Freitag, 23. Dezember 2011

Top 10 Alben 2011

Eigentlich hatte ich einen Mammutpost über die meiner Meinung nach besten Alben 2011 schon so gut wie fertig; doch dann ist er kurz vor Veröffentlichungsreife irgendwie unauffindbar im Datennirvana verschwunden. Shit happens, aber so gelangweilt und verzweifelt, dass ich jetzt noch mal mit viel Tipperei zu jeder Top-Scheibe begründe, warum sie so top ist (und warum sich den letzten Platz zwei teilen), bin selbst ich nicht. Gebt mir 'ne Radiosendung, und ich laber Euch damit voll.

Hier also der Countdown, in seinem bloßen Informationswert, ohne weiteres Blafasel:

10 WOLVES IN THE THRONE ROOM - Celestial Lineage
10 ALTAR OF PLAGUES - Mammal
09 END OF LEVEL BOSS - Eklectic
08 FUCK THE FACTS – Die Miserable
07 YOUNG WIDOWS - In and Out of Youth and Lightness
06 YOB - Atma
05 AMEBIX – Sonic Mass
04 KEN MODE - Venerable
03 TOMBS – Path Of Totality
02 HULL – Beyond The Lightless Sky
01 HEIMALI AND MATT FINNEY – Ain't No Night


Honorable Mentions (alphabetisch):
BARN OWL – Lost in the Glare
BLACK COBRA - Invernal*
BLUT AUS NORD - 777: The Desanctification
BRUTAL TRUTH – End Time
JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – Kaputte nackte Affen
NECRO DEATHMORT – Music of Bleak Origin
TODAY IS THE DAY – Pain Is A Warning
TRAP THEM – Darker Handcraft
VOMITORY - Opus Mortis VIII
WOLVHAMMER – The Obsidian Plains

*(Kürzlich bei 'nem Kumpel dann doch auch endlich mal gehört, und das bollert und knattert dann ja doch recht energisch. Daher dachte ich mir, es leicht gemogelt mal mit aufzunehmen)

Enttäuschungen? Keine wirklich großen, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, waren die Alben von OPETH und MASTODON ja jetzt auch keine nennenswerten Knaller vorm Herrn.

Von diesem Jahr bisher immer noch nicht wirklich gehört: Primus, Origin, Krallice, Ash Borer, Goes Cube, Tom Waits, David Lynch, und diese Bohren und der Club of Gore-EP. Alles so Sachen, wo ich bei dem einen oder anderen in den nächsten Wochen wohl auch nochmal das eine oder andere Ohr riskieren möchte ...

Dienstag, 20. Dezember 2011

Groinchurn

Bekanntlich scheue ich keine Kosten und Mühen, die Welt besser machen zu wollen habe ich nicht wirklich was besseres zu tun, als die ganze Zeit irgendwas über Musik ins Internet zu schreiben. Und dabei krame ich gelegentlich immer wieder gerne mal Bands raus, die meiner Meinung nach eben nicht „Common Knowledge“ mit dem abgelutschten Etikett „unterbewertet“, sondern irgendwie tatsächlich in Vergessenheit geraten sind, obwohl ich sie durchaus recht erwähnenswert finde.
Dass ich dabei kürzlich an GROINCHURN denken musste, hat vielleicht etwas was mit dem Wiederentdecken von C.S.S.O. neulich zu tun, vielleicht aber auch mit der Veröffentlichung der neuen Brutal Truth. Denn wie erstere waren GROINCHURN so eine Band, die im Zuge der „zweiten Grindcore-Welle“ um die Jahrtausendwende mal kurz als ganz heißer Scheiß bei einigen Freunden des extremeren Metal-Undergrounds gehandelt wurde, während man zweitere durchaus ein bisschen als Paten ihres Sounds sehen darf.
GROINCHURN waren aus Südafrika, und frönten auf Longplayern wie „Fink“  (1998) oder „Whoami“ (2000) einem Grindcore-Gebräu, das neben den typischen Blastbeats und Uptempohackereien, sowie gutturalen Vocals, die oft angenehm variationsreich und verständlich im nicht übertriebenen Bereich blieben, eine völlig eigene Mixtur aus rockigen Grooves und angejazzten Unkonventionalitäten auffuhr.
Rückblickend waren sie damit, neben öfter mal auftauchenden Referenzen wie Brutal Truth oder Pungent Stench, sowas wie die Party-Version von Pig Destroyer. Denn nicht wenige Songs bargen eher einen gewissen Rock’n’Roll-Spaßfaktor und gelegentlich auch mal breitere Einflüsse skizzierende Experimentierfreude in sich (vereinzelt kann man sogar Hip Hop-/ Raprock-artige Akzente ausmachen, die unaufdringlich funktionierend reingebracht wurden), anstatt sich wie Andere in vordergründiger Boshaftigkeit oder dem peniblen Einhalten der Genre-Blaupausen zu ergehen.
Und genau das macht an GROINCHURN - die ich damals leider nie live gesehen habe, obwohl man von Augen-/Ohrenzeugen nur begeistertes drüber las und hörte – auch heute noch Spaß.
Aus der generischen Beliebigkeit herausstechende, und dabei auch noch irgendwie unbekümmert-authentisch wirkende Bands wie dieses verblichene Trio sind jedenfalls heute auf diesem Sektor eher selten geworden. Rede ich mir zumindest gerne ein.

An „Fink“ oder ihr Debüt-Album „Sixtimesnine“ ist für kleines Geld ranzukommen, bei „Whoami“ und der Early Days-Compilation „Thuck-Grinding South Africore“ muss man für Gebrauchtes zwar 2-3 Euro mehr hinlegen, aber auch da hält es sich mit der Rarität noch in Grenzen.
Fans von JaKa, Carcass, Brutal Truth und C.S.S.O. sollten da auch retrospektiv jedenfalls ruhig noch mal ein Ohr riskieren. Wirklich!

Ach ja, einen Videoclip hatten sie auch:

Freitag, 16. Dezember 2011

on a sidenote

Die finnischen WALTARI, früüüüüher mal eine meiner Lieblingsbands, bis man irgendwie gentrennte Wege ging (die Zeiten des fröhlich tanzbaren Popmetal-Crossovers waren irgendwann einfach vorbei), covern auf ihrem aktuellen Jubiläumscoveralbum „Caught In A Mosh“ von Anthrax, der einen anderen „früher eine meiner absoluten Lieblingsbands“-Band (bis sie diesen Reunion-Blödsinn mit Belladonna machen mussten). Und das interessanteste daran ist eigentlich, wie gleichgültig, emotionslos und desinteressiert ich diese Info aufgenommen habe. Was hat mich bloß so ruiniert?

Dienstag, 13. Dezember 2011

Tjoah

Damit ich auch zu den coolen Bloggern am Zahn der Zeit mit Jahresbestenlisten gehöre, mache ich hier die Tage wohl mal meine Jahresbestenliste(n).
Auf der Resterampe hätten wir derweil an immer noch nicht gehörten Sachen noch:
Das neue TOM WAITS-Album und das Langspiel-Musikdebüt von DAVID LYNCH. Beides sicher lohnenswert und in den „Weihnachtsferien“ bestimmt auch bei mir endlich mal in Rotation, im Rahmen von „Krach und so“ aber vermutlich eher sekundär interessant, und deswegen erst mal nach hinten geschoben.
Zu diesjährig veröffentlichten Alben, die vielleicht doch noch auf der Zielgeraden mit ins Körbchen kommen, gehört auf jeden Fall „In Tides And Drifts“ von den Alternative Rockern/ Post-Hardcorelern GOES CUBE und vielleicht auch, trotz meiner mittelschweren Blascht-Aversion, „Entity“ von den Wahnwitz-Techdeathgrindern ORIGIN.
Irgendwie durchs Raster gefallen ist mit THE ATLAS MOTH, LEVIATHAN, und SUBROSA dieses Jahr dann ja doch so der eine oder andere Release eines kanadischen Labels, auf das ich eigentlich so große Stücke halte, aber bei der derzeitigen Veröffentlichungsflut an für mich potenziell interessanten Sachen komme ich halt kaum noch mit.
Die Psychedelic-Rocker TRUE WIDOW habe ich genau deswegen nach einer kurzen Berührung ebenfalls links liegen gelassen. Das aktuelle Werk von ALL PIGS MUST DIE ist übrigens ein ziemlich geiles und dabei nicht alltägliches HC-Brett, irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los, solchen Sportcore mit fortschreitendem Alter einfach leid zu sein. Same with HARM‘S WAY. Die Split vom ALPINIST und MASAKARI kommt aber dennoch vielleicht noch ins Haus.
Habe ich noch was vergessen?

