Dienstag, 27. September 2011

Freitag, 23. September 2011

RIP UiP

URLAUB IN POLEN habe ich über die Jahre ja doch hier und da immer wieder mal live gesehen. Aber, so muss ich zugeben, irgendwie jedes mal nur mehr so nebenbei und ungewollt, weil sie halt zufällig auch dort spielten, wo ich mich gerade wegen einer anderen Band oder aus anderen Gründen ebenfalls aufhielt ...
Auch wenn sie einem vom Visions als Musikmagazin und Konzertveranstalter im Laufe der Zeit immer wieder recht zuversichtlich vor die Nase gehalten wurden, sowie gefühlt saisonell wirklich andauernd irgendwo spielten - ob sie mit ins Billing passten oder nicht so wirklich - wurden UiP nie "groß". Und das verwundert bei ihrem Stil zwischen allen Stühlen nicht wirklich. Auf lärmige Gitarrenwände kann die Electronica-Fraktion halt häufig eher nicht, Alternative- bzw. Rock-Leute wiederum haben oft gar keinen Bock auf Sequencer und Synthies, und Indieclubgänger stehen ja dann doch eher auf Popsongs als auf kruden Experimentalsound, während Krautrock-Referenzen in der „Indietronic“- oder Postrock-Ecke ja erst in jüngerer Vergangenheit wirklich etwas schicker geworden zu sein scheinen (so zumindest mein unqualifizierter Eindruck von außen).
Ein schwieriges Schicksal für eine Band, die eigentlich – Vorsicht, Floskel – für jeden was hat: Indie-/Noiserock, der gelegentlich richtig bis ins dickeirig-brachiale driftet, tanzbar-hypnotische Rhythmik, sowohl in Form von Konserven-Beats als auch eines fähigen Live-Schlagzeugers, atmosphärisch-psychedelische Gangarten, und elektronische Versatzstücke, die von Dub bis zu sowas wie Industrial reichen (nicht lachen, aber manchmal erinnerte mich das gebotene live glatt an die Young Gods). Eigentlich haben UiP somit ja vieles, das auch mich ziemlich anspricht. Und trotzdem habe auch ich diesen eigentümlichen Nischen-Act über die Jahre trotz aller Sympathien nur ziemlich stiefmütterlich behandelt.
Als die Duo-Formation nun auf Abschiedstour kam, und das dann auch noch in die altehrwürdige Zeche Carl (in der sonst ja leider nicht mehr viel zu gehen scheint), wollte ich ihnen allein deswegen diese Ehrerbietung noch mal erweisen.
Und es war irgendwie so, wie man erwartet hatte. Der Laden war eher übersichtlich als wirklich nennenswert gut gefüllt, und das altersmäßig recht gemischte Publikum dabei größtenteils ziemlich hüftsteif. UiP gingen ohne Support pünktlich um halb neun auf die Bühne und spielen bis zum Zugabenblock mit, wenn überhaupt, nur kurzen Pausen zwischen den Songs ‘ne Stunde durch. Die Performance von Sänger, Gitarrist und Elektronik-Bediener Georg Brenner (der im Übrigen außerdem auch bei Ken mit diesem unerträglichen Aydo mitmacht) ist eine Mischung aus sympathischen Nerdtum und manchmal leicht unbeholfen wirkenden, umso ehrlicheren Rockposen. Aus der Konserve kommen geile Waber- und Surr-Sounds (ja, ich stehe auf sowas, Ihr festgefahrenen Stonerrock-Köppe, get over it!), Drummer J.P. Janzen gibt nicht einfach nur four to the floor, sondern kachelt auch schon ziemlich geile Fills raus, und das Gesamte marschiert durch seinen ganz eigenen, neukrautrockigen Kosmos zwischen Soundtüftler-Labor, Danceclub und Rockshow, zwischen Psychedelik und krachigem Abgerocke, und doch fühlt sich das alles natürlich und unaufgesetzt an.
Geiles Konzert. Und eine gute Entscheidung, sich das noch mal im nüchternen Kopf und bewusst gegeben zu haben, anstatt nur beim angetrunkenen Vorbeistolpern an einer Wald-und-Wiesen-Dorffestbühne.
Wie gesagt: Es verwundert nicht, dass UiP bis zuletzt eher den musikbesessenen Vollnerds vorbehalten blieben, anstatt ein großes Szeneding zu werden. Ich erspare uns jetzt auch bewusst Floskeln a la „zu viel des guten“ oder „Perlen vor die Säue“, und das nicht nur vor dem Hintergrund, dass ich selbst mir da ja nun mal auch nicht jedes Album gekauft und in Dauerrotation gehört habe oder zu Headliner-Shows gepilgert bin. Aber im Rahmen des Farewell-Gastspiels noch mal gesehen und gehört zu haben, wie gut und unterhaltsam diese Band doch eigentlich war, anstatt sie bei der letzten Gelegenheit dann auch noch zu verschmähen, das fühlte sich schon irgendwie richtig an und lies einen mit dem Gefühl nach Hause fahren, bei etwas dabeigewesen zu sein, auf das einige in mittelfristiger Zukunft mit ziemlicher Sicherheit als „sträflich unterbeachtete Band“ zurückblicken werden.

