Montag, 28. Dezember 2009

Klassiker ...

Youtube-Fundstück: Die UK-Rapper GUNSHOT performen ihren auch in Alternative-Kreisen bekannten Clubhit "Mind of a Razor" back in the 90ies zusammen mit keinem Geringeren als Napalm Death' Shane Embury live:

Dienstag, 22. Dezember 2009

Musikalischer Jahresrückblick (1) - Alben 2009

2009 war ein gutes Jahr, was harte Spartenmusik angeht. Und wie schon zuvor etwas erwartet stand 2009 voll und ganz im Zeichen der „Beardo-Musik“, und das gerade auch bei mir, der sonst eigentlich so ein bisschen der Trendverweigerer sein möchte. Ich kann es aber drehen und wenden wie ich will, meinen Lieblingsalben `09 muss ich alberne Etikette wie „Stoner Metal“, „Prog-/Post-Metal“, „Frickel-Sudgecore“ und „Math-Noiserock“ anheften. Hier meine vier Lieblinge, die man eigentlich auch fast als vier mal Platz 1 deuten kann, denn eine tatsächliche Top5-Rangordnung oder so etwas aufzustellen, ist mir dieses Jahr unmöglich (wie die besten 4 sortieren und was auf 5 packen? *haarerauf*) …

Top-Alben 2009
BARONESS – Blue Record
DŸSE – Lieder sind Brüder der Revolution
KEELHAUL – Keelhaul’s Triumphant Return To Obscurity
KYLESA – Static Tension

Wie gesagt und unschwer zu erkennen, bewegen sich meine vier meistgehörten und –geliebten Alben diesen Jahres alle so ein bisschen im gleichen Feld. KYLESA sind die mit Psychedelic-Akzenten versetzte, straighte Auf-die-Fresse-Variante der „Stoner Mertal/Sludgecore“-Ecke, BARONESS in ihrer Stilmixtur von dort trotz aller „Ungehobeltheit“ noch etwas näher an klassischen (Prog-)Rock/Metal gerutscht, KEELHAUL klingen als verspielt-jazzige, kantige Vertreter besagten Genre-Felds anno 2009 zwar etwas geordneter und songdienlicher denn je, dafür aber immer noch unverkennbar und wild, und das neben diese drei Ami-Bands auch noch grob irgendwie mit in die gleiche Schublade passende Ossi-Ausnahmeduo DŸSE hat mit dem aktuellen Wunderwerk verqueren Noiserock-Gelärmes ebenfalls den ganz großen Wurf abgeliefert.

Müsste ich nun aus den besten Alben 2009 eine Top10 aufstellen, so würden sich die weiteren sechs Plätze aus folgenden Alben rekrutieren (alphabetisch geordnet):

DÄLEK - Gutter Tactics
DYSRHYTHMIA - Psychic Maps
MARS VOLTA, The - Octahedron
MASTODON – Crack The Skye
NAPALM DEATH - Time Waits For No Slave
SÓLSTAFIR – Köld

Was wurde dieses Jahr doch ein Wind um MASTODON gemacht. In der Fachpresse, ob Metal oder Indie, tut man nun auf ein mal so als wäre diese früher eher etwas verschmähte Band nun auf ein mal in den Rock-Olymp aufgestiegen. Zugegeben: Objektiv ist „Crack The Skye“ ein sehr, sehr gutes Album. Aber auch ein sehr glattes. Die Band lässt hier fasst sämtliche Ecken und Kanten vermissen, die sie zuvor so faszinierend machten. So ist es eben auch „nur“ ein ziemlich gutes Album, dass subjektiv nicht gerade zu meinen Lieblingen gehört. Auch THE MARS VOLTA haben ihr ruhigeres Pop-Album abgeliefert, welches als solches dann aber doch zu gut war, um von mir ignoriert zu werden. Die Instrumental-Frickelrocker DYSRHYTHMIA sind dagegen ein ganzes Stück brutaler und brachialer geworden, eigentlich ist das schon ziemlich nah an Meshuggah und ein faszinierendes, regelrecht Hirnwindungen verknotendes Album. Die Alternativ-Hiphopper DÄLEK haben dieses Jahr ebenfalls ihr meiner Meinung nach bestes Album abgeliefert, facettenreicher als sonst und auch irgendwie mehr catchy, und auch das aktuellste Werk von NAPALM DEATH dürfte eines der Stärksten ihrer jüngeren Discographie sein. Wären da last but not least noch die Ex-Black Metaller SÓLSTAFIR, für deren epischen Rock man gar nicht so recht eine Schublade finden will, deren Album aber immer noch bei jedem Durchlauf zu packen weiß.


Sonst noch gut – Alben, die vielleicht nicht nachhaltig in der Dauerrotation waren und somit auch nicht innerhalb der Bestenliste, aber dennoch als ziemlich gut erwähnenswert sind:

CHURCH OF MISERY - Houses Of The Unholy
EISENVATER – IV
GODS WILL BE DONE - The Book Of Blood
GOSSIP - Music for Men
IMMORTAL – All Shall Fail
KREATOR - Hordes Of Chaos
MORRISSEY - Years Of Refusal
SHRINEBUILDER - Shrinebuilder
TOMBS - Winterhours
VOIVOD - Infini
VOMITORY - Carnage Euphoria
ZU - Carboniferous

Zusammengefasst: MORRISSEY und GOSSIP sind für die Portion Pop zwischendurch die perfekten Alben für verkaterte Sonntage, das dreckige Doomgerocke von CHURCH OF MISERY der Soundtrack, der beim Vorglühen voranging. Der Neurosis-, Klling Joke- und Voivod-Fan in mir liebt diesen schrägen, atmosphärischen, dennoch brachialen Stil, den sowohl die reformierten Artcore-Dinosaurier EISENVATER inzwischen und ferner auch das New Yorker Trio TOMBS frönen, die Supergroup SHRINEBUILDER zieht sich souverän aus der Affäre und VOMITORY sind wohl derzeit so ein bisschen mein Fave in der Death Metal-Ecke. Die Zirkus-Black Metaller IMMORTAL und die irgendwie auf ihre alten Tage immer einfältiger in Metal-Klischees (zurück)rutschenden KREATOR gehen eigentlich schon so ein bisschen als „Guilty Pleasure“ durch, hier gilt aber irgendwie: Wenn man das schon machen muss, dann ist es so genau richtig - auch wenn gerade die IMMORTAL-Scheibe offensichtlich eine sehr geringe Halbwertzeit hat (ähnliches gilt im Übrigen auch für das saisonell begeisternde Albun von VOIVOD). Die Hartjazzer ZU, die sich die Songs mit Mike Patton auf dem Album hätten sparen können, hätten vielleicht bessere Karten gehabt, wenn die neue Dysrhythmia nicht so gnadenlos geil ausgefallen wäre, aber letztere flasht mich dann doch irgendwie mehr als der Trötcore der Römer.

Die beiden schizophrenen Alben
Etwas, über das ich die ganze Zeit schon mal bloggen wollte, ist folgende Tatsache: FUTRE OF THE LEFT und THERAPY? hatten dieses Jahr viel gemeinsam. Beide Bands aus Britanien (erstere Waliser, zweitere Nordiren) veröffentlichten Alben, die ich zur Hälfte total geil fand, deren jeweils andere Hälfte aber doch sehr abfällt, auch wenn sie nicht wirklich schlecht ist. So haben FUTURE OF THE LEFT zwar wahnwitzigste Noiserock-Attacken zu bieten, gegen die einige nicht wirklich schlechte Indierocker auf „Travels With Myself And Another“ dann aber doch eher nur noch wie ein laues Lüftchen tönen und verfliegen. Ähnlich ist es mit THERAPY?, die auf „Crooked Timber“ auch mal wieder einen etwas sperrigeren Sound für sich entdeckt haben und damit einige wirklich energische Lärmrocker aus dem Hut zaubern, bei den nicht wirklich schlechten Popsongs der Platte diesen "Sturm und Drang-Faktor" dann aber irgendwie zu sehr vermissen lassen um in Gänze zu überzeugen. Da hätte in beiden Fällen irgendwie noch mehr drin sein können/müssen ...

Irgendwie durchs Raster fallen
mir eigentlich aufgrund der Fülle potenziell interessanter Veröffentlichungen jedes Jahr ein paar sehr gute Alben. Vor allem quer durch die Sparten, die mir zwar auch was zu bieten, aber nicht so schwerpunktmäßig frequentiert werden wie mein Lieblingslärm. Dieses Jahr ist es so schlimm, dass mir nach dem Motto „zu viel tolle Musik, so wenig Zeit“ bereits gehörtes und für gut befundenes trotzdem irgendwie nur flüchtig ans Ohr kommt.
„Beggars“ von THRICE z.B. ist sehr gut. Irgendwie hör(t)e ich das Album dann aber bisher doch nur so selten, dass es mir gar nicht in den Sinn kam, es mit in eine Auflistung zu packen. Die aktuelle CONVERGE wartet eigentlich auch immer noch darauf, von mir gebührend unter die Lupe genommen zu werden, genauso wie „The Eternal“ von SONIC YOUTH. BRUTAL TRUTH und AGORAPHOBIC NOSEBLEED hatten ebenfalls irgendwie noch gar keine Chance auf Dauerrotation. Naja, Weihnachten rum könnte nun davon vielleicht tatsächlich noch mal was nachrücken.

Bisher komplett durchs Raster gefallen
sind mir an Alben, die ich eigentlich gerne mal hören wollte, bei denen ich es bisher aber bisher schlichtweg nicht geschafft habe: Beak>, Between The Buried And Me, Zola Jesus, Omar Rodriguez-Lopez' Xenophanes, Pissed Jeans, Fuck Buttons, (nicht lachen:) Kiss, Circle, Sights & Sounds, Urfaust, A Place To Bury Strangers, Minsk, Howl, Katatonia, Japandroids, Eisenpimmel, Clutch, Obscura, 16, Man must die, …
Einige davon hole ich vielleicht in Kürze noch mal nach, andere vielleicht aber auch nie ...


Black Metal & Drone
Überhaupt nicht berücksichtigt habe ich bis jetzt einige Alben, die bei Anderen wohl ganz oben in den Bestenlisten mitregieren. Auch hier gehe ich davon aus, dass ich sie erst jetzt bei Winterwetter und mehr Ruhe bald erst noch so richtig zu würdigen lerne. Die Rede ist von WOLVES IN THE THRONE ROOM, SUNN O))) und PYRAMIDS WITH NADJA. Die New Yorker Neuentdeckung LITURGY sollte ich wohl auch noch erwähnen.

Ein paar Kleinformate und irreguläres, kurz abgehakt: Die Dauerfeuer-EP „Luxusvernichtung“ von JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, ihre gemeinsame Split-Veröffentlichung mit EISENVATER, die Split von MASERATI und ZOMBI, sowie die WOLVES IN THE THRONE ROOM 2-Song-EP „Malevolent Grain“ sind mehr oder minder recommended.


