Freitag, 31. August 2018

Bummer - Holy Terror

Manchmal sind es die einfacheren Dinge, die es einem doch irgendwie etwas schwieriger machen. Denn ich bin ja hin- und hergerissen, wie geil oder eben doch nicht so ganz ich den Langspieleinstand von BUMMER finde...



Die metaphorische Messlatte der Erwartungshaltung lag nach der grandiosen "Spank" EP und der letztjährigen Split mit Pinko wohl auch einfach seeeeehr hoch. Und vielleicht sind derartige Kleinformate im Gegensatz zum klassischen Zehn-Song-Album auch das eigentlich geeignetere Format für eine Band wie BUMMER.
Bei BUMMER geht’s nämlich trotz Hang zur Selbstironie in keiner Weise um irgendeine Art von intellektuelle Stimulation, sondern um den Schlag in die Fresse, den man sich im Zweifelsfall selbst verpasst und dann auch noch doof drüber freut.
BUMMER’s abweisender Rüpel-Rock/ Metal-Punk ist das musikalische Equivalent dazu, sich die Bierdose auf dem Kopf zu zerdrücken, bzw. urinstinktiv-plump bis viril den Neandertaler in sich selbst zu spüren, weil einem in dieser beknackten Welt sonst nichts mehr einfällt.


Das junge Trio aus Kansas City wurzelt dabei - ähnlich wie ihre Label-Mates von Tongue Party (die, was mich betrifft, ja das Album des Jahres veröffentlicht haben) - mehr oder minder in Frühneunziger-Noiserock-Assoziationen mit metallischer Kante (so einen Hauch erinnern sie mich ja an die göttlichen Fudge Tunnel), aber wenn man "Holy Terror" und "Looking For A Painful Death" im Direktvergleich hört, sind die gravierenden Unterschiede allzu offensichtlich:  

Da wo Tongue Party immer wieder mal clevere Knicke in ihre Songs klopfen, allerdings über die Gesamtlaufzeit ihres aktuellen Albums einfach nur völlig entfesselt klingen, da hat man bei BUMMER’s "Holy Terror" erstmal das Gefühl,  etwas wesentlich primitiveres mit viel einfacheren Songideen zu hören, dessen Darbietung in diesem Fall allerdings irgendwie auch schon mal ein bisschen steif rüberkommt.
Letzteres kann evtl. produktionstechnische Gründe haben, z.B. dass  die Band das Teil „auf Click“ eingespielt hat, obwohl es dem Material an einigen Stellen vielleicht sogar besser zu Gesicht stehen könnte, einen Ticken rasanter und unkontrollierter nach vorne zu stolpern.
Etwas schade ist das schon, und ferner der Grund, warum ich anfänglich nicht wie erhofft freudigste Purzelbäume zu dem Teil schlagen wollte. 


Bei genauerem Hinhören steckt der Teufel aber eben doch im Detail und "Holy Terror" belohnt einen mit der Erkenntnis, dass die Band in ihrem Rahmen einfach nur völlig bekloppt klingt.
Oder zumindest ihr Gitarrist und Shouter Matt Perrin. Dessen troglodytisch-wahnhaftes Gebrüll  ist nämlich teilweise ziemlich drüber und an der Gitarre neigt er neben metallischem Palm-Mute-Geriffe auch immer wieder mal zu atonalen Schrammeleien (sehr geil ist übrigens auch der Voivod-eske Moment am Ende von 'Astro Bastard'), während nicht jeder Song durchgängig auf der ganz straighten Schiene fährt, sondern zwischendurch auch schon mal einen Schlenker durch holpriges Unterholz nimmt.
Und die Rhythm Section bleibt dabei eher das solide Fundament, anstatt einem abenteuerlustigen Spieltrieb nachzugehen.

Je nach persönlicher Tagesform empfinde ich die zehn kurz auf dem Punkt gehaltenen Songs jedenfalls manchmal irgendwie fast schon als ein bisschen wenig. Aber vielleicht liegt das auch einfach nur an überhöhten Ansprüchen und nimmersatten Hörgewohnheiten auf meiner Seite, denn an sich ist die grobe Kelle, die einem BUMMER hier mit Mörder-Riffs en masse verpassen, ja doch ‘ne ziemlich geile Angelegenheit.
Summa summarum dürften sie damit mutmaßlich wohl auch ferner mal wieder so ‘ne Band sein, die dem Punk zu Metal und dem Metaller nicht Metal genug ist. Aber auch das macht nix, denn dafür habt Ihr ja immerhin mich. ;)

Und jetzt bittebittebitte zusammen mit Tongue Party, Murf,  Whores, Ken Mode und/ oder Sandrider oder so auf Europatour kommen und ich reise auf meine alten Tage glatt noch mal mit hinterher.

Donnerstag, 30. August 2018

Fail Konzerte

Was war das denn gestern bitte für ein Mega-Fail, "Shōgun Konzerte"?
Wieso muss ich den Local Support, die sacklangweiligen bis generell fragwürdigen Wannabe-Cult-of-Lunas RED APOLLO sage und schreibe fuckin‘ 50 Minuten (!!!) ertragen, während die als letztes spielenden PRIMITIVE MAN, wegen denen ich hauptsächlich 15€ an der AK gelassen habe, nach ca. 15 Minuten Gedröhne was von „…Equipment Problems…“ nuscheln und dann schon den Hammer fallen lassen?!
Zumal man von etwaigen Equipment-Problemen eh nix gehört hat (abgesehen davon, dass der Sound im Junkyard-Hangar jetzt eh nicht sooo berauschend war) und direkt das Gerücht rumging, dass halt Punkt 23:00 Schluss ist, weil um 23:00 Schluss sein muss.
Wollt Ihr uns eigentlich verarschen?


Sieht man mal eh schon wohlwollend davon ab, dass der Junkyard ein bisschen nervt (wieso kriege ich einen Stempel, wenn ich die Lokalität während der Veranstaltung eh nicht verlassen und wiederbetreten darf? Muss dieser Pfandmarken-Unsinn echt sein? Wahl zwischen Geschmackspest (Carlsberg) und Schädelcholera (Astra), really?) ist das ein ganz schön misslungener Auftakt gewesen, sich als Konzertveranstalter härterer Klänge in der diesbezüglich relativen Kulturruine Dortmund (wieder) etablieren zu wollen.


