Montag, 31. Mai 2010

Aktuelle Kleinformate

Gerad‘ reingekommen, zwei neue EPs:

CYNIC – Re-Traced
Irgendwie sind CYNIC ja schon eine seltsame Truppe. 1993 erschien "Focus" als zunächst einziges Album einer aus der essenziellen Death Metal-Szene Floridas entsprungenen Band (Ex-Mitglieder von Death, Atheist und Pestilence), auf dem Grunz-Vocals, Doublebass-Gekloppe und Metal-Riffs in einer bis heute nahezu einzigartigen Mischung auf Jazz/Fusion/Prog-Versatzstücke und Gesang mit futuristisch anmutendem Vocoder-Effekt trafen. Ein Jahr später löste sich die Combo auf, um erst 2008 unerwartet wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Das zweite Album "Traced in Air" fuhr die von damals bekannten Trademarks dann in einer, man möchte schon sagen, insgesamt doch etwas "poppigeren" Inszenierung zusammen.
Mit "Re-Traced" gibt es vorm angekündigten nächsten Album schon mal eine EP, auf der neben einer neuen Nummer vier Songs vom Vorgängerwerk noch mal neuinterpretiert und erneut eingespielt wurden. Dabei ist dann der Grad an metallischer Härte beim neuen Track ‚Wheels Within Wheels’ schon ziemlich, und bei den vier Neuinterpretationen sogar komplett runtergeschraubt worden. Sanfter Eso-Progrock, der ohne Frage gut gemacht und nett anzuhören ist, bei dem aber irgendwie der falsche Bandname auf dem Cover steht. Komischer Zufall, dass dieses Jahr ebenfalls ein neues Album der ähnlich gearteten Ableger-Band Æon Spoke erscheinen soll …

JEX THOTH – Witness
Interessant, wie sich beim weiterentwickeln und verschieben musikalischer Präferenzen und dem, was so neu in die Szene(n) gespült wird, auf einmal wieder Umstände ergeben, mit denen man selbst nicht so wirklich gerechnet hätte. Ich persönlich hätte z.B. noch bis vor kurzem nie damit gerechnet, noch mal Musik mit starken Retro-Tendenzen gut zu finden, die ferner auch bei RockHard-Chefredakteur Götz Kühnemund auf große Gegenliebe stößt - mit dem ich, geschmacklich wie „attitüdisch“, bis auf ein paar musikhistorisch essenzielle Eckpfeiler a la Celtic Frost nun wirklich nicht sooo viel gemein habe. Aber JEX THOTH ist so ein Fall. Neben den derzeit regelrecht gehypeten The Devil’s Blood scheint auch diese junge Band aus San Francisco fast wie eine Reinkarnation des „Occult Rock/Proto-Doom“-Originals Coven und ragt damit ironischerweise mit unverbrauchter Frische aus dem aktuellen Wust an zeitgenössischem Stoner-/Sludge-Kram und schwarzmetallischem heraus, passt irgendwie aber als Ausnahmeerscheinung doch schon wieder super mit in eben dieses Szenebild.
Die von Spät60er/70er-Stilmitteln geprägte Musik ist dabei aber vor allem eine erdig groovende Grundlage für die sehr angenehme Stimme der namensgebenden Frontfrau Jex, die wirklich großartigst schöne, packende Melodien schmettert. Auf „Witness“ tut sie das bei zwei neuen Eigenkompositionen und einem Coversong des deutsch-englischen Experimental-Pop-Projekts Slapp Happy (‚Mr. Rainbow‘). Das ist quantitativ ein bisschen wenig, aber in wenigen Wochen wird ja außerdem mit „Sabbath Assembly“ ein weiteres Projekt von ihr kommen…

Freitag, 28. Mai 2010

Menschen müssen weg!

Die Feststellung, dass das eigenproduzierte Album „Menschen müssen weg“ der schier großartigen, spaßbetonten Grind-/Metal-/Hardcore-Band STEVE AUSTIN, benannt nach dem "6 Mio. Dollar Mann" und personell u.a. verbandelt mit Paderborn’s finest Hardcore Act WOOF, sowie den derzeit in der Metal-Szene doch ziemlich angesagten BLOODWORK, komplett frei zum Download bei lastfm steht, war mir gerade einfach mal einen Hinweis wert.

Link: STEVE AUSTIN - Menschen müssen weg (via lastfm.de)

Persönliche Anspieltipps: Emolappen, Eingelocht 3 - Der Indianer war da, Ich fresse nix was kein Gesicht hat, Maulmosh, Ich äähh...äähh...Hänz, Märchenmetal, Menschen müssen weg!, Mistgabel vs. Gesicht.

