Mittwoch, 26. Oktober 2016

Neuer Lärm der KW 43

In Bezug auf Musikneuerscheinungen haben wir mal wieder eine interessante Woche:

URFAUST - Empty Space Meditation
Live wegen dem unfassbar übertreibenden Poserdrummer mit Hipsterschnörres inzwischen ja eine etwas ambivalente Sache, ist dem niederländischen Eingenbrödler-Duo URFAUST mit „Empty Space Meditation“ tatsächlich ein weiteres meisterliches Album geglückt, das den Bogen vom Dark-Ambient-Kaltklangbad über schwarzmetallisch rasende Verzweiflungsausbrüche zu einem wirklich coolen und ungewöhnlichen Finalsong mit Orient-Touch (und einem Hauch von Killing Joke zu „Democracy“-Zeiten) spannt. Man kann echt sagen was man will: Das ist wieder
mal ganz schön gut und zementiert den Ruf der Band als Weirdo-Unikat, das aus einer Szene generischer Klischeegleichförmigkeit angenehm heraussticht (und dabei an der Basis überraschenderweise gut ankommt, weil bestimmte Klischees wohl eben doch einfach passen…).
Da Ván Records mit den Bandcamp-Seiten von Alben gerne mal etwas hinterherhinken, reiche ich diese beim online gehen vielleicht noch nach.

VIRGINIA CREEP – s/t EP
Robotic Empire gönnten uns im Frühjahr noch einen Rerelease von Pig Destroyer’s „Painter of Dead Girls“ und nun die Debüt EP von VIRGINIA CREEP, einer weiteren Band von PD-Shouter und Poet J.R. Hayes, die musikalisch etwas andere Wege beschreitet. Und auch wenn diese eher Noiserock-/ Post-Hardcore-/ Grunge-Regionen betretenden Pfade durchaus einen Nerv von mir treffen, frage ich mich ja irgendwie, ob Pig Destroyer in diesem Leben noch mal wieder so relevant und geil wie zu „Terrifyer“- und “Phantom Limb“-Zeiten sein werden, wenn Gitarrist Scott Hull derzeit lieber an diversen Agoraphobic Nosebleed-EPs rumschraubt, der aktuelle Drummer seine Zeit zwischen Misery Index und einer Drittliga-Death-Metal-Unnötigkeit, deren Namen ich schon wieder vergessen habe (God Awful oder sowas) aufteilt und auch Hayes somit Zeit für noch ‘ne Band hat… aber darum geht’s gerad‘ ja gar nicht.




WHORES. – Gold
Noiserock-Enthusiasten sind spätestens nach WHORES‘ 2013er Zweit-EP „Clean“ sehr gespannt auf dieses Langspieldebüt gewesen. Die ersten Durchläufe war es mir persönlich ehrlich gesagt fast schon über weite Strecken etwas zuuu punkig-straight. Aber hat man die Erwartungshaltung ein mal etwas angepasst, macht „Gold“ einfach nur tierisch Bock. Wer Unsane, Jesus Lizard, Helmet, Hammerhead, Surgery, Ken mode und/ oder Pissed Jeans sagt, der muss auch WHORES. sagen.
Verschwitzter Videoclip for your pleasure:




YEAR OF THE COBRA - ...In The Shadows Below
Okay, ich hole dann direkt schon mal den Zwanni für’s Phrasenschwein raus, wenn ich YEAR OF THE COBRA eingangs das Etikett „Female-Fronted Drums’n’Rumpelbass Duo“ aufklebe. Energischer Stoner-Metal-Sound mit eher melodischem Gesang ist zwar jetzt auch keine Neuerfindung des Rades, aber YEAR OF THE COBRA klingen den ersten Eindrücken nach dann ja doch relativ frisch und gefallen. Schließt vielleicht ein bisschen die Lücke, die Jucifer damit hinterlassen haben, nach den gelungenen Pop-Appeal-Tendenzen ihrer Alben von 2002 bis 2008 inzwischen nur noch Extremkrawall zu machen.




