7"/10"/12" Singles, EPs und Compilations aus dem Kontinuum Soundsystem- und Bunkerclub-orientierter Tanzmusik, Jahrgang '26 so far, so fine:
Amit - Dem Rude / Hush Up Amit & Outrage - Trigger / Zulu (Amar) Yes! Amit Kamboj, definitiv ein Name in der Top 5 bis Top 3 meiner Lieblings-Soundsystemelektroniker, hatte ein Einsehen und haut das Logo seines Labels Amar nun nach einer längeren Phase rein digitaler Veröffentlichungen doch auch wieder auf Schallplatten mit drauf. Schon Anfang des Jahres angekündigt war die Vorfreude umso größer, sich diese beiden Teile dann im späten Frühjahr auch auf die DJ-Garnitur zu legen. Yes, yes, yes! Genau das, was der Doktor verschrieben hatte! Mit "Dem Rude" und "Hush up" wurden zwei etwas statisch stampfende Headnodder, die man letztes Jahr schon mal gehört hatte, nun auf eine 7" gepresst. Zum mixenden Auflegen eher ungünstiger, wenn man nicht gerade 'nen RP-7 hat, aber das Kleinteil ist trotzdem gerne mitgenommen! (Nur so 'ne Idee, aber könnte man das mit den Punk'n'Bass-Nummern "Major Cunx / Sound of War" auch noch genau so machen?) Für einen Zwölfzoller wiederum tat er sich (wie es über die letzten zwanzig Jahre gelegentlich immer wieder mal vorkam) mit Andrew Ferguson alias Outrage zusammen. Und das hat es mal wieder in sich: Amit's dubbiger Halftime-Style, der immer mehr zu so einer gewissen Straightness neigt, die irgendwie schon was statisch-steifes hat, und Outrage's old-schoolige Amen-Roughness ergänzen sich super. Das clevere an beiden Nummern mit Tribal-Feel und sogar Bleepblop-Weirdness: Die rhythmische Beschaffenheit von, nun ja, Drums und Bass eigenen sich gleichermaßen sowohl zum Halftime-headnodden als auch zum Full-Speed-ahead-bouncen, wenn Ihr versteht was ich meine. Ich find's total geil, aber das war eigentlich auch schon vorher klar, denn hier bin ich Fan, hier beiß' ich rein!
Baby T - Shee Punk 02 (Banshee) Inzwischen ist's drei Jahre her, dass Brianna Price alias B.Traits aliasBaby T ihr Label "Banshee" mit der "Shee Punk 01" EP debütierte. Parallel dazu wurde sie mal eben Mutter und schaltete von außen betrachtet bei der Musik dann erstmal 1-2 Gänge zurück. "Shee Punk 02" ist nun da und führt den eingeschlagenen Weg ihres Baby T Alias fort, zu Dubwise Junglism, Halftime-Drum'n'Bass und Electro-Breakbeat zu neigen. Die drei Original-Tracks von "Shee Punk 02" smashen alle in ungewöhnlich niedrigerem Tempo mit gewohnt gutem, transparenten wie punchigem Produktionsklangbild, der Aloka-Remix drückt die Eröffnungsnummer dann noch mal in ungefähre Richtung atmosphärischen Halfsteps. Ziemlich cooler Stuff, um etwas mehr Flavour in DJ-Sets eher unterrepräsentierter BPM-Regionen zu bringen!
Conrad Subs - Cylinder EP (Metalheadz) Unter uns dann jetzt mal gaaanz ehrlich: Wenn es sowas wie den Metalheadz-Sound gibt – und natürlich gibt es nicht nur den einen, allerdings schon einen durchaus typischen Vibe – dann bin ich ja gar nicht mal so wirklich der allerallergrößte Fan des typischen Metalheadz-Sounds, der zwar prima dafür geeignet ist, sich in einem Club-Setting mit dickem Soundsystem völlig darin zu verlieren, mir als „Hör-Musik“ außerhalb dieses Kontexts aber doch oft eben den einen Ticken zu wenig Biss hat. Und natürlich ist das eine, das Label in seiner Gänze betrachtet etwas unzutreffende Pauschalisierung, aber wer ein bisschen in der Materie drin ist weiß trotzdem was ich meine. Conrad Subs erste auch als physische Platte veröffentlichte EP auf Goldie‘s Label wiederum ist dann dennoch mal wieder eine, die ich mir dann gerne mal zugelegt habe, auch wenn die "Metalheadz Platinum"-Reihe mal nicht so wirklich schöne Coverartworks hat. Alle vier Tracks bieten jene Art von etwas techigerer, durch und durch Clubfloor-orientierter Drum’n’Bass-Musik mit Atmosphäre und Punch, mit der man bei mir eigentlich immer landen kann. Irgendwie generisch? Ja, schon, aber das ist hier eben auch der Weg, der das Ziel ist.
Dom & Friends - Edition One Dom & Roland - Badman / Through The Noise (Individual) Sicher
wird irgendwann mal der Punkt kommen, an dem ich dann auch mal „och
joah, dieses mal dann nicht“ oder „jetzt ist dann aber auch mal gut“
sagen werde, aber ich habe über die letzten sieben Jahre oder so wohl
wirklich keine von Dom & Roland's aktuellen 12" Singles/ EPs und 2LP- oder 3LP-Langspielalben ausgelassen (und "Cold Summer" ist wahrscheinlich sogar meine Lieblings-DnB-Nummer aus jüngerer Vergangenheit). Seine
Produktionen fahren dabei nicht immer die Mix-tauglichsten Arrangements
auf und in Sachen druckvolle Klangtransparenz schwankt die Qualität zwischen
den Releases dann auch doch schon mal etwas (was vielleicht auch mit an
den Pressungen liegen kann), aber während er dann eben doch sehr
Club-orientierte Musik macht, hat er dabei seinen ganz eigenen Stil und
Sound, durchaus auch in einer gewissen Breite, mit diesem einen
Quäntchen Extra in der Soundpalette oder auch schon mal
unvorhergesehenen Wendungen im Tune. Und das unterscheidet ihn von
Vielen, weswegen ich halt auch wirklich Fan bin, während mir diese
industriell-retrofuturistische Ästhetik, zu der er nicht selten neigt,
auch eh ziemlich liegt. "Edition One" enthält vier freundschaftliche Zusammenarbeiten: "Tone Program", mit seinem alten Kumpel Mando,ist eine fast schon etwas schwerfällig-grob mäandernde Nummer mit düster-industriellem Techstep-Vibe, gefolgt von "The Seed" mit der in jüngerer Vergangenheit auch wieder aktiveren Nuller-Jahre-Hausnummer Kemal, was in einer etwas schneidigeren Sache als der Opener ausartet und etwas krumm gesetzte Kicks auffährt. Auf der B-Seite gibt's bei der treibenden Gridlok-Zusammenarbeit "Droids" Star-Wars-Sampels zu hören und zum Schluss ist Samurai Music-Labelchef Presha bei
einem Track mit dabei, der (natürlich) ebenfalls ziemlich düster kommt,
aber trotz komplexer tschackender Breaks noch unterhalb der
Tearout-Eskalationsstufe bleibt. Alles nix unerwartetes, alles ziemlich cool, teilweise allerdings auch mal wieder nicht das aller-DJ-Mix-freundlichste Material, aber eben auch wegen dieser verhältnismäßigen Eigensinnigkeit mag ich Dom's Kram ja irgendwie besonders. Zweieinhalb Monate später gab's dann auch schon wieder einen Solo-2-Tracker: Die Vocals von "Through The Noise" haben fast schon sowas wie einen Bondsong-Vibe, der Breakbeat setzt quer übers Klimper-Intro ein, der kaputt-fette Bass ist irgendwie völlig drüber. Auch ungewöhnlicher, aus DJ-Sicht auch schon etwas schwieriger einzusetzen, und auch genau deswegen auch schon wieder irgendwie cool. "Badman" wiederum nimmt einen zurück in die Techstep-/ Frühneurofunk-Spätneunziger mit. Moving Shadow-/ Virus Recordings-/ Tech Itch-Vibes galore (I like!), und dann einfach mal ein abruptes Ende.
Double O - Humble Rock (Rupture LDN) David Henry alias Double O ist eine Hälfte des Ehepaars, welches die Label- und Event-Plattform Rupture LDN schmeißt.
