Dienstag, 30. Oktober 2012

Honor Found In Decay

Ja, die neue NEUROSIS ist raus, und ich hab‘ sie schon im Haus. Und gehört natürlich auch schon. Und alles, was ich zum jetzigen Zeitpunkt dazu sagen möchte ist: Mal ganz ehrlich – gemessen daran, wie viele halbtaube Krachfetischisten unter ihren Altfans die Band bei „A Sun That Never Sets“ (2001), „The Eye Of Every Storm“ (2004), und „Given To The Rising“ (2007) jedes mal aufs neue abschreiben wollte, dafür haben diese Alben im Nachgang ja doch noch ganz schön an Größe zugelegt.
„Auflösen!“- und typische „früher waren die besser“-Rufe sind genauso albern, wie die ganzen Pappenheimer, die nun reflexartig mit in irgendwelche Höchstnoten-Hörner tuten, weil man die Band (und das nicht ganz zu Unrecht) im Indie-/Metal-Konses über die letzten Jahre zur heiligen Kuh und Gottheit erkoren hat. Was im Übrigen auch auf Trendwendehälse und Mitläuferhähne diverser Szene-Medien zutrifft, die früher kein Stück nach NEUROSIS gekräht haben, nun aber so tun wollen, als hätten sie schon immer zur richtigen Geschmacksenklave gehört.
Natürlich ist „Honor Found In Decay“ dabei wieder nicht so ein verzweifelt-schmerzhaftes Meisterwerk wie „Enemy oft he Sun“ (1993), so ein übermächtiges Lärminferno wie „Through Silver in Blood“ (1996), oder so ein intensiver Brocken wie „Times of Grace“ (1999) geworden.
Es ist in Tradition jüngerer NEUROSIS-Werke natürlich wieder ein Album, das etwas mehr Luft zum Atmen lässt, mehr Melodie beinhaltet, im Gegensatz zum dichten Sound der superklaustrophobischen 90er-Alben dementsprechend auch mehr Licht durchs Dunkel schimmern lässt, und schon mal einen Gang zurückschaltet, anstatt nonstop auf Sturm gesetzt zu sein.
Ferner ein Album, das nicht einfach nur vorangegangene kopiert, sondern nach weiteren Wegen sucht, aus vertraut klingenden Trademarks neue Songs zu formen.
Und ja, ich mag das. Schon jetzt, nach nur wenigen Durchläufen. Inwieweit ich das Album im Kontext der gesamten Band-Discographie bewerten würde, oder wie weit nach oben ich es in die allgemeine Jahresbestenliste schieben möchte, das sind dann aber wiederum so Dinge, die man ohne entsprechenden Langzeithörtest jetzt noch gar nicht so genau sagen kann, und die eigentlich auch furchtbar egal sind …

Pig Destroyer - The Diplomat (Videoclip)

Montag, 29. Oktober 2012

Bison B.C. - Lovelessness

Kurzreview: Nach dem kantigen Vorgänger „Dark Ages“ lassen die kanadischen Sludgethrash-Metaller BISON B.C. auf dem aktuellen Album „Lovelessness“ ihre traditioneller-metallischen Einflüsse und Wurzeln wieder ein Stück stärker durchblitzen. Soll heißen: In den mitunter ziemlich langen Songs wird recht melodiös ganz schön viel rumgedudelt. Was jetzt keine Wertung sein soll, sondern lediglich eine Feststellung ist. Wer darin eine gewisse Nähe zur aktuellen Mastodon („The Hunter“) sehen möchte, liegt wohl nicht ganz falsch.
Was ich an diesem Album irgendwie mag ist, auch wenn ich sowas nicht alle Tage haben muss, dass es - trotz aller HC- und Stoner-Elemente - ein zeitloses Statement zeitgenössischen Metals ist. Nicht Post-Irgendwas, kein Irgendwas-core, sondern Heavy Metal. Heavy Metal der infernalischeren Art, versteht sich. Und das Ganze hat Feuer, ohne Frage.
An einem hochinteressanten Meisterwerk oder Saisonhighlight von Instantklassiker-Kaliber schrappen BISON B.C. damit allerdings wieder mal vorbei.
Dennoch: Gute Band, kann man so machen!
(Danke an Reissi für’s Promo rüberwuppen!)

Kirchgang mit Menace Ruine und Mamiffer

Erwähne ich nicht zum ersten Mal: Diese immer wieder mal stattfindenden Events in der Bochumer Christuskirche mit Schwerpunkt Drone (Postrock, Ambient, artverwandtes …) mag ich wirklich sehr gerne, zumal diese auch oft auf einem Freitag liegen. Und manchmal ist tiefenentspannt in der Kirchenbank liegen, während breitflächige Sounds durchs Kathedralengemäuer wabern, zum Wochenausklang genau das richtige. Ferner muss es so eine Alterssache sein, dass ich diesen (Achtung, neudeutsch) chilligen Gegenentwurf zum konventionellen Rockkonzert-Rahmen immer mehr zu schätzen weiß.

Dieses mal standen MAMIFFER und MENACE RUINE auf dem Plan.
Was die eröffnenden MENACE RUINE betrifft, so habe ich hier wohl ebenfalls schon mal erwähnt, wie diese Pärchenband in Attitude und Spirit zwar irgendwie der Doom und Black Metal-Ecke nahestehen mag, musikalisch aber etwas ganz eigenes und sehr unmetallisches fabriziert.
Während S. de la Moth - optisch eigentlich ein Metal-Typ, wie er im Buche steht – auf seiner Seite der Bühne mit diversen elektronischen Spielzeugen vot allem für die klangliche Grundierung und rhythmischen Elemente sorgt, entlockt Geneviève Beaulieu ihrem Synthie Harmonien aus klirrenden Sounds, über die sie dann Melodien singt, die nicht selten etwas folklorisch-rituelles haben.
Man hat zwar irgendwie das Gefühl, dass die Live-Umsetzung ihres Materials noch nicht so 100%ig da angekommen ist, wo man sie gerne hätte, und beim letzten Song wurde es dann auch langsam mal etwas eintönig, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn gerade in dieser sakralen Umgebung  bei gedämmten Licht passte das Ganze einfach wunderbar. Nett, nett.

