Donnerstag, 29. Januar 2009

Dälek - Gutter Tatctics

Wie fange ich jetzt meine Rezi zum aktuellen DÄLEK-Werk am besten an, ohne einfach nur wiederholt durchzukauen, was andere oder auch ich selbst zu DÄLEK generell schon gesagt haben?
Nun ja, vielleicht einfach mal damit, wie toll bereits der erste Monat diesen Jahres in musikalischer Hinsicht ist/war. Für den Metaller und Geballer-Freund in mir haben schon Kreator und Napalm Death Scheiben veröffentlicht, die man ganz klar zu den besten ihrer jüngeren Discographie zählen kann. Mit DÄLEK folgt nun als Sahnehäubchen auch schon das Album für meine an Alternativem, Experimentellen und gänzlich Herausstechendem interessierten Vorlieben.


Der Rap-Act DÄLEK fasst das Genre Hip Hop, irgendwie an seinen Public Enemy'schen Old School-Wurzeln gepackt, als eine progressive Kunstform auf, in dem Sound-Experimente abseits des albernen Mainstream-Einheitsbreis mehr als erlaubt sind. Mit "Absence" bescherte uns das vor einigen Jahren ein Album, dessen lärmige, düstere, dicht-atmosphärischen Soundcollagen, die mit den Drumcomputer-Beats und Rap-Vocals einher gingen, Musikkritiker in dem Zusammenhang auch schon mal zu Begriffen wie Industrial, Ambient, Krautrock oder Shoegaze greifen ließen. Der Nachfolge-Longplayer "Abandoned Language" wollte anders sein und fuhr einen minimalistischeren, basslastigeren, sich näher ans Ursprungsgenre schmiegenden Sound auf. Jener bot mehr "Luft" im Stil, hatte dadurch aber auch nicht ganz die hypnotische Faszination des Vorgängers, selbst wenn auch hier gewisse "düstere Trip Hop-Tendenzen" gegeben waren.

Das neue Werk "Gutter Tatctics" hat nun wieder einen etwas breitflächigeren, bedrohlicheren, lärmigeren Sound als sein Vorgänger. Aber: Dieses mal klingt das Ganze ein bisschen facettenreicher, wärmer und lebendiger, etwas melodischer und perkussiver, manchmal sogar irgendwie fast "rockig" (vor allem bei den ersten beiden Songs nach dem Intro und einem weiteren Track gegen Ende der Scheibe), und manchmal noch ein bisschen eigenwilliger und verspielter als bisher gewohnt ('Who Medgar Evers Was...'). In der Mitte des Albums folgt auf einen eher ruhigen Song eine Nummer mit so was wie einem Quasi-Industrial-Beat ('Los Macheteros (Spear of a Nation)'), die zwischendurch regelrecht ins surreale driftet. In der zweiten Hälfte präsentiert sich DÄLEK dann sogar irgendwie noch heterogener. Die nebeneinander abwechslungsreichen Tracks haben auch für sich von allem etwas. Da sind diese elektronischen Noise-Elemente und schwer definierbaren Soundsphären, da ist irgendwie schon mal Rock mit im Sound, da sind auch schon mal melodische Keys, aber trotzdem wird das alles mit Drumcomputer-Rhythmen und Raps in ein Gesamtklangbild zusammengemischt, das all diese Fremdelemente dann doch wieder zu Hip Hop werden lässt. Eigenständiger, experimentierfreudiger, intelligenter, abseitiger Hip Hop, der wohl nicht ganz unpassend bei Mike Patton's Alternative/ Krach/ Avantgarde/ Rock- Label Ipecac veröffentlicht wird.

Und auch wenn mir persönlich einige Tracks manchmal eigentlich fast einen Tick zu zurückgelehnt daherkommen, da ich Musik wohl generell energisch bevorzuge, gilt trotz alledem: Wenn man sich schon eine aktuelle Scheibe ins Regal stellen möchte, die zwischen all dem Geballer, Geschrei und Gedröhne, was man sich als Typ wie ich sonst primär so gibt, von Horizont, Ahnung und Geschmack zeugen soll - dann tatsächlich eine wie diese!

Rock'n'Roll!

Mittwoch, 28. Januar 2009

Napalm Death - Time Waits For No Slave

Irgendwo las ich neulich mal jemanden schreiben, dass NAPALM DEATH ja eigentlich nach der 2000er Scheibe „Enemy of the Music Business“ bisher kein wirklich zwingendes Album mehr gemacht hätten. Da ist bedingt was dran. Markierte „Enemy..“ den endgültigen Schritt von den Groove-Experimenten der Mit90er, zurück wie nach vorne, zu wieder rasanterer Grindcore-Musik, erreichte eigentlich kein bisheriges Nachfolgewerk wirklich noch mal den gleichen Level an “Woah!-Effekt“.
Order Of The Leech“ (2002) war ein solides, intensives Prügelinferno mit 1-2 Hits, aber eben auch nicht mehr als das. Auch „The Code Is Red … Long Live The Code“ (2005) hatte Hits, blieb aber primär eher wegen seiner reißerischen Gästeliste hängen, und dem witzigen Umstand, dass ND hier unintentionell und unbemerkt einen 1:1-Rip Off eines Songs ihres eigenen Side-Projekts Lock Up mit einspielten. „Smear Campaign“? Nun ja, auch das 2006er Album war gut, versuchte wie gewohnt ein bisschen anders zu sein als die vorangegangenen, und war dabei vor allem auch schlüssiger und homogener als sein Vorgänger, aber ich kann auch nicht so wirklich behaupten, dass es sich mittel- bis langfristig als so ein Klassiker wie „Enemy…“ oder das 94er „Diatribes“ hoch in meinen persönlichen Napalm Death-Charts postierte.


Wie das mit dem presswerkfrischen „Times Waits For No Slave“ langfristig aussieht, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich schwer zu sagen, aber ich bin da ziemlich optimistisch.

Den Briten gelingt wieder ein mal der Kunstgriff, wahnwitziges Hypergezimmer und unfassbar geile Groove-Parts aneinanderzureihen, dabei ganz ohne Zeitgeist irgendwie experimentell anzumuten, aber die Eingängigkeit des Materials nicht ganz außer Acht zu lassen. Alles natürlich von einer äußerst massiven Produktion eingerahmt.