ZAUM - Eidolon
Das 2014er ZAUM-Album „Oracles“ fand ich ja ganz gut. Epischer Stoner-Doom mit Orientelementen funktioniert einfach, wenn ich gerade in der richtigen Laune dafür bin. 

Das Ganze klingt irgendwie so ein bisschen, als würden sich Om auf ein mal dafür entscheiden, einem doch etwas konventionalmetallischeren Stil nachzugehen. 
Musik für Roadburner also:



Außerdem:

COUNCIL ESTATE ELECTRONICS - Arktika
Auf Bandcamp kann man es schon länger streamen, während der offizielle Veröffentlichungstermin eigentlich sogar erst kommenden Montag ist, aber es passte hier irgendwie noch als Bonus-Hinweis mit rein: COUNCIL ESTATE ELECTRONICS ist eines der vielen Projekte von Justin Broadrick (Godflesh, Jesu, …), für dessen Soundarchitektur ich in diesem Fall die Schublade „Techno-Musik für Leute, die nicht unbedingt auf Technopartys tanzen“ aufmachen würde. Keine Ahnung, wie oft ich da zukünftig dann noch zu zurückkommen werde, aber die zwei Durchläufe, die ich dem Teil bisher gegönnt habe, gefielen mir ganz gut:




NISENNENMONDAI – E
Der offizielle Veröffentlichungstermin war eigentlich bereits vergangene Woche und wie immer gönnt man uns bei Bandcamp leider nur einen Song des ganzen Albums als Vorab-Stream, aber wer NISENNENMONDAI bisher noch nicht kennen sollte, dem lege ich hiermit nahe das zu ändern: Die drei Damen aus Japan haben ihren instrumentalen Kraut-/ Math-/ Noise-/ Postrock längst in Bahnen gelenkt, der sowas wie mit Rockinstrumentierung live gespielter Techno-Musik nahekommt. Eigen, aber durchaus auch zugänglich.
Man sollte meinen, dass sie damit irgendwo zwischen Boredoms, Tortoise, Mogwai und Battles ein gewisses Konsenspotenzial in sich bergen könnten, Fans der etwas abseitigeren Sachen abzuholen, und auch diejenigen zum Tanzen zu bringen, die es bereits zu 65daysofstatic, Maserati, Kong (NL) oder Long Distance Calling tun, aber irgendwie scheinen die hier noch nicht so richtig angekommen zu sein.
Lasst uns das ändern!  




Und der Vollständigkeit halber:
An der Front neuer Alben von alten Helden warten diese Woche übrigens auch noch CROWBAR (und Sexy T. is back!), TESTAMENT und HELMET auf.
Wer frischen Extremmetall-Kram braucht, der sollte die Black-Metal-Spezialisten DEATH FETISHIST und/ oder den Atmo-Tech-Death von ULCERATE auf dem Radar haben.
Wer’s seltsam mag, für den sind auch noch die hier irgendwann schon mal nebenbei erwähnten italienischen Avantgarde-Doomster OBAKE gerad‘ mit ‘ner neuen am Start.

Montag, 17. Oktober 2016

Bloodshed Fest

Vergangenen Samstag verschlug es mich dann mal zum BLOODSHED FEST im niederländischen Eindhoven, das schon in Vorjahren echt gute Billings mit Crust-/ Grind-/ Hardcore-Schwerpunkt auffuhr, in diesem aber mit einer bunten Tüte Hochkaräter über Stil-Schubladen hinaus so richtig Spaß machte.
Da ich nur einen Tag dabei war, verpasste ich zwar den donnerstäglichen Warm-Up mit Wormrot, und den Freitag wären mit Sicherheit auch die Altpunk-Krawallisten von Siege und die kultigen Sludge-Asis von Fistula was gewesen, aber wenn man wie ich in die Jahre kommt, reicht einer solcher Festival-Tage völlig aus…


 

Bei unserer Ankunft im Dynamo hatten PHANTOM COPRORATION gerade angefangen die Basement-Stage zu spielen. Das doch stark im Thrash Metal wurzelnde Gekloppe mit Crust-Kante holte einen zum reinkommen gut ab. Klar, dass ich mir die Debüt-Demo-CD mit Away-Coverartwork dann auch mal direkt eingesteckt habe.  

