Freitag, 29. Februar 2008

gehört und bewertet im Februar '08

Irgendwie bin ich im Moment zu faul, so etwas wie richtige Rezensionen hier reinzukloppen, aber es gibt dennoch das eine oder andere zu der einen oder anderen Scheibe zu sagen, die ich entweder mal angetestet oder in der Dauerrotation habe. Ich fang mit der am wenigsten aktuellen an:

GOJIRA - From Mars To Sirius
Mit guten 2-3 Jahren Verspätung wird mir klar, was diese Franzosen hier eigentlich für ein großartiges Album hingelegt haben. Und das, obwohl ich eigentlich dachte, aus Musik mit zu starker Prägung konventioneller Metal-Stilmuster schlussendlich doch mal langsam aber sicher herauszuwachsen. Trotz Dauerdoublebass bei einigen Nummern läuft hier aber irgendwie was richtig. GOJIRA vereinen die genadelos massive Brachialität des (Death) Metals, gewürzt durch Nuancen melodischer Epik, mit vertrackt-progressiven Stilmustern und Ausflügen ins atmosphärische. Das Ergebnis, welches sich hier in Form eines SciFi-Konzeptalbums aus dem Betonmischer gießt, klingt als hätte man diesen zuvor mit Elementen von Strapping Young Lad, Neurosis, Morbid Angel, Death, Mastodon, Meshuggah, Bolt Thrower, Voivod, Tool usw. aufgefüllt.

SMOKE BLOW - Colossus
Auch wenn ich hier einen halben Roman loswerden könnte, versuche ich mich kurz zu fassen: Als unverbesserlicher Freund gepflegter Arschtrittmusik hat man es nicht leicht, wenn Lieblingsbands auf ein mal in wesentlich massentauglichere Ecken des Rocksektors abwandern. Dennoch kann ich den Kielern hier nix übel nehmen, haben sie eventuell das Sommer-Hitalbum '08 eingespielt. Besonders der an Social Distortion erinnernde Herzschmerz-Rock'n'Roller 'Hollywood Mystery' und das mit leichtem Einschlag in Richtung Dark Wave bis Horrorpunk daherkommende 'Maskerading' haben es mir als Mitsumm-Ohrwürmer angetan. Von der Neuaufnahme der Altkrachers 'Junkie Killer' natürlich ganz zu schweigen.

TRIBUTE TO NOTHING - Breathe How You Want To Breathe
Für diese Briten gilt etwas ähnliches wie das, was man früher mal über Smoke Blow gesagt hat: Auch wenn ihre Platten keine ganzheitlichen Offenbarungen sind, ist auf der Bühne das absolute Gegenteil der Fall! TTN sind, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, eine der allerbesten Live-Bands, die derzeit so unterwegs sind. Ihr neues Werk "Breathe How You Want To Breathe" überzeugt dieses mal aber auch schon auf Konserve beim ersten Durchlauf und ist zwischen Bands wie Hot Water Music, Brand New, Boysetsfire und Thrice (und ich würde sogar so weit gehen, The Police und Earthtone9 in die Aufzählung mit reinzunehmen) eine seltene Perle in Genre-Gewässern, aus denen mich nur selten etwas berührt.

CEPHALIC CARNAGE - Xenosapien
Diese schon letztes Jahr veröffentliche Scheibe enthält zwar auch einige Tracks, die ich entnervt skippen muss, bei anderen wiederum dreht allerdings etwas in mir völlig durch. Nicht einfach nur jazzig/progig-verspielt, sondern ziemlich durch- und angeschossen gurgeln und grinden sich CC trotz verkiffter aber augenzwinkernder Old School Attitüde durch ein breites Spektrum an „teilweise intelligenten" Extrem-Metal-Spielarten. Muss man einfach mögen.

