Mittwoch, 30. Mai 2012

Rundumschlag: Retox, Rising, Yog, POG, GCS

Hier ein paar Hinweise auf bisher durchs Raster gefallene Bands, die ich hiermit quasi auf meine eigene „sollte man sich zeitnah vielleicht doch mal zulegen, ich hab‘ aber gerade keine Zeit dafür, die jetzt auch noch in die Dauerrotation zu nehmen, #firstworldproblems“-Liste schreibe.

RETOX
Mit einer Spermie(?) auf dem Cover veröffentlichten RETOX (mit Junstin Pearson von The Locust) letzten Spätsommer das Album „Ugly Animals“ über Ipecac Recordings. Geboten wurde erwartungsgemäß souveränes Geprügel im Grind-/ Math-/ Rotzrauscore-Spannungfeld, das offensichtlich einen Tick zu derbe oder vielleicht auch einfach weder zeitgeistig noch angestaubt genug für ein Groß der Musikpresse und Blogosphäre ausgefallen war, denn irgendwie wurde das Teil trotz coolem Label und bekannter Mitwirkender in meiner Wahrnehmung kaum beachtet.

Facebook-Link: http://www.facebook.com/RETOXRULES


Zwei Videos folgen:



RISING
Eine Woche zu spät für den Hype? Oder vielleicht einfach nur zu europäisch? Ähnlich, wie man es in jüngerer Vergangenheit vor allem von diversen US-Bands mit mehr oder weniger klangvollem Namen gehört hat, vereinen RISING Sound und Stilmuster des Sludge’n‘Stoner-Biotops mit Einflüssen der alten Metal-Schule (Lizzy, Maiden, Priest, tallica, …). „To Solemn Ash“ kam letzten Herbst über das von mir eigentlich hochgeschätzte Label Exile on Mainstream raus, und vor zwei Monaten spielte die Band sogar noch in der Gegend, aber bis gerade eben waren die Dänen auch an mir völlig vorbeigegangen, warum auch immer. Zwar sind sie, wie gesagt, mit dieser Nummer jetzt gerade irgendwie fünf Minuten zu spät dran, weitaus spannender als etwa Burden aber allemal, zumal das Übertragen von totalem Old School Feeling (Melodieführungen etc.) in einen aktuelleren Sound mit gelegentlichen Monstergrooveriffs schon recht gelungen ist.
Anhänger von Mastodon, Baroness, Torche, Cavity, Kylesa, Hull, Red Fang, Black Tusk, Melvins, Big Business, High on Fire, Saviours, The Sword, Lair Of The Minotaur, Priestess, Early Man, Grand Magus, Motörhead, und vielleicht sogar von sowas wie Rage, könnten hier ganz gut aufgehoben sein.

Bandcamp-Link: http://rising.bandcamp.com/


YOG
Division Records zum ersten, Schreikrampfcore zum zweiten: YOG sind nach Eigeneinschätzung schon seit zehn Jahren eine Mathgrind-Kriegsmaschine. Davon kann man halten was man will, im Jahr 2012 ist das für Leute mit Distinktionsproblem aber schon wieder eher sexy als Newcomer, an denen "Doom" mit dransteht (if you know what I mean?!). Die Schweizer erfinden hier nichts neu, aber der von Death Metal-Elementen komplett freie und nie zu weit raus gehende Mix aus Blasts, Grooves, Frickeleien, Atonalitäten, der gelegentlichen rockigen Passage und HC-Geschrei hat schon einen Flavour, der nicht nur Freunden von Nostromo, Converge, DEP, Crowpath, Gaza, den o.g. Retox und The Locust gefallen dürfte. Was ich vom aktuellen Album „Half the Sky“ bisher so gehört habe, ist schon pretty, pretty, pretty good. Endlich mal wieder ein HC-schwerpünktiges Brett mit Köpfchen und unprätentiöser Frische, und das ohne zu breite Schultern!

Bandcamp-Link: http://yog666.bandcamp.com/


Auch hier ein Video dazu:



PROCESS OF GUILT

Division Records zum zweiten: Doomig schleppender, schwerer, atmosphärischer Post-Hardcore/ Sludge Metal, so Richtung Neurosis, Cult of Luna, Isis, Rwake, Amenra und so?  Ja, solche Bands schossen in den letzten Jahren so dermaßen wie Pilze aus dem Boden, dass ich mich für diese Eingangsfrage eigentlich schon selbst geißeln möchte. Aber das anzuhörende auf der Digitalstore-Seite der Band ist definitiv alles andere als unhörbar.

Link: http://digitalstore.processofguilt.com/album/faemin


GALAKTIK CANCER SQUAD
GCS ist ein Einmann-Projekt aus Hamburg, das sich vorwiegend instrumental zwischen sowas wie Progrock und sowas wie Post-Black Metal bewegt, für letzteres häufig aber doch zu undüster ist, und mich manchmal, fragt nicht warum, gar irgendwie an Gamesoundtrack-Gott Chris Hülsbeck erinnert. Und deswegen sage ich jetzt mal, dass es sich selbst, vielleicht auch gerade eben für die Leute lohnt in die Demos reinzuhören, die bei Begriffen wie Prog oder BM sonst eher reißaus nehmen. Denn dieses Projekt, mit dem zugegeben höchst beknackten Namen, hat definitiv seinen ganz besonderen Charme!

Bandcamp: http://galaktikcancersquad.bandcamp.com/

SOM 2012

Anstatt weiterhin einfach nur so zu tun, als hättet Ihr einen guten Musikgeschmack und Ahnung von irgendwas, anstatt immer nur bei den selben alten Sommer-Festivals aufzutauchen, wo Ihr neben den üblichen Groupiepunzen auf der Gästeliste steht, oder den Konzerten der Bands, bei denen man aktuell mitreden können muss, anstatt mit einer Smartphone-App der uninteressierten Welt ständig mitzuteilen, in welcher Szenekneipe Ihr gerade gesehen werden könnt, oder bei Facebook mittelmäßige Bands zu verlinken, die eh schon jeder kennt, anstatt also weiterhin ein totaler Nixblicker im Strom subkultureller Lemminge zu sein, stattdessen könntet Ihr auch einmal im Leben tatsächlich cool sein, und dieses Jahr mal zum SOUTH OF MAINSTREAM Festival kommen.
Dort spielt nämlich, neben Doom-Szenepapst WINO, mit der deutschen Dronesludge-Übermacht BLACK SHAPE OF NEXUS, den gerade bei Southern angekommen PLANKS, dem hier noch ein allerletztes mal auftretenden Postrock-Oberkult OSTINATO, der legendären Krachprog-Sensation STINKING LIZAVETA, den unfassbar spaßigen Weirdorockern BULBUL, u.a., eine Menge richtig, richtig geiler Scheiß in familiärer Atmosphäre fernab ballermanniger Massenkirmes. Hier gehen nur die besten hin, und keine schlechten. Kapiert?
Weitere Infos: South of Mainstream 2012.

