Sonntag, 31. Oktober 2010

Wisst Ihr eigentlich ...

... was ich eine gute Idee fände? Call me a Nerd, aber in instrumentaler Rockband-Vormation (so Richtung Russian Circles, And So I Watch You From Afar, Adebisi Shank, ...) alte Computerspiel-Musiken von Chris Hülsbeck, wie den „Turrican II“-Soundtrack zu covern, käme glaube ich ganz schön geil. Macht wer mit?

Samstag, 30. Oktober 2010

Kleiner Profound Lore Rundumschlag

Wo ich selbst hier schon mal so die Klappe aufgerissen habe, was für gute und interessante Sachen das Label so im Stall hat, sollte ich tatsächlich auch selbst mal mehr darauf achten, was Profound Lore Records so raushauen, was?

Das selbstbetitelte Debüt von WORM OUROBOROS z.B. ist jetzt schon irgendwas um ein Jahr rum alt. Die Band gehört zur nicht zu unterschätzenden Szene der Bay Area, die in dieser Generation allerdings anstatt dem Speed/Thrash Metal der 80er eher viel Doom, Post-Black Metal und Avantgarde hervorbringt, und setzt sich aus Bassistin/Sängerin Lorraine Rath (Amber Asylum! The Gault!), Gitarristin/Sängerin Jessica Way (World Eater) und Drummer Aesop Dekker (Ludicra, Agalloch) zusammen. Genug Underground-Supergroup-Namedropping und Frauenquote allein, um mal ein Ohr zu riskieren.

Ebenfalls schon ein halbes Jahr auf dem Buckel hat „When All Became None“ von COFFINWORM. Auch wenn mir die Kapelle seit einiger Zeit ein Begriff ist, wurde ich hier wohl erst mal nicht so hellhörig, weil mir das superbe Debüt von WOLVHAMMER neulich schon alles gegeben hatte, was ich unter dem Banner „Blackened Sludgecore“ brauchen täte. COFFINWORM dürften in dieser Ecke aber dennoch ebenfalls einen Hinhörer wert sein.

Nicht unerwähnt lassen sollte man außerdem SALOME, die mit „Terminal“ gerade ihren ersten Longplayer nach der selbstbetitelten Debüt-EP am Start haben. Wenn man mal ganz ehrlich ist, liegt der Bonus dieser Band allerdings nicht unbedingt am generischen Doom-Stil, sondern eher an der (heutzutage auch nicht mehr sooo ungewöhnlichen) Tatsache, dass hier eine adrette Frau dazu growlt und keift (die im Übrigen auch seit einiger Zeit bei Scott Hull's Agoraphobic Nosebleed mitmacht). Da scheint also schon so ein bisschen der Walls of Jericho-Effekt zu greifen, bzw. Thorr's Hammer lassen grüßen.

Last but not least wurden die Australier STARGAZER bereits in einem Atemzug mit der Schweizer Tech-Thrash-Legende Coroner genannt. Hier kann ich aber nach bisher nur einem angezappten Song nicht wirklich viel zu sagen. Dass ich Castevet und Blood Revolt nicht so richtig brauche, hatte ich an anderer Stelle schon erwähnt. Den Nick Cave-artigen Cobalt-Ableger MAN'S GIN wohl auch nicht so wirklich...

Mp3s zum Reinschnuppern gibt es zu allen Sachen auf der Labelseite.

Freitag, 29. Oktober 2010

Kylesa - Spiral Shadow

KYLESA sind ohne Frage die Band der Stunde. Sogar Szene-übergreifend. Man kann von Postrock bis Grindcore auf kein Konzert mehr gehen, ohne nicht mindestens (!) einen Besucher im KYLESA-Shirt auszumachen (zugegeben, manchmal bin ich das), während die Truppe diesen Sommer längst auf den Open Airs angekommen ist, und dabei im Rahmen traditionellerer Metal-Festivals schon genauso wie beim eher mainstreamig orientierten Indie-Event stattfand. Verdientermaßen, sollten sie Songwriting- und Production-improved auf ihrem letztjährigen Album „Static Tensions“ zu Hochform auflaufen und schon zuvor beim unermüdlichen Touren immer wieder auch durch hiesige Breitengrade kommen. Der Hingucker-Bonus durch Doppelschlagzeug und klampfende/grölende Tattoobraut im Line Up wird wohl sein übriges getan haben.
„Spiral Shadow“ dürfte nun einer dieser typischen Wendepunkte sein, an dem sich ein Teil der Early Adopter/ Beardojugend-Basis mit Sicherheit abwenden wird, während so einige Printmagazin-Redakteure, Metal-Fans mit Donzdorf-Musikverständnis und die jeden Hype der Woche mitnehmenden Großstadt-Kids mit trendy Schnörres in der Fresse KYLESA dagegen erstmals so richtig hochleben lassen (selbst Schlagzeilen wie „The Heaviest Indie Rock Band“ muss man sich schon gefallen lassen ... aber nun genug der Distinktion in alle Richtungen). Denn irgendwie ist das Teil dann doch schon regelrecht glatt und poppig ausgefallen.

Wobei diese neue, direkte Zugänglichkeit und mainstreamfähige Politur an sich natürlich nicht mal das Problem an „Spiral Shadow“ ist. Das Problem ist auch nicht, dass die Hälfte des Materials regelrecht in reinem Stoner Rock, psychedelischer Apathie ohne Schmiss und hörbaren 90er-Alternative-Einflüssen ausartet, und den angeprogten crust-metallischen Arschtritt der Vorgängerwerke dabei über weite Strecken außen vor lässt. Für sich genommen sind dabei viele einzelne Tracks wirklich sehr nett. Das Problem ist eher, dass die ganze Kiste ein bisschen nach unzureichend ausgearbeitetem Schnellschuss riecht. Und bevor wir uns missverstehen: Gerade spontan hingerotztes kann manchmal die geilste Musik sein. „Spiral Shadow“ jedoch fühlt sich wie eine willenlos zusammengestellte Kollektion der erstbesten Songideen an, die KYLESA vorschnell aufnahmen. Der sehr kurze Brüllstrophe/Singrefrain-Opener z.B. macht die ersten paar Durchläufe Spaß, ist aber Discometal-Fast Food, das der Krachgourmet dann auch schnell wieder leid ist. Ein, zwei gelungene rockigere oder relaxtere Nummern sind ja im Namen von Kontrast und Abwechslung immer eine nette Sache, bei der vierten und fünften nervt es hier dann aber irgendwann. Und das punkige 'Back And Forth‘ kurz vor Schluss ist sogar ein ziemlicher Rohrkrepierer.
In der Mitte kriegen sie zwar mit 'Distance Closing In' und 'To Forget' noch mal kurz den Bogen, Inspirationsquellen wie Kyuss (Leadgitarren-Sound) oder ihre Freunde von Baroness sind hier aber wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Mein Favorit mit Grower-Potenzial ist derweil eigentlich das von ruhigen bis ruppigen Parts recht vielschichtig arrangierte ‚Drop Out‘, was eindeutig beweist, dass die eigentliche Stärke von KYLESA eben nicht in simplen catchy Rocksongs liegt. Aus denen das Album aber wie gesagt zur Hälfte besteht.

