Donnerstag, 26. Februar 2009

„Vorschau“

Der März, meine lieben Freunde, wird musikalisch überaus interessant. Es stehen uns Releases der Sludgecore-Eigenbrödler BURIED INSIDE, der inzwischen am ehesten im Progrock gelandeten Black Metal-Isländer SÓLSTAFIR und der japanischen Instrumental-Postrocker MONO ins Haus. Und natürlich sind auch MASTODON und KYLESA mit ihrem neuen Scheiß am Start, den man wohl mit am heißesten erwartet ...
Ferner wird es nicht nur ein mutmaßlich auf alte Tugenden schwörendes neues Album von THE PRODIGY geben, sondern auch eines der reformierten Death Metal-Urgesteine PESTILENCE. Und wer dann noch Zeit, Geld und Bock hat, könnte vielleicht auch ein Ohr bei der neuen SAMAEL riskieren, die sehr reduziert und „old school“ ausfallen soll …

Mittwoch, 25. Februar 2009

gehört und kurz notiert

Was ich nie verstehen werde ist, wieso auch Leute außerhalb der spätpubertierenden Windmühlenmoshpit-Fraktion so auf LAMB OF GOD steil gehen. Das aktuelle Album steht gerade komplett bei myspace im Player und ich habe natürlich mal ein Ohr riskiert. Dieser Pantera-Gedächtnismetal 2.0 ist allerdings etwas, das mich vor 10 Jahren vielleicht noch total begeistern hätte können, anno '09 aber so überhaupt gar nicht zu kicken weiß. Dem, was die Band da handwerklich zugegeben ziemlich gut durch die Botanik bollert, fehlt meinem persönlichen Geschmack nach ja jegliches Gespür für packendes Songwriting. Aber maybe it‘s just me …

Packendes Songwriting habe ich dafür jetzt verspätet mit MINUS THE BEAR für mich entdeckt. Nicht lachen, aber mit dieser Mischung aus in sich verspieltem Drumming und irgendwie punkig nach vorne rockender, dabei aber doch eher in emopopigen Gefilden schwirrender (gna) Musik haben MTB auf „Menos El Oso“ das, was ich auch an The Police mag und noch mehr. Besagtes 2005er Album formt technisch versierte Versatzstücke und subtile Elektronik-Einsprengsel zu etwas, das vom mir weniger gefallendem, eher einfach nach vorne marschierenden Indierock des Vorgänger-Albums (2002) ein Stück weiter in Post-/Progrock-Gefilde driftet und in seiner eigenständigen Gänze irgendwo zwischen Dredg und 65daysofstatic total mein Ding ist. Ich muss wohl unbedingt auch noch das Album von 2007 checken …

Spätzünder bin ich auch bei MORRISEY. Sein sehr Rock-orientiertes neues Werk „Years Of Refusal“ entpuppt sich selbst für einen Krachfetischisten wie mich als perfekter Sonntags-Soundtrack.

Mein Ohr flüchtig riskiert habe ich außerdem mal bei ÆTHENOR. Aber vielleicht eben entweder doch nur zu flüchtig, oder ich bin für derart experimentelle Semi-Musik einfach noch nicht reif genug, geschweige denn ausreichend geduldig. We'll see ...

Dienstag, 24. Februar 2009

Blip.fm

Ja, ich habe mich dort dann jetzt auch mal angemeldet. Der Hype der Stunde ist so eine Art Mischung aus Twitter, last.fm und der ursprünglichen Inkarnation von Muxtape. Aus einem Pool an vorhandenen Songs kann man seine Favoriten als Stream auf die eigene Profilseite knallen und mit einer Twitter-mäßigen Kurznachricht versehen.
Man kann auch selbst (woanders im Netz legal erhältliche) Songs hinzufügen und das Ganze mit anderen Seiten wie lastfm vernetzen, so dass die via blip gehörten Songs sogar dort "gescrobbelt" werden!
Ein Web2.0-Spielzeug, das so simpel wie unnütz und bescheuert ist, aber genau da liegt wohl das Geheimnis des raschen Erfolges.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Battle of Mice

In den letzten Tagen hatte ich öfter mal die aktuellen beiden BATTLE OF MICE Songs in der Rotation, die letztes Jahr auf einer Split mit der Band Jesu veröffentlicht wurden. Und nun ja, ich bin doch inzwischen mittelschwer begeistert.

BATTLE OF MICE sind (Schublade auf, O-Ton wikipedia:) eine „Post-Metal Supergroup“ aus dem Umfeld der Neurot/Ipecac-Spartenlabel-Großfamilie unter dem Dach von Southern Records.
Sängerin Julie ist u.a. auch mit der Band Made Out Of Babies tätig, der musikalische Bandkopf Josh Graham wiederum der Visuals-Mann von Neurosis, Ex-Mitglied der Red Sparrowes und derzeit außerdem mit A Storm Of Light am Start. Hinzu kamen noch der vor allem als Produzent bekannte, aber u.a. mit Book Of Knots musizierende Tony Maimone und Schlagzeuger Tomino hinzu. Letzterer ist nicht nur beim Dub Trio, sondern haute auch schon für die Fugees (!!!) auf die Felle.


Der 2006er Debüt-Longplayer „A Day Of Nights“ war bereits ein faszinierendes Werk. Psychedelisch-atmosphärisch wie bretthart und lärmig, hypnotisch wie verstörend, manchmal kalt und dunkel, und im nächsten Moment mit einem wohligen Lichtstrahl durchs düstere Dickicht schimmernd. Ein Album, das man sich nicht permanent am Stück geben könnte, ohne wahnsinnig oder depressiv zu werden. Dabei lege ich das Album eigentlich bis heute immer wieder gerne mal auf, so das letzte bisschen Quentchen „Awesomeness“ zum Klassiker fehlte aber dann doch noch. Was ich auf eine gewisse Gleichförmigkeit im Songwriting zurückführe, mir da aber auch nicht wirklich sicher bin, ob das der Hauptgrund ist.

Und wie gesagt, letzten Sommer erschien eine Split-CD mit Jesu. Um es kurz abgehandelt zu haben: Jesu langweilen mich inzwischen ja in erster Linie nur noch. Dieser nach Apathie klingende Emo-Ambient-Metal vom Ex-Godflesher Justin Broadrick gibt mir in seiner aktuellen Form wohl inzwischen gar nix mehr (auch wenn ich „Heart Ache“ oder die „Silver“ EP gelegentlich noch gerne auflege).
Die beiden Songs von BATTLE OF MICE auf dem Dingen können jedoch alles. Die Nummern sind noch dichter, heftiger, facettenreicher. Die Verwandtschaft zu Neurosis ist auch stilistisch und songwriting-technisch noch ein ganzes Stück hörbarer geworden, dennoch hat die Musik einen irgendwie etwas anderen Flow.

