Montag, 26. November 2012

Aluk Todolo - Occult Rock

Haha, hier wird man aber erst mal ganz schön in die Irre geführt. ALUK TODOLO legen es gleich zu Anfang drauf an, den potenziell zugeneigten Hörer in den ersten fünf Minuten des Albums schon zu verprellen. Mit Blastbeats und Gitarrengeschrubbe wird Black Metal-artig durch die Botanik geschraddelt; das aber erst mal ohne nennenswerte Variation an der Grenze zum Nichtmusik-Lärm, und dann auch noch mit nicht so tollem Sound. Erst in der zweiten Hälfte der zehnminütigen Nummer passieren Ansätze von Melodie. Hat man dieses nicht so recht zum Rest des Albums passende Gerumpel aber ohne Abbruch der ganzen Sache überstanden, folgt die Belohnung in Form von ca. 74 (!) weiteren Minuten Musik (ja, es ist ein Doppel-Album), die es gewaltig in sich haben.

Freunden von Drone-Kapellen und Krach-Experimentalisten sind diese Franzosen im Übrigen schon ein Weilchen von Begriff. Keine Ahnung, was genau in die Band gefahren ist, aber Ihr aktuelles Album mit dem u.U. irreführenden Titel „Occult Rock“ weicht vom trägen Doomgaze vorheriger Veröffentlichungen ziemlich ab.
Was nach der beschriebenen Eröffnungsnummer in den sieben noch folgenden Mammut-Tracks (nur einer bleibt unterhalb unter der 10min.-Marke) so abgeht, lässt einen spontan die Augenbrauen hochziehen.
Bass und Schlagzeug legen ein Inferno an rasant verspielter Lead-Rhythm Section vor, und die Gitarre tut es ihnen gleich. Sämtliche BM-, Noise-, Ambient-Assoziationen werden von einem eher Prog-/ Math-/ Post- /Krautrock-beeinflusstem Instrumentaljam-Wahnsinn weggefegt.
Und das Ganze ist live eingespielt. Daher rührt wohl auch die schon mal nicht ganz so makellos rüberkommende Gesamtinszenierung, aber das ist hier scheißegal.

Wenn man ein mal in dem Album drin ist, zieht es einen in seinen Bann. Man muss allerdings auch die Zeit und Geduld mitbringen, in diesen über 80minütigen Marathonbrocken an Spielfreude, der auf irgendwelche Düster-Genreschubladen völlig zu scheißen scheint, auch tatsächlich eintauchen zu wollen. Und das am besten ohne irgendeine Art von Erwartungen.

Hörproben gibt’s hier: aluktodolo/disco-occult-rock.htm

Zuletztlivegesehenkurzrundumschlag

Kontrastprogramm im November …

16.11., Essen, Panic Room
Tex Napalm & The Silver Spades, Phineas Cage & The Crowbar Incident
Der Panic Room, und gerade auch sein Bunker-artiges Hinterzimmer, sind in der Gegend als nette Location für rock’n’rollige Parties bekannt und berüchtigt. Wenn TEX NAPALM & THE SILVER SPADES rufen, ist man ferner gerne mal familentreffenmäßig am Start.
Aus dem eigenen personellen Dunstkreis entsprungen, machen PHINEAS GAGE & THE CROWBAR INCIDENT die Vorband, es folgen TEX NAPALM & THE SILVER SPADES in regelrechter Bigband-Formation, mit Extra-Percussionist und Instrumentenwechseln. Der Americana-geschwängerte, teils auch mal lautere Rock mit Wüstenroadmovie-Flair kommt an. Es hätte ein so schöner Abend werden können, wäre da nicht immer wieder dieser Aggrognom aufgetaucht, der seinen Beef mit jemandem im Publikum austragen wollte, und trotz gut zureden kein Ende finden wollte. Ja meine Fresse.

23.11., Köln, Sonic Ballroom
Blckwvs, Noem
Wenn die BLCKWVS spielen, sind wir halt gerne mal dabei. Auch wenn das heißt, bis nach Köln zu gurken, wo sich im Sonic Ballroom, während einen Stadtteil weiter Converge toben, ein wirklich seltsames Stammpublikum mit wirklich schrägen, teils auch endnervigen Gestalten angesammelt hat. BLCKWVS sind wie immer über jeden Zweifel erhaben, und beenden den Set mit einer Nummer, bei der Basser Chris auch mal ins Mikro schreit.
NOEM haben danach in ihrem Noiserock gute Ansätze, aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Was gar nicht mal an dem Poser von Kadavar-Schlagzeuger liegt, der hier zugegeben ganz gut Alarm macht, sondern vor allem am irgendwie nicht so wirklich stimmgewaltigen oder charismatischen Frontmann, der dafür aber trotzdem eine leicht selbstgefällige Aura und albernen Schnauzbart hat. Naja. Netter Versuch, aber ausbaufähig.