Sonntag, 11. Dezember 2011

Im Übrigen (2)

... hinterließ mich das Blättern durch die druckfrische Ausgabe des RockHards mal wieder etwas amüsiert.
KORN z.B. langweilen mit dem typischen Geblubber, mit dem jede Band in dieser Größenordnung zu einer aktuellen Platte um die Ecke kommt. Allerdings ist die todernste Begeisterung, mit der Gitarrist Munky über die Zusammenarbeit mit Elektromucker Skrillex berichtet – was von Vielen von außen ja eher als eine zwar nur logische aber eben doch höchst alberne Sache belächelt wird, zumal gerade Skrillex den prolligen Kirmesgeboller-Ableger des Dubstep-Genres repräsentiert – etwas, das die ganze Chose in der öffentlichen Wahrnehmung ja doch schon ein bisschen in Richtung „Lulu“ rückt.

Um richtungsweisende Kooperationen und ein bisschen Größenwahn geht es auch im Gespräch mit AMEBIX' Rob Miller. Jener ist genervt von den ewigen Vergleichen zwischen der aktuellen Comeback-Platte seiner Band und dem Sound der legendären Postpunker/ Industrial-Rocker/ Alternative-Metaller Killing Joke. Was ihn zur waghalsigen Äußerung bringt, dass nicht Amebix wie KJ klingen würden, sondern sich im Gegenteil die früher weniger harten Killing Joke, mit dem Schlüsselmoment mal kurz Dave Grohl als Studiodrummer dabei gehabt zu haben, über die Jahre so dem Metal angenähert hätten, dass diese inzwischen nach Amebix klängen.
Mein lieber Rob: Sehen wir mal davon ab, dass schon dem 1980er Debüt Killing Jokes genauso metallische Eigenschaften nachgesagt wurden (während Eure erste EP erst zwei Jahre später rauskam), wie dem 10 Jahre später erschienendem „Extremities, Dirt & Various Repressed Emotions“, so war der Meilenstein für den heutigen KJ-Sound ganz klar das 94er „Pandemonium“. Die Sache mit Grohl passierte erst neun Jahre, also fast eine Dekade später, und knüpfte lediglich weiter daran an. Mach doch bitte zumindest Deine Hausaufgaben richtig.

Freitag, 9. Dezember 2011

The Blood Of Heroes

In unseren schnelllebigen Zeiten fühlt es sich ja fast schon etwas gestrig an, in einem Blog Dezember ‘11 auf ein April 2010 veröffentlichtes Album hinzuweisen.
Da ich aber irgendwie den Eindruck habe, dass 1.) dieses Album allgemein wenig „stattgefunden“ hat, und dabei 2.) fast schon etwas wider Erwarten doch so toll ist, dass ich es in letzter Zeit fast täglich gehört habe, dachte ich mir halt gerade, vielleicht doch noch mal drauf hinzuweisen.


Der Hintergrund in Kurzfassung: THE BLOOD OF HEROES ist ein Projekt, bei dem Bill Laswell (Bassgott, Experimentalmusiklegende, Produzent und Studiotüftler quer durch den avantgarde- und populärmusikalischen Gemüsegarten), und der hier „nur“ Gitarre spielende Justin Broadrick (neben zig anderen Bands und Projekten natürlich vor allem durch Godflesh und Jesu, sowie seinem Mitwirken auf dem '87er Napalm Death-Debüt bekannt) mit Produzenten elektronischer Musik kooperieren (Enduser, Submerged, M. Gregor Filip), und neben gelegentlichen Live-Drummern bei einigen Stücken auch noch Rapper Dr. Israel dabeihaben.

Und das wirklich gelungene und angenehme an diesem Album ist, dass es - bis auf einige auffällige Akzente (die gottseidank nicht durchgängig vorhandenen Rap-Parts; hier und da ist die Gitarre dann auch schon mal heavyer, oder die Drum-Sounds etwas knalliger) - insgesamt sehr „unaufdringlich“ ist. Bei so einer Crossover-Kollaboration kann man in der Natur der Sache schnell viel falsch machen. Hier wird einem allerdings weder betont dubstepig „Zeitgeist!“ ins Gesicht geschrien (an dieser Stelle ein Gruß an KoRn), noch erliegen TBOH der Gefahr, zu sehr an damals ja teilweise schon mitunter etwas alberne Kirmestechno-Rocker, BigBeat-Punker und Electro-Metaller der Marke Think About Mutation, Pitchshifter, Cubante, ATR, oder Eskimos & Egypt zu erinnern (und dabei muss ich mir durchaus den Stiefel anziehen, Mitte/Ende der 90er tatsächlich auf sowas mit abgefahren zu sein).
Wenn überhaupt, erinnern mich TBOH oft am ehesten – vom allgemeinen Vibe wohlgemerkt, nicht unbedingt tatsächlich signifikant von Sound/Stil - an die holländischen Kong. Was eine tendenziell eher gute Sache ist.


Oft driftet das Ganze nämlich mit eher sphärischen Gitarreneinsätzen sehr ins schon (wenn man so will) regelrecht postrockigere, wenn ein gewisser Godflesh/Jesu-Vibe dann nicht doch gerade mal durchblitzt (z.B. beim etwas melancholisch anmutendem 'Remain').

Der Produktion merkt man außerdem an, dass hier richtige Könner am Werk waren, die nicht einfach nur aus einer Bierlaune heraus Drum'n'Bass-Rhythmen und Gitarrenparts aneinandergeklatscht haben. Das selbstbetitelte THE BLOOD OF HEROES-Debüt ist einer dieser seltenen Fälle, wo mal nicht zu viele Starköche den Brei verdorben haben, sondern wo zusammenarbeitende Spezialisten ihre jeweiligen Dinger unter Projektleiter Laswell zu etwas mit Hand und Fuß vereint haben.

Schönes Teil!
Unter dem Titel "Remain" gibt es außerdem bereits ein Remix-Album dazu, bei dem neben den hier eh schon beteiligten Künstlern u.a. auch Dälek mitmacht.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Im Übrigen

… ist mir durchaus bewusst, im Rahmen dieses Blogs bisher weder auf die aktuelle VOIVOD-Livescheibe „Warriors of Ice“, noch auf die Veröffentlichung ihrer frühen Demo-Aufnahmen unter dem Titel „To The Death 84“ hingewiesen zu haben.
Ein Versäumnis, für das ich ohne Frage Bestrafung verdiene.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Heirs - Hunter

Kurze Scheibe, kurzes Review: Auf der „Hunter“ EP kredenzen HEIRS einem zwei Eigenkompositionen und ein Cover. Die Australier, die – was ich immer wieder erwähnenswert finde – sich trotz großer musikalischer Nähe zu sowas wie Mogwai eigentlich ein bisschen mehr in der „Industrial/ Gothic“-Ecke zu sehen scheinen, und auch schon mal eine dementsprechende Ästhetik bemühen, haben dabei dieses mal das krachigere und dichtere, das man vom „Fowl“-Album kannte, wieder etwas aufgebrochen. Das aktuelle Material, darunter ein Song der Sisters of Mercy ('Neverland' – ohne Vocals nah am Original zum Postrocker interpretiert), klingt etwas lichter, freier und offener, lässt aber nach wie vor nicht diesen Swans-Vibe vermissen, für den man HEIRS schätzt.
Nichts überraschend großes, kein Pflichtkauf, und ich bin eigentlich auch kein nennenswerter Anhänger solcher Kleinformate, aber irgendwie finde ich es echt gut.