Der Abend im Zeitraffer: Punkt 20:00 nerven RED APOLLO mit ihrem uninspirierten „Post-Metal“ in Überlänge. 
Es folgen die kalifornischen Sludge-Urgesteine -(16)-. Jene sind zwischen mittelschweren 90er-Grooves, Hardcore-Vibes und passablen Stoner-Metal-Riffs ‘ne brauchbar-kurzweilige Angelegenheit, spielen aber eigentlich auch schon 1-2 Songs zu viel. Sonnenbrillenträger bei Clubkonzerten (der Basser) kann ich allerdings eh nicht so richtig ernst nehmen.
Zum Schluss gibt’s das visuell wie klanglich massige Trio PRIMITIVE MAN. Eine Band, die zwischen massivem Drone-Sludge-Doom, experimentelleren Noise-Releases und genereller Punk-Attitüde eigentlich auf der Höhe der Zeit viel richtig macht. Man hat sich jedenfalls gerade erst auf ihre dicke Soundwand eingelassen, kommt so richtig rein, freut sich auf noch mehr… und dann ist abrupt vorzeitig Ende, als der Headliner gerade mal ein Drittel der Local-Support-Spielzeit abgerissen hat?
Was war das denn bitte?
Ja, ich bin ein wenig verärgert… 


 

Dienstag, 28. August 2018

Dieser Tage raus (KW35)

Was. für. eine. Woche. Zumindest auf dem Neuerscheinungen-Radar. Wenn es sowas wie ein Sommerloch gab, ist es spürbar rum...
Deswegen auch mal nicht ganz so alphabetisch, sondern das wichtigste zuerst:



KEN MODE - Loved
Da haben die kanadischen Noiserocker / Sludge-Metallic-Post-Hardcoreler KEN MODE mit den bisher vorab veröffentlichten Songs ja echt schon ganz schön was versprochen... 

An denen mag ich ja eh, dass sie nie ein Album zwei mal machen und beim nächsten gerne noch mal ‘ne Schüppe drauf legen. War’s auf dem 2013er "Entrench" eine Extraportion rasanter Hardcore-Aggression gewesen, kam 2015 das bei Steve Albini aufgenommene "Success" mit mehr Nosierock-Schroffheit denn je daher.
Dieses „jetzt wollen sie es aber wissen, was?!“-Ding schwingt seit eigentlich schon ihrem 2011er "Venerable"
bei jedem Album mit, wie auf dem Quantensprung vom Nerd-Geheimtipp zum universalen Kritikerliebling, und da bildet "Loved" keine Ausnahme. 
Denn die dazu im Vorfeld losgelassenen Hörproben sind durch die Bank ziemlich wild und zeigen fast schon eine Converge-Kante.
An den Reglern saß dieses mal übrigens wieder mal jemand, der einfach nur richtig dafür ist: Andrew Schneider, bekannt von Slughog und Pigs!




WE ARE THE ASTEROID - Smoke On The WATA

Vor ein paar Tagen überhaupt erstmals angekündigt, haben WE ARE THE ASTEROID schon in dieser Woche überraschend ihren zweiten Longplayer am Start. 
Bei jenen aus Austin, Texas trommelt Frank Garymartin, der früher mal bei den Pain Teens und auch Season To Risk war, Gitarrist/ Sänger Gary Chester kennt man noch von Ed Hall und Basser Nathan Calhoun ist irgendwie dem Butthole Surfers-Umfeld entsprungen.
Alte Frühneunziger-Noiserock-Helden galore also, die gemeinsam 
knackig groovendem Post-Punk mit psychedelischer Surfers-Weirdness, Melvins-mäßiger Freistil-Schrägheit und vielleicht sogar einem Schulterblick Richtung NoMeansNo frönen.



THOU - Magus
Dass ich in letzter Zeit so ein bisschen übersättigt bin, was langsam/ massiv/ schwer groovende Brachial-Brüll-Musik angeht, da können THOU nix für, und man kann das, was diese seit 2005 aktive Truppe aus Sludge-Metal-County Louisiana seit eh und je so alles richtig macht und auszeichnet, nicht nur mal eben an seinen zwei Händen abzählen.
Und dass ich ihr 2014er Album "Heathen" eher unspannend und nichtssagend fand, das versöhnten sie in diesem Jahr nach längerer Veröffentlichungspause dann mal eben bereits mehrfach dadurch, dass sie mit drei, dem neuen Album vorausgehenden EPs bewiesen, eigentlich ja doch alles zu können: "The House Primordial" bot besonders fiesen Blackened-Sludge-Metal mit geilen Drone-Noise-Intermezzi, "Inconsolable" verblüffte mit Akustik-Musik und "Rhea Sylvia" ließ als brachial-doomige Grunge-Annäherung inkl. Crowbar-Coversong aufhorchen.
Was diese Woche wohl als neuer Regulär-Longplayer so auf uns zukommt? So viel steht fest: Es wird derb'!




THROAT - Bareback
Mit dem 1999 gegründetem Label und Mailorder Kaos Kontrol und als Gitarrist und Sänger der zehn Jahre später ins Leben gerufenen THROAT hält Jukka Mattila schon länger in und aus Finnland heraus die Noiserock-Fahne hoch.
Dass er „nebenbei“ auch noch bei Svart Records dayjobbt dürfte sich nun schon allein deshalb bezahlt machen, weil sein Arbeitgeber nun auch mal eben das neue THROAT-Album „Bareback“ rausbringt.
Dabei saß im Übrigen ebenfalls Andrew Schneider am Mischpult, der ja auch schon für den massiven Sound des diese Woche kommenden KEN mode Albums (s.o.) verantwortlich ist. 


 

MAMALEEK - Out of Time
Der Weirdo-Pokal der Woche geht an MAMALEEK, die auch vorher schon strange hoch zwölf waren, auf "Out of Time" aber noch mehr aus ihrer Vorstellung von Black Metal rausschwimmen: In Richtung trüber Jammertal-Gewässer The Cure’schen Emo-Gothrocks
stolpern sie sich mit "Troglodyt on Acid"-Rumpelfaktor durch eigenwillige Ideen und noch eigenwilligere Umsetzungen mit Ansätzen von Jazz bis Elektronik, die Mut zur Hässlichkeit unter laminierter Oberfläche zeigen und den Hörer auch schon mal irgendwas zwischen irritiert, amüsiert und verstört hinterlassen können.
So geht wahre, auch schon mal unangenehm berührende Kunst, während die ganzen Klischeekarikaturen-Clowns der Black-Metal-Szene einfach nur noch kacken gehen können (dabei nicht im Patronengurt verheddern!).


