Dienstag, 31. März 2009

und noch zwei aktuelle Reviews (From Monument To Masses, Therapy?)

Wahnsinnsmonant, dieser März, jedenfalls wenn es um Musikveröffentlichungen geht.

Ebenfalls vor kurzem rausgehauen wurde das aktuelle Album von FROM MONUMENT TO MASSES namens „On Little Known Frequencies“. Die Polit-Postrocker sind noch Unikate, die im angesagt gewordenem Instrumental-Genre eine eigene Note besitzen. Im Gegensatz zum orchestral angehauchten oder psychedelisch abschwebendem Stil anderer Vertreter dieser Ecke bleiben FMTM irgendwie noch etwas fester mit einem Bein im Rock und präsentieren ihren Kram mitunter so gekonnt dargeboten, dass man von einer gewissen Jazz/Prog/Math-Kante sprechen möchte. In diesem Rahmen spielen sie auch gerne mal mit verschiedenen Elementen: Mal kommen neben eingestreuten Sprachsamples auch elektronische Elemente hinzu, mal rockt es auch mal etwas verzerrter oder funkyger, und auch symphonische Elemente werden mal eingestreut. Um ganz ehrlich zu sein, werden FMTM wohl nie den Status einer Lieblingsband von mir erreichen. Oben erwähnte andere Herangehensweisen an derartiges packen mich irgendwie mehr. Aber dennoch: Wenn ein Album wie dieses ein mal läuft, möchte man es auch bis Ende hören. Dem ureigenen Klang und Stilmix dieser Truppe kann man sich dann irgendwie doch nicht so richtig entziehen. Gute Band, gutes Album, wenn auch für mich persönlich kein klassischer Dauerbrenner ...

Als Kind der 90er hat gerade die Ecke, die ich als „Früh/Mit90er Alternative Metal“-Schublade bezeichnen möchte, einen sehr wichtigen Teil meiner musikalischen Sozialisierung ausgemacht. Als damals 'Nowhere' auf MTV in der Dauerschleife lief, spielten (die mir auch schon vorm Durchbruch „Troublegum“ bekannten) THERAPY? sogar um die Ecke in meinem ausverkauften Stammclub und jeder musste dabei sein, selbst wenn man ihn/sie sonst nicht auf musikalisch derart gearteten Events antraf. Aber seien wir mal ehrlich: Ihren Zenit essenzieller Glanzleistungen haben sie schon lange überschritten. Nachdem auf die „kommerzielle Phase“ noch mal ein großartiger, sperrig-lärmiger Ausbruch in Form von „Suicide Part ... you first“ folgte, war der Drops irgendwie gelutscht. So habe ich mich nach dem halbgaren Rotzrock-Album „Shameless“ auch irgendwie nicht mehr für das weitere Schaffen der Band interessiert, als vereinzelte Hörproben späterer Alben ebenfalls davon zeugten, dass hier einfach nichts zwingendes mehr kommt. So richtig essenziell ist das aktuelle Werk „Crooked Timber“ sicherlich auch nicht, aber zumindest lässt es für den Moment aufhorchen. Was THERAPY? her veranstalten, ist in erster Linie wieder näher an Alben wie „Nurse“ oder „Suicide Pact“, welche ich persönlich ja für ihre besten halte. Ein Großteil des Materials tönt innerhalb eines nicht wirklich unzugänglichen Rahmens etwas schräg, krachig und dissonant. Assoziationen zu so was wie Voivod's „Nothingface“ werden geweckt. Wäre das an sich nicht schon gut genug, ist vor allem auch das spielerisch wie produktionstechnisch interessant inszenierte Drumming erwähnenswert. Was einem hier manchmal mit Schmackes an Breakbeats um die Ohren knallt, kommt geil. In diesem Noiserock-Sound tönen sie dann auch mal rock'n'rollig oder etwas popiger (' Itold You I Ws Ill'), aber in der deftigen Würze liegt tatsächlich der Clou des Ganzen. Ob das 10minütige Instrumental nötig gewesen wäre ist so eine Sache, ebenso wie das Haltbarkeitsdatum der Platte, aber einen eigenen Endruck könnt Ihr Euch beim lastfm-Stream machen ...

Samstag, 28. März 2009

Mastodon - Crack The Skye

Eigentlich hatte ich jetzt schon ein etwas polemisch auf anderen Reviewern und Musikfreunden rumhackendes, und mich selbst als selbstherrlichen Oberchecker hinstellendes Review zum neuen MASTODON-Werk zu ¾ fertig geschrieben, dann aber noch umgedacht.

Eines allerdings dennoch vorweg: Man musste kein prophetischer Seher sein, um ein noch etwas mehr auf Progrock-Pfaden wandelndes denn auf brutalen Krawall ausgerichtetes Album zu erwarten. Genauso wie die Tatsache, dass viele Altfans aus der relapsigen Krachmusik-Ecke da dann eher das Kotzen kriegen.

