Montag, 30. April 2012

Bonehouse - Steamroller

Klassikerreview:
Ihr kennt sie doch, diese Scheiben, die nur Ihr selbst wirklich zu lieben scheint, weil sie augenscheinlich sonst niemand anderes im Schrank stehen hat, oder?
Bei mir ist der 99er „Steamroller“ von BONEHOUSE so ein Fall. Ein Album, das – so pathetisch und übertrieben das klingen mag – mal mein Leben gerettet hat, weil es zum richtigen Zeitpunkt auftauchte.
Das ich immer wieder mal rauskrame, und das selbst in Phasen, in denen meine musikgeschmacklichen Schwerpunkte gerade völlig anders gelagert unterwegs sein mögen.

Aktueller Anlass, die Dampfwalze mal wieder rollen zu lassen, ist der angebliche „Entombedcore-Hype“.
Truppen wie TRAP THEM oder BLACK BREATH orientieren sich aus einer eher hardcoreigen (erstere) oder stark D-Beat-infusionierten Prügelmetal-Ecke (letztere) heraus an einem Sound, bei dem die Inspiration durch die schwedische Death’n’Roll-Vorzeigeband allzu offensichtlich ist.
BONEHOUSE mögen zwar nicht wirklich versucht haben, den Klang von Entombed zu imitieren, nahmen „Steamroller“ aber – Achtung! – gleich mal eben mit Tomas Skogsberg im Sunlight Studio auf, und lieferten in punkto stilistische Zusammensetzung dann genau das: Crust/ HC/ Punk’n‘Roll mit Metal-Kante, was nicht wirklich weit von „To Ride Shoot Straight and Speak the Truth“ oder „Uprsining“ entfernt war.
Hinzu kam, dass Sänger Wolter eine L.G. Petrov nicht unähnliche Erscheinung hatte, und der Bandname … erinnerte der einen nicht an einen Song von der „Hollowman“ EP?
Et voilà: „Entombedcore“ gab es natürlich schon um die Jahrtausendwende in Norddeutschland.

Was die Kieler auf ihrem Zenit ebenfalls ausmachte war dieser naiv-teutonische Charme, englische Texte mit rebellischem Ton unmissverständlich auf den Punkt zu bringen, oder sich auch mal ungeniert zu Kasper zu machen („Testosterone! Testosterone! Testosterone!“).
In Kombination mit dem gerne mal melodisch abgerundeten Geballer warf das tatsächlich zu manchen Hit ab, zu dem man auch heute noch sofort einfach nur kindisch rumspringen und mitjohlen möchte.
Wolter röhrt und grölt, Drunner Kalle kommt manchmal noch mit Schreigesang dazu, man poltert sich durch höhere Knüppeltempolagen, aber auch mal rockige Grooves … und mit hocheingängigen, gar nicht mal so uncleveren Songs wie „Maria Mar“ oder „Cancel You“ entstanden hier tatsächlich Nummern für die Ewigkeit.

Womit BONEHOUSE nicht nur ihr bestes Album ablieferten (der Nachfolger „Onward to Mayhem“ war auch cool, aber beileibe nicht auf dem gleichen Level), sondern auch einen kleinen, originellen Nischen-Klassiker, der mal wieder nur den Vollnerds vorbehalten blieb und nie breitere Bekanntheit erlangte. Woran auch dieser Blogpost hier nichts ändern wird, aber ich wollt‘s halt mal erwähnt haben.

PS: Neuerdings gibt es wohl eine britische Emopunk-Band unter gleichem Namen. Also nicht verwechseln, das Original war Made in Germany.

Wochenendresümee

Ganz schön wat los, im Pott, ich sach et Euch.
Am vergangenen Freitag fand mal wieder einer der Abende von DENIOVALI RECORDS in der Bochumer Christuskirche statt. Die Gründe, warum ich diese Veranstaltungen mag, und daher auch gerne aus Prinzip mit meinem Eintritt unterstütze, selbst wenn das gebotene Programm dabei auch schon mal nicht so ganz meine größte Herzensangelegenheit ist, sind inzwischen vielfältig. Z.B. mag ich es durchaus, die Woche an einem Freitag Abend damit ausklingen zu lassen, meinen Hintern auf einer Bank zu parken, um tiefenentspannt die durchs Gemäuer wabernde Musik (häufig) mit Ambient-Qualitäten auf mich wirken zu lassen. Besser kann man nicht runter-, aber trotzdem vor die Tür kommen.  Abgesehen davon sind auch diese Abende inzwischen zu kleinen Musiknerd-Familientreffen geworden, auf denen man sich kennt, in den Pausen ein bisschen socialized und fachsimpelt, und dabei ohne Eventpublikum mit Szeneplatzhirschen schön unter sich ist.  Und dazu gibt es dann das gute Schlegel, das in seiner Wirkung nicht ohne ist, so dass man zu Hause dann auch gut schläft.
An diesem Abend sollte THISQUIETARMY als Drone-Solokünstler eröffnen, was mir ganz gut gefiel. Der Industrial-eske Sound gegen Ende, gepaart mit etwas Rhythmus im Ambient/Noise-Dickicht, das hatte was.
Vom Trio AUN hatte ich mir etwas mehr versprochen, aber irgendwie war das Ganze etwas lahm.  Überhaupt finde ich diese Nummer, wie Musiker mit Instrumenten um einen Tisch rumstehen, auf dem sie an allerlei Geräten rumdrehen, und irgendwie nicht mehr so ganz nachvollziehbar ist, was da vorgefertigt aus der Konserve kommen mag, und was in dem Moment live entsteht, seit den letzten 1-2 gesehenen Nadja-Auftritten etwas ermüdend. Aber egal.
Als Headliner gab’s dann noch die SAMUEL JACKSON FIVE. Und die finde ich ja per se weder schlecht, noch begeistern sie mich übermäßig.
Trotz allem, so verhalten das klingen mag, ein netter, kurzweiliger Abend.

Am nächsten Tag stand das jährliche ROCK IN DEN RUINEN in (neuerdings) Dortmund-Hörde an. Pflichtbesuch, weil: KILLING JOKE spielten auf. Unglaublich, da habe ich mir bis 2012 Zeit gelassen, diese großartige Band endlich mal live zu sehen, und dann gleich zweimal in einem Monat .
Bei meiner Ankunft am Gelände fangen PETER PAN SPEEDROCK gerade an. Deren Rotzrock eine nette Angelegenheit ist, um in den Tag zu starten.
Danach die Reunion der Dortmunder „Punklegende“ THE IDIOTS um Sir Hannes. Gibt’s nichts zu meckern, das war schon unterhaltsam.
KILLING JOKE überzeugen danach, wie schon beim Roadburn, mit einem im ersten Drittel etwas lahmen, im Gegensatz zum Roadburn ohne weitere Zwischenfälle stattfindenden Set, der mit so manchem persönlichen Highlight gespickt war (Asteroid, The Great Cull, The Wait, Pandemonium). Schön.
PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB überraschten dem folgend vor allem damit, neben dem Standard „This is Michael“ auch die Voodoocult-Metalnummer „Albert is a Headbanger“ im Programm zu haben. Derweil nervt uns ein älterer Herr im Volbeat-Shirt damit, was denn da gerade für eine Schwuchtel auf der Bühne stehen würde. Geh kacken, Alter. Bin ja beileibe kein Boa-Fan, aber Deine schon nach einem Sommer totgedudelte Proleten-Knöldelschmetterscheiße kannste Dir echt mal hintenrei….
SAXON habe ich mir nicht gegeben. Bei allem Respekt für Altrocker, aber da war ich nie Fan, muss es nicht mehr werden, und die Band nicht auch noch mal sehen.
Und wer sich diesen lieblosen Tagebucheintrag jetzt tatsächlich bis hierhin durchgelesen hat, wird auch noch damit bestraft, dass es zum Abschluss kein Schlussfazit, keine zusätzliche amüsante Anekdote, und auch keine Pointe oder sowas gibt. Hier ist jetzt Ende. Einfach so.

Doom Doppel-Review

FAAL - The Clouds Are Burning
(Ván Records)
Das 2008er Debüt von FAAL ist wohl irgendwie an mir vorbeigegangen. Ganze vier Jahre haben die Niederländer gebraucht, um mit zusammen 45 min. langen vier Songs als Nachfolger aus der Hüfte zu kommen. Ihre Musik ist nicht wirklich übermäßig originell, aber mit gelegentlichen Ausbrüchen in rasante Tempolagen gespickt , sowie unter Hinzunahme dezent eingewobener Postrock-Einflüsse um eine besonders dichte Atmosphäre bemüht, was ihren Funeral Doom mit Black Metal-Feeling zu einem krass negativ einnehmenden, pechschwarzen Sog formt, aus dem es keinen Weg ins freie mehr gibt. Variationsreich und doch homogen, das wiederum weder nennenswert trendy, noch irgendwie angestaubt. Das alles macht aus „The Clouds Are Burning“ ein auf den ersten Blick vielleicht etwas unscheinbares Album, das auf den zweiten aber genau das richtige für Düster-/ Extrem-Metal-Freunde mit Vorliebe für Atmo-betonten Kram nebst eigener Note ist.

