Mittwoch, 24. April 2013

Roadburn 2013

Tja … time flies, when you’re havin‘ fun!
Wie schnell das ROADBURN Festival 2013 im persönlichen Empfinden so verstrich, das war irgendwie schon im Turbogang, auch wenn es ja eigentlich der Event ist, für den in meinem Kosmos die Welt mal eben stehenbleibt.
Hatte ich meine persönliche Nachberichterstattung letztes Jahr nicht nur auf einen, nicht nur auf zwei, sondern auf ganze drei Teile ausgewalzt (plus den einen oder anderen Bonus), bin ich derzeit etwas zu busy wieder so viel Zeit und Liebe reinzustecken, aber ohne eine Abhandlung im relativen Schnelldurchlauf (und damit wohl auch nur zu gut passend zum erwähnten, diesjährigen Zeitempfinden) geht es irgendwie auch nicht …

Mittwoch

Die Eröffnungssause im Cul de Sac mit ATTIC und BLISKEM. Vor allem erstere Kollegen aus Gelsenkirchen entsetzen!  Im RockHard feiert man die Mercyful Fate-Epigonen ohne Ende ab, aber was wir diesen Abend zu sehen und hören bekommen, ist ein geschminkter Honk mit dünner Stimme und ohne Sangestalent, der das offensichtlich durchaus ernst meint. Was zur Hölle hatten die da überhaupt zu suchen?

Donnerstag

Erst mal 3 Songs von THE BLACK HEART REBELLION im Het Patronat, der Kirche gegenüber des 013 gucken. Musik zwischen Post-Punk und Neo-Folk oder sowas. Nicht schlecht, und mal was anderes. Würde ich mir durchaus auch noch mal eine ganze Clubshow von ansehen.

Die gebührendere Roadburn-Eröffnung und tendenziell auch schon einer der eigentlichen Headliner folgt dann allerdings schon bald auf der Hauptbühne in Form von PALLBEARER. Die Doom Metal-Newcomer des Jahres 2012 halten, was sie versprachen, spielen ihr Album „Sorrow and Extinction“ komplett, haben einen ziemlich geilen Sound, und stimmen perfekt auf den Rest des langen Wochenendes ein. Schön!

Was ich danach auf der klitzekleinen Stage01 bei nur mäßigem Andrang von CROWN mitkriege, ist eher so semi. Immerhin konnte ich einen Briten im Publikum damit erheitern, das Drumcomputer-Grunzdoom-Duo als „Poor Man’s Godflesh“ zu bezeichnen.

Zurück zur Hauptbühne, PENANCE. Wie kürzlich schon mal gesagt muss man da mal die Kirche im Dorf lassen, also hält sich auch hier erst mal der Andrang in Grenzen, aber vereinzelte Fans rufen der wirklich gut eingespielten Band in Urbesetzung ihre Songwünsche entgegen. Meinen, in Form der cheesy Powerballade „Reflections“, bekomme ich sogar. Das war durchaus ganz nett! Nichts überragendes, aber eben nett, im besten Sinne.

PILGRIM hatte ich bisher nicht so wirklich auf dem Schirm gehabt, und werde jetzt wohl auch nicht losrennen mir ‘ne Platte zu kaufen, aber das im Green Room gesehene und gehörte gefiel ganz gut, zumal die Band auch mit viel Enthusiasmus dabei war.

GRAVETEMPLE – naja. Diese ganze Drone-Kiste ist inzwischen irgendwie etwas abgelutscht, oder findet Ihr nicht? Immerhin sieht Attila mal wieder witzig aus, wenn auch komplett anders als erwartet (was aber wohl auch gerade eben der Effekt daran war).

Randvolle Bude vor der Hauptbühne dann wieder bei HIGH ON FIRE, die ihr 2000er Debüt „The Art of Self Defense“ am Stück spielen, welches ein bisschen Groove-orientierter und weniger auf Vollgas ausgerichtet war, als späteres der Band. Hat durchaus Spaß gemacht.

Danach sofort rüber zu MASERATI in den Green Room, deren Dance-Postrock an Fahrt zugelegt hat, und mir persönlich supergut gefällt, live beim Roadburn sogar noch besser als auf ihrer aktuellen Konserve. Apropos Konserve, aus eben jener kamen die Bassläufe, denn der Bassgitarrist der Band konnte wegen einer Niereninfektion nicht dabei sein, und der Drummer spielt währenddessen angestrengt mit ständig rutschenden Kopfhörern dazu.  Gute Besserung an dieser Stelle, und danke an den Rest der Truppe für diesen sehr gelungenen Gig, auch wenn es im Green Room mal wieder einen Tick zu voll war.

