Freitag, 23. Dezember 2011

Top 10 Alben 2011

Eigentlich hatte ich einen Mammutpost über die meiner Meinung nach besten Alben 2011 schon so gut wie fertig; doch dann ist er kurz vor Veröffentlichungsreife irgendwie unauffindbar im Datennirvana verschwunden. Shit happens, aber so gelangweilt und verzweifelt, dass ich jetzt noch mal mit viel Tipperei zu jeder Top-Scheibe begründe, warum sie so top ist (und warum sich den letzten Platz zwei teilen), bin selbst ich nicht. Gebt mir 'ne Radiosendung, und ich laber Euch damit voll.

Hier also der Countdown, in seinem bloßen Informationswert, ohne weiteres Blafasel:

10 WOLVES IN THE THRONE ROOM - Celestial Lineage
10 ALTAR OF PLAGUES - Mammal
09 END OF LEVEL BOSS - Eklectic
08 FUCK THE FACTS – Die Miserable
07 YOUNG WIDOWS - In and Out of Youth and Lightness
06 YOB - Atma
05 AMEBIX – Sonic Mass
04 KEN MODE - Venerable
03 TOMBS – Path Of Totality
02 HULL – Beyond The Lightless Sky
01 HEIMALI AND MATT FINNEY – Ain't No Night


Honorable Mentions (alphabetisch):
BARN OWL – Lost in the Glare
BLACK COBRA - Invernal*
BLUT AUS NORD - 777: The Desanctification
BRUTAL TRUTH – End Time
JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – Kaputte nackte Affen
NECRO DEATHMORT – Music of Bleak Origin
TODAY IS THE DAY – Pain Is A Warning
TRAP THEM – Darker Handcraft
VOMITORY - Opus Mortis VIII
WOLVHAMMER – The Obsidian Plains

*(Kürzlich bei 'nem Kumpel dann doch auch endlich mal gehört, und das bollert und knattert dann ja doch recht energisch. Daher dachte ich mir, es leicht gemogelt mal mit aufzunehmen)

Enttäuschungen? Keine wirklich großen, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, waren die Alben von OPETH und MASTODON ja jetzt auch keine nennenswerten Knaller vorm Herrn.

Von diesem Jahr bisher immer noch nicht wirklich gehört: Primus, Origin, Krallice, Ash Borer, Goes Cube, Tom Waits, David Lynch, und diese Bohren und der Club of Gore-EP. Alles so Sachen, wo ich bei dem einen oder anderen in den nächsten Wochen wohl auch nochmal das eine oder andere Ohr riskieren möchte ...

Dienstag, 20. Dezember 2011

Groinchurn

Bekanntlich scheue ich keine Kosten und Mühen, die Welt besser machen zu wollen habe ich nicht wirklich was besseres zu tun, als die ganze Zeit irgendwas über Musik ins Internet zu schreiben. Und dabei krame ich gelegentlich immer wieder gerne mal Bands raus, die meiner Meinung nach eben nicht „Common Knowledge“ mit dem abgelutschten Etikett „unterbewertet“, sondern irgendwie tatsächlich in Vergessenheit geraten sind, obwohl ich sie durchaus recht erwähnenswert finde.
Dass ich dabei kürzlich an GROINCHURN denken musste, hat vielleicht etwas was mit dem Wiederentdecken von C.S.S.O. neulich zu tun, vielleicht aber auch mit der Veröffentlichung der neuen Brutal Truth. Denn wie erstere waren GROINCHURN so eine Band, die im Zuge der „zweiten Grindcore-Welle“ um die Jahrtausendwende mal kurz als ganz heißer Scheiß bei einigen Freunden des extremeren Metal-Undergrounds gehandelt wurde, während man zweitere durchaus ein bisschen als Paten ihres Sounds sehen darf.
GROINCHURN waren aus Südafrika, und frönten auf Longplayern wie „Fink“  (1998) oder „Whoami“ (2000) einem Grindcore-Gebräu, das neben den typischen Blastbeats und Uptempohackereien, sowie gutturalen Vocals, die oft angenehm variationsreich und verständlich im nicht übertriebenen Bereich blieben, eine völlig eigene Mixtur aus rockigen Grooves und angejazzten Unkonventionalitäten auffuhr.
Rückblickend waren sie damit, neben öfter mal auftauchenden Referenzen wie Brutal Truth oder Pungent Stench, sowas wie die Party-Version von Pig Destroyer. Denn nicht wenige Songs bargen eher einen gewissen Rock’n’Roll-Spaßfaktor und gelegentlich auch mal breitere Einflüsse skizzierende Experimentierfreude in sich (vereinzelt kann man sogar Hip Hop-/ Raprock-artige Akzente ausmachen, die unaufdringlich funktionierend reingebracht wurden), anstatt sich wie Andere in vordergründiger Boshaftigkeit oder dem peniblen Einhalten der Genre-Blaupausen zu ergehen.
Und genau das macht an GROINCHURN - die ich damals leider nie live gesehen habe, obwohl man von Augen-/Ohrenzeugen nur begeistertes drüber las und hörte – auch heute noch Spaß.
Aus der generischen Beliebigkeit herausstechende, und dabei auch noch irgendwie unbekümmert-authentisch wirkende Bands wie dieses verblichene Trio sind jedenfalls heute auf diesem Sektor eher selten geworden. Rede ich mir zumindest gerne ein.