UFOMMAMMUT – Oro: Opus Primum
(Neurot Recordings)
Dafür mag zwar ein Euro fürs Phrasenschwein fällig werden, aber um UFOMAMMUT wirklich zu verstehen, muss man einfach mal die Luft zum vibrieren bringende Wucht gesehen und gehört haben, die vom italienischen Trio live entfacht wird. UFOMMAMUT’s Doom ist solcher, der vor allem auch vom eigenen Costum-Dröhnsound lebt, ferner musikalisch viel auf Spannungskurven setzt, was nicht immer in Songstrukturen ausartet, die wirklich Sinn zu machen scheinen (vor allem, wenn man beim Musikhören zu viel mitdenkt). So gilt auch für „Oro: Opus Primum“ wieder einmal: Irgendwie ist der Space-/ Sludge-/ Drone- Metal der Truppe etwas, das am allerbesten funktioniert, wenn man ihn gar nicht erst zu sezieren versucht, sondern sediert auf sich wirken lässt. Entweder macht es dann Klick oder nicht. Was bei mir persönlich zwar nach wie vor tagesformabhängig ist, tendenziell neige ich aber zu ersterem.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich zum Thema abschließend, dass über Exile on Mainstream Records gerade das neue Album von BLACK SHAPE OF NEXUS erschienen ist. Aber selbst ich kann halt nicht immer sofort alles potenziell interessante kennen/ besitzen/ gehört haben …

Freitag, 27. April 2012

Kosslowski - Lynch die Welt


Man ist als notorischer Musikschreiber bei dieser Gelegenheit ja durchaus geneigt darüber zu sinnieren, dass es in NRW sowas wie eine „Herz und Hirn“-Screamo-/ Post-HC-/ Muttersprachen-Befindlichkeitslyrik-/ Konfetticore-Szene gibt, wenn man über die Jahre immer wieder mal Bands wie Kill.Kim.Novak bzw. Andorra Atkins, Longing For Tomorrow, oder Thoughts Paint The Sky gesehen hat, die Mitte der vergangenen Dekade auf ihre „eher Tocotronic als Hatebreed“-Art eine wohltuende Alternative zum vorherrschenden Zenit an Prollobollo-Stumpfsinnswahn waren.

Mitglieder aus besagten Bands haben sich jetzt unter dem Namen KOSSLOWSKI zusammengeschlossen, um sich zwischen einzelnen Wohnorten wie Aachen und Soest mit einem Proberaum in Bochum-Wattenscheid dann in der Mitte zu treffen.
Ein nicht unpassender Ort, um dem Punk zu frönen. Und das nicht nur, weil man Wölfi als Nachbar hat.
Musikalisch sind KOSSLOWSKI nicht wirklich weit von dem entfernt, was KKN mal gemacht haben; mit dem Unterschied, dass die kühle Hartkantigkeit mit partiell pathetischer Schwere, die bei KKN mitunter mitschwang, über weite Strecken Hardcorepunk-Gekloppe mit Flucht nach vorne und immer wieder mal eher rock’n’rollig angehauchten Gitarrenriffs gewichen ist. Das hier riecht schon auf Platte ein kleines bisschen mehr nach Schweiß und Bier.
Die deutschsprachigen Texte, die irgendwas zwischen kryptisch-poetisch, angepisst-direkt und gelegentlich auch ironisch sind, werden dabei von gleich zwei Schreihälsen (einem der Gitarristen und dem Drummer) inbrünstig rausgerotzt. Und wenn es dabei neben rauen Beobachtungen der allgemeinen existenziellen Bedeutungslosgkeit dann auch schon mal 1-2 klimatisch prägnante Zeilen zum mitgrölen gibt, sind eben jene gerne eher mittelschwer augenzwinkernd als betont bedeutungsschwanger (Humoristische Highlights: "Die Welt ... ist der schlimmste Ort der Welt!" oder "(Da haben wir den Salat) ... und der schmeckt gar nicht mal so gut! Und der schmeckt gar nicht mal so gut!").
Gutes Debüt! Klingt, als sollte man sich das unbedingt auch mal live geben.
Die Termine dafür findet man auf kosslowski.tumblr.com
Die Langspielplatte „Lynch die Welt“ kann man wiederum über kosslowski.bigcartel.com oder ihearttruelove.com käuflich erwerben.
Und Hörproben dazu gibt’s bei kosslowski.bandcamp.com

Donnerstag, 26. April 2012

Prong - Carved Into Stone

Lange Vorreden darüber, dass PRONG in den 90ern eine meiner absoluten Lieblingsbands waren, man Post-Jahrtausendwenden-Releases der personell ständig generalüberholten Truppe um Tommy Victor aber schlichtweg nicht mehr so wirklich braucht, ist selbst mir etwas zu sehr „stating the obvious“.
Gar nicht reinhören ging aber irgendwie auch nicht. So bleibt mir festzustellen, dass „Carved Into Stone“ weitaus weniger wehtut, als man befürchten wollte.

Die hier angerührte Mitt90er-Groovethrash-Brühe ist ohne großen Firlefanz irgendwelcher Industrial-Gimmicks o.ä. mit einem sehr trocken-sauberen Sound angerührt worden, bietet popige Momente genauso wie martialische, und läuft tatsächlich ohne große Ausfallerscheinungen durch.
Besonders erwähnenswert sind vor allem der rasante Opener, der straight aber trotzdem verspielt eine nicht gänzlich unbeeindruckende Lehrbuchlektion in Sachen Auf-die-Fresse-Thrash Metal erteilt, und "Revenge...Best Served Cold", das zwar wie eine doch sehr verharmlost selbstkopierte Variante von früherem Tanzbar-Material (a la „Whose Fist …“) tönt, dafür aber eben auch eindeutige Hitqualitäten aufweist. Ähnliches gilt für den Refrain von "Put Myself To Sleep". Muss man diesen Nummern lassen.

Sicherlich ist zeitgemäß, interessant, überraschend, spektakulär oder total knallermäßig etwas völlig anderes, als das hier. Betont eine Lanze dafür brechen zu wollen liegt mir auch fern.
Diesem Album haftet in seiner Inszenierung allerdings ein sympathisch-zeitloses Understatement an, das es für mich erträglicher und unterhaltsamer macht, als etwa den total blödsinnigen letzten Output von Machine Head, dem plakativen Revival-Versuch von Rob Zombie, der Kirmestechno-Infusion aktueller Korn, der Ohrenzeugen zufolge katastrophalen aktuellen Ministry (die ich mir bisher erspart habe), der gepflegten Langweile später Helmet, der traurigen Egalität heutiger Sepultura, oder wer einem sonst noch so alles an kaum noch tragbaren Helden der 90er einfallen mag.
An diesem Maßstab gemessen geben PRONG anno 2012 eine gar nicht mal so schlechte Figur ab. Und den verdienten Anstandsapplaus dafür soll Herr Victor hiermit dann auch bekommen.
So ist „Carved Into Stone“ zwar nichts, auf das man wirklich gewartet hätte, dafür aber eben doch schwerstens okay.

Mittwoch, 25. April 2012

Apropos Torche

Das neue Machwerk von TORCHE wird in der Indie-Ecke gerade als mittelschwere Sensation abgefeiert. Sowohl Visions als auch Stereogum ernannten es zum Album der Woche, und bringen beide die Foo Fighters (!!) als musikalische Referenz ins Spiel.
Es scheint wohl offensichtlich einen Nerv bei den Leuten zu treffen, die dem Pop eigentlich doch näherstehen, als härteren Alternative-Spielarten und abseitigeren Metal-Randsparten.

Ich persönlich habe ja schon zu „Meanderthal“-Zeiten nicht verstanden, wo denn genau der Appeal dieser Band (noch) liegen soll.
Torche sind die Sparta zu Black Cobra’s Mars Volta, und ihr gemeines Drive-In hieß Cavity, wenn ihr mir folgen könnt.
Genauer: Als sich die Sludge-Band Cavity 2002 oder so auflöste, formierte deren Gitarrist Jason Landrian das Powerduo BLACK COBRA, mit dem er nach wie vor richtig derbes Geboller und Gebrüll fabriziert.
Zwei andere Mitglieder, die zusammen außerdem in der Noiserockbands Floor spielten, gründeten wiederum TORCHE.
Und jene haben inzwischen eine Entwicklung hinter sich, die sie musikalisch eigentlich näher an Post-HC/Poppunk/Indierock-Gefilde gebracht hat, als dass ich den derzeit inflationär etikettierten Begriff Sludge da wirklich noch verwenden möchte.

Daran ist grundsätzlich, auch wenn sowas nicht so ganz mein bevorzugtes Metier ist, natürlich erst mal nichts verkehrt.
Was mich daran allerdings leicht beleidigt ist, dass Profimusikschmierfinke mal wieder dann eine Band über den Klee loben, wenn sie mit einfach zugänglichem Kram um die Ecke kommt, der auch Mutti nicht groß wehtut. Dass man an der Front angeblicher Alternative- und Sparten-Geschmacksbürokraten auf Musik eben doch dann als übergrandiose Angelegenheit zeigt, wenn sie aufgrund ihrer Instant-Ohrwurmigkeit auch potenziell was für breitere Massen ist. Dass eine Band als neue Größe stellvertretend für eine ganze frische Szene (zu der man sich auch noch als Entdecker brüsten will) hingestellt werden soll, in der es von noch viel interessanterer Musik eigentlich nur so wimmelt, die man aber trotzdem eher stiefmütterlich behandelt.
Genau das hat nichts mehr mit dem zu tun, warum so jemand wie ich früher mal Hefte wie RockHard oder Visions in die Hand genommen hat.