Auf der Hauptbühne ging es nahtlos mit OKKULTOKRATI weiter. Jene haben ja, nachdem sie als archaische Blackenend-Crust-Doomsludge-Rüpel in der Szene aufschlugen, inzwischen mehr und mehr eine Schlagseite in Richtung PIL samt zusätzlichem Keyboarder im Glitzerhemd bekommen, die in Kombination mit den punkig-rabiaten Uff-ta-uff-ta-Klöppeleien tatsächlich irgendwie funktioniert, aber die Norweger sind in puncto Sound und Erscheinung insgesamt
schon eine echt schräge Sache.
 

Mal im Keller reingeschnuppert wie HEAD CLEANER so abgrinden (ganz cool!) und dann wie auf der Hauptbühne für einen weiteren Kontrast JOE BUCK YOURSELF den akustischen Countrypunk-Alleinunterhalter gibt, aber daneben ist’s dann erst mal Zeit für den sehr guten Veggieburger, 2-3 Becherchen Jupiler und ein Pläuschchen am zu meiner großen Freude anwesenden Tonträger- und T-Shirt-Stand von 7 Degrees Records. Ein paar weitere Scheine ärmer, verlasse ich diesen später um Schallplatten von Brutal Truth, The Art Of Burning Water und Immortal Bird reicher…
 

WOJCZECH überzeugen danach im Keller ebenso wie auf der Hauptbühne MALIGNANT TUMOR. Letztere überraschenderweise, denn bei so einem bekackten Bandnamen, Spaß-Outfits und durchgehenden technischen Pannen zum unterstreichen der Dilettantenprolls-Aura hätte das eigentlich in die Hose gehen müssen, doch der druckvolle Motörcrust’n’Roll der Briten macht durchaus Laune.

 

Nächste Überraschung: Was BITTERNESS EXHUMED im Keller abliefern ist gar nicht mal so schlimm wie auf Konserve (denn dort sind sie eigentlich unerträglich). Zwar fragt man sich, warum die Band auf eher kürzere Grind-Eruptionen, wenn sie sowas kann, dann immer wieder ellenlange Römtömröm-Moshparts folgen lassen muss, die bollig hoch zwölf sind, aber irgendwie will das Ganze live tatsächlich ganz gut funktionieren und unterhalten. Sachen gibt’s…
Apropos bollig: Eigentlich sind mir das auch TRAP THEM so ein Quentchen zu viel. Aber deren Brachialcore mit Entombed-Gitarrensound passt natürlich gut zum Event. Der akrobatische Shouter hat sich während seines wilden Gigs, wenn ich das richtig mitbekommen habe, sogar gar nicht mal so leicht verletzt. Von dieser Seite aus Respekt fürs überperformen und get well soon!
VICTIMS sind danach dann ganz okay, aber setzen dem Ganzen jetzt auch nicht wirklich einen drauf.

Dann ATARI TEENAGE RIOT. Und jetzt mal ganz ehrlich: Hätte mir vor 4-5 Jahren jemand gesagt, dass ich 2016 am Rande eines Dance’n’Bounce-Pits stehe und sehe, wie diverse Crusties, Grindfreaks und Altkrachfetichisten zu ATR völlig steilgehen, hätte ich demjenigen wohl ‘n Vogel gezeigt, aber mal ganz ehrlich: Auch ich hatte Spaß. Die etwas weniger krawalligen Neusongs des Trios würden mich jetzt zwar zugegeben nicht unbedingt prioritär ein späteres Album checken lassen, aber die eigentlich antiken Sample-Kombinationen von Slayer-Riffs und „Amen Break“-/ „Funky Drummer“-Getacker machen zwanzig Jahre später irgendwie wieder Laune. Und dass Alec Empire es selbst bei Ansagen und der Verabschiedung von der Bühne nicht schafft, seinen aufgedrehten Brüllschrei-Modus auch nur eine Stufe runterzudrehen, ist auch irgendwie amüsant. Ich hatte echt Spaß, ganz ohne Scheiß.
 

