Freitag, 30. August 2019

Gravity

Auch wenn ich es schon im Juni lobend erwähnt hatte, ist’s mir jetzt noch mal das Einzel-Review wert: HOMEMADE WEAPONS‘ "Gravity" kann echt einfach nur alles!. 
Seit Entdecken bin ich immer wieder zum Bandcamp-Stream des Teils zurückgekommen und habe mir schlussendlich dann auch noch mal eben die bei Samurai Music selbst schon ausverkaufte 3LP bestellt - zusammen mit den drei EPs der grandiosen "Samurai Hannya" Compilation-Reihe des gleichen Labels (auf der HOMEMADE WEAPONS ebenfalls mehrfach vertreten ist).
"Gravity" ist ein faszinierendes Teil. Jeder der zwölf Tracks funktioniert als Statement für sich, das Album fließt allerdings auch als Ganzes wie aus einem Guss. 
Eine ziemlich dustere Grundstimmung ist beim eher minimalistischen Sound immer vorhanden, wenn einem Breakbeat-Konstruktionen um die Ohren knallen, die eine faszinierende Mitte zwischen „fast schon bis ins abstrakte gebrochen“ und „funktioniert das nicht doch auch noch tatsächlich als Tanzmusik?“ finden.
'Constants' rumms-disch-tschackert sich gleich zur Eröffnung komplex und hart wie durch dunkle Höllenwinde. Intelligenter Endzeit-Drum'n'Bass? Die folgende Kooperation mit Torn pumpt wie ein Industrial-Dub; der mit fett akzentuierten Subbässen dröhnende Tribal-Groove von 'Crewcut', auf den immer wieder mal 'ne Schüppe draufgeschmissen und weggenommen und wieder draufgeschmissen wird, ist einfach nur total geil; 'Patrol' wiederum schmeißt mit Helikopter-artigen Breakbeats und wieder mal bedrohlichen Sounds um sich. Auch 'Red Tide' hat so ein bisschen Industrial/ Noise/ Dark-Ambient-Drone in der DNA und kombiniert das mit Rhythmen, die immer straight genug sind um dazu heftig mit dem Körper zu wippen, aber komplex genug um auch verkopftere Musikhörer nie zu langweilen. Ein Track wie 'Svalsat' nimmt zwischendurch schon  mal ein bisschen das Tempo raus, hat dafür aber noch mehr an atmosphärischen Sog.
Und so knallt und rauscht sich das Album von einem coolen Track zum nächsten und ist wirklich einfach nur mega!

Donnerstag, 29. August 2019

Live Skull remastered

Die ursprünglich von 1982 bis 1990 aktiven New Yorker Post-Punks/ Noiserocker LIVE SKULL, die man damals als Peers von Sonic Youth der No-Wave-Szene zurechnete und dabei, wenn man so will, vielleicht auch ein bisschen als sowas wie vergessene Grunge-Vorreiter eintüten kann, und deren Thalia Zedek in der Folgezeit auch solo als Indie-Singer/Songwriterin bekannt wurde, sind ja wieder aktiv. Zwischendurch firmierte man auch schon mal scherzhaft unter New Old Skull. Ein neues Album erscheint noch diesen Oktober.
Zu dem Anlass haben sie auch mal ihre alten Veröffentlichungen remastern lassen – der Geschichte nach im Magic Shop, während David Bowie eine Etage drüber sein letztes Album "Blackstar" aufnahm.
Die EPs "Live Skull" und "Pusherman" und die Langspielalben "Bringing Home the Bait" und "Cloud One" aus den Jahren 1984 bis 1986 kann man sich jetzt mit neuem Mastering via Bandcamp geben, der Rest der Discographie ist dort schon angekündigt.
Gerade "Bringing Home the Bait" (geiles Cover!) ist ja übrigens ein Album, das auffällig oft in „die sieben besten Nosierock-Alben von back in the day“-Listen irgendwelcher Clickbait-Webzines auftaucht u.ä. …



Mittwoch, 28. August 2019

Bumms-Tschacke-Düsch(12)

Schon wieder einiges cooles auf dem Jungle-/ Drum'n'Bass-/ IDM-/ Breakcore-/ Industrial-Dub-/ etc.-Radar:

BIZARRO - Pollution

Drei Tracks an Neuro-DnB, die eine variable Bandbreite von melodisch bis heavy demonstrieren sollen, bietet diese neue EP von BIZARRO auf Abducted LTD
Finde den ersten davon ja ehrlich gesagt nicht weiter erwähnenswert und den zweiten lediglich ganz nett, allerdings steigert sich das dann beim abschließenden '404' noch ziemlich cool zu was unerwartetem, denn jener startet mit einem Rockriff und klingt zwischen Drumrolls und Wiederaufgreifen des Gitarrensamples dann auch schon mal wie ein kaputter Roboter.

CRIME1MINISTER - The Mission
Und hier haben wir mal wieder drei Tracks an fetter knallendem Kopfschmerzmusik-Kram via Sonicterror Records: Ujo Krutihlav alias CRIME1MINISTER stammt aus der ländlichen Slovakai und versteht seine Musik als Crossbreed zwischen Drum'n'Bass, Heavy Dub und Hardcore-Techno.


DAGHOTI. - please remember to rewind
Eher Freistil-Electronica als irgendwas im engeren Sinne Drum'n'Bass-verwandtes (kacken wir eh drauf!), allerdings mit genug bumms-düsch-tschackenden Breakbeats und weirdem IDM-Charakter, dass es ja eigentlich doch mit reinpasst: DAGHOTI. aus Köln hat mal wieder einen Schwung teils älterer und lange unvollendeter Arbeiten finalisiert und auf die Welt losgelassen. Dabei kommen dann schon mal funky Beats mit Sitar-, Streicher- und/ oder Bläser-Samples, technoide Sounds und Filmzitate, dezenteres und krachigeres, straighteres und abstrakteres zusammen, als wären die Chemical Brothers im Mr. Bungle-Modus unterwegs.
Etwas aus dem Rahmen fällt der in der Tat etwas alt klingende Industrial-Brocken '11 Years', der so ähnlich auch aus den Archiven meiner unveröffentlichten Computermusik-Gehversuche stammen könnte. Und der Bonus-Track feat. STA$D400 piepblubbert in Richtung 8bit/ Chiptune ab.


