Montag, 31. Oktober 2011

Fuck The Facts – Album und EP

Passend zum Kamikaze-Bandnamen waren FUCK THE FACTS ursprünglich mal ein Spaßprojekt mit Anal Cunt-mäßigem Ulk-Noisecore, Einschüben von Freistil-Crossover und albernen Selbstkategorisierungen der Marke „Mulletcore“.

Erst mit „Stigmata High-Five“, eigenwilliger Death’n‘Grind mit Mathcore-Tendenzen, tauchte die Band 2006 wirklich auf der Landkarte ernstzunehmender Extrem-Metal-Highlights auf, und legte 2008 (Veteranen verstehen den Gag:) „Disgorge Mexico“ nach, das sich mit etwas mehr Melodie im Spiel noch ein Stück weiter in Richtung Metal orientierte. In der Zwischenzeit erschienen außerdem ein paar selbstveröffentlichte EPs und eine Live-DVD, die ich allesamt immer noch nicht besitze oder kenne (eigentlich ganz schön bigott, diese „DIY-Ethik“ erst mal nur in der Theorie zu unterstützen …), und nun mit „Die Miserable“ auch der dritte Longplayer via Relapse Records, kurioserweise parallel zur dritten EP im Eigenvertrieb namens „Misery“.

Warum man das Material nicht zu einem Release zusammengefasst hat, anstatt gleichzeitig ein nur ca. 35minütiges Album und eine nicht mal zwanzigminütige EP getrennt voneinander vorzulegen – nun, das scheint auf den ersten Blick etwas seltsam zu sein, macht aber beim Hinhören tatsächlich Sinn.



„Die Miserable“ repräsentiert das, sofern man das für eine so bewegliche Band überhaupt feststellen kann und darf, was man anhand der beiden Vorgängerwerke typisch für FUCK THE FACTS finden möchte. Eine ziemlich komplizierte, hektische Wand aus Grindcore-Blastbeats, todesmetallischen Dampfwalzen-Parts, kurz mal zwischengestampften Deathcore-Gesten, und oft eher schrägerem Gitarrenspiel, aber akzentuiert auch schon mal ins total melodiöse driftende Leads und Soli. Obendrauf dann natürlich noch die Gröl- und Keif-Vocals von Fronterin Mel.

Die große Kunst von FTF besteht dabei dann ferner darin, dass ihre komplexen Extremsport-Songs immer wieder mal mit schon regelrecht popigen Momenten aufhorchen lassen, die den Unterhaltungswert enorm steigern, wie z.B. ein kurz fast schon Flamenco-artiges Break, oder ein poetisch anmutendes Song-/Albumende mit französischem Monolog.


Wenn man in diesem Feld generell eher Freund von den etwas eigensinnigeren Genrevertretern wie Pig Destoyer, Agoraphobic Nosebleed, Cephalic Carnage, Brutal Truth und Japanische Kampfhörspiele ist, dann hat man auch an einem Album wie „Die Miserable“, von einer nach wie vor viel zu wenig beachteten Band wie FUCK THE FACTS, einen Heidenspaß, denn das Teil bringt endlich mal wieder ein bisschen frischen Wind in diese zuletzt etwas angestaubte Prügelmusik-Ecke.


Was die auf der „Misery“ EP verbratenen Outtakes angeht, so ist hier meine persönliche Kaufempfehlung leider eher nicht so deutlich wie bei „Die Miserable“. Die mit diversen Gaststars (u.a. KEN mode's Jesse Matthewson und Elliot Desgagnes von Beneath the Massacre) angegangene Kiste zeigt FUCK THE FACTS von einer primär sehr straighten und stumpferen Seite, und auch die „musikalischeren“ Einschübe wirken ein bisschen wie „waren noch über und mussten auch mit raus“. Wer allerdings bei Filmen auf DVD auch immer noch die Deleted Scenes guckt, für den ist vielleicht auch diese kleine Extra-Ergänzung zum Longplayer interessant.

Aber selbst wenn nicht, zumindest „Die Miserable“ braucht man als jedweder Anhänger derberer (und cleverer) Metal- /Irgendwascore-Musik definitiv, während der simplere „Misery“-Kram was für die Komplettisten und generellen Grindcore-Freaks ist.

Bandcamp-Link mit diversen haptischen und digitalen Versionen beider Veröffentlichungen:
fuckthefacts.bandcamp.com

Amebix - Sonic Mass

Zwischen diesem Album und seinem Vorgänger liegen 24 Jahre! AMEBIX (von denen Darkthrone genau so Fan sind wie Neurosis) prägten Anfang/Mitte der 80er den Begriff „Crust Punk“ mit, wobei ihre Musik eher Anleihen von Gothic Rock und frühem Rumpel-Metal (Motörhead waren ein Einfluss) und passagenweise eigentlich auch schwer was von Celtic Frost hatte. Seit wenigen Jahren auf ein mal wieder aktiv, veröffentlichten die Briten nun mit „Sonic Mass“ ihren dritten Longplayer.

An sowas hat man natürlich erst mal keine großen Erwartungen, aber AMEBIX' „Sonic Mass“ ist – ironischerweise – ein Comeback-Album vo
m Schlage wie Celtic Frost's „Monotheist“, oder auch Eisenvater's „IV“. Kein Versuch, alte musikalische Herangehensweisen zu reproduzieren, sondern etwas neuzeitliches, eigensinniges, unerwartetes, das aber nach wie vor zum Spirit der Band passt.
Geiles Cover übrigens:




Zur Musik: Der Opener „Days“ schockiert fast erst mal als so eine Art ... ja was eigentlich? Pompös-balladesker Gothrock? Die zweite Nummer dann instrumentales Metal-Gerödel mit hypnotischen Tribal-Qualitäten. Der dritte Song klingt dann total nach Killing Joke, was gerade auch die Vocals vom „Baron“ Rob Miller betrifft. Etwas, das sich an dann weiter über die Platte zieht. Düster-atmosphärischer, energisch knallender, gelegentlich Keys-unterstützter Metalrock der leicht angeschrägten Sorte, mal druckvoll treibend, mal mit Pathos vorgetragen. Eigentlich sind einige Nummern damit sogar so nah an Killing Joke, wie es Killing Joke selbst auf einigen Alben nicht waren.
Aber schafft man es, Jaz Coleman beim Hören dieser Scheibe aus dem geistigen Auge zu kriegen, bekommt man mit „Sonic Mass“ ein Album, wie man es nicht alle Tage bekommt. Eines, bei dessen Entstehen spürbar auch auf das Gesamtkunstwerk Album geschaut wurde. Alte Recken verwirklichten sich hier noch mal selbst und hatten es dabei nicht nötig, irgendwelchen Erwartungen oder Schubladen, in die andere sie stecken wollen, zu entsprechen.

