Donnerstag, 30. September 2010

und noch zwei kurz notiert

Aus der vor kurzem bereits erwähnten Wundertüte fischte ich kürzlich dann ferner noch:

MY SILENT WAKE - IV Et Lux Perpetua
Düsterer Grunz-Doom Metal von der Insel, wie vor 20 Jahren (gott. bin. ich. alt.). Nette, willkommene Abwechslung zum derzeit inflationären Aufkommen an Sludge-/Stoner-/Rumpel-Metal und Athmocore-Kapellen aus den Staaten (siehe dazu auch „Metal Swim“). Gefällt!

LIS ER STILLE – The Collibro
Diese dänische Post-/Prog-/Artrock-Combo ist perfekt für Leute, die neben Klassikern a la Pink Floyd, King Crimson und ELP auch Muse, Radiohead, Sigur Rós und (jüngere) Ulver mögen. Mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen, denn das in 66 Minuten zwischen fragil und bombastisch, schräg und kitschig, atmosphärisch und lärmig hin- und herpendelnde Musik-Epos ist schwierig zu er- und in wenige Worte zu fassen. Ein faszinierendes Album, das man anerkennen muss, aber vielleicht nicht zwangsläufig wirklich hören kann
.

Mittwoch, 29. September 2010

Pissed Jeans Video und Song-Download

PISSED JEANS sind eine Band, die auf diesen Blogseiten bisher noch gar nicht stattfand. Wie ich schon mal sagte: So viele gute und interessante Musik da draußen, aber so wenig Zeit…

Auf jeden Fall hat die musikalisch irgendwo zwischen Noiserock und Punk verortete US-Kapelle einen ganz witzigen Videoclip zum Song 'False Jesii Pt. 2' gemacht (den man ferner hier bei Subpop als mp3 ziehen kann):


Dienstag, 28. September 2010

The Crown - Doomsday King

Es ist immer so eine Sache, wenn man auf Alben in freudiger Erwartung sehr gespannt ist, man dann aber bei den ersten Durchläufen das Gefühl bekommt, aus so einer prinzipiellen Fanhaltung heraus Kompromisse eingehen zu müssen, wenn die neue Scheibe nicht so grandios ausgefallen ist, wie man das eigentlich gerne gehabt hätte. Ich persönlich gehe da ja inzwischen oft lieber zur nächsten (guten) Sache über, anstatt mir krampfhaft etwas mittelmäßiges schön zu hören.
„Doomsday King“, das brandneue Album der mit neuem Shouter frisch reformierten THE CROWN, ist leider so eine Fall. In der Vergangenheit konnte mich ihr partiell sehr Thrash-lastiges, in verschiedenen Gewichtungen mit Black Metal, Grind und Rock'n'Roll flirtendes Schweden-Todesmetall eigentlich immer ziemlich begeistern. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sie in dieser Ecke eine meiner Lieblingsbands sind, auch wenn ich da nicht die gesamte Discographie im Plattenschrank stehen habe(n muss).
„Doomsday King“ ist jedoch ... nicht so richtig gut. Die Thrash-Schlagseite ihrer Stilmixtur ist noch mal eine ganze Ecke dominanter geworden, und dabei ist nicht besagtes was das Problem, sondern das wie. Jeder zweite Song der Scheibe klingt wie einer, den man vorher darauf schon gehört hat, allerdings in dann noch etwas uninspirierter. Das Ganze geht sogar so weit, dass man die Songs zwischen immer gleichen Aufbauten und 08/15-Gerödel vor allem erst mal an ihren immer wieder mal auftauchenden Rohrkrepierer-Riffs identifiziert, wie dem ziemlich albernen 'Raining Blood'-Zitat bei 'Angel Of Death 1839' (sic!) oder dem völligen Klogriff-Part bei 'Blood O.D.'.
Wären da nicht diese negativ herausstechenden Momente bei 3-4 Nummern, würde mir „Doomsday King“ vermutlich sogar als durchschnittliche Knüppelscheibe mit dreckig-ungestümen Flair und rockigen Ansätzen ('The Templar And The Bible Black') ganz gut taugen. Aber da sind halt leider nun mal diese misslungenen Passagen, die mir wirklich ganz schön quergehen und das Gesamthörvergnügen somit etwas versauen. Und das ist schade, denn eigentlich hätte ich das Teil sehr gerne gut gefunden.