...und weiter...
 ALPHA STRATEGY - The Gurgler
Antena Krzyku mal wieder: Mit dem dritten Album der kanadischen ALPHA STRATEGY, aufgenommen von Steve Albini, hat sich das polnische Label was ins Roster geholt, das Freunden von Killdozer, Birthday Party und Jesus Lizard munden dürfte.


FOX MEDICINE - Pink Diamond Lady
Die Portlander Duoformation FOX MEDICINE erinnert hier u.a. auch dadurch, sich irgendwo zwischen Garagen-Punk, Metal und Alternative-/ Grunge-Feeling nicht so richtig für was entscheiden zu können, in Kombination mit dem etwas schiefen Frauengesang, ja doch ziemlich an L7...
Die neue EP "Pink Diamond Lady" geht kommenden Samstag komplett online!


IDLES - Joy as an Act of Resistance.
Das neue Album der inzwischen sogar schon "WDR Rockpalast"-erprobten britischen Schräg-Postpunks IDLES aus der generell umtriebigen Bristol-Clique hätten wir dann auch noch! Gute Band!


KOENJIHYAKKEI - Dhorimviskha
Länger nix mehr vom SKiN GRAFT Label gehört? Diese Woche kommt’s relativ dicke mit dem fünften Album der japanischen KOENJIHYAKKEI (werden die nicht eigentlich "Koenji Hyakkei" geschrieben?).
Wild instrumentierter Math-/ Jazz-/ Prog-Rock mit operettenhaften Vocals, wie Magma und King Crimson gleichzeitig und auf Speed, und zwischendurch rumpelt auch schon mal ein verzerrter Bass etwas härter für die Fantômas-/ Naked-City- etc. Assoziation!
Hilfe! Aber geil! Aber trotzdem Hilfe!


REALISTIC MONK -  Realm
Carl Stone – amerikanisches Elektroakustik- und Sampling-Urgestein (aktiv seit den Siebzigern!) – und die in Düsseldorf lebende Klangkünstlerin Miki Yu firmieren seit kurzem unter REALISTIC MONK als gemeinsames Performance-Projekt.
Ihr Debütalbum "Realm" spielt mit Geräusch und Musik, Field-Recordings und Feedbacks, Minimalismus und Tiefe.

 

SHADOW SNAKES - s/t
Mitglieder von Ed Gein und Breather Resist frönen derbem Hardcore-Punk mit metallischer Kante, Grindgezimmer-Parts, sludgey Grooves und allgemein recht infernalisch-wahnsinniger Aura. 


THE SECRET - Lux Tenebris
Um THE SECRET war es jetzt länger ruhig gewesen, aber die italienischen Düsterbrachialcoreler melden sich diese Woche mit einer neuen EP über Southern Lord zurück, auf der sich ihr noisiges Geballer noch mal ein Stück weiter Richtung Black Metal verschoben hat.


Und sonst noch? Gar nicht mal so wenig...

Re-Release: CABLE's 2003er "Never Trust a Gemini" gibt's diese Woche remastert über
Translation Loss.

Re-Release: Das 2012er NIGHT BURGER Tape-Album "Burnin' Fast" gibt’s beim New Yorker Label Drop Medium jetzt auch remastered als LP. 80er-Post-Industrial-Revival oder sowas.

Re-Release: Robotic Empire hat eine Neuauflage des JESU-Albums "Acension" am Start.

Apropos Justin Broadrick: Am 31.08 sollte dann jetzt auch das ursprünglich schon mal für ein paar Wochen früher angekündigt gewesene, neuste Album seines (Industrial-Dub-)Techno-Soloprojekts JK FLESH via Electric Deluxe erscheinen.

Und apropos Industrial-Lärm: GNAW THEIR TONGUES und CROWHURST hauen diese Woche ein arg power-elektronisches Kooperationsalbum mit Black-Metal-Akzenten raus (Bandcamp).

Auf "XX-XXIV" lässt sich die Moskauer Industrial-Band SOBAKI TABAKA (Собаки Табака) dann u.a. von eben jenen Gnaw Their Tongues, Drum'n'Bass-Hero End.User, Terminal Sound System und khost remixen.  

Die Rhein-/ Ruhr-Trip-Hopper SIXTURNSNINE werden am Ende der Woche bei Bandcamp auch noch eine digitale Remix-EP am Start haben (u.a. mit dem vor wenigen Tagen noch live gesehenen Spherical Disrupted). 

Und dass das letzte Woche veröffentlichte "Skinless X-1" von FIRE-TOOLZ eine interessant-seltsame Mischung aus bis ins Ambient-esk driftender Elektronik und einem wilden Durcheinander ist, das immer wieder auch zu gesampelten Metal-Riffs führt, kann man ja auch mal erwähnen.

Zurück zum Thema Gitarrenkrach: 
Die Grindcore-Urgesteine AGATHOCLES haben mal wieder die nächste Split draußen, diese Woche mit SLUND.

Die selbstbetitelte Debüt-EP von EMPEROR ASSHOLE aus Arizona bietet primär ganz nett drückenden Punk/ Alternative/ Rotzrock, der mich für den Moment irgendwie an unbeschwertere Zeiten erinnert…

Potenzielle Konkurrenz für die Prog-Viking-Metal-Landsleute von Enslaved sieht man in den norwegischen Post-Metallern KRAKÓW (natürlich mit personellen Black-Metal-Verstrickungen). Jenen wird nämlich nachgesagt, hier und da ziemliche King-Crimson-Vibes zu zeigen. Ihr neues Album "minus" erscheint diesen Freitag.

Gleichermaßen chaotischen wie meditativen Black Metal wiederum soll "Renunciation" von LUNAR TEMPLE bieten.

Sowas wie Metalliccore mit extremer Kante (Crust/ Grind), sowie Sludge- und Groove-Metal-Einflüssen (Pantera...) machen PALM aus Osaka, deren "To Live Is To Die, To Die Is To Live" sich diese Woche, für das wasses ist, ganz geil durch die Botoanik ballert.

"Doom-gaze" von den australischen SKULLCAVE hätten wir dann am kommenden Samstag auch noch mit ihrem neuen Album "Fear".

In Zusammenarbeit von Astral Noize (Tape) und Holy Roar Records (digital) erscheint diese Woche dann außerdem noch das neue Album "Thrall" der Londoner Drone-Noise-Doomer/ Post-Metaller WREN.

