Dienstag, 27. März 2012

High on Fire (mit Stream-Link)

Um es selbsteinsichtig vorauszuschieben: HIGH ON FIRE und ich sind nicht die größten Freunde. Wir hatten wirklich keinen guten Start miteinander.
Bei meiner ersten Berührung mit Matt Pike’s Post-Sleep-Band fußte meine musikalische Sozialisierung - trotz Alternative-, Düsster-/Extrem- und Underground-Vorlieben - wohl noch so stark im längst von sauberen Produktionen und Muckertum geprägten, spießigerem „Metal-Mainstream“, dass sich mir der Appeal dieses, mir hauptsächlich Assoziationen in Richtung Motörhead und Venom weckenden Rumpel-Metals, nicht so richtig erschließen wollte.
Und es ist nicht so, als wäre mir „Sludge“ damals ein Fremdwort gewesen, denn EyeHateGod, Crowbar, Soilent Green, Iron Monkey, oder Acid Bath fanden in meiner Welt durchaus statt.
Aber dieser imperfekte, stumpf nach vorne bollernde Rock’n’Roll-Metal, den HIGH ON FIRE mitunter so auffuhren, war gerade Mitte/ Ende der ‘00er-Jahren einfach nichts, was ich wirklich hören wollte.
Es war es mir nicht sophisticated genug, nicht extrem genug, nicht interessant genug.
Man könnte auch sagen, dass ein leicht snobistischer Wahn, an Musik immer gleich ein im Hirn ankommendes Alleinstellungsmerkmal ausmachen müssen zu wollen, mir im Alter(n) etwas den Spaß an schierem Abgerocke genommen hatte.

Wann und wie genau sich das zuletzt dann doch wieder ein bisschen geändert hat, kann ich nicht exakt sagen, aber ich scheine bezüglich dieser Geschmacksphase über den Zenit zu sein.
In letzter Zeit haben Sludge-Helden a la Black Cobra und Weedeater, Spaßkapellen wie Kvelertak, Klassikerwiederaufarbeitungen wie „Sleep’s Holy Mountain“, und Old School Kleinode wie Voivod’s „To The Death ‘84“ etwas in mir wiedererweckt, das ich über die letzten Jahre wohl oft sediert gehalten hatte.
Etwas sehr instinktives und ursprüngliches, anstatt rationales und progressives. Etwas, das auch mal von der rohen Energie einer räudig rockenden Band angesprochen wird, und sich daran erfreuen kann, anstatt von spannendem Songwriting mit ungewöhnlichen Arrangements samt virtuoser Umsetzung schwärmen zu wollen. Begleitet von einem starken Verlangen nach etwas möglichst natürlich und authentisch daherkommenden, anstatt nach kaputtproduziertem Discometal, generisch langweilendem Kindercore, staubigen Retrosound reproduzierendem Langweilerrock, oder klinischst entgratetem Pseudoprog powered by Donzdorf.

Und das macht HIGH ON FIRE mit ihrem ungestümen Neandertal-Charme inzwischen dann doch wieder zu einer Band, die dieser Tage für mich nicht mehr ganz uninteressant ist.
Wir werden wohl auch 2012 nicht mehr die allergrößten Freunde werden, und artverwandte Rumpeltruppen wie die albernen Saviours werden mir wohl nach wie vor am Hintern vorbeigehen, aber für eine Joggingrunde in sommerabendlicher Hitze, bei der Fahrt zum nächsten Konzert, im Fieberwahn, oder als morgendlicher Weckruf zum in Schwung kommen, ist sowas manchmal eben doch genau das richtige.


Warum ich das alles erzähle? Weil das neue HIGH ON FIRE Album „De Vermis Mysteriis“ in Kürze erscheint, und man sich das Ganze als Stream schon mal hier zu Gemüte führen kann.
Da dachte ich mir, wir reden mal drüber …

Montag, 26. März 2012

Christ of Kather | Markus Maria Hoff - Das Oldschoolformat der Zukunft

Was ist hier denn los? Erst mal die Begriffserklärung, was?
Mit dieser Variation seines bürgerlichen Namens als Künstlerpseudonym hat CHRIST OF KATHER, seines Zeichens Schlagzeuger, Texter, Teilzeitgrunzer, Grafikdesigner und kreativer Kern der aufgelösten JAPANISCHEn KAMPFHÖRSPIELE, schon vor eben diesen in ferner Vergangenheit mal ein paar Demo-Songs veröffentlicht.