PRIMORDIAL (Hauptbühne) und LORD MATNIS (Stage01) werden beide ein bisschen begutachtet, aber auch nicht so wirklich goutiert oder gebraucht.

Die Hawkwind-Coverparade THE PSYCHEDELIC WARLORDS ist zwischenzeitlich ganz unterhaltsam (wenn auch unnötig), für den gelungen partymäßigen Abschluss des ersten Tages sind HERDER im Green Room allerdings das exakt richtige.
HERDER sind nämlich sowas wie die Sludge/Stoner-Variante von Biohazard‘ oder Hatebreed’schem ToughGuycore und als solche schon ganz schön prollig, stumpf und selbstabfeiernd. Bei Berührung in einem anderen Kontext würde man das Ganze vielleicht sogar eher verachten. Beim Roadburn um Mitternacht mit ordentlich Bier im Kopf fordern stampfende Standstartraketen wie „Feet Eager to Run to Evil“ allerdings herrlichst zum Mitmachen auf.

Freitag

Los geht’s mit DREAM DEATH, die wie erwartet nicht so wirklich der totale Bringer sind, deren Tom Warrior Gedächtnis-Rumpelthrashdoom allerdings einen Nerv von mir trifft. Viele andere fanden es nicht weiter erwähnenswert oder gar scheiße, ich persönlich hatte immerhin ein bisschen Spaß.

Die zeitversetzt im Green Room spielenden KADAVAR fallen vor allem mal wieder dadurch auf, mit superalbernen Outfits, deren Vintage-Aussage einfach nur total drüber ist, durch die Gegend zu schleichen. Was für Affen. Jetzt mal ohne Scheiß, was für Affen!

SABBATH ASSEMBLY, zwischendurch auch mit Genesis P-Orridge am  Gastgesang, sind in ihrer aktuellen Besetzung tatsächlich nur halb so gut, wie zuvor mit Jex Thoth als Frontfrau. Schlecht war das nicht, aber mit der bezaubernden Jex war es halt wirklich mindestens eine ganze Liga besser.

Im "ELECTRIC GRINDHOUSE CINEMA" der Stage01 kann man sich derweil von Electric Wizard ausgesuchte Explotation-Filme ansehen. Teils mit live dazu performten Soundtracks verschiedener Künstler. Immer, wenn  ich mal dort vorbeischaute, lief gähnende Langeweile auf der Leinwand, andere behaupten jedoch, dort die ganze Zeit blutige Titten gesichtet zu haben.  Schlechtes Timing.

UNCLE ACID AND THE DEADBEATS – kein bevorzugtes Terrain von mir, aber alles andere als schlecht. Ob ich es da doch mal auch auf Platte mit probieren sollte? Die Videoprojektionen waren allerdings nicht ohne.
HEXVESSEL – wohl doch nicht so mein Ding, vor allem im Roadburn-Kontext nicht.

COUGH haben Spaß gemacht. Auf Tonträger habe ich die Band bisher noch nicht so unbedingt benötigt, aber das hat live schon was hergemacht. Guter Sound, gute Band!

ELECTRIC WIZARD bestätigten im Anschluss meine Vermutung, irgendwie doch nicht so recht der absolute Top-Headliner zu sein. Auch wenn die Bude bis zum Rand aus allen Nähten platzte, und mir persönlich ihr archetypischer Stroner Metal-Groove ja auch durchaus sehr gut gefällt, war das Ganze, wenn man mal ehrlich ist, irgendwie nicht so 100%ig Top-Headliner-würdig.

Auch GOAT sind in manchen Kreisen so ein heimlicher Sensationsnewcomer des letzten Jahres. Und fuhren zugegeben eine ganz witzige Show auf. Die Frage, was ihre funky Samba-Inszenierung mit dem Spannungsfeld zwischen Psychedelic/Stoner Rock und Doom/Sludge Metal überhaupt zu tun hat, wird man aber wohl durchaus mal stellen dürfen. 

PSYCHIC TV / PTV3 – bisschen gesehen, ohne Worte (wertfrei gemeint).

Auch AMENRA sind als Abschluss eines Festivaltages im Het Patronat mal wieder die perfekte Wahl, und mit ihrem Neurotengroovecore generell durchaus ziemlich mein Ding. Da geht man doch glatt noch mal ein bisschen mit.

Samstag

Bei der Qual der Wahl der persönlichen Eröffnungsband des Tages wurden es die 3rd Wave-Black Metaller FELL VOICES (Stage01). Ganz witzig: Der Gitarrist und Schreier schreit zwischendurch auch immer wieder mal einfach in den Raum anstatt ins Mikrofon. Ansonsten hat man nichts wirklich sensationelles verpasst, wenn man nicht dabei war.

