Donnerstag, 30. August 2012

August in Scheiben (2)

SWANS - The Seer
Was genau soll man eigentlich noch einleitend zu SWANS schreiben? Vielleicht, dass das 2010er Comeback-Album „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ völlig zurecht von jedem Aficionado des Abseitigen onanierend auf Knien empfangen wurde? Und ich es witzig fand, wie die Band dann von diversen Blogs und Pressestimmen, sowie auf angesagten Veranstaltungen von Roadburn bis Melt!, von Metal-Fans und Stoner-Köppen bis zu Indiehipstern und Elektrospackern wirklich jedem, der dafür eigentlich nicht bereit war, mit Gewalt reingedreht wurde?
Gegen die aktuelle Veröffentlichung von Michael Gira und Anhang war das partiell schon nicht gerade leichtverdauliche „My Father..." im Übrigen nur eine lockere Aufwärmübung.
„The Seer" ist ein Doppelalbum (bzw. 3er-Vinyl) von zwei Stunden geworden, das einen mitunter staunend und kopfkratzend hinterlässt.
In einigen ruhigen Momenten bittet Gira einen zu sich ans Lagerfeuer (wo dann auch schon mal unvermittelt der Staubsauger angeht), und in anderen errichtet er - scheinbar mit einem ganzen Orchester - hypnotisierende, nicht enden wollende, monumentale Klangaufbauten aus Rhythmus, Lärm und Mantren, zu deren Beschreibung in Worten ich wirklich nicht in der Lage bin, während Gaststars wie Karen O und Jarboe daneben eigentlich schon nur noch zu Randnotizen verkommen.
Neben diesen, den Hörer Mammut-haft überwältigenden Postrock/Drone-Eskapaden sind es dann aber vor allem auch eingängige Passagen in oft undefinierbaren Stilgrauzonen aus Folk, Jazz, Trip Hop, Filmscore und Rock, die in Ausführung und Resultat absolut atemberaubend tönen.
Manchmal ist ein Track dabei nicht einfach nur ein Song, sondern auch schon mal ein sich Zeit nehmendes Gesamtkunstwerk für sich. Auch wenn einem die extrem langgezogenen Nichtsong-Teile und Geräusch-Strecken des Ganzem in falscher Tagesform schon mal den letzten Nerv rauben können ...
In anderem Kontext würde das alles vermutlich viel weniger Sinn machen, und ich möchte eigentlich nicht mal behaupten, das Ganze bis ins letzte zu kapieren, aber „The Seer“ ist absolut großartig. Wenn irgendjemand der Vorbote der Apokalypse ist, dann Michael Gira. Eine Apokalypse, in der nixblickende Popsong- und exklusive Konventionalrockmusikfreunde gnadenlos untergehen werden, latent bis mittelschwer aspengernde Zeitgenossen jedoch die Erfüllung finden. 


DYSRHYTHMIA – Test of Submission
Nach drei Alben via Relapse, über deren Verlauf sich der Sound von anfänglich sowas wie Shellac (kein Wunder, wurde „Pretest von keinem geringeren als Steve Albini aufgenommen) zuletzt zu sowas wie Meshuggah verschob (was ebenfalls nicht groß verwundert, zumal die Jungs  außerdem noch in Bands wie den Tech-Deathern Gorguts, den angesagten USBMlern Krallice, und den Prog-InstruMetallern Behold... The Arctopus mitwirken),  ist das New Yorker Frickelkrach-Trio DYSRHYTHMIA nun bei Profound Lore gelandet.
„Test of Submission“ heißt ihr insgesamt sechster Longplayer (zwei Frühwerke im Eigenvertrieb gab es auch noch), und jener tönt in meinen Ohren nicht mehr ganz so hartkantig-metallisch und brachial produziert wie sein Vorgänger. Was nicht heißen soll, dass es hier gemäßigt zugeht. Der rein instrumentale Post-/ Prog-/ Mathrock der Band fährt immer wieder mal Blastbeats, schräge Voivod-Vibes, den groben Haken von unten, und andere energische Momente auf. Das alles aber doch mit etwas weniger dickem Keulenschlag, und mit etwas mehr Atmosphäre als beim letzten mal, und das muss in diesem Fall mitnichten was schlechtes sein.
Auf der gemeinsamen Schnittstelle aus experimentellem Muckertum und Gitarrenkrach mit Kick sind DYSRHYTHMIA jedenfalls nach wie vor eine Band, die ich mir immer wieder gerne mal reinfahre, und das, im Gegensatz zu seinem lauteren Vorgänger etwas dezenter, aber doch noch recht metallisch tönende „Test of Submission“ dabei vermutlich sogar ein bisschen mehr, als die dagegen doch deutlich mathrockigeren „Pretest“ und „Barriers and Passages“.

