Donnerstag, 29. April 2010

Abgefrühstückt - Aktuelle Scheiben

Anstatt zu jeder einen autobiografischen Roman zu schreiben, arbeite ich die potenziell interessanten Scheiben dieser Tage ausnahmsweise mal so gerafft wie mir möglich ab:

65DAYSOFSTATIC - We Were Exploding Anyway
Aphexpusher-artige Elemente wie Drumcomputer-Loops, Piano-Einsätze und Konservensounds waren zwar zuvor schon Bestandteile der sonst eher Rock-orientieren Instrumentalmusik von 65dos gewesen, auf dem neuen Album tritt 90er-lastige Elektronik mit Boller-Beats und Piep-Synthies allerdings dominant in den Vordergrund, um für Postrock-Gitarren und angezerrte Bassläufe nur noch einen unscheinbaren Platz in der Mitte zu lassen. Damit klingen sie oft eher nach The Crystal Method oder The Prodigy als nach ihrem früheren selbst, über weite Strecken funktioniert diese Metamorphose allerdings überraschend gut, auch wenn es da in der Umsetzung bei genauerem Hinhören noch so ein paar Mängel gibt. Durchwachsene Angelegenheit, aber mit eindeutiger Tendenz nach oben. Bei einer Nummer macht übrigens The Cure-Heulboje Robert Smith mit.

AND SO I WATCH YOU FROM AFAR – s/t
Eigentlich schon ein Jahr alt, wurde das selbstbetitelte Langspieldebüt von den Briten mit dem sperrigen Namen, von denen es außerdem bereits einige EPs gibt, erst jetzt offiziell auf den hiesigen Markt geknallt. Instrumentalmusik, die hundertste – aber wenn es hier beim Opener 'Set Guitars to Kill' heißt, ist das ehrlich und wörtlich gemeint. Von ruhigem Postrock-Geschwebe bis zu verspielt rausgepfeffertem Mathmetal-Krach reicht die Musik dieser, dabei auch immer wieder mal richtig weit aufdrehenden Truppe, die damit in einer langsam aber sicher inflationär bevölkerten Spartenmusik-Ecke noch so gerade ein bisschen eigenes Territorium ergattern konnte. Macht durchaus Laune!

JUCIFER – Throned in Blood
Das Female-fronted Power-Duo JUCIFER veröffentlicht ihr neues Album „Throned in Blood“ über ein eigenes Label, beim Raushauen helfen Alternative Tentacles (Vinyl-Version) und Relapse Records (Silikon und digital). Warum bisher nur die Schallplatte im globalen Vertriebsnetz gelandet ist, und man die CD momentan anscheinend nur direkt beim Relapse Mailorder bekommt, ist mir im Übrigen ein riesiges Rätsel – aber schon beim letzten Relapse-Release (Rotten Sound’s „Napalm“ EP) lag diesbezüglich irgendwas im argen.
Musikalisch haben die beiden Dauertourer jedenfalls den Multi-Freistil-Alternative der letzten Alben (mit mitunter abenteuerlichen Song-Anzahlen) mal sein lassen, um sich auch auf Konserve so zu präsentieren, wie man sie live primär erlebt. Das bedeutet: Abgesehen von der süßen Banjo-Ballade am Ende bekommt man hier nur fiesesten Sludgecore-Lärm um die Ohren gehauen, zu dem Fräulein Valentine inbrünstigst keift und röhrt. Und hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen – was für den einen eine herrlich naturbelassene Momentaufnahme eines ungewöhnlichen Krachmacherpärchens sein könnte, klingt für den anderen vermutlich nur noch wie eine ohrenfeindliche, völlig untight dahergerumpelte und unprofessionell eingefangene Proberaumaufnahme, der es beim Songmaterial dann auch noch an jeglichem kompositorischen Geschick mangelt. Hat jedenfalls was von EyeHateGod … und ist ehrlich gesagt sogar mir trotz aller Sympathie für so eine spontane und schroffe Geschichte eine Spur zu billig.

Mittwoch, 28. April 2010

Rausgekramt – Jahrtausendwenden-Klassiker

Endlich mal wieder ein Post in der Kategorie „auch (immer) mal wieder rausgekramt“ - Klassiker des jungen Jahrtausends, die bei mir aktuell oder generell immer wieder mal rotieren, und die man teilweise nicht zuletzt auch aufgrund aktueller Strömungen in Alternative/Metal-Kreisen kennen sollte:

Breach – Venom (1999), Kollapse (2001)
Ein bisschen könnte ich mich ja in den A… beißen, BREACH erst mit ihrem letzten Werk „Kollapse“ kennengelernt und nie live gesehen zu haben. Man muss nämlich anerkennen, dass diese aus der Punk/HC-Szene stammenden Schweden als leicht exotische und ziemlich intensive Nischencombo neben US-Kollegen wie Botch ein bisschen vorwegnahmen, was heute mitunter angesagt ist. „Venom“ tönt mit seiner straight, wuchtig, kantig und noisy nach vorne marschierenden Lärmwand ein bisschen wie zielstrebige Unsane ohne Trägheitsmomente, der letzte Longplayer „Kollapse“ hatte dann allerdings stark experimentelle Züge. Anno 2001 waren so was wie interessant arrangierte, atmosphärische Instrumentalnummern und eigensinniger Brachialcore jedenfalls noch eher Ausnahmeerscheinungen für Spezialistenohren als irgendwie im Trend. Musiker von progressiven Krachmachern wie Converge oder Burst betonten wohl jüngst gerne mal die Großartigkeit dieser verblichenen Band, und das völlig zurecht.