Während sich seine unter "Mantra" firmierende Frau zuletzt an allem ausprobiert hat, was
das Rave-/ Bassmusic-Kontinuum zwischen Breakbeat, Jungle/-Techno, Dub/step,
Garage, Halftime-DnB usw. noch so alles hergeben kann und neuerdings auch noch Poesie mit dazu wirft, konzentriert
sich Double O eher on point auf den Jungle. Und das ziemlich gut! Nach einem ganz coolen
3LP-Album vor drei Jahren gab's mit dieser EP nun vier neue Tunes, mit
denen er einige Groovebox-Jams in DAWs vollendete (wer an dieser Stelle
nicht mehr ganz mitkommt, sollte sich nix draus machen) Dabei dreht er raveige Sounds, soulige Momente und Ragga-Samples mit Breakbeat-Feuerwerken in der 160er BPM Zone so durch die Mangel, dass alles durch die Bank schwerstens bockt!
Hiss Is Bliss feat. Ras Tweed - Word Sound and Power (777Hz) Auch wenn mir die beiden letztjährigen Hiss Is Bliss Veröffentlichungen via Modern Hypnosisund Challenger Deepirgendwie durchgegangen waren, habe ich für seine Grenzgänge, die zwischen atmosphärischem Steppers-Dub-Reggae und narkotischem Deep-Dub-Techno mal zur einen und mal zur anderen Seite fallen, ja doch ziemlich was übrig. Seine neue 10" übers eigene Label 777Hz
ist zum mixenden Auflegen in dem Format natürlich ein p.i.t.a.,, aber schon auch irgendwie mal wieder „stilecht“, mit der tiefstens
vernebelten Halftime-Vocal-Nummer "Word Sound And Power" (feat. Ras Tweed aus Birmingham) und der instrumentalen Steppers-Deep-Dub-Techno-Version "Sound And Power", die beide 'ne ziemlich coole Angelegenheit sind. Und wo wir schon mal dabei sind, der Vollständigkeit halber, neigen die ebenfalls frisch veröffentlichten "Higher Me" 12" auf Mob Museum's Label und "Terpenes E" via Syncrophone (ebenfalls mitMob Museum Remix) in so eine Richtung auf der Schnittstelle von House und Dub-Techno, die ich noch vor ein paar Jahren nicht so wirklich spannend gefunden hätte, inzwischen als semisedimentiert anmutende Sommermusik aber doch auch ganz gerne mal höre. Keine Ahnung, warum auf einmal, aber kann man auch echt machen!
Holsten - Burn (Droogs) Ehrlich gesagt frage ich mich ja immer so ein bisschen, ob es abseits irgendwelcher Squats am Londoner Stadtrand oder kleinster Keller-Clubs in
Bristol wirklich noch irgendwoanders Events geben könnte, bei denen
tatsächlich auch wirklich über weitere Strecken exakt solche Musik läuft, aber diese erfreulicherweise nie so
ganz aussterbende Art von Mitt-/ Spätneunziger-Underground-Drum'n'Bass mit
Techstep-Schlagseite, die mit dystopisch angehauchter Gesamtaura, chirurgischen
Breakbeat-Editierungen und mehr spür- als hörbar im Sub-Bereich
drückenden Bass-Drops düster-kühl und durchaus auch hartknallig
kommt, dabei aber auch immer noch im Rahmen ihrer verhältnismäßig minimalistischeren
Soundpalette sehr viel „Luft“ hat, die ist dann ja doch was, von dem ich persönlich gar nicht genug bekommen kann. Und glaubt mir mal, wenn ich Euch sage: Auch wenn es von außen
vielleicht nicht unbedingt so klingen mag, finde ich genau sowas stimmig
zusammenzuschieben tatsächlich gar nicht mal sooo einfach. Von der Uvb-76 Music/ Droogs-Clique gab's nun auch mal wieder eine neue EP vom Kollegen Holsten, und ja, der olle „knallt am dollsten“ Spruch bietet sich dann mal wieder an. Drei Tunes lang betreibt er das oben beschriebene nahezu in Perfektion und zum Abschluss der EP gibt's die beste Nummer seiner 2021er "Sealed in Time" EP dann hier auch noch mal im gelungenen Overlook-Remix. So, und wer macht jetzt mit, hier einen quartalsweisen Bunkerabend aufzuziehen, bei dem wir genau solche Discs jocken?
JK Flesh / Monrella - Shouting at the Odds (Give/Take x Avalanche Recordings) “No-nonsense old school flavoured techno bangers. We're flying the flag for outsider techno." Dass mir was Bämm-Bämm-Bämm-Bämm ins Haus kommt ist ja eher selten. Es kommt vor, aber ist eher selten. Hier dann mal einer der NoBrainer-Fälle wo es kam: Nach einer digitalen Split-EP vor fünf Jahren kredenzen uns die ehemaligen Napalm-Death-Bandkollegen Justin Broadrick
(auch Godflesh, Jesu, Tech Level 2 etc. pp.) und Mick Harris (auch
Scorn, Lull, Quoit usw.) hier nun eine geteilte 12" ihrer jeweiligen Techno-Aliasse, und wer kann da dann schon widerstehen? Okay, ja, Ihr beiden vielleicht locker, aber ich halt wirklich nicht, auch wenn die Platte zugegeben einen Ticken zu teuer kam (aber bei einem Versandservice immerhin auch nicht so dermaßen absurd teuer wie bei manch anderen...). Jedenfalls zeigen hier beide bei ihren jeweils vier Tracks, dass es eben auch bei elektronischer Tanzmusik der gröberen Art auch mit eine Frage der Attitüde und Intention ist, als nur eine darüber, technische Finessen einer modernen DAW fortgeschritten zu beherrschen...
Paradox - Drumline / Trident (Paradox Music) Eigentlich wär' das hier jetzt der perfekte Anlass, mal meine persönliche Anekdote zum 2022er Paradox-Release "Streetbeat / Drum Throne" auszubreiten, die einen seltsamen, zufälligen Bezug zu meiner Band und was mit eigenen Discjocking-Gehversuchen zu tun hat,aber wisst Ihr was? Ich glaub' das interessiert niemanden wirklich, denn eigentlich ist's auch eher ziemlich uninteressant. Auf dieser 12" gibt's jedenfalls mal wieder zwei typisch paradoxe Drumfunk-Nummern mit groß geschriebenem Funk in den Drums, von der eine, ebenfalls nicht ganz untypischerweise, in etwas anderen BPM-Regionen unterwegs als als man normalerweise Jungle-/ Drum'n'Bass -Tracks zusammentackert. Das alles nach wie vor in langsamer Handarbeit mit einem antiken Commodore Amiga 1200 erstellt, während er laut eigener Aussage noch nie einem Dayjob nachging und man fragt sich schon, wie das eigentlich möglich ist. Ich hab's mir trotzdem ganz neidlos eingetütet.
Quarz - Cold Voids (1985 Music) Der Cardiffer Elliot Garvey alias Quartz hat echt 'n Lauf. Für jemanden, der noch vor ein paar Jahren die unlukrative Freizeit-Berufung eines Drum'n'Bass-Produzenten an den Nagel hängen wollte und mit seinem eigenen Kram eigentlich auch nie so wirklich zufrieden ist, ist er in der glücklichen Position, dass sich namenhafte Labels wie z.B. Metalheadz, entgegen dieser Selbsteinschätzung regelrecht darum reißen, ihn zu veröffentlichen, während sich selbst mit einem Bein im Mainstream stehende Vollprofi-Szenegrößen wie John B von seiner zuweilen eher Richtung Underground-Darkness neigenden Musik sehr beeindruckt bekennen. Seine neuste EP kommt über Alix Perez' Label 1985 Music und bietet vier Tracks an im besten Sinne modern klingender Drum'n'Bass Musik. Quartz agiert dabei schon sehr Club-orientiert, aber doch auch mit gewisser Sounddesign-Weirdness.