Und deswegen ist „Spiral Shadow“ nicht ganz einfach. Mich zu einem definitiven Werturteil wie „eigentlich trotz allem doch ganz okay, kann man sich als Fan durchaus schönhören“ oder „ne, eher nicht so gut, was soll denn das?“ durchzuringen, ist mir absolut unmöglich. In der Tendenz neige ich allerdings, abgesehen einiger einzelner Songs, tatsächlich eher zu letzterem. Nicht nur als Weiterentwicklung im Bandkontext, sondern auch als in sich geschlossenes Album wirkt die Scheibe zwischen ihren, durchaus vorhandenen, mitreißenden Momenten irgendwie etwas unentschlossen, ziellos, und wenig durchdacht. Solides Mittelmaß mit vereinzeltet Hit-verdächtigen Passagen. Und das ist, wenn man mal ganz ehrlich ist, zu wenig für eine Band, die gerade auf Covern landet, und eine Veröffentlichung, die schon vor Erscheinen diverse Listen als potenzieller „Album des Jahres“-Kandidat anführte. „Spiral Shadow“ ist schlicht und ergreifend nicht das Album geworden, das man eigentlich gerne von KYLESA gehabt hätte - hier hätte noch ein bisschen mehr (bzw. anderes) drin sein müssen, bei aller Sympathie.

The Death & Resurrection Show

Mehr Infos? Hier.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

US Christmas (x 2) , Harvestman, Minsk (Hawkwind) / Neurosis live

U.S. CHRISTMAS - Run Thick in the Night
Mein Erstkontakt mit „Run Thick in the Night“: Müde und angetrunken auf der Rückbank eines Kleinwagens, während der ca. einstündigen Rückfahrt von einem Doom-Konzert. Ein Zustand, in dem das sedative Element an/ von U.S. CHRISTMAS ziemlich gut aufgeht. Mit Vorgängerwerken der Kapelle bin ich eher nur sporadisch vertraut, aber es scheint als wären sie mit ihrem Stil zwischen Spacerock, Stoner/Doomslduge und Folk-Einflüssen noch mal ein Stück tiefer in das vor allem trippig-psychedelische ihrer Musik gerutscht. Ein gewisse Nähe zu jüngeren Neurosis ist hier und da nicht von der Hand zu weisen, USC sind dagegen jedoch ein bisschen mehr wie zugedrogte Lagerfeuermusik mit Strom, anstatt eine eigene Naturgewalt im Auge des Sturms, und ein bisschen greifbarer an der Wurzel traditionellerer Musikstile festhaltend, als zusehends in die Postmoderne schweifend. Die vielen eher ruhigeren Momente des Albums erinnern mich persönlich durch Streicherunterstützung und Nölgesang ferner recht stark an so etwas wie die aktuelle von Her Name Is Calla, und durch die spaceig-psychedelische Schlagseite von USC ist damit dann wohl auch endgültig noch mal die Schublade „Postrock“ bemüht.
Völlig egal, wo man es eintütet – die Musik auf diesem Album versprüht auf jeden Fall einen besonderen Zauber. U.S. CHRISTMAS finden in einem ganz eigenen, besonders „voll klingend“-atmosphärischen Klanguniversum statt, in das man sich schnell und gerne hineinziehen lässt.

PS: Geiles Coverartwork:




U.S. CHRISTMANS / HARVESTMAN / MINSK – Hawkwind Triad
Eigentlich erschien „Hawkwind Triad“ bereits im Frühjahr/Sommer, irgendwie hatte ich aber erst kürzlich bei einem zufälligen Besuch der Neurot Recordings Website davon mitbekommen. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Tribut an die britische (nach wie vor aktive!) Spacerock-Legende HAWKWIND, die hier reihum abwechselnd von U.S. CHRISTMAS, MINSK und HARVESTMAN, dem experimentalmusikalischen Solo-Alter Ego von Neurosis‘ Steve von Till gecovert wird.
US CHRISTMAS schaffen es dabei eigentlich am besten, wirklich einen dicht-atmosphärischen Space-Sound aufzufahren, was natürlich auch daran liegen dürfte, dass sie von den drei beteiligten Acts klanglich per se schon dem gehuldigten Original am nächsten tönen. Ihre vier Coversongs, darunter mit ‘Master of the Universe‘ wohl eine der wenigen allgemein etwas bekannteren Hawkwind-Nummern, gehen jedenfalls voll und ganz auf, sowohl als Verbeugung, und ebenfalls als gelungene Transformation in den eigenen Stil.
MINSK, die bei ihrem Sludge-Metal ja generell gerne mal hektisches Saxophon-Getröte und ähnliche Gimmicks auffahren, klingen bei ‘7x7‘ dann erst mal ziemlich überladen. Wie MINSK generell sind ihre drei Beiträge irgendwas zwischen potenziell interessant, durchaus eigenständig, und nicht wirklich schlecht - dabei aber dann doch auch nicht so wirklich das totale Excitement.
Von Till alias HARVESTMAN wiederum zeigt sich von einer eher etwas trocken-reduzierten, partiell erdig rockenden und Soundeffekt-unterstützen Seite, die natürlich trotz aller Andersartigkeit nicht ganz die Neurosis‘sche Identität verbergen kann, aber genau deswegen funktionieren seine vier etwas kauzig klingenden Versionen wohl auch ziemlich gut.
So durchwachsen und unnötig viele Tribut- und Cover-Kisten sonst häufig sein mögen, dieser Release weiß wirklich zu begeistern! Gerade die Darbietungen von U.S. CHRISTMAS und HARVESTMAN sind wirklich klasse, MINSK immerhin kein Ausfall und hörbar.

