Montag, 28. Dezember 2009

Klassiker ...

Youtube-Fundstück: Die UK-Rapper GUNSHOT performen ihren auch in Alternative-Kreisen bekannten Clubhit "Mind of a Razor" back in the 90ies zusammen mit keinem Geringeren als Napalm Death' Shane Embury live:

Dienstag, 22. Dezember 2009

Musikalischer Jahresrückblick (1) - Alben 2009

2009 war ein gutes Jahr, was harte Spartenmusik angeht. Und wie schon zuvor etwas erwartet stand 2009 voll und ganz im Zeichen der „Beardo-Musik“, und das gerade auch bei mir, der sonst eigentlich so ein bisschen der Trendverweigerer sein möchte. Ich kann es aber drehen und wenden wie ich will, meinen Lieblingsalben `09 muss ich alberne Etikette wie „Stoner Metal“, „Prog-/Post-Metal“, „Frickel-Sudgecore“ und „Math-Noiserock“ anheften. Hier meine vier Lieblinge, die man eigentlich auch fast als vier mal Platz 1 deuten kann, denn eine tatsächliche Top5-Rangordnung oder so etwas aufzustellen, ist mir dieses Jahr unmöglich (wie die besten 4 sortieren und was auf 5 packen? *haarerauf*) …

Top-Alben 2009
BARONESS – Blue Record
DŸSE – Lieder sind Brüder der Revolution
KEELHAUL – Keelhaul’s Triumphant Return To Obscurity
KYLESA – Static Tension

Wie gesagt und unschwer zu erkennen, bewegen sich meine vier meistgehörten und –geliebten Alben diesen Jahres alle so ein bisschen im gleichen Feld. KYLESA sind die mit Psychedelic-Akzenten versetzte, straighte Auf-die-Fresse-Variante der „Stoner Mertal/Sludgecore“-Ecke, BARONESS in ihrer Stilmixtur von dort trotz aller „Ungehobeltheit“ noch etwas näher an klassischen (Prog-)Rock/Metal gerutscht, KEELHAUL klingen als verspielt-jazzige, kantige Vertreter besagten Genre-Felds anno 2009 zwar etwas geordneter und songdienlicher denn je, dafür aber immer noch unverkennbar und wild, und das neben diese drei Ami-Bands auch noch grob irgendwie mit in die gleiche Schublade passende Ossi-Ausnahmeduo DŸSE hat mit dem aktuellen Wunderwerk verqueren Noiserock-Gelärmes ebenfalls den ganz großen Wurf abgeliefert.

Müsste ich nun aus den besten Alben 2009 eine Top10 aufstellen, so würden sich die weiteren sechs Plätze aus folgenden Alben rekrutieren (alphabetisch geordnet):

DÄLEK - Gutter Tactics
DYSRHYTHMIA - Psychic Maps
MARS VOLTA, The - Octahedron
MASTODON – Crack The Skye
NAPALM DEATH - Time Waits For No Slave
SÓLSTAFIR – Köld

Was wurde dieses Jahr doch ein Wind um MASTODON gemacht. In der Fachpresse, ob Metal oder Indie, tut man nun auf ein mal so als wäre diese früher eher etwas verschmähte Band nun auf ein mal in den Rock-Olymp aufgestiegen. Zugegeben: Objektiv ist „Crack The Skye“ ein sehr, sehr gutes Album. Aber auch ein sehr glattes. Die Band lässt hier fasst sämtliche Ecken und Kanten vermissen, die sie zuvor so faszinierend machten. So ist es eben auch „nur“ ein ziemlich gutes Album, dass subjektiv nicht gerade zu meinen Lieblingen gehört. Auch THE MARS VOLTA haben ihr ruhigeres Pop-Album abgeliefert, welches als solches dann aber doch zu gut war, um von mir ignoriert zu werden. Die Instrumental-Frickelrocker DYSRHYTHMIA sind dagegen ein ganzes Stück brutaler und brachialer geworden, eigentlich ist das schon ziemlich nah an Meshuggah und ein faszinierendes, regelrecht Hirnwindungen verknotendes Album. Die Alternativ-Hiphopper DÄLEK haben dieses Jahr ebenfalls ihr meiner Meinung nach bestes Album abgeliefert, facettenreicher als sonst und auch irgendwie mehr catchy, und auch das aktuellste Werk von NAPALM DEATH dürfte eines der Stärksten ihrer jüngeren Discographie sein. Wären da last but not least noch die Ex-Black Metaller SÓLSTAFIR, für deren epischen Rock man gar nicht so recht eine Schublade finden will, deren Album aber immer noch bei jedem Durchlauf zu packen weiß.