Wie anders oder doch ähnlich zu den vorangegangenen drei Longplayern „Crack The Sky“ ausgefallen ist – das wird gerade in Musik-bezogenen Internet-Communities mit unterschiedlichen Standpunkten heiß diskutiert. Wenn Ihr mich fragt, sind die typischen Elemente der Band nach wie vor da. Das musikalische Gesamtkonstrukt hat sich halt nur mehr auf die atmosphärischen, vertrackten (paradoxerweise dann aber doch zugänglicheren), melodischen, ich möchte schon fast sagen „introvertierten“ Bestandteile ihrer Musik konzentriert, anstatt den brachialen Schlag in die Fresse in den Vordergrund zu stellen. So haben die beiden Mammutnummern 'The Czar' (in vier Akte unterteile 10.54 Min.!) und 'The Last Baron' (13 Minuten!!), oder auch 'Ghost Of Karelia' eigentlich immer noch viel von dem, was sie z.B. auf „Leviathan“ gemacht haben, nur bleiben die ganz brutalen Arschtreter-Momente halt aus. Der Titelttack kriegt dann wiederum den Bogen hin, die Extreme auszuloten: Als einziger Song fährt dieser dann doch mal etwas fieseres, leidendes Gebrüll auf, aber ebenso extra-hymnisch intonierte Passagen. 'Diviations' ist zudem der „kurz und knackigste“, prinzipiell schon als popig zu bezeichnende Song, den MASTODN je gemacht haben, dabei aber immer noch eine rasante Abfahrt aus irrsinnigem Ghostenote-Drumming (geht manchmal im Gesamtsound leider etwas unter) und gekonntem Gitarrrengewichse.

Krass ist im Übrigen auch, dass sich die sieben Songs in 50 Minuten wie eine kurzweilige EP anfühlen, bei denen man an einigen (=nicht allen, aber doch einigen) Stellen gar nicht so richtig merkt, wann ein Track aufgehört und der nächste angefangen hat.

Gut, die Band klingt „zahmer“ als zuvor. Mit dem kaputten Lärm von „Remission“, welches eigentlich immer noch mein Lieblingsalbum von MASTODON ist, hat das an der Oberfläche nichts mehr zu tun. Aber man muss schon ziemlich verbohrt sein, nicht anzuerkennen, dass „Crack The Skye“ ein großartiges, mit jedem Durchlauf wachsendes Prog-Metal-Album ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ach ja: Zum dritten mal in Folge ist übrigens NEUROSIS' Scott Kelly als Gaststar mit von der Partie. Eben jener macht unverkennbar, aber sich dennoch perfekt einfügend die herben Vocals beim Titelsong. Guter Mann.

Hier der Fazit: Wem das hier zu wenig Gebrüll und Geprügel ist, der sollte einfach die Scheuklappen weiterhin aufbehalten, zur aktuellen Kylesa greifen und damit glücklich werden. „Crack The Skye“ ist allerdings gut. Es lässt vielleicht etwas vermissen, was man zuvor an der Band gut fand, aber dieses äußerst homogene Gesamtwerk ist zu gut und rund, außerdem dann doch noch irgendwie wieder zu typisch und quintessenziell, um es nur aufgrund seines Mangels an Aggro-Momenten als Fan der Band nicht zu mögen.

Es wird das für MASTODON äußerst schwierige nächste Album sein, mit dem stehen und fallen könnte, inwieweit man sich dem noch hingeben kann und will, und wieviel kreatives Potenzial dann noch da ist. Bis dahin bin ich mit der aktuellen Scheibe aber dann ja erst mal doch sehr zufrieden!

Donnerstag, 26. März 2009

John Bush "Bonus-Tracks"

Für alle, die wie ich große Fans von Ex-Anthrax- und Armored Saint-Sänger John Bush, einer Ausnahme-Stimme im Rock/Metal-Bereich sind, habe ich ein paar Hinweise vielleicht nicht so bekannter Sachen, bei denen er mitgewirkt hat:

Auf dem Album "Butchering The Beatles" (Amazon-Link), auf dem sich ein zusammengewürfelter Haufen an Heavy Metal-Allstars Songs der 60er-Ikone annimmt, singt er "I feel fine".

Bei einer ähnlichen Tribut-Kiste an die NWOBHM-Götter Iron Maiden namens "Numbers From The Beast" (Amazon-Link) schmettert er "The Wickerman" (sehr, sehr geil!).

Noch mal eine Compilation dieser Art gibt es mit "Dragon Attack: A Tribute To Queen" (Amazon-Link), auf der er mit Unterstützung von Anthrax' Scott Ian und Armored Saint's Joey Vera mit "It's late" verteten ist.

Auf dem ebenfalls ähnlich gearteten, aber aus Eigenkompositionen bestehendem, meiner Meinung nach ansonsten verzichtbaren Nuclear Blast Allstars Album (Amazon-Link), macht er das abgesehen von ihm nicht wirklich erwähnenswerte "Paper Trail" zu Gold.

Schlussendlich muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass er beim Scorpions-Cover "Blackout" auf "Graveyard Classics" (Amazon-Link) von der meiner Meinung nach ja völlig überbewerteten und schnarchigen Grunzmetal-Combo Six Feet Under ein bisschen mitsingt.

Soweit dazu. Und wenn jetzt jemand im Netz zufällig über die Burger King-Werbespots stolpern sollte, für die der Bushmann sein Organ hergab: Bitte dran denken, mir die Links zu schicken. Danke.