Rainforest - Murk Patterns (Offish Productions) Um
die internationale Drum'n'Bass-Szene dreht sich so ein vager Rand, in
dem sich mehr vermengt und überschneidet als einem oft bewusst ist, und genau das sieht
man auch mal wieder an diesem Release: Sowas wie die Kernkompetenz des polnischen Label Offish-Productionsist der düsterere und durchaus etwas härtere, auch zum „Halfstep“
neigende Kram, dem der Mexikaner Rodrigo Alvarez alias Rainforest hier
entspricht, welchen ich wiederum bisher eigentlich vor allem wegen
seinen zwei sehr, sehr coolen Dubwise-7"-Releases über das Leipziger
Spezialisten-Label 45Seven kannte. Zu den Kollaborateuren auf dieser 12" gehören dann unter anderem auch der Macher des Londoner Labels Repertoire,
sowie die Seattle-Connection von Heatwave und dem irgendwie auch fast
schon allgegenwärtigen, für seinen ganz eigenen Stil bekanntem Homemade
Weapons. Da kommt einfach so viel zusammen, dass es einem als Aficionado
für die spezielleren Nischen des Drum'n'Bass-Genres unmöglich ist, hier kein Instant-Interesse zu haben. Wie immer bei Offish gibt's verschiedene Formatoptionen und Bundles: Auf die 12"-Version hat man dieses mal jedenfalls 6 Nummern zu quetschen geschafft, CD- und Digtial-Version kommen mit vier weiteren Tracks. Die Tunes sind irgendwo zwischen Atmo-Jungle, Tribal-Halftime und auch mal eine kleine Ecke darker und härter ("Dying Culture") unterwegs und natürlich ist die Homemade Weapons-Kollabo etwas wilder ausgeartet. Gewohnter Qualitätsstoff!
Rawtrachs - Ebb and Flow (Multitone Recordings) Sehr
große Sympathien habe ich ja auch für Fabrikanten elektronischen Krams,
die sich mit gewisser Roughness und ohne zu genau auf die gängigsten
BPM-Bereiche für generisch genormte DJ-Mixe zu schielen unbekümmert eher zwischen den Schubladen englischer Club-/ Rave- und Soundsystemmusik ausprobieren. Anand Patel alias Rawtrachs z.B. war vor so zwei Jahren noch mit einer 10" über das für genau sowas bekannte Label WNCL Recordings in Erscheinung getreten und präsentiert uns hier jetzt vier Tracks via Multitone Recordings,
die es - wie bei diesem noch relativ jungen Labe mit eigentlichem
Drum'n'Bass-Schwerpunkt üblich - nur auf Vinyl, bzw. digital allenfalls
als verkürzte 2½ Min Snippets zu hören gibt. Die beiden Tracks der
A-Seite gehen dabei tatsächlich am ehesten in Richtung
Halfstep-Drum'n'Bass, wobei das auf den junglistischen Titeltrack noch
am meisten zutrifft, das eröffnende "Mutiny" in puncto Sound und Tempo
aber etwas ungewöhnlicher ist. Die
B-Seite wird dann allerdings völlig bekloppt, denn "Konstrucht" ist ein ziemlich weirdes Teil mit Industrial-Tendenzen und beiläufigem
Dubstep-Schulterblick, während das abschließende "When it Feels Right"
auf Four-to-the-Floor-Grundlage klopft und dabei echt ganz geil ist. Und
eine Welt, in der es immer noch Platz für sowas in Form einer
physischen Veröffentlichung von und für Liebhaber, Spezialisten und
Weirdos gibt, die ist eine Welt, die dann immerhin noch nicht komplett
hoffnungslos beschissen geworden ist!
v.a. - Disciples of the Unreal II (Ohm Resistance) "From every corner - we come correct with the drum n bass intellect." Zwanzig Jahre nach der ersten "Disciples of the Unreal" Compilation-EP gibt's ein Sequel im Doppelalbum-Format, mit dem sich das geschätzte Ohm Resistance Label nach einigen etwas schwammigeren Jahren wieder in die Spur bringen möchte. Zwei Nummern des letzten Medium-Albums - eine davon mit Star-MC Flowdan und Multigenre-Tausendsassa Eraldo Bernocchi - gibt's hier dabei in Remixfassungen von Labelboss Submerged und Industrialist Slave To Society zu hören, unter den weiteren sches Nummern finden sich dann u.a. auch der Metalheadz-und Dispatch-erprobte Australier Jaise mit einem Tune im erwartet Junglewurzel-nahmen Flavour oder bisher unbekanntere Namen wie Anika D mit diabolischer Neurofunk-Schlagseite ein. Dazwischen knallt der typische Ohm-Sound von Submerged, Scartat oder Rawbreaker durchaus etwas derber, denn man lehnt in diesem Hause halt auch schon mal eher Richtung Punk. Das Vinyl ist zwar noch nicht im Haus, aber.
Honorable Mention: Unknown Artist - Requiem 4 Dreams EP (Fokuz/ Vibez '93) Sorry, not sorry: Nicht alles, was das Rotterdammer Label Fokuz bzw. das Subunternehmen Vibez '93 so an Popsong-Mashups, Hip-Hop-Verwurstungen,
Reggae-Remixen etc. auch für die unverbesserlichen Vinyl-Fetischisten
in die Öffentlichkeit entlässt wär' immer so wirklich notwendig, aber
eine ziemlich coole Jungle-Kombination der bekannten "Reqiem for a
Dream"-Overtüre (und ja, ich weiß, gab's wohl u.a. vor über zwanzig Jahren auch schon mal als muddy Tearout-Techstepper aus dem Hause Renegade Hardware...) mit brummender Reese-Bassline und komplex klöppelndem Amen-Workout an der Breakcore-Grenze? Ich bitte Euch, Leute, das kann man unmöglich nicht gut finden.
"Halbzeit"! Ehrlich gesagt war ich kurz davor, das hier dann doch mal wieder ganz zu lassen, aber whatever, wir ziehen das zumindest diesen Sommer dann doch noch mal wieder durch... Bei Post zwei von drei diesen Monat werden wir uns der Welt der Clubmusik des Jahrgangs in physischer Tonträgerform widmen, beim dritten dann allen aktuellen Langspielalben und ähnlichen Veröffentlichungen verschiedenster Krach-Couleur. Heute: Alles andere.
Editorial
Leute, wir müssen da dann jetzt doch noch mal (schon wieder) ganz offen und ehrlich drüber reden: Das mit den Vinyl-Preisen geht so jetzt wirklich nicht mehr weiter und macht keinen Sinn mehr. Beispiele? Okay: Das neuePeaches Album "No Lube So Rude" finde ich ja echt ganz spaßig und hätte es mir daher ja gerne auch als LP geschossen. An die irgendwie etwas hässlich aussehende blaufarbene Version der Platte, die hauptsächlich in Europa vertrieben wird, kommt man aber über reguläre Vertriebswege nicht unter 30 bzw. nur so für um die 35 Euro (exklusive Versand etc.) ran. Will man sich die cooler aussehende "Veiny Vinyl" Version haben, so muss man sich diese via Bandcamp aus den USA bestellen, und das kommt dann mit allem drum und dran auf mehr als €70 für eine Einzel-Platte. Nope, just nope! Gnauso ist's mit diesem gehypten DJ Haram & Sha Ray Teil: 35 für die Einzel-LP. Sorry, aber nope. Möchte man diese "Record Store Day 2026 Edition" von Zeni Geva & Steve Albini's "Superunit: Maximum Implosion" 2LP (Skin Graft) besitzen, kommt mal eben locker auf 'nen Fuffi oder mehr. Noooope. Die aktuelle Ooioo / Lightning Bolt Split? Bei Thrill Jockey Platten steht auch immer schon die Drei vorne. Die Reissues von Girls Against Boys Alben via Touch & Go? Bekommt man hierzulande auch nicht, ohne dass für die LP alleine was um die €30 aufgerufen wird. Und wenn ich die ersten beiden OM Alben nicht schon im Plattenregal hätte, dann wäre deren Reissue-Preise hier jetzt sicherlich der nächste Stein zum dran anstoßen. Dann etwa auch noch: Massive Attack's "Boots On The Ground (feat. Tom Waits) / The Fly" 12" Single via PIAS.