Sonst noch gut – Alben, die vielleicht nicht nachhaltig in der Dauerrotation waren und somit auch nicht innerhalb der Bestenliste, aber dennoch als ziemlich gut erwähnenswert sind:

CHURCH OF MISERY - Houses Of The Unholy
EISENVATER – IV
GODS WILL BE DONE - The Book Of Blood
GOSSIP - Music for Men
IMMORTAL – All Shall Fail
KREATOR - Hordes Of Chaos
MORRISSEY - Years Of Refusal
SHRINEBUILDER - Shrinebuilder
TOMBS - Winterhours
VOIVOD - Infini
VOMITORY - Carnage Euphoria
ZU - Carboniferous

Zusammengefasst: MORRISSEY und GOSSIP sind für die Portion Pop zwischendurch die perfekten Alben für verkaterte Sonntage, das dreckige Doomgerocke von CHURCH OF MISERY der Soundtrack, der beim Vorglühen voranging. Der Neurosis-, Klling Joke- und Voivod-Fan in mir liebt diesen schrägen, atmosphärischen, dennoch brachialen Stil, den sowohl die reformierten Artcore-Dinosaurier EISENVATER inzwischen und ferner auch das New Yorker Trio TOMBS frönen, die Supergroup SHRINEBUILDER zieht sich souverän aus der Affäre und VOMITORY sind wohl derzeit so ein bisschen mein Fave in der Death Metal-Ecke. Die Zirkus-Black Metaller IMMORTAL und die irgendwie auf ihre alten Tage immer einfältiger in Metal-Klischees (zurück)rutschenden KREATOR gehen eigentlich schon so ein bisschen als „Guilty Pleasure“ durch, hier gilt aber irgendwie: Wenn man das schon machen muss, dann ist es so genau richtig - auch wenn gerade die IMMORTAL-Scheibe offensichtlich eine sehr geringe Halbwertzeit hat (ähnliches gilt im Übrigen auch für das saisonell begeisternde Albun von VOIVOD). Die Hartjazzer ZU, die sich die Songs mit Mike Patton auf dem Album hätten sparen können, hätten vielleicht bessere Karten gehabt, wenn die neue Dysrhythmia nicht so gnadenlos geil ausgefallen wäre, aber letztere flasht mich dann doch irgendwie mehr als der Trötcore der Römer.

Die beiden schizophrenen Alben
Etwas, über das ich die ganze Zeit schon mal bloggen wollte, ist folgende Tatsache: FUTRE OF THE LEFT und THERAPY? hatten dieses Jahr viel gemeinsam. Beide Bands aus Britanien (erstere Waliser, zweitere Nordiren) veröffentlichten Alben, die ich zur Hälfte total geil fand, deren jeweils andere Hälfte aber doch sehr abfällt, auch wenn sie nicht wirklich schlecht ist. So haben FUTURE OF THE LEFT zwar wahnwitzigste Noiserock-Attacken zu bieten, gegen die einige nicht wirklich schlechte Indierocker auf „Travels With Myself And Another“ dann aber doch eher nur noch wie ein laues Lüftchen tönen und verfliegen. Ähnlich ist es mit THERAPY?, die auf „Crooked Timber“ auch mal wieder einen etwas sperrigeren Sound für sich entdeckt haben und damit einige wirklich energische Lärmrocker aus dem Hut zaubern, bei den nicht wirklich schlechten Popsongs der Platte diesen "Sturm und Drang-Faktor" dann aber irgendwie zu sehr vermissen lassen um in Gänze zu überzeugen. Da hätte in beiden Fällen irgendwie noch mehr drin sein können/müssen ...