Last & Least: Rohrkrepierer, Gurken und Enttäuschungen 2009
MUSE – The Resistance
ISIS - Wavering Radiant
BURNT BY THE SUN - Heart of Darkness
SLAYER – World Painted Blood

Ja, jetzt ist es raus. Ich finde die aktuelle SLAYER wohl irgendwie langweilig und belanglos. Oder sagen wir mal ich brauche sie einfach nicht. Es gibt zu viele potenziell gute und interessante Musik, als dass ich heutzutage noch meine Zeit dazu verschwenden müsste mir ein mittelmäßiges SLAYER-Album schön zu hören, oder so zu tun als wäre es der Knaller, nur weil SLAYER drauf steht und drin ist. Kann man sich bei so `ner heiligsten aller Kühe auch ruhig mal ungeniert eingestehen. Vielleicht wirds ja beim nächsten mal wieder was. Bei ISIS wiederum verstehe ich wieder mal nicht vollkommen, warum Viele auf die so steilgehen müssen. „Wavering Radiant“ ist für mich einfach nur eine lachhafte Nullnummer, sorry. Das ziellos-gleichförmige Aggro-Gepolter, das BURNT BY THE SUN als finales Werk abgeliefert haben, brauche ich eigentlich auch nicht. Und MUSE? Die haben mit ihrer glattpolierten, kitschtriefenden ZDF Fernsehgarten-Musik dieses Jahr den absoluten Vogel abgeschossen.
Unterm Strich muss ich wohl außerdem auch noch zum BURIED INSIDE Album "Spoils of Failure" gestehen, hier wohl viel höhere Erwartungen gehabt zu haben als einfach nur solides Sludgecore-Geschleppe ohne interessante Impulse. Denn im Gegensatz zum Vorgänger "Chronoclast" gerät es schon jetzt bei mir nahezu in Vergessenheit.

Soweit.

[Irgendwann die Tage auch noch hier zu lesen: Mein Konzert- und Festivaljahr 2009.]

Montag, 21. Dezember 2009

rage against the charts...

Als Musikblogger fühle ich mich versucht, einen Kommentar zu dieser "Killing in the name”-Sache abzusenfen. Aber wisst Ihr was? So witzig und vielleicht auch nötig so eine Aktion mal war, so egal ist mir das irgendwie auch …

Freitag, 18. Dezember 2009

Scumrock anyone?

Mein alter Kumpel Adam, seines Zeichens Gitarrist der OWL-Altherren-Thrasher Gods Will Be Done (ja nu, die Werbung hat er sich damit wirklich verdient), hatte einen guten Riecher dafür, mit welcher Art musikhistorischer Skurrilitäten man mich begeistern kann, als er mir folgenden Youtube-Link schickte:

In den 80ern gab es mal ein Video-Musikmagazin namens „Hard ‘N‘ Heavy“ (ja, das wurde wirklich auf Videokassetten verkauft). Mehr Momentaufnahme als irgendwie strukturiert, stellte es in groben Portraits Live-/Clip- und Interview-Sequenzen nebeneiander, die diverse Bands aus der Metal-Szene und den verschiedenen aufkommenden Subsparten in den Mittelpunkt stellten. In einer Ausgabe wurde die in New York City ansässige, sogenannte „Scumrock“ -Szene beleuchtet. Besonders sehenswert sind in diesem Beitrag die REVERB MOTHERFUCKERS (starten so ab 03:29):



Ich möchte mir gar nicht ausmalen wie die Welt heute aussehen würde, wenn sich damals statt Seattle’s „Grunge“ der New Yorker „Scumrock“ als der Generationen prägende Sieger der Evolution mit Underdog-Image durchgesetzt hätte, und nicht Cobain und Vedder, sondern die REVERB MOTHERFUCKERS zu den Posterboys einer Ära avanciert wären …

(Notiz am Rande und Spaß beiseite: Was hier als „Scumrock“ etikettiert wird ist tatsächlich ein früher, undergroundiger Teil der vor allem im New Yorker East Village stattfindenden Alternative-/Noise-Rockmusikszene, aus der Bands wie Cop Shoot Cop, Helmet, Unsane, außerdem die ursprünglich von Washington rübergemachten Pussy Galore und Boss Hog, und sogar White Zombie hervorgingen.)

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Black Metal gone wrong ...

Kürzlich gönnte ich mir sporadische Hörproben zweier Bands, die ich anlässlich ihrer aktuellen Alben und sowieso generell mal nachholen wollte und irgendwie blieb es dann auch nur bei sporadisch...
1.) Anaal Nathrakh, in die ich schon immer mal reinhören wollte, weil Napalm Death' Shane Embury live mal mitgemacht hat. Aber was für eine verkappte Comedy-Band ist das denn bitte? Eine eklektische Extremmetall-Mixtur, die mit kaputtem Geschrei, bösem Gegrunze und pathetischem Gejodel auf ein mal, zwischen schlechtem Drumcomputer-Blastbeasts und cheesy Gniedel-Leads alles zusammenwürfelt, was man zusammenwürfeln kann? Kann ich null ernst nehmen, sorry.
2.) Krallice: In der Tendenz erst mal nicht uninteressant, weil aus dem personellen Umfeld von Dysrhythmia und Behold... The Arctopus. Ferner war einer von denen an der Produktion der Liturgy-Scheibe beteiligt, die ich ganz gut finde. Bei Krallice selbst krankt es jetzt aber ausgerechnet daran: Mag sein, dass die Band die Art von BM spielt, die ich in letzter Zeit mal wieder ein bisschen für mich entdeckt habe und ferner dabei auch interessante experimentelle Ansätze hat, die Produktion klingt aber wirklich nach amateurhaften Wohnzimmerversuchen. Inzwischen bin ich ja auch der Ansicht, dass Black Metal etwas rohes und dahingerotztes haben muss, das von perfektionistisch-modernen Produktionen manchmal kaputtgemacht wird, aber mit Schuhkarton-Drums und flachem Rasierapparat-Gitarrensound kann man bei mir auf dem falschen Fuß erwischt halt auch nicht gerade viel reißen ...

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Vierteilen

Am 30.01.2010:
- Baroness & Dÿse in Köln.
- Japanische Kampfhörspiele & Eisenvater in Essen
- Kong & Long Distance Calling in Dortmund

- (Neurosis') Scott Kelly in einer Tropfsteinhöhle in Iserlohn

Wo zur Hölle soll ich da denn dann bitte hingehen???

Dienstag, 15. Dezember 2009

Netzmusik

Einen neuen Song der SMASHING PUMPKINS gibt es gratis (hier.mp3), für einen neuen von PORTISHEAD muss man bei 7digital mal eben 99 Cent dafür rüberschieben.

Bald hier zu lesen: Musikalischer Jahresrückblick.

Montag, 14. Dezember 2009

Sonntag, 13. Dezember 2009

Waltari ...

Liebes Tagebuch,
gestern sah ich mal wieder WALTARI live. Zum ersten mal seit sieben Jahren oder so (Gott, wie die Zeit verrinnt). Wie schon an anderer Stelle mal erwähnt, waren WALTARI von Mitte der 90er bis knapp über die Jahrtausendwende mal eine meiner absoluten Lieblingsbands. Irgendwann überwanden sie ihren kreativen Zenit, genauso wie sich mein Musikgeschmack noch mal etwas veränderte, und man ging im Guten getrennte Wege.
Zurück zum Konzert, war es dennoch irgendwie schön zu sehen, wie es diese finnische Band immer noch schafft, ihren Konzertbesuchern ein breites Lächeln ins Gesicht zu zaubern und die Masse geschlossen zum tanzen zu bringen. Auch wenn ich die Hälfte der Songs nicht mehr kannte und nicht wirklich essenziell kennengelernt haben hätte müssen, diverse alberne Uralt-Klamotten wie „Stückchen Brot“, die ins Set eingebaut wurden, auch nicht sooo wirklich unbedingt hätten sein müssen, und ich das Groß der aktuellen Besetzung nicht mehr kenne – ja doch, es hat auf die alten Tage dann doch noch mal Spaß gemacht. Knaller wie „Athmosfear“, „Far Away“, „So Fine“ oder das 2Unlimited-Cover „No Limit“, in das dann auch noch ein bisschen Megadeth mit eingebaut wird, forderten auch mich noch mal zum zufriedenen Grinsen und ein bisschen Bewegung auf. Für ein kurzweiliges Stündchen fühlte man sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückversetzt in die etwas unschuldigeren, lebensfroheren, unbeschwerteren Zeiten.
Alte Liebe rostet nicht? Nun ja, es gibt Zeiten, die einfach vorbei sind. Ein kleines, mehr oder minder unverbindliches Revival, das einem noch mal einen gemeinsamen Moment der Freude und schöner Erinnerungen beschert, ist manchmal dennoch nicht das verkehrteste.
Irgendwie ist es schön zu wissen, dass Bandkopf Kärtsy und seine Jungs immer noch ihren Stiefel durchziehen und damit immer noch ihre Anhänger haben. Selbst, wenn ich persönlich nicht mehr so richtig darin aufgehe, wie anno dazumals mal. Aber wie gesagt: Schon irgendwie toll, dass es sie noch gibt, auch wenn meine persönliche Prioritäten in Bezug auf musikalische Unterhaltungskunst inzwischen woanders liegen ...

Dienstag, 8. Dezember 2009

Liturgy - Renihilation

Wenn über eine Geheimtipp-Band, die jüngst sogar schon in eher Metal-unaffinen Jahresbestenlisten auftaucht, und das mal wieder früher als in großen Metal-Gazetten, und an anderer Stelle schon wieder was von wegen „hip aber trotzdem gut“ zu lesen ist, mag das irgendwie ins Bild passen, gerade bei einer Band wie LITURGY. Aus Brooklyn, New York Citry, nicht das gleichnamige Projekt aus dem Chicagoer Brodequin/Disgorge-Umfeld.
LITURGY frönen intensivem 2nd Wave-Black Metals in Reinform, gepaart mit einem Selbstverständnis und Auftreten, das eher mit Flanellhemd von links aus der Indie/Alternative/DIY-Ecke kommt, anstatt sich einfältiger Leder/Nieten/Corpsepaint-Dressodes und alberner Ideologien im Zeichen es Bösen bedienen zu müssen.
Damit passen sie natürlich irgendwie in den Zeitgeist einer- wenn man so will - „New Wave of USBM“, die sich gerade vor allem in der „Beardo-Szene“, sprich bei Freunden von Sludge-/Stoner-/Post-/Drone-/etc.-Zeugs großer Beliebtheit erfreut.

Das Interessante daran: Selbst wenn ich versuche am unpassenderweise im August veröffentlichten Album „Renihilation“ etwas auszusetzen, fällt es mir irgendwie schwer. Es mag damit zusammenhängen, dass mein nur sporadisch/ saisonell auftrentender Black Metal-Enthusiasmus aktuell mal wieder vorhanden ist. LITURGY kriegen aber doch immer wieder die Kurve. Die Melodiebögen der manchmal zweistimmigen Gitarren werden z.B nie so cheesy wie etwa bei einer (lieb gement:) Zirkuskapelle a la Immortal, während der manchmal doch etwas zu quietschig nach Rasierapparat klingende Sound (fatalerweise auch gerade beim ersten Song nach dem unbetitelten Intro ... davon sollte man sich nicht vorschnell abschrecken lassen) trotz aller Rau- und Rohheit immer noch satt und druckvoll genug ist, nicht als gewolltes LoFi-Homerecording anzumuten. Wenn man der Band anlasten möchte, etwas eigene Identität vermissen zu lassen, streuen sie dann doch wieder vereinzelt kleine Ideen ein, die dem Ganzen wiederum doch etwas eigenes verpassen.

