Donnerstag, 28. April 2011

Altar Of Plagues - Mammal

Als ALTAR OF PLAGUES 2009 ihr offizielles Debüt „White Tomb“ über Profound Lore veröffentlichten, gelang ihnen damit wohl sowas wie in Instant Classic in dem Feld, dem man ein schon etwas trendverdächtiges Etikett wie „Post-Black Metal“ anheften möchte. Ähnlich, aber eben doch auch anders als die Genre-Speerspitze Wolves In The Throne Room, formt das irische Quartett ohne Nieten- und Corpsepaint-Klischees musikalische Stilmittel der Darkthrone-Schule unter Hinzunahme von so etwas wie Ambient/ Drone/ Postrock-Ansätzen zu epischen Mammut-Songaufbauten, die - gleichermaßen sphärisch wie rau – alles einvernehmende Vibes ausbreiten.

„Mammal“ ist dabei nicht so ein kompaktes Hit-Album wie „White Tomb“ geworden, im Direktvergleich auf die ersten Hinhörer stinkt die neue gegen die davor sogar tatsächlich etwas ab. „Mammal“ ist allerdings dafür auch anders, noch viel dunkler, und in seiner subtilen Sperrigkeit noch konsequenter ausartend als „White Tomb“, dabei aber doch wieder sehr viel variationsreicher und „musikalischer“ als die stoische LoFi-EP „Tides“ vom letzten Jahr.
Ein paar der abrundenden Gimmicks, wie z.B. auch mal eine weibliche Stimme, oder einen Moment von Lagerfeuer-Feeling mit Ethno-Brise einzubauen, hätten sie sich zugegeben vielleicht auch sparen können, zumal diese einen sehr an die Schubladenkollegen von WITTR und Cobalt erinnern. Aber so sehr man darüber streiten könnte, was man in vorliegender Form an einem eher wie ein Interludium anmutendem Track wie 'When the Sun Drowns in the Ocean' hat oder auch eben eher nicht – und hier passt auch das Cover perfekt zur Musik – eine Art von vernebelter „im Auge des Sturms“-Stimmung wird auf diesem Album wirklich über die volle Länge nahezu perfekt rübergebracht.

Was man ferner von diesem Album unterm Strich bekommt ist die Vermutung, dass ALTAR OF PLAGUES ihr wahres Meisterstück vielleicht erst zukünftig noch abliefern könnten. Bis dahin hat man von der Band allerdings schon mal zwei Alben und eine EP bekommen (Frühststadium-Veröffentlichungen nicht mitgezählt), die in ihren stilistischen Ansätzen ans Genre originell und clever, sowie äußerst spannende Hörerlebnisse sind. Und was will man eigentlich noch mehr?
Außerdem, der Clou an „Mammal“ ist folgender: Es ist eine dieser Scheiben mit ungeheurem „Grower“-Potenzial, die man erst mal über mehrere Durchläufe entdecken und erfassen muss, bis man sie richtig zu schätzen weiß.
Gut!

KEN MODE - Venerable (2)

Da bis jetzt scheinbar mal wieder niemand auf mich hören will, betone ich es an dieser Stelle noch mal in aller Deutlichkeit: Das neue Album von KEN MODE (eigentlich: „KEN mode“) ist der Knaller!
Mir ist egal, ob Ihr mit der Band vorher schon mal irgendwie in Berührung gekommen seid, und sie dabei nicht so wirklich als Oberbringer empfunden habt. Glaubt mir einfach folgendes: „Venerable“ gehört zu den Highlights der Saison!
Das kanadische Trio ballert darauf mit Köpfchen, Seele und kräftigen Armen eine Schneise durch Gefilde AmRep’schen Noiserock-Sounds (Unsane), diese Art von Hardcore, die mathematisch, derb-metallisch und dreckig zugleich ist (Converge, Trap Them, …Helmet, frühere Snapcase, späte Refused …), effektive Dissonanzen (Voivod, Zeni Geva, …), sowie verspielte Arrangements (Keelhaul in songorientiert). Und dabei ist dann zwischen aller Explosivität sogar immer noch, homogen mit reinpassend, Platz für ein stimmungsvolles Instrumental (ohne auf ausgelutschten Postrock-Pfaden zu wandern), relaxte Melvins-Anleihen (‚Never Was‘). und einem richtig hängenbleibenden Hit (‚Obeying The Iron Will...‘).
Und wer das nicht einsehen will, der hat keine Ahnung von harter Stromgitarrenmusik, und soll beim zu „The Big Four“ gehen bitte nicht vergessen, dass dabei die Eier am Eingang abzugeben sind.