Destroy Oh Boy #3: Aaron Spectre, Sum & Supa Ape
Absolut nicht unerwähnt bleiben sollte diese Compilation-EP des Destroy Oh Boy Labels vom Mai schon alleine deswegen, weil der darauf enthaltende Jungle-Smasher von Aaron Spectre echt killer ist! Die anderen drei amenbreakenden Tracks, darunter gleich zwei von Sum, sind allerdings ebenfalls nicht ganz ohne.

JAISE – Recede / Swamped
Nachdem die JAISE-Debütsingle "Depth / Corroded" via Subplate Recordings im Frühjahr schon für ein wenig Aufsehen in der Drum’n’Bass-Szene sorgte, hat der Australier nun die nächste Zwei-Song-EP übers gleiche Label am Start, die sich abermals am dunklen Spätneunziger-Techstep-Sound von Ed Rush & Optical u.ä. orientiert, um diesen mit gewisser Frische neu zu interpretieren.

JEM ONE - Transpose
Schon mal etwas heavyer pochender und bassbrummender, industriell stabbender, komplexer ausartender Drum and Bass auf Metalheadz, der dabei aber (natürlich) mehr oder minder den klassischen Genre-Wurzeln des Label-typischen Sounds treu bleibt? Kann man echt machen, count me in, ich finds super!
Nach seinem letztjährigen Label-Debüt ist der auch schon zehn Jahre aktive JEM ONE aus den englischen Midlands mit fünf Tracks wieder zurück unter Goldie's Dach. 
Noch mehr soll folgen!

RAY KEITH - Jungle Fi Dread / What Time Dread
Hell yeah: Altmeister RAY KEITH' Dread-Style-Jungle auf 'ner Presswerk-frischen Platte (oder als Download) von Doc Scott's Label ThirtyOne Recordings. RAY KEITH geh immer! (Sein "RTRN II JUNGLE Pirate Radio"-Mix hat mich regelrecht über den bisherigen Sommer gerettet.)
Ein Langspielalbum (oder Label-Sampler?) namens "The Prophecy" inkl. von ihm selbst gesungener Popsong-Single ist übrigens auch gerade unterwegs...

KINSUGI - Pillar Of Salt 
Sympathisches Konzept: Für diese, als kohärentes Gesamtwerk zu verstehende EP hat KINSUGI aus London extra alle Fettränder abgeschnitten, die sich zu deutlich in irgendeine abgelutscht-definitive Stil-Schublade stecken lassen und zu einem grauzonigen Mischmach aus UK-Garage, Bass-Music und Jungle-Breakcore tatsächlich alle weiteren Instrumente selbst eingespielt!


LAST LIFE - Sacrifice 
Wer - wie ich - vor allem auch auf die eher etwas düster-experimentelle als prädominant Danceclub-orientierte Ecke des Drum'n'Bass wie diversen Ohm Resistance-, Samurai-Music-, Weaponry-Kram, auf Swarm Intelligence/ Diasiva und sowas steht, der sollte unbedingt auch mal die aktuelle EP von LAST LIFE aus Italien checken: Eine faszinierende Fusion aus Dark-Ambient-Sphären und Drum'n'Bass-/ Dubstep-Beats, die zuweilen auch schon mal Richtung Industrial abstampft. 
Nicht uncool! Echt nicht uncool!

METALOGUE - Decentralized Coercion 
Was ich am Ohm Resistance-verbandelten Digital-Label Distortion Records ja irgendwie ziemlich doof finde ist, dass es eben ein reines Digital-Label ist. Denn Veröffentlichungen wie die vom Hamburger IdeatorZ (straight auf den Punkt, dabei aber mit ziemlich viel Biss) oder Eris & Oz1 (in härter und wirrer knallenden Drum’n’Bass-Gefilden unterwegs, allerdings ohne Richtung Breakcore-Irrsinn auszubrechen) würde ich mir ja tatsächlich glatt als LP kaufen, gäbe es diese Option.
Bei "Decentralized Coercion" kann man sich schon wieder über dieses FirstWorldProblem ärgern, denn METALOGUE aus London (ferner eine Hälfte des Duos Microscopists) vermengt Industrial-Sounds und cineastische Ambient-Aspekte samt einer experimentierfreudigen IDM-/ Breakcore-Attitüde mit Darkstep-Beats. Ferner ist "Decentralized Coercion" vom Themenkreis Massenüberwachung, Big Data, K.I., dem Geschäft mit Social-Media-Sucht u.ä. beeinflusst. Und mit dystopisch kriegt man mich ja auch irgendwie immer...

Und wo wir gerade dabei sind, lohnt es sich dann ferner vielleicht auch noch, in METALOGUE's Set bei TECHNICAL DIFFICULTIES' Threads Radio-Show reinzuhören (Soundcloud).

OAT - Diversity For Breakfast Remixes EP
OAT - Partial Pressure (Free Download)  
Die letztjährige Debüt-EP "Diversity For Breakfast" vom Bochumer OaT auf Forest Biz bekam kürzlich einen Remix-Gegenpart, bei dem sich acht verschiedene Künstler und Produzenten aus aller Welt die Songs davon zur Brust nahmen.
Das Label Drum Army wiederum hat etwa zur gleichen Zeit bei Erreichen von irgendeinem Facebook-Follower-Meileinstein den OaT-Track 'Partial Pressure' zum Gratisdownload bereitgestellt. 
Außerdem ist er dann auch noch selbst mit dem Remix eines BorkerBrothers-Track auf einer aktuellen Compilation-EP von Hanzom Music vertreten (Beatport).

Sonst noch?

END.USER hat einen Youtube-Channel zur Dokumentation seiner aktuellen Lebensphase in Thailand gestartet.






  • Bumms-Tschacke-Düsch (Mai 2019): Mixe von SUBMERGED und GORE TECH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (2): SUBMERGED Live-Set, OAT 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (3): EPs und Singles von BEAMWIDTH, BREAKAGE, PETE CANNON, HEADPLUNGER, MARK
  • Bumms-Tschacke-Düsch (4): Alben von HOMEMADE WEAPONS und PARAGON
  • Bumms-Tschacke-Düsch (5): Live-Set von MONOLOG, EPs von SUBMERGED, IDEATORZ, ERIS & OZ1 und END.USER & AARON BIANCHI / VELOS & N.L.I.C. 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (6): USDNB Producer Showcase/ Best Drum and Bass Podcast
  • Bumms-Tschacke-Düsch (7): DEEP JUNGLE Labelportrait mit u.a. DILLINJA,  RAFFKUTT, SIMON BASSLINE SMITH und TECH ITCH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (8): Mixe von DJ HARMONY, RAY KEITH, AMIT und BENNY L; EPs von METALHEADZ und EATBRAIN  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (9): EPs/ Singles von KNORZ, MIZO, NAIS, OAT, OPHOBOT, PASCAL, THE TEKNOIST und SAMURAI MUSIC, plus paar Mixe und Live-Sets
  • Bumms-Tschacke-Düsch (10) mit Soundcloud-Playlist, ThirtyOne Recordings, FLAME 2 (The Bug + Burial), KARL K, SWARM INTELLIGENCE, TORN, ...  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (11): ARCLIGHT & Vandal Records Compilation, BLACK BARREL (Metalheadz), BLACK SUN EMPIRE, MAHAKALA, T3K Recordings' DOUBLE HELIX / XEOMI & KAIZA / INSTINKT, einige Mixe/ Live-Sets und weiteres...
  • Sonntag, 25. August 2019

    Das Reich!

