Mittwoch, 1. April 2026

Quartalsbilanz 01/'26? Aprilscherz? Mix-o-Mania!

Ohne Umschweife auf den Punkt: In den Musikneuerscheinungen-Kategorien "Aktuelle Alben quer durch den Ambientgewaber- über Popmusik- bis zum Krachmatenkram-Garten", "Club'n'Dub Music 2 dance 2, Jahrgang '26" und "Digitalmusik im Weltnetz", sowie "Reissues und so" wird's an dieser Stelle hier und heute nix zu lesen geben. 
Vielleicht machen wir das zur Halbzeit der Saison und/ oder vielleicht auch zum Jahresabschluss. 
Ganz ehrlich gesagt hatte ich dazu zwar schon angesetzt, dann aber doch nicht so richtig die Zeit, Energie und Lust dazu gefuden, das jetzt noch mal eben zu 'nem bestimmten oder auch nur ungefähr-zeitnahem Kalendertermin zu finalisieren.
Bis es so weit ist teilen wir aber dennoch 
immerhin mal eben alles, was sich über die ersten drei Monate des laufenden Jahres in der Kategorie "DJ Sets, Broadcasts, digitale Mixtapes etc." angesammelt hat, denn da kam schon wieder einiges zusammen.
Es ist zwar nicht so, als hätte keine andere Musik als solche bei mir rotiert - 
auf die Rückkehr von Neurosis kürzlich müssen und werden wir dann etwa zur Halbzeit ausführlicher eingehen - dass aber die Priorität des Konsumverhaltens, zumindest über längere Phasen zuletzt mal wieder ein bisschen mehr bei sowas lag, das sagt dann sicherlich auch irgendwas aus. 
Etwas editoriale Resteverwertung zu Anderweitigem und Weiterem dann aber auch noch ganz zum Schluss unten dran.

 

Mix-o-Mania
(DJ Sets, Broadcasts, digitale Mixtapes etc.)

Boiler Room kam ja in letzter Zeit immer mehr in Verruf, aber DJ Bailey gehört zu den OGs der Drum'n'Bass-Szene! 
Beim Nottingham-Takeover waren dann außerdem auch noch Ama und Harriet Jaxxon dabei!
Alle/s geil! Bis auf paar fragwürdige Selbstdarstellergestalten, die natürlich auch mal wieder die Fingerpistolen schwingenden Tänzer hinterm DJ geben mussten, haha...

  

Dubstep-/ Grime-/ Breaks-"Dubplates and Pressure" von Original Pinch gab's via Keep Hush.
Da dann auch mal wieder etwas durchgezappt kamen Sets wie etwa das von KSU (UKG, DnB, ...) in Marseille auch ganz geil! 

 

Ein letztes Jahr irgendwie verpasstes Set, das wir uns schon für kommenden Sommer noch mal bookmarken, war Silva Snipa’s Session von der "Rinse Summer Terrace Party". 
Sonst vor allem für Techstep-Vinyl-Sets bekannt, gab’s dabei mal vor allem UKG-Kram von ihr zu hören, was sie bei Planet Wax dann jetzt letztens so ähnlich wiederholte:

 

Passt da jetzt super zwischen: 
Die "WNCL Power Hour", wie Bob "West Norwood Cassette Library" Bhamra es auch selbst nennt, schaffe ich ja leider auch nicht jedem Monat zu hören, aber wenn dann doch mal wieder, da ist's echt jede Menge Spaß!
Die Januar-Ausgabe startete in House-Regionen, um über dubsteppiges dann zum Schluss auch noch bei Tearout-Jungle anzukommen. 