Dienstag, 26. April 2011

neuer ET9 Song!

Auf der „Pledge Music“-Seite der reunierten EARTHTONE 9 kann man einen Song ihrer kommenden, neuen EP für lau herunterladen. Dieser bestätigt ein bisschen meine Befürchtungen, dass hier eine Band, die um die Jahrtausendwende rum noch ein bisschen zu eigen war, um von der breiten Szenemasse kapiert und akzeptiert zu werden, eine Dekade später nicht mehr so wirklich aus anachronistisch-zeitgeistiger Beliebigkeit herausragt. Es entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen, fast schon traurigen Ironie, vor zehn Jahren noch als innovatives Connaisseur-Material gehandelt worden zu sein, inzwischen aber dann doch etwas stärker nach identitätslosem „Disco-Metal“ zu müffeln. Was natürlich zugegeben ein ganz schön hartes und vorschnelles Urteil zu nur einem, bisher nur ein mal gehörtem Song ist. Mal sehen, wie der Rest der nahenden EP so ausfällt, aber eine flashende Großtat erwarte ich hier ja generell eher nicht …

Sonntag, 24. April 2011

Bin ich

eigentlich tatsächlich der einzige, der das LIGHT PUPIL DILATE Album "Snake Wine" damals ja doch recht töfte fand?

Dienstag, 19. April 2011

Roadburn 2011

Das Roadburn 2011 liegt hinter mir und dürfte locker der beste Kulturkurzurlaub gewesen sein, an dem ich jemals partizipiert habe. Es ist ambivalenterweise dennoch recht bemerkenswert, wie schnell besagtes Wochenende gefühlt rumging, im Empfinden von wirklich jedem aus meiner Reisegruppe. Aber ich nehme es mal auf mich, den ganzen Scheiß runterzutippen:


Donnerstag

... ging es auf der Hauptbühne los mit ALCEST und meiner endgültigen Erkenntnis, dass ich den wohlig verträumten Shoegaze/Post-Black Metal dieser Franzosen wohl einfach nicht brauche. Also rüber zu YEAR OF NO LIGHT im Green Room, die sich mit drei Gitarristen und zwei (sich abwechselnd auch mal ans Keyboard stellenden) Drummern aufs aktuelle Album konzentrierten. Ich sach et ma' so: Wenn man schon Instru-Metal mit Soundtrack-Qualitäten haben muss, dann kann und sollte man diesen nehmen.


Danach waren ACID KING auf der Hauptbühne dran, und die Trio-Formation um die (Achtung, Namedropper!) langjährige Ex-Frau von Melvins-Dale überzeugte mit ihrem tiefergelegten Doom/Stoner Metal voll und ganz, auch wenn das lauthals geforderte 'Free' (tatsächlich ihr geilster Song) nicht gespielt wurde. Bemerkenswert außerdem der Drummer, der mit perfekt frisiertem grauen Haar eigentlich eher wie der Archetyp eines alternden Nachrichtensprechers aussieht.

Am Hype um GHOST beteilige ich persönlich mich übrigens ebensowenig, wie an einem um BLOOD CEREMONY. Letztere sind keine schlechte Band, aber Geflöte muss ich nicht haben, und die Stimme der Sängerin überzeugte mich auch nicht gerade wirklich.