Heißt: Wer von Amebix aufgrund ihrer Legende jetzt noch mal spartanisch inszeniertes Crustgepolter haben will, ist hier falsch. Wer gute, eigensinnige Metal/Rock-Songs mit Eiern und tatsächlich alternativem Anklang zu schätzen weiß, der wiederum kann sich glücklich schätzen, mit „Sonic Mass“ eines der geilsten Alben des Jahres zu begrüßen. Da kann auch der etwas irritierende KJ-Klonlabor-Faktor nix dran rütteln. Ich jedenfalls bin davon gerade ziemlich begeistert.


Krasse Randnotiz: Roy Mayorga, den neuen Drummer des Trios, kennt man nicht nur von der Crust-Legende Nausea, sondern der Gute steht auch im Dienst von Stone Sour, bzw. stand ferner schon in dem von Soulfly, Sepultura, Dave Navarro und Roadrunner United. Also kein Wunder, dass die Scheibe so tight knallt …

Konzertwochenendenbestandsaufnahme

Was für ein seltsames, fast frustrierendes, am Ende aber doch etwas versöhnliches Wochenende.
Freitags wollte ich eigentlich ins Dortmunder Schauspielhaus, wo im Rahmen von Paul Wallfisch’s Musiksalon „Small Beast“, dem ich einst schon in Manhattan beiwohnte, die Enablers und Insect Ark spielten (zweiteres ein neues Soloprojekt von Dana Schechter, bekannt durch Bee & Flower und Angels of Light). Allerdings gibt es bei dieser gerne ausverkauften Eventreihe per se keine Abendkasse und ich verpeilte es, mir noch im Vorfeld eine Zugangsberechtigung zu verschaffen.
Letzteres versäumte ich auch beim Samstag stattfindendem Melvins-Konzert in Köln, das schon Wochen vorher (!) ausverkauft war. Verrückt.

Freitag dann also als Ausweichplan in einer Bank der Bochumer Christuskirche beim „Denovali Label Evening“ chillen. Was langsam ein regelmäßiges Ritual wird, aber mir soll’s recht sein. Das eröffnende Duo SANKT OTTEN gefällt mit gehörig krautrockigen Vibes (Neu!, Tangerine Deam) und einem E-Schlagzeug, das immer wieder mal auch tatsächlich elektronisch klang. Am besten gefiel mir eigentlich sogar die Nummer, die mit Piano (anstatt Gitarrengedrone) und Bollerbeat was triphopiges hatte. Allerdings war man sich nie so sicher, wieviel dabei dann noch zusätzlich aus der Konserve kommen mag …
Der Headliner BLUENECK ist eine Band vom Schlage wie Her Name Is Calla: Ihr Postrock ist kein instrumentales Orchestralarrangement, sondern eher herbstlich-melancholische, emotionale, alternative Pop/Rockmusik mit tiefer Atmosphäre, dichter instrumentaler Umsetzung und gelegentlichen Ausbrüchen ins lautere. Die Truppe aus Bristol in der stilistischen Gegend von Mogwai und Sigur Rós zu sehen ist bestimmt nicht gänzlich falsch, aber ich meine das an dieser Stelle auch mal eher positiv, wenn ich sage, dass das hier durchaus einen etwas konventionellerem Anker hat, der sich auch bei Muttern festsetzen könnte. Gute Band. Fanden auch die zwei, die im Kirchengang rumzappelten, als wären sie auf irgendwas drauf.

Postrockig gings ins Wochenende rein, postrockig gings aus dem Wochenende wieder raus. Das „VISIONS WESTEND“ Indoor-Festival bot mir persönlich dieses Jahr ja nicht so viel. Die in diesem Leben schon gefühlt hundert mal gesehenen Sick Of It All sind für mich ja so ein schon etwas zu abgelutschter Drops und Therapy? brauche ich mit dieser „wir spielen für ein mal im Jahr vor die Tür gehende Nostalgiker noch mal unser über 15 Jahre altes Hitalbum“-Nummer auch nicht unbedingt.
Sonntags allerdings standen MOGWAI an, die ich mir bei der Gelegenheit dann mal geben wollte. Als erste Vorturner durften die leichten Lokalheldenbonus habenden LONG DISTANCE CALLING ran, die nach wie vor den Grenzgang zwischen Soundtrack-haften Instrumentalkompositionen und Rock’n’Roll-Show ganz gut hinbekommen. Aber Leute, dieses Gehabe, als Instrumentalband zwischen jedem Song mit irgendwelchem „Ey, danke, voll geil, Dortmund! Der nächste Song…“-Gesabbel die Fresse aufmachen zu müssen ist total unpassend.
Wie Ansagen gehen, das zeigten danach mal wieder BOHREN & DER CLUB OF GORE. Denn ich lag zwei mal auf dem Boden. Ansonsten funktioniert das Ganze mit stockdunkler Bühne in einer Riesenhalle natürlich nicht soooo gut, nett anzuhören war es aber dennoch.
MOGWAI? Ja, interessant. Die Briten sind ja irgendwie ihr ganz eigenes Genre. Krude und beeindruckend. Kann man mal machen, auch wenn ich es fast schon etwas befremdlich finde, solche Musik auf einer so großen Bühne zu sehen. Manchmal siegt das Gute wohl dennoch.

Allerdings: In was für frechen Regionen sind die Getränkepreissteigerungen im FZW denn eigentlich inzwischen angekommen?

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Hm.

Was soll man eigentlich davon halten?