Etwas polemisch könnte ich sagen, dass wem Wolves In The Throne Room schon längst zu Konsens sind und Nachtmystium mit ihren Sax-Einlagen etc. zu künstlerisch ambitioniert scheinen, derjenige der Oberchecker sein könnte, jetzt schon diese in Kürze bestimmt noch etwas mehr durchstartende Band auf dem Zettel zu haben. Als jemand, der die Combo auch nur zufällig Übersee in Touristen-Situation kennengelernt hatte, weil sie gerade der Local Support von Melt-Banana war, möchte ich mir eine solche Selbstgefälligkeit allerdings nicht erlauben. „Hipness-Faktor“ hin oder her muss ich allerdings gestehen, dass solch ideologisch alternativer, musikalisch purer Underground-Black Metal aber doch ziemlich meinen Nerv trifft. Und es müsste schon mit dem, hehe, Teufel zugehen, wenn LITURGY da nach diesem bereits sehr soliden Album nicht demnächst in der Oberliga der entsprechenden Subszene mitspielen ...

Kleiner Rundumschlag

  • Der tragische Tod ihres Drummers vor einem Monat wurde in entsprechenden Spartenmedien und Internetforen bereits thematisiert, ich komme trotzdem nicht umhin leider zu Protokoll geben zu müssen, dass mich der aktuelle MASERATI-Release „Passages“ eher ziemlich enttäuscht - handelt es sich dabei gar nicht um einen regulären, neuen Longplayer, sondern eine Veröffentlichung mit EP-/ Compilation-Charakter: Remixe von Songs des Vorgängeralbums und Material, das bereits auf der Split mit Zombi verwurstet wurde. Naja …

  • Das kommende JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE Album „Bilder fressen Strom“ ist – so viel steht nach ein paar Durchläufen dann jetzt doch fest – ziemlich bombig geworden.

  • Nur um es (noch) mal erwähnt zu haben: MELT-BANANA veröffentlichten letzten Monat mit „Melt-Banana Lite Live ver 0.0“ ein experimentelles Live-Album, das gänzlich ohne Saiteninstrumente auskommt und stattdessen Vocals und Drums mit japanoisen Synthetiklärm begleitet. Kurz davor erschien auch noch eine neue 3-Song-EP als 7“-Schallplatte und 3“-CD.

  • Auf dem „jetzt bald endlich mal hören oder gar erst noch zulegen“-Zettel stehen als nächstes außerdem noch die aktuellen Alben von BETWEEN THE BURIED AND ME, LITURGY und diese PYRAMIDS WITH NADJA-Sache …

  • Heute jährt sich mal wieder der Todestag von Dimebag Darrell. In Gedenken:

Sonntag, 6. Dezember 2009

Live in NY

Okay, drei mitgenommene Livemusik-Gastspielveranstaltungen scheinen in fast zwei Wochen New York City nach eher wenig aussehen, aber viel essenzielles hatte ich dann in der Zeit erstaunlicherweise doch nicht auffem Zettel. Und als es einen Tag darum ging, sich für überteuerte Tickets bei Rob Zombie oder überteuerte Getränkepreise bei Russian Circles zu entscheiden, war ich zugegeben zu kaputt für irgendwas. Hier dennoch eine kleine Zusammenfassung der Konzertbesuche meiner Big Apple Reise:

MELT-BANANA, LITURGY
23.11., Bowery Ballroom
Gewöhnungsbedürftig waren schon mal die horrenden Bierpreise im an sich recht angenehmen Vorraum des Bowery Ballrooms. Im Konzertsaal mit Schützenfesthallen-Flair eröffneten dann vor den japanischen Unikaten erst mal LITURGY. Bei jenen handelt es sich um eine wohl nicht mal so untypische USBM-Band: Ein paar eher unmetallisch aussehende College-Bubis frönen dem fiesem, atmosphärischen Sound im Sinne der norwegischen Erfinder. Und das sogar eigentlich ganz geil, sollte man mal im Auge behalten. MELT-BANANA enterten dann erst mal in der so genannten „Melt Banana Lite“-Inkarnation die Bühne, unter dessen Banner kürzlich ein Live-Album veröffentlicht wurde. Wie auf jenem oder auch ein paar Songs des letzten regulären Longplayers „Bambi's Dilemma“ kommt diese Version der Band ohne Saiteninstrumente aus. Im Dunklen trugen Sängerin Yasuko und Gitarrist Ichirou Agata neben Kopflampen irgendwelche Gerätschaften, mit denen sie synthetischen Rauschlärm fabrizierten, der sich als musikalisches Mittel mit Drums und Vocals zu Songs vereinte. Nach einiger Zeit wurde das Licht etwas heller, die Kopflampen abgelegt, Agata schnallte sich die Gitarre um, Bassistin Rika kam hinzu, und es gab die gewohnt punkige Mayhem aus Grind-Blastbeats und Gitarrenkrach um die Ohren. Das Spielchen mit der Aneinanderreihung ultrakurzer Ballersongs-Eruptionen blieb dieses mal aus, dafür gabs aber ansonsten am Konzert rein gar nix zu mäkeln. Nächstes mal hierzulande auch gerne wieder ...

GWYNNBLEIDD, SEA OF BONES, ACROSS TUNDRAS
27.11., Union Pool
Die Brooklyner Ecke Williamsburg soll ja so eine Sache für sich sein. An diesem Abend bekam man ein bisschen davon zu spüren. Der herrlich rustikale Konzertraum gehört zu einer Kneipe, in dessen Hauptbereich eine eher gemischte Studentenparty bei Popmusik tobte. Ich will es ja eigentlich nicht zu laut ins Weltnetz brüllen, aber man wurde als aufmerksamer Beobachter das Gefühl nicht los, dass da irgendwie Russenmafia involviert sein könnte. Diverse Vorurteile, die man im Netz über die von Beardo-Hippstern frequentierte Konzert-Location lesen konnte, sollten sich dann zusätzlich sogar bestätigen: Während ich als Langhaariger im entsprechenden Dresscode von der tätowierten Thekenschnalle freundlich und zügig bedient wurde, bekam einer meiner etwas weniger nach Metal/Stoner aussehenden Kollegen (der nebenbei bemerkt eigentlich derbsten Death Metal favorisiert und ja auch nur Fotograf für u.a. das RockHard ist) tatsächlich nicht so bevorzugt behandelt. Was soll man dazu sagen?
Bei unserer Ankunft waren SEA OF BONES jedenfalls schon in vollem Gange. Und wie! Der Drummer saß vorne am Bühnenrand mit dem Rücken zum Publikum, die Gitarristen/Gröler zwischen ihm und einer Wand aus Amps. Geboten wurde fettes, brutales, tiefgelegtes Doom/Sludgecore-Gegroove mit Grunzvocals und permanent vorhandenem Grunddröhnen, das einem die Schuhe auszog. Ob man die Band auf Platte braucht, ist streitbar, live war das allerdings doch ein intensiver Orkan, der mir beim Budweiser süppelnden SloMo-Bangen ein zufriedenes Grinsen abverlangte.
ACROSS TUNDRAS aus Nashville hatten danach bei mir persönlich einen schweren Stand. Ihr leichfüßigeres Stonergerocke war summa summarum bis auf die etwas kraftlosen Vocals schwer in Ordnung.
Die frenetisch empfangenen (Lokalhelden?) GWYNNBLEIDD gingen dann eher als so eine Art „Opeth light“ durch. Melo-Death mit Grunz- und Gesangsparts, akustischen Passagen mit mittelalterlichem Folk-Flair, spielerisch sehr gutem Drummer und langen Songs, deren Riff-Melodiebögen auffälligerweise oft auf der gleichen Harmonie zu basieren schienen. Keine Band, die ich mir persönlich auf die Prioritätenliste schreiben würde – für das, was es ist, aber doch eine sehr gut reingehende Angelegenheit.


BEE AND FLOWER. WireMen, Paul Wallfisch
30.11., The Delancey
Der Laden: Eine sehr, sehr nette Bar im südlichen Manhattan, dessen schummeriges Ambiente wirklich gemütlich ist. Im Keller tobte allerdings zusätzlich eine Techno-Party, dessen Bässe gerne mal hochvibrierten. Der Main Act: Das Baby einer kreativen Dame namens Dana Schechter, die zwischenzeitlich mal in Berlin residierte, u.a. auch ein Album auf Neurosis' Neurot Recordings veröffentlichte und hiermit zum ersten mal seit Jahren überhaupt mal wieder in Erscheinung trat. Und das dann auch noch für kostenlosen Eintritt.
Den Anheizer machte dann allerdings erst mal der zwischendurch auch als Moderator fungirende PAUL WALLFISCH aus der Schweiz. Ein Mann und sein Klavier. Wozu ich eigentlich nicht mehr sagen kann als dass es tatsächlich ganz gut war.
Hinter den WIREMEN verbarg sich eine Truppe, die sich zum Großteil aus Bee And Flower-Musikern rekrutiert, hier aber als eigenwilliges Ensemble etwas macht, das neben recht seltsamen Trompeteneinlagen sehr nah an Tom Waits ist.
Die gute Dana hatte dann bei BEE AND FLOWER mit Stromschlägen vom Mikro zu kämpfen, was man wohl nicht so richtig in den Griff bekam und auch erklären dürfte, warum ihre Ansagen zwischen den Songs etwas lustlos und genervt wirkten. Dennoch war sie Vollprofi genug, den Gig nach dem Motto "Augen zu und durch" durchzuziehen. Die einfach nur schöne und sehr sonore Musik von BEE AND FLOWER hatte gerade in der ersten Hälfte, in der viel Material vom kommenden Album gespielt wurde, einen deutlich rockigeren Touch als die bisher bekannten Sachen. Danach wurde es dann aber etwas orchestraler, loungeiger, verträumter. Die perfekte Musik für so eine Location – oder auch die perfekte Location für diese Musik; zu kleine Bühne und zum Urinieren direkt am im Gang stehenden Schlagzeug vorbeigehen müssen hin oder her ...
Unterm Strich ein sehr angenehmer, entspannter Konzertabend (nun ja .. wohl außer für Dana) und ich bin gespannt auf das neue Album.

Freitag, 20. November 2009

Off to New York

Kinders, ich packs. Buchstäblich, nämlich meinen Koffer. Die nächsten zwei Wochen wird es hier wenig bis (wahrscheinlicher:) gar keine Updates geben, da ich für so lange mal eben nach New York City rüberjette. Vielleicht bringe ich Euch ja was schönes mit ... will es aber nicht versprechen.

Also – Dezember, gleiche Stelle, gleiche Welle, alte Frische, blabla.




Donnerstag, 19. November 2009

Zeigt her Eure 8tracks!

