Donnerstag, 29. Mai 2014

Neue Videoclips (Monarch!, Tori Amos)

Zuletzt...

…hat(te) es übrigens folgende Kontrastmischung in meine hochfrequente Rotation geschafft:

GORGUTS - Colored Sands
Obwohl ich mitbekommen katte, dass Einige letztes Jahr ein ziemliches Gewese um die neue GORGUTS machten und die Band auch in der Nähe live spielte, hatte ich das alles irgendwie ignoriert. Der Grund dafür ist schlichtweg, dass „Technical Death Metal“ eine Schublade ist, deren meisten, bei klinisch-perfektionistischer Produktion ohne wirklich gute Songs seelenlos vor sich hinfrickelballernden Protagonisten (Obscura und co.) mir wirklich überhaupt gar nichts geben. Als ich das kanadische Original dann beim diesjährigen Neurotic Deathfest sah wurde mir allerdings  klar, dass das ein Fehler war. Auf „Colored Sands“ (Bandcamp-Link) mischen GORGUTS kompliziertes Gezimmer im Rahmen von unglaublicher Wucht und Schwere mit Cleangitarren-Parts, deren Atmosphäre ebenfalls erstaunlich dunkel und dicht ist. Das Teil ist wirklich alles andere als generischer Standard-Kram, sondern endlich mal wieder ein (Prog-)Death Metal-Album mit sehr eigener Note, dabei auch düster, brutal und musikalisch, ohne in irgendeine Richtung künstlich aufgesetzt worden zu sein. Ganz schön geil!   


MORNE – Asylum
Auch hier war es der Festival-Auftritt in den Niederlanden, der mich veranlasste noch mal hinzuhören. Als vor einigen Jahren „Untold Wait“ erschien und sich selbst Szenemaskottchen Fenriz von der epischen Mixtur aus Crust, Doom und Postrock begeistert zeigte, erwischten mich die beiden Songs, die es im Netz dazu als Gratisdownload-Hörprobe gab, irgendwie auf dem falschen Fuß, weswegen ich diese Band nicht so wirklich weiterverfolgen wollte. Da man allerdings in die drei Alben der Bostoner bei Bandcamp reinhören kann, tat ich das nach dem Roadburn nun doch mal und bin auch in diesem Fall nun bekehrt.
Gerade das vorletzte Album „Asylum“ schafft es, mich schon beim eröffnenden Titeltrack ohne Gegenwehr zu kriegen, denn diese etwas Frühneunziger-Neurosis-mäßige, ausufernd arrangierte Mixtur aus schleppend treibendem Groove, einem zwischendurch zu abgedämpft variierten und dann doch wieder geöffnetem Brecherriff, Gebrüll drüber, und dann noch einer Piano-Einlage dazu trifft meinen Nerv tatsächlich ziemlich.
Und dass es sich bei einem der beiden Gitarristen und Brüller um den Frontmann der legendären Derbdoom/Sludgecore-Vorreiter Grief handelt, habe ich dabei auch jetzt erst irgendwie so richtig mitbekommen…

NOTHING – Guilty of Everything
Bei V.ö. im März hatte ich für potenziell interessierte zwar schon mit einem Einzeiler auf die Bandcamp-Seite der Band verwiesen, so richtig genauer reingehört habe ich selbst (und auch hier: nachdem ich beim Roadburn mal kurz reinschnupperte, aufgrund anderer Prioritäten aber eben auch nur kurz) aber erst jetzt wirklich. Auch dreamy Shoegaze-Schrammelrock war halt noch nie so unbedingt mein bevorzugtes Gerne, inzwischen dürfte es aber wohl was mit senil-altersmilder Nostalgie zu tun haben, dass mich diese Anflüge von 90er-Indierock-Vibes, die das Ganze mitunter versprüht, irgendwie wohlig einlullen. Wenn ich gerade mal keinen Bock auf das ganze Rumgebrülle habe, das sonst viel im Player landet, dürfen es aktuell gerne auch mal NOTHING sein.