An „Fink“ oder ihr Debüt-Album „Sixtimesnine“ ist für kleines Geld ranzukommen, bei „Whoami“ und der Early Days-Compilation „Thuck-Grinding South Africore“ muss man für Gebrauchtes zwar 2-3 Euro mehr hinlegen, aber auch da hält es sich mit der Rarität noch in Grenzen.
Fans von JaKa, Carcass, Brutal Truth und C.S.S.O. sollten da auch retrospektiv jedenfalls ruhig noch mal ein Ohr riskieren. Wirklich!

Ach ja, einen Videoclip hatten sie auch:

Freitag, 16. Dezember 2011

on a sidenote

Die finnischen WALTARI, früüüüüher mal eine meiner Lieblingsbands, bis man irgendwie gentrennte Wege ging (die Zeiten des fröhlich tanzbaren Popmetal-Crossovers waren irgendwann einfach vorbei), covern auf ihrem aktuellen Jubiläumscoveralbum „Caught In A Mosh“ von Anthrax, der einen anderen „früher eine meiner absoluten Lieblingsbands“-Band (bis sie diesen Reunion-Blödsinn mit Belladonna machen mussten). Und das interessanteste daran ist eigentlich, wie gleichgültig, emotionslos und desinteressiert ich diese Info aufgenommen habe. Was hat mich bloß so ruiniert?

Dienstag, 13. Dezember 2011

Tjoah

Damit ich auch zu den coolen Bloggern am Zahn der Zeit mit Jahresbestenlisten gehöre, mache ich hier die Tage wohl mal meine Jahresbestenliste(n).
Auf der Resterampe hätten wir derweil an immer noch nicht gehörten Sachen noch:
Das neue TOM WAITS-Album und das Langspiel-Musikdebüt von DAVID LYNCH. Beides sicher lohnenswert und in den „Weihnachtsferien“ bestimmt auch bei mir endlich mal in Rotation, im Rahmen von „Krach und so“ aber vermutlich eher sekundär interessant, und deswegen erst mal nach hinten geschoben.
Zu diesjährig veröffentlichten Alben, die vielleicht doch noch auf der Zielgeraden mit ins Körbchen kommen, gehört auf jeden Fall „In Tides And Drifts“ von den Alternative Rockern/ Post-Hardcorelern GOES CUBE und vielleicht auch, trotz meiner mittelschweren Blascht-Aversion, „Entity“ von den Wahnwitz-Techdeathgrindern ORIGIN.
Irgendwie durchs Raster gefallen ist mit THE ATLAS MOTH, LEVIATHAN, und SUBROSA dieses Jahr dann ja doch so der eine oder andere Release eines kanadischen Labels, auf das ich eigentlich so große Stücke halte, aber bei der derzeitigen Veröffentlichungsflut an für mich potenziell interessanten Sachen komme ich halt kaum noch mit.
Die Psychedelic-Rocker TRUE WIDOW habe ich genau deswegen nach einer kurzen Berührung ebenfalls links liegen gelassen. Das aktuelle Werk von ALL PIGS MUST DIE ist übrigens ein ziemlich geiles und dabei nicht alltägliches HC-Brett, irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los, solchen Sportcore mit fortschreitendem Alter einfach leid zu sein. Same with HARM‘S WAY. Die Split vom ALPINIST und MASAKARI kommt aber dennoch vielleicht noch ins Haus.
Habe ich noch was vergessen?

Sonntag, 11. Dezember 2011

Im Übrigen (2)

... hinterließ mich das Blättern durch die druckfrische Ausgabe des RockHards mal wieder etwas amüsiert.
KORN z.B. langweilen mit dem typischen Geblubber, mit dem jede Band in dieser Größenordnung zu einer aktuellen Platte um die Ecke kommt. Allerdings ist die todernste Begeisterung, mit der Gitarrist Munky über die Zusammenarbeit mit Elektromucker Skrillex berichtet – was von Vielen von außen ja eher als eine zwar nur logische aber eben doch höchst alberne Sache belächelt wird, zumal gerade Skrillex den prolligen Kirmesgeboller-Ableger des Dubstep-Genres repräsentiert – etwas, das die ganze Chose in der öffentlichen Wahrnehmung ja doch schon ein bisschen in Richtung „Lulu“ rückt.