NAAM checkte ich im kleinen Bat Cave kurz an, bevor ich keinen Bock mehr auf das Gedränge dort hatte. Nicht 100%ig my can of beer, und in der soundtechnischen Inszenierung auch nicht gerade flawless, aber ihr epischer Psychedelic Rock der etwas raueren Art hat was.

Was soll man zu PENTAGRAM sagen? Z.B., dass man Frontman Bobby Liebling sein Alter dann ja doch irgendwie ganz schön anmerkt und sein Stage Acting nicht gänzlich unpeinlich kam? Ansonsten war es gut, ich musste dann allerdings rüber zu ...


TODAY IS THE DAY. Schmerz, Hass, Wut, Verzweiflung, Krach, Gebretter, Geschrei und Gekeif, krude Songkonstrukte, und ein Band-Mastermind der wider meiner Erwartung dabei doch irgendwie sympathisch rüberkam. Highlight des Sets: 'Temple of the Morning Star'. Ziemlich geil!

Danach auf der Hauptbühne: GODFLESH spielen „Streatcleaner“ komplett, und das in Urbesetzung mit nur zwei Mann plus Drums aus dem Laptop. Hätte auch dröge werden oder rohrkrepieren können, wurde aber der absolute Wahnsinn. Der ultrawuchtige, basslastig bebende Sound, der da aus der P.A. dröhnte, ließ mich 1-2 mal befürchten, dass diese das bald vielleicht nicht mehr packen könnte. Auch geil.


Bereits etwas abgekämpft nach diesem ersten Tag bekam man dann allerdings noch mal einen kickenden Weckruf: SOILENT GREEN mögen jetzt nicht die allerzwingendste Top-Band vorm Herrn sein, aber ihre spielerisch gar nicht mal so anspruchslose Mischung aus Grindcore-Geknatter und New Orleans-typischen Stoner/Sludge-Elementen mit Southern-Anleihen macht Laune und bringt Leben in die Bude.

Freitag

Erster Besuch (abseits der „Metal Disco“ am vorangegangenen Abend) des Midi Theatres, um mal reinzuschnuppern, wie YEAR OF NO LIGHT live den Soundtrack zu einem alten deutschen Stummfilm liefern. Nicht schlecht, nicht schlecht, aber auch nichts, was man sich in einer Konzerthalle stehend zum Start in den Tag in kompletter Länge geben möchte ....


Ärgerlich danach: EARTH spielen spontan später und woanders als nach Plan und werden daraufhin von mir einfach mal ganz geknickt.
Und auch wenn ich das aktuelle Album von TRAP THEM eigentlich ganz gerne mag, überzeugte mich die Truppe derweil live nicht komplett. Hinzu kommt eine leichte Aversion, die ich inzwischen gegen diese stereotypen, Hals- und Hand-tätowierten Hardcore-Brüllaffen habe. Nothing personal, man. Aber die einstige Teilnahme an einem Pressure Fest hat mir diese stylisch durchszenisierte Genre-Ecke wohl ein bisschen verdorben ...

Wieder im Midi Theatre und einen Platz auf dem Sitzbalkon ergattert, ließ sich die Show von SABBATH ASSEMBLY dann recht entspannt genießen. Das konzeptionell etwas krude Projekt mit Sängerin Jex Thoth ist auf jeden Fall einen Hinhörer und Hingucker wert. Stimmungsvoll und mal was anderes.

Zurück zur 013-Hauptbühne: CORROSION OF CONFORMITY in der alten Trio-Knüppelbesetzung des „Animosity“-Albums. Die „sie haben es erfunden“-Mixtur aus Thrash Metal und Hardcore-Punk mit ein paar doomigen Akzenten. Prägnante Hits a la 'Mad World' am laufenden Meter. Gefiel! Sehr sogar!