Dienstag, 29. Mai 2012

Ein paar Highlights…

… hat die aktuelle Ausgabe (#301) des RockHard-Magazins dann im Übrigen doch mal wieder zu bieten.
So schmunzelte beim lustlosen Durchblättern der Lektüre u.a. über folgendes:

- PRONG-Mastermind/ MINISTRY-Mitmacher Tommy Victor haut im Interview ungeniert die Info raus, dass es Ministry deswegen wieder gibt, weil Al sonst die Kohle ausgeht. Auch ansonsten kommt sein Ton zu Al’s Auszeit und seiner Beteiligung am neuen Album eher etwas lästerlich und wenig verbunden rüber. Sachen gibt’s …

- Dem persönlich hochgeschätzten RH-Autoren JJ gelingt ein kleines Meisterstück, die Frontdame von HUNTRESS, deren Werdegang von Playboyblankzieherin/ DJane/ C-Promi-Society-Groupie zur total heidnischen True Metal-Sängerin nun mal auch wirklich etwas seltsam anmutet, als dümmlich kichernde Phrasendrescherin bloßzustellen, anstatt sie (O-Ton) „wegen der ansehnlichen Silikontüten“ wohlwollend durchzuwinken. Finde ich super, dass der „Sex sells“-Overkill dieser Band somit auch ein bisschen aufs Korn genommen, anstatt humor- und kritiklos goutiert wird.


- Mille, nun ja der ist halt Mille. Es mag eine Alterssache sein, aber wenn der gute Herr Petrozza mit ordentlich Pott-Lokalkolorit, das aber natürlich mit leichtem Punk-Twist,  als der Dichter und Denker der Metal-Szene inszeniert wird, entbehrt das meiner Meinung nach nicht einer gewissen unfreiwilligen Ironie. No offense, aber naja. Bei solchen Artikeln hat man manchmal das Gefühl, dass sich die Welt schon ein Stück weitergedreht hat, als Einige im eigenen Mikrokosmos mitbekommen wollen. Und dieses Piraten/Urheberrechte-Thema, zu dem jeder natürlich wieder mal nur eine ziemlich schwarzweiße Meinung hat, hängt mir inzwischen einfach nur noch zum Hals raus.  Immerhin, in diesem lichten Moment von wegen „dass Metal von außen auch belächelt wird, gehört halt mit dazu“  war dann doch der Blick über den Tellerrand und das gesunde Maß an Selbstreflektion vorhanden, das ich mir an solchen Stellen öfter mal wünschen würde.

Wölfe in Dortmund

Wie lange gehen WOLVES IN THE THRONE ROOM eigentlich noch auf Quasi-/Doch-nicht-so-wirklich-Abschiedstour? Schon im November in Köln dachte man, man sieht die Band zum letzten mal live. Das Dortmunder FZW war dann natürlich auch mal wieder randvoll besucht.  Die Band zieht auch hier Leute von unauffälligen Postrock-Freunden bis betrunkenen Abziehbildmetallern, von eigentlich nicht mehr zu jedem Scheiß rennenden, in die Jahre kommenden  Alternativ-/Extremmusikliebhaberhippies,  bis zu bei sowas sonst eher nicht gesichteten Visionsumfeld-Hipstern.  Kein Wunder, dass die Konsensblackmetaller bei so einer Nachfrage noch mal eine Extrarunde drehen. Auch Ihr Merchandiser ist verblüfft über den Andrang: „War in Dortmund gerade Zahltag, oder was ist los?“. Ja, die Ruhrpott-Crowd macht nicht nur trotz Festival in der Gegend die Hütte voll, sie ist auch noch äußerst einkaufsfreudig, was die Tonträger und Kleidungsstücke angeht.
Bei so viel Enthusiasmus und gemischter Tüte an Publikum ist man natürlich auch offen für eine mal wieder eher experimentell veranlagte Vorgruppe: Bei SUM OF R basst ein baseballbekappter Schmalhans immer wieder was in einen Loop, um dann an einem minimalen Schlagzeug mit virtueller Bassdrum eigenwillig dazu zu trommeln, während eine Gitarristen auch schon mal lauter aufdreht. Eigenwilligere Instrumental-Aufbauten, irgendwie geil, auch wenn sich die einzelnen Songs schon sehr ähnelten.  Aber nicht schlecht. Behalte ich mal im Auge.
WOLVES IN THE THRONE ROOM rahmen danach ihren Set mit dem Opener und dem Finale der aktuellen Scheibe ein, und spielen dazwischen quasi „Two Hunters“ fast komplett. Was mir ziemlich entgegen kommt, denn ‘Vastness and Sorrow‘ und ‘I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots‘ sind ohne Frage ihre besten Songs. Ein Song mehr als das hätte es zur Gesamtspiellänge ruhig sein dürfen, aber bei solch epischen Songlängen, einer derart gelungenen Performance und Bühnenatmosphäre, und einem so runden Set geht diese Stunde voll klar. Das war echt gut!

Der Rest des Abends verschwimmt in einer recht surrealen Aftershow-Party, an der sich auch zwei Wölfe beteiligen. Zu was die beiden so mitunter das Tanzbein geschwungen haben, darüber hüllen wir im Namen der Aufrechterhaltung von Trve Kvlt mal den pechschwarzen Mantel des Schweigens …

Rock Hard Freitag mit Jex Thoth

Leute, wie die Zeit vergeht. Dieses Jahr feierte das Rock Hard Festival im hübschen Gelsenkirchener Amphitheater bereits zehnjähriges. Das gibt zu denken.
Persönliche Gründe (eine Hochzeit am Samstag, und Sonntag wollte ich lieber zu Fuß zu Wolves In The Throne Room, anstatt für die W.a.s.p.-Halbplaybackshow noch mal die ÖVM-Odyssee zum Nordsternpark zu machen)  verhinderten dieses Jahr mal eine ganzheitliche Komplettanwesenheit, aber irgendwie war das alles andere als schlimm.
Meine Ankunft hatte ich extra so getimet, wie man neudeutsch sagt, dass ich meinen Headliner der Herzen, die Freitags als zweite aufspielenden JEX THOTH, auf jeden Fall sehe. 
Überraschenderweise lief die knackige Frontdame mit einer anderen Band als sonst auf: Keine Orgel, dafür einer zweiter Gitarrist, der teilweise die Orgelparts leaddudelt. Funktioniert gut. Am helligten Tage und in einem leicht ballermannigem Festivalrahmen wirkt der stimmungsvolle Doom Metal/ Psychedelic Rock, zu dem die gute Jex dann wieder mitunter recht exzentrische Verrenkungen macht, zwar irgendwie fast schon surreal-deplatziert, aber rundum schön war es trotzdem. Vor allem, weil ich als finalen Höhepunkt auch meinen Lieblingssong „Warrior Woman“ bekam.
Danach wollte der Zufall dann doch verhindern, dass ich einen geschätzten Musiker mit dem RockHard-Schreiber zusammenbringe, der ihn jüngst unfair verriss‘. Schade eigentlich, aber wer weiß, wo das noch geendet wäre …
Musikprogramm dann noch: KRISIUN darf man wohl schon als Death Metal-Urgestein bezeichnen, und wie immer war ihre Performance irgendwas zwischen „eigentlich ziemlich cool“ und „irgendwie auch schon wieder fast egal“. Dass man die Band in den letzten Jahren öfter mal gesehen hat, gibt ihnen wohl diesen Hauch von alltäglicher Beliebigkeit …
Und ich weiß nicht ob der Umstand, dass mir ein etwas bäuerlicher Hardrocker vorschwärmte, wie sehr KVELERTAK das beste, was ihm in den letzten zehn Jahren passiert ist sein sollen, mir sowas mitverleidet, aber irgendwie gingen mir die Norweger an diesem Tag leicht auf den Sack. Was im Club ganze drei mal (aller guten Dinge …) irgendwie noch Spaß machte, das wirkt auf der Bühne eines Open Airs nach ein bisschen zu viel. Ein bisschen zu viel Spaßbetonung, ein bisschen zu viel Pop-Appeal, ein bisschen zu viel Rock’n’Roll-Pose, an bisschen zu viel begeisterte Mädchen, ein bisschen zu viel klatscht alle mit. Jaja, es ist ein albern-elitärer Reflex, und dass KVELERTAK bei mir mehr so eine Sache für einen Sommer bleiben werden, das war mir auch vorher schon klar. Sie sind halt doch ein typisches „Onetrickpony“ …
Den freitäglichen Headliner TURBONEGRO, bekanntlich mit neuem Sänger, bekam ich nur mit einem Ohr und einem Auge mit, weil mich die Band nie groß interessierte. Das halb gesehene/gehörte ging aber wohl klar.