24.11., Dortmund, FZW
Mouse on Mars
Warum nicht mal MOUSE ON MARS angucken? Wer der Support Act war, ein Typ am Laptop, ist mir leider durchgegangen. Beim Headliner dann zwei Typen an Laptops plus Live-Schlagzeuger. Ein Electronica-Allerlei von schräg bis straight, von Dekonstruktion bis tanzbar, von funky bis brummbassig, in einer seltsamen Grauzone aus eigensinnigem Bandauftritt und Technoparty. War etwas kurz, aber kann man mal machen.

Donnerstag, 22. November 2012

Interview: Valborg

Wie ich schon im Review zur aktuellen VALBORG-Scheibe „Nekrodepression“ festgestellt habe, ist jene mit ihrem öfter mal eher nicht so ganz orthodox gehaltenen Düster-Metal wie für mich gemacht. Ich wollte mehr wissen. Also habe ich mal nachgefragt.

Laut „Metal Archives“ habt Ihr 2005 schon mal ein Album rausgebracht, das in anderen Biographien nicht auftaucht. Wollt Ihr 'ne Jugendsünde verschweigen?

"Nee, das ist keine Jugendsünde. Bei dem Album handelt es sich um eine Demo-Compilation. Davon gibt es ingesamt zwei Stück, die wir wahrscheinlich irgendwann 2013 über Bandcamp veröffentlichen werden.
Ich weiß auch nicht wie die von Metal Archives daran gekommen sind. Die Biographie dort stimmt nur zum Teil. Da sind Sachen dabei, die eigentlich außer uns niemand hat."


 Crown of Sorrow“ war mit seinem schnelleren Gebretter usw. ja ein bisschen anders als die doomigeren Alben jeweils davor und danach, „Nekrodepression“ scheint stilistisch auch wieder auf etwas anderes konzentriert zu sein. Ist es Euch wichtig, verschiedene Facetten auszuprobieren? Was genau habt Ihr bei der neuen bewusst anders gemacht und warum?

"Ich würde sagen, dass Menschen, die sehr genau hinhören auch erkennen, dass wir was anders machen. Für andere klingt Valborg eh immer gleich. Meistens ist es schon eine bewusste Entscheidung, etwas anders zu machen. Das wollen wir auch immer so. Wir sind schnell gelangweilt. Bei der „Crown Of Sorrow“ waren wir auf dem Oldschool Death Metal Trip. Bei „Barbarian“ war es dieses Epic-Ding und bei der „Nekrodepression“ haben wir uns mehr von Noise Platten und sowas beeinflussen lassen. Aber wir planen nie genau. Es gibt eine grobe Vorstellung, einen Albumtitel und der Rest ergibt sich nach und nach. Bei der nächsten Platte machen wir auf jeden Fall wieder etwas anders, das ist jetzt schon klar."

Für mich haben einige Nummern auf „Nekrodepression“ dabei ja einen Vibe, der mich sehr an Killing Joke und artverwandte Bands erinnert. Ist das ein Einfluss, oder eher Zufall?

"Das ist aber schön, dass Dir das auffällt. Wir mögen alle sehr gerne Killing Joke, die haben uns bestimmt beeinflusst."


Dass die „Taufe“ an Angelo Badalamentis „Twin Peaks“-Soundtrack erinnert ist vermutlich aber eher Zufall, oder?

"Das ist wirklich Zufall. Wir mögen zwar auch alle Twin Peaks, aber der Track ist einfach im Jam entstanden."


Dieses mal ist ein Großteil der Songs auf Deutsch. Wie kommt‘s?

"Ja, wir wollten was anderes machen und härter werden. Uns sind auch keine richtigen Texte eingefallen, so haben wir einfach stumpfsinning rumgebrüllt und das kam dabei heraus."


Man hat eh bei Euch so ein bisschen das Gefühl, dass Eure Arbeitsweise ist, einfach mal was (nicht negativ gemeint:) zusammenzurotzen und dann ungefiltert zu veröffentlichen, ohne es mit dem Feinschliff zu übertreiben. Kann man das so sagen, dass das so ist?