Dass Ant TC1 "25 Years Of Dispatch Recordings" feierte, auch das sollte nicht ganz untergehen, denn ich habe habe ja tatsächlich eine Handvoll Releases des Labels im Regal: 
 

Beim Everyday Junglist Podcast war auch mal wieder viel cooles, weswegen dieser wohl übers erste Quartal so ein bisschen meine primäre Go-to-Adresse für die wöchentliche Dosis guter Jungle-/ DnB-Laune war.
Straight Up Breakbeat-Labelbetreiber ODJ Dizzy und 99 Records' DJ Magic Touch gaben sich mit Vinyl-Selections die Ehre, Therapy Sessions Recordings' Robyn Chaos, Saji Tari aus Frankreich, Saturna aus Memphis, USA, MIDI War aus Japan und NAE aus Manchester lieferten ebenfalls geil ab! 
 

Mizeyesis' Mix für den "Black History Month" war/ ist auch dieses Jahr wieder gerne mitgenommen! 

Das neuste Ohm Resistance Mixtape steht unter dem Motto Nachwuchsförderung und lässt Violet Brooks aus Kentucky alias Psyop an die Decks, und die hat mal ein echt sehr, sehr cooles DnB-Set abgeliefert, zu dem ich dann jetzt auch noch den Opa-Spruch bringen kann, davon tatsächlich auch 2-3 Sachen auf Vinyl zu haben...

Ebenfalls aus dem Ohm Resistance-Umfeld hätten wir dann auch noch ein partiell natürlich etwas derber ausartendes DnB-Mix von Scartat aus Kanada.
Echt etwas weirde Eröffnungsnummer mit diesem zusätzlichen Metal-Vibe!

Von Offish aus Warschau gab’s ein Gastmix für die Berliner Plattform deviate. 
F
ür den aktuellsten Showcase seines eigenen Labels Offish Productions wiederum gab sich dann Rainforest anlässlich des neuem Release genau dort die Ehre.
Beides geil, beides gerne mitgenommen!

 

Von Current Value wiederum bin ja jetzt ganz ehrlich gesagt auch nicht der allerallergrößte Fan, sieht man mal davon ab, dass sein 2021er Langspielalbum "The All Attracting" zum für mich genau richtigen Zeitpunkt rauskam, an dem ich Bock auf genau sowas (=modernste Neuro-Drum'n'Bass Musik mit experimenteller Schlagseite, Blicken über Tellerränder und Sounddesign-Betonung) hatte.
Die halbe Stunde aktuelle Werkschau via "Studio invites" habe ich mir aber natürlich trotzdem gerne mal gegeben. 

Etch ist dann natürlich auch noch einer der Wildcard-Weirdos der britischen Bassmusic-Szene und als solcher in seinem Tun von mir immer wieder gerne mal gecheckt. 
Z.B. natürlich auch mal wieder sein letztes "Experimental / Grime / Bass & Breaks" Set bei Planet Wax:

 

Nicht nur Londoner Plattenläden strahlen ins Weltnetz aus, sondern auch Dortmunder!
Und aus dem an den Blackplastic-Laden angeschlossenen Mono Café gab's letzten glatt auch mal ein Ambient-/ Jazz-Gangarten-lastiges Golden Age Jungle-/ Drum'n'Bass Vinyl-Set vom Chef Valentix selbst:

John B darf gegen Ende mal wieder nicht fehlen, vor allem wenn das Motto mal wieder "Drum & Space" war, denn bei den alten Star Trek-Serien war ich zum komfortzonigen Eskapismus zuletzt tatsächlich auch mal wieder gelandet. Wer dann auch noch direkt mit "Messiah" eröffnet, macht außerdem mal gar nichts falsch. 
Und ein "Heavy DNB" Set gab's dann auch noch, was genau das ist, was der Doktor verordnet hatte!

Und wo wir dann schon mal im Weltraum sind, Zwikersmiley.... 
Für die Chillout-Zone kam Youth' Mix unter dem Up-my-Alley-Motto "Opus Epic Ambient (Blade Runner Meets The KLF)" auch mal wieder genau richtig:



Gaaaanz tiiief in Dark-Ambient- und Ritual-Industrial-Sphären abtauchen kann man dann auch noch bei der monatlichen "Horny Hour" von Sven Visterin....   
 