Work To Rule‘ ist ein Monstrum eines Songs, den Chorus-Break von ‚On The Brink Of Extintion‘ muss man schon beim zweiten Durchlauf mitgrölen und auch der etwas eigenwillige Refrain von ‚Fallacy Dominion‘ hat was. Das Thema eigenwilliger Refrain wird dann sogar beim etwas kruden, an besagter Stelle melodisch schwebenden Titeltrack auf die Spitze getrieben.

Fazit: Nur geil, eine mehr als einfach nur gute Platte der Polit-Grindcore-Dinos. Muss ihnen das Groß der Jungspundkapellen so erst mal nachmachen. Und so weiter.

Rollins: Letter to Ann Coulter

Seit einiger Zeit schon durchstöbere ich Youtube immer wieder nach Schnipseln aus der Henry Rollins TV-Show oder witzigen Passagen seiner Spoken Word Performances, und bekomme einfach nicht genug von „Eisenheinrich“, wie ihn einige nennen.

Meine persönlichen Highlights möchte ich hier gerne nach und nach mit Euch teilen. Dazu gehört auf jeden Fall die Episode seiner Sendungsrubrik "Letters from Henry", die sich an Ann Coulter richtet. Übersee ist die werte Dame dafür bekannt, ihre Nase oft und gerne ins Fernsehen zu halten, um dort "christliche" Ansichten über den Äther zu stammeln, die nicht selten höchst provokativ in jeglicher Beschreibung spottender Dummheit ausarten (ein Überfliegen ihres Wikipedia-Eintrags lohnt sich, um im Bilde zu sein) ..
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Montag, 26. Januar 2009

Parts & Labor

Besser spät als nie: Letztes Jahr irgendwie durchs Raster gefallen, sollten die beiden letzten Releases von PARTS & LABOR keinesfalls unerwähnt bleiben.

Bestachen P&L zuvor bereits durch eine eigenwillige, gleichermaßen krude wie eingängige Vermengung aus Pop-Tendenzen und Krach, veröffentlichten sie letztes Jahr zwei Scheiben, auf denen sie sich jeweils auf einen Aspekt ihrer musikalischen Bandbreite fokussierten.

Im Juli erschien mit "Escapers 2: Grind Pop" ein als EP gehandelter Release, der mal eben 51 Songs (!!!) enthält. Davon ist der kürzeste gerade 4 Sekunden lang, und nur die wenigsten knacken die 1 Min.-Marke. Roh und ruppig in Szene gesetzt, konzentrieren sich Parts & Labor hier mit wilden Blastbeat-Eruptionen voll und ganz auf die lärmigen, prügelnden, punkigen Bestandteile ihres Stils. Und wenn dieses wirklich schon als Grindcore durchgehende Geballer und Gedröhne im ICE-Tempo trotz allem mit heiter-melodischen Vocals darüber aufwartet, ist der Begriff "Grind Pop" tatsächlich sehr passend.

Im Oktober kam dann mit "Receivers" als krasser Gegensatz dazu ein regelrechtes Radio-Album raus, auf dem die Noise-Elemente in den Hintergrund treten und primär Platz für so etwas wie hymnischen Indie-Gitarrenpop machen. Zwar verwertet die Band hier allerlei von Fans und Freunden eingeschickte Samples - die elektronischen Lämereien knarzen und fiepen aber nur dezent mit dem Rest der hier doch sehr allgemeinverträglichen Musik mit. Was ich allerdings keinesfalls abwertend verstanden haben möchte, denn dafür dass sich das Teil in musikalischen Regionen bewegt, die mir sonst nicht so zusagen, geht dieses durchaus Substanz aufweisende Indierock-Album erstaunlich angenehm rein und bildet als andere Seite der Münze mit der „Escapers 2“ EP eigentlich ein recht kontrastreiches Gesamtwerk.

Randnotiz: Die seit kurzem unterstützend ins Bot geholte Gitarristin Sarah Lipstate ist übrigens unter dem Pseudonym Noveller solo auch schon seit einiger Zeit in der Noise/Geräuschmusik-Ecke unterwegs.

Großartige Band. Verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

Sonntag, 25. Januar 2009

Cephalic Carnage

Eine kleine Liebeserklärung an o.g. Frickel-Grindcoreler aus den Staaten. Gestern sah ich sie mal wieder live und muss sagen: Auch wenn ich sie eigentlich nur phasenweise eher selten mal im CD-Player oder Winamp rotieren lasse – diese fünf komplettbekloppten Herren haben sich endgültig einen ganz großen Platz in meinem Musiknerd-Herzen erprügelt.

Wer es schafft, bitterbös-brutale, und dabei wirklich richtig gut komplex und progressiv servierte Kinderfressermusik mit gehörig humoristischen Augenzwinkern darzubieten, der hat im Prinzip eh schon gewonnen. Wer dabei auch noch als ein Haufen kruder Weirdos über die Bühne stolpert, in jeder dritten Ansage das Thema Masturbation unterbringt, sich ferner zwischendurch nicht zu Schade für eine Black Metal-Parodie mit Masken, Nietenarmbändern und sacklustigem Synchronposing ist, der muss mir nicht noch viel mehr beweisen, um mich für sich zu gewinnen. Wer dann dem allen außerdem immer noch weiter einen drauf setzt, indem der zuletzt live öfter mal ausgelassene Videoclip-Song mit der hysterischen Enuchenmetal-Chorus-Einlage mal wieder mit von der Partie ist, der kriegt ebenso hysterische, begeisterte Reaktionen von mir zurück. Und wenn dann noch ein semi-kryptisches Dankeschön an den anwesenden Kumpel von Japanische Kampfhörspiele rausgeht, deren Bandnamen man als Amerikaner natürlich nicht so richtig auf die Reihe kriegt, bei dem ist das Konto an Sympathie-Punkten mehr als ausreichend im Haben.
Witzig in dem Zusammenhang im Übrigen auch noch, wie einer der Gitarristen später seine Getränkebestellung, zufällig direkt neben mir an der Theke stehend, höflich in perfekt ausgesprochenem Deutsch hinbekam.

Jungs, Ihr seid total geil! Bitte beschert mir noch weitere Konzerte wie dieses!