Zum Ausklang mal BOMG-RA zu sehen und hören, der beim Knöpfchendrehen mitunter in eine ähnliche Kerbe schlägt (auch hier gab’s zwischendurch mal ‘n Slayer-Riff) und sein Breakcore-Geknalle immer wieder über die Grenze des untanzbaren schiebt, war ganz spaßig. Die anfänglich eher leere Halle füllte sich dabei zwischenzeitlich doch noch mal ein bisschen mit Leuten, die dem ganzen recht enthusiastisch gegenüberstanden bis runmzappelten.

 

War cool! Wenn Ihr nächstes Jahr wieder ein so gutes  und gut gemischtes Billing zusammengezimmert bekommt, seht Ihr mich vielleicht auch wieder, BLOODSHED FEST...

Freitag, 14. Oktober 2016

Viscera, N, Orange Swan

„Hm, eine mir noch unbekannte Band, die sich auf dem Papier ganz gut liest, unser Local Drone-Guitar-Hero N und die ganz guten Orange Swan auf einem Billing? Och joah, das kann man für den Fünfer mal machen…“ dachte ich mir gestern Abend so und brach gen Essen Zentrum zum „Alibi“ auf.
Bei meiner ziemlich pünktlichen Ankunft um 20:00 rum waren dann zwei der aufspielenden Acts (auf dem Weg vom Gig in Polen) noch gar nicht da, während die erste mal gerade angefangen hatte ihre Sachen in den Laden mit Wohnzimmer-Atmo zu bringen.
Bis ORANGE SWAN dann mal spielten war es fast halb zehn, gähn. Das Duisburger Trio steht eh schon ein bisschen in dem Ruf, gerne mal zu überziehen, was sie auch an diesem Abend wieder taten, wo ich dann mal ganz ehrlich sagen muss: Jungs, jetzt mal ohne Scheiß, gerade auch wenn es eh schon unter der Woche spät wird muss man es nicht übertreiben. Zumal der am Schluss gespielte Alt-Song dann auch noch zum Rest qualitativ etwas abfiel und echt nicht nötig gewesen wäre. Ansonsten war es okay. Die Instrumental-Postrocker haben zwar auch so ein bisschen ihre widerkehrenden Standardmuster, wo man sich manchmal noch etwas mehr Variation wünschen würde, aber auf der Bandbreite von Maserati bis Russian Circles können sie mit bekannteren Kapellen durchaus konkurrieren.
Danach lud N mal wieder zum Raumflug ein. Seine Drone-Sphären nahmen an diesem Abend den Weg von einem wohligen Ambient-Klangbad zu einer dissonant-brachialen Soundwand, und wurden zwischendurch noch mal ruhiger, um dann noch mal abgehoben zu werden. Einsatz von Pinsel und E-Bow inklusive. War super!
Die italienischen VISCERA/// hatten dann zum Schluss schon mit ein wenig Publikumsschwund zu kämpfen, schließlich war es auch schon so 23:40, als sie nach kurzem Aufbau und Soundcheck loslegten. Musikalisch war recht viel Black Metal im Stilmix, während der Drummer ein Prog-Poser vorm Herrn ist. Nicht schlecht, aber um ehrlich zu sein habe ich dann nach einem kurzen Eindruck schon bald den Heimweg angetreten, denn der Wecker würde am Folgetag früh klingeln ob ich will oder nicht.
Was ich im Übrigen nach wie vor nicht begreife ist, dass sich als Schutzräume begreifende Lokalitäten es eher nicht so mit dem Nichtraucherschutz haben, aber das ist noch ein ganz anderes Thema…

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Veröffentlichungen der Woche

Gemischte Tüte:

MONO – Requiem For Hell
Um mal ganz ehrlich zu sein, sind MONO ja irgendwie so eine Band, die ich grundsätzlich mag, aber nicht wirklich dauerhaft verfolge, sondern bei der ich nur gelegentlich mal dazu stoße. Auf ihrem neuen Album scheinen die japanischen Postrocker passagenweise den Härtegrad ein bisschen anzuziehen, was gerade mir als metallisch geprägtem Gelegenheitshörer natürlich eher entgegenkommt.
Hoffentlich spielen die auch mal wieder passend in der Nähe…


   

PHANTOM CORPORATION - First Commandment
PC-Shouter Leffe kennt man von den Thrashern Dew-Scented. Hier macht er mit drei Kollegen auf Crust. 

