Montag, 26. Dezember 2016

Resterampe 2016 (3)

So viel Musik, so wenig Zeit… und auf der Zielgraden im Weihnachtsurlaub komme ich dann auch mal dazu, in die wirklich interessanten Dinge reinzuhören...

ART OF BURNING WATER -  Between Life And Nowhere
Auf dem Radar hatte ich AOBW irgendwie schon länger, aber erst als mir 7 Degrees' Simon an seinem Plattenstand beim Bloodshed Fest in Eindhoven nahelegte die zu brauchen, und ich ihm dementsprechend ein Exemplar von "Head of the Tempest" abkaufte, fing ich so wirklich an sie zu wertschätzern. Die Briten machen ziemlich kaputten und nach vorne wollenden Lärm, der die Gefilde solcher Bands wie Keelhaul oder Today Is The Day streift. Älteres gefällt genauso wie die aktuelle. Geil! 



 

BEAT DRUN JUEL - Supressor
"What if PJ Harvey fronted the Dazzling Killmen?“ bezeichnet ein Bandcamp-User das Ganze. Und ja,  BEAT DRUN JUEL sind in etwas hektisch-technischen Noiserock/ Post-Hardcore-Gefilden unterwegs, während die Sängerin (/Gitarristin) ein bisschen zur ausladenden Theatralik mit leichter Schieflage neigt. Bestimmt nicht jedermann's Ding, aber doch ganz schön gut. 




CHILD BITE - Negative Noise
Im Grunde genommen klingen CHILD BITE wie 'ne Band, die zumindest passagenweise wie Jesus Lizard mit Jello Biafra klingen will. Kommt jetzt vielleicht so rüber, als würde ich ihnen Unrecht tun wollen, aber eigentlich meine ich das mit Sympathie fürs Ganze. 




CINEMECHANICA – s/t
Was uns Mitglieder von Maserati und Lazer/Wulf  hier auftischen ist ganz cooler Post-HC/ Mathcore, der Anlagen von Converge und Mastodon hat, diese allerdings auch nicht auf die Spitze treiben möchte. Finde ich echt nicht schlecht:



Sonntag, 25. Dezember 2016

JaKa-Jahresabsch(l)usssause

Es wär' ja 'ne nette Geschichte gewesen, wenn mein Konzertjahr 2016 damit geendet hätte, im Rahmen eines Grind-Packages die Band gesehen zu haben, die bei meinem ersten Konzertabend des Kalenderjahres angekündigt war und dann nicht auflief... aber ich habs noch mal nachgeguckt: Vor dem Konzert von Venomous Concept und Keitzer im Januar, bei dem Word Downfall gar nicht wussten auch angekündigt zu sein, waren mit Locrian und TiT, sowie Scotty Kelly und Nadja schon Events gewesen.
Anyway. Einen Abend vor dem heiligen noch mal eben ins Hinterzimmer des Essener Panic Room (bzw. inzwischen „Don't Panic“) einzukehren, um sich bei einigen in den Hals laufenden Bieren drei Grind-Packungen um die Ohren hauen zu lassen, war als sowas wie 'ne Jahresabschlusssause tatsächlich schon 'ne regelrecht katharsische Sache.
Los ging's ca. 20:20 mit 100000 TONNEN KRUPPSTAHL aus Berlin, die ich mit ihrer Verschrobenheits-Mixtur aus punkigem Grind-Geschredder, hörbarem JaKa-Einfluss und Sludge-Doom-Passagen mit Melvins'schen Weirdo-Einschlag ja durchaus ganz gern mag. Sound war allerdings irgendwie nicht so der Bringer.



WORLD DOWNFALL sind, da kann man sagen was man will, mit ihrem eher etwas old schooligem Grind Richtung (klar) Terrorizer, Phobia und co. echt 'ne Bank. Das ist musikalisch schon geil und da sitzt live auch alles. Sehr cool!


 

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE in ihrer neusten Besetzung zu sehen war schon interessant. Die Dynamik der beiden Frontmänner ist inzwischen eine andere, die Band arbeitet live mit ein paar Sample-Einsprengseln und der Schwerpunkt lag merklich auf eher langen Songs wie 'Abflussbestattung', 'Verrat am Metal' und dergleichen.
Nachdem JaKa in jüngerer Vergangenheit ein eher seltenes Live-Vergnügen gewesen waren, war es nostalgisch-nett und erfrischend anders zugleich, sich das in der aktuellen Inkarnation mal gegeben zu haben.
Summa summarum: Guter Abend!