"Manche Sachen werden in der Tat zusammengerotzt, aber wir halten uns halt auch nicht gerne mit irgendwelchen Grundsatz-Diskussionen auf. Wir wissen alle was wir wollen, die Musik ist nicht so komplex, da geht das Songwriting schnell. An der „Nekrodepression“ haben wir immerhin 1,5 Jahre gearbeitet. Die „Barbarian“ haben wir innerhalb von 6 Monaten geschrieben und aufgenommen."


Und wie schafft man es dann eigentlich, wenn man noch in andere Bands involviert ist, jedes Jahr ein Album rauszubringen? Das ist ja gemessen daran, was für musikalische Spielwiesen einige von Euch mit anderen Zeitgeister-Bands sonst noch haben, schon eine beachtliche Frequenz ...


"Ach, das ist nicht so schwierig. Wir haben zum Glück immer viele Ideen und sammeln die so über die Zeit an. Aktuell arbeiten wir an einem neuen Island Album, haben jetzt gerade vor ein paar Tagen die Drum-Aufnahmen abgeschlossen. Die Musik liegt aber bestimmt schon vier Jahre unangetastet rum. Da gleiche gilt für viele andere Projekte. Im letzten Jahr haben wir es mit Valborg was ruhiger angehen lassen, da hatte man natürlich viel Zeit für andere musikalische Geschichten übrig."


Als ich Euch in Oberhausen gesehen habe, wart Ihr zu viert. Habt Ihr live immer einen mehr dabei?

"Richard Nagel ist ein sehr guter Freund und begnadeter Drummer, er ist ein Teil des Zeitgeister Clans und deswegen lag es auf der Hand mit Ihm mal ein paar Gigs zu zocken. Er hat uns schon letztes Jahr auf der Frankreich Tour ausgeholfen. Florian, unser eigentlicher Drummer, ist auch Gitarrist und hatte mal Lust wieder vorne zu stehen und zu bangen. So kam das alles zustande. Wir sind da ganz offen und legen uns nicht fest."


„I am Space“ von der „Crown of Sorrow“ und Samatha Alive“ von „Barbarian“ sind so Songs, die auf ihren jeweiligen Alben schon sehr aus dem Rahmen fallen. Andere würden sowas vielleicht eher nicht mit auf so ein Album packen, weil ihnen das im Gesamtkonzept nicht ausreichend stimmig oder vielleicht auch nicht ernsthaft genug wäre. Erzähl mal bitte was über diese Nummern...


"Andere sollen sich erst mal ficken mit ihrer scheiß Ernsthaftigkeit. Wir sind so ernst, dass wir gar nicht mehr ernst sein können. 
Tief unter unserer harten Schale sind wir Schnulzen-Boys, was man ja bei „Samantha Alive“ hört. Das Lied wurde von Männern für Frauen gemacht.
„I am Space“ ist die totale Beschwörung. Am Anfang geht es um Kraft, die Power des Heavy Metals. Da muss auch Heavy Metal gespielt werden. Am Ende dann kosmische Rückkopplungen und Rumgebrüll bis zur Verausgabung …
Unterm Strich, machen wir eh was wir wollen, daraus ziehen wir unsere Kraft. Und wenn wir etwas Gutes dabei spüren, dann wird das auch so gemacht. Vertraue bloß niemals Valborg. Die machen was sie wollen und Du läufst Gefahr enttäuscht zu werden."


Das wäre ein gutes Schlusswort, müsste man nicht noch darüber reden, dass das aktuelle Album im Booklet einem gewissen Dietrich Hünten gewidmet ist, der eine Band namens Obscure Fuckup hatte und 1991 Selbstmord beging.

"Diedrich Hünten kam aus dem gleichen Ort wie wir, daher haben wir einen Bezug zu ihm und Obscure Fuckup. Vor Jahren haben wir das Demo in die Finger bekommen und oft bei Proben gehört, die ganzen Geschichten, die um ihn kursierten, haben uns dann ziemlich beeindruckt, und so wurden wir ziemlich beeinflusst."

 
Link: Zeitgeister Music.


