Donnerstag, 18. Dezember 2008

Nachzügler '08

Meine Lieblingsalben 2008 stehen eigentlich in Stein gemeißelt, das eine oder andere potenziell vielversprechende hat den Haken auf der Strichliste allerdings nach wie vor noch nicht richtig bekommen, und wird von mir nun um den Jahreswechsel rum noch mal genauer unter die Lupe genommen werden müssen. Dazu gehören vor allem:

These Arms Are Snakes: „Tail Swallower and Dove” ist bereits der dritte Longplayer dieser Post-Hardcore-Band, in der Mitglieder der verblichenen Mathcore-Pioniere Botch mitwirken. Und hier fällt es sogar einem Schubladennazi und notorischen Etikettierer wie mir schwer, den subtil verspielten und etwas zwischen den Stühlen rockenden Stil der Amis wirklich passend zu umschreiben. Wenn ich jetzt sage, dass mich der Sound der Band neben Fugazi vornehmlich ein bisschen an U.S.S.R., die aktuelle Combo von Paul Barker (Ex-Ministry) erinnert, bringt Euch das aber auch nicht so wirklich weiter, oder?

A Place To Bury Strangers: Der Übersee eigentlich schon letztes Jahr veröffentlichte, selbstbetitelte Longplayer dieses Trios bietet Shoegaze/Psychedelic/ Noise-Rock der unterkühlteren und härteren Sorte. Zwischen epochal hallenden und brachialst lärmenden Talsperren von Gitarrenwenden, blitzt dabei auch immer wieder eine in Richtung 80er-Wave/Industrial Musik neigende Schlagseite durch. Nicht uninteressant!

Ferner: Wusstet Ihr eigentlich schon, dass Warrior Soul dieses Jahr eine neue Scheibe rausgebracht haben? Ich offensichtlich inzwischen schon, habe sie aber leider immer noch nicht gehört. Ähnliches gilt für Free Kitten, der gemeinsamen Band von Kim Gordon (Sonic Youth) und der hier erstmals seit 10 Jahren wieder in Erscheinung tretenden Julie Cafritz (Pussy Galore).

Außerdem habe ich, nachdem ich den Hype um Burial nie ganz nachvollziehen konnte, aus der schon wieder als gestrig geltenden Dubstep-Ecke nun doch einen Act aufgedrückt bekommen, der ganz gut meinen Nerv trifft: Denn der wabernde, brummende, knallende und dabei sehr dunkel-atmosphärische Sound von Vex’d ist elektronische Musik wie ich sie mag.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Musik 2009

Für kommendes Jahr hat sich bereits großes angekündigt, meine lieben Freunde:
1.) Die neue Napalm Death ist schon im Kasten und wird bald auf die gierigen Massen losgelassen
2.) Viel wichtiger: Keelhaul befinden sich gerade in NYC im Studio, um dann doch mal wieder ein neues Album zu machen. Ick freu mir!
3.) Noch wichtiger: Kommendes Jahr gehen auch Armored Saint ins Studio um eine neue Scheibe aufzunehmen. Wie geil ist das denn?

Montag, 24. November 2008

Fleisch ist mein Gemüse

Besser spät als nie: Kürzlich gab ich mir zum ersten mal die Hörbuch-Version von Heinz Strunks autobiografischen Erfolgsbuch unter o.g. Titel, gelesen vom Chef persönlich. Sämtliche zuvor von Anderen ausgesprochenen Empfehlungen für dieses Werk in besagter Form kann ich nur eindringlich bestätigen.

Mit herrlich einsatzfreudig und selbstironisch vorgetragenen Gedanken und Dialogen, und teilweise sehr spöttisch intonierten Gesangseinlagen schildert der Heinzer, rührend tragisch wie brüllend komisch, seine Erlebnisse als hauptberuflicher Schützenfest-Tanzmusikant und einem an Perspektiven mangelnden Leben in der norddeutschen Provinztristesse.
Was gedruckt dann schon für den einen oder anderen Lacher gut ist, zwingt einen mit Stimme des Autors so manches mal wiehernd unter den Tisch.

Der fazitär sogar so deklarierte Gegenentwurf zu Rock’n’Roll-Biografien wie „The Dirt“ lässt den Hörer/Leser durch den gelegentlich mitschwingenden Schwermut das eigene Spießerleben gleich in einem viel positiveren Licht erscheinen, während die skurrilsten Passagen gerade in ihrer wahnwitzigen Hörbuch-Form gerne als humoristische Meisterwerke gesehen werden dürfen. Und dabei muss man sich dann immer vor Augen halten: Das ist alles authentisch - die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben …

Freitag, 21. November 2008

Chinese Democracy

Es ist paradox. Wenn es ein "Album der Stunde" gibt, bei dem alle mitreden wollen - wie letztens noch bei der aktuellen Metallica - geht mir der "Hype" eigentlich ganz schön auf die Eier. Und ich komme nicht umhin, das dann auch opportunistisch bekunden und betonen zu müssen. Und ich komme ferner nicht umhin, Leuten die sich bei solchen großen Stadionband-Namen unreflektiert zu Blindkäufen und Abfeierei hinreißen lassen, albern den geschmackssicheren Underground-Musikpolizisten-Zeigefinger vor die Nase halten zu wollen. Und im Endeffekt steige ich selbst auf den Hype voll ein, da ich selbst es ja auch gehört und unbedingt meine niemanden wirklich interessierende Meinung dazu zum besten gegeben haben muss. Fast zwanghaft muss ich dann auch noch zu den Querulanten gehören, die den Gutfindern etwas madig reden müssen, wenn Band X mit halbgaren Retrogängen um die Ecke kommt, oder den Verärgerten beim modernisierten Sound von Album Y erklären wollen, dass das ja eigentlich doch ganz gut ist. Einsicht mag zwar der erste Schritt zur Besserung sein, aber es ist halt auch noch kein Meister vom Himmel gefallen (okay, ich tue gleich ‘n Zehner ins Phrasenschwein und für diesen abgelutschten Klammerkommentar gleich noch ‘n Fünfer hinterher, puh.).

Nun gut, „Chinese Democracy“ also. Guns N’ Roses. Der längste und schlechteste Running Gag der Rockmusikgeschichte kommt zum Ende. Allerorts werden die journalistischen Messer gewetzt, wie albern dieses Album ist, Welterklärer wie Chuck Klosterman wiederum lassen sich zu übertriebenen Analysen über dessen popkulturelle Bedeutung hinreißen, was schon ein bisschen lachhaft ist.

Was denn nun? Einfach nur ein schlechter Witz in Musikalbum-Form oder ein popkulturelles Phänomen? Ein bisschen ist es ja tatsächlich beides. Wenn ein amerikanischer Cola-Fabrikant Gratisgetränke ausschenkt, nur weil dieses Album schlussendlich doch mal das Licht der Welt erblickt, am Release-Tag schon 42 Kundenrezensionen bei Amazon.de zu lesen sind (Durchschnittswertung: 4/5), und man in jedem Internetforum des Weltnetzes darüber spricht, scheint die Welt irgendwie ja doch darauf gewartet zu haben, dass Axl Rose wieder auf die Menschheit losgelassen wird.

Ob das wirklich nötig war, ist ja dann die andere Sache. Genau so wie seine musikalische Crew über die Jahre immer wieder rundumerneuert wurde, hat auch die Musik, auf die man den Namen Guns N‘ Roses derzeit schreibt, nur noch bedingt was mit den guten alten 80/90er-Zeiten zu tun. Das Material auf „Chinese Democracy“ ist nicht mehr und nicht weniger als netter, braver Stadionrock. Gut ins Ohr gehender, solide inszenierter Stadionrock. Auf der Kehrseite aber glatt, zahn- und harmlos. Eigentlich schon bieder und langweilig. Rock’n’Roll geht anderes. Die elektronischen Einsprengsel scheinen noch von der Produktionsphase so um ’98 rum übriggeblieben zu seinen, als so was gerade angesagt zu „modernem Hardrock“ einfach dazugehörte. Aber was soll ich sagen, schlecht klingt das nicht. Nichts auf diesem Album klingt wirklich schlecht. Aber, wie schon gesagt: Auf diesem Album klingt auch nix aufregend. Ich verspüre hier nicht das jugendliche Bedürfnis die Hüften und/oder die Luftgitarre kreisen zu lassen oder auf Repeat zu drücken. Der Name Guns N‘ Roses steht 2008 für gemütlichen Altherrenrock, dessen bemüht zeitgenössische Lackierung schon wieder altbacken wirkt. Esszimmer- und Automusik für die gesetzten Bürojob-Altrocker, die sich noch jung zu fühlen glauben.

Und trotz aller potenziellen Polemik, mit der ich in meinem verqueren Aufsatz jetzt eigentlich gerne hinterfragen würde, warum man sich ausgerechnet dieses Album zwischen die anderen 2008er Major-Produkt-Besorgungen, wie den nach anfänglich begeisternden aber umso schneller auch wieder verblassenden Mammutsong-Marathon von Metallica, oder das insgesamt eher lustlos-lasche Reißbrett-Poprefrain-Geprügel von Slipknot ins Regal schieben sollte: Es gibt mit Sicherheit auch schlechteres. Der Dauerwitz der letzten Jahre endet in einer recht versöhnlichen Poente. Kein Meilenstein, kein Highlight, kein Klassiker – aber das war ja auch vorher schon klar – aber immerhin auch keine komplett lächerliche Gurke. Und auch wenn ich bei Musik inzwischen Verfechter des „nett ist der kleine Bruder von scheiße“-Prinzips bin, hat Äxl für dieses nette Pop-Album immerhin einen kleinen Anstandsapplaus verdient. In einem halben Jahr wird es trotzdem keinen mehr interessieren …

Mittwoch, 19. November 2008

Hilfe, Overflow!

Nachdem ich in den letzten Jahren bereits altersmilde Phasen hatte, in denen ich nicht alle Bands und jedes Album gehört haben musste und mich auch eher weniger Sachen pro Jahr wirklich zu begeistern wussten, während die für Musikmagazine abgearbeiteten Promos oft nur langweiligen Einheitsbrei-Schrott abwarfen, überfordert mich das Musikjahr 2008 derzeit völlig. Die aktuellen Outputs von Bands, von denen ich früher nie allzu großer Fan war, begeistern mich gerade ziemlich (Opeth, Mars Volta, Burst). So sehr, dass ich bei diversen Lieblingsbands, die ebenfalls sehr gute Alben veröffentlicht haben (z.B. Phobia) oder für mich neu auf der Bildfläche erschienenen Highlights (z.B. Bison B.C.) teilweise gar nicht mehr so richtig mit dem anhören nachkomme, weil der CD- oder mp3-Player immer noch tagelang mit den Scheiben dauerbesetzt ist, derer ich seit Wochen bis Monaten echt nicht überdrüssig werde. So was hatte ich wirklich schon sehr lange nicht mehr.

Und die Liste an diesjährigen Veröffentlichungen, die ich mir zumindest testweise mal angehört haben will, weil u.U. noch was schönes für mich dabei sein könnte, reist Mitte November immer noch nicht ab: Da wären noch Namen wie Bohren & der Club of Gore, Comeback Kid, Grails, Fucked Up, A Place To Bury Strangers, These Arms Are Snakes, SSS, Trap Them oder Austrian Death Machine auf dem Zettel. Triclops! und Portishead wollen auch noch mal eine Chance erfahren. In "Chinese Democracy" möchte ich ja just for the fun of it ebenfalls mal reingehört haben.

Dabei wollte ich eigentlich in Kürze schon mal die Jahresabschlussrechnung posten …

Sonntag, 9. November 2008

aller guten Dinge sind drei

Witziger Zufall: Es gibt gerade drei Releases amerikanischer Bands, die alle drei mehr so eine Art Mini-Album als ein „Longplayer“ sind und musikalisch durch recht ähnliche Gefilde ballern.
Ich wollte jetzt eigentlich die Einleitung darauf aufbauen, dass es bei „Headbanger's Ball“ auf MTV früher immer den „Triple Thrash Treat“ gab, aber diesen Bogen habe ich irgendwie nicht so richtig hinbekommen, also zur Sache:

DYSTOPIA – Dystopia
Nach einer sehr langen Szene-Abstinenz veröffentlichten DYSTOPIA dieses Jahr ihre finale Scheibe. Die Band ist ein politisch motiviertes Urgestein, das seit Anfang der 90er mit seiner Mischung aus Crustpunk/Grindcore-Geballer und Doom-Parts das Sludge-Genre mitdefinierte. Fürs dritte, mit gehöriger Verspätung veröffentlichte Abschiedsalbum reichte es gerade mal für 7 Tracks, von denen einer auch noch ein Cover ist, aber es lohnt sich, denn angepisster klingen auch heute nur wenige Bands!

BISON B.C. - Quiet Earth 

Das neuste Metalblade-Singing ist selbst für einen Schubladen-Musikkritiker wie mich nicht sooo einfach definitiv zu kategorisieren. Die acht Nummern dieser Scheibe (davon eine instrumental) sind irgendwo im Thrash-Genre mit Punk/Hardcore-Kante unterwegs, kokettieren aber auch ganz schön mit Stoner/Sludge-Sound. Damit liegen sie natürlich ein bisschen im Zeitgeist und haben die Chance eine Art Konsensband zu werden, wo ich nicht mal was gegen hätte. Den in irgendeinem Review gelesenen Vergleich mit Mastodon finde ich im Übrigen eher unpassend.

AKIMBO – Jersey Shores
Das Label Neurot bürgt für Qualität: Auch AKIMBO sind irgendwo in Sludge-artigen Gefilden unterwegs, ballern mal eigenständig klingenden Uptempo-Hardcore, und Stoner-rock'n'rollen mal eher doomig durch die Botanik. Noch eine Veröffentlichung mit eher geringer Track-Zahl, noch eine Scheibe, die tierisch rockt.


Eines muss man im November übrigens schon mal ganz nüchtern feststellen: 2008 ist wirklich ein sehr guter Jahrgang für harte Musik ...