Auf jeden Fal bin ich angesichts dieser zwei Tracks sehr gespannt aufs nächste Album. Denn sollten diese repräsentativ für das, was da in Begriff zu kommen ist sein, dann - mein lieber Scholli - steht uns was richtig mächtiges ins Haus!

Dienstag, 17. Februar 2009

Tonträger: Testgehört und kurz notiert

Zwei Nachzügler vom letzten Jahr sollten definitiv nicht unerwähnt bleiben: Die legendären WARRIOR SOUL haben unter dem Titel „Chinese Democracy“ eine höchst mitreißende Rock’n’Roll-Scheibe aufgenommen, die kein bisschen angestaubt klingt. Ein etwas „offiziellerer“ Release soll dieses Jahr noch folgen.

Ebenfalls ein höchst lohnenswertes Album haben die, sich den Namen mit einer 90er-Boygroup teilenden US-Lärmer von 5IVE veröffentlicht. Der Stil der Truppe dröhnt auf „Hesperus“ durch rein instrumentale Doom/Stoner/Sludge/Psychedelic-Gefilde, schafft es aber in dieser nach wie vor immer beliebter werdenden Genre-Ecke mit eigenen Akzenten, die eher auf der traditionellen Doom’n’Roll- als auf der modernen Postmetal-Seite gelegen sind, aufzuwarten.

Frisch veröffentlicht wurde außerdem das Solo-Album „Punctuated Equilibrium“ von WINO alias Scott Weinrich. Falls noch jemand Nachhilfe benötigt: Wino ist eine Schlüsselfigur der Doom-Szene und war u.a. in Bands wie The Obsessed, Place of Skulls, Saint Vitus, Spirit Caravan und Hidden Hand aktiv. Anonym sogar mit den Mentors (!!!). Sein diesjähriges Solowerk bietet jedenfalls pure, unverfälschte, dennoch mit originellen Ideen aufwartende Doom/Stoner/Metal/Rockmusik, die selbst jemanden wie mir, der es sonst nicht sooo mit Retro hat, sehr gut reingeht. Is‘ echt ganz geil!

Mein Glück versucht habe ich ferner auch mal mit einem Probe-Anlauf des aktuellen ZOMBI-Longplayers. Das Duo im Labelroster der Krachspezialisten Relapse vereint seit eh und je ein Live-Schlagzeug mit Filmmusik-beeinflussten Ambient-Sphären, Analogsequenzer-Pluckereien und ähnlichem Elektronikerkram. Das Ergebnis klingt dann auch schon mal jazzig und oft nach dem Soundtrack eines klischeehaften Früh70er-SciFi-Films. Auf ihrem aktuellen Werk „Spirit Animal“ versuchen sie sich allerdings unter Hinzunahme von Gitarren und anderem Bonusbeiwerk noch tiefer in 70er-Prog/Spacerock-Gefilden, was in Kombination mit dem 90er-Computerspiel-Sound der Synthies irgendwie absolut nix für mich ist.

Sonntag, 15. Februar 2009

Thema: Kreator

Langsam frage ich mich ja ob das Bild, das ich früher von Mille und seiner Band KREATOR hatte, schon immer falsch war, oder ob entweder er sich in die („falsche“) Richtung entwickelt, oder lediglich meine eigene Perspektive sich verschoben hat.

Eine Zeit lang dachte ich jedenfalls, dass der Ruhrpott-Halbitaliener jemand ist, dem ein gewisser „künstlerischer Anspruch“ vielleicht doch über Zielgruppenbefriedigung und Klischeebedienung geht. Dazu würde passen, dass KREATOR ihre Fanbase immer wieder auch mal vor den Kopf gestoßen haben, wenn Alben wie „Renewal“ (1992) oder „Endorama“ (1999) experimentierfreudige Sitlbrüche aufwiesen, die von der Metal-Crowd eher abgelehnt wurden. Auch wenn ich ein Album wie „Endorama“ nicht musikalisch gut finden musste, empfand ich eine gewisse Würdigung dafür, dass hier jemand eher auf dem Selbstverwirklichungskurs zu sein scheint, als einfach nur „abzuliefern“. Und auch, wenn mir „Violent Revolution“ (2001), sowie die aktuelle Scheibe bei Erscheinen sehr gefielen, fand ich die Rückkehr zu 110%igem Metal unterm Strich ja schon immer irgendwie etwas Reißbrett-artig wirkend, so viel Spaß der Stil KREATORs im neuen Jahrtausend Genre-affinen Leuten wie auch machen kann.

Der im Netz zu findende Videoclip„Hordes Of Chaos“ lässt mich das alles allerdings inzwischen endgültig hinterfragen. Das Manowar-artige Conan-Thema des Clips trieft völlig ironiefrei derart penetrant vor Donzdorf/Wacken-Klischees, dass man nur noch entweder Zielgruppenbedienungs-Kalkül oder so was wie Einfältigkeit unterstellen möchte. Und hier fange ich an, die moderneren Ausrichtungen von KREATOR über die 90er heute rückblickend doch irgendwie in einem anderen Licht zu sehen.

„Renewal“ aufgrund seines Erscheinungsdatums so was wie damalige Trittbrettfahrerei vorzuwerfen, wäre sicherlich Quatsch. Dennoch passt das Album wie die Faust aufs Auge in den von alternativem geprägten Crossover-Zeitgeist der Metal-Szene dieser Ära. „Groove-Metal“, wie der Amerikaner im wikipedia Neo-Thrash auch gerne nennt, und Industrial-Metal waren das Ding der Stunde, mit dem auch KREATOR zu diesem frühen Zeitpunkt kokettierten. Ebenso passt auch die jetzige Ausrichtung von KREATOR eigentlich perfekt in den Metalszenen-Zeitgeist der letzten Jahre, da seit Ende der 90er erst mal traditionelles wieder hoch im Kurs war.

Wie gesagt möchte ich da keine Kalkül vorwerfen und unterstelle dem Ganzen u.a. auch ein paar schicksalshafte Zufälle - die Gothrock-Ausflüge von „Endorama“ und moderen Anstriche der 2-3 vorangegangenen Albensehe sehe ich heute jedoch in einem völlig anderem Licht, wenn ich Kreator 92-99 Kreator 2009 gegenüberstelle.

Sieht man sich z.B. den Clip von 'Chosen Few' an, scheint das musikalisch wie optisch eher gewollt komplett von (Thrash) Metal-Klischees abzuweichen. Aber auch wirklich komplett. Jedenfalls kommt mir die Art und Weise, wie darauf eine totale Abkehr von derart gruftrockigen und andersartigen Klängen hin zu reinrassigem Metal, mit allem was dazu gehört ,vollzogen wurde heute um so spanischer (äh) vor, hält man das dem gegenüber, wie „anders“ KREATOR vor 10 Jahren waren und dann mit einem riesigen Schritt auf ein mal doch nicht mehr. Denn: Die Jahrtausendwende war genau die Zeit, in der die gemeinsame Überschneidung zwischen Metal und Alternative erst mal wieder sehr, sehr gering wurde. Es gab auf ein mal nur noch das eine oder andere (Visions-Ausgaben aus der Zeit im Vergleich zu ein paar Jahren zuvor sprechen Bände). Und auch hier trafen KREATOR wieder den Zeitgeist (zumindest im RockHard-relevantem Kosmos), indem sie sich wieder ganz vom Metal vereinnahmen ließen, anstatt etwas andersartig unterwegs zu sein. Was für die Musik genau so zutrifft wie für die Slogan-atigen Songtitel und Texte.