Mittwoch, 21. November 2012

Herder Nachtrag

Wenn man vom Teufel spricht: Die niederländischen Sludge-Bollos von HERDER haben gerade eben bekanntgegeben, den Sänger gewechselt zu haben. Rein ins Boot ist jemand, den man auch von Born from Pain und Arma Gathas kennt, was wohl super zu der von mir bereits erwähnten Toughguycore-Kante ihrer Musik passt, und das langsam aber sicher mal wirklich kaum noch miteinander vereinbare Konglomerat an Bands, in denen einzelne Mitglieder sonst noch mitspielen - bei dem von kvltig-ritualistischem Avantgarde-Black Metal, über etablierten Gore-Death Metal, über Metalcore-Stumpfsinn, bis zur komplett schlimmen Gothic-Scheiße der Krull/Kristine-Clique inzwischen dann auch mal alles dabei ist - noch mal einen Tick bunter und kruder macht.

Dienstag, 20. November 2012

Herder - Horror Vacui

Als HERDER, deren Basser man übrigens auch als Schlagzeuger von Urfaust kennt, und deren Gitarrist JB van der Wal sonst noch bei sowohl akzeptablen (Aborted, Dr. Doom) als auch komplett furchtbaren Bands (Atrocity, Leaves‘ Eyes) mitspielt, einem neulich mal selbst ihre aktuelle EP „Horror Vacui“ per Filehoster zum reinschnuppern unter die Nase hielten, habe ich dem geschenkten Gaul natürlich nicht ins Maul geschaut. Aber wohl einen Hinweis darauf im Rahnen dieser Blogseiten vergessen.
Seit letzter Woche ist das Teil jedenfalls tonträgermäßig offiziell raus. Und gerade auch, weil uns besagte Band im Frühling einen so schönen Start ins diesjährige Roadburn bescherte, und  „Horror Vacui“ schon ein sogenannter Grower (no pun intended) ist, soll sie natürlich nicht unerwähnt bleiben.
Also: Auf „Horror Vacui“ bietet das niederländische Quintett Sludge/ Doom/ Stoner Metal feil, der mit einer gewissen Tough Guy-Kante (Brüllwürfelvocals) und u.a. auch einer kurz gehaltenen, hardcoreigen Uptempo-Ballernummer daherkommt. Und ja, das macht alles doch ganz schön Spaß.

Hier eine Hörprobe:



Und hier ein Labelshop-Link: shop.reflectionsrecords.com

The Young Gods

Muss ich mal loswerden, weil ich es in diesem Rahmen bisher noch nie festgestellt habe:  Wie gut ist eigentlich „Super Ready/Fragmenté“, das zweite über Ipecac Recordings veröffentlichte Album o.g. Band aus dem Jahre 2007?!
Für ein Spätwerk – wir erinnern uns, das Debüt der Schweizer erschien 1987 via Wax Trax, und das weiter verbreitete „T.V. Sky“ ist auch schon zwanzig Jahre alt – hat sich besagte Scheibe, fünf Jahre später noch mal betrachtet bzw. wieder gehört, erstaunlich gut gehalten.
Es tut sich zwar nicht wirklich viel mit dem ebenfalls ziemlich töften „Second Nature“ (2000, Ipecac), auf „Super Ready/Fragmenté“ gelang es den YOUNG GODS allerdings noch mal ein Stück besser, eine verspielt-straighte, weitgehend organisch und wie Massive Attack auf doppelt so schnell gedreht klingende Rhythm Section, die tierisch mitreißt (während ich dies schreibe muss ich sitzend dazu rumzappeln), mit dem Gitarrensamples verrührenden Konservenlärm Alan Monods zu kombinieren, während die charismatische Stimme Franz Teichlers das Ganze von oben auf Englisch und Französisch zusammenhält.
Man sollte sich durch die elektroniklastige Instrumentierung oder gängige Genre-Assoziationen nicht irreführen lassen: THE YOUNG GODS‘ „Super Ready/Fragmenté“ ist kein Gothdisco-Blödsinn oder sowas, sondern im Grunde genommen richtig guter, origineller Alternative Rock, der auch in heutigen Zeiten noch super funktioniert.
Und, wie gesagt, auch das vorangegangene „Second Nature“ steht dem in nichts nach.
[Der Vollständigkeit halber: Das handwerklich zwar alles andere als schlechte, insgesamt aber etwas schnarchige 2010er Album der Truppe („Everybody Knows“), sowie ihre Vorstöße in reine Ambient-Gefilde (
Music for Artificial Clouds", 2004) und Unplugged-Unnötigkeiten (Knock on Wood", 2008) kann man dagegen im Übrigen vernachlässigen. Nix gegen Facettenreichtum und Experimentierfreude, aber es ist einfach deutlich, wo ihre Stärken liegen.] 