Nachdem Muxtape aufgrund juristischer Probleme das Konzept ändern musste und blip.fm als Song-Twitter auf Dauer auch eher nur ein lauwarmer Spaß als irgendwie langfristig interessant ist, gibt es seit einiger Zeit eine neue Plattform namens 8tracks.

Hier kann man wie bei Muxtape Songs hochladen und als Stream-Compilations veröffentlichen. Ein Mitmach-Spiel für die ganze Familie, also registriert Euch und haut digitale Motto-Mixtapes ins Netz bis es platzt!

http://8tracks.com/

Dienstag, 17. November 2009

Roadburn Streams

Ganze Auftritte vom diesjährigen Roadburn Festival im niederländischen Tilburg kann man sich unter diesem link als Audio Stream anhören. Darunter u.a. Baroness, Dÿse, Shora, Orange Goblin, Wolves In The Throne Room, Mono, Bohren und der Club of Gore, Omega Massif, Church Of Misery, ZU, Scott Kelly und Steve von Till/Harvestman.

Montag, 16. November 2009

aus aktuellem Anlass

Das Mantra der Woche:

Sonntag, 15. November 2009

Lazarus A.D.

Ohne jegliche Erwartungen irgendeiner Art hörte ich dann jetzt doch mal in das dieses Jahr via Metalblade wiederveröffentlichte Album „The Onslaught“ der US-Thrasher LAZARUS A.D. rein, welches eigentlich bereits aus dem Jahr 2007 stammt. Und ich wurde positiv überrascht.

Bands, die zeitlos-altbackenen Thrash Metal mit modernen Elementen aufdonnern, gibt es wie Sand am Meer. Begeistern tun mich davon heutzutage nur wenige. Aber LAZARUS A.D. kriegen den Bogen tatsächlich ganz gut. Fast schon wieder positiv rechne ich ihnen an, dass sie nicht zu Spaß-betonten Bands wie Municipal Waste oder Gama Bomb gehören, denn in der Ecke ist inzwischen auch alles gesagt, sondern einfach nur weitgehend unaufgesetzt ihr Metal-Ding durchziehen.

Bei jenem ist der Großteil des Materials in ganz traditionellem Thrash angesiedelt - mit urtypischen Riffs, wie man sie lieben muss, die gerne mal in einen sehr harmonischen Bogen gepackt sind. Ein paar zeitgenössische Einsprengsel wie vereinzelte Blasts und – sagen wir mal – etwas „metalcorig“ anmutende Passagen oben drauf, dazu noch ein Sänger der eher etwas möchtegernböse brüllt – und fertig ist die Konsens-Thrash-Scheibe, an der es nicht viel auszusetzen gibt.

Videos gibt es dazu sogar schon zwei:


Nach hinten raus finde ich "The Onslaught" dann etwas nachlassend und ermüdend. Was aber nichts ist, woraus man ihnen einen Strick drehen sollte, denn das ist doch eigentlich generell bei vielen Alben so ...
Krachundso urteilt: Wenn man das schon machen muss - ja, dann tatsächlich genau so!

Donnerstag, 12. November 2009

Portal

Wenn man selbst beim notorischen Polemiker- Blog "Metal Inquisition" voller Lob für o.g. Kapelle ist, war es dann auch für mich mal an der Zeit, den heißen Geheimtipp der Stunde namens PORTAL zu checken.

Zunächst mal ist es schwierig, die richtige Band namens PORTAL einzukreisen. Denn unter der Bezeichnung existier(t)en u.a. ein Ambient/Dream Pop Act aus Großbritannien, sowie ein esoterischer Progrock-Ableger der Florida-Jazzdeather Cynic. Hinter den PORTAL, die gemeint sind, verbirgt sich allerdings ein eher deftiges Kaliber aus Australien.

Eigenwillig und mysteriös ist vor allem auch ihr Bühnenauftreten, wofür ich jetzt einfach mal auf besagten Metal Inquisition Blogpost oder die Myspace-Galerie der Band verweise, anstatt das entsprechende Bildmaterial jetzt auch noch mal selbst zu copy&pasten.

Was die Musik betrifft, ist man beim Hören des aktuellen Albums "Swarth" womöglich erst mal etwas verwundert, what the hell all those fuzz is about.
Okay, das positiv bemerkenswerte vorweg: Die unglaublich düstere, kalte, klaustrophobische Atmosphäre, die PORTAL generieren, ist wirklich der Wahnsinn. Mit tiefergelegten Black Metal-Gitarrenwänden und unmenschlichem Grunts, doomigen Parts und Blastbeats, hat man das Gefühl von tiefschwarzer Dunkelheit eingehüllt zu werden. Das Problem ist dabei dann aber der unfassbare Dilettantismus, mit dem das geschieht. Natürlich wäre es bei gerade solcher Musik, wie PORTAL sie machen, manchmal eher schon wieder kontraproduktiv, wenn die Band klinisch-präzise, tight auf den Punkt, und mit steriler Profiproduktion zu Werke gehen würde. Nein, so was will man bei derartiger Musik gar nicht haben, denn es würde nicht das gewünschte Ergebnis einer wirklich dunklen Stimmung und rau-ungestümer Gewalt erzeugen. Ich kann aber eben auch leider nicht völlig aus meiner Musikerpolizeihaut raus. Und eben diese sträubt sich hier, wenn der Drummer ziemlich rumplig, in Timing und Dynamik schwankend, auffällig ungekommt alles zu Brei kloppt. Auch das Geraune des Sängers scheint manchmal so neben dem Takt einzusetzen, dass man sich nicht sicher ist ob es gewollt, mangelndes Taktgefühl oder irgendwo dazwischen so eine Art bewusstes Experiment unbekümmerten Krachmachens ist.

Wie gesagt ist das grundsätzliche musikalische Konzept generell nicht darauf ausgelegt sauber zu spielen und konventionellen Mustern zu folgen, ganz im Gegenteil, aber die Durchführung des Ganzen wirkt auch diesen Umstand berücksichtigend sehr, sehr dilettantisch.

Was ein bisschen schade ist, denn einerseits gefällt mir der Stil der Band so gut, dass ich da Bock hätte, mich da noch etwas mehr zu vertiefen oder es auch mal live zu sehen, auf der aktuellen Konserve klingen sie aber einfach noch ein bisschen zu sehr wie blutige Anfänger ...

Dienstag, 10. November 2009

Russian Circles - Geneva

Auf der Sache der angeblichen Wichtigkeit des dritten Albums einer Band herumzureiten, erspare ich jetzt mal sowohl mir selbst, als auch Euch Lesern (ja, allen drei!).
Bei ihrem Debüt schienen RUSSIAN CIRCLES meinem, dort zugegeben eher flüchtigem Eindruck nach, noch ein klitzekleines bisschen mehr mit der Prog/Mathrock-Ecke zu kokettieren. Ihr Zweitwerk „Station“ brachte sie näher an straighten Metal, der dort zu Soundtrack-artigen Arrangements geformt wurde, oder auch mal gleichberechtigt Platz für Shoegaze/Postrock-artige Stücke ließ.

Auf „Geneva“ gelingt den Instrumental-Rockern auf den Blaupausen nun zunächst mal das richtig zu machen, was man wohl beim dritten Album richtig machen musste. (Oh Gott, ich hasse mich jetzt schon für diesen Satz.) Das heißt: Von allem 'ne Schüppe mehr drauf. Wenn sich die Band in harmonischen, orchestralen Momenten ergeht, darf es dann auch gerne mal noch konsequenter mit süßlicher Streicherunterstützung sein. Wenn es denn mal Metal-Riff und Krach sein sollen, dann kracht es auch gerne mal noch ungestümer.
Im Gegensatz zum Vorgänger passiert dann auch noch manchmal in einem Song mehr. Sowohl an übereinander liegenden Elementen hier, als auch schon mal in Bezug auf die Songstruktur dort. Und wenn dann auch schon mal geringerer spielerischer Aufwand reicht um die gewünschte Atmosphäre zu erzielen, dann traut man sich auch das.

Zu behaupten, „Geneva“ wäre ein Meisterwerk und Must Have der Saison, wäre dabei allerdings übertrieben. Zwischendurch geht bei den sieben Tracks mit einer Gesamtspiellänge von einer Dreiviertelstunde auch schon mal etwas die Luft raus. Es steht und fällt aber schlichtweg auch mit der eigenen Bereitschaft, sich in einem Rahmen sowohl auf die krachige Metal-Attacke (Titelsong), den ruhig vor sich hinplätschernden Orchestral-Kitschsong ('Hexed'), der rasanteren, kompakt viel abfrühstückenden Nummer ('Mako'), als auch auf alles in einem bietende Einsong-Epen einlassen zu können. Was letztere betrifft, ist „Welee“ (auch wenn es in der Grundharmonie etwas sehr an das „Station“-Material erinnert) schon eine ziemlich runde Sache, gerade beim Schlusstrack spielen sie trotz aller potenziellen Zuneigung meinerseits dann aber doch etwas substanzlos mit meiner Geduld.

Das Gefühl, das diese Platte bei mir hinterlässt, ist somit seltsam. Ich bin weder völlig begeistert, noch total enttäuscht. Die grundsätzliche Stilmixtur, die von einer äußerst großartigen Schlagzeugarbeit getragen wird, trifft durchaus meinen Nerv. Das vorliegende Material baut gelegentlich mal etwas ab, hat aber auch immer wieder Höhepunkte, die einen aufhorchen lassen. Es muss eine allgemein wachsende Müdigkeit gegenüber diesem ganzen Post-Rock/Metal-Kram sein, in dem RS zwar schon (irgendwo neben Long Distance Calling und Tides) in ihrer eigenen Nische sind, und das auch gut, mich damit aber nicht (mehr) vollkommen anturnen. Wenn der brachiale Titeltrack ein mal verklungen ist, verliert sich die Band immer mehr in einem zwischen "schön" und "laut" pendelndem Geflecht, das zwar sehr nett anzuhören, dabei aber trotz allem eines leider einen Tick zu selten ist: Interessant. So ist "Geneva" ein solides Album zeitgenössischer Crescendo-Instrumentalmusik, wird unterm Strich aber wohl kaum mit in der Jahresbestenliste landen.

Montag, 9. November 2009

kurz notiert

  • Der Videoclip zu BARONESS' „A Horse Called Golgotha“ ist ja echt mal eine Frechheit. Was für ein Kunstquatsch.

  • Nothing new, aber MASTODON arbeiten gerade am Soundtrack zu Jonah Hex, einer Filmadaption von DC Comics' gleichnamiger Wildwest-Figur. Da bin ich doch schon mal sehr gespannt drauf. Hoffen wir, dass es generell eine der besseren Comicverfilmungen wird ...

  • Der Schlagzeuger der Postrocker MASERATI ist bei einem tragischen Unfall in einem Fahrstuhlschacht ums Leben gekommen. Makabererweise ist es bereits der zweite Schlagzeuger der Band, der sehr tragisch tödlich verunglückt. Wäre es nicht angesichts der Sache etwas pietätlos, könnte man hier auf Spinal Tap verweisen ...