    Achtung, viel Text...



    Nach der Jahrtausendwende, bzw. Mitte der Nullerjahre fand ja sowas wie ein Thrash-Metal-Revival statt. Kreator hatten 2001 nach zwei experimentelleren Alben mit Gothrock-Anwandlungen auf "Violent Revolution" die Fahne wieder mehr in den Wind dessen gehalten, was Meddl-Kuttenträger hören wollen; die in der Thrash-Szene wurzelnden und um die Jahrtausendwende bis zum Bauchnabel in Nu-Metal-Albernheiten steckenden Machine Head gingen ab dem 2003er "Through the Ashes of Empires" mehr und mehr dazu über, wie eine moderne Version alter Metallica klingen zu wollen; zwölf Jahre nach dem letzten Alben kamen Exodus 2004 mit "Tempo of the Damned" zurück und erlebten prompt einen ziemlichen Popularitätsschub; Anthrax kackten bei der Gelegenheit 2005 auf alles, was sie in der Dekade zuvor mit John Bush am Mikro an interessantem und großartigem gemacht hatten und stellten mit zurückgeholtem Achtziger-Sänger auf Oldie-Parade um; und dazwischen waren sie alle auf ein mal wieder da: Verlorene Söhne wie Death Angel, Forbidden, Heathen, Nuclear Assault usw. fabrizierten neue Alben und/ oder waren auf hiesigen Festival-Bühnen zu sehen. 
    Metaphorische fünf bis auch fünfzehn Minuten lang fand ich das sehr cool, denn Thrash Metal hatte in der musikalischen Sozialisierung meiner frühen Jugend eine gewisse Rolle gespielt und die großen US-Namen des Genres alle wieder erstarken zu sehen und hören machte wirklich sehr viel Spaß.
    Es kam allerdings ein paar Jahre später dann irgendwann auch der Punkt, an dem der Drops gelutscht war und ich es nicht mehr ertragen konnte, wie sich entsprechende Bands nur noch in uninspirierter Selbstwiederholung suhlten. Es liegt halt wohl auch ziemlich in der Natur der Sache, dass gerade Thrash Metal ein Subgenre ist, dessen Stilmittel-Spielraum eher ziemlich eingeschränkt ist, aber Exodus hatten schon bald ihr kreatives Pulver verschossen und verzettelten sich in eher nichtssagenden Alben, spätere Testament-Veröffentlichungen klingen nur noch wie genormte Abziehbilder ihrer Vorgängerwerke, Kreator überreizten die, sich nur noch um sich selbst drehende Klischeereiterei bis ins unerträglich-karikaturenhafte, Anthrax ab 2005 sind einfach nur noch eine Farce und dieser künstlich aufgebläht klingende Sound, den irgendwie alle Veröffentlichungen beim schwäbischen Branchenriesen Nuclear Blast zu der Zeit (und mutmaßlich immer noch) verpasst bekamen, machte es dann noch zusätzlich schwierig, sich das anhören zu wollen…

    Anyway, zurück zum eigentlichen Thema: 2007, also inmitten dieser Thrash-Revival-Welle, bin ich einzig und alleine aus dem Grund zum Wacken Open Air gefahren, weil SACRED REICH spielten. Zum ersten mal seit wasweißichwievielen Jahren mal wieder auf europäischem Boden und das dann auch noch in klassischer Besetzung.
    SACRED REICH waren schon immer sowas wie die eine, ganz besondere Thrash-Metal-Band für mich gewesen. Für ihre Attitüde, die man durchaus auch als politisch, weltoffen und dabei durchaus auch nicht ganz humorfrei bezeichnen könnte, genauso wie für ihre Musik, die sich vom 1987er Debütalbum "Ingorance" zum 1996er "Heal" ein Stück weit von klassischem Baller-Thrash zum damals zeitgemäßen Groove-Thrash verschoben hatte, das allerdings absolut  stimmig und völlig geil (lasst Euch von niemanden erzählen, "Heal" wäre kein gutes Album, das behaupten wirklich nur ewiggestrige Altenessen-Altmetallerbauern)!
    Der Wacken-Auftritt war im Übrigen großartig. Die Band konzentrierte sich vor allem auf die erste Hälfte ihre Discographie und spielte dabei so unglaublich tight, dass ich aus dem begeisterten Staunen gar nicht mehr rauskam.
    Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: SACRED REICH sollten ab da zu so einer Art von Festivalsommer-Konstante werden, denn ich sah im Lauf der nächsten zehn Jahre noch diverse weitere Open-Air- wie Club-Auftritte von ihnen und erfreute mich zuletzt dann auch daran, dass schlussendlich auch noch ein paar Songs mehr von "Independent"  ('Free'!!!!) und "Heal" den Weg in ihre Setlists fanden.

    Was man ihnen hoch anrechnen muss: Sie haben nicht einfach an irgendeinem Punkt mal irgendein aus stilistischen Standard-Schablonen gepresstes Album zusammengebastelt, nur weil es einfach mal an der Zeit wäre ein neues Album zu machen, sondern sie haben dies erst dann wirklich erst gemacht, als die Inspiration für neues Material erst später auch mal kam.
    Der Weg dahin wurde kurz vor der Zielgeraden noch mal ein etwas seltsamer, denn zuvor wurde Drummer Greg Hall gekickt und erneut durch seinen einstigen Nachfolger Dave McClain ersetzt, und dann stieg auch noch Gitarrist Jason Rainey aus gesundheitlichen Gründen aus und machte Platz für jemanden, der nur halb so alt ist wie die anderen Bandmitglieder. Kann man alles von außen natürlich auch  ein bisschen seltsam und fragwürdig finden... aber hey: Es gibt ein neues Album von SACRED REICH!