PS: Vom Track ‚Maulmosh‘ schraubte kein Geringerer als der Verfasser dieser Zeilen einst einen albernen LoFi-BigBeat-Remix zusammen. Bei Interesse krame ich den mal wieder hervor …

Donnerstag, 27. Mai 2010

kurz notiert

  • Ich muss gestehen, mich beim kürzlich erstmaligen Hören von BLACK COBRA’s angeblich bestem Album „Bestial“ irgendwie ein bisschen kalt gelassen gefühlt zu haben. Das derzeit omnipräsente Sludge/Stoner-Etikett hat mich wohl inzwischen tatsächlich schon sooo übersättigt, dass ich auf eine leicht verspielte, zugänglich-rockige Variante von EyeHateGod nicht so richtig Bock habe, auch wenn man sie mir von mehreren Seiten, direkt oder indirekt, als gerade gut passend nahelegen will…
  • Ebenfalls nicht so richtig Bock scheine ich im Moment auf Grindcore-Geballer zu haben, denn ich bin noch nicht hektisch losgerannt, mir mal die aktuellen Scheiben von MISEREY INDEX und LENG TCH’E zu besorgen. Mal sehen, wann und ob ich mir diese aktuellen Blastbeat-Brutalitäten demnächst doch noch zu Gemüte führe. Schließlich naht auch das grandiose Death Feast Open Air gerade terminlich, auf dem letztgenannte spielen …
  • Woran ich in letzter Zeit allerdings verstärktes Interesse habe, sind Projekte wie MENACE RUINE, oder die gerade erst aufgelösten VELVET CACOON und deren frischer Nachfolger CLAIR CASSIES. Eine interessante Randerscheinung ist dabei wohl auch die gefühlt inflationäre Häufung von Pärchen-Bands - siehe musikalisch artverwandte Referenzband-KollegInnen wie NADJA und THE ANGELIC PROCESS (R.I.P.), oder auch Abrockduos wie JUCIFER und DARK CASTLE. Womit die Emanzipation wohl endgültig in der „Männerdomäne Krach“ Einzug erhalten haben dürfte, ferner der Begriff „hausgemacht“ auch eine völlig neue Bedeutung erfährt …

Okay, okay.

Inzwischen habe auch ich es kapiert und gestehe es ein: Sowohl THE RUINS OF BEVERAST als auch VERDUNKELN (beide aus der Aachener „Wod-Van“-Clique) können verdammt noch mal so ziemlich einiges. Zusammen mit den niederländischen URFAUST ragen diese beiden Bands (von denen Musiker auch beim Rohgeknatter GRAUPEL bzw. den legendären NAGELFAR spielen bzw. spielten) derzeit als europäische Speerspitze tiefschwarzer Metal-Kapellen heraus, die eine progressive und experimentelle Herangehensweise an ihr Genre wagen, um ein Maximum an dunkler Atmosphäre herauszuholen.
Klar dürften eher BM-unaffine Menschen hier über das Drumherum mitunter schmunzeln und/oder den Kopf schütteln. Was die Musik betrifft, so muss man allerdings einfach mal neidlos anerkennen, dass besagte Kapellen mit ihrem mitunter eher doomig tönenden Freistil-Schwarzmetall tatsächlich einen frischen Avantgarde-Wind in die ansonsten schmerzlich stagnierende Welt des düsteren/extremen Metals bringen.
Nicht schlecht, wirklich. Ganz und gar nicht …

Mittwoch, 26. Mai 2010

Krass ...

Die durch eine Front-Schreierin/Gitarristin kleinen Exotenbonus genießende, das volle Klischee-Komplettprogramm auffahrende Black Metal-Band DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT aus Hagen, über die ich schon vor ca. zehn Jahren erstmals im Extrem- und Düster-Metal-Fanzine eines Kumpels stolperte, ist jüngst inkl. erster Live-Auftritte und Hyperei auf einschlägigen Blogs in den USA angekommen. Sachen gibt’s ...

Dienstag, 25. Mai 2010

October File - Our Souls to you

Auf ihrem 2004er Debüt „A Long Walk on a Short Pier” waren OCTOBER FILE noch so etwas wie eine Post-Hardcore-Band. Ihre Ecken und Kanten, lärmigen Momente und schräg-atmosphärischen Versatzstücke brachten ihnen aber schon damals Vergleiche mit Big Black oder Killing Joke ein. Zwei EPs später war die Band dann bei einem aggressiven Monstersound angekommen, der vielleicht nicht den Tiefgang von Killing Joke aufweisen konnte, aber doch wie eine angepisste Dampframmen-Variante eben dieser klang.
Ihr „Holy Armour From the Jaws of God” war dann 2007 tatsächlich mein meistgehörtes Album, das mir etliche Joggingrunden durch Herbstkälte und Dunkelheit einen bissig anstachelnden Soundtrack irgendwo zwischen Hardcore, Noiserock und Industrial-Metal lieferte.