Freitag, 23. Januar 2009

the cowbell is an instrument that can't be overused

Musste mal wieder gesagt werden.


Qualitätsmusik im Trash-TV?

"Ich bin ein Star, holt mich hier raus" heißt die Sendung auf RTL, in der sich C- bis F-(Ex-)Promis, die eh nicht mehr viel an Würde zu verlieren haben, irgendwelchen Ekelprüfungen stellen. In den über Medien berichtenden Medien kann man derweil immer mehr Kommentare darüber lesen, was diese Show neben dem damit einhergehenden "Anti-Hype" (andere über Medien berichtende Medien, die den Schund-Faktor des Ganzen betonen) so an sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen der wertvollen Natur offenbaren soll.

Wenn ihr mich fragt, ist das alles ja viel zu viel Wind, inkl. dem heutzutage dann schon obligatorischen Gegenwind dazu (irgendjemand muss halt immer den Längsten haben), als so ein meiner Meinung nach völlig belangloser Scheiß im Quadrat verdient. Aber da die überraschend alternative Musikauswahl der Sendung langsam auffällig wurde, nahm sich das der Fernsehblog der FAZ zum Anlass, einen RTL-Typen dazu zu interviewen.

Und das fand ich dann eigentlich mal ganz interessant. Vor allem wenn ich zurückblicke, wie oft ich früher beim zappen schon darüber geschmunzelt habe, wenn z.B. beim Motorsport-Trailer Sepultura, in einer Trash-Doku das Titel-Thema eines ambitionierten Früh90er-Batman-Trickfilms (echt nur was für Kenner!), in schlechten Soaps frühere Lieblinge wie Waltari als Hintergrundbeschallung, in der Vorschau zur düsteren SciFi-Serie "Space 2063" der damals vor allem in Alternative-Dissen angesagte, düstere Fanta4-Song "Krieger", oder im Schmuddel-Format gar der Lärm von Ministry ertönte. Es zeigt sich also, dass sich hinter den gesichtslosen Machern unsäglicher Verdummungsunterhaltung durchaus „Men Of Wealth and Taste“ verbergen. Eine Erkenntnis, die ich ambivalenterweise als gleichermaßen beruhigend wie verstörend empfinde ..

Donnerstag, 22. Januar 2009

10 Jahre "Anton Gustafsson tolkar Iron Maiden" (Nachtrag!)

Ein heiteres wie trauriges Jubiläum.
In Zeiten, in denen A Capella-Metalcoverbands beim Major landen und in Indie-Dissen zu 8Bit-Sounds steil gegangen wird, kam es mir gerade in den Sinn, retrospektiv einem Pionier der Internet-Phänomene, DIY-Spaßmusikanten und Popkultur-Obskuritäten, aus Tagen in denen Klingeltoncharts und myspace noch in der Ferne lagen, zu huldigen.


Der Schwede Anton Gustafsson (geb. 1980) gelangte nämlich Ende der 90er unter Metal-Fans mit Internetzugang und Sinn für Humor zu mittlerer Berühmtheit, als er unter dem Pseudonym ANTON MAIDEN Coversongs der britischen Größe Iron Maiden veröffentlichte.
Anton spielte dabei die prägnanten Riffs von Metal-Hymnen wie 'Run To The Hills', 'The Trooper', 'Flight of Icarus' oder 'Two Minutes To Midnight' im heimischen Jugendzimmer auf seinem Atari ST als Midi-Versionen im DüppdüppPiep-Sound nach und sang die vertrauten Melodien und Texte darüber mit, nun ja, Hingabe aber mäßigem Gesangstalent.

Dieser öffentlich gemachte Spaß irgendwo zwischen ironischem Trash und ehrlich gemeinter Liebeserklärung an die Originalinterpreten wurde dann 1999 sogar tatsächlich als Tonträger unter dem Titel "Anton Gustafsson tolkar Iron Maiden" ("tolkar"="interpretiert") herausgebracht. Weitere LoFi-Nerdpop-Interpretationen von Gassenhauern der NWOBHM-Legende folgten ebenfalls.

Im November 2003 machte allerdings die traurige Nachricht die Runde, dass Anton Gustafsson tot aufgefunden wurde, nachdem er zuvor schon eine Woche als vermisst galt. Der Schwede soll unter Depressionen gelitten haben und begann Selbstmord.

Doch das Internet vergisst nicht. Auf der Tribut-Seite Anton Maiden 4ever lebt er weiter, als kleiner Star der Freaks’n’Geeks, wo man sich auch alle Coversongs herunterladen und anhören kann. Was ich zum 10jährigen Jubiläum von "Anton Gustafsson tolkar Iron Maiden" nun wohl auch mal wieder schmunzelnd tun werde.

Nachtrag:

Wie ich feststellen musste, handelt es sich bei den auf Anton Maiden 4ever angebotenen Versionen vom "Anton Gustafsson tolkar Iron Maiden" Album teilweise leider um die Gitarren imitierenden Tracker-Fassungen, während nur einige den grandiosen Midi-BleepBlop-Sound haben. Deswegen seien hier als Anspiel-Tipps vor allem "7th Son Of A 7th Son" und "Two Minutes To Midnight" genannt, die diesen Fassungen entsprechen.

Ich muss die alten MIdi-Versionen einiger anderer Tracks unbedingt mal ausfindig machen ... stay tuned.

Mittwoch, 21. Januar 2009

kurz notiert

Da ich derzeit ja doch wieder mehr Lust aufs bloggen habe und nicht einfach immer nur halbe Sachen hinscheißen möchte, habe ich wieder angefangen die Posts auch mit Labeln (ist das der korrekte Plural? Scheiß Anglizismen!) auszustatten, und ferner mal so eine Liste von Blogs zu integrieren, in die ich vielleicht selbst manchmal reinschnuppere. Einfach nur so.

An nahenden Veröffentlichungen habe ich gerade neben Napalm Death vor allem Dälek und Buried Inside auf dem Schirm, so wie eine Split-Scheibe von Japanische Kampfhörspiele und den reanimierten Urgesteinen Eisenvater.