Stream (Titeltrack): http://denovali.com/heirs/
Download: http://www.denovali.com/mp3shop
Tonträger: http://www.denovali.com/mailorder/

Donnerstag, 1. Dezember 2011

so gigantisch dann doch nicht

Zugegeben, es war ein seltsamer Initiator, aber über die alleinige Tatsache gestolpert zu sein, dass der großartige Comiczeichner SAM KIETH (The Maxx, diverse Batman-Geschichten, eine Lobo-Sache in Zusammenarbeit mit Anthrax-Gitarrenglatze Scott Ian, die ersten Kapitel von Neil Gaiman‘s Sandman, …) das Coverartwork für den Rerelease des (zuvor selbstvertriebenen) 2009er GIANT SQUID-Albums „The Ichthyologist“ lieferte …



…reichte mir als Anlass, der Band doch noch mal eine Chance zu geben. Und, wie das nun mal so ist, wenn man über so einen Aufhänger an ein Musikalbum gerät … nun ja, ich sage es mal ganz offen, GIANT SQUID und ich werden wohl in diesem Leben nicht mehr die größten Freunde.
Lyrisch mit komischen Konzepten über Meeresbiologie unterwegs, hat „The Ichthyologist“ dabei ja durchaus ein paar nette Momente. Und das sind diese kleineren Auffälligkeiten, wie ein herrlich verzerrter Basssound oder gelungenes Ghostnote-Drumming. Die härteren Momente des Albums gehen natürlich generell ganz gut rein. Problematisch wird’s allerdings bei pathetisch ausladenden Gesangsarien, die manchmal südosteuropäisch-folklorisch anmuten und sogar dementsprechend Streicher- und Bläser-unterstützt werden. An manchen Stellen erinnern die Vocals dabei sogar an System of a Down.
Ich habe keine Ahnung, wie die anderen Veröffentlichungen der Band so ausfallen, aber hier scheint auf dem Weg von Doom Metal zu Prog-/Art-/Post- Rock irgendwas schiefgelaufen zu sein, und ich möchte jetzt nicht erst noch den überstrapazierten Begriff „überambitioniert“ bemühen. Schade eigentlich, aber das ist dann wohl doch eher nix für mich …

Fans von Kram wie maudlin of the Well und Kayo Dot, Her Name Is Calla und Blueneck, Sleepytime Gorilla Museum, der aktuellen Opeth etc. sollten aber vielleicht mal ein Ohr riskieren.

Sonntag, 27. November 2011

Heinali and Matt Finney - Ain’t No Night

Eigentlich habe ich auf dieses Album in einem Sammel-Post bereits hingewiesen. Und ursprünglich dachte ich mal, das es so ein Fall von „finde ich gerade gut, höre ich mir bestimmt aber auch bald erst mal wieder für 'ne Weile leid“ ist. Allerdings musste ich kürzlich dann doch feststellen, das es doch eher ein Fall von „höre ich mir ja doch nicht leid, meine Damen und Herren, hier haben wir es ja tatsächlich mit etwas verdammt großem zu tun!“ ist.
Und dafür, das einzugestehen, und noch mal extra zu betonen, weil man es kann, genau dafür hat man doch einen Blog, anstatt seinen Pseudo-Expertennarzissmus damit auszuleben, für alberne Webzines Reviews in Stein zu meißeln.

Bei „Ain’t No Night“ handelt es sich nicht im die erste Veröffentlichung der Kooperation von HEINALI AND MATT FINNEY, und wenn man Einzel(cover)song-Veröffentlichungen außer der Reihe mitzählt, inzwischen wohl auch nicht mehr um die aktuellste, aber: Was die beiden hier in vier Tracks von fast 36 Minuten Gesamtspiellänge hinzaubern, trifft den Nagel beängstigend perfekt auf den Kopf.
Die Musik der ukrainischen 1-Mann-Band HEINALI ist stimmungsvoll und lebendig, dennoch von hörbar maschinellen Bestandteilen durchsetzt, und vereint Doom/ Shoegaze/ Drone/ Postrock, Industrial und Blues. Das erinnert an Nadja, Angelic Process u.ä., an Earth, auch schon mal an Nine Inch Nails, und hat ebenfalls ein gewisses David Lynch-Feeling. Dicht surrende Gitarrenwände, batschender Drumcomputer, Piano-Einsätze, Geräusche und Akustikklampfe.

Perfekt abgestimmt ist diese Heimwerker-Musik mit den Spoken Words des Amerikaners MATT FINNEY, der irgendwo zwischen Depression und derbem Humor unterwegs ist.

Und das Gesamtergebnis dieser Zusammenarbeit ist, nach vorangegangenen, passablen Aufwärm-Releases wie „Conjoined“, dieses mal in Form von „Ain’t No Night“ wirklich der absolute Knaller geworden. Ich kann Euch echt gar nicht ausreichend anschaulich formulieren, wie hin und weg ich von diesem Album bin. Das muss man halt wirklich einfach mal selbst gehört haben.
„Ain’t No Night“ ist tatsächlich, völlig außer Frage stehend, eine der zwingendsten und geilsten Suchtpotenzial-Veröffentlichungen des Jahres!
Ich habe gesprochen.

Käuflich zu erwerben hier: paradigms-recordings.com

Freitag, 25. November 2011

Blut aus Nord - 777 The Desanctification

Okay, da hätten wir dann doch noch mal eine gerne ausführlich besprochene Scheibe von kürzlich.
Erst mal die Oberchecker-Einleitung: Auch wenn Celeste eher in Hard-/Screamo-/Sludgecore-Gefilden wurzeln mögen, der Shoegaze-Sound von Alcest schon längst mehr in Richtung Dreampop als zum Metal zu (pun intended:) neigen scheint, und Deathspell Omega ein ganz eigenes Kaliber für sich sind –mit BLUT AUS NORD zusammengezählt könnte man hier, aus musikjournalistischem Übereifer der alten Schule, durchaus von einer wahren Welle französischen Post- und Prog-Black Metals sprechen.


Allerdings bin ich persönlich weder ein großer DsO-Fan, noch kann ich allzu viel mit Alcest anfangen, und für die auf monotone Weise brachialst austeilende Klanggewalt, mit der Celeste ihren Hörer atemlos in die Knie zwingen, muss ich auch Tagesform-abhängig in der richtigen Stimmung und Aufnahmefähigkeit sein.
BLUT AUS NORD allerdings gehen bei mir im Zweifelsfall irgendwie immer. Und das, obwohl die Band, beim Namen angefangen, ja eigentlich auch einiges an Angriffsfläche bietet.
Z.B. weil man ihren Veröffentlichungen den Heimstudio-Faktor dann ja doch irgendwie anhören kann (was in diesem Genre aber wohl vielleicht auch nicht zwangsläufig ein Defizit sein muss).
Und die neuerliche Vielveröffentlichungspolitik ist ebenfalls so eine Sache, die ihnen bei gehaltenem Kurs schon bald um die Ohren fliegen könnte ...


Aber, ...wie gesagt: Ich mag BLUT AUS NORD. Ihr grundsätzlicher "Stamm-Stil", auf den es sich zuletzt so eingependelt hat, fusioniert eine surrealistische Atmosphäre a la Velvet Cacoon mit industrialmetallischem Gestampfe direkt aus der Godflesh-Schule, und lässt mit immer wieder mal herrlich schräger Gitarrenarbeit die obligatorische Voivod-Referenz aufblitzen. Um diesen Kern scheuen sie weder Ausflüge bis an die Grenze atonaler Nichtmusik, können aber ebenso auch schon mal inkl. großem Gitarrensolo richtig konventionell und harmonisch klingen.
Dabei rücken sie ihre traditonelleren Black Metal-Wurzeln gelegentlich auch schon mal wieder in den Fokus, um wannandermal dann wiederum völlig in sowas wie Trip Hop-Regionen abzudriften.
Und so bescheuert sich das alles für rationale Rockpuristen auf dem Papier (bzw. Monitor oder Display) lesen mag, so gut funktioniert dieser Quatsch für nerdige Anhänger skurriler Düstermusik wie mich. Dieses dunkle, kalte, pseudo-schaurige, manchmal auch verdrogt-neblig anmutende Feeling des Ganzen ist ein Musik gewordener SciFi-Horror-Thriller (B-Movie). Partyrocker, Popsongfreunde und Moshpit-Fighter sind hier im falschen Film gelandet, wer es aber gerne mal ein bisschen seltsam und etwas Entgegenkommen fordernd mag, ist richtig.