    Wie es ist? Ich find's gut! 
    Gerade auch in seiner knackigen Kompaktheit und dem überraschend gelungenen Spagat von thrashigen Baller-Parts zu rockigen Gangarten, der sich irgendwo im "The American Way"-, "Independent"-, "Heal"-Dreieck einpendelt. Ein relativ typischer Metalband-Comeback-Move, der auch ins Auge gehen kann, hier allerdings absolut funktioniert. Selbst die Kombi aus nicht sonderlich origineller Gerödel-Strophe und etwas pathetischem Simpel-Refrain von 'Divide & Conquer' kommt total geil.
    Bandleader Phil Rind schmettert kräftiger und klarer als je zuvor und das tight-verspielte Drumming von McClain treibt wie Sau nach vorne. 
    Ja, es gibt diese Momente - eine Groove-Part hier, ein Riff dort - die ein wenig selbstzitiert anmuten, die  Schlussnummer klingt eigentlich sogar ein bisschen wie eine hardrockige Fortführung der Hymne 'Free' vom "Independent"-Album, aber das geht alles völlig in Ordnung. Im Fall von 'Something to Believe' muss ich sogar sagen: Indeed that's something! Wenn Buddhist Phil zum Finale fast schon soulig einen ehrlichen Appel ans positive rausruft ist das ferner etwas, das andere Altherren-Metal-Bands so nicht bringen würden und man muss ihn dafür lieben!
    Diese "alte Liebe rostet nicht"-Floskel stimmt wohl manchmal wirklich.

    Donnerstag, 22. August 2019

    Noiserockige Review-Resterampe Sommer 2019

    Vielleicht steht es ja tatsächlich irgendwie in direktem Zusammenhang damit, eine Aufnahmesession mit eigener Band (und Probenmarathon bis dahin) gerade hinter mir zu haben, dass ich nach meinem etwas Gitarrenkrach-übersättigten Sommer mit Drum’n’Bass- und Electronica-Dauerrotation dann jetzt ja doch mal wieder Bock auf Schädelspaltung durch verquere Noiserocker habe…  Auf dem Platteneinkaufszettel steht diesbezüglich schon wieder einiges, aber man kann ja heutzutage auch via Bandcamp reinhören:

    A DEER A HORSE - Everything Rots That Is Rotten
    [Custom Made (Tape) / Corpse Flower (CD)]

    Meine persönlichen Assoziationen, wenn ich die aktuelle EP von A DEER A HORSE aus Brooklyn, New York höre: Neunziger-Alternative-/ Indierock, irgendwie knochig aber doch auch satt bratend, bisschen Stoner, bisschen Grunge, bisschen PJ Harvey, aber auch ein bisschen Touch-and-Go. 
    In meinen Ohren klingt sowas ja wesentlich zeitgemäß-zeitloser als etwa dieser ganze Vintage-Rock-Unsinn, der derweil so angesagt ist, und ich mag's echt gerne!
     
    THE AUSTERITY PROGRAM - Bible Songs 1
    [Controlled BurnDeathwish Inc. EU]
    THE AUSTERITY PROGRAM gehören zu dieser Spezies von Bands, die schon lange ihr Ding gefunden haben, in dem sie sich nur um Nuancen bewegen, was dann allerdings auch völlig in Ordnung ist. Ähnlich wie Mutlicult (s.u.) hat das (auch live) Drumcomputer-gestützte Duo so eine Big-Black-artige Kantigkeit und Schraddligkeit zu eigen, schielt dabei ferner in der Natur der Sache so einen Hauch Richtung Industrial-Metal rüber, ist im Grunde genommen aber irgendwie eigentlich doch primär 'ne (Post-)Punk-Band.
    Das erste von zwei geplanten Mini-Alben, das von der Absurdität einiger Bibel-Texte inspiriert ist, bietet sechs Tracks in ihrem Signature-Stil. Jenen mag man entweder grundsätzlich (ich tu‘s!) oder eben eher nicht.

    CELLOS / NOT OF Split
    [No List Records / Harbour House]
    Am bemerkenswerten an dieser Split-7'': Der zweite der beiden CELLOS-Songs klingt ziemlich nach Unsane. NOT OF driften mir allerdings ehrlich gesagt ein Stück zu sehr in diese poppige Richtung, die man früher mal als College-Rock bezeichnet hätte.

    CHERUBS - Immaculada High
    [Relapse Records]
    Mitte der Neunziger war "Heroin Man" (ursprünglich bei Trance Syndicate erschienen, neuzeitlich gab's allerdings auch schon mal teure Amphetamine Reptile-Handmade-Reissues) von den damals nur kurzlebigen CHERUBS ja u.a. wegen der gequält-quietischigen Vocals, aber auch wegen genereller brachialer Kaputtheit eines der krassesten Alben, das im Zuge der damaligen Noiserock-Welle erschien.
    Auf dem schon zweiten regulären Longplayer seit ihrer 2014er Reunion, mit dem auch Relapse Records ein Stück vom Kuchen des Neunziger-Noiserock-Revivals abhaben wollen, pendeln sie im Rahmen relativ einfacher Strukturen zwischen heavy Brechern und psychedelischer Surf-Coolness, zwischen verschmitzter
    Oberweirdo-Aura und "alles auf Anschlag bis der Amp abraucht"-Modus und liefern damit mal eben scheinbar mühelos eines der Genre-Highlights der Saison ab.
    (Einen CHERUBS-Coversong mit Cherub-Gastsänger gab's dieses Jahr im Übrigen auch  schon auf der neuen USA/Mexico, auf die an dieser Stelle daher gerne noch mal hingeweisen sei...)