Mittwoch, 21. September 2011

Dienstag, 20. September 2011

Ach ja …

Ein neues Album der wirklich guten Instrumental-Rocker AND SO I WATCH YOU FROM AFAR mit dem Titel „Gangs“ ist hierzulande bereits im Juli veröffentlicht worden. Und auf Tour kommen die auch bald schon wieder. Checkt die mal, die sind echt sehr, sehr gut!
Ich selbst hatte nur bisher – „First World Problems“ – wirklich keine Zeit für noch mehr Musikveröffentlichungen, als mich sowieso schon an der Übersättigungsgrenze beschäftigen, weswegen die aktuelle ASIWYFA bisher durchs Raster gefallen war, und ich mit dem Zulegen neuer Musik dieser Tage auch generell mal wieder einen Gang runterschalten möchte.

Wo wir dabei sind: Diese Woche ist außerdem das neue THRICE-Album „Major/Minor“ raus, dessen Vorgänger „Beggars“ ich ja auch ziemlich gut fand.
Und, jaja, klar, die neue MASTODON ist auch am Start. Mal sehen, wie die so ausfällt.
Danach dann am interessiertesten erwartet im Oktober: Die neuen Scheiben von HULL und WOLVHAMMER. Remember where you read it first.

Was mich im Übrigen ferner nach wie vor schwer interessiert, ist das schon im Januar rausgebrachte FAUST-Album „Something Dirty“, das dem Vernehmen nach sehr gut sein soll. Aber ich war wohl bisher zu viel mit „Hipster Metal“ beschäftigt, und schäme mich dessen auch ein wenig. Wird langsam Zeit, diesen Quatsch endlich mal den jungen Leuten zu überlassen, und nur noch zum Moerser Jazz Festival zu fahren …

Nachtrag: Jetzt bin ich auch noch darüber gestolpert, dass ein neuer Longplayer vom japanischen Underground-Doom-Kult CORRUPTED raus ist. Spielen die kommendes Jahr dann auch beim Roadburn?

Montag, 19. September 2011

YOB und so

Vergangenen Samstag hieß es, sich auf den Weg nach Bielefeld zu machen, denn es war die einzige passende Möglichkeit, dieser Tage the mighty YOB auf ihrer ersten richtigen Europatour zu sehen. Das Drumherum im AZ entpuppte sich als übliches geordnetes Chaos mit recht langen Umbaupausen und einer katastrophalen Sanitärsituation, aber das alles war nicht weiter schlimm.

DUST eröffneten als Local Support und gaben mit kräftigem Stonergerocke eine ganz gute Figur ab. Nicht mehr und nicht weniger.
Was KONGH betrifft war ich hier bisher nie großer Fan oder Follower, nach diesem Auftritt könnte sich das aber vielleicht noch mal ändern. Ohne zu sehr auf irgendwelchen inzwischen zu abgelutschten Stilmustern rumzureiten, grooven die Schweden nämlich nicht nur langsam, schwer und druckvoll, sondern fahren zwischenzeitlich auch schon mal rasanteres Gekloppe auf. Gute Band!
DARK CASTLE entpuppten sich als durchwachsen bis enttäuschend. Das lag nicht nur daran, dass fast nur Songs vom kruden und eher mäßigen aktuellem Album gespielt wurden, sondern vor allem auch daran, dass Frontfrau Stevie weder stimmlich (hexiges Gekrächze), noch mit einem wirklich ansprechendem Gitarrensound (was soll eigentlich andauernd dieser blöde Waber-Effekt?) punkten konnte. Sicher, spielerisch war es sonst tight, auch blitzte immer wieder mal durch, was diese Band im Gesamtpaket sein könnte, wären genannte Mankos nicht, aber der Funke will deswegen nicht so recht überspringen. Das Duo ist zwar nicht unoriginell, rauscht in seiner angestrebten Wirkung aber ein Stück am Ziel vorbei.
YOB sind ein Erlebnis. Für das man in Bielefeld erst mal Geduld brauchte, bis Band und „Ladentechniker“ herausgefunden hatten, dass deshalb kein Gesang aus der P.A. kommen will, weil im Kabelwust auf der Bühne nicht der richtige Mikrophonstecker eingestöpselt ist. Nun ja. Wenn YOB kommen und gleich auch noch sofort mit ‚Quantum Mystic‘ eröffnen, passiert jedenfalls überall das gleiche: Diverse Anwesende lassen sich prompt zu lautstarken Begeisterungsausbrüchen hinreißen, weil diese Band einfach so unfassbar geil ist. Das Trio stampft in epischen Songlängen alles in Grund und Boden, und lässt den anwesenden Zuhörer dabei alles um ihn rum vergessen. Dass mir einige nervende Vollbauern im Publikum (Rempeltänzer und ratzevolle Dauerpommesgabelzeiger) auf den Sack gehen – eigentlich völlig egal, denn YOB spielen gerade. Mächtige Songmonolithen wie ‚Prepare The Ground‘ ‚Burning the Altar‘ und ‚Grasping Air‘ ergreifen auch bei nur okayen anstatt optimalen Soundbedingungen völlig Besitz von einem. Sänger und Gitarrist Mike Scheidt hat dabei dann auch noch etwas sympathisch-unorthodoxes, fast schon Guerillamessias -haftes an sich. Wahnsinnsband, Wahnsinnsauftritt. Du warst nicht dabei? Tut mir leid für Dich.