"Beauty in music is too often confused with something that lets the ears lie back in an easy chair" soll der zu Lebzeiten wenig beachtete Komponist Charles Ives mal gesagt haben.
Er sprach mir damit schon aus der Seele, bevor ich selbst geboren wurde.
Mein persönliches Musikinteresse ist jedenfalls keines, das grundsätzlich die radiotauglichsten und simpelsten Sachen als Perlen aussiebt.
Nichts gegen eine straff arrangierte, „catchy“ Melodie, aber es gibt noch so vieles andere, das Musik interessant, spannend, mitreißend oder schön machen kann, als gefälliges Geträller auf spontan nachvollziehbarem Standardgerocke.
Und dass viele Musikredakteure das bis heute nicht erkannt haben, ist irgendwie schade, Primärzielgruppe hin oder her.
Aber wohl umso besser für mich, denn sonst könnte ich mich hier ja auch nicht als der mit der größeren Ahnung und dem besseren Geschmack profilieren …

Instrume(n)tales Vinyl

Nachträge zu

1.) BONGRIPPER: Überzeugt deren „Satan Worshipping Doom“ wie erwähnt durch episch-brachiale Mammutkompositionen und einen kleinen Ausbruch ins schwarzmetallische, so gelingt ihnen bei ihrer aktuellen 7“ „Sex Tape / Snuff Film“ die Umsetzung ihres Sounds in zwei Songs von entsprechend knackiger Single-Spiellänge, die hier dafür dann mittelschwere Anflüge von Hardcore und Punkrock zeigen. Ziemlich cool!
Gibt es bei Bandcamp auch als Download für nur $ 1.50. Lohnt sich!

2.) BLCKWVS: Auch die stehen ja trotz Sophisticated -Metal-Sound irgendwie eher dem Punk/ HC nahe, und ich wollte bei dieser Gelegenheit nur mal erwähnen, dass ihre aktuelle Schallplatte „140“ kürzlich neu aufgeleget wurde. Auf pissgelbem Vinyl und natürlich plus Download-Code. Und auch das lohnt sich, denn die Hamburg/ Bielefeld/ Münster/ Dortmund-Fernbeziehung zeigt sich hier mit glasklar-monolithischem Sound eingängiger denn je.
Siehe hierzu auch: BLCKWVS auf Facebook.

Dienstag, 24. April 2012

Sunday Bloody Sunday

Dafür, dass BLACK BREATH und CHRISTIAN MISTRESS zwei in der Metal-Szene derzeit doch recht oft aufblitzende Namen sind, war das Dortmunder FZW am vergangenen Sonntag dann ja nur mäßig gefüllt. Ist halt doch nicht alles immer tatsächlich schon so Hype und Massen anziehend, wie man es aus der vollnerdigen Internetecke heraus wahrnehmen möchte, nur weil ein Bandname auch mal in anderem Kontext gefallen ist, als dem eigenen.
TORMENTED eröffneten den Abend souverän mit gekonntem Old School Schweden-Death-Geprügel. Das abschließende Kreator-Cover (Tormentor) ist in der Wahl nicht originell, kommt im tieferlegten HM-2-Pedal-Sound aber ganz cool. Keine Offenbarung,  aber kann man machen.
CHRISTIAN MISTRESS überraschten mich, positiv. Die von Fenriz stark supportete Truppe macht zwar so eine Art von retrospektivem Metal, dem gegenüber sich mein Enthusiasmus seit jeher in Grenzen hält (um es diplomatisch auszudrücken), aber das war wirklich gut. Spielerisch ziemlich gewitzt, in punkto Gitarrenarbeit und auch Songwriting mit netten Ideen, sowie wirklich coolen Riffs und Licks gespickt, und einer Sängerin, die stimmlich recht rau und kräftig (auch wenn man ihr die Tour schon anmerkte) eine gute Figur abgab. Doch, doch, das war schon in Ordnung.
Bei BLACK BREATH wollte der Funke bei mir dann allerdings nicht 100%ig überspringen. Keine  Ahnung, woran es genau liegt, vielleicht auch an der Sonntagslethargie, aber diese Mischung aus Crustgeboller, Entombed-Sound und einem Hauch Slayer bietet einem alten Sack wie mir wohl einfach nichts aufregendes mehr, und reißt mich in Richtung der Abgeher vor der Bühne zu Äußerungen a la „Wo wart Ihr eigentlich damals, als Bonehouse gespielt haben? Ach, die waren ja nicht auf Southern Lord …“ hin. Man hat es schon nicht leicht als Besserwisser mit Distinktionswahn. Immerhin: Ich gestehe neidlos ein, dass es da handwerklich nichts dran zu meckern gab, aber so richtig geil fand ich es dann halt einfach nicht.

Am Vorabend schaute ich im Übrigen auch in die Record Release-Show der geschätzten Lokalcoreler SIDETRACKED rein, in dessen Rahmen vor allem auch die Neocrust-Kelle der Bielefelder RUINS überzeugte, sowie gewohntermaßen auch der instrumentale Doom/ Post/ Ambient Metal der BLCKWVS. 
Letztere sind qualitativ eigentlich längst weit über dem Underdog-Status, den sie noch haben. Wollte ich nicht unerwähnt lassen
.

Freitag, 20. April 2012

Ván: "Special Edition exclusively for Roadburn 2012"

Eins vorweg: Es tut mir leid, wenn ich in der Post-Roadburn-Woche so viel mit dem Begriff Roadburn nerve, aber es ist nun mal Post-Roadburn-Woche, und daher gibt es auch einiges zu erzählen.
Z.B., dass jeder Besucher besagten Events eine extra für diese Gelegenheit angefertigte Digipack-Edition eines 13 Songs starken Label-Samplers von Ván Records aus Ökopappe in die Hand gedrückt bekam.
Dessen Hörgenuss mich zu der Frage bringt, wann genau die eigentlich neulich mal die falsche Abzweigung genommen haben?
Der Erfolg von The Devil’s Blood scheint den Verein nämlich auf den Trichter gebracht zu haben, neben im Black Metal verwurzelten Ungewöhnlichkeiten (Ruins of Beverast, Verdunkeln, Urfaust), Black Metal der herberen Art (Graupel, Funeral Procession, Truppensturm, …), und Rereleases von alten Schinken wirklich großartiger Black Metal-Bands (Nagelfar, Wolves In The Throne Room), nun zwischen uninspiriertem Hardrock/ Elder School Metal (Vanderbuyst), und noch uninspirierterem Stoner-Metalrock ohne wirkliche Eier oder zumindest gute Songs (Burden), verstärkt auf junge Altherrenrock-Kisten zu setzen, die man uns als ungeheuer okkult und spirituell verkaufen möchte. Ein Trend, den ich schon bei Ghost, Blood Ceremony, sowie besagten Devil’s Blood eher ab- als durchgewunken habe.

Ein Momentaufnahmen-Review Track für Track:

1.) YEAR OF THE GOAT – This Will Be Mine
YOTG spielten auch beim hinter uns liegenden ‘burn, wo ich sie aber, wie die meisten retrospektiv angehauchten Kapellen (siehe auch Danava, Orchid und co.) eher vernachlässigte, sprich gar nicht mitbekam. Hand aufs Herz: Wirklich schlecht finde ich das hier, was mich im Refrain irgendwie sehr an Roky Erickson erinnert, während es läuft, ja nicht mal. Wenn es dann aus dem anderen Ohr wieder raus ist, verspüre ich allerdings üüüüberhaupt gar kein Bedürfnis, es irgendwann noch mal wieder hören zu müssen.

2.) CASTLE – Blacklands
Och joah, dieses „Occult Rock“-Trio aus der Szene San Franciscos tut nach wie vor niemandem weh, allerdings hat auch nun wirklich niemand auf die (zugegeben nicht mal komplett unoriginelle) Musik dieses Ehepaars plus Schlagzeuger in einer obskuren Rock/ Doom/ Metal-Grauzone gewartet. Keine unsympathische oder schlechte Band, aber auch keine, die mich frohlockend rockend hinterm Ofen hervorlockt.

3.) GOLD – Gone Under
Es fällt mir schwer mich zu entscheiden, ob ich „Gone Under“ (oder „Gone Vnder“, wie es im Booklet steht) dieses Devi’s Blood-Offshoots, aufgrund seines stilistisch farblosen Retrohartgerockes mit bemühtem, gelegentlich leicht neben der Spur tönenden Frauengesang einfach nur albern und über finden soll, oder doch irgendwie sympathisch, weil das Ganze so ungeniert (jaja, meinetwegen „authentisch“) daherkommt, das man es ihnen abnimmt. Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Allerdings mit Tendenz zu ersterem.