    MULTICULT - Simultaneity Now
    [Learning Curve (LP) / Reptilian (CD)]
    Achtung, viel Text... und Hand aufs Herz: Der erhoffte Überkracher oder Jahres-Top10-Kandidat ist das, einen ja doch irgendwie etwas mumpfig und dennoch schmerzhaft-schneidig geratenen Sound auffahrende "Simultaneity Now" leider nicht geworden. Vielleicht liegt’s mit am Aufnahme-/ Produktions-Ansatz, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es bei MULTICULT in Konserven-Form noch viel Luft nach oben gibt.  
    Dabei fiel es mir kürzlich wie Schuppen aus den schütter-fettigen Haaren: Wenn man so will, dann könnte man den „Angular-Noiserock“ von MULTICULT - die 'ne Mega-Liveband sind - ja echt als sowas wie das fehlende Bindeglied zwischen Big Black und Shellac empfinden (das Rapeman eben doch nicht so wirklich waren). Damit, es unbedingt auf diesen Steve-Albini-Vergleich runterbrechen zu müssen, täte man ihnen allerdings schwerstens Unrecht in Bezug auf ihren dann ja doch ziemlich eigenen Sound und Style.  Die etwas hinkende Vergleichsgleichung rührt daher, dass MULTICULT das ohrenfeindlich-kantige und atonal-schraddelige der unbeweglicheren Big Black mit der schon regelrecht progressiven spielerischen Dynamik von Shellac in sich vereinen. 
    So wie es der amerikanische Komponist Charles Ives seinerzeit so treffend mit "Beauty in music is too often confused with something that lets the ears lie back in an easy chair" sagte, so liegt die Schönheit in MULTICULT's Musik darin, wie sich eine gerne mal atonal-abgehackte Gitarrenarbeit, ein verzerrt rumpelnder Bass und ein Schlagzeug mit Punch zusammenfinden und zusammen zu weiterem finden. In Momenten wie den etwas offeneren Groove-Passagen von 'ISO', dem zunächst roboterhaften 'Incoming Noise', das zwischendurch dann doch noch wie Sau zu peitschen weiß, oder der mal wieder instrumentalen Schlussnummer 'Fed Back Fatigue', die fast auseinanderzufallen droht, offenbart sich einem diese seltene Schönheit. 
    Nur leider will mich "Simultaneity Now" über die volle Distanz seiner zehn eckig und kantig schraddelnden Songs nicht so richtig komplett umhauen. Was schade ist! Denn Randnotizen wie die, dass Gitarrist Nick Skrobisz auch experimentellere Solo-Projekte betreibt und in der Vergangenheit mit einer anderen Band Voivod coverte, Bassistin Rebecca Burchette deswegen einen so geilen Sound hat, weil sie sich ihre Effektgeräte professionell selbst zusammenbastelt (Robo Pedals) oder Drummer Jake Cregger außerdem in einer vielleicht etwas unterbeachteten Grindcore-Band sein Drumkit zertrümmert ("Dead House Dreaming" z.B. sollte man mal gehört haben) machen diese Band ja eigentlich extra-sympathisch.

    RAKETKANON - RKTKN #3
    [Alcopop! Records]

    Ganz schön viele „irgendwie hatte ich mir wohl mehr davon versprochen“-Einträge in dieser Liste, aber es nützt ja alles nix: "RKTKN #1" und vor allem "RKTKN #2" fand ich mit ihrem leicht wahnsinnigen Synthie-Sludge-Rock samt Phantasiesprachen-Lyrics ja super, "RKTKN #3" ist... irgendwie nicht das Feuerwerk geworden, das dem noch mal einen draufsetzt. Warum nicht? Ich würde mal sagen, dass die Band den etwas bekloppten Spaßfaktor der Vorgänger beim dritten Album hinter der Ambition zurückgelassen hat. Dazu sprechen auch immer weiter raus gehende Hochglanzvideoclips eine gewisse Sprache, welche die Belgier schon regelrecht in Richtung eines stylish-trashigen Gesamtkunstwerks rücken (oder so). Kann man machen, aber ich komm‘ da wohl nicht mehr so ganz mit.

    WHEP - Welp
    [Selbstvertrieb]
    „Klingen ja doch so ein bisschen wie The Jesus Lizard“-Bands schießen in letzter Zeit wie Pilze aus vor allem auch amerikanischem Boden. Ich sach ma‘: Es gibt schlimmeres! 
    (Z.B. Sound- und Style-Wiederkäuer, die Retrorock, Old-School-Deßmeddl oder Bollo-Sludge fabrizieren, ohne dabei auch nur ein Fünkchen an wirklich inspirierter Eigenidentität zeigen zu wollen…)
    Neben ihrer zweiten EP "Welp" kam dieses Jahr dann außerdem auch noch mit 'Tired (Tired Version)' eine trockener und langsamer rumpelnde Neuaufnahme eines Songs ihres Debüts von Dezember 2017 raus.


    YC-CY - béton brut
    [X-Mist Records]
    Eiiigentlich müsste Musik im Post-Hardcore-/ Noiserock-Bermudadreieck, zwischen sich depri-doomig dahinschleppendem ('a lifetime to live, a second to die') über gelegentliche Industrial-Krach-Anwandlungen ('indescribable space') bis zu aggressiven Gangarten mit hektisch breakbeatenden Drums ('past, present, future') und dann auch noch einer unaufgeregten Instrumental-Schlussnummer, deren dezente Brutalismus-Schlagseite mich an den großartigen "Berlin Babylon"-Soundtrack der Neubauten erinnert ja etwas sein, das bei mir eine „könnte auch echt eine Band von mir selbst sein“-Reaktion auslöst. Aber selber machen und selber hören ist ja bekanntlich auch nicht immer die gleiche. So ist "béton brut" seltsamerweise ein Album, zu dem ich seit Veröffentlichung im Mai (dank Gratis-Download bei Bandcamp) tatsächlich immer wieder mal für 1-2 Durchläufe zurückkomme, dann aber doch nie das Bedürfnis verspüre, mir zeitnah die LP ins Regal stellen zu müssen. Eine Ambivalenz, die ironischerweise auch die sehr indifferente Stimmung wiederspiegelt, welche von YC-CY's Musik ausgestrahlt wird.
    Ganz konkret muss ich allerdings sagen, dass mir die bei einigen Songs etwas schief-melodisch auf der Stelle rumeiernde Gitarre irgendwie leicht auf den Sack geht.
    Sollten die Schweizer, wie letztes Jahr wiederholt nach Duisburg, mal wieder in die Gegend kommen, werde ich mir die Platte bei der Gelegenheit dann aber wohl dennoch vor Ort schießen, um sie neben den tollen "Todestanz" zu schieben.


    ...to be continued...

    Montag, 19. August 2019

    Neuer Horror...

    Die Punk-Hopper von HO99O9 haben auch schon wieder 'ne neue EP mit sieben Tracks und 'nen Videoclip zu einem davon draußen. 
    Die EP kann man sich bei Soudcloud anhören, die sonstigen Optionen (Spotify, Apple) finde ich allerdings ehrlich gesagt eher unsexy.