Viel hat sich auf dem neuen Werk „Our Souls To You“ nicht wirklich geändert. OCTOBER FILE sind so eine Band, die – so abgedroschen das klingen mag – man entweder nur total Scheiße finden kann, oder in dessen wütend lärmenden Stil man förmlich aufgeht. Zugegeben: Es gibt einiges, woran man sich stoßen könnte. Der bemüht raue Brüllgesang z.B., oder auch ein gewisser Grad an ermüdend geradliniger Stumpfheit, mit dem das Songmaterial schon mal rausgekloppt wird. Das wiederum empfinde ich im Gesamtpaket mit den ultrabrachialen, irgendwie dissonant-atmosphärischen Gitarrenspuren dann allerdings mitunter als das Salz in der Suppe, das diese Chose funktionieren lässt. Denn OCTOBER FILE sind eben nicht die hundertste, glatt inszenierte Bollercombo für die Moshpit-Party, sondern bieten eine (un)angenehm raue Oberfläche. Sie strahlen wirklich eine destruktive, apokalyptische Stimmung aus. Und haben irgendwo zwischen Hardcore, maschinell anmutendem Geballer der Marke Ministry, verzerrt-wuchtigem Lärm a la Unsane, und einer gleichermaßen Krach, Schrägheit und dunkle Atmosphäre aufweisenden Eigensinnigkeit, die vor allem an (wie schon erwähnt) Killing Joke und außerdem Voivod (da v.a. zu Eric Forest-Zeiten) erinnert, eine recht unbesetzte Nische gefunden. Und in jener ist der weite Schatten werfende Energielevel der Band absolut beachtlich.

Die gaaanz große Begeisterung hält sich dieses Mal zugegeben ein wenig in Grenzen, „Our Souls to you“ hat aber dennoch ein paar herausragende Momente, wie z.B. den Refrain der fast 10minütigen Monsternummer ‚Dredge‘.
Unterm Strich kann ich jeden verstehen, der hiermit – aus welchen genauen Gründen auch immer – überhaupt gar nichts anfangen kann. Und es wundert mich daher auch nicht, dass es die Band bisher noch zu keinem Publikums- und Presseliebling geschafft hat. Was für den Einen an dieser Combo eher zu stumpf und altbacken klingen dürfte, könnte der Nächste auch schon wieder als ganz schön far out empfinden.
Ich persönlich bin wohl für die allgemeine Untergangsstimmung, die OCTOBER FILE im Sound und auch den Lyrics mit kalter Härte ausstrahlen, einfach höchst empfänglich und damit regelrecht allein auf weiter Flur.

Die Scheibe kommt übrigens als DoCD daher. CD 1 enthält das Album mit der „wie gewohnt“ klingenden Produktion von John Mitchell. CD 2 ist dann das Ganze noch mal (abzüglich des eh verzichtbaren Schluss-Tracks) in einem Mix von Justin K. Broadrick (Godflesh, Jesu), der dem Material einen übersteuert scheppernden Garagen-/ Migräne-Sound verpasste, bei dem die Ohren bluten und eitern! Auch wenn letztgenannte Produktion eine interessante Inversion zu der auf CD 1 ist - da nicht nur die Drums natürlicher und unaufdringlicher inszeniert, sondern auch die Vocals etwas aus dem Vordergrund genommen wurden - kommt die Abmischung von Broadrick eher als etwas für Masochisten und Tinnitus herausfordernde Noise-Fetischisten daher.

Mittwoch, 19. Mai 2010

…so darf man als Musikmanager natürlich nicht denken.

Hinter diesem Link verbirgt sich ein sehr lesenswertes Interview mit Patrick Wagner, ehemaliger Kopf der 90er-Indie-Verquerrock-Ikone Surrogat und ehemaliges Zahnrad im Musikbusiness-Getriebe, der uns über seine Erfahrungen mit der Inudstrie, Zukunftsvisionen des Musikmarktes, und seine Haltung zur Musik teilhaben lässst.

Montag, 17. Mai 2010

Melvins!