"777 - The Desanctification", Teil zwei einer Trilogie, die mit dem Vorgänger "777 Sect(s)" begann, erzählt dabei nach wie vor erst mal nichts neues mehr, besinnt sich aber gelungen auf die Signature-Stärken des mysteriösen Projekts. Dazu gehören dann auch schon mal Lead-Gitarren mit überraschend zugänglicher, schon regelrecht schöner Melodieführung, die sich aus dem bizarr-atmosphärischem Düsterbrei hervorheben, oder treibende Computer-Beats, die (manchmal schon regelrecht Hip Hop-artig!) auch gerne mal wie welche klingen, anstatt nur einen Metal-Schlagzeuger imitieren zu wollen.

Ich habe es an anderer Stelle schon mal gesagt: Wie man auf diese Band als „Avantgarde“-Kiste in 10 Jahren mal zurückblicken wird, ist vermutlich so eine Sache für sich (vgl. Samael u.ä.). Aber dann bin ich eh schon so alt, dass mich das nicht mehr interessiert. Hier und heute gefällt mir dieser krude Hybrid aus Kopfnickerrhythmen und Lärmgitarren, aus Musik und eigenwilliger Finster-Klangwelt, jedenfalls irgendwie ziemlich gut.
Super Album für Winterabende!

Samstag, 19. November 2011

Wo wart Ihr eigentlich gestern?

Jetzt mal ernsthaft. Wo wart Ihr eigentlich gestern Abend? Wo wart Ihr, die mich sonst mit Begeisterung mehrfach zu jeder drittklassigen Stonerrock- oder grünschnäbligen Rumpelmetal-Kapelle mitschleppen wollt, eigentlich gestern Abend schon wieder, als D.R.I. wiederholt Bochum zerstörten? Wo wart Ihr, die sich jetzt schon einen drauf hobeln, dass im Sommer Sabbath ihre geriatrische Revivalshow (die wievielte eigentlich?) nach Dortmund bringen wollen, als sich ein grauhaariges Quartett im popligen Bahnhof Langendreer, mit beachtlicher Spielzeit und generell mitreißend, den Arsch abklöppelte? Und wieso rennt Ihr alle mit Municipal Waste-Shirts durch die Gegend, wenn Ihr die Urheber deren Sounds nicht zu würdigen wisst? Ja meine Fresse!

Ja, die Dauertourer und Thrashcore-Dinosaurier D.R.I. waren zum zweiten mal dieses Jahr in der Gegend. Ohne neues Album, das noch immer auf sich warten lässt. Über die etwas zu hoch angesetzten Merchpreise sollte man außerdem auch mal reden dürfen. Ansonsten aber, wie schon beim letzten mal, ein ziemliches Fest.
Der Local-Support STRENGTH wusste mit metallischem Old Proll School HC ganz gut zu unterhalten; das Backdrop mit „Ruhrpott Hardcore“-Motto machte mich aber etwas schmunzeln. HAMMERCULT aus Israel hauten einem souverän ein Thrash-Brett der deftigeren Art um die Ohren, aber irgendwie sprang dabei der Funke nicht völlig auf mich über (lag u.a. am Sänger).

D.R.I. ... wie gesagt, geil! Aber wo wart Ihr denn schon wieder alle, die sonst überall dabei sein müssen, wo harte Riffs auf der Menükarte stehen? Ich kapiere Euch nicht.

Mittwoch, 16. November 2011

Wer Stinking Lizaveta ...

... bei den Aufnahmen zum nächsten Album via Kickstarter finanziell unter die Arme greifen möchte (Sanford Parker will 4000 $ sehen), kann das im Übrigen hier tun.

Montag, 7. November 2011

zuletzt live gesehen ...

... und mal kurz abgehakt:

WOLVES IN THE THRONE ROOM, WOLVSERPENT

03.11.2011, Gebäude 9, Köln
Ob es jetzt eine Art von Abschiedstour ist, oder doch nicht – ich bin die Verwirrung darum leid -: Dass WITTR inzwischen das Gebäude 9 randvoll machen ist ja auch schon … hui. Geboten wurde das vom Headliner Übliche. Ein volles Brett ohne Firlefanz und gegen Ende das Songmaterial ausgepackt, das noch ein Eck mehr ins epische driftet. Stand ich zunächst offenbar auf einem Deadspot, an dem die Gitarren nicht gut zu hören waren, wurde der Sound irgendwann etwas besser und die hypnotisch-packende Wirkung der Band wusste zu greifen. Gut. Ob es jetzt das tatsächlich letzte mal war oder doch nicht … we’ll see.
Der Vorglüher WOLVSERPENT war im Übrigen irgendwas zwischen geil und dann teilweise doch etwas zu langatmig. Eine Duo-Formation mit Blackened Drone/Doom-Kram, der viel aus Lärm in der Effektschleife und monoton-repetitiv treibender Rhythmik besteht, die einem mit einem Ambient-Aufbau mit Geige, bevor es wieder mit bösem Metal weitergehen durfte, dann aber doch mal etwas zu viel Geduld abverlangte. Ich habe ja Sympathien für solche experimentell angehauchten Acts, aber auch nicht immer die 100%ige Muße, mich drauf einzulassen …

CRIPPLED BLACK PHOENIX, MILHAVEN
04.11.2001, FZW, Dortmund
Ich mache es mal ganz kurz: Die Bochumer MILHAVEN frönen diesem instrumentalem Laut/leise-Postrockding, erinnern an TWDY oder Dredg, sind okay, werden aber eigentlich von keinem gebraucht.
CRIPPLED BLACK PHOENIX wiederum sollte jeder in diesem Leben mal gesehen haben. Die sympathischen Briten sind mit viel Spielfreude am Start, und das zwei Stunden nonstop. Live kommt das Ganze etwas rockiger als auf Platte rüber, was so einer Konzertsituation auch gut zu Gesicht steht.
Das war ohne Übertreibung eines der besten Konzerte des Jahres. Die werde ich mir bei nächster Gelegenheit wieder angucken, und Ihr solltet es auch!

Reviewresterampe

Zuletzt dann auch noch mal gehört – ein okayes, ein sehr geiles und interessantes, und ein verzichtbares Album:

DEAFHEAVEN – „Raods To Judah“
Geboten wird „Post-Black Metal“ in vier längeren Tracks. Postrock- und Shoegaze-Ansätze, Blastbeats und Geschrei, spannend episch arrangiert. Von Musikern, die eher nach Screamocore-Schule aussehen, als sich Nietenarmbänder umzuschnallen und nicht mehr zum Frisör zu gehen.
Unterm Strich eine solide Platte, die man sich bei genereller Affinität zu sowas wirklich ganz gut reinfahren kann, aber leider eben auch nix, was WITTR oder Altar of Plagues nicht schon in wesentlich spektakulärer gemacht hätten. Und auch, wenn im Understatement ein gewisser Reiz liegt (der meiner Beobachtung nach gerade bei mehr zu „Indie“ und Hardcore- als Metal-Spielarten neigenden Zeitgenossen gut ankommt), mag ich ein bisschen mehr Spektakel bei sowas dann eben doch schon mal ganz gerne …

HEINALI AND MATT FINNEY – „Ain’t No Light“
Heinali und Matt Finney haben sowohl jeweils solo, als auch im Doppelpack schon das eine oder andere veröffentlicht. Ihr im August veröffentlichtes „Ain’t No Light“ wird dabei gerade als kleine Underground-Sensation gefeiert. Und ich verstehe, warum.
Das eigentlich schon etwas ungleiche Duo, bestehend aus einem ukrainischen Experimentalmusiker und einem amerikanischem „Spoken Word Artist“, hat hier etwas abgeliefert, das irgendwie nach Momentaufnahme klingt, allerdings nach einem „zur richtigen Zeit am richtigen Ort alles richtig gemacht“-Moment. Die generelle Grundlage des Sounds erinnert mit stampfendem Drumcomputer und kühler Dronedoom-Gitarre ziemlich an Nadja, mit Piano-Einlagen und etwas rockigen und bluesigen Zusätzen bis hin zum Akustikgitarrenpart, kommt bei mir persönlich dann ja irgendwie noch die Assoziation Nine Inch Nails (vor allem Kram wie „Ghosts I-IV“) hinzu. Akzentuiert gibt es introvertiert gesprochene Lyrik obendrauf.
Und in dieser Mischung passt hier einfach alles. Wenn diese halbe Stunde surrealen Ambient-Dooms durchgelaufen ist, drücke ich jedenfalls gerne sofort noch mal Repeat …
Verweise:
Bandcamp-Link
: heinaliandmattfinney.bandcamp.com