Als Headliner dann also MAMIFFER, wohinter sich Aron Turner (Isis, Hydrahead Records, …), seine Freundin, und zwei unterstützende Mitmusiker offensichtlich schon fortgeschrittenen Alters verbergen. Auch das habe ich hier vermutlich schon mal erwähnt, aber ich bin ja eigentlich nicht der größte Isis-Fan, bzw. halte Turner prinzipiell für etwas weniger talentiert, als er von Einigen gesehen wird. Naja, egal. Diese seltsame Mischung aus Pianogeklimper und Frauengesang, Gitarrendrone, und Schlagzeug-Unterstützung (die oft eher perkussive Untermalung und Garnierung stellte, als tatsächliche Drumbeats zu klopfen), hatte schon einen gewissen Unterhaltungswert. Das hatte eigentlich ja doch ein bisschen was von der Unkonventionalmusik aktueller Swans. Ich würde mir zwar jetzt daraufhin nicht alle Tonträger von MAMIFFER zulegen, aber um es sich bei einem netten Konzertabend mal ein al gegeben zu haben, war es wirklich nicht schlecht.

Wie gewohnt ein sehr angenehmer und unterhaltsamer Abend in der Bochumer Christuskirche …

Author & Punisher

Keine Ahnung wie mir das, trotz einiger Features bei einschlägigen Printmags und Blogs im Frühjahr, bis eben durchgehen konnte: Unter dem Projektnamen AUTHOR & PUNISHER macht Triston Shone aus San Diego so etwas wie Drone/ Industrial Metal. Das alleine wäre noch nicht weiter erwähnenswert, würden sämtliche Sounds dabei nicht durch Maschinen entstehen, an denen er in seiner Werkstatt rumingenieurt. 
Interview, Live-Ausschnitt, Videoclip:



Auf der Bandcamp-Seite von AUTHOR & PUNISHER kann man Albumveröffentlichungen mit dem ungewöhnlich entstandenen Getöse für je 7$ ziehen. Werde ich jetzt mal machen …
(Vielen Dank an Melanie für den Hinweis auf dieses Amuse-Gueule!)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Neue Wizard Smoke EP für lau

Apropos Maserati, die irgendwie mit jenen verbandelte Doom-/ Sludge-Combo WIZARD SMOKE hat mal wieder eine neue EP raus, die sie selbst auch wieder für lau in Netz gestellt hat.
Gibt es auf: www.wizardsmoke.net

Das neue Maserati-Album

… das Anfang des Monats erschien, habe ich selbst zwar noch nicht gehört (es kommt einfach zu viel gute und interessante Musik heraus für so wenig Zeit), nach ersten Stimmen im Netz dazu scheint die Postrock-Kapelle allerdings ihre Krautrock-Einflüsse und zuvor nur dezenten Dance-Elemente darauf noch weiter ausgebaut zu haben.

Damit sind sie nach 65daysofstatic schon die zweite Band der (gut, nennen wir es mal so) „2000er-Postrock-Welle“, die dem Weg aus der Einheitsbreisackgasse in Richtung (Retro-)Tanzelektronik entflieht, während andere Kritikerlieblinge des Genres, wie z.B. This Will Destroy You, zuletzt eher weiter zur Drone-/ Ambient-/ „Doomgaze“-lastigen Seite der Sparte gekippt sind.
Das sind nicht uninteressante Entwicklungen für einen Stil-Bereich, der bereits so ein bisschen als generisches „kennste einen, kennste alles“-Sammelbecken verschrien war.

Zwei Songs des neuen Maserati-Albums im Stream hören, bzw. es auch als DoLP oder CD bestellen, kann man hier: shop.temporaryresidence.com/trr196

Ich glaub‘ allerdings, ich setze hier diese Runde mal aus. Es kommen im Moment zu viele essenzielle Metal-Veröffentlichungen, als dass ich die Zeit dafür aufbringen könnte, auch noch auf der Post-Postrock-Krautdisco-Hochzeit zu tanzen …

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Kaiserschnitt (s/t)

Wie bereits angedeutet, hier ein Eintrag zu KAISERSCHNITT.
Bevor ich es unterschlage: Ja, im Endstadium ihrer relevanten Phase war zufällig auch ein Kumpel von mir (Live-)Mitglied der Band. Tut allerdings nix zur Sache.

KAISERSCHNITT aus Paderborn veröffentlichen 1998 ein selbstbetiteltes und selbstvertriebenes Album. Und es ist wohl gemutmaßt kein Zufall, dass ihr Bandname auch der Titel eines Eisenvater-Songs ist, denn den Hamburger Unikaten klangen sie damals ja doch ein bisschen ähnlich, während die Ästhetik drumrum  auch nicht unbedingt weit abwich …
Womit ich den Ostwestfalen allerdings keinen direkten Copycat-Vorwurf machen will, denn Inspiration aus der richtigen Ecke ist manchmal mehr wert als generische Langeweile.
Sagen wir mal, irgendwo zwischen schleppendem Doom, extremmetallischem Härtegrad, kühlem Industrial-Feeling, und der einen oder anderen unerwarteten Wendung hatten KAISERSCHNITT einen ähnlichen Stil wie Eisenvater.