Montag, 27. August 2018

dESTRUKTIVA XI

"Great Show! I haven't heard Industrial Noise like that since College!"
Uuund da liegt sie auch schon wieder hinter uns, eine weitere Ausgabe der "dESTRUKTIVA" im AZ Mülheim, inzwischen eine meiner absoluten Lieblingsveranstaltungsreihen in der Gegend.
In diesem Jahr überraschte man damit, wenig (Harsh-)Noise und dafür viel an elektronischen Beats aufzufahren.

 
So waren HARP HYSTERIA z.B. als „Minimal Beat-Driven Ambient“ angekündigt - allerdings entpuppte sich das, was das Berliner Duo da mit Laptop und Modular-Synthies fabrizierte, als etwas eher in Richtung Rhythmic-Noise/ Industrial-Techno/ Breakcore abkrachendes (geil!).
Mit SPHERICAL DISRUPTED gab’s dann u.a. auch noch ein lokal ansässiges Urgestein elektronischer Musik zu begutachten, dessen Musik tatsächlich auch Ambient-Qualitäten besaß und trtotz dem einen oder anderen leicht wumernden Rhythmus zwischen EBM und Big Beat nicht ganz so krachig kam, wie man es im Destruktiva-Kontext erwartet hätte. 
Aber schlecht war’s mitnichten!

Als kontrastäres Highlight zimmerten sich die Potsdamer Jungspunde GALL knackig-kurz und schmerzvoll in der minimalistischen Besetzung mit Drummer, Basser und an Noise-Effektgeräten rumdrehendem Shouter inmitten des dunklen Konzertraums durch einen Powerviolence-/ Noisecore-Set, der einen wieder wachklopfe.
Und als Finale mit Chillout-Charakter (Teile des Publikums setzten sich tatsächlich auf den Boden) trat dann zur Geisterstunde noch der Dortmunder Drone-Gitarrist N mit einer seiner Solo-Performances auf, die in ihrem Klangreisen-Charakter wie immer ziemlich packend und einnehmend war.

 
War mal wieder super!
Bis nächstes mal!

Donnerstag, 23. August 2018

Grindcore 2018 (2)

Wird Zeit, die Bestandsaufnahme zum Grindcore dieser Tage fortzusetzen und noch lange nicht abzuschließen!
(-Teil 1)
AXIS OF DESPAIR - Contempt for Man
Kann man aus Gründen unmöglich nicht erwähnen, auch wenn's nicht unbedingt meine liebste Unterspielart des Genres ist: Mit gleich drei Mitgliedern der 2013 aufgelösten Coldworder in den Reihen darf man AXIS OF DESPAIR wohl als Nachfolgeband eben jener bezeichnen. Erwähnenswert ist dann
natürlich auch noch, dass Drummer Anders Jakobson (ursprünglich mal als Gitarrist) Gründungs- und einziges Permanent-Mitglied von Nasum war.
So haben sich auch AXIS OF DESPAIR wenig überraschend jener Art von mehr oder minder typischem Schweden-Grind verschrieben, die auf dem straighten Mittelweg aus Crustcore-Stilwurzeln und Death-Metal-Motorsägensound rast.
Dass die Vocals eher verständliches Heisergebrüll als albernes Grunzgeröchel sind ist dann zudem etwas, was AXIS OF DESPAIR einfach richtig machen (nicht selbstverständlich).


CHEPANG / TEST Split
Eine Split, die irgendwie Sinn macht: Die „seminomadischen“, nepalesischen Wahl-New-Yorker CHEPANG bezeichnen ihren Stil auch scherzhaft als 'Immigrind' und kommen mit dem für eine Grind-Band recht ungewöhnlichen Line Up daher, gleich zwei Drummer (und zwei Shouter) am Start zu haben.
Nach ihrem letztjährigen Langspieldebüt "Dadhelo - A Tale Of Wildfire" teilen sie sich diesen Siebenzöller mit den brasilianischen TEST. Einer derbe ballernden Duoformation, die ebenfalls keine Experimente scheut und auch gerne mal zeigt, nicht nur den Blastbeat sondern eben auch den Latin-Rhythmus im Blut zu haben. Ja, Klischee, aber wahr. 


CLOSET WITCH - s/t
Lasst uns mal hoffen, dass CLOSET WITH in diesem Leben vielleicht auch noch mal in einem AZ um die Ecke zu sehen sein werden, denn nach dem, was man bis jetzt so per Internet über die Truppe aus Iowa mitbekommen hat, muss das Ganze eine infernalisch-intensive Komplettabriss-Angelegenheit katharsischen Ausmaßes sein.
Attitüdisch steht die Band Emoviolence-Kollegen wie Cloud Rat (tatsächlich auch persönlich) oder Svffer nah, was der Frontfrau-Faktor dann wohl zufällig weiter unterstreicht, musikalisch geht ihr selbstbetiteltes Langspieldebüt (nachdem es davor schon einige Kleinformatveröffentlichungen gab) im Direktvergleich allerdings noch mal eine ganze Spur mehr mit einer beachtlich rohen Energie in Lichtgeschwindigkeit nach vorne.
Gibt’s hierzulande über React With Protest.


COARSE - I
Natürlich lässt sich drüber streiten, ob man das aus Toronto und New York stammende Duo COARSE wirklich noch unter Grind-artverwandt eintüten möchte oder ihr math-metallischer Stressercore nicht doch in eine andere Ecke gehört (Norma Jean, Dead Guy, Botch, Dillinger, frühe Converge und so).
Fan derartiger Subgenre-Erbsenzählerei oder exklusiver Szenezugehörigkeiten war ich allerdings eh noch nie und von daher nehmen wir sowas hier nicht so genau.

Dass die Hauptinspiration hinter COARSE ist, nicht zur uninspiriert-gleichförmigen Suppe vieler anderer Hardcore-Bands gehören zu wollen, das macht's mir jedenfalls irgendwie sympathisch, weswegen ich es mal mit aufführen wollte, auch wenn ich bei derart schon ins metalcoreige driftendem sonst oft eher raus bin...

DEPHOSPHORUS - Impossible Orbits (Vinyl-Release)
Dass das letztjährige DEPHOSPHORUS Album "Impossible Orbits" dann jetzt doch mal auch als LP erscheint, ist mir den wiederholten Extrahinweis auf diese wirklich speziellere Band wert.
Die griechischen 'Astrogrinder' haben in ihrer Riff-Ästhetik so einiges mit Voivod oder auch Deathspell Omega gemein, natürlich mit dem Unterschied, dass in diesem Fall Grindcore (mit eher schon Black- als Death-Metal-Kante) die stilistische Basis für musikalische Narrative ist, die zu den Sternen greifen.
Holt Euch das Teil bei 7 Degrees Records!