Earthtone9 – arc’tan’gent (2000)
Mir ist eben aufgefallen, dass ich noch überhaupt gar nix über diese immer wieder mal in der Rotation landenden Band gebloggt habe, also wurde es einfach mal Zeit. Damals gerne auch mal als das next big thing der Stunde gehandelt und ins Vorprogramm von zugkräftigen Großkalibern wie Soulfly oder Fear Factory gesetzt, waren diese von 98-02 aktiven Briten eine willkommene Lichtgestalt in einer zu der Zeit von Nu Metal-Gehüpfe, Langweiler-Alternative und Big Beat-Hypeversuchen (und nicht zu vergessen Donzdorfs unsäglichem True Metal-Revivals) dominierten Szenerie. Auf ihren ersten beiden Alben kultivierten die Kritikerlieblinge einen Post-Hardcore -Sound zwischen hektischen Noise-/ Bratriff-Attacken und melodischen Momenten, ihr drittes Werk „arc’tan’gent“ zementierte einen eigenen Stil, zu dem der Presse mehr denn je primär Vergleiche mit Tool und Neurosis einfielen. Dabei nannte Gitarrist Owen Packard gerne mal eher Pink Floyd und The Police als große Einflüsse, was man meiner Meinung nach auch tatsächlich stark raushören kann. Zugegeben, nach heutigen Maßstäben sind die auch schon mal in zeitgeistigen Laut/Leise-Kram und Brüllstrophe-/ Singrefrain-core ausartenden, teilweise sehr konventionell strukturieren Kompositionen der Truppe nichts sonderlich avantgardistisches mehr, dennoch fand sie gerade auf „arc’tan’gent“ einen eigenen Sound atmosphärischem Alternatives mit aggressiven Ausbrüchen, der dabei über weite Strecken auch immer wieder Sphären streifte, die man inzwischen wohl unter „Postrock“ abstempeln würde.
Neben dem verpassten Sprung in die Vollprofi-Liga waren es nebenbei bemerkt wohl u.a. auch „kreative Differenzen“, die das Ende dieser, auf ihrer Abschieds-EP „Omega“ noch ein Stück mehr in „Progrock“ driftenden Band herbeiführten, aber es war schön, sie damals mal für einen Moment gehabt zu haben …

Nagelfar – Virus West (2001)
Nicht nur zur Zeit ihres Bestehens, sondern auch darüber hinaus gelten NAGELFAR in Fachkreisen nach wie vor als seine Ausnahmeerscheinung des deutschen Black Metals. Künstlerisch ambitioniert, intelligent, individuell und unpeinlich war ihr Image, anstatt von pseudo-ideologischer Dünnbrettbohrerei und einfallslosem Epigonen-Krächzgeschrote geprägt. Auf ihrem Debüt und einem folgenden Konzept-Album zeigten sich die von bremsenden Besetzungswechseln geplagten Aachener von epischen, melodischen und progressiv-experimentierfreudigen Seiten, das Abschlusswerk „Virus West“ wiederum sollte dann überraschenderweise ihr aggressivstes und gradlinigstes Album werden. Und, geht es nach mir, dadurch auch irgendwie ihr zwingendstes. Pagan-Anleihen und Experimente wurden hier jedenfalls zurückgeschraubt, stattdessen das Genre noch mal an der schwarzen Wurzel gefasst, um ein dessen weitgehend treues, dabei aber dennoch sehr eigen und kreativ eingefärbtes Werk einzuhämmern: Roh und räudig, trotzdem atmosphärisch und erhaben, dabei mit langen, abwechslungsreichen Songs, die immer noch recht eigenständig und einzigartig kommen.
Ein nach wie vor wertvolles Album, das gerade in Zeiten von Wolves In The Throne Room, Altar of Plagues und co. in wirklich jede Sammlung gleich neben die Essentials von Darkthrone und Enslaved gehört.

Und ich hätte da noch einen, auch wenn der eher aus dem Rahmen fällt:

Elektrokill – s/t (2001?)
Eigentlich wollte ich schon länger mal über diese Veröffentlichung schreiben, habe es aber irgendwie vor mir hergeschoben. Das liegt u.a. daran, dass der Protagonist dieses Projekts laut Aussage seines Archivars selbst nicht mehr so genau weiß, ob er ein selbstbetiteltes Album auf CDR veröffentlichte, bzw. es eigentlich (fast?) identisch mit einem Release namens „Bisci“ ist. Besagter Protagonist ist übrigens Christof Kather, der, wenn er nicht gerade für seine Hauptband Japanische Kampfhörspiele Songs arrangiert, verbreaktes Blastbeat-Schlagzeug spielt, inzwischen selbst von der Spex hervorgehobene, ungewöhnliche Texte schreibt oder Grafik designt, auch gerne mal an elektronischen Sounds schraubt. Mit dem ELEKTROKILL-Release, der eigenvertrieben kurz nach Jahrtausendwende erschien, gelang ihm dabei jedenfalls ein wirklich packendes Album. Kategorisierungen einzelner Tracks oder des Gesamtwerks zwischen Schubladen wie Drum’n’Bass, IDM, Big Beat, Ambient, Trip Hop etc. überlasse ich mal denen, die sich damit auszukennen glauben. Das Electronica-Gebräu von Kather nimmt einen jedenfalls mit auf eine kurzweilige Reise durch verschiedenste Klänge und Gangarten von technoid bis organisch-jazzig, von seltsam bis popig, von zurückgelehnt bis treibend, so dass man am Ende der Scheibe gerne mal sofort auf Repeat drückt. Sehr gelungene, eigenständige Elektromucke, die auch heute noch erstaunlicherweise weitgehend zeitlos und zwischen den Stühlen tönt.

Montag, 26. April 2010

Entdeckungen dank Roadburn

Auch dieses Jahr rieb mir das Roadburn Festival die Größe einiger bisher eher vernachlässigter Bands ganz schön rein. Die wären wie folgt:

YOB
Man muss wohl tatsächlich beim Event dabeigewesen sein, um meinen aktuell etwas übereuphorischen YOB-Fanatismus nachvollziehen zu können, aber das Trio aus Oregon war in Sachen monolithischer Heavyness und unverfrorener Bühnenpräsenz schlichtweg nicht zu überbieten. Nach diesem Erlebnis funktioniert das Ganze nämlich auch auf Konserve sehr gut, wo mir Gitarrist/Sänger Mike Scheidt ja eigentlich manchmal fast schon etwas zu sehr ins klassisch-sirenige driftet. Songs wie ‚Burning The Altar‘ oder ‚The Lie That Is Sin‘ vom aktuellen Album auf Profound Lore Records, oder ‚Quantum Mystic’ vom Vorgängerwerk, sind jedenfalls episch ausartende, unglaublich mitreißende, mächtige Doom-Monster mit eigener Note. Ich bin nach wie vor hin und weg.