"Manufactured using recycled materials, with proceeds donated to the
American Civil Liberties Union and the US Immigrant Defense Project" hin
oder her, weswegen man es eigentlich schon gar nicht mehr bemängeln
möchte, auch ma' eben um die €30 für zwei Songs. Nebenbei bemerkt hatte ich mir letztens Jahr etwa auch schon die 2LP-Wiederveröffentlichung von NIИ's 2005er Mittelmaß-Album* "With Teeth" geklemmt, weil für die dann irgendwas zwischen 40 und 50 aufgerufen wird (*2-3 sehr geile Nummern waren halt trotzdem drauf und ich halte eine sehr coole der Remix-EPs dazu in Ehren). Obendrauf könnte man dann jetzt auch noch bemängeln, dass inzwischen die wenigsten dieser superteuren Platten mit Download-Code dazu kommen, aber gut, da bin ich wohl halt auch selbstgewählter Teil einer Minderheit, wenn ich kein Shitify o.ä. nutze. Sicher spielen da neben gestiegenen Rohstoff-/ Herstellungskosten gerade bei Releases von etwa kleineren Indielabels aus Übersee bestimmt auch noch weitere wirtschaftliche Faktoren mit rein, in deren Hintergründe und Details man nicht so den Einblick hat, aber das geht so nicht mehr weiter. Und es geht auch nicht um die Frage, ob ich mir das leisten kann oder möchte, sondern „um‘s Prinzip“ bzw. um die Frage, ob man diese Luxusgut-Entwicklung so wirklich noch mittragen will. Sicher, jetzt kann man mit sich selbst solche Spielchen spielen wie sich alles erstmal länger übers Internet anzuhören bis man entscheidet, was man denn wirklich auch als Tonträger haben „muss“, generell noch mehr filtern, oder dem physikalischem Medium doch noch ganz entsagen und sich das einfach nur auf Bandcamp ziehen um's mit einem mp3player zu hören oder was auch immer, Umstand bleibt trotzdem bestehen: In entsprechenden Shops auf die aktuellen Schallplattenpreise gucken macht jedenfalls im Moment wirklich keinen Spaß mehr. Musikbiz-Berufler: Macht was dagegen, weil geht so nicht weiter!
Noch was?
Einen „Whaaat the fuckin‘ Fuck!?!”-Moment gab’s mit der News, dass Sleep nun in einem Line-Up mit Dale Crover an den Drums und Bubba Dupree (Void, Brant Bjork) exisitieren, der erste Song(-Edit von 04:20 Länge, natürlich) ist draußen. Und wird als Flexi-Disc im Bundle mit einem Comicheft verkauft. Whot? Ich bin ja wirklich Fan von Al Cisneros, weil ich sowohl OM als auch seine Dub-Solosachen mag, und bin ja tatsächlich gar nicht mal der allerallerallergrößte Fan vom High on Fire -Gerödel, aber dass es die Stoner-Doom-Titanen nun im sediert-harmlosen Sabbath-Worship-Modus ohne den bekloppten Matt Pike an der Gitarre gibt ist… verwirrend? Und verdeutlicht einem dann vielleicht auch noch, wer der noch Beklopptere der beiden ist?
Dieser Angine De Poitrine Hype wiederum ist schon irgendwie witzig, oder? Emily Hopkins' Analyse vor dem Hintergrund sich ihre/ seine eigene Weirdness zuzugestehen und allgemeiner zum Thema Kunstverständnis etc. fand' ich übrigens ganz gut. "Keep goin' and be weird. We like weird." Abgesehen davon hat sie bei ihrer respektvoll formulierten Beobachtung zur Rick Beato’s Reaktionsvideo völlig Recht, dass so einiger Content, der da draußen viele Zugriffszahlen einfährt, in der Sache eigentlich völlig über ist. Jedenfalls wird das wahrscheinlich mal ‘ne echt interessante Authentizitätserosion…
Ähnlich ist's mit einem vermeintlichen Hype um π. Διονύσιος Ταμπάκης, ein griechisch-orthodoxer Priester, der nebenbei "devotional microtonal drone Music" fabriziert. Wir leben wahrsheinlich in den seltsamsten aller Zeiten.
Gewalt hätte ich mir ja angeguckt, wäre das Konzert in der Zeche Carl nicht wegen zu geringem Zuspruch im Vorfeld abgesagt worden. Wasser auf meine Mühlen, dass man im Troglodyten-Ruhrgebiet zwar generischen Provinzstudentenpunk, der auf asi tut, und klischeetriefendsten Bauern-Metal von und für Ü40-Bandshirt-Spießer haben möchte und haben kann bis der Pathologe kommt, wirklich gute Musik und tatsächlich interessante Bands jetzt aber nicht so wirklich gefragt sind.
Sich dann an einem Abend die "Blokes you can trust" aka Cosmic Psychos (I really, really, really like Beer!) in der traditionellsten Konzertkaschemme Totenhosenhausens und am folgenden den abstrakten Ambient-Dubgaze von Seefeel in einem der audiophilsten Clubs überhaupt gegeben zu haben war tatsächlich das wohl größte Kontrastprogramm, was so möglich war. Auf den Sommer einläutende Dub-Soundsystem-Outdoor-Sausen und Jungle-Tanzeskalationen gehen wir dann jetzt mal nicht ein...
Was Selbstbeobachtungen betrifft ist's dann ferner ja schon irgendwie komplett seltsam, dass ich mir inzwischen dann sogar mal 'nen zwanzig Jahre alten Vocal-House-Hit auf Platte schieße, der mir seinerzeit komplett egal war, während mich alles auf dieser Bandbreite von Häwiemeddl-Revival bis Grindcore-Geballer derzeit einfach nur überhaupt gar nicht mehr interessiert. Ich verstehe das tatsächlich selbst immer noch weniger, aber es ist wie es ist.
Von Einstürzende Neubauten gab's dann übrigens auch noch ein "46th Anniversary Concert" mit neuer Bassistin aus dem Proberaum ins Weltnetz gestreamt:
Und auch wenn ich persönlich oft nicht der allergrößte Fan von so Jazzer-Herangehensweisen an andere Musikstile bin, sind die belgischen Echt! (zu denen unten auch noch mal was…) eine Band, die meine Aufmerksamkeit erlangen konnte, denn die Liveband-Interpretation von eher Club-/ DJ-/ Soundsystem-Kultur-wurzelndem Stuff ist dann wiederum doch etwas, das ich spannend finde. „Think outside the Kiosk“:
Was wir dann auch noch hätten: Diesen verhältnismäßigen Hype um die italienischen Messa kann ich zwar mal wieder nur bedingt nachvollziehen, da aber Doom mit mehr oder weniger traditionellmetallischer Prägung, sakralem Vibe und weiblicher Singstimme durchaus auch irgendwie immer geht, sei ihre "Nel Posto Live Session" auch mal geteilt:
Gear Gier und den Musikus markieren?
Equipment Talk und #FirstWorldProblems: Ich bin ja durchaus so ein bisschen Fan von Polyend's Grooveboxen und benutze aktuell tatsächlich welche davon auch gar nicht mal so wenig bei einigen meiner fragwürdigen Hobbygehversuche in Richtung elektronischer Musikproduktion, aber dass deren neuer Drumcomputer preislich exakt in der gleichen Oberliga spielt wie Roland's ebenfalls noch relativ frischer, sehr teurer TR-1000, das lässt mich dann ja eben doch auch direkt davon absehen, mir diesen (oder jenen) nur zum damit auch mal gelegentlich rumspielen in die Bude holen zu wollen, denn in Warschau scheint man ja inzwischen ernsthafte Ansprüche zu hegen, den Schweden (Elektron, Teenage Engineering) auf mehr als nur einer Ebene Konkurrenz zu machen. Man darf wohl auch auf die Vergleichsvideos diverser Synthfluencer-Nerds gespannt sein, die sich im Kürze dann sicherlich auf Youtube dazu so ansammeln werden. Ich selbst schiele derweil dann allerdings bei allen haptischen Knöpfchendreher- und Pad-Fingerdrummer-Vorlieben doch erstmal eher in Richtung von sowas wie 'nem Ableton-Lizenzupgrade zur Weiterverfolgung der kreativen Selbstverwirklichungsambitionen, anstatt derart teure Spielzeugstaubfänger zu akkumulieren, bei denen das alles jetzt gerade auch echt absurd wird... Aber das nur mal so nebenbei.
...but you're so digital, digital for me...