Für's aus dem Tiefenrausch mit langsamen Druckausgleich wieder auskommen vereint die aktuell noch in Berlin residierende Niederländerin Nadia Struiwigh auf ihrem aktuellen Album "Ikigai" Ambient-Neigungen mit einer Vorliebe für Jungle-Techno-Einflüsse. 
Über das self-titled mag aus Minneapolis und dann auch noch den Podcast des Groove Magazins gibt's zusammen auch noch mal eben zwei Stunden Mix/e dazu: 
 

Und leider nur via Apple Music (bäh!) gibt's anlässlich des kommenden Albums von Tomora (Chemical Brothers' Tom Rowlands und die junge norwegische Sängerin/ Produzentin Aurora) dann zum Schluss auch noch ein Mix zu hören, welches wir hier dann zum Schluss auch mal einzubetten versuchen:

 



Sonst noch was?   

Diese Afroman Nummer und alles drumrum war immerhin mal was zum lachen und bejubeln in diesen schwierigeren Zeiten.

Vor kurzem wurde ich sozialmedial dran erinnert, dass es inzwischen acht Jahre her ist, als ich Eisenvater letztes mal live sah und von ihrem neusten Material völligst geflasht war. 
Wann kommt das Album endlich? 

Wtf is goin' on with Faust

Gewalt haben sowas wie einen Supporters Club ins Leben gerufen

Das Visions Magazin entdeckt 2026 das Thema Thrash Metal als Aufhänger für sich. 
Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll. 
Weil: Als vor so zwanzig Jahren gerade ein, zugegeben etwas bäuerlich-speckiges Thrash-Metal-Revival dabei war, übern Zenit zu stolpern, wollte man gerade beim Visions von sowas nicht so wirklich viel wissen.
Klar, so 'ne Band wie die stilprägenden Melodeath-Metalcoreler Darkest Hour oder die Party-Crossover-Thrasher Municipal Waste fand man am Rande solcher Kreise irgendwie auch gut, und Kreator-Mille wurde auch schon immer als der vermeintliche Denkertyp unter den hiesigen Metal-Ikonen hofiert, wenn man aber mal ganz ehrlich ist, wollte man - auch wenn der eine oder andere Schreiber der Gazette dem nicht komplett abgeneigt war und es hier und da durchaus eine wohlwollende, ferner gelaufene Albumrezension gab - damals mit dem Comeback solcher Bands wie Exodus, Testament und co. eigentlich nicht so wirklich viel zu tun haben, weil Metal einfach bäh war.
Heutzutage wiederum muss man die alternde Zielgruppe dann aber doch mit Themen wie dem Metal-Establishment versorgen, zumal es dann doch wieder zu Annäherungen der Indie-Saubermänner und Akademiker-Punks an solche Musik kam.
Und der eigentliche Aufreger daran ist für mich folgendes: Ich finde es echt ein bisschen tragisch, wie profillos der hiesige Print-Musikjournalismus inzwischen so ist. Das Visions ist dabei mit am schlimmsten. Aber auch weitere Magazine, für die ich zeitweise mal 
selbst nebenberuflich geschrieben habe, würde ich inzwischen nicht mehr selbst als halbjährliche Reiseklolektüre mitnehmen oder sowas.
Immerhin: Ausgerechnet der Rolling Stone arbeitet sich adäquat an denen ab, die es verdienen. Chapeau!

Ein „irgendwie raffe ich das alles wohl nicht mehr“-Punkt ist übrigens auch da erreicht, wo Igorrr inzwischen Tausender-Hallen ausverkauft(!!).
Diese komische Mischung aus Elektronik, Metal-Geballer und Barock-Musik zieht tatsächlich trotz horrendem Ticketpreis von mehr als 40 Euro (!!!) Leute? Dafür reisen Sauerländer unter der Woche in die Großstadt an? Selbst Echtmetall-Gatekeeper stolpern bei so ‘ner Veranstaltung durch’s Bild?
Was genau habe ich da eigentlich verpasst und wer erklärt es mir? 
Das ist ganz ohne Scheiß 'ne Sache, bei der ich nicht mehr ganz mitkomme.