"If things were different, if Mieszko hadn't died, Nasum would have celebrated its 20th anniversary in 2012, believe it or not. Therefore, and after long deliberation and scrutiny, we have decided that it's now or never: Nasum will do a handful of shows and festival gigs around the world in 2012 - to celebrate our anniversary, say a final goodbye to the fans and Mieszko.

No cheesy reunion, no new albums, no epitaph for Mieszko. We will play only a few cities and festivals in a limited number of disruptive, unruly concerts.

It will be a total blast, and we aim to go out hard. Just you wait.

When lead singer Mieszko Talarczyk disappeared and died in the devastating and tragic tsunami of 2004, Nasum instantly ceased to exist. As the band's voice, producer and one of the main songwriters, Mieszko was a vital part of Nasum's bloodline. When he passed, all plans for tours and recordings were abruptly stopped. Nasum died when Mieszko died, and the rest of the band members went their separate ways.

But in the years that passed, the feeling that everything had been left unfinished lingered with the rest of us. Suddenly seven years had passed, and we realized it was time for closure; for us, the band and for the fans. With our anniversary coming up it felt like a perfect time to end Nasum the way it was supposed to - exploding in a ferocious, blasting frenzy, not wither away at the mercy of tragedy. And finally we are ready, able and totally fucking charged, so expect something over the top. The shows will be a varied, intense mix of the best songs from this colossus of grind.

To handle vocal duties on the upcoming shows we have asked Keijo Niinimaa, vocalist in Finnish grind faves Rotten Sound, to join us. They were always close friends of Nasum, and while Keijo's plagued screams won't replace Mieszko, they will add a crippling viciousness to the shows. On a few occasions, we might ask a few other close friends of Nasum to do some vocal sessions. Who? Wait and see!

Note this: if you ever wanted to see Nasum blast shit to bits, this is your last and only chance.

Anders Jakobson - drums
Jesper Liveröd - bass and low vocals
Jon Lindqvist - guitars and low vocals
Urban Skytt - guitars
Keijo Niinimaa - vocals"

Montag, 24. Oktober 2011

Deathgrind in Oberhausen

Ganz schön was los in der Gegend auf einem Samstagabend. Im geschätzten Essener Turock finden sich Ghost Brigade, A Storm Of Light und Intronaut ein. Im benachbarten Oberhausen nicht nur Orchid – die Doom-Orchid, nicht die Hardcore-Orchid - mit einem Rattenschwanz mir unbekannter Vorgruppen im Helvete, sondern auch noch im Kulttempel (Ex-„Saint“) EXHUMED und CEPHALIC CARNAGE. Die Wahl fiel nicht schwer, denn die Stoner- und Sludge-Übersättigung der letzten Zeit ließ mich dann ja doch mal wieder Bock auf Blastbeats haben. Also ließ ich sowohl das Package der eher mittelmäßgen und unspannenden Bands mit „Post-Metal“-Note im Turock, als auch den „so nah an Black Sabbath, dass nur eine Coverband noch näher dran ist“-Retrosound-Doom von Orchid liebend gerne dafür links liegen, endlich mal wieder CEPHALIC CARNAGE live zu sehen, denn ich liebe CEPHALIC CARNAGE. Auch wenn ich sie zugegeben nicht gerade oft von Konserve höre, sind ihre Gigs jedes mal wieder ein unglaubliches Fest, von dem ich mit einem zufriedenen Grinsen nach Hause gehe.

Doch der Reihe nach. Aufgrund meiner recht großzügig getimeten Anreise verpasste ich den lokalen „Special Guest“ in Form von PHOBIATIC, bei denen Ex-Ex-JaKa-Gitarrist Robert mitmacht. Sorry, Leute. Nächstes mal.

WOUNDED ENTRAILS erstaunen dann aber. Die Typen sind so jung (und machen sogar selbst ein Witzchen über diesen Umstand), dass der Gitarrist aussieht, als dürfe er so spät Abends gar nicht mehr vor der Tür sein. Aber spielerisch fit war der Junge, alter Schwede. Überhaupt wissen WOUNDED ENTRAILS mit einer stimmig Groove- und Gniedel-durchsetzen, zeitgenössisch brutalen Death Metal-Mixtur souverän zu überzeugen. Sehr gut, wirklich. Was ich allerdings manchmal nicht so ganz verstehen möchte, ist die in dieser Ecke oft vorzufindende Masche, spieltechnischen Irrsin bei furchtbar böser Grunzmusik eher so lbisschen ockerleicht-humorig rüberzubringen.

Wobei das eigentlich allerdings die perfekte Überleitung zu CEPHALIC CARNAGE ist, sind jene doch trotz spieltechnisch mitunter wahnsinniger Deathgrind-Brutalität die reinste Comedy-Band. Selbst wenn man es schon ein paar mal gesehen hat, macht ihre extra albern inszenierte Parodie-Nummer ‘Black Metal Sabbath‘ immer noch Spaß, genauso wie der Song, der als Kontrast zum komplexen Gebretter a la ‘Endless Cycle Of Violence‘ eher so ins sludgeig-rockige geht.
Schade ist jedoch, dass Gitarrist und Mitbegründer Zac Joe mittlerweile nicht mehr mit von der Partie ist, gab sein wildes Gehampel der Performance der Truppe in der Vergangenheit doch irgendwie noch das I-Tüpfelchen. Der neue im Boot macht da im direkten Vergleich mal keine allzu gute Figur. Allerdings fehlte ebenfalls der gewohnte Basser mit dem Sechssaiter auf dieser Tour, und dessen (vorrübergehender?) Ersatz entpuppte sich an diesem Abend als größter Clown, den man je gesehen hatte. Abgerundet wird das ulkige Gesamterscheinungsbild natürlich durch Frontmann Lenzig Leal, der nicht nur mit ein bisschen grau im Bart inzwischen aussieht wie der kleine Bruder von Tom Araya, sondern auch noch durch Weisheiten der Marke „Wir sind gerne in Deutschland … weil es so nah an Holland liegt“ (CC sind bekennende Kiffköppe –Anm.d.Verf.) und ausgiebig das Thema Masturbation involvierenden Ansagen glänzt.
Abgesehen davon, dass ich durchaus gerne mal wissen würde, was genau da Line Up-mäßig eigentlich los ist – Hammer Gig! CEPHALIC CARNAGE ist echt so eine Band, die ich mir ohne Ermüdungserscheinungen wirklich immer wieder geben kann.

