Dienstag, 28. Dezember 2010

JaKa - Schluss

Seit einigen Tagen ist die News raus, dass JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE sich auflösen, und ursprünglich wollte ich dazu noch so eine Art Nachruf bloggen. Alleine aus einer gewissen Eitelkeit, schließlich kann und möchte ich mir auf die Fahne schreiben „very early adopter (i.S.v. früher Entdecker)“ und seitdem „langjähriger Supporter“ dieser ungewöhnlichen Band gewesen zu sein. Aber wisst hier was? Hier und jetzt noch mal einen halben Roman lang die gesamte Biographie der geschätzten Kapelle auszubreiten (was, gemessen an den ganzen Reviews und Interview-Stories, die ich über diese Band an verschiedensten Stellen über die letzten 10 Jahre verfasst habe, beileibe nun wirklich nicht das erste mal wäre), dazu habe ich jetzt gerade ganz ehrlich gesagt schlicht und ergreifend keinen Bock.
Deswegen geht hier an dieser Stelle einfach nur ein Gruß an Kather, Klaus, Bony und ihre weiteren, über die Jahre schon mal ausgewechselten Mitstreiter raus: Jungs, war geil mit Euch! Danke für viele geile, noch heute begeisternde Songs, viele unsterbliche Liedtexte, einige mitreißende Konzerte und die eine oder andere doch recht amüsante Randnotiz.
Abflussbestattung ...

Versäumnisse und Resterampe (Update!)

Eigentlich dachte ich, das Jahr ist veröffentlichungstechnisch jetzt mal durch, aber eine mehr oder minder essenzielle Sache habe ich nach wie vor nicht im Player: ELECTRIC WIZARD. Irgendwo las ich, dass deren aktuelle Scheibe „Black Masses“ auf der Mitte zwischen der relativ poppigen „WItchcult Today“ und der ziemlich schroffen „Dopethrone“ angesiedelt sein soll. Zwei Alben, die ich in letzter Zeit öfter mal gehört habe, und ja doch sehr gerne mag. Wisst Ihr was? Vermutlich mache ich mir das Album zeitnah noch selbst zum Weihnachtsgeschenk. Passt ja mit seinem „okkulten“ Motto dann auch sehr gut dazu.

Weiterhin: Alben aus 2010, bei denen man als alternativmetallischer Krachfreund vielleicht mal ein Ohr riskiert haben sollte, die bei mir aber aufgrund mangelnder Kapazitäten und anders gelegener Prioritäten bisher durchs Raster fielen:
BLACK SUN - Twilight Of The Gods
GNAW THEIR TONGUES - L'Arrivée De La Terne Mort Triomphante
LOCRIAN - The Crystal World
NAILS - Unsilent Death
YEAR OF NO LIGHT – Ausserwelt

Von Envy, Alpinist und Panopticon kam auch irgendwas, aber die rannten bisher irgendwie generell vor mir weg, Deathspell Omega sind dann wohl doch nicht so mein Fall, und in der Hardcore-Ecke (Ceremony, Trash Talk, Sick of t All, Escapado, Integrity) komme ich wohl gar nicht mehr mit, habe aber zugegeben wohl offensichtlich auch ein bisschen das Interesse daran bzw. den Bock drauf verloren. Muss man sich dann auch einfach mal eingestehen können.



Update: Okay, YEAR OF NO LIGHT's "Ausserwelt" habe ich dann jetzt doch mal gehört. Jenes ist eines dieser Alben, das ich mir sehr gerne immer wieder mal anhöre, obwohl ich es weder weltbewegend finde, noch wirklich viel direkt dazu zu sagen hätte. Was Bands wie Altar Of Plagues oder Wolves In The Throne Room in der (Post-)Black Metal-Ecke sind, das verkörpern YONL jedenfalls instrumental in der "Post-Metal"- oder "Ambient Metal"-Richtung irgendwo zwischen Doom, Shoegaze und cineastischem Postrock. Episch, laut und atmosphärisch, Songs um die 10 Minuten-Marke, mit ordentlich Verzerrung, schönen Melodien, irgendwo zwischen Red Sparrowes, Mono, Omega Massif, Ufomammut, Cult of Luna und ähnlichem. Wer Musik mag, die was von Soundtracks hat, dabei aber trotzdem danach klingt, mitunter breitbeinig vor Boxentürmen in die Stromgitarren eingerifft worden zu sein, ist hier an der richtigen Adresse. Gutes Album.

Update 2: O.g. Meinungen zur aktuellen ELECTRIC WIZARD treffen tatsächlich zu, ebenso wie die hier und da geäußerte, dass „Black Masses“ zwar ganz cool ist, dabei aber nicht unbedingt eines der allerzwingendsten EW-Alben darstellen dürfte. Ganz putzig fand ich auch den Ansatz im etwas lieblosen RockHard-Review, das der repetitiven Riff-Ausschlachtung und dem schroffen Sound der Truppe einen „nonkonformen“ Charme andichtet. Hier dürfte bei genauerem Überlegen allerdings wohl auch einer der Gründe liegen, warum ich ein „nur solides“ EW-Album aktuell tatsächlich sehr viel lieber höre, als so manch andere Kapelle ähnlicher Stiletikette, die mir mitunter so angepriesen wird – es klingt einfach saugeil, so wie die meisten anderen Stoner und Doomer eben nicht klingen. Ein Album, bei dessen Hören man im Idealfall eine dunkle Sonnebrille tragen sollte.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Montag, 13. Dezember 2010

Der aktuellste Trend

scheint ja tatsächlich zu sein, Leute in den 30ern für einen Nostalgietripp abzugreifen, indem man plakativ den eineinhalb Dekaden alten Zenit des Schaffens erneut ausschlachtet.
Was Slayer damit vorgemacht haben, mal „Reign In Blood“ komplett am Stück zu spielen, hat nun Schule gemacht: Alle Größen von einst kommen auf Tour und spielen dabei ihr Hitalbum von damals. Life of Agony mit ihrem Debüt, Therapy? mit „Troublegum“, Paradise Lost mit „Draconian Times“. Und, ach ja, Public Enemy haben sowas kürzlich auch gemacht. Der Reunion- und Revival-Wahn hat auch von der 90er Alternative Metal-Ecke Besitz ergriffen, und wer sich nie aufgelöst hatte, und somit nicht wie Faith No More eine Reunion feiern, oder wie Kyuss' Garcia den Motto-Showact machen kann, versucht jetzt auf diese Art und Weise noch mal die Hütte vollzukriegen.
Kann man eigentlich noch eindeutiger eingestehen, dass man kreativ und erfolgsmäßig die besten Zeiten hinter sich gelassen hat, und der tumben Meute einfach geballt gibt, was sie sowieso eigentlich nur hören will? Wer kommt wohl als nächstes noch damit? RATM mit dem Debüt? Monster Magnet mit „Powertrip“? Sick of it All mit „Scratch the Surface“? Samael mit „Passage“? L7 mit „Bricks are heavy“? Fugazi kommen auf „Waiting Room“-Tour? Die Breeders spielen „Cannonball“ eine Stunde in der Endlosschleife? Eine „Judgement Night“-Coverband mit Evan Seinfeld, Page Hamilton, Dave Lombardo, Jam-Master Jay, Ice-T und B. Real? Ich bin gespannt.

kurz notiert

1,) Bei einer der letzten Shows des Jahres (1-2 habe ich noch im Kalender) haben MUNICIPAL WASTE, RAMMING SPEED und SAVIOURS allesamt voll und ganz überzeugt. Ja, selbst letztere mag ich inzwischen ein bisschen, auch wenn ich diese Bollertruppe mal wieder eher nicht zu Hause auf Konserve hören muss.

2.) Auf Konserve langsam doch interessant wiederum, wohl auch wegen dem Live-Erlebnis kürzlich, finde ich bei genauerer Betrachtung dann doch mal BISON B.C.! Ich möchte zwar nicht behaupten, dass deren aktueller Longplayer „Dark Ages“ zu den essenziellen Must Haves des Jahres gehört oder sowas, aber trotz anfänglicher Skepsis ist wohl generell ein bisschen mehr (meinetwegen „Substanz“) an dieser Band dran, als ich bisher sehen wollte. Irgendwas stört mich zwar an der etwas identitätslosen, fast schon zu trockenen Standardproduktion der Scheibe, grundsätzlich bin ich dem Sludge-Thrash der Kanadier aber doch recht zugeneigt.

3,) Ein interessanter Blogpost bei „Ask Earache“ (Link) - vor allem auch die Anekdote über Cubanate.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Vorsatz fürs kommende Jahr

„More Rock, less Bullshit“ - oder auch: Einfach mal wieder selbst mehr Musik zu machen, anstatt sich die ganze Zeit so viel und so bierernst mit der von anderen zu beschäftigen.

2010 neigt sich dem Ende. Und die letzten zwei Jahre habe ich hier immer konsequenter die interessantesten Neuerscheinungen aus Ecken wie „Progressiv-Krach, Alternative Metal, brutales Geknüppel, atmosphärischer Lärm und artverwandtes“ zwecks Analysen regelrecht gejagt, immer öfter auch besuchte Events resümiert, usw., usw. … dass es inzwischen eigentlich schon das Ausmaß einer zwanghaften Gewohnheit angenommen hat. Nein, liebe Leser (ja, alle drei: Hallo!), keine Angst, dieser Blogpost soll nicht auf die Ankündigung hinauslaufen, dass ich hier jetzt komplett dichtmache, bzw. nie wieder irgendwo irgendwas über Musik schreiben möchte oder werde oder so. Aber zumindest ein quantitativ merkbares Herunterschrauben meiner Aktivität im Rahmen dieser Blogseiten sieht momentan mehr als wahrscheinlich aus. Einen definitiven Grund oder Auslöser dafür gibt es eigentlich nicht, aber sagen wir es mal so: Der Umstand, dass ich seit kurzem selbst wieder musiziere - und dadurch nun die eine oder andere Stunde Freizeit, sowie den einen oder anderen Euro sicherlich nur zu gerne eher in dieses reaktivierte Hobby fließen lassen werde, anstatt dahin, unbedingt jedes neue Album vom Sludgecore-, Postrock- oder Black Metal-Hype der Stunde gehört und als Szenechecker und Amateurwarentester meine Meinung dazu zeitnah ins Internet rausposaunt zu haben, oder uninteressante Eindrücke jedes Festivalbesuchs festhalten und veröffentlichen zu müssen – wird vermutlich ein paar Prioritäten bei meinen Aktivitäten und Interessen verschieben, um es mal so zu sagen, und das zu einem vielleicht gar nicht mal so schlechten Zeitpunkt (Gott, bin ich ein Schachtelsatzspasti!).
Das soll, wie gesagt, nicht heißen, dass ich mit irgendwelchen Reviews zu Musik-Veröffentlichungen und –Veranstaltungen zukünftig generell komplett hinterm Berg halten werde, oder allgemein keine Lust mehr aufs Schreiben habe, aber aus u.a. o.g. Gründen zumindest an z.B. Frequenz und Format meines Geblogges bewusst was zu ändern, halte ich gerade für eine gar nicht mal so schlechte Idee. 2011 wird auf jeden Fall irgendwas anders.

(ps - Zitat: „Blogs sind nicht dazu da, gelesen zu werden, sondern geschrieben worden zu sein.“ Dass das eigentlich sowieso kaum jemanden interessiert, ist mir natürlich vollkommen klar.)

Dienstag, 7. Dezember 2010

Bison und so ...