Metal-Compilation Gratis-Download (mit neuem Kylesa-Song!)

Adult Swim und Scion Rock Fest präsentieren im Verbund eine umsonst zum Download ins Netz gestellte Compilation, die neben einem Song vom kommenden KYLESA-Album auch alles andere abgrast, was auf dem Beardo-Sektor gerade Rang und Namen hat. Klickst Du hier.

noch mal kurz notiert

Zwischen diversen Promos und Werbegeschenken, die mir dieser Tage zur Bearbeitung für ein Printmagazin ins Haus flatterten, sind zwei erwähnenswerte:

JANE'S ADDICTION – Live Voodoo (DVD)
Ein mehr oder minder hochwertiger Livemitschnitt der beim „Voodoo Fest“ 2009 in New Orleans im „klassischen Line Up“ aufgetretenen Band. Perkins hämmert wie in Tollwut ziemlich geil auf seine Drums ein, Avery basst sich im Kreis rennend und ganzkörperbangend völlig um den Verstand, Navarro gibt den nicht gänzlich heterosexuell rüberkommenden Poser-König und der sichtlich in die Jahre kommende, dennoch ziemlich agile Farrel, öfter mal die Weinpulle ansetzend, den eigenwillig gewandeten Entertainment-Exzentriker. Gänsehaut gleich schon, wenn nach dem Intro-Charakter der Eröffnungsnummer 'Up The Beach' als nächstes der überragende 'Mountain Song' losdonnert. Fürs Auge dann auch schon mal Tänzerinnen auf der Bühne. Nette Konzert-DVD, hier gibt’s echt nicht viel zu meckern!

TRICKY – Mixed Race
Der, nun ja, „Trip Hop-Guru und Bristol Sound-Pate“ zeigt sich auf seinem neuen Album in Crossover-Laune, aufgeräumter, gradliniger, lichter und zugänglicher denn je. Das verdrogte, surreale, hektische, überladene seiner Frühwerke ist einem nach wie vor oft unverkennbarem Freistilmix gewichen, der Hip Hop-Grundgerüste und elektronische Dance-Elemente mit allem von Jazz über Soul bis zu Rock-Ansätzen unter einen Hut kriegt. Etwas seltsam fühlt sich dabei allerdings die oft sehr kurze Spielzeit der Tracks an (über die Hälfte endet unter drei Minuten!), die das Ganze eher ein bisschen wie eine Ansammlung von Skizzen als tatsächlich ausgearbeitete Songs wirken lässt. Dennoch: Schlecht geht anders. Herausragend und zwingend aber eben auch.

Ferner im Paket enthalten war das kommende Album der britischen Postrockcombo HER NAME IS CALLA, die sich mit diesem unglaublichen Werk aber einen gesonderten Blogpost verdient haben, der irgendwann die Tage noch folgen wird. Und für den schmutzigen Quickie zwischendurch ist gerade das neue Album der Schweden-Deather THE CROWN im Player gelandet, wie vermutlich auch bald hier auf dem Seziertisch.
Ansonsten bin ich gerade sehr gespannt auf die vor kurzem veröffentlichte SWANS und die in Kürze kommende KILLING JOKE. So viel gute Musik, so wenig Zeit …

Mittwoch, 22. September 2010

Eine paar Notizen zu ...

Cephalic Carnage - Misled by Certainty
Nach einigen Durchläufen muss ich sagen, dass vor allem mal wieder die auf irgendeine Weise herausstechenden und „bekloppteren“ Nummern die Hits im 14 Tracks starken Wust an technischem Deathgrind-Wahnsinn sind. Dazu gehören dann vor allem (mit Links zum jeweiligen Song-Stream bei lastfm:) der schräge 'Ohrwurm', das mit rockigem Southern Metal-Part versehene, ansonsten schon (mich an irgendeine Macabre-Nummer erinnernde) ulkig-hektische 'When I Arrive' , der Black Metal parodierende 30Sekunden-Schlusstrack 'Aeyeucgh!', und last but definately not least das >10minütige Epos 'Repangaea', bei dem sogar mehr gesungen als geschrien/ gegrunzt/ gekeift/ gebrüllt wird, aber es geht wirklich auf - toootaaaal geiler Song, wirklich. Erst- und letztgenanntes Lied warten übrigens mit Saxophon-Einschüben von Bruce Lamont (Yakuza) auf.
Ansonsten ist „Misled by Certainty“ weder ein allgemeines Highlight, noch eines der besten und zwingendsten CC-Alben geworden, aber diese Band ist dennoch generell so hochsympathisch, das Album ferner auch eben nicht nur eine Selbstkopie, so dass man nicht anders kann als den Caesar'schen Daumen grinsend nach oben zu richten.