Musik metaphysisch. Nur Nullen und Einsen statt Tonträgerstaubfänger. Grundsätzlich quer durch alles, was wir hier jetzt relevant finden, aber ein deutlicher Schwerpunkt liegt bei Breakbeats und Basswucht. An dieser Stelle müssen wir dann auch noch meine Verwunderung darüber aufgreifen, dass Richard D. James alias Aphex Twin alias user18081971 so einige seiner Soundcloud-Dumps der letzten Zeit wieder entfernt hat, kaum dass ich es hier mit aufgegriffen hatte. Ob
er sich wohl von der Plattenfirma zu irgendeinem offizielleren Release
davon hat überreden lassen und es deswegen runter nehmen sollte oder
sowas? Es bekräftigt mich Streaming-Skeptiker
jedenfalls mal wieder in meiner Haltung, dass es diese fortschreitende
Volldigitalisierung von allem auch nicht so wirklich sein kann, und
einen nichts selbst zu besitzen eben doch nicht happy machen wird. Jedenfalls habe ich für die folgende Auflistung dann jetzt mal ganz bewusst noch etwas mehr gesiebt, anstatt wirklich jede halbwegs passable Drum'n'Bass-Digitalsingle, die mir die letzten sechs Monate so untergekommen wäre mit rein zu nehmen (denn das hätte dann wohl ziemlich den Rahmen gesprengt):
Christopher Franke - Babylon 5 (...) Original TV Soundtracks (Sonic Images) Da ich sowohl Fan der frühen Tangerine Dream bin, als auch back in the day die 90er-SciFi-Serie Babylon 5 förmlich geliebt habe (zuletzt habe ich sie tatsächlich im ersten Corona-Lockdown 2020 noch mal „gebingt“), ist's für mich absolut eine Erwähnung wert, dass Ex-TG-Mitglied Christopher Franke diverse Veröffentlichungen von seinen Soundtrack-Scores mit "Lossless"-Etikett auf diverse Streaming- und auch Download-Plattformen geschoben hat (Shitify, Apple Music, YouTube Music, Amazon Music, Pandora usw.). Compilation-Alben der Musik genauso wie die Scores zu spezifischen Episoden. In dem Moment, wo ich das hier schreibe, umfasst die Liste an "allgemeinen": - Babylon 5 Vol. 1 (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Vol. 2, Messages From Earth (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 In The Beginning (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 The River Of Souls (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Thirdspace (Original TV Soundtrack) - The Best Of Babylon 5 (Original TV Soundtrack) Und an "episodischen": - Babylon 5 Into The Fire (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Chrysalis (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 The Ragged Edge Fire (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Falling Towards Apotheosis (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Severed Dreams (Original TV Soundtrack) - Babylon 5 Sleeping In Light (Original TV Soundtrack) Weitere sollen noch folgen. Sicher klang Franke's Style zwischen New-Age-Sound und Cubase-produziertem Orchestral-Kleister im TV-Budget eigentlich schon damals eher ziemlich altbacken, da aber auch der jährliche Tangerine Dream Binge bei mir so ein Ding ist, sollte ich dem vielleicht auch mal einige von Franke's Soundtrack-Arbeiten hinzufügen. Nebenbei: Auch wenn die futuristischen Aspekte der Serie heutzutage natürlich komplett überholt 'rüberkommen, und ich sie in diesem Leben jetzt tatsächlich nicht noch mal das zwölfte mal wieder sehen müsste, sind ihre Handlungsstränge über Krieg, politische Intrigen, Ausgrenzung usw. ja leider in regelrecht prophetischem Ausmaß tatsächlich aktueller denn je. Ein weiterer Fun-Fact zum Schluss: Den Soundtrack zum Pilotfilm der Serie hatte zunächst kein Geringerer als The-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland fabriziert, und von dem bin ich ebenfalls durchaus Fan.
Echt! - Boilerism Remixes (Sdban Records) Durch das diesjährige Roadburn-Lineup
bin ich auf eine belgische Band mit dem wohl nicht ganz glücklich gewähltem Namen Echt! gestolpert. Echt! jetzt? Ja, Echt! jetzt. Die offensichtliche Neu!-Referenz ist dabei allerdings auch fast schon etwas irreführend, denn Echt! sind bei aller Liebe definitiv mehr als die erwartete Neokraut-Parade, die Klaus Dinger’s Motorik a.k.a. „die lange Gerade“
imitiert o.ä., sondern verstehen sich als Future-Jazz-Band, die sich
mit Live-Instrumentierung Bass-/ Clubmusic-Stilistiken nähert. Und wisst
Ihr was? Sowas ist dann ja auch echt(!) mal eines der „Total mein
Ding“-Dinger(!)?! Okay, genug gekalauert. Dass
es zum Zeutpunkt meiner Entdeckung noch kein halbes Jahr her war, als sie wohl tatsächlich nur so ca.
zehn Fußminuten von meiner Wohnung entfernt live gespielt haben und ich
sie da eben noch nicht auf dem Radar hatte, das ist dann jetzt
natürlich fast schon etwas ärgerlich, aber es ist wie es ist, und ich habe mir tatsächlich letztens ihre aktuelle LP "Boilerism" geschossen. Bei dieser digitalen Remix-EP beweisen sie ferneren Geschmack, indem sie u.a. Junglist Fracture ranlassen, dessen "Razor" Remix auch ziemlich bockt. Das niederländische Duo Zohar & Nymfo ist auch schon für experimentellere Anwandlungen der Drum'n'Bassmusic bekannt und hat aus "Boilerbeek" was cooles gedreht, Yheti betont die trappige Dubstep-Schlagseite von "Wacky Wave" noch mal und zum Schluss gibt sich dann auch noch die Planet Mu-erprobte Jana Rush aus Chicago die Ehre. Sehr cooles Teil, hätte ich mir als Platte durchaus auch noch geholt!
Enduser and Cabeabel - Endzeit (Decay) Schon schade, dass ausgerechnet "Endzeit" eine Nummer aus Enduser's neuerem Schaffen ist, die es nicht mit auf seinen aktuellen 2LP-Release schaffte und lediglich digital in die Öffentlichkeit entlassen wurde. Wuchtig-fetter Hart-Drum'n'Bass mit fernöstlichen Chorvocals hinter der Reese-Säge ist nämlich schon auch irgendwie was, das ich ja doch ziemlich geil finde!
Exit Electronics - I‘m Your Beggar (Avalanche Recordings) Zu den vielen Sachen, die Justin Broadrick so fabriziert, kam auch mal wieder ein Digital-Release unter dem Banner Exit Electronics dazu, mit dem er Industrial-/ Noise -lehnende Soundexperimente raus tut. Beim aktuellen Name-you-Price-Release "I‘m Your Beggar" neigt das dann mit drei längeren Tracks (einer davon fast eine Viertelstunde) und einem Fünfminüter noch mehr Richtung einer chaotischen Harsh-Noise/ Power-Electronics/ Death-Industrial-Hölle als gewohnt.
Fanu - Weight Of Water (Fanu@Bandcamp) Von dem, was der Finne Fanu so produziert trifft ja nicht ehrlich gesagt auch nicht immer alles so wirklich 100%ig meinen Nerv, aber ich habe sehr, sehr großen Respekt davor, dass und wie er an musikalischen Rahmen-Formen eher 90er-lastiger Jungle-/ DnB-Sounds und -Styles festhält, mit denen man sich immer noch in einer gewissen Unberechenbarkeit ausdrücken kann, anstatt dem Rest der Clubmusik-Welt auf den Mainfloor der simplifizierten und kaputtkomprimierten Grellklang-Bratzigkeiten zu folgen. Über drei Tracks exerziert er genau das hier auf Champion-Niveau und wirft dann noch so was wie ein hip-hoppiges ChillOutro hinterher. Kippis!
Opalglas - Vagile (Zeitgeister) Tatsächlich war mein Erstkontakt mit der Bonner Zeitgeister-Clique ja, Jahre bevor es das Label wirklich gab, dass mir mal jemand bei einem Festival eher völlig zufällig eine CD-R seiner Black-Metal-Band Klabautamann in die Hand drückte. Bei eben jenen spielte auch mal der Drummer der von mir sehr geschätzten Schräg-Metaller Valborg, deren Gitarrist wiederum auch unter Opalglas firmierend elektronische Musik veröffentlicht. "Vagile" ist eine 26 Tracks starke Digital-Compilation, die verschiedene vorangegeangene Opalglas-Veröffentlichungen durch verschiedenste musikalische Gangarten bündelt. Und das erstreckt sich über eine Breite von sonoren Ambient-Klanglandschaften und sowas wie experimentellem Techno bis zu godfleshigem Industrial-Lärm.
Paling - Galore (Zeitgeister) Fast hätte ich es hier nicht mit aufgeführt, weil's vielleicht besser als „Honorable Mention“ in den noch kommenden Post mit den bisherigen Krachmusik-Alben des Jahrgangs gepasst hätte, aber eigentlich passt's auch hier ganz gut direkt unter Opalgas, denn neben einer Compilation seines Elektroniker-Soloprojekts hat Christian Kolf dann auch schon wieder was von einer weiteren Nebenband draußen: Das bisher nur digital veröffentlichte Album "Galore" des Quartetts Paling ist irgendwo zwischen Alternative-Rock, Shoegaze und Sludge-Doom unterwegs und klingt damit passend zum Titel so ein bisschen wie die Art von Musik, die auch gewisse Visions-Redakteure im Zuge des Frühzehner-Roadnburn-Hypes evtl. hofiert hätten. Dafür sind Paling jetzt natürlich schon so zwölf Jahre zu spät dran, aber immerhin kann stattdessen ich sie ja dann jetzt gutfinden, Zwinkersmiley.