Die Heimreise gestaltete sich überraschenderweise verhältnismäßig nahtlos, was aufgrund des allgemein etwas durchwachsenen ÖVM-Konzepts im Pott durchaus positiv erwähnenswert ist.  Da ich Samstag einer angenehm entspannt-lockeren Trauungsfeierlichkeit in einem rheinischen Schützenheim bewohnte (dessen Bräutigam eigentlich im Rahmen dieser Blogseiten sogar erwähnenswert wäre, ich bin aber nur Musikklugscheißer und kein Gossipverwerter), verpasste ich leider den zweiten Festivaltag mit PSYCHOTIC WALTZ und BOLT THROWER, aber man kann nicht alles haben. 

Free Download: Profond Barathre & Rorcal & Malvoisie

Ich lasse das einfach mal ohne weiteren Kommentar für sich stehen:

3 bands, 3 tracks, 3 approaches. In the aim of creating something special (or uncreating for others), this collaborative work has been a very long process to visualize something more than just a gathering of songs with single identities. But rather to shape a story through 45 minutes of darkness, atmospheric, violent and hysterical waves of sound and screams. Opening with Profond Barathre, followed by Rorcal and finalized by Malvoisie. 3 chapters to be discovered in one straight listening.

Limited to 200 copies and released by our own through CALOFROR Records.
FULL STREAMING: http://soundcloud.com/blackistkrieg/sets/profond-barathre-rorcal
FREE DOWNLOAD: http://bit.ly/MUVf3d
BUY: http://www.rorcal.com/shop

Released by: Cal of Ror Records

Donnerstag, 24. Mai 2012

Philm - Harmonic

Zugegeben, auch wenn Ipecac Recordings obligatorischer Lieferant von Veröffentlichungen sind, in die man zumindest mal reinhören sollte: Würde eines der drei PHILM-Mitglieder nicht auf den Namen Dave Lombardo hören, bekäme dieses eh schon etwas ferner laufende Album vermutlich noch weitaus weniger Aufmerksamkeit.
Dabei ist Sänger und Gitarrist Gerry Nestler von der völlig unter dem Radar gebliebenen und nie richtig aus den Hufen gekommenen 90er-Sensation Civil Defiance jemand, bei dem Musikbesserwisser ausnahmsweise mal Recht hätten, würden sie hier die üblichen Vokabeln a la „schwer unterbewertet und sträflich wenig beachtet“ auspacken.

Der Vollständigkeit halber: Gemeinsame Sache machten beide, neben dieser schon ewig im Schwange befindlichen Kiste, außerdem auch schon mal bei ein paar Tracks der 2005er Lombardo/ DJ Spooky-Kooperation „Drums of Death“. Aber genug des Prahlens mit nutzlosem Wissen …

„Harmonic“ ist, wenn es nach mir geht, vor allem um 2-3 Songs zu lang. In ihrem Bestreben, was tranceiges, psychedelisches zu erschaffen, hätten die Herren Nestler, Lombardo und Basser Pancho Tomaselli (neuzeitlicher Mitmusiker bei der Funk-Legende War) die Anschlagzahl des einstündigen Albums auf etwas runterkürzen sollen, das in seiner Gesamtwirklung etwas runder und homogener kommt.
Aber das ist Beschweren auf hohem Niveau, denn ehrlich gesagt gefällt mir „Harmonic“ über weite Strecken ausgesprochen gut.
Was u.a. daran liegt, dass viele Nummern einen, im positiven Sinne, an 90ies-Alternative Metal und Noiserock erinnernden Vibe versprühen. Das hier ist was für Freunde von Helmet, Melvins, Therapy?, Barkmarket, Jane’s Addiction, The Jesus Lizard und vor allem auch den von mir so heißgeliebten Fudge Tunnel!


Nestler singt bis brüllt, ohne dass es nach einem aufgesetzten Wechselspiel klingt (wie es im Metal und –core heute so Gang und Gäbe ist), und schrubbt dabei einen ständigen Fluss an Gitarrenlärm raus, was – neben vereinzelten entspannten Momenten - einfach nur ungebremst nach vorne will, aber auch (Vorsicht, Floskel) atmosphärische Dichte aufbaut.
Als dilettantischer Hobby-Metalschlagzeuger liebe ich zudem Lombardo’s überholendes Sport-Drumming, das nicht selten ziemlich nach „so ähnlich würde ich das tatsächlich auch spielen, nur halt nicht ganz so wild“ klingt.

Zu den hektischen Noiserock-Eruptionen mit angenehm hohen Grad an Biss, Schmiss und Testikelgröße gesellen sich dann auch noch ruhigere Töne (teilweise in Form von Instrumentalnummern, teilweise aber auch mit Gesang, ein mal an der Grenze zum freejazzigen), bei denen sich PHILM dann wiederum ziemlich nah an Pink Floyd und King Crimson (meinetwegen auch frühe Dredg) bewegen.


Ein Gesamtpaket, das wie für mich gemacht scheint. Kein perfekter Instant-Klassiker für die Allgemeinheit, aber für mich etwas, das mit ziemlicher Sicherheit auch über diesen Sommer hinaus einer dieser spezialgeschmacklichen Faves mit besonderem Eigengenaroma bleiben wird, ohne dass es jemand anderen zu interessieren scheint …

PS: Hatte für einen Sekundenbruchteil überlegt, den auf der Hand liegenden „philmharmonisch“-Kalauer mit unterzubringen, es aber dann gelassen.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Prong und so

Altherrenband X spielt noch mal das um die bis über 15-20 Jahre alte Kultalbum Y ist ja so eine Sache, die ich in den meisten Fällen normalerweise eher belächle bis ablehne.  Und PRONG sind eine Band, bei der selbst ich als Riesenaltfan eingestehe, dass man das 2012 auch nicht mehr so unbedingt braucht.
Und auch wenn ihnen viele Metallmusikfreunde bescheinigen, dass ihr neues, stilistisch und produktionstechnisch sehr  trocken aufs wesentliche reduzierte (und daher irgendwie gleichermaßen sympathische wie unspektakuläre) Album „Carved Into Stone“ recht stark ist, spielen sie davon auf dieser Tour nur einen Song und stattdessen lieber das Metallica-meets-Killing Joke-Meisterwerk „Beg To Differ“ aus dem Jahr 1990 in Gänze und am Stück.  Ambivalente Sache, aber im Gegensatz zu anderen Havebeens, die schon mit derartigen Angeboten lockten (Helmet mit „Meantime“, Paradise Lost mit „Draconian Times“, Therapy? mit „Troublegum“,  Life Of Agony mit „River Runs Red“, Pro-Pain mit „Foul Taste Of Freedom“, Public Enemy mit „Fear Of A Black Planet“, …), ist Prong mit „Beg To Differ“ wohl genau das, wobei ich dann doch mal schwachwerde. Besonders, wenn es um die Ecke in Bochum-Langendreer ist, wo auch der Sound des eher ungeliebten Matrix-Clubs in letzter Zeit besser als früher ist.

