Mittwoch, 29. Februar 2012

Napalm Death - Utilitarian

Anstatt mich gleich sofort wieder in irgendwelchem Reviewgeschreibsel mit Mast im Hintern zu ergehen, halte ich es heute doch mal kurz und knapp: Das neue NAPALM DEATH Album „Utilitarian“ fährt keine wirklichen Überraschungen, Neuerungen oder Auffälligkeiten auf. Eine Saxophon-Einlage von John Zorn und ein paar Experimente im Vocal-Bereich, der bei drei Nummern um Klar- oder Chorgesang erweitert wurde (bei ‘The Wolf I Feed‘ erinnert es etwas unangenehm an Fear Factory, bei ‘Blank Look About Face‘ irgendwie ein bisschen an The Ruins of Beverast; im Großen und Ganzen geht das alles aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase ganz gut auf), sind die Akzente eines ansonsten „wie gewohnt“ knallendem Post-2000er NAPALM DEATH Albums. Am besten kommenden zwischen den urtypischen Trademarks, wie irrsinnigem Hypergeknatter und treibenden Grooves von bleierner Heavyness, dabei nach wie vor mal wieder die Nummern mit gewissem Voivod-Vibe - wie „Orders Of Magnitude“, bei dem die songschreiberische Prägung von Shane recht deutlich durchblitzt.
Nichts wirklich neues in Birmingham? Bevor wir uns missverstehen – das muss in diesem Fall dann mal überhaupt gar nichts negatives sein.
Summa summarum ist „Utilitarian“ ein mehr als nur gutes Album der Grindcore-Innovatoren, die zeitgemäß und als eigene Marke im Extrem-Metal-Bereich nach wie vor eine ganze Menge anderer Bands mit links in die Tasche stecken.
Tjoah.

Montag, 27. Februar 2012

Enslaved & Ghost Brigade (Köln)

Tatsächlich scheine ich ja langsam aber sicher mal tatsächlich altersmüde werdend einen Gang zurückzuschalten: Schon Ende Februar und ich war erst auf dem zweiten Konzert dieses Jahr.
Und im Grunde genommen wusste man dabei schon vorher, was für ein Publikum einen an diesem Abend in Köln erwarten würde: GHOST BRIGADE und ENSLAVED kann man in einer szenigen Halbmischmenge verorten, in der typisch uniformierte (Düster-)Metaller auch mal gerne die, dazu kompatiblen, etwas progressiveren und alternativrockigeren Bands hören, bzw. an der Ecke der härteren bis extremeren Langhaarigenmusik, aus der sich auch die Metal-affinen aber dagegen eher unauffällig scheinenden Post-/Prog-/Indierockfreunde schon mal ein paar Bands ausgucken. Dabei aber dennoch ganz klar eher was für Hammer-, RockHard- und Legacy-Peers, als für Visions-Abonnenten und Pitchfork-Leser, und eher für Party.San-Gänger in schwarz als für den Typen mit neonorangener Hose und voll ironischem Fotzenhobel, der zwar bei Wolves In The Throne Room oder Alcest auftaucht, weil hm irgendein Trendblog reingedreht hat, dass er das neben dem Melt!-Billing jetzt gut finden muss, aber sonst nicht bei vergleichbarem. Ja, ich bin für die Wiedereinführung von klar definierten Feindbildern unter Musikhörertypen. Merkt man das?

Anyway. GHOST BRIGADE finde ich nicht wirklich schlecht, bin aber auch kein besonders großer Fan der Finnen, deren Stilmusterabdeckung von Postrock bis Death Metal mir eigentlich schon wieder ein Eckchen zu eklektisch konstruiert ist. Sie taten allerdings gut daran, die ersten zwei Drittel ihres ca. 50minütigen Auftritts den Schwerpunkt doch sehr auf die härteren Nummern zu legen, und erst dann ein bisschen zu Songs mit noch mehr nordischer Melancholie und einem längeren Instrumental-Teil überzugehen. Manne Ikonen ist ohne Frage ein guter Stimmakrobat, aber fieses Growlen und den ganz groß ausholenden Pathosgeträller-Refrain in den gleichen Song quetschen, bzw. die Bollerkelle neben den Athmorocker stellen zu müssen, geht für mich nur noch bei Ausnahmen. GHOST BRIGADE sind (im Gegensatz zum Headliner) keine dieser Ausnahmen, und werden von der Metalpresse auch ferner mal wieder als progressiver hingestellt, als sie tatsächlich sind. Wie gesagt, die Truppe ist nicht wirklich schlecht, aber der ganz große Wurf ist eben doch noch was ganz anderes.