NACHTMYSTIUM
Zugegeben: Ich habe mich (ähnlich wie bei Wolves in the Throne Room) erst mal irgendwie ein bisschen dagegen gewehrt. Man muss allerdings zugeben – so manch überschwängliches Review, das es zum in Kürze nicht mehr aktuellen Album „Assassins: Black Meddle, Part 1“ gab, ist gar nicht mal so ungerechtfertigt. Die Art und Weise wie sich hier Progressive/Psychedelic Rock-Tendenzen (der Pink Floyd-Einfluss wurde schließlich sogar im Untertitel gleich mitplakatiert), ein gewisser Rock'n'Roll-Vibe, dezente Industrial-Nuancen (und auch Voivod-eske Elemente sind partiell nicht von der Hand zu weisen) in einer ganz eigenen Herangehensweise an stark Black Metal-beeinflusste Musik vereinen, ist schon recht eigenständig. Und gut! Vor allem, weil sich regelrechte Hitsongs, böses Geschrote und Experimente kurzweilig die Waage halten. Ob „Assassins ...“ irgendwann tatsächlich mal als Klassiker oder doch eher Zeitgeisterscheinung gelten wird, das wird die Zukunft noch zeigen müssen, im hier und jetzt macht das Album aber tatsächlich, so paradox das für den einen oder anderen bei dieser Art Musik klingen mag, wirklich sehr viel Spaß.

JEX THOTH
Man könnte aufgrund des Devil's Blood-Hypes und der Thorr's Hammer-Reunion irgendwas von „Female fronted Occult Rock auf dem Vormarsch“ munkeln. Machen andere glaube ich sogar schon. Wusstet Ihr eigentlich, dass es Coven schon vor Black Sabbath gab? Anyway, ich schweife ab. Sängerin JEX THOTH jedenfalls bezaubert mit einer ziemlich tollen Stimme und sehr schönen Melodien, die eine gewisse Wärme ausstrahlen, auf dem Fundament sehr charmant 60ies/70ies-lastiger Doom-Rockmusik. Toll, wirklich! Da lässt sich selbst ein Retromuffel wie ich von anstecken.

Donnerstag, 22. April 2010

YOB!

Ganze Alben als Stream

... gibt es da gerade zwei sehr unterschiedliche von allgemeinem Interesse:
- die Indie-Rocker Minus the Bear
- die Black Metaller 1349 (produziert von Tom Warrior)

Mittwoch, 21. April 2010

Altar of Plagues - Tides

Das letztjährige Langspiel-Debüt von ALTAR OF PLAGUES, „White Tomb”, hatte auch mich sehr positiv überrascht. Die Iren sind ein perfektes Beispiel für gesprengte Grenzen und gebaute Brücken – waren sie schon genauso mit den Post-Metallern Isis, wie mit dem norwegischen Black Metal-Original Mayhem auf Tour. Und sind musikalisch tatsächlich zwischen diesen eh verwandten Welten angesiedelt, die seit einiger Zeit von Bands wie Sunn o))) unbestreitbar immer näher zusammengebracht wurden. Die Darkthrone’sche Schule des sog. 2nd Wave-Black Metals trifft auf experimentelle, atmosphärische, psychedelische Versatzstücke, die man als „Postrock, Ambient, Shoegaze etc.“ abheften möchte.

Episch sind sie geblieben - ihre aktuelle EP erreicht bei nur zwei Tracks eine Gesamtlaufzeit von 35 Minuten – ansonsten ist „Tides“ allerdings ein bisschen anders ausgefallen. Der Sound ist z.B. ein ganzes Stück rauer und kantiger als beim Vorgänger. War „White Tomb“ ein mächtiger und interessanter Monolith, so findet man auf „Tides“ zwei simple Rohdiamanten. Durch die Art und Weise, wie beide Songs in einem recht groben Klangbild über weite Strecken mit eher zähem Groove hypnotisch- repetitiv vor sich hinschleppen, ist man schnell mit abgelutschten Assoziationen a la Burzum oder auch Neurosis dabei, die beide nicht ganz falsch wären. Dabei zeigen AOP ein feines Händchen dafür, ihre Songs trotz aller massiven, kühlen Derbheit im richtigen Maße mit melodiöser Würze zu akzentuieren, womit sie an potenziell ermüdender Monotonie gekonnt verbeischippern.

So gut wie das Vorgängeralbum ist diese EP dabei ganz klar eher nicht. Was allerdings auch nicht heißen soll, dass „Tides“ unbedingt als schwach zu bewerten ist. Viel mehr beweisen ALTAR OF PLAGUES die Wurzeln ihrer musikalischen Ansätze richtig zu verstehen und tatsächlich in alle sinnvollen Richtungen ausloten zu können. So mag sich ihr aktueller Release im Direktvergleich zum etwas spannenderem, vielschichtiger und auch etwas glatter inszeniertem „White Tomb“ für den einen oder anderen vielleicht als etwas zu fieser Brocken herausstellen, aber es ist dafür eben auch keine schlichte Selbstkopie, sondern ein weiteres, gelungenes Experiment in den Genre-Grauzonen zwischen den Polen „brutal“ und „atmosphärisch“. Kann man so machen!

R.I.P. Pete Steel


Dienstag, 20. April 2010

Roadburn 2010

Lust auf lange Vorreden habe ich heute ausnahmsweise mal nicht. Das ROADBURN Festival im niederländischen Tilburg rief, und ich war wieder dabei. Der Vulkanausbruch auf Island sorgte dafür, dass es einige Bands, die man gerne gesehen hätte, nicht aufs mitteleuropäische Festland schafften (darunter SHRINEBUILDER, JESU, BLACK MATH HORSEMAN), und die Running Order dafür abenteuerlich umgestrickt werden musste. Aber das sollte der allgemeinen Special Event-Euphorie keinen Abbruch tun.