MENACE RUINE hatten danach im Bat Cave mit technischen Problemen zu kämpfen und waren live auch irgendwie nur semi-spannend. Weswegen ich da schnell Interesse und Aufmerksamkeitsvermögen verlor.

Es fällt mir schwer, den Auftritt der samstäglichen Kuratoren SUNN O))) sinnvoll in knappe Worte zu fassen. Deswegen nur so viel: Es ist schon faszinierend, wie unglaublich viele Menschen sich das Ganze auf allen Ebenen der Haupthalle mit ungeheurem Stehvermögen gegeben haben. Und irgendwie „verstehe“ ich die Kiste wohl auch. Allerdings bin ich mir auch nicht zu schade dafür, trotzdem ein bisschen kunstbanausig meinen Aufmerksamkeitsdefizit zuzugegen und mir irgendwann dann doch schon mal meinen Platz im Midi Theatre gesichert zu haben, bevor man dort draußen wieder mal wegen Überfüllung anstehen musste, denn ...


... VOIVOD standen auf dem Plan! VOIVOD! Ja meine Fresse, VOIVOD! In meinem musikalischen Kosmos eine der allerwichtigsten Bands überhaupt. Die Kanadier sind derzeit wieder in phantastischer Form angekommen, und boten ebenfalls eine phantastische Setlist inkl. 'Forlon' aus der Eric Forest-Ära und einem brandneuem Song. Nicht nötig zu erwähnen, dass ich hin und weg war. Auch der den verstorbenen Piggy ersetzende Gitarrist von Matyr macht seine Sache super, und da kann das Erscheinungsbild, dass er Gitarrenmusterschülerstreber und Nerdmetaller zu sein scheint nichts dran rütteln.

Die ganzen Rocker meiner Reisegruppe verschmähten natürlich den auf der Hauptbühne abschließenden Act SCORN. Ignoranten. Zugegeben, über eine Stunde lang muss ich mir auch nicht geben, wie Mick Harris Laptop und Effektboard "BUMM ... tschicke ... DÄSCH ... tschicke ... BUMM ... tschicke ... DÄSCH wwwwbwwwwbwwwbwwwb" entlockt, aber für die letzten Kopfnicker des Abends entbehrte das für einige Minuten einer nicht unbedingt unpassenden Atmosphäre.


Samstag - volles Marathonprogramm des Wahnsinns


Eigentlich eröffneten die US-Post-Black Metaller LITURGY im Bat Cave. Da ich allerdings vor zwei Jahren noch im RockHard Forum eher belächelt wurde, als ich dort diese Band als kommendes Ding zur Kenntnis gab, mir die menschlich hochgeschätzten Kollegen vom Visions das Ganze inzwischen aber als Sensation der Saison anpreisen wollen, sah ich hier meine Mission erfüllt.

Also BLACK MATH HORSEMAN, die parallel im Green Room bereits mit ihrem größten Knaller loslegten. Jener pendelt besonders zwischen harten, schwungvollen Parts, bei denen sich vor allem der auch bei Mother Tounge im Dienst stehende Drummer mächtig ins Zeuch legt, und zurückgelehnteren Psychedelic-Passagen. Gute Band, guter Auftritt, sollte man mal gesehen haben!


In RWAKE kam ich danach irgendwie nicht so richtig rein, zwei Kollegen von mir fanden's aber ziemlich großartig. Könnte also an mir gelegen haben ...

Nächstes Highlight auf der Hauptbühne: WEEDEATER. Abgeranzt, Arsch rokend, außerdem ziemlich witzig. Bester musikalischer Moment: Der Titeltrack der aktuellen Scheibe, den ich inzwischen ja ziemlich liebe. Bester Show-Moment: Als Basser/ Krächzer/ Ausdruckstänzer Dixie Dave mal eben den Drumriser (mit draufsitzendem Drumtier) noch näher an den Bühnenrand schiebt. Spitzenband!