PS: Mein Lieblingsbild von HAWKWIND, back in the day... (nsfw!):


NEUROSIS – Live at Roadburn 2007
Da ich keine Notwendigkeit sah, dieser Veröffentlichung eines Live-Mitschnitts einen ganzen Blogpost zu widmen, in diesem Artikel aber bereits zwei weitere Veröffentlichungen aus dem Hause Neurot Recordings besprochen habe, unter denen bei einem auch noch ein NEUROSIS-Mitglied beteiligt ist, hielt ich es für eine passende Stelle, doch mal ein paar Worte dazu zu verlieren: Warum auch immer dieser Auftritt als Live-Album gewählt und jetzt erst veröffentlicht wurde, etwa im Gegensatz zum letztjährigen Roadburn-Auftritt der Band, darüber habe ich keine Kenntnis. Was hier in 77 und einer halben Minute eingefangen wurde, versprüht allerdings auch konserviert und ziemlich ungekünstelt klingend noch (wenn nicht sogar noch weit mehr!) das komplette Paket an dichter Intensität, das diese Band so mit sich bringt. Natürlich liegt der Schwerpunkt eher auf jüngerem Material, und ein Song wie 'Water Is Not Enough' vom damals noch gar nicht veröffentlichtem letzten Album mag zugegeben nicht ganz so apokalyptisch, wuchtig und heftig kommen wie der Kram, den NEUROSIS von 92-99 so gemacht haben, aber dieses einflussreiche Urgestein gehört halt nun mal nicht zu metallischen Altherrencombos, die sich auf vergangenen Glanztaten ausruhen, was sie auch wirklich nicht nötig haben. So lebendig, authentisch, mal wütend und mal nachdenklich, brodelnd und zerfetzend diese 9 Tracks einen selbst aus der moderat aufgedrehten Werksanlage des Autos packen können, sowas habe ich tatsächlich selten bei einem anderen Live-Album erlebt. Must Have!

Montag, 25. Oktober 2010

ausgecheckt und kurz notiert

Durch diverse Streams und Gratis-mp3s, mit denen unter anderem Stereogum gerne mal um sich feuert, habe ich mir in letzter Zeit mal über das eine oder andere hier und da hochgehandelte ein auszugsweises Bild machen können, und möchte mit meinen Eindrücken natürlich nicht hinterm Berg halten:

- Sludge/ Doom und co.: Die von Fenriz gehypten MORNE sind mit ihrem Doom-Crust schon eine ganz nette Sache, das letzte Fünkchen, dass ich mir das zulegen und dauerhören müsste, fehlt da allerdings dann doch irgendwie noch.
Eher noch mal was werden könnte es vielleicht mit THE BODY, die neben höchst beknackten Bandfotos immerhin mit brachialster Wucht und einem etwas experimentellerem Stil aufwarten.
Sludge/ Doom/ “Nola“-Freunde sollten zudem mal ein Ohr bei BURDEN, der neuen Band auf Ván Records riskieren.

- (Post-)Black Metal und co.: Eine Hörprobe der neuen WITHERED ging mir mit ihrem übertrieben dicken Sound erst mal überhaupt gar nicht rein.
THRALL, CASTEVET und die „Sooupergroup“ TWILIGHT sind alle drei Fälle solcher Bands, denen ich ein Etikett a la „kann man sich anhören“ anheften würde, was allerdings mit „brauche ich selbst wohl eher nicht so wirklich“ gleichzusetzen ist. Es soll aber auch Leute geben, die in genau so einem Mittelmaßgelärme die totale Erfüllung finden.
Erst mal ganz interessant finde ich LANTLÔS, auch wenn ich die Konstellation einer Band aus der OWL-Provinz und dem französischen Hansdampf Neige (Alcest u.a.) irgendwie kurios finde.
BLOOD REVOLT wiederum sind ziemlicher Scheiß, don’t believe the hype.

- Generell scheint in letzter Zeit mal wieder mehr frisches aus der Hardcore-Ecke zu kommen, straightes Gaspedalgeballer und intensive Math-Arschtreterei mit Nähe zu sowas wie Converge scheint gerade wieder mehr in Mode zu sein. Hier hinke ich ja irgendwie stark hinterher und in letzter Zeit war mir wohl auch einfach eher nicht so nach sowas. Vermutlich trotz diverser vereinzelter Affären, die man über die Jahre in der Gegend mal hatte, für mich persönlich dann wohl irgendwie nicht so die richtige Genre-/Szene-Ecke für länger anhaltende Polygamie … Für den einen oder anderen Tipp wäre ich allerdings dennoch offen, sowas könnte sich perfekt als Sport-Soundtrack eignen.

Samstag, 23. Oktober 2010

Triptykon - Shatter EP

Der beeindruckende, umwerfende, abgründige Nachhall des im Frühjahr veröffentlichten TRIPTYKON-Debüts „Eparistera Daimones” liegt nach wie vor in der Luft, da legen Hellhammer-/Celtic Frost-Legende Tom G. Warriror und seine aus Bands wie Fear My Thoughts und Dark Fortress rekrutierten Mitmusiker nun mit der EP „Shatter“ gleich noch mal nach.
Darauf enthalten: Drei neue Songs und zwei Live-Mitschnitte. Beim Titeltrack handelt es sich dabei allerdings um die Nummer, die bereits als traditioneller Bonus-Track beim Japan-Release von „Eparistera Daimones“ verbraten wurde, und bei der nachgebesserten Fassung von ‚Crucifixu‘ um einen Song, der bereits vor einiger Zeit via Myspace-Stream auf die Menschheit losgelassen wurde. Während ersterer ein etwas zurückgenommener Düster Metal-Groover ist, der u.a. über die weiblichen Gast-Vocals einen Schuss Gothic intus hat, ist letzterer eher eine Art Dark Ambient Soundcollage. Dazwischen marschiert 'I Am The Twilight' als weiterer Midtempo-Stampfer durchs Dunkel, der sehr typisch nach Material aus der „Eparistera Daimones“-Session klingt, nicht weiter spektakulär ist, aber schon klargeht.
Abgerundet wird die Veröffentlichung mit zwei Live-Songs vom diesjährigen Roadburn Festival, beim Namen genannt die beiden Celtic Frost-Oldies ‚Circle Of The Tyrants‘ und ‚Dethroned Emperor‘, letzteres von Darkthrone’s Nocturno Culto als Gastbrummer intoniert, und jenen sehe ich vorm geistigen Auge jetzt noch mit seinem Textblatt vor mir. Nun ja.
Werturteil: Wohl mehr eine Art netter Bonus für Fans und Komplettisten. Zu meckern gibt es an dieser 5 Track-Zusammenstellung eigentlich nichts, aber so wirklich unbedingt haben müssen hätte man „Shatter“ vielleicht auch nicht. Passt immerhin schön in den Herbst ...

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Jex Thoth ...