Dienstag, 20. Mai 2014

Freitag, 16. Mai 2014

The Dorf feat. FM Einheit & Caspar Brötzmann

15.05.2014
The Dorf feat. FM Einheit & Caspar Brötzmann
Domicil Dortmund

Und schon wieder die Qual der Wahl bei der Abendgestaltung: In der Ladenlokalität der unter Black Plastic firmierenden Dortmunder Vinyl-Fachhändler hätte man sich auch an diesem Tag die nächste Psychedelic Rock-Band (Buddha Sentenza) für umsonst angucken können. Am anderen Ende der Innenstadt lud jedoch die institutionelle Jazz-Location Domicil zu einem besonderen Event: Deren Hausband THE DORF trumpfte mit FM EINHEIT (u.a. legendärer Ex-Perkussionist von Einstürzende Neubauten) und Avantgarde-/ Prog-/ Noiserock-Gitarrist CASPAR BRÖTZMANN als Gastmusikanten auf. Wer sich das so vor der Haustür dann nicht mal anguckt (und –hört), der liebt Musik nicht wirklich…

THE DORF ist ein mehr als zwanzigköpfiges Jazz-Orchester, das sich selbst unter „utopian beats & krautrock/ jazz/ trance/ noise“ kategorisiert, und neben einem Haufen von Bläsern, zwei Sängerinnen, Gitarristen, zwei Schlagzeugern, einem Violinisten und diversen Tastenmusikern auch moderne Elektronik-Krachmacher in der hinteren Reihe beinhaltet.
Komponist und Dirigent Jan Klare läuft mit Hawaii-Hemd und Hut auf und leitet das Ganze tanzend und springend.
Im Zentrum des Geschehens hängen zwei große Metall-Spiralfedern von der Decke runter, die von FM EINHEIT zur Klangerzeugung auf verschiedenste Weisen mit Drumstick, Hammer und gegen Ende auch mal Bormaschine bearbeitet werden.
CASPAR BRÖTZMANN hält sich eher am Rand als in den Mittelpunkt zu drängen, und erstaunt mit seiner sehr eigenwilligen Art des Gitarrenspiels.
Bei einer „Massacker“-Nummer tönt das Ganze zwischendurch mal nah am Heavy Metal, wannandermal zerfällt alles in einer freien Schräge, und am Ende rockt man auch noch mal funky. Brötzmann macht sein Ding und feedbackt zwischendurch ein mal so laut, dass sich einige Anwesende (auch der Mitmusiker) kurz die Ohren zuhalten, Einheit wiederum holt dazu aus seinen Instrumenten diverses rattern und ploinken raus.
Summa summarum ein wirklich kurzweiliger und unterhaltsamer Livemusikabend. So etwas könnte und würde ich mir tatsächlich öfter ansehen.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Swans – To Be Kind

Lange kein ausführlicheres Einzel-Albumreview mehr gemacht hier. Wenn es irgendeiner Sache gebührt, dann natürlich der neuen SWANS.
Was man Michael Gira und seinen Mannen nämlich wirklich nicht vorwerfen kann ist Berechenbarkeit. SWANS waren auch früher schon eine Band, die Hörer vor den Kopf stieß und unerwartete Wege beschritt. Aus düstersten, schmerzvollen Untiefen beschritt man den Weg ins Licht.


Ihrer aktuellen Inkarnation betreffend kann der geneigte Hörer im Vorfeld allerdings lediglich erwarten, etwas ungewöhnliches und großes zu bekommen.
SWANS-Konzerte jüngerer Vergangenheit waren zum Teil Jam-Sessions bei denen auch Material gespielt wurde, das erst später den Weg auf einen Tonträger fand. Im Falle von „The Seer“ wurde das dann zu einem unglaublichen Brocken von (Doppel-)Album, das einen aufrieb und verwirrte, verblüffte und Ehrfurcht lehrte. Eine eigene Welt, in die einzutauchen sich nicht jeder traut. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer hat wirklich Interesse an eigenwilliger Musik und liebt es, ebensolche zu ergründen? Derjenige hat bei Erscheinen von „The Seer“ eine Weile nichts anderes mehr gehört. Wer jedoch zu den Hipstern, Modemetallern, Retro-Trendreitern und Popsong-Liebhabern gehört, die alles abseits von schwachbrüstigen Vierminutenstücken mit Abspackpotenzial nicht wirklich begreifen, oder immer nur den neusten generischen Riffrock-Scheiß der Stunde als erster gehört haben wollen, bei denjenigen gilt die alte Regel „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“.
Doch genug der überheblichen Einleitung…  