Kaotika

Ein witzige kleine Randnotiz, die irgendwie allgemein viel zu sehr untergeht. Simon Bisley ist hauptberuflich eigentlich Comiczeichner. Neben u.a. frühen Lobo-Sachen zeichnete er (in Zusammenarbeit mit wohlklingenden Autorennamen wie Alan Grant oder den durch Preacher und The Punisher berühmten Garth Ennis!) auch höchst skurrile und derbe Judge Dredd-Kurzstories, die hierzulande in den 90ern im Musikmagazin Rock Power abgedruckt wurden. Ferner ein Albumcover für Danzig und ein Single-Cover/Shirtmotiv für Anthrax.

Biz“ spielt allerdings auch selbst Schlaugzeug in einer Band namens KAOTIKA, die sich irgendwie am ehesten an so was wie Old School Grunzmetal orientiert.
Einen ganz netten Song kann man bei myspace hören, ein paar weitere auf mymusicstream. Bei letzteren handelt es sich teilweise aber um übelst klingende Demos mit Wohnzimmer-Gitarrenaufnahmen im Trockenrasierersound.

Bin allerdings dennoch gespannt, ob man davon jemals wieder was hört ...

Dienstag, 24. März 2009

Vaka - Kappa Detla Phi

Auf dem „Post-Metal“-Sektor ist im Januar übrigens mit „Kappa Detla Phi“ von VAKA ein recht interessantes Album erschienen. Interessant vor allem deshalb, weil man den Stil der Band mit vielen Piano- und Synthie-/Orgel-Einsätzen, einer ungewöhnlichen Drum-Produktion und generell einem eigenwilligen Gesamtsound samt phantasievollen Wechseln in Dynamik und Instrumentierung so nicht alle Tage hört.

VAKA nehmen das, was man an Bands wie Neurosis (ja, meinetwegen auch Isis, Tephra, The Ocean, ...) schätzt und führen es in Regionen, in die sich andere Bands so weit noch nicht vorgewagt haben. Der abgefahrene Einsatz von Tasteninstrumenten und bollerndem Tribal-, sowie gerne mal etwas übersteuert kommenden Drumming bringt etwas irgendwo zwischen TripHop, Jazz und vielleicht sogar einen gar nicht mal so geringen Hauch Nine Inch Nails mit darein.
Manchmal scheint das ganze in Kombination mit den eindringlichen Gröl-Vocals etwas übers Ziel hinaus zu schießen (weswegen ich vor allem postrockige Tracks wie die Instrumentals 'Sigma Omega' und das aus dem Rahmen fallend spaceige 'Like An Astronomer', sowie das eine nur kurze Passage mit Vocals auffahrende Mammutstück 'At The Hands Of Loss' ziemlich groß finde – hier hat es dann schon wieder was von Mogwai, Mono, This Will Destroy You und co.!), die unkonventionell arrangierten Songs wiederum schreien jedoch danach, noch mal gehört werden zu wollen.
Für ein eigenes Urteil anhören kann man sich übrigens
das komplette Album bei lastfm.
Ich selbst werde mir für ein definitives Urteil wohl auch noch einige Durchläufe gönnen müssen. Im kompromisslosen Facettenreichtum der Band liegt nämlich auch eine gewisse Gefahr, dass sich bei den 10 Tracks Stückwerk-artig noch mittelfristig die Spreu vom Weizen trennt. Andererseits scheint VAKA geglückt zu sein, was The Ocean auf der zweiten CD ihres „Pecambrian“ vergeblich versucht haben.
Bis dahin bin ich allerdings schon mal etwas beeindruckt ...

Sonntag, 22. März 2009

NIN/JA 2009

Manchmal gibt es witzige Zufälle: Kurz nachdem ich ein paar Songs von NINE INCH NAILS und JANE'S ADDICTION im Player rotieren hatte, stoße ich im Netz über folgenden Link:
http://www.ninja2009.com/
Trent Reznor ist mal wieder in Geberlaune und hat jeweils zwei neue Songs der drei Bands des „Nin/Ja“-Tourpakets umsonst ins Netz gestellt.
Seine eigene Band NINE INCH NAILS ist mit dem leider sehr unspektakulärem Rocker 'Not So Pretty Now' und dem „schon mal gehört“ müffelnden, sehr zurückgelehntem 'Non-Entity' vertreten, welches zumindest einen dieser Brumm-Synthies hat, auf die ich irgendwie stehe. Aber naja, muss man irgendwie beides nicht wirklich haben,
Die Alternative-Legende JANE'S ADDICTION wiederum weiß mit dem sehr typischen 'Whores' (erinnert ein wenig an Hits wie 'Mountain Song') und dem sehr geilen, primär aus Drums/Percussion und Gesang bestehendem 'Chip Away' zu überzeugen.
Die dritten im Bunde sind STREET SWEEPER, ein aktuelles Projekt von Tom Morello (Rage Aginst The Machine). Hier wird zwar natürlich recht knackig gespielter, dafür aber nicht wirklich weiter aufregender und etwas outdated klingender Raprock geboten.

Klarer Punktsieg für JANE'S ADDICTION, würde ich mal sagen. Aber, wie heißt diese alte Binsenweisheit: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Samstag, 21. März 2009

Kylesa - Static Tensions

Alberne Einleitung: Wäre ich eine imperialistische Fastfood-Franchisekette, würde ich den momentanen Musikveröffentlichungszeitraum offiziell als „Sludge-Wochen“ (Achtung, Neudeutsch:) labeln. Das Ende des ersten Quartals '09 steht derzeit nämlich ganz im Zeichen der „Prog’n’Sludgecore“- und „Stoner Metal“-Schiene und allem drum herum.