DONNERSTAG:

Kickstart mit KYLESA – besser geht's nicht! Zwar musste man dafür auf Russian Circles verzichten, aber man kann nicht alles haben. Dafür aber viel Platz vor der Hauptbühne, denn so richtig voll war das 013 zu dem Zeitpunkt noch nicht. Unnötig zu erwähnen, dass KYLESA wie immer tierisch gebockt haben. Ihr Stil zwischen crustigem Sludge-Geboller, treibender Doppelschlagzeug-Rhythmik und herrlichen Psychedelic-Einlagen ist ein Unikat, die Band selbst ist spürbar heiß, geht auf der großen Bühne ganz schön ab und zieht auch schon mal das Tempo heftig an - alle glücklich und zufrieden, selbst wenn es nicht unbedingt meine Traumsetlist war.

In die zeitversetzt daneben im „mittleren“ Green Room spielenden ANCESTORS schnupperte ich auch kurz rein. Keine schlechte Band, aber da bedarf es wohl noch etwas Beschäftigung mit ihren Konserven, bis ich sie möglicherweise mal würdigen könnte.

Danach schon die zweite etwas ärgerliche Überschneidung: Die norwegischen Extrem-Progger Shining spielen parallel zu JARBOE. Da geht die Ex-Swans-Sängerin mit ihrem derzeit bis in lärmigen Doom und „Art Metal“ vorstoßenden Kram dann ja doch irgendwie vor. Belohnt wurde man für diese Entscheidung u.a. dadurch, dass es sogar Material von ihrem Kooperationsalbum mit Neurosis zu hören gab, auch wenn sich ihre Backing Band daran spürbar ein bisschen die Zähne ausbaß. Besagte Mitmusiker entpuppten sich dieses mal eh so ein bisschen als spezielle Sache: Nicht immer so richtig tight, und die sehr schwermetallische Posingchoreographie von Basser und Gitarrist nervte ja doch so ein bisschen. JARBOE ist abgesehen davon aber auch einer dieser Acts, der auf faszinierende Art und Weise etwas anstrengend und abfordernd sein, dabei aber trotzdem auch ziemlich mitreißen kann. Und eben deshalb gucke ich mir das durchaus immer wieder gern an, auch wenn die Show-Inszenierung dieser sehr speziellen Alternative-Diva einen ja doch manchmal etwas die Augenbraue hochziehen lässt ...

Im Anschluss spielten auf der Hauptbühne YOB den ersten von zwei Auftritten. Bisher unter „eigentlich ganz geil, aber muss ich zu Hause glaube ich nicht wirklich öfter hören“ verortet muss ich doch zugeben, dass mich dieses Doom/Sludge-Trio mit seinem unglaublich wuchtigen Sound ganz schön weggeblasen hat. Nach dem Motto „die kann ich ja auch Samstag noch mal sehen“ wechselte ich zwischenzeitlich in die dieses Jahr zusätzlich aufgerissene Location „Midi Theater“ um den Block, wo EARTHLESS spielten, welche von Visions-Kollege Schwarzkamp im Vorfeld sehr angepriesen wurden. Ganz geil gerockt haben jene dort ohne Frage, direkt nach dem brennenden Inferno von YOB kam das dann aber doch eher wie ein Tischfeuerwerkchen, woraufhin ich also doch wieder ins 013 zurückging, um mir lieber weiter YOB zu geben. Weiteres zu besagter Band noch später ...

EYEHATEGOD! Die asozialen New Orleans Sludge-Metal-Originale um Gitarrist Jimmy Bower (u.a. auch Schlagzeuger von Down) mal zu erleben, das alleine hat schon schwer was für sich. Dass die teilweise auf der Bühne kettenrauchende Band mit skurriler bis sacklustiger Erscheinung dann auch noch rock'n'rollig mit Herz und Seele ein derartiges Fest an schmutziger, brutaler Musik lostritt, lässt keine Wünsche offen und einen mit unglaublich breitem Grinsen dazu abrocken. Auch wenn Bower selbst noch mehr Spaß zu haben schien, als alle anderen Anwesenden zusammen, wenn man den Knaller dabei mal so beobachtete. Natürlich lässt sich das hier vermutlich nicht mit früheren EHG-Gigs in kleinen, abgeranzten Läden vergleichen, aber Ehre wem Ehre gebührt und so - ich fands total geil.

ENSLAVED wiederum sind generell eine sehr eigenwillige Sache. Von norwegischen Ur-Black Metallern hat sich die Band inzwischen in eine schwer Progrock-lastige Variante des Viking Metal entwickelt. Und da kommt nicht wirklich jeder drauf klar. Ich selbst bin da ja auch auf Konserve schon zwischen verhaltenen und recht anerkennenden Reaktionen hin- und hergerissen. So ist es dann auch live – irgendwas zwischen ziemlich gut und irgendwie doch seltsam-anstrengend, passagenweise fast schon etwas fade. Immerhin: Dass hier mal eine tatsächliche „Metal“-Band auf die Roadburn-Bühne kommt, wo Typen in Lederhosen, oben ohne und Haaren bis zum Arsch breitbeinig posend die Fäuste in die Luft recken – alleine das war es irgendwie schon wieder wert.
Etwas tragikomisch entpuppte sich auch die groß angekündigte, visuelle Unterstützung durch „VJ Stalker“, dem das Laptop gleich zu Beginn des Gigs abrauchte (Dell-Logo beim Reboot in groß auf der Videowand). Irgendwann bekam er dann offensichtlich doch irgendwas hin, aber die Wolken-Animationen hatten mehr was von langweiligem Bildschirmschoner als von interessanter optischer Untermalung der Musik.

Was die Donnerstags auf der Hauptbühne abschließenden GOATSNAKE betrifft, so waren diese okay, aber auch nicht wirklich mehr. Der Gitarrensound konnte so ziemlich alles, der sehr klassische Doom der Band wollte mich aber nicht vollends begeistern. Zu meckern gibt es hier nichts, ich kann aber einfach auch prima ohne leben.