SCOTT KELLY AND THE ROAD HOME – The Forgiven Ghost In Me

Normalerweise bin ich kein allzu großer Freund von Akustikbarden-Kram. Gerade auch in Zeiten, in denen das in der doomigen Ecke auf einmal jeder machen muss (neben Wino jetzt auch noch U.S. Christmas‘ Nate Hall und Yob’s Mike Scheidt). Aber von Neurosis‘ Scott Kelly und seinem Brummbärgesang geht generell eine gewisse Faszination aus, die gleichermaßen zutiefst düster ist, wie aus der persönlichen Intimzone ans Licht zu drängen scheint. So ist z.B. sein sehr reduziertes, emotionales Solo-Zweitwerk „The Wake“ aus dem Jahr 2008 genauso großartig und einvernehmend - was im richtigen Rahmen auch live immer wieder ein Erlebnis ist - wie die vorangegangene, zutiefst atmosphärische „Lattitudes-Session" seines Blood and Time-Projekts (man höre das unglaubliche Townes van Zandt-Cover „Rake“: www.youtube.com/watch?v=A7Q8BKjuJhE).
Wie bei B&T hat er hier in Form von The Road Home akzentuiert Unterstützung von weiteren Neurosis-Mitgliedern, sowie dem SF-Singer/Songwriter Greg Dale. Was gelegentlich schon mal einen Schuss Country mehr als gewohnt im Songwriting hat (etwa beim Opener "A Spirit Redeemed To The Sun"), bei ganz ruhigen Songs inzwischen schon sehr typisch für seinen Solo-Output klingt, oder beim einen Stück mit Schlagzeug-Unterstützung tatsächlich auch die Blaupause eines Neurosis-Songs (oder von Blood and Time) sein könnte („The Field That Sorrounds Me“).
Es bleibt dabei: So wenig ich sonst Bock auf Folk-artiges habe, umso besser gefallen mir trotzdem SCOTT KELLY's teils recht introspektive Endzeitballaden. Guter Mann. Mit einem weiteren wirklich tollem Album.


Ach ja, das neue Album von EAGLE TWIN ist übrigens auch gerade via Southern Lord raus. Für das hatte ich allerdings noch keine Zeit ...und da ich abseits aktueller Releases wie den o.g. in letzter Zeit von einer kleineren Black Metal-Klassiker-Phase eh schon wieder zur einer mittelschweren Frühneunziger-und Jahrtausendwenden-Noiserock-Phase übergegangen bin, kann der langsame Doom auch mal 'n Monat warten ...

Dienstag, 28. August 2012

Obey!

1.) Das groovende „Obey“ vom inzwischen auch schon wieder – achdumeinefresse! - zehn Jahre alten Album „Murderworks“ ist mein Lieblingssong der finnischen Grindcore-Institution ROTTEN SOUND.
2.) Auch wenn ich es normalerweise nicht so mit „Mucker-Videos“ habe, ist es schon eine unterhaltsame Angelegenheit, das Ganze mit Fokus auf Kai Hahto zu sehen, dem äußerst begabten Ex-Drummer der Band. Weswegen ich mir dieses Video immer wieder mal geben muss:

Freitag, 24. August 2012

Only Living Witness

Es ist eine obligatorische Pflichtübung, einen Post zu ONLY LIVING WITNESS zu machen.  Die Band aus Boston existierte zwischen ’89 und '95, und veröffentlichte zu dieser Zeit zwei Alben über Century Media Records, die musikalisch in einer eigenen Schnittmenge aus Metal, Hardcore und Alternative Rock angesiedelt waren. Man könnte dem Ganzen wohl das im Zweifelsfall alles und nichts aussagende Schildchen „Post-Hardcore“ anheften, aber auch Grunge und Stoner Rock sind unbeholfene Etikette, die zum Eintüten dieser Band schon mit auftauchten.
Jedenfalls sind ONLY LIVING WITNESS der Inbegriff und das Paradebeispiel einer dieser Bands, die alle Metal- und Hardcore-affinen Rockmusiknerds nicht mehr ganz so jungen Semesters (sowie einige 90er-Nostalgiker, die das mit der Musik eigentlich schon aufgegeben haben) schon immer total großartig und dabei sträflich unterbeachtet fanden, während ansonsten nie jemand von ihnen gehört haben soll.

Im Grunde genommen tun sich ihre beiden Alben nicht viel. „Prone Mental Form" (1993) mag einen Hauch mehr mit hartkantig-schroffem Punch daherkommen, und „Innocents“ (1995) das insgesamt noch etwas rockiger mit Hits gespickte Album sein, beide sind jedoch für sich super, eigen und super-eingängig. Außerdem wurden sie 2006 als Doppelpack mit einigen Bonustracks zusammen wiederveröffentlicht.

Ihren allerletzten Gig spielte die Band dann im Übrigen noch mal Sommer 2008 im niederländischen Eindhoven. Fast hätte ich dem ganzen beigewohnt, lag aber mit einer Sommergrippe flach. Augen-/Ohrenzeugen berichteten allerdings eh von einem nicht so gelungenen Gig.
Vor einem Jahr verstarb Drummer/ Hauptsongwriter Eric Stevenson leider im Alter von 43, ohne dass davon irgendjemand groß Kenntnis zu nehmen schien.   