4.) WINTERS – Ausländer
Alleine mit dem zugehörigen Albumtitel „Berlin Occult Bureau“ hat diese Band ja eigentlich schon verloren, wenn einen Bandname/ Songtitel- Kombination noch nicht geschafft hatte. Die Musik ist hörbar, aber irgendwie schrecklich nichtssagend und schwach auf der Brust.

5.) KING DUDE – Lucifer's The Light Of The World
Auch hier: Das tut jetzt nicht weiter weh, aber ein bisschen verarscht komme ich mir bei derartiger Pseudolagerfeuermucke ja schon vor, gerade auch im Kontext dieser Compilation. Brauche ich in dieser Form nicht.

6.) VERDUNKELN – Das Antitz des Himmels (Advance Rough Track)
Now we’re talkin‘. Der zwangsläufig etwas unausgegorene Rohmix klingt nicht 100%ig nach dem, was ich an VERDUNKELN’s „Einblick in den Qualenfall“ zuvor schätzte, aber das muss auch nichts schlechtes sein. Das in Bälde erscheinende neue Album des doomig-schwarzmetallischen Duos ist auf jeden Fall auf der Einkaufsliste.

7.) ARSTIDIR LIFSINS - Gylðis kind hefr aldrei dvalist a einum stað
Vom grundsätzlichen Ansatz her, harschen Black Metal mit Folk- / Literatur-Einflüssen und Hirn fabrizieren zu wollen, ist die allgemeine Idee hinter ÁRSTÍÐIR LÍFSINS keine neue. Speziell lebt Mainman Stefan aus Kiel mit diesem Projekt offensichtlich einen mittelalterlichen Island-Fetisch aus. Musikalisch gibt es an der etwas komplexeren, vielschichtigen Kiste nichts zu meckern. Ambitioniert heißt hier tatsächlich mal nicht gleich prätentiös, was wohl auch am eher rohen Produktionsklangbild liegen dürfte. Könnte mir vorstellen, dass das in Albumlänge durchaus was hermacht.

8.) URFAUST – Das Kind mit dem Spiegel
Da ich Band, Song und zugehöriges Album schon kenne, gibt es hier nicht mehr groß was zu sagen. Allerdings ist der Bandname auf dem Bookletrücken tatsächlich „Vrfaust“ geschrieben. Are you fuckin‘ kiddin‘ me?

9.) FAAL – The Incistance Wish
Düsterer, atmosphärischer, etwas gothischer Doom mit derben Vocals, Postrock/Shoegaze-beeinflussten Einschüben und Black Metal-Ausbrüchen. Trotzdem eher Old School als irgendwie betont modern. Nicht wirklich was besonderes, aber auch nicht wirklich schlecht. Spiele gar mit dem Gedanken, den zugehörigen Longplayer der Niederländer vielleicht mal zu checken.

10.) DEEP BLACK – Like You
Schwierig in eine Schublade zu packen. Würde es mit Alternative/Gothic versuchen, letzteres vor allem wegen der markant dunklen Gesangsstimme, allerdings klingen DEEP BLACK wesentlich reduzierter und unmetallischer als alles, was mir als grobe Vergleichsreferenz einfällt. Kann man sich anhören, brauche ich aber glaube ich auch kein Album von.

11.) RA AL DEE EXPERIENCE – Die schwarzen Zungen der Kali Maa
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was genau es mit diesem Instrumental auf sich hat, aber ich glaube, das hier ist ein Sideprojekt von Necros Christos, die sich hier in ihrer Vorliebe für orientalische Sounds ergehen (Karl Sanders lässt grüßen). Ist okay, kann man machen, bzw. sich anhören. Brauche ich aber wohl trotzdem nicht.

12.) NECROS CHRISTOS – Succumbed To Sarkum Phagum
So sympathisch ich den grundsätzlichen Ansatz der Band - Death Metal einer roheren, atmosphärischen, ursprünglicheren, authentisch inszenierten Art spielen zu wollen, anstatt überproduzierte Technical Wankery in extremsten Tempolagen - auch finde; der Funke springt einfach nicht über. Ich habe es mehrfach versucht, aber NC wollen bei mir schlichtweg nicht zünden. Belassen wir es dabei.

13.) ZIP TONE – A Place Of Silence
What the fuckin‘ fuck?! Nicht, dass ich entspannter halborganisch-halbelektronischer Mucke mit Frauengesäusel grundsätzlich abgeneigt wäre, im Gegenteil, aber was ist denn bitteschön das hier? Was zur Hölle?!?

Also … seien wir mal ehrlich … so richtig geil ist das ja größtenteils alles nicht. Wirkliche Rohrkrepierer sind selten, aber so wirkliche Knaller irgendwie auch. FAAL und ÁRSTÍÐIR LÍFSINS behalte ich mal im Auge. CASTLE gucke ich mir bei Gelegenheit vielleicht sogar mal live an. Aber ansonsten erschließt sich mir bei Altherrenmucke mit Okkultmotto einfach nicht, warum man das haben muss. Oder ich bin einfach nur schon so alt, dass ich mal wieder den szenischen Generationswechsel nicht schnalle, bei dem sich invertiert, was mal cool war und jetzt eben nicht mehr, und was mal eher uncool war und jetzt nicht mehr. So ging es mir auch um die Jahrtausendwende schon mal. Nicht, dass ich da selbst einen Fick drauf geben würde, aber ... ach, ich schweife schon wieder ab.

Donnerstag, 19. April 2012

Black Breath

… scheinen ja gerade ein bisschen der heiße Scheiß der Stunde zu sein. Die Oberironiker der Blogosphäre amüsieren sich bereits über einen "Entombedcore-Hype", und vom Ajz-Hardcoreboy bis zur Mainstream-Metal-Postille ziehen alle mit, diese Band jetzt gut zu finden.
Da lasse ich mich jetzt mal nicht bitten, auch Ihr aktuelles Video zu posten (wie man neudeutsch so schön sagt).
Geht es nur mir so, oder erinnert die Machart des Clips ja doch auch etwas an den von „Wolverine Blues“?

Wer findet die Überraschung?


Bongripper!

Besser spät als nie: Bei Release hatte ich „Satan Worshipping Doom“ von BONGRIPPER zwar schon mittelschwer auf dem Schirm gehabt, dann aber doch irgendwie durchs Raster fallen lassen anstatt zuzulegen, zumal ich den Namen der Truppe etwas zu albern fand, und gerade auf noch eine instrumental-doomig-epische Band nach all den Tides, Pelicans, Omega Massifs, Year Of No Lights, 5ives, Lentos, und so weiter, und so weiter keinen Bock hatte.
Da das Quartett aus Chicago allerdings nicht nur alle o.g. Bands mit einem Fingerschnipp wegbläst, sondern beim diesjährigen Roadburn Festival auch den meisten anderen aufspielenden Kollegen gewaltig die Show stahl, ist Nachholbedarf da.

Eine Besonderheit an B
ONGRIPPER: Ihre Alben kann man, anstatt über Zwischenhändler, nur bei ihnen direkt bekommen, und sie sind dann auch besonders schmuck aufgemacht.
So ist das Artwork von „Satan Worshipping Doom“, wenn man die Schallplatte in Händen hält, auch schlichtweg der schiere Wahnsinn:



Was BONGRIPPER auf diesem Album mit vier Tracks in einer Stunde sehr gut gelingt ist, die einfachsten Bausteine so zusammenzusetzen, dass man es in der Theorie nie so gut beschreiben könnte, wie es sich in der Praxis dann tatsächlich anhört („zu Architektur tanzen“).
„Satan Worshipping Doom“ hat einen unfassbar geilen Sound. Drückt, dröhnt, treibt, brodelt, rockt. Atmosphärisch und massiv. Eigentlich simpler Kopfnicker-Metal, der in epischen Arrangements, die aber nie die Grenze zu “Post-“-Träumereien überschreiten, zu mehr wird.
Beste Stelle: Wenn der ‚Satan‘-Track (der Reihe „1. Hail 2. Satan 3. Worship 4. Doom“) erst überraschend mit einem Blastbeat-Part loslegt, um diesen dann so gelungen in einen Groove zu bremsen, dass man vor Freude quieken möchte. Kriegen viele Black Metal- oder Deathgrind-Bands, die sowas eigentlich en masse exerzieren, so lässig nicht hin.