KYLESA haben mit „Static Tensions“ jedenfalls ein Album hingelegt, gegen das andere im Genre vermutlich nur schwer anstinken können. Dabei zeichnen sie sich vor allem durch eine eigene Note und Abwechslung aus. Songs wie der Opener 'Scapegoat' kacheln erwartungsgemäß energisch nach vorne, und einige Sachen lärmen auch mal etwas verspielter, während sich die Vinyl-Vorabauskopplung ‚Unknown Awareness‘ oder das an orientalisch angehauchte Progrocker erinnernde 'To Walk Alone', begleitet von verkifft klingenden Leads, partiell eher ein wenig träge zurücklehnen. Wichtig und dem aufmerksamen Musikanalytiker auffällig ist dabei vor allem der Groove. KYLESA haben diesen bestimmten Flow - einen Groove, den so nicht viele hinbekommen. Der nicht nur bei den schmissigen Sachen, sondern selbst bei in langsamem Tempo gehaltenen irgendwie gewaltig nach vorne drückt. Zentraler Kern es Ganzen ist natürlich das Doppel-Schlagzeug (ja, diese Band hat zwei Schlagzeuge(r)!!), aus dem man meiner Meinung nach zwar noch mehr Akzente rausholen könnte, das seine Wirkung aber nicht verfehlt.

Und gerade diese Vermengung aus treibenden Doppelschlagzeug, massiven Metal-Riffs, dreckigen Gitarrenwänden von monumentaler Dichte, und einem sehr guten Händchen für Songwriting mit einer Palette an Gangarten vom moderaten Stoner-Song mit Melodie bis zur brutalen Sludgecore-Dampframme ist es, was KYLESA aus dem unübersichtlichem Genre-Sumpf derzeit hervorhebt.

Ich will nicht noch mehr Worte darüber verlieren, außer: „Static Tensions“ ist ein unglaubliches Killer-Album. Unter den zehn Songs ist wirklich kein einziger schwächerer.
So sehr mich aktuell auch anderes an artverwandtem bereits begeistern konnte - siehe das kompakte Dissonanz-Getrümmer von Tombs, der gleichermaßen rockige wie epische Doom/Post-Black Metal von Sólstafir, oder das nach mehreren Durchläufen in den richtigen Situationen gewaltig wachsende Buried Inside-Album – KYLESA kamen, wurden gehört und wemmsten sie alle mal eben aus der Hüfte an die Wand. Wahnsinn!

Mono - Hymns To The Immortal Wind

Kurzreview zu einem weiteren, aktuellem Album: (Instrumentaler) Postrock hat sich in den letzten Jahren ja so ein bisschen zu einer meiner Lieblings-Musikrichtungen neben „Lärm und Geprügel“ entwickelt. Auch die Japaner MONO gehören dieser Gattung an. Auf dem von Steve Albini produziertem, Presswerk-frischen „Hymns To The Immortal Wind“ lassen sie die seit eh und je dünne Linie zwischen Postrock und klassischer Musik endgültig verschwimmen, wenn sie hier den Einsatz tatsächlich orchestraler Zutaten in ihrem Sound ausbauen und verstärken. Die Liste an Gastmusikern mit Streichinstrumenten ist nämlich ganz schön lang. Was dabei dann rauskommt,ist wirklich wunderschöne Musik, die gelegentlich in lärmige Passagen a la Mogwai ausbricht, aber primär schon viel mehr einem Feld wie „Neo-Klassik“ zuzuordnen ist. Genau das übertreiben sie an einigen Stellen, so artet z.B. das ausgerechnet als Video-Auskopplung gewählte 'Follow The Map' viel zu sehr ein einer Mischung aus Soundtrack-haften Esoterik-Geklimper und (um mal eine neue, fiktive Schublade auf zu machen) „Cheesy Drone“ aus, genau so wie die betont symphonischen Final-Takte der Scheibe ein wenig übers Ziel hinausschießen. Sieht man von besagten Überspitzungen ab, ist das melancholisch veranlagte Teil aber doch eine gut funktionierende Hintergrundbeschallung für ruhige Stunden zu Haus.

Donnerstag, 19. März 2009

Long Distance Calling

Liebe Metal-Fans, -Journalisten und -Booker. Bitte hört endlich auf, mir und Eurer Klientel Long Distance Calling als unglaublich abgefahrene Sache anpreisen zu wollen. Arbeitet erst mal folgende, unvollständige (alphabetische) Liste an ähnlich gearteten Bands ab, dann reden wir weiter:

  • A.Armada
  • From Monument To Masses
  • God Is An Astronaut
  • Godspeed You! Black Emperor
  • Grails
  • Maserati
  • Mogwai
  • Mono
  • Ostinato
  • Red Sparrowes
  • Russian Circles
  • Shora ("Malval"; die Sachen davor sind Mathcore)
  • This Will Destroy You (Die "Young Mountain" EP; das Album danach ist lahm)