Dort angekommen musste man gestern Abend allerdings erst mal eine nirgends angekündigte Vorband hinter sich bringen, dessen Basser noch im Stau steht. Die Truppe hieß, wenn ich das richtig mitbekommen habe, „Cold Black“, klang aber eher wie lauwarmes Beige. Uninspirierter, nichtssagender, provinziell anmutender 90er-Heavy Rock von Typen, die auch noch genau danach aussehen. Eine dieser typischen Bands, die nur von ihren Spießerkumpels aus Loyalität gut gefunden wird, und von Ahnungslosen, die sich im Moment so gerade eben genug unterhalten fühlten, einen emotionslosen Anstandsapplaus mit nach Hause nimmt. Laaaaaangweilig. Ich habe wirklich keine Geduld mehr für etwas so Unspannendes, und auch kein Interesse daran, derartige Überflüssigkeiten auf die „die geben sich voll Mühe“-Tour wohlwollend schönzureden. Hört auf mit dem Quatsch, Jungs! Ihr raubt alternden Musikgeschmackspolizisten wie mir kostbare Lebenszeit, die ich auch sinnvoller nutzen könnte. Ohne Euch wäre der Blogeintrag schon fertig!

Bei PRONG wusste man danach ja, was man bekommt. Los ging’s mit „For Dear Life“, und schon früh durfte man zu den Knallern „Beg To Differ“ und „Lost and Found“ das Tanzbeinchen schwingen. „Just the Same“ macht live eine Mordslaune, und das irgendwie zu eigen gemachte Chrome-Cover „Third From The Sun“ ist wie immer ein Höhepunkt.
Was als „zweites Set“ angekündigt war, entpuppt sich leidglich als Zugabenblock mit den Standards. Another Worldy Devise (geil!), Rude Awakening (nett), die Video-Single der aktuellen (kommt gut an!), Whose Fist  … (ganz schön schnell!), Snap Your Fingers … (klar), … auch hier keine großen Überraschungen.
Warum die Band zwischenzeitlich den Bassisten wechselt (erst der aktuelle von Crowbar, zum Schluss der ehemalige von Cradle of Filth), keine Ahnung.  Interessiert auch nicht wirklich.

Ob die VK 20/ AK 25 € (!) für diesen Abend gerechtfertigt waren, sei mal dahingestellt. Bei so einem Preis verwundert es auch nicht, dass die Matrix bei einer nicht so ganz zeitgemäßen Band unter der Woche eher nicht so gut gefüllt war.
Aber wer dabei war, fand es gut. Und das alleine zählt. Auch wenn sich so eine plakative Oldieparade für mich immer noch etwas seltsam anfühlt.

Dienstag, 22. Mai 2012

Ich kann es übrigens echt nicht fassen

dass man – und noch mal: ja, ich hasse es, das überhaupt zu schreiben - in „der Indiehipster-Blogosphäre“ derzeit auf einmal so drauf aus ist, an total kvltigem Metal teilhaben zu wollen, dass die sonst u.a. auch viel im mainstreamigen R&B-Bereich wühlenden Pitchfork Media, mit einem Review zum aktuellen Album der kanadischen REVENGE, inzwischen sogar streitbaren LoFi-Black Knatter-Metal für totale Nischenspezialisten auf den Teller kontemporär essenzieller Musiktipps legen. Erst Wigger’s Metal-Annäherungen im Spiegel bis zur monatlichen Kolumne mit inzwischen innerszenischer Beteiligung, sowie „der neue Metal“, den das Visions Magazin entdeckt zu haben meint, und jetzt auch noch das. Wir leben in seltsamen Zeiten, meine Freunde ...

Horseback - Half Blood

Ob es Alterherrenrockern, die sich in der Comfort Zone ihrer Glam- bis Thrash-Jugendikonen suhlen, gefällt oder nicht: Der aktuell im eigentlichen Sinne des Wortes progressive, weil neue Extreme erschließende Rand des Metals gehört kruden Klangkünstlern wie HORSEBACK. Natürlich wird manch einer fragen, und das auch nicht ganz zu Unrecht, was das denn hier noch mit "Metal" bzw. Rockmusik zu tun haben könnte, aber der u.a. durch Sunn o)))'sche Eskapaden erprobte "moderne Metal" im Visions-Sinne streift inzwischen nun mal tatsächlich Ecken, in denen auch Platz für Soundexperimentalisten wie Mamiffer, Locrian, Barn Owl, Menace Ruine, oder eben HORSEBACK ist, die mit eineinhalb Beinen eigentlich eher in Ambiet/ Drone/ Noise-Schubladen gehören.
So passt es auch ganz gut ins Bild, dass "Half Blood", wie schon der 2010er "Invisible Mountain", von den Spezialisten von Relapse Records rausgebracht wird, die zwischen diversen Ballerkapellen immer wieder mal ungewöhnliche Schätzchen aus dem totalen Nischenrand ziehen, die nicht gerade so wirklich jeder mag (ich ja in einigen Fällen auch schon mal eher nicht) …

Ein HORSEBACK-Album sezieren zu wollen ist jedenfalls müßig, denn ein wirklich gut beschreibender Oberbegriff für diese Fusion aus unaufdringlichen Rhythmusgrundgerüsten und fast blackmetallischem Geknurre im Hinter-, sowie raumfüllenden Psychedelic/ Ambient/ Drone-Aufbauten im Vordergrund, muss wohl nach wie vor erst noch gefunden werden. Mainman Jenks Miller webt dabei reine Klangteppiche genauso, wie anderes dann doch schon mal näher an (Psych-/ Kraut-/ Post-/ ...) Rock tönt, allerdings ohne die einmal eingeschlagene Spur dann auch nur im Ansatz mal zu verlassen.
Und das ist seltsam wie spannend, das lullt trotz seiner unterschwelligen Räudigkeit höchstsonor ein, das kann man genauso gut mal einfach nur im Hintergrund laufen lassen, wie es sich ebenfalls ganz bewusst richtig aufmerksam anzuhören, und das ist vor allem nach wie vor etwas anderes und eigenes, das man in genau dieser musikalischen Zusammensetzung, mit derart verschnürter Kompaktheit, exakt so derzeit auch wirklich nur von HORSEBACK kennt. Und genau das hört man sich dann auch einfach immer wieder gerne mal an, auch wenn man gar nicht so gut beziffern kann, warum eigentlich.