Mittwoch, 5. November 2008

Herbst-Highlights und weiterhin aktuelles (Update, schon wieder!)

PHOBIA - 22 Acts Of Random Violence
Mit "Cruel" ballerte eine der dienstältesten US-Grindcore-Bands mal eben mein absolutes Lieblingsalbum 2006 raus. Auch das aktuelle "22 Acts Of Random Violence" ist wieder ein Genre-Highlight geworden, das schon beim ersten Durchlauf zündet und den Player gar nicht mehr verlassen will. Dabei machen PHOBIA alles richtig, denn sie wiederholen kein Abziehbild der Vorgängerscheibe. "22 Acts Of Random Violence" lässt vor allem die Punk/Crust/HC-Kante der Band noch stärker durchkommen. Besonders erwähnenswert ist hier die Nummer 'Depression Is A Killer', die - wären da nicht diese Gröl-Vocals und der recht massive Sound - schon als Rotzrock-Song durchgehen könnte. Ansonsten regiert aber natürlich weitestgehend der Blastbeat. In Sachen Old School Grind nach wie vor die derzeit wichtigste und geilste Band!

GOJIRA - The Way Of All Flesh
Die Franzosen GOJIRA sind legitime Thronerben von dem, was Bands wie Voivod, Cynic, vielleicht sogar Neurosis und meinetwegen auch Tool mal angefangen haben: Sie schaffen es, hart-und-heftige Musik zu spielen, die gleichermaßen vertrackt wie flüssig klingt und dabei eine besondere, "spaceige" Atmosphäre erzeugt. GOJIRA sind in einem regelrecht sakralen Maße hymnisch ... eigentlich schon eher hypnotisch. Sie packen auf "The Way Of All Flesh" aber auch einige male Doublebass- und Riffkellen von erbarmungsloser Brutalität aus. Dabei gehen sie nicht selten noch ein Stück progressiver und verfrickelter vor als in der Vergangenheit. Daneben stehen immer wieder Melodie-dominierte Passagen, die sich ohne zu aufdringliche Metal-Gimmicks von ganz alleine zu tragen scheinen.

Das, was Opeth derzeit irgendwo zwischen Progrock folklorischer Färbung und skandinavischem Düstergeballer sind, das sind GOJIRA zwischen technischem Neo-Thrash und sphärischem Post-Metal mit besonders eigener Note. Denn so konstruiert wie sich die Kombination stilistischer Versatzstücke auf dem Papier lesen mag, so ungeheuer organisch und natürlich klingt diese Band dann tatsächlich. Wozu wahrscheinlich auch die durchaus sehr gelungene Produktion von Logan Mader ihr übriges tut.

ADEBISI SHANK - This Is The Album Of A Band Called Adebisi Shank
Werde es mir verkneifen, irgendwie weiter auf Bandname/Albumtitel eingehen zu müssen und weise lieber darauf hin, dass die rein instrumentale Musik von ADEBISI SHANK irgendwo zwischen Mathrock, Punk, Prog-Gniedel, Funk/Jazz, LoFi/8Bit-Feeling, ein bisschen Noise und so weiter unterwegs ist, dabei allerdings in erster Linie immer wieder eher rasant nach vorne rockt, als sich in Gefrickel oder selbstherrlicher Instrumentkönner-Onanie zu verlieren. Das alles klingt manchmal irgendwie herrlich altbacken, dann aber doch wieder postmodern. Ich sehe hier neben den Instru-Metallern Trephine oder Dysrhythmia vor allem auch eine gewisse Nähe zu den Bad Dudes und all den anderen Bands/Projekten aus deren personellem Umfeld. Kurz gesagt: Total geiler Style!


außerdem hätten wir da noch mal eben kurz notiert:

Enslaved - Vertebrae
Überraschung: Der Black/Viking Metal der norwegischen Originale ENLSAVED hat sich mittlerweile schon am ehesten in die Ecke Alternative//Progrock entwickelt. Atmosphärische, hochmelodische Parts mögen zwar zwischen Gekrächze und Doublebassgebretter auch im Hause ENSLAVED nix neues sein, dennoch sehe ich hier trotz folklorischem Touch eine deutlichere Nähe zu (aktuellen) Amorphis, Katatonia, Opeth oder Burst, als zu irgendwelchen Pagan-Lumpenhanseln. Zwar sollte man auch für „Vertebrae“ eine gewisse Affinität zu Corpsepaint-Musik mitbringen, um die furchtbar bösen Parts abzukönnen - die rockigen und psychedelischen bis apathisch-hymnischen Passagen machen die Scheibe aber doch sehr cool und interessant.

Cynic – Traced In Air
Schwierig, schwierig. Für alle Jüngeren: CYNIC ist eine der Florida Death Metal-Szene entwachsene Band, deren erstes und bis kürzlich einziges Album „Focus“ 1993 die Grenzen zwischen Grunzmetal, Fusion-Jazz/Progrock und spaceigen Vocoder-Experimenten sprengte. Nach ewiger Abstinenz meldet sich diese Truppe nun auf der Bildfläche zurück und haut ein Nachfolge-Album raus, das noch homogener und eingängiger funktioniert, aber irgendwie ... naja. Ein paar Songs, wie das eigentlich schon popige 'Integral Birth', sind großartig, die Produktion recht gelungen (das Mastering wurde allerdings ziemlich verkorkst) und gerade auch wenn man die Band in letzter Zeit mal live gesehen hat, funktioniert das Ganze irgendwie, aber man muss wohl auch einfach zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Stimmung dafür sein.
Immerhin: Wenn man CYNIC anno 2008 im Zeitgeist einsortieren will, passen sie super zwischen Mastodon und Jesu, was auch nicht einer gewissen Ironie entbehrt ...

A.Amarda – Anam Cara
Im From Monument To Masses -Vorprogramm wussten die aus dem Maserati-Umfeld stammenden A.AMARDA zu überzeugen. Zwar ist der orchestrale Postrock dieser fast halbstündigen EP nix, was man irgendwo zwischen Red Sparrows, (vor allem:) This Will Destroy You, Goodspeed You Black Emperor, Ostinato oder Mogwai nicht schon mal gehört hätte, aber die zwischen ruhigen über auch mal etwas verfrickeltere Parts bis zu Lärmwänden fließenden Songs sind schon sehr ansprechend.

MISERY INDEX - Traitors
Positiv überraschend ist an dieser Scheibe der natürliche, druckvolle Drumsound, den ich mir im Gegensatz zur pappigen Schlagzeug-Produktion der dadurch kaum genießbaren Vorgängerscheibe "Discordia" ganz gerne anhöre. Beim eröffnenden Instrumental-Intro ist ferner nicht zu überhören, dass dieses ein bisschen von S.O.D.'s "March Of The S.O.D." abgeguckt ist. Der Grindcore-Stil der Band, der irgendwo zwischen zeitgenössischem Death Metal und eckiger Hardcore-Kante angesiedelt ist, geht ohne irgendwelche Bollo-Anleihen oder Klospülungskrankheiten angenehm sauber, eigenständig und Klischee-frei rein. Macht alles zusammen unterm Strich eine nette Prügel-Scheibe, die ich vielleicht noch ein paar mal testhören werde, deren Stil mir eigentlich liegt, die in meiner persönlichen Jahres-Rangliste allerdings mit ziemlicher Sicherheit dennoch eher im unteren Drittel rangieren wird, weil gibt aufregenderes ...

THURSDAY / ENVY - Split
Die Post-Hardcoreler THURSDAY bieten hier bei zwei von vier Tracks atmosphärischen Instrumental-Kram, während auch ENVY noch weiter in "Postrock"-lastige Gefilde rutschen. Alles ganz nett, für mich persönlich aber kein Grund zur Euphorie ...

DON CABALLERO - Punkgasm
Das Mathrock-Urgestein um Drummer Damon Che sollte ja eigentlich grundsätzlich meinen Nerv treffen, ich muss allerdings zugeben, vom aktuellen Longplayer eher etwas gelangweilt bis genervt zu sein, als dass ich begeistert auf Repeat drücken möchte. Dass Battles, die Band in der Ex-Don Cab-Mitglied Ian Williams heute mathrockt, inzwischen die viel größeren Presse- und Publikums-Lieblinge sind als die übers geschätzte Krach-Spezialistenlabel Relapse unters Volk gebrachten DON CABALLERO, ist wohl zudem mal wieder so eine Ironie des musikszenischen Schicksals ...

OBITUARY - Left To Die (EP)
Der Old School Death Metal Klassiker aus Florida wirft ein Kurzformat mit vier Tracks auf den Markt: Darunter zwei brandneue Songs, vom Stil her urtypisch gehalten, eine Neuaufnahme des "Slowly We Rot"-Titeltracks und der Celtic Frost-Coversong 'Dethroned Emperor'. Alles in allem nicht mehr oder weniger als äußerst solide Kost, wie ihre Fans sie lieben.

Montag, 29. September 2008

Aktuelle Alben ...

THE MARS VOLTA – The Bedlam Is Golaith
Zugegeben nicht mehr ganz sooo aktuell, aber: Wie konnte ich diese Band eigentlich so lange ignorieren und annehmen, dass das nix für mich ist? Im Gegenteil trifft dieser vor sommerlichen Vibes sprießende Neuzeit-Progrock sogar ziemlich meinen Nerv und schießt gerade im „bestes Album des Jahres“-Rennen mit der aktuellen Opeth gleich auf …

MOGWAI - The Hawk is Howling
Bei MOGWAI bin ich Späteinsteiger und auch nicht wirklich großer Fan. Wahrscheinlich kann ich mir ihr aktuelles Werk deswegen so schmerzfrei anhören, ohne etwa daran rumzumosern, dass die Band stagniert oder zu zahm geworden ist. Denn vom ruhigeren „Ambient-Rock“-Gewaber über den sehr elektronisch eingefärbten Song bis zu Distortion-Orgien gefällt mir ihre Instrumentalmusik auch auf diesem Album ziemlich gut. Auch wenn "spektakulär" wohl anders geht ...


BURST - Lazarus Bird
In der Vergangenheit hatte das mit BURST und mir nie so richtig geklappt. Warum, das weiß ich auch nicht so genau. Aber nach den ersten Testfahrten des neuen Albums werden wir nun offensichtlich doch noch Freunde. Was daran liegen mag, dass die Band um Ex-Nasum-Basser Jesper, die man irgendwo im „Alternative/Progressive Rock/Metal/Hardcore“-Feld gar nicht so richtig schubladisieren kann, hier noch mehr als früher ins experimentelle, epische und progrockige driftet, was wohl momentan zugegeben auch einfach irgendwie total mein Ding ist.

THE HAUNTED – Versus
Die Schweden sind ja so eine Band, die ich einerseits durchaus sehr schätze, von denen ich aber ebenfalls nie so richtig Fan wurde. Dabei stoße ich immer wieder auf das Phänomen, dass mich ihre Alben beim ersten Durchlauf tierisch langweilen, ich bei weiteren Chancen aber doch noch die eine oder andere Songperle darauf entdecke. So scheint es sich auch gerade mit „Versus“ mals wieder zu entwickeln …

THE VERY END – Vs. Life
Noch mal Geprügel und noch mal versus. Ende des Monats erscheint das Longplay-Debüt der Ruhrpottcombo, dessen Advance-Kopie die letzten Tage gelegentlich bei mir rotierte. Normalerweise turnen mich Bands, die alles wollen, inzwischen etwas ab. Auch bei TVE wird sowohl gegrölt als auch gesungen, und sowohl geballert als auch gegniedelt. Aber hier drücke ich nicht nur gerne mal ein Auge zu, sondern kann dem Album mit Hits wie 'Flatline‘ oder 'The Loss Theory' auch objektiv recht viel abgewinnen, zumal man es hier nicht mit konstruiertem Reißbrett-Zeitgeist-Metal zu tun hat, sondern die Songs tatsächlich einen sehr natürlichen Flow haben.

Dienstag, 23. September 2008

Neue Metallica?

Ja gut, meinetwegen. Nach einigen Durchläufen des neuen Werks der Herren Ulrich, Hetfield und Anhang komme ich zu folgendem Ergebnis: "Death Magnetic" ist weitaus Spaß machender und unpeinlicher ausgefallen, als es einem gerne auf den Großen rumhackenden Lästermaul wie mir lieb ist. Zwar kommt es höchst albern, dass die Strategen fast jeden Song durch exzessive Intros, ausschweifende Solo-Mittelteile und ständige Wiederholungen instrumentaler Strophenriff-Passagen in epische Laufzeiten ziehen müssen, dafür wirkt das Gepolter der Scheibe dann aber größtenteils tatsächlich keineswegs aufgesetzt retro oder so. Auf der Haben-Seite machen vor allen rockige Thrasher wie "That Was Just Your Life", "The End of the Line" oder "All Nightmare Long" wirklich sehr viel Laune. So richtig schlecht finde ich dagegen eigentlich nur die ausgekoppelte Schablonenmuster-Halbballade "The Day That Never Comes" und das 10minütige Instrumental "Suicide & Redemption", in dem nicht viel erwähnenswertes passiert außer einem 'Cheesy Part', bei dem ich jedes mal laut lachen muss."The Unforgiven III" ist meinetwegen noch streibtbar und einige Prügel-Songs der zweiten Hälfte nicht so geil catchy wie die in der ersten, aber das Teil ist schon ganz okay. Nicht mehr und nicht weniger.

Montag, 8. September 2008

Es wird mal wieder Zeit für ein Posting.

Mit etwas Verspätung ist das BIG BUSINESS Album "Here Come the Waterworks" jetzt noch in meiner Dauerrotation gelandet. Die Zwei-Mann Band ist bekanntlich Teil der aktuellen Melvins-Inkarnation und so verwundert es nicht, dass ihre Musik etwas ähnlich klingt. Ich gebe mir ihren wuchtigen Stoner/Sludge-Sound momentan jedenfalls sehr gerne.