In diesem Sinne: Worship Doom!

www.bongripper.com
bongripper.bandcamp.com

Mittwoch, 18. April 2012

Necro Deathmort - The Colonial Script

Das gerade hinter mir liegende Roadburn Festival in Tilburg bot die allererste Gelegenheit, das neue Album von NECRO DEATHMORT käuflich zu erwerben. Dem kam ich dann auch gleich mal nach.
Auf „The Colonial Script“ präsentiert sich das Duo aus London irgendwie noch konsequenter und konzentrierter. Ambient-Passagen und Computerbeat-Eskapaden klingen noch besser und ausgereifter als auf den beiden Vorwerken, und Doom Metal-Songs auch noch mehr nach richtigen Doom Metal-Songs, die mit pechschwarzer Atmosphäre und krassen Vocals eigentlich schon was für Leute sind, deren Lieblingsplatten Namen wie Neurosis, Today Is The Day, (ganz frühe) Swans, Grief oder Eisenvater zieren. Aber, und das ist der Knackpunkt, im Idealfall eben auch Godflesh, Scorn, Sunn o))), Skullflower, Lustmord und Blut aus Nord.
Es ist wohl ganz gut klar geworden, dass das hier wirklich nicht gerade Frühlingsmusik ist. Womit NECRO DEATHMORT‘s industrialisierter Dronedoom aktuell nicht nur als der böse Bruder der dagegen noch allgemeinverträglichen Heinali and Matt Finney durchgehen könnte, sondern außerdem im Ansatz artverwandte Stilwegbereiter wie Nadja endgültig in die totale Bedeutungslosigkeit pustet (in dessen Richtung sie allerdings auch schon von alleine schipperten …). Und außerdem die Befriedigung bringt, die einem die meisten Justin Broadrick-Projekte nicht bieten können, obwohl sie sich an ähnlichem versuchen.
Allerdings ist „The Colonial Script“, da bin ich mir nach wenigen Durchläufen schon ziemlich sicher, eines dieser Alben, das man irgendwie geschätzt im Hinterkopf behält, obwohl man es dann später eigentlich nicht mehr wirklich hören möchte. Überhaupt bergen Bands wie diese, die in einer Grauzone zwischen Elektronikheimwerker und Rockband angesiedelt sind, die Gefahr in sich, zu einem Nischenphänomen zu verkommen, dessen Nähe zum Zeitgeist keine Klassiker-verdächtige Halbwertzeit abwirft.
Was wiederum nichts an der Tatsache ändert, dass ich den Kram von NDM gerade wirklich sehr gerne höre, und das ist ja dann doch eigentlich alles, worauf es wirklich ankommt.

beim Label kaufen

(PS: Ich muss mir wirklich mal dringend abgewöhnen, bei meinen Plattentipps so viele weitere Bandnamen zu droppen …)

Roadburn 2012 (3)

(Peace, Love & Sludge Metal, Teil 1)
(Peace, Love & Sludge Metal, Teil 2)

Peace, Love & Sludge Metal, Teil 3:

Samstag …

Beim Blick auf die Uhr frage ich – überraschenderweise mal nicht der erste, sondern letzte, der wach und aufrecht ist – mich, ob ich tatsächlich mal ungewöhnlich lange geschlafen habe (was erfreulich wäre), oder mich doch nur so spät habe in die Koje fallen lassen, dass es nur wenige Stunden später schon wieder so gut wie Mittag ist (irgendwie eher nicht so gut). Die Wahrheit will ich gar nicht wirklich wissen, auch wenn ich sie vom allgemeinen Feeling her bereits kenne.

Die in Kalter Kriegszustand ausartende Diskussion um den Soundtrack beim Mittagessensfrühstück spitzt sich zu. Indie-Experte und „Proto-Metal“/ 70ies Rock- Aficionado Jan S. besteht auf seine Oldies und Retroscheiße, El Lukerino rüstet derweil sein Schlafzimmer um eine iPod-Stationsbox (oder wie auch immer das Teil eigentlich heißt) auf, um dort parallel die Sludge- und Grind-Area zu eröffnen. Ich blätter‘ derweil im Visions und schüttel verständnislos den Kopf. Das zur Dekoration des Wohnzimmers aufgehangene Ärzte-Poster aus besagter Postille wird derweil vom zähneputzenden A.J. mutwillig zerstört. Jawohl, Rock’n’Roll, endlich mal Zerstörung.

Aufgrund der Verpeiltheit und Lahmarscheigkeit, die zwar allgemein, aber an diesem Wochenende auch schon mal besonders schlimm vorherrscht, sehe ich nix vom akustischen MIKE SCHEIDT-Soloset. Gibt schlimmeres. Warum ich 40 WATT SUN nicht gesehen habe, weiß ich eigentlich gar nicht so wirklich. Da diese aber eher auf der traditionellen Seite des Doom angesiedelt sind, und ich auf eben der recht picky bin, ist auch das nicht so schlimm.

Danach sind dann aber CHURCH OF MISERY auf der Hauptbühne das erste Pflichtprogramm des Tages. Es gibt wohl keine andere Band, die derart zum Roadburn-Stamminventar gehört. Was vielleicht auch mit ein Grund ist, warum die schon wieder Line Up-Wechsel vorweisenden Japaner heute nicht so kicken wie sonst schon mal. Ein anderer sind anhaltende Probleme mit der Bassbox. Was war da eigentlich los dieses Jahr, in Bezug auf Technikprobleme?
JESU … nun ja. Wie kann ein Projekt eigentlich einen so guten Start gehabt haben, dann aber noch in etwas derart langweiliges abgedriftet sein? Ich weiß et nich‘. Was ich von Justin Broadricks aktueller Hauptband im Anschluss an CoM im Patronaat so sehe, hat jedenfalls eine irgendwie durchaus geile Grundlage, auf der es dann aber Details wie kitschig klingendes Geklimper versauen.

Danach mal reihum 'ne Schnuppertour machen. Dafür, dass ich PELICAN eigentlich ziemlich verzichtbar finde, gefällt mir der Song, den sie gerade spielen, ganz gut. Guter Sound auch! THE WOUNDED KINGS kommen visuell durch Fantasy-Animationsfilm verstärkt in den Green Room. Haben doch gerade die eigentlich nicht nötig. Auf der Stage 01 sind die mir zuvor nur namentlich bekannten ALKERDEEL derweil eine ziemlich derbe Angelegenheit. Diese Wissenslücke muss ich wohl zeitnah noch schließen.
Ärgerlich danach: Es ist unmöglich, sich mal einen Live-Eindruck von Oranssi Pazuzu zu verschaffen, da diese parallel zu Necro Deathmort spielen.

Zuvor ist es Pflicht wie Vergnügen, doch mal Wino mit seiner alten Truppe THE OBSESSED gesehen zu haben. Ziemlich spielfreudig, das Ganze. Aber, auch wenn mich da jetzt die Doomer und Stoner mit „Blasphemie!“-Rufen steinigen: THE OBSESSED sind mir heutzutage, wenn ich dann mal ganz ehrlich bin, ja doch ein Tickchen zu sehr an solchem gefälligen Altherrenrock angesiedelt, der zwar als Hintergrundbeschallung fürs Bier in verräucherten Läden super funktioniert, mich aber sonst nicht übermäßg kickt.

Meine Portion Moderne sollte ich dann auch schon sofort mit NECRO DEATHMORT kriegen. Das Londoner Duo vereint sowas wie Dronedoom inkl. fiesem Geschrei mit Konserven-Beats. Hat zwangsläufig schon mal was von Godflesh. Kann nicht jeder drauf, aber ich finds super. Ganze Live-Umsetzung inkl. Visuals dann auch ein Traum. Brandaktuellestes Album natürlich auch gleich mal mitgenommen.

Weiter geht’s mit dem Sensationsheadliner SLEEP, der auch so eine Sache ist, wo man wohl einfach dabeigewesen sein muss. Aber gleich mal 'ne halbe Stunde „Dopesmoker“ und eine Amp-Wand, die die Luft vibrieren lässt – nicht ganz ungeil. Auch wenn der ganz große Kult hi... ach komm, ich sach' nix.
Kein Wunder, dass sich der Andrang beim Blackened Shoegazecore vom TOMBS parallel verhältnismäßig in Grenzen hält.

Beim Weg vom Klo treffe ich dann zwischenzeitlich einen Angehörigen der Reisegruppe RockHard. „Hm, irgendwie sitzen wir die meiste Zeit im Irish Pub, hihi. (…) Habe leider zwei Bands, die ich sehen wollte verpasst, weil ich mich in der Kneipe festgequatscht hatte. (…) Wir gehen dann jetzt auch mal wieder rüber ins Irish Pub.“ Mach Sachen, Alter, hättich jetz echt nich‘ gedacht …

Zu Abschluss dann mal ins Stage 01-Kabuff schleppen, um auch JUCIFER endlich mal live gesehen zu haben. Es ist allerdings paradox: Ausgerechnet die eine von 50 Bands, die ich auf ihren Alben gerade auch, wenn nicht sogar vor allem für ihre Popsongs schätze ist die, die live dann nur ultra-evil-albern (was ein Pannemann von Drummer!) mit dilettantischem Geprügel und Dröhnfeedback-Gepose abnervt (Gitarrensound aus dem Amp-Turm allerdings mächtig und geil!). Vielleicht funktioniert das, wenn man sie bei einem normalen Clubgig sieht, heute Nacht bei Roadburn ironischerweise allerdings nicht so wirklich für mich.

Also doch noch mal eben ins Patronaat für die letzte Viertelstunde BONGRIPPER. Und die sind mal cool, meine Fresse. Hätte bei ihrer an sich doch recht simplen Instrumental-Doom-Geschichte nicht gedacht, dass das dann so einen Spaß macht. Auch hier mitunter eine Sache des Sounds, glaube ich. Auf jeden Fall ist diese bisher sehr unter „ferner liefen“ abgespeicherte Band, mit auffällig unauffälliger bzw. wenig stereotyper Erscheinung, mit sofortiger Wirkung in meiner Gunst stark gestiegen.

Sonntag ...