Der Verfasser dieser Zeilen war schon wieder auf einem Konzert. Einem mit relativ bunt gemischtem Billing, was er grundsätzlich immer ganz angenehm findet.
Dass ich an diesem verschneiten Abend in Essen den Namen der Vorband nicht mitbekommen habe, tut mir leid. Aber Jungs, Ihr wart ganz okay. Geboten wurde irgendwas zwischen Hard- und Sludgecore, mit 'ner ordentlichen Brise Crowbar und fast schon etwas Death'n'Roll-Flair. Für'n Anheizer absolut in Ordnung.
Was die mit vom Headliner geborgten Aushilfsdrummer auftretenden KVELERTAK betrifft, so stehe ich diesen nach dem dritten mal inzwischen schon etwas ambivalent gegenüber. Klar, das ist halt Partymucke mit Geschrei, Szene-übergreifend ankommender Black'n'Roll-Popcore, bei dem man eigentlich begrüßen sollte, dass auch sowas mal Anklang in Kreisen findet, in denen man sonst eher zu den Beatsteaks abhottet. Aber nun ja. Bei meiner im Alter zugegeben seit einigen Jahren immer schlimmer werdenden pseudo-avantgardistischen „Es soll knallen, aber bitte auch originell sein“-Musiknazi-Eigentümlichkeit meine ich, langsam mal aus Bands rausgewachsen zu sein, bei denen Mitklatsch-Spielchen und ähnliches an der Tagesordnung sind. Naja, ich will nichts schlechtes über KVELERTAK sagen, aber dass das mit uns eher nur so eine Sache für einen Sommer wird, bis der Szenechecker sie wohlwollend an die breite Festivalmasse weitergibt, das zeichnete sich ja vorher irgendwie schon ab ...
Positiv überrascht war ich auf jeden Fall vom BISON B.C.-Auftritt danach. Ja meine Fresse, dieses Quartett aus Kanada ist ja on stage tatsächlich inzwischen eine absolute Offenbarung in Sachen wuchtiger Sludge-Metal geworden. Was auf Konserve (für mich) irgendwie nach wie vor noch nicht in voller Konsequenz funktioniert (was mitunter auch an der Produktion liegen mag oder so), entfaltet sich live vollkommen zu einer ziemlichen Macht. Der in irgendeinem Review mal gebrachte, damals von mir als unpassend empfundene Vergleich mit Mastodon ist so falsch gar nicht – denn wenn man von jenen zu „Remission“-Zeiten mal das verfrickelte subtrahiert und etwas mehr Thrash mit HC-Kante draufpackt, bekommt man in der Tat ungefähr das, was BISON B.C. machen. Sehr, sehr geile Show, wirklich. Wohl ein weiterer Fall auf der „die Alben muss ich irgendwie nie hören, live wird aber definitiv wieder hingepilgert“-Liste.
Was COLISEUM betrifft, so sind jene mit ihrem Hardcore-Punk wohl einfach nicht ganz mein Ding, für so einen Konzertabend aber eine kurzweilige Sache. Zum Schluss gabs außerdem noch ein Danzig-Cover, bei dem alle Bands zum diesen Abend zu feiernden Tour-Abschluss noch mal geschlossen abrockten, bierduschten und crowdsurften, und das war doch irgendwie als furios spaßiges Finale ganz knuffig mit anzusehen.
Fazit: COLISEUM ‘ne ganz nette Sache, auch wenn ich sie nicht unbedingt bald wieder sehen muss, KVELERTAK halt das richtige für die Partylaune, auch wenn ich die nach dem dritten mal in einem Jahr jetzt ebenfalls erst mal so bald nicht schon wieder sehen muss, und BISON B.C. eine ziemlich fette Angelegenheit, die man weit mehr auf dem Zettel haben sollte, als ich bisher eingestehen wollte.

Burning the Altar!

YOB performs "Burning the Altar" at Scion Rock Fest 2010. For more information and content visit us at scionav.com.
Wat ‘ne Macht diese Band ist, ist kaum noch in Worte zu fassen.


Montag, 6. Dezember 2010

Urfaust - Der freiwillige Bettler

URFAUST phrasendreschend als „ungewöhnliches Underground- Phänomen“ oder sowas zu titulieren wäre so falsch nicht. Die niederländische Duo-Formation hat ihre Wurzeln fest in der Black Metal-Szene, frönt aber ihrem ganz eigenen Ding. Jenes kann mal in doomigen Schrammelrock, manchmal mit schon antik-folklorisch anmutender Gesangsmelodie ausarten, dabei in der Melodieführung auch schon mal regelrecht schön tönen (man höre z.B. den Song von Ihrer Split mit Joyless), einem wannandermal eher als derbe Verzweiflungshymne mit Burzum’schen DSBM -Qualitäten schwer im Magen liegen (z.B. 'Verderber‘ auf dem „Einsiedler“-Minialbum), oder gänzlich in Experimente mit Noise-/Ambient-/Drone-Charakter abdriften (wie auf der „Drei Rituale jenseits des Kosmos“ EP).
„Der freiwillige Bettler“ heißt ihr kürzlich auf die Menschheit losgelassener, dritter Longplayer. Und das allgemeine Interesse an dieser Band ist inzwischen auf einmal so groß, dass Ván Records gerade wohl kaum noch mit dem verschicken der Platte nachkommen. Zum richtigen Zeitpunkt, denn mit diesem Release zementieren URFAUST, was sie ausmacht.
Dabei sind die ur-typischen Trademarks natürlich wieder dabei. Dieses kauzig-schunkelige Flair kommt immer wieder mal durch, 'Das Kind mit dem Spiegel‘ z.B. ist einer dieser Songs, an dem die oben erwähnte Schlagseite ins emotional derbe durchkommt, es wird auch hier oder da wieder mal ein richtig harmonischer Melodiebogen aufgefahren, und „Der hässlichste Mensch‘ erinnert mit seinem bedrohlichen Grunddröhnrauschen an die klangliche Marschrichtung der „Drei Rituale jenseits des Kosmos“.
URFAUST verstehen es dabei vor allem wie keine zweiten, mit einem äußerst schroffen Gitarrensound, hintergründigen Keys, in voller Konsequenz „instrumentalisierten“ Vocals, und minimalistisch auf dem Punkt treibenden Drumming einen dichten Gesamtfluss an Sound zu erzeugen, der in hypnotisierendem Maße packend und vor allem etwas völlig eigenständiges ist.
Gutes Album, interessante Band, und kein Wunder, dass URFUAST gerade angefangen haben, über undergroundige (Black) Metal-Kreise hinaus stattzufinden.
Was letzteres betrifft: Liebe Schwarzmetaller-Basis - tut mir ja echt leid für Euch, aber Ihr habt diese Band jetzt wohl nicht mehr für Euch alleine. Eine so originelle Sache konntet Ihr aber nun wohl auch wirklich nicht ewig geheim halten, sorry.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Zwei Tipps

...die nicht von mir direkt kommen, sondern die ich mir mal wieder von Autor Warren Ellis abgeguckt habe. Zwar sind die musikalischen Gemeinsamkeiten zwischen dem geschätzten Briten und mir eher gering, da wo man sich auf der Mitte trifft, hat der Undergroundkultur- und Avantgarde-interessierte Ellis aber doch immer wieder mal ein paar interessante Sachen am Start.

- „Nema Reve“ heißt die 4-Song-Veröffentlichung eines Projekts namens Thirsting Quench and the Captains of Industry, das sich zwischen sowas wie Postrock und Neu!‘scher Kraumotorik bewegt. Sollten Freunde von Maserati und artverwandtem vielleicht mal checken.
Streamen und kaufen kann man dasTeil hier.

- Wer es mit elektronischem Krach hat, für den könnten Nomadic War Machine was sein - die 12 Tracks des Debüts „I Have A Gun. Give Me All The Money In The Register.“ sind irgendwo zwischen Industrial/Noise, Trip Hop/Downtempo und Breakcore angesiedelt. Streamen und käuflich erwerben kann man das Ganze hier, eine 128k-Version des Albums ferner für lau auch hier ziehen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Superstar

Witziges Netzfundstück! Pink Floyd wird ja bekanntermaßen nachgesagt, dass sich einer ihrer epischsten Songs überraschend synchron zu einer bestimmten Filmsequenz verhält, weiterhin ebenfalls ein ganzes Album von ihnen zu einem ganzen Film. Für Freunde derartiger Zufälle hat neulich jemand noch was amüsant-interessantes aufgetan: Wenn man zu einer Nummer aus „Jesus Christ Superstar“ den GODFLESH-Song „Anthem“ spielt, passt das ebenfalls überraschend gut übereinander – vor allem ab ca. 03:30 lohnt es sich mal hinzugucken (mit einem ziemlich gut passenden Übergang bei 04:00 und einem richtigen Schmunzlermoment bei 4:25):

Dienstag, 30. November 2010

speak the language of rhythm

UNFOLD - die Schweizer, nicht die Amerikaner -haben ewig gebraucht, sich zu einer neuen Albumaufnahme wieder zusammenzuraufen. Während ich auf das Produkt immer noch warte wie vermutlich tatsächlich kein anderer, kann man sich zumindest ein Video ansehen, in dem die Drums dafür in einer alten süddeutschen Kirche aufgenommen werden, um dem Ganzen ein organisches, interessant nachhallendes Klangbild zu verpassen. Das ist mal 'ne geile Idee und was anderes.


UNFOLD | Myspace Music Videos

Burden

Okay, zugegeben. Eigentlich habe ich von BURDEN (den deutschen, nicht den finnischen oder amerikanischen Burden) nur mal hier und da 'n einzelnen Song gehört (einen davon kann man z.B. hier runterladen), aber ich bin nun mal so gepolt, dass ich es gerade bei (harter Gitarren-)Musik nicht schaffe, mit meiner Meinung zu irgendwas lange hinterm Berg zu halten. Also muss auch zu BURDEN der Senf raus: Es ist ja interessant, dass die Kapelle über Ván Records veröffentlicht wird, denn das Label ist doch eigentlich primär für schroffen (Graupel), albernen (Truppensturm), bis avantgardistischen und ungewöhnlichen Black Metal (Verdunkeln, Urfaust) bekannt, sowie den Occult Rock Überraschungshype der vergangenen Stunde, The Devil’s Blood.
Das soll ja nicht heißen, dass eine in Stoner/Doom/Sludge Regionen angesiedelte Band da eher nicht mit reinpassen soll, aber aus diesem Umfeld BURDEN serviert zu bekommen, finde ich schon überraschend. Vergleichbare Assoziationen, die diese bei mir wecken, sind dann nämlich primär Bandnamen wie Down und vor allem späte C.O.C., vielleicht sogar Grunge-Helden wie Alice in Chains und Soundgarden, und eher nur ein Hauch als zu viel Crowbar.
Zugegeben, es liegt ja an mir, und die Band kann nix dafür, dass ich 2010 derweil da angekommen bin, wo ich keine Lust mehr auf so eine Art von harter Musik habe, die dann doch eher so ein bisschen „safe & secure“ inszeniert wirkt und nach „Good Clean Family Entertainment“ aus dem Grundkurs-Lehrbuch riecht. Soll heißen: BURDEN sind für mich so eine Band, deren furchtbar heavy abrockender Kram mich (zumindest bei Berührung via Konserve) schlicht und ergreifend nicht so wirklich packt, weil es sich wie wenig neues erzählende Standartrock-Stangenware mit 90er-Nostalgie und auf Nummer Sicher gehender „Dicke Hose“-Produktion anfühlt. Das dreckig verruchte, das eine grob vergleichbare Band wie z.B. Church of Misery ausstrahlt, geht BURDEM dabei wirklich völlig ab. Und ich sage ja nicht mal, dass das was schlechtes sein muss, sondern lediglich, dass man bei mir mit sowas einfach nicht mehr landen kann. Rock’n’Roll hat bitteschön auch ein bisschen dreckig, gefährlich und spontan zu klingen …

Montag, 29. November 2010

grim and frostbitten

Es schneit! Zeit, die IMMORTAL-Videoclips wieder auszupacken:



Freitag, 26. November 2010

Phobia - Unrelenting

Eine von Nordamerikas dienstältesten Grindcore-Bands haut schon wieder das nächste Album raus, das im Gegensatz zu seinen Vorgängern mit 17 Songs dieses mal ausnahmsweise unter 20 Tracks geblieben ist. Übersee schon veröffentlicht, erscheint das Ganze hier kommenden Freitag, und wie immer stellen Relapse Records es komplett bei Plattformen wie lastfm als Stream zur Verfügung.
Dabei scheinen es PHOBIA jetzt mal richtig wissen zu wollen. Die sich, im Gegensatz zu anderen Genre-Vertreten, eh old schoolig am Punk sehende als zu sehr mit Death Metal liebäugelnde Band, die in der Vergangenheit durch Hit-verdächtiges Songwriting bestach, legt mit „Unrelenting“ eine Liedersammlung vor, bei der nur fünf der siebzehn Nummern überhaupt über die 1-Minuten-Marke hinausprügeln! Ein kurzes Vergnügen, aber es ist eins, denn genau so hat das zu klingen. Wer also mal wissen möchte, was eigentlich wirklich Sache ist, der braucht diese Scheibe!