Nicht so richtig gerne geben kann ich mir das aktuelle SLIPKNOT-Album "All Hope Is Gone", dabei habe ich wirklich versucht es zu mögen. Aber man merkt, dass die Typen eigentlich keinen Bock mehr haben und nur noch ein Album machen, einfach nur um mal wieder ein Album gemacht zu haben. Das ist doch alles nur noch gefälliger, mit Kalkül konstruierter und seelenlos inszenierter Konsens-Metal zwischen Pop und Alibi-Geballer. Rein objektiv finden sich zwar schon gute Songs auf der Scheibe, aber der bittere Beigeschmack von etwas, das 100%ig spürbar nur ein liebloses Reißbrettprodukt ist, verhagelt mir sämtliche Sympathien, die ich für so ein Album eventuell noch hätte aufbringen können.

Auf das aktuelle ALICE COOPER Album "Along Came A Spider" habe ich schon hingewiesen, möchte aber noch mal erwähnen es als Spätsommer-Scheibe die letzten Wochen doch recht gerne aufgelegt zu haben. Die ganz großen Hymnen findet man darauf zwar nicht, aber seine Rückkehr zu dem Rock/Metal-Stil, den man am meisten mit Alice verbindet, geht voll auf: "Along Came A Spider" ist eine abwechslungsreiche Scheibe mit gut ins Ohr gehenden Hardrock-Songs ohne einen einzigen Ausfall!

Anonsten lasse ich auch gerne mal "This Comp Kills Fascists" rotieren. Eine Compilation über Relapse Records, die von Scott Hull (Pig Destroyer) zusammengestellt wurde und alllerlei Geschepper und Gegurgel von Brutal Truth, Total Fucking Destruction, Insect Warfare und ähnlichen Combos enthält. Das ist aber eigentlich nur so eine Art Ersatzdroge, bis die neue Phobia endlich erhältlich sind.

Ach ja, die neue Metallica habe ich mir noch nicht richtig angehört. Habe es da auch nicht so eilig ...

Donnerstag, 21. August 2008

NEUROSIS

...spielten gestern eines ihrer wenigen Konzerte in Köln. Wer nicht mit dabei war, hat defintitiv etwas verpasst. Der etwas happige Eintrittspreis von 25 komma nochwas Euros war hier mal absolut gerechtfertigt. Der Headliner lärmte sich bei einem schon zu laut-brachialem aber glaskar-perfekten Sound eineinhalb Stunden lang durch sein aktuelles Album und vereinzelte ältere Songs wie 'Locust Star' und das grandiose Finale 'Stones From The Sky'. Es war gottgleich. Konzert des Jahres.
Im Vorprgramm wussten Taint als ganz nett groovender Opener aus der Sludge/Stoner/Brüllrock-Ecke zu gefallen, während die aus dem direktem Neurosis-Umfeld stammenden A Storm Of Light (feat. Josh Graham, Ex-Red Sparrows) eine etwas durchwachsene Angelegenheit waren: Ihr wuchtiger Doom/Post-Metal mit Ambient-Einlagen und Videoprojektionen (das mit dem Eisbär sah toll aus!) war stilistisch einfach zu nah an der Musik und Performance des Headliners dran, ohne dessen Reife und Facettenreichtum zu erreichen. Es war nicht leicht, sich kurz vorher auf eine monotonere und simplere Version der Band, auf die man wartet, einzulassen.
Aber sei es drum, denn was Neurosis betrifft: Für die gebe ich jederzeit wieder 25 € aus!!!

Donnerstag, 14. August 2008

Interessante Musik für lau

Okay, Ehre wem Ehre gebührt: Wie schon das 1-Mann-Projekt off'tan'discord, das ein sehr nettes Album, grob als Postrock kategorisierbar, frei ins Netz stellte (Link), habe ich auch Yoda's House über Warren Ellis entdeckt. Die etwas wirren US-Jungspunde scheinen zumindest partiell irgendwie aus dem Dunstkreis der Ellis-Fans zu stammen. Ellis wiederum ist ein so großer Fan ihrer Musik, dass er sie gerne mal pusht. Und da - äh- ziehe ich jetzt mal mit indem ich darauf verweise, dass man die beiden Seiten des aktuellen Demotapes (!) von Yoda's House als mp3 herunterladen kann: http://www.sparklingseahorse.com/yodashouse.htm

Als Beschreibung der Musik zitiere ich einfach mal Herrn Ellis: "a sort of thumping, organic postrock, heavily rhythmic, sprawling and explorative but never losing the plot. Everything they do sounds like a soundtrack for the end of the world to me."

Und nun ja, wo wir bei Warren Ellis sind - ich sach es mal so: Aus Musikliebhaber-Sicht muss einem der exzentrische Brite, der sich vor allem als Autor leicht durchgeknallter Comics wie "Transmetropolitan" einen Ruf machte, kein Begriff sein. Wer aber gerne interessante, noch unbekannte Musikkünstler vor allen anderen entdeckt, oder selber Musiker ohne Plattenvertrag ist, für den dürfte sein Podcast "The 4am" sehr interessant sein, bei dem Ellis immer wieder mal eine Art digitales Mixtape in Form eines mp3-Downloads mit stilistisch sehr breit gefächerter, irgendwo immer eher "alternativer" und gerne auch mal experimenteller Underground-Musik zusammenstellt. Derben Gitarrenlärm gab es dort schon genau so zu hören wie Ambient-Sphären, krude Geräuschmusik eben so wie schönen Pop:http://www.warrenellis.com/?cat=40

Dienstag, 5. August 2008

Wacken 2008

...liegt nun auch hinter mir. Und wo ich schon diesen kleinen Musikblog hier mache, sollte ich vielleicht auch ein paar Worte dazu verlieren …

Entgegen meiner Erwartungen und Befürchtungen war das diesjährige Wacken Open Air jedenfalls eine unkomplizierte, gemütliche Party, bei der es kaum was zu meckern gab. Das war wohl auch schon mal anders.
Interessant finde ich nebenher bemerkt, wie sich das Festival (und auch die Szene) inzwischen auch in musikalischer Hinsicht gewandelt hat. Und wie mein Musikgeschmack sich nach wie vor immer noch eher danebenher entwickelt, anstatt innerhalb der aktuellen Strömungen … Dass Bands a la Hatebreed und Killswitch Engage auf dem W.O.A. spielen, wäre noch vor einigen Jahren jedenfalls fast undenkbar gewesen. Während ich vor ein paar Jahren mehr Bands in so einer Richtung begrüßt hätte, sind das inzwischen schon eher die Bands, die ich augenrollend außen vor lasse.

Highlights: An der obligatorischen Alte-Helden-Reunion-Front hatte das W.O.A. dieses mal mit CYNIC, AT THE GATES und CARCASS nur die Creme de la Creme zu bieten. Bei den ganz, ganz alten Helden, die man bei der Gelegenheit auch noch mal gerne abfeiert, IRON MAIDEN. Um sich mal richtig durchklopfen zu lassen gab‘s dann z.B. auch noch JOB FOR A COWBOY und THE HAUNTED. Der Prog-Düstermetal von OPETH kam im Nieselregen absolut göttlich. Auf der Zeltbühne rockten die Paderborner Jungs von BLOODWORK, bei denen zwei Mitglieder von Steve Austin mitwirken, als deutsche Finalisten des „Metal Battle“ und zu nächtlicher Stunde kam noch eine A Capella-Combo namens VAN CANTO um die Ecke. Was letztere betrifft: Nun ja, das ist ja durchaus ein ganz cooler Partygag. Warum von allen guten Bands da draußen jetzt ausgerechnet die von einem Majorlabel als essenzielles Ding auserkoren wird, da steckste wohl echt nicht drin (Sorry Ross, aber ich musste diesen Gedankengang mal laut ausgesprochen haben) …

An Randnotizen habe ich abseits einiger Insider-Jokes leider überhaupt keine Skandale oder spektakulären Gossip für Euch, sorry.
Aber ich denke, dass mich dieses kleine Dorf im Norden nächstes Jahr wiedersehen wird …

Dienstag, 22. Juli 2008

Klassiker (Teil 1)

In letzter Zeit war ich mal wieder ein wenig in Klassiker-Stimmung. Es gibt von Geheimtipps bis zu allgemeingültiger Rockgeschichte so manches Album, das ich auch heute noch gerne mal wieder rauskrame und dann tagelang dauerrotieren lasse. Mit diesem Post lasse ich Euch an meiner speziellen Ecke im CD-Regal teilhaben, in der die ewigen Lieblingsscheiben stehen, die nicht mehr wegzudenken sind (Reihenfolge einfach so aus dem Bauch heraus):

VOIVOD - Nothingface (1989)
VOIVOD - The Outer Limits (1992)

Wenn es um VOIVOD geht, nennen viele Freunde der härteren Rockmusik standardisiert das Album "Angel Rat" als wichtigsten Klassiker. Gerade unter wirklichen Kennern und großen Fans der Band hat sich aber inzwischen ein bisschen mehr der Konsens eingeschlichen, den Vorgänger und/oder den Nachfolger von "Angel Rat" noch mehr zu schätzen. Und da zähle ich mich auch dazu. Im Gesamtkontext ihrer musikalischen Entwicklung wirkt "Angel Rat" nämlich bei genauerem Hinsehen nur wie die zugänglichste, "rockigste" Zwischenstufe inmitten der beiden Meilensteile ihrer kreativ wohl wichtigsten und interessantesten Phase. Bei "Nothingface" entfalteten die ursprünglich mal punkigen Thrash rumpelnden VOIVOD ihr volles kreatives Potenzial. Psychedelisch, progressiv, melodisch und sehr eigen war der Sound, bei dem die Kanadier hier angekommen waren. "The Outer Limits" vereinte Elemente wie wütenden Metal und experimentellen Space-Rock dann endgültig zu einem Rockplatte gewordenem Science Fiction Epos, bei dem von fast simpel treibenden Rocksongs (Fix My Heart) über spannend-ruhigere Töne (Le Pont Noir) bis zum 17-Minuten-Mammutsong (Jack Luminous) einfach alles passt und sitzt. Dass gerade diese beiden Alben mit jeweils einem (sehr geil umgesetzten) Pink Floyd-Coversong aufwarten, ist dabei schon nur noch eine interessante Randnotiz.


AT THE GATES - Slaughter Of The Soul (1995)
Ein Album, zu dem man nicht mehr viel sagen müssen sollte. ATG 'erfanden' das Genre, das man allgemein als Melo-Death oder auch Göteborg-Stil bezeichnet und legten bei ihrem letzten Album im Jahre '95 noch mal eine Extra-Schüppe auf den Punkt gebrachtes Thrash-Riffing mit drauf. "Slaughter Of The Soul" gilt als stilistisches Lehrbuch für Billionen von Bands aus der Thrash-, Death-, oder Metalcore-Schublade. Völlig zurecht, denn Songs wie 'Blinded By Fear', 'Suicide Nation' oder 'Nausea' sind Metal-Hymnen für die Ewigkeit, rasant-aggressiv und hochmelodisch zugleich. Hier wurde musikalisch alles gesagt, was zig Bands immer wieder in langweiliger nachkauen.


THE POLICE - Outlandos d'Amour (1978)
THE POLICE - Reggatta de Blanc (1979)

Eigentlich höre ich nicht gerade viel Musik aus den 70ern, sieht man mal von Hardrock-Ikonen wie AC/DC, Kiss und Alice Cooper ab. Doch irgendwann fing ich an, mich für THE POLICE zu begeistern. Die Tatsache, dass ich anfing Schlagzeug zu spielen und Police-Drummer Stewart Copeland mitunter unglaubliches aufs Kit legt, hat bestimmt dazu beigetragen. Es muss diese Mischung aus virtuosem Spiel, hart nach vorne treibender Energie in Kontrast zu den zurückgelehnten Reggae-Einschüben, und kompakt-poppigen Ohrwurm-Refrains sein, welche die Musik von THE POLICE gerade auf den ersten beiden Alben für mich so unsterblich macht.


THE CROWN - Hell Is Here (Ende '98)
THE CROWN - Crowned in Terror (2002)

Kurz vorm Millenium tauchten THE CROWN (ehemals "Crown Of Thorns") mit einem Album names "Hell Is Here" auf der Bildfläche auf. Geboten wurde schwedischer Death Metal, der wüst mit ultraschnellen Blastattacken in Kombination mit eingängigen Melodieläufen verzückte. In einem irgendwie schrottigem, dann aber eben so doch gut funktionierendem Sound kloppt sich der Drummer unfassbar irrsinnig einen ab, während aus Klischee-Slogans wie "1999 Revolution 666" (basierend auf einer Nostradamus-Prophezeiung) eingängige Mitgröl-Killer entstanden. Und wenn die Band mal nicht in wahnwitzigem Tempo alles plattmäht, haben langsame Passagen wie der gottgleiche Mittelteil von 'At The End' oder das abschließende 'Death By My Side' schon was erhaben-episches. Auch wenn das Folgewerk "Death Race King", das die schmutzigen Rock'n'Roll-Anleihen im Crown'schen Prügel-Inferno weiter ausbaute, ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist, sollte sich bei mir allerdings erst das darauf folgende Werk "Crowned in Terror" wieder in der Langzeitrotation etablieren. Warum das so kam, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall schreit auf jenem Album kein geringerer als Tompa Lindberg (At The Gates) ins Mikro, während Songs wie 'Drugged Unholy' noch ein ganzes Stück punkrotziger und noch hektischer und aggressiver kommen als vorangegangenes der Band, ohne dass die melodischen Abrundungen des "krönenden" Stils dabei verloren gingen. 'The Speed Of Darkness' wurde zudem ein kleiner Szenehit, weil die Band hier mal eben die Titelmusik von 'Knight Rider' als Mittelteil nachspielt.