Zum Album: Dessen etwas rockiger Instrumental-Opener „Kaiserschnitt I“  erinnert mich heute ironischerweise an den etwas rockigen Instrumental-Opener vom Comeback-Album der besagten Eisenvater ... welches allerdings 'ne Dekade später erschien. So schließt sich der Kreis, was?
„Kaiserschnitt II“ hypnotisiert folgend mit einem stur repetitiven, Stampfgroove-fundiertem Heavy-und-Schräg-Riff, was schwerstens was von Godflesh hat.  Zwischendurch durchbricht sowas wie ein Death Metal-Prügelpart die Hypnose, bevor die Band wieder in den schleppenden Groove zurückfallend abbremst, über den Sänger „Bizaar“ mit tiefer Stimme böse grollt. Boah, wie geil.
Das folgende „Kaiserschnitt VII“, inoffiziell auch bekannt als „(Mach das verdammte) Licht aus“, könnte partiell als etwas gestörter Rip Off von Pantera („A New Level“) durchgehen.
„Kaiserschnitt IX“ aka „Jeder Gedanke ein Schuss“ geht den gesetzten Kurs aus schleppendem Brachial-Metal und seltsamen deutschen Texten weiter, und driftet langsam ins groteske.
Regelrecht im  Zentrum der CD steht dann ein sehr gelungenes Noiserock -Cover vom Einstürzende Neubauten-Klassiker „Haus der Lüge“, bei dem Sänger Bizaar so dermaßen nach Blixa Bargeld klingt, dass es schon Hörer beim Vorspielen außerhalb des Kontexts für eine andere Version vom Original halten wollten.
Der „Epilog“ (Neubauten-Fans wissen, was ich meine) wird dann auch noch kurz drangehängt, bevor „Kaiserschnitt XII“ völlig aus dem Rahmen fällt. Der Song ist 11:37 Minuten lang, und pendelt mit recht gelungener Produktion zwischen elektronischen Passagen und Bombast-Metal.
Während man darüber noch verwundert ist, kloppt einen „Kaiserschnitt V“ danach mal eben als einer der kompaktesten und Brecher-mäßigsten Songs mit todesmetallischen Ballerpassagen komplett um, auch wenn es da eine Stelle gibt, an der mich eine sehr holprige Timing-Schwankung etwas zum Schmunzeln bringt.
Ein ungewöhnliches, episches Finale folgt mit „Kaiserschnitt IV“: Gesprochene Weltuntergangslyrik über einem spannend von ruhig nach laut gesteigertem Arrangement (würden man heute wohl unter „postrockig“ verbuchen).

Ich will nicht so weit gehen, dass „Kaiserschnitt“ ein visionäres Album oder sowas gewesen sein soll. Mit seiner durch und durch eher wenig massentauglichen und bis heute nicht gerade alltäglichen Mixtur aus brachialem Metal von trockener Bösartigkeit, schwer schleppenden Grooves, maschineller Kühle, bizarren deutschen Texten, Wechseln zwischen recht langsam und sehr schnell, dem einen oder anderen abrupt ins Kreuz gedrehten Break, sowie ferneren Stilbruch-Ausreißern, stand es markanten Eigentümlern wie Godflesh, Neurosis, Today Is The Day, Zeni Geva, Voivod etc. allerdings deutlich näher, als den discokompatiblen Bands, die man zur gleichen Zeit als „neue deutsche Härte“ vermarkten wollte.
Nicht zuletzt deshalb blieb es vermutlich auch bei nur diesem einen Album und eher wenigen Auftritten, denn einem so unorthodoxen, fiesen Brocken war rurales Lokalpublikum wohl einfach nicht gewachsen.

Die Kernmitglieder, Gitarrist Stonie und Sänger Bizaar, waren nach längerer Funkstille auf einmal als DJs in provinziellen Gothic-Discos unterwegs, und veröffentlichten zwischendurch unter dem Namen KAISERSCHNITT in Netz-Streams Musik, die eher so in Richtung halbherzigen Düster-Technos mit Fetischparty-kompatiblen Songtiteln ging.
Was genau da eigentlich schiefgelaufen ist - keine Ahnung.

„Kaiserschnitt“ ist jedenfalls ein Album, zu dem ich immer wieder zurückkomme. Eines dieser ungeschliffenen, unentdeckten Juwele ganz nach meinem Gusto, das kaum jemand anders kennt, und eh kaum jemand anderes gut finden wird.

Hier noch mal das, fürs ganze Album nur bedingt repräsentative Neubauten-Cover:


Dienstag, 23. Oktober 2012

Pig Destroyer - Book Burner

Natürlich gibt es die typischen „Prowler in the Yard“ war ihr bestes Album-Fans, aber ich persönlich empfinde „Terrifyer“ (2004) und „Phantom Limb“ (2007) ja durchaus als ziemliche Steigerungen gegenüber des besagtem Relapse-Debüts aus 2001. Diese etwas Sicko-mäßig inszenierte und höchst wüst rausgepfefferte Mixtur aus unorthodoxen Strukturen Marke Mevlins, immer wieder mal durchblitzenden Slayer-Anleihen, sludgeig-noisigem Ohrenbluten-Sound, nach vorne flüchtenden Grindcore-Knattereien, und teilweise völlig kaputten Vocals ist etwas, das es so wirklich nur von PIG DESTROYER gibt.

Das neue „Book Burner“ erzählt einem jetzt natürlich nichts unerwartet neues mehr, hält aber immerhin die Form. Ja, klar, das gab es alles von der gleichen Band auch schon mal in aufregender, ausartender, gefährlicher und origineller, was daraus jetzt aber nicht zwangsläufig ein schlechteres Album macht.
„Book Burner“ wirkt sauberer und geordneter als die vorangegangenen Alben, und nicht selten etwas knackig-punkiger auf dem Punkt gehalten.
Der neue Drummer Adam Jarvis (Misery Index!) setzt hörbar eigene Akzente, fügt sich aber durchaus auch sehr passend in gewohnte PIG DESTROYER-Muster ein.
Ähnliches gilt für den inzwischen fest zur Band gestoßenen Konservenkrach-Mann Blake Harrison, dessen Zutun man erst dann partiell vernimmt, wenn man wirklich drauf achtet.
Gast-Vocals gibt‘s u.a. von Kat Katz (Agoraphobic Nosebleed, Ex-Salome).