Seien wir mal ganz ehrlich: Die Videosingles vom '93er MELVINS Milestone „Houdini“ können ja auch 17 Jahre später immer noch alles(!):



Sonntag, 16. Mai 2010

R.I.P. Ronnie James Dio




Exodus - Exhibit B: The Human Condition

Mehr eine kurze Zurkenntnisgabe, als ein tatsächliches Review: Da wo nicht nur ich EXODUS' „The Atrocity Exhibition... Exhibit A“ mit seiner unerträglich gekünstelt wummsenden Sneap-Produktion und ziellos in der Gegend rumriffenden Nicht-Songs als ziemlich verzichtbar fand, da scheint sich die, wie gewohnt seit eh und je von turbulentem Line Up-Hickhack geplagte Band um Gitarrist Gary Holt beim Sequel „Exhibit B: The Human Condition“ wieder gefangen zu haben. So eine Hitplatte wie „Tempo of the Damned“ ist das aktuelle Werk zwar wieder nicht, aber doch haben die Bay Area-Originale hier noch mal den Bogen gekriegt. Die Produktion klingt im Gegensatz zum thematischen Vorgänger (dazwischen kam ja noch eine Neuaufnahme des Debüts raus) weitgehend angenehm naturbelassen, und auch das Songmaterial hat wieder so manch mitreißenden Moment.
Der absolute Oberknaller ist „Exhibit B....“ , das weiß ich schon nach nicht mal kompletten Hörproben mit ziemlicher Sicherheit jetzt schon, nicht so wirklich, aber im Gegensatz zum ersten Teil geht doch wieder so einiges.
Als Thrash-affiner Hartmusikliebhaber sollte man da durchaus mal wieder ein Öhrchen riskieren ... ich wollt's halt nur mal gesagt haben.

Samstag, 15. Mai 2010

Darkthrone – Circle the Wagons

Jaja, ich weiß, ich bin damit spät dran, aber ich wollte es dann doch auch mal eingestehen: Mit diesem kruden Mix aus Einflüssen der alten Schule sowohl des Punk/Hardcores, als natürlich auch des Metals, den das norwegische „Kvlt“-Duo hier in seinem ureigenen Schraddel-Sound hingelegt hat, ist DARKTHRONE ein weiteres eigensinniges Unikat und mitreißendes Landmark ihrer mittlerweile u.a. 14 reguläre Longplayer umfassenden Discographie geglückt. Sie kriegen es hin, Elemente der NWOBHM mit HC-lastigem Riffing (das vor allem bei Songs aus Fenriz' Feder), klaren Gesang hochtradtioneller Metal-Melodylines mit dem bösen Aufstampfen einer gelegentlichen Celtic Frost-Kante (letztere ist vor allem bei Songs, die Nocturno Culto geschrieben und eingegrölt hat mehr als deutlich), und das, was man von ihnen gewohnt ist mit dem, was man nicht erwartet hatte in neun knackigen Songs mal eben mit einer ungeniert-unbekümmerten Naivität, simpel-kompakten Herangehensweise, und Mittelfinger ausstreckender Unverfrorenheit unter einen Hut zu bringen.
Man muss sich der Tatsache bewusst sein, nicht wirklich zur angepeilten Zielgruppe zu gehören, wenn Fenriz aus voller Überzeugung eine etwas einfältig-klischeehafte Textzeile wie „Destroy the modern Metal and bang your fuckin' head“ schreit, aber das ist eben genau das, was DARKTHRONE ausmacht: Sie sind „echt“, bodenständige Überzeugungstäter, schwimmen nicht nur einfach mit oder gegen den Strom, sondern quer in die Richtung, nach der ihnen gerade spontan ist, und scheißen dabei auf sämtliche Etikette, zeitgenössische Trends und alberne musikszenische Reinheitsgebote, denen sich Andere unterwerfen.
Das, meine Damen und Herren, nennt man eigentlich Punk-Attitüde. Sowie Originalität. Und so verwundert es nicht, dass diese Band jüngst vor allem bei so gegensätzlichen Polen wie nur Old School Gerumpel und „wahren Metal“ in den Playern lassenden, ultra"trve“en Kuttenträgern, sowie alternativen Musikverstehern, die sich das Ganze zwischen Pink Floyd, Fugazi, Big Black, Black Flag, Sonic Youth, Slayer, Slowdive, Sunn o))) und Sigur Rós in die Sammlung schieben, angesagt ist.
Und die Ironie des Ganzen: Man nimmt die norwegische Black Metal-Elite dabei als hochsympathische Band wahr. Wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht ...