NINE INCH NAILS - Broken (1992)
Klar, wer NIN sagt, muss auch "The Downward Spiral" sagen. Doch zwischen dem Synthiepop-lastigem Debüt-Album "Pretty Hate Machine" und dem nicht in wenige Worte zu fassendem 94er-NIN-Meisterwerk lag noch die EP "Broken". Sie besteht aus vier 'richtigen Songs', zwei kurzen Instrumental-Tracks und zwei Hidden Songs, von denen einer eine Adam & the Ants Coverversion und der andere eine von Pigface ist, eine Projekt-Band mit ständig wechselndem Personal, in der auch Trent Reznor damals selbst mitwirkte (neben einer unfassbar langen Liste an weiteren höchst prominenten Musikern). Und was dabei abgeliefert wurde, überzeugt auch heute noch (mit minimalen Abstrichen im Sound) im Dreieck Noiserock, Industrial und "Industrial-Metal". Reznor gelingt es, das dreckige, räudige und lebendige des Rock'n'Rolls mit der kühl und maschinell stampfenden Präzision der Industrial-Musik zu vereinen, den Hörer brachial in der Mitte zu zersägen, dabei aber doch genug Raum für Songs zu lassen, die als straighte Hits funktionieren. Im Rahmen des späteren Soundtüftelei-Perfektionismus zeigten NIN eigentlich nie wieder eine derartige Kompromisslosigkeit, primär in die Fresse zu hauen (sieht man von vereinzelten Songs wie 'March of The Pigs' auf der "Downward Spiral" oder 'Letting You' auf "The Slip" ab). Jetzt, wo sich Ministry gerade auflösen, muss man es mal aussprechen: Musik wie diese gibt es heute ja eigentlich gar nicht mehr. Zumindest nicht in so gut.


KONG - Push Comes To Shove (1995)
KONG - Earmined (1997)

Es ist schwierig eine Band in Worten zu beschreiben, bei der das eigens erfahrene Schlüsselerlebnis eines Live-Konzerts essenziell ist, um sie komplett zu 'verstehen'. KONG-Gigs waren immer mehr wie ein eigenwilliger Rave, denn wie ein Rock-Konzert. Ihre rein instrumentale Musik ist ein homogen umgesetzter Mischmasch aus harten Metal-Gitarren, tanzbaren Rhythmen, eingebetteten Ambient-Sphären, sowie Elektronik-Zusätzen und Samples, der viel logischer und natürlicher klingt, als es sich schriftlich beschrieben anhören mag. KONG waren dabei keine elektronischen Tanzmusiker, sondern durch und durch eine experimentierfreudige Rockband, deren Musik wiederum dann in so etwas wie elektronisch angehauchter Tanzmusik mit hartem Rocksound ausartete. Dass sie es im Zuge des kurzen Hypes um Big Beat und Rock-Techno in den späten Neunzigern nicht schafften, sich dort als Marke zu etablieren, ist wohl der Fluch dem viele wirkliche Pioniere zum Opfer fallen ...


NAPALM DEATH – Diatribes (1996)
Der Name NAPALM DEATH übersetzt sich auch in “Godfathers Of Grind” und steht musikalisch für kompromisslose Raserei. In den 90ern zeigten sich Barney, Shane und co. aber auch mal von einer sehr experimentierfreudigen Seite, die nach dem sehr sperrigen 94er Werk „Fear, Emptiness, Despair ” in „Diatribes“ gipfelte, bevor sich die Band dann schrittweise doch wieder mehr und mehr in Richtung Blastbeat-Musik bewegte. Wovon auf dem 96er Album kaum die Rede sein kann. „Diatribes“ wird von groovenden, atmosphärischen Songs dominiert. Nur selten wird wirklich mal „der Knüppel aus dem Sack geholt“, wie man so schön sagt. Aus heutiger Sicht könnte man das Album sogar neben Godflesh und Neurosis als frühen Auswuchs der „Post-Metal“-Szene sehen. Und auch wenn mir die rasant grindenden NAPALM DEATH vor allem live natürlich eigentlich lieber sind, ist es vor allem dieses, aus dem Rahmen fallend schleppende Album, welches zu Hause eher ein gern gesehener Gast im CD-Player ist, als die rumpligen Frühwerke oder die noch extremer ballernden Scheiben jüngeren Datums.


... to be continued ...

Sonntag, 20. Juli 2008

Zwei Lieblingsmusiker mit ihren neuen Alben

...wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten:

SCOTT HULL - Requiem
SCOTT HULL war mal kurze Zeit Mitglied bei der kontroversen Kult-Schrammelcombo ANAL CUNT. Er spielte sogar, neben Phil Anselmo (ja, dem von Pantera und Down), auf meinem Lieblings-A.C.-Album "40 More Reasons To Hate Us" mit.
SCOTT HULL tobt sich ferner seit seinem Ausstieg bei A.C. mit eigenwilligen Grindcore-Bands wie PIG DESTROYER, AGORAPHOBIC NOSEBLEED und JAPANESE TORTURE COMEDY HOUR aus. Gerade PIG DESTROYER sind bei mir mit ihrem unkonventionellen Extrem-Metal, der mit Melvins-artigen Elementen aus der Noise/Sludge/Proglärm-Ecke durchsetzt ist, hoch im Kurs.
Mit "Requiem" veröffentlicht der 'nebenbei' noch als IT-Spezialist für die Regierung (!) arbeitende Gitarrist nun sein erstes Solo-Album. Welches überhaupt gar nix mit ohrenzerfetzendem Gitarrengeschrammel und hyperschnellem Blast-Drumming zu tun hat, sondern mit so etwas wie Score-Musik aufwartet. Einige Tracks wabern entspannt als minimalistische Ambient-Elektronik daher, andere sind tatsächlich stark an orchestrale Film-Untermalung angelehnt, und weitere driften auch schon mal klanglich ins jazzige.
Das dürfte eigentlich nix für den durchschnittlichen Fan seiner Ballerkapellen sein und ist auf dem tendenziell für alles offenem Spartenlabel Relapse Records auch fast schon etwas deplatziert. Auch ich muss zugeben, hierfür zwar einen anerkennenden Applaus übrig zu haben, aber mal ganz ehrlich: Wann und wie oft hört man sich so was schon wirklich mal an? Ich hoffe dennoch, dass der Gute sich noch öfter zu derartigen Experimenten hinreißen lässt - wer weiß, was für weiteres kreatives Potenzial noch in ihm schlummert.

ALICE COOPER - Along Came A Spider
Der Altmeister ist einer meiner letzten wenigen großen Jugendhelden, für die ich nach wie vor immer noch große Verehrung übrig habe und mir jedes Album auch immer wieder sehr interessiert anhöre. Was ich beileibe nicht mehr bei jeder Altmetall-Legende so praktiziere.
Ende des Monats erscheint sein neustres Album "Along Came A Spider", das man derzeit schon komplett auf myspace hören kann. Fast schon traditionell wird die musikalische Kursrichtung mal wieder etwas modifizert. Der auf dem 2003er Album "The Eyes of Alice Cooper " mehr in Richtung Garage Rock eingeschlagene Stil ist eine Dekade weiter gewandert und man oriniert sich jetzt wieder etwas stärker an 80er-Metal/Rock'n'Roll. Was im Prinzip genau die Ecke ist, in der ich ALICE COOPER seit eh und je am liebsten sehe bzw. höre. "Along Came A Spider" ist übrigens auch mal wieder ein Konzeptalbum, dieses mal eine Story über einen Serienkiller. Und damit auch überhaupt nix mehr schief gehen kann, wird er bei jeweils einem Song dann auch noch von Slash und von Ozzy Osbourne unterstützt. Ein Cooper-Album nach Maß also. Vielleicht schon etwas zu kalkuliert nach Maß, aber mir gefällt's sehr gut!

Mittwoch, 16. Juli 2008

Neue Kost in Scheiben

Aktuell gibt es u.a. mal wieder einiges neues aus dem Hause Relapse Records. Wovon ich kurz abhandeln möchte, dass sich AGENDA OF SWINE vor allem zwischen Grind und old schooligem Hardcore-Thrash der Marke D.R.I. und co. mit einem klitzekleinem Schuss Death Metal durch die Botanik rumpeln. Was Spaß machen kann, mir persönlich aber schon wieder einen Tick zu sehr auf Retro geeicht ist. HERO DESTRYOED wiederum bewegen sich im Fahrwasser der Math-/Chaoscore-Schublade, gehen dabei allerdings wesentlich zugänglicher und moderater zu Werke als diverse Genre-Zugspitzen und geben noch einen Schuss Bollo dazu. Was man sich anhören kann, aber auch nicht gerade preisverdächtig kommt. Interessant wird es jedoch bei …

FUCK THE FACTS – Disgorge Mexico
Wenn jemand den Witz mit dem Albumtitel wirklich verstanden hat (jaja, mir ist schon klar, wo er herkommt) soll er/sie ihn mir bitte erklären, aber wie dem auch sei: Im Direktvergleich zum Vorgängerwerk „Sitgmata High Five“ hat sich beim aktuellen Album nicht wirklich viel geändert, dennoch ist man versucht von gereifter Weiterentwicklung oder so was zu sprechen. Die Truppe um die fies keifende und grunzende Frontfrau bewegt sich hier und da zwar immer noch in Brutalst-Grind-Gefilden mit Prog-Death-Ecken und Mathcore-Kanten, bricht im Verlauf der Scheibe aber immer mehr in noch zugänglichere, Song-orientierte Bereiche aus. Einige Tracks driften dabei schon in traditionell beeinflussten, Melodie-betonten Death Metal, ‚ während ‘La Culture Du Faux‘ wiederum sehr Rock’n’Roll-lastig angehaucht ist. Dass die Kanadier ihre experimentelle Schlagseite dafür ein bisschen beiseite gelegt haben kann man sehen wie man will, „Disgorge Mexico“ ist für sich genommen jedenfalls ein absolut empfehlenswertes Extrem-Metal-Album, eigenständig und gut.

HARVEY MILK - Life... the best game in town
Da sie in Kürze bei mir um die Ecke zusammen mit Oxbow live spielen werden, musste ich mir aus Interesse natürlich unbedingt mal die aktuelle Scheibe der Noiserock/Doom-Legende HARVEY MILK anhören, von der ich zugegeben noch nie zuvor gehört hatte. Was für ein Versäumnis! „Life... the best game in town” überzeugt mit einem unfassbar massiven Sound, dem abgelutschte Etikette wie „schwerer Brocken“ oder „heavy“ gar nicht gerecht werden könnten. In diesem Rahmen drücken, schleppen, braten und grooven HARVEY MILK mit eigenwilligen Songstrukturen ohrenzerfetzend laut einen rockigen Doom/Noise/Stoner/Sludge-Bastard nach dem anderen raus, der sich als eigene Hausmarke irgendwo zwischen Bands wie Melvins, Unsane und Todd setzt. Sehr, sehr geil!

OPETH – Watershed
Ich möchte über dieses Album, das ich in den letzten Wochen in teilweise exklusiver Dauerrotation hatte, eigentlich gar nicht zu viele Worte verlieren. Was die Schweden hier an einer niemals konstruiert wirkenden Vermengung von brachialem Düster-Metal und klassischem Progrock hinlegen, ist schlichtweg unglaublich. Denn wenn selbst mich zart-melodische Passagen mit Folk-Einschlag uneingeschränkt begeistern (so wie z.B. beim Opener ‘Coil‘), ist das schon etwas ganz besonderes.

AMENRA – Mass IIII
Diese Belgier bewegen sich ja in ähnlichen Sludge/Doom/Post-Metal-Bereichen wie Cult Of Luna oder Tephra. Schleppend rekursive Riffläufe, fieses Geschrei, mit Crescendo in die nächste Attacke leitende atmosphärische Ruhig-Zwischenparts – das volle Programm halt. Was live immer wieder sehr gut funktioniert, wofür ich auf Konserve aber in der richtigen geduldigen Stimmung sein muss. Denn da, wo andere diesen Stil schon auf Anhieb packender hinbekommen haben, da muss man sich auf AMENRA mit dem richtigen Grad an Muße einlassen können, damit die Sache aufgeht.

Der neue ANTHRAX-Sänger

Bei einschlägigen Videoclip-Seiten wie Youtube sind bereits Konzert-Mitschnitte online, wie der neue ANTHRAX-Sänger Dan Nelson Standard-Songs sowohl der Belladonna-Ära (Caught In A Mosh, I Am The Law, ....), als auch aus der Phase mit John Bush (Room For One More, Only, ...) zum besten gibt. Als Frontmann gibt er dabei eine souveräne, wenn auch nicht gerade erwähnenswert charismatische Figur ab.
Schlimm wird es jedoch, wenn man sich den im Netz zu findenden Audio-Mitschnitt einer Live-Version von 'Safe Home' mal zu Gemüte führt. Mit seiner zwar kraftvollen, rabiaten dabei aber vor allen melodisch doch nicht so wirklich begabten Stimme braucht sich der gute Herr Nelson nur ein mal an Strophe und Refrain vergangen haben, bis es einem als Hörer ziemlich vergangen ist. Viel zu tief und auch 1-2 Notenschritte neben dem passen Ton grölt Nelson diesen ursprünglich großartig emotionalen Song mal eben komplett leidenschaftslos und talentbefreit den Bach runter.
Dass man gerade eine Ausnahme-Stimme wie John Bush nicht ersetzen kann, war ja von vorne herein klar (von seiner Bühnenpräsenz und höchst sympathischen Ausstrahlung ganz zu schweigen). Dass ANTHRAX jedoch nach ihrer überflüssigen Old School Reunion-Aktion inzwischen wohl den letzten Grad an gesunder Selbsteinschätzung eingebüßt haben, ihren (ehemaligen) Fans jetzt tatsächlich auch noch gesanglich drittklassige Coverversionen ihrer eigenen Songs zuzumuten, entsetzt sogar einen längst vergraulten Ex-Verehrer wie mich noch.