FREITAG:

Durch die Vulkan-bedingten Ausfälle verschob sich das Billing so, dass die zum dritten Jahr in Folge spielenden CHURCH OF MISERY auf der Hauptbühne eröffneten. Geile Sache, denn der schmutzig-brachiale Doom’n‘Roll der Japaner (mit Barfuß-Rampensau und unglaublich tief hängendem Bass) macht Laune und ist ein guter Start in einen insgesamt etwas mauen Tag.

ALTAR OF PLAGUES hatten (für mich) das Glück, sich aufgrund der Line Up-Umstellung nicht mit Triptykon zu überschneiden, also konnte ich mir komplett ansehen, wie sie ihr Album „White Tomb“ komplett spielen, welches für mich einer der besten Releases der letzten Zeit ist. Live merkte man den jungen Iren irgendwie an, dass es ihnen noch ein bisschen an Routine mangelt. An den Black-Metallischen Prügel-Einschübe haperte es nicht, sondern eher daran, dass der Drummer mit einer der verspielteren, Postrock-artigen Passagen schon mal etwas überfordert war und die viel zu langen „Drone-Pausen“ zwischen den Songs das Ganze etwas zäh machten, zumal man dabei andauernd Mitgliedern beim Instrument stimmen und Wasserflaschen öffnen zugucken musste, was in derartiger Häufigkeit dann der angestrebten Atmosphäre tatsächlich ein bisschen was nahm. Unterm Strich trotz Mängel aber doch eine kurzweilige Angelegenheit.

Gespannt war man auf die nur aus Frauen bestehenden Grunz-Doomer SHEVER, die musikalisch allerdings ein ziemlich belangloses Standardprogramm abspulten, das nicht mal unbedingt wirklich total schlecht, aber eben doch sehr, sehr beliebig und billig war. Schade.

Klar, irgendwie schnuppert man in den Auftritt von SARKE hauptsächlich rein, weil der hier mitwirkende Nocturno Culto aufgrund seiner Hauptband Darkthrone tatsächlich einen gewissen Kultstatus besitzt. Ein guter Fronter ist der Norweger allerdings nicht. So blieb es hier bei eher langweiligem Standard-Metal aus der Celtic Frost-Schablone mit durch die Bank strunzlangweiliger Bühnen-Performance. Einen Song musste der gute Nocturno dabei dann sogar vom Textblatt ablesen. Mit so einer Reputation sollte man sich auf so einem Event meiner Meinung nach jedenfalls nicht mit einer derartigen Lokalband-Darbietung bloßstellen.

TRIPTYKON! Fuck yes! Es war vorher klar, dass der Set von Tom Warrior und seinen neuen Mitstreitern, mit dem wie immer unglaublich geilem Sound auf der 013-Hauptbühne nur ein Fest sondergleichen werden konnte. Und das war es dann auch. Die Setlist war eigentlich die gleiche wie zwei Tage zuvor in der Essener Zeche Carl, aber Sound und Videowand-Unterstützung heben diesen Auftritt dagegen noch mal ein paar Dimensionen nach oben. Zwischen dem Opener 'Geotica' und dem Rausschmeißer 'The Prolonging', zwei Marahon-Nummern von Triptykon-Album „Eparistera Daimones“ wurden vor allem auch viele Songs der ersten drei Celtic Frost-Scheiben wie 'Babylon Fell', 'Circle of the Tyrants', 'Procreation (of the Wicked)', 'The Ursuper' oder 'Dethroned Emperor' gespielt. Letzterer übrigens von Gastsänger Nocturno Culto intoniert – mal wieder mit Textblatt, oh man. Abgesehen davon aber eine sehr, sehr geile Angelegenheit! Uh! \n/

Kurz davor laberte mich übrigens nach Klärung der Nationalitäten ein amerikanischer Herr mittleren Alters damit voll, dass Sodom, Kreator, Destruction und Tankard seine Lieblingsbands sind. Man hat es schon manchmal nicht leicht als Kraut ...

Absolute Gurkentruppe des Festivals: DARKSPACE. Selten so was lächerliches gesehen. Drumcomputer, skurrile Corpsepaint-Outfits, Discokugel und grottenschlechter Sound, der wohl etwas zwischen Ambient/Shoegaze und Black Metal darstellen sollte. Meine Fresse, war das schlecht.
TRINACRIA wollten mir mit ihrem Extrem-Metal-Geballer samt Elektronikunterstützung ebenfalls nicht so richtig reingehen, aber keine Ahnung, wie die auf Konserve so rüberkommen mögen ...

SAMSTAG:

Als Eröffnung ein zweiter Green Room-Set von ALTAR OF PLAGUES, dieses mal nur zur Hälfte mit Songmaterial von „White Tomb“. Solide. Verpasst habe ich deswegen leider die kurzfristig dann doch zeitgleichen Thor's Hammer, aber auch das ist Roadburn.

Schwarzmetallisch angehaucht ging es später auf der Hauptbühne mit NACHTMYSTIUM weiter, die trotz Aushilfe an der Solo-Gitarre so ziemlich alles weggerockt haben. Atmosphärisch, ein bisschen progressiv, trotzdem irgendwie rock'n'rollig und straight in die Fresse - so geht aus dem Stehgreif mitreißende Musik zwischen den Stühlen, die auf einem aus der Doom/Stoner-Ecke gewachsenem Festival keinesfalls deplatziert ist, auch wenn die Truppe nicht gerade großen Andrang verursachte. Sehr gut!

Die schwedischen HORISONT machen mit ihrem sehr retrolastigem Stonerrock'n'Roll-Kram, der auch ziemliche NWOBHM-Zitate auffährt zwar nix, was ich zu Hause auflegen müsste, (zugegeben) angetrunken konnte man das für den keinen Partyspaß zwischendurch aber gut mitnehmen. Außerdem: Geile Cowbell-Skills!