Montag, 19. November 2012

Honor Found In Decay (2)

Nach fast 20 Durchläufen: Okay, ja, gestehen wir es ein. Verglichen mit der Konsequenz von „The Eye Of Every Storm“, dem „Kurve gekriegt“-Faktor von „Given To The Rising“, oder dem epischen Brocken „A Sun That Never Sets“ (und von der alles überragenden 90er-Phase reden wir erst gar nicht) ist das neue NEUROSIS-Album, das dagegen etwas weniger mächtig, rund und formvollendet anmutet, ja schon ein schwächeres.
Wirklich schlechte Songs sind nicht drauf, aber bei der etwas unerwartet früh in den Endteil tauchenden Schlussnummer ‘Raise the Dawn‘ kann man schon mal das Gefühl bekommen, dass hier etwas mehr hätte drin sein können und müssen.
Was unterm Strich Eindruck hinterlassen hat, sind von allem das letzte Drittel von ‘At The Well‘ und der fast schon sakrale Emo-Doom ‘Casting of the Ages‘. Momente, die zugegeben verhältnismäßig oberflächlich-catchy, aber durch und durch typisch für (jüngere) NEUROSIS sind, und der Grund, warum ich diese Band auch in den Nuller- und Zwanzigzehner-Jahren so liebe. Das, und die Erkenntnis, dass auch ein etwas voreilig verschliffen auf die Menschheit losgelassen wirkendes NEUROSIS-Album immer noch spannender als das meiste von Isis ist.

Donnerstag, 15. November 2012

Valborg - Nekrodepression

Bis ich sie zuletzt dann doch mal live sah, hatten VALBORG nicht sooo wirklich mein Aufhorchen erregen können. In Konzertsituation musste ich dann allerdings feststellen: Eigentlich ist die, klanglich von Anderen bereits vor allem mit Celtic Frost/ Triptykon verglichene Unentschlossenheit zwischen Doom, Prog und Extrem-Metal des, je nach Laune mal epischer, mal brutaler, mal rockiger, mal bizarrer, mal ruhiger agierenden Trios aus Bonn ja doch irgendwie mein Ding. Gerade auch, weil mich ihre musikalisch zuweilen etwas schrägeren Akzente und ferner sich selbst nicht zu ernst nehmenden Anflüge ansprechen.

In letzter Zeit war die inzwischen eine Dekade bestehende Band aus dem „Zeitgeister“-Umfeld (auch: Klabautamann, Woburn House, ...) jedenfalls offensichtlich sehr motiviert - jedes Jahr ein neues Album: Auf dem Härtegrad-mäßig auch schon mal einen Gang zurückschaltendem „Glorification of Pain“ von 2009 lag der Schwerpunkt vor allem auf Atmosphäre, 2010 folgte in Form von „Crown of Sorrow“ der Gegenentwurf mit bretthartem Geknüppel und dissonantem Riffing, abgerundet durch sowas wie einer elfminütigen Spacerock-Eigeninterpretation. Beim letztjährigen „Barbarian“, das sich mit seinem CF-mäßigem Gestampfe wieder eher am Vorvorgänger anpendelte, hatte der überlange Stil-Ausreißer gegen Ende dann sogar Powerballaden-Flair.
So richtig homogen und schlüssig ist das alles im Gesamtbild ja nicht immer, dafür aber umso interessanter und sympathischer. Sprunghafter Ü30er-Nerd-Düstermetal, ungefiltert direkt aus dem Hobbykeller.

Das neuste Album „Nekrodepression“ hilft vielleicht nicht unbedingt dabei, das Gesamtkonzept VALBORG besser zu kapieren, macht es dem Aficionado der etwas anderen Metal-Bands aber noch einfacher, diese Band zu mögen.
Die Karten wurden neu gemischt, und Trademarks wie angeschrägte Gitarrenarbeit, nach vorne stampfende Marschrouten, brutale Akzente, atmosphärische Momente, sowie kleinere Vertracktheiten neu gewichtet. Die boshaften Songs, die neuerdings zum Großteil auf Deutsch sind, kommen hier etwas mehr auf den Punkt. Einen gewissen Facetten- und Abwechslungsreichtum pflegen VALBORG dabei im Rahmen ihrer Möglichkeiten ebefalls, u.a. bei den Vocals.