Wie gesagt, auch wenn „Terrifyer“ und „Phantom Limb" die ohne Frage mitunter spektakuläreren und etwas weniger stromlinienförmigen Schlagbohrer-ans-Ohr-Erlebnisse gewesen sein mögen – fünf Jahre nach dem letzten Album geht „Book Burner“ als eindeutige Ansage, wer nach wie vor eine der eigenständigsten, wenn nicht sogar die derzeit essenziellste Extreme Metal-Band ist, voll klar.

Wer Bock auf die “Deluxe Edition" hat, bekommt übrigens eine Bonus-Disc mit Coversongs (Negative Approach, Angry Samoans, Misfits, Minor Threat ...) und eine apokalyptische Kurzgeschichte von Shouter J.R. Hayes obendrauf.

Den Stream gibt’s hier.

zuletzt live gesehen (2)

18.10.2012: Therapy? - Essen, Turock
Auch wenn das 2010er “Crooked Timber” ein paar richtige Knaller losließ (allen voran das grandiose „Exiles”), sind die Iren ja doch irgendwie so ein Ding, das (schon lange) durch ist. Umso erstaunlicher, dass sie sich über die Jahre eine gewisse Fanbasis gesichert und erhalten haben, denn das Turock war an diesem Abend ziemlich gut gefüllt, und das nicht gerade mit der Stammklientel.
THERAPY? gaben dabei eine wirklich bewegungsreiche Show zum besten, die „Trobulegum“-Hits wurden übers Set verteilt noch vorm Zugabenblock abgehakt, aber ein Hauch von einstudierter Routine und etwas Had been-Verzweiflung lag dabei dann ja doch in der Luft. Gutklassiger Gig, aber mit dem Flair eines Relikts.
Im Vorprogramm sollten ein paar Jungs aus Dortmund namens Ritalin Ray zwar handwerklich überzeugen, das aber leider mit genau der Art von provinziellem Fachschaftsparty-Indierock, den wirklich gar kein Penis braucht.

19.10.2012: Worship, Faal, Valborg - Oberhausen, Helvete
„Doom Days Part II“, Eintritt nur 5 €, na das gibt man sich gerne mal. Kurz und knackig abgehakt: VALBORG sind eine seltsame Band, komische Typen mit komischem Stil. Letzteres ist aber auch gerade deswegen irgendwie geil. Ich fühlte mich in etwas markanten Momenten eher an unorthodoxere Urgesteine wie Eisenvater erinnert, als an zeitgeistigen Kram. Witzig auch, dass die Jungs noch während der Headliner spielt schon wieder den Heimweg nach Bonn angetreten hatten. FAAL haben das mit der breitflächigen Atmosphäre live genauso gut drauf wie auf Platte. Gute Band. WORSHIP, die Underground-Doom-Legende mit bewegter Geschichte, kannte ich vorher zugegeben nicht groß, aber auch die machten live ganz gut was her, auch wenn  mir persönlich die Eigenakzente der zuvor spielenden Bands etwas mehr zusagten.
Zu meinem Erstaunen war im Kneipenbereich des Helvete, bei meinem Verlassen des Etablissements, im Übrigen die Hölle los. Da gehen also die Leute also so hin am Wochenende …

20.11.2012: Disbelief, Gorilla Monsoon – Essen, Turock
Keine Ahnung, was genau mich eigentlich dazu getrieben hat, mir dieses mäßig besuchte Trainwreck zu geben, aber verwundert war ich hier über die eher karge Besucherzahl nicht.
GORILLA MONSOON waren mit ihrer Mischung aus rockigem Metal und Stoner-Sound zwar wie immer eine höchst mitreißende Sache, man hatte aber doch ein bisschen das Gefühl, dass da schon mal mehr Feuer drin war. Nun ja, wir alle werden älter. Nichtsdestotrotz sympathische Band, zu der sich gut mal ein wenig das Tanzbein schwingen lässt. Death Revolution!
DISBELIEF? Da müsste man jetzt eigentlich etwas ausholen. Es ist jedenfalls schade, dass eine Band, die vor neun Jahren eines der besten und wichtigsten Metal-Alben der „Nuller-Dekade“ veröffentlichte, den Qualitätslevel auf folgenden Werken nicht wirklich halten oder steigern konnte. Dass eine im Death Metal verwurzelte Band, bei der Journalisten dann hilflos Neurosis-Vergleiche und Deklarationsversuche a la „Depri-Post-Deathcore“ fallen ließen, nach einem solchen Monument auf späteren Alben wie „Navigator“ dann doch wieder dazu übergangen war, einfach nur Slayer-Riffs auf Bolt Thrower-Grooves zu montieren, anstatt die einst angedeutete Richtung zu etwas anderem weiterzuverfolgen.
Es ist traurig, wenn einen der Gig einer einst so zwingend herausragenden Band ziemlich kalt lässt, bis am Ende die obligatorischen Altkracher kommen („Misery“ vom „Worst Enemy“-Album, und natürlich „To The Sky“ von „Spreading The Rage“, dessen alles überragenden Titeltrack die Truppe ja nach einer Tour nie wieder spielen wollte).
Da hat man sich wohl irgendwie auseinandergelebt …

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Soundcloud Fundstücke

1.) Jemand hat ernsthaft einen Mashup von R&B-Sängerin ALICIA KEYS („Songs in A Minor“) und meiner Lieblingsband FUDGE TUNNEL („Hate Songs in E Minor“) fabriziert?! Auch schon wieder geil.

 

2.) Über das selbstbetitelte Debüt der damals noch derbmetallischen Obskurität  KAISERSCHNITT, aus dem Jahre 1998, wollte ich schon ewig mal einen Blogpost machen. Gehe ich zeitnah dann wohl tatsächlich endlich mal an, wo ich gerade zufällig über das darauf enthaltene Einstürzende Neubauten-Cover „Haus der Lüge“ gestolpert bin:

Freitag, 12. Oktober 2012

zuletzt live gesehen ...