Bonus-Schauplatz Midi Theater. YOB. Zum zweiten mal. Während Garcia auf der 013-Hauptbühne Kyuss-Songs singt. Scheißegal, denn YOB sind die absolute Macht!! Die absoluten Gewinner des Wochenendes. Laut, heavy as fuck, vom hörbar klassischem Doom genau so beeinflusst wie in die zeitgenössische Sludge-Ecke passend; ein ziemlich schräger Vogel mit herrlicher „dezent irre, aber ganz klar der Chef im Ring“-Präsenz als Sänger/Gitarrist; Songs zwischen 15 und 20 Minuten, die keine Sekunde öde werden, und ein monolithisches Naturereignis, bei dem der Mund offensteht. Waaaaahnsinnsband! Direkt im Anschluss an den Gig wurde ihr Merchstand von einer gierigen Horde restlos leergeräumt und das völlig zurecht. Auch ich kaufte mir ein Shirt, obwohl ich das Motiv eher bekackt fand, weil kein Weg dran vorbeiführte die Begeisterung für diese schier unglaubliche Truppe nach außen tragen zu können. Bitte, bitte, bitte kommt mal wieder nach Europa, YOB! Am besten möglichst bald!

Chillig vom Sitzbalkon des Midi Theaters konnte man sich dann auch noch gut JEX THOTH geben. So der Name der Sängerin mit der tollen Stimme und den sehr warmen Melodien, deren Band so was wie Retro-Doom Rock samt Orgel macht. Schön, wirklich. Obwohl ich normalerweise nicht gerade auf retrolastiges stehe, und die Begleitband auch ein kleines bisschen wie ein Trupp alternder Lokalhelden rüberkam, funktioniert das im Gesamtpaket ziemlich gut und die Songs klingen mit ihren mitunter sehr positiven Vibes einfach toll – eine willkommene Abwechslung zum ganzen Brachialkrach, gebe ich mir sogar auf Konserve gelegentlich ganz gerne.

Den Abschluss bot das gemeinsame „Armageddon Concerto“ von SHINING und ENSLAVED. Zwei Bands auf einer Bühne, im Teamplay wird dem Zuschauer ein (über?)ambitionierter, eklektischer, progressiv-jazziger Stil-Mischmasch aus Metal-Versatzstücken und Avantgarde-Lärm mit Saxophon-Einlagen und Konserven-Zutaten um die Ohren gehauen, der zugegeben schon etwas anstrengte. Vor allem in leicht desolatem Zustand nach „drei Tage am Stück nichts anderes machen als Bands gucken“. Hier bin ich extrem unentschlossen, wie ich das Grand Finale des Events so bewerten soll …

Fazit: Natürlich – wie immer – ein großartiges Konzertwochenende, das viel zu schnell vorüber war.

Gossip:
• Weder Metal Hammer-Black Metal-Experte Gunnar, noch sein Ex-Chefredakteur „Zacke“ waschen sich nach dem Pullern die Hände. Schämt Euch, Ihr Dreckspatzen!
• Die „Orange Goblin Metal Disco“ gehört fest zum Roadburn. Am Donnerstag (wie Samstag) stieg sie dieses mal im „Midi Theater“ anstatt im 013-Vorraum. Mr. DJ Orange Goblin himself war davon selbst so überrascht, dass man ihm - als er schon völlig besoffen mit seinen Tonträgerkisten vorm 013 ankommend verwundert darüber war, nicht so richtig willkommen zu sein – das mit einigen Anlaufschwierigkeiten erst mal klarmachen musste.
• „She blows him for Token.“

The Exile Trust

Exile on Mainstream-Macher Andreas "Kanzler" Kohl ist vom Pech verfolgt - alles weitere spricht auf dieser Seite für sich selbst.

Dienstag, 13. April 2010

Black Math Horseman - Wyllt

Im schnelllebigen Informationszeitalter scheint ein Jahr auf dem Papier wie eine lange Zeit. Fast so viel hat das Album „Wyllt“ von BLACK MATH HORSEMAN nämlich schon auf dem Buckel. Da die Monate an einem alten Sack wie mir inzwischen aber eh wie ein ICE vorberauschen, und die Band ferner jetzt gerade auch live unterwegs ist, sei natürlich dennoch bzw. erst recht drauf hingewiesen:
„Wyllt“ ragt aus dem aktuell recht überfluteten Wust aller Bands, die irgendwie was „doomiges“ und/oder „psychedelisches“ machen, angenehm heraus. Buchstäblich. Denn die Art und Weise, wie BLACK MATH HORSEMAN schwer greifbar in der Ferne über allem zu schweben scheinen, erinnert mich vor allem ein bisschen an die aufgelösten Postrocker Ostinato (bzw. primär deren Album „Left too far behind“), driftet aber noch einen ganzen Schritt weiter ins regelrecht körperlose. Vergleiche ihres Sounds mit Isis kommen nicht von ungefähr, tun der Band aber eher schwer Unrecht. Was Mitglieder von Mother Tongue hier mit Hilfe einer weiblichen Stimme ans nächtliche Firmament gemalt haben, erhallt aus einer ganz eigenen, parallelweltlichen Sphäre, in der die eh dünnen Schichten zwischen klassischem Psychedelic- und zeitgemäßem Post-Rock, düsterem Doom und spacig-unwirklichem Ambient, verdrogter Retro-Einflüsse und zukunftsträchtiger Originalität auf faszinierende Art und Weise verschwimmen.
Ein Album mit herausfordernder Magie!

Donnerstag, 8. April 2010

Ludicra - The Tenant

Die seit der Jahrtausendwende oder so aktiven LUDICRA haben ja, zählt man mal wirklich alles zusammen, durchaus einen gewissen Exotenbonus. Musikalisch macht die Band so etwas wie Black Metal, verzichtet dabei aber gänzlich, wie es im sog. „USBM“ ja zugegeben sowieso gerade angesagt ist, auf typische Image-Klischees und Plakatslogan-Ideologien dieses Genres. Mit einer Shouterin und einer Gitarristin haben sie gleich zwei Frauen im Line Up. Ihre letzten beiden Longplayer erschienen über Altpunk Jello Biafra’s Label Alternative Tentacles. Wie gesagt – nimmt man das alles mal zusammen, hat man hier im kleinen schon so einen gewissen, sympathischen Pionierbonus.