Label-Link: paradigms-recordings.com

SEED OF PAIN – „Red Suns“
Es mag etwas bizarr klingen, aber ich würde SEED OF PAIN wirklich supergerne total großartig finden, tue es allerdings leider nicht. Ihr nicht nur durch die Unterstützung von E-Percussion, Keys und Konservensounds, sondern auch gelegentliche Stampfrhythmik-Monotonie etwas Industrial-angehaucht und Swans-beeinflusst wirkender Post-Hardcore/ -Metal klingt 1:1 nach Musik, die ich selbst mal gemacht haben könnte. Leider gibt es da aber zwei Probleme: 1.) Der Shouter klingt furchtbar. 2.) So sehr mir diese Mixtur aus dunkel-atmosphärischen Passagen (/Songs) mit ein paar Rauschlärm- und Computerdrums-Zusätzen und Ausbrüchen brachialen Gitarrengewitters und Gebrülls eigentlich liegt, sind die Schweizer dabei keine wirklich guten Songwriter. Ins eine Ohr rein, aus dem anderen raus. Diese Scheibe spricht wirklich gar nicht zu mir, obwohl sie mich an der Oberfläche zunächst anzuziehen schien. Wie die meisten Frauen halt. Scherz. Trotzdem schade.

Mittwoch, 2. November 2011

Wolvhammer - The Obsidian Plains

[Das hier wird jetzt vermutlich erst mal das letzte, sehr ausführliche Review zu einer aktuellen Veröffentlichung für eine ganze Weile sein: ]

Wie nah Crust-Punk, Sludge und Proto-Black Metal eigentlich aneinander liegen, wird einem beim Nebeneinanderhalten von (alten) Amebix und Celtic Frost, High on Fire und Venom, dem Hören jüngerer Darkthrone („The Cult Is Alive“), und ob der Existenz von Bands a la Dishammer, Gallhammer, Coffinworm, Okkultokrati, usw. recht schnell bewusst. Und im Endeffekt geht dabei wohl eh alles auf Motörhead zurück …

WOLVHAMMER mögen mit einen der albernsten Namen, und in der Vergangenheit auch schon alberne Klischees von Totenkopf- und Streitaxt-Artworks, bis zu den chaotisch und versoffen rüberkommenden White Trash-Prolls mit schäbigen Tattoos und Knarrenfimmel erfüllt haben, sie sind aber auch einer der frischesten und kontrastreichsten Vertreter eines zuletzt neu aufgekeimtem Crossover-Mottos.
Schon zu Demo-Zeiten als vielversprechender Geheimtipp gemunkelt, hat sich nun Profound Lore die Combo fürs zweite Album unter die Fittiche genommen.




Eines ist dabei sicher: „The Obsidian Plains“ ist eher keines dieser Alben, an das man sich in ein paar Jahren noch als Bibliotheks-tauglichen Klassiker zurückerinnern wird, wie es bei so manchem Release von etwa Wolves In The Throne Room oder Yob jetzt schon der Fall ist. WOLVHAMMER an sich werden allerdings dem einen oder anderem als Band in Erinnerung bleiben, zu der man dann schmunzelnd sowas wie „Joah, dat war ma‘ noch ‘ne derb‘ lärmende Dampframme, wie et sie heute gannich‘ mehr gibt“ anmerken wird.

Zusammen mit dem wiederholt auf dem Produzentenstuhl platznehmenden Sanford Parker (den ich ja für sehr überschätzt halte, aber ein paar Tonspuren stimmig dick zusammenmischen kann er) haben es WOLVHAMMER jedenfalls geschafft, die nötige Schüppe Intensität und Weiterbewegung zum Vorgänger drauf zu werfen, um im Gespräch zu bleiben.

Und ferner den Schwerpunkt noch einen Tick mehr auf die Blastbeat- und Doublebassboller-Gangarten gelegt, was sich auch in der noch Black Metal-lastiger gewordenen Gitarrenarbeit bemerkbar macht. Jener merkt man im Übrigen außerdem den personellen Neuzugang aus Richtung Nachtmystium an. Jeff Wilson’s Spielstil hat definitiv ein paar Signature-Elemente, die man von den letzten beiden Longplayern eben jener kennt, und jetzt auch bei WOLVHAMMER hören kann.
Was die Band dadurch an atmosphärischer Dichte und einem Schuss Melodie dazugewonnen hat, ist tatsächlich neu, und im Detail auffällig wiedererkennbar.


Mit dem Besetzungswechsel und der damit einhergehenden, kleineren musikalischen Kurskorrektur, hat die Band allerdings eigentlich sogar ein klitzekleines bisschen von ihrem ursprünglich sehr naiv-rohem Charme eingebüßt.
Und wie schon gesagt: Diese sieben Songs von 44 Minuten Gesamtspiellänge sind eigentlich erst mal eher nix, was in zeitlicher Ferne mutmaßlich mal in nennenswerten „die besten Metal-Alben der vergangenen Dekade“-Listen o.ä. auftauchen wird.


Dennoch bringt diese gelungene Fusion aus old schooligem Doublebassgepolter (persönliche Assoziation: alte Sodom), dem dazugehörigen Schuss Hardcore, zeitgeistigen Genreschubladen (let’s face it: schwarzmetallisch angehauchtes gilt derzeit als schick, dreckig gerumpeltes auch), ‘ner gelegentlichen Brise Atmo-Betonung (wie erwähnt: diese Nachtmystium-Sache hört man), und ein paar sich fies durch die Gehörgänge sägenden Feedbackfiepern ein frisches Lüftchen in die Subgenre-Abteilungen, die zuletzt einen Hauch zu sehr von Bands mit Stoner-Vibe oder postrockiger Kante dominiert wurden, was WOLVHAMMER genauso abgeht, wie - trotz vorhandenen Fühlern in solche Richtungen - das einfallslose Durchexerzieren irgendwelcher D-Beat-, Standartcore- oder Doomsludge-Muster.


Was wirklich spannendes und aufregendes mag etwas anderes sein, aber als (wenn auch „nur“, aber eben doch) zumindest saisoneller Knaller hat das hier den richtigen aggressiven Biss, meiner Meinung nach eher wie mäßiges wie die „sind derzeit überall“-Partyrocker Saviours, das langweilige und aufgesetzte Hasskappengedoome von Indian, u.ä. locker in die Tasche zu stecken.

Wieso ...

... spielen AGRIMONIA eigentlich andauernd in fuckin' Hannover, sonst aber anscheinend nirgens hierzulande?

Montag, 31. Oktober 2011

Fuck The Facts – Album und EP

Passend zum Kamikaze-Bandnamen waren FUCK THE FACTS ursprünglich mal ein Spaßprojekt mit Anal Cunt-mäßigem Ulk-Noisecore, Einschüben von Freistil-Crossover und albernen Selbstkategorisierungen der Marke „Mulletcore“.

Erst mit „Stigmata High-Five“, eigenwilliger Death’n‘Grind mit Mathcore-Tendenzen, tauchte die Band 2006 wirklich auf der Landkarte ernstzunehmender Extrem-Metal-Highlights auf, und legte 2008 (Veteranen verstehen den Gag:) „Disgorge Mexico“ nach, das sich mit etwas mehr Melodie im Spiel noch ein Stück weiter in Richtung Metal orientierte. In der Zwischenzeit erschienen außerdem ein paar selbstveröffentlichte EPs und eine Live-DVD, die ich allesamt immer noch nicht besitze oder kenne (eigentlich ganz schön bigott, diese „DIY-Ethik“ erst mal nur in der Theorie zu unterstützen …), und nun mit „Die Miserable“ auch der dritte Longplayer via Relapse Records, kurioserweise parallel zur dritten EP im Eigenvertrieb namens „Misery“.