Pugilist - Corporate Consultant Gets Fed Through Wood Chipper (Pugilist@Bandcamp) „I wanted to sample my favorite Miles Davis album Bitches Brew for ages, and this tense jungle tune came together as a result. Available to grab for free or pay as you want - to show gratitude for all the support lately!“ Wer jazzy Jungle in mehr oder weniger Photek'scher Manier mag ist auch bei dieser Nummer richtig, weil: Krasser Track!
Rozzer - Convolution EP (Logical Direction Recordings) Rozzer - Diagnosis: Murderation Rozzer - Undead Trax Rozzer - Yard Praxis (Extreme Ultimate) Kenner kennen Matthew Rozeik von seiner alten Instrumental-Metal-Band Astrohenge oder dem inkl. Roadburn-Auftritt alles von Industrial-Doom über Dark-Ambient bis Kraut-Techno durch habendem Duo Necro Deathmort, allerdings scheint er unter seinem Solo-Alias Rozzer derzeit aktiver denn je: Eine neue EP namens "Convolution" widmet sich mal wieder eher darkem Jungle/ Drum'n'Bass, zwei weitere via Extreme Ultimate driften noch mehr zu old-school-junglististischen Rollern und dann gab's mit "Yard Praxis" letztens auch noch sieben Tracks „bouncing vaguely between the surfaces of electro, footwork, and halftime with a lean-but-rugged analogue construction.”
Scartat - My Show Now (Ohm Resistance) Man kann es ja schon so sagen, dass Ohm Resistance durchaus
auch ein Label für Experimente zwischen Dub und Krach, Jazz und
Industrial, von Ambient-Gangarten bis zu Metal-Schlagseiten usw. ist, aber zu
den Wurzeln seiner Königsdisziplin kehrt es dann doch auch immer wieder
mal zurück. Jene ist good ol' Tearout-Drum'n'Bass, wie ihn uns Scartat aus Kanada hier serviert. Und das mag ich!
Tad Doyle - Lodged In The Bosom Of An Empty Universe (Incineration Ceremony Recordings) Warum genau Tad Doyle - wäre ich einer dieser unerträglichen Vollprofi-Phrasenfetischisten vom Visions Magazin, dann würde ich ihn jetzt wohl als sowas wie den „vergessenen Gottvater des Grunge“ oder „heimlichen Paten des Seattle-Sounds“ o.ä. deklarieren - seine wirklich geile Doom-Band Brothers of the Sonic Cloth (die auf dem Zenit des Roadburn-Metal-Hypes ein wirklich sehr geiles Album veröffentlichte und ein paar wenige Gigs spielte) so schnell wieder ad acta legte, das habe ich ja zehn Jahre später immer noch nicht so ganz gerafft. Solo fabriziert er jedenfalls inzwischen Musik von Synthesizer-Drone bis zu neoklassischen Soundtrack-Ambitionen, was man sich u.a. via Bandcamp geben, oder ihm sogar bei Live-Synth-Jams buchstäblich auf die Finger schauen kann. Und das fast halbstündige Stück "Lodged In The Bosom Of An Empty Universe" gibt's dann auch noch mit visueller Komponente:
Technical Itch - Ambient 009 (Tech Itch Recordings) Während Corona hatte ja auch Techstep-/ Tearout-DnB-Altmeister Mark Caro alias Technical Itch die Entschleunigung für sich entdeckt. Drei Jahre nach der letzten Ausgabe gibt's auch von ihm nun mal wieder einen Schwung Ambient-Jams, die seinen kühlen SciFi-Sound dann auch mal ohne Breakbeat-Eskalationen rausgießen. Auf der anderen Seite des Spektrums ist im Übrigen auch weiterer Sol Invicto Metal-Drum'n'Bass mit Deftones-Gitarre und Cypress Hill-Percussion angedkündigt!
Veak - Back To The Roots (Veak Music) Würde man es unbedingt überkritisch formulieren wollen, dann könnte man dem Franzosen Julien Petit alias Veak vielleicht vorwerfen, ziemlich generische DJ-Tools am Fließband zusammen zu puzzeln, und wär‘ damit jetzt nicht allzu weit von der objektiven Wahrheit entfernt. Der Titel "Back To The Roots" steht im Fall dieser 9-Tracks-Zusammenstellung jedenfalls für Jungle-Music mit starker Dub-/ Reggae-Schlagseite – und das ist für den Sommer doch mal genau das richtige?!?
v.a. - 15 Songs 15 Years by MPM Radio (My Proud Mountain) Und zum Schluss hätten wir dann auch eine Jubiläums-Compilation vomMy Proud Mountain, auf der neben Townes von Zandt Coversongs von etwa Neurosis' Steve Von Till oder Doom-Gottvater Wino dann etwa auch noch Amenra unplugged, Ambient von Peter Wollf, LoFi-Black-Metal von Na Zarot, Industrial-Noise von Sanford Parker und Instrumental-Doom/ Post-Metal-Bands wie The Light Below, Tesa und ORT zu hören sind:
Reissues und so... The
Prodigy - Firestarter (X30) (XL Recordings) Muss man dieser Stelle dann jetzt allerdings auch mal mokieren: Dass noch
2022 eine einseitige Platte mit Andy C’s drum’n’bassigen Remix von The
Prodigy’s "Firestarter" (mit leichter Verspätung) zum 25jährigen
Jubiläum besagter Single/ EP in die Welt entlassen, und nun zum 30jährigen
auch noch mal
ein remasterter Re-Release der alten Maxi-Single rausgetan wurde, bei
dem die
Instrumental-Version und der "Empirion Mix“ der
Originalveröffentlichung erhalten blieben, besagter Andy C Remix aber
die
ursprüngliche Rummsbumms-B-Seite "Molotov Bitch" ersetzt, das ist
dann auch schon wieder ein leicht ärgerlicher Kopfkratzer für die
geneigten Clubmusik-Enthusiasten,
die sich vor’n paar Jahren noch besagte einseitige 12" mit in den
Auflege-Plattenkoffer
gequetscht haben, und erst recht für die saturierten Nostalgiker mit
Vinyl-Fetisch,
die im trägen Kopf noch mal ihre Jugend wiederaufleben lassen wollen
(bzw. für die Zeitgenossen, bei denen das beides zusammenkommt. Hallo!).