Samstag, 24. Dezember 2016

Adventskalender 24: Neurosis - Fires Within Fires

Für Heiligabend passt dieses Album langjähriger Helden ganz gut, die ja schon immer irgendwie eine „spirituelle“ Kante hatten…



Die ganze Geschichte? Naja, vielleicht mal nicht die ganze, aber trotzdem gerne mal ein bisschen mehr dazu: NEUROSIS waren in den Neunzigern immer so ein bisschen diese eine Band, die anders als alle anderen ist. Ich könnte jetzt auch sowas floskelhaftes wie „zu Hardcore und altermativ für viele Metaller, zu hart und Avantgarde für die gen Mainstream schielende Alternative-Szene und zu ambitioniert für so manchen Punk-Versteher“ zusammenbasteln, aber NEUROSIS haben durchaus ihre Folgschaft und ihre Nische gefunden, aus der heraus sie einen großen Einfluss auf die heutige Musiklandschaft hatten.
Ihr Unterfangen, in ihrer Musik mehr Raum, mehr Dynamik, mehr Kontrast zulassen zu wollen, als es etwa bei den Lärmattacken eines Albums wie dem 1996er „Through Silver in Blood“ der Fall war, geht auf „Fires Within Fires“ voll auf.
Fand ich den Vorgänger „Honor Found in Decay“ seinerzeit ein bisschen enttäuschend, hat sich das auf dem neuen Album wieder eingerenkt, denn den aktuellen Moment in NEUROSIS‘ jüngerer Entwicklungskurve finde ich sehr gut. 

Die Discographie der Band bei der Gelegenheit an dieser Stelle noch mal genauer zu sezieren hatte ich mir eigentlich vorgenommen, bin jetzt am Jahresende und im Urlaubsmodus aber doch etwas zu faul dafür.
Aber sagen wir mal, ich persönlich finde Frühwerke wie „Souls At Zero“ und „Enemy Of The Sun“ ja genauso essenziell und großartig wie das epische „A Sun That Never Sets“, das glattere „The Eye Of Every Storm“ und auch „Given To The Rising“, als sie nix wirklich neues mehr zu sagen hatten, aber trotzdem noch mal das richtige Album zum richtigen Zeitpunkt hingekriegt haben. 

Großartige Band!

Freitag, 23. Dezember 2016

Adventskalender 23: The Glowing Man

Okay, ich gebs zu: Ein solches Maulsperren-Jahrzehntalbum wie „The Seer“ gelang SWANS danach weder mit „To Be Kind“, noch mit „The Glowing Man“ noch mal. Macht aber nix.



Die SWANS 2010-2017, die sich gerade in ihrer Finalphase befinden, sind eine Band, die eine faszinierende Eigendynamik annahm.
Darüber wurde viel geschrieben, woanders genauso wie hier, weswegen wir weitere Details jetzt auch mal weitere Details sein lassen können.
Michael Gira hat mit dieser neuzeitlichen SWANS-Inkarnation eine ganz eigene Stilformel gefunden, sowas wie ausufernden Post-/ Noise-Rock mit schamanischen Mantra-Charakter zu erschaffen, wie ihn nur diese eine Band spielt.
Eine Reise, der ich sehr gerne beigewohnt habe. 

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Adventskalender 22: Hypnopazūzu

Auch wenn ich eigentlich gar nicht mal so der Weihnachtsenthusiast bin (glaubt mir angesichts dieser Adventskalenderserie jetzt eh keiner), komme ich auch schon langsam in sowas wie besinnliche Stimmung. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das mir zu Kopf steigende Urlaubs-Craft-Bier...
Jedenfalls passt das, was David Tibet (Current 93) und Martin „Youth“ Glover“ (Killing Joke) dieses Jahr als HYPNOPAZŪZU herausgebracht haben mit seinen mystisch-psychedelischen, chilligen Vibes gerade irgendwie ganz gut:




Mittwoch, 21. Dezember 2016

Adventskalender 21: Bölzer

Ziemlicher No-Brainer, dass die BÖLZER in der Aufzählung nicht fehlt. Im Grunde genommen habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit schon ein mal einiges gesagt, was es zu diesem Album zu sagen gibt.