Erkenntnis des gestrigen Abends: Ein JEX THOTH-Konzert im Kölner Underground zu besuchen ist ja so ein bisschen wie eines dieser christlich geprägten Fantasy-Märchen zu erleben, denn das magische Wunder passiert dort ja auch immer in dem Milieu, das zur Moral des Ganzen ausreichend kontrastiert.
Warum? Weil das (der?) Kölner Underground vermutlich sowieso schon mal nicht die beste Location für eine Band ist, deren Musik besonders stimmungsvoll ist (meinetwegen auch mit einer Brise düster-romantischem Kitsch). Weil man mit WIGHT eine Darmstädter Vorband im Gepäck hatte, die mit nichtssagendem Standard-Stoner/Doom, dafür aber mit Sonnebrille auf der Bühne erst mal eher langweilte. Weil ein eher Metal-affines Konzert dieser Größe unter der Woche im Indiehippster-Köln ein sehr skurriles, teils albernes (Mopedjackentypen, die in der ersten Reihe beim mitgehen alles geben, Zylinderträger und Black Metal-Gothbarbies) , teils gar nerviges (der „Uiuiui“-Rufer) Unstyle-Publikum lockt. Weil der eine Kerzenständer auf ner Box und die viel zu zusammengepferchte Band die kleine Bühne dann ja doch ganz schön nach JuZe-.Auftritt aussehen lassen. Hinzu kommt, dass ich die Band der guten Jex mit sitzendem Keyboard-Organisten, übertrieben bangposendem Drummer und einem (zugegeben geil spielendem) Gitarristen mit der Ausstrahlung des einzigen Ökotypen im Dorf ja sowieso etwas eigen finde.
Doch das alles stand diesem magischen Fünkchen, das JEX THOTH live versprühen kann, nicht im Wege. Mit unglaublicher Stimme und voller Emotionen schmettert sie zum Retro-Sound ihrer Band vom düsteren Doom-Groover (‚Stone Evil‘) bis zur knackig-rockigen Hymne (‚Seperated at Birth‘) Songs, die nicht einfach nur eingängige Hits sind, sondern über ihre hingebungsvolle Performance regelrecht die Seele berühren. (Ja, zu so einem Satz ließ ich mich gerade tatsächlich hinreißen, obwohl ich derart abgedroschene Superlativphrasen sonst selbst ziemlich hasse.) Und das irgendwie unwirsch-mysteriöse Auftreten der attraktiven Frontdame tut sein übriges zur komplett von einem Besitz ergreifenden Stimmung eines JEX THOTH-Konzertabends, so widrig sich die Begleitumstände auch zu gestalten versuchen. Das hier war trotz allem nicht minder verzaubernd wie der wohl, allein weil in viel angenehmeren Ambiente stattfindende, nicht zu toppende JEX THOTH Gig auf der Midi Theater-Bühne des diesjährigen Roadburn Festivals. Wirklich sehr, sehr toll. Würde und werde ich mir wohl immer wieder angucken.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das große Verbrauchen

…ist der Titel eines Boxsets, mit dem JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE diverse Standards, Altlasten, Hits und Raritäten von damals bis zuletzt mit 118 Songs auf 3 CDs verbraten. Obendrauf dann auch noch eine DVD mit diversen Livemitschnitten., Videoclips und dem einen oder anderen Quatsch-Einspieler.
Erscheint kommende Woche Freitag und weitere Details findet man hier.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Apropos Kylesa

Also ich find’s ja irgendwie schon witzig. Kommende Woche ist das neue Album der Band offiziell in diversen Tonträgerformaten erhältlich, da ist im Internet bereits ein Krieg der Musikblogger ausgebrochen.
Während man sich in der Metal-Rubrik des Indie-hippen Stereogum förmlich überschlägt, was die alles überschattende Großartigkeit von „Spiral Shadow“ angehen soll, kann so mancher „richtiger Metaller“, wie der Kollege von Metal Sucks nicht damit hinterm Berg halten, wie sehr er das Ganze für überbewertete Trendscheiße hält (im speziellen Fall was für: „Beardo Williamsburg Hipsters”).
Natürlich liegt die Wahrheit – wie so oft – mittig dazwischen … doch dazu später noch.

Neue Musik für die Augen

Aktuelle Videoclips von den MELVINS, KYLESA und TRIPTYKON:


Donnerstag, 14. Oktober 2010

Der Herbst ...

... ist ja, wie ich mal eben feststellen muss, in puncto Musik-Neuerscheinungen noch mal richtig gut geworden. Die neuen Alben der „Legenden“ KILLING JOKE und SWANS sind richtig klasse ausgefallen. ENSLAVED mögen mit ihrem, im Gegensatz zum Vorgänger wieder etwas metallischerem, neuen Werk verdächtig nach Opeth klingen, zeigen sich dabei aber ebenfalls auf höchstem Niveau. Eigenständige Herbstmusik kam von HER NAME IS CALLA, und auch das zweite Album der sich selbst wohl eher ein bisschen in der Industrial/Gothic-Ecke sehenden, dabei aber doch ganz schön nah an Postrock/Drone-Metal tönenden HEIRS macht ganz schön Bock.
Was diesen Monat jetzt außerdem noch ansteht, ist eine EP von Tom Warrior's TRYPTIKON, sowie die neue Scheibe von KYLESA. Wobei man bei letzterer bereits jetzt feststellen und mutmaßen darf, dass diese an der Basis gehörig „polarisieren“ wird. Dazu bald natürlich mehr....

Bei Bands, die nicht gerade zu meinen persönlichen Ober-Faves gehören, aber affinerweise vielleicht mal genannt werden sollten, kommt ebenfalls noch neues vom französischen Prog-Black Metal-Kvlt DEATHSPELL OMEGA, den L.A.-Post-Metallern INTRONAUT, und ferner noch neue Langspieler von JESU und THE OCEAN, aber wann kommt von den beiden letztgenannten eigentlich mal nichts?!
Eine Sache, um die außerdem gerade ein kleiner Hype veranstaltet wird, ist ATELCINE. Das erwähnenswerte an dieser Drone/Ambient/Whatever-Band ist jedoch in erster Linie, dass hier das berüchtigte, sich immer mehr als Alternative-Personality produzierende „Erwachsenenfilm-Sternchen“ Sasha Grey mitwirkt, weswegen ich mir auch per se ein bisschen zu fein dazu bin, auf diesen Zug mit aufzuspringen.