Herbstbeginn Review Roundabout

WOLVES IN THE THRONE ROOM - Celestial Lineage
Mit ihrem Zweitwerk “Two Hutners” – vier Tracks in einer Dreiviertelstunde (bzw. fünf in mehr als einer bei der Vinyl-Version) – zementierten sich WITTR mit einem Schlag den Status als Szene-übergreifend gefeierte „Post-Black Metal“-Sensation und –Genrespeerspitze mit Ökonerd-Ideologie. „Black Cascade“ – wieder nur vier Tracks in fast 50 Minuten – warf danach jegliche Experimente und Fremdgenre-Einschübe über Board, und fuhr ausschließlich reinrassige „Blastbeat-Epen“ auf. Mit „Celestial Lineage” folgt nun der konsequente Schritt aus der kreativen Sackgassengefahr: Sieben Tracks, davon drei über zehn Minuten, und zwei unter zwei, steigern den Abwechslungsreichtum. Drone-Versatzstücke und atmosphärische Zwischenspiele, Frauengesang, und Metal-Kompositionen, die aus dem von WITTR erwartetem auch schon mal etwas ausbrechen.
Einen Übersong wie ‘Vastness and Sorrow’, ‘I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots’ (“Two Hunters”), oder ‘A Looming Resonance’ (“Malevolent Grain” EP) findet man auf “Celestial Lineage” nicht. ‘Prayer of Transformation‘ ist nah dran, aber. Auch hat das Album nicht die gnadenlos alles zermalmenden Qualitäten von „Black Cascade“. „Celestial Lineage” versucht sich an mehr Facettenreichtum und noch mehr Melodie, was gewöhnungsbedürftig ist, aber auch ein Entwicklungsschritt, den diese Band gerade wohl gehen musste, um sich nicht einfach nur zu wiederholen. So überragend und bestechend wie anderes aus dem Thronsaal mag die aktuelle, und laut Aussage der Band letzte (!) Veröffentlichung damit an der Oberfläche zwar nicht sein - ein mehr als nur solides Album ambitionierten Düster-/ Extrem-Metals, dem man mal eine Chance zu wachsen geben sollte, aber allemal. Geile Momente sind nämlich definitiv auszumachen.

OPETH – Heritage
Bis zuletzt fand ich es immer etwas seltsam, dass ich OPETH - abseits ihres unmetallischen Akustik-Ausreißers „Damnation“ (2003) - erst in jüngerer Vergangenheit so wirklich vollends zu schätzen lernte. Viele langjährige OPETH-Fans schienen „Watershed“ nämlich eher mau zu finden. Mir jedoch eröffnete das '08er Album auf einmal einen schlüssigen Flow, den ich zuvor so nicht so recht finden wollte. Da waren einfach von vorne bis hinten nur gute, runde Songs auf dem Teil. Und während mir Andere immer noch erzählen wollen, dass die Grunz- und Boller-Parts ja geil sind, aber das Gesinge doch nicht sein müsste (Ne Leute, ihr habt wirklich gar nix kapiert; die ruhigeren Folk-lastigen und Progrock-beeinflussten Passagen sind im Falle von „Watershed“ sogar das Beste daran) machte Mastermind Mikael Åkerfeldt nun mit „Heritage“ endlich mal das, was er vielleicht schon eher hätte tun sollen: Nämlich das Progrock-Album, das er schon länger machen wollte, ohne für ihn persönlich schon lange obsolete Alibi-Trademarks aus Death Metal-Zeiten dabei mit durch zu schleppen. Und auf einmal macht alles Sinn, was ich zuvor an dieser Band nicht so ganz schnallen wollte.
Aber: So sehr ich nicht nur ihm als Künstler, sondern auch mir als Hörer gewünscht hätte, dass „Heritage“ Åkerfeldt's Meisterwerk wird – nun ja. Vielleicht fehlt diesem, wie erwartet mit Retro- und Folk-Einflüssen durchsetztem „Opeth Light“-Album dann ja doch etwas das Yang zum Ying. Ich will nicht sagen, dass es schlecht ist. Und ich will auch nicht sagen, dass es langweilig ist. Aber fast 57 Minuten lang (66 Minuten, hat man die Special Edition mit zwei Bonus Tracks), nur diesen einen, nicht mal ungewohnt oder untypisch klingenden Aspekt von OPETH vorgesetzt zu bekommen, das ist dann trotz „Damnation“-Vorkenntnissen schon manchmal etwas ... monoton und zäh. Das ganz große Feuerwerk (das ein Song wie 'Deliverance' in der Vergangenheit durchaus entfachen konnte) bleibt dabei nämlich irgendwie aus.
Bevor wir uns missverstehen: „Heritage“ ist schon voll okay. Aber eben leider nur okay. Anhören kann man sich das im Zweifelsfall gut und gerne. „Groß“ ist aber eben auch leider was anderes. Was wirklich schade ist, denn ich hätte dieses Album sehr gerne „groß“ anstatt nur „okay“ gefunden.
Immerhin: Bock, es weiterhin noch mal wieder zu hören, verspüre ich ja trotz allem. Irgendwas scheinen OPETH dann ja offensichtlich dennoch richtig zu machen ...

