roadburn auch noch mal im Vorbeigehen gab.
Es hat etwas gedauert, bis ich ihr aktuelles Album "In The Chapel Of The Black Hand" – immerhin September 2011 erschienen – dann auch mal endlich im Haus hatte, aber es hat sich gelohnt.
Und dabei bin ich von ganz traditionellem Doom ja eigentlich gar nicht mal ein so großer Freund. Irgendwie ist da nach Sabbath, Pentagram, Vitus und The Obsessed (okay: sowie nach Trouble und Cathedral) für mich einfach schon so alles gesagt, dass ich mich nie groß für Candlemass interessiert habe, bis heute keine Goatsnake-Scheibe besitze, und mir die aktuell mächtig angesagten Orchid zwar einen nicht gänzlich unbeeindruckten Anstandsapplaus abringen, aber eben auch nicht mehr als das.
Warum mich THE WOUNDED KINGS dennoch begeistern, und das auf ihrer aktuellen Platte sogar noch eine ganze Stufe mehr, als nach den Live-Begegnungen erwartet? Keine Ahnung, aber hier stimmt wohl einfach das Gesamtpaket.
Der Sound ist so herrlich authentisch-erdig und druckvoll, die dadurch angeraute Musik hat regelrecht episch-poetisches Feeling, und der Schmettergesang der erst hier zur Band gestoßenen Frontfrau Sharie kommt regelrecht betörend. 
Drei überlange Songs plus ein Instrumental lang wird diese Formel in der Gesamtspielzeit von ca. 40 Minuten nicht nur in keinem Moment langweilig, sondern erhebt sich aus dem Groß ähnlich gearteter Bands mit wahrlich königlicher Geste.
Und man sollte erst gar nicht den Fehler machen, diese Band mit diversen „Okkult Rock“-Überflüssigkeiten und Schlaghosen-Revivalisten Marke Blood Ceremony, Year oft he Goat oder Kadavar, die in letzter Zeit in der gemeinsamen Beardohipster-/ Trve Metal-Szene(n)schnittmenge (sowas war früher undenkbar) Einzug halten, in einen Topf schmeißen zu wollen. THE WOUNDED KINGS sind Doom, THE WOUNDED KINGS sind Metal, die Musik von THE WOUNDED KINGS ist verdammt mächtig und wunderschön zugleich, und ich kriege jetzt gerade tatsächlich nicht genug davon.
"In The Chapel Of The Black Hand" ist ein richtig starkes Album. Dass sich ein eigentlich immer auf der Suche nach postmodernem Krach befindlicher Traditionsmuffel wie ich in ausgerechnet so ein Album regelrecht verlieben kann, spricht wohl Bände. Mehr davon!