Enslaved - Axioma Ethica Odini

Mein Verhältnis zu ENSLAVED ist recht ambivalent. Ich kann es mir nicht so richtig verkneifen, es immer wieder mal mit ihnen zu versuchen, je nach Tagesform können sie mir dabei aber auch schon mal ganz schön quergehen.
Die Norweger haben einen langen und vielfältigen Weg von archetypischem Black Metal zu eigenwilliger Progressivlärmerei hinter sich, bei der Trademarks an der Wurzel, wie Keif-Vocals und Doublebass-Einlagen, nach wie vor vorhanden, immer mehr in nebulösen Gefilden postrockiger, Pink Floyd’scher Psychedelic-Sphären und melodiöser Epik versinken. So war es jedenfalls auf der letzten Platte „Vertebrae“, wie auch bei 1-2 jüngeren Live-Begegnungen, wo ich mir nie so ganz sicher war überhaupt zu verstehen, was ENSLAVED damit eigentlich von mir wollen. Ihr Kram hatte zuletzt an Stellen Ecken und Kanten, wo sie auch einen sowohl harte Kost genießenden, als auch Avantgarde- und Prog-erprobten Hörer eher irritieren, und fühlte sich an anderen dann schon wieder so regelrecht wohlig-fluffig an, dass es nun wirklich nicht mehr nach den langhaarigen, bär(t)igen Wikingerberserkern klingt, die nach wie vor dahinter stecken.

Doch Überraschung! Es mag vielleicht mit an der etwas satteren Produktion und der wieder etwas tiefer reingedrehten Metal-Schraube, ferner an der Jahreszeit liegen, aber „Axioma Ethica Odini“ geht mir auf Anhieb ein ganzes Stück schlüssiger rein als ein Großteil seines Vorgängers. Und ja, man muss es schon sagen: Das Ganze klingt hier wirklich schwer (!) wie die BM-Variante von Opeth. Die u.a. über Orgel, Klargesang, cleane Gitarren-Einsprengsel, ein paar Breaks, und ausholende Melodien in epischen Songstrukturen reingebrachte Progrock-Kante vereint sich mit den Krächz-/Keif-/Röar-Vocals, rasanten Drums und klirrenden Gitarren, die man mit „bösem Posen auf Eisschollen“ assoziieren möchte.

Man muss auf so eine spezielle Art von Metal allerdings natürlich grundsätzlich Bock haben. Und irgendwie kann ich jeden verstehen, der das -aus welchem Blickwinkel und Gründen auch immer – nicht hat. Alleine das Wechselspiel aus Growls und Gesang ist etwas, bei dem Viele schon per se abkotzen, und ich kann sie alle verstehen. Es wird Freunde harter/ atmosphärischer/ progressiver Musik geben, denen das hier schlichtweg einen ganzen Tick zu viel Klischee-Metal ist, und es wird Metaller geben, denen das hier zu viel nichtmetallisches Gedöns hat, und ich kann auch hier alle zu gut verstehen.
Es gibt Tage, da ist mir der Crossover von ENSLAVED irgendwie zu dick aufgetragen und ich finde, dass sie mit ihrer Musik zu viel gegensätzliches auf einmal wollen. Es gibt aber auch dunkel-kalte Herbstabende, an denen die Fusion aus Black Metal und Progrock, die Mischung aus den grimmigen, frostigen, aggressiven, düster-atmosphärischen Schwarzmetall-Elementen, musikalischer Ambition und regelrecht positiven und verträumten Vibes für mich total gut und natürlich funktioniert, auch wenn der Kopf das Ganze etwas paradox finden möchte. Norwegische Black Metal-Originale, die mit ihrer Musik auch Herz und Hirn ausstrahlen können? Ja, selbst so etwas gibt es mittlerweile in Form von ENSLAVED.
Es kann zugegeben schwierig sein, sich auf eine solch geballte Kombination aus nordmännischer Metal-Poserei, cheesy Herbst-Melancholie, musikalisch wurzeltreuer Kirchenanzünder-Bosheit und Thinking Man's Rock-Ansätzen inkl. klassisch-retrospektiver Prog-Puzzlestücke einzulassen, aber mir fällt tatsächlich kein einziger Kritikpunkt ein, den ich bei diesem Album anbringen könnte. Womit der Hype, der in Fachgazetten darum gerade gemacht wurde, sogar ausnahmsweise mal völlig berechtigt zu sein scheint.