Was die folgenden ENSLAVED betrifft, so erwischte ich mich gleich vor und nach dem Konzert beim amüsierten Schwadronieren darüber, dass es mich eigentlich schon selbst verwundert, wie gut mir die Musik dieser Band gefällt. Denn wollte man es von der kritischen Perspektive betrachten, gäbe es ja doch so einiges: Hier wird auch gekeift, gegrowlt und klar gesungen. Hier werden auch durch und durch typische Metal-Stilmuster mit Prog und Athmo vermengt, so dass unterm Strich aber eben doch immer wieder nur Metal dabei rauskommt. Man kann hier außerdem so seine Déjà-vu-Momente finden, an welche andere namenhafte Prog-Düstermetalkapelle (Opeth) einen gleich weite Strecken eines ganzen Albums („Axioma Ethica Odini“) erinnern, oder dass ein Song (‚Ruun‘) ja schon irgendwie ein bisschen sehr in die „Progalternative“-Ecke (Tool) schielt. Noch dazu sind die Bandmitglieder Klischeefiguren, wie sie im Buche stehen: Grutle Kjellson der typische, leicht prollige Rampensau-Basser (und Keifer) in der Mitte, Ivar Bjørnson der noch viel wikingerhaft aussehende, aber dafür eigentlich ruhigere Vollnerd (und Gelegenheitsgrowler) am Rand, Arve Isdal der nicht an Kreativprozessen beteiligte, live dafür aber mal richtig aufdrehende Oberposer-Leadgitarrist mit Slash-Komplex, und dann ist da neben dem Drummer noch der Keyboarder und Klarsänger, der sich angestrengt mit einfindet.
Kein Wunder, dass man da musikalisch ein so buntes Komplettpaket bekommt. Aber ENLSAVED dürfen das. Die von einem schreibenden Kumpel schon um die Jahrtausendwende mal als „Stadion-Black Metal“ deklarierten Norweger haben diese Stilausweitungen mit Wikinger-Gehabe und Pink Floyd-Anleihen überhaupt erst in diesem Ausmaß entscheidend geprägt. Das Ganze funktioniert einfach, auf Platte wie live. So gab es an diesem Abend im Kölner Underground eine nette gemischte Tüte, die uralte BM-Holzereien (‘Allfǫðr Oðinn ‘, `Jotunblod`) natürlich genauso beinhaltete wie ins sphärisch-rockige driftende Songs (‘Ground‘, ‘Ruun‘), und energisch Headbanger-entgegenkommendes (‘Ethica Odini ‘), genauso wie pathosgeladenes (‘Isa‘). Und jede einzelne Nummer davon macht Laune.
Netter Abend!

Sonntag, 26. Februar 2012

Need You Tonight

Im Rahmen einer Parfüm-Werbekampagne mit LIV TYLER hat man sie gleich mal eben eine Coverversion des o.g. INXS-Gassenhauers einsingen lassen, dessen recht industrialrockige Produktion mit Mitt90er-Feeling mich ja dann doch irgendwie ein bisschen anspricht, und natürlich einen Videoclip dazu gemacht. An anderer Stelle wurde über das Ding ziemlich abgelästert, aber bei mir darf Liv so oder so alles.