Danach hieß es schon wieder VOIVOD (!) , dieses mal mit einem etwas variiertem Set im 013. Etwas zeitversetzt fingen RAMESSES parallel dazu im Green Room an. Und auch wenn ich dieser Kapelle nicht gänzlich abgeneigt bin, funktionierte das sludgemetallische Geschepper live wohl nicht so ganz, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Auf der Hauptbühne dann der Gig, den die „Supergroup“ SHRINEBUILDER dem Roadburn-Publikum nach ihrem aus höherer Gewalt resultierenden Nichterscheinen letztes Jahr noch schuldig war. Und ich bleibe dabei: Bei aller Sympathie, ferner einem ganz guten Album, passt Drummer Dale Crover (Melvins) irgendwie nicht so richtig in dieses Allstar-Ensmble rein. Seine legeren Ansagen und wilden Drumkitverprügel-Aussetzer beißen sich mit der doomigen Musik und der Font aus anders tickenden Musikern vor ihm. Sage ich als jemand, der als Schlagzeuger und Melvins-Anhänger eigentlich Fan ist.


ADHS galore: Zwischen Shrinebuilder und Swans noch mal eben schnell zu UFOMAMMUT ins Midi rüber rennen, wo sie u.a. ihre aktuelle Scheibe „Eve“ (ein 45 Minuten langer Song) komplett spielen. UFOMAMMUT leben ganz klar vom Live-Erlebnis. Ihre langen Aufbauten und monotonen Wiederholungen können einen durchaus in Trance versetzen, wenn man sich drauf einlässt. Was einen auf Konserve nicht immer vollends überzeugen will, entfaltet sich in concert dann tatsächlich so, dass es sich einem erschließt. Klingt komisch, ist aber so, um diese „Sendung mit der Maus“-Floskel auch mal verbraten zu haben.

SWANS fordern dann erst mal Geduld. Die Eröffnungsnummer 'No Words/No Thoughts' wird inkl. endlos scheinendem Grunddröhnen-Intro sehr (!) allmählich aufgebaut, bis dann mal wirklich alle Bandmitglieder nach und nach auf der Bühne ankommen und in irgendwas um eine Dreiviertelstunde (!) aus diesem Song vom aktuellen Album eine unglaubliche Krachorgie mit brachialster Gitarrengewalt zaubern. Wie geil. Wie unfassbar geil. Da kommt eine seltsame Altherrenkapelle wie SWANS und steckt das Groß aus generischen Sludge-Metallern und Drone-Experimentalisten dieser Veranstaltung mal eben so in die Tasche. Songs werden mit Jam-Charakter variiert und Michael Gira schnauzt auch schon mal Bandmitglieder an, wenn sie gerade nicht da sind, wo er den Song haben will. Aber der will nur spielen, natürlich ist der eigentlich voll nett. Ein großartiger Abschluss des regulären Events. Will SWANS unbedingt noch mal sehen!


Sonntag


Eigentlich hätte ich persönlich mir den „Afterburner“ schenken können, aber mit BLACK MOUNTAIN und DEAD MEADOW mal zwei objektiv sehr gute Bands gesehen zu haben, die ich subjektiv eher nicht brauche, war eine durchaus ganz nette Sache, um langsam aus dem Roadburn rauszuchillen. Für kräftigeren Alarm sorgten COFFINS, die nicht sooo der Knaller waren, und SOURVEIN. Letztere waren schon irgendwie so ein Ding für sich. Fette, spielerisch teilweise schlechte Prolls mit tumben Ansagen und nicht gerade nennenswert anspruchsvollem Sludge-Metal der rockigeren Sorte. Aber: Als Konsensding des Events hat das als endgültiger Abschluss dann allerdings irgendwie schon wieder gepasst und auch ziemlich Spaß gemacht.