    Zum animierten Videoclip zu "Master of Pain" lässt sich dann noch sagen, dass dieser im offiziellen Heavy Metal Magazine Comic-Style daherkommt:


    Bumms-Tschacke-Düsch(11)

    Und schon wieder sind kürzlich ein paar ganz coole Singles/ EPs aus dem Feld der Breakbeats und Bassläufe rausgekommen, außerdem habe ich noch mal 1-2 weitere Sachen aus diesem Jahr dazunotiert, in die ich erst jetzt oder nochmal reingehört hatte, plus die obligatorischen Schulterblicke in noch etwas andere Richtungen...

    Der Fifteen Years of Vandal Records Compilation (Bandcamp / Soundloud) vom Mai, u.a. mit dem THE OUTSIDERS & OAT Smasher 'Semantics' , sollte man z.B. auf jeden Fall mal ein Ohr schenken und sich vielleicht auch mal den Facebook-Post von OaT zu seiner kürzlichen künstlerischen Krise durchlesen.
    Und die noch ziemlich aktuelle...

    ARCLIGHT - EyeWall  EP 
    ...auf Vandal ist mit ihrem dunklen Sound dann im Übrigen ebenfalls nicht zu verachten; ich find's super, vor allem den Titeltrack:

    BLACK BARREL - Elevate 
    Auch wenn ich schon back in the day ganz ehrlich gesagt gar nicht mal so wirklich alles von Goldie so richtig geil fand, bin ich ja durchaus trotzdem Fan des klassischen Sounds seines Metalheadz-Labels, das im Oktober den 25sten feiert und auch dieser Tage nach wie vor konstant coole Sachen rausbringt und neue Talente entdeckt. 
    Z.B. BLACK BARREL aus Russland, der hörbar vom besagten Klassikersound beeinflusst ist.
    Nächster Metalheadz-Release dann im Übrigen schon kommende Woche mit "Transpose" von Jem One.


    BLACK SUN EMPIRE & NYMFO - Mud EP
    Ja huch, hatten wir in dieser Blog-Rubrik bisher tatsächlich noch gar nicht die Genre-Hausnummer und Sounddesign-Meister BLACK SUN EMPIRE erwähnt? Das niederländische Trio hat seit 'nem Quartal oder so eine Kollabo-EP mit Landsmann NYMFO übers eigene Label Blackout Music NL draußen. Eine glasklare Produktion mit abwechslungsreich ausgeklügeltem Material samt Techno-Akzenten, typischen Neuro-Sounds und dubsteppigem Wobble, die eindrucksvoll demonstriert, warum man die Crew schon länger als Champions ihrer Disziplin deklariert.

     
    DOUBLE HELIX – Endurance EP
    T3K Records ist ein auch schon ‘ne Weile existentes, derzeit im Umrbuch zu mehr befindliches, rein digitales Label mit Hauptquartier in Mannheim, das unter dem Banner "T3K Mainseries" Veröffentlichungen an zeitgemäß hochqualitativem Drum’n’Bass/ Neurofunk präsentieren möchte.
    Die "Endurance" EP (Beatport) vom Österreicher DOUBLE HELIX soll in eine genau derartige Kerbe schlagen: Futuristisch-atmosphärisch, treibend, partiell vielleicht auch mal ‘nen Ticken härter.
    Da die Soundcloud-Playlist dazu ein ziemliches Durcheinander an Promoclip-Snippets, vollwertigen Tracks und langen Mixen
    ist, sei dafür jetzt einfach mal DOUBLE HELIX‘ halbstündiger Release-Mix drunter gesetzt…

    JELLVAKO - Integration
    Für den Blick über den DnB-Tellerrand haben wir mal wieder was interessantes von Opal Tapes auf dem Radar: Die Südkoreanerin JELLVAKO hat im Rahmen ihrer oft eher kurz gehaltenen Songs eigenwillige Musik zu bieten, die genauso Hip Hop-/ Trap-/ Dubstep-Charakteristika mitbringt, wie eine gewisse experimentelle Industrial-Techno-Soundästhetik.
    Nicht uncool!

    MAHAKALA -Tomahawk / The Realms
    Zwei ganz coole Tracks von MAHAKALA (auch Teil von Bristol's Om Unit), die verschiedene Drum'n'Bass-Subgenre-Sounds abstecken: Die A-Seite hat Techstep- und Jungle-Flair, die B-Seite entspricht dem, was man auch als Drumfunk bezeichnet.


    XEOMI & KAIZA - Nihilist
    XEOMI and KAIZA - Akma
    Man muss an dieser Art von Musik ja irgendwie mögen, wie sie die Welt zusammenbringt: Hinter der geballten Metal-Ästhetik von "Nihilist" steckt die wiederholte Zusammenarbeit eines deutschen Beatbastlers (KAIZA, u.a. auch Gründer des weiter oben erwähnten Labels T3K Recordings) und des südkoreanischen Drum'n'Bass-Produzenten XEOMI, die sich hier in einem teilweise ganz schön krachenden Sound präsentieren, der mir entgegenkommt. 
    Nur ein paar Wochen zuvor hatten die beiden dem mit "Alma" (Beatport / Soundcloud) bereits eine weitere 4-Song-EP über Bad Taste Recordings vorausgeschickt, die im Direktvergleich insgesamt nicht gaaaanz so derbe kickt, aber vor allem mit 'Cold' echt ein kleinen Hit bietet!
    (Und wenn man dann über "Nihilist" eh schon mal bei Kosen Production vorbeischaut, kann man an diesjährigen Veröffentlichungen des französischen Labels bisher ja vielleicht auch gleich noch mal eben eine Single vom russischen Szene-Shootingstar NAIS oder die aktuelle EP vom Duo TR TACTICS aus Österreich auschecken.)


    KAIZA ist im Übrigen ferner u.a. auch Mitglied des Trios INSTINKT, das im März die recht hörenswerte "Arrival EP" (Beatport / Soundcloud) ebenfalls über Bad Taste Recordings rausbrachte, was keinesfalls unerwähnt bleiben soll..

    Sonst noch:

    Der finale Mix der "RTRN II JUNGLE Pirate Radio"-Reihe kommt von den Initiatoren CHASE AND STATUS selbst und macht erwartungsgemäß Laune!

    Bei The Brvtalist gibt 'nen aktuelles Liveset vom DIASIVA, dem gemeinsamen Projekt von Monolog and Swarm Intelligence, das mit abstrakten Sounds und Beat-Dekonstruktionen fasziniert.  
    Und wo wir grade dabei sind, hätten wir auch noch einen Solo-Set von SWARM INTELLIGENCE beim Hate Podcast.