Okay, KREATOR sind beileibe nicht die einzige Band, die eine derartige Entwicklung über Umwege zurück zu alten Tugenden hinter sich hat. Wenn ich mir aber heute diesen Videoclip mit Schwertkampf-Thema ansehe, und dabei zur Erkenntnis komme wie sehr die allgemeine „Donzdorfisierung“ der Metal-Szene alles und jeden zu assimilieren scheint, fällt es mir aber inzwischen noch schwerer, so was in - nun ja - "künstlerischer Hinsicht" ernst zu nehmen.
Ein gewisser Bonus an augenzwinkernder Nostalgie gehört bei solchen Bands ja eh schon dazu, aber die Art und Weise, in der KREATOR sich inzwischen freiwillig – musikalisch wie beim Drumherum – immer mehr in Klischee-Schablonen quetschen, denen sie in so einem Maße nicht mal früher entsprachen, ist langsam bedenklich und zeugt irgendwie von so etwas wie „auf Nummer sicher gehen“ oder zufällig unbekümmertem hinterherhecheln dessen, wie der Wind halt so weht. Was für mich persönlich ja irgendwie (nett ausgedrückt) einen sehr unoriginrellen Beigeschmack hat.

Meine Meinung, sorry.

Japanische Kampfhörspiele & Eisenvater (Split-CD)

Frisch auf der Startrampe ist die Split-EP von EISENVATER und JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE. Es macht Sinn: Zwei Generationen etwas eigenwilligerer Metal-Bands vereint.

EISENVATER waren vor allem in der ersten Hälfte der 90er aktiv und brachten die Fachpresse regelmäßig zu Kopfschmerzen und Irritation. Ihr kaputter, doomiger und unkonventioneller Stil mit seltsamen Song-Arrangements entzog sich jeglichen Kategorisierungsversuchen und kam für Ästhetenohren doch nur sehr schwer verdaulich daher. Gewisse Asoziationen zu Godflesh und dem Industrial Metal-Genre waren nie gänzlich falsch, aber auch so missverständlich der der heutige Ansatz Begriffe wie Sludge oder Prog-/Post-Metal zu bemühen. Eine musikalische Seelenverwandtschaft zu JaKa, ebenfalls deutschprachig, eigenwillig und experimentierfreudig, ist also nicht von der Hand zu weisen. So nahmen sich JaKa auf ihrer Coverscheibe „Deutschland von vorne“ sogar einen Song der Hamburger Originale zu Brust. Was, so munkelt man, mit ein Impuls für die Band gewesen sein soll, auch mal wieder von den Toten aufzustehen.

"Vater' kommt!", der fast sechsminütige Beitrag von EISENVATER, ist nicht wirklich eine wirr von der Seite lärmende Angelegenheit, weist aber mit seinem dissonant-atmophärischem Gitarrenspiel eine gewisse Nähe zu den in solchen Zusammenhängen fast schon zu oft zitierten Voivod und Killing Joke auf. Auch Referenzen wie Godflesh oder Neurosis wären hier nicht ganz falsch, aber auch nicht wirklich passend. Der Song schwebt eigentlich schon eher sphärisch als brutal durch Midtempo-Regionen und erinnert am ehesten ein wenig an Killing Joke's Democracy“ oder die davon ja nicht unerheblich beeinflussten Disebelief zu „Shine“/„Spreading The Rage“-Zeiten. Den eindringlichen Gesang würde ich allerdings fast schon irgendwie in wenig in die Gothic-Ecke stecken.

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE folgen dann mit gleich drei Tracks. „Töte den Roboter“ vereint den urtypischen Stil der JaKas m
it orchestralen Streicher-Einlagen (natürlich aus der Konserve aber von hoher Qualität) der Cradle Of Filth-Ecke und ist mal was anderes. „Angstfrass“ ist im groovenden Midtempo gehalten, und irgendwo zwischen Death Metal und einem etwas mehr als gewohnt atmosphärischen Refrain unterwegs, addiert durch ein paar dezente Zusätze aus dem Soundcomputer. „Der Pitch“ schließt das Ganze dann ab, beginnend mit einem der geilsten Parts, den JaKa je in einem Song untergebracht haben (sehr simple, umso effektivere Gitarren-Melodie) um dann über progige Dudel-Einschübe zu einer gekonnten Thrash/Death Metal-Dampfwalze überzugehen. Jeder der drei Songs ist auf seine Weise JaKa-typisch, zeugt aber doch vom Spieltrieb, nicht auf der Stelle zu treten, sondern auch mal für den Fan und Hörer bisher ungewohntes auszuprobieren.

Ein kurzes, aber sehr lohnenswertes Vergnügen, dieser Split-Release!

Mittwoch, 11. Februar 2009

Bushthrax

In einer etwas nostalgischen Laune schwelge ich gerade in Zeiten, in denen die Welt für mich noch in Ordnung war. Auf youtube gibt's Clips davon:

Wacken 2004:



noch mal Wacken '04 (lauter drehen!):



und RockHard Festival 2003:



(Ich war dabei.)

G.U.N. dicht ...

Nachdem das Gerücht schon die Runde machte, ist es nun offiziell: Der Rock-Blog bei derwesten.de verkündet, dass die SonyBMG ihr Rock-Label G.U.N. dicht macht.

Okay, okay, ich sage es ganz offen: Das schon seit Jahren irgendwie nur noch Richtung Mainstream-Charterfolg schielende Label interessiert mich persönlich ja eigentlich herzlich wenig, aber traurig und bedenklich ist diese neuste Entwicklung in der über Krise klagenden Musikindustrie aus mehreren Gründen.

Erstens dürfte man wohl durchaus mal hinterfragen, warum sich der Major einen Ast absägt, der immerhin in den letzten Jahren noch Top10-Erfolge erzielte (Oomph! auf #1!) und nach wie vor Fans in Scharen große Konzerthallen füllen lässt. Hier ging definitiv noch mehr, als nur illegale Downloads und rote Zahlen. Mit veränderten Marktsituationen allein kann man das also wohl kaum begründen.