Irgendwie durchs Raster fallen
mir eigentlich aufgrund der Fülle potenziell interessanter Veröffentlichungen jedes Jahr ein paar sehr gute Alben. Vor allem quer durch die Sparten, die mir zwar auch was zu bieten, aber nicht so schwerpunktmäßig frequentiert werden wie mein Lieblingslärm. Dieses Jahr ist es so schlimm, dass mir nach dem Motto „zu viel tolle Musik, so wenig Zeit“ bereits gehörtes und für gut befundenes trotzdem irgendwie nur flüchtig ans Ohr kommt.
„Beggars“ von THRICE z.B. ist sehr gut. Irgendwie hör(t)e ich das Album dann aber bisher doch nur so selten, dass es mir gar nicht in den Sinn kam, es mit in eine Auflistung zu packen. Die aktuelle CONVERGE wartet eigentlich auch immer noch darauf, von mir gebührend unter die Lupe genommen zu werden, genauso wie „The Eternal“ von SONIC YOUTH. BRUTAL TRUTH und AGORAPHOBIC NOSEBLEED hatten ebenfalls irgendwie noch gar keine Chance auf Dauerrotation. Naja, Weihnachten rum könnte nun davon vielleicht tatsächlich noch mal was nachrücken.

Bisher komplett durchs Raster gefallen
sind mir an Alben, die ich eigentlich gerne mal hören wollte, bei denen ich es bisher aber bisher schlichtweg nicht geschafft habe: Beak>, Between The Buried And Me, Zola Jesus, Omar Rodriguez-Lopez' Xenophanes, Pissed Jeans, Fuck Buttons, (nicht lachen:) Kiss, Circle, Sights & Sounds, Urfaust, A Place To Bury Strangers, Minsk, Howl, Katatonia, Japandroids, Eisenpimmel, Clutch, Obscura, 16, Man must die, …
Einige davon hole ich vielleicht in Kürze noch mal nach, andere vielleicht aber auch nie ...


Black Metal & Drone
Überhaupt nicht berücksichtigt habe ich bis jetzt einige Alben, die bei Anderen wohl ganz oben in den Bestenlisten mitregieren. Auch hier gehe ich davon aus, dass ich sie erst jetzt bei Winterwetter und mehr Ruhe bald erst noch so richtig zu würdigen lerne. Die Rede ist von WOLVES IN THE THRONE ROOM, SUNN O))) und PYRAMIDS WITH NADJA. Die New Yorker Neuentdeckung LITURGY sollte ich wohl auch noch erwähnen.

Ein paar Kleinformate und irreguläres, kurz abgehakt: Die Dauerfeuer-EP „Luxusvernichtung“ von JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, ihre gemeinsame Split-Veröffentlichung mit EISENVATER, die Split von MASERATI und ZOMBI, sowie die WOLVES IN THE THRONE ROOM 2-Song-EP „Malevolent Grain“ sind mehr oder minder recommended.


Last & Least: Rohrkrepierer, Gurken und Enttäuschungen 2009
MUSE – The Resistance
ISIS - Wavering Radiant
BURNT BY THE SUN - Heart of Darkness
SLAYER – World Painted Blood

Ja, jetzt ist es raus. Ich finde die aktuelle SLAYER wohl irgendwie langweilig und belanglos. Oder sagen wir mal ich brauche sie einfach nicht. Es gibt zu viele potenziell gute und interessante Musik, als dass ich heutzutage noch meine Zeit dazu verschwenden müsste mir ein mittelmäßiges SLAYER-Album schön zu hören, oder so zu tun als wäre es der Knaller, nur weil SLAYER drauf steht und drin ist. Kann man sich bei so `ner heiligsten aller Kühe auch ruhig mal ungeniert eingestehen. Vielleicht wirds ja beim nächsten mal wieder was. Bei ISIS wiederum verstehe ich wieder mal nicht vollkommen, warum Viele auf die so steilgehen müssen. „Wavering Radiant“ ist für mich einfach nur eine lachhafte Nullnummer, sorry. Das ziellos-gleichförmige Aggro-Gepolter, das BURNT BY THE SUN als finales Werk abgeliefert haben, brauche ich eigentlich auch nicht. Und MUSE? Die haben mit ihrer glattpolierten, kitschtriefenden ZDF Fernsehgarten-Musik dieses Jahr den absoluten Vogel abgeschossen.
Unterm Strich muss ich wohl außerdem auch noch zum BURIED INSIDE Album "Spoils of Failure" gestehen, hier wohl viel höhere Erwartungen gehabt zu haben als einfach nur solides Sludgecore-Geschleppe ohne interessante Impulse. Denn im Gegensatz zum Vorgänger "Chronoclast" gerät es schon jetzt bei mir nahezu in Vergessenheit.