Auch das zweistündige (!) „To Be Kind“-Material entstand auf der Bühne und kommt wieder als Doppel-CD (in der Special Edition mit Live-DVD) oder Dreifach-Schallplatte daher.
Ganz so sperrig wie sein Vorgänger scheint das neue Werk schon dem ersten Hinhören nach nicht. Die Palette musikalischer Mittel ist über weite Passagen irgendwie offener gehalten, nicht so dicht zugespitzt wie bei einigen Tracks des Vorgängers, und oft tönt das Material etwas ruhiger und introspektiver, als es bei den teils monumentalen Aufbauten von „The Seer“ der Fall war. 
Was jedoch bei einigen Tracks vor allem weiterverfolgt wurde, ist der rituelle Charakter der auch hier gerne wieder mal mitunter völlig ausufernden Musik.
Die Kombination aus verspielt aber treibend, repetitiv stampfen Rhythmen und Mantra-artigen Gesängen hat schon mal etwas Urvolkmusik-artiges.
Immer wieder führt die Reise durch Drone-/ Noise-Klangtäler und bedrohliche Intermezzi, und zwischendurch überrascht ein Beat auch mal damit, ziemlich nah am Hip Hop zu pumpen. An dieser Stelle merkt man dann außerdem, was für wuchtige Akzente es ausmachen kann, zusätzlich zum Drummer auch noch einen Percussionisten in der Band zu haben.
Mehr denn je wird Gira über all dem zum Zeremonienmeister des Ganzen, der sich bei einigen Stücken rhythmischen Chants hingibt.
Vor allem bei einigen der völlig ausartenden Tracks („Nathalie Neal“ – nur knapp über lächerliche 10 Minuten, „Bring The Sun/ Toussaint L'Ouverture“ – eine halbe Stunde!!) sind die entfesselten Passagen regelrecht an Urinstinkte appellierende, musikalische Feuerwerke.

Zugegeben, es gibt so 2-3 Stellen auf „To Be Kind“, die einen irgendwie unfertigen oder unüberlegten Eindruck vermitteln.
Etwas seltsam mutet z.B. das von akzentuierten Bläser-Einsätzen unterstützte „Oxygen“ an, das ein wenig den Bogen zu älteren Alben spannt, und die postrockige Aura der aktuellen Band-Inkarnation in einer Art von industrialrockigem Gehacke einstürzen lässt, das so ähnlich auch von J.G. Thirlwell oder frühen Cop Shoot Cop, vielleicht auch alten Neubauten stammen könnte.
Auch bleibt sowas wie ein Grande Finale irgendwie aus. Obwohl der abschließende Titeltrack mit orchestralem Crescendo etwas ähnliches antäuscht, mutet er dabei eher etwas antiklimatisch an.
Aber genau das ist dann wiederum auch der Grund, warum der Freund der wirklich etwas abseitigeren Populärmusik diese Band so schätzt. Man wird überrascht und überrumpelt, sowie aufgefordert, nochmal genauer hinzuhören. Ein wirklich ungewöhnlicher Künstler wird beim eigenes Ding durchziehen nicht nur von einem beobachtet, sondern zieht n seinen hypnotischen Bann, sofern man offen, geduldig und verständnisvoll genug für das ist, in dem in erster Linie erst mal er selbst aufgeht.
Da kann man sich nur erneut andächtig verneigen. Oder in delirischer Ekstase mitzucken.
Wer es wieder nicht kapieren will: Geht halt zu Boremilk…

Mädchenmetal unplugged und so

10.05.2005
Katatonia („Unplugged & Reworked“), Messenger
Christuskirche Bochum

Die Qual der Wahl bei der Samstagabendgestaltung: Ins Helvete zu Sabbath Assembly? Ach ne, so gut sind die in ihrer aktuellen Besetzung dann auch nicht, als dass die mich nach mehreren ziemlich ereignisreichen Wochen(enden) vom Sofa kriegen würden.
Hirax im Turock? Eigentlich geil, aber heute irgendwie doch ein bisschen zu viel Action für mich. 
Da es sich kurzfristig ergibt, umsonst in der Bochumer Christuskirche aufs ausverkaufte Akustik-Konzert von KATATONIA gehen zu können, ergreife ich dann allerdings die Gelegenheit mir das mal anzugucken, anstatt zu Hause zu versacken.