Montag, 11. Oktober 2010

Denovali Swingfest 2010

Im auf meiner musikalischen Landkarte in den letzten Jahren vor allem für Bollo-Events berüchtigten JuZe Papestraße in Essen fand dieses Jahr das DENOVALI SWINGFEST erstmals als zweitägiger Ganztags-Event statt. Und da merkte man auch schon die ersten Kinderkrankheiten, die sich bei der vermutlich einfach noch etwas zu unerfahrenen Organisation einschlichen: Anstatt, wie geplant und angekündigt, ab 13:00 die Tür auf zu haben und 14:30 die erste Band auf die Bühne zu schicken, verschob sich der Einlass mit einer auf einmal nicht mehr zu verachtenden Schlange vorm Laden auf nach zwei Uhr und die erste Band auch dementsprechend weiter nach hinten.
Bei jenen handelte es sich um die SAMUEL JACKSON FIVE aus Norwegen, die seit eh und je als Hausnummer im Postrock gehandelt werden, mich persönlich aber nicht gerade - weder auf Konserve, noch mit diesem Auftritt - zu übermäßiger Begeisterung kriegen. Die folgende Geschichte THE EYE OF TIME krankte bei ihrer Laptop- plus Cellist-Umsetzung auch als Live-Act ein bisschen daran, dass die Computer-Beats sowohl vom Sound als auch vom rhythmischen Arrangement her irgendwie einfach nicht viel hermachen. Da hat man schon spannenderes gehört.
Danach dann SWITCXHBLADE, im stockdunklen mit Leuchtröhre am Drumkit, außerdem mit Visuals. Eine Stunde lang instrumentaler Dronedoom einer lediglich mit Gitarrist und Schlagzeuger auftretenden Band, die nur selten mal von minimalistisch-monotonem Donner in etwas flottere Passagen ausbricht. Muss man definitiv mal gesehen und gehört haben, auch wenn es in derart reduziertem Extrem schon wieder eher nichts ist, was ich mir alle Tage geben müsste.
Für Abwechslung war gesorgt - Das CONTEMP
ORARY NOISE SEXTETT aus Polen begeisterte mit postmodernem Jazz, der mal ins expressionistisch-schräge, mal in schon rockiges und mal ins atmosphärische abdriftete. Besser kann ich das nicht beschreiben, denn ich bin einfach kein Jazz-Experte, doch das Gehörte gefiel!
Die folgenden YNDI HALDA habe ich auf die Gefahr eines Postrock-Overflows nur mit maximal einem Ohr mitbekommen, da HER NAME IS CALLA einem danach multi-instrumental, mit einer hochemotionalen Bandbreite aus allem von ganz ruhig bis ziemlich laut, schon einiges abverlangten. Wie auf Platte jedoch eine wirklich phantastische Band!
Auch OMEGA MASSIF sollten danach mit einer stimmungsvollen Show begeistern, die - was mir natürlich sehr gelegen kam - dann den Metal-lastigeren Anteil der Veranstaltung etwas erhöhte. Sehr stimmungsvoller, sowohl atmosphärischer, als auch brettharter Auftritt. Außerdem mit Akkordeon-Einlage.
Eigentlich hätte ich das Finale in Form von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE + THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION ja wirklich zu gerne gegeben. Der verzögerte Zeitplan war allerdings bereits soweit in Verzug, dass die ursprünglich für 23:30 veranschlagte Band um kurz nach 1 mal gerade mit dem Aufbauen begann, was an diesem Tag/Abend generell schon immer sehr (zu) viel Zeit in Anspruch nahm. So beschlossen einige Bekannte und ich - nach ca. 12 Stunden im und um das JuZe Papetraße auf den Beinen gewesen, und dabei auch durchaus das eine oder andere Bier genossen habend - zu diesem Zeitpunkt doch langsam aber sicher mal etwas abgekämpft die partiell gemeinsamen Heimreisen anzutreten. Gute Enscheidung, denn die ganz Tapferen berichteten von einer 2 Uhr startenden Show, bei der sich der Laden dann auch langsam aber sicher leerte und Besucher sich erschöpft in Ecken des Saals ablegten.
Am zweiten Tag habe ich mir die erste Hälfte, da nicht so spannend und interessant, dann erst mal geklemmt. Woran ich wohl ebenfalls gut tat, denn der Auftritt vom Jesu-Rip Off IROHA soll laut Augen-/Ohrenzeugen ziemlich lahm gewesen sein. Von BLUENECK hatte ich mir auch etwas mehr Avantgarde versprochen, als den verhältnismäßig handelsüblichen Postrock, den diese zum Besten gaben. Genau so was machen zwar auch DATURAH, aber die wiederum kriegen den Bogen bei ihren cineastischen Epen durchaus ganz gut hin. Allerdings reizten sie ihre Spielzeit mehr als aus, 1-2 Songs weniger hätten es gegen Ende schon generell ruhig sein dürfen, und diese Show endete zudem, als HEIRS nach dem zuvor an diesem Tag noch passendem Zeitplan eigentlich schon anfangen sollten. Bei besagten Australiern zog sich Aufbau und Soundcheck dann auch sage und schreibe eine dreiviertel Stunde lang. Immerhin konnte man dabei smalltalken und Smartphone-verstärkt checken, bis wann die letzten öffentlichen Verkehrsmittel gen Heimat einen bei der sich nun offensichtlich wieder signifikant nach hinten schiebenden Running Order noch nach Hause bringen.
HEIRS waren dann für mich allerdings ganz klar eines der Highlights des Festivals. Auf Konserve schon „gut“, aber eben auch noch nicht sooo der ungewöhnliche Oberknaller, funktioniert der in seinen Details durchaus etwas eigensinnigere Postrock/Drone-Metal mit Keyboard- und Teremin(!)-Spieler, leichter Industrial-Kante Richtung Swans oder Godflesh, und seltsamen Leinwand-Projektionen eines satanistischen Vintage-Kunstpornos live sogar noch besser. HEIRS bringen das, was Bands wie Mogwai oder Mono machen auf einen etwas Groove-orientierten, knallenderen Level, der ein paar Ecken und Kanten zu bieten hat. Und damit sind sie dann in der Riege an Instrumental-Bands wohl vermutlich tatsächlich die, auf die ich persönlich gewartet habe. Würde ich mir definitiv gerne noch mal angucken, geile Band!
Bezeichnend abwechslungsreich für Denovali sollte der Event dann noch enden, indem mit den japanischen MOUSE ON THE KEYS darauf erst noch mal etwas eher beschwingt-jazziges und zum Abschluss mit den Franzosen CELESTE noch wuchtig die totale Zerstörung folgen sollte. Letztere übrigens dann erst ab kurz vor Mitternacht, anstatt wie geplant um 22:30. Auf einem Sonntag. Da mussten dann einige Besucher, die mit öffentlichen unterwegs waren, und/oder einfach nur schon so alt und spießig sind, dass sie Angst vorm montäglichen Weckerklingeln haben, leider auf das wüste Finale verzichten.
Fazit: Sympathisches Label mit sympathischem Event, Rahmenbedingen und Sound waren absolut in Ordnung. Die Marathon-Umbaupausen/-Soundchecks und Verzögerungen nervten allerdings ziemlich. Zeitverzug von um die zweieinhalb (am ersten Abend) und eineinhalb Stunden (am Sonntag trotz Vorankündigung, einen frühen Zapfenstreich anzustreben) beim jeweiligen Abschluss-Act sind echt schon ne Hausnummer. Vor allem, wenn man die fiktive Running Order an die Wand hängt … aber man kann nicht alles haben.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Heirs - Fowl

Eine weitere, aktuelle Veröffentlichung aus dem Hause Denovali Records: HEIRS sind in instrumentalen Gefilden unterwegs, in denen sie Soundtrack-haften Postrock zu massiven Bergen hochbauen, deren Gesteinsproben Sludge-Metal, Drone-Doom, Shoegaze und fast Industrial-eskes mit aufs Etikett bekommen. Damit werden hier zwar auch keine Räder mehr neu erfunden, aber die Mixtur aus Einflüssen, die man Bands wie Swans oder Godflesh (man höre sich eine Stampfnummer wie 'Tyrant' an), Neurosis und Mogwai zuordnen möchte, ist in vorliegender Form absolut gelungen und – typisch für eine Denovali-Band – findet dabei eher so ein bisschen unauffällig seine eigene Stilnische, anstatt sonderlich spektakulär als Highlight einer inzwischen inflationär aufkommenden, mehr oder minder generischen Schiene aus der Mitte aufzublitzen. Und ja, das ist eine gute Sache. Aber wer auf musikalisch verwandte Labelmates wie Omega Massif steht, wird die Combo vermutlich eh schon kennen ...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Swans - My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky

Langer Albumtitel, erstes SWANS-Album seit langer Zeit, langes Review. Nebenbei: Zu Zeiten, in denen man sich CDs aufs Tape für den Walkman oder das Autoradio überspielte, hätte ich dieses Album so oder so geliebt. Denn es ist 44:22 Minuten lang. Nahezu perfekt für eine 90er-Seite.
Wie dem auch sei, eines muss ich gleich vorweg eingestehen: Bei SWANS bin ich weder Experte noch Fanboy. Allerdings steht das New Yorker Experimental-Ensemble in einer Tradition, die auch auf diverse Lieblinge von mir zutrifft, wie dem Schweizer Düster-Metal-Urknall von Hellhammer und Celtic Frost, dem eigensinnigen kanadischem Prog-Thrash-Original Voivod, oder den britischen Postpunk-/ Wave-/ Alternative Metal-Dinosauriern Killing Joke. (Erweitert und leicht zeitversetzt würde ich in diese Liste wohl außerdem die Sludge-Metal-Blaupause Melvins und die Indierocker Sonic Youth aufnehmen ... und wohl ebenfalls Einstürzende Neubauten, Big Black, Black Flag etc.). Der Einfluss, den diese Bands aus den 80ern heraus bis heute auf andere irgendwie wichtige, besonders eigenständige, ebenfalls einflussreiche, und/oder bedeutsame Kapellen und Künstler verschiedenster Schubladen ausüb(t)en, ist nicht zu verachten. Ob Nirvana, Nine Inch Nails, Napalm Death oder Neurosis. Noiserock, Industrial, Grindcore, Doom und Postrock. Ob Avantgarde-Kreise, Alternative-/Indie-Kosmos, Gothic-Szene oder Metal-Untersparten – die musikalische Welt wäre heute vermutlich eine ganz andere, wenn es besagte Bands nicht gegeben hätte. Und noch etwas haben diese Künstler gemeinsam: Sie blieben nie stehen. Suchten immer weiter. Entwickelten sich oft von wilden, lauten Anfängen jugendlichen Sturm-und-Drangs zu etwas noch ambitionierter wirkendem, manchmal dabei auch moderater klingendem weiter. Oder liefen in einigen Fällen auch in jüngerer Vergangenheit zu nach wie vor nicht zu verachtender Hochform auf.

Auf SWANS trifft jedenfalls vieles davon zu. Witzig daran ist im Übrigen die Feststellung, dass einige zwischendurch in den Diensten der SWANS stehenden Musiker später auch mit denen kooperierten, die nach ihnen kamen und von besagter Riege an 80er-Ikonen entscheidend geprägt wurden. So spielte Schlagzeuger Ted Parsons in den 90ern sowohl bei der New Yorker Thrash-/ Modern-Metal-Kapelle Prong während ihrer essenziellen Phase, als auch später noch bei den stark von SWANS beeinflussten Godflesh (und beide male traf er dabei im Übrigen auch auf den inzwischen verstorbenen Basser Paul Raven, mit dem er ferner das Kapitel Killing Joke gemeinsam hat). Co-Sängerin/Keyboarderin Jarboe nahm u.a. ein gemeinsames Album mit Neurosis auf. Und Mastermind Michael Gira's spätere, ebenfalls noch aktive Band Angels of Light beinhaltete u.a. auch ein Mitwirken von Dana Schechter, dessen Projekt Bee and Flower wiederum irgendwo zwischen Singer/Songwriter. Jazz und so etwas ähnlichem wie Postrock sogar von Musikhörern geschätzt wird, die sich sonst primär derbstes Getöse reinfahren. Und mit Kreuzverweisen wie diesen könnte man ewig weitermachen ...

Um endlich zur Sache zu kommen: „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ ist ein ohne Zweifel sehr interessantes und spannendes Album, zu dem jemand anders bereits sinngemäß so etwas geschrieben hat wie „es verkörpert alle Aspekte von Swans, dann aber doch wieder keinen davon wirklich“. Ganz krassen Lärm und völlig zermürbend monotone Stampfrhythmen wie in den Anfangsjahren findet man auf dem ersten SWANS-Album seit dem 1996er „Soundtracks For The Blind“ nach wie vor nicht mehr (auch wenn 'My Birth' und 'Eden Prison' nah dran sind!). Was allerdings nicht heißt, dass es hier nicht doch auch schon mal etwas lauter und schräger zugeht. Tragendes Element ist mehr denn je die Stimme von Michael Gira, die an sich schon eine gehörige Intensität mitbringt. Oft einem gewissen Minimalismus frönend pendelt er dabei mit seinen Mitstreitern zwischen Klangcollagen und eigensinnigem Folk. Zwischen Noise- und Postrock. Zwischen metaphysischer Sphäre und greifbarem Boden. Macht in einer Art und Weise von Laut-/Leise-Dynamiken Gebrauch, wie man es nicht alle Tage hört. Erinnert hier mal etwas an Tom Waits oder Nick Cave, und dort dann wieder an so was wie The Jesus Lizard oder Cop Shoot Cop, und ja, meinetwegen auch ein bisschen an Neurosis (zumal mir keine besseren Referenzen für die brodelnde Noiserock- und Industrial-Kante von 'My Birth' und 'Eden Prison' einfallen). Das alles mit einer generellen Herangehensweise, die auch eine gewisse Verwandtschaft im Geiste zu den Neubauten zeigt.
Die Musik auf diesem Album findet jedenfalls auf eine faszinierende Art und Weise in den hier ganz schön großen Fugen zwischen den Schubladen statt, in die man sonstige Hörgewohnheiten deklarieren würde. Was auch beim nächsten Durchlauf immer noch einer Entdeckungsreise gleichkommt, von der man nicht genug bekommen kann. Also ich zumindest nicht.