BARN OWL -Lost in the Glare
Stimmungsvoller, Earth-ähnlicher Drone/ Gitarren-Ambient/ Schweberock mit einem, in diesem Genre ungewöhnlich packendem Kompositionsgespür, und einem latentem Hauch von nordischer Finsternis– so könnte man das (Kern-)Duo BARN OWL zusammenfassend etikettieren. Womit sie eigentlich auch schon mal bestens geeignet wären, für die Fans aller weiteren in diesem Blogpost erwähnten Bands, die auch mal über den Doublebass-Horizont hinausgucken wollen und können (Wunschdenken). Und das mit „Lost in the Glare“ sogar mehr denn je, denn BARN OWL präsentieren sich auf ihrem neusten Album noch mal einen Tick „musikalischer“, im Sinne von Song-orientierter. Zur vollen Bandbreite an atmosphärischem Gezupfe, Geigenbogenspiel, surrenden Soli, Drone-Teppichen, Folk-beeinflusst anmutendem, mal Klarem und mal Verzerrtem, verträumt-ruhigen bis Sunn o)))-mäßig laut dröhnendem, gesellen sich hier nämlich gelegentlich auch schon mal Drums oder Percussion. BARN OWL haben inzwischen ihren eigenen Mittelweg aus Drone-Klanglandschaften und sowas wie Postrock-Songs gefunden. Und das auch noch mit Vibes und Stilmitteln, die nicht nur an – wie gesagt – Earth erinnern (oder punktuell auch an einiges von Steve von Till's Harvestman-Veröffentlichungen), sondern ihre Musik außerdem auch absolut kompatibel scheinen lässt, zu allem von kirstallklar inszeniertem Postrock a la Long Distance Calling, über die (ich hasse dieses Wort:) „Düsterromantik“ von Ghost Brigade, über die (noch so ein Klischee:) „herbstliche Stimmung“ von Opeth, (und jetzt kommt's ganz dicke:) bis zur dichten Atmosphäre von zeitgenössischen Quasi-Black Metal-Bands wie Wolves In Throne Room und Altar Of Plagues.
Also, liebe Metaller, traut Euch mal an ein herrliches Chillout-Album wie dieses ran, wenn es schon so wie für Euch gemacht scheint, anstatt diese wirklich tolle Band nur den paar Nerds zu überlassen, die lieber zum Denovali Swingfest als zum Summer Breeze gehen.