Soweit.

[Irgendwann die Tage auch noch hier zu lesen: Mein Konzert- und Festivaljahr 2009.]

Montag, 21. Dezember 2009

rage against the charts...

Als Musikblogger fühle ich mich versucht, einen Kommentar zu dieser "Killing in the name”-Sache abzusenfen. Aber wisst Ihr was? So witzig und vielleicht auch nötig so eine Aktion mal war, so egal ist mir das irgendwie auch …

Freitag, 18. Dezember 2009

Scumrock anyone?

Mein alter Kumpel Adam, seines Zeichens Gitarrist der OWL-Altherren-Thrasher Gods Will Be Done (ja nu, die Werbung hat er sich damit wirklich verdient), hatte einen guten Riecher dafür, mit welcher Art musikhistorischer Skurrilitäten man mich begeistern kann, als er mir folgenden Youtube-Link schickte:

In den 80ern gab es mal ein Video-Musikmagazin namens „Hard ‘N‘ Heavy“ (ja, das wurde wirklich auf Videokassetten verkauft). Mehr Momentaufnahme als irgendwie strukturiert, stellte es in groben Portraits Live-/Clip- und Interview-Sequenzen nebeneiander, die diverse Bands aus der Metal-Szene und den verschiedenen aufkommenden Subsparten in den Mittelpunkt stellten. In einer Ausgabe wurde die in New York City ansässige, sogenannte „Scumrock“ -Szene beleuchtet. Besonders sehenswert sind in diesem Beitrag die REVERB MOTHERFUCKERS (starten so ab 03:29):



Ich möchte mir gar nicht ausmalen wie die Welt heute aussehen würde, wenn sich damals statt Seattle’s „Grunge“ der New Yorker „Scumrock“ als der Generationen prägende Sieger der Evolution mit Underdog-Image durchgesetzt hätte, und nicht Cobain und Vedder, sondern die REVERB MOTHERFUCKERS zu den Posterboys einer Ära avanciert wären …

(Notiz am Rande und Spaß beiseite: Was hier als „Scumrock“ etikettiert wird ist tatsächlich ein früher, undergroundiger Teil der vor allem im New Yorker East Village stattfindenden Alternative-/Noise-Rockmusikszene, aus der Bands wie Cop Shoot Cop, Helmet, Unsane, außerdem die ursprünglich von Washington rübergemachten Pussy Galore und Boss Hog, und sogar White Zombie hervorgingen.)

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Black Metal gone wrong ...

Kürzlich gönnte ich mir sporadische Hörproben zweier Bands, die ich anlässlich ihrer aktuellen Alben und sowieso generell mal nachholen wollte und irgendwie blieb es dann auch nur bei sporadisch...
1.) Anaal Nathrakh, in die ich schon immer mal reinhören wollte, weil Napalm Death' Shane Embury live mal mitgemacht hat. Aber was für eine verkappte Comedy-Band ist das denn bitte? Eine eklektische Extremmetall-Mixtur, die mit kaputtem Geschrei, bösem Gegrunze und pathetischem Gejodel auf ein mal, zwischen schlechtem Drumcomputer-Blastbeasts und cheesy Gniedel-Leads alles zusammenwürfelt, was man zusammenwürfeln kann? Kann ich null ernst nehmen, sorry.
2.) Krallice: In der Tendenz erst mal nicht uninteressant, weil aus dem personellen Umfeld von Dysrhythmia und Behold... The Arctopus. Ferner war einer von denen an der Produktion der Liturgy-Scheibe beteiligt, die ich ganz gut finde. Bei Krallice selbst krankt es jetzt aber ausgerechnet daran: Mag sein, dass die Band die Art von BM spielt, die ich in letzter Zeit mal wieder ein bisschen für mich entdeckt habe und ferner dabei auch interessante experimentelle Ansätze hat, die Produktion klingt aber wirklich nach amateurhaften Wohnzimmerversuchen. Inzwischen bin ich ja auch der Ansicht, dass Black Metal etwas rohes und dahingerotztes haben muss, das von perfektionistisch-modernen Produktionen manchmal kaputtgemacht wird, aber mit Schuhkarton-Drums und flachem Rasierapparat-Gitarrensound kann man bei mir auf dem falschen Fuß erwischt halt auch nicht gerade viel reißen ...