Montag, 21. Mai 2012

Black Shape Of Nexus - Negative Black

„b·son statt b·zum“ sagt ein Banner, das die Band selbst kürzlich im Netz verbreitete, und mich daran erinnerte, dass ich mir ihr neues, über Exile On Mainstream kommendes Album ja noch zulegen wollte, was ich schon wieder fast vergessen hatte...
BLACK SHAPE OF NEXUS alias B•SON sind schon länger so etwas wie Germany’s No. 1 in Sachen derbster moderner Doom. Schleppender, noisiger Dronesludge, der eine Geduldsprobe an der Grenze zur Antimusik sein kann. Ein Monster, das man ähnlich wie Switchblade, Khanate oder Monarch! primär schon eher für seine garantiert nicht für Jedermann zugängliche Konsequenz bewundert, als dass man sich das wirklich in wiederholter Dauerrotation anhören möchte.
Und man war gespannt, wie sich der Abgang vom fürs große Ganze wohl nicht ganz unwichtgen Basser/Co.-Vocalist Michael bei den Mannheimern auswirken wird. Die Antwort: Nun, wenn es nach mir geht, hat sich die Band u.U. aus der Gefahr der kreativen Sackgasse geholt. Denn vordergründig ist vor allem auffällig, dass B•SON auch mal verstärkt das Midtempo und verhältnismäßig abwechslungsreiches Songwriting mit rockigen Nuancen für sich entdeckt haben. Was nicht heißt, dass sie an Wucht, Brutalität und Zeitlupenpassagen eingebüßt haben. Ganz im Gegenteil - „Negative Black" ist nicht unbedingt eicht verdaulich, sondern ein mächtiger Zerstörer sondergleichen, aber für B•SON-Verhältnisse dabei eben ungewohnt Song-orientiert und eingängig.

Gleich als Opener bringen sie allerdings die Überspitzung von etwas, das sich Unsane mal in nur nicht ganz so krass erst als Schlussnummer getraut haben - 6 monotone Minuten Basslauf und Krach. Hat schon eher was von den Todd oder extrem-industrialmetallisch auf die Spitze getriebenen Butthole Surfers-Nervereien, als von üblichen Sludge-Verdächtigen.
'400H' tritt einen direkt danach als stampfend treibender Groover immer wieder in die Fresse, und '60 WV' hat mit seinem stonerrockigen Flow eigentlich schon was von Electric Wizard, Sleep, Iron Monkey oder Eyehategod (in den Momenten, in denen jene nicht rasanter prügeln, versteht sich).
Fast zwanzig Minuten dauert '10000 μF', welches anfangs von Tribal-Drumming getragen zunächst sowas wie der böse, deformierte, hässliche, lange Zeit im Keller eingesperrt vergessene große Bruder von Tool sein könnte.
'14d' erinnert inkl. lässiger Licks am meisten an traditionellen Doom Metal, wären da nicht diese Vocals. Bei denen sich Fronter Malte im Übrigen Mühe gibt, nicht immer nur die ganze Zeit das gleiche zu machen, sondern über Albumlänge immer wieder neue Tonlagen und Stile an Gebrüll, Gekeife, Gegröle, Geschrei und Geknurre findet.
'RMS' schlägt als Psychedelic-Instrumental mit latent orientalischem Flair zwar in keine originelle Kerbe, aber doch eine, die irgendwie einfach immer funktioniert, auch wenn es hier etwas deplatziert wirkt.
Die zweiundzwanzigminütige Schlussnummer fängt als SloMo-Doom an, wird im letzten Drittel aber noch richtig wild.

Abschließendes Statement: „Negative Black“ ist ziemlich super. Superer noch, als ich im Vorfeld gedacht, erwartet und gehofft hätte. Der Clou daran ist, dass die Mannheimer nicht zu sehr in die Kerben hauen, in denen von ihnen schon alles gesagt war, sondern im erweiterten Feld der moderneren und krasseren Doom Metal-Untersparten ihre eigene Nische besetzen, in der sie nicht nur die meiste Zeit das gleiche machen. Der hier gezeigte Abwechslungsreichtum steht B•SON so gut zu Gesicht, dass ich an diese Sammlung schmutzig-massiver Brocken, trotz (auch in Rahmen dieses Blogs) schon öfter mal heraufbeschworener Doom-/ Sludge-/ Post-Metal-Übersättigung, gerade eine ziemliche Freude habe. Eine Freude, die wohl auch mit einem Hauch von Masochismus einhergeht. Denn Lust auf ein paar Schmerzen und unterwürfiger Demut vor einer überwältigen Macht muss man – trotz aller neu erschlossenen Rockigkeit und Eingängigkeit, die Teile des Materials haben - hierfür schon mitbringen (und ja: Ohne Frage, es gibt weitaus krasseres, aber Kontext, Relation, usw.... ).

Sleep und so ...

Ein paar Worte zum vergangenen SLEEP-Konzert im Dortmund FZW: Zunächst mal den ausgestreckten Mittelfinger an die Veranstalter, die bei einem so horrend übertriebenen Eintrittspreis die Vorband schon vor der auf Website und so weiter angekündigten Anfangszeit auf die Bühne schicken. Auch wenn diese Bore of Light, pardon, A STORM OF LIGHT heißt, bzw. eigentlich Neurosis Light heißen müsste. Josh Graham‘s Baby erinnert nämlich inzwischen, gerade auch gesanglich, noch stärker an die letzten drei Alben der Herren Kelly, von Till und co., als sich die Band zuvor eh schon in die Vielzahl uninspirierter Postrock-meets-Gröldoom-Epigonen einreihte. ASOL sind an diesem Abend erträglich, aber wenn man ganz ehrlich ist, primär ja schon irgendwie nach wie vor ziemlich lahm.
SLEEP wiederum haben es sich zur Routine gemacht, mit 20 Min. des „Dopesmoker“-Epos zu eröffnen, mit noch mal 10 davon aufzuhören, und dazwischen ein paar Songs von „Holy Mountain“ und co. zum besten zu geben. Wenn es nach mir ginge, hätten sie auch einfach nur eine 2-Stunden-Version von „Dopesmoker“ spielen können, aber man kann nicht alles haben. Summa summarum ist der FZW-Gig natürlich nicht so ein Happening wie der Auftritt der Band beim diesjährigen Roadburn, aber irgendwie noch entspannter, vermutlich auf Seiten aller Beteiligter.
Hat Spaß gemacht!

Freitag, 18. Mai 2012

Ne, echt nicht, Jungs!

Schon diesen neuen CALLEJON-Videoclip gesehen, den RockHard, Visions und co. auf ihren Websites präsentieren? ACH DU MEINE FRESSE!!!

Der Reihe nach …
An 2-3 verschiedenen Stellen im bekanntlich nicht vergessenden Internet kann man u.U. noch alte Lobhudeleien von mir finden, als mich der „Fun Faktor“ von CALLEJON um 2005 rum mal angesteckt hatte.
In einer Ära von Stumpfbollo-Scheiße, At the Gates-Abziehbildern mit Schattenboxer-Fans, Discometallern und sich selbst zu ernst nehmenden Emocore-Kapellen, hatten CALLEJON in ihrem Gesamtpaket aus Irgendwascore und Maiden-Riffing mit deutschen Texten, sowie einem dazu passend spaßbetonten statt martialischem oder prätentiösem Auftreten, damals mal genau in eine Kerbe geschlagen, die zuvor noch unbesetzt gewesen und sympathisch war.  Sie versprühten Originalität und einen jugendlichen Charme, waren ein bisschen mehr Metal als Hardcore, dann aber wiederum ein bisschen mehr Konfettipunk als Metalcore, und somit sowas wie Caliban in gut und lustig. Die „Chronos“  EP und „Willkommen im Beerdigungscafé“ waren zwar nicht perfekt produziert, warfen aber ein paar Hits ab, und live machte das Ganze einfach Laune.
Kurz danach wurden die Rheinländer von Nuclear Blascht assimiliert und irgendwas fühlte sich schon bald nicht mehr richtig an. Selbst von früheren Weggefährten und befreundeten Bands (ich nenne natürlich keine Namen) kamen schon bald Kommentare wie „irgendwie ist das inzwischen nicht mehr so meins“ als CALLEJON sich selbst zu einem Modeding stilisierten, dessen ursprüngliche Unbekümmertheit sich nun bereits künstlich konserviert anfühlte.  Zwischen Comic-Image, zeitgenössischer Emodeathkindercore-Erscheinung (Ihr wisst schon, was ich meine ...) und irgendwie nicht mehr so wirklich frischer Musik, ist die Band donzdorfisiert in großen Schritten sowas ähnliches wie das geworden, zu dem ich sie anfangs eigentlich als Antithese wahrnehmen wollte.