Wer jetzt die Augen darüber verdrehen möchte, dass auch in diesem Review an dieser Stelle mal wieder üblich verdächtige Namen wie Voivod, Killing Joke und Godflesh auftauchen, um die Vibes zu beschreiben, die „Nekrodepression“ in meinen Ohren neben der Tom Warrior-Seelenverwandtschaft u.a. versprüht, kann das gerne tun, aber da liegt dann wohl auch das ganze Geheimnis meiner Zuneigung. Ferner haben VALBORG auf dieser Scheibe mittelschwer was von Eisenvater. Durch die deutschen Texte, die gesangsstilistisch schon mal etwas unorthodoxer zum besten gegeben werden, in Kombination mit der doch etwas markanteren Musik. Und so albern auch das klingen mag: Dass VALBORG dadurch sowas wie einen Hauch von „teutonischer Identität“ zu transportieren scheinen, hat zusätzlich einen gewissen (rauen) Charme.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Nekrodepression“ ist vieles. Darunter das bisher wahrscheinlich beste VALBORG-Album, ziemlich mein Ding und definitiv einer meiner Jahresfavoriten, sowie tatsächlich eine geeignete Kompensationsmaßnahme der Herbst-/Winterdepression.
Ich fresse die alte Sommernacht!

Mittwoch, 14. November 2012

Puh.

Wie bei irgendeiner Gelegenheit hier schon mal erwähnt, erfahre ich von den interessanteren Nebenprojekten des Godflesh-/ Jesu-Mainmans Justin Broadrick aus irgendeinem Grunde immer erst sehr zeitverzögert und zufällig.
So auch im Falle von VALLEY OF FEAR, einer Kooperation mit Matthew Bower (Skullflower) und Samantha Davies (Bower’s Partnerin beim Noisedrone-Duo Voltigeurs), dessen selbstbetiteltes Album im Frühjahr rauskam. Musikalisch wohl auch ungefähr das, was man von einer Broadrick/ Bower-Zusammenarbeit erwarten würde.
Allerdings ist der Mailorder des Labels (undurchsichtig verzahnt mit einem weiteren), das dieses Album vertreibt, derart voll mit NSBM-Scheiße u.ä. min. bedenklichem bis offensichtlich rassistischen Dumpfbacken-Kram, dass ich das Kotzen kriege.
Und ich bin ja sonst wirklich niemand, der keine anderen Sorgen hat, als ständig irgendwelche Fälle von „Kontaktschuld“ mit der Lupe zu suchen und lautstark aufzuzeigen, aber das geht halt nun mal wirklich überhaupt gar nicht.
Ich habe Broadrick in dieser Sache mal kontaktiert …

Freitag, 9. November 2012

Donnerstag, 8. November 2012

Nachzüglerreviewrundumschlag 2012 (1?)

Dieses Jahr veröffentlichte Alben, die ich bei Erscheinen gerade nicht brauchte aber kürzlich dann doch mal gecheckt habe, aus anderen Gründen irgendwie erst jetzt aufs Radar bekam, oder warum auch immer nun in diesem Post verwurste ...

EAGLE TWIN - The Feather Tipped the Serpent's Scale

Auf dieses eigentlich schon im August veröffentlichte Album hatte ich erst jetzt Bock bekommen, weil Musik der „Sludge/ Drone/ Doom“-Ecke in meinen Kreisen über die letzten Jahre so dermaßen im Fokus lag, und dank Roadburn und co. dann nun doch noch als breiter etablierende Subszene der Metal-, Indie- und Juzecore-Welt so allgegenwärtig wurde, dass mir zwischendurch immer wieder mal eher nach hyperschnellen Grindcore-Knatterein, angestaubten Thrash Metal-Klassikern, furztrockenem Noiserock, lokalen Screamo-Helden, historischen Krautrock-Schinken, 90er Alternative-Perlen oder ähnlichem ist, als nach einem ganzheitlichen Overkill an Mucke mit Stoner-Querverweis.
Als ich dann letztens aber mal das 2009er EAGLE TWIN Album „The Unkindness Of Crows“ auflegte, um zu checken, ob ich den Nachfolger nicht eventuell dennoch brauchen tun könnte, dämmerte mir allerdings, warum diese Band ja doch recht essenziell ist: EAGLE TWIN sind „progressiv“. Das Duo dronedoomt keinen stoischen Brachialstehblues vor sich hin, wie ihn jeder kann, sondern hat Bock zu spielen, dabei unvorhersehbare Wendungen zu nehmen, und den Hörer somit etwas zu fordern. Und sowas ist durchaus mein Ding, egal in welchen Sound verpackt.
So dröhnen und drücken sie auch auf „The Feather Tipped the Serpent's Scale“ wieder verspielt in einem Spannungsfeld aus Sleep/ OM, Melvins, Neurosis und Beehoover, bzw. Celtic Frost, Sunno))) und Caspar Brötzmann vor sich hin, dass es ein Fest ist. Zwar ist der Überraschungseffekt jetzt weg, und so wild wie, oder gar noch wilder als der Vorgänger ist das Ganze im Direktvergleich nicht (dafür aber einen Tick heavier), ein Hit und Schmunzler wie "Carry On, King of Carrion" ist ferner dieses mal auch nicht dabei - als Nachfolger eines drei Jahre zurückliegenden Debüts geht „The Feather…“ aber völlig klar. Bei Album Nummer drei sollten sie dann allerdings demnächst mal aufpassen, sich nicht in die Beliebigkeit zu rumpeldröhnen ...