HERD MOVER - Vol. 3: Section 59's
Dieses Trio aus Brighton wiederum scheint eine dieser Bands zu sein, die alles auf ein mal sein wollen: Hardcore-Punk, Sludge-Metal, Noise-/ Riffrock, Grind... Wirklich alles davon wird sich irgendwie auf die Fahne geschrieben.
Dabei neigt man vor allem zum Grind (klar) mit schwerer HC-/ Punk- (und vielleicht sogar gewisser Metalcore-)Schlagseite, vereinzelten Slayer-Momenten und eher Groove-Betonung statt Blast-Dauerfeuer, womit man dann fast schon wie so 'ne Art "Pig Destroyer Lite" klingt
Was ich jetzt nicht mal abwertend meine, denn genauso finde ich das tatsächlich nicht uncool!

HORRIBLE EARTH / PSYCHO Split
Drummer Tim Morse of A.C. Fame (!!) hat nicht nur Seth Putnam und Josh Martin überlebt, sondern lärmt schon seit 2012 mit HORRIBLE EARTH und präsentiert sich dabei dieser Tage – wie überraschend oder nicht das ist sei jetzt mal dahingestellt – als jemand, der ja eigentlich doch relativ vernünftig und cool ist.
Nach bereits zwei Alben ist ihr aktuellster Release eine Split mit den seit 1981(!) aktiven Speed-Punks PSYCHO.
Auch HORRIBLE EARTH sind ziemlich Old School, eher Punk- als Deathgrind, wobei die Vocals mitunter an Brutal Truth erinnern. 
Morse hat übrigens zudem für irgendwas kommendes von Chepang (s.o.) einen Saxophon-Part (!!) eingespielt... Stay tuned.

MULE SKINNER - Airstrike
2014 meldeten sich MULE SKINNER mit einer EP zurück und Juli diesen Jahres gab es dann neben einer Altmaterial-Compilation mit "Airstrike" auch einen neuen Longplayer.
Und auch wenn aaallzu straightes Rülpsschepper normalerweise nicht die Art von Grind ist, auf die ich so stehe, muss man den Urgesteinen aus New Orleans eines lassen: Sie kriegen es zwischen schnellem Gezimmer und treibenden Groove-Parts tatsächlich ziemlich cool hin, dabei old school zum räudigen Crust-/ Hardcore mit Metal-Schulterblicken in die richtige Richtung zu neigen (Repulsion, Phobia), anstatt in die für mich inzwischen oft
eher abturnenden Gefilde einer zu starken "Brootal-Death"-Kante.
Welcome back Guys!


SEEYOUSPACECOWBOY / SECONDGRADEKNIFEFIGHT Split
Was die kalifornischen SEEYOUSPACECOWBOY als 'Sasscore' bezeichnen ist ’ne musikalisch ziemlich wilde Angelegenheit, die sich aus allem Möglichen vom grundsätzlichen Emoviolence-Ansatz über schräge Mathrock-Passagen und atonale Noiserock-Schraddeleien, über Metalcore-Mosh-Momente bis zu Spazzcore-Gehacke und entfesseltem Hyperblast-Gezimmer zusammensetzt.
In den nur vier Songs auf ihrer Seite dieser Split, von denen keiner die Eineinhalbminuten-Marke überschreitet, passiert
so viel, dass Andere das über ganze Alben strecken würden.
Definitiv eine Band, die man im Auge behalten sollte!
Split-Partner ist in diesem Fall die Einmannband SECONDGRADEKNIFEFIGHT aus Virginia, dessen LoFi-Geballer ähnlicher Stilgefilde in der Natur der Sache ein gewisses Cybergrind-Feel mitbringt.


SULACO - The Prize
Nach einer Debüt EP auf Relapse 2003, sowie einem Langspieler und einer Split mit Soilent Green drei Jahre später wurde es irgendwie erstmal wieder ruhiger um SULACO aus Rochester, New York, einer Band von Erik Burke, der zuvor mit den späteren Mastodonen Bill Kelliher und Brann Dailo die Neunziger-Mathcoreler Lethargy betrieb und dann auch später noch bei Brutal Truth klampfte.
Weswegen es mich jetzt fast ein bisschen wundert, dass das 2011er SULACO-Album "Build & Burn" irgendwie völlig an mir vorbeiging.
Jedenfalls ist kürzlich das neue Album "The Prize" via Translation Loss Records erschienen und diese Woche auch bei Bandcamp aufgeschlagen, um den geneigten Hörer mit eigenwilligem Grindcore/ Extrem-Metal zu verzücken, der zudem mit so manch Jazz-/ Progrock-beeinflusster Schrägheit irritiert und/ oder begeistert.


TRANSIENT + BASTARD NOISE - Sources Of Human Satisfaction
Das ist auch mal ‘ne Art und Weise, sich zurückzumelden: Von TRANSIENT aus Portland hatte man jetzt länger nix gehört (der letzte Release, ihr selbstbetiteltes Album, liegt inzwischen eine halbe Dekade zurück), aber ein einfaches „Hi, sind wieder da!“ hat ihnen wohl nicht gereicht.
"Sources Of Human Satisfaction" ist nämlich ein Generationentreffen von Kollaborationsalbum, bei dem ihr Powerviolence-Gekloppe auf die Noise-Surrereien von Eric Woord alias BASTARD NOISE trifft.
Ziemlich gleichwertig im Übrigen, denn letzteres ist manchmal doch ziemlich vordergründig mit reingemixt.
Kann man machen!



Last but not least: Checkt vielleicht auch mal 1.) die Gießener WRECK, die nix stilistisch auffälliges machen, aber durchaus auch ganz gut ballern und 2.) die französischen NECKBEARD DEATHCAMP, die zwar eher sowas wie ‘ne Black-Metal-Parodie sind, aber mit ihrem Konzept, sich in erster Linie über Kinderzimmernazi-Blackmetaller und ähnliche Spezies lustig zu machen, völlig zurecht schon einiges an Internet-Aufmerksamkeit bekamen.