Da ich hier ja eh unter kontinuierlichem Mittelungsbedürfnis leide, kann ich es ja mal erwähnen:
Vor ca. einem Monat sah ich die britischen Sludger RAMESSES im Oberhausener Helvete live, weil ich mir dachte „für 5 € Eintritt kann man das ja auf jeden Fall mal machen“.
Das Beardo-Trio hatte wieder mal Merch mit äußerst grenzwertigem Motiv bei, wusste live allerdings vor allem mit einem herrlich dreckig und voluminös dröhnenden Sound zu überzeugen, wie er bei dieser Art von Musik zu sein hat. 
Etwas, das den beiden Vorbands nicht als einziges abging, denn man musste sich vorm Hauptakt gleich zwei mal durch gähnende Langeweile quälen (ein mal mehr so traditioneller Doom, ein mal mehr so Grunge).

Am Tag der deutschen Einheit spielten die bei Gelegenheit immer wieder gern mal mitgenommenen BLCKWVS im Essener Emokeller. Etwas amüsant gestaltete sich der Umstand, dass das Quartett nicht so 100%ig eingespielt war und auch gleich keinen Hehl draus machte. Ansonsten wie immer eine Bank.
Zuvor durften die amerikanischen Jungspunde CENTURIES ran, die es kurz und knackig hinter sich brachten.  Ganz netter Knüppelcore mit zeitgeistigen Akzenten, kann man machen.

Last but not least beehrten kürzlich VOIVOD das Essener Turock. Grenzenlose Vorfreude schon Tage zuvor.
Als Opener fungierten die finnischen Düstercrustcorler UNKIND, mit denen ich bei dieser Gelegenheit die erste Berührung hatte, und die – abgesehen vom durchwachsenen Sound , bei dem der nicht wirklich zu hörende Konservensoundmann mit auf der Bühne etwas irritierte – ganz geil kamen.
VOIVOD: Natürlich über jeden Zweifel erhaben. Große Überraschungen gab es hier für mich, der die Band letztens noch bei zwei Roadburns in Folge jeweils zwei mal gesehen hat, natürlich nicht. Allerdings muss man schon feststellen, dass die Truppe in dieser Besetzung kontinuierlich noch besser zu werden scheint und in einem Club wie dem Turock auch noch wesentlich besser funktioniert, als auf der riesigen 013-Hauptbühne. 
Ne, das war schön. Ich könnt‘ schon wieder!

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Dienstag, 9. Oktober 2012

Downfall of Gaia - Suffocating In The Swarm Of Cranes

Das Promozettelchen, das MetalBlade Records Review-Exemplaren dieser Scheibe beilegen, spielt mit dem Umstand, dass man Hannover lediglich mit den Scorpions assoziiert. Wenn man die klischeehafte Identitätslosigkeit Hannovers in Bezug auf DOWNFALL OF GAIA unbedingt ins Spiel bringen wollen würde, ließen sich da jetzt mit Sicherheit ein paar ulkige und dabei nicht mal unpassende Kalauer-Metaphern konstruieren. Aber darum geht’s ja nicht, sondern um die Musik. Jene gehört einer relativ neuen Crossovergattung an, denn im Juzcore-Umfeld tummeln sich schon länger eine Menge Bands, die verstärkt Impulse aus Doom, Black und sog. Post-Metal aufgreifen. Ob das im Falle von DOWNFALL OF GAIA jetzt „Screamo“, „Dark Hardcore“ oder „Neocrust“ sein soll (alles Etikette, über die man so stolpert), interessiert mich persönlich ja jetzt nicht so groß. Dass bei den Jungs in der Vergangenheit aber die eine oder andere Scheibe von bereits vielzitierten Neurosis-Nacheiferern wie Cult of Luna und Isis rotiert haben dürfte, werden sie wohl vermutlich nicht mal verneinen, denn diese „postrockig-doomcoreige“ Masche besagter Band hat auch im DoG-Sound ihre Spuren hinterlassen. Allerdings knattern hier ferner auch schon mal schnelle Blastbeats nach vorne.
Die Intensität einer Macht wie Alpinist oder Celeste erreichen DoG zwar genau so wenig, wie die auffälligen Stilakzente, die etwa Agrimonia mit vergleichbaren Elementen schon gesetzt haben, ihr Ding machen sie mit hannoverscher Unscheinbarkeit allerdings dennoch ziemlich gut.
„Suffocating In The Swarm Of Cranes“ ist somit keine zwingendste Essenzialität - Freunde von Bands wie Planks, Tombs, Buried Inside, Fall of Efrafa, Light Bearer, Embers und co. sollten allerdings auf jeden Fall mal 1-2 Ohren riskieren.

Montag, 8. Oktober 2012

Teeth - The Strain

Eine traurige, irgendwie aber auch tröstliche Story:
Als einer der beiden Brüder, die zusammen eine Band namens TEETH haben, mit Krebs diagnostiziert wird, beschließt er, der Welt ein bei Steve Albini aufgenommenes Album hinterlassen zu wollen.
Als Albini selbst von der Sache Wind bekam, machte er die Studiotüren für John und Benjamin Grabski kurzerhand umsonst auf, und nahm mit ihnen das Album „The Strain“ auf, das sogar sofort ein paar gute Kritikerstimmen einheimsen konnte.

Schlagzeuger John Grabski III verstarb kürzlich leider. Sein Plan, davor zumindest noch eine musikalische Duftmarke für die Nachwelt zu konservieren, ging aber auf.
Und so tragisch das Ableben eines so jungen Menschen ist, so schön ist die Tatsache, dass er mit dieser Geschichte und dessen musikalischem Vermächtnis über seinen Tod hinaus Menschen inspiriert, berührt und begeistert.