Warum man das Material nicht zu einem Release zusammengefasst hat, anstatt gleichzeitig ein nur ca. 35minütiges Album und eine nicht mal zwanzigminütige EP getrennt voneinander vorzulegen – nun, das scheint auf den ersten Blick etwas seltsam zu sein, macht aber beim Hinhören tatsächlich Sinn.



„Die Miserable“ repräsentiert das, sofern man das für eine so bewegliche Band überhaupt feststellen kann und darf, was man anhand der beiden Vorgängerwerke typisch für FUCK THE FACTS finden möchte. Eine ziemlich komplizierte, hektische Wand aus Grindcore-Blastbeats, todesmetallischen Dampfwalzen-Parts, kurz mal zwischengestampften Deathcore-Gesten, und oft eher schrägerem Gitarrenspiel, aber akzentuiert auch schon mal ins total melodiöse driftende Leads und Soli. Obendrauf dann natürlich noch die Gröl- und Keif-Vocals von Fronterin Mel.

Die große Kunst von FTF besteht dabei dann ferner darin, dass ihre komplexen Extremsport-Songs immer wieder mal mit schon regelrecht popigen Momenten aufhorchen lassen, die den Unterhaltungswert enorm steigern, wie z.B. ein kurz fast schon Flamenco-artiges Break, oder ein poetisch anmutendes Song-/Albumende mit französischem Monolog.


Wenn man in diesem Feld generell eher Freund von den etwas eigensinnigeren Genrevertretern wie Pig Destoyer, Agoraphobic Nosebleed, Cephalic Carnage, Brutal Truth und Japanische Kampfhörspiele ist, dann hat man auch an einem Album wie „Die Miserable“, von einer nach wie vor viel zu wenig beachteten Band wie FUCK THE FACTS, einen Heidenspaß, denn das Teil bringt endlich mal wieder ein bisschen frischen Wind in diese zuletzt etwas angestaubte Prügelmusik-Ecke.


Was die auf der „Misery“ EP verbratenen Outtakes angeht, so ist hier meine persönliche Kaufempfehlung leider eher nicht so deutlich wie bei „Die Miserable“. Die mit diversen Gaststars (u.a. KEN mode's Jesse Matthewson und Elliot Desgagnes von Beneath the Massacre) angegangene Kiste zeigt FUCK THE FACTS von einer primär sehr straighten und stumpferen Seite, und auch die „musikalischeren“ Einschübe wirken ein bisschen wie „waren noch über und mussten auch mit raus“. Wer allerdings bei Filmen auf DVD auch immer noch die Deleted Scenes guckt, für den ist vielleicht auch diese kleine Extra-Ergänzung zum Longplayer interessant.

Aber selbst wenn nicht, zumindest „Die Miserable“ braucht man als jedweder Anhänger derberer (und cleverer) Metal- /Irgendwascore-Musik definitiv, während der simplere „Misery“-Kram was für die Komplettisten und generellen Grindcore-Freaks ist.

Bandcamp-Link mit diversen haptischen und digitalen Versionen beider Veröffentlichungen:
fuckthefacts.bandcamp.com

Amebix - Sonic Mass

Zwischen diesem Album und seinem Vorgänger liegen 24 Jahre! AMEBIX (von denen Darkthrone genau so Fan sind wie Neurosis) prägten Anfang/Mitte der 80er den Begriff „Crust Punk“ mit, wobei ihre Musik eher Anleihen von Gothic Rock und frühem Rumpel-Metal (Motörhead waren ein Einfluss) und passagenweise eigentlich auch schwer was von Celtic Frost hatte. Seit wenigen Jahren auf ein mal wieder aktiv, veröffentlichten die Briten nun mit „Sonic Mass“ ihren dritten Longplayer.

An sowas hat man natürlich erst mal keine großen Erwartungen, aber AMEBIX' „Sonic Mass“ ist – ironischerweise – ein Comeback-Album vo
m Schlage wie Celtic Frost's „Monotheist“, oder auch Eisenvater's „IV“. Kein Versuch, alte musikalische Herangehensweisen zu reproduzieren, sondern etwas neuzeitliches, eigensinniges, unerwartetes, das aber nach wie vor zum Spirit der Band passt.
Geiles Cover übrigens:




Zur Musik: Der Opener „Days“ schockiert fast erst mal als so eine Art ... ja was eigentlich? Pompös-balladesker Gothrock? Die zweite Nummer dann instrumentales Metal-Gerödel mit hypnotischen Tribal-Qualitäten. Der dritte Song klingt dann total nach Killing Joke, was gerade auch die Vocals vom „Baron“ Rob Miller betrifft. Etwas, das sich an dann weiter über die Platte zieht. Düster-atmosphärischer, energisch knallender, gelegentlich Keys-unterstützter Metalrock der leicht angeschrägten Sorte, mal druckvoll treibend, mal mit Pathos vorgetragen. Eigentlich sind einige Nummern damit sogar so nah an Killing Joke, wie es Killing Joke selbst auf einigen Alben nicht waren.
Aber schafft man es, Jaz Coleman beim Hören dieser Scheibe aus dem geistigen Auge zu kriegen, bekommt man mit „Sonic Mass“ ein Album, wie man es nicht alle Tage bekommt. Eines, bei dessen Entstehen spürbar auch auf das Gesamtkunstwerk Album geschaut wurde. Alte Recken verwirklichten sich hier noch mal selbst und hatten es dabei nicht nötig, irgendwelchen Erwartungen oder Schubladen, in die andere sie stecken wollen, zu entsprechen.

Heißt: Wer von Amebix aufgrund ihrer Legende jetzt noch mal spartanisch inszeniertes Crustgepolter haben will, ist hier falsch. Wer gute, eigensinnige Metal/Rock-Songs mit Eiern und tatsächlich alternativem Anklang zu schätzen weiß, der wiederum kann sich glücklich schätzen, mit „Sonic Mass“ eines der geilsten Alben des Jahres zu begrüßen. Da kann auch der etwas irritierende KJ-Klonlabor-Faktor nix dran rütteln. Ich jedenfalls bin davon gerade ziemlich begeistert.


Krasse Randnotiz: Roy Mayorga, den neuen Drummer des Trios, kennt man nicht nur von der Crust-Legende Nausea, sondern der Gute steht auch im Dienst von Stone Sour, bzw. stand ferner schon in dem von Soulfly, Sepultura, Dave Navarro und Roadrunner United. Also kein Wunder, dass die Scheibe so tight knallt …

Konzertwochenendenbestandsaufnahme

Was für ein seltsames, fast frustrierendes, am Ende aber doch etwas versöhnliches Wochenende.
Freitags wollte ich eigentlich ins Dortmunder Schauspielhaus, wo im Rahmen von Paul Wallfisch’s Musiksalon „Small Beast“, dem ich einst schon in Manhattan beiwohnte, die Enablers und Insect Ark spielten (zweiteres ein neues Soloprojekt von Dana Schechter, bekannt durch Bee & Flower und Angels of Light). Allerdings gibt es bei dieser gerne ausverkauften Eventreihe per se keine Abendkasse und ich verpeilte es, mir noch im Vorfeld eine Zugangsberechtigung zu verschaffen.
Letzteres versäumte ich auch beim Samstag stattfindendem Melvins-Konzert in Köln, das schon Wochen vorher (!) ausverkauft war. Verrückt.

Freitag dann also als Ausweichplan in einer Bank der Bochumer Christuskirche beim „Denovali Label Evening“ chillen. Was langsam ein regelmäßiges Ritual wird, aber mir soll’s recht sein. Das eröffnende Duo SANKT OTTEN gefällt mit gehörig krautrockigen Vibes (Neu!, Tangerine Deam) und einem E-Schlagzeug, das immer wieder mal auch tatsächlich elektronisch klang. Am besten gefiel mir eigentlich sogar die Nummer, die mit Piano (anstatt Gitarrengedrone) und Bollerbeat was triphopiges hatte. Allerdings war man sich nie so sicher, wieviel dabei dann noch zusätzlich aus der Konserve kommen mag …
Der Headliner BLUENECK ist eine Band vom Schlage wie Her Name Is Calla: Ihr Postrock ist kein instrumentales Orchestralarrangement, sondern eher herbstlich-melancholische, emotionale, alternative Pop/Rockmusik mit tiefer Atmosphäre, dichter instrumentaler Umsetzung und gelegentlichen Ausbrüchen ins lautere. Die Truppe aus Bristol in der stilistischen Gegend von Mogwai und Sigur Rós zu sehen ist bestimmt nicht gänzlich falsch, aber ich meine das an dieser Stelle auch mal eher positiv, wenn ich sage, dass das hier durchaus einen etwas konventionellerem Anker hat, der sich auch bei Muttern festsetzen könnte. Gute Band. Fanden auch die zwei, die im Kirchengang rumzappelten, als wären sie auf irgendwas drauf.