Stellvertretend für die beiden großartigen Alben ihr jeweiliger Opener, der Videoclip zu „Slug“ (vom ersten), und ein Livemitschnitt von „Freaklaw“ (die Single vom zweiten):


Donnerstag, 23. August 2012

3 x neue alte Schule

Szenen mit Musik von gestern scheinen sich auszuweiten. Und von der Occult/ Retro/ Hippiesatanisten/ Psychedelic/ Doom –Ecke rede ich gerade noch nicht mal. Wir haben schon etwas länger eine Welle an Old School Thrash Metal verschiedenster Färbungen in vollem Gange. Eine mit Death Metal ganz alter Schule kam gerade noch hinzu.
Spreu vom Weizen, das Krachundso-Sieb mit 3 neueren Bands worth checking out (in alphabetical order):

DR. LIVING DEAD
Noch konsequenter und direkter als Municipal Waste sind DR. LIVING DEAD eine spaßbetonte Hommage an die Ära, als Bands wie Suicidal Tendencies, D.R.I., S.O.D., Nuclear Assault und Anthrax Grenzen zwischen Hardcore-Punk und Thrash Metal, zwischen baseballbekappten Skateboardern und langhaarigen Lederjackenträgern einrissen.
Man kann dabei, wenn man möchte, ihren holzhammermäßigen Imitationsmodus (ST-mäßige Outfits plus anonymisierende Masken, sowie eindeutige Songtitel, die immer wieder mit einem ganzen Zaun Richtung Suicidal oder Anthrax winken) natürlich auch karnevalistisch-albern finden, aber ich persönlich finde das im Grunde genommen sympathischer, ehrlicher, authentischer und ansprechender, als ein nicht unbeträchtliches Groß der ganzen jungen Bands und Fans, die im Rahmen eines Klotzturnschuh- Old School Thrash- und Thrash-/HC-Cossover- Revivals derzeit versuchen etwas wieder aufleben zu lassen, bei dem sie damals gar nicht dabei, weil im Kinderwagen oder noch nicht geboren waren (nur Kadavar und Peers sind noch schlimmer). Denn was diesen Jungspunden häufig abgeht: Damals nahm man sich selbst und sein Ding nicht so furchtbar ernst, wie es hier und heute üblich geworden ist.

deathfuckingthrash.se

MORBUS CHRON
Im aktuell plötzlich aufgeblühten Dickicht aus Entombed-Soundalikes und Todesmetallballereien im Spätachziger-/Frühestneunziger-Stil sind MORBUS CHRON die Band, bei der sich einige Experten einig sind, hier das herausragende gewisse Etwas vorzufinden. „Left Hand Path“- und Autopsy-Vergleiche waren schon genau so zu lesen, wie „Obituary meets old Voivod“, und es dürfte klar sein, dass MORBUS CHRON eher auf ziemlich derbes, dreckiges, tendenziell atonaleres und angeschrägtes setzen, als auf Metal mit Harmoniebedürfnis.
Bevor ich selbst in übermäßige Euphorie verfalle, warte ich erst noch mal ab, was die Kapelle demnächst beim zweiten Longplayer dann noch so aufbieten mag, aber im Auge behalten sollte man sie auf jeden Fall mal …
facebook.com/morbuschron

TORMENTED
Auch wenn ich es normalerweise eher nicht mehr so mit generischer Mucke habe, die nach vorgefertigten Substil-Blaupausen ohne auffällige Eigenakzente mit straighter Doublebass geradeaus donnert, haben sich TORMENTED dieses Jahr mit zwei gesehen Auftritten meine Sympathie erknüppelt.
Diese Schweden gehen ebenfalls zurück zu den Anfängen des, nun ja, Schweden-Death Metals, fahren den, tjoah, early Entombed-/ Dismember-typischen Sound auf, und bollerklöppeln damit herrlich unprätentiös ein ganzes Stück rotziger nach vorne, als viele Kollegen.
Ein besonderes Merkmal ihres Sounds sind dabei die verständlich und eher unangestrengt geraunten, eben nicht übertrieben guttural-grunzigen Vocals, die das lässig-punkige Flair von TORMENTED noch verstärken und einen angenehmen Kontrast zum szenischen Einheitsbreigegurgel bilden. Auch wenn die Songtitel und Texte eine einzige Klischeeparade sind, aber auf sowas muss man sich schon einlassen können.
Nicht nur Freunde von Alteisen wie Entombed, Obituary, Grave, Sodom, Venom und co., sondern auch von räudigen Zeitgeist-Combos wie Black Breath, Nails, Trap Them, oder gar High On FIre, sollten dieser Kapelle mal eine Chance geben.
graveyardlust.wordpress.com

Mittwoch, 22. August 2012

Videos

Es gibt einen neuen Videoclip von HIGH ON FIRE, der echt mal ein Kaliber für sich ist.
Der von SPASM ist nicht mehr ganz so neu, aber ich dachte mir, dass man den heimlichen Headliner des diesjährigen Extreme Fests mal featuren kann.