Danach ins Het Patronat zum Live-Debüt der Ván-Perle THE RUINS OF BEVERAST (sieht man von einer öffentlichen Generalprobe irgendwo in Berlin ab). Was tatsächlich ziemlich gut war, vor allem „I Raised This Stone as a Ghastly Memorial“ treibt die Stimmung
am Ende noch mal ziemlich in die Höhe. Echt gut! Status untermauert, einen Fan behalten.

CULT OF LUNA und TEETH OF THE SEA fielen an diesem Tag, ebenso wie der Cul de Sac-Auftritt von GOLD, irgendwie durchs Raster, das im Vorbeigehen zufällig gesehene der Aggrogroover LO! war als Kontrastprogramm allerdings nicht schlecht.

HIGH ON FIRE machen auch ein zweites mal die Hütte voll und durchaus Spaß, A FOREST OF STARS wiederum sind mir wohl zu viel Gegeigengedöns und sowas.

Für DIE KREUZEN interessiert sich kaum jemand. Die US-Punk/ Alternative-Legende, zu der sich u.a. Musiker von Sonic Youth, Napalm Death, oder Voivod als große Fans bekennen, ist im von Altherrenrock-Freunden und Hipstermetallern bevölkerten Roadburn-Paralleluniversum wohl ein bisschen deplatziert. Und leider auch irgendwie nicht so richtig gut. Sowohl die Vocals von Dan Kubinski, als auch das zuweilen etwas überfordert rüberkommende Geklampfe von Brian Egeness überschreiten an diesem Tag in puncto Performance und Sound Grenzen, an denen es auch schon mal eher etwas wehtut, und das meine ich an dieser Stelle nicht als positiv wertende Floskel.

ASH BORER sind ja schon so ein kleiner Underground-Hype, und sie werden eben diesem danach im Green Room auch absolut gerecht. Das hat wirklich mal ziemlich dicht und eindrucksvoll gedrückt und geblasen, was die Amis da aufgefahren haben. Leider vernahm ich vorwiegend Material der nicht ganz so gut gefundenen aktuellen, und verpasste den Song der persönlich viel besser gefundenen ersten am Ende, denn ich musste irgendwann rüber zur Hauptbühne. Dort spielten nämlich …

GODFLESH! Vor zwei Jahren lieferten sie mit ihrem ultrabrachialen „Streatcleaner“-Set schon mal einen der erinnerungswürdigsten Gigs der gesamten Festivalhistorie ab, dieses Jahr legten sie mit einem „Pure“-Set nach. Broadrick und Green fingen erst mal alleine mit drei Songs des besagten Albums an - auf ein mal kommt auch noch Robert Hampson auf die Bühne und setzt beim Rest des Sets an der zweiten Gitarre zusätzliche Akzente.
Auch wenn es abzusehen war ein netter Überraschungseffekt, und ein wirklich, wirklich geiler Auftritt einer Band, die ich eh zu meinen absoluten Lieblingen zählen würde.

ASPHYX schließen im Het Patronat mit einem speziell Doom-lastigen Set ab, wo es mir allerdings ein bisschen zu voll und heiß war, um das Ganze am Ende eh schon leicht abgekämpft länger durchzuhalten - im Green Room groovegrölen PROCESS OF GUILT sich vor einem lichter werdenden Publikum noch mal ein bisschen mitreißend, aber eben doch auch ein bisschen generisch, ganz nett einen zurecht.

Witzige Randnotiz übrigens: Angehörige unserer erweiterten Gruppe mussten ASPHYX auf dem Parkplatz ums Eck mit Kleingeld für’s Parkticket aushelfen.