Dafür, dass Black Metal im Moment selbst in Indierock- und Avantgardeversteher-Kreisen ein geflügeltes Wort ist, und dessen Szene-Randerscheinungen wie LUDICRA da neben anderen Kollegen (Wolves In The Throne Room, Nachtmystium, Cobalt, Krallice, Altar Of Plagues, Liturgy …) auch ferner perfekt in den aktuellen Hype um irgendwelche Sludge-/Stoner-/Post-/DIY-Metal-Kapellen passen, dafür können sie nichts. Dass in nächster Zeit vielleicht sogar mehr Wind um sie gemacht werden könnte, als man persönlich ihnen zugestehen möchte, auch davon gehe ich ein bisschen aus.

Ihr aktuelles Album „The Tenant“ erschien nun gerade, passend wie die Faust aufs Auge, über das kanadische Label Profound Lore - Entdecker neuer Perlen, die in Teilen der Fachpresse wie Atombomben einschlagen, und ebenfalls Heimatstädte und Vertriebspartner so mancher Combo, die unter Liebhabern besonderer Underground-Krachmacher schon ewig einen Ausnahmestatus besitzt, und so nun neue Würdigung findet.

Was mir zunächst auffällt ist, dass ich LUDICRA von ihrem AT-Kram doch eine ganze Ecke crustiger und räudiger in Erinnerung hatte. Kann aber u.U. auch nur an der sporadischen Art bisheriger Höreindrücke liegen. Auf „The Tenant“ zeigen sie sich auf jeden Fall von einer so vielschichtigen Seite, dass ich müde werde, alles aufzuzählen. Während einige Songs z.B. eher langsam bis in Pink Floyd’sche Prog/Psychedelic Rock-Regionen driften, haben andere Midtemporiffer-Passagen auch schon mal dezent was von Voivod. Die Blastbeat-Einschübe der guten, alten Darkthrone-Schule bleiben dabei natürlich nicht ganz auf der Strecke. Gekeift wird genau so gesungen.

Super an LUDICRA und diesem Album sind: 1.) der sehr ungekünstelte Sound, der mir gut gefällt und 2.) der Facettenreichtum, den ihre ungenierte Experimentierfreude mit sich bringt.
Dafür schon alleine ein Anstandsapplaus. In der Durchführung trifft allerdings nicht immer alles ins Schwarze. Das epische „The Undercaste“ z.B. müffelt ein bisschen nach Gothic Metal, manchmal driftet die Band ferner auch schon mal ein Eckchen zu weit ins Feld (in den Gitarrenharmonieen leicht kitschigen) Prog-Metals und in etwas zu schnarchige, rockige Gangarten.

Summa summarum eine sympathische, gut hörbare Angelegenheit, aber eben da liegt auch das Problem: "The Tenant“ fehlt es an Ecken und Kanten. Etwas, das andere in Prog-/Postrock-Gefilde mit vorstoßende Black Metaller, von norwegischen Originalen (Enslaved) bis jungen Szene-Senastionen (Altar of Plagues, meinetwegen auch Nachtmystium) allerdings haben.
Solide Scheibe zwar, den definitiven Sprung in die Oberliga haben die Damen und Herren hiermit für mich allerdings leider erstmal klar verfehlt.

Mittwoch, 7. April 2010

Celeste für lau

Das sollte einem doch mal ein Hinweis wert sein: Gleich drei Alben der Wuchtigcore-Franzosen CELESTE kann man sich hier hei Denovali legal, kostenlos und komplett zum Reinschnuppern herunterladen.

Dienstag, 6. April 2010

Rotten Sound - Napalm EP

Seit eh und je sind ROTTEN SOUND eine sympathische Band, über die man, um eigentlich bereits alles gesagt zu haben, tatsächlich nicht wirklich viel mehr zu sagen hat als „total krass hyperschneller Grindcore, so wie Nasum“. Gerade das 2002er Album „Murderworks“ gilt als kleines Genre-Referenzwerk, die beiden Alben (und eine EP) danach ebenfalls gemeinhin als solide Beispiele zeitgenössischem Brutalo-Geschredders mit Bleifuß. Mit „Napalm“ hauen die extremmusikalischen Finnen eine EP raus, die erst drei Eigenkompositionen aufs ICE-Gleis schießt, und als B-Seite gleich drei Coversongs der Godfathers of Grind nachlegt, natürlich Napalm Death. Bemerkenswert ist an der Sache, dass 1.) auch das Artwork der EP stark an ND angelehnt wurde, und 2.) die Coversongs im hier wohl absichtlich etwas dreckiger inszeniertem, fiesen Rotten Sound, äh, -Sound tatsächlich ganz schön kräftig kommen.
Über Sinn, Unsinn, Unnötigkeit einer Veröffentlichung wie dieser, genau so über stilistische Stagnation oder ermüdende musikalische Gleichförmigkeit der Band könnte man durchaus diskutieren, danach steht mir hier allerdings nicht der Sinn, denn gerade das hier ist eh ein klares Liebhaberstück für Genrefanatiker. Seit Ableben ihres einstigem Produzenten, Nasum-Mainman Mieszko Talarczyk, gelten ROTTEN SOUND als die Adresse Nr.1 für straightes, massives Grindgeballer skandinavischer Prägung, und in genau diesem Feld sind und bleiben sie die absolute Macht.

Warum man das Teil über einige Vertriebswege offensichtlich schlechter oder gar nicht bekommt, ist mir im Übrigen ein Rätsel. Neben der zugehörigen Bonus-DVD mit Live-Mitschnitt bietet der Relapse Mailorder aber nebenbei bemerkt auch noch ein Package samt Shirt an.

Jucifer Teaser!

Einen Song als mp3-Download zum in Kürze kommenden neuen JUCIFER-Album "Throned in Blood", sowie einen neuen Videoclip zu einem vom Vorgängerwerk gibt es gerade hier bei Stereogum. Freude.