WITTR live

Kleiner Tagebucheintrag zum WOLVES IN THE THRONE ROOM Konzert in Köln: Dass es an der Grenze zu ausverkauft gefüllt sein würde, hätte ich ja nicht gedacht, aber das liegt wohl im Konsenspotenzial der Band begründet. Über Southern Lord veröffentlicht und sogar in Indie-Gazetten gehypet, zieht der ideologisch klischeefremde, atmosphärisch „pure“ Black Metal der Band inzwischen den „richtigen Metaller“ mit Kutte oder Morbid Angel Shirt genau so wie den Beardo-Stoner, während der urbane Hippster, der auch mal dabeigewesen sein will, genau so auszumachen ist, wie die Schwarzmetall-Szenebarbie mit Patronengurt überm schwarzen Minirock mit Pentagramm-Patch dran. Dazu dann auch noch ein nahezu durchgängig großer Andrang am Merchstand, wie ich es selten gesehen habe.
Ein weiteres Phänomen, das mit dieser Szene-Vermengung einhergeht, ist der in letzter Zeit inflationäre Einfall von Geräuschmusik-Experimentalisten, die immer mehr zwischen Eckpfeilern wie Black Metal, Sludge und Post-Irgendwas stattfinden. Denn als Support musste man erst mal HELLVETE hinter sich bringen. Dabei sitzt ein Typ im Holzfällerhemd alleine auf der Bühne und wirbelt mit einem Geigenbogen auf einem Banjo rum, was aus der P.A. dann wie eine einzige Drone/Blackened Ambient Ohrenbluten-Geräuschkulisse waberschneidet. Naja.
WOLVES IN THE THRONE ROOM sind live allerdings über jeden Zweifel erhaben. Klar, könnten sie noch etwas mehr aus der ganzen Sache rausholen, als in ca. einer Stunde vier ihrer überlangen Songs runter zu zocken, aber nun ja – so funktioniert das Spiel bei denen. Über die „stimmungsvolle“ äußere Präsentation mit Kerzendekoration in völliger Dunkelheit kann man sagen, was man will – hier zeigt sich für mich der Unterschied zwischen WITTR und sowas wie Watain, die in der Richtung noch viel mehr Bohia auffahren. Denn da wo WITTR einfach nur in visuell stützendem Ambiente ihr Ding durchziehen und damit packen, hypnotisieren und begeistern, da ist so eine Band wie Watain eben doch nur ein etwas alberner Showact mit wesentlich weniger künstlerischer Substanz, aber dafür halt mit Corpsepaint und Satanistengetue. Jaja, steinigt mich, Ihr trve grim and frostbidden Black Metaller, aber so sehe ich das.
Dass WITTR auf dieser Tour nur als Trio auftreten, nahm übrigens gar nichts weg, denn wer vermisst bei solcher Musik denn eigentlich schon wirklich einen Bass?
Gutes Konzert, gerne wieder. Dann aber bitte vielleicht in einer etwas besseren Location, als auf der viel zu niedrigen Bühne im Kölner Underground.

Mittwoch, 24. November 2010

The Young Gods - Everybody Knows

Eines vorweg: Gerne würde ich an dieser Stelle ja mehr als nur sinngemäß „Joah, die haben auch ein aktuelles Album raus“ zur Kenntnis geben können, aber es ist schlichtweg ein Fall von „Ehre wem Ehre gebührt“ (dass ich diese aktuelle Veröffentlichung hier überhaupt abfrühstücke, obwohl sich meine subjektive Begeisterung in Grenzen hält).
Die YOUNG GODS sind nämlich eine dieser Bands, deren Größenstatus und Bekanntheitsgrad bis heute nicht ihrem allgemeinen Einfluss gerecht wurde. Von Krachmachern wie Sepultura und Ministry bis zu „Mainstream-Popgrößen“ wie David Bowie und The Edge (U2) reicht die Riege an Künstlern, die sich in der Vergangenheit schon von den Schweizern beeinflusst und begeistert zeigten. Auch Fans wie Trent Reznor, Mike Patton oder Devin Townsend dürften jeweils alleine schon ein größere Riege an Anhängern haben, als die von ihnen gerne mal als Inspirationsquelle zitierten YOUNG GODS selbst, die seit Mitte der 80er ihre ganz eigene Stilformel elektronischen Rocks kultivierten. Dabei waren sie nie um Experimente verlegen, und muteten ihrer Hörerschaft über die Jahre u.a. auch reine Ambient-Werke, ein Unplugged-Album und Coverversionen von Kurt Weills „Dreigroschenoper“ zu.
Mit ihrem neusten Album beweisen sie nun mehr denn je, dass sie wohl am ehesten mit min. einem Bein knietief im Jazz stehen, anstatt irgendwie den Dancefloor bedienen oder Krachfetischisten befriedigen zu müssen. „Everybody Knows“ fusioniert elektronische Sounds und akustische Instrumente zu einem entspannt-lebendigen Gesamtklangbild, bei dem man manchmal gar nicht mehr so genau verifizieren kann, was genau rein handgemacht ist oder doch irgendwie aus der Konserve kommen mag. Dabei nähern sie sich stilistisch über weite Strecken stark so etwas wie „Trip Hop“ an. Einen etwas energischer rockenden Ausbruch mit bluesigen Gitarrensoli gibt es auf diesem Album tatsächlich nur ein mal (‚No Land's Man‘), die restlichen Tracks tönen wesentlich relaxter.
Wo auch meine persönliche Crux begründet liegt. Als Soundtrack zum sonntäglichen In-die-Gänge-kommen beim verkaterten Bettfrühstück ist dieses Album nahezu perfekt. Was mich betrifft, so mag ich ein YG-Album wie das inzwischen auch schon wieder zehn Jahre alte „Second Nature“, das an allen Ecken und Kanten mit knallenderer Rhythmik und dröhnenden Waber- und Brodel-Sounds etwas lauter daherkommt, zugegeben halt einfach viel lieber.
Ans Herz gelegt sei diese „Alternative Pop“-Veröffentlichung somit vor allem Freunden neuerer Einstürzende Neubauten-Scheiben wie „Perpetuum Mobile“ und „Silence is Sexy“, sowie vielleicht auch Massive Attack-Fans. Schlecht ist „Everybody Knows“ wirklich nicht. Nur halt einfach nichts, was ich tatsächlich öfter hören müsste …

Montag, 22. November 2010

Thrashfest 2010?

Interessant, wie sich Präferenzen und Prioritäten verschieben. Derzeit tobt die „Thashfest“-Tour over Germany and I couldn’t care less. So sehr ich Thrash Metal als Unterspielart harter Gitarrenmusik und seine alten Helden seit eh und je schätze bis liebe - wisst ihr was? Ich glaube, da werde ich tatsächlich dieses mal eher nicht hingehen. Sieht man von den Suicidal Angels (wer?) ab, habe ich die anderen drei im Bunde (Kreator, Exodus, Death Angel) über die letzten 5-8 Jahre ja bereits bis zu zwölf mal live gesehen. Und seien wir mal ganz ehrlich: Diese „Genre-Größen“ sind gerade dabei, sich selbst zu überleben. Als Exodus 2004 mit „Tempo of the Damned“ wieder auf der Bildfläche auftauchten, hat man diverse Touren und Festival-Auftritte, irgendwann auch den neuen Proll-Frontman und das Nachfolge-Album „Shovel Headed Kill Machine“, ja gerne immer wieder noch mal mitgenommen - langsam ist der Drops aber, nach den nicht mehr ganz so zwingenden Alben der jüngsten Jahre und dem xten mal, das man das aktuelle Line Up der Band das halbe ‚Bonded by Blood‘-Album hat runterschraddeln sehen und hören, ja echt mal gelutscht. Kreator? Nix gegen Kreator. Mal echt nicht. Ich würde sogar soweit gehen, dass die Teutonen-Urgesteine aus dem Revier beileibe nicht nur aus lokalpatriotischen Gefühlen eine gewisse Zeit lang mal in der Liga meiner Lieblingsbands mitspielten. Doch langsam wird’s peinlich. Wer nicht beim diesjährigen Rock Hard Festival war, kann immerhin auf einer Tonkonserve ihres Auftritts dort nachvollziehen, wie redundant bis unfreiwillig amüsant Milles Animationsgekeife inzwischen noch ein Stück weiter geworden ist. Wenn das so weitergeht, tut der sich bald kaum noch was mit Rob Flynn. Gegen die Musik gibt es an sich ja nicht viel zu sagen, allerdings scheint man es ja trotzdem seit einiger Zeit nur noch auf akzentfreie Headbanger-Stangenware anzulegen. Und Death Angel? Death Angel meldeten sich vor einigen Jahren zur großen Freunde der Altmetaller-Gemeinde ebenfalls zurück, aber wenn man hier mal ganz ehrlich ist, haben sie sich dabei in den letzten 5-6 Jahren doch primär erst mal eher als die etwas lascher rockende Groupiemagnet-Mädchenband unter den Thrash-Hausnummern etabliert, als dass Mann da den neuen Kram wirklich bräuchte.
Bevor wir uns missverstehen: Nix gegen eine Band wie Kreator oder Exodus. Zumal ich da selbst seit eh und je das eine oder andere Album im Regal und Merch-Bekleidungsstück überm Stuhl hängen habe, aber das Altthrash-Revival der 00er Jahre ist jetzt echt mal über seinen Zenit. Ich persönlich bin, was diese Kapellen angeht, wohl einfach sehr müde und übersättigt geworden. Jetzt ist echt mal gut, wirklich. Jaja, liegt ja auch an mir ...

Donnerstag, 18. November 2010

Reinhör-Rundumschlag:

TITAN – Sweet Dreams
Eines muss man Relapse Records ja lassen: So sehr man als Musikliebhaber/-nazi/-nerd/-sammler, Hobbytalentscout und virales Trendfrühwarnsystem eingestehen muss, dass dieses grundsätzlich sympathische Label inzwischen in die Jahre gekommen ist, in denen es nicht mehr unbedingt in angenehmer Regelmäßigkeit am laufenden Meter die Kapellen neu auf den Markt haut, die im Bereich "Lärm und Geprügel" frische Akzente setzen - denn, seien wir mal ehrlich: Bands wie Black Tusk oder Cough sind ja eher so ein bisschen "Fähnchen im Wind" - so sehr sind sie auf anderer Ebene dann aber dennoch anderen Labels voraus. Denn wie schon mal erwähnt kann man sich drauf verlassen, dass man aktuelle Relapse-Veröffentlichungen selbstverständlich an mehreren Stellen im Netz ganz offiziell als Komplett-Stream findet.
So auch "Sweet Dreams" (lasftm-link) von TITAN aus Brooklyn, mit Steve Moore von Zombi im LineUp. Jene machen eher unmodernen, epischen, spielfreudigen Prog/Space/Hard Rock, der Erinnerungen an Hawkwind, Yes, Deep Purple und ähnliches weckt. Brauche ich persönlich eher nicht so, aber einen Hinweis war es mir wert.

THE BODY - All The Waters Of The Earth Turn To Blood
Nach dem Review in der aktuellen Ausgabe von Rock-A-Rolla, dem britischen Magazin für die Krach-Gourmets unter den Rock-Freunden, habe ich mir diese Scheibe der schon mal erwähnten Band nun doch mal zugelegt. Bisher nach einer Hörprobe eher unter Doom/Sludge/Drone verortert, liegt der Sachverhalt eher so, dass sich Stilelemente dieser Ecke nervenzersetzend mit Avantgarde-, Industrial- und Noise-Ansätzen (early Swans, frühe Neubauten, Godflesh und Todd lassen grüßen), sakralen Chören und Burzum-artigem Verzweiflungsgeschrei vermengen. Das Album ist jedenfalls einen ganzen Tick experimenteller, eigenwilliger, ungewöhnlicher, partiell auch anstrengender, als ich gedacht hätte. Und ja, das ist erst mal eine gute Sache. Ob das hier der Beginn einer wundervollen Freundschaft ist, oder eben gerade eher nicht, wird sich im Zuge der Langzeitrotation zeigen müssen. Aber auch eine Band wie diese war in solch einer verstörenden Konsequenz wohl einfach mal überfällig.

Was noch?
Eigentlich gefallen mir die Teaser-Songs diverser diesjähriger Profound Lore-Releases wie Man's Gin, Stargazer oder Coffinworm ja ganz gut, dann aber wiederum eben doch nicht sooo gut und bestechend, dass ich mir auch da jetzt noch die Alben von besorgen müsste.
Probiert habe ich es ebenfalls noch ein paar mal mit Ufomammut’s „Eve“. Wieder mit dem Ergebnis, dass ich den grundsätzlichen Ansatz dieses dreiviertelstündigen 1-Song-Stoner Metal-Epos eigentlich ziemlich geil finde, die Italiener irgendwo unterwegs aber etwas am Ziel vorbeirauschen (pun intended).
Bei Lantlôs überlege ich nach wie vor, ob ich der unheiligen ostwestfälisch-französischen Allianz mal zeitnah in Langspielllänge eine Chance geben sollte. Tendiere im Moment aber dazu, dass ich das wohl erst mal eher nicht brauche, wenn ich Altar of Plagues und Enslaved habe ....vielleicht ja später noch.
Ach ja – Im aktuellen RockHard ist als CD-Beilage ein Konzertmitschnitt von Kreator beim diesjährigen RH Festival am Rhein-Herne-Kanal.

Alter Schwede.

Voivod! YOB! Swans! Buzz*oven! Today Is The Day! Godflesh! Shrinebuilder. Soilent Green! Weedeater. Liturgy! Ludicra! Black Math Horseman! The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble! Scorn, Menace Ruine, Sunno))) ... dazu noch die eine oder andere Doom-Legende und die eine oder andere zeitgenössische Sludgedröhn-Combo ...
... langsam nimmt das Billing des kommenden Roadburn Festivals schon beängstigend geile Ausmaße an ...