Zweitens ist die generelle Tatsache, dass der Rotstift im Namen der „Konzerninternen Umstrukturierungen“ an der Ecke der Rockspezialisten angesetzt wird (Schlager-Gothmetal und Kindercore hin oder her) im heutigen Klingeltoncharts- und Castingshow-Zeitalter natürlich ebenfalls bedenklich und schade. Ferner außerdem, weil hier eine Institution mit gehörigem Geldfluss aus dem Gesamtorganismus der Rock-Spartenindustrie entrissen wurde, was sich auch in anderen Ecken des "Szene-Business" in diesem Spartenbereich mit Sicherheit schon bald bemerkbar machen wird.

Drittens ist es schlicht und ergreifend zusätzlich einfach schade um den Musik- und Medienindustrie-Standort Ruhrgebiet bzw. NRW, zumal sich die Unterhaltungsbranche seit Jahren immer mehr auf Berlin und München aufzuteilen scheint. Selbst aus Köln und Hamburg wurde und wird immer mehr dorthin umgesiedelt, und mit G.U.N. wurde nun ein weiteres Musikbüro im Pott geschlossen.

Tja, wat willste machen ...

Dienstag, 10. Februar 2009

Bands, die nicht mehr gehen (Teil 1)

Auch wenn mir Dablogmeister H. Nicht ganz zu Unrecht vorwerfen wird, dass er mit so was zuerst um die Ecke kam (NO OFFENSE, haha!), hatte ich an diesem Thema tatsächlich schon seit einiger Zeit rumgetippt, es aber nie so richtig fertiggestellt: Bands, nach denen man früher verrückt war, aus denen man dann aber irgendwie 'rausgewachsen ist. Oder so.
Anstatt mir jetzt an einem ganzen Roman die Zähne auszubeißen, teile ich es also mal auf eine Serie von Blogposts auf...

In den letzten Jahren habe ich alternder Rocker mich wohl von einem Gerne-Hörer und „Band-Fan“ immer mehr zu einem "universalmusikinteressiertem Album-Hörer“ entwickelt, der ständig auf der Suche nach "frischem" Kram ist, anstatt sich immer nur das ewig gleiche Durchkauen von altbewährtem zu geben. Wozu dann auch leider manchmal gehört, dass man Lieblingsbands ad acta legen muss.

Hier also Bands, für die ich früher alles stehen und liegen ließ, die aber heute irgendwie leider egal geworden sind, oder gerade im Begriff sind es zu werden, Teil 1:


WALTARI

Was war ich in den 90ern verrückt nach dieser Band. Ihre völlig enthemmte Herangehensweise, von der Schmalzballade bis zum Grindcore-Geballer einfach mal alles, was man an Gitarrenmusik so machen kann auch zu machen, hatte mich ziemlich begeistert. Zwischen derartigen Extremen standen viele Songs, die harte Metal-Gitarren mit Pop-Refrains, Funk-Elementen, Ethno-Einsprengseln, elektronischer Tanzmusik und allerlei anderem zu einem grellen, exotischen Genre-Mischmasch verschmelzen ließen. Rapmetal mit Singalong-Chorus, wütender Thrash, popiger Funkrock, Techno-Beats, hier mal ein Doom-Song, dort mal so was wie Polka-Punk ... .bei den Finnen ging alles! Auf Alben wie „Big Bang“ (1995) schien es keinerlei musikalische Grenzen zu geben.

Musik, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen Stilvermengungen innovativ war, dabei aber primär auch einfach Spaß machte und auf dem Dancefloor funktionierte, dafür stand der Name WALTARI.
Auf ein Multigenre-Popmetal-Album folgte eine Kombination aus Death Metal und Orchester-Symphonie, darauf wiederum ein Album, das den Stil der Band stärker mit der damals angesagten Breakbeat/Drum'n'Bass/etc.-Ecke vereinte. Was im Übrigen völlig legitim war, gehörten WALTARI zu den Bands, die auf dem „Gitarren treffen elektronische Dancebeats“-Sektor neben anderen frühe Pionier-Arbeit geleistet hatten.

Irgendwann fingen wir allerdings an, auseinander zu driften. Der Zeitgeist rannte an WALTARI vorbei. Die inzwischen öfter mal Besetzungswechsel verzeichnenden Jungs um Chefweirdo Kärtsy verloren sich immer mehr in immer weniger aufregenden Kombinationen aus Metal, Tanz- und Popmusik. Beim 99er „Radium Round“ war ich noch so sehr Fan, dass ich mir die hier schon etwas laschere und wiederkäuende Herangehensweise ans „übliche“ noch schön hören konnte. Beim hierzulande erst gar nicht veröffentlichten „Channel Nordica“ (2000), einer Kollaboration mit den Ehtno-Mädels, die schon '94 auf „So Fine“ mitwirkten, und dem 2004er Comeback „Rare Species“ waren die besten Songs dann aber schon irgendwie die gewesen, die, Folowerm wie mir seit langem bekannt, schon ewig auf Halde lagen (darunter eine kombinierte Coverversion von 2 Unlimited und Megadeth, die wohl einfach ein paar Jahre zu spät auf Tonträger gebannt wurde, um noch mal so was wie ein Hit zu werden).

Während der abtanzende Konzertgang immer noch dazugehörte, wich die fanatische Begeisterung aber immer mehr dem Nostalgie-Faktor mit Jugendhelden-Bonus. 2005 kam mit „Blood Sample“ ein sehr maues Album, das ich nach meinem Review für ein Printmagazin nie wieder aufgelegt habe. 2007 war ich dann sogar schon soweit, dass ich mir das immer noch aktuelle Album „Release Date“ bis heute nicht angehört habe und es auch mal verschmerzen konnte, beim Konzerttermin was besseres vorzuhaben.

Ironischerweise war in den letzten Jahren unter Etiketten wie „Indietronic“ oder „Dancepunk“ dann ja Spaß-betonte Tanzrockmusik doch wieder der heiße Scheiß, während ferner jeder auf „Bad Taste“-Eurodance-Parties rennt. Aber WALTARI wurden schlichtweg vom Zeitgeist überholt und verpassten den Anschluss noch mal etwas nachzulegen, das mit ihren 90er-Großtaten mithalten konnte. Irgendwie doch zu ambitioniert, um als rein Spaß-betontes durchzugehen, dabei dann aber doch zu altbacken und heiter, um ernst genommen zu werden, fristen sie inzwischen ein Dasein als anachronistisches Kuriosum, auf das damals mal die „open minded“ steil gingen, und die heute nur noch von ewiggestrigen abgefeiert werden.

Irgendwie ja fast bemitleidenswert, dass ihnen – auch wenn sie immer wieder kurz davor standen - größere Erfolge verwehrt blieben, denn im neuen Jahrtausend wird es dazu wohl kaum noch mal kommen. Und auch wenn ich nicht gänzlich verneinen würde, nicht doch noch mal wieder aktuelle Alben Probe zu hören oder mal ein Konzert zu besuchen: Die Zeiten, in denen ich so etwas mit fanatischer Vorfreude getan habe, sind einfach vorbei.