Postrockig gings ins Wochenende rein, postrockig gings aus dem Wochenende wieder raus. Das „VISIONS WESTEND“ Indoor-Festival bot mir persönlich dieses Jahr ja nicht so viel. Die in diesem Leben schon gefühlt hundert mal gesehenen Sick Of It All sind für mich ja so ein schon etwas zu abgelutschter Drops und Therapy? brauche ich mit dieser „wir spielen für ein mal im Jahr vor die Tür gehende Nostalgiker noch mal unser über 15 Jahre altes Hitalbum“-Nummer auch nicht unbedingt.
Sonntags allerdings standen MOGWAI an, die ich mir bei der Gelegenheit dann mal geben wollte. Als erste Vorturner durften die leichten Lokalheldenbonus habenden LONG DISTANCE CALLING ran, die nach wie vor den Grenzgang zwischen Soundtrack-haften Instrumentalkompositionen und Rock’n’Roll-Show ganz gut hinbekommen. Aber Leute, dieses Gehabe, als Instrumentalband zwischen jedem Song mit irgendwelchem „Ey, danke, voll geil, Dortmund! Der nächste Song…“-Gesabbel die Fresse aufmachen zu müssen ist total unpassend.
Wie Ansagen gehen, das zeigten danach mal wieder BOHREN & DER CLUB OF GORE. Denn ich lag zwei mal auf dem Boden. Ansonsten funktioniert das Ganze mit stockdunkler Bühne in einer Riesenhalle natürlich nicht soooo gut, nett anzuhören war es aber dennoch.
MOGWAI? Ja, interessant. Die Briten sind ja irgendwie ihr ganz eigenes Genre. Krude und beeindruckend. Kann man mal machen, auch wenn ich es fast schon etwas befremdlich finde, solche Musik auf einer so großen Bühne zu sehen. Manchmal siegt das Gute wohl dennoch.

Allerdings: In was für frechen Regionen sind die Getränkepreissteigerungen im FZW denn eigentlich inzwischen angekommen?

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Hm.

Was soll man eigentlich davon halten?

"If things were different, if Mieszko hadn't died, Nasum would have celebrated its 20th anniversary in 2012, believe it or not. Therefore, and after long deliberation and scrutiny, we have decided that it's now or never: Nasum will do a handful of shows and festival gigs around the world in 2012 - to celebrate our anniversary, say a final goodbye to the fans and Mieszko.

No cheesy reunion, no new albums, no epitaph for Mieszko. We will play only a few cities and festivals in a limited number of disruptive, unruly concerts.

It will be a total blast, and we aim to go out hard. Just you wait.

When lead singer Mieszko Talarczyk disappeared and died in the devastating and tragic tsunami of 2004, Nasum instantly ceased to exist. As the band's voice, producer and one of the main songwriters, Mieszko was a vital part of Nasum's bloodline. When he passed, all plans for tours and recordings were abruptly stopped. Nasum died when Mieszko died, and the rest of the band members went their separate ways.

But in the years that passed, the feeling that everything had been left unfinished lingered with the rest of us. Suddenly seven years had passed, and we realized it was time for closure; for us, the band and for the fans. With our anniversary coming up it felt like a perfect time to end Nasum the way it was supposed to - exploding in a ferocious, blasting frenzy, not wither away at the mercy of tragedy. And finally we are ready, able and totally fucking charged, so expect something over the top. The shows will be a varied, intense mix of the best songs from this colossus of grind.

To handle vocal duties on the upcoming shows we have asked Keijo Niinimaa, vocalist in Finnish grind faves Rotten Sound, to join us. They were always close friends of Nasum, and while Keijo's plagued screams won't replace Mieszko, they will add a crippling viciousness to the shows. On a few occasions, we might ask a few other close friends of Nasum to do some vocal sessions. Who? Wait and see!

Note this: if you ever wanted to see Nasum blast shit to bits, this is your last and only chance.

Anders Jakobson - drums
Jesper Liveröd - bass and low vocals
Jon Lindqvist - guitars and low vocals
Urban Skytt - guitars
Keijo Niinimaa - vocals"

Montag, 24. Oktober 2011

Deathgrind in Oberhausen

Ganz schön was los in der Gegend auf einem Samstagabend. Im geschätzten Essener Turock finden sich Ghost Brigade, A Storm Of Light und Intronaut ein. Im benachbarten Oberhausen nicht nur Orchid – die Doom-Orchid, nicht die Hardcore-Orchid - mit einem Rattenschwanz mir unbekannter Vorgruppen im Helvete, sondern auch noch im Kulttempel (Ex-„Saint“) EXHUMED und CEPHALIC CARNAGE. Die Wahl fiel nicht schwer, denn die Stoner- und Sludge-Übersättigung der letzten Zeit ließ mich dann ja doch mal wieder Bock auf Blastbeats haben. Also ließ ich sowohl das Package der eher mittelmäßgen und unspannenden Bands mit „Post-Metal“-Note im Turock, als auch den „so nah an Black Sabbath, dass nur eine Coverband noch näher dran ist“-Retrosound-Doom von Orchid liebend gerne dafür links liegen, endlich mal wieder CEPHALIC CARNAGE live zu sehen, denn ich liebe CEPHALIC CARNAGE. Auch wenn ich sie zugegeben nicht gerade oft von Konserve höre, sind ihre Gigs jedes mal wieder ein unglaubliches Fest, von dem ich mit einem zufriedenen Grinsen nach Hause gehe.

Doch der Reihe nach. Aufgrund meiner recht großzügig getimeten Anreise verpasste ich den lokalen „Special Guest“ in Form von PHOBIATIC, bei denen Ex-Ex-JaKa-Gitarrist Robert mitmacht. Sorry, Leute. Nächstes mal.

WOUNDED ENTRAILS erstaunen dann aber. Die Typen sind so jung (und machen sogar selbst ein Witzchen über diesen Umstand), dass der Gitarrist aussieht, als dürfe er so spät Abends gar nicht mehr vor der Tür sein. Aber spielerisch fit war der Junge, alter Schwede. Überhaupt wissen WOUNDED ENTRAILS mit einer stimmig Groove- und Gniedel-durchsetzen, zeitgenössisch brutalen Death Metal-Mixtur souverän zu überzeugen. Sehr gut, wirklich. Was ich allerdings manchmal nicht so ganz verstehen möchte, ist die in dieser Ecke oft vorzufindende Masche, spieltechnischen Irrsin bei furchtbar böser Grunzmusik eher so lbisschen ockerleicht-humorig rüberzubringen.

Wobei das eigentlich allerdings die perfekte Überleitung zu CEPHALIC CARNAGE ist, sind jene doch trotz spieltechnisch mitunter wahnsinniger Deathgrind-Brutalität die reinste Comedy-Band. Selbst wenn man es schon ein paar mal gesehen hat, macht ihre extra albern inszenierte Parodie-Nummer ‘Black Metal Sabbath‘ immer noch Spaß, genauso wie der Song, der als Kontrast zum komplexen Gebretter a la ‘Endless Cycle Of Violence‘ eher so ins sludgeig-rockige geht.
Schade ist jedoch, dass Gitarrist und Mitbegründer Zac Joe mittlerweile nicht mehr mit von der Partie ist, gab sein wildes Gehampel der Performance der Truppe in der Vergangenheit doch irgendwie noch das I-Tüpfelchen. Der neue im Boot macht da im direkten Vergleich mal keine allzu gute Figur. Allerdings fehlte ebenfalls der gewohnte Basser mit dem Sechssaiter auf dieser Tour, und dessen (vorrübergehender?) Ersatz entpuppte sich an diesem Abend als größter Clown, den man je gesehen hatte. Abgerundet wird das ulkige Gesamterscheinungsbild natürlich durch Frontmann Lenzig Leal, der nicht nur mit ein bisschen grau im Bart inzwischen aussieht wie der kleine Bruder von Tom Araya, sondern auch noch durch Weisheiten der Marke „Wir sind gerne in Deutschland … weil es so nah an Holland liegt“ (CC sind bekennende Kiffköppe –Anm.d.Verf.) und ausgiebig das Thema Masturbation involvierenden Ansagen glänzt.
Abgesehen davon, dass ich durchaus gerne mal wissen würde, was genau da Line Up-mäßig eigentlich los ist – Hammer Gig! CEPHALIC CARNAGE ist echt so eine Band, die ich mir ohne Ermüdungserscheinungen wirklich immer wieder geben kann.