Ich erzähle Euch jetzt aber, warum ich mir das Teil tatsächlich dennoch geschossen
habe, obwohl ichdie alte Digipack-CD sogar noch habe und auch die Andy C Remix Platte schon in DnB-DJ-Sets einzubauen
versuchte: Der eine Grund ist tatsächlich der gänzlich profane und dabei aus meiner total dilettantischen Hobbyisten-Perspektive vielleicht auch etwas
bekloppte, dass sich auch die
Original-Nummer und im Grunde genommen ebenfalls der Empirion Remix,
zumindest von
ihrer grundsätzlichen BPM-Lage her usw. durchaus ganz gut mal mit gewissen
anderen
Sachen mixdiscjocken lassen. Und
für einen weiteren hole ich dann jetzt noch mal etwas weiter aus: Auch wenn es
mit ziemlicher Sicherheit genug Musikklugscheißer und
Geschmackspolizisten, sowie Szene-Gatekeeper und Underground-Elitisten
von
allen Seiten geben wird,
die sich dem damals wie heute komplett verwehren wollen, anti sein
müssen und
das krampfhaft anders sehen werden, hat
"Firestarter" durchaus eine musikhistorische Signifikanz. Ich würde
sogar so weit gehen, dass es sowas wie das "Smells Like Teen Spirit" der
zweiten Neunziger-Hälfte war. Sicher war "Big Beat" und der Crossover der tendenziell mainstreamigen Rock-Welt mit elektronischer Clubmusik, als sogar ein David Bowie drauf aufsprang, die Oasis-Typen hier oder da bei
sowas mitmachten, jede zweite Alternative-/ Metal-Band irgendwelche,
eigentlich niemanden interessierenden Remix-Versionen als
Veröffentlichungsfüllmaterial verpasst bekam und die Sounds von Acts
wie Propellerheads, Crystal Method, Apollo440, Fatboy Slim und co. in
Film und Werbefernsehen dann noch mal für
1-2 Sommer allgegenwärtig waren, in Teilen auch ein
Musikindustrie-gemachter Hype, der sich dann ins neue Jahrtausend rein sehr schnell wieder selbst überlebte. Die
Tatsache, dass das damals
den meisten Metal-Leuten zu doof war (weil für jene alles, was nicht Meddl ist
doof ist), den Indie-Leuten auch zu Stadion und zu albern, und vielen
Techno-Leuten dann auch doch zu viel Rock-Krawall, die konnte aber nicht
verhindern, dass ich für meinen Teil, zwar jetzt auch nicht alle
Auswüchse, aber doch auch einiges daran und davon ja eigentlich ganz
geil fand. "Firestarter" war in der Tat die Initialzündung einer kürzeren Phase,
in der es zum Lebensgefühl Einiger gehörte, so manchen Abend genauso zu
Underworld und den Chemical Brothers wie zu Faith No
More, Type O Negative, Sepultura, Kyuss oder auch "New Noise" auf verräucherten Clubtanzflächen zu stehen, schaukeln und springen. Das letzte Aufbäumen der
Alternative-/ Crossover-Neunziger, an denen halt zugeben schon vieles albern und über,
aber eben mitnichten
alles schlecht war. Und auch wenn ich wirklich alles andere als ein
nostalgischer Typ in der Midlifecrisis bin, der Vergangenes übermäßig idealisieren
würde oder ähnliches, muss ich schon zugeben, von diesem damaligen Lebensgefühl und den Vibes seines dunkelbunt-energischen Soundtracks heutzutage dann ja doch so ein bisschen was zu vermissen. Weswegen ich auf Peak Prodigy - Kirmes hin oder her - eine wirklich nur positive Perspektive habe!
Ranking
Barnabas - The Cold Crusher
(Jamdung) Wenn
die Dortmunder Dub-/ Reggae-Instanz Helmut Philipps es geschafft hat,
seinen persönlichen heiligen Gral einer Superrarität des Genres zur
Neupressung mit anzuschieben, dann sollte man als jemand, der mit derartiger
Musik auch nur ansatzweise was anfangen kann, wohl durchaus mal
hinhören. Der letztes Jahr mit 65 verstorbene Stanley Bryan alias (Ranking) Barnabas gehörte in den 70ern zu den Original-Protagonisten der ursprünglichen Dub-Szene in Kingston, und war genauso wie etwa King Tubby, Lee Perry, Scientist oder Prince Jammy im Channel One Studio aktiv. Dort "dubbte" er einst Material von einer Band mit u.a. auch der legendären Rhythm-Section Sly & Robbie dabei, während er ebenfalls legendäre Phil Pratt außerdem an der Aufnahme beteiligt war. Und es soll nur sehr wenige Menschen geben, die im Besitz eines Exemplars der amerikanischen Kleinauflagen-Originalpressung von "The Cold Crusher" sind, dessen exaktes Release-Date sogar nicht mal so richtig klar ist. Die limitierte Neuauflage über das italienische Liebhaber-Label Jamdung kommt mit neuem Cover und einem netten Line-Notes-Inlay und wurde tatsächlich von einem der wertvollen Original-Exemplare „abgezogen“, um dann mit neuem Mastering neu gepresst noch mal in die Gegenwart entlassen zu werden. Und die 10 Tracks instrumentalen Dub-Reggaes mit verhalten Snare-Schlägen sind – seht es mir bitte nach, da jetzt derart unkreative Stereotype wie die Jahreszeit bemühen zu müssen– eine super Addition für den noch überschaubaren Dub-Anteil meiner Plattensammlung, der gerade in den Sommer rein dann immer wieder mal zum tiefenentspannten Vorglühen hervorgeholt wird, bevor zur Open-Air-Dub-Soundsystem-Sause am Kanal 'rübergeschlurft wird oder sowas...
Skream -
Midnight Request Line / I
(Tempa) Dass Label wie Deep Medi Musik oder eben Tempa hier und da auch
immer wieder mal fünfzehn bis zwanzig Jahre alte Singles/ EPs neu pressen macht absolut Sinn, denn auch die mitunter so aufgerufenen Gebrauchtpreise
von Mitt-/Spätnuller-Dubstep-Schallplatten arten manchmal so irre aus, dass man es echt kaum
noch nachvollziehen kann.
Mutmaßlich ist das dieses Phänomen, dass die Leute, die damals jung zu
sowas
getanzt haben jetzt um die 40 sind und in einigen Fällen tatsächlich die Kohle dafür lockermachen
können,
sich ihre alten Lieblingslieder noch mal als Tonträger nachzukaufen oder
so. An greisen Hobby-DJs mit neulich mal neu
entfachter Liebe zu elektronischer Basswucht wie mir kann’s kaum liegen, denn wer würde
sich für's benebelte Auflegen in ‘nem AZ-Kneipenkeller allen Ernstes einen Schwung abgenudelter 45er für ’nen Fuffi pro Exemplar oder so schießen? Jedenfalls ist Skream’s 2005er "Midnight Request Line"
auf jeden Fall einer dieser Klassiker, den wirklich jede/r, die/ der irgendwann zwischen damals und gerade eben schon mal zwei, drei Dubstep-Mixe gehört hat, hundertprozentig schon mal gehört hat. Für Einige soll's sogar nicht nur „einer der“, sondern „der“ definierende Dubstep-Track sein. Und nach einer 2011er Reissue gibt's eben jenen mit seiner B-Seite "I" nun auch mal wieder neu auf Platte, was ich dann auch wirklich gerne mal mitgenommen habe.
Unsane- Occupational Hazard (Lamb Unlimited) "Is America the next step for teutonic noise rock?" ist eine historische Frage, die ich hier tatsächlich noch nie zitiert hatte... Wenn
man es jedenfalls unbedingt mit einer abgelutschten Musikjournalisten-Floskel
sagen müsste, dann könnt' man jetzt mit sowas kommen wie dass das vor
zwei Jahren dann noch mal in einem neuen Jesus Lizard Album gemündete
„Neunziger-Noiserock-Revival“, das Mitte vergangenen Jahrzehnts in
voller Blüte stand (Dokumentationen usw.
inklusive), dann jetzt gerade schon wieder die finale Kurve zur
Resteverwertung für saturierte Sesselpupser nimmt, die sich Erinnerungen
an ihre wilde Jugend dann gerne auch noch mal als überteuerte Platten
ins Regal schieben, weil man halt auch sonst nicht mehr viel spüren
kann. Es gibt ja zwei Arten von wirklich harter Gitarrenmusik, die
bei mir immer gehen, selbst wenn ich allem anderen an Geballer, Gegröle
und generischem Gerocke gerade irgendwie entsagt habe: Die eine ist
alles unterm Stichwort "Doom": Ein neues Cathedral, Saint Vitus oder
Sleep Album ist grundsätzlich genauso interessant wie die letzte
Bongripper durchaus dauerrotierte, und für rüde Krachmaten wie Conan
oder die tiefste Dunkelheit von Evoken habe ich genauso viel übrig wie
für den politisch motivierten Instrumental-Lärm von Divide & Dissovle oder doomige
Experimentalisten wie Nadja. Und ja, klar: Neurosis. Neurosis, Mann! Die andere umfasst halt alles vieles, was man irgendwie mit dem losen Etikett "Noise-Rock" eintüten kann. Ganz besonders auch Noiserock mit kantig-metallischer Schlagseite, wie eben bei den US-Originalen Unsane. Jene kann ich ja auch nicht komplett unkritisch sehen, denn diese Nummer, wie der als eh nicht so ganz unschwierig geltende Chris Spencer die Band auflöste, nur um sie dann kurz danach doch mit neuen Mitmusikern wiederzubeleben, mit denen er dann jetzt vor allem alte Songs spielt, während die langjährigen Mitglieder Vincent Signorelli und Dave Curran einfach außen vor blieben, das ist schon auch irgendwie so'n bisschen ein Arschloch-Move, der letztgenannte nicht so amüsiert hat Es nützt aber alles ist, denn ich mag die Musik sehr. Über das ursprünglich 1998 auf Relapse Records veröffentliche "Occupational Hazard" kann man wohl sagen, dass es eines der eher etwas sperriger konzipierten Unsane-Alben ist, in all seiner megagewalttätigen Grooviness aber eben auch irgendwie Musik, die mich so abholt wie es wirklich kaum ein anderer Gitarrengebrüllkrawall schafft. Ob ein Remaster wirklich nötig gewesen wäre, das sei jetzt mal dahingestellt, interessant ist aber definitiv auch noch, dass diese Wiederveröffentlichung mit dem Bonus-Track "No Soul" eine rare Nummer obendrauf enthält und die Download-Version auf Bandcamp mit sechs zusätzlichen Demoversionen kommt.