Erwähnenswerte Tourankündigungen gab es  dann außerdem noch von u.a. Dazzling Killmen (Alta!!!!), Mclusky und Tribute To Nothing!  Dass auch letztere, ewige Underdogs und live unfassbar gut, wieder spielen, das erfreut mich ja schon irgendwie.
Auch Ostinato sind zurück, mal gucken was da dann noch so kommen mag.
Außerdem kommen, wo wir schon beim Thema Thrash waren, auch mal wieder Alteisenhelden wie Sacred Reich und Voivod. Kann man sich wohl auf die alten Tage dann für den jährlichen Kurzaufenthalt im Paralleluniversum des Häwiemeddl. e.V. auch mal wieder geben.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Frohes Noise ’26!

Ja, den machen wir auch wieder.
Neujahrsansprache? Jahresrückblick? Introspektion? 
Kürzlich fragte mich ja ein Bekannter im Zusammenhang, was genau denn meine „aktuellen musikalischen Obsessionen“, wie ich es durchaus selbst ausdrücke, so wären. 
Und nach meiner Antwort, in etwa „vor allem auch britische Clubmusik im Stammbaum jamaikanischer Soundsystemkultur, sprich Jungle/ Drum’n’Bass, proper Dubstep, durchaus auch Dub ohne -step, auch ein bisschen abseitigerer Techno und Industrial-eskes, was Richtung Ambient kann 
genauso schon mal vorkommen wie 'ne Postrock-Phase, zuletzt war ich daneben dann außerdem auch mal wieder sehr ins Thema Komisch-Kosmisch-Krautrock eingetaucht, hab‘ viel Can, Faust, Neu!, frühe Tangerine Dream und so weiter gehört, Doom-metallisches geht natürlich auch irgendwie immer und zwischen all dem wird dann auch schon mal das eine Bauhaus-Album, das mir noch fehlte ins Plattenregal geschoben oder sowas...“, während der das Gesicht meines Gegenübers immer irritierter und gegen Ende dann schon fast leer dreinschaute, musste ich mich dann durchaus schon selbst fragen, ob ich da nicht irgendwie bei irgendwas in meinem Leben so ganz allgemein und generell völlig übertreibe. 
Die tendenzielle Antwort ist mit Sicherheit eher "wahrscheinlich ja" als "nö, kann nicht sein", die Ursachenforschung führt einen schnell ins Thema „neurodivergenter Interessenshyperfokus
, aber whatever.
Eigentlich habe ich auf das hier (gemeint ist krachundso.blogspot) dann ja auch immer wieder mal doch nicht mehr so wirklich Bock, tu's dann aber trotzdem doch wieder weiter, denn manchmal braucht man einfach auch die Möglichkeit von Notizen an sich selbst (ich habe wohl auch einfach das Alter erreicht, in dem man sonst vieles direkt wieder vergisst).
Allerdings passiert's immer dann, wenn ich anfange das zu hinterfragen, dass mir der Algorithmus auf einmal, regelrecht beängstigend gedankenlesend sowas in die Aufmerksamkeit spült wie eine Rock-/ Metal-Musik-begeisterte Psychologin, die 
tatsächlich über neurowissenschaftlich nachgewiesene Vorzüge der Musikobsession doziert.
Na dann ist das ja wohl alles doch nicht so schlimm?!? 

'25er Jahresrückblick? 