Was ich zu den headlinenden EXHUMED so ja eher nicht sagen möchte. EXHUMED sind keine schlechte Band. Als ich in der Phase war, in der ich meine Fühler erstmals verstärkt in Richtung Grindcore und Extrem-Metal ausstreckte, war das durchaus ein Name, der damals auch schon, obligatorischerweise via Relapse Records, mit dabei war. Wenn man sie allerdings (nach einem Clubgig mit Atheist und Macabre im Frühjahr, sowie zwei Open Airs diesen Sommer) zum vierten mal innerhalb eines Jahres, und dann auch noch in Headliner-Länge sieht, kommt der doch sehr straighte „Gore Metal“ der Truppe dann ja doch etwas eindimensional. Nix gegen eine ungestüm auf dem Punkt rausgeknallte Thrash/Death/Grind-Mixtur, aber das ganz große Spektakel mit herausragendem Songwriting-Gespür ist das für mich persönlich ja eher nicht. Die Band selbst kann da natürlich nichts für und ich muss auch schon zu Protokoll geben, dass sie mächtig Alarm machte und beim restlichen Publikum super ankam und mitriss.
Von daher: Netter Abend! Nur leider doch verhältnismäßig mäßig besucht …

Freitag, 21. Oktober 2011

Dub Trio

… haben übrigens kürzlich in der Essener Zeche Carl ein wirklich tolles Konzert abgeliefert, und es ist mir absolut schleierhaft, warum diese „Postrock-kompatible“, instrumentale Mixtur aus dickem Metal/Rock-Geriffe und psychedelischen Passagen – bei Rockmusikfreunden eher unpopuläre Reggae/Dub-Anleihen hin oder her – trotz Patton-Unterstützung noch nicht mehr Anhänger gefunden hat. Was soll das? Wieso kommen da nur so wenige Leute? Warum mögt ihr diese arschfettestens rockende Band nicht?

Allerdings muss ich zu ihrem neuen Album „IV“ leider zu Protokoll geben, hier keinen Überknaller serviert zu bekommen. Die Produktion ist sogar einen Tacken weniger satt als beim Vorgänger und weist gelegentlich seltsame Anachronismen auf, wie z.B. Riffs, die wie durch den Früh90er-Samplefleischwolf gedreht mal eben dazwischengespuckt werden, oder eine Wobblebass-Nummer, die etwas zu sehr nach „Rockmusiker versuchen sich an Dubstep und können es sich nicht verkneifen, das bereits gestrig anmutende Ergebnis auch unbedingt mit aufs Album nehmen zu müssen“ klingt.
Was nicht heißen soll, dass „IV“ schlecht ist, oder dass ich mir das darauf gebotene nicht trotzdem ganz gerne mal anhöre. Aber State of the Art geht irgendwie anders, und das muss man trotz aller Sympathie auch mal eingestehen können.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Rundumschlag

# Eine Band, über deren Namen ich in letzter Zeit öfter mal gestolpert bin, sind THE MIRE. Deren aktuelles Werk ich nach wie vor nicht kenne, allerdings habe ich mal in ihr 2-Song-Demo „Volume 1“ reingehört, das man frei herunterladen kann. Geboten wird Musik, die durchaus dem Groove-betonten harten Zeitgeist entspricht, dabei allerdings eher der „(Post-)Hardcore“- als „Sludge-Metal“-Ecke zugerechnet werden muss. Ich fand’s nicht schlecht, allerdings ist mein Interesse daran, diese Band weiter zu verfolgen eher gering, was wohl u.a. auch an den Vocals (hier Gebrüll, dort Klargesang) liegt.

# „Zeitgeistige Hartgroove-Musik / kenne die aktuelle nicht, habe aber mal was älteres gehört / scheitert irgendwie mit an den Vocals“ zum zweiten: Die neue THE ATLAS MOTH wird an einigen Stellen als eines der besten Alben des Jahres gehandelt. Was nicht verwundert, bürgt das Label Profound Lore bekanntlich für Qualität und Originalität. Die Songs, die man von einem älteren Album der Sludge/ Psychedelic Metal-Combo auf lastfm streamen kann wussten bisher aber nicht wirklich meine Neugier auf weiteres Material der Band zu steigern.


# Eine Band, die ich bisher vernachlässigt habe, aber diesen Winter vielleicht doch noch mal nachholen werde, sind DEAFHEAVEN. In den USA gerade mit Russian Circles auf Tour, betitelt manch einer die Kapelle verächtlich als Hipster- und Beardo-Kram, aber wenn wir Wolves In The Throne Room, Altar Of Plagues und Tombs hörenden Zeitgenossen mal ganz ehrlich sind, ist episch arrangierter Quasi-Black Metal mit Shoegaze-Kante doch genau unsere Kragenweite, oder? Also, es gilt noch „Roads to Judah” von DEAFHEAVEN vielleicht mal zu checken.

# Apropos RUSSIAN CIRCLES. Deren neue kann man hier streamen (wenn einem die Gema nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen sollte). Ich schiebe das bei der aktuellen Fülle guter und interessanter Veröffentlichungen wohl erst mal nach hinten …


# Der Vollständigkeit halber: Gratis-Download-EP von IMMOLATION.


# Noch diesen Monat neu am Start: Je ein frisches Album von den kanadischen Female Fronted Grindcorelern FUCK THE FACTS und den Blackened Sludge Metal Prolls WOLVHAMMER. Erwartet wird zumindest solide Knüppelkost, die man im Haushalt durchaus gebrauchen kann. Ferner erbarmt sich gerade ein deutsches Undergroundlabel, ALDA eine Vinyl-Veröffentlichung ihres neuen Albums zu gönnen, das abseits einer Tape-Auflage bisher wohl nur im Netz kursiert …

# Immer noch nicht gehört: Die neue AMEBIX. Wie ist die denn so?
Eine neue BLACK COBRA ist auch gerade raus. Allerdings glaube ich, dass das schlichtweg keine Band ist, von der man/ ich wirklich jedes Rumpelboller-Album kennen muss.
Außerdem wollte ich schon länger in OBAKE reinhören, eine Avantgardekrach-Kiste, bei der ZU-Basser Massimo Pupillo involviert ist, aber es gibt einfach zu wenig Zeit für zu viel gute Musik …

# Etwas, das ich inzwischen eher noch immer weniger verstehe, anstatt langsam vielleicht mal in Ansätzen, ist übrigens dieser Hype, der um THE DEVIL’S BLOOD gemacht wird (siehe CD-Beilage im aktuellen RockHard). Und das sage ich als jemand, der bekennenderweise Jex Thoth und Sabbath Assembly mag, und der seine Hausaufgaben in Bezug auf Coven’s „Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls“ gemacht hat. Aber warum sich Typen mit antikosmischem Black Metal-Fimmel nur aufgrund eines passenden Drumherums mit Satan und Kunstblut diese schnarchige Retrorock-Popmusik reinsaugen müssen, ist mir dann ja doch ein ziemliches Rätsel. Die gleichen Leute erzählen einem auch wie toll, speziell und interessant Bands wie Urfaust, Verdunkeln, The Ruins Of Beverast, oder Deathspell Omega sind (was ja in der Sache nicht falsch ist), obwohl sie ansonsten harter Musik mit progressiver, experimenteller oder sonst irgendwie abseitiger Kante nur mit Ablehnung begegnen. Aber Hauptsache, der Patronengurt sitzt. Fuck off, Ihr Klischeefiguren!