GHOST BRIGADE - Until Fear No Longer Defines Us
Album des Monats im RockHard? Ein krudes Review bei Spiegel Online? GHOST BRIGADE mit dem dritten Album schlagartig im Mainstream angekommen? Krass. Ich persönlich muss ja gestehen, den zugegeben nicht ganz alltäglichen Mischmasch aus kraftvollem Düster-Metal, finnischer Gothrock-Melancholie, modernem Athmo-Postgerocke, und einem entsprechenden Schuss Prog zwar „ganz gut hörbar“, dann aber irgendwie wiederum doch nicht überschwänglichst begeisternd oder unsagbar innovativ zu finden. GB sind nämlich eine dieser typischen Bands, die für den typischen Metal-Fan innerhalb seiner Szene was total außergewöhnliches und herausragendes darstellt (siehe auch: Gojira, Disbelief, Katatonia, …), von einem Schritt weiter außen, bzw. etwas nüchterner betrachtet, allerdings eben doch einfach nur ‘ne Metal-Band mit entsprechend generischer Klischeebedienung ist. GHOST BRIGADEs aktueller Status zwischen Stühlen wie „Melo-Death und Mädchen-Düstermetal (Skandinavier halt)“ auf der einen, und süßsaurem „Alternative/ Post-/ Prog-Rock“ auf der anderen Seite, mag ja schon irgendwie als sympathisches und frisches Potpourri daherkommen, man muss allerdings auch dabei mal die (hier eher nicht brennende) Kirche im Dorf lassen. Denn trotz noch leicht angeraut gelassenen Ecken und Kanten bei den härteren Passagen (Vocals haben da was von Grewe, Jäger oder Tardy), marschiert die Brigade einen Weg, der straight, zugänglich, poliert, unanstrengend, und ja, in seiner schon etwas nach Gothrock müffelnder „Düsterromantik“ (oder nennen wir es Melancholie-Schmalz) eigentlich schon ein ganz großes Eck zu gefällig ist. Und auch wenn das alles nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein muss, ist mir persönlich genau das ja heutzutage zu wenig, bzw. das Quentchen Pop zu viel, das ich bei vermeintlich harter Musik nicht (mehr) haben möchte. Oder ich bin einfach nur schon zu alt und versnobt für sowas geworden.
Anhänger von Opeth, Amorphis und Katatonia werden’s aber lieben.

Sonntag, 18. September 2011

wtf?!?



KEN Mode / Fuck The Facts pop song collaboration.

lyrics by KEN Mode, Fuck The Facts & Kevin Stewart-Panko.
recorded and preformed by DJ Victor Wooten

Donnerstag, 15. September 2011

Zwei Live-Alben

Kurz notiert: Irgendwie konnte ich es mir dann ja doch nicht verkneifen, mir sowohl „Sugar Daddy Live“ von den MELVINS, als auch die käuflich bereits erhältliche Digital-Audioversion von FANTOMAS‘ morgen erscheinender Konzert-DVD „The Director's Cut: A New Year's Revolution“ zuzulegen. Und um den Fazit gleich vorwegzunehmen: Große Überraschungen oder Offenbarungen findet man in beiden Fällen eigentlich nicht vor, dagegen spricht allerdings auch nichts.
MELVINS‘ „Sugar Daddy Live ist ein nettes Dokument der aktuellen Quartett-Phase, und der Schwerpunkt des Materials, bis auf wenige Ausnahmen, somit natürlich auf den letzten drei Alben. Ein Highlight ist dabei, wie schon in der Studioversion, der nahtlose Durchlauf der „(A) Senile Animal“-Songs ‘Rat Faced Granny / The Hawk/ You've Never Been Right/ A History of Bad Men‘. Skurril ist die Intonation des ‘Star-Spangled Banner’ vorm abschließenden Althit ’Boris’. Kann man sich als Fan zulegen, so wirklich haben müssen tut man es allerdings auch nicht unbedingt.
FANTOMAS‘ „The Director's Cut: A New Year's Revolution dürfte vom Titel her ja fast schon selbsterklärend genug sein. Am Silvesterabend 2008 spielte die “Allstar Avantgarde-Band“ in San Francisco das Filmmusik-Coveralbum „The Director’s Cut“ komplett. Was in dieser lebendig und roh eingefangenen Atmosphäre der Konzertsituation auch auf Tonkonserve tatsächlich Spaß macht.

Hier dann noch mal eben die beiden Trailer zur DVD:


Sonntag, 11. September 2011

Zwei Reviews ...

Eigentlich hatte ich sowohl THE MEN, als auch TERRA TENEBROSA, bzw. ihre jeweils schon im Frühjahr veröffentlichten Alben, bereits eine Weile auf dem Zettel gehabt, dabei aber bis zuletzt – kein Wunder bei der Fülle an mehr oder minder artverwandter, guter und interessanter Musik, die in letzter Zeit so kam (Ken Mode, Yob, Alter Of Plagues, Tombs, Today Is The Day, Young Widows, End Of Level Boss, Zoroaster, …), und nach wie vor freudig erwartet im Kommen ist (Wolves In The Throne Room, Barn Owl, Unfold, Brutal Truth, … ) - ein bisschen aufgeschoben. Nun aber war es wohl an der Zeit.