Das Cover des Mini-Albums hat kein geringerer als Voivod-Drummer Away fabriziert. Da bin ich dabei!



SUMA – The Order Of Things
Hier hole ich gerne mal aus: Das selbstbetitelte Debüt-Album von SUMA war im Jahr 2003 ein zwar energisches, für sein Genre recht rasant und hart rockendes, durchaus sehr, sehr gutes, stilistisch dabei aber nicht wirklich weiter auffälliges Stoner-Rock-Album.
Auf dem 2006er „Let The Churches Burn“ schüttelten die Schweden dann den Kyuss-Sound ab und zeigten sich härter, kantiger, metallischer.
Auf dem Brocken „Ashes“ waren sie 2010 dann endgültig in sowas wie eher verschrobenen, massivst-brachialen Drone-Noise-Sludge-Doom-Gefilden angekommen.
Eine Entwicklungskurve, an der ich persönlich bisher großen Spaß hatte.
Mit „The Order Of Things“ ist nun tatsächlich endlich mal ein neues Album raus. Dass SUMA sich hierauf einen weiteren großen Schritt weiterentwickeln oder sowas hatte ich eigentlich nicht wirklich erwartet, und so ist es auch völlig okay, dass man sich in dem bei „Let The Churches…“ und „Ashes“ erarbeiteten ein bisschen weiter festsetzt.
Vor allem eher etwas avantgardistische Krachmacher wie Neurosis und Black Shape Of Nexus sind Paten für das, was SUMA hier machen; die generelle Dynamik erinnert mich passagenweise aber auch immer wieder mal an das Cavity-Überallbum „Supercollider“.
Ich finds geil:




OOZING WOUND – Whatever Forever
Diese Band hinterlässt mich ja immer wieder so ein bisschen hin- und hergerissen. Denn eigentlich sollte mit einem Bein im Thrash Metal wurzelnde Musik mit Schulterblicken Richtung Sludge’n‘Stoner und Neunziger-Noiserock plus einem Schuss Selbstironie etwas sein, das bei mir einen „könnte auch von mir sein“-Reflex auslösen müsste. Vielleicht habe ich aber inzwischen doch schon das Alter erreicht, in dem mich die Albernheit der Hipster-Jugend_von_heute eher abturnt als anspricht. Ich weiß es doch auch nicht… 

Rein musikalisch sind OOZING WOUND jedenfalls ziemlich okay, aber eben auch noch ein ganzes Stück von super entfernt.



ULTHA / MORAST
Ich verkneife mir hier jetzt mal alle Flokseln, die mir zum Thema Köln einfallen, und gebe nur trocken zu Protokoll, dass sich mit den Düster-Doom-Punks MORAST und der Black-Metal-Macht ULTHA die zwei zwingendsten Bands aus der Rheinmetropole derzeit eine Split-Single teilen, auf der sie BATHORY huldigen. 

Kann man machen!



außerdem:

40 WATT SUN – Wider Than The Sky
Während die britischen Doomster Warning anscheinend ein On/Off-Ding geworden sind, das gerade für das kommende Roadburn angekündigt ist, gibt’s von der Nachfolgeband 40 WATT SUN ein neues Album, das vom Metal noch weiter weg geht. Vielleicht ja ein guter Herbst-Soundtrack.

DARKTHRONE – Arctic Thunder
Anstatt den partiell doch recht ulkigen Kurs der letzten beiden Alben weiterzuverfolgen machen Fenriz und Nocturno Culto Schluss mit lustig und präsentieren sich wieder grimmiger.