Deswegen runde ich das Ganze hier jetzt mal eher anekdotisch ab: Etwas entsetzt war ich nämlich letztens darüber, die LP im Laden für fast 25 € stehen zu sehen, wo ich echt sagen muss: Geile Aufmachung hin oder her – nein, einfach nur nein!
Also habe ich es mir doch bei dem Mailorder geschossen, der das Teil um sieben Euro billiger (!) anbot. Supporte sonst gerne den Local Metal Record Store, aber so geht’s ja mal auch nicht…

Dienstag, 20. Dezember 2016

Adventskalender 20: Life - Kill

Mit den letzten 1-2 noch zu vergebenden Plätzen hinter den Adventskalender-Türchen habe ich mich ja ehrlich gesagt fast ein bisschen schwer getan.
Erwähnenswert wären natürlich auch noch die VOIVOD EP und das WHORES Album gewesen, aber von denen gibt es keine Bandcamp-Seiten zum einbetten.
Ich hab‘ mich dann dazu entschlossen, noch mal den Blick in die Obskuritätenkiste zu werfen und ach ja, da war ja was… LIFE!


Ich weiß über dieses Projekt wirklich rein gar nichts außer, dass mich das auf dem live eingespielten Mini-Album „Kill“ gehörte sehr stark und mutmaßlich auch intentionell an alte Godflesh und einige der damals drumherum stattfindenden Projekte (God, Painkiller und co.) mit ‘ner ordentlichen Portion Skullflower erinnert. 
Generell scheint das argentinische Label Zann's Music ganz interessant zu sein und noch mehr in der Richtung im Ärmel zu haben, allerdings verstehe ich auf deren Website leider kaum ein Wort

Montag, 19. Dezember 2016

Adventskalender 19: Ultha

So ein bisschen könnte man ja schon sagen, dass ULTHA gerade einen Hype erfahren, wenn mit den Metal-Überzeugungstätern und den planlosen Indieköppen gleich zwei hiesige geschmacksbildende Bahnhofskiosk-Schmierblätter verschiedener Musikschwerpunkte das Ganze hervorheben…



Ganz ohne Zynismus bin ich ja allerdings auch schon sowas wie ULTHA-Fan der ersten Stunde. Weswegen ich wohl auch noch mal ganz ehrlich sagen muss, dass das aktuelle Album „Converging Sins“ für mich ein bisschen die Durchschlagskraft vermissen lässt, mit der mich das Langspieldebüt „Pain Cleanses Every Doubt“ so umhaute und auch, dass der weibliche Gastgesang an dieser Stelle irgendwie nicht nötig gewesen wäre.
(Disclaimer: Den auf dem Abschiedsalbum von Planks, mit denen man sich bekanntlich ein Mitglied teilt, fand ich wiederum super… go figure…)
Das war dann allerdings auch schon alles, was ich zu meckern habe, denn das stilistisch erweiterte neue Album ist ansonsten ziemlich stark, ziemlich „auskomponiert“ und facettenreich, hat eine unglaublich dunkle und intensive Atmosphäre und überhaupt macht diese Band beim Black Metal irgendwas besser und richtiger als die meisten anderen, seien es Trve-Gestalten mit Corpsepaint und Spikes oder die Hipster-Fraktion…

Außerdem Respekt dafür, in mal eben eineinhalb Jahren zwei sehr starke Longplayer, eine gute EP und eine Coversong-Split rausgehauen zu haben.  

Sonntag, 18. Dezember 2016

Adventskalender 18: Aluk Todolo

Ganz ehrlich: So, wie mich „Okkult Rock“ seinerzeit völlig umgehauen hat, so sehr hat mich das diesjährige „Voix“ ja eiiiigentlich nicht geflasht…



…dieser sozusagen etwas kompaktere Nachschlag zum 2012er Doppelalbum lief dann aber trotzdem dieses Frühjahr gar nicht mal so selten bei mir. 
Instrumentaler Düster-Prog ist wohl schon irgendwie ziemlich mein Ding und funktioniert als Hintergrundbeschallung, als Sport-Soundtrack und als bewusstes Hörerlebnis tatsächlich gleichermaßen gut. Zumindest für mich.
Jetzt will ich die nur noch auch endlich mal live sehen!

Samstag, 17. Dezember 2016

Adventskalender 17: Dälek

Die diesjährige Rückkehr von Düsterrapper DÄLEK darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben.



So richtig weg war MC Dälek alias Will Brooks ja nie gewesen, sondern lediglich mit anderen Projekten (iconⒶclass, Deadverse Massive) beschäftigt.
Im Jahr des Trump brauchen wir sein Hauptprojekt aber wohl mehr denn je.
Gutter Tactics“ mag ein Album gewesen sein, das von Sound heavier und von den Songs auch teilweise etwas mehr catchy war, aber „Asphalt For Eden“ reiht sich ganz gut dahinter ein. Es ist nicht so breitflächig rauschend wie „Absence“, nicht so minimalistisch-dunkel wie „Abandoned Language“  (an dieser Stelle muss ich immer wieder betonen, auf keinen Fall auszumachen bevor man den supergrandiosen Schlusssong „Subversive Script“ gehört hat), eben auch nicht so knallig wie der Vorgänger, sondern irgendwo genau dazwischen.
Die Musik von DÄLEK atmet schon den Geist des Hip Hop alter Schule, bringt diesen aber mit lärmigen Sounds, in denen Einflüsse von Shoegaze bis Industrial stecken, in ein Klangspektrum, mit dem das Ganze auch Freunden harter Rockmusik gefällt. Mir z.B.!  