Noch kurz notiert:
Das neue DISFEAR-Album "Live The Storm" bietet wieder ein mal das volle Crustcore-Programm mit dem Extraschuss Motörhead-Rock'n'Roll; länger als 2-3 Songs am Stück kann ich mir dieses primitive Gepolter im Moment aber irgendwie nicht geben.
Und bei THE ARCANE ORDER merke ich verstärkt, dass ich überhaupt gar keine Begeisterung mehr für Bands aufbringen kann, die dem entsprechen, was ich als "das Donzdorf-Verständnis von Metal" bezeichne.Von Orchestral-Bombast über gaaanz böse Vocals bis Blastbeat-Gehacke versucht man möglichst viel an- und übereinander zu klatschen und den Sack mit einer viel zu übertrieben zugekleisterten Hochglanz-/Wucht-Produktion zuzumachen. Das ist mir viel zu künstlich.
Wesentlich natürlicher wiederum klingen die viel Aufsehen erregenden WOLVES IN THE THRONE ROOM, die auf "Two Hunters" so etwas wie mit Folk-Einflüssen und Drone-Ausflügen angereicherten Black Metal der alten Darkthrone-Schule lärmen und dabei auf nerdige Öko-Hippies machen. Irgendwie sympathisch, aber ich bin mir ein bisschen unschlüssig, ob ich wirklich noch Bock auf diese höhenlastige Keifmusik habe.
Wesentlich mehr Bass im Sound haben CHROME HOOF, die einen kunterbunten Mischmasch aus Funk, Tanzelektronik, Soul, Pop und Metal fabrizieren, den ich in naher Zukunft dringend mal intensiver anchecken muss.

Montag, 4. Februar 2008

Ein Tipp und eine Gurke

DUB TRIO - Another Sound Is Dying
Uneingeschränkt begeistert bin ich vom neuen Studioalbum des DUB TRIOs via Ipecac Records. Insgesamt wurden die Ausflüge in Reggae-lastige Regionen etwas zurückgeschraubt, aber auch nicht unbedingt vernachlässigt und Instrume(n)tal-Rocker wie 'Not For Nothing' und 'Jog On' grooven mit einer hier erstmals richtig satten Produktion unglaublich auf die Fresse, so dass ich zu dieser Scheibe beim Autofahren wild sitztanzen muss. 'Felicitacion' schwebt zwischen Stakkato-Attacken seeeehr geil durch psychedelische Postrock-Sphären, 'Respite' hat was von einer Metallica-Halbballade (nur halt ohne Hetfield) und einen Song mit vokaler Unterstützung von Mike Patton bekommt man auch wieder oben drauf - dieses mal eine ziemlich abgedrehte Prügelnummer. Total geile Angelegenheit. Sollte man kennen und gut finden, wenn man zu den Ahnunghabern gehören will.

Von einem der jetzt schon besten Alben des Jahres, zu einem der jetzt schon schlechtesten, denn...

ALEC EMPIRE - The Golden Foretaste of Heaven
... ist ein Grund, sich verarscht vorzukommen. Ich fand das sehr Rock-orientiere und von der Atari Teenage Riot Distortiongabba-Vergangenheit etwas weggehende Empire-Album 'The Futurist' damals ja irgendwie ganz nett. Was einem hier als stilistisch gewissermaßen konträrer Nachfolger serviert wird, kann den Hörer allerdings schon mal sehr irritiert hinterlassen. Die Musik auf diesem Machwerk steckt nämlich knietief im Sumpf unkultig-altbackener 80er-Elektronik, gepaart mit kläglichen Gesangsversuchen von jemanden, der eben doch nur schreien und rappen kann. Was habe ich von diesem Album gelernt? Dass es meine eigenen, wenig zeitgemäßen, halbgaren und soundtechnisch eigentlich nicht zumutbaren Gehversuche im Feld elekronischer Musik dagegen sogar wert wären, veröffentlicht zu werden. Am Wochenende reaktiviere ich wohl doch mal wieder meine Musikprogramme ...