Ja puh. Irgendwie keinen Bock auf was noch ausführlicher ausartendes oder gar Ranglisten, denn Musik sollte kein Wettbewerbssport mit Liga-Tabellen sein. 
Eine interessante Selbstbeobachtung ist allerdings wohl die Erkenntnis, dass trotz aller Clubmusik- und Soundsystemkultur-Zuneigungen, die sich in den letzten Jahren noch mal stetig gesteigert, in den Fokus gerückt und tatsächlich auch noch mal etwas erweitert hatten, dann an Gitarrenlärm eben doch noch mal wieder alles von dem einen Altherren-Rotzrock-Album der Saison (I really, really, really like Beer!) bis zu 'ner Handvoll Doom-Metal-Bands jedweder Subsubstil-Nischenecke (Cathedral, Conan, Divide and Dissolve, Evoken) ging. 
2025 hatte eine weniger eindeutige Hauptrichtung als andere Jahre. Die sich im Laufe der Dekaden immer wieder mal neu sortierende musikalische Selbstfindung ist inzwischen wieder bei so einem "everything goes"-Ding angekommen.
Zu den Überraschungen des Jahres für mich persönlich gehörte dann wohl vor allem, dass ich das aktuelle Peter Murphy Soloalbum, das ja doch relativ "poppig" ist, dann eigentlich doch öfter gehört habe als etwa die von Cosey Fanni Tutti, Steve Von Till oder Adrian Sherwood, und dass ich an einem UKG-Release wie Introspekt's Langspieldebüt auf einmal mindestens genauso viel Spaß hatte wie an neuen Alben von den steinzeitlichen Industrial-Rock-Unikaten The Young Gods bzw. auch von den Noiserock-Experimentalisten Ramleh.
Ein Nine Inch Nails Soundtrackalbum ging auch super ohne den Film dazu tatsächlich zu sehen, das Hayward x Dälek Teil ist geil, genauso wie Godflesh's "A World Lit Only By Dub" noch weit mehr als die Reguläralbumversionen, und der zufällig auf dem Geburtstag meines nicht mehr unter uns weilendem Vaters unter dem Titel "Thundermother" veröffentlichte Einstand des Eisenvater-verwurzelten Familienunternehmens Karla Kvlt brachte dann doch einen größeren Grower als erwartet, der auch ganz unzusammenhängend mit diesem Umstand tatsächlich ohne Frage zu meinen persönlichen Highlights '25 zählt.  

"Honorable Mentions"? Die neue Swans ist ein solides neues Swans-Album und wahrscheinlich auch nicht gerade das schlechteste neuzeitliche Swans-Album der letzten 15 Jahre, und ich komme tatsächlich aktuell immer noch gelegentlich dazu zurück, irgendwie war es im vergangenen Jahr aber dennoch nicht so ein Dauerrotator wie manch anderes neuzeitliches Swans-Album seinerzeit.
Elektroniker-Alben wie die von Ancestral Voices, Eusebeia, Technical Itch
The Untouchables oder auch Mick Harris oder Espectra Negra liefen auch alle phasenweise nicht wenig und laufen teilweise immer noch immer wieder, so ein richtiges Jahrgangs-Highlight mit allgemeinerem Klassikerpotenzial kristallisierte sich aus diesen dann aber irgendwie doch nicht so wirklich heraus. Würde man mich mit 'ner Pistole am Kopf dazu zwingen, eine Jahrgangs-Top-10 oder Top-15 aufzustellen, wären so ein, zwei davon allerdings wahrscheinlich wohl doch mit drin!

Absolut erwähnenswert wäre dann allerdings auch noch das Manslaughter 777 Album, das mit seiner rauen Punk-/ Außenseitermetaller-Handwerks-Version von Club- & Soundsystem-inspiriertem Break/beat- und Zerrbasss-Lärm meinen, sagen wir mal „aktuellen Gesamt-Vibe“ schon regelrecht zusammenfassend treffen konnte wie kaum was anderes und dann auch noch dieses schlechte Klischee verursachte, dass meine Hipster-Nachbarin tatsächlich mal mit der Bemerkung anklingeln musste, dass ihr der bis in ihre Wohnung durchdringende Tiefendruck dann jetzt leider echt mal too much wär'. 