Sonntag

Ich geb‘s offen zu – beim durchwachsenen Afterburner war dieses Jahr nach drei durchaus sehr tollen Festivaltagen bei mir langsam aber sicher mal mittelschwer die Luft raus.
SIGH waren mir irgendwie einen Tick zu albern, um sich das komplett am Stück zu geben, der Black Metal von NIHILL nicht wirklich schlecht aber auch nicht so wirklich richtig gut, MICHAEL ROTHER und seine Mitmusiker spielten durchaus NEU!-Songs, die ich mag, aber auch hier musste ich das nicht in voller Länge haben, GOLDEN VOID waren mir persönlich ein bisschen zu altherrenrockig, SPIRITUAL BEGGARS eine ganze Spur zu konventionalrockig und posig, und der gute ISHAN und seine begleitenden LEPROUS kamen viel zu pathetisch und gezwungen progig rüber, um sich da an dieser Stelle noch drauf einlassen zu können und wollen.
DIE KREUZEN versuchten sich derweil im Green Room noch mal an einem Set, der sich etwas mehr an ihren hardcorepunkigen Frühwerken orientierte. Was auch etwas dankbarer war, als ihr tragischer Hauptbühnen-Fail, aber so richtig überspringen tat der Funke hier dann auch nicht mehr.   
Während SWITCHBLADE spielten, die ich eigentlich durchaus ganz gern mag, war ich dann allerdings bereits auf der Autobahn gen Heimat, weil es einfach genug war, und ich deren komplette Show eh nicht mehr so richtig genossen hätte. Wie gesagt war die Luft schon etwas raus, und schwand im Laufe des Sonntags auch noch immer mehr... 

Das war also das ROADBURN 2013. Mein fünftes in Folge, das davon musikalisch eigentlich am schwächsten besetzte, und daher irgendwie auch erstmals so ein bisschen „Business as usual / Same procedure as last year, same procedure as every year“.
Durch „Fear and Loathing“-artige Randnotizen hätte ich das Ganze zwar durchaus noch auflockern können - mir war aber, wie gesagt vor allem aus Zeitgründen, mehr nach einem sachlichen Abhaken des wesentlichen, als nach halber Prosa.
Ob ich kommendes Jahr wieder dabei sein muss, werde ich mir nächsten Herbst dann wirklich mal gut überlegen müssen. Bei dem, was man dabei so alles an Geld und Lebenserwartung in Tilburg lässt, sollte man vielleicht wirklich auch mal aufhören, wenn es schon mal am schönsten war, und stattdessen entweder auch mal wieder andere Events auschecken, oder sich vielleicht endlich mal dem Altersruhestandsplänen hingeben.

Melvins' Coveralbum im Stream

Ende des Monats erscheint „Everybody Loves Sausages“ ein Coveralbum der MELVINS, auf dem diverse Gäste mitmachen.
Bei Spin.com kann man Song für Song davon streamen, inkl. Kommentaren zu jeder einzelnen Nummer von der Band selbst.

Montag, 22. April 2013

Montag, 15. April 2013

Nö, eher nicht so: Earthtone 9 - IV

Im RockHard gibt es die Arschbombe des Monats, bei mir hier immerhin sowas wie die Enttäuschung des Quartals. Nicht, dass ich an die neue EARTHTONE 9 große Erwartungen gehabt hätte – die schon im Vorfeld etwas verhaltene bis ängstliche Haltung bestätigt zu sehen, ist aber dennoch etwas schmerzlich.
Sinngemäß habe ich das so ähnlich zwar schon mal gesagt, es muss allerdings noch mal in aller Deutlichkeit raus: Dass eine Band, die um die Jahrtausendwende mal eine Ausnahmeerscheinung im Feld „Alternative Metal/  Post-Hardcore/ Modern-Progrock“ und meinetwegen auch „ihrer Zeit voraus“ war, sich zehn Jahre später reunieren muss, um dann wiederum mit nichtssagendem Brüllstrophe/ Singrefrain-Discometal ein paar Jahre hinterherzuhinken, das tut im Fall von EARTHTONE 9 tatsächlich ein bisschen weh. Während der Nu Metal-Ära waren sie mal 1-2 Sommer lang die Helden der Geschmacksicheren gewesen, im heutigen Sludge- und Postrock-Zeitalter muten sie wie ein unnötiges Relikt an. Was allerdings nicht nur an anderen Zeiten und einem selbst, sondern durchaus auch an ihnen liegt. Sie könnten mehr sein, wenn sie wollten. Vom ruppig-noisigen Kram ihrer frühen Veröffentlichungen, bis zur progrockigen Entwicklung der späteren, hatten sie das in der Vergangenheit eigentlich bereits bewiesen. Anno 2013 klingen ET9 allerdings wie ein mäßig inspirierter Abklatsch ihrer selbst im generischen Abrock-Modus. Und das ist leider viel zu wenig.
Dabei steckt spürbar viel Enthusiasmus in der Scheibe. Drummer Simon Hutchby zeigt so manches Kabinettstückchen, die Gitarrenfraktion feuert Riffs raus, für die vor 10 Jahren manch andere Band getötet hätte, und Sänger Karl Middelton präsentiert sich sowohl beim Brüllen, als auch beim Singen in allerbester Form.
Am handwerklichen scheitert es wirklich nicht, denn da sind diese schon nicht mehr so jungen Burschen wirklich top!
Es ist viel mehr dieses totale Missverständnis von „Prog“ und „modernem Metal“, dem auch ET9 anno 2013 spürbar unterliegen, das die Scheibe für mich gähnend unspektakulär bis nahezu unhörbar macht. Trotz aller Härte, spielerischer Finesse und so manch clever-verspielter Verschnörkelung gehen mir dieser übermäßig geglättete Sound, diese generischen Popmetalcore-Schablodenarrangements, und die daraus resultierende Kantenlosigkeit wirklich dezent auf den Sack. Wollte man ET9 früher mal am ehesten mit Neurosis in einen Topf schmeißen, sind es heute eher Killswitch Engage. Und das ist genau die Art von harter Musik, die ich nun wirklich nicht hören will.   
Sorry Jungs. Das mit uns war mal Liebe, doch es liegt wirklich an Euch, und nicht an mir. Schade, dass aus diesem Umfeld sowohl die 2005 rum mal sehr vielversprechenden Twin Zero, als auch die EARTHTONE 9-Reunion somit ziemlich vor die Wand gefahren wurden.
Aber in Zeiten, in denen man sich vor guten und interessanten Bands von artverwandten Feldern kaum noch retten kann, ist die Trauer nicht wirklich groß.