Was ich zu den headlinenden EXHUMED so ja eher nicht sagen möchte. EXHUMED sind keine schlechte Band. Als ich in der Phase war, in der ich meine Fühler erstmals verstärkt in Richtung Grindcore und Extrem-Metal ausstreckte, war das durchaus ein Name, der damals auch schon, obligatorischerweise via Relapse Records, mit dabei war. Wenn man sie allerdings (nach einem Clubgig mit Atheist und Macabre im Frühjahr, sowie zwei Open Airs diesen Sommer) zum vierten mal innerhalb eines Jahres, und dann auch noch in Headliner-Länge sieht, kommt der doch sehr straighte „Gore Metal“ der Truppe dann ja doch etwas eindimensional. Nix gegen eine ungestüm auf dem Punkt rausgeknallte Thrash/Death/Grind-Mixtur, aber das ganz große Spektakel mit herausragendem Songwriting-Gespür ist das für mich persönlich ja eher nicht. Die Band selbst kann da natürlich nichts für und ich muss auch schon zu Protokoll geben, dass sie mächtig Alarm machte und beim restlichen Publikum super ankam und mitriss.
Von daher: Netter Abend! Nur leider doch verhältnismäßig mäßig besucht …

Freitag, 21. Oktober 2011

Dub Trio

… haben übrigens kürzlich in der Essener Zeche Carl ein wirklich tolles Konzert abgeliefert, und es ist mir absolut schleierhaft, warum diese „Postrock-kompatible“, instrumentale Mixtur aus dickem Metal/Rock-Geriffe und psychedelischen Passagen – bei Rockmusikfreunden eher unpopuläre Reggae/Dub-Anleihen hin oder her – trotz Patton-Unterstützung noch nicht mehr Anhänger gefunden hat. Was soll das? Wieso kommen da nur so wenige Leute? Warum mögt ihr diese arschfettestens rockende Band nicht?

Allerdings muss ich zu ihrem neuen Album „IV“ leider zu Protokoll geben, hier keinen Überknaller serviert zu bekommen. Die Produktion ist sogar einen Tacken weniger satt als beim Vorgänger und weist gelegentlich seltsame Anachronismen auf, wie z.B. Riffs, die wie durch den Früh90er-Samplefleischwolf gedreht mal eben dazwischengespuckt werden, oder eine Wobblebass-Nummer, die etwas zu sehr nach „Rockmusiker versuchen sich an Dubstep und können es sich nicht verkneifen, das bereits gestrig anmutende Ergebnis auch unbedingt mit aufs Album nehmen zu müssen“ klingt.
Was nicht heißen soll, dass „IV“ schlecht ist, oder dass ich mir das darauf gebotene nicht trotzdem ganz gerne mal anhöre. Aber State of the Art geht irgendwie anders, und das muss man trotz aller Sympathie auch mal eingestehen können.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Rundumschlag

# Eine Band, über deren Namen ich in letzter Zeit öfter mal gestolpert bin, sind THE MIRE. Deren aktuelles Werk ich nach wie vor nicht kenne, allerdings habe ich mal in ihr 2-Song-Demo „Volume 1“ reingehört, das man frei herunterladen kann. Geboten wird Musik, die durchaus dem Groove-betonten harten Zeitgeist entspricht, dabei allerdings eher der „(Post-)Hardcore“- als „Sludge-Metal“-Ecke zugerechnet werden muss. Ich fand’s nicht schlecht, allerdings ist mein Interesse daran, diese Band weiter zu verfolgen eher gering, was wohl u.a. auch an den Vocals (hier Gebrüll, dort Klargesang) liegt.

# „Zeitgeistige Hartgroove-Musik / kenne die aktuelle nicht, habe aber mal was älteres gehört / scheitert irgendwie mit an den Vocals“ zum zweiten: Die neue THE ATLAS MOTH wird an einigen Stellen als eines der besten Alben des Jahres gehandelt. Was nicht verwundert, bürgt das Label Profound Lore bekanntlich für Qualität und Originalität. Die Songs, die man von einem älteren Album der Sludge/ Psychedelic Metal-Combo auf lastfm streamen kann wussten bisher aber nicht wirklich meine Neugier auf weiteres Material der Band zu steigern.


# Eine Band, die ich bisher vernachlässigt habe, aber diesen Winter vielleicht doch noch mal nachholen werde, sind DEAFHEAVEN. In den USA gerade mit Russian Circles auf Tour, betitelt manch einer die Kapelle verächtlich als Hipster- und Beardo-Kram, aber wenn wir Wolves In The Throne Room, Altar Of Plagues und Tombs hörenden Zeitgenossen mal ganz ehrlich sind, ist episch arrangierter Quasi-Black Metal mit Shoegaze-Kante doch genau unsere Kragenweite, oder? Also, es gilt noch „Roads to Judah” von DEAFHEAVEN vielleicht mal zu checken.