ILLDISPOSED

Ich entdeckte die Band über einem Kumpel mit ihrem 97er-Album „There's something rotten ... in the state of denmark“. Witzigerweise eines ihrer am glattesten inszenierten Alben, wo ich es doch eigentlich noch lieber grob mag, aber ich war wie weggeblasen. Die Dänen waren der absolute Geheimtipp einer etwas eigenwilligen und recht ironischen Death Metal-Band. „Something Rotten“ bestach mit einer plakativen At The Gates-Hommage, einer an Soundgarden (!) und ferner groovenden Grunzmusik-Songs, die im Gegensatz zum Genre-Groß einfach Rock'n'Roll im Blut hatten, dabei aber vor allem auf dem Vocal-Sektor kaputter und infernalischer klangen, als alles andere (who the fuck is Chris Barnes?).

Ich besorgte mir den 95er Vorgänger „Sbumit“ und war noch stärker begiestert. Facettenreicher Old School Death Metal von Midtempo-Gekeule mit krummen Takten bis zur Grindorgie. Vereinzelte abenteuerliche Fremdgenre-Einsprengsel wie Keyboards, ein Flamenco-.Gitarren-Break (!) und eine kurze Klargesangseinlage. Und dazu die unmenschlichsten Vocals, die man je gehört hatte.
2000 überraschte die zwischenzeitlich völlig von der Bildfläche verschwundene Band auf ein mal mit einem Coveralbum. Das, auch wenn es nicht jeden Song davon gebraucht hätte (Carcass und Obituary hätte man sich sparen sollen), aber über weite Strecken Spaß machte. (Davon, wie sich ILLDIPOSED hier an Motörhead und AC/DC vergehen, sollten sich Six Feet Boerdom mal eine Scheibe abschneiden).
Mit „Kokaiinum“ folgte dann ein fast sperriges, experimentelles Album, das mit kruden Songstrukturen überraschte, und zwischen extrem brutalen, ziemlich massiv klingenden und äußerst kranken Sachen immer wieder mit harmonischen Lead- und Solo-Orgien begeisterte.

Als dann über Roadrunner 2004 das Album „1-800 Vindication“ erschien und die Band in der Metal-Szene endlich mal zu größerem Ruhm gelangte, war das einer dieser Momente, wo ich mich zurücklehnte und vermessen „Wer hat's denn schon immer gewusst?“sagen konnte. Das Album war, soweit man das überhaupt sagen kann, insgesamt etwas massentauglicher und moderner ausgerichtet als „Submit“ oder „Kokaiinum“, hatte aber alle typischen geliebten ILLDIPOSED-Elemente. Die Band spielte daraufhin in hiesigen Breitengraden oft live und bekam nicht zuletzt auch durch die oberprolligen Ansagen in deutsch von Frontochse Bo Sommer einen wachsenden „Kultstatus“ (was ein abgelutschtes Wort, sorry).

Aber auch ILLDISPOSED gingen irgendwann die Ideen aus. Die vorletzte Scheibe „Burn Me Wicked“ hatte zwar ein paar nette Nummern, aber auch genau so viele Filler, während beim immer noch aktuellen „The Prestige“ ein kreativer Tiefstand ohne „Hits“ erreicht wurde. Für mich ist diese einst so erfrischende und herausstechende Band inzwischen mit Allerweltsgeboller ohne Akzente so tief in der „Donzdorf-Ecke“ angekommen, dass mich das ganze nicht mehr reizt.


SMOKE BLOW

...gehen zwar immer noch, aber hier geht es wohl gerade bergab mit uns.

Ich sah schon die Vorgänger-Band SMOKE bei einem ihrer ersten Gigs anno '98 live. Zu viele Details erspare ich mir, aber gebe zur Kenntnis, dass es schon damals witzig und gut war, wenn auch musikalisch nicht 100%ig „my favourite bottle of beer“. Später war dann in der Fachpresse zu lesen, dass SMOKE nun SMOKE BLOW heißen und sich ihr Hardrock mittlerweile zu einem wüsten Stoner/Noise'n'Roll-Bastard gewandelt hatte. Zu Zeiten ihres zweiten Longplayers „777 Bloodrock“ sah ich sie dann wieder live, und es war ohen Scheiß eine Offenbarung. Viele Gigs folgten, die Band tourte sogar mal mit den Melvins, und es war immer wild, asozial, laut und irgendwie einzigartig.

Bei '05er Album „German Angst“ empfand ich dann sogar einen gewissen Stolz, das Potenzial dieser Band schon immer gesehen zu haben, denn sie hatte sich auf diesem Album gefunden. Was dann nämlich auch Metal Hammer und Visions auf ein mal so sahen, die das Werk in höchsten Tönen lobten, wohingegen es die Schnarchnasen vom RockHard, die diese Band eigentlich schon zu SMOKE-Zeiten vor allen anderen entdeckt und gefördert hatten, mal wieder pennten und sie auf untere Redaktionscharts verfrachteten. (No Offense, Jungs und Mädels, aber so seid ihr halt ..).

Eine Weile war es dann live auch immer noch geil, doch irgendwie wurde die Band im Laufe der Jahre dann immer zahnloser. Was sich auf ihren letzten beiden, durchaus geile Songs enthaltenden, Tonträgern genauso widerspiegelt wie der Tatsache, dass ihre Konzerte nicht mehr jedes mal ein Orkan-artiges Ganzkörper-Erlebnis zum abgehen und ablachen waren, sondern manchmal auch manchmal auch eher bieder und unfreiwillig albern daherkamen.

Die traurige Ironie des Ganzen: SMOKE BLOW sind inzwischen etwas geworden, gegen das sie früher selbst gewettert haben. So sehr sie sich früher ein Image als die harten, dennoch augenzwinkernen Underground-Vollprolls, die im Gegensatz zu irgendwelchen popigem Pseudopunkrockern wirklich Arsch treten aufgebaut hatten, so sehr driften sie langsam aber sicher immer mehr in die Ecke der massentauglich-gefälligen Spaßrocker.
Summa summarum: Ich gönne den Jungs die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die sie inzwischen schlussendlich doch noch bekommen haben, wirklich von ganzem Herzen, aber für mich ist das wohl langsam nix mehr. Mal abwarten wie der nächste Tonträger und das nächste Konzert so werden. Aber ich habe halt im Urin, dass es auch hier bald an der Zeit ist,weiter zu ziehen ...


STRAPPING YOUNG LAD

Jetzt mal im Ernst: „City“ war die absolute Offenbarung eines Extrem-Metal-Albums, für das die Schublade „Metal“ oder „Industrial-Metal“und andere Erklärungsversuche zu klein waren. Ein Wahnsinnstrip, den ich mir noch heute immer wieder gerne gebe.
Sieht man von den hier nicht enthaltenen Sachen auf der folgenden Live-Scheibe ab, war alles danach kommende wirklich schlichtweg völlig unerheblich.