Freitag, 17. August 2012

August in Scheiben (1)

ASH BORER - Cold of Ages
Unter Nerds, Hipstern und Hobbyscouts sind ASH BORER schon länger die weitere Quasi-Black Metal- bzw. USBM-Band, die man neben Wolves In The Throne Room, Liturgy, Deafheaven, Nachtmystium, Panopticon und co. kennen und gut zu finden hat.
Profound Lore will uns in nicht allzu ferner Zukunft das, zuvor nur in limitierten Tape- und Vinyl-Auflagen erhältliche Debüt der Band bald noch als CD und Download kredenzen, schiebt aber natürlich erst mal ihr aktuelles Album „Cold of Ages“ vor (das über Pesanta Urfolk wohl auch als LP kommen soll).
Und jenes überzeugt mich ehrlich gesagt nicht 100%ig, auch wenn ich den grundsätzlichen Ansatz von ASH BORER sehr mag: Zwar bauen auch diese Blastbeat-Geklöppel und melodisch gebogene Gitarrenstürme grundsätzlich zu 10-15min.-Kompositionen hoch – joah, das kennt man in dieser Ecke schon zu Genüge - bei den handwerklichen Mitteln sind sie dabei allerdings alles andere als zimperlich. Soll heißen: Im Gegensatz zu etwas identitätslosen und sauberen Zeitgenossen wie Deafheaven oder Der Weg einer Freiheit ist der ASH BORER-Sound dann doch etwas räudiger, kaputter, finsterer, dreckiger. Und die fies-verzweifelten Schrei-Vocals werden dabei eher als zusätzlicher Akzent eingebettet, denn als durchgängiges Muss obendrauf gesetzt.
Das finde ich so zwar durchaus ansprechend, es ändert aber leider nichts daran, dass die zusammen auf eine Stunde kommenden vier Mammut–Songs von „Cold of Ages“ der ganz große Wurf dann doch nicht sind.  Das Ganze ist viel Style und wenig kompositorische Finesse, und daher von einem „Two Hunters“ oder „White Tomb“ doch noch ein ganzes Stück entfernt. Da kann die Band im stilistischen Ansatz noch so viel richtig machen … das songschreiberische Resultat hätte für mich ruhig noch etwas interessanter und mitreißender ausfallen dürfen.
Es ist wirklich kein schlechtes Album. aber don't believe the Hype, ein den Rest überschattendes Saison-Highlight oder gar Album des Jahres nun auch nicht gerade.

OM - Advaitic Songs
Ancient History: Als sich Sleep Mitte/Ende der 90er auflösten, teilten sich die drei Mitglieder bekanntlich in zwei Bands auf, die auch eine jeweilige Charakteristik ihrer vorherigen Musik isoliert mitnahmen: Gitarrist Matt Pike frönt seitdem mit neuen Mitstreitern unter dem Namen High on Fire grob rausgekeultem Räudig-Metal, der irgendwo zwischen Motörhead und Celtic Frost auch gerne mal das Tempo anzieht. Und als Bass/Schlagzeug-Duo OM konzentrierten sich Cisneros und Hakius abseits derartiger Brachialität und Rock’n’Rolligkeit auf den hypnotisch-meditativen Mantra-Groove.
Mittlerweile hat der Mann hinterm Schlagzeug gewechselt und ein zusätzlicher Kollege erweitert den OM-Sound mit Stimme, Schellenkranz, Tasten und Tambura, während Cisneros wie manisch seinen Pilgergang zur Transzendalität verfolgt.
Was im Verlauf von „Advaitic Songs“, dessen unerwartet aus dem Rahmen fallender Opener zunächst irritiert, vorzüglich funktioniert. Ich bin normalerweise kein allzu großer Freund davon, zeitgenössische Rockmusik übermäßig mit Piano- und Streichereinsätzen, sowie orientalischen Akzenten aufzupeppen; da der eigensinnige, minimalistische OM-Stil allerdings weder was mit Metal, noch mit generischen Postrock-Klischees zu tun hat, ergänzen sich diese Klangwelten hier überraschend gut.
Hat man den ungewohnten ersten Song des Albums verwundert hinter sich gebracht, sind die folgenden vier, darunter gleich drei 10minüter, bei denen Cisneros' entspannte Gesänge und angezerrte Bassläufe von orchestralen Elementen mit Soundtrack-Charakter (oder auch mal von galoppierenden Percussion) gestützt werden, eine schiere Offenbarung. Wirklich, das funktioniert, warum auch immer, und trifft unerwarteterweise schon irgendwie ganz schön meinen Nerv.

Ein ganz großartiges Album! Ein seltsames, aber großartiges!

SAMOTHRACE - Reverence To Stone


Der Name SAMOTHRACE lässt bei Doom-/Sludge-affinen Musikliebhabern ohne Frage was klingeln. Passend zu ihrer Musik sind sie allerdings nicht gerade die schnellsten. So liegen zwischen dem ca. 35minütigem 2-Tracker „Reverence To Stone“ und seinem Vorgängeralbum bereits vier Jahre.
Bevor ich noch endlos weiterfasel, verweise ich jetzt aber einfach mal darauf, dass man sich das Ganze bei 20buckspin zum eigenen Bild machen auch selbst komplett anhören, oder für $6.66 runterladen kann:
http://listen.20buckspin.com/album/reverence-to-stone

Dienstag, 14. August 2012

Fear and Loathing on the Festival Trail ‘12

Etwaige Feststellungen Marke “zu alt für diesen Mist” erspare ich mir bzw. uns. Denn ich hab die Vollprofis gesehen, die wirklich schon zu alt sind. Und es war nicht schön. Doch dazu später … vielleicht.

Samstag 28.07. – Nord Open Air, Essen
Eine von inzwischen mehreren Sommerfest-Veranstaltungen auf dem Viehofer Platz zu Essen ist das Nord Open Air, benannt nach bzw. organisiert vom Café Nord, der direkt anliegenden, schäbigen Metal-Kneipe.
Da Freitags Unwetterwarnungen rausgegeben wurden, ich Motorjesus und Agnostic Front in diesem Leben jetzt nicht unbedingt noch mal wieder sehen muss, und ein Kinobesuch für einen Batman-Nerd wie mich nicht gänzlich unprioritär war, klemmte ich mir den ersten Abend.
Also Samstags mal auf nach Essen. Bei meiner Ankunft spielen gerade VANDERBYUST. Und zu meiner Überraschung machen die Niederländer mit ihrem neuzeitlichen Gemisch aus ganz klassischen Hardrock- und Heavy Metal-Stilmustern durchaus Laune. Ja, doch. Trotz meiner Retro-Abneigung ist, was das junge Trio da fabriziert, nicht nur spielerisch äußerst gut, sondern auch musikalisch gar nicht mal so einfach nur uninspiriert abgekupfert, wie ich dachte. Nicht schlecht.
Da ich wie die Jungfrau zum Kinde auf einmal das richtige Bändchen dafür ums Handgelenk habe, gehe ich derweil erst mal ans Backstage-Freibier.
THE VERY END sind als nächste dran. Und auch wenn diese mit ihrem  gleichermaßen modernem wie traditionell verwurzelten Melo-Death/ Thrash/ Singsangrefrain-Metal eigentlich etwas repräsentieren, was mir dieser Tage nicht mehr gerne in die Gehörgänge kommt, machen sie dieses Ding ja doch schon ziemlich gut. Auch so ganz ohne Kumpel-Bonus.
Derweil treffe ich ENTOMBED’s  L.G. in der Kloschlange. Meine leicht amüsierte Äußerung, dass die an dieser Stelle ja auch langsam zum Dauergast werden, quittiert er selbstironisch damit, sich auch schon wie die beschissene Coverband, die jeden Donnerstag an der gleichen Stelle auftritt, vorzukommen.
Der folgende Auftritt von ENTOMBED ist dann auch mal wieder ein gutgelauntes Kabinettstückchen aus Uralt-Knüppelsongs, neueren Knüppelsongs, und ein paar rockigeren von dazwischen. Eine namentlich nicht näher genannte Person (nein, nicht ich selbst) steht auf einmal mit auf der Bühne und skandierte irgendeine Scheiße ins Mikro. Passiert.  Besagte Person sollte später noch des Festivals verwiesen werden, weil sich derartige Vorfälle auf dem Endspurt häuften …
SODOM stehen aus Headliner auf der Bühne und spielen zu meiner großen Freude auch den bescheuerten „Wachturm“. Tom’s Nachfrage auf Schalker im Publikum kommt polarisierend an.
Der Rest des Abends wird immer dunkler …

Donnerstag 02.08. – Electric Wizard, Köln
Nach drei Tagen Büro geht’s schon wieder zur nächsten Clubshow: ELECTRIC WIZARD riefen ins schon vorher so gut wie ausverkaufte Gebäude 9, und wir kamen.  Wann sind die eigentlich so groß geworden? Als ich die Briten ’06 mal in der Bochumer Matrix zusammen mit Grand Magus und Cathedral sah, war nicht so viel los. Sechs Jahre und einen Doom-Hype später muss vom Kirmesmetaller zum Kölner Scenester, und vom Alt-Stoner zur Trve Occvlt Kvlt-Metalbarbie auf ein mal jeder dabei sein.
Die lokal supportenden GRANT NATIONAL, deren im Frühjahr erschienenes Blu Noise-Debüt „Sheer Beaty“ in der Fachpresse überhaupt gar nicht stattzufinden schien, versprühen einen leichten  bis mittelschweren Melvins-Vibe. Nicht schlecht.  Wenn auch mit dieser mehr oder minder modernen Kante nicht so 100%ig passend zu …
… ELECTRIC WIZARD, die mit Lederjacken, Schlaghosen, Jesse Franco-Film als Visual Backdrop, plakativ im Bandnamen verankertem Sabbath-Einfluss usw. eher eine gewisse Vintage-Aura versprühen.
Musikalisch könnte man außerdem manchmal fast schon den Eindruck gewinnen, dass EW eine dieser Bands sind, die eigentlich nur einen Song hat, den sie leicht variiert dann immer wieder zum Besten gibt, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht, auch wenn so ein gewisser Flow im Groove und Riffing sich bei vielen Songs doch schon sehr ähnelt.
Dass sie meine persönlichen Lieblingssongs der letzten beiden Alben komplett umschifften, muss ich verschmerzen können. Insgesamt noch 1-2 Nummern mehr hätten es aber ruhig sein dürfen, denn auch wenn der psychedelisch-sadomasochistische Hintergrundfilm zwischendurch neu gestartet werden musste, war das ja doch etwas knackig.

Freitag 03.08. … Wacken Open Air
Tja, so kann‘s gehen.  Tönte ich in der Vergangenheit schon groß rum, zu dieser schlimmen Massenkirmes nicht mehr hinzumüssen, schaut man dem geschenkten Gaul eben doch nicht ins Maul. Vor allem wenn alles andere geregelt ist, man nicht mal selbst fahren muss, nichts fürs Festival an sich bezahlt, und auch noch in der Pseudoprivilegiertenzone überdacht Cocktails schlurfen und den üblichen Groupies beim an-band-eln zugucken kann.  Also nach 2 Stunden Schlaf zu wenig mal wieder auf in den Norden. Seufz.
Da die Bodenverhältnisse vor Ort aber immer schlimmer wurden, und die Wege zu den Bühnen Tagesmärschen gleichkommen, sah ich am ersten Tag kaum eine Band. D.R.I. leider verpasst, kann man nichts machen. Als ich mich zu OPETH aufmache, weil diese auf der nahegelegensten Bühne spielen, muss ich parallel RED FANG (Zeltbühne) und CORONER (sog. Party Stage) sausen lassen. Da nach zwei Songs OPETH ein unglaublicher Guss runterkommt, gehe ich wieder ins mehr oder minder trockene. Dort hat ein nicht näher genannter Angehöriger der alten RockHard-Garde, der sich im „Wackinger Dorf“ zwischendurch die Zeit mit vier Stunden Pfahlsitzen vertrieb, schon wieder dermaßen Standgas, dass es eine Wonne ist. Ebenfalls anwesend: Die komplette Kölner Coolness-Entourage powered by Energydrink-Sponsor. Die Idioten hängen auf einem eigenen Balkon ab, der  so seitlich zur Bühne postiert ist, dass man gar nicht wirklich auf diese gucken kann. Geschieht diesen Spackos recht. Was wollt Ihr auch auf einem Metal-Festival? Geht doch lieber wieder in der Ehrenfelder Werkstatt zu den Atzen und Deichkind abspackend Indiemetchen aufreißen, anstatt mir auch noch im Weg zu stehen.
DIMMU BORGIR mit Orchester? Interessiert mich gerad‘ nicht wirklich. Ganz wichtige Info allerdings: Kollege P.T. hatte Gv.
Am zweiten Tag wurde dann gummibestiefelt aber doch mehr Programm mitgenommen. Los ging’s mit NAPALM DEATH, denn da weiß man, was man kriegt (parallel nicht gesehen: Paradise Lost). Barney ist gut drauf, die Band trümmert sich um den Verstand.  Netter Weckruf.
Der Weg zur Zeltbühne entpuppt sich in diesem Jahr als Odyssee, bei der man erst mal am Biergarten vorbei muss, in dem gerade (natürlich) Mambo Kurt spielt, an Schwertkämpfen, an einer weiteren kleinen Open Air  Bühne mit Mittelalterrock-Scheiße, und durch eine weitere Einlasskontrolle. Dort stellt man dann fest, dass in diesem Zelt auch die Wrestling-Show stattfindet, und die Bands in diesem übersteigerten Jahrmarkts- und US Trash-TV-Ambiente tatsächlich abwechselnd auf zwei Bühnen mit 5-Min.-Changeover und vollautomatischen  Vorhängen spielen.
Und es ist fast surreal, KYLESA in diesem Rahmen mit mäßigem Sound zu sehen. ELECTRIC WIZARD fallen danach aus, weil sie noch im Elbtunnel stecken. Tolle Wurst. Am späteren Abend nahm ich noch mal den Weg zu dieser Plastikhölle auf mich, um dort ein paar Songs NASUM-Coverband zu gucken, aber so richtig toll war’s dann tatsächlich nicht, NASUM-Songs und -Urmitglieder hin oder her.
In dem Schlammmeer, das da Festivalgelände heißt nahm man dann noch ein bisschen mit: SIX FEET UNDER, och joah, SICK OF IT ALL, kann man auch mal machen.
TESTAMENT haben Gene Hoglan hinterm Schlagzeug und das kommt ganz schön geil.  OVERKILL spielen auch zwischendurch irgendwann.  Irgendwann war man die Wattwanderung dann aber leid und meine Begleiter drängten auf Abflug zum Hotel, während Cradle Of Filth und Dark Funeral genau parallel spielen sollen (welcher Idiot stellt eigentlich so eine Running Order zusammen?). Gerade rechtzeitig, um noch mal dem schlimmsten Regenguss zu entgehen.
Zum Thema Hotel hätte ich auch noch die eine oder andere Anekdote, aber die spare ich mir mal für persönliches Beisammensitzen.

Donnerstag 09.08. … PartySan Open Air
Drei Bürotage und eine Bandprobe später geht es ruhelos schon wieder in die ehemalige DDR, zum PARTY SAN OPEN AIR. Eine Veranstaltung, um die sich aus Vorjahren Legenden ranken.  Gerade auch bei den Peoplez aus dem Biz ist dieses Festival, seinem Namen gerecht werdend, berüchtigt für Komplettentgleisungen im Namen von Sex, Drugs & Rock’n’Roll.
Dieses Jahr auch endlich mal mit so richtig geilem Wetter machte das Ganze beim wirklich gemütlichen Venue auch tatsächlich mal Spaß.
Bei der donnerstäglichen Ankunft auf dem Gelände spielen IN SOLITUDE, die für das Festival mit Death/Black Metal-Schwerpunkt überraschend traditionell tönen.  New Wave of Old School Metal, was? Dinge, die ich nicht wirklich verstehe, Teil 77. NECROS CHRISTOS: Ich habs dann auch live wirklich noch mal versucht. Aber so sympathisch ich den grundsätzlich Ansatz der Band zumindest ansatzweise auch finden mag – nach drei Songs ist dann auch echt gut. Der am schleppenden Elder School ansetzende Stil der Band nutzt sich ja doch etwas schneller ab, als die Songs vorankriechen.  NIEFELHEIM sind vor allem lustig, weil ihre Setlist bei den ersten 4-5 Songs nur welche enthält, die das Wort „evil“ im Titel haben. Gewollter Running Gag  oder unfreiwillige Komik?  Man weiß es nicht.
SÓLSTAFIR mag ich ja grundsätzlich, aber die Band ist gerade dabei, die falsche Abfahrt zu nehmen. Etwas zu viel Kitsch und etwas zu viel Rock zieht sich durch ihren gesamten Gig, der drei Songs vom neuen Album, und einen von dem davor bietet. Leute im Publikum nerven mit Mitsing-Versuchen. Der übertrieben coole Endzeit-Cowboy-Wikinger-Crossover, den die Isländer erscheinungsmäßig auffahren, hat ebenfalls einen etwas aufgesetzten Beigeschmack. Naja.
SODOM kommen derweil nicht ganzen mit ihrer kurzen Spielzeit zurecht, und müssen ohne einige der obligatorischen Hits schon wieder von der Bühne gehen, weil  sie unerwartet schnell rum ist. Muaha.
BOLT THROWER – dazu sage ich nicht mehr als „Where next to conquer?“. Geil, geil, geil!
Natürlich blieben sie nicht aus, die Komplettentgleisungen und Exzesse.
Der nächste Tag hatte mit GOSPEL OF THE HORNS und GENERAL SURGERY ebenfalls ganz nette Anheizer zu bieten. IMMOLATION fand ich persönlich jetzt nicht so geil wie erwartet. DARK FORTRESS auch nicht. GHOST BRIGADE sind als die Mädchenmusikband des Tages okay, aber so richtig 100%ig überzeugen werden die mich in diesem Leben nicht mehr. Anstatt des übertriebenen Gefriemels von NILE gebe ich mit doch lieber auf der Zeltbühne TORMENTED, deren rotzig-straighter HM2-Sound Old School Schweden Death mit Vocals, die man verstehen kann, ja doch ganz schön geil ist. Werde ich mir das Album jetzt wohl doch mal besorgen.
Angefangen mit „Withstand the Fall of Time“ über „Beyond The North Waves“ bis „All Shall Fall“ gibt’s danach ‘ne Menge direkt von der Bathory-Blaupause abgepauschte, geile Songs, und ich sehe IMMORTAL tatsächlich zum ersten mal ohne „technische Probleme“ oder dergleichen.  Unfreiwillige Komik hin oder her, die Band ist innerhalb ihrer Reichweite längst eine Szene-Institution wie Kreator, Machine Head, Iron Maiden oder Metallica. Muss man auch mal anerkennen können.
Natürlich wurd‘ die Party dabei/danach noch schlimm …

Sonntag 12.08., EyeHateGod, Köln
Was eignet sich besser, um dem Festival-Hangover noch einen draufzusetzen, als auch noch zum Tourabschluss von EYEHATEGOD ins Gebäude 9 zu fahren?
Der Laden ist nur mäßig gefüllt, als die niederländischen STARVE mit rockigem Sludge Marke Weedeater, Iron Monkey etc. eröffnen. Naja. Klang vom Innenhof aus cooler, als im Konzertsaal, was unter anderem am mäßigen Gebell des Sängers lag, sowie der etwas generisch-uninspirierten Mucke.
EYEHATEGOD – über jeden Zweifel erhaben. Sie kredenzten dem Kölner Publikum, den unverschämt hohen Eintrittspreis entschädigend, ganze zwei Stunden. Spielfreudig und gutgelaunt hoch zehn, mittlerweile eher ein Spaß für die ganze Familie als asozial und gefährlich.
Warum man in Köln neuerdings aus jedem Konzert dieser Art im G9, auch auf einem Sonntag, gleich ein Happening mit Vor-/Zwischen-/Aftershow-DJ machen muss  … nun ja. Köln ist halt generell eine ambivalente Sache. EHG aber geil, und nur darum gehts.

Hätten wir das alles auch wieder überlebt.

Dienstag, 7. August 2012

State of the Thrash

Irgendwie hält sich mein Bedürfnis, mal in die aktuellen Alben von KREATOR und TESTAMENT reinzuhören, nach ein paar sporadischen Song-Hörproben nach wie vor eher in Grenzen.
Der frische Wind, der in den 00er Jahren durch die Thrash Metal-Ecke gefegt ist, und vielen alten Helden noch mal Aufschwung gab – man denke an das Comeback von Exodus oder die Return to Form von eben Kreator – scheint sich inzwischen wieder etwas gelegt zu haben.
Alles ist irgendwie nur noch ein einziger etabliert-souveräner Klischeezirkus geworden, bei dem traditionellmetallische Stilmuster und entsprechend generische Songtitel, Lyrics und Artworks aus der mitunter etwas auf  die Spitze getriebenen Schablone abgespult werden, und das mit wenig erträglichen Plastikproduktionen powered by Nuclear Blast, dem (inzwischen) Unlabel aus dem Ländle.
Mag sein, dass ich damit besagten Bands/Alben Unrecht tue, und ich würde mit dieser Feststellung ja auch gar nicht um die Ecke kommen, wenn eine gewisse Zuneigung nicht grundsätzlich vorhanden wäre, aber in punkto Thrash Revival bin ich wohl einfach erst mal wieder satt. Ich gehöre aber wohl auch schlicht und einfach generell eher nicht so wirklich zur Hauptzielgruppe von möglichst szenekonform gehaltener Pommesgabelmucke  …

Halbzeitstand?

Geht es nur mir so, oder wurde in der Hipster-Blogosphäre, bzw. Webzine- und Mitmachnetz-Landschaft letzten Sommer viel aufdringlicher mit Halbjahrescharts um sich geschossen?  Kommt mir entgegen, denn dieser Echtzeitzwang des heutigen Internetzeitalters geht mir inzwischen nur noch auf die Klötze.

Wie dem auch sei, so einen richtigen potenziellen Klassiker hat dieses Jahr in meinem Mikrokosmos bisher noch nicht abgeworfen, wenn ich mal versuche, ein "Alben 2012"-Halbjahresresümee zu ziehen.
Sehr gut war bisher, trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres partiell leicht popigen Anstrichs, vor allem die neue UNSANE, und außerdem das neue Album von BLACK SHAPE OF NEXUS, auf dem auch die Mannheimer Truppe sich mit einem verbesserten Songwriting-Gespür zeigt.
Das Album von PHILM hätte insgesamt ruhig etwas homogener ausfallen dürfen, aber ich mag das Teil sehr.

Bands wie NAPALM DEATH, PHOBIA, das JaKa-Nachfolge-Projekt CHRIST OF KATHER / MARKUS MARIA HOFF, MELVINS (Lite), NACHTMYSTIUM, HORSEBACK, KILLING JOKE, PRONG und MESHUGAH haben zwar durch die Bank solide bis gutklassige Kost abgeliefert, aber Sensationen sind das alles nicht. Das gleiche gilt für die recht polarisierende, neue BARONESS, die schon ein ziemlich gutes Alternative Rock-Album ist, aber eben auch nicht das Wunder der Saison.

Zurück in die Zukunft: Diesen Monat erscheinen neue Alben von ZATOKREV, OM, SWANS und DYSRHYTHMIA. Und eine neue ENSLAVED kommt auch bald schon wieder. Wohl alles Stoff, den man mal anchecken sollte …

Montag, 6. August 2012

Mittwoch, 1. August 2012

Amber

Ein steigender Stern am deutschen Underground-Himmel sind AMBER.
Die junge Truppe aus Marburg schreibt sich Einflüsse wie „Isis, Cult of Luna, Neurosis, (...)“ und co. auf die Fahne, aber das ist nur die halbe Wahrheit. In der Musik, die ohne Frage durchaus (Modern-)Doom- und Postrock-Momente hat, kann man außerdem eine ganze Menge Spirit der eh nicht gänzlich unverwandten Post-HC-/ Screamo-Ecke ausmachen, in der ich mich allerdings nicht so gut auskenne und beheimatet fühle, als dass ich da jetzt zwangsläufig eine Reihe von Referenz-Bands namedroppen möchte.
Aber sagen wir es mal so: Das Ganze mutet für mich jedenfalls tatsächlich irgendwie wie eine Mischung aus o.g. Bands und sowas wie Kill.Kim.Novak/ Andorra Atkins an (epischen Neocrust a la Alpinist, Fall of Efrafa usw. könnte man vielleicht auch noch anführen), und ja, das darf man gerne auch als Kompliment werten. Eine Assoziation, die mir ebenfalls gelegentlich kommt, sind die schwedischen Agrimonia. Das aber wiederum nicht mal, weil bei denen wie bei AMBER auch eine Frau ins Mikro brüllt, sondern eher wegen dem songschreiberischen Ansatz, spannend gesteigerte Arrangements mit Atmosphäre und Ruhemomenten in etwas sehr direktes explodieren zu lassen, das den exakt richtigen Weg nach vorne findet, der weder zu simpel-straight, noch zu verkompliziert ist.
Und genau das ist etwas, womit man mich generell sehr schnell begeistern kann, was speziell AMBER somit gerade gelingt.

Und das Beste: Die fünf gut produzierten Songs ihrer selbstbetitelten Debüt-EP kann man sich bei bandcamp umsonst ziehen.
Bin nun Fan und gespannt, was von denen in Zukunft noch kommen mag.