Bands, die ferner planen noch dieses Jahr etwas neues zu veröffentlichen, sind u.a. Mastodon, Armored Saint, Keelhaul, Killing Joke, The Mars Volta & Thorns. Na geht doch wahrscheinlich noch einiges ...
Außerdem arbeiten Wino (St. Vitus, Hidden Hand), Scott Kelly (Neurosis), Al Cisneros (Om, Sleep), und Dale Crover (Melvins). gerade an einem gemeinsamen Bandprojekt namens Shrinebuilder, was ja zumindest auf dem Papier auch schon mal interessant und vielversprechend aussieht.

Sonntag, 18. Januar 2009

Progressiver Milleniums-Post-Black Metal

Okay, ein noch alberner Betreff-Titel ist mir tatsächlich nicht eingefallen, aber das Wiederentdecken von Ulver hat mich dazu gebracht, auch mal wieder folgende Scheiben rauszukramen: Alben von Bands, die ebenfalls aus der Black Metal-Szene stammen, aber – teilweise zumindest zwischenzeitlich – irgendwann nach musikalisch höherem strebten.
Um die Jahrtausendwende war Black Metal ja gerade eh irgendwie jüngst auf der Höhe der Aufmerksamkeit durch die ... äh ... "Gesamt-Metal-Szene“ und folgende Alben wussten mich damals durch ihre unerwartete Herangehensweise ans Genre durchaus sehr zu begeistern:



SATYRICON – Rebel Extravaganza (1999)
Auch wenn ich es zwischenzeitlich Jaaahre nicht gehört habe, hege ich vor allem aufgrund einer Tatsache nach wie vor gewisse Sympathien für diesen Album. Der Grund ist irgendwie albern und einfach, zergeht mir aber heute noch auf der Zunge: Möchtegern-misanthropische Pubertätsbewältiger mit selbst gepachtetem Recht darauf, was wahrer Black Metal ist, hass(t)en dieses Album wie die Pest. Man warf dem Teil vor allem einen Mainstream-Sound vor. Die satte Produktion ist allerdings nic
ht der Grund, warum dieses Album großartig ist, sondern die Musik, die davon eingerahmt wird.

Schon auf der vorangegangenen EP „Intermezzo II“ spielten die Norweger partiell stark mit Industrial-Elementen und Avantgarde-Versuchen. Hier gipfelte das Ganze dann in einem Langspiel-Werk, das zwischen Hyperblast-Geschrote und ein paar stumpf daher geschrubbten Passagen auch immer wieder mit progressiven Vertracktheiten und sperrigen Dissonanzen aufwartet. Das manchmal herrlich schräge Riffing, das den urtypischen Stil der Band auch hier immer noch in sich birgt, wurde nicht zu Unrecht hier und da auch gerne immer wieder mal mit Voivod verglichen. Und ähnlich wie andere Veröffentlichungen, die zu dieser Zeit aus diesem Umfeld kamen (Thorns) liebäugelt die Platte ein wenig mit Industrial-Einflüssen. Was hier hervorragend funktioniert, denn "Rebel Extravaganza" klingt so tatsächlich düster, kalt, und kaputt und steckt ein Groß an einfach nur den selben vorgekauten Darkthrone-Scheiß durchexerzierenden, ach-so-bösen BM-Bands je nach Sichtweise (meiner zumindest) locker in die Tasche.

Wenn ich das Album nun heute so höre, hat es zudem erstaunlich wenig Staub angesetzt. Gut, die Produktion klingt nicht immer optimal, die Mixtur aus Hypergeballer-Passagen und disharmonisch-atmosphärischen Schrägheiten im Midtempo wirkt manchmal etwas „was nicht passt, wird passend gemacht“ aneinandergeklatscht, aber ansonsten hat man es hier auch heute noch mit einem originellen Extrem-Metal-Album zu tun, das zeitlos funktioniert. Und trotz aller Experimente und Fremdeinflüsse bleibt das Teil weitgehend das, was man unter Black Metal versteht.
Vielleicht tut die Tatsache, dass es in diesem Stil weitgehend ein Standalone blieb ja sein übriges dazu, dass es für die „Alternativen“ unter den Extremmusik-Freunden ein Klassiker ist.
Alles, was von der Truppe danach kam, konnte zwar immer wieder mit dem einen oder anderen Prügel-Hit aufwarten (der stumpfe Titeltrack von „Now, Diabolical“ kann alles!), ihr inzwischen mehr mit Rock'n'Roll flirtender Stil übt aber beiweiten nicht so eine Faszination aus wie das brutale SciFi-Album „Rebel Extravaganza“.


Weiter näherte sich eine Black Metal-Band musikalisch jedenfalls niemals an Acts wie Voivod oder Killing Joke heran, dabei macht(e) gerade das so unglaublich viel Sinn!


MAYHEM – Grand Declaration Of War (2000)
Es ist das einzige Album der eine Historie aus Mord und Totschlag hinter sich herziehenden Originale, das ich besitze und brauche. Und wie hat dieses Album eigentlich polarisiert? Man hatte den eigenständigen Brocken von Satyricon gerade verdaut, da legten Mayhem mal eben zwei Schüppen drauf. „Grand Declaration Of War“ hat mit dem Black Metal, für den man diese Band hauptsächlich kennt, eigentlich so gut wie gar nix zu tun, sondern bricht ganz weit aus. Man wollte der Welt wohl mal zeigen, zu was für Musik man so im Stande ist, woraufhin Kritiker mit Begriffen wie Jazz, Prog und Avantgarde um sich schmissen.

Zur Sache: Das (post-)apokalyptische Konzeptalbum ist ein Gesamtwerk, das zwar auch mit Blastgeschrote und Gekrächze aufwartet, aber noch viel mehr mit wahnwitziger Schlagzeugarbeit durch komplexe Breaks rast, während sich Gitarrist „Blasphemer“ auch immer wieder zu Prog-Dudeleien hinreißen lässt.. Man kann hier wirklich von Jazz-Black Metal sprechen. Darüber gibt es viele Spoken Word-Passagen, ein paar Marschtrommel-Einlagen und als Höhepunkt der erzählten Geschichte hat die Band die Unverfrorenheit zwischen all dem unfassbaren Technikgewichse im Brutaloformat mit so was wie einer rein elektronischen Trip Hop-Nummer aufzufahren.
Um es etwas phrasendrescherisch auf den Punkt zu bringen: „Grand Declaration Of War“ ist tatsächlich ein „künstlerisch wertvolles“Album, das ich auch hier umso mehr mag, bedenkt man wie sehr die Band ihrer eigenen Fanbase damit eigentlich ans Bein gepisst hat.