  • Privilegiert, es schon mal im Haus zu haben, kann ich zu Protokoll geben, dass das neue JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE-Album „Bilder fresen Strom sehr gut geworden ist. Die Produktion ist sehr satt, aber dennoch etwas naturbelassener als sonst auf den meisten ihrer „regulären“ Alben; das Songmaterial vermengt gewohnte Trademarks nach wie vor noch mit Ideen, die man so von ihnen noch nicht gehört hat. Auffällig ist vor allem die Bereitschaft, nach der hingerotzten „Luxusvernichtung“ ein deutlich ausgereifteres Werk zu präsentieren, bei dem einige Songs trotz der JaKa-typischen, verspielten Spontanität nun auch mal etwas detailverliebter inszeniert wirken.

  • Pikiert über die zugegeben etwas ... bekackten Entwicklungen im FEAR FACTORY-Camp, erzählt Ex-Drummer Raymond Herrera, dass der aktuelle Trommelgottt im Dienste von Dino Burt, Gene Hoglan, ihm selbst mal gesagt hätte gar nicht in der Lage zu sein, einige der FF-Sachen spielen zu können. Was ich persönlich für ziemlich weit hergeholt und Mimimimi halte. Der kreative Heyday dieser Band war so oder so viel schneller vorbei, als einige von uns vor 10 Jahren noch wahrhaben wollten ...

Freitag, 6. November 2009

Wenn Warren Ellis ...

...in seiner aktuellen Kolumne für die britische Ausgabe des Wired-Magazins über ein TV-Format auf der Insel, einen geschätzten Musikjournalisten, der trotz fortgeschrittenen Alters den Anschluss noch nicht verloren hat, Musik-Blogs und sterbende Printmedien philosophiert, kommt man gerade hierzulande sozialisiert wohl nicht immer so ganz mit. Aufgrund des allgemeinen thematischen Bezugs zu Dingen, die mich und meinen Blog hier, auf welche Art und Weise auch immer, durchaus tangieren, war mir das gerade aber einfach mal eine Verlinkung (und einen weiteren, furchtbaren Schachtelsatz) wert.

Donnerstag, 5. November 2009

Gama Bomb Album für lau!

Ja, das neue GAMA BOMB Album "Tales From The Grave In Space" gibt es wie angekündigt unter diesem Link für umsonst legal zum runterladen. Und das Cover kann mal wieder alles:

Mittwoch, 4. November 2009

Stream der Woche

Mal wieder mehr so in der Ecke zwischen „Schwebemusik“ und Avantgarde-Krach, gibt es hier für die ganz hartgesottenen Kunstversteher eine wirklich interessante Kollaboration: Hinter PYRAMIDS WITH NADJA verbirgt sich, nun ja, eine kreative Kooperation der wohl auch gerne mal etwas lauter tönenden Postrocker PYRAMIDS und der hinlänglich bekannten Drone-Combo NADJA, deren Wall-of-Sound-Konstrukten schon Etikette wie "Shoegaze-Metal" oder "Ambient-Doom" angeheftet wurden.

Klickst Du hier

Internet-Persönlichkeit und Graphic Novel-Literat Warren Ellis beschrieb es bereits als
(…) a sound that approaches, particularly in the later tracks, a sort of Berserker Mushroom Viking Meditation. It flows like river water on the verge of freezing, under a sky that is very slowly exploding, and your heart is hammering but the drone of the world is still and all-emcompassing.“

Montag, 2. November 2009

Gehört und kurz notiert

Das neue SLAYER-Album „World Painted Blood“ ist ja schon irgendwie etwas seltsam. Dem primär sehr im Midtempo gehaltenem Material fehlt es ein bisschen an herausstechenden Höhepunkten. Zwischen ein paar speedigen Ausbrüchen und sogar atmosphärischen Momenten, die man schon als verhältnismäßig „ruhig und melodiös“ (!) bezeichnen möchte, scheint dem ersten Hinhörer nach irgendwie nix substanziell greifbares zu passieren. Positiv fallen allerdings vor allem zwei Sachen auf: 1.) Der Grad an albern überreizter Selbstwiederholung archetypischer SLAYER-Trademarks ist für meine Begriffe sogar überraschend gering ausgefallen. Ich hatte in der Richtung aber wohl auch im Vorfeld schon schlimmste Befürchtungen gehabt. 2.) Die Produktion wirkt sehr „natürlich und reduziert“, was sich gerade beim recht trocken knallenden Drumsound bemerkbar macht, der wirklich super klingt.
Vor einem tatsächlichen Werturteil muss ich diese Platte aber wohl erst noch ein paar mal hören.

Im Kleinen sind CONVERGE ja irgendwie so ein bisschen die Slayer der Neuzeit: Der intensive Arschtritt mit innovativer Eigenständigkeit und essenziellem Konsenspotenzial. Oder so. So richtig Fan war ich von der Band bisher nie, aber doch immer irgendwie dran interessiert. „Axe To Fall“ ist mit Sicherheit nicht ihr Meisterstück, aber das Album geht sehr gut rein. In dem hektisch-komplizierten Geschrote stecken immer wieder Ideen und Elemente, die einen aufhorchen und es interessiert noch mal auflegen lassen. Etwas albern ist hier allerdings die Menge an Gaststar-Beteiligung: Es gibt nur wenige Songs, bei denen nicht so jemand wie Neurosis’ Steve von Till, die komplette Genghis Tron-Besetzung, Ex-Entombed/Disfear’s Uffe, Leute von Cave In oder Andere in irgendeiner Form mitgewirkt haben. Zwar war das „Kollaborations-Album“ wohl bewusst so gewollt, und interessanterweise fügen sich die Kollaborationspartner kreativ im Gesamtding ein anstatt individuell als eigene Marke herauszustechen, so einen komischen Beigeschmack hat das aber schon. Dennoch: Gute Platte.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Neurosis' Nebenschauplätze: Blood & Time + Harvestman

Man könnte schon sagen, dass NEUROSIS in den letzten Jahren noch mal einen erheblichen Popularitätsschub erfahren haben. Aus der Nische eigenwilliger Krachmacher für die Thinking Men unter den Lärmfreunden zu den regelrechten Gottvätern einer Szene, dessen Kinder Früchte von psychedelischem Postrock bis zu fies brachialem Sludgecore ernten. Irgendwo schwingen die Einflüsse oder Ähnlichkeiten zu den Dinosauriern des „Post-Metals“ in diesem breiten Feld immer wieder durch, was auch NEUROSIS selbst schlussendlich noch mal etwas mehr an die Oberfläche spülte.
Seit Anfang der 90er loten sie Extreme aus, vereinen Einflüsse aus Doom, (Post-)Punk, Hardcore, Metal, Prog- und Spacerock, und selbst Folk zu ihrem eigenen atmosphärischem Gebräu. Das Machbare an Aggression und Lärm hat man dabei ebenso schon erreicht („Though Silver And Blood“), wie über Entzerren durch das Lassen von mehr Luft im Sound eine packende Atmosphäre zu kreieren („The Eye Of Every Storm“).

Interessant ist es mal einen Blick auf die weniger beachteten „Nebenprodukte“ der Band zu werfen. Dass beide Gitarristen/Sänger, beim Namen genannt STEVE VON TILL und SCOTT KELLY auch schon akustische Solo-Alben veröffentlicht haben (ersterer 3, zweiter 2), ist halbwegs bekannt. Gerade der raue Minimalismus, der dem 2008er Kelly-Solowerk „The Wake“ innewohnt, ist dabei meiner Meinung nach nicht zu verachten und kann einem in der falschen Stimmung schon ganz schön mit runterziehen.
Dass Josh Graham, ihr Mann für's Visuelle, mal bei den Instrumental-Postrockern RED SPARROWES mitspielte, ferner BATTLE OF MICE und A STORM OF LIGHT gegründet hat, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass es außerdem noch den Ambient-Ableger der Band namens TRIBES OF NEUROT gibt.

Es gibt da allerdings auch noch zwei weitere, etwas weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehende Spielwiesen, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt:

BLOOD & TIME sind eine fast schon etwas mysteriöse Angelegenheit. Unter diesem Namen veröffentlichen Kelly, Graham und Keyboarder Noah Landis 2003 ein Album namens „At the Foot of the Garden“ und 2007 eine selbstbetitelte EP. Die Musik ist hier dem der Solo-Outputs von Kelly zumindest in einer Facette sehr ähnlich: Getragen werden die Songs primär von Akustikgitarre(n) und seiner Stimme, etwas verzerrte oder Steel-Gitarren und Keys sind ausschmückendes Werk. Zwischen den sehr meditativen Songs, die man als düsteren Folk bezeichnen könnte, stehen aber auch instrumentale Zwischenstücke orchestraler Ambient/Drone-Arrangements, die sich auch schon mal unter einen der richtigen Songs legen, welcher dadurch eine faszinierend lebendige Grundierung erhält.

HARVESTMAN ist ein Pseudonym von Steve von Till, der hier sozusagen die letzte Lücke zwischen Neruosis, Tribes of Neurot, Blood & Time und den besagten Solo-Alben schließt. Steve verzichtet im Gegensatz zu seinen Veröffentlichungen unter eigenem Namen weitgehend auf Vocals und präsentiert Musik, die Akustikgitarren und Folk-/Ethno-Einflüsse genau so beinhaltet, wie minimalistisch wabernde Harmonien schwer definierbarer Klangsphären. Dann auf ein mal folgt auf ein ruhiges Ambient-Stück doch wieder ein Track mit Schlagzeug(/Drumconputer), verzerrten Gitarren, markantem Raungesang, seltsamen Geräuschen, einer rockigen Solo-Einlage hier und einer Rauschlärm-Eskapade dort, den man in so einem eigenwilligen Produktions-Klangbild noch nie gehört hat. Auch hier losgelöst von konservativen Rockmusik-Strukturen, repetetiv auf einem Fluss an Variationen eines einzigen Themas aufgebaut. Einen Song weiter haut auf ein mal dissonanter Feedback-Lärm in orientalisch klingendes Harmlosgeklimper rein, und im nächsten Moment belohnt einen Steve dafür, das ausgehalten zu haben dann doch wieder mit einem angenehm hymnischen Stück auf E-Gitarre interpretierter Weltmusik, oder lässt einen Teppich orchestraler Grundharmonie mit einem entspanntem Gitarrensolo und subtilen Einschüben elektronischen Lärms zusammenfließen.
„In A Dark Toungue“ erschien dieses Jahr (und hat irgendwie was von NIN's „Ghosts“-Sache), zuvor wurde bereits ein HARVESTMAN-Album unter dem Titel „Lashing The Rye“ veröffentlicht.