Donnerstag, 23. Februar 2012

weed smoking unemployed hipster trash

Dass COBALT-Sänger Phil McSorley beruflich beim US-Militär dient, ist keine so neue Info. Als er dafür vor einiger Zeit bei Fox-News‘ Comedy-Talk mit gelegentlicher Rock/Metal-Affinität „Red Eye“ schon mal betont auf die Schulter geklopft wurde, haben wir ja erst mal nur ein bisschen die Augen verdreht. Ansonsten erst mal no big deal.
Nachdem es aber neulich schon mal auf Facebook Militärskandal-bezogene Andeutungen aus dem COBALT-Umfeld gab, die uns leicht Zähne knirschend machten, muss man nun mal ganz direkt über ein Interview mit Herrn McSorley reden, das jüngst veröffentlicht wurde (Link).
In jenem ordnet er u.a. seine politische Weltanschauung äußerst vage dem nietzscheanischen Motiv „the overman and the underman“ zu, stellt sich dabei als „Löwe“ und einen Großteil der Allgemeinheit als „too stupid“ hin, beschimpft Involvierte der „Occupy Wall Street“-Bewegung (unter Hinzunahme eines weiteren, losen Zitats aus „Also sprach Zarathustra“) pauschal als „weed smoking unemployed hipster trash“, sowie Zeitgenossen, die seiner Arbeit als Löwe beim traditionsreichen, mächtigem US-Militär kritisch gegenüberstehen (den offensiven Tonfall, um den es dabei konkret ging, jetzt mal außen vorgelassen), im übertragenen Sinne als so etwas wie Weltverbesserungs-/ Gutmenschen-„Loser“.

Ja puh. Es ist wirklich schade um die gute Musik, zu deren Einflüssen McSorley in der Vergangenheit aus irgendwelchen diffusen Gründen u.a. auch Hunter S. Thompson aus dem Barett zog. Aber jemand, der sich auf derart verdreht-überhebliche Art auch noch mit Stolz als so ein, auf gut Deutsch, vollverblödetes Arschloch outet, kann sich seine Gospel-Hidden Tracks und Hemingway-Coverbilder gerne mal hintenreinwuppen.
„C.S.”!

Donnerstag, 16. Februar 2012

110

Einen Gratis-Sampler von Unundeux-Label, u.a. mit EISENVATER, VAULTING, JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, dem JaKa-Nachfolgeprojekt CHRIST OF KATHER / MARKUS M HOFF sowie Beiträgen zum JaKa-Tribut von RUMMELSNUFF und DER_WARRIOR, kann man im Übrigen hier herunterladen.

Altar of Plagues vs. Angelo Badalamenti

Ein Post, den ich eigentlich schon länger vorhatte, dann nicht weiterverfolgte, und nun doch noch mal eben rausspucke, bevor auch dieser mal wieder im Limbo landet:
Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir auf, was genau eigentlich 'Neptune Is Dead‘, die fast zwanzigminütige Eröffnungsnummer von ALTAR OF PLAGUES‘ letztjährigem Album „Mammal“, so geil macht.
Gut, dass es diese gelungene Mischung aus Atmosphäre und Ambient-Qualitäten, Melodiebogen, Arrangement und aggressiver Raserei nach Black Metal-Art ist, die mich so begeistert, wusste ich auch vorher schon, aber die Eingebung darüber hinaus kam mir während meines Twin Peaks-Marathons kürzlich.
Die Musik zur besagten TV Serie hat, wie zu anderen Werken von David Lynch auch, bekanntermaßen ANGELO BADALAMENTI geliefert. Selbst kulturbanausigen Metal-Fans kein gänzlich Unbekannter, zumal er einst beim Twin Peaks-beeinflussten Anthrax-Song ‘Black Lodge‘ (vom Album „Sound Of White Noise“) mitwirkte.

Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem bekannten „Laura Palmer's Theme“ und der allgemeinen Inszenierung , Melodieführung, und Stimmung, auf der 'Neptune Is Dead' gerade am Anfang aufgebaut ist (Hinweis: Gemeintes Motiv geht im Youtube-Clip unten erst nach etwas über einer halben Minute wirklich los), ist nicht von der Hand zu weisen.