Ufomammut - Eve

Die Spatzen pfiffen schon von den Dächern: „Eve“, das neue Werk von UFOMAMMUT, ist das Doom-Paralleluniversum des Jahres, in das es einzutauchen gilt. Sleep's „Jeruslem“ bzw. „Dopesmoker“ in der modernen Neurosis-Version. In fünf einfach nur römisch durchnummerierten Tracks wagen sich die Italiener an ein dreiviertelstündiges Gesamtwerk, das psychedelische Schweberei und brachialmetallische Wucht vereint.
In den UK wurde es bereits veröffentlicht, hierzulande kommt es in Kürze erst noch offiziell, reinhören kann man allerdings bereits über einen Komplett-Stream auf der Labelseite.

Und – ganz ehrlich? Ich weiß ja nicht. Grundsätzlich stehe ich ja sehr auf Alben, die wie dieses eine nahtlos zusammenhängende Symphonie, statt einer einfachen Aneinanderreihung von einzelnen Songs sind. Der monolithische Sound von UFOMAMMUT, mit dem sie von ruhig bis massiv und laut relativ spannend atmosphärische Songaufbauten hochziehen, ist prinzipiell ja ebenfalls schon irgendwie mein Ding. Ein mal angefangen reinzuhören, muss man das dann auch tatsächlich bis Ende durchziehen. Wenn „Eve“ dann allerdings verklungen ist, beschleicht mich das Gefühl davon unterm Strich nichts nachhaltiges bekommen zu haben. Kompositorisch riecht das Ganze, sofern ich das nach bisherigen Eindrücken beurteilen kann, eigentlich nach einer ziemlich lauen Luftnummer. Pointless. Sowohl die potenziellen Möglichkeit eines „1-Song-Album“-Rahmens wurden etwas verschenkt, wie auch einzelne Passagen einfach als nichts sonderlich einfallsreiches aus den Boxen tönen. Das Epische, das Atmosphärische, die Wucht, der Klang des Ganzen im allgemeinen täuschen irgendwie darüber weg, dass sie an sich schon alles sind, was „Eve“ ausmacht, während sich die musikalische Substanz darunter ein wenig in Grenzen hält.

Wirklich schlecht ist dieses Album zwar nicht, leidet mit Sicherheit auch etwas an dem Sludgecore/Post-Metal/Doom-Hype der letzten Jahre und seinem diesbezüglich etwas spätem Veröffentlichungszeitpunkt, aber ich bin mir jetzt schon ziemlich sicher, das Teil selbst nach zwei weiteren Testanläufen (die ich dem wohl noch gönnen möchte) unter „solides Mittelmaß in einer derzeit übersättigten Ecke“ abzuheften.

Freitag, 14. Mai 2010

Buzzard

Auf die Band BUZZARD und ihr Album „Churp!!!“ habe ich hier zwar schon mal hingewiesen, bin aber durch einen Zufall jetzt erst darüber gestolpert, dass nicht nur besagtes Album aus dem Jahr 1993, sondern auch die 1998 aufgenommene Rarität unter dem sperrigen Titel „Exercises & Transmutations of the Applicable Techniques for the Chrome-Plated Mystical Squeegie of Destiny“ mit ausdrücklicher Erlaubnis des Band-Mainmans über einen Fan-Blog als Download im Netz zu finden ist.

Also, auf ein neues: Als '93 „Churp!!!“ über das primär für Doom Metal bekannte Label Hellhound erschien, kam man in der Fachpresse a la RockHard erst mal nur überfordert kopfkratzend mit Watchtower-Vergleichen um die Ecke. Das Album fährt zunächst 5-6 Songs, an sich schon nicht ganz gewöhnlichen Progressive Metals auf, der sich leicht verbreakt und technisch versiert durch traditionelle Metal-Stilarten von Doom bis Thrash spielt, inkl. dazu passendem Sänger. Auf Seite 2 der Platte entartet das Ganze dann allerdings rein instrumental in einem entrückten Space-Metal/Free-Jazz-Fusion–Frickelwahnsinn inkl. Saxophon-Einsätzen, der aus der Metal-Schublade völlig ausbricht.

Ein zweites, oben erwähntes Album wurde eigentlich nie wirklich so fertiggestellt, wie ursprünglich mal vorgesehen, irgendwann aber doch noch mal mit Improvisationstalent rundgemacht und eine Dekade später semi-offiziell veröffentlicht. Dabei sind die 28 Tracks, aus denen das Ganze mit einer Gesamtspielzeit von nicht mal 20 min. besteht, wie schon die zweite Hälfte des Vorgängers eher als zusammenhängendes Gesamtwerk, denn als lose Song-Sammlung zu sehen.