Sonntag, 14. November 2010

Maserati - Pyramid Of The Moon

Natürlich ist es irgendwie auch schon wieder albern, jeden aktuellen Albumerwerb mit einem Blog-Review zur Kenntnis geben zu müssen, gerade wenn man dazu im Grunde genommen eeeiigentlich nicht mal soooo viel zu sagen hat, und vor allem, wenn das entsprechende Albumreview einem sowas wie „Guckt mal, ich bin gleichermaßen so sophisticated, open minded, und trendbewusst auf der Höhe der Zeit, dass bei mir eben nicht nur Krach von alten Metal- und Alternative-Helden bis zum szenigen Sludgecore- oder Post-Black Metal-Tipp der Woche rotiert, sondern auch noch was voll anderes, eigentlich eher ruhiges mit avantgardistischer Note“ aufs Auge drücken zu wollen scheint. Aber nun ja. Ich mag MASERATI. Einer der Hauptgründe dürfte sein, dass ihre Stilformel instrumentalen Postrocks eine andere ist, als die anderer Genrevertreter. MASERATI legen es nicht wirklich aufs Übliche wie symphonisch inszenierte Melancholie, dicht-psychedelische Nebelwände, oder das Soundwall-Crescendo an. Klar haben auch ihre Song-Aufbauten hier und da Arrangements um Steigerungen, sowie eine ziemlich psychedelische Note, aber doch klingen sie anders. Z.B. driftet einiges von ihnen in regelrechte Krautrock-Motorik ab, scheint eher mit Saiteninstrumenten so etwas wie Sequencer zu imitieren, als ein Stromgitarrenorchester sein zu wollen. Was so weit geht, dass auch hier und da immer wieder mal tatsächlich Eektronik eingesetzt wird. Ihre Musik hat dabei oft eine rasantere Bewegung und auch mehr luftige Zwischenräume, als die anderer Stilschubladen-Hausnummern.
Das aktuelle Album „Pyramid Of The Moon“ ist jedenfalls so ziemlich das geworden, was ich erwartet habe. Diese Erwartungshaltung beinhaltete auch „kein spektakulärer Überflieger, aber ich höre mir das einfach gerne an“, was ebenfalls erfüllt wurde. Mehr als nur weitgehend sind MASERATI ihrem Stil hier treu geblieben. Zum Üblichen schimmert zusätzlich hier und da mal kurz so etwas wie ein Ansatz von (Trance-)Techno durch, und an anderer Stelle hat das Ganze auch schon mal einen Ticken Rock'n'Roll intus. Man könnte der Band dabei zwar durchaus vorwerfen, sich mit diesem Album insgesamt ja doch etwas zu sehr selbst zu wiederholen, und die tatsächlichen Akzente gering zu lassen, andererseits könnte man das aber auch als Identität bezeichnen. Mit ihren krautigen, elektrischen und (space-)rockigen Gewürzmischungen funktionieren jedenfalls ohne Ausfall alle Songs auf „Pyramid Of The Moon“, selbst wenn das ganz große Feuerwerk häufig ausbleiben mag, ziemlich gut. Doch, ich mag das.
Zum Schluss muss natürlich auch noch der traurige Umstand Erwähnung finden, dass Drummer Jerry, dessen Aufnahmespuren zu dem Zeitpunkt komplett im Kasten waren, während der Produktion dieses Albums auf skurrile und sehr tragische Art und Weise verstarb.

Freitag, 12. November 2010

Shrinebuilder & Planks live in Köln (Gebäude 9)

Das Konzert von SHRINEBUILDER wollte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen, weil wer weiß, wie oft man dazu generell so die Gelegenheit bekommt, da alle vier Protagonisten der Band auch so schon in genug musikalische Spielwiesen verstrickt sind. Drummer Dale neben anderen Geschichten wie Men of Porn primär bei den nicht gerade wenig machenden Melvins, Basser Al Cisneros hat OM und die reformierten Sleep am Start, Gitarrist/Schreihals Scott Kelly ist abseits seiner Hauptband Neurosis auch mit Solo- und Nebenprojekten unterwegs, und bei Stoner/Doom-Ikone Wino kann man so oder so gelegentlich schon mal den Überblick verlieren, wo er gerade so alles seine Finger mit drin hat bzw. unter welchen Bandnamen Formationen mit ihm aktiv sind.

Supporten durften PLANKS. Besagte Mannheimer hatte ich hier anlässlich ihrer Gratis-Downloads schon mal erwähnt. Auf frühen Konserven klangen diese trotz starkem Kokettieren mit der Sludgecore/Post-Metal-Ecke und sogar angeblichen Black Metal-Einflüssen ja doch primär erst mal sehr nach metallisch angehauchtem Crust-Hardcore-Geboller und -Gebrüll. Live wurde hier allerdings tatsächlich ein ganz netter Querschnitt von atmosphärisch schleppendem bis zur Blastbeat-Prügelei aufgefahren. Was manchmal ganz gut funktioniert, und manchmal auch eher nicht. Eine wirklich aufregende Sache sind PLANKS nicht, aber es gibt auch beileibe uninteressantere Bands.

SHRINEBUILDER kamen in der „nur“ ganz gut gefüllten Halle unter Jubel auf die Bühne, und brachten die Halle erst mal eine Weile Feedbackdrone-mäßig zum Beben, bis dann mal der tatsächliche erste Song losging. Das zunächst zwar mit viel zu lautem Bass und generell etwas durchwachsenem Sound, ein derart explodierendes Intensiverlebnis in einer an allen Ecken bebenden, dröhnenden und vibrierenden Konzerthalle habe ich in so einem Maße allerdings bisher auch nur selten erlebt. Was weiterhin folgte war ein guter, aber beileibe nicht perfekter Gig. Wenn die Allstar-Band Songs ihres Albums – auch gerne mal etwas variiert - spielte, brannte die Luft. Da stimmte alles. Winos Gitarrensound war unfassbar geil, Kellys Gebrüll kam Urviech-artig, Cisneros basste sich um den Verstand, und Crovers spielfreudig treibendes Drumming überschritt ebenfalls nicht selten die Grenze zur Manie. Der ganze Raum war erfüllt von Klang. Nicht einfach nur von lautem Krach, sondern etwas wirklich großem, das mich zum zufriedenen grinsen brauchte. Das Störende an dieser Show war dann allerdings, dass das Streckmaterial zwischen den fünf langen Albumsongs sich tatsächlich zu sehr wie unpassendes Streckmaterial anfühlte, und sich die „Heterogenität“ der hier zusammenwirkenden Genre-Legenden dann doch auch schon mal etwas bemerkbar macht. Crovers kecke Ansage zwischendurch, sein Drumsolo und ein weiterer, schon Fantomas-mäßiger Hyperaktivitätsgetrommel-Anfall ins überbrückende Feedbackgedröhne passten irgendwie nicht zum Rest der Band. Ferner passte auch das hauptsächlich von ihm gesungene Creedence Clearwater Revival-Cover 'Effigy' stimmungsmäßig nicht so wirklich gut zum Rest des Sets. Letzteres gilt nicht ganz für eine sehr an Blood & Time erinnende Nummer mit Kelly-Priorität und ein vielleicht etwas dröges Instrumental, aber auch wenn diese beiden Songs ganz gut funktionierten, hatten sie nicht ganz die massive Ausstrahlung, die das Albummaterial live entwickelte.
So blieb es hier bei einer zwischenzeitlich mal mehr, mal weniger mitreißenden Show mit dem Bonus einer illustren Helden-Zusammenstellung, dessen Besuch ich keineswegs bereue.

Mittwoch, 10. November 2010

Cough - Ritual Abuse (mit Stream-Link!)

Da man bei lastfm ja jeden (zumindest aktuelleren) Relapse-Release komplett streamen kann, hörte ich dort gerade eben in das ganz frisch veröffentlichte Album „Ritual Abuse“ von COUGH rein, auch wenn die Track-Reihenfolge offensichtlich falsch ist.
Dem ersten Eindruck nach erinnert mich diese schleppende Doom/Sludge-Schose, mit sowohl bösen als auch klaren Vocals, und das in epischen Songlängen, ja doch ein bisschen an die von mir, seit dem diesjährigen Roadburn Festival höchst geschätzten YOB. Im Gegensatz zu jenen tönen COUGH aber noch einen Tick näher an dem, was man sich eigentlich so unter Doom vorstellt. Der Sound ist nicht ganz so voluminös aufgeblasen, die Gitarrenarbeit ebenfalls noch einen Tick reduzierter und traditioneller, und man driftet lieber relaxt ein bisschen ins leicht verkiffte und etwas morbide klingende, anstatt in mit Downern und Uppern gleichzeitig komplett zugeknallten Wahnsinn, wie es besagte Yob teilweise tun.
Insgesamt schwanke ich nach dem einen Durchlauf bisher noch stark zwischen „ganz geil“ und „brauche ich wohl jetzt nicht auch noch, wenn ich X und Y schon habe“ - aber ich werde wohl definitiv noch ein paar mal reinhören. In der Tendenz zeigt der Daumen nämlich nach oben, auch wenn tatsächliche Akzente hier eher gering zu sein scheinen.

soon to come ...

Ein paar interessante Neuerscheinungen kommen dieses Jahr noch:

- Freitag z.B. ist offizielles Veröffentlichungsdatum des neuen Albums der Instrumental-Postrocker MASERATI, auch wenn amazon.de die rein digitale Version davon auch jetzt schon wieder anbietet. Hier erwarte ich ehrlich gesagt nichts total großes, aber in der Vergangenheit lieferte die Truppe ja eigentlich dennoch immer zu gefallen wissendes ab, das auch nicht gerade gänzlich im Genre-Einheitsbrei verschwamm.

- Wenn ich das richtig mitbekommen habe, veröffentlichen mit den Niederländern URFAUST und den Aachenern VERDUNKELN gleich zwei gigakultige „Avantgarde“-Duos mit Wurzeln im Black Metal in Kürze ihre neuen Alben. Worauf ich sehr gespannt bin, zumal ich sowohl das letzte VERDUNKELN-Werk, als auch einige jüngere URFAUST-Veröffentlichungen sehr ungewöhnlich und ansprechend fand.

- Das JULIE CHRISTMAS-Soloalbum und das etwas verspätet kommende JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE-Boxset habe ich ja bereits erwähnt …

Hab' ich wat vergessen?

Sonntag, 7. November 2010

Okay...

... die letzten Tage/Wochen war ich mal nicht auf so vielen Shows, obwohl eigentlich genug interessantes los war. Da hat wohl bei mir ein kleiner Hänger mit lethargisch-herbstdepressiven Zügen eingesetzt, der mich ausnahmsweise auch mal das heimische Sofa schätzen lies, anstatt ständig ins nasskalte Dunkel rausrennen zu müssen.
Das ist dann jetzt aber wohl ein guter Zeitpunkt, im Rückblick auf letzten Freitag und den Samstag davor, an denen ich den Hintern dann doch mal ein paar Stunden vor die Tür bekam, den geschätzten Kollegen vom Visions Magazin ein paar „fette Props“ rüberzusenden.
Unter dem Banner „Westend Indoor“ stieg am Allerheiligenwochenende im Dortmunder FZW eine mehrtägige Konzert- und Party-Orgie, dessen Samstag ich beiwohnte. Geboten wurde hier neben Danko Jones auch GARCIA PLAYS KYUSS. Und, seien wir mal ehrlich: Dass Gesichter, die man bis an die 10 Jahre nicht gesehen hat, ausgerechnet dafür auf ein mal aus ihren Löchern kommen ... nun ja. Die ganze Schote fühlte sich dann auch etwas seltsam an. Vor allem wenn die Cover-Begleitband ein vom abwesenden Josh Homme geschriebenes Kyuss-Instrumental wie 'Asteroid ' intoniert. Außerdem klang der Gitarren-Sound, der da aus der P.A. kam, irgendwie sehr künstlich reproduziert ... Nun ja, ist ja auch nicht so, als hätte man dabei die Auferstehung von Elvis oder sowas erwartet ...
Schon den Freitag darauf stieg an gleicher Stelle schon wieder die nächste reguläre „Club Sabotage“ Visions-Party, mit My Chemical Romance als Headliner in der (ausverkauften) großen Halle. Und, seien wir noch mal ganz ehrlich, dass ausgerechnet dafür Gesichter, die man bis an die 10 Jahre nicht gesehen hat, auf ein mal aus ihren Löchern kommen ... nun ja. Das bestechende Vorprogramm: Im kleinsten Raum eröffnete die lokale Ersatzlösung REMEMBER mit sowas wie Screamocore recht anständig, während die Schlange vorm Laden epochalst ausartete. Danach durften im Club KVELERTAK ran, die mit ihrem Blackened Rock'n'Rollcore den proppevoll gefüllten Bunkerraum zum kochen brachten. Der Sänger stand irgendwann nur noch in Unterbuchse da, und die gesamte Band, die das Finale im Publikumsbereich abrockte, hatte sichtlich Spaß; ich/ Du/ Ihr/ wir alle hatten Spaß. Ich kann die Nörgler, denen diese Kapelle einen Hauch zu spaßbetontes Fast Food ist, und ferner ein bisschen zu sehr nach dem Hype der Stunde müffeln mag, durchaus nachvollziehen, gehe ferner sogar davon aus, dass sich diese Sache „kreativ“ bald erledigt hat, aber diese Saison sind KVELERTAK wohl einfach die Hausnummer, bei der man dabei gewesen sein muss, um in zwei Jahren sagen zu können „gähn ... das erste Album war besser und das Publikum da auch noch nicht so nervig...“. Aber geiler Auftritt, wirklich. Würde ich bei nächster Gelegenheit durchaus wieder hingehen.
Wie dem auch sei, dickes Danke an dieser Stelle noch mal an die Strategen vom Visions fürs mich bei der Party dabeihaben und die Tatsache, dass die Jungs ihren Stiefel im kulturell und Nightlife-mäßig durchwachsenem Dortmund mit dieser Veranstaltungsreihe weiter durchziehen.