    END.USER hat mit "Retox" mal wieder 'ne ältere EP erstmals auf Bandcamp am Start

    Vom Breakcore-Krawallmacher TRASH.EATER, der letztes Jahr schon mal mit einer Sonicterror-Veröffentlichung auffiel, kam Anfang des Jahres mit "Some Assembly Required" eine Sammlung von acht auf Tour live mitgeschnittenen Tracks über das amerikanische Label IndustrieStandard raus.

    Die "Integration Vol.1" Compilation von Cyberfunk™ hat ein paar frische, vielversprechende Talente zu beiten, leider sind auf Soundcloud aber nur Ausschnitte statt ganze Tracks zu hören.

    Der VALE Guestmix bei MethLab Radio ist ebenfalls nicht uninteressant.


  • Bumms-Tschacke-Düsch (Mai 2019): Mixe von SUBMERGED und GORE TECH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (2): SUBMERGED Live-Set, OAT 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (3): EPs und Singles von BEAMWIDTH, BREAKAGE, PETE CANNON, HEADPLUNGER, MARK
  • Bumms-Tschacke-Düsch (4): Alben von HOMEMADE WEAPONS und PARAGON
  • Bumms-Tschacke-Düsch (5): Live-Set von MONOLOG, EPs von SUBMERGED, IDEATORZ, ERIS & OZ1 und END.USER & AARON BIANCHI / VELOS & N.L.I.C. 
  • Bumms-Tschacke-Düsch (6): USDNB Producer Showcase/ Best Drum and Bass Podcast
  • Bumms-Tschacke-Düsch (7): DEEP JUNGLE Labelportrait mit u.a. DILLINJA,  RAFFKUTT, SIMON BASSLINE SMITH und TECH ITCH
  • Bumms-Tschacke-Düsch (8): Mixe von DJ HARMONY, RAY KEITH, AMIT und BENNY L; EPs von METALHEADZ und EATBRAIN  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (9): EPs/ Singles von KNORZ, MIZO, NAIS, OAT, OPHOBOT, PASCAL, THE TEKNOIST und SAMURAI MUSIC. Plus paar Mixe und Live-Sets.  
  • Bumms-Tschacke-Düsch (10) mit Soundcloud-Playlist, ThirtyOne Recordings, FLAME 2 (The Bug + Burial), KARL K, SWARM INTELLIGENCE, TORN, ...  
  • Sonntag, 18. August 2019

    Rainbow Grave - No You

    Unglaublich, vielleicht auch albern, aber wahr: Der Knoten meiner "im Moment total keinen Bock auf Gitarrenkrach in der Heimrotation, weil irgendwie total übersättigt und ermüdet"-Phase der letzten Zeit, die ich hier immer wieder bekundete, platzte wohl beim Konzert von We Are The Asteroid und Flipper feat. David Yow, denn der zähe Sludge-Punk letzterer war wohl der genau richtige Initialfunke, mich dann jetzt doch endlich mal so richtig dem Album von RAINBOW GRAVE zu widmen.
    RAINBOW GRAVE markieren die Rückkehr eines verlorenen Sohns, denn Stimme und einer von zwei Gitarristen der Band ist kein Geringerer als Nicholas Bullen, seines Zeichens Gründungsmitglied der Grindcore-Gottväter Napalm Death und ferner des aus jenen hervorgegangenen Industrial-/ Dub-Projekts Scorn (das dann allerdings bekanntlich bald zum langlebigen Soloprojekt von Ex-ND-Drummer Mick Harris wurde). Danach war  Bullen hier und da in experimentellen Elektroniker-Gefilden unterwegs (inklusive einem Drone-Album mit Bill Laswell), blieb aber bis gerade eben über die letzten zwanzig Jahre eher so ein bisschen unter dem allgemeinen Radar.
    Für die neue Band tat er sich mit John Pickering (ebenfalls Gitarre) zusammen, seines Zeichens Gründungsmitglied von Ballerband-Urschleim wie Doom und Sore Throat, und die beiden akquirierten noch eine Rhythm Section aus der Gegend.
    Nach einer 7'' über God Unknown Records letzten Winter gab's dann nun auch den Langspieleinstand übers gleiche Label:


    Das Konzept von RAINBOW GRAVE ist schnell erklärt: Man kanalisiert das absolute Negative und Songideen werden dabei aufs wesentliche runter subtrahiert, bis nur noch repetitiv-momotoner Zäh-Punk der Drunks-with-Guns-Schule übrig bleibt, den man wiederum mit gewisser Brachialität und Krachigkeit zelebriert. Tempomäßig variiert man zwischen Doom-Groove und flotterem Midtempo, ein paar zusätzliche Effekte auf Gitarre oder Vocals geben dem Ganzen schon mal eine dezent psychedelisch angehauchte Qualität.
    Und für einen milder werdenden Krachfetischisten wie mich ist das tatsächlich Musik, für die ich in der richtigen Tagesform und Stimmung sein muss: Es gibt so Momente, da kann mir das Ganze beim Reinhören auch total auf den Sack gehen. Dann wiederum aber gibt es durchaus ebenfalls welche, in denen die plumpe Direktheit von "No You" einfach total das genau richtige ist. Wann, wie und warum das so sein kann, das kann ich schlecht erklären. Sowas kann man nur selbst fühlen oder eben nicht.

    Dass es aktuell 'ne zweite Pressung als schwarze 180-LP beim Label gibt, wo ich mir im Frühjahr die Erstpressung auf dünner, transparent-pinker Platte vorbestellt habe, ärgert mich dann jetzt zwar auch fast schon wieder, aber nuja... #FirstWorldProblems

    Freitag, 16. August 2019

    Flipper feat. David Yow & We Are The Asteroid @Bielefick

    In der Tendenz hätte ich ja nie gedacht, dass dieser Satz in diesem Leben so noch mal über meine Finger kommt, aber: Meine Fresse, war das gestern geil... in Bielefeld.
    FLIPPER riefen zur vierzigjährigen Jubiläumstour...