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Vierteilen

Am 30.01.2010:
- Baroness & Dÿse in Köln.
- Japanische Kampfhörspiele & Eisenvater in Essen
- Kong & Long Distance Calling in Dortmund

- (Neurosis') Scott Kelly in einer Tropfsteinhöhle in Iserlohn

Wo zur Hölle soll ich da denn dann bitte hingehen???

Dienstag, 15. Dezember 2009

Netzmusik

Einen neuen Song der SMASHING PUMPKINS gibt es gratis (hier.mp3), für einen neuen von PORTISHEAD muss man bei 7digital mal eben 99 Cent dafür rüberschieben.

Bald hier zu lesen: Musikalischer Jahresrückblick.

Montag, 14. Dezember 2009

Sonntag, 13. Dezember 2009

Waltari ...

Liebes Tagebuch,
gestern sah ich mal wieder WALTARI live. Zum ersten mal seit sieben Jahren oder so (Gott, wie die Zeit verrinnt). Wie schon an anderer Stelle mal erwähnt, waren WALTARI von Mitte der 90er bis knapp über die Jahrtausendwende mal eine meiner absoluten Lieblingsbands. Irgendwann überwanden sie ihren kreativen Zenit, genauso wie sich mein Musikgeschmack noch mal etwas veränderte, und man ging im Guten getrennte Wege.
Zurück zum Konzert, war es dennoch irgendwie schön zu sehen, wie es diese finnische Band immer noch schafft, ihren Konzertbesuchern ein breites Lächeln ins Gesicht zu zaubern und die Masse geschlossen zum tanzen zu bringen. Auch wenn ich die Hälfte der Songs nicht mehr kannte und nicht wirklich essenziell kennengelernt haben hätte müssen, diverse alberne Uralt-Klamotten wie „Stückchen Brot“, die ins Set eingebaut wurden, auch nicht sooo wirklich unbedingt hätten sein müssen, und ich das Groß der aktuellen Besetzung nicht mehr kenne – ja doch, es hat auf die alten Tage dann doch noch mal Spaß gemacht. Knaller wie „Athmosfear“, „Far Away“, „So Fine“ oder das 2Unlimited-Cover „No Limit“, in das dann auch noch ein bisschen Megadeth mit eingebaut wird, forderten auch mich noch mal zum zufriedenen Grinsen und ein bisschen Bewegung auf. Für ein kurzweiliges Stündchen fühlte man sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückversetzt in die etwas unschuldigeren, lebensfroheren, unbeschwerteren Zeiten.
Alte Liebe rostet nicht? Nun ja, es gibt Zeiten, die einfach vorbei sind. Ein kleines, mehr oder minder unverbindliches Revival, das einem noch mal einen gemeinsamen Moment der Freude und schöner Erinnerungen beschert, ist manchmal dennoch nicht das verkehrteste.
Irgendwie ist es schön zu wissen, dass Bandkopf Kärtsy und seine Jungs immer noch ihren Stiefel durchziehen und damit immer noch ihre Anhänger haben. Selbst, wenn ich persönlich nicht mehr so richtig darin aufgehe, wie anno dazumals mal. Aber wie gesagt: Schon irgendwie toll, dass es sie noch gibt, auch wenn meine persönliche Prioritäten in Bezug auf musikalische Unterhaltungskunst inzwischen woanders liegen ...