Mittwoch, 22. August 2018

25 Jahre Tabula Rasa

Nachträglich herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle übrigens auch an EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN für ihr dieses Jahr 25 alt gewordenes "Tabula Rasa"!
(Im eigentlichen Release-Monat hatte ich es verpennt…)

"Tabula Rasa" ist ja tatsächlich eines meiner Lieblingsalben der Neubauten, innerhalb meiner Lieblingsphase von ihnen - allerdings lässt sich jene wohl gar nicht so gut und genau eingrenzen, wie ich das gerne hätte.
Und bevor wir hier jetzt völlig abschweifen, darüber zu sinnieren, was am 85er "Halber Mensch", dem regulären "Tabula Rasa"-Vorgänger "Haus der Lüge" oder am Nachfolger "Ende Neu" bemerkenswert ist, um dann ferner mal nicht zu vergessen, wie geil auch "Silence is Sexy" oder der "Berlin Babylon" Soundtrack so sind, kommen wir lieber mal gleich auf den Punkt.
Der da wäre: "Tabula Rasa" ist ein ziemlich tolles Album. Und um mal eine meiner Lieblingsvokabeln anzuwenden - die ich gerne mal bemühe, wenn es passt – ein besonders „rundes“, trotz gewisser stilistischer Breite.
Der Neuanfang implizierende Albumtitel kommt natürlich nicht von ungefähr. Ende der 80er hatte man sich mehr und mehr vom Krach zum Song weiterentwickelt, im neuen Jahrzehnt unter das zurückliegende mit der Compilation "Strategien gegen Architektur II" einen Strich gezogen und mit "Die Hamletmaschine" erstmal ein Theaterstück verarbeitet.
Als man dann 1993 an den nächsten regulären Studio-Longplayer ging, hatte man in Zusammenarbeit mit Produzent Jon Caffery regelrechte Ambient-Qualitäten für sich entdeckt.


Beim locker-flotten Opener "Die Interimsliebenden" schwingt - nachdem man das Geschepper der früheren Tage in der Auskopplungs-Version erst noch mal antäuscht - fast schon so ein Hauch von Acid Funk mit. 

Die Rhythmussektion pumpt mit einem auffällig dominanten Sound (hier übrigens nach ca. elf Jahren Bandzugehörigkeit zum letzten mal am Bass mit dabei: Mark Chung).
Einen gewissen harkantig klingenden Industrial-Charakter hat das Stück am Fundament durchaus, aber dieser ist etwas dezenter. 

   
Ähnlich ist es mit '12305(te Nacht)'. In dem Lied stecken rhythmische Finessen und maschinelle Elemente, aber irgendwie ist es dann doch eher sowas wie ein cleveres Popstück, als etwas industrial-rockig rüberkommendes, wie es auf dem Vorgängeralbum (mit "Feurio" oder dem Titeltrack) noch gab. Und ähnlich ist es dann auch noch mal mit "Sie", bei dem Plastikrohre als Instrumente zum Einsatz kommen.
Drumherum schlagen die Neubauten allerdings gekonnt auch noch wesentlich ruhigere Töne an.

Bevor es im letzten Drittel noch mal anzieht, zeigt "Zebulon" eher spärlich-akzentuiert instrumentiert einen fast schon bedächtigen Charakter.
Dann wäre da noch das in mehreren Sprachen mit jeweils anderer Gastsängerin aufgenommene, wirklich gänzlich ruhige "Blume": Es gibt die englische Version mit Anita Lane (aus dem Nick Cave-Dunstkreis), die ursprünglich auf dem Album war und bei der 2004er Wiederveröffentlichung im regulären Teil des Albums durch eine französische mit Diana Orloff ersetzt wurde. Unter den Bonus-Tracks eben jener findet man neben der ursprünglichen dann auch noch eine japanische mit Etsuko Sakamaki-Haas, über die man ansonsten nicht viel weiß.
"Wüste" überrascht quasi als Ruhe vor dem Sturm als es Orchestral-Stück mit symphonischen Soundtrack-Qualitäten.
Doch versöhnlich enden will das Album dann nicht, denn der in mehrere Abschnitte unterteilte Viertelstünder "Headcleaner" wummer-rummst einen als verstörendes Grand Finale dann doch noch mit monströsem Industrial-Lärm erbarmungslos nieder.


Unterm Strich ist es faszinierend, wie Blixa Bargeld, Alexander Hacke, F. M. Einheit, Mark Chung und N. U. Unruh hier mit Jon Caffery ein Werk mit weitgehend zeitloser Produktion geschaffen haben, das dynamisch in eine ziemliche Breite geht - von den schon regelrecht ambivalent-anmutigen Momenten von 'Blume' bis zu den aggressiv-lärmigen Tritten von 'Headcleaner' - und dabei sonor und homogen als Ganzes funktioniert.

Wird übrigens wohl echt Zeit für ‘ne (Vinyl-)Wiederveröffentlichung, denn seit 1993 gab’s keine weitere LP-Auflage und die letzte (Remaster-/ Doppel-)CD-Version ist auch schon fast eineinhalb Dekaden her… 

Dienstag, 21. August 2018

Dieser Tage raus (KW34)

Diese Woche: Nichts sooo wirklich essenzielles, aber doch einiges nicht unineressantes...

ANCESTORS - Suspended in Reflections
Wie das manchmal so ist: Das ANCESTORS Debüt "Neptune With Fire" (2008, Tee Pee Records) fand ich mit seinem Prog-Stoner-Doom seinerzeit ganz gut, habe die Band danach aber irgendwie direkt wieder so ein bisschen aus den Augen verloren.
Zehn Jahre später gibt’s das Trio aus L.A., das inzwischen natürlich ein paar Alben weiter ist, immer noch… 


BORN TO MURDER THE WORLD - The Infinite Mirror Of Millennial Narcissism
Der ja eh mega-umtriebige Shane Embury von Napalm Death hatte mal wieder ein Zeitfenster übrig, woraufhin er sich (mal wieder) mit Mick und Dunk von Anaal Nathrakh, Fukpig und Mistress zusammentat, um unter dem Banner BORN TO MURDER THE WOIRLD zu lärmen.
Die erste Song-Hörprobe offenbart bereits grindiges Hyperblast-Geballer zwischen auf die Spitze getriebenem Extremmetall-Wahnsinn und punkiger Crust-Kante.
Angeblich soll das ganze Album dann auch ein paar experimentelle Noise-Akzente in sich bergen
.

DELETER - Levitate The Pentagon
Als "Espionage Rock" bezeichnen DELETER aus Minneapolis scherzhaft ihren Post-Punk, der zwischen kühler Mechanik, atmosphärischen Songarrangements und ein leicht dissonant-experimentellen Kante in den Momenten, in denen er dann doch mal rockt, nicht nur Joy-Division-, sondern auch gewisse Devo-Vibes mitbringt. Oder?