Wenn wir über elektronische Tanzmusik-Singles und -EPs von Dub bis Breakcore reden, muss Dom & Roland's (offiziell Ende 2024 veröffentlichter) "Cold Summer" als Lieblingssong der Saison hervorgehoben werden (und seine "Dedication" EP kam dann aus dem Jahr raus auch noch mal geil), Vocal-Dubstepper wie "Dark & Heavy", "Bury Dem / Deep in a Mud" oder "Militant Don" wären nach wie vor auch noch in Heavy Rotation, und dass sich einige mit min. einem Bein in der Industrial-Ecke steckenden Protagonisten etwas Floor-tauglicheren DnB-Gefilden näherten (16 Pad Noise Terrorist's "Musical Perspectives") bzw. in überraschendem Kontext dazu zurückkehrten (New Frames' noch ziemlich frische EP via PRSPCT) ist auch besonders hängengeblieben. Für's weitere wüsste ich jetzt gerade aber nicht so wirklich, wo ich da dann anfangen und aufhören wollen würde. 
Ich hätte eigentlich auch noch auf der imaginären ToDo-Liste, in der Hinsicht vielleicht selbst mal einen Best-of-'25-Mix aufzunehmen, der Alltag meiner vollgepackten Sieben-Tage-Wochen hielt mich davon aber bisher zu sehr ab und im Weihnachtsurlaub verlangten auch noch andere kreative Betätigungsfelder nach fokussierterer Aufmerksamkeit.  
Eine ganze Menge DJ-Sets/ Mixe usw. gehört habe ich auch 2025 wieder, allerdings lag der Fokus da aus dem diesem Jahr raus dann auf einmal nicht mehr ganz so stark drauf, wie es hinein erst noch der Fall zu sein schien. So Mitte September war das sogar auf einmal so'n bisschen gekippt, als mich die Partizipation an einem etwas chaotischen Daytime-Soundsystem-Event zum Mitmachen und anstrengender Sozialinteraktion in dem Rahmen dann irgendwie in den autistischen Burnout trieb und ich von derartigem dann mal eine Pause brauchte.
Aus der vergangenen Saison hängengeblieben sind in der Hinsicht daher vor allem auch die irgendwie abseitig rausstechenden, wie etwa Tim Reaper's Multi-Genre-Mix in irrer Siebeneinhalb-Stunden-Länge oder Submerged's "Mixtape 07", das sich auf industrielle Midtempo-Gangarten konzentrierte. 

2026 dann jetzt so?

Diese Art von Vorsatz hatte ich die letzten Jahre auch schon immer wieder mal etwas vager, aber aufgrund der immer noch immer weiter steigenden Plattenpreise meine ich das diesen Jahreswechsel auch wirklich so wie ich es jetzt sage: Ich werde 2026 in Bezug auf Musikneuerscheinungen evtl. mal etwas weniger „am Ball bleiben“ und tatsächlich weniger Platten kaufen.
Es gab Zeiten, da hat man schon gestöhnt, wenn an einem LP-Preis die 2 vorne stand, inzwischen sieht man schon viel Neuware in Mailordern für um die 30 Euro. Für 'ne Einzel-LP. Und da ist jetzt echt der Punkt erreicht, wo ich sagen muss: Nö, es geht so jetzt mal echt nicht mehr weiter.
Ja, das mit dem allgemeinen Werteverlust von Musik als Kulturgut und allen Auswirkungen davon ist ein größeres Thema für sich, auch Presswerke haben steigende Kosten usw., wir müssen allerdings vielleicht auch mal drüber reden, wie es Vertriebsmargen für alle versauen, dass die EU ab Sommer diesen Jahres schon wieder Importzölle erhöhen will, und uns dann mal anschauen, wie Künstler/ Bands in schwarzen Zahlen rauskommen können ohne dass geneigte Endkunden ihre Kohle für Liebhaber-Luxusgüter zusammenkratzen müssen, bei denen man sich bald gar nicht mehr traut, auch tatsächlich die Nadel auf eine so teuer erstandene Kleinauflagen-Platte drauf zu legen.
Die Antwort auf die Frage, was sich da wie ändern kann oder muss, die habe ich nicht, ich stelle sie hier nur mal. 