Mittwoch, 3. November 2010

Julie Christmas Videoclip

Julie Christmas ist u.a. die Sängerin der NY-Postmetaller MADE OUT OF BABIES und der inzwischen schon wieder aufgelösten BATTLE OF MICE, sowie der feuchte Psychoszenebarbie-Traum aller Anhänger zeitgenössischem Alternative Metals. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis ihr Name auch ein Solo-Album ziert. Jenes erscheint jetzt gerade unter dem Titel „The Bad Wife“ und zum Song ‚Bow‘ gibt es bereits einen komischen Videoclip:

Sonntag, 31. Oktober 2010

Wisst Ihr eigentlich ...

... was ich eine gute Idee fände? Call me a Nerd, aber in instrumentaler Rockband-Vormation (so Richtung Russian Circles, And So I Watch You From Afar, Adebisi Shank, ...) alte Computerspiel-Musiken von Chris Hülsbeck, wie den „Turrican II“-Soundtrack zu covern, käme glaube ich ganz schön geil. Macht wer mit?

Samstag, 30. Oktober 2010

Kleiner Profound Lore Rundumschlag

Wo ich selbst hier schon mal so die Klappe aufgerissen habe, was für gute und interessante Sachen das Label so im Stall hat, sollte ich tatsächlich auch selbst mal mehr darauf achten, was Profound Lore Records so raushauen, was?

Das selbstbetitelte Debüt von WORM OUROBOROS z.B. ist jetzt schon irgendwas um ein Jahr rum alt. Die Band gehört zur nicht zu unterschätzenden Szene der Bay Area, die in dieser Generation allerdings anstatt dem Speed/Thrash Metal der 80er eher viel Doom, Post-Black Metal und Avantgarde hervorbringt, und setzt sich aus Bassistin/Sängerin Lorraine Rath (Amber Asylum! The Gault!), Gitarristin/Sängerin Jessica Way (World Eater) und Drummer Aesop Dekker (Ludicra, Agalloch) zusammen. Genug Underground-Supergroup-Namedropping und Frauenquote allein, um mal ein Ohr zu riskieren.

Ebenfalls schon ein halbes Jahr auf dem Buckel hat „When All Became None“ von COFFINWORM. Auch wenn mir die Kapelle seit einiger Zeit ein Begriff ist, wurde ich hier wohl erst mal nicht so hellhörig, weil mir das superbe Debüt von WOLVHAMMER neulich schon alles gegeben hatte, was ich unter dem Banner „Blackened Sludgecore“ brauchen täte. COFFINWORM dürften in dieser Ecke aber dennoch ebenfalls einen Hinhörer wert sein.

Nicht unerwähnt lassen sollte man außerdem SALOME, die mit „Terminal“ gerade ihren ersten Longplayer nach der selbstbetitelten Debüt-EP am Start haben. Wenn man mal ganz ehrlich ist, liegt der Bonus dieser Band allerdings nicht unbedingt am generischen Doom-Stil, sondern eher an der (heutzutage auch nicht mehr sooo ungewöhnlichen) Tatsache, dass hier eine adrette Frau dazu growlt und keift (die im Übrigen auch seit einiger Zeit bei Scott Hull's Agoraphobic Nosebleed mitmacht). Da scheint also schon so ein bisschen der Walls of Jericho-Effekt zu greifen, bzw. Thorr's Hammer lassen grüßen.

Last but not least wurden die Australier STARGAZER bereits in einem Atemzug mit der Schweizer Tech-Thrash-Legende Coroner genannt. Hier kann ich aber nach bisher nur einem angezappten Song nicht wirklich viel zu sagen. Dass ich Castevet und Blood Revolt nicht so richtig brauche, hatte ich an anderer Stelle schon erwähnt. Den Nick Cave-artigen Cobalt-Ableger MAN'S GIN wohl auch nicht so wirklich...

Mp3s zum Reinschnuppern gibt es zu allen Sachen auf der Labelseite.

Freitag, 29. Oktober 2010

Kylesa - Spiral Shadow

KYLESA sind ohne Frage die Band der Stunde. Sogar Szene-übergreifend. Man kann von Postrock bis Grindcore auf kein Konzert mehr gehen, ohne nicht mindestens (!) einen Besucher im KYLESA-Shirt auszumachen (zugegeben, manchmal bin ich das), während die Truppe diesen Sommer längst auf den Open Airs angekommen ist, und dabei im Rahmen traditionellerer Metal-Festivals schon genauso wie beim eher mainstreamig orientierten Indie-Event stattfand. Verdientermaßen, sollten sie Songwriting- und Production-improved auf ihrem letztjährigen Album „Static Tensions“ zu Hochform auflaufen und schon zuvor beim unermüdlichen Touren immer wieder auch durch hiesige Breitengrade kommen. Der Hingucker-Bonus durch Doppelschlagzeug und klampfende/grölende Tattoobraut im Line Up wird wohl sein übriges getan haben.
„Spiral Shadow“ dürfte nun einer dieser typischen Wendepunkte sein, an dem sich ein Teil der Early Adopter/ Beardojugend-Basis mit Sicherheit abwenden wird, während so einige Printmagazin-Redakteure, Metal-Fans mit Donzdorf-Musikverständnis und die jeden Hype der Woche mitnehmenden Großstadt-Kids mit trendy Schnörres in der Fresse KYLESA dagegen erstmals so richtig hochleben lassen (selbst Schlagzeilen wie „The Heaviest Indie Rock Band“ muss man sich schon gefallen lassen ... aber nun genug der Distinktion in alle Richtungen). Denn irgendwie ist das Teil dann doch schon regelrecht glatt und poppig ausgefallen.

Wobei diese neue, direkte Zugänglichkeit und mainstreamfähige Politur an sich natürlich nicht mal das Problem an „Spiral Shadow“ ist. Das Problem ist auch nicht, dass die Hälfte des Materials regelrecht in reinem Stoner Rock, psychedelischer Apathie ohne Schmiss und hörbaren 90er-Alternative-Einflüssen ausartet, und den angeprogten crust-metallischen Arschtritt der Vorgängerwerke dabei über weite Strecken außen vor lässt. Für sich genommen sind dabei viele einzelne Tracks wirklich sehr nett. Das Problem ist eher, dass die ganze Kiste ein bisschen nach unzureichend ausgearbeitetem Schnellschuss riecht. Und bevor wir uns missverstehen: Gerade spontan hingerotztes kann manchmal die geilste Musik sein. „Spiral Shadow“ jedoch fühlt sich wie eine willenlos zusammengestellte Kollektion der erstbesten Songideen an, die KYLESA vorschnell aufnahmen. Der sehr kurze Brüllstrophe/Singrefrain-Opener z.B. macht die ersten paar Durchläufe Spaß, ist aber Discometal-Fast Food, das der Krachgourmet dann auch schnell wieder leid ist. Ein, zwei gelungene rockigere oder relaxtere Nummern sind ja im Namen von Kontrast und Abwechslung immer eine nette Sache, bei der vierten und fünften nervt es hier dann aber irgendwann. Und das punkige 'Back And Forth‘ kurz vor Schluss ist sogar ein ziemlicher Rohrkrepierer.
In der Mitte kriegen sie zwar mit 'Distance Closing In' und 'To Forget' noch mal kurz den Bogen, Inspirationsquellen wie Kyuss (Leadgitarren-Sound) oder ihre Freunde von Baroness sind hier aber wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Mein Favorit mit Grower-Potenzial ist derweil eigentlich das von ruhigen bis ruppigen Parts recht vielschichtig arrangierte ‚Drop Out‘, was eindeutig beweist, dass die eigentliche Stärke von KYLESA eben nicht in simplen catchy Rocksongs liegt. Aus denen das Album aber wie gesagt zur Hälfte besteht.

Und deswegen ist „Spiral Shadow“ nicht ganz einfach. Mich zu einem definitiven Werturteil wie „eigentlich trotz allem doch ganz okay, kann man sich als Fan durchaus schönhören“ oder „ne, eher nicht so gut, was soll denn das?“ durchzuringen, ist mir absolut unmöglich. In der Tendenz neige ich allerdings, abgesehen einiger einzelner Songs, tatsächlich eher zu letzterem. Nicht nur als Weiterentwicklung im Bandkontext, sondern auch als in sich geschlossenes Album wirkt die Scheibe zwischen ihren, durchaus vorhandenen, mitreißenden Momenten irgendwie etwas unentschlossen, ziellos, und wenig durchdacht. Solides Mittelmaß mit vereinzeltet Hit-verdächtigen Passagen. Und das ist, wenn man mal ganz ehrlich ist, zu wenig für eine Band, die gerade auf Covern landet, und eine Veröffentlichung, die schon vor Erscheinen diverse Listen als potenzieller „Album des Jahres“-Kandidat anführte. „Spiral Shadow“ ist schlicht und ergreifend nicht das Album geworden, das man eigentlich gerne von KYLESA gehabt hätte - hier hätte noch ein bisschen mehr (bzw. anderes) drin sein müssen, bei aller Sympathie.

The Death & Resurrection Show

Mehr Infos? Hier.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

US Christmas (x 2) , Harvestman, Minsk (Hawkwind) / Neurosis live

U.S. CHRISTMAS - Run Thick in the Night
Mein Erstkontakt mit „Run Thick in the Night“: Müde und angetrunken auf der Rückbank eines Kleinwagens, während der ca. einstündigen Rückfahrt von einem Doom-Konzert. Ein Zustand, in dem das sedative Element an/ von U.S. CHRISTMAS ziemlich gut aufgeht. Mit Vorgängerwerken der Kapelle bin ich eher nur sporadisch vertraut, aber es scheint als wären sie mit ihrem Stil zwischen Spacerock, Stoner/Doomslduge und Folk-Einflüssen noch mal ein Stück tiefer in das vor allem trippig-psychedelische ihrer Musik gerutscht. Ein gewisse Nähe zu jüngeren Neurosis ist hier und da nicht von der Hand zu weisen, USC sind dagegen jedoch ein bisschen mehr wie zugedrogte Lagerfeuermusik mit Strom, anstatt eine eigene Naturgewalt im Auge des Sturms, und ein bisschen greifbarer an der Wurzel traditionellerer Musikstile festhaltend, als zusehends in die Postmoderne schweifend. Die vielen eher ruhigeren Momente des Albums erinnern mich persönlich durch Streicherunterstützung und Nölgesang ferner recht stark an so etwas wie die aktuelle von Her Name Is Calla, und durch die spaceig-psychedelische Schlagseite von USC ist damit dann wohl auch endgültig noch mal die Schublade „Postrock“ bemüht.
Völlig egal, wo man es eintütet – die Musik auf diesem Album versprüht auf jeden Fall einen besonderen Zauber. U.S. CHRISTMAS finden in einem ganz eigenen, besonders „voll klingend“-atmosphärischen Klanguniversum statt, in das man sich schnell und gerne hineinziehen lässt.