Die allgemeine Langschläfer-Katerstimmung ist beim „Afterburner“-Sonntag so tiefenentspann t-groß, dass wir nicht rechtzeitig in die Pötte kommen, The Mount Fuji Doomjazz Corporation noch zu sehen. Was mich ein kleines bisschen ärgert, den anderen aber egal zu sein scheint. Was für Penner.

Der Rest des stocknüchternen und entspannt-zufriedenen Extratages, der dieses Jahr auch tatsächlich mal musikalisch richtig zwingend war, im Schnelldurchlauf:

Zu URFAUST schaffe ich es gerade rechtzeitig vor die Green Room-Bühne. Und sie spielen sogar das grandiose „Unter Töchtern der Wüste“. Geil! Auch , da endlich mal den Haken dran zu haben.
Danach noch mal die diesjährige, traditionelle „Ja wow, das hätte ich nicht gedacht!“-Band des Roadburns: BONGRIPPER! Dieses mal spielen sie „Satan Worshipping Doom “ am Stück. Wovon besonders der blackmetallisch anmutende Beginn von 'Satan' gefällt. Aber im Prinzip ist das ganze Album, so wie dessen Livedarbietung, eine runde und mitreißende Sache. Da sieht man auch mal über kleinere Patzer hinweg.
YOB zum zweiten. Mit „Catharsis“-Set, was mit dem rockig aus dem Rahmen fallendem 'Ether' einen meiner bestimmt sechs Lieblingssongs des Trios enthält. Geil, geil, geil.
CORONER kommen danach, wie eigentlich auch erwartet, etwas deplatziert und ein bisschen albern daher. Dass sie sich eher aufs Spätwerk stürzen, anstatt primär die Old School-Fraktion zu bedienen, rechne ich ihnen hoch an. Dass „Grin“-Material mit seiner Industrial-Kante (wofür sie sogar einen Exra-Laptop-Mann mit auf der Bühne hatten) dabei heutzutage dann aber eher schon etwas zu „typisch für Früh/Mitt90er-Metal“-anachronistisch als wirklich zeitlos daherkommt, macht den Nostalgietrip ambivalent. Abgesehen davon aber natürlich eine nette Sache, auch diese Thrash-Oldies mal gesehen zu haben.
BLACK COBRA sind mit ihrer, eher auf der rasanten und eigentlich schon etwas Thrash-lastigen Seite des Genres angesiedelten Sludge Metal-Kelle dann als rausschmeißender Schlussakt noch mal eine richtig kickende Angelegenheit. Ziemlich geil, das mit dem Sound der Hauptbühne zu sehen und hören, auch wenn jene eigentlich zu groß für eine 2-Mann-Band ist.

Womit es dann auch schon wieder rum wäre, das beste Wochenende des Jahres. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ausgebrannt, quasi.

Dienstag, 17. April 2012

Links der Woche

Roadburn 2012 (2)

(Peace, Love & Sludge Metal, Teil 1)

Peace, Love & Sludge Metal, Teil 2:

Auch das gehört zum Roadburn: Langsam erste Ermüdungserscheinungen in Form von schmerzenden Füßen und Rücken zu spüren. So schleppe nicht nur ich mich ….

Freitag …

… nach etwas zu wenig Schlaf, etwas zu viel Alkohol, und einem etwas zu wilden Vortag schon leicht abgekämpft durch die Gegend, und murmel die Standartphrase vor mich hin, für so eine Scheiße ja eigentlich längst viel zu alt zu sein. Aber nützt ja alles nicht, die Party im Paralleluniversum muss weitergehen.

Bevor es zum ersten Parkplatzbier in Tilburg kommt, verdrehe ich allerdings erst mal über Indie-Experte und „Proto-Metal“/ 70ies Rock- Aficionado Jan S. die Augen, weil er beim Frühstück lieber die ganze Zeit Deep Purple und U.F.O. hören möchte, anstatt Carcass oder Christ of Kather & Markus Maria Hoff, wonach den wahren Metal-Zuschätzenwissenden der Reisegruppe eigentlich wäre. Aber der feine Berufsmusikzerreder findet das ja zu steril und schwört stattdessen auf Retrokapellen. Womit ich meinem Unverständnis darüber hiermit auch Ausdruck verliehen hätte.

Auf dem Weg über die Kneipenmeile sieht man auch die Jungs und Mädels vom RockHard wieder – was ziemlich überrascht – aus dem Irish Pub gen 013 aufbrechen.

Heute eröffnen die abseits der Bühne gerne viel über Drogen redenden NACHTMYSTIUM mit einem „Instinct: Decay“-Set, was ich mir aber nur anfangs kurz gebe, weil ich die eine halbe Stunde zeitversetzt auf der Stage 01 auflaufenden END OF LEVEL BOSS, aufgrund ihres sehr guten aktuellen Albums unbedingt sehen möchte. Und es lohnt sich. Mit generalüberholtem Line Up zocken sich die Briten durch einen Gig, der genauso so lebendig, spielfreudig, interessant, und anders ist, wie „Eklectic“. Das hat mal echt Spaß gemacht!

Bei J.G. THIRWELL’S MANOREXIA hält sich der Andrang in Grenzen und irgendwie möchte ich mir das auch gar nicht lange angucken. In anderer Form gerne, aber in so einem Eventrahmen fehlt mir für sowas irgendwie dann doch die richtige Stimmung, Geduld und Sitzgelegenheit. Ein Problem, das auch vom Denovali Swingfest oder Auftritten von Bohren & der Club of Gore bekannt ist.
Zu Sólstafir ins Het Patronaat rübergehen lohnt aber auch nicht, da als nächstes KONG im Green Room zum Tanze bitten. Die holländischen Urgesteine (von denen allerdings nur noch ein inzwischen ziemlich beleibtes Originalmitglied übrig ist) sind mit ihrem Instrumental-Kram zwischen Metal, Prog und Dance ja fast schon sowas wie Postrock-Vorreiter, und haben es vermutlich auch ihrem Heimvorteil zu verdanken, dass der Raum voll ist und die Leute Bock drauf haben. Was soll ich sagen - auch wenn sie nicht wie gewohnt quadrophonisch auftreten, hat selbst ein sonst eher unnostalgischer Typ wie ich tatsächlich noch mal ziemlich viel Freude an der Zeitreise, die Material aus „Push Comes To Shove“- und „Earmined“-Zeiten so mit sich bringt. Schön. Wirklich.

Ca. eine Stunde persönliche Pause zwischen Kong und YOB ist mit Essen, Biernachschub und internationalem Smalltalk schnell gefüllt.
YOB spielen „The Unreal Never Lived“ komplett und hauen als Bonus mit 'Adrift In The Ocean' auch noch den besten von der aktuellen hinterher. Irgendein weiteres Wort drüber zu verlieren, ist unmöglich und überflüssig, denn das ist etwas, wo man tatsächlich einfach dabeigewesen sein muss.

Für einen Abstecher zu Black Breath oder Barn Owl habe ich keine Energie; sich nach dem ersten von zwei Yob-Gigs den zweiten von VOIVOD zu geben … ja, das weckt ein weiteres Déjà-vu an Vorjahre.
Aber egal, VOIVOD spielen „Dimension Hatröss“ am Stück. Ohne Spaßbonustrack. Dafür noch mal das Die Kreuzen-Cover, nun allerdings mit dem extra dafür angereisten Die Kreuzen-Sänger Dan zusammen, der es am Vorabend nicht aus Amsterdam schaffte. Unnötig zu erwähnen, dass die Alteisen auch ein zweites mal wieder begeistern.

Die Entscheidung zwischen der primär namentlich zum Roadburn passenden Crustknüppellegende Doom und der französischen Blackened Sludgecore-Truppe CELESTE fällt beim freitäglichen Finale zugunsten letzterer aus. Auch das lohnt sich, denn das musikalisch derbe, optisch sinpel-wirkungsvoll inszenierte Massacker an Wuchtigkeit und Düsternis macht, so antonym das bei dieser Band vielleicht auch klingen mag, tatsächlich eine Mordslaune. Meine bewegungsfreudige Begeisterung für die Darbietung sorgt unter einigen Bekannten gar (sicherlich zurecht) für einiges an Heiterkeit. Anyway, die möchte ich im Idealfall zeitnah noch mal sehen!

Danach müssen die letzten Kräfte noch für Foyer-Metaldisco und folgende Bungalow-Bunga-Party herhalten (und eine zwischenzeitliche Diskussion mit einem Belgier, der mich mit seinen Metallica-Lobhudelein dazu brachte, „sowas muss ich mir echt nicht anhören“ schnaufend einfach zu gehen), bevor es endgültig dunkel wird.

to be continued …

Roadburn 2012 (1)

Peace, Love & Sludge Metal, Teil 1:

Auch 2012 brannte die Straße im hübschen niederländischen Tilburg wieder mit mir. Obwohl die Ticketpreise die hypothetische Obergrenze inzwischen eigentlich längst überschritten haben. Was allerdings auch einen Vorteil hat: Es hält den Großteil dieser notorischen Gästelistenschnorrer und Hobby-VIP-Area-Abhänger, die mir sonst nur auf den Sack gehen würden, erst recht von der Teilnahme ab. Und auch wenn auch das Roadburn inzwischen längst ein mittelgroßer Event mit Sehen und Gesehen werden, viel Party, Socializing und wo hält man ihn denn heute Nacht noch rein geworden ist, geht es hier prioritär eben nach wie vor erst mal noch um die Musik, die in diesem Fall ohne Frage 700%ig geiler ist, als beim Wacken, dem Rock am Ring, dem WithFullForce, dem RockHard Festival, dem Visions Westend, dem Vainstream, usw. usw. usw. … auch wenn das wiederum einige frühe Anhänger des Events inzwischen anders sehen, weil es ihnen zu viel ganz harter Stuff und Avantgarde, aber zu wenig Altherrenrock geworden ist.