Beehoover – Concrete Catalyst
Ich bin vorerst geneigt „Concrete Catalyst“ nicht so sehr zu mögen wie seinen starken Vorgänger „Heavy Zoo“. Beehoover sind allerdings eh so eine Band, deren Konzerte offensichtlich besser funktionieren als die meisten ihrer Konserven (das Exile on Mainstream-Debüt „The Sun Behind The Dustbin“ fand ich persönlich damals eher mittelmäßig, die 2Mann-Band live allerdings dann umwerfend).
Das aktuelle Album des Duos ist nicht wirklich schlecht, aber so geil wie beim Frühschoppen in einer Tilburger Kneipe mit einem Bier in der Hand 2-3 Meter von der kollektiv sitzenden Band entfernt das volle Stonerprogrock-Liveerlebnis zu bekommen wird’s eh nicht noch mal, und so ist eine Beehoover-Tonkonserve wie diese dann eben doch nicht so ganz die totale Erfüllung. Von daher haben Stimmen, die bei dieser Band dieses „Live der Knaller, zu Hause muss man's nicht wirklich hören“-Ding vertreten vielleicht gar nicht mal so Unrecht. Trage mein Beehoover-Shirt dennoch nach wie vor oft und gerne und lege jedem Freund 1.) Stoner-affiner 2.) verspielter Rockmusik nahe, dieser Combo mal eine Chance zu geben.

Harvey Milk – A Small Turn Of Human Kindess
... besitze und kenne ich nach wie vor immer noch nicht. Ebensowenig wie ihren anderen diesjährigen Release. Wird langsam mal Zeit!

Neurosis – Live at Roadburn 2007
... ist noch auf dem Weg zu mir. Auch das wird langsam mal Zeit.

Enslaved - Axioma Ethica Odini
... erscheint in Kürze!

Accu§er - Agitiation

Da ich einschlägige Fachzeitschriften zwar ins Haus bekomme, dabei aber zugegeben doch schon mal die eine oder andere Ausgabe gelegentlich etwas vernachlässige, entgeht mir auch schon mal was. Im aktuellen Fall z.B. dass ACCU§ER schon vor ein paar Monaten mit „Agitiation“ ihr erstes Album seit dem 1995er (!) „Taken by Throat“ veröffentlicht haben.
ACCU§ER?! Da war doch mal was?! Richtig, diese Band mit dem auffälligen Paragraphen-Logo aus Siegen, die zwischen '86 und '95 mehrere Alben und EPs aufnahm, deren technisch angehauchter, aggressiver Thrash Metal in der Fachpresse viel Lob erntete, die sich schlussendlich aber wegen Erfolglosigkeit bzw. „Pleiten, Pech und Pannen“ auflöste. Die Nachfolgeband zweier Mitglieder kam nie so richtig aus dem Quark, und irgendwann wurde das ständig umbesetzte Baby dann, angeblich aufgrund der großen Nachfrage alter Fans, doch wieder unter altehrwürdigem Corporate Design fortgeführt. Und einige Jahre weiter hat man nun tatsächlich den ersten Tonträger seit eineinhalb Dekaden rausgehauen.
Gerade auch auf dem Thrash Metal-Sektor schließen sie sich dabei zwar einer unglaublichen Welle an Revivals und Comebacks an, aber da sollte man den ewigen Underdogs keinen Vorwurf draus machen. U.a. auch weil albgehalftertes, uninspiriertes Altherrengehabe nicht gerade die Assoziation ist, die einem bei den durchaus wilden Live-Performances der Truppe in jüngerer Vergangenheit so kommen dürfte.