THE MEN – Leave Home
The Facts: THE MEN kommen aus New York City. Von ihrer offiziellen Blogspot-Seite aus kann man ältere Releases herunterladen. Ihr aktuelles Album „Leave Home“ kommt mit einem ungewöhnlichen Artwork daher, das von Humor zeugt.
Die Musik: Irgend so etwas wie Noiserock. Allerdings eher die Art von Noiserock, die LoFi-Surfpunk-Eskapaden näher steht, als dick-metalcoreig angehauchtem Gelärme. Eigentlich „only Rock'n'Roll“, dann wiederum in seiner brachialen, ungewöhnlich arrangierten, und von schrägem Zwischengeplänkel durchsetzten Präsentation doch recht unorthodox. Dabei ist dann auch von Instrumentals (Lotus, Shitting With The Shaw), über eher entspanntem Gesang (If You Leave...) bis zu derben Geschrei alles mit dabei, und auch alles von rasantem Punkock (etwa „()“ - ja, der Song heißt wirklich so) bis zu schon regelrecht bösen Doomsludgecore (Ladoch). Die meiste Zeit eher John Spencer, zwischendurch aber auf ein mal doch mal EyeHateGod? Sachen gibt’s ...
Fazit: THE MEN sind eine dieser Bands, die vor allem von dem Charme leben, etwas orientierungslos und unperfekt zu scheinen. Die stilistische Bandbreite ist auf jeden Fall eine etwas seltsame und gewöhnungsbedürftige. Höre ich nicht alle Tage, aber Sympathien sind gegeben. Live könnte diese Kapelle ein ziemlicher Spaß sein.

TERRA TENEBROSA – The Tunnels
The Facts: TERRA TENEBROSA sind eine Nachfolgeband der legendären Experimentalhardcoreler Breach.
Die Musik: Alter Schwede. Der dunkel-atmosphärische Brocken, den TT hier abgeliefert haben, wird vermutlich noch nicht ein mal von jedem als Musik zur Kenntnis genommen werden. Versuchen wir's mal: Dark Ambient-/ Postorck-Versatzstücke in Kombination mit Metal-/ Hardcore-/ Noiserock- artigen Lärmereien , die den experimentellen Ansatz des letzten Breach-Album immer wieder völlig in Sphären wegfliegen lassen, die mit konventioneller Musik am Rock-Stammbaum kaum noch was zu tun haben. In ihrer schwer zu greifenden Art und Weise und verstörenden Stimmung erinnern die Schweden dabei sogar am ehesten an das eine oder andere der französischen Black Metal-Avantgarde (Blut aus Nord, Deathspell Omega) und ähnliches (Velvet Cacoon, ...), bzw. als hätte man so etwas mit der Rhythm Section von Unsane (oder eben Breach) kombiniert.
Fazit: Es sollte mehr Bands geben, die sich trauen, einfach wirklich anders klingen zu wollen, anstatt zu sehr an bequemen Strukturen der Gewohnheit festzuhalten. Aber dann wiederum würde ein Werk wie dieses ja gar nicht mehr so herausstechen und erstaunen. So Mancher wird es als unhörbaren Müll deklarieren. Ich wiederum kann die Faszination dieser surrealen Krach-Klangkonstruktionen nicht von der Hand weisen. Ob ich „The Tunnels“ jetzt grandios oder doch eher verzichtbar finde, das müsst Ihr mich allerdings in zwei Jahren noch mal fragen. Dass es momentan einfach erst mal nur „interessant“ ist, reicht mir persönlich aber mehr als genug. Dieser eine Schritt, den TERRA TENEBROSA weiter gehen als andere Bands („The Tunnels“ ist sozusagen das „Post-Metal“-Equivalent zu einem späteren David Lynch-Film), musste nämlich einfach mal gegangen werden ...


[P.S.: Auch wenn die genaue stilistische Ausrichtung an entgegengesetzten Ecken harter Gitarrenmusik angesiedelt zu sein scheint, haben diese beiden Alben auf ihre unkonventionelle Art somit ja doch irgendwie etwas gemeinsam. Hey, ich muss schon irgendwie rechtfertigen können, die in einem Blogpost verwurstet zu haben ...]

Freitag, 9. September 2011

Brains smaller than Haselnuss

Habe davon sogar irgendwo noch eine Aufnahme auf VHS:

Donnerstag, 8. September 2011

Are You Excrements? (C.S.S.O.)

Kategorie „mal wieder rausgekramt / vergessene Schätze, etc.“...
Auf allgemein viel zu wenig beachtete bis nahezu in Vergessenheit geratene Bands von früher (wie z.B. Calhoun Conquer, Buzzard oder Lemming Project) weise ich ja immer wieder gerne mal hin. Und ich habe mich hier ja schon mal gefragt, was eigentlich aus C.S.S.O. geworden sein mag. Vage Antwort darauf: Offensichtlich scheint sich das Thema schon vor einiger Zeit erledigt zu haben.

Da Ihr wohl bekanntester und am meisten verbreiteter Release „Are You Excrements?“ allerdings in diesem Frühjahr zehnjähriges Jubiläum feierte, kann man aus diesem Anlass ja noch mal ein klitzekleines Reminder-Resümee zu dieser verschollenen – und ich benutze diese altbackene Floskel hier nur zu gerne – „Kultband“ ziehen.