With Full Force 2008

Das WFF '08 aus diversen Gründen eines der entspanntesten und entspannendsten Festivals aller Zeiten. So relaxt, dass ich gegen Ende schon anfing, mich zu langweilen. Aber das tut nix zur Sache, hier eine Zusammenfassung nach dem Motto "on stage gesehen":

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Da musikalisch wie persönlich bei mir ja eh hochgeschätzt im Prinzip völlig außer Konkurrenz, aber es war umwerfend, wie die Zeltbühne komplett Kopf stand. Um mich herum fanden sich zig apeshit drehende Leute ein, die jede Textzeile mitschreien konnten. Währenddessen standen auch auf ein mal Bekannte aussem Pott neben mir "Is doch klah, dat wa bei unser' Jungs geschlossen am Start sind odda wat". Ja, so muss das sein, Alter. Der Gig war dann auch bis auf die bei JaKa fast auch schon etwas üblichen 1-2 gröberen "Nimmt nur die Musikerpolizei wahr"-Patzer selbst wenn man sie schon x-mal gesehen hat absolut super.

MININISTRY
Dass die Band in den ersten 2/3en nur neueres spielte, zum Schluss ein paar wenige Evergreens rausholte (NWO, just one fix & und das von mir bis zur totalen Heiserkeit mitgebrüllte Thieves hinereinander weg) und damit einiges an Klassikern hintern rüberfiel, was ich (Psalm 69, Lava) oder andere (Jesus built my hotrod, schnarch) noch gerne gehört hätten, fand ich nicht weiter schlimm. Zumal ich die Band früher schon gesehen habe und es auch mal geil war, von einigen der aktuelleren Sachen in der Mitte zersägt zu werden (LiesLiesLies, Rio Grande Blood, NoW ). Runde Sache und sehr, sehr geil. Ich nahm nach zwei Songs meine doch etwas zu sehr abschottenden Ohrstöpsel raus, damit ich dieses Krachinferno ein letztes mal noch mal richtig genießen konnte.

ENTOMBED
Endlich mal wieder Entombed! Alleine durch diese Tatsache konnte da nix schief gehen. Diverse Lieblingssongs waren im Set (Out Of Hand, Damn Deal Done, Chief Rebel Angel) und als Finale gabs wie immer den anbetungeswürdigen 'Left Hand Path-Mittelteil-Jam'. Gut, gut.

A.O.K.
Ja nu, ich bin wirklich Fan von dem Schwachsinn. Machen auch zur Hälfte den gleichen Scheiß wie immer, aber sie bringen mich trotzdem immer noch zum Lachen.

ILLDISPOSED
...waren schon mal spektakulärer, was sowohl Songauswahl als auch das Drumherum betrifft. Immer noch nett, aber eben inzwischen leider nicht mehr der Überflieger Der Seitenhieb auf Hatesphere als Poente eines EM-Resümees war allerdings für einen Lacher gut.

JOB FOR A COWBOY
Ich hatte zwar gerade irgendwie keinen Trieb die komplett zu gucken, was ich da im Vorbeigehen für ein paar Songs lang sah und hörte war aber wieder sehr gut.

The CAVALERA CONSPIRACY
Sehr durchwachsen. Man kann nicht sagen, dass es schlecht war. Man kann nicht darüber meckern, dass es einen NAILBOMB-Song zu hören gab (!). Man mag darüber schmunzeln, dass Kelly Family-mäßig auch schon mal Sprösslinge des Rastamanns beim musikalischen Geschehen mitwirkten. Man kann schon etwas die Stirn darüber runzeln, dass das CC-Album viiiieel zu kurz kam und man stattdessen en masse Sepultura-Essentials rausgeballert bekam (Troops of Doom, Inner Self, Arise/Dead Embroynic Cells-Medley, Refuse/Resist, Biotech is Godzilla, Territory, Propaganda, Roots Bloody Roots), auch wenn so was ja auch nicht wirklich überraschend kommt. Was mich allerdings etwas ankotzt ist die Gewissheit, dass Max Cavalera's gemutmaßt nicht mal eingestöpselte Gitarre bei einem Soulfly-Gig, den ich damals sah, kein Einzelfall einer technischen Panne oder so etwas war, denn hier gab es das gleiche Spiel. Bei 2-3 Songs hörte man, während sich der Mann neben ihm bei den Soli ziemlich geil einen abonanierte, manchmal ganz leise im Hintergrund eine Rhythmusgitarre. Bei einem Großteil des Sets jedoch überhaupt gar nicht. Und wenn man mal genau drauf achtete fiel sogar auf, dass Herr Cavalera oft einfach nur einhändig irgendwelche rudimentären Rhythmusmuster auf dem Brett runterschrubbte, anstatt wirklich Gitarre zu spielen. Was war das denn bitteschön? Igor am Kit allerdings absolut auf der Höhe.

MACHINE HEAD
Wie immer halt. Die Soundverhältnisse waren nicht optimal, wenn man nicht gerade mittig vorne drin war, worauf ich in dem Moment aber keinen Bock mehr hatte. Bis auf ein leicht versemmeltes 'Hallowed Be Thy Name'-Cover gewohnt souverän, aber eben auch nix beeindruckend besonderes.

LIFE OF AGONY
Als Opener gleich River Runs Red. Gut, klar, mit einem Gassenhauer anfangen nie verkehrt. This Time direkt hinterher. Haha, wollen die sämtliches Pulver sofort am Anfang verschießen, damit die Leute auch ja sofort abgehen? Mit Method of Groove auch noch sofort die dritte Nummer vom Debüt als nächstes, die wollen es wohl echt wissen. Dann gleich sofort mal eben noch den bollernsen und abgesehen vom Coversong einzigen Hit vom zweiten Album nachschieben. War klar. Huch, da kommt ja mal eine aktuelle Nummer. Gar nicht mal schlecht. Der ja nicht immer verlässliche Sangesknabe Caputo war völlig okay, aber mit seinen durchgängig betont variierten Einsätzen etc. auch etwas albern. Nicht schlecht, aber auch nix umwerfendes. Wer's braucht ...

ENEMY OF THE SUN
Ohne Erwartungen irgendeiner Art bin ich mal zur aktuellen Band von Waldemar Sorychta (Despair, Grip Inc.) hingegangen und vom ersten Song sofort mal eben komplett weggeblasen worden. Was für ein Hammer-Thrash-Brett. Mit echt gutem Refrain noch dazu. Sänger startete als Leistungssport-Vortuner gleich von 0 auf 200 durch. Auch Waldemar mit sichtlich viel Spielfreude und Bock am Start. Was da am Anfang versprochen wurde, konnte zwar nicht jede folgende Nummer halten, aber doch: Das war schon absolut cool.

BIOHAZARD
Man muss schon sagen, die "Manowar des Hardcore", wie ich sie jemandem erklären musste, bringen es noch. Da ist alles tight auf dem Punkt, da fühlt man sich groovy mindestens zum mitschunkeln animiert, und eigentlich sogar wesentlich unpeinlicher als man es gerne darstellen würde, macht das Hüpfcore-Gepolter wirklich schlichtweg Spaß.

Ferner liefen:
MESHUGGAH: Kurz vor JaKa mal zwei Songs geguckt. War ganz witzig, aber so richtig umhauen wird mich dieses Band wohl einfach nicht mehr.
DEATH BY STEREO: Hat Laune gemacht.
LAGWAGON: Haben mich nicht wirklich überzeugt.
PÖBEL & GESOCKS: Kurz reingeschnuppert, aber gleichermaßen grinsend wie kopfschüttelnd schon früh wieder gegangen.
VOLBEAT, weil in den letzten 2 Jahren inzwischen zwölf mal gesehen, nur im Vorbeigehen mitbekommen. Wie immer halt.
MOONSPELL eher unfreiwillig ein bisschen mitgenommen. Kann mir so was heute nicht mehr geben.
MORBID ANGEL am Rande auch mal reingeschnuppert, kann aber nicht wirklich viel dazu sagen, genau so wie ich von BRUTAL TRUTH leider nur noch den Anfang mitbekommen konnte.
IN FLAMES sind immer noch die langweiligste Band der Welt.
CALIBANs Dörner sieht mit seinem tuntigen Geschminke immer noch bescheuert aus.
Bekam außerdem am Rande mit, dass AVENGED SEVENFOLD etwas gebracht haben, auf das noch keiner zuvor gekommen ist: Einen der wenigen guten Maiden-Song aus der Blaze-Phase covern. amüsiert-anerkennder Applaus dafür, aber die Stimme von dem Typen geht echt null.

Schönsten Momente des Festivals: Wie ich mit den Jakas in einer entspannten Liegestuhl-Sitz-und-Trinkgruppe in der Sonne schmorte und uns AOK-Jochen Graf himself in dem Moment mit einem Bulli voller Bühnenrequisiten (=Kistenweise Salatköpfe, Baguettebrote etc.) quasi direkt vor die Füße fuhr. Und als Mambo Kurt bei seinem traditionellem Auftritt zu später Stund im Pressezelt South Of Heaven, Paradise City, diese "it's getting hot in here, so get off all your cloth"-Sache (Interpret vergessen) und ein 3/4tel-Enter Sandman/Wiener Walzer-Meldey spielte und diverse Ami-Musiker deswegen etwas irritiert über entsetzt bis dann irgendwann doch amüsiert aus der Wäsche guckten.

Dienstag, 24. Juni 2008

Mammut-Post

Okay, es wird mal wieder Zeit was zu posten und ich muss mal eben ein paar Sachen abhaken.

I.) ein aktuelles Album, das es gratis im Netz gibt

II.) eine Klassiker-Huldigung in Form einer Underground-Perle

III.) ein kritischer Live-Rückblick

IV.) ein kleiner Festival-Rückblick

V.) Das "sonst noch"-Telegramm


I.) OFF'TAN'DISCORD - People

Ein nettes kleines Konzeptalbum, über das ich gerade gestolpert bin, thematisiert mit jedem Song(titel) eine Person. Was von einer anonymen 'Stephanie' bis zum Serienmörder 'Albert Fish' reicht. Dass der dazugehörige Bandname offensichtlich Fanboy-mäßig aus den Titeln der drei Earthtone9-Longplayer zusammengescrabbelt wurde, macht mir als Verehrer dieser viel zu früh von uns gegangenen Band die Sache auch schon mal durchaus symphathisch. Was im Übrigen auch die Musik betrifft, denn das 1-Mann-Projekt aus London lebt sich recht experimentell und weitgehend instrumental in sphäririschen Regionen um Postrock/Drone/Doom/"Ambient-Metal" aus.

Sicher, wenn ich jetzt als Vergleichsreferenzen Namen wie Red Sparrows, Mogwai, Neurosis, Russian Circles, Isis, Earth und so weiter in die Runde werfe, winkt Ihr nicht ganz zu Unrecht müde ab und erzählt mir, dass es das in letzter Zeit öfter gab, wenn nicht sogar langsam mal zu oft. Klar, da habt ihr recht.

Aber: 1.) 'nem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Denn das Werk kann komplett umsonst und das auch noch legal bei lastfm heruntergeladen werden! 2.) Das Album ist gut. Der Allround-Musiker hinter off'tan'discord schafft es, mich selbst bei ziemlich simplen Wall-of-Sound-Konstrukten, die kein Rad neu erfinden, zu packen und begeistern.Ein Großteil der Songs klingt wie vereinfachte Red Sparrows mit ein bisschen mehr Rock/Metal im Blut, oder auch wie eine noch Song-orientiertere Version von Mogwai, die auf eine etwas andere Athmosphäre aus ist. Denn die meistens ehr kurzen Songs strahlen irgendwie mehr Wärme, Leben und positive Vibes aus, als die oft etwas kühlem, orechestral anmutenden Songaufbauten von epochaler Länge anderer Postrocker. Die Strickmuster, wie die psychedlisch hallend durch den Hintergrund schwebende Gitarre, die verzerrte Lärmwand mit catchy Melodiebogen, und die obligatorischen leiseren Parts, die dann spannend auf die lauteren zusteuern, hat man natürlich schon öfter mal im Kontext zeitgenössischer Instrumental-Musik gehört. Aber eben auch noch nicht so wie bei off'tan'discord. Und das, obwohl wie gesagt songschreiberisch eigentlich nichts wirklich spektakuläres passiert. Aber dennoch: Wenn hier die Bandbreite von einer instrumentalen Folk-Ballade, einem ruhigeren Track mit zart hauchender Gastsängerin, bis zu derb' brachialem Groove-Geprügel nach bester Neurosis-Manier reicht, fühle ich mich nur selten versucht zu skippen und höre "People" auch gerne noch ein zweites und drittes mal direkt hintereinander durch. Die einzigen wirklich schwächeren Stellen: Die exotische Momentaufnahme 'Ama Adhe' wirkt mit Ethno-Gesängen im lauten Regen mehr wie ein Zwischenstück, denn ein wirklicher Song, und fällt schon etwas zu bemüht komplett aus dem Rahmen. Und beim Abschlusstrack 'John Bellingham' merkt man dann doch schon mal irgendwie, dass dieses Werk ein Heimstudio-Projekt mit begrenzten technischen Hobbymusiker-Möglichkeiten ist. Zieht man davon allerdings wieder den Fakt ab, bzw. berücksichtigt man gerade eben, dass dieses Teil hier komplett von einer Person eingespielt und produziert wurde, kann man da nicht nur drüber hinwegsehen, sondern nur noch Respekt zollend den Hut ziehen. Der Typ hat schon gut was auf dem Kasten und ich will unbedingt noch mehr von ihm hören!Also kann ich hier wirklich mit ruhigem Gewissen sagen: Leute, ladet Euch dieses Album runter!

http://www.lastfm.de/music/off%27tan%27discord/People


II.) UNFOLD - Aeon Aeony

Kürzlich noch huldigte ich mit den "Post-Grindcorelern" Nostromo einem orignellen Underground-Erbe aus der Schweiz, mit UNFOLD ist der nächste dran. Das Umfeld des Schweizer Labels Division Records haut seit eh und je eine Menge Veröffentlichungen im Bereich Sludgecore, Post-Metal/Hardcore und co. raus. Das letzte Werk von UNFOLD aus dem Jahr 2003, bevor diese sich auflösten, ist dabei in diesem jüngst sehr populär gewordenem Genre ebenfalls ein kleiner, sträflich unbeachteter Klassiker. Irgendwo zwischen wuchtig rausgeballerten Dissonanzen der Marke Meshuggah, präzise stampfenden Grooves in der Nähe von Godflesh und epochalem Songwriting-Verständnis a la Neurosis wüten und leiden diese Jungs sich äußerst intensiv durch brutal schleppende Tracks mit spannenden Arrangements. In der zweiten Hälfte geht zwar zugegeben ein bisschen die Luft ruas, dafür sind aber die ersten 3-4 Mammutsongs inkl. Klavier-Passagen, disharmonisch und krumm in den Boden gestampften Dampframmen-Parts und übersteuerten Noise-Eskapaden dermaßen saugeil, dass man dieses Manko verschmerzen kann. Von dem, was die Truppe hier in der ersten Hälfte an eigenständigem Hit-Material raushaut, können sich aktuelle Szenegrößen wie Cult Of Luna nach wie vor eine Scheibe abschneiden. Hinzu kommt der äußerst massive, dabei aber sehr lebendige Sound, den manch namenhaftere Band so noch nicht hinbekommen hat. Da die stilistische Schiene dieser Truppe derzeit sehr angesagt ist möchte, nein, muss ich dieses Werk Freunden von Isis, Cult of Luna, Tephra, Meshuggah, Buried Inside, AmenRa, Rosetta und so weiter nachträglich ans Herz legen. Leider sind UNFOLD inzwischen Geschichte, einige von ihnen lärmen allerdings in einer etwas straighter dröhnenden, aber nicht minder wuchtigen Band namens Vancouver weiter, dessen Debüt "The Moment" in dieser Stil-Ecke ebenfalls sehr empfehlenswert ist.