Genug der Vorreden. Als ich Mittwoch Abends an unserer Ferienwohnung ankomme, sind alle, bereits einen Tag zuvor dorthin gefahrenen, in einem derartigen Chillout-Modus am Start, dass ich zwangsläufig einen orgiastischen Beginn des Musikveranstaltungskurzurlaubs unterstelle. Man beteuert jedoch, dass nix war und alles easy ist. Nun ja.

Mittwoch …

Los geht es dann wenige Stunden später im Stadtzentrum beim obligatorischen Extra-Gig für lau im Cul de Sac: Man wärmt sich hier schon mal mit ein paar Humpen Amstel bei Livemusik auf, denn die niederländischen HERDER eröffnen quasi das Festival. Dafür sind sie mit ihrem rockigen Sludge-Geschrei (grobe) Richtung Iron Monkey auch genau das richtige. Dass man in der überfüllten Kneipe nicht wirklich gut die Bühne sieht – geschenkt, heute geht es hier einfach nur entspannt ums Ganze. Und Bier, Bier, Bier.

Donnerstag …

Der Kater hält sich angenehmerweise in Grenzen. Gut, gut. Man kann halt auch was ab.
Inmitten unserer Aufbruchstimmung zum Festival kommt noch der letzte der Gruppe an, Indie-Experte und „Proto-Metal“/ 70ies Rock- Aficionado Jan S.! Die nächsten Minuten sind von allgemeiner Hektik, Verpeilung, Diskussionen und unorganisiertem Schulterzucken geprägt.

Skip. Irgendwann mal im 013 angekommen, eröffnen die mit Killing Joke auf Tour befindlichen THE ICARUS LINE im Green Room. Irgendwie unpassend, aber gar nicht mal so schlecht. Allerdings nervt dieser Schmalhans von Sänger mit seinem affektierten Getänzel und allgemeiner Wannabe-Iggy Pop-Erscheinung ohne Ende. Schade eigentlich, denn die Mucke gefällt durchaus. Nach ein paar Songs konnte ich mir das wirklich nicht mehr ansehen.

Im Anschluss dann verhältnismäßig Roadburn-typischerer Stuff auf der Hauptbühne in Form von d.USK / d.ISEMBOWELMENT. Welche allerdings gar nicht mal so gut sind.

Danach wird dann noch 'ne Runde in AGALLOCH reingeschnuppert, aber mit derartigem Dudeldüster-Metal habe ich es in letzter Zeit eher nicht so (und bezweifle auch, dass sich das in diesem Leben noch mal groß wieder wenden wird), sowie in den MICHAEL GIRA-Soloset im Het Patronaat.
Die neue Zusatz-Location ist okay, die Akustik-Performance des Swans-Chefs auch, allerdings gucken alle Anwesenden direkt vor der Bühne immer wieder böse zu denen an der Theke hinten rüber, da jene recht lautstark Konversation machen.

Komischer Start, dieses Jahr, so irgendwie.
Ein Stückchen Heimatgefühle kommt allerdings auf, die Jungs und Mädels vom RockHard-Magazin zu treffen, die – was ziemlich überrascht – vorm/im Irish Pub um die Ecke abhängen.

Die mitunter nicht unkrude Performance von OM hat dann, allzu offensichtlich zum Bandnamen passend, endlich mal etwas schon regelrecht meditatives, denn (gerade) auch das ist Roadburn. Wenn man denn Bock hat, sich auf den komischen Al Cisneros (mit seinem hochindividuellen Kopfnicktstyle) einzulassen, den mein Kumpel Mike inzwischen mit dem Batman-Widersacher Pinguin vergleicht. Is‘ was dran!

Zur Prime Time ist Euphorie angesagt, denn ich sehe endlich mal KILLING JOKE live. Die erste Hälfte ihres Auftritts ist vor allem von zwei Dingen geprägt: 1.) einem irgendwie etwas lahmen Start, mit dem als Opener (auch gerade im Kontext eines härteren Festivals) etwas ungeeignetem 'European Superstate' und einer weiteren Folge an eher gemäßigten Songs; 2.) der Tatsache, dass Gitarrist Geordie Walker irgendwie mit dem Bühnensound unzufrieden ist ,und daraufhin einfach mal Boxen umwirft, obszöne Gesten macht, und sich mit Leuten anlegen will. Auch Zeremonienmeister Jaz Coleman wirkt daraufhin leicht irritiert, zieht aber einfach souverän die Show eiter durch. In dessen weiterem Verlauf der Verfasser dieser Zeilen dann doch noch zu knackigeren Metal-Nummern wie 'Asteroid', 'The Great Cull' und dem nicht mal erwarteten 'The Wait' zufrieden das Tanzbeinchen schwingen konnte. Schön.

Die norwegischen ULVER, zu denen ich ja schon mal angemerkt habe, dass ihr Avantgardisten-Kultstatus auch etwas heißer gegessen als tatsächlich eben nur mit Wasser gekocht wird, sind danach mit einem Psychedelic Rock-Coverset an der Reihe. Kurzfassung dazu: Hätte ich so jetzt nicht gebraucht.

Den ersten von zwei VOIVOD-Auftritten gucken bringt so manches Déjà-vu, denn das hatten wir doch eigentlich letztes Jahr schon. Was mich persönlich allerdings nicht weiter stört, denn ich liebe die Kanadier. Und wer das nicht tut, hat keine Ahnung von harter Musik und einen kleinen Penis. Und auch wenn es ohne den 2005 verstorbenen Denis „Piggy“ D'Amour, dessen schräges Gitarrenspiel die Band maßgeblich mitprägte, nach wie vor etwas seltsam ist, werden die aktuellen Voivod live immer noch besser. Und covern heute Abend als Überraschung Man In The Trees von Die Kreuzen. Coole Sache.

Beendet wird der erste offizielle Festivaltag mit der traditionellen Metalparty im Foyer. Vom verschwommenen Rest der Nacht kann ich aus meinem kaputten Hirn nur noch zu den Scorpions auf dem Sofa tanzende Engländerinnen hervorkramen. Reicht.

to be continued …

Dienstag, 10. April 2012

Wovette

Auf die längst wieder aufgelösten Indieprogger Bad Dudes hatte ich schon vor Urzeiten mal hingewiesen.
Deren Brady Miller hat sich nun dazu durchgerungen, mal seine Festplatte aufzuräumen, und angehäufte Tracks auf einen Schlag als Quasisoloprojekt unter dem Titel WOVETTE auf die Menschheit loszulassen.

Der 29 Songs umfassende "Pay what you want"-Download enthält eine bunte Zusammenstellung aus allem möglichen von Elektronik-Friemeleien bis zu LoFi-Surfrock.
Dieses „direkt aus der Bastelecke an die Öffentlichkeit“-Flair erinnert irgendwie an Nine Inch Nails‘ „Ghosts“, und wem das gefallen hat, bzw. wer mit Aphex Twin genauso viel anfangen kann wie etwa mit der Blues Explosion oder aktuell The Men, für den ist auch WOVETTE was.

Reinhören kostet ja nix. Downloaden im Zweifelsfall auch nicht:
http://wovette.bandcamp.com/

Sonntag, 8. April 2012

Rorcal


Manchmal denkt man, dass in einer aktuell angesagten Substilecke langsam mal alles gesagt ist und sämtliche Klischees durchexerziert wurden, da taucht dann auch gerne mal unverhofft eine Band auf, die genug Frische und Originalität mitbringt, doch noch über einen Anstandsapplaus hinaus zu begeistern.
Die Rede ist von RORCAL, auf die ich vor einem Jahr schon mal hingewiesen habe. Jene spielten vergangenen Karfreitag (!) in der Baracke zu Münster.
Hatte man supportende Jungspunde aus Gießen mit Selbsteinschätzung „Blackened Hardcore“ bei ihrem Live-Debüt hinter sich gebracht, entpuppten sich die Schweizer als regelrechte Offenbarung. Und als ziemliche Überraschung, denn damit, dass sie neben dem Zeitlupen-Vorschlaghammer in Form von wuchtigen, lärmigen Dronedoom-Eskapaden auch zum anderen Extrem neigen, immer wieder auch längere, irgendwo zwischen Grindcore und Black Metal angesiedelte Blastbeat-Massacker rausfeuern, hatte ich nicht gerechnet. Mit einfachsten Mitteln effektiv unterstützt durch Nebel und Stroboskop, mit einem sehr fähigen Schlagzeuger, und mit einem Frontschreier, der sich eher gut ins Kollektiv einfügend in Szene setzt, als die totale Rampensau zu machen.
Sehr, sehr geil! Auf das nächste Album dieser Band bin ich nun wirklich gespannt wie ein Flitzebogen und kann nur jedem empfehlen, sich das live mal zu geben!

rorcal.tumblr.com/


(Foto-Credit: El Lukerino)

Mittwoch, 4. April 2012

Alben, in die ich gar nicht erst reinhöre

Auch das gibt es im heutigen Internetzeitalter, in dem selbstonanistische Distinktionszurschaustellung und Schlaumeierei bis an die Grenze des erträglichen immer wichtiger werden: Reviews zu Alben, die man sich gar nicht angehört, bzw. es auch nicht vor-hat.