Soweit zu den in mehrfacher Hinsicht wichtigen norwegischen Originalen, folgende Scheibe möchte ich aber ebenfalls nicht unerwähnt lassen:

BEHEMTOH – Thelema.6 (2000)
Eigentlich passt diese Band nur bedingt in eine Liste mit den anderen beiden, aber auch Behemoth fingen mal als traditionelle Black Metal-Band an und strebten musikalisch doch bald zu anderem. „Thelema.6“ ist der Knotenpunkt dieser Entwicklung, an dem die Polen mehr bei so was wie progressiv angehauchtem Death Metal angekommen waren. Diverse Riffs klingen betont nach Slayer, andere Passagen haben gerne mal was von Morbid Angel oder Nile, im Gegensatz dazu bewahren sich die ehemaligen Schwarzmetaller hier aber noch aber einen sehr trockenen, fast kalten Sound. Und ja, an einigen Stellen ist man auch versucht von einem latenten Industrial-Einfluss zu sprechen, wenn hier und da in Kombanation mit hintergründig-düsteren Synthiestreicher-Teppichen Einsprengsel wie Metall-Percussion (oder so geartete Samples) hinzukommen. Und ja, auch hier ist bis zu einem gewissen Grad ein Prog-Einschlag gegeben (man höre z.B. mal 'The Universe Illuination' oder das folgende 'In the Garden of Dispersion').

Summa sammarum eine Scheibe, die zwar keine Hinrchirugie ist, von mir aber auch heute noch immer wieder gerne mal aufgelegt wird, auch wenn mein Interesse an neueren Veröffentlichungen der Band inzwischen eher geringer Natur ist.


Schlussnotiz: Ich habe "IX Equilibrium" von Emperor vergessen? Nein, eigentlich nicht. Denn trotz allem Respekt, was diese Band musikalisch schon geschaffen hat, und aller Relevanz, die man ihr diesem Feld genau dieser Ära zusprechen muss - der doch etwas pompös-symphonische Stil von ihnen war nie so wirklich mein Ding.

Freitag, 16. Januar 2009

Prügelmusik-Streams im Web 2.0 (Napalm Death, Sepultura)

Das kommende NAPALM DEATH Album „Time Waits For No Slave“ kann man derzeit bei myspace komplett als Stream anhören. Vielleicht werde ich in der Veröffentlichungswoche ein ausführliches Review schreiben, vorerst kann ich aber schon mal folgendes dazu sagen: Das Teil ist schon ziemlich geil geworden. Die Grindcore-Urgesteine schaffen es wieder mal ein Album hinzulegen, das auf seine eigene Art und Weise mal wieder etwas anders ausgerichtet ist als die vorangegangen Werke, schielen dabei weder zu sehr in Richtung Moderne, noch versuchen sie einfach nur zu altbewährtem zurückzufallen, sondern klingen schlicht und ergreifend einfach nur nach NAPALM DEATH, ohne ein Abziehbild eines eigenen Albums abzuliefern. Insofern gibt es eigentlich nix zu meckern.
www.myspace.com/napalmdeath

Das aktuelle SEPULTURA-Album „A-Lex“ gibt es gerade komplett bei lastfm anzuhören. Irgendwie tut es mir ja ein bisschen in der Seele weh, wie dieser in den 90ern allgegenwärtig wichtige Bandname einem heute inzwischen fast schon am Allerwertesten vorbeigeht - während die verbliebenen Urmitglieder Kisser und Paulo Jr. sich Mühe geben, was ambitioniertes abzuliefern - und das Interesse der Welt an ihrer Band aber immer mehr sinkt, während Scharen an Fans Ex-Bandkopf Max Cavalera’s große Festivals headlinernder/n Band(s) zu Füßen liegen. (Sorry für den sperrigen Satz.)
Und, ich sage es ganz offen: „A-Lex“, ein Konzeptalbum über „Clockwork Orange“, bzw. gerade den in der Verfilmung ausgelassenen Aspekt des gleichnamigen Romans von Anthony Burgess, ist mal wieder so ein SEPULTURA-Album der „Post-Mäx Ära“, bei dem es mir ferner irgendwie leid tut, nicht noch mehr Begeisterung dafür aufbringen zu können. Bestimmt werde ich es in der Zukunft, wie alle bisherigen Alben nach „Roots“, selten bis nie wieder auflegen. Das Fatale daran: Eigentlich ist es ja gut. Die 18, größtenteils eher kurz gehaltenen Tracks, inkl. einiger Instrumental-Nummern, fügen sich zwischen simplem Geballer, mitreißenden Grooves und ein paar netten Ideen, die man dann eben doch nicht alle Tage hört, zu einem durchaus alles andere als abstoßenden Album zusammen. Lediglich die Beethoven-Hommage und den bemüht unmetallischen Instrumental-Track gegen Ende der Scheibe hätten sich die Brasilianer sparen können. Aber dennoch: So viel Mühe sie sich geben, so gut mir das während des Hörens weitgehend gefällt, es steht – so traurig wie das ist – jetzt schon fest, dass mich dieses Album trotz aller Sympathien für Kisser und Anhang langfristig anhaltend schon bald überhaupt gar nicht mehr interessieren wird. Was mir irgendwie sogar ein bisschen leid tut, aber hey: We all have to move on …
www.lastfm.de/music/sepultura/A-lex

Donnerstag, 15. Januar 2009

Ulver

Gestern habe ich zum ersten mal seit einer halben Ewigkeit mal wieder das Ulver-Album „Perdition City“ aufgelegt und nicht schlecht gestaunt. Dieses Werk aus dem Jahre 2000, das zusammen mit der vorangegangenen „Metamorphosis“-EP eine vorerst völlige Abkehr von Rock-Musik im weitesten Sinne markierte, und dabei insgesamt auch ein bisschen Zeitgeist enthielt, klingt neun Jahre später immer noch großartig und dabei kein bisschen unmodern.

