Montag, 31. März 2008

Rotation Ende März

Meiner letzter Post liegt mal wieder länger zurück, ich weiß. Deswegen gibt es hier nur mal eben eine Abhandlung von in letzter Zeit gehörten Scheiben:

LIGHT PUPIL DILATE - Snake Wine
Meine persönliche Entdeckung des Moments! Psychedelische Shoegaze/Postrock-Gitarrenwände gepaart mit intelligentem Alternative/Noise-Rock und tendenziell progressivem Metal/Hardcore-Geprügel. Hat irgendwie schon ein starkes 90er-Flair, ist aber dennoch ein eigenes Ding total am Zahn der Zeit und damit auch haargenau meins!

JUCIFER - L'autrichienne
Das ursprünglich aus Griechenland stammende US-Duo (Frau an Gesang und Gitarre plus Schlagzeuger) wartet wieder mit einer (21 Songs starken!) Aneinanderreihung von zuckersüßem Alternative-Pop bis zu groben Grindcore-Gepolter auf. Zwar ist nicht das gesamte Album ein göttliche Offenbarung, einzelne Songs (vor allem „Traitors“ und der Titeltrack) aber schon dermaßen geil, dass es sich lohnt.

MESHUGGAH – obZen
Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Sicher ist einiges, was MESHUGGAH vor allem an technischem Können zeigen, einfach nur noch unglaublicher Irrsinn, aber mal ganz ehrlich: Abgesehen vom eigentlich schon wieder zu straight ballerndem Opener „Combustion“ und dem hypnotisierendem, wahnwitzigen Stakkato-Gehacke von „Bleed“ passiert hier sooo viel wirklich interessantes und/oder mitreißendes nun auch wieder nicht …

NINE INCH NAILS – Ghosts I-IV
Ein Vertriebsexperiment, sowie ein musikalisches: 36 Tracks, alle rein instrumental, alle spontane Momentaufnahmen anstatt "wirkliche Songs". Was natürlich von Klaviergeklimper auf Ambient-Gewaber über Drumcomputer-Geballer bis zu schräg-lärmigen Rock reicht. Manches klingt so spontan dahingeschissen, wie es entstanden ist, manches aber auch saugeil. Kann man lieben oder hassen. Vielleicht sogar beides.

GENGHIS TRON - Board Up The House
Ich muss gestehen, dass ich immer noch nicht dazu gekommen bin, mir dieses Album komplett anzuhören, weil ich oft gleich zum 10minütigem Abschluss-Song „Relief“ skippe: Eine total geile Nummer in Richtung „Doom/Stoner/Post/Epochal-Metal“, welche die Meinungen spaltet, ob es der mit Abstand beste oder der mit Abstand schlechteste Song der CD ist. Ich gehöre da wohl ganz klar zu ersterer Fraktion.

KOSMOS – Kosmos
Interessante Sache: Auf diesem September letzten Jahres veröffentlichten Album gibt es vorwiegend instrumentalen Kraut/Prog/Spacerock alter 70er-Schule zu hören. Mit Away von Voivod am Schlagzeug!!!

Soweit …

Donnerstag, 6. März 2008

Positiv überrascht...

... bin ich aktuell von 1.) einem Album und 2.) einem Konzerterlebnis.

1.) THE CAVALERA CONSPIRACY - Inflikted
Was gibt es dazu zu sagen? Ich gehöre ja den Jahrgängen an, für die Sepultura durchaus in der Oberliga der Jugendhelden mitgespielt haben. Nach "Roots" und Max Cavaleras Ausstieg war das Thema aber auch irgendwie gegessen. Sowohl Max' gerne mal auf Ethno oder Disco getrimmter Hüpfmetal mit Soulfly, als auch die Ambitionen der verbliebenen Sepulturas, ihren Stil ein bisschen auszuweiten, hatten sowohl ihre mitreißenden als auch ihre verzichtbaren Momente.
Lange Rede, kurzer Sinn: Schlagzeuger und Bruder Igor Cavalera ist nun auch bei den Sepuls ausgestiegen und macht mit seinem familiären Ex-Bandkollegen unter dem Namen CAVALERA CONSPIRACY wieder Musik. Unterstützt von Soufly/Ex-Ill Nino-Gitarrist Marc Rizzo und Franzmann Joe Duplantier von den großartigen SciFi-Progprüglern Gojira am Bass.
Die 11 Songs umfassende Konserve "Inflikted" überrascht damit, dem geneigten Hörer hier keinen pseudo-experimentellen Ethno-Crossover vorzusetzen, sondern lupenreinen Thrash Metal with a capital T. Diese Band grast stilistisch noch mal das ab, was in Sepultura-Zeiten von "Beneath The Remains" bis "Chaos A.D." gemacht wurde. Und das kommt hier - das aus meinem Munde als Reunion- und Retrospektiv-Hasser - tatsächlich nicht nur recht unpeinlich, sondern auch höchst mitreißend aus den Boxen geballert. "Inflikted" ist der Wahnsinn in Tüten einer Metal-Kelle alter Früh90er-Schule mit den obligatorischen Ausflügen in neo-thrashiges Stakkato-Gegroove und rasantes Hardcore-Geschrubbe. Hinzu kommt eine schon irrsinnige Arbeit an der Lead-/Sologitarre.
Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass das Album im Dauertest zwar durchaus auch den einen oder anderen Füllsong aufweist, die Produktion dafür aber angenehm frei von künstlichen Knalleffekten ist.
Derzeitige Song-Favoriten: 'Bloodbrawl', 'Sanctuary' und 'The Doom Of All Fires'.

2.) SMOKE BLOW
Es war zwei Wochen her, dass ich die Band in Köln sah, wo sie sich im Rahmen einer WDR Rockpalast-Aufnahme mit einer braven Pop-Setlist und routiniert-affigem Stageacting über die Grenze des Peinlichen hinaus präsentierte, was ein bisschen das Bild bröckeln lies, das ich von SB gerne haben würde. Kürzlich in Dortmund dann das krasse Gegenteil: Die Setlist war wieder von lärmigen, bissigen Althits und Arschtreten gespickt (777 Bloodrock, Satan's Highway, Police Robots, Junkie Killer) und auch das Drumherum wirkte natürlich und selbstironisch. "Geht doch".