Steht jetzt nur noch die Frage im Raum, wie dieses großartige Wochenende jemals noch mal getoppt werden könnte.


Randnotizen:

  • RAMESSES amüsierten und schockten im Merchbereich mit „SS“-Runen auf Shirtmotiven.
  • Der Drummer von NAAM verpasste seinen Bus und hing am zweiten Tag einfach weiter auf dem Roadburn rum, während seine Kollegen schon weitertourten. Am Tag darauf wollte er abreisen, wurde aber am Flughafen aufgrund seines Halsschmucks (einer Patrone an der Kette) erst mal von der Polizei kassiert, woraufhin er dann noch einen weiteren Tag auf dem Roadburn weitersaufen musste, als seine Bandkumpels schon den zweiten Abend hintereinander ohne Drummer in irgendeiner anderen Stadt waren.
In diesem Sinne: "What happens at Roadburn stays at Roadburn"

Noch Fragen?

Dienstag, 5. April 2011

Anfang April Review Roundabout

BUZZOV-EN - „Revelation: Sick Again“
Ob man es jetzt Buzzoven, Buzzov•en, Buzzov-en oder Buzzov*en schreibt, sei mal dahingestellt. Hinter jedweder Schreibweise verbirgt sich jedenfalls jenes legendäre Sludgecore-Urgestein, das die Wurzel des Familienstammbaums ist, aus dem eine ganze Riege weiterer verranzter Cannabiskrach-Kapellen hervorging (u.a. Weedeater) . Nachdem man sich in den letzten Jahren mit Compilation-Alben begnügen musste, die uns von Alternative Tentacles oder Relapse Records gegönnt wurden, kam HydraHead nun auch endlich mit dem schon irgendwann um die Jahrtausendwende aufgenommenem (!), aber nie offiziell veröffentlichten Album “Revelation: Sick Again“ aus der Hüfte. Und ich sage es mal ganz offen: Das Teil ist wohl primär wirklich nur was für jene Sammler und Fans, die drauf gewartet haben. Acht Tracks in knapp unter einer halben Stunde, darunter noch ein dilettantischer Krach-Blues ohne Rhythm Section und jede Menge Filmsample-Überleitungen – so schnell wie der eine oder andere Track reingeht, ist die Scheibe dann auch wieder vorbei. Zwar finden sich unter den anderen sieben Songs durchaus so einige hitverdächtige Momente – wie der mächtig nach vorne treibende Opener und darauf folgend ein Schlepp/Aggrokeule-Wechselspiel, zwei doomig dominierte Nummern ('Loose' und 'Lock Up') , und der rockige 'Junkie', der auch von einem der ersten 2-3 Smoke Blow-Alben stammen könnte – aber ob man sich dafür wirklich gleich das Vinyl-Liebhaberstück für'n Zwanni ins Regal stellen muss, ist so eine Sache ... vielleicht macht es aber auch dennoch gerade hierbei irgendwie Sinn. Ich bin mir da wohl so unschlüssig, wie die Band laut eigener Aussage bei den Aufnahmen drogenbedingt neben der Spur war.


THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - „From the Stairwell“
So viel vorweg: Ich kenne von TKDE und ihren Sideprojekten beileibe nicht jede Veröffentlichung und kann vorausschickend eigentlich nur sagen, dass ich das selbstbetitelte Album aufgrund seiner auch mal lauter werdenden Trip Hop-Tendenzen sehr mag, mir das dezentere „Here be Dragons“ aber dagegen insgesamt nicht so gut gefiel. Man muss diesem Musikerkollektiv auf der Schnittstelle zwischen Laptop-Ambient und organischem Jazz aber wohl einfach zugestehen, offensichtlich bei jedem Mal wieder einen anderen Ansatz auszuprobieren. So wartet „From the Stairwell“ unerwarteterweise bei vielen Tracks mit (weiblichen) Vocals auf, und bleibt dabei in einer launig-dunkel-Lounge-igen Jazzschiene mit nur dezenter elektronischer Garnierung. Irgendwie seltsame Platte, und „die erste war sowieso die beste“, aber sagen wir es mal so: Ein nettes Chillout-Album für verregnete Abenddämmerungen, nicht mehr, nicht weniger.