Jack Slater - Extinction Aftermath

Kurz und bündiges Review: Die Rheinland-Deather JACK SLATER veröffentlichten Ende Februar ihr aktuelles Album über das Label Unundeux der befreundeten Japanischen Kampfhörspiele. Eine Kombination, die irgendwie Sinn macht. Denn auch Jack Slater machen extreme Grunzmusik mit technischer Finesse, (teilweise) deutschen Texten und durchaus auch einer Portion (Selbst-)Humor. Wobei ihr früher doch sehr Spaß-betontes Image inzwischen zugunsten von etwas mehr „Seriösität“ gewichen ist. Anders gelagert als der bei jedem Release etwas anders ausfallende Grind-Punk-Metal der JaKas ist die Musik (und auch die lyrische Seite) der Slaters aber schon. Ihre progigen Anleihen erinnern an Kollegen wie Necrophagist, und die von Groove über Frickel-Einlagen bis Grind reichende Stilmixtur kommt abwechslungsreich, dabei aber doch straight und eingängig auf dem Punkt. Damit haben JACK SLATER eine eigene Note, ohne irgendwas tatsächlich sonderlich auffällig aus dem Rahmen fallendes zu machen, 08/15-Death'n'Grind ist das hier aber eben auch nicht gerade. Am besten gefällt mir übrigens witzigerweise das Instrumental '4 8 15 16 23 42', aber ich habe es nun mal seit eh und je generell sehr mit Instrumentals.
Unterm Strich kriegt man hier nicht mehr und nicht weniger als eine durchweg solide Scheibe für den Blastbeat zwischendurch – kein weltbewegender Meilenstein, aber doch eine sehr gute, international konkurrenzfähige Knüppelplatte, die Genrefreunden hiermit ans Herz gelegt sei.

Vika!

"Vika" alias Viktoriya Yermolyeva ist eine ukrainische Pianistin, die gewünschte Songs auf ihrem Keyboard spielt, das Ganze filmt und bei Youtube hochläd. Standards wie Slayer oder Metallica sind natürlich alles andere als ein Problem, das Opeth-Epos „Deliverance“ wird auch mal eben aus den Ärmel geschüttelt und sogar Grindcore-Hymnen wie Carcass‘ „Corporal Jigsore Quandary“ hämmert die Gute gerne mal in die Tasten. Ich muss gestehen - ich bin gerad‘ ein bisschen verliebt:





Freitag, 2. April 2010

Steve von Till, Dechenhöhle

Man ist „in der Region“ als NEUROSIS-Fan ja doch ganz schön verwöhnt worden, in letzter Zeit. Mit Scott Kelly eröffnete einer ihrer beiden Gitarristen und Sänger die diesjährige Konzertsaison mit einem (zweiten) Auftritt in einer Dortmunder Kirche, der andere, beim Namen genannt STEVE VON TILL, läutete das zweite Quartal in einer von dort nicht weit entfernten Sauerländer Tropfsteinhöhle ein. Schon wieder besondere Musik aus dem Neurosis-Lager in besonderem Ambiente, wie gut kann man es eigentlich haben?

Als Vorprogramm wagte sich der belgische Sludgecore/Post-Metal-Nachwuchs AMENRA an einen Akustik-Set. Oder einen halben, denn nur bei den ersten beiden Songs spielten die beiden Klampfer Akustikgitarren, gingen später aber zu abgedämpft-cleanen E-Äxten über. Der Schlagzeuger spielte mit Jazzbesen und der Sänger sang und sprach mit viel Hall, anstatt zu schreien; ambientische Konservenunterstützung gab es auch beim letzten Song.
Die Transportation vom wuchtig schleppenden Brachial-Doomgegroove auf so was wie Lagerfeuer-Postrock funktionierte auf jeden Fall erstaunlich gut. Der so dargebotene Quasi-Akustikmetal hatte sogar fast schon Anleihen von Radiohead und Sigur Rós, erinnerte über die „sphärisch“ inszenierten Vocals auf der rhythmischen Grundlage außerdem irgendwie so ein bisschen an späte Earthtone9. Kann man so machen, war wirklich nicht schlecht!

In einer hektischen Umbaupause positionierte und verkabelte der Hauptprotagonist des Abends dann erst mal einen ganzen Berg an Effektgeräten. STEVE VON TILL – das ist „ein Mann und seine Gitarre“ der etwas anderen Art. Bei seinen Solo-Konzerten kombiniert er die Folksongs seiner drei bisherigen Solo-Alben mit dem experimentellen Drone/Ambient/etc.-Kram, den er unter dem Pseudonyum HARVESTMAN veröffentlicht. Von den beiden Harvestman-Scheiben bekannte Versatzstücke werden live in variierten Fassungen improvisiert, er tritt viel auf seinen Effektgeräten rum und reckt die Gitarre in alle Richtungen, während interessante Klangcollagen, dissonanter Lärm und sogar schöne Melodien in der Höhle am ganzen Körper spürbar nachhallen. Dazwischen immer mal wieder ein ruhiges Lied mit cleaner Gitarre am Mikroständer.
Unnötig zu erwähnen, dass diese ungewöhnlich in einen Rahmen gebrachte Kombination verschiedener Musikstile gerade in der Atmosphäre einer Tropfsteinhöhle perfekt kommt. Technische Probleme am Anfang und einige andere Querelen (vor der Bühne dauerfotografierende Leute) schmälerten die Begeisterung minimal. Auch muss man sagen, dass die Übergänge zwischen instrumentalen Experimenten und ruhigen Akustiksongs manchmal entweder sehr abrupt oder auch mal ein bisschen zäh kamen. Was allerdings aufgrund von 1.) Fanboy-Bonus und 2.) „Special Event“-Faktor hier zugegeben nicht so richtig stark ins Gewicht fiel.
Sehr schöner Konzertabend!

P.S.: Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland. ROOSTERS!

Alben der Woche?

Der Woche? Nach weiterer ausgiebiger Dauerrotation der in der gleichen Woche erschienenen Werke von TRICLOPS! und TRYPTICON, bin ich inzwischen schon so weit „des Jahres!!“ zu sagen. Wüsste gerade jedenfalls nicht, was da außer Killing Joke noch großartig mit Überrundungspotenzial kommen sollte.