Für alle, die mit dieser Band nicht so vertraut sind: Ulver kommen aus Norwegen und starteten Mitte der 90er mal als Ausnahmeband der Black Metal-Szene, auch wenn sie selbst sich nie als Teil eben dieser gesehen haben.
Ihr Debüt „Bergtatt” war ein für dieses Genre bereits erstaunlich “musikalisches” Album mit Akustik-Passagen, Melodie-Bögen und Klargesang. Beim Nachfolger „Kveldssanger” blieb der Black Metal sogar ganz raus und machte Platz fir ein rein akustisches Folk-Album, wohingegen das Finale dieser Veröffentlichungstrilogie, „Nattens Madrigal“, im krassen Gegensatz dazu rohen LoFi-Black Metal auffuhr, welcher der Legende nach mit einem 8-Spur-Rekorder im Wald aufgenommen wurde.


Anschließend an diese Phase gelang Ulver 1998 ein musikalischer Quantensprung, der in der Szene für Erstaunen sorgte: Das Doppel-Album „Themes from William Blake's The Marriage of Heaven and Hell“, dessen Konzept bereits im Titel erklärt wird, war irgendwie noch mit einem Fuß im BM verwurzelt, musikalisch aber äußerst experimentierfreudig am ehesten zwischen Progrock und elektronischen Klängen unterwegs. Die folgende „Metamorphosis“ EP enthielt danach so etwas wie eigenwilligen Techno.

Perdition City“ kam 2000 als ein faszinierendes Album irgendwo zwischen Ambient, Trip Hop und Jazz daher. Ungewöhnliche musikalische Arrangements, die oft was von einem Filmscore haben, brachten Elemente wie gemäßigte Drum'n'Bass-Rhythmen und Saxophon-Spiel unter einen Hut.

In den Jahren danach folgten eine Menge ähnlich experimentell gearteter EPs und Projekte außer der Reihe, bei denen ich irgendwann den Überblick verloren habe. Erst 2005 sollten Ulver ihren nächsten Longplayer „Blood Inside“ veröffentlichen, und zwei Jahre später mit "Shadows Of The Sun“ einen weiteren, ohne dass dieses mal Experimente in Kleinformaten dazwischenlagen. Diese Alben zeigen Ulver von einer inzwischen doch wieder etwas organischeren und „Song-orientierteren“ Seite, sind aber noch vielschichtiger ausgelegt als vorangegangenes und stehen endgültig komplett zwischen allen Stühlen wie Rock, Jazz, klassischer und elektronischer Musik.

Wie gesagt habe ich irgendwann den Überblick verloren, was das gesamte Schaffen der Norweger vor allem jenseits der Jahrtausendwende angeht, das aber auch heute noch angenehm interessante „Perdition City“ hat mich jedoch kürzlich angefixt, das jetzt mal nachzuholen …

Mittwoch, 14. Januar 2009

Musikcomic: Phonogram

Ein Blick über den Tellerrand: Eigentlich ist dieser Blog ja hauptsächlich eher ein sporadisches Werkzeug, gelegentlich meinen niemanden wirklich interessierenden Meinungsmüll über aktuelle Musik, zumeist Lärm und Geprügel, ins Internet zu entsorgen. Aber mit diesem Eintrag breche ich mal zu einem anderen Medium aus, welches sich im speziellen Fall ferner auch noch um eine Musikszene dreht, die ich eher nur noch vorsichtig tangiere:

Phonogram ist eine Comicreihe beim großem Indie-Verlag Image, dessen Setting in der Ecke der Indiemusik/Britpop-(Club-)Szene angesiedelt ist.
Die Macher Kieron Gillen (Story) und Jamie McKelvie (Zeichnungen) haben hier mit viel Liebe zu diesem Musikgenre etwas interessantes geschaffen, in das sie viele Popkultur-Referenzen streuen.

Die erste Phonogram-Story „Rue Britania“ lief 2006 für 6 Ausgaben als s/w-Comic, und vereinte das musikalische Setting mit ein bisschen Zynismus und Fantasy-Elementen. Gesammelt als Paperback bekommt man diese Miniserie natürlich auch immer noch*.

Gerade hat der zweite Lauf begonnen: Phonogram – The Singles Club. Dieses Mal in Farbe, ist das ganze eine Aneinanderreihung lose zusammenhängender Episoden, die alle während der gleichen Clubnacht stattfinden. Die Einzelhefte dieser Kapitel enthalten zudem noch als Bonus-Feature (auch „Back Up-Story“ genannt) jeweils eine zusätzliche, musikbezogene Kurzgeschichte, die nicht mit in der später zu erwartenden Paperback-Sammlung von The Singles Club landen werden.


Auch wenn die musikszenische Ecke dieses Projekts nicht gerade so ganz meins ist (vermutlich kann ich es deshalb auch erst so richtig unbefangen genießen), finde ich das Ganze mit einem minimal eben doch noch so gerade vorhandenem Grad an Identifikationspotenzial so sympathisch und interessant, dass ich es im Rahmen meines Musikblogs mal vorgestellt haben musste.
Und da ich jetzt langsam mal genug darüber gesagt habe, folgen nun natürlich die Links dazu, mit denen man sich einfach mal ein eigenes Bild machen kann:

Dienstag, 13. Januar 2009

Venetian Snares vs. Black Sabbath

Wieso bin ich da eigentlich jetzt erst drauf gestoßen?
Okay, erst mal ausholen: Der Brite Aaron Funk macht normalerweise unter dem Pseudonym VENETAIN SNARES Musik in der Breakcore/IDM-Ecke. Vertrackter, harter Drum'n'Bass/Jungle, oder wie auch immer man das einordnen möchte. Das meiste davon ist ja nicht so mein Ding, aber auch in Alternative-Kreisen ist das Album „Rossz Csillag Alatt Született“ sehr beliebt, das seine komplexen Rhythmen mit klassischer Musik und osteuropäischer Folklore vereint. Was im Übrigen wirklich eines meiner wenigen Lieblingsalben abseits von Gitarrenmusik ist.


2007 veröffentlichte Herr Funk jedenfalls nicht nur unter dem Titel „My Downfall“ ein enttäuschendes, überambitioniertes Nachfolge-Album dazu (ich berichtete hier darüber), sondern auch unter dem schlicht variiertem Namen SNARES eine „Sabbath Dubs“ betitelte Vinyl-Scheibe, auf der er sich zwei Tracks lang an BLACK SABBATH verging, die wohl keiner weiteren Vorstellung bedürfen.