BLUT AUS NORD - „777 Sect(s)“
Das Label der französischen Avantgarde-Black Metaller ist wohl noch nicht ganz im Jahr 2011 angekommen und regte sich kürzlich darüber auf, dass die aktuelle Platte vorzeitig im Netz landete, woraufhin auch alle Vorbestellungen schon mal früher als ursprünglich geplant rausgewuppt wurden. Kann ja total verstehen, wenn Euch das anpisst, aber man kann es heutzutage eben auch nicht mehr ändern, Leute. Bemerkenswert an BaN ist in erster Linie, dass sie vor ein paar Jahren mal mit „MoRT“ ein Album gewollter Düsterkrachcollagen-Nichtmusik aufnahmen, und auf der kurz zuvor veröffentlichten EP „Thematic Emanation of Archetypal Multiplicity“ vermehrt mit elektronischer Musik experimentierten. Eingerahmt wurden diese beiden Veröffentlichungen wiederum durch zwei Alben („The Work Which Transforms God“, 2005 und „Odinist: The Destruction of Reason by Illumination“, 2007), die mitunter was von Thorns und Godflesh hatten, und eben nicht wie archetypische Black Metal-Machwerke, sondern sehr eigentümlich klangen.
„777 Sect(s)“ ist da in ihrem aktuellen Wust aus Veröffentlichungen am Fließband keine Ausnahme dieser Gangart. Die Franzosen pendeln zwischen Blastbeat-Parts und Godflesh-Grooves, zugänglich-melodiösen Ansätzen und schräg-atmosphärischen Surrealismen, die im Gegensatz zu „MoRT“ noch den Bogen an zu wirrer Antimusik vorbeimachen. Das kalt konservierte schaurige Feeling des Ganzem zementiert der Band dabei jedenfalls eine ganz eigene Identität, die sie vor allem für eine gemeinsame Schnittmenge aus Freunden von Eigenart-Krachmachern a la Neurosis, Today ist the Day, Zeni Geva, Voivod, early Swans u.ä., sowie von obskuren Ambient-Black Metal-Projekten interessant macht, während so manch anderer Metal-Fan das vielleicht noch nicht mal als vollwertige Musik anerkennen möchte. Genau deswegen sind BaN interessant, gut und wichtig. Ob man sie in zehn Jahren von jetzt immer noch so „Avantgarde“ und geil wie heute finden wird, oder eher so ein bisschen darauf zurückblicken wird, wie ich inzwischen etwa auf Samael vor 10-15 Jahren zurückblicke (irgendwie dann ja doch etwas heißer gekocht als gegessen), das wage ich im hier und jetzt natürlich nicht zu beurteilen. Im hier und jetzt sind BLUT AUS NORD allerdings für vollnerdige „ungewöhnliche Düsterkrachmusik“-Elitisten der ganz heiße Scheiß, und ich mache ungeniert mit. Denn auf eine seltsame Art und Weise ist diese hypnotische Bösartigkeit dann ja doch ungeheuer packend.

Samstag, 2. April 2011

KEN MODE - „Venerable“ Stream

Viele Worte zu verlieren kann ich mir sparen, denn das neue Album von KEN MODE kann man hinter diesem link bei stereogum komplett als Stream hören. KEN MODE existieren schon eine ganze Weile, haben neuerdings die Sängerin/Gitarristin der hier bereits erwähnten Mares of Thrace am Bass, und machen derben Noiserock/ Math-/Hardcore irgendwo zwischen Unsane, Zeni Geva und Converge oder so. Profound Lore bürgt mal wieder für Qualität und Eigenständigkeit.