# Apropos RUSSIAN CIRCLES. Deren neue kann man hier streamen (wenn einem die Gema nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen sollte). Ich schiebe das bei der aktuellen Fülle guter und interessanter Veröffentlichungen wohl erst mal nach hinten …


# Der Vollständigkeit halber: Gratis-Download-EP von IMMOLATION.


# Noch diesen Monat neu am Start: Je ein frisches Album von den kanadischen Female Fronted Grindcorelern FUCK THE FACTS und den Blackened Sludge Metal Prolls WOLVHAMMER. Erwartet wird zumindest solide Knüppelkost, die man im Haushalt durchaus gebrauchen kann. Ferner erbarmt sich gerade ein deutsches Undergroundlabel, ALDA eine Vinyl-Veröffentlichung ihres neuen Albums zu gönnen, das abseits einer Tape-Auflage bisher wohl nur im Netz kursiert …

# Immer noch nicht gehört: Die neue AMEBIX. Wie ist die denn so?
Eine neue BLACK COBRA ist auch gerade raus. Allerdings glaube ich, dass das schlichtweg keine Band ist, von der man/ ich wirklich jedes Rumpelboller-Album kennen muss.
Außerdem wollte ich schon länger in OBAKE reinhören, eine Avantgardekrach-Kiste, bei der ZU-Basser Massimo Pupillo involviert ist, aber es gibt einfach zu wenig Zeit für zu viel gute Musik …

# Etwas, das ich inzwischen eher noch immer weniger verstehe, anstatt langsam vielleicht mal in Ansätzen, ist übrigens dieser Hype, der um THE DEVIL’S BLOOD gemacht wird (siehe CD-Beilage im aktuellen RockHard). Und das sage ich als jemand, der bekennenderweise Jex Thoth und Sabbath Assembly mag, und der seine Hausaufgaben in Bezug auf Coven’s „Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls“ gemacht hat. Aber warum sich Typen mit antikosmischem Black Metal-Fimmel nur aufgrund eines passenden Drumherums mit Satan und Kunstblut diese schnarchige Retrorock-Popmusik reinsaugen müssen, ist mir dann ja doch ein ziemliches Rätsel. Die gleichen Leute erzählen einem auch wie toll, speziell und interessant Bands wie Urfaust, Verdunkeln, The Ruins Of Beverast, oder Deathspell Omega sind (was ja in der Sache nicht falsch ist), obwohl sie ansonsten harter Musik mit progressiver, experimenteller oder sonst irgendwie abseitiger Kante nur mit Ablehnung begegnen. Aber Hauptsache, der Patronengurt sitzt. Fuck off, Ihr Klischeefiguren!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Unfold - Cosmogon

Eines muss ich gestehen: Vor diesem Album hatte ich von vorne herein ein bisschen Angst. Denn wenn sich spezielle alte Helden nach langer Abstinenz mal wieder rühren, ist die Gefahr groß, dass der frühere Zauber in der Neuzeit nicht mehr ganz aufs neue Alben rübergerettet bzw. reproduziert werden kann (Fans von Helmet, Prong, Earthtone9, … wissen vielleicht, wovon ich rede).

Das Schweizer Label Division Records bediente den Underground jedenfalls schon mit Musik aus der „Sludgecore/ Post-HC/-Metal“ -Ecke, als Isis, Cult Of Luna und natürlich Mastodon gerade mal als erste Vorboten erahnen ließen (inzwischen auch schon wieder fast 10 Jahre her, mein lieber Scholli…), was heutzutage so an alternativer Metal-Szene in dieser Richtung abgeht.

Ein wichtiges Zugpferd in diesem Stall, auch wenn sie sich überregional nie einen nennenswerten Namen machten: UNFOLD (und Vorsicht: Es gibt auch noch irgendeine überflüssige Ami-NuRock-Kapelle gleichen Namens). Deren 2003er „Aeon ~Aony“ ist für mich ein sträflich unterbeachteter Klassiker progressiv und doomig angehauchten Post-Hardcores, oder wie auch immer man das nennen möchte. UNFOLD vereinten darauf die emotionale Intensität einer Band wie Neurosis mit schrägeren und dennoch präzise rausgekloppten Stilmustern Marke Meshuggah und einem lebendig-wuchtigem Krachsound a la Breach.

Eine gefühlte Ewigkeit später (während der einige Mitglieder mit anderem Sänger unter dem Bandnamen Vancouver das mehr als nur passable Brachialgroovecore-Album „The Moment“ aufnahmen) gibt es nun auf einmal ein neues Album dieser Truppe.
Und das komische Gefühl vorweg sollte nicht ganz unberechtigt gewesen sein.

Um zur Sache zu kommen: „Cosmogon“ orientiert sich 1.) eher an den recht straighten Anfängen UNFOLDs („Pure“), bzw. der songdienlichen auf-dem-Punkt-Gangart, die man auch vom Ableger Vancouver kennt, anstatt die partiell etwas sperrigen Experimente und ausufernden Arrangements von „Aeon ~ Aony“ weiter zu verflogen. Was ein Pseudoprogger wie ich dann doch recht bedauernswert findet. 2.) wird man gleich beim ersten Hören das Gefühl nicht los, dass hier bei sechs Tracks und einer Gesamtspiellänge unterhalb der 40min.-Marke schon rein quantitativ hätte ein bisschen mehr drin sein müssen.
Wenn UNFOLD einen Song anfangen (‚Hemere‘), nur um ihn unter drei Minuten schon wieder zu beenden und etwas willkürlich in die nächste Nummer rüberfließen zu lassen, wirkt das schon mal etwas seltsam planlos dahingerotzt. Auch der Opener kommt sehr „abrupt“. An diese Spontanität und Würze der Kürze muss man sich erst mal gewöhnen, wenn man am Vorgängeralbum eben gerade schätzte, dass einem z.B. als Songfinale dissonant-verqueres Repetitiv-Riffing mit fieser Kracheffektsteigerung reingedreht wurde (‚I Miss My Dallas‘), oder sich ein Intro mit Piano-Begleitung langsam aufbauend hochschaukelte (‚Baron Rouge ‘).
Erst gegen Ende wird die ganze Sache hier mit den beiden längsten Songs etwas epischer und spannender.

Es wäre nun ein leichtes, sich von „Cosmogon“ aus o.g. Gründen vor den Kopf gestoßen zu fühlen, und es als misslungenes und unnötiges Machwerk abzutun. Es wäre ebenfalls nicht schwierig, die Fanbrille aufzusetzen, um dem Album ein bewusstes „All Killer, no Filler; auf dem Punkt anstatt um den heißen Brei!“-Understatement anzudichten, das gekonnt zu simpler (Song-)orientierten Hardcore-Wurzeln zurückgreift, anstatt möchtegernkunstvoll ein mit Blendgarnierung gespicktes „…and Justice for all“ des Post-Metals zu versuchen.
Die wie immer in der Mitte liegende Wahrheit ist allerdings wohl genau das, was kein Künstler hören will. Nämlich das Werturteil, das noch schlimmer als ein klares „gefällt mir nicht“ ist: Mittelmaß, nett, solide, „(nur) okay“. „Cosmogon“ ist weder überraschend interessant oder übermäßig begeisternd, dabei aber auch alles andere als schlecht oder langweilig. Weder etwas, das ohne eigene Identität im Genre-Sumpf völlig untergeht, noch etwas Herausragendes mit bestechender Note.