Dienstag, 8. Dezember 2009

Liturgy - Renihilation

Wenn über eine Geheimtipp-Band, die jüngst sogar schon in eher Metal-unaffinen Jahresbestenlisten auftaucht, und das mal wieder früher als in großen Metal-Gazetten, und an anderer Stelle schon wieder was von wegen „hip aber trotzdem gut“ zu lesen ist, mag das irgendwie ins Bild passen, gerade bei einer Band wie LITURGY. Aus Brooklyn, New York Citry, nicht das gleichnamige Projekt aus dem Chicagoer Brodequin/Disgorge-Umfeld.
LITURGY frönen intensivem 2nd Wave-Black Metals in Reinform, gepaart mit einem Selbstverständnis und Auftreten, das eher mit Flanellhemd von links aus der Indie/Alternative/DIY-Ecke kommt, anstatt sich einfältiger Leder/Nieten/Corpsepaint-Dressodes und alberner Ideologien im Zeichen es Bösen bedienen zu müssen.
Damit passen sie natürlich irgendwie in den Zeitgeist einer- wenn man so will - „New Wave of USBM“, die sich gerade vor allem in der „Beardo-Szene“, sprich bei Freunden von Sludge-/Stoner-/Post-/Drone-/etc.-Zeugs großer Beliebtheit erfreut.

Das Interessante daran: Selbst wenn ich versuche am unpassenderweise im August veröffentlichten Album „Renihilation“ etwas auszusetzen, fällt es mir irgendwie schwer. Es mag damit zusammenhängen, dass mein nur sporadisch/ saisonell auftrentender Black Metal-Enthusiasmus aktuell mal wieder vorhanden ist. LITURGY kriegen aber doch immer wieder die Kurve. Die Melodiebögen der manchmal zweistimmigen Gitarren werden z.B nie so cheesy wie etwa bei einer (lieb gement:) Zirkuskapelle a la Immortal, während der manchmal doch etwas zu quietschig nach Rasierapparat klingende Sound (fatalerweise auch gerade beim ersten Song nach dem unbetitelten Intro ... davon sollte man sich nicht vorschnell abschrecken lassen) trotz aller Rau- und Rohheit immer noch satt und druckvoll genug ist, nicht als gewolltes LoFi-Homerecording anzumuten. Wenn man der Band anlasten möchte, etwas eigene Identität vermissen zu lassen, streuen sie dann doch wieder vereinzelt kleine Ideen ein, die dem Ganzen wiederum doch etwas eigenes verpassen.

Etwas polemisch könnte ich sagen, dass wem Wolves In The Throne Room schon längst zu Konsens sind und Nachtmystium mit ihren Sax-Einlagen etc. zu künstlerisch ambitioniert scheinen, derjenige der Oberchecker sein könnte, jetzt schon diese in Kürze bestimmt noch etwas mehr durchstartende Band auf dem Zettel zu haben. Als jemand, der die Combo auch nur zufällig Übersee in Touristen-Situation kennengelernt hatte, weil sie gerade der Local Support von Melt-Banana war, möchte ich mir eine solche Selbstgefälligkeit allerdings nicht erlauben. „Hipness-Faktor“ hin oder her muss ich allerdings gestehen, dass solch ideologisch alternativer, musikalisch purer Underground-Black Metal aber doch ziemlich meinen Nerv trifft. Und es müsste schon mit dem, hehe, Teufel zugehen, wenn LITURGY da nach diesem bereits sehr soliden Album nicht demnächst in der Oberliga der entsprechenden Subszene mitspielen ...

Kleiner Rundumschlag

  • Der tragische Tod ihres Drummers vor einem Monat wurde in entsprechenden Spartenmedien und Internetforen bereits thematisiert, ich komme trotzdem nicht umhin leider zu Protokoll geben zu müssen, dass mich der aktuelle MASERATI-Release „Passages“ eher ziemlich enttäuscht - handelt es sich dabei gar nicht um einen regulären, neuen Longplayer, sondern eine Veröffentlichung mit EP-/ Compilation-Charakter: Remixe von Songs des Vorgängeralbums und Material, das bereits auf der Split mit Zombi verwurstet wurde. Naja …

  • Das kommende JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE Album „Bilder fressen Strom“ ist – so viel steht nach ein paar Durchläufen dann jetzt doch fest – ziemlich bombig geworden.