Dennoch: Was haben wir für dieses Jahr denn schon so an kommenden Musikneuerscheinungen auf dem Radar? 
Traditionell listen wir auch das im Neujahrs-Post auf:

  • Keine Ahnung, was genau außer irgendeinem Zufall geographischer Nähe eigentlich dazu geführt hat, dass die brtischen Instrumental-Noiserocker 72% irgendwie mit Alan Moore verbandelt sind, aber Other Shoe ist tatsächlich das neue Label von letzterem, über das erstere im Februar ihr neues Album "I’m Not Happy And That’s On You Three" raushaben werden!
     
  • Hipster-Doom aus Portland: Die neue Blackwater Holylight kommt Ende diesen Monats.

  • Das reunierte Minneapolis-Noiserock-Trio Buildings arbeitet an neuer Musik. 
     
  • Die mehrfach aufgelösten und dann doch immer wieder auftauchenden Death Grips haben was neues auf der Startrampe.

  • Kollege Dom & Roland hat die nächste EP unterwegs, dieses mal sind's Zusammenarbeiten mit Mando, Kemal, Gridlok und Presha!
     
  • "On The Verge Of An Entirely New World" ist der Titel eines schon länger angekündigten Langspielwerks (und dabei Teil 2 einer Trilogie) von Elektroniker DYL, das im April erwartet wird.

  • E-Force, die Band von Eric Forrest, der bekanntlich in der zweiten Hälfte der Neunziger für zwei Alben plus weiteres Basser/ Shouter von Voïvod war, wird dieses Frühjahr tatsächlich ein "Voivod Revisited" Album veröffentlichen. 
    Natürlich kann man das als 'ne weitgehend unnötige Sache ansehen, aber erwähnt werden muss es.
     
  • Von Breakcore-/ Industrial-Drum'n'Bass-Hausnummer Enduser steht uns nach längerer nicht so produktiver Phase ein neuer Longplayer ins Haus und ich habe durchaus Bock drauf.

  • Ein neues Faust/ Irmler Album ist laut Hans-Joachim Irmler bereits auf der Startrampe.

  • Von Jarboe ist ein neues Album namens "Sightings" unterwegs. 

  • Das Coverartwork der kommenden Kaleidobolt ist echt mal komplett furchtbar, aber die King Crimson inspirierten Finnen, die ich vor zehn Jahren oder so mal ein Konzert in einem winzigen Plattenladen spielen sah, mag ich irgendwie. 
    "Karakuchi!" wurde von Niko Lehdontie (Oranssi Pazuzu) produziert und erscheint im März über Svart Records (kommt allerdings ziemlich teuer).

  • Bei mir als Fanboy schon auf dem Einkaufszettel ist, was uns von Killing Joke ins Haus steht:
    "A journey into the raw and visceral origins: from the demo sessions mixed by Steve Albini to the night of the very first secret show on December 20th, 1988."

  • Die Post-Rock/-Metal-Band The Light Below (mit Kingdom Come-Connection) veröffentlicht ihr Debütalbum "Georgia" am 23.01. über das Neurosis-verbandelte Label My Proud Mountain.
    Bemerkenswert ist daran, dass es mit "Tsinskharo" ein in  georgischer Gesangstradition stehendes Stück zu hören gibt, das durch den 1979er Werner Herzog Film "Nosferatu" zu gewisser Bekanntheit kam.
    Im Übrigen ebenfalls beim nicht mehr unter uns weilenden Steve Albini aufgenommen.
     