Um richtungsweisende Kooperationen und ein bisschen Größenwahn geht es auch im Gespräch mit AMEBIX' Rob Miller. Jener ist genervt von den ewigen Vergleichen zwischen der aktuellen Comeback-Platte seiner Band und dem Sound der legendären Postpunker/ Industrial-Rocker/ Alternative-Metaller Killing Joke. Was ihn zur waghalsigen Äußerung bringt, dass nicht Amebix wie KJ klingen würden, sondern sich im Gegenteil die früher weniger harten Killing Joke, mit dem Schlüsselmoment mal kurz Dave Grohl als Studiodrummer dabei gehabt zu haben, über die Jahre so dem Metal angenähert hätten, dass diese inzwischen nach Amebix klängen.
Mein lieber Rob: Sehen wir mal davon ab, dass schon dem 1980er Debüt Killing Jokes genauso metallische Eigenschaften nachgesagt wurden (während Eure erste EP erst zwei Jahre später rauskam), wie dem 10 Jahre später erschienendem „Extremities, Dirt & Various Repressed Emotions“, so war der Meilenstein für den heutigen KJ-Sound ganz klar das 94er „Pandemonium“. Die Sache mit Grohl passierte erst neun Jahre, also fast eine Dekade später, und knüpfte lediglich weiter daran an. Mach doch bitte zumindest Deine Hausaufgaben richtig.

Freitag, 9. Dezember 2011

The Blood Of Heroes

In unseren schnelllebigen Zeiten fühlt es sich ja fast schon etwas gestrig an, in einem Blog Dezember ‘11 auf ein April 2010 veröffentlichtes Album hinzuweisen.
Da ich aber irgendwie den Eindruck habe, dass 1.) dieses Album allgemein wenig „stattgefunden“ hat, und dabei 2.) fast schon etwas wider Erwarten doch so toll ist, dass ich es in letzter Zeit fast täglich gehört habe, dachte ich mir halt gerade, vielleicht doch noch mal drauf hinzuweisen.


Der Hintergrund in Kurzfassung: THE BLOOD OF HEROES ist ein Projekt, bei dem Bill Laswell (Bassgott, Experimentalmusiklegende, Produzent und Studiotüftler quer durch den avantgarde- und populärmusikalischen Gemüsegarten), und der hier „nur“ Gitarre spielende Justin Broadrick (neben zig anderen Bands und Projekten natürlich vor allem durch Godflesh und Jesu, sowie seinem Mitwirken auf dem '87er Napalm Death-Debüt bekannt) mit Produzenten elektronischer Musik kooperieren (Enduser, Submerged, M. Gregor Filip), und neben gelegentlichen Live-Drummern bei einigen Stücken auch noch Rapper Dr. Israel dabeihaben.

Und das wirklich gelungene und angenehme an diesem Album ist, dass es - bis auf einige auffällige Akzente (die gottseidank nicht durchgängig vorhandenen Rap-Parts; hier und da ist die Gitarre dann auch schon mal heavyer, oder die Drum-Sounds etwas knalliger) - insgesamt sehr „unaufdringlich“ ist. Bei so einer Crossover-Kollaboration kann man in der Natur der Sache schnell viel falsch machen. Hier wird einem allerdings weder betont dubstepig „Zeitgeist!“ ins Gesicht geschrien (an dieser Stelle ein Gruß an KoRn), noch erliegen TBOH der Gefahr, zu sehr an damals ja teilweise schon mitunter etwas alberne Kirmestechno-Rocker, BigBeat-Punker und Electro-Metaller der Marke Think About Mutation, Pitchshifter, Cubante, ATR, oder Eskimos & Egypt zu erinnern (und dabei muss ich mir durchaus den Stiefel anziehen, Mitte/Ende der 90er tatsächlich auf sowas mit abgefahren zu sein).
Wenn überhaupt, erinnern mich TBOH oft am ehesten – vom allgemeinen Vibe wohlgemerkt, nicht unbedingt tatsächlich signifikant von Sound/Stil - an die holländischen Kong. Was eine tendenziell eher gute Sache ist.


Oft driftet das Ganze nämlich mit eher sphärischen Gitarreneinsätzen sehr ins schon (wenn man so will) regelrecht postrockigere, wenn ein gewisser Godflesh/Jesu-Vibe dann nicht doch gerade mal durchblitzt (z.B. beim etwas melancholisch anmutendem 'Remain').