  • Nur um es (noch) mal erwähnt zu haben: MELT-BANANA veröffentlichten letzten Monat mit „Melt-Banana Lite Live ver 0.0“ ein experimentelles Live-Album, das gänzlich ohne Saiteninstrumente auskommt und stattdessen Vocals und Drums mit japanoisen Synthetiklärm begleitet. Kurz davor erschien auch noch eine neue 3-Song-EP als 7“-Schallplatte und 3“-CD.

  • Auf dem „jetzt bald endlich mal hören oder gar erst noch zulegen“-Zettel stehen als nächstes außerdem noch die aktuellen Alben von BETWEEN THE BURIED AND ME, LITURGY und diese PYRAMIDS WITH NADJA-Sache …

  • Heute jährt sich mal wieder der Todestag von Dimebag Darrell. In Gedenken:

Sonntag, 6. Dezember 2009

Live in NY

Okay, drei mitgenommene Livemusik-Gastspielveranstaltungen scheinen in fast zwei Wochen New York City nach eher wenig aussehen, aber viel essenzielles hatte ich dann in der Zeit erstaunlicherweise doch nicht auffem Zettel. Und als es einen Tag darum ging, sich für überteuerte Tickets bei Rob Zombie oder überteuerte Getränkepreise bei Russian Circles zu entscheiden, war ich zugegeben zu kaputt für irgendwas. Hier dennoch eine kleine Zusammenfassung der Konzertbesuche meiner Big Apple Reise:

MELT-BANANA, LITURGY
23.11., Bowery Ballroom
Gewöhnungsbedürftig waren schon mal die horrenden Bierpreise im an sich recht angenehmen Vorraum des Bowery Ballrooms. Im Konzertsaal mit Schützenfesthallen-Flair eröffneten dann vor den japanischen Unikaten erst mal LITURGY. Bei jenen handelt es sich um eine wohl nicht mal so untypische USBM-Band: Ein paar eher unmetallisch aussehende College-Bubis frönen dem fiesem, atmosphärischen Sound im Sinne der norwegischen Erfinder. Und das sogar eigentlich ganz geil, sollte man mal im Auge behalten. MELT-BANANA enterten dann erst mal in der so genannten „Melt Banana Lite“-Inkarnation die Bühne, unter dessen Banner kürzlich ein Live-Album veröffentlicht wurde. Wie auf jenem oder auch ein paar Songs des letzten regulären Longplayers „Bambi's Dilemma“ kommt diese Version der Band ohne Saiteninstrumente aus. Im Dunklen trugen Sängerin Yasuko und Gitarrist Ichirou Agata neben Kopflampen irgendwelche Gerätschaften, mit denen sie synthetischen Rauschlärm fabrizierten, der sich als musikalisches Mittel mit Drums und Vocals zu Songs vereinte. Nach einiger Zeit wurde das Licht etwas heller, die Kopflampen abgelegt, Agata schnallte sich die Gitarre um, Bassistin Rika kam hinzu, und es gab die gewohnt punkige Mayhem aus Grind-Blastbeats und Gitarrenkrach um die Ohren. Das Spielchen mit der Aneinanderreihung ultrakurzer Ballersongs-Eruptionen blieb dieses mal aus, dafür gabs aber ansonsten am Konzert rein gar nix zu mäkeln. Nächstes mal hierzulande auch gerne wieder ...