Wenn man sich das Ganze dann jetzt mal so auf der neuen Konserve anhört, gäbe es ja durchaus einiges, das man an ACCU§ER 2.0 bemängeln könnte. Mangelnde Identität z.B., bzw. einen etwas angestaubt anmutenden Versuch, 2010 noch mal 80er-Tradition und 90er-Moderne unter eine Stahlkappe zu drücken. Das Quartett gibt sich einerseits betont musikalisch, manchmal schon einen Hauch progressiv, inkl. einer gelegentlich ins stark melodiöse driftenden Gitarrenarbeit (die Assoziationen von diversen Speed Metal-Oldies bis zur NWOBHM wecken kann) - auf der anderen Seite ist da dann aber auch immer wieder mal fast schon Metalcore-artiges Stumpfgroove-Geriffe, das man so ähnlich eben auch schon etliche Male gehört hat. Das alles passiert in bei den Soli und Mittelteilen schon mal etwas ausufernden Songkonstruktionen (wie man es z.B. auch von Exodus oder jüngeren Machine Head kennt) und mit teilweise ziemlich einfältigen Lyrics (womit auch die Nähe zu Genre-Landsleuten wie Kreator noch dichter wird). Und die Produktion klingt dann auch noch eher nach Wohnzimmer-Eigenversuch als nach Tonstudio.

Summa summarum hat diese Mischung aus gezieltem Stumpf-Stakkato, standartmäßigem Uptempo-Gehacke, ein bisschen Gegniedel und Gebrüll obendrauf - und das alles in mitunter etwas abenteuerlich arrangierten Kompositionen - dann aber auf faszinierend altbacken-zeitlose Art und Weise irgendwie schon wieder etwas höchst sympathisches. Kling vielleicht paradox, aber wenn man wie ich musikalisch mit einem Bein bis zur Hüfte eben gerade im Speed/Thrash Metal alter Schule und den alternativ-metallischen und neo-thrashigen 90er-Größen (Prong, Pantera, etc. …) aufgewachsen ist, dann fühlt sich so eine Scheibe wie ACCU§ER’s „Agitiation“ tatsächlich wie ein Stück Heimat an. Und dieser Nostalgiebonus reißt‘s zugegegeben hoch. Wie Reißbrett-Stangenware klingen ACCU§ER trotz aller oben geäußerter Kritik nämlich auch nicht.
Für ältere Semester, die bei Musik vor allem einen Stilmix mit Punch, ausgefeilten Songs und griffigen Riffs mögen, ist „Agitiation“ somit uneingeschränkt zu empfehlen. Wer damals nicht „mit dabei war“, als man vor allem auf Kapellen wie Sepultura steilging, der dürfte damit allerdings beträchtlich weniger anfangen können.

Mittwoch, 15. September 2010

Veranstaltungshinweise

Die Knüppel-Großveranstaltung „Death Feast Ultimate“ in Oberhausen fällt wegen katastrophalem Vorverkauf aus. Einige Bands werden trotzdem in der Gegend spielen, nämlich ersatzweise im Turock zu Essen:
01.10.: THE CROWN & Supports
03.10.: NAPALM DEATH, JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE u.a.

kurz notiert

- Übermorgen erscheint hierzulande NEUROSIS' "Live At Roadburn 2007" auf CD und Vinyl. Dem gibt es wohl nichts weiter anzumerken oder hinzuzufügen.

- Im Moment bin ich irgendwie mal wieder auf einem totalen VOIVOD-Trip. Vor allem Alben wie "Dimension Hatröss" und "Killing Technology ", auf denen sich das Schräge, Lärmige und Ungestüme dieser ungewöhnlichen Band gerade in intelligentere und atmosphärischere Bahnen lenkte, wollen derzeit permanent gehört werden. R.I.P. Piggy, Du warst einer der allerbesten!