Was einem dieses aktuelle Video „Porn from Spain 2“ dann auch noch mal richtig reinreibt. Okay, der Kalauertitel ist ganz witzig, aber dann auch noch plakativ der zweite Aufguss von einem vorangegangenen Hit? Wirklich?
Auf der Gästeliste:  Diese Kröte von den unerträglichen Madsen brüllt auch ein bisschen mit, einer von der völlig überschätzten Humorhiphop-Fraktion K.I.Z.  bringt als Höhepunkt ‘ne Rap-Einlage, und der sich nun mal wirklich für jeden Scheiß (ich sach nur Crosscut, Edguy, In Extremo …) hergebende Miland Petrozza klampft irgendwo im Hintergrund auch noch mit rum.
Die Musik: Eigentlich schon näher an Rammstein als an irgendwas anderem.
Das restliche Drumherum: Passend dazu ein Skaterampen-Partyvideo, wie man es eigentlich schon seit ca. ’94 nicht mehr so ironiefrei auf Hochglanz bringen darf.
Gesamtergebnis: Un-er-träg-lich. Selten eine derart gekünstelte, uninspirierte, trotz aller Grellheit ziemlich farblose, abturnende Kiste vorgesetzt bekommen.

Stellt sich mal wieder die Frage: Habe ich diese Jungs anfangs missverstanden oder haben sie tatsächlich schon früh irgendwann die falsche Abzweigung genommen? Oder bin ich einfach nur zu alt für so einen Quatsch und verstehe das daher nicht mehr?

Dienstag, 15. Mai 2012

Hull live@Glasslands

Während HULL in der – und ich hasse es, diesen Begriff überhaupt zu benutzen - „Hipster-Metal-Blogosphäre“, und vor allem in ihrer Heimat New York City bereits einen gewissen Heldenstatus erlangen konnten, scheint sich darüber hinaus nach wie vor niemand so wirklich für diese grandiose Kapelle zu interessieren. Daran wird sich vermutlich auch dadurch kurzfristig erst mal nichts ändern, dass der inzwischen doch recht legendäre Livefilmer „(((unartig)))“ die Band in der Brooklyner Glasslands Gallery (hey, da war ich auch schon mal!) eingefangen hat:

Hull - Brooklyn, Glasslands 12 May 2012 from (((unartig))) on Vimeo.

Montag, 14. Mai 2012

Noothgrush und so, Berlin ...

In letzter Zeit verweile ich ja auch schon mal öfter als sonst in der Hauptstadt. Wenn es sich mit einer bestechenden Kulturveranstaltung verbinden lässt, umso besser.
Lies es sich mal wieder, denn NOOTHGRUSH spielten einen ihrer ganz wenigen Europagigs dieser Saison in Berlin, während die Stadt gerade eine Invasion der BVB-Fans erlebte.

NOOTHGRUSH? Hier mal kurz die historische Aufarbeitung: In den 90ern war NOOTHGRUSH eine Band der bis heute stark inzestiösen aber hochkreativen Szene der Bay Area, die bekanntlich als Thrash Metal-Keimzelle Berühmtheit erlangte, darüber hinaus aber über die Jahr(zehnt)e vornehmlich auch von Neurosis bis Ludicra eine Menge experimentelles, atmosphärisches, doomiges, punk-metallisches usw. abwarf. NOOTHGRUSH brachten es auf dieser Spielwiese neben diversen Split- und Compilation-Releases nie auf ein reguläres Album, und waren über die 00er Jahren dann nicht mehr aktiv.
Musikalisch kultivierten sie allerdings ähnlich wie die Bostoner Grief einen Stil mit, der das schleppende Tempo, die massive Schwere, und dunkle Stimmung des Doom mit der unbekümmerten Imperfektion und rauen Hartkantigkeit des HC/ Crust samt entsprechender Attitüde kombinierte.
Mittlerweile auf einmal doch wieder aktiv, und wer weiß für wie lange, musste ich mir das unbedingt mal geben …

Wir kommen traditionell sehr spät am berüchtigten Köpi an, als der irgendwie mit Crowskin verbandelte Quasi-Lokalanheizer BAD LUCK RIDES ON WHEELS natürlich gerade erst zu schon recht fortgeschrittener Stunde losgelegt hat. Die (wenn ich das richtig aufgeschnappt habe) Rostocker rühren Sludge-Ingredienzien vom rockigen Stoner-Jam, über atmosphärisch-„postrockige“ Arrangements, bis zur derben Crustmetal-Kelle zusammen, was das große Ganze bei ihnen manchmal noch etwas unentschlossen und unausgegoren wirken lässt, aber für den Start in den Musikabend ist die Truppe, mit gutem Drummer und mäßigem Brüller, eine recht unterhaltsame Angelegenheit.

ALDEBARAN scheinen ganz schön angesagt zu sein, gemessen an dem, was die Band diesen Abend so an Merch absetzen kann. Auch wenn mich wundert, dass diese Truppe heute Abend an diesem Ort spielt, schließlich soll man ein Mitglied mit Burzum-Shirt gesehen haben.
ALDEBARAN sind ein doppelter Hingucker, weil hier der Schlagzeuger grunzt, und in der Mitte der Bühne eine ziemlich groß gewachsene, nicht gerade unattraktive Bassistin steht. Gibt dem Ganzen einen Bonus, den es für mich auch braucht, denn irgendwie finde ich die stark in Richtung Funeral Doom tendierende Mucke der Band auf Dauer dann ja doch einen Tick zu eintönig. Homogen, würde ein anderer sagen, aber irgendwann war dann auch mal gut, obwohl die Band längst noch nicht fertig war …

Man merkt NOOTHGRUSH an, dass es hier eine schon damals nicht gerade große Altherren/-damen-Combo noch mal wissen will, denn irgendwie hat ihr Headliner-Auftritt etwas sympathisch-chaotisches. Angefangen bei der Tatsache, dass man im Punkschuppen natürlich erst nach 01:00 Uhr auf die Bühne geht, und unterstrichen dadurch, dass Schlagzeugerin Chiyo Nukaga mitten im Gig drauf besteht, vom Sänger noch mal eben einen riesigen Stein vor die rutschende Bassdrum gewuchtet zu bekommen, und ferner zwischendurch auch mal eben ihr Hihat zum umfallen bringt. Problemchen, die auch der Verfasser dieser Zeilen als Hobbydrummer bestens kennt. Als dralle Powerdrummerin ist auch Chiyo natürlich ein ziemlicher Hingucker. Bei der früher mal als Trio agierenden Band ist inzwischen allerdings kein geringerer als Dino Sommese (Dystopia, Asunder, Ghoul … hat außerdem mal irgendwann irgendwie bei Phobia und auf dem Wolves In The Throne Room-Debüt mitgewirkt) als Frontmann mit dabeigenommen worden. Und der ist … nun ja, speziell. Nicht, dass das NOTHGRUSH-Material bei ihm nicht saß, und man ihm nicht abnahm, sich da tatsächlich auch wirklich reinzufühlen, ganz im Gegenteil. Aber sein wirklich albern aussehendes Nasenpiercing ist wohl das iTüpfelchen zu einer insgesamt sowieso schon etwas prollig-hampelmanniger Erscheinung, if you know what I mean. So hinterlässt gerade er noch einen latent ambivalenten Beigeschmack zu einem ansonsten durchaus mitreißenden Gig.
Um es erwähnt zu haben: Bei Shirtpreisen von 6 (in Worten: Sechs!) Euro sollte man außerdem mal nicht meckern.