Verkehrte Welt: Ich habe schon so manches Konzert in der Christuskirche gesehen (z.B. Menace Ruine & Mamiffer, Barn Owl, …), darunter auch ein sehr gut besuchtes (Bohren & Der Club of Gore), aber so unentspannt wie an diesem Abend ging es dabei bisher noch nie zu. Längere Einlassschlange mit Security-Durchsuchung; an zwei Theken wird lange angestanden und dann ist auch noch Pfand auf den Wegwerfbechern… irgendwie etwas ungemütlich heute.
Da die Vorgruppe MESSENGER pünktlichst um 19:30 loslegte, sehe ich diese nur noch so halb. Die Verwechslungsgefahr ist nicht gering, gab es in Rock-/ Metal-Gefilden schon so manche Kapelle diesen Namens. Bei den heute Abend spielenden MESSENGER handelt es sich im eine neue britische Prog/ Psychedelic Rock-Band mit Folk-Akzenten und Produzent Jaime Gomez Arellano an den Drums. Plugged im Übrigen und nicht schlecht.
Danach nimmt KATATONIA-Frontmann Jonas Petter Renkse inmitten einem Kerzenmeer und als Mittelpunkt der ihn umgebenden Mitmusiker mit einer Akustikgitarre Platz. Für jemanden, der schon bei Strom-Sound Schwierigkeiten hat, KATATONIA-Songs auseinanderzuhalten, ist das mit dem Unplugged-Rahmen so eine Sache, groß was über die Musik zu sagen. Akustikgitarren, Percussion, Piano und auch mal ein Hauch von Konservenstreicher tragen das Material an diesem Abend. Das funktioniert, gerade auch in dem stimmungsvoll-entspanntem Ambiente eines solchen Kirchen-Sitzkonzert. Auch wenn es in hinteren Regionen wegen der Theken eher etwas unruhig zugeht… Warum bin ich noch mal hier? Habs selbst schon vergessen. Hm, noch ‘n Bier. Ach kumma, der Jens ist auch da…


Setlist KATATONIA:
01. In the White 02. Ambitions 03. Teargas 04. Gone 05. A Darkness Coming 06. One Year From Now 07. The Racing Heart 08. Tonight's Music 09. Sleeper 10. Undo You 11. Lethean 12. Day 13. Idle Blood 14. Unfurl --- 15. The One You Are Looking for Is Not Here

(In Kooperation mit Nocturnalhall)

und noch ein neuer Videoclip (Sabbath Assembly)


Sonntag, 11. Mai 2014

Abstracter - Tomb Of Feathers

Mit den Worten "könnte dir ganz evtl gefallen…" schob mir 7 Degrees Records-Simon kürzlich mit "Tomb Of Feathers" von ABSTRACTER seine aktuellste Veröffentlichung rüber.
Das Teil kam eigentlich schon letztes Jahr raus, aber hiermit nun auch auf dem hiesigen Markt auf Vinyl.

Bei den drei Songs über der 10min-Marke (bzw. einer davon auch über 15) macht die Truppe aus Oakland dahingehend alles richtig, sich in aktuell angesagten Stilregionen nirgends zu sehr anzubiedern, bzw. niemanden zu offensichtlich nach zu äffen. Zwischen Doom Metal und Sludgecore, mit Brisen von Crust/HC, Stoner und Postrock, groovet und rifft, schleppt und peitscht, singt und grölt man sich ein eigenes, wuchtiges wie stimmungsvolles Ding zusammen, das genau so auf der einen Seite Amenra'sche und Morne'sche Gefilde vage streift, wie auf der anderen Yob- und Electric Wizard-mäßige.    
Ziemlich cool!