Wer dennoch mal ein Ohr riskieren muss, tut das bei Bandcamp: earthtone9.bandcamp.com/album/iv

Freitag, 12. April 2013

Brain Cook sagt‘s Euch

Im Moment habe ich nicht wirklich viel mitzuteilen, dafür aber Brian Cook.
Der gute Brian ist nicht nur Basser der RUSSIAN CIRCLES, und war früher bei BOTCH und THESE ARMS ARE SNAKES dabei (beides großartige Bands gewesen, aber das wisst Ihr natürlich bereits), sondern er ist auch freier Journlist, der sich viel mit der Musik Anderer beschäftigt.
In einem aktuellen Blogpost auf seiner tumblr-Seite teilt er seine persönlichen Gedanken  und Selbsterkenntnise zum Thema Musikpiraterie und Künstlerunterstützung mit, was durchaus lesenswert ist und so unterschrieben werden kann.

Dienstag, 9. April 2013

Kruppstahl TV

Café Nova und so

Klitzekleine Bestandsaufnahme zum letzten Konzertbesuch im Essener Café Nova:
15 € Eintritt dafür bezahlt, dass
- wir CASTLE aufgrund der auch um 20:00 rum noch übervollen A40 verpasst haben
- THE ATLAS MOTH einen okayen aber nicht knallermäßigen, vor allem halbinstrumentalen Set spielen, weil der Herr Frontmann während ihres ersten Europagigs ever aufgrund von Passproblemen noch in den USA festhing
- INTRONAUT mit dem esoterischen Progrock zwischen Spät-Cynic (bzw. Gordian Knot/ Æon Spoke) und einem Schuss Baroness, den sie inzwischen zum besten geben, zwar durchaus unterhielten, dabei aber auch nicht gerade übermäßig begeisterten.
So kann‘s halt auch manchmal gehen…

Dienstag, 2. April 2013

Aktuelle Alben (Amber, Ascetic:, Cloud Rat, Suicidal Tendencies)


Nachdem natürlich nur wenige den Aprilscherz überhaupt zur Kenntnis genommen haben (danke auch an den Bersecker fürs spontane zusammenklicken der hier und hier geklauten Covermotive), jetzt aber wirklich ...

AMBER – Lovesaken

Die selbstbetitelte Debüt-EP der Marburger AMBER machte sie im hiesigen Post-Hardcore (/ -Metal) Underground zu gefühlten Senkrechtstartern. Was einer Menge anderer Cult of AmenRIsis-Epigonen bisher noch nicht gelang, schafften sie darauf spielerisch: Echt gute Songs mit dynamischen Arrangements, deren simpel-geniales Geheimnis darin liegt, trotz epischer Anflüge eine gewisse Kompaktheit zu wahren, und auch schon mal einen Zacken energischer zu spielen. Mit „Lovesaken“ liegt nun der Nachfolger vor. Auf jenem scheint sich das Ganze von den angesprochenen knackigen Dynamiken des Erstlings bei der Gitarrenarbeit interessanterweise zu mehr Atmosphäre, und noch etwas mehr Melodie und Melancholie verschoben zu haben; das postrockige hat in ihrem Sound zugenommen. Spannend arrangierte Nummern mit interessanten Feinheiten und gelegentlichen Riffausbrüchen sind die fünf Songs auf „Lovesaken“ natürlich dennoch geworden, auch wenn man sich beim abschließenden, irgendwie schon mal gehört klingendem Zehnminüter vielleicht wünscht, dass AMBER ruhig auch noch mal ein anderes Kunststück zeigen dürften, als diese durchgängige Postrock/ Screamo-Doom/ Postrock/ Screamo-Doom-Masche. Womit ich jetzt allerdings auch keinen Qualitätsabfall implizieren möchte, „Lovesaken“ ist schon ziemlich gut geworden (Grower-Potential!).
Ob ich es wohl dieses Jahr hinkriege, sie auch endlich mal live zu sehen?
Download, sowie alles weitere auf: weareamber.bandcamp.com