EXHALANTS – s/t
“Wenn Du Fan von Bands wie Unsane, Jesus Lizard, Cherubs und Dazzling Killmen bist, dann wirst Du die Noiserock-Zerstörer EXHALANTS aus Austin lieben“ hat das texanische Label Self Sabotage Records schon vor Wochen als Vorankündigung versprochen.
Nun ja, ersteres bin ich. Tue ich zweiteres tatsächlich? Sagen wir es mal so: Die beiden Songs vom selbstbetitelten Debüt der Band, die ich bisher gehört habe, fand ich ganz gut. Interessanterweise war der eine davon (mit ziemlichem Post-HC-Charakter) gitarrenmäßig relativ melodiös und der andere fast schon betont atonal und kantig, was ein nicht uninteressanter Spagat in diesem Stilrahmen ist.


GROUND PATROL - Search
Minimalismus, Improvisation, Trance… Math-/ Jazz-/ Postrock einer Duoformation aus Brooklyn, New York über das australische Underground-Rosinenpicker-Label Art As Catharsis, das wirklich überhaupt keine Genregrenzen kennt. 


HIRO KONE - Pure Expenditure
Die New Yorkerin Nicky Mao alias HIRO KONE versteht ihre elektronische Musik auf diesem Label-Einstand für Dais Records eher als dekonstruktiv, experimentell und schubladenfrei denn als tatsächlich Club-tauglich gedacht, was laut eigener Aussage auch durchaus in vagen Zusammenhang mit ihrer Kapitalismus-kritischen Grundhaltung steht.

Interessant!

MANES - Slow Motion Death Sequence
Black-Metal-verwurzelte 'Avantgarde' wie Ulver und Solefald ist Dein Ding? Trotz harter Gitarren darf es gerne eine ‘dunkelromantische‘ Atmo sein, schönmalerischer Frauengesang, eher schon Trip Hop als Gothrock und so weiter?
Dann brauchst Du wohl das neue MANES-Album via Debemur Morti Productions. 

Ich wohl eher nicht - die hintergründige Frtzlzsch-Elektronik ist in dem Zusammenhang allerdings gar nicht mal so uncool!

NETHERLANDS - Black Gaia
Ich muss ja zugeben, dass mich Bands mit allzu ironischer Hipster-Karnevals-Aura eher so ein bisschen abstoßen, weswegen ich ehrlich gesagt etwas unentschlossen bin, inwieweit ich mich als verbitterter Altrocker auf die New Yorker NETHERLANDS einlassen kann und möchte oder doch eher nicht…
Man mischt, ähnlich wie die belgischen Raketkanon, Ansätze eines brummenden Stoner-Sludge-Sounds und bekloppten Noiserocks mit dominant wabernden Synthies, tanzt dabei in diesem Fall dann allerdings irgendwie auch noch ins schon regelrecht grell-poppige ab.
Und natürlich gehen üblich verdächtige Visions-Schreiber, die bei allem mit ausreichend kindisch-poppigem Charakter gleich seltsame Zuckungen kriegen, direkt schon drauf
steil.
Gänzlich unoriginell ist das allerdings wirklich nicht, so viel ist immerhin sicher.


NOTHING - Dance On The Blacktop
Auch eine dieser “finde ich grundsätzlich zwar tatsächlich ganz gut, höre ich dann wiederum aber eigentlich nie wirklich”-Bands: Die könnenden Shoegaze-Rocker NOTHING sind wirklich alles andere als schlecht, machen durchaus viel richtig, Neunziger-Assoziationen im allerbesten Sinne, und so weiter und so weiter, blabla…




RMFTM AND 10.000 RUSSOS
Parallel zum Fuzz Club Festival in Eindhoven am kommenden Wochenende soll das Kooperationsalbum von RMFTM und 10.000 RUSSOS am Start sein.
RMFTM alias Radar Men From The Moon begeisterten schon mit der Gnod-Kollaboration Temple of BBV und überraschten danach damit, auf ihrem nächsten regulären Album für eine als Psych-Rock gehandelte Band ganz schön technoid zu klingen.
Von daher bin ich auch auf dieses Teil durchaus ein bisschen gespannt. 


STERN - Missive: Sister Ships
Der seltsam-schräge Düsterpop von STERN – einer New Yorker Band mit diversen Kayo-Dot-Mitgliedern (inkl. Toby Driver) um Sänger Chuck Stern (Ex-Time of Orchid) – erinnert mich persönlich ja, zumindest das bisher gehörte, ziemlich an die Swans ca. "Children of God" bis "The Great Annihilator". Und ich gehe mal davon aus, dass das vielleicht gar nicht mal so unbeabsichtigt ist.
 

SULACO - The Prize
Nach einer Debüt EP auf Relapse 2003, einem Langspieler und einer Split mit Soilent Green drei Jahre später wurde es irgendwie erstmal wieder ruhiger um SULACO aus Rochester, New York, einer Band von Erik Burke, der zuvor mit den späteren Mastodonen Bill Kelliher und Brann Dailo die Neunziger-Mathcoreler Lethargy betrieb und dann auch später noch bei Brutal Truth klampfte.
Weswegen es mich jetzt fast ein bisschen wundert, dass das 2011er SULACO-Album "Build & Burn" irgendwie völlig an mir vorbeiging.
Jedenfalls ist kürzlich das neue Album "The Prize" via Translation Loss Records erschienen und diese Woche auch bei Bandcamp aufgeschlagen, um den geneigten Hörer mit eigenwilligem Grindcore/ Metal zu verzücken, der auch mit so mancher Jazz-/ Progrock-beeinflussten Schrägheit irritiert und/ oder begeistert.


THEM TEETH - Succumb To Live
Man möchte ja doch schon von einem ziemlichen Unsane-Rip-Off sprechen, wenn THEM TEETH mit verzerrtem Rumpelbass und gewissem Hardcore-Knick in der Rhythmik schwermassiv grooven, die Gitarre schraddeln lassen und wutschnaubend drüberbrüllen.
Ein bisschen erinnert mich das Ganze ja auch an Pulkas. Kennt die noch wer?
Zu den vier Studiosongs der A-Seite gesellt sich eine zweite LP-Hälfte mit Livematerial. 

Naja, so mittel.

Und sonst noch?

Sieht so aus, dass der komplette Bandcamp-Stream des dort eigentlich auf vergangenen Freitag datierten neuen BUMMER-Albums "Holy Terror" erst irgendwann in dieser wirklich online gehen wird.