Samstag, 2. Oktober 2010

Killing Joke - Absolute Dissent


Anlässlich des neuen KILLING JOKE Albums wird man die Veröffentlichung der „In Excelsis“ EP im Sommer rückblickend ruhig mal hinterfragen dürfen. Denn dessen hymnischer Titeltrack, das schmissige, auf Musikmagazin-Samplern verbratene ‚Endgame‘, sowie das Dub/Reggae-lastige ‚Ghost Of Ladbroke Grove‘ haben es noch mal auf den aktuellen Langspieler geschafft, womit nur ein reguläres Stück und ein unnötiger Remix als Legitimation der EP zurückbleiben.
Die dort angedeutete Marschrichtung, das typische an KILLING JOKE – die mal raue, mal klare, immer unvergleichliche Stimme von Jaz Coleman, sowie der unnachahmliche Gitarrensound von Geordie Walker – in einer aufs quintessenziell-wesentlich konzentrierten Rocksong-Fassung zu präsentieren, wird auf „Absolute Dissent“ fortgeführt. Allerdings, und das lies mich aufatmen, knallen und grooven die ersten drei Songs des Albums (Hammer: 'The Great Cull'!) dann trotz dieser konventionelleren Rockigkeit doch erst mal mit etwas mehr energischem Biss und Lärm als das ohne Frage zwar gute, aber partiell doch etwas steife EP-Material.
Denn ich persönlich schätze ja an KILLING JOKE vor allem die Sachen, die so ein bisschen schmutzig und aggressiv, oder episch und mit Metal-Kante, bis zu apokalyptisch tönen. Dass sie auch anders können, zeigen sie allerdings auch auf dieser Platte mal wieder:
Nach der mitreißenden Eröffnungs-Trilogie nimmt 'In Excelsis' das Tempo raus, um den Weg für den 'European Super State' zu ebnen. In jenem, recht popigen Stück, wird der KJ-Sound vordergründig mit elektronischen Komponenten fusioniert, was hier dann irgendwie etwas aus dem Rahmen fällt.
Auf besagten Track folgt mit 'This Wolrd Hell' dann allerdings überraschend der härteste und metallischste der Scheibe, dessen düsterer, krachiger Doublebass-Refrain einen förmlich mit böser Fratze umfaustet. Nach dem temporeichen 'Endgame' schaltet das Album dann allerdings in der zweiten Hälfte komplett einen Gang runter. 'The Raven King' (natürlich dem verstorbenem Basser Paul Raven gewidmet), 'Honour The Fire' und 'Here Comes The Singularity' (Waaahnsinns-Refrain!) sind wesentlich popigere Nummern im gewohnten KJ-Klanggewand.
'Depthcharge' kommt zwar noch mal mit Industrial-metallischem Ansatz daher, ist allerdings der einzige Song, den ich eher weniger gelungen finde.
Das bereits bekannte ‚Ghost Of Ladbroke Grove' schließt dann noch passend wie ein Epilog oder Abspann ab.

Unterm Strich schließen sich hier einige Kreise. Die wieder vereinte Originalbesetzung der Band (dessen Ur-Rhythm Section sich dabei übrigens in superber Form zeigt!) hat mit „Absolute Dissent“ ein Werk aufgenommen, das sich wie schon erwähnt um den Kern ihres, über die Jahr(zehnt)e experimentierend in verschiedenste Richtungen ausgeweiteten Stils konzentriert, dabei allerdings eher weitgehend in der „Alternative Metal“-Ecke jüngerer Jahre bleibt, als zu sehr noch mal aus vergangenen Wave/Post-Punk-Phasen zu fischen. Womit dann allerdings und tatsächlich ebenfalls auch noch mal eine gewisse Nähe zum jetzt gerade 30 Jahre (!) alten Debüt gegeben ist. Wie gesagt, hier schließen sich Kreise. Eigentlich hätte dieses Album das zweite selbstbetitelte werden müssen, und nicht die 2003er Scheibe mit Dave Grohl am Schlagzeug.

Um es auf dem Punkt gesagt zu haben: „Absolute Dissent“ ist ziemlich super!
Auch wenn die KJ-Lieblinge eines Krachfetischisten mit Metal- und 90er-Alternative-Background wie mir vor allem (Debüt beiseite) die beiden besonders bösartigen „Extremities, Dirt & Various Repressed Emotions“ und „Hosannas from the Basements of Hell“ sind – dieses Album kann so einiges!


Die Bonus-Disc der Deluxe Edition ist übrigens ein Tribut-Sampler und ich sage es mal ganz offen und ehrlich: Rohrkrepierer wie Fear Factory's lustlos klingende Verhunzung von „Millennium“, oder „Requiem“ im geglätteten Plastiksound der Foo Fighters muss man wirklich nicht gehört haben.

Her Name Is Calla - The Quiet Lamb

Womit ich mich ja manchmal ein bisschen schwertue ist Bands zu beschreiben, die stilistisch doch 1.) recht weit neben meinen Gitarren-dominierten Standard-Hörgewohnheiten stattfinden, und dabei 2.) sowieso schon nicht so leicht in eine Schublade zu packen sind. HER NAME IS CALLA sind so ein Fall.
Denovali Records, das sympathische Label aus dem Revier, etablierte sich in letzter Zeit ziemlich gut als Freund und Förderer von speziellen Bands für Roadburn-, Friction Fest-, South Of Mainstream- und natürlich Denovali Swingfest-Pilgerer, die am Rand aktuell angesagter Underground-Sparten von schönem Postrock, Ambient und düsterem Modern-Jazz über wuchtigen Drone-/Doom-/Post-Metal-Kram bis hin zu Screamo-/Sludgecore mit einem Schuss Post-Black Metal richtige Liebhaber -Kabinettstücke parat haben. Veröffentlichungen aus dem Hause Denovali sind nicht immer (bzw. meistens) wirklich „was für jeden“, aber (eben weil) doch oft Bands, die eine besondere Qualität aufweisen.
Die britische Kapelle mit dem seltsamen Namen HER NAME IST CALLA passt daher auch perfekt in diesen Stall.
Zwischen fragilen, ruhigen Momenten, und pathetischen Crescendos, die aber nie in Kitsch-Bombast ausarten, steckt in ihrer Musik viel Hingabe, Leidenschaft und verträumte Sehnsucht, was nie in aufgesetzter Melancholie ausartet, sondern mitreißt, berührt und erstaunt. Durch Zusatz von Streichern und sogar Trompete (der Schluss-Track hat was von Ennio Morricone), sowie dem Gesang geht das Ganze über typische Postrocker wie GY!BE oder Mono hinaus - Assoziationen zu anderen Bands wie Kayo Dot, Gregor Samsa, Sigur Rós, A Whisper In The Noise und ähnlichem sind wohl nicht ganz falsch.
Ein tolles Album für den Herbst, wenn es mal keine verzerrten Gitarrenriffs sein sollen!

Freitag, 1. Oktober 2010

AmRep 25th Anniversary

Im August feierte das legendäre Noiserock-Label Amphetamine Reptile Records (kurz AmRep) den 25sten. Da ließen sich langjährige Weggefährten nicht lumpen mitzufeiern. Und so traten auf der Geburtstagsparty neben immer noch rege aktiven Kapellen wie den Proto-Sludgemetallern MELVINS, den allseits beliebten UNSANE und den Nervencorelern TODAY IS THE DAY doch glatt mal außerdem die nur bis Mitte der 90er aktiven Noiserock-Wegweiser HAMMERHEAD, die ähnlich gearteten GOD BULLIES und die lange regelrecht verschollenen BOSS HOG auf.
Bilder und Videos vom Event gibt es hier und hier bei I Heart Noise, der „Illustrated Encyclopedia of Audio Terrorism“.