Montag, 13. September 2010

Saisonabschluss in Essen

Im Rahmen des Stadtfests „Essen Original“ durften auch die Jungs und Mädels des beliebten Metal- Clubs Turock dieses Jahr nun doch wieder eine Open Air Bühne betreiben. Zwei Tage Lärm mitten in der Innenstadt der bekanntlich metallischsten Stadt/Region der Nation im kurzen Resümee:
Im Clash der beiden Schweden-Death-Headliner ENTOMBED vs. UNLEASHED gingen (natürlich) ganz klar erstere als Sieger hervor. Diese Band muss man einfach lieben. Alleine, weil Frontvorturner „L.G.“ mit Pocke, schütterer Matte und komischer Körperhaltung ja ein bisschen was von Ozzy hat, ferner aber auch in Kombination mit witzigen Deutsch-Versuchen und Song-Umtextungen („When in Essen ...“ statt „When in Sodom ...“, nun ja …) einen putzigen Obersympathen vorm Herrn abgibt. ENTOMBED insgesamt sind dann auch, jetzt endlich wieder mit zwei Gitarristen, völlig über alle Zweifel erhaben. Die Setlist involviert neben Standards wie 'Out Of Hand', 'Damn Deal Done' oder dem wie immer Gänsehaut verursachendem 'Left Hand Path'-Finale auch endlich wieder die lange Zeit aus dem Liveprogramm verbannten Videosingle-Knaller 'Wolverine Blues' und das Roky Erickson-Cover 'Night of the Vampire“. Genug Grund zur Freude. Großartige Band, schon immer gewesen, und nach wie vor.
Im Duell, welche in die Jahre gekommende (beide sahen inzwischen recht „brav und spießig“ aus), progressiv angehauchte Thrash Metal-Band den Champion-Belt hochhält, gewann die Siegener Underdog-Legende ACCU§ER haushoch (!!!) gegen die Schweden DARKANE. Während letztere mit irritierenden Soundproblemen zu kämpfen hatten, aber auch abseits davon nicht so wirklich überzeugen konnten, begeisterten ACCU§ER mit einer höchst agil abgehenden, Hits bietenden (z.B. 'Who Dominates Who') Killershow, die mich dazu veranlasst, mir ihr kürzlich veröffentlichtes neues Album und einiges vom Backcatalogue zeitnah doch noch mal zuzulegen. Total geil, wirklich.
Der Rest ereignete sich wie erwartet: Die Lokalmatadoren THE VERY END bieten bei einem Bierchen im Freien auf so einer Veranstaltung wie gewohnt beste Unterhaltung, während DEBAUCHERY (O-Ton Kumpel: „Six Feet Under für die deutsche Landbevölkerung“) irgendwas zwischen komplett peinlich und „kann man als stumpfes Klischee-Entertainment so gerade eben noch mal durchgehen lassen“ sind. SKELETONWITCH werde ich nach wie vor nicht auf Konserve brauchen, live ist das Ganze aber doch immer wieder ein ziemliches Fest. Ähnliches gilt für WARBRINGER. Letztere haben vor allem verstanden, was zu Thrash Metal alter Schule zwangsläufig dazugehört: Weiße Klotzturnschuhe und Tennissocken. So muss das aussehen und nicht anders!
Ach ja, GRAND MAGUS waren auch noch dabei. Obwohl (vielleicht auch weil) der pathetische Heavy/Doom Metal schon ganz schön nah an so was wie „Bikerrock“ ist, kann man sich das Trio ja eigentlich ganz gut geben, irgendwie ist ihre Musik aber trotzdem mit diesen ganz schön klischeetriefend ausholenden Gesten derart „alte Cheese-Schule“, dass es mir nicht so richtig gelingen mag, das Dargebotene 100%ig für voll nehmen zu wollen.
Nettes Wochenende zum Metal Open Air-Saisonabschluss! Und jetzt geht’s in den Winterschlaf (bzw. bald schon wieder nach Essen zum zweitägigen Indoor-Event mit Postrock, Dronedoom und Sludgecore …).

Dienstag, 7. September 2010

Album-Streams!

"Kurz notiert" – Relapse Records‘ Streams Edition:

- Das Debüt der hier bereits erwähnten, irgendwie kruden Experimental-Supergroup THE HIGH CONFESSIONS kann man übrigens unter diesem Link bei lastfm komplett streamen. Zur Erinnerung, hier machen Sonic Youth-Drummer Steve Shelley, Industrial-Szenegröße und Alternative-Singer/Songrwiter Chris Connelly und der in der aktuell hippen Doom’n‘Sludgecore- und Post-(Black) Metal-Szene umtriebige Multiinstrumentalist, Studiotüftler und Mietmusiker Sanford Parker gemeinsame Sache. Das Ergebnis klingt interessant und ein zweites Album soll bereits in der Pipeline sein.