MARKUS MARIA HOFF kennt man auch unter dem Spitznamen Bony, mit dem er bei JaKa seit „Fertigmensch“-Zeiten der unverwechselbare Schreihals mit den knallroten Haaren war, und ab da zu einem wichtigen Kern-Mitglied avancierte.

Dieses spätere JaKa-Kernduo macht hier nun unter neuem Etikett weiterhin Musik.
Verstärkt durch ein paar vereinzelte Gäste, und soundtechnisch unterstützt vom Ex-Hatesphere-Frontmann Jacob Bredahl, der zu den direkt aus dem Proberaum rübergefaxten Aufnahmen (mal wieder) die richtig angefettete Profiproduktion zusammengemischt hat.


„Das Oldschoolformat der Zukunft“ kommt limitiert im runden Metalldöschen daher und klingt, was zu erwarten war, auch sehr unverkennbar nach seinen Protagonisten.
Allerdings, das muss man schon sagen, merkt man ihnen auch
dezent den Befreiungsschlag an, für ihr Ding etwas Ballast von Board geworfen und neue Impulse zugelassen zu haben.
Zwischen Metalmassacker-Passagen und abrupten Breaks, dem gewohnten Flow der Vocals und dem abwechslungsreichen Drumming, klingt vieles zwangsläufig sehr JaKa, aber dann sind da z.B. auch diese vereinzelten Passagen, die noch viel punkiger poltern, als eben jene je tönten, und eine Gitarrenarbeit, die hier und da auffällig an Melodie gewonnen hat.


Wenn
man denn unbedingt Kritik üben möchte, dann vielleicht, dass die gleich 28 Songs in nur fast 35 Minuten (kürzester: 10 Sekunden, längster: 4:51) ja doch noch etwas zuuu nah an der Vorgängerband daherkommen, und ruhig noch etwas mehr Experimente hätten wagen können, als man hier vorfindet, aber das ist Beschweren auf hohem Niveau.
Klar, hat das Ganze in der zweiten Hälfte auch mal kurz 1-2 Längen, wenn man das bei der Durchschnittsspielzeit der Songs überhaupt so sagen kann.
Ich kann die paar eher etwas verhalteneren Reviews, über die ich ich im Netz dazu gestolpert bin, allerdings dennoch nicht ganz nachvollziehen.
Denn wenn ich als treuer JaKa-Fan der frühsten Tage feststelle, dass „Das Oldschoolformat der Zukunft“ der Herren Christ of Kather / Markus Maria Hoff definitiv mehr Frische versprüht, als die letzten beiden (keinesfalls schlechten) JaKa-Alben, dann haben sie ja offensichtlich was richtig gemacht.

Und dass einige der Texte mal wieder großartig sind, versteht sich von selbst.


Käuflich erwerbbar bei: Unundeux.de

Mittwoch, 21. März 2012

Unsane - Wreck

Bereits endlos gedroschene Phrasen und Historie-Aufarbeitungen zur „Noiserock-Legende“ abhaken zu müssen erspare ich mir und Euch. Das ist der Vorteil, wenn man für sein Geschmiere einen persönlichen Blog hat, anstatt pseudoambitioniert bei einem ebenfalls niemanden wirklich interessierenden Metal-Webzine den Hobbymusikjournalisten markieren zu müssen o.ä. …
Kommen wir gleich zum Punkt. Jener ist: Das neue UNSANE-Album „Wreck“ ist richtig stark. Es bietet nicht mehr aber auch nicht weniger als das erwartete und gewohnte; UNSANE halt, wie man sie kennt und liebt. Zehn Songs, unter denen man den relaxter rockenden genau so findet wie den hektisch rumpelnden, und auch die Mundharmonika-Einlage fehlt nicht.
Wer das als „berechenbar“ deklariert, liegt in der Sache nicht falsch. Wer das nicht trotzdem (bzw. gerade eben) geil findet, der hat allerdings rein gar nichts kapiert, denn „uninspiriert“, langweilig o.ä. ist etwas völlig anderes.
Ich finds ziemlich geil. Und noch geiler fände ich, wenn sie die in den USofA bald startende, gemeinsame Tour mit den Melvins auch über den Teich bringen würden.