Auch mit 10 Jahren Abstand betrachtet ist besagter zweiter und auch letzter „regulärer“ Longplayer der Japaner (von denen es ferner auch noch zwei Live-Alben/-Splits, eine EP über Relapse, und eine Compilation gegeben hat …) jedenfalls immer noch eine exotische Sache.
Zu roh und räudig rausgedroschenen Passagen wüsten Röchel-und-Rumpel-Grindcores gesellen sich Episoden aus Rotzrock, lässigen 70ies Psychedelic Jams und auch ein bisschen Noise. Was in dieser Kombination auf Polycarbonat gebannt tatsächlich mitunter so abenteuerlich und bekloppt klingt, wie sich das jetzt lesen mag. Und man neigt wohl auch unweigerlich dazu, kopfschüttelnd ein wissendes „Tsehe … Japaner …“ in die Runde zu lachen.

Auf dem kurzzeitigen Höhepunkt ihres „Kultstatus“ waren C.S.S.O. jedenfalls wie gesagt vor genau zehn Jahren - als „Are You Excrements?“ erschien und die Band auf dem, bei Grindcore-Fans damals essenziellen „Fuck the Commerce“ Open Air spielte. Kurz danach verschwand die Truppe schon wieder von der Bildfläche und blieb auch bei den schlimmsten Nerds wohl nur eine Randnotiz, die über die Jahre völlig in den Limbus durchsickerte.
Aber dafür habt Ihr ja mich. Der tatsächlich nichts besseres zu tun hat, als dem Internet zu erzählen, wie spaßig die japanische Band mit vollem Namen „Clotted Symmetric Sexual Organ“ vor zehn Jahren mal war, und ihre Platte „Are You Excrements?“ auch heute noch ist. Gut, ne?!

Link: Wikipedia-Artikel zu C.S.S.O.

Montag, 5. September 2011

Grindcore, Post-Dings, Münsterland

Eigentlich fühle ich mich ja nicht nur, sondern bin im Grunde genommen auch schon längst zu alt für irgendwelche Konzerthopping-Roadtrips durch die Walachai. Ich muss allerdings auch zugeben, häufig tatsächlich nichts besseres zu tun zu haben, und ferner, Fluch wie Segen, entsprechende Leute zu kennen, die wirklich noch Bock drauf haben, zu jedem Bahnhofsklo-Event hinzupilgern.
So landete ich am vergangenen Wochenende bei einer „Coco Jambo Punk/Hardcore Fest“ betitelten Veranstaltung in Münster, bei der neben diversen Kreisliga-Rumpelbands und sogar Hip Hop Acts (?!?) the mighty MÖRSER spielten. Eine Gelegenheit, die man nutzen muss, denn die Bremer Grindcore-Institution genießt mit nur vier Alben und eher seltenen Konzertauftritten seit Fünfzehn Jahren den Ruf, inzwischen etwas bequem und ein rares Vergnügen geworden zu sein. Zu meiner Überraschung handelt es sich bei einem der gleich drei Frontmänner des Knüppelensembles mittlerweile um keinen Geringeren als den, der auch zur geschätzten Ruhrpott-Truppe Keitzer gehört, und der trotz seiner überschaubaren Körpergröße auch das inbrünstigste Stimmorgan aller drei durch die müllige Anlage röcheln lässt. Es ist aber auch so oder so eine geile Sache, diese fast schon wie geordnetes Chaos anmutende Wand, die Mörser einem live um die Ohren hauen, mal wieder zu erleben. Man muss außerdem mal ganz nüchtern feststellen, dass ihre kantige Mischung aus Hard-/Grindcore- und (Death) Metal-Versatzstücken, mit partiell wirklich recht origineller Gitarrenarbeit, nach wie vor keine alltägliche ist. Geile, runde Sache.
Da die Soundzustände im Laden „ausbaufähig“ waren und trotz Verbesserungsversuch blieben, möchte ich hier jetzt keine überschwängliche Begeisterung vortäuschen, aber dennoch den „ziemlich interessant, im Auge behalten“-Zettel an SEED OF PAIN heften. Gut, der Name wirkt albern und abgelutscht, die Musik ist es jedoch nicht. Die Schweizer spielen sowas wie „Post-Hardcore/-Metal“ mit Unterstützung von Keys, Synth-Noise und E-Percussion, sowie unüberhörbaren Einflüssen aus (u.a.) Richtung Swans. Ein neues Album der seit ’07 aktiven Truppe erscheint wohl in Kürze und ich bin darauf wirklich gespannt.