Die A-Seite ist jedenfalls mit einer hammergeilen Remix-Fassung des Songs „Black Sabbath“, der hier in düstere Dub- (meinetwegen auch "Dubstep", auch wenn es daür irgendwie zu langsam ist) Gefilde geführt wird, der absolute Wahnsinn. Diese Version macht echt Sinn. Natürlich ist das nix für Puristen, wenn man Ozzy's Stimme neben Wabersounds hört, aber wie gesagt: Irgendwie macht das echt einfach Sinn. Die B-Seite „Electric Funeral“, die ferner Ozzy-Interviewfetzen reinsamplet, ist ähnlich geartet, kann aber nicht ganz mit der unfassbar coolen „Black Sabbath“-Version mithalten.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Kreator - Hordes of Chaos

Wir kommen zur ersten Veröffentlichung 2009 und ausnahmsweise mache ich es mir heute mal nicht leicht, sondern hole – Ehre wem Ehre gebührt – für die internationalen Legendenstatus genießenden Kollegen aus dem Revier mal weiter aus. Es gibt wohl verschiedene Perspektiven, aus denen man dieses Album als Musikkritiker betrachten könnte.

Eine davon würde so aussehen:

„Der Mille“, Ruhrpott-Idol aller Kuttenträger, schickt sich wiederholt an, die alten Zeiten aufleben zu lassen. Vergessen sind die Phasen, in denen ein experimentierfreudiges Meisterwerk wie „Renewal“ in der Headbanger-Gemeinde auf bittere Empörung stieß.-* Vergessen auch die in der Szene ebenfalls weitgehend ungeliebten, Elektronik-unterstützen Ausflüge in krude Gothicrock-Gefilde. Seit nunmehr drei Alben steht der Kurs wieder auf Old School und gibt der Wacken-Menge, was sie hören will. Dabei fehlt das pompös-hymnische Blind Guardian-Intro und die Iron Maiden-artige Harmonie-Linie dann ebenso wenig, wie die bei schnellen Metallica-Songs oder Slayer -Standarts zusammengepauschten 08/15-Riffgewitter. Darüber werden peinlich-infantile Klischee-Texte mit simplen Titelzeilen gekeift, die so penetrant einprägsam sind, dass auch der letzte Langhaar-Dorftrottel sofort mitkommt. KREATOR anno 2009 sind nicht einfach nur retro, sondern versickern noch einen ganzen Schritt tiefer im Sumpf einer leider völlig ironiefreien, Klischee-triefenen Selbstparodie und Realsatire endorsed by EMP. Genre-Aushängeschilder, die spießige Reißbrettrebellen-Musik für 16jährige RockHard-Neuleser und ewiggestrige Altenessen-Thrasher machen.

-*: (Es ist als Musikversteher und Ahnunghaber immer wichtig dem Umstand Erwähnung zu gewähren, dass die tumben Metal-Schwachköppe das natürlich hochinnovative Album „Renewal“ damals nicht verstehen und haben wollten. Wie hinfällig dieser Umstand heute inzwischen ist, weil viele Fans dieses Album als einen der wichtigsten Klassiker lieben, und wie konventionell und typisch für seine Zeit das Album aus heutiger Sicht eigentlich klingt, wird dabei oft übersehen)

Derartige Reviews gab es tatsächlich zum 2001er KREATOR-Album „Violent Revolution“, welches die Segel nach diversen Ausbrüchen in andere Musikgefilde wieder in Richtung alte Schule setzte, vorwiegend aus der Indie-Presse und von Kunstkenner-Bloggern, die in ihrer Jugend selbst mal Metal gehört haben, und damit wohl einerseits nichts mehr zu tun haben wollen, andererseits aber wohl immer noch nicht so richtig loslassen konnten.
Aber die Zeiten, in denen man sich in Gazetten wie Visions, Intro und co. seiner eigenen Vergangenheit geschämt und niveauvoll getan hat sind wieder vorbei. Im Gegenteil ist Metal in den letzten paar Jahren auch wieder Szene-übergreifend en vouge geworden. SpOn's Studentenmusikgeschmäcker abgrasende Vorzeige-Indienulpe Jan Wigger zückt mit einem grotesk-halbbesoffenem Review sogar eine 9/10 für die diese Platte.

Da kann man dann wohl auch mal den Hobby-Redakteur vom Metal-Webzine sprechen lassen:

Yeah! Das Abräumkommando aus der Headbanger-Hauptstadt der Nation ist wieder da und macht endgültig keine Gefangenen mehr. Hordes Of Chaos macht seinem Titel alle Ehre, denn KREATOR wüten hier wie eine ganze Horde Barbaren und hinterlassen nur Schutt und Asche. Wenn Ihr glaubt, dass Enemy Of God“ schon ein gutes Thrash-Album war, dann macht Euch auf was gefasst: Denn hier gibt es noch gewaltiger auf die Zwölf. Noch geilere Riffs, noch schnellere Doublebass-Erdbeben, intensiveres Geschrei vom Meister – und an der Klampfenfront lässt man sich generell nicht lumpen, denn Gitarrenhexer Sami Yli-Sirniö feuert an der Lead- und Solo-Axt astreine Dinger raus. Dieser silberne Rundling ist Gold wert!

Aber jetzt mal im Ernst. Natürlich liegt die Wahrheit – wie so oft – irgendwo dazwischen. Natürlich ist „Hords Of Chaos“ ein Album, auf das der Liebhaber tradtitionsbewussten Prügel-Metals völlig zurecht steil gehen wird. Und natürlich ist es ein Album, das der Allround-Musikfreak mit Vorliebe für hartes oder auch progressiveres u.U. auch schon peinlich und berechnend, meinetwegen auch einfach nur stumpf und uninteressant finden darf.