Es soll Leute geben, denen solche „ganz gut reingehenden“ Alben für nebenbei und zwischendurch sogar die liebsten sind. Ich gehöre allerdings eher nicht dazu. Gegenwärtig finde ich „Cosmogon“ gut genug, um es nach wie vor noch ein paar mal interessiert und mitwippend hören zu wollen, was ich auch tun werde; ich weiß aber auch jetzt schon mit ziemlicher Sicherheit, dass das hier nichts ist, an das ich mich in ein paar Jahren noch groß erinnern wollen werde. Solide, kein Stoff aus dem Klassiker sind.

Wem (grobes Abstecken:) Bands wie Breach, AmenRa, Cult of Luna, Overmars, Will Haven, Planks, Kongh, The Ocean, KEN mode, oder das letzte Buried Inside-Album gefallen, der sollte allerdings vielleicht dennoch mal ein Ohr riskieren, sollte er/sie UNFOLD tatsächlich noch nicht kennen.

P.s.: Zu einem Album, das eher wenig hergibt, kann man aber dennoch ganz schön viel schreiben, was? Dabei habe ich die Anekdote meiner Konzertbegegnug mit dieser Band und weiteres autobiographisches schon ausgelassen …

Dienstag, 18. Oktober 2011

Sólstafir - Svartir Sandar

Gerne prahle ich jetzt mal mit der Tatsache, dass ich in Besitz eines physischen Originalexemplars von „Í Blóði og Anda“ bin. SÓLSTAFIR’s Debüt-Album aus dem Jahr des Herrn 2002, das als ziemliche Rarität gilt, weil das Label Ars Metalli kurz nach Veröffentlichung den Bach runter ging. Auf besagtem Werk frönten die Isländer noch sowas ähnlichem wie Black Metal und hatten dabei mit „The Underworld Song“ einen ziemlichen Überhit am Start. Danach fuhren sie Geknüppel und Geschrei zurück, um sich an etwas rockigeren Gangarten und melodischem Gesang zu versuchen, und das in epischem Maße atmosphärisch und stimmungsvoll, meinetwegen auch Pathos-geladen oder gar "post-/progrockig" angehaucht. Man konnte dazu Analysen der Marke „Bathory meets The Doors“ oder „The bitter Man's Sigur Rós“ lesen, aber natürlich veranschaulichte das die Realität nur bedingt.
"Svartir Sandar" ist nun das dritte Album in dieser Ausrichtung, das bereits eine Welle an überschwänglichsten Reviews losgetreten zu haben scheint. Und die Truppe scheint es auch wirklich wissen zu wollen, denn es ist ein Doppel-Album mit fast 80 Minuten Musik geworden.

Das Faszinierende an diesem Album? Eigentlich bietet es ja einiges an Angriffsfläche. Wenn man mal ganz ehrlich ist, ist Addi Tryggvason kein überbegnadeter Sänger mit toller Stimme (mich amüsierten im Netz bereits Bobcat Goldthwait-Vergleiche). Und eigentlich übertreibt es die Band ein bisschen mit dem melancholischen Pathos ihrer Songs, die hier manchmal noch einen Tick popiger als früher anmuten. Ferner überreizen sie es dieses mal sogar, unbedingt Gimmicks wie etwas schief danebenliegende Frauengesangsbegleitung ('Fjara') oder kitschiges Key-Geklimper ('Æra') mit dabei haben zu müssen.
Das ist aber alles ziemlich egal, denn SÓLSTAFIR schaffen es wirklich, Song für Song immer wieder den Nagel auf den Kopf zu treffen. Ganz egal, ob instrumentaler Dreieinhalb-Minuten-Rocker, oder emotionsgeladenes Elf-Minuten-Epos, das trotz epochaler Länge auf dem Punkt kommt.
Wenn man ihnen irgendwas vorwerfen könnte, dann höchstens, dass die Melodieführungen des Materials mitunter fast schon Déjà-vu-mäßig an die beiden Alben davor erinnern können. Aber sowas könnte man auch als eigene Identität bezeichnen.

"Svartir Sandar" ist jedenfalls tatsächlich ein Riesen-Album. SÒLSTAFIR haben es nicht nur wiederholt, sondern noch mehr denn je geschafft, ihre ausufernde Mixtur aus Elementen typisch-amerikanischer Rockmusik und nordmännischer Herbststimmungen, die jenseits von Genre-Schubladen genau so progig wie rock'n'rollig ist, auf den Punkt zu bringen.
Allerdings: So gerne ich dieses Album höre – der übertrieben melancholisch-hymnische, fast sakral-feierliche bis partiell schon kitschige Vibe daran kann einen auch schnell schon mal süßsäuerlich übersättigen. Fazit: Vermutlich das ideale Metal-Album für die Weihnachtszeit ...

Sonntag, 16. Oktober 2011

Nachtrag

Okay, so schnell können sich Meinungen und Eindrücke dann wohl auch schon mal noch etwas ändern ...
Sagte ich vor zwei Tagen noch zum neuen HULL-Album, dass es sich dabei um einen sog. Grower handeln soll, erwischte mich genau diese Tatsache gerade selbst noch mal richtig. Denn ferner wagte ich mir dabei die Behauptung anzumaßen, hier trotzdem keinen potenziellen „Album des Jahres-Kandidaten“ vorliegen zu haben. Ich muss revidieren: Diese Aussage war falsch. Inzwischen habe ich das Album über zehn mal gehört, und nach wie vor keinen Bock, es aus der Dauerrotation zu nehmen. Diese, wie gesagt, schon irgendwie etwas seltsame Platte wächst beim mehrmaligem Hören tatsächlich von mal zu mal immer mehr. Und das beachtlich. Es ist bzw. war noch nicht auf die ersten 5-6 Hinhörer offensichtlich, aber bei den Durchläufen 9-11 wurde mir klar: Hier ist tatsächlich doch etwas ganz schön großes passiert. Ja meine Fresse, wie geil sind HULL eigentlich?!?