Man bekommt das Album mit wirklich gutem Früh90er-Alternative bei Bandcamp als Download ($7) oder als LP+
CD+Download-Komplettpaket ($23). Das Geld geht an einen guten Zweck:
http://teethhasteeth.bandcamp.com/album/the-strain


Samstag, 6. Oktober 2012

Das Denovali Swingfest

... findet dieses Jahr übrigens ohne meine Anwesenheit statt. So gerne ich mir die, letztes Jahr durchaus spitzenmäßig organisierte Veranstaltung wieder gegeben hätte – mal ganz ehrlich: Ein AK-Preis von 90 € für ein Dreitagesticket, bzw. 35 € für einen Tag fand ich einfach eine quantitativ zu geringe Preis/Leistungs-Ausbeute dafür, dass an jeden Tag nur eine wirklich meinem Gusto entsprechende Band der lauteren Art spielt (Freitag Abend: Heirs, Samstag Spätnachmittag: Year Of No Light, Sonntag Frühnachmittag: Switchblade). Plus die lediglich 1-2 „gucke ich mir bei so einer Gelegenheit gerne mal wieder an“-Acts (N, Blueneck) und 1-2 „würde ich bei der Gelegenheit dann auch gerne mal reinschnuppern“-Sachen (etwa Kammerflimmer Kollektiv), die es hier leider nicht rausreißen. Hinzu kommt: Sowas wie ein richtiger Konsens-Headliner fehlt dieses Jahr ja auch irgendwie. In den Vorjahren hatte man immerhin schon mal wohlklingende Namen wie Bohren & der Club of Gore oder Sunn o))) am Start, dieses Jahr ist es der elektronische Mexikaner Murcof, der mir nur vage was sagt. Schade eigentlich, aber machste nix. Irgendwo muss man sich auch mal Grenzen setzen ..

Donnerstag, 4. Oktober 2012

mal wieder rausgekramt

Zuletzt zum ersten mal seit längerer Zeit mal wieder im Player gehabt und dabei festgestellt...:

CEPHALIC CARNAGE – Anomalies

Dieses Album hat auch schon wieder 7 Jahre auf dem Buckel? Meine Güte. Jedenfalls hatte ich es viel zu lange nicht gehört, und muss bei wiederholter Rotation nun einfach mal äußern, dass CEPHALIC CARNAGE hier die perfekte Balance aus allem gefunden hatten, was sie ausmacht: Technisch wahnwitziges Death’n’Grind-Gezimmer, Ausflüge in Doom-Gefilde, jazzige Akzente, humoristische Momente. Das als Metalcore-Persiflage gemeinte „Dying will be the Death of me“ ist eigentlich schon viel zu gut und eigen, um als eben solche überhaupt noch wahrgenommen zu werden, „The Will Or The Way“ ist eine vor Carcass-Vibes überschäumende Lehrbuchlektion durch extremmetallische Motivvariationen, die Stoner-Nummer „Piecemaker“ rockt wie Hulle, und selbst ruhigere Momente (wie bei der spannend aufgebauten Schlussnummer „Ontogeny Of Behavior“) funktionieren wunderbar.
Auch wenn der Vorgänger „Lucid Interval“ (mit dem grandiosen „Black Metal Sabbath“, Höhepunkt jedes CC-Konzerts), und der Nachfolger „Xenosapien“ (mit noch viel wahnsinnigeren Nummern wie „Endless Cycle Of Violence“), zweifelsohne große Momente haben mögen - „Anomalies“ ist ganz klar das CEPHALIC CARNAGE-Album.

PUNGENT STENCH – Club Mondo Bizarre
Seien wir ehrlich: Aufgrund ihres schwarzhumorigem Image und Songs Marke "Klyster Boogie" hat man die Österreicher irgendwie immer so ein bisschen in der Schublade mit abgelegt, in die diese latent bis mittelschwer kultigen Bands kommen, die man so 100%ig für voll nicht wirklich nehmen möchte, if know what I mean (vgl. Sodom, Venom, Impaled Nazarene, A.C., Macabre, Sons of Tarantula, Mentors, Gwar, Manowar, Piledriver, ...).  Damit tut man einem Album wie "Club Mondo Bizarre - For Members Only", das 18 Jahre später (!) tatsächlich kaum Staub angesetzt hat, aber ganz schön Unrecht. Denn Alben wie dieses werden in der Hauptstrom-Labellandschaft der Metal-Szene heute so wirklich nicht mehr gemacht. Organisch atmender Sound, natürliche Grölvocals, spielfreudiger Goove ohne „Showoff-Wankery“ oder Extremsport um des Geschwindigkeitsrekords willen ... das war noch eine andere Art von (Death) Metal, als die seelenlos gekünstelte, überproduzierte und wenig inspirierte Stangenware, mit der man sich auf diesem Sektor in den letzten Jahren so oft konfrontiert sah. Von provinziellen Lächerlichkeiten a la Debauchery ganz zu schweigen.  
 „Club Mondo Bizarre …“ ist ein wirklich überraschend gut gealtert und macht heute noch Spaß. Vielleicht doch mal die PS-Alben aufarbeiten, die ich ausgelassen habe?