Ein bisschen wird man das Gefühl nicht los, dass die Herren Kelly und von Till hier von der Resterampe aller Ideen und spontaner Eingebungen zusammenwürfeln, was weder ein Song ihrer Hauptband, noch ein Track für Tribes Of Neurot wurde, und auch nicht so recht in die Schiene der Solo-Alben mit dem Motto „ein Mann und seine Akustikgitarre“ passen wollte. Gerade die aktuellen Scheiben dieser beiden Nebenspielwiesen haben als jeweiliges Gesamtwerk etwas aus diesem Umfeld ungewohnt unvollkommenes – fällt Blood & Time’s selbstbetitelte zum Beispiel mit nur fünf Tracks sehr kurz aus, wirkt Harvestman’s „In A Dark Toungue“ wie eine lose Ansammlung „einfach mal gemachter“ und dann gesammelt veröffentlichter Klangexperimente, die nicht noch weiter zu konventionelleren Songs ausgebaut werden mussten. Aber der Punkt ist: Ich finde da wirklich „kann man so machen“. Da promomäßig kaum Bohai um diese Projekte gemacht wird, stellen sie für Follower wohl schlichtweg eine willkommene Komplettierung der NEUROSIS’schen Klangwelt dar, deren Protagonisten hochkreative und experimentierfreudige Künstler sind. Denn faszinierenderweise scheinen auch solche etwas „mühelos“ inszeniert wirkenden Veröffentlichungen immer noch mehr Substanz und Seele zu besitzen, als der Kram vieler anderer, die sich an ähnlichem versuchen...

Dienstag, 27. Oktober 2009

Shrinebuilder

Okay, hier also die Supergroup. Al Cisneros, bekannt durch die Doom/Stoner-Band Band SLEEP (die vor allem mit ihrer einstündigen Single „Dopesmoker“ für Aufsehen sorgte) und deren Zweimann-Nachfolge-Act OM, bewog Robert Scott Weinrich alias Wino, legendär u.a. durch die Doom-Urgesteine SAINT VITUS und THE OBSESSED, zu einem gemeinsamen Projekt.
Hinzu kamen mit Scott Kelly einer der zwei Gitarristen/Sänger von NEUROSIS und MELVINS-Drummer Dale Clover; Band wie Album dieser Zusammenkunft heißen SHRINEBUILDER.

Interessant ist vor allem, dass dieses Album nun tatsächlich von allem etwas hat, ohne konstruiert zu wirken. Während die Musik vor sich hinfließt, darf nicht nur der Hexenmeister-artige Gesang von Wino erklingen, auch das markante Raunen von Scott Kelly steht oft im Zentrum der Songs. Der Musik wohnt spürbar genau so viel Seele des ursprünglichen Hippie-Dooms für den Wino steht inne, wie auch Sound-/Stilelemente Neurosis’scher Avantgarde-Moderne rauszuhören sind. Hier dürfte der gelegentlich ebenfalls mitsingende Bandgründer Cisneros, dessen OM eh zwischen genau diesen beiden Stühlen stehen, eine nicht zu unterschätzende Rolle als Bindeglied der beiden Genre-Unikate spielen. Wie ein heimlicher Puppenspieler muss er hier die Fäden durch satt groovende Riffwände, Abflüge in psychedelische Sphären und Talfahrten durch den brodelnden Lavastrom dirigiert haben.

Etwas seltsam fühlt sich dabei an, wie die Platte als retro klingendes Wino-Ding kickstartet, dann aber schnell primär eine Scott Kelly-Vorstellung wird. Auch wenn die Grundstimmung vieler Riffs näher an der alten Schule rockt, erinnert es ja doch primär an Kelly’s Combo, wenn dieser kratzig zu schweren Grooves grölsingt, bevor sich die Band dann auch mal für Passagen epischer Länge vom schweren Felsen zu atmosphärischem Postrock-Geschwebe loslöst.

Die zusammen fast 40 Minuten füllenden 5 Tracks dieses Werks kommen dabei wie aus einem Guss daher – ja, beinahe wie eine Aneinanderreihung von Variationen eines eigentlich einzigen Liedes.
Zu behaupten, dass dem Allstar-Projekt hier ein magisches Meisterstück epochaler Größe geglückt ist, wäre mit Fanbrille gelogen. Eine herausragende Offenbahrung ist das selbstbetitelte Debüt von SHRINEBUILDER nicht, totales Excitement geht anders. Was es jedoch ist, möchte ich als ein mit positiven Déjà-vu Momenten gespicktes, mehr als solides Album einer zeitlosen Doom/ Stoner/ Sludge/ Post-Rock/ Metal-Schnittmenge bezeichnen, in dessen dichter Stimmung man sich wunderbar verlieren kann.
Für Fans der beteiligten Musiker wohl außerdem so oder so eine Pflichtveranstaltung ..

Montag, 26. Oktober 2009

Rise Up!

Die Grindcore-Urgesteine PHOBIA haben einen Videoclip zum Song "Rise Up" gemacht. Jener ist als Hyperblast-freier Hardcore-Klopfer zum mitgrölen und Faust in die Luft strecken zwar nicht wirklich repräsentatives Material, aber ein kleiner Hit ist das auf seine stumpf bollernde Art ja schon …


Sonntag, 25. Oktober 2009

John Bush ...

Soeben lief das Interview mit ihm beim Rock-Radiosender knac.com.

Erkenntnisse:

  • Sein Fokus liegt derzeit ganz klar auf ARMORED SAINT, deren Album-Aufnahmen in den letzten Zügen liegen. Er betont, wie sehr das Ganze mittlerweile auf einer Art Hobby-Status ist, man aber doch sehr hart und kreativ dran gearbeitet hat, ein gutes Rock/Metal-Album zu machen.

  • Bei ANTHRAX sieht es so aus, dass er sich gerne für Konzerte zur Verfügung stellt, weil ihm diese Spaß machen und auch für ihn in dieser Konstellation zu gut funktionieren, um es nicht zu machen, alles weitere wird man allerdings abwarten müssen. Etwas vorsichtig gibt Bush zu Protokoll, dass er selbst hier lieber mit kleinen Schritten ohne jedweden Druck oder festgefahren repetetive Bandalltags-Routinen erst mal gucken will, wohin sich das Ganze so entwickeln könnte.

Kommentar: Das macht er schon richtig. Ian und Benante brauchen ihn und wissen es. Nachdem sie eine Old School Reunion durchgezogen und den Reboot mit einem Kanonenfutter-Nobody am Mikro vor die Wand gefahren haben, gibt es eigentlich für sie keine andere Möglichkeit mehr weiterzumachen, als sich Bush wieder ins Boot zu holen. Das weiß auch er, genau so wie die Tatsache, dass er am längeren Hebel sitzt und einfach keinen Bock hat, sich von jetzt auf gleich für ein Full Time Commitment herzugeben. Mal sehen, was noch so passiert ...

Samstag, 24. Oktober 2009

Das vierte Reich

Irgendwie habe ich jetzt erst mitbekommen, das WARRIOR SOUL zu 'Fourth Reich' von ihrem letztjährigen Album (vertrieben in verschiedenen Versionen unter "Chinese Democrazy" und "...And We Rock And Roll") einen Videoclip gemacht haben:

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Sollte das hier tatsächlich das nächste große Ding werden

... höre ich mit dem Musik hören vielleicht generell ganz auf.

Die schon seit den 90ern existenten UNEXPECT aus Kanada sind in der Szene gerade „auf dem Sprung“ und eklektisch as eklektisch can be. In ihrer Musik kommen Nu Metal-Gehüpfe mit angejazzt epileptischem Weirdo-Getue a la System Of A Down (oder meinetwegen auch Fantomas), Frickel-Death Metal mit Gegrunze, Zirkuspolka-Geschunkel und Gothic-Schmonz mit Keyboardgeklimper und Streichergefidel zusammen.

ADS-Musik für den harten Düsterromantiker mit einem Sinn fürs Ausgefallene. Ich finds zum Wegrennen!





Dienstag, 20. Oktober 2009

Montag, 19. Oktober 2009

Sachen gibt's ...

Das längste und langsamste Musikstück der Welt läuft seit 2001 und noch bis 2639:
http://de.wikipedia.org/wiki/ORGAN%C2%B2/ASLSP

p.s.: Sie auch mal http://longplayer.org/

Freitag, 16. Oktober 2009

Baroness - Blue Record

Irgendwie finde ich es ja witzig, dass BARONESS das Paradebeispiel einer Band sind, bei der frühe Fans schon zum Logpplay-Debüt „Früher waren die besser!“ schrien. Natürlich bewegte sich das sehr Progrock-lastige „The Red Album“ von den vorangegangenen Kleinformaten, die noch tiefer im Sludgecore steckten, etwas weg. Hauptkritikpunkt der Nichtmehrgutfinder hierbei vor allem auch die Vocals, die sich von stumpfem Bellgebrüll zu einer Art melodischem Brüllgesangs entwickelt hatten. Dessen Gewöhnungsbedarf ich zugegeben einsehe. Auch ich wollte besagtes Album ja erst nicht so gut finden wie etwa den Jahrhundertsong 'Vision' von ihrer zweiten EP oder das mit Maiden-Fußnoten versehene 'Cavite' von der Split mit den Unpersons. Aber, ohne mich jetzt in zu detaillierten Ausführungen zu verlieren: Das Album ist groß. Nicht perfekt, aber schon verdammt groß und reift tatsächlich mit der Zeit in den Gehörgängen.

Was „Blue Record“ betrifft, so hat man es hier vermutlich mit einem ähnlichen Grower zu tun, der sich einem erst im Langzeit-Hörtest wirklich erschließt. Einige Songs stechen erst mal heraus, ein paar andere nimmt man verhaltener wahr, im Laufe der Rotationen fällt aber auch irgendwann auf: Man hat es hier nicht nur mit einer Sammlung von Songs zu tun, sondern mit einem ambitioniertem (ungleich prätentiösem) Gesamtwerk. Nicht nur kleine instrumentale Interludien greifen musikalische Themen anderer Songs wieder auf, manchmal bilden mehrere Songs zusammen Einheiten, die sich wiederum mit den anderen in einem großen Ganzen vereinen.
Diese, bei Rock-Bands insgesamt schon recht unübliche Herangehensweise, die ich gerne mit Klassik-Symphonien vergleiche, hat über den Einfluss klassischer Rock-Opern und Prog-Konzeptalben inzwischen wohl schlussendlich wieder den Einzug in zeitgenössische harte Musik erhalten.

Hatten BARONESS schon auf „The Red Album“ derartig einrahmende Momente eingebaut (wer z.B. die Songs 1, 5, 6 und 10 mal wirklich ganz aufmerksam hört, wird wissen was ich meine), legen sie es dieses mal völlig drauf an, auch wenn das bei den ersten Höreindrücken insgesamt manchmal etwas konfus wirkt.
Die folklorische Akustiknummer „Steel That Sleeps the Eye“ z.B. nimmt die Melodieführung des folgenden „Swollen and Halo" einfach schon mal vorweg. Und auch das Solier-Intermezzo „Ogeechee Hymnal“, die treibende Hymne „A Horse Called Golgotha“ und das mit dezenten elektronischen Einsprengseln versehene Instrumental-Stück „O'er Hell And Hide“ wirken ein bisschen wie drei Kapitel aus dem gleichen Grundmotiv, die man nicht so richtig in einen Rahmen bekommen wollte.