PS: Geiles Coverartwork:




U.S. CHRISTMANS / HARVESTMAN / MINSK – Hawkwind Triad
Eigentlich erschien „Hawkwind Triad“ bereits im Frühjahr/Sommer, irgendwie hatte ich aber erst kürzlich bei einem zufälligen Besuch der Neurot Recordings Website davon mitbekommen. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Tribut an die britische (nach wie vor aktive!) Spacerock-Legende HAWKWIND, die hier reihum abwechselnd von U.S. CHRISTMAS, MINSK und HARVESTMAN, dem experimentalmusikalischen Solo-Alter Ego von Neurosis‘ Steve von Till gecovert wird.
US CHRISTMAS schaffen es dabei eigentlich am besten, wirklich einen dicht-atmosphärischen Space-Sound aufzufahren, was natürlich auch daran liegen dürfte, dass sie von den drei beteiligten Acts klanglich per se schon dem gehuldigten Original am nächsten tönen. Ihre vier Coversongs, darunter mit ‘Master of the Universe‘ wohl eine der wenigen allgemein etwas bekannteren Hawkwind-Nummern, gehen jedenfalls voll und ganz auf, sowohl als Verbeugung, und ebenfalls als gelungene Transformation in den eigenen Stil.
MINSK, die bei ihrem Sludge-Metal ja generell gerne mal hektisches Saxophon-Getröte und ähnliche Gimmicks auffahren, klingen bei ‘7x7‘ dann erst mal ziemlich überladen. Wie MINSK generell sind ihre drei Beiträge irgendwas zwischen potenziell interessant, durchaus eigenständig, und nicht wirklich schlecht - dabei aber dann doch auch nicht so wirklich das totale Excitement.
Von Till alias HARVESTMAN wiederum zeigt sich von einer eher etwas trocken-reduzierten, partiell erdig rockenden und Soundeffekt-unterstützen Seite, die natürlich trotz aller Andersartigkeit nicht ganz die Neurosis‘sche Identität verbergen kann, aber genau deswegen funktionieren seine vier etwas kauzig klingenden Versionen wohl auch ziemlich gut.
So durchwachsen und unnötig viele Tribut- und Cover-Kisten sonst häufig sein mögen, dieser Release weiß wirklich zu begeistern! Gerade die Darbietungen von U.S. CHRISTMAS und HARVESTMAN sind wirklich klasse, MINSK immerhin kein Ausfall und hörbar.

PS: Mein Lieblingsbild von HAWKWIND, back in the day... (nsfw!):


NEUROSIS – Live at Roadburn 2007
Da ich keine Notwendigkeit sah, dieser Veröffentlichung eines Live-Mitschnitts einen ganzen Blogpost zu widmen, in diesem Artikel aber bereits zwei weitere Veröffentlichungen aus dem Hause Neurot Recordings besprochen habe, unter denen bei einem auch noch ein NEUROSIS-Mitglied beteiligt ist, hielt ich es für eine passende Stelle, doch mal ein paar Worte dazu zu verlieren: Warum auch immer dieser Auftritt als Live-Album gewählt und jetzt erst veröffentlicht wurde, etwa im Gegensatz zum letztjährigen Roadburn-Auftritt der Band, darüber habe ich keine Kenntnis. Was hier in 77 und einer halben Minute eingefangen wurde, versprüht allerdings auch konserviert und ziemlich ungekünstelt klingend noch (wenn nicht sogar noch weit mehr!) das komplette Paket an dichter Intensität, das diese Band so mit sich bringt. Natürlich liegt der Schwerpunkt eher auf jüngerem Material, und ein Song wie 'Water Is Not Enough' vom damals noch gar nicht veröffentlichtem letzten Album mag zugegeben nicht ganz so apokalyptisch, wuchtig und heftig kommen wie der Kram, den NEUROSIS von 92-99 so gemacht haben, aber dieses einflussreiche Urgestein gehört halt nun mal nicht zu metallischen Altherrencombos, die sich auf vergangenen Glanztaten ausruhen, was sie auch wirklich nicht nötig haben. So lebendig, authentisch, mal wütend und mal nachdenklich, brodelnd und zerfetzend diese 9 Tracks einen selbst aus der moderat aufgedrehten Werksanlage des Autos packen können, sowas habe ich tatsächlich selten bei einem anderen Live-Album erlebt. Must Have!

Montag, 25. Oktober 2010

ausgecheckt und kurz notiert

Durch diverse Streams und Gratis-mp3s, mit denen unter anderem Stereogum gerne mal um sich feuert, habe ich mir in letzter Zeit mal über das eine oder andere hier und da hochgehandelte ein auszugsweises Bild machen können, und möchte mit meinen Eindrücken natürlich nicht hinterm Berg halten:

- Sludge/ Doom und co.: Die von Fenriz gehypten MORNE sind mit ihrem Doom-Crust schon eine ganz nette Sache, das letzte Fünkchen, dass ich mir das zulegen und dauerhören müsste, fehlt da allerdings dann doch irgendwie noch.
Eher noch mal was werden könnte es vielleicht mit THE BODY, die neben höchst beknackten Bandfotos immerhin mit brachialster Wucht und einem etwas experimentellerem Stil aufwarten.
Sludge/ Doom/ “Nola“-Freunde sollten zudem mal ein Ohr bei BURDEN, der neuen Band auf Ván Records riskieren.

- (Post-)Black Metal und co.: Eine Hörprobe der neuen WITHERED ging mir mit ihrem übertrieben dicken Sound erst mal überhaupt gar nicht rein.
THRALL, CASTEVET und die „Sooupergroup“ TWILIGHT sind alle drei Fälle solcher Bands, denen ich ein Etikett a la „kann man sich anhören“ anheften würde, was allerdings mit „brauche ich selbst wohl eher nicht so wirklich“ gleichzusetzen ist. Es soll aber auch Leute geben, die in genau so einem Mittelmaßgelärme die totale Erfüllung finden.
Erst mal ganz interessant finde ich LANTLÔS, auch wenn ich die Konstellation einer Band aus der OWL-Provinz und dem französischen Hansdampf Neige (Alcest u.a.) irgendwie kurios finde.
BLOOD REVOLT wiederum sind ziemlicher Scheiß, don’t believe the hype.

- Generell scheint in letzter Zeit mal wieder mehr frisches aus der Hardcore-Ecke zu kommen, straightes Gaspedalgeballer und intensive Math-Arschtreterei mit Nähe zu sowas wie Converge scheint gerade wieder mehr in Mode zu sein. Hier hinke ich ja irgendwie stark hinterher und in letzter Zeit war mir wohl auch einfach eher nicht so nach sowas. Vermutlich trotz diverser vereinzelter Affären, die man über die Jahre in der Gegend mal hatte, für mich persönlich dann wohl irgendwie nicht so die richtige Genre-/Szene-Ecke für länger anhaltende Polygamie … Für den einen oder anderen Tipp wäre ich allerdings dennoch offen, sowas könnte sich perfekt als Sport-Soundtrack eignen.

Samstag, 23. Oktober 2010

Triptykon - Shatter EP

Der beeindruckende, umwerfende, abgründige Nachhall des im Frühjahr veröffentlichten TRIPTYKON-Debüts „Eparistera Daimones” liegt nach wie vor in der Luft, da legen Hellhammer-/Celtic Frost-Legende Tom G. Warriror und seine aus Bands wie Fear My Thoughts und Dark Fortress rekrutierten Mitmusiker nun mit der EP „Shatter“ gleich noch mal nach.
Darauf enthalten: Drei neue Songs und zwei Live-Mitschnitte. Beim Titeltrack handelt es sich dabei allerdings um die Nummer, die bereits als traditioneller Bonus-Track beim Japan-Release von „Eparistera Daimones“ verbraten wurde, und bei der nachgebesserten Fassung von ‚Crucifixu‘ um einen Song, der bereits vor einiger Zeit via Myspace-Stream auf die Menschheit losgelassen wurde. Während ersterer ein etwas zurückgenommener Düster Metal-Groover ist, der u.a. über die weiblichen Gast-Vocals einen Schuss Gothic intus hat, ist letzterer eher eine Art Dark Ambient Soundcollage. Dazwischen marschiert 'I Am The Twilight' als weiterer Midtempo-Stampfer durchs Dunkel, der sehr typisch nach Material aus der „Eparistera Daimones“-Session klingt, nicht weiter spektakulär ist, aber schon klargeht.
Abgerundet wird die Veröffentlichung mit zwei Live-Songs vom diesjährigen Roadburn Festival, beim Namen genannt die beiden Celtic Frost-Oldies ‚Circle Of The Tyrants‘ und ‚Dethroned Emperor‘, letzteres von Darkthrone’s Nocturno Culto als Gastbrummer intoniert, und jenen sehe ich vorm geistigen Auge jetzt noch mit seinem Textblatt vor mir. Nun ja.
Werturteil: Wohl mehr eine Art netter Bonus für Fans und Komplettisten. Zu meckern gibt es an dieser 5 Track-Zusammenstellung eigentlich nichts, aber so wirklich unbedingt haben müssen hätte man „Shatter“ vielleicht auch nicht. Passt immerhin schön in den Herbst ...

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Jex Thoth ...

Erkenntnis des gestrigen Abends: Ein JEX THOTH-Konzert im Kölner Underground zu besuchen ist ja so ein bisschen wie eines dieser christlich geprägten Fantasy-Märchen zu erleben, denn das magische Wunder passiert dort ja auch immer in dem Milieu, das zur Moral des Ganzen ausreichend kontrastiert.
Warum? Weil das (der?) Kölner Underground vermutlich sowieso schon mal nicht die beste Location für eine Band ist, deren Musik besonders stimmungsvoll ist (meinetwegen auch mit einer Brise düster-romantischem Kitsch). Weil man mit WIGHT eine Darmstädter Vorband im Gepäck hatte, die mit nichtssagendem Standard-Stoner/Doom, dafür aber mit Sonnebrille auf der Bühne erst mal eher langweilte. Weil ein eher Metal-affines Konzert dieser Größe unter der Woche im Indiehippster-Köln ein sehr skurriles, teils albernes (Mopedjackentypen, die in der ersten Reihe beim mitgehen alles geben, Zylinderträger und Black Metal-Gothbarbies) , teils gar nerviges (der „Uiuiui“-Rufer) Unstyle-Publikum lockt. Weil der eine Kerzenständer auf ner Box und die viel zu zusammengepferchte Band die kleine Bühne dann ja doch ganz schön nach JuZe-.Auftritt aussehen lassen. Hinzu kommt, dass ich die Band der guten Jex mit sitzendem Keyboard-Organisten, übertrieben bangposendem Drummer und einem (zugegeben geil spielendem) Gitarristen mit der Ausstrahlung des einzigen Ökotypen im Dorf ja sowieso etwas eigen finde.
Doch das alles stand diesem magischen Fünkchen, das JEX THOTH live versprühen kann, nicht im Wege. Mit unglaublicher Stimme und voller Emotionen schmettert sie zum Retro-Sound ihrer Band vom düsteren Doom-Groover (‚Stone Evil‘) bis zur knackig-rockigen Hymne (‚Seperated at Birth‘) Songs, die nicht einfach nur eingängige Hits sind, sondern über ihre hingebungsvolle Performance regelrecht die Seele berühren. (Ja, zu so einem Satz ließ ich mich gerade tatsächlich hinreißen, obwohl ich derart abgedroschene Superlativphrasen sonst selbst ziemlich hasse.) Und das irgendwie unwirsch-mysteriöse Auftreten der attraktiven Frontdame tut sein übriges zur komplett von einem Besitz ergreifenden Stimmung eines JEX THOTH-Konzertabends, so widrig sich die Begleitumstände auch zu gestalten versuchen. Das hier war trotz allem nicht minder verzaubernd wie der wohl, allein weil in viel angenehmeren Ambiente stattfindende, nicht zu toppende JEX THOTH Gig auf der Midi Theater-Bühne des diesjährigen Roadburn Festivals. Wirklich sehr, sehr toll. Würde und werde ich mir wohl immer wieder angucken.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das große Verbrauchen

…ist der Titel eines Boxsets, mit dem JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE diverse Standards, Altlasten, Hits und Raritäten von damals bis zuletzt mit 118 Songs auf 3 CDs verbraten. Obendrauf dann auch noch eine DVD mit diversen Livemitschnitten., Videoclips und dem einen oder anderen Quatsch-Einspieler.
Erscheint kommende Woche Freitag und weitere Details findet man hier.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Apropos Kylesa

Also ich find’s ja irgendwie schon witzig. Kommende Woche ist das neue Album der Band offiziell in diversen Tonträgerformaten erhältlich, da ist im Internet bereits ein Krieg der Musikblogger ausgebrochen.
Während man sich in der Metal-Rubrik des Indie-hippen Stereogum förmlich überschlägt, was die alles überschattende Großartigkeit von „Spiral Shadow“ angehen soll, kann so mancher „richtiger Metaller“, wie der Kollege von Metal Sucks nicht damit hinterm Berg halten, wie sehr er das Ganze für überbewertete Trendscheiße hält (im speziellen Fall was für: „Beardo Williamsburg Hipsters”).
Natürlich liegt die Wahrheit – wie so oft – mittig dazwischen … doch dazu später noch.