HOBBS‘ ANGEL OF DEATH – Heaven Bled
Hell’s Headbangers veröffentlichen in letzter Zeit ja echt irgendwie alles, was als Metal der ganz kultigen Sorte aus der zweiten Liga von damals durchgeht. Dazu gesellt sich jetzt auch ein neues Album vom australischen Thrash-Opa Hobbs.

QUI - How To Get Ideas
Das Noiserock-Duo QUI erreichte den bisherigen Peak an Aufmerksamkeit als 2007 ihr Album „Love’s Miracle“ bei Ipecac Recordings erschien, auf dem sie sich mit keinem geringeren als Sänger David Yow (Jesus Lizard) zum Trio erweitert hatten. Auf dieser neuen EP steuerte Co-Produzent Dale Crover (Melvins) additionale Percussion bei. Ich werds mir zulegen!

WORMROT - Voices
Obwohl ich schon immer recht Grindcore-affin war, habe ich WORMROT aus Singapur ja all die Jahre eher stiefmütterlich behandelt. Vielleicht nehme ich ihr neues Album via Earache mal zum Anlass, das zu ändern…

Dienstag, 11. Oktober 2016

Strahlemänner

Ich habe da gerade ein paar interessante Parallelen entdeckt, was die nahenden Alben von BÖLZER und WHORES. betrifft.
Beide veröffentlichten 2013 ihre jeweils zweite EP, die in spezielleren Szenekreisen zwischen
kredibilen Krach-Nerds und angeblichen Hipster-Blogs bombig einschlug.
Beide gelten als alles umblasende Live-Bands.
Beide sind dank größeren Festivalauftritten u.ä. auf dem Sprung zu weiterer allgemeiner Aufmerksamkeit.
Von beiden erscheint dieser Tage der langerwartete erste Longplayer und beide wollen sich dabei mit gewisser Strahlkraft präsentieren: BÖLZER sind der hell scheinende „Hero“ und WHORES. kommen mit typischer Selbstironie in „Gold“.




Im Mikrokosmos semiprofessioneller Krachmacherkapellen könnten sie dabei im Übrigen allerdings kaum unterschiedlicher sein:
Die stilistische Heimat des Schweizer Duos BÖLZER liegt in gleichermaßen atmosphärischen wie brachialen Black- und Death Metal-Gefilden, samt entsprechender Erscheinungsklischees; das Ami-Trio WHORES. wiederum steht in der eher etwas trockenen Tradition von Nosierockern wie Unsane, Jesus Lizard, Hammerhead, Ken mode und Pissed Jeans. 

Dabei sind es überraschenderweise BÖLZER, die etwaige Erwartungshaltungshalten in die Tonne treten, indem ihr „Hero“ anders ist. Melodischer als die vorangegangenen EPs und der Typ an Gesang und Gitarre lässt darauf schon mal zu Jaul-Vocals hinreißen, die vielen Extrem-Metal-Lifestylern und
puristischen Schubladen-Polizisten mit Sicherheit übel aufstoßen werden


 

Das überraschende an der neuen WHORES. wiederum ist, dass diese tatsächlich über Steamhammer/SPV kommt. Ein, das kann man schon so sagen, eigentlich schon etwas abgehalftertes Label mit Hardrock- und Metal-Schwerpunkt. So richtig gut zusammenpassen will das nicht. Wenn das aber bedeuten sollte, dass eine wirklich grandiose Noiserock-Band ein bisschen mehr Aufmerksamkeit in der hiesigen Rock-Presse erhalten könnte, dann soll mir das natürlich recht sein…



„Gold” von WHORES. erscheint Ende des Monats, BÖLZER’s „Hero“ folgt ein paar Wochen später via Iron Bonehead. Auf beide ist man zu Recht ziemlich gespannt!

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Und sonst so?