Zwischen allen Versatzstücken aus Stoner/ Prog/ Psychedelic/ Classic Rock, Einflüssen aus der Folk/ Southern-Ecke, traditionellem wie brachialem Metal und Sludgecore sind BARONESS hier aber vor allem eins: Verdammt hymnisch. Das trotz Tempo etwas getragene „Steel That Sleeps the Eye“ /„Swollen and Halo"-Doppel, als auch das clever zweistimmig rausgebrüllte „A Horse Called Golgotha“ überdrehen fast schon die Pathos-Schraube. Selbst das derbe Riffinferno "The Sweetest Curse" wird beim Wiederholen des Refrains auf der Lead-Gitarre ein bisschen cheesy ... dennoch geht das Ganze einfach auf. Auch wenn ich manchmal denke „jetzt übertreiben sie es aber doch“, überwiegt die Begeisterung dafür, dass auch eine verspielte wie harte Band dann auch noch ein Händchen für packende Melodien hat.

Und genau da liegt der Clou. Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen, die sich an eklektischen Musikgebräuen versuchen, funktioniert der Stilmix bei BARONESS halt völlig: Filigrane Gitarrenwichserei, ruhige Momente, energische Kraftmeierei, erhabene Hymnenhaftigkeit, Retro-Elemente und Vorreiten der aktuellen Moderne – all das fließt bei BARONESS völlig natürlich ineinander über.

Zwei Sachen noch. Erstens: Reviewer, die dazu schon was von „fühlt sich wie eine EP an ... zu wenig richtige Songs“ schrieben, haben die Platte einfach nicht oft genug gehört, um sie wirklich zu erfassen. Denn wie auch dem Vorgänger muss man „Blue Record“ den gebührenden Reifeprozess gönnen. Dann ist das Album nämlich irgendwann sogar ohne jegliche Einschränkung einfach nur geil und katapultiert sich an den Jahresspitzenplatz.
Zweitens: Nicht nur das Artwork ist wieder mal phantastisch, der Special Edition der CD liegt zu allem Überfluss auch noch eine Bonus-CD mit Aufnahmen ihres grandiosen Auftritts beim diesjährigen Roadburn Festival bei.

Groß, meine Damen und Herren, wiederum wirklich ganz, ganz groß! Sogar noch viel größer.

Grind Madness at the BBC - Peel Sessions!

In Zeiten, in denen im extremen Metal bzw. Grindcore und gerade auch in der britischen Szene noch eine Art avantgardistische Aufbruchstimmung herrschte, war es vor allem das Label Earache, das den neuen krassen Kram unters interessierte Subkulturvolk brachte, und ferner auch der inzwischen leider verstorbene Radio-DJ JOHN PEEL, der immer wieder neue alternative Strömungen in der Musikszene mit aufgriff und in seiner Sendung auch live im BBC-Studio spielen lies.

Zu den legendären „Peel Sessions“ gesellten sich somit auch Bands wie NAPALM DEATH, EXTREME NOISE TERROR, CARCASS, BOLT THROWER oder das von Ur-Napalm Death-Mitglied Justin K. Broadrick (heute auch Jesu) gegründete Groovemonster GODFLESH.

Heute (!) veröffentlichte Earache mit „Grind Madness at the BBC (the Earache Peel Sessions)” ein 3CD-Boxset, das einem diese von Sammlern teilweise fanatisch gesuchten Peel Sessions noch mal gebündelt präsentiert. Was für ein geiles verfrühtes Weihnachtsgeschenk!

Die Tracklist:

Disk 1:
1. Napalm Death - The Kill
2. Napalm Death - Prison Without Walls
3. Napalm Death - Dead
4. Napalm Death - Deceiver
5. Napalm Death - Lucid Fairytale
6. Napalm Death - In Extremis
7. Napalm Death - Blind To The Truth
8. Napalm Death - Negative Approach
9. Napalm Death - Common Enemy
10. Napalm Death - Obstinate Direction
11. Napalm Death - Life?
12. Napalm Death - You Suffer Pt.2
13. Napalm Death - Multi National Co-Operations
14. Napalm Death - Instinct Of Survival
15. Napalm Death - Stigmatised
16. Napalm Death - Parasites
17. Napalm Death - Moral Crusade
18. Napalm Death - Worlds Apart
19. Napalm Death - MAD
20. Napalm Death - Divine Death
21. Napalm Death - CS
22. Napalm Death - Control
23. Napalm Death - Walls
24. Napalm Death - Raging In Hell
25. Napalm Death - Conform Or Die
26. Napalm Death - SOB
27. Napalm Death - Unchallenged Hate
28. Napalm Death - Mentally Murdered
29. Napalm Death - From Enslavement To Obliteration
30 Napalm Death - Suffer The Children

30. Napalm Death - Retreat To Nowhere
31. Napalm Death - Scum
32. Napalm Death - Deceiver
33. Napalm Death - Social Sterility
34. Extreme Noise Terror - False Profit
35. Extreme Noise Terror - Another Nail In The Coffin
36. Extreme Noise Terror - Use Your Mind
37. Extreme Noise Terror - Carry On Screaming
38. Extreme Noise Terror - Human Error
39. Extreme Noise Terror - Conned Through Life
40. Extreme Noise Terror - Only In It For The Music Part 2
41. Extreme Noise Terror - Take The Strain
42. Extreme Noise Terror - Murder
43. Extreme Noise Terror - No Threat
44. Extreme Noise Terror - Show Us You Care
45. Extreme Noise Terror - Propaganda
46. Extreme Noise Terror - System Enslavement
47. Extreme Noise Terror - Only In It For The Music Part 3
48. Extreme Noise Terror - Work For Never
49. Extreme Noise Terror - People Not Profit
50. Extreme Noise Terror - Punk Fact Or Faction
51. Extreme Noise Terror - I Am A Bloody Fool
52. Extreme Noise Terror - In It For Life
53. Extreme Noise Terror - Deceived
54. Extreme Noise Terror - Shock Treatment

Disk 2:
1. Carcass - Crepitating Bowel Erosion
2. Carcass - Slash Dementia
3. Carcass - Cadaveric Incubator Of Endo Parasites
4. Carcass - Reek Of Putrefaction
5. Carcass - Empathological Necroticism
6. Carcass - Foeticide
7. Carcass - Fermenting Innards
8. Carcass - Exhume To Consume
9. Bolt Thrower - Forgotten Existence
10. Bolt Thrower - Attack In The Aftermath
11. Bolt Thrower - Psychological Warfare
12. Bolt Thrower - In Battle There Is No Law )
13. Bolt Thrower - Drowned In Torment
14. Bolt Thrower - Eternal War
15. Bolt Thrower - Realm Of Chaos
16. Bolt Thrower - Domination
17. Bolt Thrower - Destructive Infinity
18. Bolt Thrower - Warmaster
19. Bolt Thrower - After Life
20. Bolt Thrower - Lost Souls Domain

Disk 3:
1. Godflesh - Tiny Tears
2. Godflesh - Wound (Not Wound)
3. Godflesh - Pulp
4. Godflesh - Like Rats
5. Unseen Terror - Incompatible
6. Unseen Terror - Burned Beyond Recognition
7. Unseen Terror - Oblivion Descends
8. Unseen Terror - Divisions
9. Unseen Terror - Voice Your Opinion
10. Unseen Terror - Strong Enough To Change
11. Unseen Terror - Odie¹s Revenge
12. Unseen Terror - It's My Life
13. Heresy - Flowers (In Concrete)
14. Heresy - Belief
15. Heresy - Network Of Friends
16. Heresy - Sick Of Stupidity
17. Heresy - Too Slow To Judge
18. Heresy - A Sense Of Freedom
19. Heresy - Consume
20. Heresy - Face Up To It
21. Heresy - Into The Grey
22. Heresy - When Unity Becomes Solidarity
23. Heresy - The Street Enters The House
24. Heresy - Cornered Rat
25. Heresy - Open Up
26. Heresy - Everyday Madness Everyday
27. Heresy - Break The Connection
28. Heresy - Ghettoised
29. Heresy - Network Ends
30. Heresy - Release
31. Heresy - Genocide
32. Intense Degree - Hangin' On
33. Intense Degree - Vagrants
34. Intense Degree - Skate-Bored
35. Intense Degree - Intense Degree
36. Intense Degree - All The Guys
37. Intense Degree - Daydreams
38. Intense Degree - Take No Chances
39. Intense Degree - Future Shock
40. Intense Degree - Politician
41. Intense Degree - Allegiance
42. Intense Degree - Bursting

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Dyse - Lieder sind Brüder der Revolution

Jaaaa, DŸSE!
DŸSE sind der Wahnsinn in Tüten. DŸSE sind die Apeshit-Armada vom Osten. Und DŸSE sind highly recommended von mir!

Wo das Noiserock-Duo auftaucht, da liegen Clubs in Schutt und Asche, verursachen sie schon beim Erstkontakt frenetische Jubelstürme. Überhaupt sind DŸSE ein Gemeinschaftserlebnis, das auch aus Konsumentenperspektive erst mit Live-Erfahrung so wirklich komplett ist.
Zwei Jungs, eine Gitarre, ein Schlagzeug. Eigenwillige Musik - laut, krachig, rockig, mitreißend, verquer, hart und heavy. Mit Hirn, Herz und Humor.

Genug Phrasen. Altherrenrock- und Metal-Puristen, die bei Helmet die Stirn in Runzeln legen, bei Primus kotzen gehen und noch nie was von Big Black, Hammerhead, Unsane oder Todd gehört haben, brauchen jetzt eigentlich auch nicht mehr weiter lesen. Freunde frischer Stromgitarren-Unterhaltung, die einen gleichermaßen zum reflexartigem Abrocken wildester Natur wie gelegentlichem Schmunzeln bringt, während man auch gerne mal überraschend aus dem Takt gebracht wird, sind hier allerdings richtig.

Es ist schwierig zusammenzufassen, was genau an ihrem zweiten Longplayer „Lieder sind Brüder der Revolution“ anders als beim ersten ist. Ich könnte da jetzt viele Worte drüber verlieren, die dann doch nur bedingt zutreffend wenig aussagen, daher lass ich's. DŸSE klingen auch hier wieder manchmal fett-brachial, manchmal rockiger, mal sehr verspielt und auch mal straight, hier sehr wütend und dort dann wieder augenzwinkernd.

Bemerkenswert auch, sowohl am Schlagzeug als auch bei der Gitarre, das spielerische Vermögen und die spürbare Spielfreude.
Schlussendlich findet es selbst ein notorischer Musikanalytiker wie ich inzwischen müßig die wüsten, partiell regelrecht punkjazzigen Noiserock-Jams dieser infernalischen Zweimann-Armee in nüchternen Worten abbilden zu wollen.
Nur so viel: Das, was Japanische Kampfhörspiele auf dem Grindcore-/ Extremmetal-Sektor, Keelhaul in der Sludge-Ecke und die Melvins als alles überschattende Urgesteine sind, das sind DŸSE in der Liga der Minimalbestzungs-Noiserocker. Als Tabellenführer.
Ich habe jetzt gerade jedenfalls erst zwei Durchläufe hinter mir und bin mir ziemlich sicher, dass der währenddessen empfundene Spaß auch die nächsten zehn noch nicht abflauen wird.

Ach ja, Punk-Opa Rachut macht übrigens bei einem Song mit und die „limited fan edition“ in eigenwilliger Verpackung umfasst 777 Exemplare.

Ich kann nur jedem Freund harter Musik eindringlich nahelegen, sich DŸSE bei Gelegenheit mal live zu geben, um zu erfassen what the hell all those fuzz is about.