  • Die Badenwürtenbeger Neunziger-Noiserocker Mink Stole haben sich reuniert und in Kürze ein neues Album am Start.  
    Als ich daaaamalas ein paar Berührungen mit ihnen hatte, fand ich die ja irgendwie nicht so gut (lag vielleicht auch eher an mir als an ihnen) und heutzutage geht mir einer von ihnen als „Internet-Persönlichkeit“ mit Debilo-Aura irgendwie eher so ein bisschen auffen Sack (sorry to say, 
    Keule, es ist halt einfach so), aber. Aber? Keine Ahnung. Ich werde mir das auf die alten Zeiten wohl trotzdem mal angucken/ anhören.

  • Synthesizer-Liferin Nadia Struiwigh wird dieses Frühjahr ihr neues Album "IKIGAI" mutmaßlich übers eigene Label Distorted Wave veröffentlichen. 
    Ob nur digital oder auch physisch wird sich zeigen.

  • Es wird gemunkelt, dass jetzt bald auch 'ne neue Octo kommt. Vorfreude!

  • "Paper Marks", ein Kollaborationsalbum von Phew and Danielle de Picciotto erscheint am 20.02. via Mute.

  • Pullman's "III" erscheint ein Vierteljahrhundert nach dem letzten Album schon dieser Tage jetzt via Western Vinyl.

  • Neue Sleaford Mods auch direkt noch diesen Monat.  

  • Neue Zu via House of Mythology.

  • [Noch offene Fragen:] 
    Erscheint die seit Jaaaahren in Mache befindliche "Eisenvater V" in diesem Leben denn dann eigentlich doch noch mal? Ich wär' bereit!
    Und warum hat noch niemand was von der neuen OM gehört, die angeblich ebenfalls seit Jahren fertigproduziert sein soll? 

Mix-o-Mania
(aktuelle DJ Sets etc.)

"Zwischen den Tagen", wie man es ausdrückt, hatten mir kurz vorm Jahreswechsel ein paar Sachen im partiell natürlich erkältet verbrachten Weihnachtsurlaub die Laune gehoben, die gewürdigt werden müssen.
Z.B. audiovisuelle Party-Mitschnitte von Pete Cannon (3 Stunden!) bzw. Pete Cannon b2b Bizzy B für die Old School Jungle Insanity.
Legenden!

Dass John B's "Heavy DNB Classics DJ Set" via Twitch natürlich superviel Spaß gemacht hat, das sollte nicht untergehen:

Bei Planet Wax gab sich West Norwood Casette Library mal wieder die Ehre, was auch immer wieder gerne mitgenommen ist, weil's immer wieder Spaß macht.

Und natürlich auch Finne Fanu beim Everyday Junglist Podcast:

"Tokyo-based DJ 7e released a live recording from local party MIDI_sai.
Strap in for a shapeshifting hour of techno, club and sound system music.
"


Das Schaffen von Nadia Struiwigh checke ich eigentlich auch immer, dazu gehören natürlich auch ihre Techno-lehnenden DJ-Mixe:



Die aktuelle Marschrichtung von Samurai Music präsentiert uns Labelboss Presha dann noch mit einem Mitschnitt von letztens.
"A new chapter. Stripped-back pressure, deeper space, 170 slowed into focus."
Ich mag diesen Atmo-betonten, vom kurzlebigen Label Automonic inspirierten Hybridsound zwischen Ambient-/ Dub-Techno und Halftime-Drum'n'Bass ja tatsächlich durchaus und hör's gerade als Mix (oder auch mal in Langspielalbumform) ganz gerne mal, allerdings muss ich gestehen, dass es an dieser Stelle mit dem Neujahrsvorsatz, mal ein paar Platten weniger zu kaufen dann wahrscheinlich doch was wird, denn von derartigem muss ich mir dann jetzt zugegeben dennoch nicht wirklich diverse neue EPs mit in die Sammlung schieben, so sehr ich das Label auch grundsätzlich schätze, denn meine Liebe gilt dann halt doch eher den rougher-junglistischen Gangarten....