Devin Townsend's (zu seinen Solo-Werken vielleicht später noch) Spielwiese für Lärm und Extremgeballer hatte ihren Zenit einfach zu früh erreicht. Alle Alben, die bisher auf „City“ folgten, mögen für sich genommen gut bis überdurchschnittlich gemacht gewesen sein, aber das eigenwillige, überraschende Element fehlte halt. SYL rutschten immer mehr in konventionelle Songstrukturen mit fast spießigen Kombinationen aus traditionellen und modernen Metal-Versatzstücken. Hier traf man immer wieder auf das Phänomen, sich ein aktuelles Album zunächst mehr als nur wohlwollend gerne anzuhören, zumal man den grundsätzlichen Sound der Band ja auch mag, allerdings sollten alle Scheiben nach „City“ dann anschließend auch schon sofort wieder irgendwo in einem unteren CD-Regalfach verschwinden, während man heute noch lieber besagtes Werk auflegt, als noch mal eines der darauf folgenden.


to be continued ...

Montag, 9. Februar 2009

Erbsenzähler

Jetzt mal ganz im Ernst: So richtig repräsentativ ist das „scrobbeln“ des eigenen Musikgeschmacks per lastfm ja doch nicht. Wenn ich zwei mal die ca. 20minütige Mogwai-One Track-Scheibe „My Father My King“ gehört habe, dann habe ich knapp über 40 Minuten Musik gelauscht, die lastfm als 2 gehörte Songs in meine virtuelle Musiksammlung schiebt. Wenn ich dann ein Album der Grindcore-Band Phobia am PC höre, die in einer halben Stunde mal eben 20 Songs runterschroten, dann habe ich für lastfm zehn mal so viel Phobia wie Mogwai gehört, obwohl ich mehr Zeit mit Mogwai hören als mit Phobia verbracht habe, bzw. die Mogwai-EP doppelt so oft gehört habe wie das Phobia-Album. Bin ich der einzige, der hier eine gewisse Diskrepanz in der Relation sieht?

Freitag, 6. Februar 2009

Danthrax

Es ist soweit. Die Band mit A. tritt seit einiger Zeit mit ihrem neuen Sänger Dan Nelson auf. Und, ganz unverblümt: Meine Fresse, ist der scheiße.



Die Band hat sich einen Phil Anselmo für ganz Arme an Board geholt, der sich am Versuch, Melodien des großartigen John Bush zu intonieren, mit seinem rabiaten Brüllorgan hörbar die Zähne ausbeißt. Noch zwei Kostproben:






Meine Güte. Der Typ kann ja gar nicht, außer peinlich posen. Warum sich da bei den letzten beiden Videos Armored Saint-Mitglieder ins Billing verirrt haben - ich weiß es nicht, und finde es angesichts der Situation auch etwas befremdlich. Hoffentlich wurden sie gut dafür bezahlt. Live-Mitschnitte neuer Songs von Danthrax (ich weigere mich, sie anders zu nennen) gibt es übrigens auch schon auf Youtube.

Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass schon beim Wechsel von Belladonna zu Bush und dem damit einhergehenden Stilwechsel Fans stänkerten. Aber, das ist nun mal der Punkt, selbst mein 80er-Material bevorzugender Thrash Metal-Kumpel räumt ein, dass Bush ein herausragender Sänger ist (für mich: Der beste).
Dan Nelson nicht.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Album des Jahrs 2008: BURST – Lazarus Bird

Okay, wir haben längst Februar '09. Aber da ich es hier um den Jahreswechsel nicht explizit herausgestellt habe, möchte ich doch mal den Preis an das meiner Meinung nach geilste Album '08 vergeben, und der geht wie gesagt an BURST.


2008 stand im Zeichen des Prog. Lieferten sich in der zweiten Jahreshälfte vor allem die schwedischen Ausnahme-Metaller OPETH und die versiert abwichsenden, dabei aber auf dem letzten Release unheimlich Arsch rockenden THE MARS VOLTA ein Kopf an Kopf Rennen, dicht gefolgt den LoFi-Proggern BAD DUDES, so schossen BURT mit ihrem „Lazarus Bird“ für mich nicht nur irgendwann an ihnen vorbei – sie laufen sogar immer noch unentwegt weiter, während die anderen genannten gelegentlich Verschnaufpausen brauchen.

Die Ironie des Ganzen ist dabei eigentlich, dass ich diese Band am wenigsten auf dem Zettel hatte. Auch wenn ich erst letztes Jahr von Opeth und MV so richtig „Fan wurde“, waren einem diese zumindest vorher schon als Könner ein Begriff. Bei Opeth - die ich zuvor zwar nie so richtig auf Konserve gebraucht hatte, aber schon immer gerne live gesehen habe - liegt die Ironie ferner darin, dass viele Langzeit-Fans ihr aktuelles Album eher langweilig finden, aber mir liegt dieser „flüssigere“ Stil der aktuellen.

Aber zurück zu BURST: Da der Ex-Basser der durch der Tod des Mainmans tragisch verblichenen Grindcore-Götter NASUM seit eh und je in dieser Band mitspielt, hatte ich schon immer ein Auge auf sie. Bisher wusste mich ihr „Post-Metalcore“ in der Isis-Ecke aber nie so richtig zu packen. Eher widerwillig, so paradox das klingen mag, habe ich also auch mal in „Lazarus Bid“ reingehört, nur um mir ein Bild davon zu machen, dass ich diese Band immer noch nicht brauche. Doch was ich da beim ersten Durchlauf vernahm, gefiel. Also hörte ich sie mir noch mal an. Und noch mal und noch mal. Die anfangs irgendwie nicht so gut reingehenden Vocals, gesungen wie gebrüllt, gingen irgendwann doch. Und meine Begeisterung für diese Platte wuchs mit jedem Durchlauf und hat ihren Zenit noch nicht erreicht.

Und man kann mittlerweile den Finger drauflegen: Die besten Alben sind oft die, bei denen ich alter Etikettnazi-Musikjournalist mich am schwersten tue, sie zu beschreiben. BURST sind auf „Lazarus Bird“ bei einer ganz eigenen Form harter und progressiver Musik angekommen, dessen Einordnung irgendwo zwischen Post-Hardcore, Düster-Metal, Hart-Alternative und Frickelgeprügel inzwischen schwer fällt. Es gibt da diese Passagen bei 'Cripple God', die mit cleanen Gitarren wie Vocals, begleitet von recht wildem Drumming, ein kleines bisschen an Dredg erinnern. Und so wie dann das folgende 'Nineteenhundred' loslegt, hat es mit einer wüst nach vorne gehenden Mixtur aus schnellen Gniedel-Leads und energischem Taktwechsel-Gekloppe irgendwie stark was von Mastodon.
Und auch wenn dieses beiden Songs die „offensichtlisten“ des Albums sind, weiß auch der nicht so direkt ins Ohr gehende Teil der Albums nur zu gefallen. BURST bestechen durch unkonventionelle Song-Arrangements bei denen jeder Track ein facettenreiches Epos für sich ist. Ein gewisse Herbststimmung kommt auf, wenn sie zwischen ruhigen Passagen und düsteren Brachialgrooves wechseln, dabei aber auch immer Atmosphäre und Melodie im Auge behalten. Oh Gott, habe ich diesen phrasendrescherischen Metal-Webzine-Satz gerade tatsächlich geschrieben? Naja, egal.