Was genau diese künstlerisch hochambitionierte Band, die z.B. auch von Mastodon gerne mal als Wegebereiter des eigenen Stils betont und gewürdigt wird, so dermaßen in der Versenkung verschwinden ließ – keine Ahnung. Kurioserweise wurden BUZZARD von Gitarrist und Bandkern Patrick Walsh nämlich eigentlich auch nie wirklich aufgelöst, sondern treten in den Staaten hier und da tatsächlich sogar immer noch live auf – allerdings als reine Hobbysache nur sporadisch nach Lust und Laune.
Für Freunde von aktuellen Bands wie Mastodon, Keelhaul, Shining (No), Dÿse, vielleicht sogar Nevermore (zumindest die erste Hälfte von „Churp!!!“), auf jeden Fall aber auch z.B. Zu, Dysrhythmia oder Mr. Bungle (da dann wieder die zweite…), dürften BUZZARD als musikhistorische Obskurität jedenfalls eine hochinteressante Sache sein, die nachzuholen sich wirklich lohnt. Für Anhänger von Watchtower, Cynic, oder früheren Maudlin ot the Well, die bisher noch nie davon gehört haben, erst recht.

Beide konservierten Werke der Band gibt es, wie gesagt autorisiert, beim Blog „The Metal Files“ zum freien Download:
BUZZARD – „Churp!!!“ via themetalfiles
BUZZARD - „Exercises & Transmutations of the Applicable Techniques for the Chrome-Plated Mystical Squeegie of Destiny“ via themetalfiles

Donnerstag, 13. Mai 2010

Kayo Dot

Bevor Ihr es von jemand anderem erfahrt, auch wenn es für den einen oder anderen ein natürlich eher schon ziemlich alter Hut ist: Ein kleiner Hype, der jüngst in entsprechenden Mags und Blogs bis an den Rand der Metal-Szene getragen wird, sind die bereits seit mehr als 10 Jahren aktiven KAYO DOT, deren aktuelles Album „Coyote“ gerade über Hydrahead veröffentlicht wurde und allgemein ziemlich gut anzukommen scheint.

Hinter besagtem Projekt steckt im Übrigen Toby Driver, den man auch von den „Avantgarde-Metallern“ maudlin of the Well kennt. Der auffällige musikalische Ansatz von KAYO DOT's „Coyote“ besteht allerdings vor allem darin, nicht die E-Gitarre als zentrales Instrument einzusetzen, sondern mit Streichern und Bläsern zu arbeiten, unterstützt durch eine Rock-Rhythm Section. Das Ergebnis ist interessante, eigenständige Modern-Fusion-/Kammermusik, die nur sehr bedingt in den „Post-Metal“-Rahmen passen will, in dem sie gerade mitunter stattfindet.

Kompletten Albumstream gibt es hier.

Dienstag, 11. Mai 2010

Lair of the Minotaur - Evil Power

Witzig an LAIR OF THE MINOTAUR finde ich persönlich ja, dass sie schon früh von Wellen der von (O-Ton Visions:) „DIY Ethos“ geprägten Stoner/Doom/Post- Metal-Strömung mit angespült wurden – der erste Drummer der Band spielt(e) auch bei Pelican, vertrieben wird man über Southern Lord, tourt mit Kapellen wie Kylesa und Torche – dabei aber mitunter so tief in die Metal-Klischeekiste greifen, dass viele auf die Combo abfahrende Sludgecore- und Postrock-Hörer normalerweise eher wegrennen würden.

Der rüpelhafte Stil des Trios steckt mit min. einem Bein bis zur Hüfte im Thrash Metal, Albumcover, Songtitel und -texte triefen mitunter nur so vor Genre-typischen Albernheiten, und wenn man sich ein Video wie dieses anschaut ...



... möchte man sie erst recht mit Manowar, Kreator, Debauchery und Immortal aufs "Bang your Head in Balingen" oder "Keep It True"-Billing packen.