Post-Punk mit Surf-Vibes versprechen uns Triple Eye Industries auf dem neuen DEVILS TEETH Album "Suki Yaki Hot!".


IMMORTAL BIRD, mit ihrer tendenziell etwas freistilistisch-progressiven, dezent Richtung Carcass schielenden Thrash-/ Death-/ Black-/ Grind-Mixtur eine der besseren und interessanteren zeitgemäßen „Extrem-Metal”-Bands, haben diese Woche auf Bandcamp ‘n neuen Live-Mitschnitt draußen.

Metallischen Hardcore der derbsten Sorte, mit dissonant riffenden Grind-/ Mathcore-Akzenten und mechanisch-krachigen Industrial-Metal-Vibes gibt’s von JESUS PIECE auf ihrem Southern Lord-Einstand "Only Self" zu hören. Ich bin aber wohl zu alt für sowas…  

Die neue MANTAR kommt auch diese Woche und wird dabei dann wohl auch noch bei Bandcamp aufschlagen (nicht selbstverständlich für Releases beim Metal-Major Nuclear Blast…).
Ich wollte MANTAR ja eigentlich echt gut finden, weil vieles an ihrer grundsätzlichen (Rock’n’Roll-)Attitüde stimmt und sie auf ihrem Debüt "Death By Burning" immerhin mit 'Astral Kannibal' sowas wie einen catchy Überhit, der mächtig Spaß macht am Start hatten, aber irgendwie nehme ich das Ganze darüber hinaus ja nur noch als viel Lärm um fast nix, als große Pose mit schneller Verpuffung, als mächtig viel Alarm mit nur wenig tiefergehender musikalischer Substanz wahr. 
Vielleicht geht meine Erwartungshaltung an derartige Musik auch einfach nur in eine andere Richtung, als die Intention der Norddeutschen hin abzielt, aber nützt ja alles nix: Mir ist das irgendwie echt zu viel des Dicken-Max-Markierens, bei dem der Funke vom vermeintlichen Feuerwerk, das die beiden abfackeln zu glauben, nicht mehr so richtig überspringen will…


Cold Spring schieben derweil ’ne CD-Version mit zwei Bonus-Tracks des letztjährig auf Vinyl direkt ausverkauften SHE SPREAD SORROW Albums "Mine" nach (Dark Ambient/ Death-Industrial-Zeugs). 

Und die Stoner-Doom-Giganten SLEEP hauen die, zuvor als Digitalsingle via Adult Swim veröffentlichte Nummer “Leagues Beneath” diese Woche als einseitigen Vinyl-Release über Jack White's Third Man Records raus.

Montag, 20. August 2018

Freitag, 17. August 2018

25jähriges: Neurosis - Enemy of the Sun

Heute ein Vierteljahrhundert alt: NEUROSIS‘ "Enemy of the Sun"!

 
Hört, hört: Für mich ist gerade "Enemy of the Sun" ja tatsächlich so ein Album, bei dem ich Musik beschreiben wie zu Architektur tanzen wollen empfinde. 
Es ist sogar eines der Alben schlechthin für mich.  
Die emotional einnehmende und einen förmlich erschlagende Wucht, mit der mich die ersten beiden Songs (und davon ganz besonders "Raze the Stray") umhauten, als ich das zum ersten mal hörte, die kann ich bis heute nicht adäquat in Worte fassen.
Sämtliche abgelutschten Musikjournalistenfloskeln, die einem dazu einfallen könnten – etwa „apokalyptisches Inferno“ oder „urgewaltige Intensität“ oder „Trance-Zuständewären durchaus wie der Nagel auf den Kopf zutreffend, würden "Enemy of the Sun" dabei aber aufgrund ihrer Plattitüdenhaftigkeit heutzutage kaum noch gerecht.



Möglichst sachlich betrachtet sind ja gerade Mittneunziger-NEUROSIS auch fast schon so eine Art von Fetisch-Ding, das schon damals alles bediente, worauf ich bis heute stehe.
Und ich könnte mich endlos darin ergehen, mit vielen Worten im Endeffekt doch nur wenig auszusagen über ... 
...die Brachial-Gitarrenriffs im treibenden Midtempo und wuchtig-doomig stampfenden Passagen von unerreichter Intensität, begleitet von einem gewissen Willen zur Musikalität. 
...wie die Band immer wieder das Tempo anzieht und dann wieder einen Gang zurückfällt - das hat man mit so einer souveränen Natürlichkeit bei derartigem auch nur selten gehört. 
...diese Tendenz, Songs so viel Zeit zu geben wie sie brauchen, inkl. dichtem Gesamtwerk-Faktor (der Titeltrack, 'The Time of the Beasts' und das Finale 'Cleanse' fließen wie ein Song) - das wiedrum ist etwas, das in ähnlicher Form erst in jüngerer Vergangenheit bei vielen anderen (Post-)Black- und Doom-Metal-Bands Einzug gehalten hat.
...über das Geschrei und Gebrüll der Herren Kelly und Von Till, das authentisch statt aufgesetzt von ganz tief innen raus kommt.
...über die Akzente von Industrial-Noise, Gothic-Folk und dieses Tribaldrumming-Finale, was sich 25 Jahre später noch mal draufgeschaut fast schon wider Erwarten als tatsächlich recht zeitlos entpuppt.


Es ist eine weitere Floskel, aber die Band stand damit damals wie heute zwischen den Stühlen. Vielen 'Metalheads' war das zu Hardcore/ Alternative, vielen tatsächlichen Hardcorelern dabei aber auch too much, und von sowas wie Verwertungspotenzial für die breite Masse wollen wir bei derart extremer Musik erst gar nicht reden (auch wenn es zeitweise wohl durchaus Interesse seitens Majorlabels an NEUROSIS gab).

Dass die Band inzwischen so ein bisschen die Ernte einfahren konnte, heute als die Vorreiter und Unikate anerkannt zu werden, die sie schon damals waren, ist schön.
Und wenn man mal ganz ehrlich ist, reichen ihnen die meisten unter "Post-Metal" gehandelten Nacheiferer auch wirklich kein bisschen das Wasser, was auch moderne Wegweiser wie Isis oder Cult of Luna betrifft...





Randnotizen: Ab irgendeiner Version kamen mal zwei CD-Bonustracks dazu, mit "Cleanse II (Live in Oberhausen)" auch sowas wie eine Noise-Improvisation.
Ab der 2010er-CD-Version und somit auch der 2012 2LP-Reissue erschien das Teil auch noch mal mit einem variierten Coverartwork (siehe Bandcamp oben).