GWYNNBLEIDD, SEA OF BONES, ACROSS TUNDRAS
27.11., Union Pool
Die Brooklyner Ecke Williamsburg soll ja so eine Sache für sich sein. An diesem Abend bekam man ein bisschen davon zu spüren. Der herrlich rustikale Konzertraum gehört zu einer Kneipe, in dessen Hauptbereich eine eher gemischte Studentenparty bei Popmusik tobte. Ich will es ja eigentlich nicht zu laut ins Weltnetz brüllen, aber man wurde als aufmerksamer Beobachter das Gefühl nicht los, dass da irgendwie Russenmafia involviert sein könnte. Diverse Vorurteile, die man im Netz über die von Beardo-Hippstern frequentierte Konzert-Location lesen konnte, sollten sich dann zusätzlich sogar bestätigen: Während ich als Langhaariger im entsprechenden Dresscode von der tätowierten Thekenschnalle freundlich und zügig bedient wurde, bekam einer meiner etwas weniger nach Metal/Stoner aussehenden Kollegen (der nebenbei bemerkt eigentlich derbsten Death Metal favorisiert und ja auch nur Fotograf für u.a. das RockHard ist) tatsächlich nicht so bevorzugt behandelt. Was soll man dazu sagen?
Bei unserer Ankunft waren SEA OF BONES jedenfalls schon in vollem Gange. Und wie! Der Drummer saß vorne am Bühnenrand mit dem Rücken zum Publikum, die Gitarristen/Gröler zwischen ihm und einer Wand aus Amps. Geboten wurde fettes, brutales, tiefgelegtes Doom/Sludgecore-Gegroove mit Grunzvocals und permanent vorhandenem Grunddröhnen, das einem die Schuhe auszog. Ob man die Band auf Platte braucht, ist streitbar, live war das allerdings doch ein intensiver Orkan, der mir beim Budweiser süppelnden SloMo-Bangen ein zufriedenes Grinsen abverlangte.
ACROSS TUNDRAS aus Nashville hatten danach bei mir persönlich einen schweren Stand. Ihr leichfüßigeres Stonergerocke war summa summarum bis auf die etwas kraftlosen Vocals schwer in Ordnung.
Die frenetisch empfangenen (Lokalhelden?) GWYNNBLEIDD gingen dann eher als so eine Art „Opeth light“ durch. Melo-Death mit Grunz- und Gesangsparts, akustischen Passagen mit mittelalterlichem Folk-Flair, spielerisch sehr gutem Drummer und langen Songs, deren Riff-Melodiebögen auffälligerweise oft auf der gleichen Harmonie zu basieren schienen. Keine Band, die ich mir persönlich auf die Prioritätenliste schreiben würde – für das, was es ist, aber doch eine sehr gut reingehende Angelegenheit.


BEE AND FLOWER. WireMen, Paul Wallfisch
30.11., The Delancey
Der Laden: Eine sehr, sehr nette Bar im südlichen Manhattan, dessen schummeriges Ambiente wirklich gemütlich ist. Im Keller tobte allerdings zusätzlich eine Techno-Party, dessen Bässe gerne mal hochvibrierten. Der Main Act: Das Baby einer kreativen Dame namens Dana Schechter, die zwischenzeitlich mal in Berlin residierte, u.a. auch ein Album auf Neurosis' Neurot Recordings veröffentlichte und hiermit zum ersten mal seit Jahren überhaupt mal wieder in Erscheinung trat. Und das dann auch noch für kostenlosen Eintritt.
Den Anheizer machte dann allerdings erst mal der zwischendurch auch als Moderator fungirende PAUL WALLFISCH aus der Schweiz. Ein Mann und sein Klavier. Wozu ich eigentlich nicht mehr sagen kann als dass es tatsächlich ganz gut war.
Hinter den WIREMEN verbarg sich eine Truppe, die sich zum Großteil aus Bee And Flower-Musikern rekrutiert, hier aber als eigenwilliges Ensemble etwas macht, das neben recht seltsamen Trompeteneinlagen sehr nah an Tom Waits ist.
Die gute Dana hatte dann bei BEE AND FLOWER mit Stromschlägen vom Mikro zu kämpfen, was man wohl nicht so richtig in den Griff bekam und auch erklären dürfte, warum ihre Ansagen zwischen den Songs etwas lustlos und genervt wirkten. Dennoch war sie Vollprofi genug, den Gig nach dem Motto "Augen zu und durch" durchzuziehen. Die einfach nur schöne und sehr sonore Musik von BEE AND FLOWER hatte gerade in der ersten Hälfte, in der viel Material vom kommenden Album gespielt wurde, einen deutlich rockigeren Touch als die bisher bekannten Sachen. Danach wurde es dann aber etwas orchestraler, loungeiger, verträumter. Die perfekte Musik für so eine Location – oder auch die perfekte Location für diese Musik; zu kleine Bühne und zum Urinieren direkt am im Gang stehenden Schlagzeug vorbeigehen müssen hin oder her ...
Unterm Strich ein sehr angenehmer, entspannter Konzertabend (nun ja .. wohl außer für Dana) und ich bin gespannt auf das neue Album.