Dienstag, 17. März 2009

Buried Inside - Spoils Of Failure

Das neue Werk von BURIED INSIDE ist eine der Scheiben, auf die ich dieses Jahr am meisten gespannt war. Denn das 2005er Album „Chronoclast“ hat es bei mir zu einem immer wieder gerne mal aufgelegtem, kleinen Klassiker geschafft. Bestechend an „Chronoclast“ war bzw. ist immer noch u.a. der eher einer klassischen Symphonie denn einer typischen Rockscheibe gleichende Konzeptalbum-Faktor, bei dem sich die zehn Tracks des Albums im Prinzip in zwei Akte plus Epilog aufteilen, und dabei im Grunde genommen auch irgendwie einen einzigen überlangen Song bilden, bei dem musikalische Motive im Lauf der Gesamtspiellänge immer wieder mal variiert wiederholt werden. Die Musik in diesem Rahmen kommt häufig als hektisches Geschepper einer schwer zu kategorisierenden Schnittmenge extremer Metal/Hardcore-Spielarten daher, klingt mit dem Einsatz packender Oktavendoppelgriff-Gitarrenharmonien aber trotz aller Ruppigkeit umso epischer.

„Spoils Of Failure“ ist anders als sein Vorgänger, das fällt schon beim ersten Durchlauf auf. Die Songs tragen keine wirklichen Titel, sondern sind einfach nur römisch durchnummeriert, und entsprechen dieses mal doch etwas mehr einer Sammlung einzelner Tracks, als einem zusammengewobenen Gesamtwerk. Musikalisch sind einige bekannte Trademarks wieder auszumachen, so z.B. das mitunter kreative Drumming, das verspielte Tribal-Muster monoton-repetitiv durchexerziert, und natürlich auch die partiell sehr melodische Gitarrenarbeit. Der Hauptunterschied zum Vorgänger besteht allerdings darin, dass die neuen Songs auf ihre primär gemächlich groovende Art dieses mal näher am Doom sind, als das schon wüst mit Grind- und Black Metal-Gefilden flirtende „Chronoclast“. Womit die Band stilistisch eigentlich noch ein ganzes Stück näher an Neurosis und ihre Epigonen rückt.

Die Frage, ob das aktuelle Werk dabei an seinen Vorgänger heranreicht, muss ich allerdings leider mit einem ganz klaren "Nein!" beantworten, und den Grund dafür habe ich im Prinzip schon gesagt: Da wo "Chronoclast" der faszinierende Kunstgriff gelang, aus wüstem Geschrote ein unkonventionells, episches, dichtes, strukturiertes Gesamtwerk zu erheben, ist "Spoils of Failure" daneben halt irgendwie das Gegenteil. Eine Sammlung lediglich sehr ähnlich klingender, grob aneinander gekletteter Einzel-Tracks, die zudem auf ihre langsam und einfach gehaltene Machart noch viel gewöhnlicher und unspektakulärer klingen.

Das Album hinterlässt mich daher ein bisschen zwiespältig. Der Song "V" z.B. ist mit seinen irgendwie an Deprigoth-Death Metal alter Schule erinnernden Lead-Dudeleien nah dran, so etwas wie ein Hit zu sein, kann einem mit gehöriger Schlagseite ins Kitschige dabei aber auch etwas die Nerven strapazieren. Und wenn der Band dann am Ende des Tracks nix besseres einfällt, als einen stumpfen Fadeout zu machen, um danach den nächsten Song mit einem ruhigen Part in gleicher Grundharmonie zu starten, bevor man wieder zum nächsten Sludge-Gegroove übergeht, geht dem Ganzen manchmal schon etwas die kreative Substanz abhanden.

Summa summarum liegt mir der auf den Punkt gebrachte, reduzierte Stil, den BURIED INSIDE hier fahren, und der mich eher an Lieblinge wie Unfold und Vancouver erinnert als an Bands wie The Ocean(, die sich für "arty-ger" halten als sie sind) grundsätzlich aber doch so sehr, dass die Scheibe klargeht. Sie hat allerdings ferner dagegen anzukämpfen, dass in diesem Feld derweil auch aufregenderes veröffentlicht wird (Tombs!) ...

Freitag, 13. März 2009

Sólstafir - Köld

Seit eh und je sind SÓLSTAFIR so eine Band, an der sich die Fachpresse ein wenig die Zähne ausbeißt. Ihre isländische Herkunft lud schnell dazu ein, sie als metallisches Pendant zu Sigur Rós und Björk zu sehen, und wahrscheinlich ist das gar nicht mal so falsch.

Als 2002 Ihr Longplay-Debüt „Í Blóði og Anda・ erschien, steckte die Band dabei noch knietief im Black Metal, ragte aus dem Wust einfallsloser Wiederkäuer aber mit sehr eigener Note heraus. Denn einerseits rasten sie mit fiesem Gekeife herbe und roh, im Grunde genommen schon punkig durch wurzeltreues Geschrote der schwärzesten Art, hatten dabei aber auch ein Händchen für Atmosphäre und Melodie.

2005 erschien das zweite Album „Masterpiece of Bitterness・, auf dem sich die Band viel rockiger präsentierte. Weit ausholende Mammutsongs mit hymnisch-melodischem Schmettergesang ließen in Rezensionen Begriffe wie (klischeefreien, unkitschigen) Pagan/Viking Metal, Goth-, Post und Progrock durcheinanderwirbeln.