Dass man der Band im RockHard schon bei der letzten Scheibe eine Infektion durch den „Celtic-Frost-Virus“ vorwarf, passt wie die Stahlhandschuh-Faust aufs Auge, kam auch mir diese Assoziation beim ersten Durchlauf ihres aktuellen Albums „Evil Power“. Jenes ist zwar nicht so gut wie manch anderes, das von LOTM schon rausgehauen wurde („The Ultimate Destroyer“, 2006), aber die prollige Mixtur aus humorlos rübergebrachtem und (vermutlich) doch irgendwie augenzwinkernden Rumreiten auf altehrwürdigem Slogans und einem, trotz allem Thash-Geriffes, eher in der Sludge-Ecke steckendem Rumpeldröhn-Sounds ist schon irgendwie ein herrlich skurriles Unikat mit gewissem Neandertal-Charme. Der, um schon wieder zurückzurudern, im Fall von „Evil Power“ nicht immer 100%ig aufgeht. Mit einer irgendwie kruden Produktionen haben einige Songs einen sogar stärkeren Schweinerock/Crustcore- als Metal-Vibe, wannandermal ergehen sich LOTM dann aber doch wieder in Blastbeat-Gehacke an der Grenze zu Hellhammer'schen Proto-Black/Death Metal oder ausgiebigen Doublebass-Speed Metal. Nummern wie der Hit der Platte, 'Let's kill these Motherfuckers', kann man dabei in alkoholgeschwängerter Partyrunde zwar mit Sicherheit ziemlich gut samt Faust in der Luft erheitert mitgrölen, in seiner nüchternen Tagsüber-Geheimidentität als Schöngeist of Wealth and Taste dann aber auch wieder einfach nur unfassbar stumpf und einfältig finden, textlich wie musikalisch.

Zwiespältige Sache. Leute, deren Lieblingsbands um Eckpfeiler wie High On Fire, Zeke und Exodus kreisen, die eher auf das roh-unverfälschte von „Kill 'em all“ als auf das ambitionierte und klinische von „... and Justice for all“ stehen, für die könnte „Evil Power“ eine sehr kurzweilige Platte sein. Wer an seinen Metal aber mit gewissen ästhetischen Ansprüchen geht, für den könnten LAIR OF THE MINOTAUR hier allerdings auch eher den allerletzten Rotz abgeliefert haben ...

Reinhören kann man auf der Homepage der Band.

Samstag, 8. Mai 2010

Agrimonia

AGRIMONIA kommen aus Schweden, sind wohl irgendwie in der dortigen Crust-Szene verwurzelt, haben eine Frontfrau und fahren auf ihrem selbstbetitelten Debüt vom letzten Jahr einen simplen, aber interessanten Stil auf. Interessant, weil es einer dieser Fälle ist, wo einem auf dem Papier viele Assoziationen zu etwas einfallen, das eigentlich weitgehend straight und einfach nach vorne rollt, aber in mehrere Schubladen passt.
Um mich mal an dem zu orientieren, wie andere die Combo schon einzutüten versuchten: Der dieser Tage inflationäre Begriff „Sludgecore“, mit „Doom“ zur rechten und „Crust“ zur linken? Ja doch, da sind Parallelen da, wie die Band recht räudig und dreckig groovet und die Dame dazu derbe growlt. „Melodic Death Metal“ und „Black Metal“? Einflüsse skandinavischer Metal-Schulen (Göteborg, Oslo) sind definitiv nicht zu verneinen, ferner auch die britische nicht (Bolt Thrower, spätere Carcass), gerade in der gerne mal ein bisschen ins melodiöse driftenden Gitarrenarbeit. Dazu gehören u.a. auch Akustik-Parts und Metal-typische Leads. Atmosphärische Passagen, wegen denen man auch noch eine „Postrock“-Kante anheften könnte/würde/möchte? Check! Hardcore? Selbst das, irgendwie.
AGRIMONIA kriegen es hin, ein interessanter Hybrid aus allem, was irgendwann vor kurzem mal angesagt war oder jetzt gerade noch ist zu sein, ohne sich irgendeinem Trend tatsächlich anzubiedern. Ihr Stil ist recht facettenreich, kommt aber doch sehr homogen, einfach und schlüssig daher. Sie sind, um es über die Frauenquote zu definieren, irgendwie wie das skandinavische Gegenstück zu Kylesa. Da wo Besagte EyeHateGod und Pink Floyd in ihrem Stil unter einen Hut bringen, schaffen AGRIMONIA eine Fusion aus Dissection, Bolt Thrower etc. auf der einen, und Neurosis, Celeste und co. auf der andern Seite. Fast schon wie eine Quersumme aus allen Bands, in denen der von Crustgepolter über Melo-Death bis Psychedeliccore alles machende Landsmann Tompa Lindberg mit(ge)wirkt (hat). Und das Ergebnis könnte dabei meiner Meinung nach sogar genauso Leuten gefallen, die sonst eher auf Arch Enemy und Heaven Shall Burn abfahren, wie Spezialisten auf dem Weg zum neusten Kick, bei denen vor allem Veröffentlichungen von Plattenfirmen wie Relapse, Hydrahead, Profound Lore, Neurot und so weiter in der Sammlung stehen. Eine Band, die Wacken- und Party.San-Gänger mit Roadburn- und Denovali Swingfest-Pilgerern einen könnte (und ich bitte darum, diese zugegeben etwas überzogene Lobhudelei mit einem entsprechenden Augenzwinkern zu verstehen).
Und das beste: Die insgesamt 55 Minuten dauernden fünf Songs des Debüts kann man bei Moshpit Tragedy sogar für lau runterladen (oder bis zu 10$ dafür bezahlen), um mal reinzuschnuppern.
Auf jeden Fall präsentieren sich AGRIMONIA bereits auf ihren Debüt als ziemlich runde und mitreißende Sache, von der ich zukünftig sehr gerne noch mehr hören möchte!