ASCETIC: - Self Initiation
Im Rahmen der kürzlichen Konzertbegegnung eigentlich schon drauf hingewiesen, kann man es trotzdem noch mal extra würdigen (1):
Hinter ASCETIC: verbergen sich Mitglieder der selbst schon nicht unspannenden australischen Instrumentalrocker Heirs, die hier mit Gesang sehr offensichtlich Einflüsse wie Joy Division und Cocteau Twins verarbeiten. Ihr Dunkelrock lebt schon sehr davon, dass die Jungs das mit dem Shoegaze-Sound ziemlich gut hinbekommen, allerdings muss ich wirklich sagen, dass mir dieses Debütalbum dafür, dass derartiges ja eigentlich sehr am Rand meiner Hörgewohnheiten und Präferenzen liegt, tatsächlich ziemlich gut gefällt!
Name your price: oscl.bandcamp.com/album/self-initiation

CLOUD RAT - Moksha
Im Rahmen der kürzlichen Konzertbegegnung eigentlich schon drauf hingewiesen, kann man es trotzdem noch mal extra würdigen (2):
„Female fronted“ Grindcore aus den USA, befreundet mit den Münsteraner Resurrectionists, und hierzulande wird die LP von 7 Degrees Records, dem Label von Keitzer-Basser Simon vertrieben. 
Wenn das alles noch keine guten Gründe sind, ein Ohr zu riskieren, dann sollte es die Musik von diesem 2013er Album sein, denn die ist eine richtig geile Grind-Walze, wie sie sein muss. Gut performt, gut produziert, und das nicht nur schön durch alle Tempolagen von Midtempo-Brachialitäten bis zu Blast-Rasereien variierend, sondern über den Tellerrand hinaus: Wenn der Band danach ist, die A-Seite der Platte mit sowas wie einem dreamy Shoegaze-Song zu beenden (Infinity Chasm), oder gegen Ende der zweiten gar popige Momente auszupacken (The Needle and the Damage Done), macht sie das dann halt auch einfach mal, was nicht jeder so bringen würde.
Sympathische, gute, nicht ganz alltägliche Sache! Reinhören, mögen, supporten!
Digital findet man das Album, sowie ältere Releases, kostenfrei unter cloudrat.blogspot.de

SUICIDAL TENDENCIES – 13
Eigentlich waren „Hardcore-Legenden“ und alte Thrash Metal-Helden – und Suicidal sind ja irgendwie ein bisschen von beidem – etwas, auf das ich in letzter Zeit eher nicht so viel Bock hatte. Wenn allerdings der Typ mit dem festgewachsenen Bandana und seine Mitmusiker im Jahr 2013, nach 13 Jahren ohne Albumveröffentlichung, mal wieder einen Studio-Release (ihren dreizehnten, zählt man auch die etwas irreguläreren mit) mit, genau, 13 neuen Songs raushauen – ja nu, da bin ich dabei. Denn Suicidal sind etwas, das man einfach im Blut hat. Und irgendwie ist es auch eine nette Konstante, dass eine Band, die ich schon mit 13 gehört habe - okay, zugegeben, 15 ist vermutlich realistischer und wahrer, aber ihr für mich persönlich signifikantestes Album kam tatsächlich heraus, als ich 13 war (!), und ein Poster davon hing gar damals in meinem Kinderzimmer - mich auch mehr als dreiz... äh... zwanzig Jahre später schon bei den ersten beiden Songs dazu bringt, zufrieden breit zu grinsen. Der heimliche Hit ist allerdings die heiter-rockige Schlussnummer. Überhaupt ist das Album sehr rockig und positiv ausgefallen, was mit einer Vermengung aus Prügelpunk, ein paar Metal-Riffs, und funky Passagen in erster Linie tierisch Laune macht. Mehr Sommeralbum als Schlag in die Fresse. Aber das ist ja auch okay. Ich habe jedenfalls gerade sehr viel Spaß an dem Teil!
Außerdem: Was für ein Killerdrummer ist ST's aktueller Eric Moore eigentlich?!?

THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION – Roadburn

In der nicht abreißen wollenden Serie an Live-Aufnahmen vom letztjährigen Roadburn Festival haben nun auch THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION, die ImDroneisation-Inkarnation von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, mal wieder einen rausgehauen.
Vier Tracks, Gesamtspiellänge fast eine Stunde.
„Roadburn“ gibt es im Netz zum "Name your Price"-Download, als Doppel-LP soll das Ganze im Mai erhältlich sein.
Rüber zu shop.tkde.net/album/roadburn



Up next
: Neue Alben von Agrimonia, Altar of Plagues, The Body, Crown, Kylesa, Vhöl, sowie eine Bongripper / Conan Split. Außerdem haben Carcass und Celeste schon was auf der Rampe.
Da geht ja schon wieder einiges…

Mühlheim an der Ruhr und so...

20:20 Uhr und im AZ Mühlheim spielt tatsächlich schon die vorletzte Band, anstatt der ersten von fünf? Das ist neu ...

Im Rahmen eines Zweitagesfestivals für'n Fünfer Eintritt am Abend blablabla...
Jedenfalls verpasste ich aufgrund des ungewöhnlich frühen Beginns im AZ die eröffnenden SEEDS IN BARREN FIELDS, habe aber wohl laut Augen-/ Ohrenzeugen in erster Linie einen ratternden Drumconputer verpasst. Weird.

JUNGBLUTH spielten als nächste, und auf diese Nachfolgeband von Alpinist, die bei Events wie diesem auch mit neuem Namen und Line Up irgendwie schon zum Mobiliar gehört, war ich wirklich mal gespannt. Ganz so eine Macht wie ihr personell um einen Mann stärkerer Vorgänger ist das Ganze ja irgendwie nicht, aber schon noch kräftiger, wuchtiger, spielfreudiger als sehr viele andere Bands. Gut! Jederzeit wieder!


Man würde gerne mal ein Duett von Barney Greenway und Kat Katz sehen und hören? Bei den RESURRECTIONISTS bekommt man das jeden Song, Die Münsteraner machen Grindcore mit „Emo Violence“-Kante und haben ein geschlechtlich gemischtes Brüllschrei-Duo auf der Bühne. Den Coversong kannte ich, aber komme gerade nicht auf Band und Songtitel. Ziemliches Inferno, kurzweilig, gut!

Interessierte gehen auf leichenraeuber.blogspot.de, ziehen sich das runter und rein!

Noch mal Grindcore mit Frauenquote: CLOUD RAT aus Michigan. Die ihre Musik im Übrigen ebenfalls umsonst ins Netz stellen, weswegen es sich lohnt mal auf cloudrat.blogspot.de vorbeizuschauen. Noch mal ziemlich mächtige Angelegenheit mit ganz interessanten Groovemomenten. Gut! Wirklich gut!


Von den headlinenden LIGHT BEARER bin ich kein allzu großer Fan. Die Briten sind zwar sympathisch und haben teilweise auch Erfahrung in anderen Bands vorzuweisen, die durchaus gewisse Hausnummern waren, ihr doomiger Post-Metal ist für meinen Geschmack aber etwas zu akzentarm und Fähnchen in den Wind, um mich damit hinterm Ofen vorzulocken. Zugegeben, da wurde schon ein ziemliche Wand aufgefahren, und als Abschluss war das ja schon irgendwie passend.
Hab schon langweiligeres gesehen, aber Faves von mir werden das in diesem Leben wohl trotzdem nicht mehr ...


Netter Konzertabend, in Mühlheim an der Ruhr.

Montag, 1. April 2013

Aktuelle Alben ...


CIRCLE OF CONSTIPATION - Bile and Bilirubin
COC sind der letzte Schrei, und irgendwie ein bisschen von allem.
Wussten ihre eigenproduzierten und –vertriebenen Werke „Odor“  (2011) und „Coprophagia“ (2012) schon in der Szene für Furore zu sorgen, ist „Bile and Bilirubin“ ihr erstes Album auf einem größeren Label, auf dem auch ein externer Produzent beteiligt war, und der Band einen spürbar windschnittigen Schliff zu verpassen wusste.
Was man hier hört, hört man nicht alle Tage, und vor allem nicht so. COC’s Djent-lastiger Prog-Deathcore mit Postrock-Anleihen klingt bedächtig arrangiert, glasklar inszeniert, und technisch perfekt gespielt, und die gelegentlichen Dubstep-Einschübe, die seit eh und je dazugehören, wobbeln sich auf „Bile and Bilirubin“ noch ein ganzes Stück professioneller als in der Vergangenheit aus den Boxen.  Und so perfekt die Frisur von Frontmann „Handsome Hank“ Hiboy sitzt, so zielsicher landen seine Grunts, Screams, und gelegentlichen Andeutungen gehauchten Gesangs im Mikrofon.
Als Anspieltipp sei vor allem der Song „Final Act of Digestion“ nahegelegt. Der monumentale Songaufbau mit Ruhemomenten hat was von Mono oder Mogwai, die verbreakten Riffausbrüche von Rasieklingenschärfe erinnern an Meshuggah und Martyr, und wie über einen elektronischen Zwischenpart die Überleitung zu wahnwitzigen Blastbeat-Abfahrten von Suicide Silence-artiger Eingängigkeit gelingt - sowas macht ihnen so schnell keiner nach.
Eine starke Platte des zeitgenössischen, extremen, progressiven, genresprengenden Metals!