Fiel mir halt nur mal so auf …

Dienstag, 14. Februar 2012

Schlechteste „Coverband“: Fear Factory

Gestehen wir es ein: Viele Liebhaber metallischer Musik um meinen Jahrgang herum waren Mitte der 90er tatsächlich totale Fear Factory Fans. Ja, ich auch. Inzwischen schäme ich mich ja fast schon etwas dafür.
Zugegeben, „Soul Of A New Machine“ war damals ja schon ein gutes und nicht ganz gewöhnliches Album. Und ja, „Demanufacture“ setzte danach im „modernen Metal“ gewisse Maßstäbe und war seinerzeit eine ziemlich aufregende Sache. Und natürlich, den einen oder anderen Hit-Song hat(te) die Band ja, da kann man nix dran rütteln.
Mit der entsprechenden Dekade Abstand ist das immergleiche, überproduzierte Stakkato-Gehacke mit Singsang-Refrains, das von dieser Band dann als schiere Selbstkopie bis zum Exzess durchexerziert wurde, allerdings schlicht und ergreifend nicht mehr zu ertragen. Fear Factory sind, egal in welcher Line Up Inkarnation (was ja jüngst auch so eine Geschichte für sich ist), schon sehr lange eigentlich nur noch die Karikatur einer, nach selbst gestutzten Genreblaupausen, ziemlich uninspiriert agierenden Band.

Doch darum an sich geht es mir eigentlich gar nicht, sondern um folgendes: Was einem erst so richtig die Schamesröte ins Gesicht treiben kann, sind die Coversongs, derer sich diese Kapelle über die Jahre so erdreistet hat.

Das von vielen als schwächster Song auf „Demanufacture“ wahrgenommene „Dog Day Sunrise“ z.B. war ein Cover von HEAD OF DAVID. Eine der Metal-Szene wenig bekannte Band, an der vor allem zwei Fakten bemerkenswert waren: 1.) Es war eine Band, in der Justin Broadrick zwischen Napalm Death und Godflesh an den Drums mitwirkte. 2.) Ihr Album „Dustbowl“, von dem besagter Song stammt, war eine der ersten Arbeiten von Indie-Guru Steve Albini als Sound Engineer.
Fear Factory nahmen jedenfalls HOD’s ‚Dog Day Sunrise‘, ersetzten den LoFi-Charme durch Hochglanz, und machten die Nummer im Grunde genommen einfach nur lahmer.

Hier der Direktvergleich:





Während der Sessions zu „Obsolote“ nahm das ständig grinsebackige Quartett dann, neben einer zwar passablen aber ziemlich nichtssagenden Coverversion von Gary Numan’s „Cars“, ferner eine von WISEBLOOD’s „0-0 (Where Evil Dwells)“ auf. In vielen Publikationen war davon die Rede, dass dies ein Foetus-Cover wäre, aber in Wirklichkeit war dieser Song im Original von WISEBLOOD, einer Band die J.G. Thirlwell alias „Foetus“ 85-91 mal zusammen mit Roli Mosimann (damals auch Swans-Mitglied) betrieb. „0-0 (Where Evil Dwells)“ ist - im Gegensatz zu anderem Wiseblood-Material, das mitunter doch wesentlich organischer bzw. etwas weniger hart tönt –eine Industrial-Nummer, die mit der kalten Rhythmik lauter Maschinengeräusche ihrer Stilbezeichnung alle Ehre machte. Fear Factory dachten sich dann, dass sich das perfekt 1:1 in ihren präzisierten Stakkato-Stil übersetzen lässt – womit sie aus ihrer Perspektive wohl nicht mal Unrecht hatten, aber ein guter Song wird daraus in einer Metal-Version nun nicht gerade.


(Leider finde ich auf Youtube die originale Studioversion von Wiseblood nicht, weswegen es der Vollständigkeit halber eine uralte Live-Aufnahme tun muss.)



Der absolute Gipfel ist jedoch das 2005er FF-Cover des ‘94er KILLING JOKE-Hits „Millenium“.
Einen Song, der nicht nur total geil, sondern schon im Original sehr nah an dem ist, wie man es selbst so macht, wirklich ohne jeglichen Schwung so lustlos und unenergisch runterzuspulen, auch das muss man erst mal hinkriegen.





Ja meine Fresse. Fear Factory = schlimmsten Verhunzer wirklich guter Songs.

Montag, 13. Februar 2012

Loincloth (Stream)

Auch wenn ich damit u.a. ins gleiche Horn tute wie Pitchfork (weswegen ich mich nach diesem Post lang und ausgiebig waschen müssen werde), ist es mir den Hinweis wert:
Wer technisch wilden Instrumental-Metal mag, bzw. die Prog- Doom/ Groove Metal-Institution Confessor zwar musikalisch ganz geil findet, aber den traditionellmetallisch jauligen Gesang nicht ertragen kann, der sollte LOINCLOTH mal checken. Das Debüt „Iron Balls“ dieser, zu 2/3 aus Confessor-Mitgliedern bestehenden Band erschien kürzlich über Southern Lord.
Und komplett anhören kann man es sich bei soundcloud.