III.) FORBIDDEN (Anlass: live in Essen)

Eines vorweg: Ich liebe Thrash Metal. Dieser ganze Bay Area-Scheiß war ein wichtiger Punkt in meiner musikalischen Sozialisierung. Und ist es auch immer noch. Wenn eine Band wie Exodus oder Testament (oder an hiesigen Legenden Kreator) ein neues Album herausbringt, gehöre ich zu den ersten, die es gehört haben müssen. Als Sacred Reich letztes Jahr beim Wacken gespielt haben, waren die der einzige wirkliche Grund meiner Anreise. Aber dieses Old School Thrash Revial mit einhergehendem Reunion-Wahn geht mir langsam aber sicher doch etwas auf die Eier. Allen voran natürlich die Aktion, die Anthrax sich brachten, noch mal die alte Hulboje aus der Versenklung zu holen. Dass ewiggestrige Kuttenträger das dann sogar noch abfeiern weil sie zu beschränkt sind, die großartigen Alben mit John Bush zu würdigen, macht das Ganze umso schlimmer (und ja auch überhaupt erst möglich). Als Sacred Reich beim Wacken mit einem Best of-Programm aufwarteten, das die Freudentränen nur so aus mir rausperlen lies, das letzte Album "Heal" (aus dem Jahre 1996) dabei aber gar nicht berücksichtigten, ging das irgendwie noch slo gerade okay. Als Testament dieses Jahr beim RockHard Festival ebenfalls den Schwerpunkt prioritär auf die ganz alten Schinken legten, und nur sehr wenig späteres zum besten gaben (darunter das unvermeidliche 'Low' und nur ein (!) eher schwächerer Song der aktuellen Scheibe), ging mir schon ein kleines bisschen quer, aber auch hier ging das dem Anlass entsprechend irgendwie noch klar.

Nun sah ich also vor kurzem FORBIDDEN im Essener Turock. Um die Sache kurz abzureißen: Die Band, in der auch mal Paul Bostaph (zwischendurch mal Slayer, zwischendurch mal Exodus, jetzt Testament) trommelte, veröffentlichte zunächst zwei Alben, die ganz und gar mit beiden Beinen im klassischen Speed/Thrash Metal standen. Mit dem 94er "Distortion" und dem '97er "Green" (beide übrigens damals via Gun Records, heute wohl undenkbar) befreiten sie sich aus diesem Korsett und modernisierten ihren Stil. Dazu gehörte dann zeitgenössischeres Groove-Thrash-Geboller a la Pantera und Machine Head und dazu gehörten auch atmosphärisch-rockige Nummern in Richtung Nevermore (was nicht verwundert, wanderte Gitarrist Tim Calvert nach Forbidden zu eben diesen ab, um mit ihnen ein sehr strange-athmosphärisches Album aufzunehmen). Und eines muss man ganz deutlich sagen: Als sich die Band meinetwegen etwas dem Zeitgeist anbiederte, während sie die tradionellen Klischees hinter sich lies, ging die Sache dabei voll auf. Denn erst als Sänger Russ Anderson nicht mehr auf Eunuch machte, präsentierte er sich auf ein mal gelungen inbrünstig mit einer sehr geilen Stimme. Ich sach et ganz offen: Von heute aus betrachtet finde ich die letzten beiden Alben besser als ihre Vorgänger. Und aus heutiger Sciht empfinde ich es als höchst albern (wenn auch noch bis zu einem gewissen Grad nachvollziahbar), dass ein Album wie "Green" von der Thrash-Crowd als zu "modern" und Trend-anbiedernd empfunden wurde.

Zum Konzert: Ich hatte ja damit gerechnet, dass der Schwerpunkt der Songs auf den ersten beiden Alben liegen wird, denn so tickt man im Metal einfach. Ich hatte aber auch damit gerechnet von den Spätwerken zumindest so was wie die geile Videoauskopplung 'No Reason' vorgesetzt zu bekommen (auf den Pantera-mäßigen Groover 'Wake Up' und die unglaubliche Doom-Powerballade 'Blank' hatte ich zwar ein wenig gehofft, wenn auch nicht wirklich damit gerechnet). Aber selbst dazu hatte die Truppe nicht die Eier in der Buchse. Statt dessen betont man auch noch, sich extra für die das verlangenden Fans auf die ersten beiden Alben zu konzentrieren und das Konzentrieren sah dann so exklusiv aus, dass von den späteren Alben überhaupt gar nichts gespielt wurde. Und neben Lobpreisungen auf die europäischen True Metalheads, kam dann immer wieder der Spruch "We're gonna go back to the fist album", nachdem man einen vom zweiten zum besten gegen hatte. Und im Publikum erlebten Typen um die 40, die sich noch mal in ihre alte Kutte gezwängt hatten, dazu inkl. kläglich-peinlicher Stagediving-Versuche noch mal für einen kurzen Moment ihren zweiten Frühling, falls sie jemals zuvor überhaupt mal etwas frischer gewesen sein sollten. Sorry Leute, aber das hat nichts mehr mit ehrlicher Musik zu tun. Das ist wie der alternde abgehalfterte Schlager-Sänger, der bei einer Supermarkt-Eröffnung noch mal seine einzigen beiden Hits aus den 70ern zum besten gibt, weil sonst nix gewesen ist. Halloho, die 80er sind vorbei!!! Schon lange! Wacht enldich mal auf und guckt ajuch mal nach links und rechts. Selbst was Forbidden in den 90ern als vermeidliche "Trendscheiße" gemacht haben, wird heute von Vielen schon als Metal-Geprügel alter Schule empfunden. Man, man, man ...


IV.) Death Feast Open Air

Zum zweiten mal fand vor kurzem o.g. Festival drei Tage auf einem Acker in der Niederrhein-Provinz zwischen Holland, Pott und Müsterland statt. Was soll ich sagen: Es war großer Spaß und wird mich nächstes Jahr wieder sehen.

Musikalische Notizen: Auch wenn ich gestehen muss, dass trotz meiner Vorliebe für extremes Geprügel nicht alles mein Ding war (so stehe ich z.B. nicht unbedingt auf zu sehr auf die Florida-beeinflusste "Brutal Death"-Schiene oder übertriebenen Klospülungsgurgelgrind) gab es neben zugkräftigen Headlinern wie DYING FETUS, CRYTOPSY und UNLEASHED doch das eine oder andere Highlight. Allen voran natürlich mal wieder die von "20 Kilometer Luftlinie da hinten" (so die Ansage von Schreihals Bony) stammenden JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE. Mit ihrer verquererweise irgendwie progressiv-verspielten, dann aber doch wieder catchy-punkigen Prügelmusik rockten die JaKas wie immer die Botanik und waren der positiv herausragende Farbtupferl des Festivals. Direkt nach ihnen gab es das intensive Inferno von ORIGIN. Ja meine Fresse. Auf Platte konnte mich die Combo aus dem verlässlichen Relapse Records-Stall bisher ja nicht 100%ig packen, aber live ging die komplex verknotete Lärmwand dann auf. Zuden hat man auch einen unglaublich guten, technisch spielenden Schlagzeuger in den Reihen (auch wenn der mit den Füßen ein bisschen mogelt). Heftig, heftigm heftig. Den folgenden Tag war es auch interessant, COCK AND BALL TORTURE mal zu sehen. Zumal mir diese bei Grind'n'Death-Freaks sehr populäre Band schon lange ein Begriff ist, ich aber nie einen Ton gehört hatte. Irgendwie war ich ehrlich gesagt etwas entäuscht, dass sich ihr "Porngrind" als stumpfes Groove-Death-Geslamme mit gelegentlichen Ausflügen in crustiges Runpel-Umptempo entpuppte, und ein Pitchshifter-Effekt auf dem Mikrofon das Froschgrunzen bis zum Erdkern runteruzog. Summa summarum dennoch eine nette Abwechslung zu Hyperblastgebretter der meisten anderen Bands.

Weitere Randnotizen: Den harten Kern Bekloppter, den man bei jedem Festival findet, gab es hier gleich gehäuft: So rannte einer im Hasenkostüm durch die Gegend, ein weiterer wälzte sich im rosa Tütü als 1Mann-Circle Pit im Schlamm und ein Pulk Sprechchor-Strategen war selbst beim schlechtestem Wetter im überschaubarem Publikum nicht klein zu kriegen. kein Wunder, sorhte das komplett aus dem Turock-Umfeld stammenden Organisations-Team für ein gelungenes Wochenende. Und wenn man am Thai-Stand lecker Asia-Essen genießen und sich am Relapse-Stamd an Shirts von Nasum und Pig Destroyer bereichern kann, dann stimmt alles. Nächstes Jahr wieder!


V.) Das "sonst noch"-Telegramm

+++ habe es immer noch nicht geschafft, mir mal die neue OPETH zu Gemüte zu führen. Erste flüchtige Eindrücke lassen aber Großes erahnen, vor allem wenn hier progressiver Düster/Death Metal aud progressiven Classic Rock der Marke Emerson, Lake & Palmer zu treffen scheint +++ was Opeth im Metal-Bereich sind, das sind TEXTURES irgendwo zwischen Meshuggah, Coheed & Cambria und Killswitch Engange. Mathcore trifft Progrock in der Ecke der Poprefrain-Metalcoreler. Und auch wenn sich das ganz insgesamt nicht so künstlich konstruiert anhört, wie es sich hir gerade lesen mag, bin ich mir noch nicht sicher, on ich diese Band wirklich "brauche" +++ gerade mächtig angesagt bei Grindcore-Freunden sind INSECT WARFARE. Wer derben Blastgeprügel mit viel Gegrunze und Geschrei grundsätzlich zugeneigt ist und diese Band noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. +++ MASTODON haben Videos erster Sessions zu ihrem kommenden Album online gestelt, nach denen man erwarten darf, dass die Band mit noch mehr melodiösen Versatzstücken weiter in die Progrock-Ecke rutscht und das brutale Gelärme früherer Tage noch einen weiteren Schritt hinter sich lässt +++ heiß erwartet werden dieses Jahr noch die neuen Releases von PHOBIA und GOJIRA ...

Samstag, 7. Juni 2008

und die nächsten zwei:

..heute mit neuem Stuff von JaKa und den Melvins. Zwei Bands, die sich weitaus ähnlicher sind, als es auf den ersten Blick rein musikalisch vielleicht scheint ...

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE / ARE YOU GOD? - Split CD
Als putzige kleine 3" kommt dieser Split-Release von Germany's finest Weirdo-Grindern JaKa und einer Band aus Brasilien daher. Mit gewagtem Cover im Übrigen. JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE legen dabei fünf Nummern vor, deren Spiellängen mal wieder von "ziemlich kurz" (21 Sekunden) bis "verhältnismäßig normal" (2:08 min.) variieren und gewohnt souverän eigenwillig-eingängige Kost abliefern. Allerdings klingen die Songs sowohl vom Sound, als auch stilistisch noch ein ganzes Stück punkiger/dreckiger/räudiger als vorangegangene Veröffentlichungen. Was ich im Übrigen grundsätzlich alles andere als schlecht finde. Die folgenden ARE YOU GOD? sind dann drei Songs lang sehr bemüht, zwischen Blastgerumpel, rockigen Schlagseiten und einen Tick "Math/Prog" im Stil drauflos zu prügeln und grölen/keifen ferner portugisische Texte darüber. Das alles in einem ebenfalls recht crustig-bodenständigem Sound. Was die drei Tracks lang Spaß zwar macht, ob ich diese Combo auf Albumlänge haben müsste, weiß ich aber nicht.
Sehr nettes Dingen!

MELVINS - Nude With Boots
Eines muss man ja einleitend noch mal erwähnen: "(a) Senile Animal", das letzte Album der MELVINS, war ein begnadeter Kracher vorm Herrn. Brachialer Rock'n'Roll mit Doppelschlagzeug - war das herrlich. "Nude With Boots" setzt noch mal da an, wo das letzte Werk aufhöre, ist aber doch etwas anders. Der Großteil des Albums besteht aus recht retrospektivem Hard-/Rotzrock, der zwar MELVINS-typische Tücken aufweist, aber nicht mit ganz so viel Wumms inszeniert wurde, wie beim letzten mal. Dennoch macht das sehr viel Spaß. Hinzu kommen auch mal eine schwer groovende Doom-/Stoner-Nummer und ein paar etwas experimentellere Tracks, die dem konventioneller klingendem Rest als gelugener Kontrast gegenüber stehen. Zwar kann diese Scheibe nicht wirklich mit seinem Vorgänger mithalten, was auch vorne herein schwierig war, allerdings muss man sagen, dass die Herangehensweise der MELVINS an sich, nämlich einerseits "abzurocken", andererseits aber "verquer sein" zu müssen immer noch das ist, was an dieser Truppe so besticht und es auch schwierig macht "Nude With Boots" nicht zu mögen!