Ach ja - hier noch der Link zum kompletten Album-Stream bei metalsucks.net.

Montag, 19. März 2012

Fuck The Facts live und so

Letzten Samstag spielten FUCK THE FACTS im Mühlheimer AZ. Es war zu dem Zeitpunkt nur wenige Tage mehr als auf den Punkt zwei Jahre her, dass die Kanadier letztes mal dort gespielt hatten. Wie doch die Zeit vergeht und so. Damals hatte ich mich so darüber aufgeregt, dass die Vorband bei einem Einlass von 20:00 erst um zehn vor zehn anfing und der Headliner einem dann auch noch mit Kacksound samt Wackelkontaktmikro serviert wurde, so dass ich „Nie wieder Mühlheimer AZ!“ rausposaunte. Nuja, die Truppe kam auf der derzeitigen Tour wieder dort hin, und ich finde das aktuelle Album so stark, dass ich sie trotzdem noch mal sehen musste. Nützt ja alles nix.
Dabei waren sie leider nicht mal Headliner, sondern die „japanische Hardcore-Legende“ CRUDE. Zuvor spielten noch die finnischen Jungspundcoreler BACKLASH. Was ich mal als Randnotiz so stehen lasse, denn ich war schließlich eigentlich nur wegen FUCK THE FACTS da. Und die waren sehr gut live! Das hat geknallt und gekachelt an allen Ecken und Kanten, Fronterin Mel hat sichtlich Spaß an der Sache und die Truppe um sie herum ist spielerisch der Knaller.
Allerdings fragt man sich schon, warum das mal wieder so eine Band ist, zu der (neben den ständigen AZ-Abhängern von um die Ecke und den Leuten, die wegen Crude da waren) nur ein paar Spezialisten hinkommen. Ist ihre gelungen homogene Fusion von Mustern sämtlicher Substilarten, die es im Death'n'Grind-Bereich so gibt, dann etwa doch zu komplex arrangiert für die Deathcore-, Grind- und Grunzmetal-Freunde, die man auf anderen Genre-Veranstaltungen sonst so trifft? Ist diese Art von Metal inzwischen nicht mehr hip genug für die Zeitgenossen, die man zwar früher auch mal bei Nasum oder JaKa traf, inzwischen aber nur noch bei Shows von Stoner-/Sludge-, Post- und Transzendal-Black Metal-Bands? Ist dieser (zugegeben nicht hilfreiche) Name bei denen, die alles bereits latent progressiv angehauchte auch aus extremen Metal-Sparten hören, immer noch nicht angekommen?
Ich habe keine Ahnung, warum diese großartige Band zu diesem Zeitpunkt mal wieder sonst kaum jemand anderes zu würdigen weiß. Aber dann hab' ich sie derzeit halt noch für mich alleine, bevor es demnächst auch mal andere endlich mal schnallen.

Freitag, 16. März 2012

Melvins!

Von denen ist gerade eine EP zum Gratis-Download raus!

Mittwoch, 7. März 2012

Stream-Rundumschlag

Da man zur diesen Monat neu erscheinenden MESHUGGAH-Scheibe „Koloss“ bereits Pressekommentare wie „natürlicherer Sound als sonst“ und „in puncto Songwriting verbessert“ lesen konnte, werde ich wohl auch als eigentlich nicht gerade großer Fan dennoch mal wieder ein Ohr riskieren.
Song-Hörproben gibt es bei Soundcloud hier und hier.

Die Liste an Geheimtipps aus der Sludge/ Doom etc.-Ecke will nicht abreißen. Diese Woche sind die kanadischen BIIPIIGWAN die „Band to watch out for“.
Das nicht mehr ganz so neue Album “God’s Hooks” gibt es beim Bandcamp.