Helms Alee

O.g. Band wurde nicht nur im Rahmen dieses Blogs bisher gar nicht gewürdigt, sondern meiner selektiven Beobachtung nach bisher generell kaum.
Was verwundert, denn 1.) ist ihr Label Hydrahead durchaus eines, das in den letzten Jahren ein bisschen im szenischen Fokus lag, 2.) spielte Gitarrist Ben Verellen zuvor bei den Harkonen, die unter Noiserock/ Sludge Metal/ Post-Hardcore-affinen Nerds zu ihrer Zeit keine gänzlich Unbekannten waren, und 3.) würde ich der Musik von HELMS ALEE neben Originalität durchaus auch eine gewisse Zugänglichkeit zusprechen.
Dennoch scheint hierzulande noch kein Hahn nach HELMS ALEE zu krähen. Dabei spricht alleine die Tatsache, dass sie stilistisch nicht so einfach definitiv einzutüten sind, schon für sie.
Das weibliche wie männliche Sing-/Shout-Stimmen auffahrende Trio mag klangliche Spitzen in Richtung Stoner/ Sludge aufweisen, formt ihre häufig knackig auf dem Punkt knallenden Songs dabei allerdings aus Stilmustern, die man eher der Nosie-/Indie-/Mathrock-Ecke zurechnen möchte (geiler Basssound übrigens).
Nach dem 2009er „Night Terror“ weitete die Band ihren Stil auf dem letztjährigen „Weatherhead“ noch etwas aus. Das Zweitwerk ist noch etwas facetten- und abwechslungsreicher, partiell (aber eben nur partiell) auch mal etwas ruhiger oder gar mal popiger, und erlaubt sich (kleine) weitere Vorstöße in Richtung Prog. Auch wenn „Weatherhead“ damit zugegeben etwas zerfahrener und nicht so homogen wie das kompaktere Debüt daherkommt, verstehe ich trotzdem nicht, warum es einigen Internetuser-Urteilen zufolge im Vergleich eher nicht so gut ankam. Geht es nach mir, gelang HELMS ALEE auf ihrem zweiten Album ein interessanter Spagat zwischen Shellac und Baroness, den man nicht alle Tage hört.
Lange Rede, kurzer Sinn: Gute Band. Ich hoffe wirklich, dass es hier mal zu einer Tour in hiesigen Gefilden kommt, und bin wirklich gespannt, wo das Ganze musikalisch beim nächsten Album noch mal landet.

Freitag, 10. Februar 2012

SciFi-Musik

Link: Film- und Fernsehkomponist Bear McCreary (Battlestar Galactica, The Walking Dead u.a.) fachsimpelt bei wired.com über die Musik von 2001, Star Wars, The Simpsons und co. …
Ganz interessant, wie ich finde.

David Lynch - Crazy Clown Time

Ja, ich weiß, mit diesem Album bin ich drei Monate später dran, der Buzz darum ist längst vorbei. Aber umso besser. Konzentrieren wir uns auf das für uns (bzw. mich) wesentliche: DAVID LYNCH - bezeichnen wir ihn einfach mal ohne weitere, unnötige Vorreden als die Surrealisten-Ikone unter den Hollywood-Filmemachern - hat nach diversen in die Musik ausgestreckten Fühlen über die Jahre (darunter neben Film-begleitenden Arbeiten auch zusammen mit John Neffdas den Lonplayer „BlueBop“) nun sein erstes Solo-Album unter dem Titel „Crazy Clown Time“ veröffentlicht.
Das Faszinierende daran ist, dass sich viele Hörerstimmen einig zu sein scheinen, hier einerseits grob das Erwartete, dabei aber irgendwie doch gerade auch etwas leicht Überraschendes bekommen zu haben.