Auf „Köld・ ist diese Wandlung nun final vollzogen worden. Sechs der acht Nummern, darunter auch der rein instrumentale Opener, überschreiten die 8 min.-Marke. Manchmal sphärisch, manchmal rockig, fließen hier fast sakraler Pathos und spürbare Winterkälte zu Monolithen von epischen Songs zusammen. Dabei verschwimmen dann die Grenzen zwischen Bathory, Enslaved, Paradise Lost, The Doors, Pink Floyd und Sigur Rós. Und selbst wenn gegen Ende auf einen sehr experimentell anmutenden, mit der Drone-Ecke kokettierenden Track dann doch noch mal ein kurz und knackig gehaltener Rocker folgt, macht das alles irgendwie Sinn. Ein Album mit gewaltigem Konsenspotenzial quer durch die verschiedensten Geschmäcker moderner Rockmusik, vorausgesetzt man kommt kommt mit dem Pathos klar.

Mittwoch, 11. März 2009

Tombs - Winter Hours

Ein interessantes Album, das Mitte letzten Monats veröffentlicht wurde, ist übrigens „Winter Hours“, das Relapse-Debüt von TOMBS. Das New Yorker Trio macht so eine Art von Krachmusik, die man erst mal nur schwierig in eine definitive Schublade stecken kann. Es fällt mir ja inzwischen irgendwie schon etwas schwer, gerade zeitgeistige Begriffe und angesagte Etikette wie Sludge und Post-Metal zu bemühen, aber das trifft es wohl am ehesten. Die Art und Weise, mit der die Band straight und räudig nach vorne walzt, hat schon irgendwie ein wenig was von Zeitgenossen wie Kylesa oder Taint, allerdings tut sie das mit sehr atmosphärischen Gitarrenwänden (wo dann einige Experten geneigt sind, auch mit Worten wie Drone oder Shoegaze um sich zu werfen) und Ausflügen ins Black Metal-Genre.
So kommen dann neben üblichen Verdächtigen wie Neurosis (die Ähnlichkeit ist bei einigen langsamen Passagen aber
manchmal tatsächlich sehr hoch), Breach, Isis oder meinen Lieblingen Unfold auch Bands von Dakthrone bis Wolves In The Throne Room mit ins Portfolio der Vergleichsreferenzen. Das Wechselspiel aus schweren Stoner(-Metal)-Grooves und Blastbeat/Geschrubbe-Passagen funktioniert dabei erstaunlich gut und flüssig.

Und auch wenn es ferner widerstrebt, diese bei so etwas inflationär mit in die Waagschale geworfenen Bands auch noch zu bringen, ist die Herangehensweise, in der TOMBS psychedelisch, noisy, eingängig und dissonant zugleich klingen dann auch mal wieder nicht weit von Killing Joke oder Voivod entfernt, aber anderseits ist gerade das ja nun mal genau mein Ding, also warum nicht einfach das Kind beim Namen nennen ...

Was sich außerdem vor allem anbietet, ist folgende Feststellung: Wem die neue Buried Inside zu doomig ausgefallen sein sollte (dazu in Kürze noch mehr, in diesem Blog), der findet in dieser Band vielleicht genau die Mischung aus Brutalität, Raserei, Atmosphäre und epischer Kante, die deren „Chronoclast“ so besonders machte. Mit dem Unterschied, dass TOMBS das alles im Rahmen von 10 kurz und kompakt gehaltenen Songs ausleben.

Die Quintessenz von „Lärm und Geprügel 2009“ hört auf den Namen TOMBS. Mit eigener Identität vereint diese Truppe tatsächlich alles in sich, was in der "alternativen Ecke metallischer Musik" in den letzten Jahren bis jetzt gerade angesagt war, und funktioniert dabei äußerst plausibel.

Das Album hinterlässt zwar den Eindruck, dass diese Band erst noch ein bisschen reifen muss, bevor sich ihr volles Potenzial entfaltet, aber der Erstkontakt ist schon mal nicht ohne.

Relapse Rundumschlag

Des „Lärm und Geprügel“-Freundes Lieblingslabel Relapse Records startet ja inzwischen die Promo-Großoffensive und wuppt sämtliche Alben kurz vor Veröffentlichung auch irgendwo als kompletten Stream hörbar hoch. Finde ich gut. Deswegen als Surf- und Hör-Tipps zum Schnuppern:

Ferner ruft das Label mit angeschlossenem Mailorder zur “March Madness: Buy one Relapse CD, get another one free” aus, was mir ebenfalls mal einen Hinweis samt Link wert ist.

Samstag, 7. März 2009

Samael - Above

Die letzte SAMAEL-Scheibe, die ich wirklich irgendwie noch „als Fan“ gehört habe, war ja die 1999er „Eternal“. Das Album gefiel mir damals sehr gut, denn mit dichter Atmosphäre war den Schweizern eine recht gelungene Vermengung aus ihren (Black/)Düster-Metal-Wurzeln und experimentellen Electronica-Ambitionen (Industrial, Ambient, whatever) geglückt, die zu der Zeit schon ziemlich meinen Nerv traf.

Über die Jahre haben wir uns jedoch auseinander gelebt, und auch wenn ich von ihren alten Sachen bis zu besagtem Album auch heute immer noch einiges mag, war mein Interesse an Folgewerken irgendwie so gering, dass ich mir nie eines davon zulegte, geschweige denn mal ein Ohr riskierte. Für mich war wohl mit „Eternal“ bereits so das mutmaßliche Ende der Fahnenstange so erreicht gewesen, dass ich instinktiv keine Alben hören musste/wollte, die SAMAELs Entwicklung vom bösen Kellergerumpel zu gothischer SciFi-Musik noch weiter vertieften.