- Auch vom neuen Werk der technischen Death’n’Grind-Sickos CEPHALIC CARNAGE kann man bei lastfm alle Songs als Stream hören. Hier hinterließen mich erste Testanläufe bisher etwas unschlüssig. Irgendwas scheinen die bekennenden Cannabis-Abuser dieses mal anders gemacht zu haben, auch wenn ich das noch nicht ganz benennen kann.

Montag, 6. September 2010

Mares Of Thrace - The Moulting

Das MARES OF THRACE Debüt-Album „The Moulting“ ist einer dieser gelegentlich mal vorkommenden Fälle, wo ich ein bereits fertiggestelltes Review dann doch wieder verworfen habe, weil mir mein eigenes Blafasel einer in den szenischen Kontext gesetzten, epischen Schlaumeier-Analyse dann sogar selbst auf den Sack ging. Sowas ist, wenn man mal ehrlich ist, zudem auch schlicht und ergreifend zu viel Bohai um ein zwar sympathisches, dabei aber weder weltbewegendes, noch makelloses Debüt.
Stattdessen doch lieber mal wieder so knapp, sachlich und trocken wie möglich: Das kanadische Frauenduo stammt ursprünglich mehr so aus der Hardcore/Punk-Ecke, macht mit diesem neuen Projekt aber nun eine Kurskorrektur in Richtung zeitgenössisch angesagter Beardo-Musik. Was dabei herauskommt, ist eigentlich ein ganzes Stück weniger „Doom“ aber doch ein bisschen mehr „Metal“, als die sich wohl betont als Avantgardepunk verstehenden Damen das vermutlich gerne hören, schlecht oder uninteressant ist es deswegen aber noch lange nicht. Man fühlt sich bei der Sludgecore-artigen Musik durch die Duo-Formation mit Frauen-Gesang/Gebrüll/Geschrei an Jucifer erinnert (auch: Dark Castle, ... Kylesa), auf der anderen Seite wird dabei aber einfach nicht nur drauflosgebollert, sondern handwerklich doch etwas verspielter, ja regelrecht schon technisch zu Werke gegangen. Gerade die Schlagzeugerin versucht mit betonter Spielfreude oft, mehr als eine einfache Rhythmus-Grundlage drunterzulegen, was bei einem eh verstärkt aufs Drumming achtendem Amateurtrommler wie mir zwangsläufig Pluspunkte bringt.
Und auch wenn MOT's Mischung aus manchmal nicht ganz perfekt inszeniertem, räudigen Sludgemetal-Gerumpel und dezenten Mathrock-Tendenzen nichts irgendwie aufregend frisches bietet, positionieren sie sich im Wust der aktuell angesagten Welle an alternativmetallischen Krachmachern um dort stetig zusammenrückende Eckpfeiler wie Stoner, Prog, Crust und Noiserock damit so gerade eben noch in einer Nische mit eigener Identität.
Wer von Bands wie Jucifer, Kylesa, Bison BC, Keelhaul, Unsane, Dÿse, Gallhammer, Akimbo oder Black Cobra nicht genug bekommen kann, und dabei vor allem eher auf authentischen DIY-Charme als perfektionistische Plastikproduktionen steht, der sollte auch bei MARES OF THRACE unbedingt mal ein Ohr riskieren und wird es nicht bereuen. Wer dieser Schiene schon längst überdrüssig ist und eher nur höchst ausgereifte Klassiker quintessenzieller Genrespeerspitzen auf den Plattenteller oder iPod lassen möchte, der braucht „The Moulting“ eher nicht.
Ich persönlich bin gespannt, was von dieser Band noch so kommen mag, sollte sie es mal über ihren aktuellen Status einer regionalen Sensation hinausschaffen. Dem sollte aber alleine aufgrund des Frauenquotenbonus eigentlich nix im Weg stehen …