Mix-o-Mania
Klar, auch zur Halbzeit haben wir wieder einige DJ-Sets, Radio-Broadcasts, Streams usw. ... Interessanterweise waren's übern ganzen April dann aber erstmal doch sehr viel weniger als im ersten Quartal, wahrscheinlich auch weil mal ein neuer Schwung aktueller Alben in die Rotation rutschte, vielleicht aber auch weil ich meinen Electronica-Account auf Insta zwischenzeitlich gar nicht beachtete, in den dann doch mal wieder eingeloggt ich dann allerddings aufeinmal doch mal wieder einen ganz Schwung interessanter Sachen aufschnappte:
Laufen wir uns erstmal langsam warm: dBridge spielte letztens im Open Ground Club zu fuckin' Wuppertal ein "Ambient Set" mit u.a. auch Automonic- und Trip-Hop-Stuff. Das hat über die spezielle Anlage dort mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich besonders geil geklungen...
Tasha wiederum hat ein ebenfalls im Open Ground gespieltes, mehr als drei Stunden langes Drum'n'Bass-Set von neulich auf Soudcloud gewuppt
Und apropos Open Ground: Die aktuelle Seefeel-Livebesetzung am Release-Tag ihres neuen Albums im regelrecht Instant-legendären Bunker zu sehen und hören hat mich ja tatsächlich ein bisschen mehr zum Fan gemacht, als ich es vorher wirklich gewesen wäre. Da ist dann natürlich auch gerne Sarah Peacock’s Mix für’s NTS Radio mal mitgenommen, bei dem sie Einflüsse wie Kraftwerk oder Edgar Froese spielte.
Weiter geht's mit allem quer durch den Dubwise-Garten: ZamZam Sounds' "Sounds from the Well" schaffe ich nicht jeden Monat zu hören, aber wenn da doch mal, dann tu' ich's sehr gerne. In der Mai-Ausgabe gab's u.a. ein Gastmix von der japanischen Produzentin G Version III zu hören.
Wenn
man älter wird neigt man dazu, ständig die gleichen Statements und
Geschichten zu wiederholen, deswegen spule ich an dieser Stelle jetzt
nicht zum ersten mal die Meinung ab, dass das sehr geschätzte Label Samurai Music
sich damit, aktuell immer mehr zu einer Ambient-/ Dub-/
Minimal-Techno-geschulten Hybridvariante von Tribal-/
Halftime-Drum'n'Bass im Autonomic-Spirit zu neigen eher von dem
entfernt, was ich persönlich von sowas will, aber natürlich gab's beim
zweistündigen Set von Aerae b2b Presha im "Program Audio" Kabuff auch ein paar Sachen zu hören, die aus dieser Marschrichtung mit etwas mehr Energie hevorstachen...
Nadia Struiwigh spielte letztens auch mal wieder ein paar Live-Jams, wie natürlich z.B. bei der Superbooth oder vom Communion Podcast eingefangen bei Organza in Leiden, NL· besonders erwähenenswert ist allerdings Ihr gestreamter DJ-Set bei der "Sky Stage Brooklyn" vorm HIntergrund eines New Yorker Sonnenuntergangs.
Dass Nia Archives jüngst in einem Interview damit kokettierte, diese DJ-Nummer ja schon immer nur als so eine Art von notwendigem Sidequest auf dem Weg tzum singenden Alternative-Popstar angesehen zu haben, anstatt etwas, das sie wirklich machen wollte, das finde ich ja irgendwie so ein bisschen seltsam, aber ihr jährlicher Besuch beim New Yorker Lot Radio sei ebenfalls gerne mal wieder mitgenommen:
The Lot Radio kooperierte außerdem beim "Horst Festival" mit dem Kiosk Radio und streamte dabei u.a. ein Set von DnB Old School Legende DJ Storm. Sehr cool!
Von der Ost- zur Westküste der Staaten: Der verlorene Sohn Photek kehrt ja nach vielen Jahren, in denen er sich aus LA heraus auf glatten Tech-House-/ EDM-Kram und Zweitliga-Soundtracks konzentriert hat, wieder zu den Drum’n’Bass-Wurzeln zurück. Da ich ja durchaus großer Fan seiner Frühwerke bin sei er willkommen geheißen. Und als ersten Vorboten zu irgendeiner „alte Tracks neue aufgenommen“-Geschichte, die gerade in Mache ist, gibt’s schon mal ein kurzes „MiniMix“ von ihm:
Apropos Junglisten in den USA: Mizeyesis häten wir auch mal wieder! Ihr aktueller Mix fürAmerican Junglist auf Soundcloud
ist zwar ebenfalls sehr spaßig und hörenswert, wir hätten allerdings
außerdem auch noch ein audiovisuell eingefangenes DJ.Set via Central On Air in Cambridge (Boston):
Nun aber wieder nach England... wobei, ne, doch Belgien?! Calling all Junglists massive, denn: Tim Reaper war im Kiosk Radio-Kabuff!
Neffa-T auch noch:
Und die inkl. dubbigem und noisigem Stuff in einem Popsong, für den ich auch schon immer einen Softspot hatte mündende Mischung des Duos Brutal Pony war dort dann außerdem ziemlich sympathisch:
Von Silva Snipa wiederum bin ich Fan, weil jede/r, der/ die bevorzugt Techstep-Drum'n'Bass via Vinyl auflegt automatisch mein Freund ist. In letzter Zeit scheint sie sich ein bisschen auf UKG, housigen Kram u.ä. eingeschossen zu haben, und auch das ist okay, wie zu hören und sehen bei der "Baked Session" in einem Londoner Ladengeschäft:
Als up & coming Retrojungle-Hausnummer wird derweil Simms schwerstens gehandelt. Ob mit MC-Uterstützung via Keep Hushoder mit einem jazzy angehauchten Set im Planet Wax-Laden:
Traf sich wohl echt ganz gut, dass der Everyday Junglist Podcast in letzter Zeit eh so'n bisschen meine Primäranlaufstelle für die wöchentliche Mindestdosis an gemixter Musik mit Breakbeatgewittern und Basswuchtwabern zum Tanzspaß geworden war, denn dort wurde dann auch mal der geschätzte Homemade Weapons an die Decks gebeten, außerdem gab sich Eusebeia ausschließlich mit Eigenproduktionen ein Stelldichein und der u.a. Metalheadz- und Ohm Resistance-erprobte Jaise kam dann auch noch obendrauf. Von Swankout gab's dort außerdem noch ein "93'-98', all Vinyl" Set, und die Mixe von Abby Daze, Anina,Eklekt1k, Niederläbnderin Miinerva oderAustralier Tamen hätten wohl auch schwerstens Spaß gemacht! Bei so einem Lauf habe ich dann wohl irgendwie kaum noch andere Plattformen angesteuert, auch wenn es da draußen durchaus noch so viele weitere gute gäbe...
Das neuste DJ-Mix von Submerged feiert natürlich die aktuellste Veröffentlichung auf seinem Label Ohm Resistance (dazu noch an anderer Stelle...) adäquat mit jeder Menge Hart-Drum'n'Bass.
Von The DJ Producer gab’s dann noch ein All Vinyl Drum’n’Bass History Mix, das er für seinen Sohn fabrizierte, als ein geplanter Festival-Gig ins Wasser (oder eher der Hitze zum Opfer?) fiel:
Zwischen den Berliner HÖR-Kacheln wiederum gab's "Gest invites" mit Jungle von Bailey und Dubstep von Sekptical:
Und eine Frage zum Schluss: Echt jetzt, schon wieder John B mit seiner Sommerhit-Kirmes? Die obligatorische Antwort: Ach komm, "DnB Classics" gehen immer!!! Ein Blick in kontemporärsten DnB lohnt sich dann auch mal und für das Motto "Deep DNB, Dark Rollers & Goth/Darkwave Crossover" im NIИ-Shirt hat er sich dann natürlich auch noch das nächste Feature hier verdient....