Über BLACKSTORM gestolpert war ich schon neulich mal, mittlerweile geht die Band ganz ungeniert damit public, nicht mal einen Hehl darum zum machen, kein Rad neu erfindend mit auf den Stoner-Zug zu springen. Mit dabei: Sänger Karl Middleton, und wenn der reguläre Schlagzeuger gerade nal keine Zeit hat, als Einwechselspieler dann auch schon mal Simon Hutchby. Die beiden kennt man von Earthtone9 und Twin Zero.
Reinhören kann man bei Bandcamp.

Montag, 5. März 2012

Bi-Bi-Bielefeld

Und gleich ohne Einleitung los: Für einen Local Support mit bescheuertem Namen waren NEGATIVVM mit ihrem angenehm klischeearmen 3rd Wave Black Metal-Rundumschlag Marke WITTR light (wenn Ihr versteht, was ich meine) eine wirklich unterhaltsame Angelegenheit. Viel mehr fällt mir dazu dann zwar jetzt auch nicht ein, aber das war schon in Ordnung.

THE WOUNDED KINGS waren mir vor diesem Auftritt ja gar kein Begriff gewesen, aber ich will es mal so sagen: Wenn man denn neben Jex Thoth noch Platz für eine weitere retrospektiv tönende Band mit Eye- und Ear-Candy-Frontfrau hat, dessen Musik im konkreten Fall in trocken aber satt auf den Punkt gebrachtem Doom Metal der Sabbath/ Obsessed’schen Schule ausartet, dann kann und sollte man diese Band mitnehmen. Der Schlagzeuger ist im Übrigen leicht wahnsinnig - mit seinem kraftvollen und Crashbecken-betonten Spiel aber das Salz in der Suppe, durch das die ja nicht gerade übermäßig originelle Mucke gut die Kurve kriegt, mitreißend zu bleiben.
Cool!

MONARCH! waren danach natürlich mit ihrem zeitgenössischen, eher experimentellen, kaltem Dronnedoom Richtung Khanate, Khlyst, Switchblade und co. ein krasses Gegenstück zum knackig runtergerockten Kram der Band davor. Ein episches Klangerlebnis ohne Unterbrechungen, mit ruhigen, atmosphärischen Momenten, und minimalistisch aber überwältigend in die Welt gefurchten Wellen aus Lärm und Schmerz. Sängerin Emilie kommt mit ihren Delay-, Reverb- und Loop-Effektgeräten ein bisschen wie ein weiblicher Mike Patton rüber.
Ich fands gut, zumal die Band einen konsequenten Ansatz gefunden hat, der spannend genug ist nicht in beliebiger Nichtmusik auszuarten, und far out genug um vielen Freunden konventionellerer Rock/Metal-Musik vermutlich dennoch eher verschlossen zu bleiben.

Als ich ALTAR OF PLAGUES vor zwei Jahren (zweimal) beim Roadburn sah, fehlte es der Band noch ein bisschen an Souveränität. Inzwischen scheint die junge Truppe das entscheidende Quentchen gereift zu sein, davon nix mehr spüren zu lassen, auch wenn einige der Iren – das muss man einfach mal so zu Protokoll geben – ja schon etwas whitetrashig rüberkommen. Was ist das eigentlich, dass solche Bands immer einen offensichtlichen Oberproleten mit im Line Up und an forderster Front haben? Keine Ahnung. Der Musik tat das aber natürlich keinen Abbruch. Das Quartett fegte so geil durch die Monstersongs ‘Neptune is dead‘ und ‘Earth: As a Womb‘, dass sich bei mir ein zufriedenes Dauergrinsen einstellte.


Sehr netter Konzertabend. Dafür nimmt man dann doch gerne mal nächtliche Autobahnrückfahrten von mehr als einer Stunde auf sich …

Donnerstag, 1. März 2012

Mares Of Thrace Full Set

Das neue Album von MARES OF THRACE wurde kürzlich bei Sanford Parker aufgenommen und soll jetzt demnächst irgendwann über Sonic Unyon Records (auch kanadisches Label von Voivod!) kommen. Die Wartezeit verkürzen kann man sich u.a. mit einem Komplettkonzertmitschnitt, der gerade bei Youtube aufgetaucht ist:



P.s.: Das Blogspot-Layout ist ja irgendwie nicht so wirklich optimal für Youtube-Einbettungen …