Interessierte hören Sich das Ding an und bestellen die Schallplatte über:
7degreesrecords.bandcamp.com/album/7dr022-abstracter-tombs-of-feathers-lp

Ja, Simon, das hier gefällt mir! Wir müssen allerdings wohl noch mal darüber reden, warum meine Band für Dein Label angeblich zu wenige Blastbeats hat... ;)

Freitag, 9. Mai 2014

Aktuelle Alben

WOVENHAND - Refractory Obdurate
Eigentlich war ich nie groß ein (Alt.-)Country-/ (Neo-)Folk-Enthusiast, durch andere äußere Zusammenhänge fand aber jüngst WOVENHAND den Weg in meine Rotation. Schon auf dem letzten, von Neubaueinsturz Alexander Hacke produziertem Album („The Laughing Stalk“, 2012) hatte das Projekt des ehemaligen 16 Horsepower-Sängers David Eugene Edwards eine Abzweigung zu mehr Wucht genommen. Und wenn man es schafft, über die biblisch und gottesfürchtig geprägten Lyrics etwas hinwegzusehen, dann ist die Musik auf „Refractory Obdurate“ wirklich sehr, sehr gut. Egal, ob das Ganze ins psychedelische driftet, oder auch schon mal temporeich und härter rockt – jeder Song ist ziemlich gelungen!
Mist, schon wieder eine Band mehr. Ich höre doch sowieso schon so viele…

YOUNG WIDOWS – Easy Pain
Auf ihren ersten beiden Longplayern haben die YOUNG WIDOWS noch sowas wie Noiserock gemacht, beim 2011er „In and Out of Youth and Lightness“ entzog sich die atmosphärische, wie von einem Fiebertraum inspiriert und doch geerdet klingende (Rock-)Musik dann jedoch irgendwie einer genaueren Kategorisierung. Besagtes Album legte die Messlatte trotz gemäßigterer Gangart fürs vierte ziemlich hoch. YOUNG WIDOWS machen jedoch alles richtig: Weder wiederholen sie den Vorgänger, noch whimpen sie weiter aus. Man hat die Schraube an Lärm, Lautstärke, Dissonanzen, energischem Härtegrad und auch mal an Tempo („Kerosene Girl“) wieder ein Stück angezogen, sich dabei aber das flirrende, subtil surreale im Gitarren-Sound und das melodische Element (mit einem Anhauch von Blues und Americana) des Vorgängeralbums bewahrt.
Mission accomplished! Sehr cooles Teil!

Kurz notiert:

Das aktuelle COFFINWORM-Album „IV.I.VIII“ ist mit seinem düster-fiesen Crossover aus Sludgecore und Black Metal ganz okay, aber auch kein Überkracher. Irgendwie wird bei dem Teil außerdem mal wieder deutlich, dass Sanford Parker ein stark überschätzter Produzent ist.
 

Bei der aktuellen TRIPTYKON scheint es sich tatsächlich um einen sogenannten Grower zu handeln, aber so umwerfend wie das Debüt wird das Teil auch bei weiteren Durchläufen nicht.
 

Die Ván Records-Veröffentlichung von DARIO MARS AND THE GUILLOTINES‘ „Black Soul“ weiß zu verblüffen. Die Retrofilmsoundtrack-Qualitäten der Soul/ Surf/ Rockabilly/ Psychedelic/ Funk/ Rock-Mischung sind wohl völlig intentionell.  

Dienstag, 6. Mai 2014

Neurotic Deathfest Bildernachschlag

 




 
 



 
 
 

NDF: Tilburg Reloaded

Neurotic Deathfest
Poppodium 013 | Tilbug, NL

Immer noch Roadburn-Entzugserscheinungen? Warum nicht drei Wochen später schon wieder für ein Wochenende nach Tilburg fahren, zum NEUROTIC DEATHFEST?
Gut, ich muss zugeben, aus alleinigem Impuls wäre ich dort nicht auch noch gelandet, aber wenn es sich gerade eh günstig ergibt, dann lässt man sich das natürlich auch gefallen, zumal BRUTAL TRUTH (auf Abschiedstour), CEPHALIC CARNAGE und die Thrash-Legende DARK ANGEL mir dann auch persönliche Legitimation genug sind. Obendrauf gibt’s dann noch u.a. PESTILENCE, LOCK UP und MISERY INDEX, also will man sich mal wirklich nicht beschweren.
Ganz so geil wie das ebenfalls im 013 stattfindende Roadburn mit seinen Sludge-Heroes ist das zugegeben eigentlich nicht, aber in der Not fic..äh...frisst der Teufel bekanntlich Fliegen.