Zehn Jahre später hat sich die Band mit elektrofizierten Verspieltheiten auf den letzten Releases offensichtlich soweit ausgetobt, dass sie nun auch mal wieder Bock auf Old School hat. „Above“ ist betont „stripped down“ gehalten. Ein Prügel-Album ohne Techno-Ausflüge.

Ob man das jetzt grundsätzlich begrüßt, bedauert, oder „Auflösen!“ brüllt, bleibt jedem selbst überlassen, aber irgendwie wurde mein Interesse geweckt, das dann doch mal zu hören. Zugegeben mit der Erwartung, dass ich es am ehesten als unnötiges Album wieder beiseite lege.
Genug der Vorreden.

„Above“ überrascht trotz Vorwarnung ja allerdings doch ein wenig. Rasende Blastbeats, walzende Doublebass-Attacken und Black Metal-Gitarrenwände mit symphonischen Melodiebögen sind an der Tagesordnung. Dazu Gesang, der gerne mal wieder etwas böser klingen darf. Die Keys sind im Hintergrund gehalten und dezent eingesetzte, SAMAEL-typische Bits'n'Pieces runden das Ganze ab.

Haben: Wenn man grundsätzlich auf Kram der Marke Immortal, Dissection, Marduk, Limbonic Art u.ä steht, kann „Above“ tatsächlich sehr viel Spaß machen.
Soll: Leider dann doch eine ganze Menge. Die digitale Produktion samt übelst clippendem Mastering und das Drumcomputer-Geballer nerven durchaus in wenig. Hier hätten die Schweizer gut daran getan, die Scheibe auch in ihrem Aufnahmeprozess etwas „old schooliger“ und natürlicher anzugehen. Songwriting-mäßig ist das Teil nicht wirklich schlecht, aber dennoch wie ein einziger Fluss aus ewig gleichem Geboller und Geschrubbe, aus dem höchstens mal vereinzelte kurze Songpassagen herausragen, die entsprechende Songs aber nicht wirklich signifikant aufwerten. Wenn sich die Band gegen Ende dann doch noch mal traut, sich ein kleines Stückchen aus diesen Standardmustern heraus zu recken, hat man eigentlich schon keinen Bock mehr drauf, das noch irgendwie würdigend hervorzuheben, weil die Scheibe längst angefangen hat zu langweilen. So geht es mir zumindest.

Fazit: Vom grundsätzlichen Ansatz her ja irgendwie ganz spaßig, nach 3-4 Songs ist dann aber auch irgendwie schon wieder gut. Vielleicht hätte das auf EP-Länge besser funktioniert. Vielleicht hätte die als ambitionierte Avantgardisten abgestempelte Band ihr Unterfangen, an den eigenen Wurzeln wühlend zeigen zu müssen, dass man auch auf der anderen Seite der Düster-Metal-Münze bei den Big (Bad) Boys noch mitspielen kann, auch einfach etwas mutiger umsetzen sollen, als mit so einem etwas dahingeschissen wirkendem Teil ohne nennenswerte Akzente. Und mal ganz unter uns: Mit Drumcomputer ist das auch einfach zu albern ...

Mittwoch, 4. März 2009

Calhoun Conquer - Lost in Oneself

Nach Lemming Project ein weiterer Blogpost der Kategorie „sträflich unbeachtete Klassiker“.
Leider kann ich bei den erst spät entdeckten CALHOUN CONQUER dieses mal weder mit einer persönlichen Anekdote dazu, noch mit wirklich viel Hintergrundwissen über Band und Scheibe aufwarten, aber das macht nix.


1987 tauchte diese Band mit der EP „...and now you're gone“ in der Szene auf und veröffentliche '89 mit „Lost in oneself“ ihren einzigen Longplayer . Thomas Kupfer sagte der Band, die schon bald danach wieder völlig vom Erdboden verschwand, im RockHard-Review ironischerweise eine große Zukunft voraus. Doch die Schweizer sollten eine dieser Bands bleiben, denen Kenner bis heute Etikette wie „ihrer Zeit voraus" und „völlig unterbewertet“ anhaften.



Schon damals waren Vergleiche zu den Kanadiern Voivod allgegenwärtig und das zurecht. Dennoch hatten CC eine völlig eigene Note, wenn sie Stilelemente aus Punk, Thrash Metal und Prog vereinten, während ihre Musik auch atmosphärische Versatzstücke bis ins spaceig-psychedelische aufgriff. Ihr Sound klang dabei jedoch etwas sauberer und aufgeräumter als der von Voivod, die zu der Zeit („Nothingface“ erschien im gleichen Jahr) gerade selbst erst dabei waren, sich in progressivere Regionen weiterzuentwickeln.
Die Prügelnummer 'Psycho Trap' hatte dann außerdem ganz schön was von Früh-Metalcore der Marke Suicidal Tendencies, das Instrumental-Stück 'Portals Of Delirium' wiederum dudelte sich verspielt durch Progrock-Gefilde. Bei 'Worlds In Collision' sehe ich sogar eine gewisse Nähe zu Industrial-Bands wie ihren Lansdleuten Young Gods.