Mittwoch, 28. Mai 2008

okay, es wird mal wieder Zeit

hier mal wieder Urteile zu ein paar gehörten Scheiben:

MINUS - The Great Northern Whalekill
Etwas spät tauchten die Isländer MINUS noch mal auf meiner Rechnung auf. Früher mal dem lärmigen, progressiven Hardcore verschrieben, fabrizieren sie inzwischen wesentlich rockigere Klänge. Das aber immer noch mit gewaltigem Wumms und spielerischer Raffinesse. Ihr Rock'n'Roll hat Stoner/Noiserock-Anflüge auf der einen, versiert-verspielte Ecken und Kanten auf der anderen Seite (originelles Drumming!) und erinnert an die Melvins, Kyuss/Queens Of The Stone Age und bei temporeichem Krach als Grundlage für melodische Vocals irgendwie manchmal sogar an so was wie eine maskuline Rocksau-Version von Muse. Wenn sie bei 'Rip It Up' mal richtig rasant abgehen hat es sogar was von Motörhead und ‚Rhythm Cure‘ kommt gar als fetter Metalrock-Groover daher. Womit MINUS beweisen, dass sich prolliger Testosteron-Rock mit jeder Menge Dampf nicht mit verquerem Alternative samt Köpfchen beißen muss. Sehr, sehr geiles Album!

KATAKLYSM - Prevail
Zu den Kanadiern habe ich seit eh und je ein gespaltenes Verhältnis. Zwar hat sich die ehemalige Poltergrind-Combo in den letzten Jahren zu einer wesentlich songorientierteren Band gemausert, was aber andererseits dann aber auch schon mal in fast kitschig-pathetischem Melo-Death ausartet. Von den Texten fang ich erst gar nicht an. Am schlimmsten fand ich bisher aber die übertrieben voluminös getriggerte Drumproduktion und albernes Schlagzeugspiel der Make "Blastbeats auf der Snare, Viertel mit der Bassdrum". Bei "Prevail" ist jedoch alles anders. Der Drumsound klingt im Gegensatz zu vorangegangenen Scheiben organisch und zurückhaltend und somit sehr untypisch. Auch vom Songwriting her scheint der Truppe gerade weniger daran zu liegen, simpel 'ohrwurmiges', melodisch abgerundetes Riffing mit Grind- und Walz-Passagen zu Songs aneinanderzureihen - auch wenn es diese gewohnten Momente und Trademarks nach wie vor gibt . Man versucht sich inzwischen stellenweise aber auch mal an atmosphärisch bollerndem Old School Death Metal. Trotz der sympathischen Kursänderung und dem als Opener gut durchstartendem Titelsong ist "Prevail" allerdings leider kein Genre-Highlight und wandert mit der aktuellen Illdisposed* in die die Mittelmaß-Versager-Kategorie "hätte mehr drin sein können/müssen".
(*p.s.: Kann mir mal bitte jemand erklären, warum vom popeligen Webzine bis zur großen Printpublikation wirklich jeder "The Prestige" abfeiert? Ich verstehe es nicht, Das Album kann doch echt mal gar nix?!?!)

NINE INCH NAILS - The Slip
Gerade noch machten Trent Reznor und NIN mit einem experimentellen Instrumental-Album mit Mammut-Überlänge von sich reden, da gibt es auch schon das nächste reguläre Album hinterher. Und das komplett völlig kostenlos zum Download, nachdem bereits eine Vorab-Gratis-Download-Single kurz zuvor angetäuscht wurde. Eine normale Laden-Version soll es später dennoch geben. Die Art und Weise wie Meister Reznor hier die allgemeine Misere der Musikindustrie als großer Act völlig auf den Kopf stellt ist bewundernswert. Was das Album an sich betrifft: Es scheint ähnlich wie die klanglich sehr unterschiedlichen "With Teeth" und "Year Zero" seine eigene Nische zwischen Elektroniktüftelei und griffigem Songwriting finden zu wollen, ohne dabei gänzlich auf die experimentelle Schiene von "Ghost I-IV" zu verzichten. Letzteres macht sich in der zweiten Hälfte mit dem ruhigen Klavierstück 'Lights In The Sky'', der langen Sondcollage 'Corona Rabiata' und dem folgendem, ähnlich gearteten, äußerst abgehobenen 'The Four of Us Are Lying' bemerkbar, während auch der Abschlusssong sehr ungewöhnlich klingt. In der Hälfte davor jedoch dominieren so was ähnliches wie Rocksongs. Solche, die auch gerne mal elektronischen Krach in den Vordergrund stellen, (wie das geil rasante 'Letting You') und selbst, wenn sie moderator zum Tanze bitten (wie bei 'Disciple') zumindest knallend treibende Drums im Scheppersound zu bieten haben. Auch wenn das Vergnügen etwas kurz und flüchtig ist: So frisch haben NIN auf regulären Alben schon lange nicht mehr geklungen!

Und zum Schluss noch mal einen wieder rausgekramten Klassiker aus dem Jahr 2002:

NOSTROMO - Ecce Lex
Du stehst auf zeitgenössischen Lärm? Auf klassische Bands, die derbes Geprügel einen Schritt weiter brachten/bringen als Andere? Kram wie Nasum, Unsane, Botch, Refused, Disbelief, Converge, Napalm Death, Neurosis, Dystopia, Meshuggah und so weiter? Noch nie von NOSTROMO gehört? Nun ja, jetzt ist es eigentlich auch zu spät dafür, denn die Truppe hat sich schon vor Jahren ausgelöst, dennoch ist dieses Album in der Schublade sträflich unbeachteter Kracher nicht zu unterschätzen. Frönte die Band, die sich nach dem Raumschiff im Filmklassiker "Alien" benannte, ursprünglich mal eine Form von Grindcore, die neben Blastbeats in eher (Neo-)Thrash/Hardcore-lastigen Gefilden wilderte, legten sie mit dem folgenden Longplayer "Ecce Lex" eine wesentlich originellere Geschichte hin, bei der Genre-Grenzen zwischen Schubladen wie Grindcore, Noiserock, progressivem Death Metal, Mathcore, Post-Metal/Hardcore und ähnlichem völlig verschwimmen. Zwischen Blastparts zieht die Band hier sämtliche Register von spannend aufgebauten Lärmwänden, über treibendes Metal-Riffing, bis zu vertrackt-abgehacktem Gerumpel, angereichert mit ein paar ungewöhnlichen, jazzig-verspielten, leiseren Passagen. Geiler Bass-Sound, geile Schlagzeugarbeit - hier stimmt einfach alles. Die äußerste lebendig knisternde, dennoch irgendwie sehr düstere Produktion dieses intelligenten Brachialmassakers erledigte übrigens kein geringerer als der inzwischen tragisch verstorbene NASUM-Bandkopf Mieszko Talarczyk.
Wie gesagt: Ein sträflich unbeachtetes Zeitdokument eigenständiger Extremmusik!

Mittwoch, 30. April 2008

Reviews! Neue Platten! Watweißich!

Es ist mal wieder Zeit für ein Update von in letzter zeit gehörten, weitestgehend aktuellen Scheiben:

RUSSIAN CIRLCES - Station
Diese Amis sind auf dem Sektor instrumentaler Postrock-Bands eine wohltuende Ausnahmeerscheinung. Anstatt lediglich orchestrale Arrangements psychedelischer Sphären aufzubauen, vermengen sie diese mit richtigem Metal-Riffing und fett verzerrten Gitarrenwänden. Während Opener und Abschlusssong mehr unter Schubladen-typische Chillout-Musik fallen und 'Versus' auch in erster Linie durch Shoegaze-/Dreampop-artige Gefilde schwebt, warten die anderen drei langen Tracks auch mit regelrechtem Testosteron-Geprügel auf. Hinzu kommt eine sehr gelungene Produktion, die druckvoll, aber höchst organisch und natürlich klingt. Sehr geil, auch wenn es sich bei Dauerrotation schon mal etwas abnutzt.

TESTAMENT - The Fomation Of Damnation
Lange hat es gedauert, bis man endlich das neuste reguläre Studio-Album der Thrash Metal-Legende um Frontmann Chuck Billy (aka "der dicke Indianer") vorgesetzt bekam. Aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die Scheibe ist das Album des Monats in sämtlichen Metal-Gazetten und ich schließe mich hier ausnahmsweise mal an. Höchst ausgereifte Songs mit Gangarten von rockig bis Gebolze und einer saugeilen Schlagzeugarbeit von Paul Bostaph, der sich hier auch gerne mal verspielt gehen lässt, anstatt nur zu ballern. Nach dem enttäuschendem letzten Exodus-Album und dem indiskutablen Theater, dass Anthrax auf dem Sängerposten veranstaltet haben, darf man Testament somit gerne als die derzeit definitive No. 2-Band des Thrash-Olymps sehen!

SCOTT KELLY - The Wake
"Ein Mann und seine Akustikgitarre" ist normalerweise kein Genre mit dem ich bevorzugt mein CD-Regal fülle. Wenn dieser Mann allerdings Neurosis' Scott Kelly ist, den ich vor kurzem mit dem vorliegendem Material auch live in einer Kirche (!) erleben durfte, ist das schon wieder Ehrensache. Ähnlich wie seine Hauptband hat auch die minimalistische Unplugged-Ausgabe Kellys etwas sehr düsteres, hypnotisches, stimmungsvolles. Es ist fast schon etwas schade, dass dieses Album nur 7 Tracks mit einer Gesamtspiellänge von fast 35 Minuten aufweist, andererseits kann einen dieser sehr eigene, manchmal schon dissonant angehauchte Stil alternativer Folk-Balladen aber durchaus auch schon ein bisschen runterziehen, so dass ich danach lieber mal was schmissiges auflege. Womit Scott Kelly hier nicht nur den unzähligen Neurosis-Epigonen, sondern auch lachhaften Emo-Singer/Songwritern an Intensität um Welten voraus ist.

E-FORCE - Modified Poison
In den 90ern war Eric Forrest mal Sänger/Basser bei den kanadischen Space-Metal-Originalen Voivod, die mit ihm zwei ihrer aggressivsten und krachigsten Longplayer aufnahmen. Mit einer seiner neuen Bands unter dem Namen E-FORCE orientiert er sich weiterhin grob an dem, was er mit Voivod auf den Alben "Negatron" und "Phobos" gemacht hat - nur dass die ganze Sache noch etwas näher an klassischem Thrash Metal mit Rumpelpunk-Einschlag angelehnt ist, der sich mit schrägen Lärmwänden und Industrial-Anleihen vermengt. Was auch genau das 'Problem' ist, das ich mit dieser Band auf ihrem zweiten Album "Modified Poison" inzwischen habe. Wenn sich z.B. der Opener "Deviation" in einem ansprechendem Arrangement erlaubt, zwischen atmosphärischen Parts und räudigem Gepolter zu pendeln, kommt das in Verbindung mit Forrests Geschrei schon verdammt intensiv. Wenn bei anderen Songs dann aber schon wieder unentwegt die Doublebass rattert und das melodisch abgekantete Thrash-Riff schräddert, fängt die dadurch schon mal etwas altbacken, eintönig und zu „traditionell“ daher bollernde Scheibe irgendwann an, mich ein wenig zu langweilen. Fazit: An sich ein sehr geiles Album; für die Oberliga reicht das hier anno 2008 aber nicht mehr ganz.

TREPONEM PAL - Weird Machine
Endlich mal zu Gemüte geführt habe ich mir das neue Album der französischen Industrial-Urgesteine, die sich hier von Uhrwerk-Drummer Ted Parsons (Swans, Prong, Godflesh, Killing Joke, Jesu, Teledubgnosis) und dem während der Produktion tragisch verstorbenem Basser Paul Raven (Killing Joke, Prong, Ministry, ...) unterstützen ließen. Der Albumtitel ist Programm, so wie die Franzosen schon immer ein bisschen anders getickt haben. Auch wenn ihre stilistische Grundlage maschinell stampfender, brachialer Industrial-Metal ist, fungiert dieser nur als Basis verschiedenster musikalischer Versatzstücke, die auch gerne mal funky oder psychedelische 70ies-Vibes versprühen oder in bluesigen Pop driften. Hier gilt etwas ähnliches wie bei E-Force: Vor ein paar Jahren noch hätten sie mich damit wohlmöglich gekriegt, heute klingt mir das aber doch ein bisschen zu angestaubt und trotz allem Exotenbonus ein bisschen zu unspektakulär.

BAD DUDES - Eat Drugs
Ich muss dem Kölner Knallkopf, der unter dem Namen Daghoti selbst recht eigenwillige Musik macht erwähnen, der nicht müde wird, einem diese Band nahelegen zu wollen. Die BAD DUDES machen Sommermusik für anspruchsvolle Bekloppte. Hier treffen Funk, Prog/Mathrock, trashige 80er-Synthies und klassischer Rock'n'Roll aufeinander. Meistens instrumental, mal mit verqueren Vocals hat ihre Musik Eier, positive Vibes, einen gewissen Witz und ist zudem äußerst versiert und verspielt eingehämmert worden. Großartig z.B. der Song 'Better Than Nature' der von housigem Pornofunk mal kurz dazu übergeht, den Jam einer laut verzerrten Rockband zu präsentieren, oder auch der leicht verfrickelte, hart knallende Mitsing-Funk’n’Roll vom Titelsong. Hat was!

VENOMOUS CONCEPT- Poisoned Apple
Da Buzz Osborne (ja, der von den Melvins) gerade keine Zeit hatte, an zweiten VC-Album auch wieder mitzuwirken, holte man sich Danny Lilker (S.O.D. und so …) mit ins Boot, womit dieses Projekt nun zur einen Hälfte aus Napalm Death-Mitgliedern (Shane Embury, Danny Herrera) und zur anderen aus Brutal Truth-Leuten (Kevin Sharp, Lilker) besteht. Mehr gibt es dazu eigentlich schon gar nicht mehr zu sagen, oder muss ich tatsächlich mit einer antiquierten Phrase a la „hier werden keine Gefangenen gemacht“ noch betonen, dass die vier Herren hier mit rasantestem Crustcore-Geballer von höchster Brutalität verzücken?