Freitag
…möchte ich schnell abhaken:
DECEASED werden ihrem Skurrilitätsfaktor ein bisschen gerecht.
SPASM sind für ‘ne alberne Porngrind-Truppe zumindest für ein paar Songs lang eine wirklich unterhaltsame Angelegenheit, schon alleine weil der bis zum Anschlag verzerrte Bass eigentlich wie ‘ne Gitarre klingt.
MASSACRE gehen klar, sind aber auch nicht so wirklich der Rede wert.
Bei SHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH finde ich persönlich ein bisschen schade, dass der eine gespielte Pflichtsong von „Club Mondo Bizarre“ betont der jüngste des Sets ist, mag ich von Pungent Stench ja eigentlich gerade besagtes Album mit seiner Mischung aus räudigem Death Metal und rockigen Vibes am meisten.
GOD MACABRE bringen danach ihren dreckigen wie atmosphärischen Old School Schweden-Death des gerade mal wieder wiederveröffentlichten einzigen Albums „The Winterlong“ auf die Bühne des kleines Saals. Kann man so nehmen.
Bei TERRORIZER nützt auch die Tatsache nichts, dass der stilprägende Grindcore-Meilenstein-Longplayer „World Downfall“ am Stück gespielt wird. Mit nur noch dem Original-Drummer in den Reihen und zwei anderen Typen, die erst letztes Jahr eingestiegen sind, ist mir persönlich das ehrlich gesagt zu sehr Coverband.
 

Samstag
Guter Tag!
Los geht’s auf der Hauptbühne gleich sofort mit FUNERUS, und die wissen mit ihrem Doom-Death zu gefallen. Es ist übrigens der erste Auftritt, seit Basserin/ Grunzerin Jill eine Herzattacke erlitten hatte. Dafür gibt sie eine gute Figur ab, Respekt! Überhaupt ist es ja gerade irgendwie so ein Trend, dass die ganzen obskuren Bands dieser Stilecke nach zwanzig Jahren auf ein mal wieder auftauchen, aber wir hatten auch schon schlimmere Revivals…
 

Danach spielen dann auch schon BRUTAL TRUTH. Zum vielleicht letzten mal. Sharp wie immer mit Hut und barfuß. Erst schrägere jüngere Sachen, und als Endspurt dann noch ein paar Songs von „Extreme Conditions…“.
Es war ziemlich geil!


Weiteres Highlight des Tages:
Die internationale Grind-Supergroup LOCK UP überzeugt auf ganzer Linie. Ich habe die Herren Lindberg (u.a. At The Gates), Embury (u.a. Napalm Death), Barker (macht der aktuell noch woanders mit?) und Reisenegger (Pentagram Chile) tatsächlich schon mal in schlechterer Form gesehen, als an diesem Tag.
Zwischendurch basst außerdem Lilker einen Song.



Auf der kleinen Bühne macht der Man am Mikro von MALIGNANCY einen Shoutout an die NRWDM-Crew und weist auf den nun startenden „New York Power Block“ des Billings hin.
Bei SKINLESS heißt jener dann „New York Beatdown“. Auch jene machen Spaß. Auf dieser New Yorker Schiene des Death Metals, die technischen US-Style mit hardcoreigen Breaks kombiniert, sind sie eine der wenigen Bands, mit der ich ein bisschen was anfangen kann. 
Fontmann Sherwood Webber ist neben seiner sehr sportlichen Performance außerdem der witzigste Entertainer des Tages. Erst wirft er Äpfel ins Publikum („I want you guys to be healthy!“), und später erklärt er diesem, in dem man in der Natur der Sache viele langhaarige Männer sichten kann, dass sein erkahlter Kopf ein Indiz für ein sehr großes Geschlechtsorgan wäre.