Es ist jedenfalls erstaunlich, wie sehr mich dieses Album einer Band, die mir vorher nicht viel gegeben hat, seit Monaten flasht. BURST sind so etwas wie die hardcoreige Variante von Opeth. Oder die postrockige Ausgabe von Mastodon. Baroness in skadinavisch. Verspielte Isis mit Eiern. Bla.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Pig Destroyer - Natasha

Letztes Jahr war zumindest in puncto Musik ein so tolles Jahr, dass einige essenzielle Releases unter meinem Radar hergeflutscht oder halbbewusst durchs Raster gefallen sind. Einer davon war die letzte, ziemlich aus dem Rahmen fallende Scheibe von PIG DESTROYER, die ich mir nun doch mal zu Gemüte führen konnte.

Es gibt wohl zwei Arten von PIG DESTROYER-Fans: Solche, die primär auf Grindcore- und Extremmetal-Gebolze stehen, und diese Band dann auch gerne mitnehmen, und solche, die vor allem von abseitigen und exotisch herausstechenden Bands verschiedener Subsparten harter Musik begeistert sind, und zu letzteren würde ich mich durchaus zählen. PIG DESTROYER klingen fies, krank, böse, lärmig, kaputt; holzen sich mit Hyperblastbeats durch die Gegend, aber das ist längst nicht alles. Ihr moderner Grindcore ist durchsetzt mit der auch bei Bands wie Melvins, Mastodon, Japanische Kampfhörspiele oder Keelhaul zu findenden Attitüde, einerseits sehr technisch gekonnt und progressiv zu Werke zu gehen, dabei aber auch einen gehörigen Grad an Punk/Rock'n'Roll-Rotz aufzuweisen. Math'n'Sludge-Grind, wenn man so will.

„Natasha“ ist jedenfalls mit das experimentellste und eigenwilligste, das Ex-Anal Cunt-Gitarrist Scott Hull und seine beiden Mitstreiter jemals auf Tonträger gebannt haben. Die Scheibe besteht aus einem einzigen Track, der weit über eine halbe Stunde lang ist. Bei jenem pendeln sie zwischen atmosphärischen Collagen, bedrohlichen Geräuschkulissen und brachialer Musik, die eher doomig vorankriecht, hin und her. Wenn dann an einer Stelle über ruhigem Geklimper sogar mal gesungen (!) wird, hat es dann auch mal was von Ulver („Perdition City“).

So ganz sicher, was ich davon halten soll, bin ich mir ehrlich gesagt nicht. „Natasha“ ist nichts, was man mal eben so nebenbei auflegt. Und irgendwie auch nichts, das bei mir euphorischen Jubel hervorruft, dabei aber dennoch fasziniert. Mein einziger Kritikpunkt ist eigentlich, dass hier sehr offensichtlich mehr versucht wurde, „was anderes“ zu machen, als einfach nur einen Song zu schreiben und/oder zu grinden. Was bei einigen gezwungen wirkenden Übergängen zwischen dem langsamen Metal-Lärm und den Geräuschpassagen meiner Meinung nach sehr deutlich wird.
Das Teil passt dabei zwar schon irgendwie ein bisschen in den derzeit von Drone/Doom/Sludge/Post-Metal geprägten Underground-Zeitgeist, aber: Gerade den schon in der Vergangenheit z.B. auch schon mal mit Isis kollaborierenden PG Wellenreiten vorzuwerfen wäre ziemlich unpassend.

„Natasha“ ist somit unterm Strich ein schwer verdaulicher, experimentierfreudiger Brocken, der zwar nicht wirklich das Zeug zum Klassiker hat, einem aufgrund – und ich sträube mich fast das zu schreiben – aufgrund des „Avantgarde-Faktors“ und den Eiern, zwischendurch mal eben mit so was um die Ecke zu kommen, aber doch einen gewissen Grad an Würdigung abverlangt.

Fazit: Kann man im Endeffekt sowohl super als auch scheiße finden - ich für meinen Teil bin dabei wohl mal wieder irgendwo in der Mitte.

Nachtrag: Völlig verdrängt hatte ich die Tatsache, dass "Natasha" schon mal als Bonus-DVD zusammen mit dem vorletzten Album "Terrifyer" (2004) veröffentlicht wurde, und dies lediglich ein Rerelease davon auf einer regulären CD ist. Da ich von besagter Scheibe immer nur eine Promo-Version und damals eh noch keinen DVD-Player besaß, und "Natasha" somit jetzt erst zum ersten mal gehört habe, ist mir das irgendwie hinten rüber gefallen, sorry.

Montag, 2. Februar 2009

Vinyl-Kleinformate

Ich will mich nicht allzu lange damit aufhalten, aber doch auf zwei Veröffentlichungen hinweisen, die für Vinyl-Liebhaber interessant sein könnten:

Die Sludge-Dampfwalze KYLESA hat gerade die 7“ „Unknown Awareness“ veröffentlicht. Besagter Song wird zwar auch auf ihrem in Kürze erscheinendem Album zu finden sein, interessant wird die Sache jedoch mit der B-Seite „Drum Jam“. Denn bedenkt man, dass KYLESA ja zwei Schlagzeuger haben, ist so ein reiner Drum-Jam hier – nun ja – doppelt so interessant.

Ferner erscheint diese Woche (hierzulande via Cargo Records) eine Split-LP der amerikanischen Postrocker MASERATI und der Italiener ZOMBI. Eine im Prinzip recht gelungene Zusammenstellung, die genau so Sinn macht, wie kontrastreich ist. Sind MASERATI nämlich eine dieser instrumentalen Postrock-Bands, die in klassischer Rockformation (zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug) atmosphärische Songaufbauten mit Krautrock-Einflüssen, orchestralen Arrangements und enormen Spannungsbögen erschaffen, so klingt die ebenfalls instrumentale Musik vom Ambient-Duo ZOMBI unterm Strich gar nicht mal so unähnlich – allerdings mit dem Unterschied, dass hier ein Live-Schlagzeug auf breite Synthie-Flächen und elektronische Sounds trifft.

Sonntag, 1. Februar 2009

Lemming Project

Thema dieses Blogposts: LEMMING PROJECT. Eine lange verblichene, frühe Death Metal-Band, der rückblickend irgendwie ein sträflich unbeachteter Status anhaftet, wohingegen sie eigentlich einen ziemlichen Pionier-Faktor besaß.