Zwei weitere Faktoren sind bemerkenswert an diesem Album: Es enthält mit 'Diane' einen Coversong der Alternative//Punk-Ikone Hüsker Dü, einigen auch bekannt durch die Streicher-lastige Version, mit der der Therapy? den Song in den 90ern einem neuen Publikum nahebrachten. Und die Band arbeitete im Studio mit einem verhältnismäßig gut programmiertem und produzierten Drumcomputer.

Kurz bevor sich CALHOUN CONQUER 1990 dann auch schon wieder auflösten, trommelte live ein gewisser Peter Haas bei ihnen, der sich später Bands wie ihrem Einfluss Mekong Delta oder den Hardrockern Krokus zur Verfügung stellte.

Aufgrund ihrer nur kurzen aktiven Zeit verwundert es nicht, dass dieser Bandname völlig vergessen wurde. Dabei steckte in „Lost in Oneself“ das Potenzial in der „Alternative Metal Avantgarde“ der Spät80er/Früh90er zwischen Bands wie Voivod, Prong, Faith No More, Primus und so weiter groß mitzumischen.

Wenn das extrem rare Teil also mal zufällig irgendwo in der Second Hand-Grabbelkiste auftauchen sollte: Zuschlagen!

Ostinato lösen sich auf!

Das Postrock-Trio meint laut Aussage des Labels schlichtweg "jetzt ist auch mal genug" und wird es nach der gerade startenden "Blisstrain" Tour (mit Behoover, We Insist! u.a.) wohl drangeben.
Schade eigentlich, höre ich doch die beiden Alben "left too far behind" und "chasing the form" nach wie vor immer wieder gerne und hatte auf ein weiteres Werk gehofft, das diese beiden toppt. Aber wenn die Luft raus ist, ist sie wohl einfach raus ...

Sonntag, 1. März 2009

The Prodigy - Invaders Must Die

Als Kind der 90er kann ich nicht ein gewisses Interesse daran leugnen, wie THE PRODIGY aktuell so klingen und muss in meinem „journalistischen Zwang“ auch meinen Senf dazu loswerden.
Zu den early Kirmestechno-Breakbeats der „Experience“-Singles hat man damals auch schon als Metaller heimlich mitgewippt. Danach vollzogen THE PRODIGY eine Entwicklung zur auch in Rock-, Metal- und Alternative-Kreisen wahrgenommenen „Band“, die aus dem Techno heraus immer mehr mit Sound und Image solcher Gefilde kokettierte. Die „Electro-Punks“ waren ein Mainstream-Hype, „die Retter des Rock“ (O-Ton Musikexpress, braha), und Wegbereiter kurzlebiger Hypes wie Big Beat, Gitarren in Dance-Songs und elektrofizierter Rock/Metal-Bands.
Nach „Fat of the Land“ wurde es allerdings ruhiger um die Truppe, bzw. Nachfolge-Werke stießen nicht auf Gegenliebe bei Kritikern und Fans.

Anno 2009 wollen es die Briten nun noch mal wissen und veröffentlichen mit „Invaders must die“ eine Scheibe, die exakt so auch 1994 hätte veröffentlicht worden sein können. Das Album ist regelrecht retro. „Rückbesinnung auf alte Tugenden“ sagt der Promoter, „kalkuliert“ der Kritiker. Songs wie der eröffnende Titeltrack oder 'Colours' sind die totale Kombination aus Früh90er-Kirmestechno im Atari-Sound und Rock-Injektionen. Dass das dann auch mal punkig klingen soll, man hier (mal wieder) einen Reggae-Part aufgreift, oder auch dort ein Song auch mal eher popig/houseig klingt ('Warrior's Dance' – 'No Good' lässt grüßen), in Kombination mit Sounds, die manchmal völlig outdated sind, macht dieses Album bescheuert und sympathisch zugleich.

Auf den Punkt gebracht ist das Teil nämlich eine Quintessenz der ersten drei Longplayer. Vom „rockigen“, das man auf „Music For The Jilted Generation“ und „Fat Of The Land“ fand, wurden die eh albernen Versuche auf düster und böse zu machen subtrahiert, und stattdessen über die natürlich nicht minder albernen Füh90er-Techno-Sounds der „Experience“-Phase mehr Spaß in den Sound gebracht. Willkommen zurück in den 90ern - und dennoch entspricht das Ganze dem Zeitgeist der momentan vorherrschenden Welle an Spaßelektronikern a la Deichkind. Ob man das als unverkrampft oder Fähnlein im Wind deuten möchte, überlasse ich mal jedem, der das hier tatsächlich lesen sollte, selbst ...

Interessant übrigens auch die Gästeliste. Die ersten beiden, ziemlich „hitverdächtigen“ Songs wurden vom Typen der angesagten Electrorocker Does it offend you, yeah? mitproduziert, der ohrwurmige Hook von 'Warrior's Dance' wurde von der Singer/Songwriter-Tante Amanda Ghost eingesungen, und kein Geringerer als Dave Grohl of Nirvana & Foo Fighters Fame trommelt bei dem etwas härteren 'Run with the wolves' und dem ganz witzigen, wenn auch nach Fatboy Slim B-Seite müffelndem Abschlusstrack.

Puh, der Fazit. Wer sagt, dass dies total überflüssiger Quatsch ist hat durchaus recht, wer den Standpunkt „Macht tierisch Spaß!“ vertritt aber prinzipiell auch. Nun ja ... so ambivalent aber einfach kann das sein.