Auch ich muss zugeben, dass mich der Grad an „Donzdorfisierung“, den KREATOR anno 2009 inzwischen angenommen haben, bisweilen schon manchmal fast spöttisch schmunzeln lässt. Da werden Songs mit ultra-pompösen Kitsch-Gniedeleien eingeleitet und auch die betont harmonischen Lead/Solo-Passagen einiger Songs wirken im Gesamtkontext irgendwie albern, wenn man sich sonst Mühe gibt rasant und aggressiv nach vorne zu kacheln und mit angepisstem Geschrei auch auf wütend zu tun. Dazu Textzeilen, die auch von Schulenglisch-16jährigen und ihrer ersten Kellerrumpelcombo stammen könnten. Ja, natürlich ist das alles ein bisschen Baukastenprinzip und betont „true“ gehalten und wirkt von außen auch irgendwie dezent einfältig.
Aber, und das muss man dabei einfach mal anerkennen, KREATOR machen das, was sie machen, in Perfektion. Alles ist noch ein Stück besser inszeniert als beim Kurs-setzenden „Violent Revolution“ oder dem meiner Meinung nach etwas platten und nichtssagendem „Enemy Of God“. Die Scheibe ist songschreiberisch, spielerisch und produktionstechnisch sehr gut in Szene gesetzt worden und hat, wenn man so will, einiges an Hits zu bieten, in die man ferner ein bisschen mehr reingesteckt hat, als einfach nur schlichte Mitgröl-Slogans auf standardisierten Stakkato-Riffs.

„Hordes Of Chaos“ mag kein Album mit musikalischem Pioniergeist, abgrenzenden Überraschungen oder integriertem Intelligenztest sein. Es ist aber ein im Genre-Rahmen absolut gelungenes bis überdurchschnittliches Album, an dem man, von innen wie von außen, durchaus Spaß haben kann.

Montag, 5. Januar 2009

Ein paar Notizen

- Ersten Hörproben zufolge scheint die neue Napalm Death Scheibe ein ganz schöner Brocken geworden zu sein, bei dem an allem (!) noch ein paar Schüppen draufgelegt wurden. Was im übrigen auch für die monumentale Bombast-Produktion gilt, die ich dem ersten Hinhören nach schon etwas übertrieben fand.

- Ebenfalls erste Hörproben konnte man bereits vom in Kürze erscheinenden, neuen Kreator-Werk bestaunen. Es scheint, als würde der 2001 mit „Violent Revolution“ eingeschlagene Weg, energischen Thrash Metal mit traditionellmetallischer Kante und infantilen Klischee-Songtiteln zu servieren, konsequent fortgesetzt. Ob ich das teilweise arg kitschige Melo-Gegniedel einiger Songs 2009 noch ertragen kann, wird sich dabei noch zeigen müssen, denn eigentlich habe ich im Moment (mal wieder) keinen Bock (mehr) auf so was ...

- Etwas enttäuscht bin ich von dem inzwischen schon so ein paar Jährchen auf dem Buckel habenden Curve-Album „Gift“. Der auch aus jüngeren Actionfilm-Trailern bekannte Opener 'Hell Above Water' drückt mit seiner Mixtur aus maschinellen Bollerbeats und Gitarrenkrach zwar gewaltig, die restlichen neun Tracks wabern aber leider wesentlich zahnloser und zurückgelehnter durch elekronische Pop-Gefilde mit gelegentlichen Gitarrenseinsätzen. Naja.

Zwei Alben ...

… die, gerade mal wieder rausgekramt, eine gewisse Faszination auf mich ausüben und unbedingt gewürdigt werden müssen:

BUZZARD – Churp!!!
(Hellhound Records, 1993)
Eigentlich ist es ein Verbrechen, dass Bands wie Watchtower, Voivod, Cynic, Death, Queensryche, Atheist, Dream Theater und so weiter als Innovatoren progressiven Metals in Stein gemeißelt wurden, Buzzard jedoch weitgehend unbekannt blieben. Das Faszinierende an „Churp!!!“ (damals veröffentlicht über das vor allem für Doom bekannte Label Hellhound) ist, dass die Scheibe aus zwei sehr unterschiedlich ausgerichteten Hälften besteht. Die ersten 5-6 Songs, sozusagen die A-Seite, könnte man als Prog-Metal sehr traditioneller Prägung bezeichnen. Der Gesang ist typisch für Metal dieser Ära, während sich Buzzard mit vielen Taktwechseln und musikalischen Überraschungen durch ein Durcheinander klassischen Heavy/Doom/Speed/Thrash Metals frickeln. Der recht kurze, instrumentale sechste Track ‚His Descent‘ kann dann als eine Art Outro zu dieser A-Seite gesehen werden, während die zweite Hälfte des Albums dann nicht nur komplett instrumental ist, sondern sich außerdem aus den Angeln des Metals loslöst. In einer halben Stunde musikalischen Wahnsinns fahren Buzzard hier von Funk/Jazz-Versatzstücken bis zu psychedelischen Lärmereien ein frühes Mathrock-Manifest auf, das dann noch mal ein eigenes musikalisches Werk für sich ist und in Kombination mit der ersten Hälfte damals wie heute wohl für einige Irritationen sorgen kann. Sehr interessantes Album! Wieso blieb diese Band eigentlich so sträflich unbeachtet?


DÄLEK – Absence
(Ipecac Records, 2004)
Aufgrund des Labels und entsprechenden Umfelds gerade in Anhänger-Lagern von Alternative, Krach und Experimentierfreude eigentlich nichts, was man den Leuten noch vorstellen muss - vor allem ist das neuste Album Däleks jetzt gerade auf der Startrampe - dennoch muss ich mal meine Begeisterung hierfür zum Ausdruck bringen. Der Name Dälek steht für intelligenten, eigenständigen Hip Hop, bei dem die Rap-Vocals gerade auf diesem Album über sehr eigenwilliger Musik thronen. Denn der Sound von „Absence“ besteht neben den maschinellen Rhythmen vor allem aus lärmigen, düsteren, dichten Sound-Collagen, zu denen einem häufig auch der Begriff „Industrial“ in den Sinn kommt. Das geht nicht immer und nicht oft und auch irgendwie nicht lange am Stück - wenn es alle Jubeljahre dann aber doch mal im Player landet, ist „Absence“ mit seinem ungewöhnlichem Sound dann aber doch ein höchst faszinierendes und packendes Hörerlebnis. Das 2007er Nachfolgewerk „Abandoned Language“ konnte mich mit seinem eher konventionellen und minimalistisch Bass-lastigem Sound jedenfalls nicht so begeistern, wie dieses. Wie die neue so ist, werde ich Euch bestimmt noch erzählen …