Freitag, 16. Dezember 2016

Heute raus

An heute erscheinenden Musikveröffentlichungen habe ich 3-4 interessante Sachen auffem Schirm, die zusammen eine gut gemischte Tüte sind…in alphabetical order:

Der Vollständigkeit halber sei zu Anfang direkt noch mal auf die vorgestern bei Bandcamp zu „Name Yor Price“ rausgehauene EP von CALL OF THE VOID hingewiesen, die ganz brauchbares Grind-/ Crust-/ Hardcore-Geballer machen.



CATTLE aus England: „Noiserock mit Doppelschlagzeug“ ist eigentlich schon alles, was ich persönlich wissen muss, um dabei sein zu wollen.



ENDUSER ist ein Drum’n’Bass-/ Breakcore-Typ, der von sphärisch bis krachig und von straight bis chaotisch verschiedenste Gangarten ganz gut drauf hat.
Download- und Stream-Möglichkeiten seines neuen Albums findet man hierhttp://www.junodownload.com/products/enduser-enter-to-exit/3283645-02/

Bei Bandcamp wird das Ganze zeitnah bestimmt auch noch online gehen: end-user.bandcamp.com

Kann man auch mal erwähnen: Tee Pee’s MIRROR QUEEN haben ‘ne Single raus, dessen B-Seite ein Cover von Blue Öyster Cult ist, und die mag ich:



NAKED STAR sind eine süddeutsche Doom-Band, bei der auch der Gitarrist der grandiosen Berliner Grinder 100000 Tonnen Kruppstahl als Basser mitmischt:


Adventskalender 16: Suma

Zugeben, vielleicht blieb „The Order Of Things“ als langerwarteter Nachfolger der epochalen Lärmereien von „Let The Churches Burn“ (2006) und „Ashes“ (2010) ein bisschen hinter den hohen Erwartungen zurück. Aber ich finds trotzdem geil.



Warum? Weil die schwedischen SUMA zwischen Stonerrock-Wurzeln, Noise(/rock)-Vorlieben, meisterlichen Metal-Riffs und Drone-Sludge-Doom-Ambitionen einfach eine eigenständige und geil Alarm machende Band sind, die ziemlich genau meinen Geschmacksnerv trifft.
Wenn die Band dann schon mal alle Jubeljahre ein neues Album veröffentlicht, ist es eben kein generisches Widerkäuen irgendwelcher bereits endlos durchexerzierter Standardstilschablonen, sondern ein verblüffend eigensinniger Schritt schon wieder woanders hin. Und genau darin liegt die wahre Kunst!
Außerdem live auch völlig der Burner.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Blind Butcher

Mal eben so, zwischendurch: Gestern landete ich vom Proberaum aus noch auf 2-3 Feierabendbier im Subrosa, der kultigsten Kneipe der Dortmunder Nordstadt. Dort spielten zufällig gerade BLIND BUTCHER aus der Schweiz für umsonst bei rumgehendem Hut.
Jene flogen mal extra nach Chicago, um ihr nach wie vor aktuelles Album „Albino“ bei Steve Albini aufzunehmen.
Gerade live gibt’s beim Duo einiges an Hör- und Schauwerten, denn die beiden Typen hatten recht exzentrisch-ironische Bühnenshow-Outfits an und der Drums spielt nicht nur Drums und Sample-Pad, sondern auch noch mit dem linken Fuß, mitunter in durchgängigen Achteln Pedal-Bass.
Während die Gitarre auch mal ins atonal-noiserockige driftet, kriegt die Band insgesamt einen ganz spaßigen Crossover aus Disco-/ NDW-/ Retroelektro-Kram und Rock’n’Roll alter Schule hin.
Ich sah gestern Abend vielleicht sowas wie Brüder im Geiste von solchen Bands wie den bekloppten Ösis Bulbul oder auch eine Karnevals-Version Hamburg-geschulter Deutsch-Noiserocker im positiven Sinne. Und ich muss ja echt sagen: Ich mag solche etwas unkonventionellen, Spaß-betonten Bands ja durchaus schon mal irgendwie ganz gerne...
Checkt die mal aus: http://www.blindbutcher.ch/