MENACE RUINE - Alight in Ashes
Eigentlich wollte ich es erst mal bei zwei MENACE RUINE Alben in der Sammlung belassen, doch dann kamen sie in die Gegend. Also musste bei der Gelegenheit die aktuelle, die als CD über Profound Lore und als Schallplatte über Sige veröffentlicht wurde, natürlich doch her.
Passend zum Auftrittsort besagten Konzerts (einer Kirche) ist „Alight in Ashes“ dann auch noch mal ein Stück sakraler ausgefallen als seine Vorgänger, und ferner viel mehr „wie aus einem Guss“. Es scheint, als hätten MENACE RUINE sich gefunden, sowie die perfekte Balance aus surrealem Synthdrone und ritualistischen Folk-Gesangslinien.
Sicher ist die Frage, wie oft man sowas wie das hier denn dann eigentlich wirklich auflegt, aus Sicht des Rockers durchaus berechtigt. Als fehlendes Bindeglied zwischen Angelic Process, Zola Jesus, Urfaust und Jex Thoth haben MENACE RUINE aber definitiv einen ganz eigenen Charme, auf den ich bei bestimmten Gelegenheiten immer wieder mal Bock habe ...


PLANKS – Funeral Mouth
Aus der Juzecore-Szene Mannheims heraus, die u.a. auch schon Black Shape Of Nexus und Whalerider hervorbrachte, haben sich PLANKS über die Jahre zu einem Geheimtipp gemausert, der mit Wurzeln im HC-Geknüppel und Einflüssen nicht nur aus Sludge und Black Metal, sondern auch aus der Dark Wave-Ecke einen Weg geht, der partiell schon mal ein bisschen gegen den Strich gebürstet anmutet. Dass ein Hauch von Gothic derzeit unbemerkt aber tatsächlich wieder etwas hip zu werden scheint (siehe u.a. auch das Review direkt hierdrüber), kann dem, einer solchen Ästhetik visuell wie akustisch offensichtlich nicht ganz abgeneigten Trio dabei ja eigentlich nur entgegenkommen. Und jetzt, wo sich die Sludgegroover Tephra aufgelöst haben, und die Crustmacht Alpinist erst mal auf Eis liegt, sind sie als Hausnummer der hiesigen Szene wichtiger denn je.
Ihr neues Album "Funeral Mouth" überrascht in einer schwer deklarierbaren Hardcore-/ Düster-Metal-Schnittmenge mit gesteigertem Facettenreichtum und mehr Atmosphäre, als ich von früheren Sachen in Erinnerung hatte. Dass das Schlagzeug häufiger mal einen Gang zurückschaltet, anstatt ausschließlich nach vorne zu brettern, steht der Sache gut zu Gesicht. Und wenn PLANKS dann Gas geben, sind sie eine ziemliche Walze. Mission "Stil und Status ausweiten“ scheint geglückt, auch wenn das Material etwas highlightlos durchrauscht und die Nummer mit Gastsänger ein bisschen schief tönt.


GRAF ORLOCK – Los Angeles EP
Neulich in Köln, am GRAF ORLOCK-Merchstand: Mein Kumpel Double-L, seines Zeichens Cineast und Freund gepflegtem Strongitarrenkrachs, fragt ein Mitglied der Band, warum die Kino-Grindcoreler neben all den Themen, die sie schon verwurstet haben (wie Conan, Terminator, Robocop, Aliens, Jurassic Park, The Big Lebowski, …), bisher eigentlich noch mit keinem Song zu „Heat“ um die Ecke kamen. Meint der Typ „Witzig, dass Du fragst, denn hier ist unsere brandneue Heat-EP!“ und hält ihm eine 7“ unter die Nase. Vier Bretter-Songs zum 95er Action-Epos mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer und Danny Trejo. Darunter neben den obligatorischen Filmdialog-Samples sogar mal wieder eine Nummer, die ein musikalisches Thema des Soundtracks nachahmt.
Orlock mögen nicht die musikalisch allerzwingendste Band im extremen Hardcore-/ Metal-Feld sein, aber sie sind und bleiben eine der unterhaltsamsten. Zumindest für Nerds wie unsereins.