Donnerstag, 6. Mai 2010

Hahaha!!

Hahaha Haha Hahahahaha, Belladonna is back (again!), hahahahaha!

Dienstag, 4. Mai 2010

Puh…

…eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier mal zu beleuchten und analysieren, wie und warum genau eigentlich gerade Stonerrock, Doom Metal und Sludgecore, Avantgardelärm und Drone, sog. Postrock und auch noch Black Metal logisch in eine Schublade passen und das derzeitige Szenebild abseits der abgelutschten Hauptströmungen an Liebhaber-Gitarrenlärmmusik als auf den Zenit zusteuerndes Ding der Stunde prägen, Phil Anselmo, Tom Warrior und Fenriz mit in die Gleichung bringen, ferner danach spekulieren, was wohl neben Blackened D-Beat und Contemporary Dark Jazz dann noch so kommen mag, aber will das denn eigentlich wirklich jemand lesen?

Sonntag, 2. Mai 2010

Wolvhammer

Wie sich die derzeitigen Strömungen der mehr oder minder alternativen Ecke der Metal-Szene in letzter Zeit so entwickelt haben, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Bands wie WOLVHAMMER auf der Bildfläche auftauchen. Denn ihr Stilgebräu ist bezeichnend - sind sie ziemlich fies irgendwo zwischen Sludgecore- und Black Metal-Einflüssen mit einer Extra-Portion Crust unterwegs. Jemand anders bezeichnete bereits Celtic Frost, Darkthrone und Eyehategod als Eckpfeiler ihres Sounds, und das trifft es wohl tatsächlich ganz gut. Ich persönlich würde wohl auch noch Dystopia und Bands wie Discharge und Wolfpack mit ins Spiel bringen, um die Sache richtig rund zu machen.
Ihr aktuelles Demo „Dawn of the Fifth“, das man hier komplett herunterladen kann, ist jedenfalls gar nicht mal so schlecht. Mit einer räudig (und teilweise auch noch etwas holprig) inszenierten Mixtur fließen Punk, Old School Black Metal, die gelegentliche Groovepassage mit Tom Warrior Gedächtnis-Bratriff und der primär Doom-lastige Song zusammen, ballern zwar auch schon mal etwas einfältig am Ziel vorbei ('Frostmaster'), sind oft tatsächlich nah an Darkthrone („The Cult Is Alive“), würden aber genauso gut auf ein Billing mit Kylesa und Akimbo passen.
Makel könnte man an „Dawn of the 4th“ zwar ein paar finden (gelegentlich danebenpolternde Drums, 1-2 zu abgelutschte Riffs), WOLVHAMMER funktionieren als primitiv-böse Dampfwalze mit ihrer nicht mal wirklich originellen, aber doch irgendwie eigensinnigen „Blackened D-Beat-Sludgecore“ -Marschroute allerdings wirklich ganz gut. Und da sie noch am Anfang stehen, könnte ich mir vorstellen, dass da echt noch mal was geht. Im US-Underground scheint man die Kapelle jedenfalls schon als kommendes Ding rumzuflüstern.
Ob das etwas naive, mitunter schon aneckende Image-Potpourie aus „Working Class“-Slogan und nordmännischer Evil-Ästhetik dabei auf Dauer gut geht, wird man allerdings auch noch sehen müssen ...
Wer Underground-Lärm mit rauem Keller-Charme, die punkige Darkthrone-Phase, oder neben Bands wie Gallhammer z.B. auch EyeHateGod oder Superjoint Ritual mag, und von der inflationären Präsenz von Bands, die man irgendwie in die Schublade eines aktuellen Sludgecore-/USBM-Hypes stecken will noch nicht abgeturnt ist, sollte hier mal ein Ohr riskieren, um nachher sagen zu können, sie zuerst gekannt zu haben.