In diesem Sinne: Auch Du bist Zebramann!

Dienstag, 13. Oktober 2009

things to come

Am vergangenen Freitag wurde übrigens das neue Langspielwerk von DŸSE veröffentlicht. Hoffe, es bald im Briefkasten zu haben, um dann zeitnah meinen Senf dazu ins Internet schreiben zu können.
Neben den neuen Alben der RUSSIAN CIRLCES, MASERATI und BARONESS (offizielle Streams zu allen habe ich hier ja schon verlinkt) kann man sich derzeit übrigens auch die kommende CONVERGE-Scheibe auf deren Myspace-Profil komplett anhören:
www.myspace.com/converge

Montag, 12. Oktober 2009

Mal wieder ein Album für lau

WIZARD SMOKE stammen aus dem personellen Umfeld der Postrocker MASERATI, die schon mit A.ARMADA ein nettes (wenn auch stilistisch nicht gerade sonderlich originelles) Side-Projekt abwarfen. Im Gegensatz zu diesen beiden verwandten Bands frönen WIZARD SMOKE allerdings keinem rein instrumentalen "Rockband-Formation macht orchestral arrangierte Psychedelic-Soundwände"-Kram, sondern Doom Metal mit Geschrei!

Auch das ist vielleicht nicht wirklich originell, geht im vorliegenden Fall aber tatsächlich ganz gut rein und außerdem schaut man dem geschenkten Gaul bekanntlich nicht ins Maul.

Das etwas verquere Mini-Album "Live Rock In Hell" (vier richtige Songs, zwei mal seltsame Füllware hintendran) gibt es hier zum Download:
www.wizardsmoke.net

Sonntag, 11. Oktober 2009

Auch mal gehört ...

... habe ich inzwischen zwei Alben aus der „Alternative Rock“-Ecke, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können:

MUSE – The Resistance

Hier war ich zwar nie Fan, fand das eine oder andere von ihnen als Late Adopter dann aber irgendwann doch mal ganz ansprechend, nachdem ich über meinen Metallerschatten gesprungen war, mich mal mit diesen Vocals anzufreunden. Leider ist das mit der neuen dann aber wohl auch wieder vorbei. Das Trademark der Band, auch mal ordentlich Krach zu machen, kommt nur beim verzerrten Bass des Openers 'Uprising' und dem relativ langen 'Unnatural Selection' , das so was wie Metal-Riffing auffährt durch. Originell sind diese Songs nicht, aber immerhin ganz nett. Lassen wir das ambitionierte dreiteilige Finale 'Exogenensis' jetzt mal ein bisschen außen vor, pendelt sich der Rest irgendwo zwischen (zu) sehr nach Queen klingenden Versatzstücken und kitschigem Bombast-Pop ein, dessen Plastik-Instrumentierung nicht selten in etwas ausartet, das ich eher als Act beim ZDF Fernsehgarten als von einer Rockband erwarten würde. „Human or Dancer“ auf ganzer Linie. Nennt mich einen reaktionären Altrocker, aber dass sich die Indiekiddies von heute so was vorsetzen lassen, werde ich nie verstehen ...

THRICE – Beggars

Das Zweitwerk „The Illusion Of Safety“ hat mich ja damals total weggeblasen. Die Art und Weise, wie die Band ein perfektes Album mit einem Stilmix aus flottem Punkrock, Hardcore-Wutausbrüchen, Heavy Metal-Dudeleien und einer komplettt unpeinlichen, wirklich ernstzunehmenden Emo-Stimmung hinlegte, kann mich auch heute noch begeistern. Der Nachfolger „The Artist In The Ambulance“ war als Gesamtwerk vielleicht nicht ganz so unantastbar, bot dafür aber ein paar noch großartigere Hits. Das über weite Strecken weitaus ruhigere „Vheissu“ ist kein Album, dass jemand wie ich wirklich oft hört, allerdings ist auch dieses mit geringfügigen Abstrichen absolut toll. Bei dem auf zwei Alben verteilten 4-EP-Konzeptwerk „The Alchemy Index“ habe ich dann aber so ein bisschen den Faden verloren. Irgendwie wollte ich mich da nicht so recht reinhören können.
Bei „Beggars“ macht die Band nun wieder etwas anderes. Die 10 Songs der Scheibe präsentieren Thrice mit trocken reduzierter Instrumentierung als eine nachdenlich-melancholisch klingende Band, die vereinzelt noch zu etwas energisch rockenden Vorstößen neigt ('At the last'), insgesamt aber doch einen Kurs eingeschlagen hat, der ruhig und stimmungsvoll klingt, das dann allerdings mit Substanz und auch schon mal Tempo. Die Gesangsmelodien klingen traurig, das Schlagzeug darunter manchmal ganz schön verspielt (super!), und die Gitarren tönen dazwischen meistens clean. Die Band hat immer noch gewaltig Soul und Blues (besonders stark beim abschließenden Titeltrack), steht gelegentlich mit einem Bein im Postrock (z.B. 'Circles'), und kann damit zuweilen sogar schon an Radiohead oder Eels erinnern.
Respekt. Vor allem für zwei Dinge: 1.) Dass eine Truppe, die mal als Chucksträgerrocker mit Maiden-Leads und Metallica-Riffs angefangen hat inzwischen da angekommen ist, wo man überstrapazierte Adjektive wie „reif“ oder „erwachsen“ tatsächlich völlig ernst gemeint als positives Qualitätsurteil anbringen möchte und ihnen das Ganze einfach abnimmt. 2.) Dafür, dass nach dem doch etwas bemühten „Alchemy Index“-Zeugs ein so natürlich anmutender, simpel-genialer Schritt zu einem kompakteren Werk mit kreativem Momentaufnahmen-Charakter geglückt ist, der voll und ganz aufgeht.
Wie schon bei „Vheissu“ gilt: Wohl kein Album, das ich dann tatsächlich oft hören werde, aber eines für das ich nur Anerkennung übrig habe. Es ist schon sehr beachtlich wie THRICE mit jedem Stilsprung wieder höchste Qualität und Eigenständigkeit abliefern.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Komplett streamen

… kann man vor Release übrigens gerade das neue BARONESS-Album auf deren Myspace-Seite und die neue Scheibe der RUSSIAN CIRCLES unter diesem Link.

Dienstag, 6. Oktober 2009

You gotta have the love in this fucked up world

Eigentlich wollte ich einen längeren Blogpost über die FUN LOVIN' CRIMINALS machen, habe dann aber beim Schreiben und Clips rauspicken irgendwie den Faden verloren. Deswegen mache ich es jetzt etappenweise und fange unkommentiert mit meinem Lieblingssong von ihnen an ...


... von dem man aufgrund des grandiosen Finales vor allem auch mal diese Fernsehauftritt-Version gesehen haben sollte, den man leider nicht einbetten kann: www.youtube.com/watch?v=0l3OFWNDp_8

Musik(er) und Comics

Der Schein mag zufällig trügen, aber in Bezug auf o.g. Kombination scheint es in letzter Zeit eine Häufung zu geben. Nachdem ich hier schon Phonogram und Simon Bisley thematisiert habe, TORI AMOS schon ihren eigenen Comicwälzer bekam, und der Typ vom MY CHEMICAL ROMANCE mit The Umbrella Academy recht erfolgreich ist, steht da noch einiges interessantes an:

  • Diesen Monat erscheint das Graphic Novel „One Nation“, geschrieben von DANDY WARHOLS Frontmann Courtney Taylor, welches im Übrigen in Deutschland spielt und sich thematisch u.a. auch um Musik drehen soll...

  • Nächsten Monat wird das erste von zwei Heften veröffentlicht, in denen sich ANTHRAX-Gitarrenglatze Scott Ian an DC Comics’ Rocker Lobo vergehen darf, optisch umgesetzt von Zeichengott Sam Kieth („The Maxx“).

  • COHEED AND CAMBRIA Kopf Claudio Sanchez schreibt parallel zu den Songs seiner Band auch eine SciFi-Comicserie, die sich um die gleiche Geschichte dreht wie die Texte der Co&Ca-Alben. Im Dezember erscheint bereits die zweite Trade Paperback Sammlung von "The Armory Wars". Ein weiteres Comicprojekt von Sanchez ist Kill Audio.

Montag, 5. Oktober 2009

Neue Musik-Communities im www

Selbst habe ich mir davon zwar noch nichts im Detail angeguckt, aber interessante Web-2.0-Modelle, bei denen es sich im Kern um Musik dreht, schießen derzeit vermehrt aus dem Boden.

Dazu gehören u.a.

  • Ciiju: Eine Art „legale Tauschbörse“.
und
  • MyLabel: Der Versuch, das Internetcommunity-gelenkte Musiklabel reell werden zu lassen.

Mal sehen, ob sich davon etwas etabliert …

Mittwoch, 30. September 2009

Waltari

Eine alte Jugendliebe, die ich inzwischen ja ziemlich aus den Augen verloren habe, sind die Finnen WALTARI. Die Band bestach über die 90er mal mit ihrer unbekümmerten Herangehensweise, einfach aus Versatzstücken sämtlicher Musikstile Songs zwischen den Polen Pop und Metal zusammenzuschustern. So trafen harte Gitarren und beschwingte Refrains auf Elemente aus Funk, Ethno, Hip Hop, Techno und allerlei anderen Genre-Leihgaben. Die niedliche Ballade war genauso denkbar wie pumpende Dance-Beats oder Ausflüge in lupenreine Death Metal- und Grindcore-Gefilde.

Ich habe mir jetzt mal ihre Videosingles der letzten Jahre bei Youtube angeguckt und dabei dann auch sehr deutlich festgestellt, warum ich das Geschehen um diese Band bei aller Liebe nicht mehr verfolgen muss: Sie sind inzwischen mit anachronistischem Crossover-Kram und zwar sehr gut gemachtem, dennoch irgendwie beliebigen Quasi-Gothrock einfach nix aufregendes mehr. Der kreative Zenit der Band erlebte gleichzeitig mit dem Ende der Ära solcher Stilmixe wohl einfach seinen Sonnenuntergang.





Dennoch muss ich jetzt doch mal zu Protokoll geben sehr froh über den Umstand zu sein, dass „Evakeliumi“ auf Youtube aufgetaucht ist.

Zu Erklärung: Schon 95/96 rum führten WALTARI mit „Yeah Yeah Die Die“ ein sehr eigenwilliges Projekt auf, das Death Metal-Gegrunze und -Geballer mit dem Orchester eines sehr renommierten Dirigenten fusionierte (Avanti!). Was dann auch auf Konserve veröffentlicht wurde. Bei „Evakeliumi“ ging man noch einen Schritt weiter: Death Metal, Klassik und Operngesang von Ex-Nightwish-Heulboje Tarja bildeten hier den Soundtrack zu einer modernen Tanzaufführung des Choreographen Jorma Uotinen. Was niemals so richtig veröffentlicht wurde, bis auf einen mäßigen Mitschnitt im finnischen Fernsehen, dessen Bootlegs bei Ebay schon beachtliche Preise erzielen konnten. Aber dank Youtube kann man sich Jahre später nun doch mal einen Eindruck davon gönnen, was genau da damals so abgegangen ist: