Freitag, 29. Juni 2012

DsO - Drought

Mit DEATHSPELL OMEGA hatte ich ja Anlaufschwierigkeiten, und eigentlich hatte ich schon mal aufgegeben, dass die was für mich sein könnten. Bei meinem Erstkontakt mit „Fas – Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum“ - das 2007er Album der Band, das sogar vom Trends sonst gerne mal erst spät erkennenden RockHard als allgemeines Black Metal-Referenzwerk gelistet wird – hatte mir das gehörte irgendwie nicht gefallen. An einem Song vom 2010er „Paracletus“, den die Band bzw. das Label mal als Teaser ins Netz stellte, tat ich mich dann sogar noch schwerer.
Denn auch wenn ich zwar u.a. Mayhem's „Grand Declaration Of War“ seit jeher was abgewinnen kann, verbinde ich mit zeitgemäßem Black Metal dieser Tage nicht unbedingt abrupt verbreaktes Gehacke, das eher nach Mathcore klingt.
Kapiert habe ich DsO dann aber irgendwie doch noch, als ich mir mal den letztjährigen Rerelease des älteren >20min.-Songs „Diabolus Absconditus“ anhörte. Denn da waren sie mal wieder, diese Dissonanzen in der Gitarrenarbeit, bei denen man als „Hartwurstschreiberling“ alter Schule sofort was von Voivod murmeln möchte, und mit denen man mich irgendwie immer kriegt. Und die Erkenntnis, dass DEATHSPELL OMEGA sowas  (= lange Mammutsongs mit atonalen Qualitäten) öfter machen, brachte sie mir dann schlussendlich doch noch auf die Habenseite.

Ihr aktuelles „Drought“ ist eine EP mit sechs Songs, die insgesamt in etwas zugänglicheren Sphären unterwegs sind, als einige der Releases davor. So schnell sich bei mir in den Untiefen der Düstermetal-Szenerie immer wieder Ermüdungserscheinungen einstellen können, so schnell kriegt mich eine Band dieser Ecke dann doch wieder, wenn sie eine dunkle Stimmung mit musikalisch eigener Note rüberbringt. Dabei sind die Gimmicks von DsO alles andere als Zauberei, aber sie funktionieren halt. 
„Drought“ bringt zum Extremgeprogge jedenfalls mal wieder ein bisschen mehr Unsichtbare-Orange-Gestik mit ins Spiel, was ein paar atmosphärische Freiräume zulässt, und auch das funktioniert hier gut.

So muss ich peinlicherweise gestehen, vom „Kult“ um diese personell mysteriösen Meshuggah des Black Metal (nennen wir sie mal so) schlussendlich doch noch erfasst worden zu sein.
Was daran im Übrigen ferner fasziniert, ist die Tatsache, dass DEATHSPELL OMEGA derzeit eine dieser speziellen Bands sind, bei der scheinbar wirklich jeder dabei sein will: Obernerdige Musikklugscheißer mit Vorliebe für experimentellen Hartkram, Trve-Finstermöchtegerns auf dem Devil’s Blood-Zug, und angeblich auch sogenannte „Hipster“. Letzteres halte ich allerdings für ein Gerücht. 

Donnerstag, 28. Juni 2012

Gojira - L'Enfant Sauvage

Liebes Tagebuch,
kürzlich hörte ich den Stream des neuen GOJIRA-Albums, und irgendwie tut es mir leid, dass mich das Ganze nicht mehr begeistert, als es der Fall ist.
Denn im Grunde genommen ist es sehr sympathisch, dass sich die Franzosen, die gerade endgültig im metalszenischen Mainstream ankommen, mehr Ecken und Kanten bewahrt haben, als ich vom Vorgängeralbum in Erinnerung hatte.
Wieder ein mal vereinen GOJIRA auf ihrem neuen Album die bleierne Schwere Morbid Angel'schen Death Metals mit Voivod-artigen Starts in den Weltraum, pompösen Andeutungen in Richtung Devin Townsend/ Strapping Young Lad, sowie angeprogten Breaks und virtuosen Friemeleien irgendwo zwischen Cynic, Meshuggah und Opeth.
Dabei pendeln sie zwischen bretthärtesten und sperrigen Attacken mit dauerbollender Doublebass, und immer wieder auch schon regelrecht straight-hymnischen Momenten.

Was alles, unterm Strich, aus "L'Enfant Sauvage" ein Album macht, zu dem einen der Kopf zu ein bisschen mehr als nur einen Anstandsapplaus befiehlt; darüber hinaus lässt mich das Teil auf den anderen Ebenen der Musikrezeption allerdings irgendwie erschreckend kalt.

GOJIRA machen, was sie gut können, und auch wenn die Arrangements hier schon mal etwas zerfahren wirken, können sie halt auch wirklich was.
Ihr Gesamtkonzept und genereller Sound sind mir, wie gesagt, zudem eigentlich generell sympathisch.
Dennoch fehlt hier für die totale Herzensangelegenheit irgendwas.
Was meinetwegen auch etwas sein mag, das an mir liegt, und nicht an ihnen.
Aber im letzten Drittel von "L'Enfant Sauvage" - und damit dann auch ausgerechnet dann, wenn sie hier und da im kleinen eigentlich auch noch mal eben ein bisschen was anderes ausprobieren wollen, als nur ihre Signature-Trademarks – stellt sich bei mir so eine gewisse Müdigkeit und Unbefriedigung ein, sowie die Vermutung, dass dieses Album weitaus besser und runder hätte ausfallen können und müssen, als es schlussendlich ist.

So ist "L'Enfant Sauvage" unter den Metal-Veröffentlichungen 2012 wohl eine kräftige Duftmarke nicht unangenehmer Art, dabei aber kein Flavour, der mich dieser Tage hinterm sprichwörtlichen Ofen vorlockt.
Was schade ist, aber man muss auch mal loslassen können. 

Freitag, 22. Juni 2012

Obituary

Zugegeben, auf Konserve habe ich OBITUARY in den letzten Jahren nicht mehr so wirklich verfolgt. Dass sie nach dem grandiosen „Frozen in Time“, das 2005 noch mal über Roadrunner kam, nicht nur zwei weitere Longplayer veröffentlicht haben, sondern der dritte danach auch schon unterwegs ist, das ist mir bisher irgendwie durchgegangen. Warum ich ausgerechnet die 2008er 4-Song-EP „Left to die“ trotzdem habe … keine Ahnung, manchmal is‘ Lebbe seltsam.
Ihr 1990er „Cause of Death“ war jedenfalls damals, als ich anfing Metal und artverwandtes zu hören, neben Slayer und Sodom der erste so richtig derbe Shit. Und wenn man sich die Pioniere aus Florida heute so betrachtet bzw. anhört, dann sind sie eigentlich immer noch eine Band mit einem unverwechselbaren Sound und Stil, an dem sich das Groß der Death Metal-Szene über die Jahr(zehnt)e irgendwie dran vorbeientwickelt hat.

Gestern Abend im Essener Turock musste man erst mal süddeutsche Jungspunde namens DUST BOLT hinter sich bringen, die spielfreudig und okay waren, aber diese Art von „viel Lärm um nichts“-Thrash Metal runterklöppelten, die über weite Strecken nichts musikalisch interessantes oder mitreißendes zu bieten hat (Hallo Destruction!). Durchaus kurzweilig, aber nicht mehr.
OBITUARY danach: Sieg auf ganzer Linie. Mit der eröffnenden Instrumentalnummer „Redneck Stomp“ und dem Celtic Frost-Cover „Dethroned Emperor“ bekam ich sogar meine persönlichen Sahnehäubchen, mit denen ich nicht mal gerechnet hatte. Wie gut sich Fronter John Tardy und seine Mähne mit Mitte 40 gehalten haben, da kann man außerdem fast neidisch werden. Zwischendurch springt er immer wieder zu seinem Bruder ans Drumkit rüber, um auf der Standtom extrawuchtige Perkussivunterstützung einiger Passagen zu hämmern.
Das Drumsolo vorm Zugabenblock wäre nicht notwendig gewesen, ansonsten war das gestern aber ein ganz schön geiler, energetischer Gig.
Geile Band, nach wie vor.

Steve von Till, Scotty Kelly und Wino covern Townes Van Zandt

Jau, richtig gelesen, unter dem Titel „Songs of Townes Van Zandt“ teilen sich die beiden Neurosis-Mannen STEVE VON TILL und SCOTT KELLY, sowie Doom-Gottvater WINO einen gemeinsamen Release, auf dem jeder als Akustikbarde jeweils drei Songs der Country-Legende covert.
Bei Amazon.de gibt es das Teil ab heute für ein paar Tage für nur 5 € zum Download.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Verdunkeln - Weder Licht noch Schatten

Einen eigentlich schon sorgfältig vollendeten Blogpost, in dem ich das neue VERDUNKELN-Album „Weder Licht noch Schatten“ hart aber fair als uninspiriert und langweilig abstrafe, habe ich soeben wieder verworfen und noch mal von neuem angefangen.
Denn der eigentliche Punkt bzw. Kern des Problems trat dabei noch nicht deutlich genug hervor. Jener ist: „Einblick in den Qualenfall“, der 2007er Vorgänger dieses aktuellen Albums der Aachener, ist eine total faszinierende, hypnotische, kühl-düster-vernebelt-atmosphärische, tendenziell etwas aufreibende Angelegenheit. Ein Rohdiamant, Avantgarde-/ Doom- Black Metal, ungewöhnlich in Sound und Stil.
Hört man vor diesem Hintergrund nun das neue Werk der Duo-Formation, fragt man sich als mehr oder weniger anspruchsvoller Musikfreund zwangsläufig leicht verärgert, warum zur (jau, hehe:) Hölle die Jungs eigentlich fünf Jahre dafür gebraucht haben, um damit um die Ecke zu kommen, 1-2 schon mal gehabte Ideen immer wieder in etwas weniger spannend über fünf Tracks auszuwalzen, und das dann auch noch in einer Gesamtinszenierung (etwas geliftete Produktion etc.), die irgendwie bequem klingt.
Und genau das ist das Problem. „Einblick in den Qualenfall“ war unbequem und ungewöhnlich. Etwas, das in einer Randsparte am Rand eben dieser herausragte. „Weder Licht noch Schatten“ wiederum ist ein nur solides, eher wenig originelles Düster-Metal-Album ohne frische Akzente, ohne Reibungsfläche, und (verhältnismäßig) mit irgendwie etwas zu zahmen Sound.
Ich will ja noch nicht mal was von wegen „Schritt in die falsche Richtung“ oder so faseln; vielleicht ist das Teil, kann man völlig unbefangen rangehen, alleine für sich genommen ja auch gar nicht mal so verkehrt.
Es ist aber nun mal so, wie es ist: „Einblick in den Qualenfall“ war finster und gefährlich, pechschwarz. „Weder Licht noch Schatten“ ist dagegen, seinem Titel gerecht werdend, ein bisschen wie langweiliges Grau-Beige.
Und deswegen empfinde ich ersteres als Klassiker der 00er-Jahre, zweiteres aber leider als etwas, das ich daneben so jetzt nicht gebraucht hätte. Schade.
(Der Vollständigkeit und Fairness halber: Vor allem der Song ‘Die letzte Legion‘ enthält dennoch ein paar ganz geile Momente. Wäre doch nur das gesamte Album so …)

Montag, 18. Juni 2012

Fistula...

Mir ist kürzlich bewusst geworden, dass während FISTULA gerade ein neues Album aufnehmen, ihr damals zweites unter dem Titel „Idiopathic“ auch schon wieder fast zehn Jahre alt ist.
Und während die erwähnenswerte Tatsache, dass diese Clevelander (deren aktueller Drummer Nate über die Jahre immer wieder mal bei den berüchtigten Anal Cunt mitwirkte) 2008 ganze drei Alben in nur einem Jahr veröffentlichten - darunter zwei jeweils einstündige Onetracker - unter vielen Genrefreunden meiner Wahrnehmung nach irgendwie recht unbemerkt blieb, warf  „Idiopathic“ mit dem Cover von „Cocaine“ (im Original von JJ Cale, am bekanntesten aber durch Eric Clapton) immerhin einen kleinen, witzigen Hit ab, den dann tatsächlich doch der eine oder andere mitbekommen hat. Zu dem es im Übrigen auch einen Videoclip gibt, worüber ich erst kürzlich gestolpert war. Hier ist er:

Überhaupt sind FISTULA eine zwar nicht herausragendst zwingende, aber aufgrund ihres Facettenreichtums doch recht bemerkenswerte Band.
Wer eher etwas rockig angehauchten Sludge von Iron Monkey über Weedeater bis Black Tusk schätzt, sollte die Truppe bzw. z.B. ihr besagtes „Idiopathic“ unbedingt kennen. Wer seinen Doom gerne auch mal mit Ausbrüchen ins richtig schnelle mag (vgl. Mistress, Soilent Green, d.usk/ d.isembowlment, Bongripper, …), ebenfalls. Wer dann gelegentlich ferner noch offen für epische Extreme (wie „Dopesmoker“, „Heliogabalus“, „Halls of Amenti“, „Eve“, „Viking Funeral“, oder das eine oder andere Corrupted-Werk, …), und auch mal einen Schuss industrialeskes bis hin zu völlig abdriftenden Noise-Experimenten (vgl. Melvins‘ „Colossus of Destiny“, Tribes of Neurot, …) ist, der könnte FISTULA vielleicht sogar lieben lernen.
Ihr Output ist mit diversen Splits und EPs außerdem näher an der Frequenz der Melvins, früher Noothgrush, Sloth, oder den hier zuletzt noch behandelten Thou, als an typischen „alle paar Jahre mal ein rundes Langspielalbum“-Bands.

Vielleicht werden sie im Zuge des aktuellen Doom/Sludge-Fahrtwinds bisher ja auch gerade deswegen nicht so wirklich breitenwirksam mitgewürdigt, weil sie ihre punkige Veröffentlichungspolitik schwer zu fassen macht, und mit den unorthodoxen Richtungswechseln samt Ausflügen ins eher unrockige, zusammen mit gewisser Nähe zum Grindcore-Sektor, für die oft eher Indierock-geprägten Peers von Kylesa, Torche, Deafheaven und co., sowie lederbejackte Kvlt-ElitistInnen - die gerade allesamt in Richtung Retrorock-Welle abziehen zu scheinen – alles etwas zu unsexy daherkommt. Würde ich jetzt jedenfalls einfach mal mutmaßen.
Alternative-affine Nerdmetaller mit Mut zur Hässlichkeit (also ich) und Verständnis für die Ästhetik des Imperfekten haben in FISTUILA damit dann allerdings auch ein wohlgehütetes me-gusta-Geheimnis, das wirklich einiges zu entdecken bietet, ohne dass die Gefahr besteht, das Ganze bald als den Visions-/ Pitchfork-/ Jan Wigger- Hype der Woche für die nächsten fünf Minuten durchgereicht zu sehen. Und das ist auch mal was wert. 

Donnerstag, 14. Juni 2012

Thou und so

Eigentlich ist es ein ziemliches Unding, dass ich THOU hier bisher noch nicht wirklich thematisiert habe. Denn die sind eine ziemlich essenzielle Angelegenheit.
In Attitüde, Auftreten, Veröffentlichungspolitik und Tourverhalten sind THOU der Inbegriff einer DIY-Hardcore-Band alter Schule. Dabei dann aber doch so zeitgemäß, ihre in beachtlicher Release-Frequenz (alleine irgendwas um die 12 Split-Singles, EPs und Alben in den letzten 2-3 Jahren), ebenfalls auf Tonträger und dabei auch immer wieder mal wiederveröffentlichte Musik komplett umsonst ins Netz zu stellen. Das wiederum auf einer ziemlich altbackenen Homepage (noladiy.org/thou.html, bzw. noladiy.org/thoupast.html), und ohne irgendwelche zusätzliche Social Media-Selbstdarstellung.
Musikalisch wiederum passen sie am ehesten in die aktuell angesagte „Doom/ Sludge/ (Post-) Metal“-Ecke - was für Leute aus Lousiana, die Bands wie Eyehategod, Crowbar und Soilent Green somit mutmaßlich quasi täglich vor der Nase hatten, ja nicht verwundert - akzentuiert durch einen Hauch Postrock oder Drone hier, einer hardcoreigen Knüppelnummer dort, und abgerundet durch die perfekte Balance aus dichter Atmosphäre, schmutzigem Sound, und ungebremster Aggression. Neurosis, Rwake, Ramesses, Eyehategod, Iron Monkey, Amenra, B.son – irgendwo dazwischen.
Ergo: Ein so sympathisch-punkiges Gesamtpaket mit Melvins-artiger Dauervollbedienung und zeitlos am Zeitgeist lärmender, heftiger Musik von durchaus höherer Qualität hat man wirklich selten.

Am gleichen Abend wie das EM-Spiel Deutschland - Niederlande (drauf geschissen!), bzw. Sacred Reich im benachbarten Bochum (kann ich dann auch mal verschmerzen, zumal ich die Band in den letzten Jahren schon drei mal live genießen durfte), sah ich im Essener Emokeller THOU nun auch endlich mal in Action.

Erst mal allerdings die Münsteraner RESURRECTIONISTS, die nicht nur eine halbe Stunde nach dem offiziell angekündigten Beginn, sondern auch noch gleich ein Eck später als der  inoffiziell angedachte Start loslegten. Das dann auch noch in einer reduzierten Light-Version ohne zweite Schreierin, und nur mal eben kurz und schmerzvoll eine Viertelstunde lang. Aber der eher an der screamocoreigen Seite des Genres entlang blastende Grindcore der Truppe macht Spaß. Für Deutschland steht es in Osteuropa derweil 2:0.

Als danach die niederländischen GRINDING HALT, ebenfalls für nur knackige zwanzig Minuten, das Feld übernehmen, schießt Oranje in der EM glatt noch ein Tor. Zufall? Wohl kaum. GH’s Beneluxcore ist einen Ticken martialischer und einen Ticken Groove-betonter als das Inferno der Münsteraner, durchaus mit ein paar netten Ideen gespickt, wirkt aber irgendwie hier und da noch etwas unfertig. Kann, muss aber nicht.

Bei THOU fragte man sich danach dann erst mal, ob die Jungs nicht den nächsten Morgen zurück in die High School müssen. Meine Güte, sind die noch jung für eine Band, die schon so „weit“ ist. Auch hier hielt sich die Spielzeit in Grenzen (irgendwas kurz vor elf waren wir aus dem Laden raus, einen mehr hätten sie dann ja doch ruhig noch gekonnt), aber das Gebotene überzeugte voll und ganz, in punkto Sound, Groove, Spielfreude, Auftreten und so weiter. Überhaupt ist ja diese etwas hardcoreig ausgerichtete Sludge-Mucke der Amis genau mein Ding. Weswegen sie gerne mal wiederkommen dürfen, und dann auch bitte doppelt so lange spielen.

Mittwoch, 13. Juni 2012

CM - Do It Yourself: Die Geschichte eines Labels

Und noch ein Buch-Review:
Eigentlich wollte ich es mir aufgrund „geographischer und psychologischer Nähe“, sowie persönlicher Bekanntschaft zu einigen direkt Beteiligten ursprünglich ja sparen, dieses Machwerk öffentlich zu kommentieren, aber ich kann halt mal wieder meine gelangweilte Fresse nicht halten, und muss daher dem Zwang folgen, der Schlauste im Internet sein zu wollen …
Nach der vor undifferenziertem Lokalpatriotismus und uninteressanten Fakten nur so triefenden Veröffentlichung „Kumpels in Kutten: Heavy Metal im Ruhrgebiet“ der Herren Schmenk/ Krumm (nebenbei: einst wurde ich Zeuge einer gähnend drögen Lesung der beiden, die kaum auszuhalten war), hat Christian Krumm („Dr. Phil., Historiker“) nun jedenfalls über den Schmenk-Verlag mit „Century Media: Do It Yourself - Die Geschichte eines Labels“ auch noch detailliert die Historie der bekannten Metal-Plattenfirma aus Dortmund in Buchform aufgearbeitet.
Nothing wrong with that, hätte er dabei nicht so ca. alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.
U.a. weil ich eigentlich annahm, dass einem als Akademiker ausreichend eingeprügelt wurde, auf die Form zu achten? Nun, von irgendeiner Form kann bei diesen vage chronologisch aber äußerst konzeptlos zusammengekackten Texten mit ein paar groben Zwischenüberschriften keine Rede sein.
Und nicht nur skurrile Fehler, wie einer männlichen Person im Nebensatz ein weibliches Pronomen zu verpassen, runden diesen schludrigen Eindruck ab, sondern ferner auch noch die mindere Qualität der Bebilderung. Auf einigen der dunklen s/w-Fotos ist nicht wirklich irgendwas zu erkennen. Sorry, aber so kann man das doch wirklich nicht verkaufen.
Was den Inhalt betrifft, fällt es mir schwer, die gesammelten Zitate diverser Bandmitglieder und Firmenmitarbeiter irgendwie zu werten, aber dass z.B. Differenzen, die es mit Bands wie Nevermore oder Samael durchaus gab, nur diplomatisch abhakend gestreift werden, ist schon irgendwie schade. Und dass ich bei Referaten über stimmige Selbstpräsentationen junger Bands und dergleichen schon mal die Pimpernellen kriegen kann, ist wohl erst mal mein persönliches, naiv-idealistisches Ding, als dass man da Autor/ Label einen Strick raus drehen sollte.
Dennoch. Dieses Buch wirkt derart dilettantisch und unprofessionell zusammengeschustert, dass es in keinem Verhältnis zur heutigen Größe der darin protraitierten Firma steht. Und mir soll bitte niemand erzählen, dass es dadurch, wie die Anfänge des Labels, einen punkigen Charme oder sowas an sich haben soll, denn ~18€ sind für ein so dahingerotztes Amateurbüchlein wirklich zu viel.
Wie meine Religionslehrerin in der 11. Klasse einst unter eine meiner Arbeiten schrieb: „So nicht!

Dienstag, 12. Juni 2012

I'm in the Band: Backstage Notes from the Chick in White Zombie

Buch-Review:

Ursprünglich mal Exoten auf der Durchreise in New York City‘s 80er-Noiserock-Szene gewesen, meinte es das Schicksal gut mit WHITE ZOMBIE, als sie in den 90ern zu Superstars des großen Alternative-/ Metal-Zirkus jener Ära wurden.
MTV-Airplay ohne Ende und Touren mit Bands wie Pantera, Kyuss, Megadeth, Anthrax, oder Danzig machten sie einem breiten Publikum zugänglich, das die ungewöhnliche Mischung aus satten Bratriffs, grooveigen Rhythmen, und Entertainmentvollprogramm-Spirit mit einem aus alten Horrorfilmen, knallbunten Comics, und ähnlichem Popkultur-Trash zusammengebastelten Image wohlwollend aufnahm. WHITE ZOMBIE waren als moderne Version von Kiss oder Alice Cooper ein Unikum.
Und noch bis heute wird in einigen Rockclubs zu den Hits „Thunder Kiss ‘65“ (vom 92er Album „La Sexorcisto: Devil Music, Vol. 1“) und „More Human Than Human“ (von „Astro-Creep: 2000“, 1995) getanzt.

Was dabei manchmal fast unterging, bei anderen Gelegenheiten aber schon wieder zu sehr in der Vordergrund gestellt wurde, war die Tatsache, dass Bassistin Sean Yseult – partielle Weggefährten wie Sonic Youth und L7 hin oder her – die einzige Frau auf den Bühnen der Metal-„Wurstparties“ war.

Mit „I’m in the Band“ hat Sean ihr Familienalbum geöffnet. Das Buch ist eine Zusammenstellung aus Schnappschüssen, handschriftlichen Notizen von damals, sowie rückblickenden Anmerkungen und Anekdoten, welche die Geschichte der Band und ihrer Weggefährten aus der persönlichen Perspektive der Bassistin aufarbeiten.
Dabei kommt, sowohl die Karriere der Band (interessant, wirklich!), als auch privates betreffend (wusstet Ihr, dass Sean mal mit Dave Wyndorf liiert war, und außerdem von Al Jourgensen umgarnt wurde?), ferner an persönlichen Randnotizen (bei dem, was Yseult so über Dimebag Darrell zu sagen hat, können einem Tränen der Rührung kommen), so einiges zutage, das die damalige Comicfreakshow-Band retrospektiv noch mal von innen heraus beleichtet.
Sean wäscht dabei keine schmutzige Wäsche und bleibt oft diplomatisch, nimmt aber trotzdem kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die etwas unschöneren Dinge des Rockstartums beim Namen zu nennen.

„I'm in the Band (Backstage Notes from the Chick in White Zombie)“ ist zwar keine umfassende Autobiographie, und auch eine Sammlung hochwertiger Fotokunst, trifft allerdings mit diesem etwas formlosen und anekdotischen Familienalbum-Stil eine Kerbe, die daraus etwas persönliches anstatt nur ein distanziertes Produkt macht.
Und schon allein als ein Stück 90er-Historie lohnt es sich allemal, sich dieses breitformatige Schmuckstück ins Regal zu stellen und gelegentlich mit diesem seligen „those were the days“-Gesichtsausdruck zur Hand zu nehmen.

Einige Kostproben dazu findet man unter: seanyseult.com/the-book/

Montag, 11. Juni 2012

The Melvins (aka Melvins Lite) – Freak Puke

In der nicht erstmaligen Besetzung Osbourne/ Crover/ Dunn nennen sich die MELVINS als Nebeninkarnation ihrer selbst nun auch schon mal MELVINS LITE und veröffentlichen mit „Freak Puke“ zwischendurch mal eben ein Album, das etwas anders klingt als die letzten drei (plus Live-Album, plus Gratisdownload-EP, plus irgendwelcher AmRep-Releases, …) unter Mitwirkung des hier mal aussetzenden Big Business-Duos Warren/ Willis.
Wobei die einzige wirkliche Änderung dabei eigentlich ist, dass sie nach dem doch sehr Song-orientiertem Kram mit dickeirigen Powersound der letzten sechs Jahre hier nun mal wieder, etwas luftiger klingend, mehr Experiment und Dadaismus zulassen, was im Melvins-Kosmos dann ja wiederum auch nichts nennenswert neues ist.

Wenn sie sich hier also gerade mal nicht in Hardrock mit Kiss-Kante ergehen, und auch diese Seite kennt und liebt man an ihnen, dann darf es neben der mit satten Riffs kräftiger rockenden, und der entspannt bluesigen Nummer, sowie gelegentlich dezent jazzigem Flair, auch schon mal Zwischengeplänkel in Form von dahingerotztem Krach sein. Für letzteres zeigt sich dann u.a. Teilzeitmitglied Trevor Dunn (Mr. Bungle, Fantômas, …) mit Bogen am Kontrabass zuständig, was hier generell ungewohnte Akzente setzt.

Um es kurz zu machen - schlussendlich verhält es sich mit dem aktuellen „Freak Puke“ der Melvins Lite wie mit nicht wenigen MELVINS-Veröffentlichungen: Entweder, man ist der Band grundsätzlich so zugeneigt, dass man auch dieses Album so oder so braucht, oder man ist zu wenig Fanboy, um sich wirklich jede ihrer Groß-/Untanten ins Regal stellen zu müssen, und dann kann man dieses Album meinetwegen auch gerne den tendenziell verzichtbareren zuordnen. Es liegt daher eher an einem selbst, als an diesem weder dringlichst essenziellem, noch irgendwie nur mittelmäßigem oder gar minderwertigem Release. Und da ich diesbezüglich dann ja doch von mittig dazwischen aus eher zu ersterem als zum zweiten neige, empfinde ich persönlich auch „Freak Puke“ (natürlich) mal wieder als recht kurzweilige Angelegenheit.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Yog - Half the Sky

Auf YOG hatte ich zwischen Tür und Angel bereits hingewiesen, und nachdem ich mir das Ganze auf ihrer Bandcamp-Seite dann noch ein paar mal zu Gemüte geführt und daraufhin gar käuflich erworben habe, möchte ich dieser Band doch noch mal explizit einen Einzelpost widmen.
Denn der Teil der Schweizer Szene, dem wir von Bands wie  Nostromo, shora, Knut, Unfold, Vancouver, Mumakil, Impure Wilhelmina oder Rorcal schon das eine oder andere sehr großartige zu verdanken haben, hat mit YOG eine weitere Perle zu bieten, die außerhalb dieses Zirkels bisher mal wieder viel zu wenig Beachtung bekommt.

Das, was ich an ihrem aktuellen Album „Half the Sky“ dabei irgendwie so sympathisch finde, ist paradoxerweise gerade ein gewisses Understatement, sprich das unspektakuläre an ihnen.
YOG zelebrieren eine Math-/Grind-/Hardcore-Mixtur, die man wohl auch schon wilder und krasser gehört hat, was aber nicht heißt, dass ihre fad ist, sondern lediglich nicht überwürzt.
Sie biedern sich kein Stück an deathmetallischen Gefilden an, sie bemühen keine zusätzlichen Noise-Gimmicks, sie drehen nicht bis ins nur noch übertrieben krampfig-verfrickelte auf, sie geben kein Dauervollgas bis zum epileptischen Anfall bei Lichtgeschwindigkeit, und sie brauchen ferner auch keine plakativen Einschübe aus anderen Musikgenres.
Sie beschwören weder als Düstermänner die Apokalypse herauf, noch übertreiben sie es mit humorigem Augenzwinkern, und vom stumpfen Kampfsportcoreler-Image halten sie sich auch fern.

Sie versuchen schlichtweg nicht noch mehr zu sein, als sie sind. Und diese unprätentiöse „Boys next door“-Devise geht in der Musik voll auf. Das ist Punk, das ist Hardcore, das ist Alternative im ursprünglichen Sinne, und das hat man in einem so konsequenten und authentischen Maße bei derartiger Musik über die letzten Jahre eher selten mal so gehabt.
Und irgendwie sind sie damit dann unter der prügelnd verteidigten Oberfläche näher an sowas wie Helmet unterwegs, als an den vielleicht doch einen Tick zu ambitioniert zu Werke gehenden und auch ein bisschen um die Pose bemühten Converge und Dillinger Escape Plan, wenn Ihr versteht, was ich meine.
Schönes Dingen!

Label-Link: http://divisionrecords.bigcartel.com/product/yog-half-the-sky

Dienstag, 5. Juni 2012

Phobia - Remnants of Filth

Erwähne ich nicht zum ersten mal, aber ich halte PHOBIA's „Cruel“ für eines der besten Grindcore-Alben der letzten (inzwischen ja bereits 6-7) Jahre. 21 mitunter clever arrangierte Songs, hoher Abwechslungsreichtum, große Hitdichte – es stimmt einfach alles (woran auch die noch etwas ausbaufähige Produktion nichts ändert). Ich kann das Teil aufgrund der begeisterten Dauerrotation damals noch heute von vorne bis hinten auswendig mitgrölen und airdrummen.
Das 2008er „22 Random Acts of Violence“ war auch cool, erreichte trotz einiger Knaller und verhältnismäßig besserem Sound als Gesamtpaket aber nicht ganz das gleiche Niveau. Bei „Unrelenting“, das sich vor zwei Jahren vor allem durch sehr kurze Songs auszeichnete (Durschnittssonglänge sogar näher an der halben als an der ganzen Minute), hatte ich allerdings irgendwie nicht so richtig Bock drauf.

Lang ist auch das neue Album der US-Urgesteine wieder nicht ausgefallen. Die 18 Tracks bleiben zusammen knapp unter 20 Minuten. An den BPM-Zahlen gemessen geht das aber wohl in Ordnung.

Beim ersten Anlauf des Openers ‘Assertion To Demean‘ war ich mir dabei zunächst noch unschlüssig, zumal die, im Gegensatz zu den ganzen Deathgrindern da draußen, eigentlich deutlich den Crustpunk- und Hardcore-Wurzeln des Grindcores die Treue haltende Band sich hier bulldoggiger denn je präsentiert, aber auf der Hälfte des zweiten kompletten Albumdurchlaufs hatten sie mich dann doch mal wieder.
Der Clou an PHOBIA ist auch hier wiederholt: Bei allem Highspeed-Blastbeat-Wahnsinn, bei allem Gebrüll und Geschrei, bei allem infernalischen Gitarrengeschredder, und bei allen durchaus vorhersehbaren Baukastenversatzstücken schreibt diese Truppe aus Orange County dabei dann auch noch richtig gute Songs mit stilistischem Variationsreichtum, anstatt wie andere Genre-Kollegen immer nur mit der gleichen Gangart durch die Botanik zu presslufthämmern.
So gibt es
auch hier mal wieder die lässig rock’n’rollig angehauchte Nummer, das auffallend metallischer bollernde Stück, und den etwas modern-atmosphärisch anmutenden Song, was inzwischen alles genauso zu PHOBIA’s Signature-Style gehört, wie die hardcorepunkig auf den Punkt gebrachten Kurzattacken.

Napalm Death mögen die Godfathers of Grind und die besten in ihrer deathmetallischen Ecke sein, Brutal Truth und Pig Destroyer (dessen Scott Hull „Remnants of Filth“ übrigens produziert und gemischt hat) mögen Kaputtheit und Eigensinnigkeit auf die Spitze getrieben haben, Nasum (R.I.P.) und Rotten Sound mögen das Machbare an straight-tightem Lichtgeschwindigkeitsextrem ausgelotet haben, weitere Bands mögen unfassbar brutaler und/ oder technisch versierter sein, das alles steht völlig außer Frage, aber wenn es wirklich um klassischen Grindcore in Reinform geht, dann ist diese seit 1990 (!) existente Band nach wie vor die unbestreitbare No. 1!
Und angeblich kommt sie bald auf die erste Europatour seit Ewigkeiten, was man sich dann nicht entgehen lassen sollte, denn wer weiß, wie lange es bis zum nächsten mal dann wieder dauert …

PS: Angeblich gibt es „Remnants of Filth“ auch irgendwo im Netz als Komplettstream, aber ich find‘s nicht …

Freitag, 1. Juni 2012

Fundstück

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wer der Urheber dieses Cartoons ist, aber ich musste ihn unbedingt mit Euch teilen: 

Jex Thoth zum zweiten

Wer mich und meinen Musikgeschmack ein bisschen kennt weiß, dass man mir mit 1.) deutlich retrospektiv ausgerichtetem und 2.) übermäßige Düster-Theatralik o.ä. bemühendem nur dann ankommen darf, wenn das restliche Gesamtpaket dazu stimmig und die Musik dafür noch interessant und mitreißend genug ist.
JEX THOTH ist so ein Ding, bei dem der Rest so stimmt, dass mich das Ganze begeistert. Im gerade als kleine Teilwelle einer größeren wahrgenommenen „(Female Fronted) Occult Rock/ Retro-Psychedelic/ Old School Doom“-Genredickicht  können, wenn es nach mir geht, alle wieder gehen, solange JEX THOTH bleibt (okay, The Wounded Kings meinetwegen auch noch).
Denn im Gegensatz zu anderen Mitstreiterinnen um den Pokal des betörendsten Rock-Rituals, überzeugen Frontdame Jex und ihre Band mit einer starken, tollen Singstimme (im Gegensatz zu etwa Blood Ceremony), die durchaus die eine oder andere hitverdächtige Melodie schmettert, im Rahmen von Songmaterial, das mit gewissen Ecken und Kanten dann doch daran vorbeischlenkert, einfach nur als prätentiös im Altherrenrock-Gewandt verkleideter Pop anzumuten (im Gegensatz zu etwa The Devil’s Blood).
Die Live-Darbietung des Ganzen entbehrt dann ferner nicht einer gewissen Exzentrik; das allerdings wiederum auf eine sympathisch-erdige, etwas krude Art und Weise, als auf eine einfach nur alberne (und noch mal: im Gegensatz zu The Devil’s Blood).

Weswegen ich mir JEX THOTH auch nach einem weniger als eine Woche zurückliegendem Auftritt beim Rock Hard Festival, wo sie etwas deplatziert wirkte(n), gerne noch mal im gut passenden Ambiente des Oberhausener Kulttempels gab.
Dort angekommen erfahren wir, dass die Vorband ausfällt, der Hauptact dafür aber umso länger spielen soll. Aha. Naja, länger wurd‘s tatsächlich, aber nicht so, wie man es gerne hätte.
Unter der Woche bei einem im Internet ausgeschriebenen Einlass von 19:00 und Beginn von 20:00 um 20:45 gerade mal einen entspannten und ausgiebigsten Soundcheck zu starten, inkl. penibelster Schlagzeugabnahme und „warum funktioniert denn das Mikro nicht? Das müssen wir jetzt erst noch mal eine halbe Stunde ausprobieren…“, nach dem die Band dann erst noch mal geschlossen abhaut, um erst 21:45 die Show zu beginnen, das grenzt schon an eine dreiste Frechheit.
Noch frecher ist, nach einer eh schon späten Show, gar erst nach dessen Ende überhaupt anzufangen, Merchandise aus Kartons zu holen, an die Wand zu hängen, und zum Erwerb feilzubieten, während die Leute schon ungeduldig werden.
Wenn die Band für letzteres tatsächlich niemand anderen mit dabeihatte, okay, geht dann wohl nicht anders, aber auch im Stoner-affinen Bereich könnte man den Abend im Zucht und Ordnung liebenden Doitschländ etwas zackiger gestalten, als ich es am vergangenen erlebt habe …

Anyway, das Konzert selbst versöhnte natürlich. Und das, obwohl, sogar im Gegensatz zum natürlich etwas knapperen Festival-Gig letzten Freitag dieses mal mein Lieblingssong (Warrior Woman) fehlte, den mir der Zugabenblock schuldig blieb. Verschmerzen kann ich es deswegen, weil die eine Nummer, die ich total doof finde, dafür auch ausblieb (When The Raven Calls mit diesem unerträglichen Walzer-Beat), und „Nothing Left To Die“, „Seperated at Birth“ oder „Son of Yule“ betörend genug sind, um nicht auf den einen Hit bestehen zu wollen.

Der mit zwei Gitarren und ohne Orgel derzeit deutlicher in Richtung Doom Metal als zum Psychedelic Rock neigende Sound der Band kommt derweil satt und druckvoll.
Die gute Jex gibt dazu mal wieder alles, macht ihre seltsamen Verrenkungen und wirren Ausdruckstänze, zieht den Umhang aus und wieder an und wieder aus, veranstaltet irgendwas mit einem glimmenden Stück Weihrauch(?) am Messer, geht in schwer doomigem Kram wie „Stone Evil“ oder „Slow Rewind“ gar völlig auf, isst auf der Bühne Radischen (?!?!?!), verteilt welche an die erste Reihe und bewirft mich mit einer, und kommt wie gewohnt schon mal etwas neben der Spur rüber.

Womit wir bei der weiter oben erwähnten Exzentrik wären, die einen schon mal zum irritiert-amüsierten Schmunzeln bringt, die Sängerin und ihre pastorale Darbietung jedoch, wie ebenfalls bereits erwähnt, aufgrund einer sehr positiven Aura dabei eher ins sympathische rückt (im Gegensatz zu - aller guten Dinge sind drei - furchtbar satanischen HolländerInnen mit Blutsudeloutfit und Salzsäulenstarre als Showeffekt, deren allgemeine Lobpreisung kaum noch erträglich und tragbar ist).
Die Hohepriesterin der Herzen …

(Foto-Credit: El Lukerino)