Der Produktion merkt man außerdem an, dass hier richtige Könner am Werk waren, die nicht einfach nur aus einer Bierlaune heraus Drum'n'Bass-Rhythmen und Gitarrenparts aneinandergeklatscht haben. Das selbstbetitelte THE BLOOD OF HEROES-Debüt ist einer dieser seltenen Fälle, wo mal nicht zu viele Starköche den Brei verdorben haben, sondern wo zusammenarbeitende Spezialisten ihre jeweiligen Dinger unter Projektleiter Laswell zu etwas mit Hand und Fuß vereint haben.

Schönes Teil!
Unter dem Titel "Remain" gibt es außerdem bereits ein Remix-Album dazu, bei dem neben den hier eh schon beteiligten Künstlern u.a. auch Dälek mitmacht.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Im Übrigen

… ist mir durchaus bewusst, im Rahmen dieses Blogs bisher weder auf die aktuelle VOIVOD-Livescheibe „Warriors of Ice“, noch auf die Veröffentlichung ihrer frühen Demo-Aufnahmen unter dem Titel „To The Death 84“ hingewiesen zu haben.
Ein Versäumnis, für das ich ohne Frage Bestrafung verdiene.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Heirs - Hunter

Kurze Scheibe, kurzes Review: Auf der „Hunter“ EP kredenzen HEIRS einem zwei Eigenkompositionen und ein Cover. Die Australier, die – was ich immer wieder erwähnenswert finde – sich trotz großer musikalischer Nähe zu sowas wie Mogwai eigentlich ein bisschen mehr in der „Industrial/ Gothic“-Ecke zu sehen scheinen, und auch schon mal eine dementsprechende Ästhetik bemühen, haben dabei dieses mal das krachigere und dichtere, das man vom „Fowl“-Album kannte, wieder etwas aufgebrochen. Das aktuelle Material, darunter ein Song der Sisters of Mercy ('Neverland' – ohne Vocals nah am Original zum Postrocker interpretiert), klingt etwas lichter, freier und offener, lässt aber nach wie vor nicht diesen Swans-Vibe vermissen, für den man HEIRS schätzt.
Nichts überraschend großes, kein Pflichtkauf, und ich bin eigentlich auch kein nennenswerter Anhänger solcher Kleinformate, aber irgendwie finde ich es echt gut.

Stream (Titeltrack): http://denovali.com/heirs/
Download: http://www.denovali.com/mp3shop
Tonträger: http://www.denovali.com/mailorder/

Donnerstag, 1. Dezember 2011

so gigantisch dann doch nicht

Zugegeben, es war ein seltsamer Initiator, aber über die alleinige Tatsache gestolpert zu sein, dass der großartige Comiczeichner SAM KIETH (The Maxx, diverse Batman-Geschichten, eine Lobo-Sache in Zusammenarbeit mit Anthrax-Gitarrenglatze Scott Ian, die ersten Kapitel von Neil Gaiman‘s Sandman, …) das Coverartwork für den Rerelease des (zuvor selbstvertriebenen) 2009er GIANT SQUID-Albums „The Ichthyologist“ lieferte …



…reichte mir als Anlass, der Band doch noch mal eine Chance zu geben. Und, wie das nun mal so ist, wenn man über so einen Aufhänger an ein Musikalbum gerät … nun ja, ich sage es mal ganz offen, GIANT SQUID und ich werden wohl in diesem Leben nicht mehr die größten Freunde.
Lyrisch mit komischen Konzepten über Meeresbiologie unterwegs, hat „The Ichthyologist“ dabei ja durchaus ein paar nette Momente. Und das sind diese kleineren Auffälligkeiten, wie ein herrlich verzerrter Basssound oder gelungenes Ghostnote-Drumming. Die härteren Momente des Albums gehen natürlich generell ganz gut rein. Problematisch wird’s allerdings bei pathetisch ausladenden Gesangsarien, die manchmal südosteuropäisch-folklorisch anmuten und sogar dementsprechend Streicher- und Bläser-unterstützt werden. An manchen Stellen erinnern die Vocals dabei sogar an System of a Down.
Ich habe keine Ahnung, wie die anderen Veröffentlichungen der Band so ausfallen, aber hier scheint auf dem Weg von Doom Metal zu Prog-/Art-/Post- Rock irgendwas schiefgelaufen zu sein, und ich möchte jetzt nicht erst noch den überstrapazierten Begriff „überambitioniert“ bemühen. Schade eigentlich, aber das ist dann wohl doch eher nix für mich …

Fans von Kram wie maudlin of the Well und Kayo Dot, Her Name Is Calla und Blueneck, Sleepytime Gorilla Museum, der aktuellen Opeth etc. sollten aber vielleicht mal ein Ohr riskieren.