Cool, die mal gesehen zu haben!

Mares of Thrace - The Pilgrimage

Irgendwie verwundert es mich dann ja doch so ein bisschen, dass ich mir das aktuelle, von Sanford Parker produzierte Zweitwerk von MARES OF THRACE vom kanadischen Label „Sonic Unyon Metal“ (ganz genau: Wer?) importieren musste.
Denn im Wahn meiner mittelschweren Selbstüberschätzung in Bezug darauf wissen zu meinen, wie der Hase so läuft, war ich eigentlich fest davon ausgegangen, dass sich bereits ein namenhafteres Label MARES OF THRACE annehmen würde.
Weil, ich bitte Euch: Eine gut in den szenischen Zeitgeist passende Band, die ausschließlich aus durchaus ansehnlichen Frauen besteht? Sowas wurde früher auch schon bei wesentlich mediokerer Musik und/ oder gar nicht mal ganz so attraktiven Protagonistinnen vom Fleck weg gesignt. Aber die Zeiten haben sich „im Biz“ wohl tatsächlich geändert.

MARES OF THRACE schaffen es auf „The Pilgrimage“ jedenfalls ganz gut, noch etwas tiefer in ihrer eigenen Nische Platz zu nehmen. Ihr Sludge Metal driftet, zwar gelegentlich durchaus, insgesamt aber doch eher nur selten in Doom- oder „Post-“-Regionen, die sich gemütlich in ihrer Atmosphäre ausruhen wollen, sondern nimmt oft lieber die verwinkelten Abzweigungen in Richtung verspielt-progressiver Friemeleien; ist sich in anderen Momenten dann aber wiederum auch nicht zu schade für völlig stumpfe Groove-Passagen.
Wobei das Ganze dieses mal mit schon deathmetallischer Brutalität inszeniert wurde, durch die der partiell noch unbekümmert-dilettantische Noiserock-Charme ihres DIY-Debüts „The Moulting“ einer makellosen Breitwand-Produktion gewichen ist, die im Vocal-Bereich und Drumherum zuweilen auch schon mal das Schüppchen drauflegt, wo es ein wenig übertrieben wirkt.

Hand aufs Herz: Auf dem Seziertisch ist „The Pilgrimage“ wirklich keine Offenbarung, und klar, gewisse Sympathien heimst das Dingen halt allein über die Frauenquote ein. Ein bisschen mehr hatte ich mir von dem Album schon versprochen. Dass ich nach um die acht Durchläufe immer noch nicht so wirklich genau weiß, wie ge- oder doch eher misslungen ich das Album eigentlich finden möchte, spricht wohl Bände.
Die Aufrüstung in puncto Sound/ Produktion/ Inszenierung lässt wohl im Gegensatz zum Amateurliga-Vorgänger schon mal darüber hinwegsehen, dass Songmaterial und Performance – eigene Duftnote in der stilistischen Zusammensetzung hin oder her – trotz spannender Ansätze nicht wirklich über Durchschnitt dröhnen, riffen und kloppen.

So wird wohl das dritte Album des Frauenduos demnächst mal abschließend klären müssen, ob man mit MARES OF THRACE was interessantes, oder doch nur mal kurz ein bisschen Lärm um nichts hat.

Der obligatorische Referenzdropping-Marathon: Wer von Bands wie Black Cobra, Dark Castle, Jucifer, Dÿse, Keelhaul, Bison B.C., Kylesa und artverwandten nicht genug bekommen kann, der hat auch noch Platz für MARES OF THRACE. Wer so gepolt ist, sich nur die herausragendsten Perlen aus verschiedenen Ecken picken zu wollen, der braucht „The Pilgrimage“ mit ziemlicher Sicherheit eher nicht.

AOP / YONL

Die beiden Songs der schon seit Ewigkeiten angekündigten Split-Veröffentlichung von der irischen Post-Black Metal-Sensation ALTAR OF PLAGUES und der französischen Instrumental-Metal-Bank YEAR OF NO LIGHT kann man im Übrigen seit schon einiger Zeit bei brooklynvegan/ soundcloud streamen.
Das Teil ist jetzt schon seit 2-3 Wochen endlich mal raus, nur irgendwie scheint es kaum jemand mitbekommen zu haben …

Donnerstag, 10. Mai 2012

Meshuggah - Koloss


Eines gleich vorweg: Ich bin kein allzu großer Fan von MESHUGGAH. Bei Veröffentlichungen wie „Catch Thirtythree“ (im Prinzip ein einziger, auf eine Dreiviertelstunde ausgewalzter Song) oder „I“ (eine 1-Track-EP mit zwanzig Minuten spontan zusammengekackter Musik) waren sie zwar nah dran, für mich interessant zu sein, und vereinzelte Songs auf anderen Alben finde ich auch immer wieder mal ganz geil (etwa das irrwitzige ‘Bleed‘ von „obZen“, oder den Opener von „Nothing“), aber so insgesamt haben MESHUGGAH die Eigenschaft an sich, dass mich ihr mathematisch-kühles Gerödel auf Dauer eher abturnt.
Irgendwas reizt mich zwar daran, in ihren verquer-spielfreudigen und massiv-knallharten Kram immer wieder reinzuhören, aber oft finde ich das dann auf Dauer irgendwie zu steril und seelenlos. Malen nach Zahlen statt Rock’n’Roll, künstlich statt naturalistisch, Onanie statt Sex, Vollnerds statt Metalgötter. Eine Band für pseudo-audiophile Spießermetaller und Altherrrenprogger, die dem ganz großen Missverständnis unterliegen, dass blitzblank sauber inszeniertes Muckertum mit ein paar Taktverschiebungen die Krönung musikalischer Schöpfung darstellt.

Zum neuen Album der Schweden gab es allerdings vielerorts zu lesen, dass sie hier in puncto Sound und Songwriting neuerdings einige Lichtungen und Öffnungen ihres eingefahrenen Signature-Styles zulassen, die man von ihnen so zuvor nicht kannte, also musste ich bei „Koloss“ dann erst recht mal wieder ein Ohr riskieren.
Ergebnis des Selbsttests: Ja, tatsächlich. Die Variationen in Klangbild und Arrangements sind zwar so dezent, dass es müßig wäre, sie im Detail tiefer zu analysieren, aber die Produktion von „Koloss“ ist in der Tat einen Hauch organischer, wärmer und facettenreicher, als sonst schon mal. Und die Songs sind, wenn man genau hinhört, im Gegensatz zu früherem Material der Band, hier und da tatsächlich um kleine Elemente erweitert, die dem Ganzen fast hintergründig eine Extra-Dimension verleihen.
Und das alleine macht aus „Koloss“ dann auch tatsächlich schon ein MESHUGGAH-Album, nach dessen Durchlauf ich gerne auch noch mal auf Repeat drücke, anstatt „jetzt ist dann auch erst mal gut, next one please“ zu denken.
Wenn das Teil auf den ruhigen Instrumental-Track endet (der mich irgendwie an diese eine Nummer vom Praxis-Debüt erinnert ...), denke ich zwar irgendwie, dass es dann ja doch etwas zu „unrund“ ist, aber man muss ihnen halt trotzdem lassen, dass bis dahin vieles darauf sehr viel Spaß gemacht hat. Besonders mal wieder die Songs, bei denen es rasant, aber dennoch kontrolliert im Groove gehalten abgeht („The Demon's Name Is Surveillance“, „Swarm“).