Freitag, 14. Oktober 2011

Hull - Beyond The Lightless Sky

„Im Underground“, „unter Hipstern“, „bei interessierten Musiknerds mit Ohr am Zeitgeistpuls“ … sucht Euch irgendwas aus … ist „Beyond The Lightless Sky“ das dieses Jahr am meisten erwartete Metal-Album. Von einer Band, die mit ziemlicher Sicherheit schon bald an Bekanntheit zunehmen wird. Dass neben mir (zwinker!) auch Pitchfork schon HULL aufgegriffen hat, spricht zu diesem Umstand Bände (siehe Liturgy).

War „Sole Lord“ noch sowas wie ein okayes Doom Metal-Album mit Prog-Kante und eher relaxtem Vibe gewesen, legte die 1-Song-EP „Viking Funeral“ die Messlatte mit einer einzigen, Sludgecore-Abgehereien und Stoner-Jammereien kombinierenden, epischen Rohkost-Komposition ganz schön hoch.

Und während der Name der Brooklyner Combo derweil im Netz bereits hier und da so aufzublitzen scheint, dass man reflexartig fast bereits von Hype sprechen möchte, gilt es nun natürlich erst mal zu sezieren, ob das entsprechende Album tatsächlich mit den hohen Erwartungen mithält.

„Beyond The Lightless Sky“ kann jedenfalls den Eindruck erwecken, dass hier eine (gehörig und hörbar!) noch im Sturm und Drang befindliche Band vielleicht etwas zu viel auf ein mal will. HULL erschlagen und überrollen einen mit einem Dauerfeuer aus verschiedensten Stilversatzstücken, gleich drei Gitarren und mehreren Gesangs- bzw. Brüllstimmen.
HULL klingen chaotisch und rabiat, scheinen sich gelegentlich dann aber vor der nächsten Attacke doch immer wieder mal strategisch zu sortieren. Passagen mit dickeirigen Riffs bei mordsmäßigem Groove? Check. Blastbeats? Check. Hardcoreiges Rumpelgebretter? Check. Sowas wie Postrock- oder Stoner-Anleihen? Auch, check. Raues Gebrüll hier, Gesang dort, ferner Brüllgesang? Hm ja, auch, check. Dabei pendelt das Album dann auch noch zwischen ungestümen Freistil-Durchstartern und ein paar homogen-atmosphärischen Nummern mit Zwischenspiel-Charakter. Man kommt hier gar nicht mehr so schnell mit, wie diese Band zeitgenössische wie zeitlose Stilmittel in ihrem eigensinnig umgesetzten Next Generation (Sludge/ Prog) Metal verwurstet, der Vergleiche zu anderen "hippen" Bands zwar manchmal anbietet (Baroness, Mastodon), dann aber auch genau so schnell schon mal wieder zurückzieht.

Hinter den Erwartungen des erhofften „Album des Jahres“-Oberknaller-Kandidaten bleibt diese Scheibe, der man vorm wirklich erfasst haben definitiv erst mal ein paar geduldige Höranläufe gönnen muss, trotz gewaltigen Grower-Qualitäten wohl doch etwas zurück. „Viking Funeral“ war dagegen irgendwie ein offensichtlicherer Instant Classic.

In der etwas orientierungslosen, Spontanität versprühenden, gelegentlich überstürzt nach vorne stolpernden musikalischen Inszenierung liegt allerdings zweifelsohne auch ein authentischer Charme jugendlich-energischen Leichtsinns, den ich persönlich, in meinem letzten Aufbäumen vorm Ruhestand, ja doch wesentlich ansprechender finde, als etwa den spielerisch und produktionstechnisch unnahbar aalglatten Perfektionismus vieler Altherren-Progrocker, oder die bequem-generische "Good Clean Family Entertainment"-Routine der meisten Donzdorf-Metalcombos. Und das alleine ist ja auch schon viel wert.
Und, wie gesagt: Ziemlicher Grower.

Montag, 10. Oktober 2011

Brutal Truth – End Time

Im RockHard Magazin ging man zuletzt ja recht verhalten mit BRUTAL TRUTH um. „Leben nur von ihrem kultigen Legendenbonus, haben musikalisch aber nicht mehr wirklich was zu sagen“ hieß es vor zwei Jahren sinngemäß im Review zum Comeback-Album, und dann noch sowas wie „eine dieser Bands, dessen Name grundsätzlich mit Ehrfurcht ausgesprochen wird, obwohl dieses angeschrägte Geknatter eigentlich niemand wirklich hört“ anlässlich einer DVD-Veröffentlichung. Au contraire, mes amis. Natürlich gibt es Leute, die tatsächlich BRUTAL TRUTH hören. Leute, von denen die New Yorker Truppe um Bassisten-Ikone Danny Lilker (S.O.D., Nuclear Assault, …) eben gerade auch geschätzt wird, weil sie ihren Frühneunziger-Deathgrind im Laufe der Zeit mit noch mehr Punk im Sound und gewisser Experimentierfreude bis ins jazzige „anschrägte“, erweiterte und variierte, und damit ihr eigenes Ding fand. Aber dass man das gerade in Bezug auf eine Band, zu der sich u.a. auch die Melvins und Converge schon als Fans und Freunde bekannten, im Umfeld des Dortmunder Traditionsmetall-Blättchens mal wieder nicht so ganz schnallen möchte, ist ja nur typisch und bezeichnend (No Offense, Jungs und Mädels; Ihr wisst, ich hab‘ Euch lieb...).