DRAGGED INTO SUNLIGHT – Widowmaker
Es ist seltsam: Schon beim letztjährigen „Hatred for Mankind“ habe ich desinteressiert mit den Schultern gezuckt, und auch den Auftritt der Band beim Roadburn ’12 völlig ignoriert. In den Stream des neuen Albums von DRAGGED INTO SUNLIGHT habe ich dann kürzlich trotzdem mal reingehört. Darauf driften die Briten vom extremmetallischen Geknüppel des Debüts ab, zu Groove-Sludge mit epischen Arrangements. Und eigentlich sollten diese langen Songs mit Steigerungsaufbauten, Tribal-Drums, superdreckigem Sound und hasserfüllten Ausbrüchen ziemlich genau mein Ding sein. Aber irgendwie geht mir „Widowmaker“ aus Gründen, die sich mir selbst nicht so wirklich erschließen, ebenfalls am Hintern vorbei. Seltsam, wie gesagt. Vermutlich sind sie für mich wohl einfach die falsche Band zum falschen Zeitpunkt. Machste nix.

Epilog
Immer noch nicht gehört: Die aktuelle SWITCHBLADE. Sollte ich diesen Zustand ändern?
On the horizon: Die neue VALBORG-CD ist bereits auf dem Weg zu mir, ferner erscheinen diesen Monat u.a. noch eine neue AMENRA (über Neurot Recordings) und eine EP von Trent Reznor’s HOW TO DESTROY ANGELS. Das nimmt in diesem Leben wohl alles kein Ende mehr ...

Dienstag, 6. November 2012

Montag, 5. November 2012

zuletzt live gesehen

Lustlos das vergangene, verlängerte Wochenende partiell resümier:

31.10.:
DOWN riefen zur Halloweensause in Dortmund, ausverkaufte Hütte. Vorband eins: Ein maskierter Jam von Mitgliedern beider aufspielender Bands. Naja. Reguläre Vorband dann: WARBEAST. Unspektakulärer US-Prügelmetal aus der zeitgemäßen Lamb of Devildriver-Ecke. Naja.  Headliner: Anselmo ist halt Anselmo, ansonsten nix, was irgendwelche Wünsche offen ließ. Immer wieder nette Sache. Highlights: Neben den obligatorischen „Lifer“ und „Ghosts along the Mississippi“ gerade auch das neue “Misfortune Teller”.

02.11.:
Turbonegro und Danko Jones? Mir egal, SMOKE BLOW’s Quasi-Abschiedstour führte sie auch zum „Visions Westend“ ins Dortmunder FZW. Einzig überraschend ist die mal wieder rausgekramte Altnummer „Bruce Lee Coverband“ (mit dem allzu wahren Refrain „and I know that entertainment is a good thing to believe in“), ansonsten rocken die Kieler ihre Standards von der Kiffernummer bis zur Tough Guy-Pose raus. War ja dann doch noch mal wieder nett, gibt’s nicht viel zu meckern. 

03.11.:
MORGOTH‘ Revivalparade endet hierzulande erst mal mit einem Clubgig in Essen. Gibt es wohl keinen passenderen Ort für. Aber erst mal WORLD DOWNFALL mit Grindgerumpel samt generischer Links-Messages („Nächster Song ist gegen Überwachsungsstaat und so, ey!“). Kann man sagen, was man will, ist und bleibt ‘ne zwar mäßig originelle, dafür aber dennoch ganz geile Band.  Zu LAY DOWN ROTTEN habe ich irgendwie keine Meinung. ENTRAILS‘ Geboller mit Entombed-Gedächtnissound ging gut rein. Die Altherrentodesmetaller MORGOTH liefern dann mit der Erfahrung zweier Sommerfestival-Saisons im Rücken gut ab. Geboten wird natürlich hauptsächlich Altmaterial, aber immerhin mit „Under the Surface“ auch der Knaller vom „Odium“-Album.
Ich gehöre wohl zu den wenigen Leuten, die einen „Odium“/ “Feel sorry…“-lastigen Set dem reinen Old School-Gepolter tatsächlich bevorzugen würden, was?