„Koloss“ ist, wenn es nach mir geht, kein Meisterwerk oder Must Have. Aber für MESHUGGAH-Verhältnisse, an meinem persönlichen Maßstab gemessen, ja dann doch ziemlich geil, denn ich habe nach einigen Durchläufen immer noch Bock drauf. Und das war wie gesagt nicht gerade bei allen vorherigen MESHUGGAH-Alben so ...

Steve Albini:

"There won't ever be a mass-market record industry again, and that's fine with me because that industry didn't operate for the benefit of the musicians or the audience, the only classes of people I care about."

Unter Töchtern der Wüste

Montag, 7. Mai 2012

Blckwvs, Black Tusk, Red Fang - one night in Essen


Neulich kam irgendwo noch die Diskussion auf, dass es im heutigen Netz- und Post-Musikfernsehen-/ Post-Bollohype-Zeitalter in der gemeinsamen Schnittmenge des Alternative/ Metal-Bereichs ja eigentlich nicht mehr wirklich sowas wie jüngere Konseshits, die auch in der Disse laufen etc. gibt. Zu diversifiziert die Szenenlandschaft, zu speziell und wenig massenkompatibel die heutigen Fetische einzelner Krach-Musikliebhaber, und aus der Rammstein- und Volbeat-dominierten Sackgasse einschlägiger Provinzscheunentanzflächen gibt es keinen Weg mehr zurück, weswegen dort heutzutage nur selten mal was neues nachkommt.
(Wie es der Zufall will, fand im Übrigen am gleichen Abend wie das Essener Red Fang Konzert auch das Wiederaufleben der Sauerländer CVLT-Disco statt, die von damals dabei gewesenen bis heute u.a. als Hort guten Geschmacks heilig gesprochen gilt. Da ich dem aber nicht beiwohnte, ist das eine andere Geschichte …)


RED FANG straft diese Klugscheißerei Lügen. Ihr "Wires" ist nicht nur ein Song mit einem witzigen Videoclip, sondern wurde am Vorabend des Konzerts in Essen tatsächlich neben Kylesa von Gästen der Dortmunder Visionsparty gewünscht.
Es gibt sie also doch noch. Härtere Rockmusik von verranzten Typen, die auch mit einem Fuß in der Indie-Mainstreamvorhölle, anstatt primär im Metal- und Bauerndisco-Kontext funktioniert. Warum gibt es das jetzt eigentlich wieder, obwohl es in den 00er Jahren mal gefühlt wie ausgestorben war?

Anyway. Vorm Essener Café Nova stapelten sich Samstag Abends die Besucher, die in den Laden reinwollten. Ein Großteil musste dann auch draußen bleiben. Sieht man in dem Ausmaß auch nur selten.
Als Local Support stehen die BLCKWVS auf dem Plan. Und die werden von mal zu mal, wo ich sehe sehe, echt immer noch besser.  Bergmassive Doom Metal-Grooves in Soundtrack-Arrangements – ja, diese Band ist besser als Omega Massif, Pelican, Lento, Long Distance Boring, oder wen es da sonst noch so geben mag.  Geht Euch die mal angucken, los.

Zu den folgenden BLACK TUSK passt dieser Spruch „they’ve grown on me“. Auf Konserve brauche  ich den irgendwo zwischen Cavity und Kylesa etwas akzentarm rumpelrockenden Sludge Metal des Trios nach wie vor eher nicht so. Aber das machen sie live tatsächlich durch eine mitreißend-energische Show wett, bei der die rockigen Dynamiken und kleineren Verspieltheiten (letzteres vor allem beim Schlagzeug) ihrer, sich mitunter etwas sehr ähnelnden Songs, durchaus gefallen. Die drei Typen mögen white trash as white trash can be –mäßig rüberkommen, aber wenn sie ihr Ding auf der Bühne durchziehen, nimmt man ihnen das voll und ganz ab, und lässt sich gar ein bisschen davon anstecken.

Am Merchstand hatte Blckwvs-Drummer Tommec derweil lustige Anekdoten zu seiner früheren Band The Lovesong Company zu bieten, zu der ich als Augen-/Ohrenzeuge gerne mal behaupte, dass sie vor 10 Jahren mit ihrem Quasi-„Nintendo-Grindcore“ vielleicht sogar einen Tick ihrer Zeit voraus waren, als sie damals wiederholt in abenteuerlichen Outfits sternhagelvoll auf die Bühnen irgendwelcher Vorstadtjugendzentren oder  des legendären Dortmunder Sabotage stolperten, und dabei Blastbeatgehacke mit  Keyboardgedudel kombinierten. Eine dieser Bands, die ich tatsächlich ein bisschen vermisse, ja.

RED FANG, nun ja. Die Band hat auf ihre Altherrenholzfäller-Erscheinung ohne Frage was schwer sympathisches.  Aber bei Tageslicht betrachtet sind da, wenn man mal ganz ehrlich ist, eben nicht wirklich mehr als nur 2-3 ganz nette, eigentlich schon etwas glatt-gefällige Stonerrock-Hits. So erreicht die Stimmung im überfüllt in Massensauna ausartendem Café Nova beim früh verschossenen „Wires“ auch bereits den Höhepunkt.

Der ambivalenzgeplagte Verfasser dieser Zeilen ist dabei als Musikgeschmacksnazi hin- und hergerissen, zwischen Sympathie dafür, dass solche Altherrenrocker mit derartiger Schweiß-und-Bier-Mucke anno 2012 ein begeistertes Publikum finden, und Unverständnis darüber, dass eine nach ein paar Songs dann aber auch schnell mal langweilig werdende Rockband, deren Name mehr Biss impliziert als sie wirklich hat, das Ding der Stunde sein soll.  Was wohl auch erklärt, warum ausgerechnet diese Truppe breiteren Anklang findet.
Naja, sei es ihnen gegönnt. Dass „Wires“, wie eingangs erwähnt, durchaus ne nette Nummer mit sehenswertem Video ist, kann man ihnen ja nicht nehmen. Einigen scheint das voll und ganz für den Rock-Olymp zu reichen. Ich persönlich hätte dazu dann ja eigentlich gerne auch ein komplett geiles Album, aber man kann wohl nicht alles haben.

PS: Ist es eigentlich ein generell eher schlechtes, oder vielleicht doch irgendwie gutes Zeichen, dass ich bei vielen Bands, die aktuell als Hot Thing durchgewunken werden (vgl. auch Black Breath, Torche, …), nun doch wieder zusehens in so einen „So wirklich geil ja jetzt nun auch nicht, sowas hatten wir doch auch schon in aufregender“-Alter-Sack-Modus falle? Ich weißet nich‘ …

R.I.P. Adam Yauch