THE DEFENSTRATOR – Assaulted Asylum

Hier wird Old School groß geschrieben, auch wenn die alten Schulen im Zeichen moderneren Crossovers stehen. Hä? Okay, der Reihe nach: THE DEFENSTRATOR sind eine internationale Freundschaft in halber Allstar-Besetzung (darunter ein alter Schwede, ein jüngerer Ami, zwei Sauerländer Bockwürste) und mit Hauptsitz in Berlin. Die Truppe hat sich dem Unterfangen verschrieben, Old School Death Metal zwischen Schweden-Sound (Entombed, Dismember, Grave) und Ami-Stil (Obituary, Autopsy, Incantation), mit Old School Industrial a la Einstürzende Neubauten, Throbbing Gristle, SPK, alten Swans, einem Hauch von Young Gods etc. zu verschmelzen. Dafür haben sie sich mit einer Menge Metallschrott im Studio verschanzt, der gehämmert, gegeneinandergeschlagen, gebogen, geschabt und zerberstet wurde (angeblich hat ein Bandmitglied dabei sein eigenes Fahrrad zerstört), um perkussiv-lärmige Sounds zum Gitarrengerüst zu addieren. Auch ein altes Tonbandgerät und dessen Bandsalat sollen involviert gewesen sein. Jedwede zusätzlichen Soundeffekte entstanden also rein anlog im Angesicht von Blut, Schweiß und Tränen, und nicht am Computer.
Lyrisch gibt es alles von der als Horrorszenario getarnten Kritik am Polizeistaat („March of the Zombies“) bis zur morbiden Ode an nicht ganz alltäglichen Sex („Paraphilia - Closer to Death“).
Wie THE DEFENSTRATOR Zeitgeist von gestern wieder modern machen, ja doch, das hat was.

KARNAVAL - s/t

Bereits vor Veröffentlichung des heiß erwarteten Langspieldebüts der Vintage Rock-Sensation KARNAVAL kam es zum Bruch mit Metalblade Records. Das Label wollte die sehr spezifischen Vorstellungen der Band bezüglich der Aufmachung einer exklusiven Vinyl-Veröffentlichung des Materials partout nicht erfüllen, und auch das Maß an Freiheit und Entlohnung, das man von Seiten der Band dem Coverkünstler „Dan Sec“ zugestehen wollte, soll dem Label zu viel gewesen sein.
Um ihre eigentlich fertige Musik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, verteilen KARNAVAL ihr Album daher jetzt umsonst als CD-R. Und die „Sharp Dressed Men“, wie die Schlaghosen- und Bärteträger unter Supportern auch genannt werden, haben es drauf. „Karnaval“ ist voller authentischer Vintage-Wärme, rockt wie 1969, ehrlicher Proto-Metal, wie man ihn exakter nicht spielen kann.
Ebenfalls schön ist, dass KARNAVAL dabei trotz aller Homogenität und klarer Linie bei der Beteiligung ihrer Gastmusiker keinerlei Scheuklappen zeigen, denn sie haben gleich mal eben ihre Proberaumnachbarn mitmachen lassen: Der Herrenchor im Refrain des rasant-knackigen Temporockers „Schizophrenic“ sind keine geringeren als die Jungs vom Ruhrpott-Punkmetal-Oberkult Hallenbeck, und die hintergründigen Percussion-Einlagen beim finalen Psychedelic-Epos „Ritual Candles“ stammen vom Drummer der Low Profile- Death’n’Roll/ Doom’n’Sludge/ Blackened Noiserock-Elitisten Sarglager. Ein interessanter Zusatzakzent einer makellosen Scheibe!
Ob und wann sie wohl endlich noch auf Vinyl erscheint?