SCORN – Stealth
Apropos Napalm Death: Deren früherer Drummer Mick Harris macht ja bekanntlich schon seit Jaaaahren nur noch Elektronikmusik. Hauptsächlich unter dem Namen SCORN, aber auch mit einigen anderen Projektnamen haut er kontinuierlich Releases raus, die eigenwillig irgendwo zwischen Düster-Ambient, Dub, Industrial, Trip Hop und Ähnlichem angesiedelt sind. Den 2007er Longplayer „Steatlh“ habe ich mir inzwischen mal zu Gemüte geführt und kann dem Gewummse gegenüber nicht eine gewisse Faszination absprechen. Minimalistisch, aber trotzdem atmosphärisch dicht ballern sich laaaaangsam groovende Beats ihren Weg aus den Boxen heraus, während monotone Waber-Sounds an Mr. Oizo erinnern. Wenn ich im Zustand schlaftrunkener Apathie auf dem Weg zur Arbeit bin. ist das hier manchmal genau der richtige Soundtrack dazu!

PROTEST THE HERO – Fortress
Mir wurde nahegelegt, mir diese Band mal anzuhören. Was ich mittlerweile 2-3 mal getan habe. Jedes mal mit der Erkenntnis, noch mal reinhören zu müssen, bis ich eine definitive Meinung dazu habe. Denn PTH machen es mir persönlich nicht einfach. Sie gehören zu der neuen Welle amerikanischer Metal-Bands, bei denen starke Ironie in Bezug auf Szene-Klischees ebenso an der Tagesordnung ist wie ein musikalisches Selbstverständnis, das die Grenzen scheinbar unvereinbarer Schubladen verschwimmen lässt. So prügeln sich PTH mit einem Punk/Hardcore-artigen Spielgefühl durch Songs, die zwischen Versatzstücken atonal-abgehackter Mathrock/core-Kloppereien und traditionellem Melodikgeriffe pendeln, während sich der Sangesknabe auch gerne mal in die Eier zwickt. Das macht zwar einerseits Laune, verlangt von einem andererseits aber auch mit entsprechend augenzwinkernder Coolness an die Sache rangehen zu können, wenn hier auf einen Fantomas-artigen Klapsmühlenpart auf ein mal der ganz große Cheesy Metal-Refrain mit Plastikschert in die Höh‘ folgt …

Montag, 31. März 2008

Rotation Ende März

Meiner letzter Post liegt mal wieder länger zurück, ich weiß. Deswegen gibt es hier nur mal eben eine Abhandlung von in letzter Zeit gehörten Scheiben:

LIGHT PUPIL DILATE - Snake Wine
Meine persönliche Entdeckung des Moments! Psychedelische Shoegaze/Postrock-Gitarrenwände gepaart mit intelligentem Alternative/Noise-Rock und tendenziell progressivem Metal/Hardcore-Geprügel. Hat irgendwie schon ein starkes 90er-Flair, ist aber dennoch ein eigenes Ding total am Zahn der Zeit und damit auch haargenau meins!

JUCIFER - L'autrichienne
Das ursprünglich aus Griechenland stammende US-Duo (Frau an Gesang und Gitarre plus Schlagzeuger) wartet wieder mit einer (21 Songs starken!) Aneinanderreihung von zuckersüßem Alternative-Pop bis zu groben Grindcore-Gepolter auf. Zwar ist nicht das gesamte Album ein göttliche Offenbarung, einzelne Songs (vor allem „Traitors“ und der Titeltrack) aber schon dermaßen geil, dass es sich lohnt.

MESHUGGAH – obZen
Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Sicher ist einiges, was MESHUGGAH vor allem an technischem Können zeigen, einfach nur noch unglaublicher Irrsinn, aber mal ganz ehrlich: Abgesehen vom eigentlich schon wieder zu straight ballerndem Opener „Combustion“ und dem hypnotisierendem, wahnwitzigen Stakkato-Gehacke von „Bleed“ passiert hier sooo viel wirklich interessantes und/oder mitreißendes nun auch wieder nicht …

NINE INCH NAILS – Ghosts I-IV
Ein Vertriebsexperiment, sowie ein musikalisches: 36 Tracks, alle rein instrumental, alle spontane Momentaufnahmen anstatt "wirkliche Songs". Was natürlich von Klaviergeklimper auf Ambient-Gewaber über Drumcomputer-Geballer bis zu schräg-lärmigen Rock reicht. Manches klingt so spontan dahingeschissen, wie es entstanden ist, manches aber auch saugeil. Kann man lieben oder hassen. Vielleicht sogar beides.

GENGHIS TRON - Board Up The House
Ich muss gestehen, dass ich immer noch nicht dazu gekommen bin, mir dieses Album komplett anzuhören, weil ich oft gleich zum 10minütigem Abschluss-Song „Relief“ skippe: Eine total geile Nummer in Richtung „Doom/Stoner/Post/Epochal-Metal“, welche die Meinungen spaltet, ob es der mit Abstand beste oder der mit Abstand schlechteste Song der CD ist. Ich gehöre da wohl ganz klar zu ersterer Fraktion.

KOSMOS – Kosmos
Interessante Sache: Auf diesem September letzten Jahres veröffentlichten Album gibt es vorwiegend instrumentalen Kraut/Prog/Spacerock alter 70er-Schule zu hören. Mit Away von Voivod am Schlagzeug!!!

Soweit …

Donnerstag, 6. März 2008

Positiv überrascht...

... bin ich aktuell von 1.) einem Album und 2.) einem Konzerterlebnis.

1.) THE CAVALERA CONSPIRACY - Inflikted
Was gibt es dazu zu sagen? Ich gehöre ja den Jahrgängen an, für die Sepultura durchaus in der Oberliga der Jugendhelden mitgespielt haben. Nach "Roots" und Max Cavaleras Ausstieg war das Thema aber auch irgendwie gegessen. Sowohl Max' gerne mal auf Ethno oder Disco getrimmter Hüpfmetal mit Soulfly, als auch die Ambitionen der verbliebenen Sepulturas, ihren Stil ein bisschen auszuweiten, hatten sowohl ihre mitreißenden als auch ihre verzichtbaren Momente.
Lange Rede, kurzer Sinn: Schlagzeuger und Bruder Igor Cavalera ist nun auch bei den Sepuls ausgestiegen und macht mit seinem familiären Ex-Bandkollegen unter dem Namen CAVALERA CONSPIRACY wieder Musik. Unterstützt von Soufly/Ex-Ill Nino-Gitarrist Marc Rizzo und Franzmann Joe Duplantier von den großartigen SciFi-Progprüglern Gojira am Bass.
Die 11 Songs umfassende Konserve "Inflikted" überrascht damit, dem geneigten Hörer hier keinen pseudo-experimentellen Ethno-Crossover vorzusetzen, sondern lupenreinen Thrash Metal with a capital T. Diese Band grast stilistisch noch mal das ab, was in Sepultura-Zeiten von "Beneath The Remains" bis "Chaos A.D." gemacht wurde. Und das kommt hier - das aus meinem Munde als Reunion- und Retrospektiv-Hasser - tatsächlich nicht nur recht unpeinlich, sondern auch höchst mitreißend aus den Boxen geballert. "Inflikted" ist der Wahnsinn in Tüten einer Metal-Kelle alter Früh90er-Schule mit den obligatorischen Ausflügen in neo-thrashiges Stakkato-Gegroove und rasantes Hardcore-Geschrubbe. Hinzu kommt eine schon irrsinnige Arbeit an der Lead-/Sologitarre.
Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass das Album im Dauertest zwar durchaus auch den einen oder anderen Füllsong aufweist, die Produktion dafür aber angenehm frei von künstlichen Knalleffekten ist.
Derzeitige Song-Favoriten: 'Bloodbrawl', 'Sanctuary' und 'The Doom Of All Fires'.

2.) SMOKE BLOW
Es war zwei Wochen her, dass ich die Band in Köln sah, wo sie sich im Rahmen einer WDR Rockpalast-Aufnahme mit einer braven Pop-Setlist und routiniert-affigem Stageacting über die Grenze des Peinlichen hinaus präsentierte, was ein bisschen das Bild bröckeln lies, das ich von SB gerne haben würde. Kürzlich in Dortmund dann das krasse Gegenteil: Die Setlist war wieder von lärmigen, bissigen Althits und Arschtreten gespickt (777 Bloodrock, Satan's Highway, Police Robots, Junkie Killer) und auch das Drumherum wirkte natürlich und selbstironisch. "Geht doch".

Freitag, 29. Februar 2008

gehört und bewertet im Februar '08

Irgendwie bin ich im Moment zu faul, so etwas wie richtige Rezensionen hier reinzukloppen, aber es gibt dennoch das eine oder andere zu der einen oder anderen Scheibe zu sagen, die ich entweder mal angetestet oder in der Dauerrotation habe. Ich fang mit der am wenigsten aktuellen an:

GOJIRA - From Mars To Sirius
Mit guten 2-3 Jahren Verspätung wird mir klar, was diese Franzosen hier eigentlich für ein großartiges Album hingelegt haben. Und das, obwohl ich eigentlich dachte, aus Musik mit zu starker Prägung konventioneller Metal-Stilmuster schlussendlich doch mal langsam aber sicher herauszuwachsen. Trotz Dauerdoublebass bei einigen Nummern läuft hier aber irgendwie was richtig. GOJIRA vereinen die genadelos massive Brachialität des (Death) Metals, gewürzt durch Nuancen melodischer Epik, mit vertrackt-progressiven Stilmustern und Ausflügen ins atmosphärische. Das Ergebnis, welches sich hier in Form eines SciFi-Konzeptalbums aus dem Betonmischer gießt, klingt als hätte man diesen zuvor mit Elementen von Strapping Young Lad, Neurosis, Morbid Angel, Death, Mastodon, Meshuggah, Bolt Thrower, Voivod, Tool usw. aufgefüllt.

SMOKE BLOW - Colossus
Auch wenn ich hier einen halben Roman loswerden könnte, versuche ich mich kurz zu fassen: Als unverbesserlicher Freund gepflegter Arschtrittmusik hat man es nicht leicht, wenn Lieblingsbands auf ein mal in wesentlich massentauglichere Ecken des Rocksektors abwandern. Dennoch kann ich den Kielern hier nix übel nehmen, haben sie eventuell das Sommer-Hitalbum '08 eingespielt. Besonders der an Social Distortion erinnernde Herzschmerz-Rock'n'Roller 'Hollywood Mystery' und das mit leichtem Einschlag in Richtung Dark Wave bis Horrorpunk daherkommende 'Maskerading' haben es mir als Mitsumm-Ohrwürmer angetan. Von der Neuaufnahme der Altkrachers 'Junkie Killer' natürlich ganz zu schweigen.

TRIBUTE TO NOTHING - Breathe How You Want To Breathe
Für diese Briten gilt etwas ähnliches wie das, was man früher mal über Smoke Blow gesagt hat: Auch wenn ihre Platten keine ganzheitlichen Offenbarungen sind, ist auf der Bühne das absolute Gegenteil der Fall! TTN sind, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, eine der allerbesten Live-Bands, die derzeit so unterwegs sind. Ihr neues Werk "Breathe How You Want To Breathe" überzeugt dieses mal aber auch schon auf Konserve beim ersten Durchlauf und ist zwischen Bands wie Hot Water Music, Brand New, Boysetsfire und Thrice (und ich würde sogar so weit gehen, The Police und Earthtone9 in die Aufzählung mit reinzunehmen) eine seltene Perle in Genre-Gewässern, aus denen mich nur selten etwas berührt.

CEPHALIC CARNAGE - Xenosapien
Diese schon letztes Jahr veröffentliche Scheibe enthält zwar auch einige Tracks, die ich entnervt skippen muss, bei anderen wiederum dreht allerdings etwas in mir völlig durch. Nicht einfach nur jazzig/progig-verspielt, sondern ziemlich durch- und angeschossen gurgeln und grinden sich CC trotz verkiffter aber augenzwinkernder Old School Attitüde durch ein breites Spektrum an „teilweise intelligenten" Extrem-Metal-Spielarten. Muss man einfach mögen.

Noch kurz notiert:
Das neue DISFEAR-Album "Live The Storm" bietet wieder ein mal das volle Crustcore-Programm mit dem Extraschuss Motörhead-Rock'n'Roll; länger als 2-3 Songs am Stück kann ich mir dieses primitive Gepolter im Moment aber irgendwie nicht geben.
Und bei THE ARCANE ORDER merke ich verstärkt, dass ich überhaupt gar keine Begeisterung mehr für Bands aufbringen kann, die dem entsprechen, was ich als "das Donzdorf-Verständnis von Metal" bezeichne.Von Orchestral-Bombast über gaaanz böse Vocals bis Blastbeat-Gehacke versucht man möglichst viel an- und übereinander zu klatschen und den Sack mit einer viel zu übertrieben zugekleisterten Hochglanz-/Wucht-Produktion zuzumachen. Das ist mir viel zu künstlich.
Wesentlich natürlicher wiederum klingen die viel Aufsehen erregenden WOLVES IN THE THRONE ROOM, die auf "Two Hunters" so etwas wie mit Folk-Einflüssen und Drone-Ausflügen angereicherten Black Metal der alten Darkthrone-Schule lärmen und dabei auf nerdige Öko-Hippies machen. Irgendwie sympathisch, aber ich bin mir ein bisschen unschlüssig, ob ich wirklich noch Bock auf diese höhenlastige Keifmusik habe.
Wesentlich mehr Bass im Sound haben CHROME HOOF, die einen kunterbunten Mischmasch aus Funk, Tanzelektronik, Soul, Pop und Metal fabrizieren, den ich in naher Zukunft dringend mal intensiver anchecken muss.