FETISH 69 …
Kinky Ösis zum zweiten. Was genau mich veranlasst hat, ausgerechnet jene aus der 90er-Mottenkiste hervor zu fischen, weiß ich jetzt gerade auch nicht mehr so genau. Was die Band auf Alben wie dem 93er Nuclear Blast-Langspieldebüt „Antibody“ und dem 96er „Purge“ (sowie einigen Kleinformaten wie der „Brute Force“ EP) fabrizierte, kann ich mir im Gegensatz zu manch anderer 90ies-typischen Kiste aber auch heute immer noch sehr gut reinfahren. FETISH 69 klangen zu der Phase wie grobschlächtige Halbbrüder von Fudge Tunnel, oder wie eine Fusion aus Celtic Frost und Ministry, und bei besonders zackig inszenierten Klopfern auch mal ein bisschen wie Helmet. Dabei schwang der industrialrockige Zeitgeist dieser Ära in ihrem Sound zwar mit, blieb verglichen mit anderen Bands dieser Ecke aber mehr eine Andeutung anstatt einer vordergründigen Stil-Ingredienzie. Weswegen auch diese Alben wohl relativ gut gealtert sind.
Auf „Geek“ folgte 1999 dann allerdings der Gegenentwurf. Mit Metal-Riffs und Brüllgesang hatten sie wohl alles gesagt, und wendeten sich, beeinflusst u.a. durch Massive Attack, vermehrt der Elektrotüftelei zu.  Organisch und handwerklich klang es allerdings trotzdem, wenn hier zwischen Jazz-/Swing-Fetzen und übersteuerten Industrial-Sounds, Downtempo-Breakbeats und bedrohlichem Flüstersprechgesang, sowas wie reduzierter Düster-Trip Hop zelebriert wurde. Der sorgsamen Reduktion auf Akzente statt Überfrachtung ist es dann auch zu verdanken, dass „Geek“ mehr als 10 Jahre später noch funktioniert. Klar klingt das Ganze irgendwie sehr nach verspäteten Mit90ern, aber das Album kann man sich, gerade auch aufgrund seiner Dezenz und Andersartigkeit, auch heute noch ganz gut antun.
Der Vollständigkeit halber: Auf dem letzten Album „Atomized“ gingen FETISH 69 diesen Pfad noch ein Stück weiter, standen dann allerdings mit einem Fuß in dahinplätschernder Beliebigkeit. Auf einer Remix-Compilation wirkten 2003 u.a. Mick Harris (Ex-Napalm Death, Scorn, …) und das Neurosis Alter Ego Tribes of  Neurot mit.

NINE INCH NAILS – Ghosts I-IV
Ich weiß schon gar nicht mehr so genau, ob das endlich mal Sehen von The Social Network (zu dem Trent Reznor und Atticus Ross bekanntlich den Oscar-prämierten Soundtrack lieferten) mich dazu brachte, “Ghosts I-IV“ mal wieder hören zu wollen, oder ob das zufällige Wiederauffinden und dann mal wieder Hören der CD-R mit “Ghosts I-IV“ im Auto mich dazu brachte, endlich mal The Social Network zu gucken, bzw. ob beides mehr oder minder unabhängig voneinander zufällig im gleichen Zeitraum passierte, und dann halt irgendwie kausal zusammenverschwamm. Ich glaube letzteres. Anyway. Als „Ghosts I-IV“ im Frühjahr 2008 erschien, fand ich diese Sammlung von instrumentalen Songskizzen ja durchaus sehr cool. Der Halbwertzeittest zeigte nun recht deutlich, dass es eben genau das ist: Eine Sammlung von Skizzen. Von „Piano-Geklimper über Dronerei“ bis „hätte mal ein Rocksong werden können“ gibt es zwar immer wieder Tracks, die aufhorchen lassen und begeistern, in ihrer Gänze sind die aufgerundet fast zwei Stunden von „Ghosts …“ allerdings nichts mit Klassikerpotenzial. Und dazu, mir das mal auf meine Lieblingstracks herunter zu kürzen, dafür fehlt mir gerade irgendwie die Muße. Wannandermal …

DEATHSPELL OMEGA - Si Monumentum Requires, Circumspice
Bei anderer Gelegenheit hatte ich hier neulich bereits erwähnt, dass mir bei DEATHSPELL OMEGA erst sehr spät der Knoten geplatzt ist. Schuld daran war vor allem, dass ich mit „Fas - Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum“ als Einstiegsalbum und Referenzklassiker schlecht beraten gewesen war. Denn sowohl der, tiefer im traditionelleren Black Metal steckende Vorgänger „Si Monumentum Requires, Circumspice“, als auch der progressiv ausartende Nachfolger „Paracletus“ (sowie diverse EPs), sind um Welten (!) besser als das etwas krude Übergangsalbum „Fas …“ .
Was mich zu „Si Monumentum …“ bringt. Jenes halte ich nach intensiver Dauerrotation für eines der besten Black Metal-Alben überhaupt und generell. Songs wie das unglaubliche „Jubilate Deo (O Be Joyful in the Lord)“ (was DsO hier in wahnwitzigem Tempo an geilen Melodiebögen runterschrubben ist nicht mehr zu fassen) , oder die maulsperrige zweite Hälfte von „Carnal Malefactor“ sind die Essenz des Genres und mit das Allerbeste, was ich im extremen/ düsteren Metal-Bereich je gehört habe. Wo war ich eigentlich 2004, als dieses Album rauskam? Ach ja, bei Exodus, Thrice, Smoke Blow, Illdisposed, oder Nasum. Nun ja …

Oktober in Scheiben (2)

Ferner unterschlagen hatte ich, dass diesen Monat außerdem ein neues MENACE RUINE Album via Profound Lore kommt (einen Song davon im Stream findet man hier).  Das krude Drone/ Ambient/ Noise/ Industrial-Eigengebräu des Duos ist eigentlich mehr in puncto Spirit mit Black Metal und Doom verwandt, als tatsächlich von musikalischer Natur her, aber genau da liegt wohl der Appeal des Ganzem.

Metalblade kredenzen uns außerdem 1.) ein neues Werk der kanadischen Sludge-Truppe BISON B.C. (kann man hier reinhören), auf das ich mich schon freue, zumal ich das letzte Album sehr mochte, und 2.) schon morgen die neue DOWNFALL OF GAIA (kann man hier reinhören).