Fragt mich nicht wie und warum, aber im Laufe der Nacht landete ich dann noch auf irgendeinem Bauernhof im ruralsten Niemandsland, auf dem eine Bühne aufgebaut war, auf der gerade eine in abgestimmten Unterhemd-Outfits und mit Fleshtunnels uniformierte Kindercore-Truppe generischen Breakdown-Part- und Brüllstrophe-/Singrefrain-Quatsch fabrizierte, und dazu barfuß auf- und abturnte. Jesses. Danach wurde meine Welt allerdings von den BLACKWAVES (oder „Blckwvs“?) wieder ins Gleichgewicht gerückt. Denn irgendwie war das alles in seiner geballten Surrealität nach einem eh schon chaotischen und viel zu schwülen Tag das perfekte Ding, um die letzte Sommernacht des Jahres abzuschließen. Ist man empfänglich für Musik, die den Brückenschlag schafft, mit doom-metallisch groovenden Gitarrenwänden, postrockigem E-Bow-Einsatz, virtuosester Bassarbeit, und knarzigen Keyboard-Einlagen den Soundtrack-Score für den Film ein Deinem Kopf zu liefern, zu dem man ferner auch ordentlich rhythmisch Kopfnicken und ein wenig das Tanzbein schwingen kann, dann kommt man an dieser nach wie vor zu wenig beachteten und originellen Band nicht vorbei. Zieht Euch die endlich mal rein, Ihr Russian Circles-, Long Distance Calling-, Pelican-, Red Sparowes- und Omega Massif-Fans.
Abschließend sollte man vielleicht noch erwähnen, dass diese zunächst Gitarren-dominierte Veranstaltung dann noch von einem Scheunen-Rave beendet wurde. Etwas, das – wie ich mir habe sagen lassen – gerade aufkeimend ein auffälliger Trend sein soll (Rock/Hardcore/…-Konzerte mit elektronischen After Show-Parties zu kombinieren). „Die Jugend von heute“ … und so …

Freitag, 2. September 2011

Today Is The Day - Pain is a Warning

Muss ich Lesern dieses Blogs (Hi, Ihr drei!) TODAY IS THE DAY tatsächlich erst noch vorstellen?
Na gut. TITD sind inzwischen auch schon etwas um die zwanzig Jahre alt. Über Label wie AmRep oder Relapse veröffentlichten sie Alben, die musikalisch verschiedenste Gefilde von „Alternative Rock“ bis „Extrem-Metal“ streiften, oft experimentell, progressiv, emotional schmerzhaft und (selbst)destruktiv zugleich anmuten, nicht so einfach in Schubladen zu stecken sind, und in ihrer schneidenden Hässlichkeit garantiert nicht von Jedermann als hörbare Sache wahrgenommen werden. Dabei versammelt Sänger, Gitarrist und Mainman Steve Austin immer wieder mal andere Mitmusiker um sich. Die Rhythm Section des 99er Albums „In The Eyes Of God“ bestand z.B. aus Brann Dailor und Bill Kelliher, die mit Mastodon größenmäßig inzwischen bekanntlich bei einer ganz anderen Hausnummer angekommen sind.
„Pain is a Warning” ist der neunte Longplayer von TODAY IS THE DAY, mit dem Austin ein bisschen was gutzumachen hat, denn der Vorgänger „Axis of Eden” wurde von so manchem Fan eher verhalten aufgenommen. Ist ihm das gelungen? Schwierige Frage - an der Fanbasis scheinen sich da gerade tatsächlich die Geister zu scheiden. „Pain is a Warning” ist im eigensinnigen TITD-Kosmos nämlich ein über weite Strecken schon regelrecht zugängliches und konventionell anmutendes Album geworden. Die straight-rockigen, hardcoreigen, sogar balladesken Gangarten der nur neun Songs des Albums lassen – sieht man mal von Austin's partiell gewohnt fiesen Vocals ab – die bissige Schärfe, die technische Präzision, die klaustrophobische Autoaggression, und die experimentell anmutende Eigenwilligkeit so manch vorangegangener Scheibe mitunter etwas vermissen.
Verständlich, wenn da der eine oder andere Anhänger vielleicht nicht mehr so ganz mitziehen will. Man muss das allerdings auch mal von weiter außen betrachten: Verglichen mit dem Gros an identitätsloser Scheiße, die von diversen etablierten Labels so in den Hauptstrom der Metal- und Hardcore-Szene(n) gespült wird, ist dieser authentische, nach wie vor nicht ganz alltägliche Grenzgang zwischen Noiserock, Grindcore und Artverwandtem, auch verhältnismäßig einfacher tönend immer noch pures, wertvolles Gold, dem Nicht-Krachconnaisseure mutmaßlich nur mit verständnislosem Kopfschütteln begegnen werden.
„Pain is a Warning” mag somit keines der besten und interessantesten Alben im engen Kontext der TITD-Discographie sein – abseits davon aber allemal eines der zwingendsten, das dieses Jahr allgemein auf dem Sektor derberer Musik bisher so veröffentlicht wurde.