    Doch der Reihe nach, denn erstmal WE ARE THE ASTEROID, wie angekündigt pünktlich um 20:00. Denkt dran, bei wem Ihr zum ersten mal was über jene gelesen habt. ;) Denn ich muss Euch echt sagen: Man, war das gut! Allein für die Dreiviertelstunde des Psychedelic-Punk-Powertrios bzw. der Neunziger-Noiserock-Supergroup hat sich's schon gelohnt, nach Ostwestfalen rüber zu gurken. Die Band versprüht Chrome-, Melvins- und Sabbath-Vibes in einem, Basser/ Sänger Nathan Calhoun (war passenderweise auch mal kurz ein Butthole Surfer) ist mächtig bekloppt und Gitarrist/ Sänger Gary Chester (damals mal Ed Hall!) ist die Mensch gewordene Spielfreude. Man steigert sich von 'nem pinky-.floydigem Eröffnungs-Instrumental über abrockende Groover bis zum Heavy-Metal-Smasher, Calhoun rennt  Chester immer wieder mit dem Kopf vor die Brust oder gegen die Schulter und wälzt sich zum Schluss gar noch auf dem Boden, Drummer Frank Garymartin (Ex-Pain Teens / -Season To Risk) stützt das Ganze mit gelegentlichem Vollgas-Alarm auf dem Toms.

    Man. war. das. gut. Und megakurzweilig.
    Die LPs waren leider schon ausverkauft und die Shirts irgendwie ein paar Euros zu teuer..

    Dann FLIPPER! Originale Mitglieder an Gitarre und Drums, aktuell Basser Mike Watt (Minutemen, auch mal Stooges) im Tour-Line-Up und, nun ja... David Yow. Der dann auch die eigentliche Attraktion des Ganzem ist. Yow hat gerade mal ein Textzeile gesungen, da wirft er sich auch schon ins Publikum. Und sucht allgemein mehr Körperkontakt als manchem lieb ist. Lehnt sich zurück auf der Bühne demonstrativ an Boxen oder Wände, wenn er gerade nicht singen muss und inhaliert dabei eine Pulle Astra nach der anderen. Und wirf sich wieder ins Publikum, wuselt Leute, startet selbst einen Pogopit. Zurück auf der Bühne führt er irre grinsend einen Balletttanz auf und rutscht in der selbst verursachten Bierlache aus. Und wirft sich wieder ins Publikum...
    Ted Falconi (dicke graue Dreadlocks) malträtiert seine Gitarre derweil auf eine sehr eigenwillige Art hauptsächlich mit dem Rücken zum Publikum, Watt hat entweder gute Laune oder ist generell so'n bisschen irre. 
    Der oft eher ins zäh-schleppende driftende Punk der Band, der Äonen an Noiserockern, Grungern und Sludgern beeinflusst hat, macht aber auch für sich tierisch Bock, bevor wir uns missverstehen. 
    Das flotte 'Hahaha' verschießt man dabei bereits als zweites und zum Schluss kommt, was kommen muss: Für eine episch ausartende Version von 'Sex Bomb' holt Yow das halbe Publikum zum Tanzen auf die Bühne und liegt selbst schon wieder Backstage, bevor der Rest der Band wirklich mal ein Ende findet.
    Zu einer arbeitnehmerfreundlichsten Zeit um ca. zwanzig nach zehn ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Und war, meine liebe Freunde, wirklich ganz, ganz, ganz große Rock'n'Roll-Unterhaltung! 

    Mittwoch, 14. August 2019

    Lungs...

    IRON LUNG Records machen mich ja irgendwie ein bisschen fertig. Warum? Weil das Label aus Seattle, das von der gleichnamigen Band betrieben wird und sehr viel sehr coolen Kram von Noiserock-Geschraddel bis Grindcore-Geballer rausbringt, zwar neben Bandcamp und Bigcartel auf Instagram und Twitter vertreten ist, ich wiederum aber Instagram und Twitter aufgrund einer allgemeinen „man kann echt nicht auf jeder Hochzeit tanzen“-Haltung seit eh und je eher ignoriere und „Musik-News“ viel über meinen Facebook-Feed beziehe. Dort allerdings sind IRON LUNG weder als Band, noch mit ihrem Label vertreten (und wir müssen uns an dieser Stelle jetzt eigentlich auch gar nicht darüber unterhalten, dass wir uns für eine bessere Welt am besten einfach mal alle bei FB abmelden sollten).
    Deswegen ist’s immer so ein bisschen Glücksache, ob ich es mitbekomme, wenn was brauchbares auf Iron Lung rauskommt, oder mal wieder für eine ganze Weile vergesse, dass es dieses Label überhaupt gibt…

    Aktuell wurde ich von anderen Medien über den Umweg Facebook tatsächlich darauf gestoßen, dass Iron Lung gestern zwei Tonträger rausgebracht haben:

    First of all die Debüt-7‘‘ von UNDER ATTACK, eine von zwölfhundert Bands, in der Wunderdrummer Dave Witte (u.a. Municipal Waste, Ex-Discordance Axis) mitmacht, zusammen mit irgendwem der witzigen Queercoreler Limp Wrist bzw. Leuten von Suppression und Devoid Of Faith, und die sich straightem Auf-die-Fresse-Hardcore verschrieben hat:


    Und dann wäre da noch die für diesen Vinyl-Release neu abgemischte "Demo MLP" von SOGA aus México, ebenfalls energischer Hardcore, mit Mitgliedern von Riña, Cremalleras und Ratas Del Vaticano:

    Montag, 12. August 2019

    Altered Brain Data Explosion, Galactic Killer Drums & Cryptozoon (KK Null)

    Der allgemeine Output von KK NULL ist ja auch so unglaublich, dass ich wünschte, ich hätte bei meinem durchaus vorhandenem Interesse an Noise-/ Power-Electronics-/ Industrial-Kram etc. wirklich die Zeit dafür, mir all das tatsächlich mal gebührend anzuhören. Aber wann, zur Hölle, wann soll man sich all das auch noch geben?

    Der gute Kazuyuki Kishino – bekanntlich auch Gitarrist und Schreihals der nach einem letzten Aufbäumen in Duoformation vor vier Jahren wohl endgültig auf Eis liegenden Noiserock-/ Metal-Unikate Zeni Geva – hat gerade eben ein neues Digital-Ablum namens "Altered Brain Data Explosion" rausgetan:




    Vor nur vier Tagen gab’s dann auch schon Phase Vier der etwas perkussiv-krachiger ausgerichteten Serie "Galactic Killer Drums":



    Wiederum wenige Wochen zuvor gab’s die fünfte Episode der "Cryptozoon"-Reihe, bei welcher es sich um elektroakustische Kompositionsexperimente handelt, und die gerade mal eine Woche vorher mit den ersten beiden Ausgaben gestartet war:



    Wann soll man sich das alles denn bitte auch noch anhören?
     #FirstWorldProblems ;)