SUFFOCATION schließen den NY-Todesmetallmarathon auf der Hauptbühne ab. Waren ja irgendwie nie sooo meine Band. Es ist eine halbe Sensation, dass tatsächlich der wirklich permanent mit der Hand wackelnde Frank Mullen auf der Bühne statt, statt eines Aushilfshouters. Der gute Frank ist mir allerdings ehrlich gesagt ein bisschen zu redselig. Musikalisch wurde die Band ihrem Status ziemlich gerecht, das war schon ganz schön mächtig.
 

Sonntag
Das beste nicht zum Schluss, sondern gleich als Startschuss: CEPHALIC CARNAGE! Oberknalltüte Lenzig verteilt erst mal eben das Catering ans Publikum, man zieht einen durch und startet daraufhin sofort mit der Stoner-/Sludge-lastigen Nummer „Piecemaker“. Wie. Geil. Ist. Das. Denn?! Ich kann nicht anders als mich schnell noch dahin zu begeben, wo ich mehr Platz zum tanzen habe. Nicht ganz unerwarteterweise wiederum behandelt schon die nächste Ansage den Themenkreis Masturbation. Auf den überraschenden Eröffnungsknaller folgen natürlich technische Deathgrind-Irrsinnigkeiten wie „Endless Cycle of Violence“ (Waaaahnsinn!), „Lucid Interval“ und „Hybrid“. Das Finale ist mal wieder der „Black Metal Sabbath“, der erst parodistisch-satanisch straighte Blastbeats nach vorne schreddert, um in der zweiten Hälfte den Auftritt dann auch noch mal auf einer stonerrockigen Note zu beenden.
Unterhaltsamste, witzigste und musikalisch geilste Show des ganzen Wochenendes! Man kann diese Band unmöglich nicht lieben! Das letzte Album ist zwar schon ewig her und war insgesamt nicht mal besonders gut, aber ich könnte die Jungs ja echt quartalsweise live sehen!   
Sowohl GRAVE als auch MISERY INDEX räumen danach souverän ab, SERVERE TORTURE bekomme ich auf der kleineren Bühne nur am Rande mit.
Zwischenzeitlich quetsche ich mich sogar in die Stage01-Sauna. Denn eine Band, die eine Split mit Coffins gemacht hat, kann so verkehrt nicht sein, denke ich mir, und gucke mir nach Entdecken eben dieser am Merchstand spontan mal SKULLHOG an.
Der Drummer und Co-Shouter eben jener scherzt „Hello Roadburn! Thanks for havin‘ us,
Walter“, und ein paar Anwesende verstehen‘s durchaus. Musikalisch wird eine gar nicht mal so uncoole Mischung aus Goregrind, Crust-Anklängen und Doom-Death-Parts geboten. Netter Kontrast zu dem Slam-Kram, der sonst auf den kleineren Bühnen viel spielt! 

 

Verlierer des Festivals: PESTILENCE.
Schon im Vorfeld höre ich wenig gutes über ihre aktuellen Live-Qualitäten und der Andrang bei den Niederländern hält sich dann auch in Grenzen (s.u.).
Es wird hauptsächlich neuer Kram geboten, und selbst von älterem keine wirklichen Kracher. Die Performance ist irgendwie steif und wenig mitreißend. So schlecht sind deren neueren Releases doch gar nicht? Was ist da denn passiert? Wieso springt da live kaum noch irgendwas über?
Ein Typ im Shirt der Band guckt die ganze Zeit ziemlich entsetzt und versucht vergeblich, Andere zum mitmachen zu bewegen. Ein Jungspund ruft dauernd nach „Out Of The Body“, aber man bleibt ihm den Hit schuldig.


Um 20:00 wird es für zwei Minuten still, denn in Holland ist der jährliche Gedenktag für Opfer des zweiten Weltkrieges, an dem um Punkt 20:00 zwei Schweigeminuten eingehalten werden.
Im großen Saal allerdings hat es sich ein Trunkenbold auf der Treppe so bequem gemacht, dass er die Stille mit seinem lauten Schnarchen ein bisschen zu sehr stört. Nach Ablauf der zwei Minuten bewirft ihn die Meute mit Bierbechern.