Neue Musik für die Augen

Aktuelle Videoclips von den MELVINS, KYLESA und TRIPTYKON:


Donnerstag, 14. Oktober 2010

Der Herbst ...

... ist ja, wie ich mal eben feststellen muss, in puncto Musik-Neuerscheinungen noch mal richtig gut geworden. Die neuen Alben der „Legenden“ KILLING JOKE und SWANS sind richtig klasse ausgefallen. ENSLAVED mögen mit ihrem, im Gegensatz zum Vorgänger wieder etwas metallischerem, neuen Werk verdächtig nach Opeth klingen, zeigen sich dabei aber ebenfalls auf höchstem Niveau. Eigenständige Herbstmusik kam von HER NAME IS CALLA, und auch das zweite Album der sich selbst wohl eher ein bisschen in der Industrial/Gothic-Ecke sehenden, dabei aber doch ganz schön nah an Postrock/Drone-Metal tönenden HEIRS macht ganz schön Bock.
Was diesen Monat jetzt außerdem noch ansteht, ist eine EP von Tom Warrior's TRYPTIKON, sowie die neue Scheibe von KYLESA. Wobei man bei letzterer bereits jetzt feststellen und mutmaßen darf, dass diese an der Basis gehörig „polarisieren“ wird. Dazu bald natürlich mehr....

Bei Bands, die nicht gerade zu meinen persönlichen Ober-Faves gehören, aber affinerweise vielleicht mal genannt werden sollten, kommt ebenfalls noch neues vom französischen Prog-Black Metal-Kvlt DEATHSPELL OMEGA, den L.A.-Post-Metallern INTRONAUT, und ferner noch neue Langspieler von JESU und THE OCEAN, aber wann kommt von den beiden letztgenannten eigentlich mal nichts?!
Eine Sache, um die außerdem gerade ein kleiner Hype veranstaltet wird, ist ATELCINE. Das erwähnenswerte an dieser Drone/Ambient/Whatever-Band ist jedoch in erster Linie, dass hier das berüchtigte, sich immer mehr als Alternative-Personality produzierende „Erwachsenenfilm-Sternchen“ Sasha Grey mitwirkt, weswegen ich mir auch per se ein bisschen zu fein dazu bin, auf diesen Zug mit aufzuspringen.

Enslaved - Axioma Ethica Odini

Mein Verhältnis zu ENSLAVED ist recht ambivalent. Ich kann es mir nicht so richtig verkneifen, es immer wieder mal mit ihnen zu versuchen, je nach Tagesform können sie mir dabei aber auch schon mal ganz schön quergehen.
Die Norweger haben einen langen und vielfältigen Weg von archetypischem Black Metal zu eigenwilliger Progressivlärmerei hinter sich, bei der Trademarks an der Wurzel, wie Keif-Vocals und Doublebass-Einlagen, nach wie vor vorhanden, immer mehr in nebulösen Gefilden postrockiger, Pink Floyd’scher Psychedelic-Sphären und melodiöser Epik versinken. So war es jedenfalls auf der letzten Platte „Vertebrae“, wie auch bei 1-2 jüngeren Live-Begegnungen, wo ich mir nie so ganz sicher war überhaupt zu verstehen, was ENSLAVED damit eigentlich von mir wollen. Ihr Kram hatte zuletzt an Stellen Ecken und Kanten, wo sie auch einen sowohl harte Kost genießenden, als auch Avantgarde- und Prog-erprobten Hörer eher irritieren, und fühlte sich an anderen dann schon wieder so regelrecht wohlig-fluffig an, dass es nun wirklich nicht mehr nach den langhaarigen, bär(t)igen Wikingerberserkern klingt, die nach wie vor dahinter stecken.

Doch Überraschung! Es mag vielleicht mit an der etwas satteren Produktion und der wieder etwas tiefer reingedrehten Metal-Schraube, ferner an der Jahreszeit liegen, aber „Axioma Ethica Odini“ geht mir auf Anhieb ein ganzes Stück schlüssiger rein als ein Großteil seines Vorgängers. Und ja, man muss es schon sagen: Das Ganze klingt hier wirklich schwer (!) wie die BM-Variante von Opeth. Die u.a. über Orgel, Klargesang, cleane Gitarren-Einsprengsel, ein paar Breaks, und ausholende Melodien in epischen Songstrukturen reingebrachte Progrock-Kante vereint sich mit den Krächz-/Keif-/Röar-Vocals, rasanten Drums und klirrenden Gitarren, die man mit „bösem Posen auf Eisschollen“ assoziieren möchte.

Man muss auf so eine spezielle Art von Metal allerdings natürlich grundsätzlich Bock haben. Und irgendwie kann ich jeden verstehen, der das -aus welchem Blickwinkel und Gründen auch immer – nicht hat. Alleine das Wechselspiel aus Growls und Gesang ist etwas, bei dem Viele schon per se abkotzen, und ich kann sie alle verstehen. Es wird Freunde harter/ atmosphärischer/ progressiver Musik geben, denen das hier schlichtweg einen ganzen Tick zu viel Klischee-Metal ist, und es wird Metaller geben, denen das hier zu viel nichtmetallisches Gedöns hat, und ich kann auch hier alle zu gut verstehen.
Es gibt Tage, da ist mir der Crossover von ENSLAVED irgendwie zu dick aufgetragen und ich finde, dass sie mit ihrer Musik zu viel gegensätzliches auf einmal wollen. Es gibt aber auch dunkel-kalte Herbstabende, an denen die Fusion aus Black Metal und Progrock, die Mischung aus den grimmigen, frostigen, aggressiven, düster-atmosphärischen Schwarzmetall-Elementen, musikalischer Ambition und regelrecht positiven und verträumten Vibes für mich total gut und natürlich funktioniert, auch wenn der Kopf das Ganze etwas paradox finden möchte. Norwegische Black Metal-Originale, die mit ihrer Musik auch Herz und Hirn ausstrahlen können? Ja, selbst so etwas gibt es mittlerweile in Form von ENSLAVED.
Es kann zugegeben schwierig sein, sich auf eine solch geballte Kombination aus nordmännischer Metal-Poserei, cheesy Herbst-Melancholie, musikalisch wurzeltreuer Kirchenanzünder-Bosheit und Thinking Man's Rock-Ansätzen inkl. klassisch-retrospektiver Prog-Puzzlestücke einzulassen, aber mir fällt tatsächlich kein einziger Kritikpunkt ein, den ich bei diesem Album anbringen könnte. Womit der Hype, der in Fachgazetten darum gerade gemacht wurde, sogar ausnahmsweise mal völlig berechtigt zu sein scheint.

Montag, 11. Oktober 2010

Denovali Swingfest 2010

Im auf meiner musikalischen Landkarte in den letzten Jahren vor allem für Bollo-Events berüchtigten JuZe Papestraße in Essen fand dieses Jahr das DENOVALI SWINGFEST erstmals als zweitägiger Ganztags-Event statt. Und da merkte man auch schon die ersten Kinderkrankheiten, die sich bei der vermutlich einfach noch etwas zu unerfahrenen Organisation einschlichen: Anstatt, wie geplant und angekündigt, ab 13:00 die Tür auf zu haben und 14:30 die erste Band auf die Bühne zu schicken, verschob sich der Einlass mit einer auf einmal nicht mehr zu verachtenden Schlange vorm Laden auf nach zwei Uhr und die erste Band auch dementsprechend weiter nach hinten.
Bei jenen handelte es sich um die SAMUEL JACKSON FIVE aus Norwegen, die seit eh und je als Hausnummer im Postrock gehandelt werden, mich persönlich aber nicht gerade - weder auf Konserve, noch mit diesem Auftritt - zu übermäßiger Begeisterung kriegen. Die folgende Geschichte THE EYE OF TIME krankte bei ihrer Laptop- plus Cellist-Umsetzung auch als Live-Act ein bisschen daran, dass die Computer-Beats sowohl vom Sound als auch vom rhythmischen Arrangement her irgendwie einfach nicht viel hermachen. Da hat man schon spannenderes gehört.
Danach dann SWITCXHBLADE, im stockdunklen mit Leuchtröhre am Drumkit, außerdem mit Visuals. Eine Stunde lang instrumentaler Dronedoom einer lediglich mit Gitarrist und Schlagzeuger auftretenden Band, die nur selten mal von minimalistisch-monotonem Donner in etwas flottere Passagen ausbricht. Muss man definitiv mal gesehen und gehört haben, auch wenn es in derart reduziertem Extrem schon wieder eher nichts ist, was ich mir alle Tage geben müsste.
Für Abwechslung war gesorgt - Das CONTEMP
ORARY NOISE SEXTETT aus Polen begeisterte mit postmodernem Jazz, der mal ins expressionistisch-schräge, mal in schon rockiges und mal ins atmosphärische abdriftete. Besser kann ich das nicht beschreiben, denn ich bin einfach kein Jazz-Experte, doch das Gehörte gefiel!
Die folgenden YNDI HALDA habe ich auf die Gefahr eines Postrock-Overflows nur mit maximal einem Ohr mitbekommen, da HER NAME IS CALLA einem danach multi-instrumental, mit einer hochemotionalen Bandbreite aus allem von ganz ruhig bis ziemlich laut, schon einiges abverlangten. Wie auf Platte jedoch eine wirklich phantastische Band!
Auch OMEGA MASSIF sollten danach mit einer stimmungsvollen Show begeistern, die - was mir natürlich sehr gelegen kam - dann den Metal-lastigeren Anteil der Veranstaltung etwas erhöhte. Sehr stimmungsvoller, sowohl atmosphärischer, als auch brettharter Auftritt. Außerdem mit Akkordeon-Einlage.
Eigentlich hätte ich das Finale in Form von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE + THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION ja wirklich zu gerne gegeben. Der verzögerte Zeitplan war allerdings bereits soweit in Verzug, dass die ursprünglich für 23:30 veranschlagte Band um kurz nach 1 mal gerade mit dem Aufbauen begann, was an diesem Tag/Abend generell schon immer sehr (zu) viel Zeit in Anspruch nahm. So beschlossen einige Bekannte und ich - nach ca. 12 Stunden im und um das JuZe Papetraße auf den Beinen gewesen, und dabei auch durchaus das eine oder andere Bier genossen habend - zu diesem Zeitpunkt doch langsam aber sicher mal etwas abgekämpft die partiell gemeinsamen Heimreisen anzutreten. Gute Enscheidung, denn die ganz Tapferen berichteten von einer 2 Uhr startenden Show, bei der sich der Laden dann auch langsam aber sicher leerte und Besucher sich erschöpft in Ecken des Saals ablegten.
Am zweiten Tag habe ich mir die erste Hälfte, da nicht so spannend und interessant, dann erst mal geklemmt. Woran ich wohl ebenfalls gut tat, denn der Auftritt vom Jesu-Rip Off IROHA soll laut Augen-/Ohrenzeugen ziemlich lahm gewesen sein. Von BLUENECK hatte ich mir auch etwas mehr Avantgarde versprochen, als den verhältnismäßig handelsüblichen Postrock, den diese zum Besten gaben. Genau so was machen zwar auch DATURAH, aber die wiederum kriegen den Bogen bei ihren cineastischen Epen durchaus ganz gut hin. Allerdings reizten sie ihre Spielzeit mehr als aus, 1-2 Songs weniger hätten es gegen Ende schon generell ruhig sein dürfen, und diese Show endete zudem, als HEIRS nach dem zuvor an diesem Tag noch passendem Zeitplan eigentlich schon anfangen sollten. Bei besagten Australiern zog sich Aufbau und Soundcheck dann auch sage und schreibe eine dreiviertel Stunde lang. Immerhin konnte man dabei smalltalken und Smartphone-verstärkt checken, bis wann die letzten öffentlichen Verkehrsmittel gen Heimat einen bei der sich nun offensichtlich wieder signifikant nach hinten schiebenden Running Order noch nach Hause bringen.
HEIRS waren dann für mich allerdings ganz klar eines der Highlights des Festivals. Auf Konserve schon „gut“, aber eben auch noch nicht sooo der ungewöhnliche Oberknaller, funktioniert der in seinen Details durchaus etwas eigensinnigere Postrock/Drone-Metal mit Keyboard- und Teremin(!)-Spieler, leichter Industrial-Kante Richtung Swans oder Godflesh, und seltsamen Leinwand-Projektionen eines satanistischen Vintage-Kunstpornos live sogar noch besser. HEIRS bringen das, was Bands wie Mogwai oder Mono machen auf einen etwas Groove-orientierten, knallenderen Level, der ein paar Ecken und Kanten zu bieten hat. Und damit sind sie dann in der Riege an Instrumental-Bands wohl vermutlich tatsächlich die, auf die ich persönlich gewartet habe. Würde ich mir definitiv gerne noch mal angucken, geile Band!
Bezeichnend abwechslungsreich für Denovali sollte der Event dann noch enden, indem mit den japanischen MOUSE ON THE KEYS darauf erst noch mal etwas eher beschwingt-jazziges und zum Abschluss mit den Franzosen CELESTE noch wuchtig die totale Zerstörung folgen sollte. Letztere übrigens dann erst ab kurz vor Mitternacht, anstatt wie geplant um 22:30. Auf einem Sonntag. Da mussten dann einige Besucher, die mit öffentlichen unterwegs waren, und/oder einfach nur schon so alt und spießig sind, dass sie Angst vorm montäglichen Weckerklingeln haben, leider auf das wüste Finale verzichten.
Fazit: Sympathisches Label mit sympathischem Event, Rahmenbedingen und Sound waren absolut in Ordnung. Die Marathon-Umbaupausen/-Soundchecks und Verzögerungen nervten allerdings ziemlich. Zeitverzug von um die zweieinhalb (am ersten Abend) und eineinhalb Stunden (am Sonntag trotz Vorankündigung, einen frühen Zapfenstreich anzustreben) beim jeweiligen Abschluss-Act sind echt schon ne Hausnummer. Vor allem, wenn man die fiktive Running Order an die Wand hängt … aber man kann nicht alles haben.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Heirs - Fowl