MINISTRY – Relapse
Nach allem, was ich bisher über dieses Machwerk an anderen Stellen gelesen habe, kann ich das probehören wohl einfach gleich sein lassen. Selbst dem wohlwollenden Schöngere, das Herausgeber Stratmann im aktuellen RockHard dazu verfasst hat, quillt aus jeder Zeile, was für ein Rohrkrepierer diese, schon in ihrer Ausgangslage überflüssig daherkommende Scheibe zu sein scheint. Andere reden sogar von „haarsträubend“, „hanebüchen“, und „unfassbar schlimm“.
Ergo: Hier vertraue ich einfach mal auf die gesammelten Stichproben und verschwende meine Zeit erst gar nicht mehr an eigene Meinungsbildung.

MUNICIPAL WASTE - The Fatal Feast
Entpuppt sich die Speerspitze des humoristisch angehauchten Retro-Thrashs (/-Thrashcorecrossovers) etwa tatsächlich als dann doch eher nur saisoneller Spaß, denn als Klassiker für die Ewigkeit? Mach Sachen …
RockHard zu zweiten: Wenn selbst im besagten Szeneblättchen von Ermüdungserscheinungen die Rede ist, kann ich bei diesem Album wohl mal aussetzen. Zumal ich schon die davor mitnichten auch nur ansatzweise so knallermäßig fand wie die wiederum davor.

PALLBEARER - Sorrow and Exstinction
Doom von Profound Lore? Das Boot ist erst mal voll, sorry. Können weder das geschätzte Label, noch die vermutlich gute Band was für, aber im Moment wär‘ mir auch mal wieder nach was anderem, als Doooom Doooom Doooom all over … wofür wiederum der Doom an sich eigentlich nichts kann, aber … ich schweife ab.

die und das

- Bei Stonerrock-Kapellen wie ASG oder TORCHE kapiere ich nach wie vor null (!), warum mir das einige Zeitgenossen als total grandiose Sache anpreisen wollen (und wo wir dabei sind: RED FANG sind der gaaanz große Wurf ja jetzt auch nicht …).
- Das gleiche gilt für schwachbrünstige Retrosound-Strategen wie GRAVEYARD oder HORISONT. Laaaaangweilig.
- CONVERGE und THE DILLINGER ESCPAE PLAN sind ja übrigens so Bands, die mir seit eh und je nicht mehr als nur ein „Tjoah, kann man sich mal geben, die große Erfüllung ist das für mich aber auch nicht wirklich…“ abringen.
- Dass Trve- und Düster-Metal-Klischeefiguren, die bei den beiden letztgenannten prinzipiell Reißaus nehmen, dann wiederum die rein musikstilistisch längst näher an Mathcore als wirklich an Black Metal tönenden DEATHSPELL OMEGA als Kvlt hoch elf abfeiern, finde ich dann ja doch irgendwie amüsant.
- Das gleiche gilt hier dann außerdem u.a. auch für den in Watte eingepackten Süßlich-Shoegaze von ALCEST, und den aus unerfindlichen Gründen inzwischen szenisch regelrecht heiliggesprochenen Popig-Retrohardrock von THE DEVIL’S BLOOD. Langsam wird’s lächerlich, Leute, ehrlich!
- Diese von der „Hipster-Blogosphere“ wie Teilen der Trve-Fraktion jetzt gleichermaßen durchgewunkene Miniwelle an traditionelleren Heavy Metal-Bands mit Frontfrauen (wie die von Fenriz gehypeten CHRISTIAN MISTRESS, oder HUNTRESS, die dazu auch schon den Kunstblut-auf-Titten-Gimmick bemühen müssen …) mache ich im Übrigen auch nicht mit. THE WOUNDED KINGS haben es da bei mir so gerade eben noch durchs schließende Tor geschafft.
- Zu guter Letzt: Als ich neulich mal wieder TOOL’s „Ænema“, sowie HELMET’s „Betty“ in der Rotation hatte, dachte ich so in mich rein, dass diese 90er-Alternative-Perlen ja auch weitaus wesentlicher nur mit Wasser gekocht waren bzw. sind, als sich das so manch Visions-affiner Hartmusikfreund damals zurechtgesponnen bzw. heute verklärt abgespeichert hat. Musste ich bei der Gelegenheit dann auch noch mal loswerden.

Dienstag, 3. April 2012

Neue Videoclips

gibt es in Form von TOMB's "Passageways" und DAVID LYNCH's "Crazy Clown Time":



Killing Joke - MMXII

Eineinhalb Jahre nach dem ziemlich starken „Absolute Dissent“ war irgendwie schon vorher klar, was für ein Album man mit „MMXII“ bekommen würde.
Eines, bei dem die direkte Hit-Dichte vermutlich nicht so groß sein wird, wie beim Vorgänger, und eines, das die Metal-Kante dagegen vielleicht auch mal wieder etwas mehr zurücknimmt.
Schon beim ersten Durchlauf der neuen Platte von Coleman und co. zeichnete sich dann auch ab, dass man mit dieser Erwartungshaltung nicht falsch lag.
Sound und Songmaterial sind hier mal wieder eher etwas Laissez-faire als (wie etwa auf „Absolute Dissent“ oder der 2005er selbstbetitelten) schnittig auf den Punkt zurechtgestutzt, und außerdem inkl. gelegentlich markanterem Synthie-Einsatz oft näher an Goth/Wave’schen Gefilden angesiedelt, als Brat-Riffs dominanter im Mittelpunkt zu präsentieren.
Herausstechende Akzente sind (vorhanden, aber) etwas rar und dabei eher dezent, was allerdings auch nicht heißt, es mit schwachem Material zu tun zu haben.
„MMXII“ ist durch und durch KILLING JOKE, ohne Überraschungen, ohne auffällige Knaller, ferner dabei aber auch ohne irgendwie unangenehm auffallenden Selbstwiederholungsfaktor oder langweilende Momente.
Ein Album, das man im Zweifelsfall guten Gewissens vernachlässigen kann, wenn man nicht jedes von KJ besitzen muss, das aber trotzdem nicht enttäuscht und für zumindest eine Saison kurzweilig durchläuft, wenn man es dennoch käuflich erwirbt.
Witzige Idee übrigens: Wer sich tiefer für die Themen interessiert, durch die das lyrische Rahmenkonzept inspiriert wurde, für den hat man hier unter jeden Songtext gleich mal ein paar Urls dazu im Booklet abgedruckt.

Fuck The Facts zum zweiten

Da es sich zwischen nächtlichem Clubbing mit einheimischen Rockchicks und dem Besuch von Hochkulturveranstaltungen am Deutschen Theater letztes Wochenende zufällig ergab, FUCK THE FACTS in Berlin noch mal sehen zu können, nahm ich diese Gelegenheit natürlich wahr.
Bei meiner extra schon etwas spät angesetzten Ankunft im „Koma F“ hatte der Local Support 100000 TONNEN KRUPPSTAHL bereits angefangen. Musikalisch und erscheinungsmäßig irgendwo zwischen dem roh-punkigem Geschrote der Yacøpsæ, der unorthodoxen Stilistik ganz früher JaKa, und dem zonal-humoresken Duoformations-Charme von Dÿse unterwegs, war der Weirdo-Grind der beiden zwar keine zwingende Offenbarung, aber dennoch so unterhaltsam, dass ich mir das Ganze in der Zukunft definitiv wieder live ansehen würde, sollten sie über die Luftbrücke mal in hiesige Längengerade kommen.
FUCK THE FACTS zogen danach souverän ihren geilen Stiefel durch, der gleichermaßen martialisch wie intelligent daherkommt. Im kleinen Kellerraum des Köpis funktionierte das auch ziemlich gut, aber mal ganz ehrlich: Auch wenn ich es als alternder Musikfreund durchaus begrüße, dass man bei so einem Konzert mal in Bühnennähe stehen kann, ohne gleich dauernd umgepogt zu werden oder Stagediver um die Ohren fliegen zu haben – was war das eigentlich für ein lahmes Publikum? Wie gesagt, etwas entspannter ist es mir natürlich sehr viel lieber, als sich nervige Moshpitfighter geben zu müssen, aber ein kleines bisschen mehr Enthusiasmus und Begeisterung für die aufgebotene Brutalomusik hätte ich an diesem Abend im allgemeinen ja schon gerne gesehen. Dit is Balin, wa‘?!
Anyway. FTF sind und bleiben eine gute Band. Wird Zeit, dass das auch endlich mal ein paar Leute mehr einsehen.