1.) Die neue OPETH gefällt mir übrigens tatsächlich ganz gut. Vielleicht nicht in einem „Wow, was für ein Knalleralbum, ich sichere mir jetzt sofort noch ein Exemplar der LP-Version“-Ausmaß, jedoch finde ich es für das, was es ist, ganz gut. Das Riffing und der allgemeine Groove scheinen passagenweise wieder etwas schwerer und kräftiger geworden zu sein als auf dem eher etwas enttäuschenden „Heritage“ und dem von mir danach erst mal vernachlässigten „Pale Communion“. Was ich so von „Sorceress“ bisher gehört habe, will mich dem immerhin noch mal 1-2 weitere Ohren widmen lassen, auch wenn es die Grenze zum „Opa-Prog“ eigentlich schon überschreitet... aber ich werd‘ wohl halt auch nicht jünger. ;)

2.) Bisher habe ich es im Rahmen dieses Blogs noch nicht erwähnt, aber für Viele ist das Doom-Metal-Comeback des Jahres das neue Album von NAEVUS. Jene haben 1998 mal ein Album veröffentlicht und sind jetzt wieder da. Das Umfeld der Altherrentruppe ist trotz der passablen Nachfolgeband Voodooshock ansonsten Schäbimetal as Schäbimetal can be (Sacred Steel, My Darkest Hate… ürks hoch zehn!!), aber um ganz ehrlich zu ein will ich an dieser Stelle nicht derjenige sein, der die Sache verpennt hat: naevusdoom.bandcamp.com


3.) Die neue OKKULTOKRATI, sowie deren beiden Alben davor, sind jetzt übrigens auch komplett bei Bandcamp: okkultokratisl.bandcamp.com


4.) Ansonsten verspüre ich gerade mal wieder eine gewisse Müdigkeit in Bezug auf den üblichen Rock und Metal. Vielleicht ist das ein guter Zeitpunkt, z.B. doch mal die neue APHEX TWIN zu checken. Wie aufs Stichwort erscheint Ende des Monats im Übrigen auch ein neuer Release von COUNCIL ESTATE ELECTRONICS, ein rein elektronisches Projekt von Justin Broadrick.


5.) Last but not least mal wieder ein Preorder-Hinweis: Midira Records veröffentlicht eine gemeinsame Improvisations-Session der drei Drone-Musiker DIRK SERRIES, N und AIDAN BAKER, die auf der Hochzeit des Labelbetreibers stattfand. Interessant: http://midirarecords.com/md-025-aidan-baker-n-dirk-serries-enomeni/

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Red Love

So, jetzt doch mal ein paar Worte zu RED LOVE, deren selbstbetiteltes Debütalbum am 01.10. via Bandcamp und iTunes erschien.

Ohne zu weit ausholen zu wollen: Alex Newport ist einer meiner Heroes. Das Noiserock-/ Alterna-Metal-Metal Trio FUDGE TUNNEL, mit dem er von 1988 bis 1995 als Gitarrist und Sänger aktiv war, ist für mich eine der besten Bands ever. Zwischen Extremmetall-Pionierzeit und Grunge-Hype waren sie während ihrer aktiven Phase diejenigen, die (nicht ganz so, aber) ähnlich der Melvins noch etwas anders als die ganzen anderen Anderen waren. Zu hart und schroff für die gen Mainstream schielende Alternative-Rock-Szene, zu punkig, eigensinnig und ironisch für die sich schon damals zu ernst nehmende Metal-Crowd.
Als er dann noch mit Max Cavalera das NAILBOMB-Album machte, war das zu jener Zeit auch so ein „genau mein Ding“-Ding.
Ca. 1999 bis 2003 war Newport außerdem mit einer weiteren, sehr guten Noiserock-Band namens THEORY OF RUIN am Start, die aber leider unter den meisten Radaren blieb.
Parallel wurde er Produzent und Toningenieur (nennenswerte Referenzen: At The Drive-In, The Mars Volta, Pissed Jeans). In dieser Tätigkeit hatte er mit der Indieband Bloc Party zu tun. Mit deren (inzwischen Ex-)Drummer Matt Tong wiederum gründete er das Projekt RED LOVE.