Okay, eines gebe ich jetzt schon mal offen und ehrlich zu: „End Time“, das aktuelle Album des Quartetts, ist nicht ihr bestes oder zwingendstes, und ja, das liegt u.a. tatsächlich auch an der gewaltsamen Unkonventionalität der ganzen Kiste.
Fand man auf „Evolution Through Revolution“ zwar Grindcore-„Geknatter“ vor, das trotz gehöriger Schräglage immer noch verhältnismäßig (!) zugänglich nach vorne kachelte, wird man dieses mal noch ein bisschen mehr gefordert. Unter den 23 Tracks (!) des Albums finden sich eine 5-Sekunden-Nummer und als Abschluss eine fünfzehnminütige Jam-Krachcollage ein. Bleiben 21 (okay, eigentlich 20) „normale Songs“, die ebenfalls wirklich alles andere als normal sind. Gleich zu Anfang kann sich die Band den perfiden Scherz nicht verkneifen, dem Hörer eine langsam stampfende Atonalität als Opener reinzudrehen, bevor erst beim Song danach auch das Genre-typische Blast-Drumming losbrettert.
Dabei ist es vor allem Band-Neuzugang Erik Burke’s mitunter recht dissonant-quer rausgedrückter Gitarrenarbeit, in Kombination mit einer recht dreckig gehaltenen Produktion geschuldet, dass „End Time“ trotz vorwiegend rasanten Tempogangarten ein ganz schön zäher und verworrener Brocken ist.

Auch wenn sie sich in ihrer Ausrichtung fast schon kontrastieren, gilt für die neue BRUTAL TRUTH damit unterm Strich in etwa das gleiche, wie für die aktuelle, eher etwas rockig ausgeartete Today Is The Day: Sicher, Meisterwerk, Must Have oder potenzieller Klassiker is' was anderes; hat aber auch niemand mit gerechnet oder behauptet. Als Revier markierende Duftmarke mit unverkennbar eigener Note, die diesem reanimierten Urgestein keiner streitig machen kann (gegen „End Time“ wirken Pig Destroyer popig!), sticht allerdings auch dieses Album räudiger, brutaler Musik, mit manchmal fast schon irrealen Akzenten, als verqueres Unikat aus der sog. Extrem-Metal-Szenelandschaft hervor. Und seltene Pflänzchen sollte man bekanntlich besonders schätzen und pflegen …

Dienstag, 4. Oktober 2011

Denovali Swing-Samstag

Erstmals fand dieses Jahr das DENOVALI SWINGFEST in etwas größerer Location als zuvor (genauer gesagt der Essener Weststadthalle) und dabei sogar dreitägig statt. Beim doch etwas sehr Ambient-lastigen Billing hatte ich es mir verkniffen, gleich das Komplettprogramm mitzunehmen, hier aber dennoch die interessantesten musikalischen Eckdaten vom besuchten Samstag:

Recht früh ziehen NADJA in einer stockdunklen Halle ihren üblichen Streifen durch: Gitarrist Aidan Baker und seine, wie immer mit dem Rücken zum Publikum stehende Bassistin dronen Publikum und sich selbst, permanent an Effektgeräten rumdrehend, zum Godflesh-esken Computer-Doom-Beat bis in apathische Zustände. Was eine Viertelstunde lang ja tatsächlich ganz nett ist, sich irgendwann aber in völlige Beliebigkeit zu verflüchtigen scheint.

Das polnische CONTEMPORARY NOISE SEXTETT macht im Grunde genommen nicht mehr und nicht weniger als popig-modernen, ja fast schon rockigen, eingängig beschwingten Jazz mit Bläsern und E-Gitarre, der nur selten mal akzentuiert ins etwas wild expressionistische driftet. Das sollte auf dem Papier tendenziell zwar eigentlich nichts für Leute sein, die eher für Postrock-, Ambiet- und Drone-Kram diese Veranstaltung besuchen, aber diese Truppe macht nicht nur tatsächlich tierisch Spaß, sondern hat ihn auch sichtlich selbst. Z.B. als der E-Pianist auch schon mal mitten im Song Bier holen rennt. Sehr gute Band, mag ich wirklich gerne!

Das DALE COOPER QUARTETT ist zum zu Hause hören bestimmt ‘ne nette Sache, und ich werde da zeitnah wohl auch noch mal irgendwann ein Ohr riskieren, im allgemeinen „Event-Rahmen“ war mir der Freistil-„Dark Jazz“ der Franzosen zum entsprechenden Zeitpunkt, und zugegeben auch noch bei Erstkontakt gleich mit schon ein paar Bieren im Kopf, dann aber doch etwas zu ruhig und zäh, um sich ausreichend geduldig reinzufinden.

OMEGA MASSIF fallen dann als Band mit fetten Bratgitarren ja eigentlich schon etwas aus dem Rahmen. Merchverkäufe sprachen allerdings auch schon vorher recht deutliche Worte darüber, wen die meisten Besucher am meisten sehen wollen. Und der dicke Instru-Metal weiß auch voll und ganz zu begeistern. Lediglich die Ruhepausen zum Gitarren stimmen sollten sie noch irgendwie überbrücken.

Absolut gelungener Endspurt: THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE. Live dann trotz partiell live gespielter Instrumente doch einen Tick mehr Electronica/ Laptop-Ambient/ Trip Hop Act, als ich nach dem Genuss einiger Audiokonserven vermutet hätte, aber nicht weiter schlimm, sondern im Gegenteil ziemlich geil. Verwundert zunächst noch, dass da ein organisch-jazziger Schlagzeugrhythmus aus dem Nichts zu kommen scheint, bollern die Breakbeats von ‚Pigs for Swine‘ (zusammen mit ‚Lobby‘ die an diesem Abend auch gebotenen Oberknaller vom selbstbetitelten Langspieldebüt – sehr, sehr geil, wirklich!) danach dann umso mitreißender. Super Sache, würde ich mir bei nächster Gelegenheit unbedingt wieder angucken wollen. Atmosphärisch, praktisch, gut!

Tjoah, auch ansonsten: Rundum gelungene Veranstaltung. Super Orga, guter Sound, angenehmes Publikum, und über die ausgeschenkte Ätzplörre namens Stauder sehen wir da glatt noch mal wohlwollend hinweg.
Wenn nächstes Jahr der Schwerpunkt nicht sooo Ambient- und Drone-lastig sein sollte, wie dieses, nehme ich dann vielleicht sogar mal wieder mehr als nur einen Tag mit.