Bevor ich meinen klitzekleinen Teil dazu beitragen möchte, das vielleicht ein bisschen zu ändern, mache ich hier jetzt aber mal was, gegen das ich mich sonst ein bisschen sträube: „Über Musik schreiben“ und dabei erst mal auf autobiographischen Anekdoten rumreiten. Eigentlich mag ich so was ja nicht. Was u.U. daran liegen könnte, dass ich schon genug Negativbeispiele dafür gesehen habe, wie Online-Musikkritiker das Review zum aktuellen Release von X oder Y mit selbstherrlichen Geschichten auffüllen, deren misslungenen Versuche von Selbstironie häufig nur langweilen und vom wesentlichen ablenken. Aber nun ja., mit genau so etwas langweile ich jetzt ausnahmsweise auch erst mal.

Also: Früher, nicht sooo lange her, aber doch in noch etwas unbeschwerteren Zeiten , da trafen wir uns vorm Discogang immer bei „den Ollis“ zum vorglühen. Bei diesen beiden trinkfesten Sauerländer Spaßkanonen gleichen Vornamens saß oft auch noch ein gewisser Torsten rum. Jenen kannte "vom Sehen" in der Gegend irgendwie jeder - er fiel als großer Hühne mit pechschwarzer Zottelmähne, Nasenpiercings und dem oft getragenen Pantera-Shirt mit Schädelbohrer-Motiv aber auch irgendwie auf. Torsten, ein eher ruhiger Typ, spielte zu der Zeit Schlagzeug in Death Metal-Bands, von denen es nie so richtig eine übers Proberaum-Demo hinaus schaffte.

Als ich mit meiner eigenen Trümmerkapelle mal wieder ohne Frontman in der Sackgasse steckte, fragten wir ihn, ob er nicht mal Bock hätte bei uns ein bisschen zu trommeln und ich würde aufs Mikro umsteigen. So der Plan, mal wieder Zug in die Band zu bekommen, auch wenn ich persönlich mich eigentlich mehr so als der Prügelknabe im Hintergrund, denn als die Rampensau wohler fühle.
Dann machten wir allerdings den Fehler ihn ausgerechnet zu unserer legendärerweise kollektiv verkatertsten Sonntags-Bandprobe aller Zeiten einzuladen, in der keiner irgendetwas auf die Reihe bekam. Unser Gitarrist legte sich nach einem Song zur Erholung einfach mal eben, sich mit noch umgeschnallter Gitarre den Kopf haltend, da wo er gerade stand rücklings lang auf den Boden und mir rann kurz vorm Kreislaufkollaps atemlos der Schweiß in Strömen. Nicht ganz zu Unrecht war Torsten ein wenig irritiert bis entsetzt und nahm Abstand von der Idee, mal bei uns mitzumachen.
Rückblickend muss ich über seinen, gutmütig wie ich ihn kenne wahrscheinlich sogar genau so gemeinten, sehr diplomatisch formulierten Kommentar heute noch schmunzeln.

Und, Ehre wem Ehre gebührt, in meiner Bescheidenheit finde ich wirklich, dass sich jemand wie er tatsächlich nicht für unser Dilettantengeschrammel hätte hergeben sollen. Denn wie sich zu der Zeit irgendwie erst herausstellte, war er der Drummer der sagenumwobenen LEMMING PROJECT gewesen.



LEMMING PROJECT wurden 1986 gegründet und waren damit nicht nur national eine der ersten Death Metal-Bands überhaupt, denn dieses Genre steckte gerade erst in seinen Kinderschuhen. Anfang der 90er veröffentlichten sie eine Split-Scheibe mit den damals noch etwas rabiater klingenden Skyclad und zwei Longplayer über Noise Records und lösten sich '93 schon wieder auf, während andere Bands zu der Zeit diese Szene gerade als stärker wahrgenommene Wegbereiter weiter etablierten.

Wenn ich heute ihr ausgereiftes '92er Abschiedsalbum „Hate and Despise“ höre, bin ich nicht schlecht erstaunt, was diese Bands damals schon so im Sound hatte, das bei Anderen teilweise erst später zu finden war oder zumindest zeitgleich aufkam. Obituary, Carcass' „Necroticism“, frühe Entombed, Gorefest, Bolt Thrower, Benediction, Morgoth – das war die Schiene, auf der auch LEMMING PROJECT unterwegs waren. Groovender, atmosphärischer Old School Death Metal, Prügel-Parts, schaurige Leads, komplexe Arrangements.
Natürlich ist ein gewisser Celtic Frost-Einfluss nicht von der Hand zu weisen, die Blast-Parts waren vielleicht von üblichen Verdächtigen wie Venom, Sodom und Kreator beeinflusst, und ich schnalze mit der Zunge, wenn ich die Dissonanzen in einem Song wie 'Leadership' zwangsläufig mit Voivod vergleichen muss. Ferner hatte die Band mit ein paar Sounds'n'Samples (vor allem bei 'Manipulaton') schon damals so etwas wie „Industrial-Elemente“. Und das im selben Jahr, in dem auch Fear Factory's „Soul of a new Machine“ erschien und im selben Jahr, in dem das Langspiel-Debüt der als einflussreich geltenden, wie LEMMING PROJECT aus dem Sauerland stammenden (!) Morgoth erschien, die derartiges erst später ebenfalls noch aufgriffen.


Nachdem sich die Band dann auflöste, machten zwei von ihnen mit der wohl etwas bekannteren „Skandal-Combo“ Sons of Tarantula weiter. Sämtliche Versuche der verbliebenen Ex-Mitglieder, mal wieder einen Fuß in die Szene zu kriegen, scheiterten.
2005 verstarb ihr Gitarrist und Hauptsongwriter Michael Schmale tragischerweise im Alter von 33 Jahren.

LEMMING PROJECT war eine eigenständige Band, die das frühe Death Metal-Genre in beachtlichem Maße mitgeformt hat, dabei aber heute nur noch wenigen ein Begriff ist und zu selten in Listen wichtiger Bandnamen genannt wird.
Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass LP eine Intensität besaßen, die andere Szene-Pioniere so nicht aufweisen konnten, und die einer überbewerteten Spaßkapelle wie Amon Amarth oder dem Gerumpel von Six Feet Under auf ewig abhanden bleiben wird.

An „Hate and Despise“ ist heutzutage Second Hand-mäßig für kleines Geld ranzukommen. Der (vielleicht nicht ganz so zwingende) Vorgänger „Extinction“ ist ein Ticken rarer. Hiermit möchte ich jedenfalls jedem Genre-affinen Musikfreund, der nie von ihnen gehört hat ans Herz legen, diese Bildungslücke in Sachen Extremmusikgeschichte vielleicht mal zu schließen. Es lohnt sich.