Pentagram aus Chile heißen inzwischen ganz offiziell PENTAGRAM CHILE, um Verwechslungen mit dem gleichnamigen amerikanischen Doom-Original zu vermeiden. Beim wiederholten „We’re Pentagram from Chile“ hält Shouter/ Gitarrist Reisenegger zum Unterstreichen der Aussage dann auch glatt noch mal die entsprechende Landesflagge hoch. Wir haben es eigentlich auch so und schon beim ersten mal kapiert, Keule. Musikalisch ist die Nummer eine runde, mitreißende Sache, denn das thrashige Old School-Gerödel gefällt. Gerade auch nach dem vorangegangenen Pestilence-Debakel. 

Auch wenn der Saal insgesamt (nach hinten/ oben hin) recht voll ist, hält sich der Andrang im Innenraum vor der Hauptbühne, auf der als nächstes GORGUTS spielen, ein bisschen in Grenzen.
Die Musik des kanadischen Originals driftet von wuchtigen Passagen, deren Heavyness von regelrecht bleierner Schwere ist, immer wieder mal in atmosphärische Prog-Regionen ab und ist somit halt auch eher Liebhaber-Kram als was für Moshpit-Sportler. Passend dazu kommt die Performance des bebrillten Mainmans Luc Lemay auch eher konzentriert als entfesselt rüber. Im Übrigen ist das heute die bereits zweite Performance für Drummer Patrice Hamelin, der früher am Tag schon bei Cephalic Carnage aushalf und dabei eine ebenso gute Figur abgab wie jetzt. Respekt. Nicht unbedingt die Konsens-Band des Wochenendes, aber doch ziemlich cool. Vielleicht sollte ich da das aktuelle Album nach anfänglichem Desinteresse nun doch mal checken…

Finale, ohoho: DARK ANGEL!  Die Thrash Metal-Legende in „Leave Scars“-Besetzung, u.a. mit Gene Hoglan an den Drums.
Die Darbietung von Sänger Ron Rinehart ist etwas ungelenk aber sympathisch, der ganze große Saal geht völlig apeshit. Zwischendurch macht sich Rinehart darüber lustig, dass sich einer seiner Mitmusiker nur für das entsprechende Bild einen Mikroständer auf die Bühne stellen lässt, obwohl er selbst keinen Ton singt. Später filmt er mit dem Handy das Publikum und staunt nicht schlecht über den wagemutigen Stagediver, der wie ein Blitz zwei mal den Weg über den Fotograben meistert.  
Geiler Nostalgietrip mit Seltenheitswert! Hat Spaß gemacht.

Setlist:
Darkness Descends
We Have Arrived
The Burning of Sodom
Time Does Not Heal
No One Answers
Never to Rise Again
Welcome to the Slaughter House
Death Is Certain (Life Is Not)
The Death of Innocence
Merciless Death
Perish in Flames


Was noch?
Paralleluniversum vom Paralleluniversum: Irgendwie ist das in der gleichen Location stattfindende Festival das totale Gegenteil vom Roadburn. Bands haben eher knackige als großzügige Spielzeiten (passt bei der Musik allerdings auch besser). Die Säle füllen sich dabei eher gemächlich und werden während einer Show nach hintenraus voller, anstatt umgekehrt (beim Roadburn muss man für einen guten Platz bekanntlich oft mal früher da sein).

Surreales Hotelfrühstück: Am Nebentisch unterhalten sich Kevin Sharp (mit Schuhen und ohne Hut) und Nick Barker über Familienleben, das Wetter in England, und ehemalige Napalm Death-Mitglieder.


Weil mein Plan ist, nach Ablauf des Tagestickets (02:00) für das in der Nähe geparkte Auto in der Nacht noch eins für den nächsten Tag zu ziehen, schlage ich mir Samstag Nacht noch teure Bierhumpen saufend zwei Stunden in der Metalkneipe Little Devil um die Ohren, um nach Ablauf der Zeit festzustellen, dass der Automat dann schon aus ist, und man Sonntags eh erst ab 12:00 eines braucht, womit das Ziehen erst am folgenden Tag also tendenziell eh nicht so zeitkritisch gewesen wäre. Ich Vollidiot!