Dienstag, 2. Oktober 2012

Ach ja

Im Rahmen dieses Blogs bisher unterschlagen hatte ich im Übrigen, dass ich vor wenigen Wochen auch IDES OF GEMINI live sah und mich dabei (trotz (vielleicht auch gerade wegen) 1-2 Litern koffeinhaltiges Getränk auf Matebasis intus) fast ins Wachkoma gelangweilt hätte. Ich habe ja wirklich nichts gegen Bands, die irgendwas anders machen, und auch nichts gegen Musik, der eher ruhiger auf Atmosphäre setzt, anstatt drauflos zu knüppeln, aber das war ja mal wirklich nichts.
Black Math Horseman’s Sera Timms hält das Ganze am Bass und mit ihrem unnachahmlich in Reverb-Sphären orbitierendem Gesang so gerade noch zusammen, wenn sich Gitarrist J. Bennett (Wannabe-Posterboy der Generation Beardometalnerd) mehr schlecht als recht ein paar dünne, stoisch wiederholte Riffs rauszwängt, und Schlagzeugerin Kelly dazu mit minimalistisch-reduziertem Marschgeklopfe irritiert, das wirklich jeder sich erstmals an ein Schlagzeug setzende hinbekommt. Was dabei im Verbund rauskam, war eine ewiggleiche Sauce aus Lagerfeuermusik mit Strom, bei der nach 2-3 Songs eigentlich schon alles gesagt war, die - das Onetrickpony zu Tode reitend  - aber natürlich nicht enden wollte. Schnarch.
Gut, dass immerhin die BLCKWVS als Vorband mit ihrem recht eigenständigen und monumentalem Instrumental-Metal zu unterhalten wussten, und das trotz zeitweise katastrophalem Sound.

Montag, 1. Oktober 2012

Torche und so …

Ja, ich weiß, ich halte beim Thema TORCHE sehr gerne nicht damit hinterm Berg, die US-Stonerrocker tendenziell eher langweilig und über zu finden. Eine Mischung aus sonntäglicher Langeweile (ich bin nun mal kein Tatortgucker), Streben nach finaler Gewissheit (wie vielleicht doch okay oder eben doch nicht so gut ich TORCHE denn dann jetzt finde), dem generellen Vorziehen von Livemusik und ein paar Bieren mit den Boys gegenüber dem Sofa (ich kann halt nichts anders), und der Tatsache, dass das FZW nun mal wirklich um die Ecke ist, lies mich dann ja doch spontan zum TORCHE-Gig in Dortmund schlurfen.
Als Local Support fungierten ███████ aka [BOLT] aus Bochum. Zwei Typen auf Stühlen mit Bässen, Effektboards und Laptop. Ihr Drone-Kram hatte gewisse NIN-Vibes, wie ich fand. Kann man sich anhören, in einem typischen Rockkonzertrahmen  ist es aber generell immer so eine Sache, sich stehend zwei Sitzmusiker anzugucken … 
TORCHE: Mag sein, dass es am druckvollen Sound lag, aber gestern habe ich wohl verstanden, was einige meiner Stoner-affinen Freunde so an dieser Band begeistert. Das war live vom Druck und Klang der Gitarren schon eine ziemliche Wand, und hatte auch einen gewissen Groove. Der Schlagzeuger war ebenfalls recht gut.  Ja doch, partiell hat mir das schon Spaß gemacht. Aber: So richtig 100%ig ist dennoch kein Funke übergesprungen. TORCHE sind eine solide Rockband ohne auffällige Akzente, nicht mehr und nicht weniger. Und soliden Rock ohne auffällige Akzente (ganz gut dröhnender Sound hin oder her) kann ich mir im Zweifelsfall geben, muss ihn aber nicht ins heimische Plattenregal stellen. Von daher: Nettes Konzert, Fan bin ich aber immer noch nicht.
Im Übrigen war ich dann ja doch erstaunt über die eher magere Besucherzahl der Veranstaltung. Dass ein paar Indie-Journalisten und -blogger das aktuelle TORCHE-Album im Frühjahr noch zum saisonellen Liebling erklärten, scheint hier wohl doch keinen nachhaltigen Hype ausgelöst zu haben. Ob das wiederum jetzt eigentlich gut oder schlecht ist, das weiß ich gerade nicht …

Oktober in Scheiben

Diesen Freitag erscheint als Teaser zum 2013 kommenden Album eine Single von VOIVOD als 7“ und Download, Ende des Monats gibt’s neue Longplayer von NEUROSIS und PIG DESTROYER. Na das ist doch mal was …

Enslaved - Riitiir

Passend zum Herbst gibt es ein neues Album von ENSLAVED. Jenes muss es mit dem ziemlich starken Vorgänger „Axioma Ethica Odini“ aufnehmen, auf dem die Norweger die Metal-Schraube nach dem doch recht postrockig angehauchten „Vertebrae“ wieder angezogen hatten, und dabei eine einzige Ansammlung epischer Hits rausfeuerten, denen man die eine oder andere Inspiration durch die vorherigen Tourkollegen Opeth durchaus anhörte.
Die mitreißende Direktheit des Vorgängers ist auf dem neuen Album „Riitiir“ einer ferneren Verprogung gewichen. Und ich sage es nach drei Durchläufen mal ganz ehrlich: So richtig funktionieren tut das für mich dieses mal nicht.
Für mich hat „Riitiir“ seine starken Momente vor allem dann, wenn sich die Norweger direkt auf eine Sache konzentrieren. Soll heißen, vor allem bei ganz ruhigen Passagen, oder auch bei den rasantesten und blackmetallischsten. Was diese Spitzen allerdings lediglich garnieren, ist ein Crossover aus verträumten Klargesangsmelodien und Einflüssen von Motorpsycho, Tool und co. auf der einen, sowie den typischen Metal-Stilversatzstücken auf der anderen Seite, der mir so wie hier zusammengekittet irgendwie quergeht. Dieser unentschlossene Balanceakt aus epischem Progrock und den dazu immer wieder eingeworfenen Krächzvocals und Doublebass-Einlagen scheint zu kippen.
Ich werde dem Album zeitnah wohl noch 1-2 weitere An- und Durchläufe gönnen, aber es sieht dennoch ganz danach aus, als müssten ENSLAVED diese Runde dann mal ohne mich drehen …