Eine weitere, aktuelle Veröffentlichung aus dem Hause Denovali Records: HEIRS sind in instrumentalen Gefilden unterwegs, in denen sie Soundtrack-haften Postrock zu massiven Bergen hochbauen, deren Gesteinsproben Sludge-Metal, Drone-Doom, Shoegaze und fast Industrial-eskes mit aufs Etikett bekommen. Damit werden hier zwar auch keine Räder mehr neu erfunden, aber die Mixtur aus Einflüssen, die man Bands wie Swans oder Godflesh (man höre sich eine Stampfnummer wie 'Tyrant' an), Neurosis und Mogwai zuordnen möchte, ist in vorliegender Form absolut gelungen und – typisch für eine Denovali-Band – findet dabei eher so ein bisschen unauffällig seine eigene Stilnische, anstatt sonderlich spektakulär als Highlight einer inzwischen inflationär aufkommenden, mehr oder minder generischen Schiene aus der Mitte aufzublitzen. Und ja, das ist eine gute Sache. Aber wer auf musikalisch verwandte Labelmates wie Omega Massif steht, wird die Combo vermutlich eh schon kennen ...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Swans - My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky

Langer Albumtitel, erstes SWANS-Album seit langer Zeit, langes Review. Nebenbei: Zu Zeiten, in denen man sich CDs aufs Tape für den Walkman oder das Autoradio überspielte, hätte ich dieses Album so oder so geliebt. Denn es ist 44:22 Minuten lang. Nahezu perfekt für eine 90er-Seite.
Wie dem auch sei, eines muss ich gleich vorweg eingestehen: Bei SWANS bin ich weder Experte noch Fanboy. Allerdings steht das New Yorker Experimental-Ensemble in einer Tradition, die auch auf diverse Lieblinge von mir zutrifft, wie dem Schweizer Düster-Metal-Urknall von Hellhammer und Celtic Frost, dem eigensinnigen kanadischem Prog-Thrash-Original Voivod, oder den britischen Postpunk-/ Wave-/ Alternative Metal-Dinosauriern Killing Joke. (Erweitert und leicht zeitversetzt würde ich in diese Liste wohl außerdem die Sludge-Metal-Blaupause Melvins und die Indierocker Sonic Youth aufnehmen ... und wohl ebenfalls Einstürzende Neubauten, Big Black, Black Flag etc.). Der Einfluss, den diese Bands aus den 80ern heraus bis heute auf andere irgendwie wichtige, besonders eigenständige, ebenfalls einflussreiche, und/oder bedeutsame Kapellen und Künstler verschiedenster Schubladen ausüb(t)en, ist nicht zu verachten. Ob Nirvana, Nine Inch Nails, Napalm Death oder Neurosis. Noiserock, Industrial, Grindcore, Doom und Postrock. Ob Avantgarde-Kreise, Alternative-/Indie-Kosmos, Gothic-Szene oder Metal-Untersparten – die musikalische Welt wäre heute vermutlich eine ganz andere, wenn es besagte Bands nicht gegeben hätte. Und noch etwas haben diese Künstler gemeinsam: Sie blieben nie stehen. Suchten immer weiter. Entwickelten sich oft von wilden, lauten Anfängen jugendlichen Sturm-und-Drangs zu etwas noch ambitionierter wirkendem, manchmal dabei auch moderater klingendem weiter. Oder liefen in einigen Fällen auch in jüngerer Vergangenheit zu nach wie vor nicht zu verachtender Hochform auf.

Auf SWANS trifft jedenfalls vieles davon zu. Witzig daran ist im Übrigen die Feststellung, dass einige zwischendurch in den Diensten der SWANS stehenden Musiker später auch mit denen kooperierten, die nach ihnen kamen und von besagter Riege an 80er-Ikonen entscheidend geprägt wurden. So spielte Schlagzeuger Ted Parsons in den 90ern sowohl bei der New Yorker Thrash-/ Modern-Metal-Kapelle Prong während ihrer essenziellen Phase, als auch später noch bei den stark von SWANS beeinflussten Godflesh (und beide male traf er dabei im Übrigen auch auf den inzwischen verstorbenen Basser Paul Raven, mit dem er ferner das Kapitel Killing Joke gemeinsam hat). Co-Sängerin/Keyboarderin Jarboe nahm u.a. ein gemeinsames Album mit Neurosis auf. Und Mastermind Michael Gira's spätere, ebenfalls noch aktive Band Angels of Light beinhaltete u.a. auch ein Mitwirken von Dana Schechter, dessen Projekt Bee and Flower wiederum irgendwo zwischen Singer/Songwriter. Jazz und so etwas ähnlichem wie Postrock sogar von Musikhörern geschätzt wird, die sich sonst primär derbstes Getöse reinfahren. Und mit Kreuzverweisen wie diesen könnte man ewig weitermachen ...

Um endlich zur Sache zu kommen: „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ ist ein ohne Zweifel sehr interessantes und spannendes Album, zu dem jemand anders bereits sinngemäß so etwas geschrieben hat wie „es verkörpert alle Aspekte von Swans, dann aber doch wieder keinen davon wirklich“. Ganz krassen Lärm und völlig zermürbend monotone Stampfrhythmen wie in den Anfangsjahren findet man auf dem ersten SWANS-Album seit dem 1996er „Soundtracks For The Blind“ nach wie vor nicht mehr (auch wenn 'My Birth' und 'Eden Prison' nah dran sind!). Was allerdings nicht heißt, dass es hier nicht doch auch schon mal etwas lauter und schräger zugeht. Tragendes Element ist mehr denn je die Stimme von Michael Gira, die an sich schon eine gehörige Intensität mitbringt. Oft einem gewissen Minimalismus frönend pendelt er dabei mit seinen Mitstreitern zwischen Klangcollagen und eigensinnigem Folk. Zwischen Noise- und Postrock. Zwischen metaphysischer Sphäre und greifbarem Boden. Macht in einer Art und Weise von Laut-/Leise-Dynamiken Gebrauch, wie man es nicht alle Tage hört. Erinnert hier mal etwas an Tom Waits oder Nick Cave, und dort dann wieder an so was wie The Jesus Lizard oder Cop Shoot Cop, und ja, meinetwegen auch ein bisschen an Neurosis (zumal mir keine besseren Referenzen für die brodelnde Noiserock- und Industrial-Kante von 'My Birth' und 'Eden Prison' einfallen). Das alles mit einer generellen Herangehensweise, die auch eine gewisse Verwandtschaft im Geiste zu den Neubauten zeigt.
Die Musik auf diesem Album findet jedenfalls auf eine faszinierende Art und Weise in den hier ganz schön großen Fugen zwischen den Schubladen statt, in die man sonstige Hörgewohnheiten deklarieren würde. Was auch beim nächsten Durchlauf immer noch einer Entdeckungsreise gleichkommt, von der man nicht genug bekommen kann. Also ich zumindest nicht.

Samstag, 2. Oktober 2010

Killing Joke - Absolute Dissent


Anlässlich des neuen KILLING JOKE Albums wird man die Veröffentlichung der „In Excelsis“ EP im Sommer rückblickend ruhig mal hinterfragen dürfen. Denn dessen hymnischer Titeltrack, das schmissige, auf Musikmagazin-Samplern verbratene ‚Endgame‘, sowie das Dub/Reggae-lastige ‚Ghost Of Ladbroke Grove‘ haben es noch mal auf den aktuellen Langspieler geschafft, womit nur ein reguläres Stück und ein unnötiger Remix als Legitimation der EP zurückbleiben.
Die dort angedeutete Marschrichtung, das typische an KILLING JOKE – die mal raue, mal klare, immer unvergleichliche Stimme von Jaz Coleman, sowie der unnachahmliche Gitarrensound von Geordie Walker – in einer aufs quintessenziell-wesentlich konzentrierten Rocksong-Fassung zu präsentieren, wird auf „Absolute Dissent“ fortgeführt. Allerdings, und das lies mich aufatmen, knallen und grooven die ersten drei Songs des Albums (Hammer: 'The Great Cull'!) dann trotz dieser konventionelleren Rockigkeit doch erst mal mit etwas mehr energischem Biss und Lärm als das ohne Frage zwar gute, aber partiell doch etwas steife EP-Material.
Denn ich persönlich schätze ja an KILLING JOKE vor allem die Sachen, die so ein bisschen schmutzig und aggressiv, oder episch und mit Metal-Kante, bis zu apokalyptisch tönen. Dass sie auch anders können, zeigen sie allerdings auch auf dieser Platte mal wieder:
Nach der mitreißenden Eröffnungs-Trilogie nimmt 'In Excelsis' das Tempo raus, um den Weg für den 'European Super State' zu ebnen. In jenem, recht popigen Stück, wird der KJ-Sound vordergründig mit elektronischen Komponenten fusioniert, was hier dann irgendwie etwas aus dem Rahmen fällt.
Auf besagten Track folgt mit 'This Wolrd Hell' dann allerdings überraschend der härteste und metallischste der Scheibe, dessen düsterer, krachiger Doublebass-Refrain einen förmlich mit böser Fratze umfaustet. Nach dem temporeichen 'Endgame' schaltet das Album dann allerdings in der zweiten Hälfte komplett einen Gang runter. 'The Raven King' (natürlich dem verstorbenem Basser Paul Raven gewidmet), 'Honour The Fire' und 'Here Comes The Singularity' (Waaahnsinns-Refrain!) sind wesentlich popigere Nummern im gewohnten KJ-Klanggewand.
'Depthcharge' kommt zwar noch mal mit Industrial-metallischem Ansatz daher, ist allerdings der einzige Song, den ich eher weniger gelungen finde.
Das bereits bekannte ‚Ghost Of Ladbroke Grove' schließt dann noch passend wie ein Epilog oder Abspann ab.

Unterm Strich schließen sich hier einige Kreise. Die wieder vereinte Originalbesetzung der Band (dessen Ur-Rhythm Section sich dabei übrigens in superber Form zeigt!) hat mit „Absolute Dissent“ ein Werk aufgenommen, das sich wie schon erwähnt um den Kern ihres, über die Jahr(zehnt)e experimentierend in verschiedenste Richtungen ausgeweiteten Stils konzentriert, dabei allerdings eher weitgehend in der „Alternative Metal“-Ecke jüngerer Jahre bleibt, als zu sehr noch mal aus vergangenen Wave/Post-Punk-Phasen zu fischen. Womit dann allerdings und tatsächlich ebenfalls auch noch mal eine gewisse Nähe zum jetzt gerade 30 Jahre (!) alten Debüt gegeben ist. Wie gesagt, hier schließen sich Kreise. Eigentlich hätte dieses Album das zweite selbstbetitelte werden müssen, und nicht die 2003er Scheibe mit Dave Grohl am Schlagzeug.

Um es auf dem Punkt gesagt zu haben: „Absolute Dissent“ ist ziemlich super!
Auch wenn die KJ-Lieblinge eines Krachfetischisten mit Metal- und 90er-Alternative-Background wie mir vor allem (Debüt beiseite) die beiden besonders bösartigen „Extremities, Dirt & Various Repressed Emotions“ und „Hosannas from the Basements of Hell“ sind – dieses Album kann so einiges!


Die Bonus-Disc der Deluxe Edition ist übrigens ein Tribut-Sampler und ich sage es mal ganz offen und ehrlich: Rohrkrepierer wie Fear Factory's lustlos klingende Verhunzung von „Millennium“, oder „Requiem“ im geglätteten Plastiksound der Foo Fighters muss man wirklich nicht gehört haben.