'Good Day Today‘ z.B. ist in seiner Komposition/ Instrumentierung/ Produktion etwas, das auch ich mit meinen begrenzten Mitteln so ähnlich schon vor zehn Jahren am Rechner zusammengeschustert hätte haben können, und nicht nur das, sondern in seiner Motivik mit diesen billig dynamikprozessierten Synthies so ähnlich sogar tatsächlich irgendwann mal habe. Das folgende 'So Glad' könne auch eine alte Demo-Songskizze von Massive Attack oder Portishead sein. Und so weiter …
Lynch’s anachronistisch reduzierter Elektropop und Trip Hop–Blues funktioniert allerdings tatsächlich auf einem Zeitgeist-freien Level. Und das, obwohl man seine Vocoder-unterstützten Ausflüge ins technoide durchaus als Annäherung an aktuellen Autotune-Pop verstehen könnte, wenn man es denn unbedingt wollte. Aber so einfach die Musik auf „Crazy Clown Time“ in ihren mitunter fast minimalistischen Mitteln der Inszenierung auch nüchtern seziert werden kann, so gut funktioniert sie im Vermitteln einer oft schon regelrecht delirischen Stimmung; schizophrenerweise äthe¬risch und abdunkelnd zugleich, und– was zu erwarten war – natürlich auch mittelschwer krude, leicht schräg und ungewöhnlich klingend, obwohl die stilistische Glasur des Ganzem recht homogen scheint.
Was Lynch hier fabriziert hat, ist weder ein künstlerisches Meisterwerk, noch ein persönlicher Schaffenszenit. Aber als ein Seltsam-Popmusik gewordener Lost Highway für Hörer, die eigentlich keine Popmusik hören wollen, ist „Crazy Clown Time“ so etwas wie ein idealer Soundtrack für einsam gedankenversunkene Nacht-Autofahrten. Nicht mehr, nicht weniger.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Manoreixa

J.G. Thirlwell, der gebürtige Australier mit den vielen Pseudonymen, ist einem natürlich schon lange ein Begriff. Alleine als Foetus, bzw. anfänglich auch unter diversen Variationen wie You’ve Got Foetus on Your Breath oder Foetus Interruptus, veröffentlichte er um die neun regulären Studioalben, plus unzählige EPs, Remix-Compilations, Live-Veröffentlichungen und Kollaborationen. Die häufig als Industrial eingetütete Musik von Foetus ist ein wirrer Mischmasch aus Samples und Krach, leicht exzentrischen Vocals, und immer wieder auch jeder Menge Anleihen aus Jazz, Swing, Big Band und co., wodurch der Begriff „Industrial“ aufgrund der Assoziationen, die man damit eigentlich allgemein so haben mag, eher schon ein bisschen irreführend ist.
Die krachige und rockigere Seite seine Schaffens trieb Thirlwell dabei in er Vergangenheit u.a. mit Wiseblood auf die Spitze, einer Band die er zusammen mit Swans-Urmitglied Roli Mosimann gründete, und z.B. auch bei Zusammenarbeiten mit Voivod (‚D.N.A. (Don't No Anything)‘ auf dem ‘95er Album „Negatron“) oder den Melvins (‚Mine Is No Disgrace‘ auf „The Crybaby“).
Seinen Faible auch in Jazz-, Klassik- und Filmmusik-artigen Töpfen zu rühren wiederum lebt Thirlwell seit eh und je bei den instrumentalen Projekten Steroid Maximus und MANOREXIA aus.

Während das bisher letzte Album von ersterem (via Ipecac) inzwischen auch schon wieder zehn Jahre her ist, erlebt zweiteres gerade ein Revival. Ursprünglich veröffentlichte der Wahl-New Yorker unter MANOREXIA ’01 und ’02 jeweils ein Album. Zehn Jahre später scheint er nun wieder Bock drauf zu haben, denn 2010 erschien mit „The Mesopelagic Waters“ eine Zusammenstellung neu aufgenommener Tracks der ersten beiden Releases in Kammermusik-Formation (unter Aufsicht von John Zorn), und letztes Jahr mit „Dinoflagellate Blooms“ fast unbemerkt ein ganz neues Album.
Der Name tauchte dann außerdem letztens beim ATP der Kuratoren Portishead auf, und nun dann auch noch beim kommenden Roadburn, wo sich Voivod für verantwortlich zeigen.