Zugegeben: Genau so wie ich nie was mit Bloc Party am Hut hatte ist die Musik RED LOVE nichts, auf das ich bei anderen Personalien gestoßen wäre. Aber RED LOVE ist dennoch nicht uninteressant. Die Musik ist teilweise recht atmosphärisch bis verträumt, allerdings auch rhythmisch treibend, lässt immer wieder mal Ecken und Kanten durchblitzen, und hat, wenn man so will, durchaus einen leicht experimentellen Einschlag, der sich Einflüsse aus Richtungen wie Krautrock und Shoegaze zusammenholt.
Newport’s Gespür für interessant-griffiges, aber eben nicht anbiederndes Songwriting scheint mit Tong’s Background im tanzbaren wie ambitionierten Indierock eine gut funktionierende Ergänzung gefunden zu haben.

Klar: Etwas, das eher so ein bisschen in der Tradition von Soundterror, wie ihn Fudge Tunnel und Theory of Ruin gemacht haben stehen würde, wäre mir natürlich als neues Newport-Lebenszeichen lieber gewesen, als eine Annäherung in eher poppige Indiegefilde. Ganz objektiv ist „Red Love“ allerdings wirklich ein alles andere als schlechtes Album, das eine interessante Seite davon zeigt, wie Rockmusik 2016 zwischen Anspruch und Radiotauglichkeit eben auch sein kann. 


Dienstag, 4. Oktober 2016

The Shape of „Post-Metal“ to come?

“Support the Underground” und “checkste mal den Nachwuchs” dachte ich mir so, als ich gestern im Dortmunder Recorder landete, der zum Livemusikabend mit zeitgenössischem Metal/ Hardcore rief.   
Dort wurde aus der angegeben Marschroute „pünktlicher Beginn 19:00, Ende 22:00“ nix, denn es ging erst 19:30 los und die letzte Band um 21:50 auf die Bühne… Anyway.

Die ersten waren Dortmund’s aufstrebende Doom-Jungspunde HEXER, die sich langsam aber sicher immer mehr machen. Dass die Jungs Yob mögen und außerdem das eine oder andere von Neurosis gehört haben kann man nicht verneinen. Wenn sie irgendwann mal ihre Songarrangements noch ein bisschen flüssiger und schlüssiger hinkriegen, anstatt einfach nur Atmo-Parts und Gröl-Stampf-Parts aneinanderzureihen, könnte das mit denen noch mal was werden. Es kann aber auch der Pisselanlage im Studetenkeller geschuldet sein, dass sie an diesem Abend nicht so mächtig rüberkamen wie sie gerne würden…

Die folgenden EWIG.ENDLICH. erinnerten mich an die Zeit, zur der mir Kill.Kim.Novak bzw. Andorra Atkins mal kurz den Screamocore nähergebracht hatten.  Soundwand-Gitarrengeschrubbe und garstiges Geballer trifft auf Muttersprachengeschrei mit reflektierter Schlaumeier-Schlagseite, dazu noch ein paar Samples. Erinnert schon irgendwie an KKN damals, nur waren die bekanntlich vor Deafheaven, und so kann man in EWIG.ENDLICH. tatsächlich sowas wie „Blackgaze“-Elemente ausmachen. Fands jetzt nicht wirklich schlecht, aber so 100%ig mein Ding ist derartiger Studentencore für einen alten Metal-Sack wie mich dann irgendwie doch nicht...

Punktsieger des Abends sind tatsächlich die Leipziger OAKEN HEART. Ähnlich wie die Band davor flirtet ihr Screamo/ Post-Hardcore-Kram mit extremmetallischen Einflüssen samt Hypberblast-Geballer, aber irgendwie kommt das Ganze noch knackiger auf dem Punkt, ist tight rausgebrettert und weckt von Fugazi bis Powerviolence eigentlich nur gute Assoziationen.  Auch hier: Nicht sooo 100%ig mein Ding, aber wenn das eine der Bands sein sollte, die der Indie-Hype um Mittelmaßkapellen wie Liturgy und Deafheaven mit hervorgebracht hat (schließlich schreibt man sich auf die Fahne, was mit Black Metal am Hut haben zu wollen), dann ist diese Welt ja doch noch ein Stückchen in Ordnung.

Zum Bilder machen war ich im Übrigen zu faul.