Die Musik von MANOREXIA fußt vor allem in der Klassik. Filmscore-mäßig bewegt sie sich durch verschiedene Stimmungen und Gangarten wie schleichend bedrohlich und schmissig-pompös, und schielt gelegentlich sogar in Richtung Expressionismus. Hinzu kommen Tracks, die ein schwer definierbares Revier zwischen Ambient und Geräuschkulissen-Szenario markieren. Im Falle von „Dinoflagellate Blooms“ würde ich persönlich mir ja ehrlich gesagt wünschen, dass es davon auch ein paar Momente weniger sein dürften, und dafür ruhig noch ein Stück „richtiger Musik“ mehr … but anyway.
„The Mesopelagic Waters“ und „Dinoflagellate Blooms“ bilden zusammen jedenfalls ein interessantes künstlerisches Werk für die Spartenmusik-Freunde, die zwischen Soundtracks und Postrock, Alternative und Art-Pop auch gerne noch mal in die Nische blicken, die leicht zu übersehen ist.

Thirlwell ist und bleibt ein interessanter und ungewöhnlicher Musiker. Ich verwende hier absichtlich kein superlativ lobhudelndes Vokabular wie „genial“, denn das wäre in der Sache auch nicht ganz korrekt. Aber jemanden, der seit Dekaden unter dem Radar sämtlicher Szenen und an ihren stilistischen Reinheitsgeboten vorbei so vehement sein eigenes Ding durchzieht, und das dann auch noch in so verschiedene Richtungen ausartend, anstatt auf eine Sache versteift, den muss man einfach schätzen, respektieren und supporten.

Link: Weitere Infos plus Live-Videos zu Manorexia’s „The Mesopelagic Waters“ auf der offiziellen J.G. Thirlwell/ Foetus -Website.

Mittwoch, 1. Februar 2012

außerdem

Wo wir dabei sind, muss auch folgendes mal wieder gesagt werden:
Auch wenn es in meinem persönlichen Umfeld eh tatsächlich ein paar Jungs gibt, die diese Platte sehr mögen und schätzen, muss ich dennoch mal wieder eine Lanze für CARCASS‘ „Swansong“ brechen. Warum? Einfach nur so, weil die Scheiße den Kohl fettestens rockt, und ich gleichermaßen auch heute noch Grindcore-Freaks kenne, die dabei immer noch weinen müssen.
Was war passiert? Von der Rumpelgrind-Combo mit Gore-Texten hatten sich die britischen Genre-Pioniere zuvor Schritt für Schritt einem Stil angenähert, der „musikalischer“ geworden war. „Necroticism – Descanting the Insalubrious“ markierte ‘91 den Übergang zum Death Metal. Mehr Groove, mehr Melodie und Finesse im Gitarrenspiel, längere Song-Arrangements, halt kein einfaches Drauflosschroten mehr. Das „Heartwork“-Album trieb das Ganze dann zwei Jahre später perfektioniert auf den Punkt und die Spitze. Die Extrem-Metal-Crowd war hier trotz aller harmonischer Lead-Dudeleien aber noch zufrieden, denn immerhin knatterten dabei auch immer wieder mal Blastbeats los.
Als CARCASS dann 1996 das Abschiedswerk „Swansong“ vorlegten, war das Geknatsche bei Vielen allerdings so groß, dass sich einige davon bis heute nicht erholt haben. Anstatt nochmals den (Achtung, RH-Vokabular:) Knüppel aus dem Sack zu liefern, nahm das Quartett seinen Trademark-Sound mit Knurr-Vocals und brachialen Gitarren, um damit so etwas wie ein sehr Schweinerock-lastiges Album zu machen. Death’n’Roll - „Swansong“ rockt einfach ohne Ende, nicht mehr, nicht weniger, und das absolut gelungen. Allerdings wurde das Album dabei so viel gescholten, abgelehnt und missverstanden, dass Basser/ Krächzer Jeff Walker beim Revival-Gig auf Wacken eine Nummer davon grinsend mit (sinngemäß) „Sorry, aber so schlecht war es ja nun auch wieder nicht“ ansagte.
Lange Rede, kurzer Sinn: CARCASS‘ „Swansong“ kann eigentlich so ziemlich alles. Und Knüppelgrunzfreunde, die zu doof sind das einzugestehen, hatten so ein geiles Album halt eben gar nicht verdient. Habe gesprochen.